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Die Vorteile von Aluminium und Karbon sind schneller gef체hlt als erz채hlt. Der neue Audi R8 Spyder mit Audi Space Frame-Technologie.


BIANCO Sommer 2010

EDITORIAL

SLOW DOWN. HURRY UP. Liebe Bergbewohner, liebe Zeitreisende im Alpenraum Dass Sie die erste Sommerausgabe von BIANCO in den Händen halten, gibt den touristischen Prognostikern irgendwie Recht: denn diese erklären den Bergsommer zum neuen Trend. Wenn Sie zur Gruppe der naturliebenden 40plus gehören, können Sie darüber nur schmunzeln. Sie haben die Vorzüge der Alpen im Hochsommer schon längst erkannt und für sich in Anspruch genommen. Wo gibt es sonst ein angenehmeres Klima als hier oben? Sind Sie etwas jünger, so zwischen 25 und 40, und aus dem urbanen Raum, gehören Sie vielleicht zu jenen, welche die Berge neu für sich entdecken. Dann sind Sie, laut prominenten Zukunftsforschern, Trendsetter. Der Stadtmensch (und davon gibt es immer mehr) sucht verstärkt nach Entschleunigung, nach Authentizität, nach dem echten Leben. Er findet es in den Bergen. Auf der Alp bei der Kuhhirtin. Auf der ausgedehnten Bergwanderung. In der Arvenstube des Spezialitätenkochs. Oder schlicht angesichts der majestätischen Schönheit der Berge. Andere suchen nach dem radikalen Kick. Und finden auch diesen in den Bergen. Auf der DownhillStrecke. In der Werkstatt des Töff-Veredlers. Beim Tauchgang in der Verzasca. Oder beim Verzehr eines gereiften Ziegenzigers. Zwischen diesen Extremen gibt es unzählige alpine Perlen zu entdecken. Einige davon haben wir auch dieses Mal für Sie aufbereitet. Wir wünschen Ihnen viel Lesespass auf dieser montanen Entdeckungsreise.

COVER Gustav Willeit Stimmung in den Dolomiten, Alta Badia siehe auch Bericht Seite 48

Philipp Bitzer und Dario Cantoni BIANCO Chefredaktion

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Sommer 2010


content

BIANCO SOMMER 2010

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Content Sommer 2010 MAGAZINE 006 sensor Sommer 2010 Mascarpin

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CUISINE

Der Urziger vom Silsersee

024 LIVING Genial geschichtet Stampfbetonhaus zwischen Tradition und Moderne 028

REPORT

Vom Leben auf der Alp

Alp Loch

036

TREND

Vom Wanderglück

040

LIVING

Fincube

Neues Wohnen für Clever & Smart

046

ART

048

REPORT

Kunstraum Hotel Auf den Gipfeln des Genusses

054 PORTRAIT Radical Custom

004

Sommer 2010

Hinter den sieben Bergen

060

PORTRAIT

Alpengeschichten von Urs Augstburger

064

REPORT

068

PORTRAIT

Philippe Bestenheider

Das Berggedächtnis

US-Bomber über Graubünden Designstar

078


009

098

072

090

054 102

072 LIVING 12m 2 Glückseligkeit

078 086

Mit Ausblick auf das Matterhorn

Haute Couture

FASHION

In der Höhe gut aussehen PORTRAIT

Mut zur Qualität

Moderne Tracht für Hotelportiers

090 REPORT Mineralwassertauchen in der Verzasca 094 REPORT Vibram

Auf leisen Sohlen zum Erfolg

098

SPORTS

North Shore Biken unter dem Flimser Stein

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HISTORY

Auf historischen Spuren

Killer biking 100 Jahre Bernina

124 contributors Sommer 2010 Der Lebensbaum

127

BIANCO E NERO

Comix von Andrea Caprez und Christoph Schuler

128

kolumne

Das letzte Wort von Stefan Bühler

GUIDE 108

Hotels & Spa, Restaurants, Bars

120

Agenda Sommer 2010

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Sommer 2010


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SOMMER 2010

Sensor Sommer 2010 TREND

wanderlust Wandern liegt im Trend, sorgt für Entschleunigung und reale Erlebnisse in einer zunehmend digitalisierten Welt. Dies würdigt Schweiz Tourismus 2010 mit dem «Jahr des Wanderns» und einer ganzen Palette attraktiver Angebote. Mit dem weltweit einzigartigen Netz von 60’000 markierten Wanderwegkilometern liegen dem modernen Hiker in der Schweiz alle Schönheiten der Alpenwelt zu Füssen. Ausgewählt wurden 32 besondere Wanderungen für jeden Geschmack und jedes Niveau. Diese sind auf der Website MySwitzerland.com/wandern sowie als Gratis-App auf dem iPhone mit allen möglichen Informationen drumherum abrufbar. (dc) www.MySwitzerland.com/wandern

s p ort s

Laufen wie auf

Wolken

Der Laufschuh ON der gleichnamigen jungen Schweizer Sports Company wurde an der ISPO München mit dem begehrten Brand New Award 2010 ausgezeichnet. Weil er

MOBILITY

STROMER Will man bergauf mit dem Velo nicht ins Schwitzen geraten, ist so ein Elektrobike schon eine tolle Sache. Dass sich effiziente Mobilität, Umweltbewusstsein, Design und Lifestyle nicht

der erste Schuh mit einer dreidimensionalen Dämpfung ist

ausschliessen, beweist der geniale Velobauer Thomas Binggeli

und nicht nur die vertikalen, sondern auch die horizontalen

mit seinem STROMER. Das neue E-Bike ist nicht nur total sexy,

Schläge absorbiert, die beim Laufen entstehen. So wird die

es ist ein effizientes, voll integriertes Elektrovelo: schnell, elegant

Belastung von Muskulatur und Gelenken um bis 30 Prozent

und vollständig auf alltägliche Anforderungen ausgerichtet.

reduziert. Obwohl ein Hitech-Produkt für Spitzenathleten

Es ist ein intelligentes, nachhaltiges, fast asketisch anmutendes

(unter den Entwicklern figuriert der Triathlet Oliver Bernhard), profitieren auch Hobbyläufer von der innovativen Technik. (pb)

High-End-Fahrzeug für die Low-End-Mobilität von morgen. Der Stromer ist modular aufgebaut und kann so auf die eigenen Bedürfnisse optimiert werden. Verglichen mit den Kosten pro Kilometer, die andere Verkehrsmittel verursachen,

www.on-running.com

ist es schlicht unschlagbar. (dc) www.thoemus.ch

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c u lin a ry

gazosa!!! Gazosa – das schmeckt nach Süden, nach Ferien und Dolce Vita. Das bunte Sprudelwasser hat in den Grotti südlich der Alpen eine lange Tradition. Seit kurzem erlebt das Getränk in der retroversen Bügelflasche eine Renaissance und ist in den In-Bars der urbanen Schweiz äusserst beliebt. Eines dieser Wässerchen stammt aus Grono im Misox. Gleich neben dem mittelalterlichen Turm, der ihm den Namen gibt, stellt die Familie Ponzio-Tonna seit 1921 – nach Originalrezept – ihre fruchtigen Getränke her. Die Gazosa «La Fiorenzana» gibt es in den verführerischen Geschmacksnoten Mandarino, Arancia Amara, Lampone, Limone, Mirtillo und Pompelmo. Tanto leckero! (dc) www.gazosa.info

DESIGN

Pilzmesser Der Steinpilz heisst in den südlichen Alpen «Porcino» und begeistert wie das gleichnamige Pilzmesser jeden Pilzliebhaber. Die Edelstahlklinge in Schnabelform ist bestens zum Sammeln der Pilze geeignet. Um sie dann zu säubern, wird eine kleine Bürste ausgeklappt. Aufbewahrt wird das Pilzmesser in einem praktischen Lederetui mit zwei Schlaufen. Das Objekt der Begierde stammt von Legnoart, wie viele weitere Designgegenstände für Haus, Küche und Keller. Firmensitz des 1946 gegründeten Unternehmens ist Omenga, eine kleine Stadt an den Ufern des Ortasees. (dc)

LIFESTYLE

Der kulinarische

Entertainer Grillen ist Chefsache: OUTDOORCHEF-Sache. Die kugligen Schweizer Grillgeräte zeichnen sich durch hohe Verarbeitungs-

www.legnoart.it

qualität, innovative Produkttechnologie, hohen Designanspruch und überlegte Detaillösungen aus. Sie sind unkompliziert und ermöglichen ein gesundes und abwechslungsreiches Grillvergnügen ohne gesundheitsschädigenden Fettflammenbrand. Es gibt sie als Gas-, Holzkohle und Elektrogrills, von der modernen Outdoorküche zum weltweit kompaktesten Gaskugelgrill, der selbst auf dem Stadtbalkon Platz findet. Kulinarische Unterhaltung dazu liefert der belgische Kochkünstler und BBQ-Meister Timothy Bleeckx in seinem Koch-/Grillbuch «Culinary Entertainer»: 80 variantenreiche Häppchen für den Gaskugelgrill. Yummy. (dc) www.outdoorchef.com

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SOMMER 2010

LIFESTYLE

Schickes Picknick Alles, was es für das stilvolle Picknick L I T E R AT U R E

EIN «Du» zum Thema Berge Die Mai-Ausgabe des Kulturmagazins «Du»

am Bergsee, in der Waldlichtung oder an der sprudelnden Quelle braucht, findet in den handgeflochtenen Picknickkörben der englischen Firma OPTIMA Platz. Die hervorragend verarbeiteten Körbe sind mit feinster Keramik, hochwertigem Besteck, edler Tischwäsche, Kelchgläsern, Weinkühler und weiteren Accessories für vier Personen bestückt.

widmet sich der Rückkehr des Alpenmythos.

Einfache und leckere Rezepte für Sandwiches, Salate, Gegrilltes, Pikantes und Süsses

Unter dem Titel «Gestatten, heile Welt. Und

liefert das Buch «Picknick» aus der FONA Selection. Fehlt nur noch die original

ewig lockt die Alpenromantik» (Du, Nr. 806)

englische Picknickdecke mit der wasserfesten Rückseite und dem

geht «Du» – durchaus lustvoll – der Frage nach,

praktischen Traghenkel. Picknick, c’est chic. (dc)

weshalb die Alpen heute wieder boomen. Ist es Zufall, dass gerade jetzt die Rückbesinnung auf

www.inspiriertwohnen.ch

das «Paradies Schweiz» stattfindet, wo Globalisierung und Wirtschaftskrise die Frage nach der nationalen Identität aufs Tapet bringen? Die Autoren dieses spannenden Hefts bieten reichhaltige Zugänge zur Geschichte und Aktualität des Wohlfühlorts Berge, die ergänzt sind mit aktuellen Positionen von Künstlern und Fotografen. (pb) www.du-magazin.com

B E AU T Y

Das Gedächtnis

von Wasser

Wasser reagiert auf die Energien und Reize seiner Umgebung. Wissenschaftler glauben, dass Wasser sich als Lebewesen verhält, das Emotionen wahrnehmen und in seinem Gedächtnis speichern kann. Eis, das natürliche Gefäss für tausend Erinnerungen, ist Inspirationsquelle für die neue Kreation von Carolina Herrera, den frischen und provokanten Duft 212 ICE. Die limitierte Sonderedition besteht aus zwei gegensätzlichen, aber sich ergänzenden Düften, die dem Kontrast zwischen zartester Weiblichkeit, verführerischer Männlichkeit und dem Mysterium ihrer Begegnung nachspürt. Elegant, stilvoll und ganz weiblich für Sie – zeitgemäss, mysteriös und weltgewandt für Ihn. Zusammen die perfekte Balance zwischen Kraft und Emotion. (dc) www.carolinaherrera.com

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M US I C

unplugged

in Zermatt Foto: Marc Kronig

Unplugged, von engl. «plug» (Stecker), sinngemäss nicht eingesteckt ist Musik, die nur auf akustischen Instrumenten ohne verfremdende Elektronik gespielt wird. Unplugged entstehen die meisten Songs – am Klavier oder auf der Gitarre. Unplugged steht für das Ursprüngliche und Unverfälschte – kurz: für den reinen Kern der Musik, der unser Herz berührt. Vielleicht ist gerade darum in der natürlichen Rauheit der Walliser Alpen das erste rein akustische Festival entstanden: das «Zermatt unplugged». Vergangenen April fand es bereits zum dritten Mal statt: Rund 11’000 Fans des unverfälschten Sounds erlebten auf sieben Bühnen 45 Konzerte. Dabei traten noch fast unbekannte, vielversprechende Künstler neben internationalen Superstars auf. Besonders überzeugend ist das Gesamtkonzept von Festivalgründer Thomas Sterchi: Alles findet in intimem Rahmen statt, die Stars bleiben in der Regel lange, geniessen Sonne, Berge und die einzigartige Atmosphäre des Matterhorndorfes. Bestes Beispiel: ABBA-Sängerin Anni-Frid und Deep Purple-Legende John Lord – sie verbringen nicht nur einen grossen Teil des Jahres in Zermatt («at this nice place at the end of the world»), sie haben auch das Patronat des Festivals übernommen. Die nächste Austragung findet vom 12. bis 16. April 2011 statt. BIANCO meint: Agenda auspacken und dick anstreichen. (dc)

www.zermatt-unplugged.ch

DESIGN

gute alte dinge Das deutsche Edelversandhaus MANUFACTUM ist führend, wenn es um Produkte geht, die schön sind, gut funktionieren, wertig produziert werden und auch sonst mit Kultstatus aufwarten können. Und natürlich haben auch hochwertige Produkte aus dem Alpenraum Eingang in den 350-seitigen Katalog des Schweizer Ablegers gefunden. Zum Beispiel die Stahlstecknadeln der Marke

DESIGN

Coole Tasse KUPILKA ist Finnisch und bedeutet «kleine Tasse». Sie ist leicht, solid und einfach zu pflegen. Sie besteht aus einem

TELL. Zugegeben, nicht gerade das

Naturfaser-Ver-

Produkt für jeden Tag. Aber eine

bundmaterial aus 50%

schönere Verpackung für Nadeln ist schlicht nicht denkbar. (pb)

Holzfasern und 50% Polypropen. Dieses ist hitzebeständiger und langlebiger als Plastik und nimmt keine Gerüche und Flüssigkeiten auf wie etwa Holz. Ausserdem ist es spülmaschinenfest.

www.manufactum.ch

Am Ende eines Lebenszyklus kann man die Tasse schreddern und nach der Aufbereitung erneut für die Produktion von KUPILKAGefässen verwenden. Ein nachhaltig cooles Outdoorprodukt, das auch in die Alpen passt. (dc) www.kupilka.fi

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SOMMER 2010

FAS H I O N

V e r s chw i t z t e

Taschen Die retro-sportive Mode ist um eine exklusive Taschenkollektion reicher. Unter der Marke Zirkeltraining fertigt Turnvater Bernd Dörr Taschen aus rezykliertem Sportgeräteleder und alten Turnmatten. Jedes Stück ist handgefertigt und einzigartig, extrem widerstandsfähig, trägt schweisstreibende und lehrreiche Erinnerungen in sich. Die 14 Modelle vom klassischen Messenger-Bag, über Damenhandtaschen bis hin zu Geldbörsen und gepolsterten Laptophüllen tragen Namen wie Handstand, FAS H I O N

M aloja

customized Hoodies

Hocke, Rolle, Kasten oder Bock. Aufgrund der nachvollziehbaren Materialknappheit sind die ausgezeichneten Taschen (ispo Brand New Award Winter 2009, Kategorie Accessoires) streng limitiert. Der sportive Hintergrund weckt Emotionen, und die Gebrauchsspuren machen das alte Leder so schön. (dc) www.zirkeltraining.biz

Wie kann man für altgediente Handtücher eine Wiederverwendung finden, die erst noch stylish aussieht? Wir meinen das rosa geblümte Badetuch aus den Kindertagen, jenes

WAT C H

im flashigen 70’ies Design. Oder das Souvenir

Kampfgestählter Zeitmesser

vom ersten Strandurlaub ohne Eltern. Maloja hat die Idee: den customized Beach-Hoodie. Und so funktioniert es: einfach die alten, heiss geliebten Handtücher an Maloja senden und

Die Sonderedition « Col Moschin» des Baselbieter

Vier bis sechs Wochen später kommt der ganz

Uhrenherstellers ORIS erhielt ihren Namen von einer Sondereinheit der italienischen Armee, die am Ende des

persönliche Beach-Hoodie zurück. Recycling fängt ja schliesslich zu Hause an! (dc)

Ersten Weltkriegs am Oberlauf des italienischen Alpenflusses Piave siegreich gegen die österreichischen Truppen kämpfte. Das noch heute

www.sportschrank.de

existierende Spezialkräftekommando des italienischen Generalstabs hat den Schweizer Zeitmesser unter extremsten Bedingungen getestet und für gut befunden. Einen neckischen Farbtupfer auf der sonst dunklen Titanuhr setzt die Gangreserveanzeige in den Trikolore-Farben. (pb) www.oris.ch

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FAS H I O N

WATC H BOOK

Eine spannende Lektüre für den lauen Sommerabend hat die Schweizer Uhrenmanufaktur IWC dieser Tage präsentiert: Das aufwendig recherchierte und gestaltete Buch «IWC Schaffhausen. Engineering Time since 1868» beschreibt und reflektiert die über 140-jährige Geschichte des Schaffhauser Traditionsunternehmens. Der auf 550 Seiten ausgebreitete Inhalt soll aber nicht nur eine technikbegeisterte, sondern auch eine literatur-affine Leserschaft ansprechen. Denn kein Geringerer als Bestsellerautor Paulo Coelho («Der Alchimist») hat dafür mehrere Kurzgeschichten über fiktive Begebenheiten rund um IWC ersonnen. Illustriert wurde das Buch vom französischen Comiczeichner Enki Bilal. www.iwc.com

FAS H I O N

BraxGolf Mit seiner Sommerkollektion setzt BRAX GOLF neue Trends im PremiumSportstyle-Segment. Anspruchsvolle Sportivität mischt sich mit modernen Silhouetten, einem hohen Funktionsgrad und edlen Materialien. Schmale Linien, raffinierte Details und neue Farbwege LIVING

Durchstart bei de Sede

Seit der Schweizer Polstermöbelhersteller DE SEDE den Besitzer gewechselt hat, geht nach Jahren der Stagnation und vor allem des visuellen «Everything goes»

wirken ungezwungen und sorgen für eine aufregende Sachlichkeit. Die vier Linien Luxury Pastels, Black Pearl, Cuba Club und New America bieten stilistisch und farblich perfekt aufeinander abgestimmte Abwechslung. Total angesagt sind die neuen Capriformen bei den Damen und die

plötzlich wieder etwas. Die Re-Edition des formal wunderbar einfachen, aber

Strick-Pullunder mit grafischen Mustern

in der Herstellung äusserst aufwendigen de-Sede-Klassikers dS – N°80 von 1972

bei den Herren. Neben den technischen

gehört in dieses überaus positive Kapitel. Genauso der Umstand, dass man wieder

und funktionellen Qualitäten zeigt Brax,

talentierte Schweizer Designer mit der Ausarbeitung von neuen Entwürfen

wie sexy Golf eigentlich sein kann. (dc)

beauftragt (siehe Porträt über den Walliser Produktdesigner Philippe Bestenheider auf Seite 68). (pb)

www.braxgolf.de

www.desede.ch

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SOMMER 2010

FAS H I O N

Königlich Das Münchner Traditionshaus ROECKL produziert seit über 170 Jahren hochwertige Handschuhe. Dieses langjährige Know-how, das einst dem Bayrischen Königshaus vorbehalten war, ist heute einer breiteren Schicht zugänglich und kommt vor allem Radsportlern

fa s hion

PET wird zum Modeartikel PET ist nicht nur Abfall, sondern ein wertvoller und vor allem ökologischer Werkstoff. Dass aus den gebrauchten Flaschen etwas Schönes und Hochwertiges entstehen kann, haben wichtige Hersteller von Outdoor-Bekleidung wie unter anderen Patagonia,

zugute. Die diesjährige Kollektion umfasst nicht weniger als

Nike, Bond, Quiksilver oder Burton im Februar dieses Jahres in

47 neue und funktionelle Radlerhandschuhe. Vom Anfänger bis

Basel anlässlich der Green Fashion Switzerland eindrücklich unter

zum Profi findet also jeder und jede das passendes Modell. (pb)

Beweis gestellt. Fazit: Kleider aus rezyklierten PET-Flaschen sind nicht nur warm, weich, atmungsaktiv oder robust, sondern auch

www.roeckl.de

ökologisch vorteilhaft. Und nicht zu vergessen: fashionable! (pb) www.petrecycling.ch

FAS H I O N

GA D G E T

Kaiserlich

Peakfinder

Premium Sportswear, hat auch für diesen Som-

PEAKFINDER heisst eine coole neue App

mer ein Feuerwerk an Farben, Formen und Funk-

für das iPhone. Eine minimalistische Strichgrafik lokalisiert über 20’000 Bergspitzen im gesamten Alpenraum. Von Frankreich über die Schweiz, Deutschland, Italien, Österreich bis nach Slowenien. Die Anwendung

LÖFFLER, der österreichische Hersteller von

tionen gezündet: Von der Unterwäsche bis zur Oberbekleidung findet das sportliche Herz alles, was es begehrt. Wer sich für die hochwertigen Produkte entscheidet, wählt bewusst innovative Materialien und Verarbeitungstechniken, steht

benutzt GPS für die genaue Bestimmung des

ein für faire Produktionsbedingungen (nach den

Standorts. Die Panoramas lassen sich einfach

strengen Öko-Tex-Richtlinien) und erhält im

scrollen und zoomen. Mit einem digitalen

Gegenzug Topqualität. (pb)

Feldstecher rücken auch weniger prominente Gipfel ins Sichtfeld. (dc) www.peakfinder.ch

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www.loeffler.at


DESIGN

Was zum

Kuckuck?

Am Rundgang auf der Mailänder Möbelmesse entdeckt: Diese wunderbar verspielten KuckucksUhren, die nichts mehr vom legendären Mief der althergebrachten Schwarzwald-Ticker haben. Ob eher traditionellen oder doch mehr progressiven c u lt u re

Paradies

Schweiz

Trends folgend, alle Modelle zeigen exemplarisch, wie man Tradiertes neu übersetzen kann, um es aus seiner Todesstarre zu befreien. (pb) www.progettishop.it

Die Schweiz als Paradies ist eine Projektionsfläche von Sehnsüchten. Bilder, die in das 18. Jahrhundert zurückreichen, als die ersten Touristen in der Schweiz den Garten Eden zu entdecken meinten, werden bis heute reproduziert und zitiert. Diese Identität stiftenden Motive, welche gerade in Krisenzeiten an Bedeutung gewinnen, finden besondere Verbreitung im Massenmedium Plakat. Eine Plakatausstellung im Museum für Gestaltung Zürich geht dem Mythos Schweiz anhand dieser Selbstbilder nach und vereint unverkennbare Werbebeispiele von 1900 bis heute zu einem visuellen Dialog. Dieser zeigt, wie die Bildwelten als Facetten der Swissness in der Werbung erscheinen und das Image der Schweiz formen.

living

Schöne neue

Dinge

MANUFACTUM bietet nicht nur althergebrachte Produkte an,

Aber auch, wie sie beeinträchtigt

sondern ist auch spezialisiert auf das Aufstöbern von kleinen

werden können und dennoch

Herstellern, die tolle moderne Produkte fertigen. Dabei sind die

weiter ihren Dienst tun. (dc)

kreativen Einkäufer auf die Firma OLYMPIA EXPRESS im Tessiner Ort Mendrisio gestossen, die kultverdächtige Kaffeemaschinen

www.museum-gestaltung.ch

herstellt. Es muss ja nicht immer eine Pavoni sein. (pb) www.manufactum.ch

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SOMMER 2010

MOBILITY

DER Stachelrochen «Stingray», also Stachelrochen, nennt der Schweizer Skiund Bikehersteller sein neustes Crossbike, das zwar nicht für rasende Downhill-Fahrten gedacht ist, aber von seiner eleganten ac c e s s o R ie s

Erscheinung her durchaus etwas für den gemächlicheren Ur-

Bubel kills the Towel

laubsgast bringt, der auf den asphaltierten Pisten in den angesagten

Technologie und Design sind die Waffen,

Sommersportdestinationen eine gute Figur machen will. (pb) www.stoeckli.ch

die Bubel im Kampf gegen das Badetuch einsetzt. Doch das freche Unternehmen aus Barcelona hat noch mehr Trümpfe im Ärmel. Bubel absorbiert 400% mehr als ein herkömmliches Baumwoll-Handtuch, trocknet 25 mal schneller, ist kompakter und wiegt weniger. Es ist antibakteriell, riecht nicht und bekommt keine Falten. Perfekt also für das erfrischende

fa s hion

BADEKULTUR

SWISS MADE Die Kollektionen der 1922 gegründeten Marke LAHCO

Bad im Bergsee. Für bessere Karten sorgen

sind unverkennbar dank ihrer typischen Reissverschluss-

ausserdem die Killerdesigns verschiedener

tasche mit dem Firmenschriftzug auf dem metallenen

spanischer Künstler. (dc)

Dreickanhänger. Den Höhepunkt erlebte die Marke Lahco in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, verschwand

www.bubeldesigns.com

indes in der grossen Krise der Schweizer Textilindustrie von der Bildfläche. Erst 2003 wurde das einstige Kultlabel wiederbelebt, mit dem Ziel, es sukzessive zurück zum einstigen Ruhm zu führen. Die grosse Liebe zum kleinen Detail wird auch von den neuen Besitzern gelebt und ist wesentlicher Bestandteil einer unverwechselbaren Badekultur Swiss made. Erhältlich sind die schönen Bikinis, Kostüme und Badehosen in ausgesuchten Mode- und Sportfachgeschäften. (pb) www.lahco.ch

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Fashion & Function Dass Funktion und Stil sich nicht auszuschliessen brauchen, beweist J.Lindeberg mit seiner neuen Golfkollektion. Diese kombiniert Technologie und jugendlichen Style, Fashion und Funktion und lässt sich auch noch frei kombinieren. Technische Stoffe, elegante Schnitte und hochwertige Verarbeitung sind die Stichworte. Total neu ist die Linie mit Golf-Accessoires: neben einem Footwear-Konzept und Golfbags wartet J.Lindeberg mit einer limitierten Serie Golfschläger auf. Führt dazu, dass man sich auf dem Green nicht nur total wohlfühlt, sondern auch noch gut aussieht. (dc)

www.jlindeberg.com

TREND

Designpreis für

Solarladegerät VAUDE baut sein ökologisches Produktsortiment kontinuierlich aus, so auch das Angebot an mobilen Solarladegeräten. Für das Modell VD 2250 erhielt das deutsche Unternehmen nun den internationalen Designpreis Focus Open 2009 in Silber. Die

c u lin a ry

Zischendes

Technologie, funktionalem Design und

AlpengetränK

Nachhaltigkeit überzeugte die Jury

Die neue Kultbrause aus den Allgäuer Bergen heisst

gelungene Kombination von innovativer

des Design Center Stuttgart. Solche Solarladegeräte werden aussen am

AlpenZischer Holderblüte. Hergestellt wird es aus sanft perlendem Mineralwasser unter Zugabe von Blütenextrakt

Rucksack oder am Zelt befestigt

vom heimischen Holunder. Eine Spur Grüntee und Apfelessig ver-

und laden die internen Akkus

leihen dem Alpengetränk einen besonders feinen und anregenden

mit sauberem Strom aus Sonnenenergie auf. Das

Geschmack. Das Mineralwasser sprudelt seit 1428 aus der Siebers-

funktioniert selbst bei bewölktem Wetter. Alle Geräte

Quelle im Westallgäu. Die Fassung in 160 Meter Tiefe garantiert die

werden mit Adaptern für die gängigen Mobilfunkmarken ausgeliefert. (pb) www.vaude.com

ursprüngliche Reinheit des Wassers. Ebenfalls erhältlich als fruchtherbe Holderbeere und erfrischend reiner Naturbrunnen. (dc) www.alpenzischer.de

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SOMMER 2010

Alpenprosa

O s ca r Peer

Das alte Haus Gisep Fluri versinkt in Melancholie, nachdem sein leichtsinniger Sohn Domenic nach einem Streit spurlos verschwindet und kurz darauf seine Frau stirbt. Abends

M a r ku s N eff, Andri Pool , Pau l I mhof, M a rtina M eier

Rezepte und Geschichten aus dem Waldhotel Fletschhorn

V er s c hiedene Au toren

Engagierte Macher im Alpenraum «Wir Alpen» ist kein Buch über Alpbetriebe und deren geschäftige Hirten und Sennerinnen, sondern ein Bündel

sitzt er im Gasthaus und trinkt Cognac, den

Markus Neff vom Waldhotel Fletschhorn

an Reportagen über gewiefte Zeitgenos-

er sich gar nicht leisten kann. Lemm, der

bei Saas Fee präsentiert seine schönsten

sen, die an die Zukunft glauben. Allen

Wirt und Gemeindepräsident, schreibt an.

Kreationen in einem opulenten Kochbuch.

gemein ist ihr Wohn- und Arbeitsort im

Als Gisep Fluri stirbt, hinterlässt er seinem

Die vier Jahreszeiten prägen die Gastrono-

Alpenbogen zwischen Wien und Nizza.

jüngeren Sohn Chasper ein überschuldetes

mie in den Bergen stärker als im Tal. Diese

Das Buch fächert 15 kreative Projekte

Heimwesen, das Lemm bereits als seines be-

bilden die Grundstruktur des Buches. Zu

auf, sozial, klimaneutral und wirtschaft-

trachtet. Chasper versucht, Geld aufzutrei-

jeder Jahreszeit präsentiert Markus Neff

lich erfolgreich: Nachhaltige Erdbeeren

ben, er will in dem alten Haus der Familie

drei saisonale Menüs mit je fünf Gängen,

in Grenoble, ein Onlineversandhaus

bleiben. Der Wirt schickt Betreibungen,

dazu kommen Rezepte für Amuse-bouches

im Puschlav, vom Quecksilberabbau

Touristen besichtigen ungefragt das Haus.

und einfachere Gerichte.

zum Hightechanbau im slowenischen

Aber noch gibt Chasper nicht auf …

Ergänzend zu den Menüs werden in Repor-

Idrija, Zweitwohnungsverwertung in St.

Eindrücklich schildert Oscar Peer, einer der

tagen typische Produkte und ihre Her-

Moritz, ein Bonussystem für radfahrende

bedeutendsten rätoromanischen Erzähler

steller vorgestellt: Winzer und Käser, der

Mitarbeiter in Liechtenstein. Ein Buch

der Gegenwart, wie sich die Menschen

Pilzkontrolleur und der Metzger, aber auch

voll Engagierter zum Hoffnung schöpfen.

in dem kleinen Dorf gegenüber dem un-

das Ehringer Rind und das Schwarznasen-

Die Zahlen im zweiten Teil erzählen

schuldig ins Unglück geratenen Chasper

schaf, Bergthymian und wilder Kümmel.

jedoch die Geschichte des serbelnden

verhalten. Und er beschreibt die Gefühle,

Menschen, Tiere und Pflanzen, die das

Berggebietes. Also Engagierte: «Rein ins

die Chasper im Kampf um sein Haus

Wallis charakterisieren und seiner Küche

Gebirge!»

durchlebt.

ihre besondere Würze und ihr Gepräge verleihen. Gepfeffert wird das Ganze mit

Oscar Peer Das alte Haus | La chasa veglia Rätoromanisch und deutsch Limmat Verlag, Zürich 2010 ISBN 978-3-85791-559-4

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Sommer 2010

Anekdoten und kleinen Geschichten aus dem Leben im Waldhotel Fletschhorn. Markus Neff, Andri Pool, Paul Imhof, Martina Meier Küche zwischen Berg und Tal AT Verlag, Aarau 2009 ISBN 3-03800-476-6

Wir Alpen! Menschen gestalten Zukunft CIPRA Internationale Alpenschutzkommission 2007 (Hrsg.) ISBN 978-3-258-07263-0 www.cipra.org,


J ö rg W ä s p i

Vom Fliegen auf dem Boden Stadt, Alp und Berg sind die Orte, wo Jörg Wäspis Nachdenkbarkeiten ihren Ursprung haben, Orte, verbunden durch filigrane Querbeobachtungen und Längserinnerungen. Da finden Geschichten von Kühen, Regentropfen, Tischen, Lieben und Sehnsüchten ihre kompakte Form: Auch ein lebenslanger Gedanke kann kurz daherkommen. Jörg Wäspi schreibt klar und direkt, er ist dem Feldstecher näher als der Zuckerdose. Jörg Wäspi Flucht und Heimat 57 Gedichte, einige Bilder, ein Lesebändchen zalpverlag, Mollis 2007 ISBN 978-3-033-01294-3

Arno Ca meni s c h

Raue Gesellen in düsterer Stimmung Vier raue Gesellen auf der Alp bewegen sich durch die kurze Prosa. Mit dem Feldstecherblick des Dokumentaristen verdichtet Camenisch jeweils ein älplerisches Detail. Ein scheues Grinsen huscht beim Lesen durch die Zeilen, manchmal ist diese M el a nie M ü hl

V er s c hiedene Au toren

Geschichten vom Ein autarkes Leben ganz oben Bauwerk im hochalpinen Berge verkörpern eines der letzten Abenteuer der Menschheit. Sie sind Raum majestätisch, mächtig, ewig, aber auch

Ruppigkeit auch nett, und man erkennt und erinnert sich an gleiche oder ähnliche Vorkommnisse: Wenn in der Suppe des Zusennen der Melkerblusenknopf des Sennen auftaucht, wenn der Milchinspektor beim Abschied erklärt «Sie werden von uns hören» oder wenn der Schweinehirt beim

archaisch und gefährlich. Diese Mischung

Im September 2009 wurde in der Nähe

Stallplatzputzen die Platten zählt, und wie

fasziniert Bergsteiger und Skifahrer,

von Zermatt auf 2883 Meter Höhe die

es täglich auf 711 kommt, 51 sind gespalten,

Touristen und Einheimische, Aussteiger

Neue Monte-Rosa-Hütte eröffnet. Diese

12 geviertelt, 22 haben eine Ecke ab. Allge-

und Tunnelbauer gleichermassen. Die

innovative Architektur ist in der Zusam-

mein ist die Stimmung düster. Zum Glück

Journalistin Melanie Mühl («Frankfurter

menarbeit von der ETH Zürich, dem

wischt das Ende den ganzen Sommer weg:

Allgemeine Zeitung») ist dieser Faszina-

Schweizer Alpen-Club SAC sowie vielen

«Der Regen wird heftiger, die Wolken sind

tion nachgegangen und hat Menschen

spezialisierten Fachleuten und Herstellern

gebrochen. [...] als würde der Regen die

besucht, die in den Bergen leben, die sich

entstanden. Die Neue Monte-Rosa-Hütte ist

Alp durchputzen, als würde der Regen

ihnen unterordnen, auf und in ihnen

das Ergebnis wegweisender Technologien

die Hänge mit sich nehmen mit Stall und

arbeiten oder sie als Ort ihres Glücks ge-

in Entwurf, Berechnung und Fertigung

Hütte und tutti quanti, den ganzen Zirkus.»

wählt haben. Die Reportagen sind geprägt

von Gebäuden. Das Buch dokumentiert den

Alpleben jenseits aller Folklore und so

von einfühlsamer Neugier, von genauer

Entstehungsprozess, die Planung und den

dreckig wie die Stallhose; in Rätoromanisch

Beobachtung und von einem brillanten

Bau dieses Meilensteins der hochalpinen

und Deutsch.

Stil, der dem Leser eine wunderbare

Architektur in Gesprächen, thematischen

Landschaft eröffnet.

Beiträgen, Fotografien und Plänen.

Melanie Mühl Menschen am Berg Nagel & Kimche, Zürich 2010 ISBN 3-312-00453-5

Verschiedene Autoren Neue Monte-Rosa-Hütte SAC gta Verlag, ETH Zürich 2010 ISBN 978-3-85676-273-5

Arno Camenisch Sez Ner Urs Engeler Editor, 2009 ISBN 978-3-938767-63-4

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cuisine

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MASCARPIN

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Der Urziger vom Silsersee


Mascarpin

Der Urziger vom Silsersee Dominik Flammer

Fabian Scheffold

Mascarpin nennt sich der Käse, den Vreni Cadurisch im idyllischen Weiler Isola am Silsersee im Sommer aus der Milch ihrer Geissen produziert. Ein Fettziger, der in seiner Art zu den Urkäsen der Schweiz gehört, auch wenn er in Graubünden zahlreiche Wandlungen erfahren hat. Heute ist er eine unvergessliche Köstlichkeit für jeden, der je vom süssen, frischen und noch lauwarmen Ziegenziger gekostet hat.

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cuisine

MASCARPIN

Der Urziger vom Silsersee

Aus Gamsmilch, so geht die Sage, hätten hier oben in den Bündner Alpen die geheimnisvollen «Fänggen», die Wildleute, ihre Käslein gemacht, und gelegentlich aus der Schotte gar Gold gewonnen. Von ihnen, so wurde lange erzählt, hätten die Bündner auch das Käsen mit Lab als Scheidemittel gelernt. Wahr ist in der Tat, dass sich früher wie noch heute gelegentlich ein verirrtes Zicklein einer Gamsherde anschliesst. Das Melken der wilden Gämsen hat hier oben aber noch kein Senn gewagt. Und das Labkäsen haben die Bündner im 16. Jahrhundert erwiesenermassen von den Italienern gelernt. Lab braucht Vreni Cadurisch keines, denn ihre Mascarpin sind Sauermilchkäse aus Ziegenmilch, wie sie schon im Mittelalter und wahrscheinlich bereits in der Antike in den Alpen zubereitet worden sind. Die Kunst des Zigerns hat sie von einer Bäuerin gelernt, die früher über vierzig Jahre lang ebenfalls Mascarpin produzierte – im selben Haus, das Cadurisch mit ihrem Mann zusammen übernommen hat, als sie vor Jahren aus dem St. Galler Rheintal in die Südbündner Hochebene gezogen ist, um sich im entlegenen Isola niederzulassen. Seither führt sie die uralte Tradition des Fettzigerns in Isola weiter. Heute gehören ihre Mascarpin zu den heiss begehrten Delikatessen der Region, vor allem bei den italienischen Touristen, die im Hochsommer in Gruppen in den Weiler am Südufer des Silsersees pilgern. Aber auch in den Spezialitätengeschäften des Engadins, in denen die wohlhabenden in- und ausländischen Zweitvillenbesitzer ihre Einkäufe tätigen.

Mascarpin sich gewandelt. Vorbei sind die Zeiten, da die Butter hier oben als Brat- und Lampenfett oder als Kalorienlieferantin unentbehrlich war. Vorbei auch der Butterzins an die Kirchenoberen, die in ihren Gotteshäusern die Altarlampen früher mit der fetten und brennbaren Butter befeuerten. Statt aus der Restflüssigkeit der Labkäserei – wie dies während rund fünf Jahrhunderten in Graubünden die Regel war – gewinnt Vreni Cadurisch ihren Ziger aus der unabgerahmten Vollmilch ihrer Ziegen. Sie ist so zu den antiken oder zumindest mittelalterlichen Wurzeln des alpinen Milchzigerns zurückgekehrt, wenn auch in einer etwas nahrhafteren Variante. «Unsere Ziegenmilch ist nicht so fetthaltig wie Kuhmilch, deshalb verzichten wir auf das Abrahmen, so dass ein weicher, cremiger Süssziger entsteht», begründet die Käserin ihre Vorliebe für den Vollmilchziger.

Schon frühmorgens warten die ersten Wanderer auf den lauwarmen Mascarpin, der manchmal schon ausverkauft ist, bevor er überhaupt auskühlen konnte.

Der Mascarpin ist eigentlich ein Zigerlein, nennen die Veltliner und Bergamasker doch den Ziger «mascarpa». In Italien wird dieser meist aus der Molke hergestellt, die nach dem eigentlichen Käsen übrig bleibt. Wie die seit langem meist aus Vollmilch oder aus Molke mit viel Rahm produzierte italienische Ricotta (von «ricuocere», zu Deutsch «wieder aufkochen») hat auch der

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Was Vreni Cadurisch Morgen für Morgen aus der Milch ihrer rund achtzig eigenen und vierzig für den Sommer zugeliehenen Ziegen herausholt, entspricht jenem Produkt, das schon vor Urzeiten in seiner Art in den Alpen zur Hauptnahrung der bäuerlichen Bevölkerung gehörte. Ziger oder eben Mascarpin dürfte als Sauermilchkäse bereits hergestellt worden sein, bevor selbst die Römer die Lab- und damit die Süssmilchkäserei von den Griechen übernommen und verfeinert hatten. Ein Schluss, der aufgrund der zahlreichen archäologischen Funde im Alpenraum auf der Hand liegt. Die Milch wurde schon in der Antike ihrer natürlichen Säuerung überlassen, auch wenn oft mit säurehaltigen Kräutern wie etwa Brennnesseln oder Sauerampfern nachgeholfen wurde, um den Frischkäse für den täglichen Verzehr zu gewinnen. So wie heute in Isola, wo der Milch morgens nach der Zugabe von etwas mildem Essig oder einer speziellen Sauerkultur, ähnlich dem Joghurt – einem beim Mascarpin oder auch


Mascarpin In recent years, Swiss cheese tradition has found its way back to its numerous roots. Many old varieties have been rediscovered and countless unbeatable new varieties created. No other country in the world produces cheese in such a near-to-nature fashion as Switzerland. Two thirds of the entire production is made from unpasteurized milk. The guarantee of goodness is provided by the cheese-maker’s know-how and high-quality milk. The article is taken from the book “Schweizer Käse” by Dominik Flammer and Fabian Scheffold, in which the authors present the best cheese-makers and their products using informative texts and firstclass illustrations. The book already ranks as the ultimate standard work on Swiss cheese. It is complemented by the centuries-old history of the “land of cheese” as well as by an all-embracing lexicon of types of Swiss cheese and cheese terms.

oben würzig gereifter mascarpin mit typischer schimmelbildung. rechts Ziegen liefern die milch für den vollmilchziger, wie er im engadin und bergell schon seit dem mittelalter hergestellt wird.


cuisine

MASCARPIN

Der Urziger vom Silsersee

bei anderen Milchzigern bewährten Verfahren – nicht viel Zeit bleibt, sauer zu werden. Soll sie auch nicht, denn selbst wenn es sich um einen sogenannten Sauermilchkäse handelt, entsteht bei diesem Verfahren ein wunderbarer und süsslicher Fettziger, der quasi aus dem Käsekessel heraus frisch gegessen werden kann – und auch wird. Schon frühmorgens warten die ersten Wanderer auf den Holzbänken vor Vreni Cadurischs Haus auf den lauwarmen Mascarpin, der im Hochsommer manchmal schon in den Nachmittagsstunden ausverkauft ist, bevor er überhaupt im Käsekeller auskühlen konnte. Gemolken wird in Isola morgens und abends, wenn die Ziegen mit ihrem Hirten von ihrer täglichen Wanderschaft um den Piz La Margna oder ihrem Nachtlager unweit des Dörfchens zurückkehren und sich die prallen Euter freiwillig und in Reih und Glied erleichtern zu lassen. Die Abendmilch wird anschliessend bis zum Morgen im Brunnen gekühlt und dann mit der in der Früh gemolkenen Morgenmilch vermischt. Um sechs Uhr heizt die Käserin ihren Kessel auf einem Gasfeuer ein und erhitzt sie bis knapp zum Siedepunkt. Gemessen hat sie die Temperatur noch nie. «Das ist Augenmass, reines Gefühl.» Sie verlasse sich in erster Linie auf ihre Sinne, so wie es ihr der Grossvater gezeigt habe, als sie ihm als Kind in seiner Käseküche auf der Alp im Berner Simmental bei der Herstellung von Hobelkäse geholfen hat. Keine zwei Stunden später wird der Ziger bereits in kleine runde Förmchen von 200 Gramm abgefüllt. Nur im Frühjahr und Herbst oder in einem verregneten Sommer bleiben einige Käse übrig. Dann reifen sie im Käsekeller dank regelmässiger Pflege und allmählicher Schimmelbildung zu kompakten und würzigen Halbhartzigerchen heran. Privilegiert, wer in den Genuss einer dieser reifen Urziger kommt. Meistens beginnt die Wintersaison, wenn der Reifeprozess abgeschlossen ist, und der Strom an Wanderern versiegt. «Die reifen Käse gehören dann zu unserem privaten Wintervorrat, der bis in den März hinein reicht», erzählt Cadurisch. Auf Bestellung zumindest lässt sie für Liebhaber ihrer Käse gelegentlich auch den einen oder anderen grösseren MascarpinLaib einige Zeit ausreifen.

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In den letzten Jahren hat die Schweizer Käsetradition zu ihren mannigfaltigen Wurzeln zurückgefunden: Viele alte Sorten wurden wiederentdeckt, unzählige unübertreffliche Neukreationen sind entstanden. Kein anderes Land der Welt produziert Käse so naturnah wie die Schweiz, zwei Drittel der gesamten Produktion wird aus Rohmilch hergestellt. Garanten der Güte sind das Wissen der Käser und die hohe Qualität der Milch. Der Artikel stammt aus dem Buch «Schweizer Käse» von Dominik Flammer und Fabian Scheffold. In fundierten Texten und erstklassigen Bildern stellen sie die besten Käser und ihre Produkte vor. Das Buch gilt bereits als neues Standardwerk zum Schweizer Käse. Ergänzt wird es durch die jahrhundertealte Geschichte des Käselandes sowie ein umfassendes Lexikon der Schweizer Käsesorten und der Käsebegriffe. Flammer, Scheffold: Schweizer Käse AT Verlag, Aarau 2009 ISBN 978-3-03800-474-5 Kochschule des Autors in Zürich www.shoppenkochen.ch


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LIVING

GENIAL GESCHICHTET

Stampfbetonhaus zwischen Tradition und Moderne


GENIAL geschichtet Stampfbetonhaus zwischen Tradition und Moderne

Philipp Bitzer

Lazzarini Architekten

Die Überbauung Giardin von Mjerta und Kurt Lazzarini hat es doppelt in sich: Erstens verschwindet sie trotz ihrer markanten Architektur vollständig im Ortsbild von Samedan. Und zweitens wurde sie im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden gestampft.

Es ist schon erstaunlich, wie die Überbauung «Giardin» in Samedan völlig im Ortsbild aufgeht – trotz ihres Volumens und ihrer nicht gerade alltäglichen Form. Wer nicht weiss, dass es ihn gibt, übersieht den Gebäudekomplex mit seinen zwei Einfamilienhäusern und dem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus glatt. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die aussergewöhnliche Fassade aus gestampftem Beton eine sonst unübliche Sedimentierung aufweist, die visuell völlig aufgeht in den Kulturterrassen und Gesteinsschichten, die teilweise bis an den Rand der Oberengadiner Ortschaft heranreichen. Ausserdem wird die grosse Gebäudehöhe durch die steile Hanglage gemildert, so dass der Häuserkomplex von nahe zwar imposant wirkt, aus der Entfernung gesehen jedoch quasi im Hang verschwindet.

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LIVING

GENIAL GESCHICHTET

Stampfbetonhaus zwischen Tradition und Moderne

Trotz ihrer Modernität überrascht die Überbauung auch mit orts- und regionaltypischen architektonischen Elementen. So erinnern die Zwischenräume stark an die alten und engen Gassen des Dorfes. Und das fünfstöckige Mehrfamilienhaus gemahnt an einen dieser mittelalterlichen Wohntürme, die im Engadin an verschiedenen Orten anzutreffen sind. Andere stilistische Elemente haben sich schlicht aus der Baugesetzgebung ergeben, so beispielsweise die Abschrägung des «Turmdaches», da die Gemeinde bei Neubauten zwingend Steildächer vorschreibt. Das Spannendste am Bau ist aber sicherlich seine einzigartige Fassade aus durchgefärbtem Stampfbeton. Unterschiedliche Farbmischungen, die abwechselnd in unregelmässigen Schichten beigefügt wurden, geben der Überbauung ihren unverwechselbaren, fast schon organischen «Look». Die Räume im Gebäudeinnern sind je nach Funktion hang- oder talwärts ausgerichtet. Während die Küchen und die Erschliessungszonen gegen den Berg hin schauen, sind die Wohnbereiche so angelegt, dass man durch die asymetrisch angelegten und in ihrer Grösse variablen Lochfenster reizvolle Ausblicke in Richtung Unterengadin, hin zum Bernina-Massiv oder gegen Sankt Moritz hat. Ja, hier möchte man wohnen. Nicht nur, weil Giardin rundum gelungen ist und den Spagat zwischen Tradition und Moderne besonders elegant meistert. Sondern auch, weil die Überbauung dank der Verwendung von neuster Technik und trotz ihrer eigentlich «veralteten» Bauweise den MinergieStandard erfüllt und also auch energetisch zukunftsweisend ist.

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Samedan tamped concrete construction Giardin is the name of this spectacular set of buildings created in Samedan by local architects Mjerta and Kurt Lazzarini. The development consists of two singlefamily homes and a five-storey residential tower and makes a triple impact. Firstly it is constructed of tamped concrete, a material seldom used these days. Secondly, despite its striking architecture, it blends in with villagescape. And thirdly – even with its «outdated» building technique – it satisfies exemplary Minergy energy-saving standards.


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REPORT

ALP LOCH

Vom Leben auf der Alp

Alp Loch

Vom Leben auf der Alp

Stephan Bösch

«Blitz und Donner folgen sich kurz aufeinander, als ich hinauf zur Alp Loch marschiere. Ich bin froh, dass ich die Hütte endlich erreiche. Die Sennerin kommt mit einem Eimer frisch gemolkener Milch aus dem Stall. Das erste Bild entsteht.»

«Der Rhythmus auf der Alp ist ein anderer als unten im Tal. Er richtet sich nach den Tieren, dem Wetter – nach der Natur. Die Tage sind lang und anstrengend. Nach getaner Arbeit legt man sich müde und zufrieden schlafen. Hektik, wie man sie unten im Tal findet, kennt man hier oben nicht. Am Morgen um fünf ist Tagwache. Die Sennerin muss den Hund von seinem Schlafplatz unter dem Tisch hervorziehen. In der Dunkelheit treibt sie die Herde Richtung Stall. Dies ist sehr aufwendig, weil die Tiere nicht immer an der gleichen Stelle weiden. Glockengeläut und die Rufe der Sennerin. Ansonsten Stille. Langsam kommen die Kühe Richtung Stall, während die Silhouetten der umliegenden Berge sichtbar werden. Als sie alle im Stall sind und endlich mit dem Melken begonnen werden kann, dämmert es bereits. Nachdem zehn Kühe gemolken sind, gönnt sich Yvonne, die Sennerin, eine kurze Pause und trinkt einen heissen ‹Stallkaffee›. Wenn die Kühe wieder auf der Weide sind, kommt gewöhnlich Klaus, der benachbarte Senn, zum Frühstück.

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REPORT

ALP LOCH

Vom Leben auf der Alp

Tagsüber – während die Kühe draussen grasen und wiederkäuen – verarbeitet Yvonne die Milch zu Käse. Als Erstes Feuer unter dem Käse-‹Chessi› entfachen! Die noch kuhwarme Milch hat bereits die richtige Temperatur. Diese muss sehr genau stimmen, damit die Käseherstellung gelingt. Neben der Käseproduktion steigt die Sennerin auch in die Höhe, beobachtet die Herde, pflegt die Weide, mäht Unkraut und hat dabei Zeit, ihren Gedanken nachzuhängen. Die Sennerin begnügt sich nicht mit der Produktion eines gewöhnlichen Käsemutschli. Es gibt eine Variation, die täglich mit Rotwein, Knoblauch und frischen Kräutern geschmiert wird. Die Kräuter hat sie vor der Alphütte in Töpfen angepflanzt.

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Schnell wird einem bewusst, dass jede Kuh einen eigenen Charakter hat. Mit der Zeit kann man sie mühelos unterscheiden. Ich bemerke sofort, dass Yvonne einen sehr ruhigen und sanften Umgang mit den Tieren pflegt. Entsprechend unaufgeregt geht es im sehr engen Stall zu und her. Oft kommen Wanderer vorbei, die ein Stück Käse kaufen. Während der paar Stunden oben in der Bergwelt saugen sie alles auf, was sie sehen und erleben. Der Käse als Produkt dient dabei nur als Mittler – wichtiger sind der Kontakt und die Gespräche mit den Älplern.»


Alp Loch Alp Loch lies a little over 1500 metres above sea level on the way to the Rotstein Pass in Toggenburg. Yvonne, a qualified social education worker, is changing direction and is training to become a landscape gardener. In summer 2008, she tended fourteen dairy cows on the alp and processed cheese and ziger from the milk. In his reportage, photographer Stephan Bösch concentrates solely on people, animals and nature. “I’m searching for mankind’s original needs. I made my first find on the alp. I don’t photograph the darker side but stories about people who try to live in a different way to the prescribed manner.”

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REPORT

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ALP LOCH

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Vom Leben auf der Alp


REPORT

ALP LOCH

Vom Leben auf der Alp

Die Alp Loch liegt auf ca. 1500 m ü. M. auf dem Weg zum Rotsteinpass im Toggenburg. Yvonne ist Sozialpädagogin und machte danach eine Zweitausbildung als Landschaftsgärtnerin. Sie betreute im Sommer 2008 vierzehn Milchkühe auf der Alp und stellte aus der gewonnenen Milch Käse, Ziger und Joghurt her. Die Reportage entstand als Folge einer Auftragsarbeit über die Produktion von Bio-Alpkäse, die der Fotograf Stephan Bösch ein Jahr zuvor auf der benachbarten Alp fotografiert hatte. «Ich bin auf der Suche nach den ursprünglichen Bedürfnissen des Menschen. Auf der Alp bin ich das erste Mal fündig geworden. Ich fotografiere nicht die Schattenseiten, sondern Geschichten über Menschen, die versuchen, anders zu leben, als es uns vorgegeben wird.» Bei seiner Arbeit ist es Stephan Bösch wichtig, nicht aufdringlich zu sein. Das betrifft auch die Fototechnik. Die Lichtverhältnisse waren sehr schwierig und wechselhaft. Dennoch verzichtete er auf Blitzlicht und Reflektoren. Er wollte sich voll und ganz auf Mensch, Tier und Natur einlassen. Eine wuchtige Kamera verbirgt das eigene Gesicht – verbaut den Kontakt. Da die Bilder auf analoges Filmmaterial gemacht wurden, folgte eine wochenlange Nachbearbeitung in der Dunkelkammer. Durch die Langsamkeit dieses Prozesses gelingt es, noch einmal tief in die Welt einzutauchen, die man dokumentiert hat. www.sichtweise.ch

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Sommer 2010


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TREND

VOM WANDERGLÜCK

Ulrich Grober

Das zweitteuerste Kunstwerk der Welt zeigt einen von uns, einen Wanderer. «L’homme qui marche» heisst Alberto Giacomettis Meisterwerk aus dem Jahr 1960. «Der Mensch, der wandert» erzielte Anfang Februar bei einer Auktion in London den astronomischen Preis von 104 Millionen Dollar. Irre, oder? Wieso bekommt die schlichte Bronzefigur eines Gehenden im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts plötzlich einen dermassen phänomenalen Wert? Mit ein paar Mausklicks kann sich jeder eine Abbildung auf seinen Bildschirm holen. Zu sehen ist da nichts weiter als die Silhouette eines Mannes, der einen Schritt nach vorn macht. Die Skulptur erfasst den Gehenden in dem Sekundenbruchteil, als der hintere Fuss vom Boden abhebt, während der andere weit nach vorne schwingt und aufsetzt. Der Oberkörper des Wanderers ist leicht eingeknickt. Aus der Mitte des Leibes holt er die Kraft für den nächsten raumgreifenden Schritt. Der Gehende ist kein Muskelprotz, sondern eine spindeldürre, man könnte sagen «drahtige» Gestalt. Die Hervorhebung der langen Gliedmasse öffnet den Blick für den Energiefluss, der jeden Menschen beim Gehen durchströmt. Giacomettis Skulptur verkörpert die Dynamik der Vorwärtsbewegung aus eigener Kraft, die Würde des aufrechten Gangs.

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Ist das ihr Geheimnis? In Zeiten, in denen wir bis zu 90 Prozent unserer Zeit sitzend und in geschlossenen Räumen und immer mehr in der virtuellen Welt des Cyberspace verbringen und uns in rasendem Tempo, aber eingezwängt in Fahrzeugkabinen fortbewegen – fortbewegt werden – sendet uns das Kunstwerk eine einfache Botschaft: Du bist ein Bewegungswesen. Du hast die Freiheit, aufzubrechen, wohin du willst. Einfach losgehen ... Die alte Kunst des Wanderns ist heute Einspruch gegen das Diktat der Beschleunigung. Das Gehen in der Landschaft nimmt das Tempo aus dem Ablauf des Alltags. Die fliessende Bewegung im Freien tritt an die Stelle des erstarrten Sitzens. Der langsame, stetige Strom der Eindrücke ersetzt die mediale Sturzflut der Bilder. Im Gelände navigierend bilden und schulen wir unseren Orientierungssinn, die Fähigkeit, die eigene Position zu bestimmen, Ziele festzulegen, Übersicht zu bewahren und Kurs zu halten. Ohne die direkte Erfahrung der begehbaren Nahräume bleibt die Wahrnehmung der besehbaren globalen Räume oberflächlich. «Zu Fuss kann man besser schauen», sagte der Maler Paul Klee, der viel vom Schauen verstand. Aber der Raum, in dem wir uns bewegen, ist nicht nur Blickfeld. Wir fühlen, riechen, hören ihn. Wir spüren ihn unter den Fusssohlen, mit Haut und Haaren. Wir nehmen seine Stimmung wahr, äussern unsere Stimmung in ihn hinein. Das können wir nicht durch die Windschutzscheibe. Nur wo du zu Fuss warst, warst du wirklich. Frische Luft macht süchtig. Wer zu einer Wanderung aufbricht, tauscht den thermischen Komfort der Bürotürme, Einkaufszentren und Wohnungen mit der würzigen Luft der Wälder, die feinstaubbelastete Dunstglocke der Ballungszentren mit dem Reizklima der Küsten und Berge oder dem Schonklima der Mittelgebirge. Festen oder federnden Boden unter den Füssen spüren. Wieder lernen, die Blicke ruhig und frei schweifen zu lassen. Einen Bach plätschern hören, die blühende Landschaft riechen. Das alles kann man noch auf den Wegen durch das Land. Wer die Farbenpracht eines herbstlichen Laubwaldes bewusst erlebt hat, nutzt die Farbskalen seiner Designer-Software souveräner. Es geht nicht allein um den pfleglichen Umgang mit der Natur, sondern ebenso um die Ökologie der Sinne.

Eine Alpenüberquerung zu Fuss ist eine Krönung jeder Wanderer-Biografie. Auf einer Tour von Füssen nach Chiavenna, im Spätsommer, wurde mir und meinem Wanderkumpan Herbert ein paar Tage lang die «Panorama Engiadina Bassa» zum Traumpfad. Es ist ein in weiter, offener Alpenlandschaft dahinziehender Höhenweg auf der Sonnenseite des Unterengadins. Die Route folgt sanft den Höhenlinien des Geländes, durchquert Matten und hochmontane Wälder, die höchstgelegenen der Alpen. Dann biegt sie abrupt in enge Tobel mit rauschenden Sturzbächen ein, führt mit seinen Varianten bis an die Gletscherregion heran. Stets hat der Wanderer die mächtigen, unwegsamen Bergketten von Samnaun und Silvretta im Rücken, die Gipfel der Engadiner Dolomiten und des Schweizer Nationalparks auf der anderen Seite des Inns im Blick, die verwinkelten, farbenfrohen, stillen Dörfer des Engadins zu seinen Füssen. Ein Weg für Genusswanderer. Ein idealer Weg auch zum Wandern mit Kindern. Eine bessere Einführung in den Zauber der Alpen und in die Faszination des Wanderns lässt sich kaum vorstellen.

Kennt nicht jeder Wanderer, jede Wanderin diesen Ausnahmezustand, den man «flow» nennt? Dieser Energiestrom, der uns - immer nur in raren Momenten - beim Wandern überrascht und überwältigt, ist das eigentliche Ziel jeder Wanderung. Nicht der Punkt Omega am Ende einer Route. In meinem Gedächtnis rufe ich Bilder von Wanderglück ab. Einige davon verbinden sich unauflöslich mit der grandiosen Hochgebirgslandschaft des Engadins, Giacomettis näherer Heimat.

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TREND

VOM WANDERGLÜCK

Unser Einstieg auf den Höhenweg lag oberhalb der Finstermünz-Schlucht bei dem Dörfchen Vinadi. Fast auf Anhieb spürt man südlicheres Fluidum. In einem Trockentobel steigen wir durch macchiaähnliches Gestrüpp. Es riecht nach Thymian und wilder Minze. Dann taucht man in den Schatten eines Waldes ein. Der harzige Geruch von Bergfichten, Lärchen und Arven umfängt den Wanderer. Ein schwarzes Eichhörnchen springt über den Weg. Im Unterholz fliegt ein Auerhahn auf. Dann wieder Almwiesen im satten Grün. Zikadenkonzert, Bläulinge flattern vorbei. So ziehen wir über den Engadiner Höhenweg. Leichtfüssig, raumgreifend, unverschwitzt. In diesen Tagen der Wanderseligkeit kommt uns das urbane Zeitgefühl abhanden. Körperliche Frische und Erschöpfung, Licht und Schatten im Lauf der Sonne, die Wegmarken in der Landschaft, die wir in der Ferne sehen, erreichen und dann hinter uns lassen, sind unsere Zeitgeber geworden.

Hinter Sent beginnt ein lang gezogener Anstieg auf schiefrigem Pfad durch Geröllfelder und weite baumlose Grasflächen auf über 2000 Meter Höhe. Freie Blickfelder reichen tief ins Innere der Silvretta und hinüber zur grandiosen Kulisse des Mot Lischana und seiner Nachbargipfel. Wir gehen zügig. Die Bewegungsabläufe werden leicht und wirkungsvoll. Beine und Füsse, Arme, Hände, Atemzüge sind im Einklang. Ein Fliessen geht durch den Körper. Ein schwingendes Gleichmass scheint alles, was verstockt und verhärtet ist, zu lösen. Der Berg, der Weg, der harte Boden sind nicht mehr Hindernis, sondern Bühne, nicht Feinde, sondern Partner. Illusion der Schwerelosigkeit, des Schwebens. Ozeanisches Gefühl. Glücksmoment. Wanderglück ist nicht käuflich. Nicht das Logo auf der Jacke ist entscheidend. Wesentlicher ist die Durchlässigkeit für die Eindrücke von aussen und – nicht zuletzt – die Offenheit für den Klang der inneren Stimme. Wandern ist vielerlei: Freizeitspass, sanfter Natursport, Kultur-Tourismus, geselliges Beisammensein. Alles hat seine Berechtigung. Mich interessiert die nach oben offene Skala der Möglichkeiten. Die fliessenden Übergänge, wo das Wandererlebnis in eine neue Erfahrung von Natur und Kultur – und von Spirituellem – mündet. Wo die Kunst des Wanderns übergeht in Lebenskunst und deren Kern, Selbsterfahrung und Selbstsorge. Wo beim Gehen das Tagträumen einsetzt - und die Sinnsuche. Wandern in den Alpen macht Lust auf ein Leben, das weit ausgreift.

Happy hiking The world’s second most expensive work of art portrays no more and no less than one lone walker: at the beginning of last February, “L’homme qui marche” by Alberto Giacometti achieved the astronomical price of 104 million US dollars at a London auction. Crazy or what!? Why did a simple bronze figure of a walker suddenly and totally unexpectedly reach such a phenomenal value in the second decade of the 21st century? Perhaps because today, the old art of hiking is a protest against the dictates of escalating speed and walking in the countryside takes the tempo out of daily routine. Fluid motion in the open air replaces sitting stiff and immobile. A constant slow stream of impressions replaces the torrent of media images. Navigating the terrain, we school and shape our sense of direction, the ability to determine our own position, set our own goals, to keep an overview and stay on course. Without first-hand experience of the accessibility of our surroundings, our appreciation of accessible global places remains superficial. The eyewitness report of a hiker who found happiness as he crossed the Alps.

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LIVING

FINCUBE

Neues Wohnen für Clever & Smart

FINCUBE NEUES WOHNEN FÜR CLEVER & SMART Philipp Bitzer

Steffen Jänicke und Kreatif Multimedia

Ein deutscher Designer entwickelt ein visionäres Wohnkonzept für den urbanen Raum. Ein Unternehmer aus Südtirol erkennt das Potenzial für die Landschaft. Die beiden spannen zusammen und entwickeln den Fincube, ein innovatives Ökohaussystem, in dem sich modernes Design und Umweltbewusstsein verbinden.

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LIVING

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Neues Wohnen für Clever & Smart

Als Josef Innerhofer, ein Unternehmer und Hotelier aus Bozen, vor fünf Jahren in Frankfurt einen Kongress des Zukunftsinstitutes besuchte, traf er dort auf den Designer Werner Aisslinger. Die beiden kamen ins Gespräch, und Aisslinger erzählte Innerhofer von seinem visionären Projekt Loftcube. Dabei handelte es sich um eine Art «Wohn-Ufo», das Aisslinger als Antwort auf die Verknappung von günstigem Wohnraum im urbanen Raum entwickelt hatte und dessen Prototypen er just zu jener Zeit in Berlin auf dem Dach eines Hochhauses «gelandet» hatte. Innerhofer reiste an Ort und Stelle, um sich das Projekt anzuschauen – und war begeistert. Weit wichtiger: Innerhofer erkannte das Potenzial, das in Aisslingers kleinem weissen Plastikwürfel steckte – inbesondere für den ländlichen Raum mit seinen vielen nicht genutzten Flächen. Damit liessen sich gute Lagen für Wohnzwecke erschliessen, die sich bislang aus baurechtlichen Gründen einer solchen Nutzung entzogen hatten. Der Eingriff in die Natur müsste natürlich minimal sein, die Nutzungsdauer des Geländes befristet und das Gebäude nach Gebrauch vollständig rezyklierbar. Damit ein solches Projekt in einer ländlichen Gegend akzeptiert würde, da war sich Innerhofer sicher, müsste es allerdings weit weniger technoid daherkommen als der Loftcube und vorzugsweise aus rezyklierbaren Materialien hergestellt sein. Ausserdem müsste das Haus smart sein, also ökologisch fortschrittlich und dem neusten Stand der Gebäudetechnik entsprechen. Mit dieser Ideenskizze wandte sich der Südtiroler Unternehmer an den Berliner Designer, und gemeinsam entwickelten die beiden in den folgenden Jahren ein völlig neuartiges, modular aufgebautes Ökohaussystem, das nicht nur vorbildlich mit der Umwelt umgeht, sondern auch optisch einzigartig ist. Der Fincube besteht aus einer Holzskelettkonstruktion mit vier Stützen, einer Gebäudehülle mit dreifach verglasten Panoramafenstern (Ug-Wert 0,7) sowie einem Installationskern. Die formschöne Holzlamellenverkleidung macht das Gebäude zur architektonischen «landmark»und dient zugleich als Sonnen- und Sichtschutz. Die Bodenversiegelung fällt mit einer Fläche von lediglich einem halben Quadratmeter pro Stütze minimal aus. Energetisch erfüllt der Fincube alle Kriterien einer gebräuchlichen Niedrigenergiebauweise. Zudem entspricht die Gebäudetechnik dem neusten Stand und wird über ein Bussystem zentral gesteuert. Für die Nutzung werden lediglich Strom, Wasser und

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Abwasseranschlüsse benötigt. Durch die Anbringung einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach funktioniert der Kubus völlig autark. Alternativ kann das Dach auch begrünt werden. Von der Materialisierung her verdient der Fincube das Prädikat «wertvoll». Sowohl beim Bauwerk als auch bei der Inneneinrichtung wird das Holz der europäischen Lärche verwendet. Um dem Wohnraum eine besondere Duftnote zu verleihen, werden gewisse Elemente aus dem wohlriechenden Zirbelholz (Arve) gefertigt. Die Textilien folgen dem Farbkonzept und sind farblich auf die verschiedenen Raumfunktionen abgestimmt. Auch der Ausbau und die Installationen in Küche und Bad sind von höchster Qualität. Trotz der relativ kleinen Nutzfläche kommt nie das Gefühl von Enge auf. Einerseits ist dies der Raumhöhe zu verdanken, andererseits der beeindruckenden Raumorganisation mit ihrer schneckenförmigen Raumfolge, welche die einzelnen Wohnbereiche perfekt voneinander abtrennt: Man betritt den Fincube über einen seitlich angelegten Eingangsbereich und kommt ums Eck in einen grosszügigen und offenen Raum mit einer Küche und einer sehr komfortablen Sofa-Lounge. Von hier aus gelangt man weiter in den Schlafbereich und schliesslich zu den Nasszellen. Es gibt keine Türen, und doch sind die Räumlichkeiten durch Möbel so voneinander abgetrennt, dass man sich auch mit mehreren Personen ungeniert darin aufhalten kann. Der Fincube ist jedoch nicht nur als Wohnraum nutzbar. Er eignet sich genauso als Event- oder Ausstellungsraum, als Home Office oder Konferenzraum. Und in touristischer Hinsicht ist der Fincube natürlich auch das schöne Ferienhäuschen, die Junior Suite im Luxus-Resort oder einer von mehreren Bungalows im Fincube-Village. Die Frage, ob und wo in der Schweiz ein Fincube aufgestellt werden kann, ist so nicht beantwortbar. Denn die Baugesetzgebung ist von Kanton zu Kanton, ja von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Zwar sehen die meisten kommunalen Baugesetze Ausnahmeregelungen vor. Doch ob ein Baugesuch für das Aufstellen eines Fincube beispielsweise in einer Gemeinde mit einer wertkonservativen Baubehörde bewilligt würde, die zwingend Steildächer vorschreibt, ist kaum vorstellbar. In aufgeschlossenen Gemeinden dürfte der Fall wohl anders liegen, sofern genügend finanzielle Mittel sowie ein geeignetes Stück Land vorhanden sind.


OBEN der offen konzipierte hauptraum verfügt über eine kleine küche, einen ess- und arbeitsbereich sowie eine recht grosszügig bemessene lounge. links Vom schlafzimmer aus gelangt man durch die nische links in die nasszellen Rechts moderne interpretation der guten alten stube. Die textilien folgen einem ausgeklügelten farbkonzept und variieren farblich je nach raumfunktion.


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FINCUBE

Neues Wohnen für Clever & Smart

Home UFO A German designer develops a visionary living concept for urban areas. A businessman from South Tyrol recognizes the potential for the countryside. The two team up and create the Fincube, an innovative prefabricated house system created for country living, which combines modern design and environmental awareness. But this is by no means reserved exclusively for private homes: the concept could also be used for a luxury lakeside hotel consisting of several small Fincubes and one unit housing the reception and garden restaurant. A chic guest pavilion in the park of a sophisticated villa. An artist’s atelier on the site of a former textile factory. A holiday home in a mountain valley. A home office on a slope above a lake. Or a seminar or sampling room in the middle of a vineyard.

Liegt eine Baubewilligung vor, geht es allerdings ruckzuck: Die einzelnen Bauteile werden in Südtirol vorgefertigt, an den gewünschten Ort transportiert und vor Ort montiert. Der schlüsselfertige Fincube steht dann nach rund zwei Monaten ab Produktionsfreigabe. Nun noch die Preisfrage: Da der Kunde aus drei unterschiedlichen Einrichtungsvarianten (Premium,

Der Fincube ist ein Gemeinschaftsprojekt des deutschen Designers Werner Aisslinger und des südtiroler Unternehmers Josef Innerhofer. Der Prototyp steht oberhalb des Südtiroler Landeshauptortes Bozen auf dem Ritten und kann auf Anfrage besichtigt werden. Weitere Informationen sind erhältlich unter: Fincube Hauptstrasse 69 I-39050 Unterinn/Ritten Tel. +49 (0)151 52 18 22 11 oder +39 33 84 96 98 www.fincube.eu

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Standard oder ohne Innenausbau) auswählen und seine persönliche Inneneinrichtung mitgestalten kann, variieren diese. Ein fertiges Modul kostet ab Werk und ohne Inneneinrichtung ab € 150 000. In diesem Preis nicht inbegriffen sind das Bauland sowie die Erschliessungs- und Transportkosten.


Axor Urquiola Awakening your Senses. 速

Mehr Informationen zur Badkollektion Axor Urquiola und der Designerin Patricia Urquiola finden Sie auf www.axor.ch


ART

KUNSTRAUM HOTEL

Kunstraum

hotel

Philipp Bitzer

Heinrich Helfenstein, Isabelle Krieg, Wiedemann / Mettler

Das Hotel Bregaglia in Promontogno ist ein leicht angestaubtes Grandhotel im Bergell und wird von Ende Juni bis Anfang Oktober zum Ausstellungsraum für Kunst, die sich mit der Geschichte und den Geschicken des Hauses und der Region auseinandersetzt. Es ist nur teilweise eine glamouröse Geschichte, diejenige des Hotels Bregaglia. Gebaut wurde es 1875/76 nach Plänen des damals gefragten italienischen Architekten Giovanni Sottovia, der auch im Engadin und im Puschlav Spuren hinterlassen hat. Es erlebte seine Blüte in der Zeit, als die ersten Touristen das südalpine Bergell entdeckten, die ersten Bergsteiger die Bergeller Gipfel erklommen und das Bergell zu einem wichtigen Etappenort für Touristen auf dem Weg ins Engadin wurde. Am einst stolzen Grandhotel in Promontogno ist jedoch längst der Lack abgeblättert. Geblieben ist ein Haus mit einer schönen Geschichte, auf die man gerne zurückblickt. Und der Wunsch, es möge noch eine Weile bestehen, obwohl das Geld für eine umfassende Sanierung fehlt.

Arte Hotel Bregaglia CH-7606 Promontogno Tel. +41 (0)81 822 17 77 www.artehotelbregaglia.ch Mit Werken der Künstler Judith Albert, Evelina Cajacob, Gabriela Gerber & Lukas Bardill, Conrad J. Godly, Isabelle Krieg, Roman Signer, Jules Spinatsch und Wiedemann/Mettler Organisation: Galerie Luciano Fasciati, Chur Ausstellung 27. Juni bis 2. Okober 2010 Vernissage Samstag, 26. Juni 2010, 14 bis 17h Finissage Samstag, 2. Oktober 2010, 14 bis 17h

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Diesen Sommer kehrt nun neues Leben ins Haus zurück. Der Churer Galerist Luciano Fasciati organisiert für die Zeit vom 27. Juni bis zum 2. Oktober die Kunstveranstaltung Arte Hotel Bregaglia und hat dafür namhafte Künstlerinnen und Künstler engagieren können, die sich mit der Region, der Ortschaft und vor allem dem Hotel selbst auseinandersetzen und dafür poetische, versponnene und auch witzige Werke schaffen. So plant Roman Signer eine Art «Kügelibahn», die durchs ganze Hotel und in den Park hinaus führt und dort ein Glöcklein zum Klingen bringt. Das Künstlerduo Gabriela Gerber & Lukas Bardill verlegt bei seinem Projekt Nordwand den Pizzo Badile, ein alpinistischer Bergeller Leckerbissen, flugs ins Hotel und funktioniert die Hotelwände in Kletterrouten für Miniatur-Alpinisten um. Der Fotograf Jules Spinatsch bringt künstliches Tageslicht in die einst lichtdurchflutete, nun aber durch einen unglücklichen Einbau verdüsterte Hotelhalle. Und der Maler Conrad J. Godly holt den Himmel ins Hotel, indem er Nischen im Treppenaufgang zu Ausblicken malt, die den Eindruck von grossen Fenstern erzeugen.


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Isabelle krieg, Zimmerwald, 2010 aufenthaltsbereich im ersten stock wiedemann / mettler, fiamma, 2010 eingangshalle

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Artwork Hotel Judith Albert geht ihrer Faszination für gesprochene und geschriebene Sprache nach und beschriftet eine Reihe von Gegenständen im Hotel im lokalen Idiom, dem Dialekt des Promontogno. Evelina Cajacob «überbelichtet» ein Hotelzimmer, das ausnahmsweise keine Dekorationsmalereien aufweist und nutzt die weissen Wände als Projektionsfläche für eine monochrome Zeichnung, welche die Gegenwart mit der Vergangenheit verwischen soll und umgekehrt. Isabelle Krieg verfremdet unter anderem eine verwitterte Werbetafel des Hotels und zeigt, wie das Interesse am Hotel im Lauf der Zeit immer mehr abgenommen hat. Und das Künstlerduo Wiedemann/Mettler verändert auf ironische Art vorhandenes Mobiliar und gibt ihm so eine neue Bedeutung.

The Hotel Bregaglia, a Grand Hotel in Bergell, has seen better days. From the end of June to the beginning of October, the venerable old building in Promontogno will become an exhibition space for art, reflecting the history and fortunes of the hotel and region. Gallery owner Lucianio Fascati from Chur is organising the Arte Hotel Bregaglia event and has been able to engage acclaimed artists, who have delved into the details of the region, the village and above all the hotel and created works of art that are poetic, quirky and amusing.

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REPORT

AUF DEN GIPFELN DES GENUSSES

Auf den Gipfeln

des Genusses

Margit Uber

Gustav Willeit

Alta Badia liegt mitten im Unesco-Weltnaturerbe der Dolomiten. Spektakulär ist hier aber nicht nur die Natur, auch kulinarisch ist man Spitze: Die Dörfer Corvara und San Cassiano weisen die höchste Dichte an Feinschmecker-Restaurants im gesamten Alpenraum auf. Beste Voraussetzungen also für eine Gourmet-Tour.

Das Erste, was an Michil Costa auffällt, sind seine Buntstifte. Akkurat gespitzt und der Grösse nach aufgereiht zieren sie die Brusttasche seines Jacketts. Während andere Männer mit einem Einstecktuch modisches Bewusstsein zu signalisieren suchen, trägt der Hotelier aus Corvara eine fast kindlich anmutende Exzentrik zur Schau – keinesfalls aus Effekthascherei, sondern, wie er betont, um sich in jedem Augenblick der Vergänglichkeit bewusst zu sein: Von den intensiv genutzten Stiften bleiben am Ende ja nur winzige Stummel übrig. «Nichts auf dieser Welt gehört uns», sinniert der Patron des Nobelhotels La Perla über das Leben im Allgemeinen – und über die Schutzbedürftigkeit seiner Heimat im Besonderen. Denn das ladinische Gadertal,


eine Landschaft von grandioser Schönheit, hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte zu einem begehrten Urlaubsziel entwickelt – und wo nach und nach touristische Strukturen entstehen, läuft eine Region immer auch Gefahr, sich ihrer Einzigartigkeit zu berauben. Und Alta Badia, wie sich der Zusammenschluss der Dörfer des oberen Gadertals nennt, ist in vielerlei Hinsicht einzigartig: Riesigen, urzeitlichen Festungen gleich thronen die Bergmassive der Dolomiten über dem weiten Tal, mächtige Felszacken vor tiefblauem Himmel, eine atemberaubende Naturkulisse, die Le Corbusier einmal als die «schönste Architektur Europas» bezeichnete. In der Abgeschiedenheit dieses ehedem nur sehr schwer zugänglichen Gebietes hat eine jahrhundertealte Kultur überlebt, auf die man hier stolz ist und die man zu bewahren sucht – nicht mal im benachbarten Grödnertal wird dasselbe Ladinisch gesprochen. Man hört ihn überall, den wohlklingenden Singsang der Gadertaler: beim Bäcker, auf der Berghütte, am Bartresen. Auch die Gäste des La Perla werden mit einem «bun dé» begrüsst – und im hoteleigenen Sternerestaurant Stüa de Michil wünscht man «n bun apetit y na bela sëra». Einem schönen Abend in der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Stube steht ohnehin nichts im Weg, zählt die Küche der Stüa doch zu den besten der Region. Patrone Michil Costa leistet sich den Luxus, auf so manches Produkt zu verzichten,


REPORT

AUF DEN GIPFELN DES GENUSSES

das der eine oder andere Gast von einer Sterneküche erwarten würde: Gänsestopfleber sucht man vergeblich auf der Karte, ebenso Hummer und Langustinos. Für kulinarische, vom Zeitgeist diktierte Moden hat Chefkoch Arturo Spicocchi so gar nichts übrig; er stellt lieber das Produkt in den Mittelpunkt und entlockt ihm die wunderbarsten Aromen. Bestes Beispiel sind Törtchen und Eis aus Roter Bete, in denen sich das heimische Knollengewächs von seiner süss-verführerischen Seite präsentiert. Überhaupt scheint Spicocchi seine Freude daran zu haben, die bäuerlichen Traditionen Ladiniens zu neuem Leben zu erwecken: Den Gamsrücken adelt er mit einer Lebkuchenkruste, die traditionelle Gerstensuppe Panicia verfeinert er mit wildem Spinat und geräuchertem Ricotta. Die Panicia gehört zu den Klassikern der ladinischen Küche; sie wärmt, sättigt und war in früheren

Eine atemberaubende Naturkulisse, die Le Corbusier als die «schönste Architektur Europas» bezeichnete. Zeiten eine wichtige Nahrungsgrundlage für das arme, hart arbeitende Bergvolk. Wer in den Genuss von «spëisa da paur», echter Bauernkost, kommen möchte, sollte unbedingt hinauf zum Runch-Hof oberhalb von Badia. In der Küche des 300 Jahre alten Hauses mit seiner steilen Holztreppe und den gemütlichen Stuben steht Maria Nagler am Herd, Abend für Abend, sechs Tage die Woche, und kocht ein ladinisches Menü, dessentwegen Fremde wie Einheimische oft schon Wochen im Voraus einen Tisch reservieren. Seit 15 Jahren ist die Speisenfolge unverändert: Auf Panicia folgen Tutres – in Öl ausgebackene und mit Spinat, Quark, Sauerkraut oder Mohn gefüllte Teigtaschen –, diverse Krapfen, Schweinshaxe und -rippchen, als Alternative zartestes Gulasch mit Polenta. Die Mengen sind beachtlich, der damit verbundene Genuss erinnerungswürdig. Tutres gab es früher immer nur samstags, erzählt Erika Pitscheider vom Sotciastel-Hof; unter der Woche kamen Kartoffeln, Knödel oder Polenta auf den Tisch. Die Bäuerin bietet ladinische Kochkurse an, in denen es ziemlich lustig hergeht – vor allem, wenn eine Gruppe temperamentvoller Italienerinnen die kleine Küche bevölkert. Die schmale Fahrstrasse schlängelt sich oberhalb von St. Leonhard bei Badia den Hang hinauf und wieder ein Stück hinunter; danach kommt nichts mehr ausser Wald und Wiese, Vogelgezwitscher und Bienengesumm. Mit etwas Glück kann man jetzt im Frühjahr den betörenden Gesang der Nachtigall vernehmen. «La Siriola», wie sie auf ladinisch heisst, lockt indes nicht nur Naturliebhaber nach Alta Badia: Kulinarische Genüsse verspricht das gleichnamige Restaurant des Hotels Ciasa Salares in San Cassiano. Seit fünf Jahren steht hier der Sarde Claudio Melis am Herd. Der Sternekoch, der höchst spielerisch mediterrane Leichtigkeit mit alpiner Bodenständigkeit verbindet, gehört zu jenem Triumvirat, das den Ruf Alta Badias als Gourmet-Paradies begründet. Kaum zu glauben: Aber die beiden Gemeinden Corvara und San Cassiano, wo gerade mal 1900 Menschen leben, weisen die höchste Dichte an Feinschmecker-Restaurants im gesamten Alpenraum auf. Zu verdanken haben sie diesen Rekord vor allem auch Norbert Niederkofler, Südtirols kulinarischem Gipfelstürmer. Zwei Michelin-Sterne schmücken das behaglich-elegante St. Hubertus in San Cassiano, das zum Relais-&-Châteaux-Hotel Rosa Alpina gehört. Noch bis 1954 reisten die Hotelgäste mit der Pferdekutsche an; erst ein Jahr darauf wurde die Strasse durch das obere Gadertal bis nach San Cassiano ausgebaut. Heute fährt schon mal George Clooney mit seiner Harley vor.

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REPORT

AUF DEN GIPFELN DES GENUSSES

Norbert Niederkofler setzt sich lieber aufs Rennrad und kurvt die Bergpässe rauf und runter, als ob sein nächstes Ziel die Teilnahme am Giro d’Italia wäre. Dabei wirkt er genauso entspannt wie bei seiner Arbeit hinter dem Herd – hier ist einer am Werk, der sein Hobby zu seinem Beruf gemacht hat. In seinen Gerichten gehen Südtirol, das mediterrane Italien und die fernöstliche Küche eine grandiose Liaison ein. «Make it simple and sexy» lautet das Credo des vielfach ausgezeichneten Meisterkochs, der sich höchster Produktqualität verpflichtet fühlt und Klarheit auf dem Teller schätzt. «Ein dreifacher Salto Mortale – das ist meine Sache nicht», erklärt Niederkofler und fügt hinzu: «Der Gaumen kann ohnehin nur drei bis vier Aromen gleichzeitig wahrnehmen. Warum also sollte man ein Gericht überfrachten?» Und so merkt man dem Latschenrisotto mit geräucherter Perlhuhnbrust oder dem mit Bergheu gegarten Rinderfilet in der Salzkruste zwar ihre Genialität, selten aber die Raffinesse der Zubereitung an. Im St. Hubertus wird Kochkunst weder inszeniert noch zelebriert; «wir wollen dem Gast einfach eine schöne Erinnerung mitgeben.» Die packt man gerne mit ein, denn irgendwann heisst es ja Abschied nehmen – von echten Könnern, kulinarischen Köstlichkeiten und einem Winkel der Welt mit Sehnsuchtspotenzial. Im Winter soll es hier übrigens auch sehr schön sein.

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Alta Badia The Alta Badia holiday region (also known as “Hochabtei”) in South Die Landschaftsaufnahmen stammen vom jungen ladinischen Fotografen und Künstler Gustav Willeit. Die Bilder zeigen die Dolomiten in der Region Alta Badia, der Heimat des Fotografen. Die sorgfältig erarbeiteten Motive offenbaren eine grossartige Berglandschaft zwischen Faszination und Bedrohung. Weitere Schwerpunkte seiner fotografischen Arbeit sind Architektur, Kunst und Portrait. Gustav Willeit lebt in Zürich und Corvara und setzt sich auch mit Videokunst und Malerei auseinander.

Tyrol consists of the uppermost villages in the Gader valley (La Villa,

www.guworld.com

Alta Badia has the highest density of gourmet restaurants in the entire

San Cassiano, Corvara, Colfosco, Pedraces and La Val). The Dolomite mountains towering over the wide valley resemble ancient fortresses. The mighty jagged crags present a breathtaking backdrop, once described by Le Corbusier as “the most beautiful architecture in Europe” and declared a UNESCO World Natural Heritage in 2009. Alta Badia is also rather special in a cultural context. In contrast to the mainly German-speaking South Tyrol, the language spoken here is Ladin, a close relative of Romansh. And people also tread innovative gastronomic paths: as well as traditional cuisine, Alpine region.

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Portrait

RADICAL CUSTOM

Hinter den sieben Bergen

Radical Custom hinter den siebeN Bergen

Dario Cantoni

Gaudenz Danuser

Die radikalsten Harleys kommen nicht aus Kalifornien, sondern aus dem Alpenraum. Eine angefressene Bikerfamilie aus dem bündnerischen Landquart hat sich ganz dem Umbau der uramerikanischen Legende verschrieben. Auf Basis serienmässiger Harleys entstehen technisch perfekte Vollblut-Customs mit einem grimmigen Steinbock als Markenzeichen. Motorräder. Das grosse Gefühl der Freiheit. Outlaw. Rebell mit Stiefeln und Lederjacke, der die Passstrasse hochjagt. Steve McQueen und Marlon Brando. Born to be wild. Die Easy Rider Peter Fonda und Dennis Hopper. Das tiefe Bullern der Motoren. Serge Gainsbourg: Harley David Son of a Bitch. Und dann Brigitte Bardot, die ab den Vibrationen der Maschine in Wallung gerät. Bilder, die Generationen geprägt haben. Sprechen wir also über Motorräder. Ich meine richtige Motorräder. Nicht irgendwelche Zweiräder, die bloss so tun, als wären sie Motorräder. Jeder echte Biker weiss, was ich meine. Und eigentlich geht es hier nicht bloss um Motorräder, sondern um eine ganze Lebenshaltung. Nur. Da sich seit einiger Zeit die ganzen Frühpensionäre aus der Flower Power Generation nach Büroschluss auf eine Harley Davidson schwingen (Born to be wild 2 – saumässig unterwegs mit John Travolta), kann es diese nicht mehr sein. Also Umbau. Auf neudeutsch «Custom»! Doch Custom ist nicht gleich Custom. Da muss es schon etwas Besonderes sein. Radical Custom. Und so landen wir wieder beim Doppel-B. So herausragend und sexy die Bardot (BB) in den 50ern war, sind es heute die Vollblut-Motorräder von Bündnerbike aus dem herrschaftlichen Niemandsland bei Landquart – eine geniale Kombination aus handwerklichem Können, Eigensinn, Show-off und Strassentauglichkeit.

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Bündnerbike. Das ist zuerst eine total angefressene Bikerfamilie. Das sind Jürg Ludwig senior, der Visionär und Stratege, Jürg Ludwig junior, der Schrauber und Tüftler, sowie Mutter Heidi und Tochter Natalie, die auf charmante Art für ein Quantum an Bodenhaftung sorgen. Da sind aber auch noch fünf bis sechs weitere leidenschaftlich gute Spengler, Mechaniker und Lackierer (schwer zu finden) und der familieneigene Karosseriebetrieb, der die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellt. Nach monatelanger Arbeit, nach minutiöser Planung, Entwicklung, dem Design, nach nächtelangem Schrauben, Blechbiegen und Lackieren rollt ein perfektes Highend-Bike aus der Werkstatt. Die Ludwigs haben es geschafft: ihre radikalen Customs gehören mittlerweile zum Besten, was es gibt – weltweit. Trotz allem bleibt Jürg Ludwig auf dem Boden. «Vieles, was sich Custom nennt, wird die Strasse nie sehen und ist eigentlich völlig unbrauchbar. Nicht so die Bündnerbikes: Ich will doch mit meinem Töff rumfahren. Und zwar nicht nur geradeaus auf dem Highway. Nein, hier, den Berg hoch, im Gelände mit all den Kurven. Bei uns ist jeder Töff komplett vorgeführt und 100% verkehrstauglich.» Die Bündner Customs basieren in der Regel auf einer serienmässigen Harley Davidson Softtail. Rahmen und Triebwerk sind original Harley. Doch da hört es bereits auf. Die Gabel ist eine Eigenkonstruktion und vom strengen Schweizer Dynamic Test Center in Biel zertifiziert (eigentlich eine Auszeichnung). Genauso die Sechs-Kolben-Bremsanlage sowie die


Portrait

RADICAL CUSTOM

Hinter den sieben Bergen

die radical bikes verbinden ausgereifte technik und cutting edge design (Foto: Bündnerbike)

Bündnerbike-Lenker. Viele weitere Teile wurden von Grund auf selbst entwickelt. Es ist absolut erstaunlich, wie auf Basis einer eher schwerfälligen Softtail derart niedrige und lang gestreckte Chopper entstehen können. Typisch für Bündnerbike sind die geschwungenen Übergänge, fliessenden Kanten und die millimetergenaue Passform der eigens gebogenen Bleche. Und natürlich der absolut fette 300er- oder 330er-Hinterreifen (man soll gleich sehen, dass dies nicht ein hundskommuner Töff ist). Sonst gleicht kein Bike dem andern. Beim einen findet man ein Schweizer Offiziersbajonett als Teil des Schaltgestänges wieder, beim anderen ein winziges, im Lenker integriertes LED-Display, das dem Fahrer die wichtigsten Informationen anzeigt. Jedes Bike wird massgerecht für den jeweiligen Kunden hergestellt, samt perfekter Passform des Sitzes. Der erste Umbau von Jürg Ludwig geht auf das Jahr 2000 zurück. Mithilfe des Sohnes (damals noch in der Lehre) in der Freizeit zusammengeschraubt, wurde er an der Swiss Performance «Best of Show» – das hiess ein Ticket zur Daytona Bikeshow, wo der Newcomer auf Anhieb den vierten Rang erreichte. Das zweite Bike, die goldenfarbene Hot Flames, war dermassen aufsehenerregend, dass sie gestohlen wurde. Richtig los ging es, als der Junior 2005, nach abgeschlossener Lehre als Automechaniker und einer Zusatzausbildung als Spengler, voll in die Bikeproduktion einstieg. Sechs Personen bauen inzwischen 20 Customs pro Jahr, Preis ab 40’000 Franken. Für Schweizer Verhältnisse schon eine Grossauflage. Die neuste Entwicklung sind die Radikal Bikes, absolut phänomenale Motorräder, die ausgereifte Technik und Cutting Edge Design auf den Punkt bringen. Diese exklusiven Einzelanfertigungen kosten ab 100’000 Franken. Bei diesen Zahlen wird klar: Bündnerbike baut keine Töffs für die Masse, sondern richtige Motorräder für wahre Asphalthelden. Da gibt es für Jürg Ludwig keine Kompromisse. «Wir haben unseren eigenen Stil und verkaufen nicht um jeden Preis. Auch die persönliche Ebene muss stimmen. Produziert wird erst nach Bestellung und exklusiv für die Schweiz. Für mich ist Geiz nicht geil. Qualität ist geil!» Der Erfolg gibt ihm recht: Die Auftragsbücher sind voll.

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Diese Custom Bikes gehören zum Besten, was es gibt: Sie sehen nicht nur gut aus, sie sind «DTC geprooved» und 100% strassentauglich.


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EIN SO GENANNTER «BOBBER» IM RETROLOOK (Foto: Bündnerbike)

Radical custom behind the seven summits The most radical Harleys don’t come from California but from the Alpine region. A family of biker freaks from Landquart in Canton Graubunden has totally dedicated itself to converting this traditional American legend. Standard Harleys are taken as a starting point and converted into technically perfect, full-blooded custom-made bikes. The “bad-boys bikes” with the grim-faced ibex as the logo are approIm Herbst 2010 eröffnet Bündnerbike in Maienfeld ein für die Schweiz einzigartiges Bikerzentrum. Das Angebot umfasst das komplette Serviceprogramm für Harley Davidson und Buell samt Bikes, Parts, Biker-Zubehör, aber auch Bekleidung und Accessoires. Werkstatt und Ausstellungsraum der Custom Bikes werden unter demselben Dach sein. Gleichzeitig übernimmt Bündnerbike die offizielle Vertretung von Harley Davidson und Buell im Kanton Graubünden.

ved by the Dynamic Test Center Biel and 100% roadworthy. A Bündnerbike costs from 40,000 Swiss francs. The latest developments are Radical Bikes, absolutely phenomenal custom-made models that focus on state-of-the-art technology and cutting edge design. Bündnerbike doesn’t build bikes for the mass market but crafts motor bikes fit for asphalt heroes. And here, Jürg Ludwig refuses to compromise. «We have our own individual style, and we don’t sell at any price. Everything has to be in tune on a personal le-

www.buendnerbike.ch

vel, too. We produce exclusively to order and only for Switzerland. For me, cheap isn’t cool. Quality is cool!»

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Ihre Hotel-Webseite in vier einfachen Schritten Eine hochwertige CMS-Lösung mit individuell ausbaubaren Zusatzmodulen

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PORTRAIT

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DAS BERGGEDĂ„CHTNIS

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Alpengeschichten von Urs Augstburger


Filmstills: Urs Augstburger, Porträt: Rita Palanikamur

Mit seiner Bergtrilogie «Schattwand», «Graatzug» und «Wässerwasser» hat sich der Aargauer Schriftsteller Urs Augstburger in die Herzen der Schweizer geschrieben. Die Abgründe, die sich in seinen Romanen auftun, sind tief und schwindelerregend. Doch der Autor fängt den Leser auch wieder auf mit seinen kraftvollen Bildern einer faszinierenden Natur. Wir fragten den Autor, wo er seine Themen und Bilder gefunden hat, die sich in dramaturgischer Dichte überlagern wie die jahrmillionenalten Gesteinsschichten der Alpen.

Christina Horisberger

DAS BERGGEDÄCHTNIS


DAS BERGGEDÄCHTNIS

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BERGROMAN Bergroman

Graatzug

wässerwasser

URS

AUGSTBURGER

URS AUGSTBURGER

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8.2.2007

10:59 Uhr

Seite 1

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17.7.2009

14:36 Uhr

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Schattwand (2001, Hardcover, vergriffen), Graatzug (2007), Wässerwasser (2009) von Urs Augstburger, erschienen im Bilgerverlag www.bilgerverlag.ch

PORTRAIT

Alpengeschichten von Urs Augstburger

Urs Augstburgers Augen sind eine Mischung aus blau, grün und grau. Als würden sich in ihnen abwechselnd ein tiefgründiger Fluss, milchiges Gletscherwasser oder die Klarheit eines Bergbaches spiegeln. Ja, am Wasser, im aargauischen Brugg, sei er aufgewachsen, das hätte ihn wohl schon sehr geprägt. Und Wasser ist ein zentrales Motiv in seiner Bergtrilogie. Wir treffen uns an seinem Wohnort Ennetbaden. Für einen Tag nur ist Urs Augstburger ins Flachland zurückgekehrt, danach fährt er wieder hinauf nach Disentis, um an seinem neuen Roman zu schreiben. Die Treppe zum Dachatelier ist steil und glatt weiss lackiert. Vorsicht ist geboten, die Fallhöhe ist hier schon vorweggenommen, die sich in seinen drei Bergromanen immer wieder zeigt. Das warme Holz im Atelier wirkt da wie ein willkommener Kontrast. Über dem Arbeitstisch hängt ein Gemälde: die Schattwand, eingetaucht in das fluoreszierende Licht des Mondes. Die Schattwand in seinem gleichnamigen ersten Bergdrama ist kein bestimmter Berg, genauso wenig wie das Dorf Gspona, um das es hier geht, ein lokalisierbarer Ort ist. Das ist ganz bewusst so gewählt. Gspona ist die Parabel für ein Bergdorf und seine Bevölkerung, die sich dem Fortschritt verschliesst und damit ihren Untergang besiegelt, begleitet von Schneelawinen und Tod. Als die Idee für den Roman «Schattwand» reifte, ging es Urs Augstburger um die Schweiz und ihre Rolle in Europa. Sich abschotten oder öffnen? Eine politisch motivierte Parabel. Die Bergwelt, die hohen Wände und tiefen Abgründe, die Fallhöhen. Die Dramaturgie der Gegensätze liessen Urs Augstburger den Roman in die Berge verlegen. Weil sich in den Bergen Fortschritt und Technisierung schon viel früher und einschneidender bemerkbar machten als im Unterland. Und weil er sie liebt, die Berge, das natürlich auch. Drei bis vier Monate zieht sich Urs Augstburger nach Disentis zurück, um an seinen Büchern zu schreiben. Mit dabei hat er im Winter immer seinen Zaï, den Ski mit dem Kern aus Granit, ihr Erfinder ein guter Freund. Normalerweise stehen sie an der Wand im Atelier. Unübertrefflich in der Qualität und im Fahrgefühl, sollen sie den Autor stets daran mahnen, präzise und mit Geduld zu arbeiten. Im Sommer wechselt Urs Augstburger aufs Bike, fährt von Disentis auf den Lukmanier- oder Oberalppass und wieder zurück. Disentis, das von allen Seiten von Pässen umschlossen ist. Doch bei seinen Fahrten sucht er nicht gezielt Bilder für seine kraftvollen Naturbeschreibungen, wie man es vielleicht vermuten würde. Auch setzt er sich nicht den Gefahren aus, die seinen Figuren in den Bergen begegnen. Urs Augstburger ist kein waghalsiger Bergsteiger oder Eiskletterer. Für «Schattwand», aber auch «Graatzug», sein zweites Buch, waren es Bergromane aus der Blütezeit der 1930er- bis 1950er-Jahre, die ihm die Bilder und Geschichten lieferten. So ist er auf einen bergsteigenden Schriftsteller gestossen, dem es gelungen ist, die Bergwelt bis ins Detail anschaulich zu schildern. Die Berge, aber auch den Brauchtum der damaligen Zeit. «Schon fast thrillerartig», so Urs Augstburgers Kommentar. Auch alte Bergfilme lieferten Bilder und Geschichten, zu denen der Autor jeweils noch genauer recherchierte. Gspona in «Schattwand» ist überall. Die Figuren besitzen Bündnernamen, die Flurnamen sind aus dem Berner Oberland entlehnt. «Graatzug» hingegen spielt im Wallis, in Plon, und ist das Gegenstück zur «Schattwand». Hier trifft tiefste Walliser Bergtradition auf technischen und gesellschaftlichen Fortschritt. Hier mischt sich das Schlagen des Merkhammers, das den Bauern seit Jahrhunderten anzeigt, dass das Gletscherwasser durch die Suonen fliesst, mit den Sprengladungen des Staudammbaus, die Zukunft und Prosperität versprechen. Das Wallis, das Wasserreservoir der Schweiz. Das Wallis mit seinem eigenwilligen Dialekt. Es war Verleger Rico Bilger, selbst Walliser aus Leukerbad, der dem Autor beim sprachlichen Lokalkolorit zur Seite stand. Und Bilgers Kantonsschullehrer Alois Grichting. Dessen Wörterbuch «Wallisertitschi Weerter» war Augstburgers Bibel für die richtigen Wörter und Flüche im Buch. Und da


ist im Roman «Graatzug» noch etwas, was neben den Merkhämmern und Sprengladungen ständig mitschwingt. Die Sagen, ohne die ein richtiger Bergroman nicht auskommt. Die mystischen Geschichten, die dem Unerklärlichen in den Bergen einen Namen geben und die Ängste bannen. Die Sage in «Graatzug» ist erfunden. Das erstaunt, doch der Autor hat beim Recherchieren gemerkt, dass Bergsagen immer wieder ähnliche Muster aufweisen, die gleichen Themen behandeln, in lokalen Variationen. Augstburgers Vorbild zur Ploner Sage war der deutschsprachige Walliser Schriftsteller Adolf Fux, dem er im Buch in einem Zitat seine Referenz erweist. Mit dem recherchierten Material geht der Autor respektvoll um. Und für den Leser transparent. Nur in «Schattwand» führt er ihn ein wenig an der Nase herum. Die Gemälde der Figur Lisbet Comet, von denen man einige im Internet ansehen kann, es gibt sie, aber sie sind von Augstburgers Grossvater gemalt. Auch die mondbeschienene Schattwand im Atelier. In «Wässerwasser» sind es Klimaberichte, die der Autor als Quelle für das Zukunftsszenario in seinem Roman verwendet hat. Der Klimawandel, für Urs Augstburger ist er in vollem Gang. «Wässerwasser» führt vor Augen, was sich in 30 Jahren hier in der Schweiz abspielen könnte: ein Strom von Klimaflüchtlingen aus Afrika, denen niemand mehr gewachsen ist, unerträgliche Hitze, Wasserknappheit. Das Eden Resort ist das letzte Paradies, wo die Temperaturen im Sommer noch erträglich sind. Fortschrittlich gebaut ist die Ferienanlage der Luxusklasse aus Stroh und Lehm. Jeder Bungalow hat seine eigene Wasserversorgung, mit Wasser aus dem hauseigenen Schlüchtsee. Doch die Hitze und Trockenheit im Sommer birgt die Gefahr von Waldbrand, die Gewitter in den Zwischensaisons bringen Gerölllawinen. Und Schnee im Winter gibt es kaum mehr. Science Fiction sei dies nicht. Für Urs Augstburger ist das, was in «Wässerwasser» passiert, durchaus denkbar, «auch wenn viele dies noch nicht wahrhaben wollen. Sie sagen: Was sind schon zwei Grad?» Der Bergroman lässt keine Zweifel offen. Zwei Grad können die Welt verändern und das Gesellschaftsgefüge in der Schweiz. In «Wässerwasser» hat die Figur Noah seine Zaïs vor 25 Jahren das letzte Mal gebraucht. Das wäre von heute aus gerechnet in fünf Jahren nur. Hoffen wir, dass Urs Augstburger die seinigen noch ein paar Jahre länger benutzen kann. Nicht nur für ihn, weil der Autor das Skifahren liebt, sondern auch für uns, weil das Hinabgleiten über den Schnee eine wichtige Inspirationsquelle für den Aargauer Schriftsteller ist. Der Roman, an dem er aktuell schreibt, spielt in seiner Heimatstadt Brugg. Das Wasser lässt ihn auch hier nicht los. Gurgelnd schiesst es unter der Aarebrücke hindurch. Tiefgründig dunkel und angereichert mit Geschichten.

Mountain memories With his mountain trilogy “Schattwand”, “Graatzug” and “Wässerwasser”, author Urs Augstburger from Aargau has written his way into Switzerland’s heart. The chasms that his novels open up are dizzying. Here, the belief in progress collides with the deepest of mountain traditions, and in doing so claims its casualties. The writer succeeds in providing a dramaturgically dense description of the power of the mountains in all their nuances: ruthlessly, irrepressibly, yet at the same time fascinatingly beautiful. And in the centre, man with his wishes, hopes and dreams. The mountain trilogy is an enthralling journey into the past, present and future of the Swiss Alps.

Urs Augstburger Urs Augstburger (*1965 in Brugg) lebt und schreibt in Ennetbaden und Diesentis. Nebst den drei Bergromanen sind von ihm bereits erschienen: «Für immer ist morgen» (Roman 1997), «Chrom». Eine Basil-Bast-Produktion (1999), «Gatto Dileo». Eine Liebesballade (Roman 2004). Beim Schweizer Fernsehen ist Urs Augstburger verantwortlich für Koproduktionen von Fernseh- und KinoDokumentarfilmen.

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report

US-BOMBER ÜBER GRAUBÜNDEN

US-BOMBER

über Graubünden

Dario Cantoni

US Airforce, Fredy Peter, Stefan Neaf

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges stürzten rund ein Dutzend amerikanische Bomber über dem Gebiet Graubündens ab. Dazu kommen zirka 170 unbeabsichtigte Bombenabwürfe. Stumme Zeugen findet man noch heute hier und da verstreut in unzugänglichen Runsen und an abgelegenen Bergflanken. Am 12. Juli 1944 wird die B-24 Bim Bam Bola über München von schwerem Flakfeuer getroffen, Motor 3 fällt aus und auch andere Systeme sind schwer beschädigt. Im Geschwader war der US-Bomber einige Stunden zuvor im Süden Englands mit dem Ziel gestartet, die Fabriken der deutschen Rüstungsindustrie in München zu zerstören. Ein Rückflug in die Heimatbasis ist nun nicht mehr möglich. Die Bim Bam Bola verlässt den Verband und flieht, gejagt von deutschen Messerschmitts, Richtung Schweiz. Über dem Bodensee wird der Autopilot eingeschaltet, dann erfolgt der Befehl zum Absprung mit dem Fallschirm. In Unkenntnis der genauen geografischen Lage leider zu früh. Nur drei der Besatzungsmitglieder landen wie geplant in der Schweiz, die anderen sechs landen in Österreich und geraten in Kriegsgefangenschaft. Der führerlose Bomber bohrt sich zehn Minuten später in den weichen Moorboden der Fideriser Heuberge. Ähnliche und auch dramatischere Ereignisse wiederholen sich in den letzten beiden Kriegsjahren verschiedentlich. Die grossflächige Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten mit dem Ziel, die Bevölkerung zu demoralisieren und den Nachschub an Kriegsmaterial zu unterbinden, befindet sich auf dem Höhepunkt. Die südlichen Ziele wie Augsburg, München oder Lechfeld werden nicht nur von England, sondern auch von Tunesien oder später von Italien aus angegriffen. Werden die «Fliegenden Festungen» in den intensiven Luftkämpfen oder durch die Fliegerabwehr beschädigt, versuchen sie den Alpenkamm zu überqueren, um sich in Sicherheit zu bringen. Nicht

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selten muss die Mannschaft die ganze Last inklusive Bomben und Maschinengewehre abwerfen, um den Absturz zu verhindern. Gelingt es der Besatzung nicht, rechtzeitig an Höhe zu gewinnen, bleibt nur noch der Absprung. Glück hatte, wer heil in der Schweiz landete, die anderen kamen in Kriegsgefangenschaft oder wurden erschossen.

OBEN DIE B-17 CHAMPAGNE GIRL FÜHRT DAS GESCHWADER AN. NACH 30 ERFOLGREICHEN EINSÄTZEN ZERSCHELLT SIE AM 19. JULI 1944 BEI OBERSAXEN. ALLE NEUN BESATZUNGSMITGLIEDER KÖNNEN SICH MIT DEM FALLSCHIRM RETTEN. rechts WRACKTEILE DER BIM BAM BOLA, FOTOGRAFIERT IM JAHRE 2000 VON FREDY PETER.


report

US-BOMBER ÜBER GRAUBÜNDEN

oben TRÜMMERTEIL EINER B-17 AM PIZ PLAZER OBERHALB S-CHARL. ABGESTÜRZT BEI SCHNEESTURM AM 5. FEBRUAR 1945. DER NAVIGATOR STIRBT AN SEINEN KOPFVERLETZUNGEN, DIE RESTLICHEN NEUN BESATZUNGSMITGLIEDER ÜBERLEBEN. VIER FLIEHEN IN DIE FALSCHE RICHTUNG UND GERATEN IN ÖSTERREICH IN KRIEGSGEFANGENSCHAFT, FÜNF FINDEN IN EINER WALDHÜTTE SCHUTZ UND WERDEN EINE WOCHE SPÄTER VON SCHWEIZER GRENZWÄCHTERN GEFUNDEN – NUR 800 METER VON DER GRENZE ENTFERNT.

US bombers over Graubunden Towards the end of the Second World War, around a dozen American bombers crashed over the Graubunden region. To these can be added about 170 unintentional bombings. Silent witnesses can still be Das Festungsmuseum Crestawald widmet dem Thema «US-Bomber über Graubünden» diesen Sommer eine Sonderausstellung. Gezeigt werden diverse Wrackteile abgestürzter US-Bomber, zeitgenössische Dokumente und Fotografien. Festungsmuseum Crestawald San Bernardino Route A 13 (Ausfahrt Avers oder Sufers) www.crestawald.ch Ausstellung vom 5. Juni bis 30. Oktober 2010

found, scattered here and there in inaccessible gullies or on remote mountain slopes. The extensive Allied bombardment of German cities was at its height. Southern targets such as Augsburg, Munich and Lechfeld were not only attacked from airfields in Great Britain but also from Tunisia and later Italy. If the flying fortresses suffered damage in the intensive air battles or from anti-aircraft artillery, the pilots tried to clear the Alpine ridge to reach safety. The crews frequently had to jettison their entire load, including bombs and machine guns, to avoid crashing. If they didn’t succeed in gaining enough height in time, the only thing left was a parachute jump. The lucky ones landed safely in Switzerland, the less fortunate ended up as prisoners of war or were shot.

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PORTRAIT

DESIGNSTAR

Philippe Bestenheider

Philippe bestenheider

designstar Philipp Bitzer

Atelierbilder De Sede, weitere Herstellerbilder

Der Walliser Produktdesigner Philippe Bestenheider mausert sich insgeheim zum international gefragten Star. Nach dem Architekturstudium an der ETH Zürich und dem Master of Design an der Mailänder Domus Academy arbeitete er fünf Jahre bei der spanischen Design-Überfliegerin Patricia Urquiola. Seit 2007 ist er selbstsändig und macht seither mit wunderbar eigenständigen Entwürfen auf sich aufmerksam.

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Noch ist er ein Geheimtipp ausserhalb seiner Gilde, der Walliser Architekt und Produktgestalter Philippe Bestenheider. Doch das dürfte sich schon bald ändern. Denn der 39-Jährige aus Crans-Montana hat nicht nur das kreative Talent zum internationalen Star, er hat bisher auch in medialer Hinsicht alles richtig gemacht. Dabei halfen ihm sicherlich seine kreative Polyvalenz und seine kommunikative Kompetenz. Dies als Folge davon, dass er einerseits zurückgezogen, aber gleichzeitig auch mehrsprachig und multikulturell aufgewachsen ist – seine Mutter stammt aus Zug, der Vater ist seit Generationen verwurzelt in Crans-Montana. Er selbst kennt sowohl die Landschaft (da in Crans-Montana aufgewachsen) als auch die urbanen Ballungszentren (da in Zürich an der ETH zum Architekten ausgebildet). Doch die wichtigste Hilfe bei seiner Karriereplanung war ihm sicherlich, dass er schon einmal miterlebt hat, wie es ist, wenn man innert kürzester Zeit vom Shooting- zum international gefragten Star wird. Nicht an sich selber hat er das erlebt, sondern an Patricia Urquiola, der zurzeit wohl kreativsten und einflussreichsten Designerin in der internationalen Designszene überhaupt.

philippe bestenheider bei der Herstellung eines protoypen für de sede. alle Fotos im workshop © mike meiré

Das kam so: Bestenheider hatte nach seinem Master 2000 beim Studio des renommierten Mailänder Designers Piero Lissoni angefragt, ob er dort arbeiten könne. Man beschied ihm, dass ein gewisses Interesse vorhanden sei. Und die Person, die ihm dies mitteilte, war niemand anders als Patricia Urquiola, die bei Lissoni damals die Designabteilung leitete. Aus Bestenheiders Anstellung wurde zwar nichts, da Urquiola gerade auf dem Ab-


PORTRAIT

DESIGNSTAR

Philippe Bestenheider

sprung war und sich kurze Zeit später selbstständig machte (und ihr Nachfolger wollte nicht so recht weitermachen). Doch Bestenheider fand die Arbeiten von Urquiola selber dermassen spannend, dass er kurzerhand sie fragte, ob sie nicht jemanden bräuchte. Sie brauchte, weshalb er als Allrounder und zweiter Angestellter in ihrem aufstrebenden Mailänder Büro Unterschlupf fand und so den kometenhaften Aufstieg aus dem Innern der gezündeten Rakete heraus hautnah miterlebte (heute arbeitet Urquiola für die namhaftesten internationalen Möbelhersteller und beschäftigt in ihrem Studio weit über 30 Mitarbeitende, die längst auf die verschiedenen Unternehmensbereiche spezialisiert sind). Die enge Zusammenarbeit mit Patricia Urquiola war für Philippe Bestenheider aber nicht nur in unternehmerischem Sinne fruchtbar (als Senior Designer arbeitete er unter anderem eng mit den Verantwortlichen von Moroso, Molteni, Agape, Alessi und Axor zusammen), sondern auch aus gestalterischer Perspektive ein absoluter Glücksfall: «Patricia nahm mir die Angst vor grellen Farben und ausgefallenen Formen», erinnert er sich, «und so wage ich heute viel mehr als früher.» Diesen Wagemut sieht man vor allem seinen jüngsten Möbelentwürfen an, die er beispielsweise für das Top-Label Moroso entworfen hat. Doch Bestenheider kann natürlich auch ganz anders: Denn sein Wagemut sei nicht mit Aufgeregtheit oder gar farblich-formaler Provokation um der Provokation willen zu verwechseln. Im Gegenteil: An seinen Arbeiten ist nichts Modisches, Gaghaftes auszumachen. Alles macht Sinn, die Einbettung in den historischen und geografischen Kontext, die Wahl des Materials, die Formgebung, die Ergonomie, die finale Verarbeitung, die zu erzählende Geschichte des Produkts. Und man spürt aus all seinen Entwürfen noch zusätzlich etwas ganz Besonderes heraus, nämlich den Spass am Leben, die Freude an der Arbeit, am täglichen Feilen an der guten Form, am täglichen Feilschen für die gewünschte Funktion. Und dies mit einem Lächeln im Gesicht und schalkhaft blitzenden Augen. Ja, dieser humorvolle, gescheite junge Mann aus den Alpen wird es in der Stadt und der grossen weiten Welt noch sehr weit bringen. Eine Prognose, die nun wahrlich nicht besonders wagemutig ist.

Star-Designer from the Alps Born in Sion in 1971 and raised in CransMontana (both in French-speaking Switzerland), Philippe Bestenheider is one of the shooting stars on Milan’s international design scene. Bestenheider gained his degree in architecture at the Swiss Federal Institute of Technology in Zurich. In 2000 he obtained a Master’s degree in industrial design at the Domus Academy in Milan, where he was later offered a teaching post. From 2001 to 2006 he was the senior designer at Patricia Urquiola’s office in Milan, working for Moroso, Molteni, Agape, Alessi and Axor amongst others. He opened his own studio in 2007 and now works between Switzerland and Milan. His clients include Moroso, de Sede, Pallucco, Fratelli Boffi, Varaschin and Frag.


SEITE gegenüber sessel «Binta» von moroso unten Barhocker «Titti» von Frag oben Links Stuhl «alice» von nilufar oben rechts Stuhl «Lui5» von Fratelli Boffi unten links Beistelltisch «DS 9045» von de sede unten rechts Polstersessel «dS 315» von De sede

Design-Überflieger aus dem Wallis Der Designer Philippe Bestenheider ist 1971 im Schweizerischen Sion (Wallis) geboren und in CransMontana aufgewachsen. Nach seiner Schulzeit studierte er an der ETH Zürich Architektur und danach Industriedesign an der Mailänder Domus Academy. Nach dem Master of Design im Jahr 2000 arbeitete er während fünf Jahren als Senior Designer im Büro von Patricia Urquiola, der internationalen Überfliegerin der letzten Jahre im Bereich Produktdesign. Ausserdem dozierte er in dieser Zeit an der Domus Academy. 2007 machte sich Bestenheider selbständig und gründete dann sein eigenes Studio für Produktdesign und Architektur in Mailand und Crans-Montana. Zu seinen Kunden zählen heute namhafte Firmen wie Moroso, deSede, Pallucco, Fratelli Boffi, Varaschin und Frag. Weitere Informationen zur Person von Philippe Bestenheider oder zu seinen Entwürfen erhalten Sie unter info@bestenheider.com.

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LIVING

12M 2 GLÜCKSELIGKEIT

Adrian von Moos

Mit Ausblick auf das Matterhorn

Reto Guntli

Dieses bezaubernde, gerade mal zwölf Quadratmeter kleine Häuschen ob Zermatt war einst das Heim von emsigen Bergbienen. Heute ist es Rückzugsort für den über die Region hinaus bekannten Künstler Heinz Julen. Nicht ganz unerwartet sind Heinz Julens Entwürfe tief durchdrungen von der ihn umgebenden Natur und ihrer unzügelbaren Gewalt: Als junger Mann hatte er einst sein Heimatdorf Zermatt verlassen und war ins Tal hinuntergezogen nach Sitten, um dort, in der Kantonshauptstadt, Kunst zu studieren. Da er aber nicht fand, was er gesucht hatte, oder anders gesagt, da er sich im Tal unten bewusst wurde, was er an Reichtum hinter sich gelassen hatte, zog er wieder zurück in seine Heimat, die ihm mehr als genug Inspiration bot, um seiner Berufung nachzukommen. Autodidaktisch entwickelte sich Julen zum Künstler und bezeichnet sich heute als tief verwurzelt in der Region mit ihrer charakteristischen Religiosität, die es einem Individualisten wie ihm erlaube, eine enge Verbindung herzustellen zwischen der natürlichen Umgebung und seiner ureigenen geistigen Dimension. Und diese Grunderfahrung ist auch in den spannenden Umbau des vom Grossvater geerbten, über hundertjährigen Bienenhauses eingeflossen. Weitab vom touristischen Rummel liegt Julens Bijou im Weiler Findeln auf 2150 m ü. M., direkt an einem steilen Fussweg, der mitten durch eine magische Berglandschaft führt. Der Blick auf

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das Matterhorn ist atemberaubend, und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass nicht viele Bienenvölker das Privileg hatten, an derart schöner Lage ihren Berghonig sammeln zu dürfen. Auch der heutige Besitzer ist mehr als nur privilegiert, wenn er sich hierher zurückziehen darf in die tiefe Stille, um zu meditieren oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Doch dieses Privileg musste sich Julen zuerst einmal erschaffen, indem er das Unmögliche möglich machte und aus einem Holzstadel mit einer Grundfläche von lediglich 12 Quadratmetern einen Lebensraum kreierte, der genug Raum zum Atmen und Leben bietet. Dank einer Raumhöhe von dreieinhalb Metern und einer optimalen Ausnutzung des vorhandenen Raumangebotes gelang es dem auch in architektonischen Belangen autodidaktisch und sensitiv vorgehenden Julen, aus den beengten Platzverhältnissen das Maximum herauszuholen. Bei der Materialisierung hat sich Julen hingegen auf das Minimum beschränkt. Die Natursteine und das Lärchenholz sind aus der Region und werden hier seit Menschengedenken als Baustoffe genutzt.


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LIVING

12M 2 GLÜCKSELIGKEIT

Mit Ausblick auf das Matterhorn

OBEN Dank einer grossen fensterfront wurde aus der einst dunklen hütte ein lichtdurchfluteteR miniloft, in der auch schon der mit Heinz Julen befreundete musiker Robbie Williams genächtigt hat. Rechte seite Die knappen Platzverhältnisse zwangen julen zu unkonventionellen lösungen. Über der Sitzecke und dem bad (mit Whirlpool!) baute er hochbetten ein. ausserdem ist der übergang von innen nach aussen fliessend. dadurch wähnt man sich in einem grösseren gebäude, als es in tat und wahrheit ist.

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Im Innern des Gebäudes kommen zusätzlich zum vielen Arvenholz auch die für Julen so typischen Stahlkonstruktionen zum Einsatz, die den Raum horizontal und vertikal unterteilen und gleichzeitig auch vergrössern, beispielsweise durch den Einbau von Hochbetten, die über Leitern erreichbar sind. All dies unterstreicht auch den grundsätzlich spartanischen Look des Häuschens, dessen einziger, aber umso neckischerer Luxus ein Whirlpool ist mit Blick aufs «Horu», wie die Einheimischen ihren berühmtesten Berggipfel liebevoll nennen. Während das Innere also modernsten Ansprüchen gerecht wird, deutet von aussen wenig bis fast nichts auf den atypischen Umbau hin. Das Steindach ist gleich wie dasjenige der benachbarten Hütten. Die über die Jahrzehnte abgedunkelte Holzfassade wurde in ihrer Authentizität belassen. Einzig die über 30 Quadratmeter grosse Terrasse mit dem inzwischen silbern gewordenen Holzdeck lässt erahnen, dass hier oben etwas Spezielles entstanden ist, um nicht zu sagen etwas Einzigartiges. Ein bewohnbares Bienenhaus eben, das nicht mehr dem emsigen Schaffen, sondern dem kontemplativen Philosophieren dient.


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LIVING

12M 2 GLÜCKSELIGKEIT

Mit Ausblick auf das Matterhorn

Alpine Metamorphosis Far from the madding crowd and towering high above over the picturesque town of Zermatt, the hamlet of Findeln (2150 m above sea-level) proudly accommodates a hundred-year-old cabin with a ceiling height of 3,5 metres and a surface area of 12 square metres. This unique chalet is beautifully situated on a precipitous mountain slope with a breathtaking view of the glorious Matterhorn, surrounded by a magical mountain landscape and, needless to mention, accessible by ski. The local artist Heinz Julen frequently takes advantage of this former apiary – his paternal inheritance – in order to create and meditate in complete tranquility. When the mountains enjoy the afterglow and radiate their presence, philosophical minded Julen retreats to his established fortress of silence and solitude. He reflects: “The smaller the physical space, the more space for the spirit to embark on a journey.” OBEN Von Weitem gesehen deutet praktisch nichts darauf hin, dass es sich bei dieser BergHütte um ein einzigartiges bijou handelt. Unten Der Künstler Heinz julen sitzt entspannt vor seinem winzigen Reich und geniesst die Ruhe hier oben.

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FASHION

HAUTE COUTURE

In der Höhe gut aussehen

Haute Cou Anoush & Aimée

Die Alpen sind sexy. Dass man auch im Hochgebirge unverschämt gut aussehen kann, beweisen Anoush & Aimée meisterhaft in ihrer pikanten Modestrecke. Die Fotos sind in der Gegend um Verbier entstanden und kokettieren gekonnt mit alpinen Klischees und dem Heidi-Mythos.

PHOTOGRAPHERS ANOUSH ABRAR & AIMÉE HOVING www.anoushaimee.com STYLING SORREL KINDER HAIR & MAKE-UP SANDRA SCHNEIDER MODEL JANI @ METROPOLITAN, PARIS

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HAUTE COUTURE

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DRESS Peter Pilotto


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HAUTE COUTURE

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FASHION

HAUTE COUTURE

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PORTRAIT

MUT ZUR QUALITÄT

Moderne Tracht für Hotelportiers

Mut zur Qualität Moderne Tracht für Hotelportiers

Philipp Bitzer

Swissôtel

Pia Affolter

Im Auftrag von Swissôtel entwickelte die Zürcher Modedesignerin Ida Gut mit dem Appenzeller Silberschmied Sebastian Fässler eine neue Uniform für die Hotelportiers. Die Livrée nimmt Elemente einer appenzellischen Männersonntagstracht auf und überführt diese gekonnt in die Neuzeit.

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Es sei gleich vorweggenommen: Hätten bei den Verantwortlichen von Swissôtel einzig betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle gespielt, das Projekt der neuen Uniform für die Portiers der Deluxe-Hotels wäre wohl kaum so durchgezogen worden. Zum Glück standen jedoch weitere Argumente im Raum, die schliesslich nicht nur zu einem aussergewöhnlichen Ergebnis führten, sondern auch einer ganzen Reihe von alteingesessenen und hochspezialisierten Schweizer Handwerksbetrieben die Möglichkeit gaben, ihr immenses Fachwissen einzubringen: Die Hans Luginbühl Uniformenfabrik aus Bern zum Beispiel, die das Gewand herstellt. Das Unternehmen Hato Plus aus Oftringen, das die Hosenträger fertigt. Die Hemdenfabrik Carristar aus dem Tessiner Dorf Arzo, welche die Hemden schneidert. Aus dem Sankt Gallischen die Stickerei Gähwil, die für die Wollstickereien auf dem Hemd besorgt ist. Oder die Risa Hutwerkstatt aus dem Aargauischen Hägglingen, welche die Hüte zur Tracht produziert.

LinkS Impressionen aus der werkstatt des appenzeller silberschmieds sebastian fässler. Oben Details aus der von ida gut entworfenen und mit silberarbeiten von Sebastian fässler bestückten portiers-uniform.

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PORTRAIT

MUT ZUR QUALITÄT

Moderne Tracht für Hotelportiers

Das Gelingen des Unterfangens ist, wie es bei solch speziellen Projekten üblich ist, einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Faktoren zu verdanken: In erster Linie natürlich einmal dem Wagemut des Managements, das der Empfehlung seiner für den Unternehmensauftritt verantwortlichen Kreativagentur gefolgt ist. Dann den in Zürich und Paris tätigen Kessler & Kessler Creative Consultants, die den Leitgedanken entwickelt haben, dass sich Swissôtel mit Swissness und einer Reihe von eigens dafür kreierten «Swissôtel Icons» (darunter eben auch eine eigenständige Uniform) von der Konkurrenz abheben müssen. Glücklich war auch der Umstand, dass mit der Zürcher Modedesignerin Ida Gut und dem Appenzeller Gold- und Silberschmied und Trachtenkenner Sebastian Fässler zwei Spitzenkönner ins Boot geholt werden konnten, die sich beide intensiv mit den Traditionen ihres Handwerks auseinandersetzen und sich mit Herzblut in das aussergewöhnliche Uniformenprojekt gestürzt haben. Und dann sei auch der Schnittingenieur Luzi de Beaufort nicht unerwähnt gelassen, der die Entwürfe von Ida Gut in einer technischen Raffinesse umgesetzt hat, wie man sie heute in der Kleiderherstellung leider kaum noch findet. Mit der Uniform hat sich für alle Beteiligten ein Traum verwirklicht: «Wir konnten», erklärt Fässler stellvertretend für seine Mitstreiter, «in der Qualität arbeiten, die Voraussetzung ist für die Herstellung von hochwertigen und glaubwürdigen Produkten. Leider ist das heute bei grösseren Auftragsarbeiten nur noch in den seltensten Fällen möglich.» Und wenn man Ida Gut im Atelier sieht, wie sie mit einer feinen Handbewegung über ein Muster des neu geplanten Überwurfs aus schwarzem Ziegenfell streicht, anschliessend aus Kartons zwei Hutmodelle hervorzaubert und mit leuchtenden Augen demonstriert, wie der Filzhut für den Türsteher im bitterkalten Moskau extra mit einem ausklappbaren Ohrenschutz versehen wurde, während für den südostasiatischen Raum ein extraleichter Strohhut entwickelt wurde, der spürt, dass da selbst für so ausgebuffte Profis wie Gut und Fässler etwas Einzigartiges entstanden ist. In Teamarbeit und mit einem Grundverständnis für Qualität, Echtheit und Respekt, was heutzutage nicht mehr oft anzutreffen ist. Man würde sich wünschen, nicht zuletzt für das Überleben der vielen kleinen Schweizer Handwerksbetriebe und die Sicherung ihres enormen fachlichen Wissens, dass auch andere (grosse) Firmen dem Vorbild von Swissôtel folgen würden und wieder verstärkt auf Wertigkeit und Authentizität statt bloss auf Effizienz und Profitabilität setzen. Es käme uns allen zugute.

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Designer national dress for doormen at Swissôtels The portiers at Swissôtel Hotels & Resorts certainly catch the eye with their livery. Swiss fashion designer Ida Gut has teamed up with Appenzell goldsmith and maker of ethno items, Sebastian Fässler, to create a distinctive “traditional costume” that expresses the Swiss roots and first-class quality of the international hotel chain. Sebastian Fässler has designed shoe buckles with silver clasps as well as buttons and collar studs of silver. “The high-quality embroidery on the shirts is another typically Swiss element and has been designed especially for Swissôtel by Sebastian Fässler,” says Ida Gut. She underlines another exciting detail. “We also had to consider climatic conditions in the very diverse Swissôtel destinations when choosing the materials to use. And so there are detachable fur collars and a choice of felt or straw hats. In addition, the fabrics can be used in a variety of weights for a warm or cold climate.”


links Die Illustrationen von Pia Affolter zeigen sehr schön, wie die hoteluniform trotz ihrer eigenart nahe am appenzeller Vorbild geblieben ist. Rechts Die Modedeisignerin Ida Gut in ihrem Atelier im zürcher Langstrassen-quartier Unten der Doorman ist die visitenkarte eines jeden hotels und der erste persönliche kontakt zum hotelgast. kein wunder, ist man bei swissôtel stolz über die eigenständige erscheinung.

Swissôtel sucht spannende Swissness-produkte Die internationale Luxushotelkette Swissôtel hat sich eine Swissness-Kur verschrieben, um sich in der austauschbaren Welt der Luxushotellerie von den Mitbewerbern abzusetzen und ihre Grundwerte, die stark mit dem Herkunftsland Schweiz verknüpft sind, nach aussen zu tragen. Nachdem die Hotelverantwortlichen zunächst selber eine Reihe von unverkennbaren «Swissôtel Icons» erarbeitet haben, suchen sie nun ausserhalb ihrer eigenen Reihen nach guten Produkten, mit denen Sie das Swissness-Angebot in den Hotels erhöhen können. Wer solche Produkte herstellt, beispielsweise ausgefalleneTable-Top-Produkte (spezielles Tafelgeschirr, Besteck, Serviettenhalter, Tischsets oder ähnliches), kann sich direkt an die Projektverantwortlichen wenden. Es sind aber nicht nur Produkte für den Tisch gefragt. Gesucht werden auch praktische Helfer für den Alltag, spannende Accessoires aus dem Mode- und Textilbereich oder hochwertige Produkte für die Körperpflege. Selbst Artikel, die keine direkte Anwendung in den Hotels finden, können in Partnerschaft mit Swissôtel in der OnlineBoutique einer internationalen Kundschaft angeboten werden. Je ausgefallener die Produkte, desto besser – solange sie einen starken Bezug zur Schweiz haben und die geforderten Qualitätskriterien erfüllen. ask.us@swissotel.com oder www.swissotel.com

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REPORT

MINERALWASSERTAUCHEN IN DER VERZASCA

mineralwasser

Tauchen in der verzasca Phil Simha, Philipp Bitzer

Phil Simha/Sunfish Productions

Die steilen Tessiner Bergtäler mit ihren glasklaren Flüssen und Bächen stehen bei Tauchbegeisterten hoch im Kurs. «Mineralwasser-Tauchen» nennen sie ihren Sport, bei dem Bergkulissen und Unterwasserwelt verschwimmen.


Tauchen in Tessiner Bergflüssen gilt selbst unter erfahrenen Tauchern als Erlebnis der Extraklasse. Das Wasser ist so klar, dass man nicht nur das Geschehen unter Wasser, sondern selbst das Treiben an der Oberfläche mitverfolgen kann. Und wer einmal in der Verzasca in einer Wassertiefe von zehn Metern unter dem Ponte dei Salti, einer Steinbrücke aus dem 18. Jahrhundert, hindurchgetaucht ist und den rund 20 Meter höher oben stehenden Touristen zugewinkt hat und diese hat zurückwinken sehen, der wird diese Szenerie nie mehr vergessen. «Tauchen im Mineralwasser» nennen alte Hasen ihre Tauchgänge in der Verzasca, der Maggia und im italienischen Cannobino. Und sie haben nicht ganz unrecht, denn das Wasser dieser Bergbäche ist nicht nur stark mit Mineralien versetzt, sondern auch derart klar und sauber, dass man es ohne Bedenken trinken könnte. Getaucht wird das ganze Jahr, wobei dies natürlich wetterabhängig ist. Auch die Temperaturen variieren je nach Saison stark (von 4° im Winter bis 18° im Sommer). Während der Schmelzwasserperioden sind die Strömungsverhältnisse zudem häufig zu extrem, und den regenreichen Jahreszeiten wird die Sicht oft getrübt. Um sich vor der Kälte zu schützen, raten Experten bei Tauchgängen im Winter und im Frühjahr zum Tragen von Trockenanzügen. In den wärmeren Jahreszeiten sollten Halbtrockenanzüge oder 7-Millimeter-Nassanzüge ausreichend Schutz bieten. Aber Vorsicht: Tauchen in Fliessgewässern erfordert auf jeden Fall viel Erfahrung und eine gute Vorbereitung. Wer nicht Profi und ortskundig ist, dem seien deshalb Tauchgänge empfohlen, die von ortsansässigen Tauchschulen geführt werden.

Mineral water diving Scuba diving in the Ticino mountain rivers, the Verzasca and Maggia, is considered to be an extraordinary experience even by accomplished divers. Connoisseurs love to call it “mineral-water diving”. And rightly so, for the water is so clear that you can see not only what’s happening underwater but even the mountain scenery above the surface.

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REPORT

MINERALWASSERTAUCHEN IN DER VERZASCA

Tauchen in den rauen Tessiner Bergflüssen gehört zum Spektakulärsten, was der Tauchsport in Fliessgewässern zu bieten hat. Doch aufgepasst: River Diving birgt gewisse Gefahren und braucht neben Erfahrung eine seriöse Vorbereitung. Wichtig ist auch zu wissen, dass an den gefährlichsten Abschnitten der Flüsse Tauchverbote gelten, die unbedingt einzuhalten sind. Darum wird empfohlen, sich einer ortsansässigen Tauchsportschule anzuschliessen. Diese haben die nötige Erfahrung, die richtige Ausrüstung und bieten geführte Tauchgänge in die spektakuläre Unterwasserwelt der Verzasca, der Maggia, des Cannobino (im benachbarten Italien) und auch in die Tessiner Seen an. Zusätzliche Informationen zu Sport- und Freizeitaktivitäten sowie zu Unterkunftsmöglichkeiten im Valle Verzasca und im Valle Maggia sind auf den Sites www.ticino.ch, www.verzasca.com, www.vallemaggia.ch, www.tenero-tourism.ch sowie www.casaselva.net (für das italienische Cannobino) erhältlich.

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Tiefenrausch. Oris ProDiver Chronograph www.oris.ch


report

VIBRAM

Auf leisen Sohlen zum Erfolg

auf leisen sohlen zum erfolg

Vibram

Philipp Bitzer

Vibram

Fast alle in der Schweiz verkauften Qualitäts-Wanderschuhe haben eine Gemeinsamkeit: Die schwarze Vibram-Gummisohle mit ihrem gelben Achteck in der Mitte. Hinter dem prägnanten Markenzeichen der norditalienischen Firma steht eine beispiellose Erfolgsstory, an deren Ursprung eine Tragödie stand.

1935 erlebte der erfolgreiche Mailänder Sportartikelhändler und leidenschaftliche Bergsteiger Vitale Bramani seinen persönlichen Albtraum am Berg: Seine Seilschaft geriet in einen Wetterumschwung, starker Schneefall setzte ein, und die Temperaturen fielen ins Bodenlose. Einer nach dem anderen stürzte in die Tiefe, Grund dafür war das damals übliche Hanf-Schuhwerk mit den genagelten Ledersohlen. Diese Schuhe waren zwar gut für das Klettern auf trockenem Fels. Doch bei solch eisig-feuchten Witterungsverhältnissen waren sie unbrauchbar. Vitale Bramani überlebte mit viel Glück, doch sechs seiner Kameraden waren tot. Bramani schwor, dass ein solches Unglück nie mehr passieren dürfe. Bramani war privat befreundet mit Leopoldo Pirelli, dem legendären Reifenhersteller aus Mailand. Wer von den beiden auf die Idee kam, auch Schuhsohlen aus Kautschuk herzustellen, ist nicht überliefert. Gesichert ist aber, dass Vitale Bramani 1937 unter der Dachmarke Vibram (also seinen Initialen Vi-tale und Bram-ani) die ersten Schuhsolen aus vulkanisiertem Gummi unter der Bezeichnung «Carrarmato» (italienische Bezeichnung für Panzer im ersten Weltkrieg) patentieren liess. Da Bramani ganzheitlich dachte, liess er zur Sohle gleich auch noch den passenden Lederschuh herstellen, woraus dann «i Vibram» wurde, lange Zeit das Synonym für qualitativ hochwertige Bergsteigerschuhe. Die besten Alpinisten der damaligen Zeit schworen auf «i Vibram», doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führte zu einer radikalen Umstellung der Märkte (man produzierte praktisch nur noch für militärische Zwecke). Nach dem Krieg wurde die zivile Produktion wieder aufgenommen, das Geschäft mit den

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Bergstiefeln florierte – nicht zuletzt dank des Umstandes, dass der K2 im Jahr 1954 erstmals bezwungen werden konnte – von einer italienischen Expedition mit Vibrams. Die Produktion wurde massiv vergrössert und in den Norden Mailands ausgelagert, und von Albizzate aus, wo sich noch heute der Hauptsitz befindet, eroberte man weitere Märke, auch im modischen Bereich. In den 1980er-Jahren kam der damals noch kleine amerikanische Arbeiterschuh-Hersteller Timberland auf die Firmenverantwortlichen zu und begeisterte sich für die hellbraune Version der Carrarmato-Sohle. Diese passte perfekt zum gelblichen Schaftstiefel und führte zu einem regelrechten Boom der Timberlands als Freizeitschuhe. Seither ist Konsolidierung angesagt: Vibram macht weiterhin gute Sohlen aus gutem Gummi.


Die Produktion wurde grösstenteils nach Übersee (Amerika und vor allem China) ausgelagert. Das Management, die Designabteilung und das Testcenter sind in Norditalien geblieben. Die Grossen der Branche bleiben weiterhin unantastbar (Nike, Adidas, Puma etc.), die Kleinen können dem feinen Unternehmen aus Mailand nichts anhaben. So bleibt nichts weiter zu tun, als weiterhin innovativ zu sein und beispielsweise den FiveFingers herauszugeben, einen Halb-Barfuss-Laufschuh, der auf den ersten Blick zum Schmunzeln anregt, aber überragende Fähigkeiten beim Laufen haben soll.

Vibram – on silent soles to success Vibram, the shoe-sole producer domiciled in Albizzate, northern Italy, is internationally acclaimed for its top-quality rubber soles, which are particularly in use for hiking and climbing. The company was founded in 1937 by Vitale Bramani, a Milanese sport-article dealer and enthusiastic mountain climber. When a roped party with which he was climbing was caught by a change in weather, six of his friends fell to their deaths. The tragedy was caused by the climbing boots of the time, which were fitted with leather, nail-studded soles. Bramani’s personal friendship with tyre manufacturer Leopold Pirelli eventually led to him producing the first climbing boots with vulcanised rubber soles. His very first patented sole, called Carrarmato, is today the world’s most copied product.

oben der mailänder sportartikelhändler Vitale Bramani (mitte) war ein begeisterter bergsteiger und gründete 1937 die firma vibram. LINKS die Vibram-sohle «carrarmato» wurde in den 1950er-Jahren auch ausserhalb von alpinistenkreisen bekannt, als mit ihr der K2 beZWungen wurde. inzwischen ist die berühmte Sohle das meistkopierte produkt der Welt.


KILLER

Dario Cantoni

Gaudenz Danuser


BIKING

RIDER SIMON TEMPERLI


KILLER BIKING

North Shore Biken unter dem Flimser Stein

North Shore Biken UNTER DEM Flimser Stein

RIDER LUCAS KELLER

SPORTS

Die Freeride-Philosophie der Snowboarder und Freeskier, die Tricks der Skateboarder, das Tempo der Downhill-Biker und die Sprünge der BMX-Szene haben zu einer neuen und radikalen Ausprägung des Mountainbikesports geführt. Freeride heisst hier das technisch anspruchsvolle Fahren in verschiedene Kombinationen über steile BergabPassagen, waghalsige Sprünge von bis zu zehn Metern über natürliche Hindernisse, sportliche Manöver und im sogenannten Slopestyle extrem schwierige technische Tricks wie sie vom Snowboarden bekannt sind (Tailwhip, Backflip oder Three Sixty). Die Fahrten werden im freien Gelände, im Wald und an Berghängen, teilweise auch in parkähnlichen Installationen augeübt. Die eigentliche Geburtsstätte des Freeridens liegt in Whistler bei Vancouver (Kanada) an der North Shore. Hier wurden auch die ersten von den West Coast Trails inspierten Holzkonstruktionen gebaut, die heute als North Shore Trails bekannt sind und weltweit als künstliche Holzbauten in Bikeparks Anwendung finden. Freeriden auf dem Mountainbike setzt eine sehr grosse Bike- und Körperbeherrschung voraus. Die 15 bis 18 kg schweren Räder sind voll gefedert, die Federung ist aber meist blockierbar, damit die Tretkraft beim Bergauffahren effektiv eingesetzt werden kann. Ausserdem verfügen die Freebikes über hydraulische Scheibenbremsen. Das Tragen von Integralhelm und Protektoren ist bei Freeride-Extreme-Mountainbikern üblich und auch sehr zu empfehlen. Die Fotos wurden auf dem Runcatrail oberhalb Flims aufgenommen. Im unteren Teil führt eine rund zwei Kilometer lange Strecke mit den North-Shore-typischen Rampen und Holzkonstruktionen durch den Wald. Hier findet auch die jährliche Red Bull Trail Fox Freeride Rally statt.

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Sommer 2010

Red Bull Trail Fox 8th Freeride Rally vom 18. bis 20. Juni 2010 CH-7017 Flims www.redbull-trailfox.ch Bikeangebote mit allem Drum und Dran von gemütlichen Touren bis zum abenteuerlichen Freeriden in der vielfältigen Landschaft rund um Flims. www.flims.ch


RIDER SIMON TEMPERLI RIDER JONAS SIGG DIE TYPISCHEN HOLZKONSTRUKTIONEN SIND VON JENEN AN DER NORTH SHORE BEI VANCOUVER INSPIRIERT, WO AUCH DIE GEBURTSSTÄTTE DES FREERIDENS LIEGT.

099

Sommer 2010


RIDER SIMON TEMPERLI

SPORTS

KILLER BIKING

North Shore Biken unter dem Flimser Stein


NORTH SHORE BIKEN

IM FREIEN GELÄNDE WERDEN TECHNISCHES FAHREN MIT SCHWIERIGEN BMX-TRICKS UND DROPS VON BIS ZU ZEHN METERN KOMBINIERT. DIE ROUTE DURCH DEN PARCOURS IST FREI WÄHLBAR, WOBEI DIE EXTREMEREN AUCH DIE SCHNELLEREN SIND UND IM WETTKAMPF HÖHER BEWERTET WERDEN.

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Sommer 2010


RIDER SIMON TEMPERLI

SPORTS

KILLER BIKING

North Shore Biken unter dem Flimser Stein


RIDER SIMON TEMPERLI

Killer-biking below the “Flimser Stein” In the sport of mountain-biking, freeriding is technically demanding riding in various combinations over steep downhill passages, daredevil jumps up to 10 metres over natural obstacles and racy manoeuvres. Freeriding was born in Whistler, Canada, on the so-called “North Shore”. This is also where the first timber sections, inspired by theWest Coast Trails, were built. Freeriding calls for excellent control of both body and bike. The heavy bikes weigh 15 to 18 kg, are fully sprung and fitted with hydraulic disc brakes. Wearing an integral helmet and other protective gear is standard practice and highly recommended. The photos were taken on the Runca Trail above Flims, where the annual Red Bull Trail Fox Freeride Rally is also held.

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Sommer 2010


HISTORY

100 JAHRE BERNINA

Auf historischen Spuren

100Jahre

BERNINA

Philipp Bitzer

Rhätische Bahn

Dieses Jahr feiert die Rhätische Bahn das 100 Jahre-Jubiläum der Berninalinie. Ein Jahr lang dauern die Festivitäten entlang der gesamten Strecke – vom Veltlin über das Puschlav bis ins Oberengadin. Wenn es die Berninalinie nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Denn sie erfüllt nebst der funktionalen Erschliessung des Puschlavs und des Veltlins mit dem Engadin und Nordbünden auch eine wichtige touristische Komponente und zeigt wunderschöne Landschaften wie das Bernina-Massiv, den Lago Bianco, den Palügletscher, die Steinmühlen von Cavaglia – und dies alles in nur zwei Stunden Reisezeit. Ausserdem meistern die Triebzüge die gesamte Strecke (mit einem Höhenunterschied von bis zu 1824 Metern) ganz ohne Zahnrad – rein dank klassischer Physik, der sogenannten Adhäsion. Schon die alten Säumer

hatten die Wichtigkeit der Bernina als Nord-Süd-Achse für den Personen- und Warenverkehr erkannt, und auch die Postkutscher gaben bis Anfang des 20. Jahrhunderts ihr Bestes, um möglichst viele Menschen und Güter über den gefährlichen Pass zu bringen. Doch (zu) oft blieben sie stecken, als dass die (Kauf-)Leute mit ihrer Arbeit zufrieden waren. Und so kam es, dass mit der Elektrifizierung der Bahn auch die Geburtsstunde der Berninalinie schlug und dieses technische Wunderwerk bis 1910 errichtet werden konnte. Seither entführt ein spektakulärer Panoramazug seine staunenden Fahrgäste in


rund vier Stunden von Chur nach Tirano durch drei Sprachregionen, über 196 Brücken und Viadukte sowie durch 55 Galerien und Tunnels. Jährlich strömen weit über 700’000 Fahrgäste aus der ganzen Welt herbei, um dieses aussergewöhnliche Abenteuer zu erleben. Das «National Geographic Magazine» hat die Berninalinie zu den zehn schönsten Bahnstrecken der Welt erklärt, und vor zwei Jahren fand die Berninalinie (zusammen mit der Albulalinie) Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste. Ursprünglich war die Berninalinie nicht für den Ganzjahresbetrieb konzipiert. Zu gross war der Respekt vor der Natur auf dieser Hochgebirgsstrecke. Günstige Wetterverhältnisse machten es jedoch bereits im Winter 1909/10 möglich, dass die Strecke von St. Moritz bis zum Scheitelpunkt auf dem Ospizio Bernina trotz grossen Schneemengen offen blieb. Deshalb schaffte die Direktion die Schneeschleuder Xrot d 9213 an, die bereits im Winter 1910/11 erstmals zum Einsatz gelangte. Noch heute steht dasselbe Gefährt bei starken Schneefällen und für touristische Sonderfahrten im Einsatz – als einziges seiner Art auf der Welt.

Bernina Line The Bernina Line, which became a UNESCO World Heritage in 2008, has been celebrating its centenary since the beginning of the year. The next grand anniversary event for this highaltitude mountain railway is planned in June, in Brusio, where the history of the origins of this masterpiece of engineering expertise will be celebrated as part of a cultural event. The grand finale will take place in Pontresina in September. A series of festive occasions in the various language regions is planned between these two main events (find detailed information on the history of the railway line and planned festivities at www.mybernina.com). LinkE SEITE Scheitelpunkt der berninalinie mit bahnhof alp grüm. DIESE SEITE Highlights an der berninastrecke auf historischen postkarten: innbrücke bei st. moritz, am lago bianco, stazion alp grüm, kehrviadukt bei brusio.

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Sommer 2010


Wir tun alles für perfekte Wanderferien. MySwitzerland.com Mit über 60 000 km beschilderten Wegen ist die Schweiz das Wanderparadies für alle. Für Geniesser, die sich beim Chäsplättli in einer Alp-Beiz vom atemberaubenden Bergpanorama verzaubern lassen. Oder für all jene, die sich einfach der Natur erfreuen und dabei ihren Gedanken freien Lauf lassen. Zu den besten Wandertipps gehts unter MySwitzerland.com oder unter Telefon 0800 100 200 – kostenlos natürlich.

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Fronalpstock, Zentralschweiz


GUIDE

SOMMER 2010

Hotels & Lodges Hotel Mirabeau | Zermatt

the Right time at the right place Le Corbeau d’Or gilt als bestes Gourmet-Restaurant

Angebot des Spa orientiert sich an den regionalen

von Zermatt. Das ist bekannt wie auch die 15

Schätzen und ist überaus intelligent zusammen-

«Gault Millaus» von Chef Alain Kuster, seine ex-

gestellt. Als positive Eindrücke bleiben die Gast-

quisite Küche, die Schätze aus dem Kräutergarten

freundschaft, ein unaufdringlich souveräner Ser-

und die hausgemachten Chutneys, Konfits und

vice und gekonntes Understatement. (dc)

Essenzen. Doch das Mirabeau bietet mehr: Im Hausrestaurant «zerMatta» geniesst man täglich kulinarische Überraschungen und ein belebendes Vitalmenü mit Matterhornblick. Josef’s Wine Lounge – benannt nach dem unaufgeregten Patron des Hauses – ist cooler Treffpunkt für Weinliebhaber und Bonvivants. Beide Lokale wie auch die Suiten und Zimmer in der neuen Residence überzeugen durch ihr schlichtes alpines Design und vermitteln den Eindruck, genau am richtigen Ort zu sein. Das

Hotel & Residence Mirabeau Untere Mattenstrasse 12–14, CH-3920 Zermatt T +41 (0)27 966 26 60 www.hotel-mirabeau.ch

Lagació Mountain Residence | Alta Badia (St. Kassian)

alpines bijou Seit Juni 2009 gehören die schroffen Dolomiten rund um Alta Badia zum Unesco-Weltnaturerbe. Mittendrin, genauer gesagt im Gadertaler Dorf St. Kassian, wurde vor kurzem ein modernes und exklusives Feriendomizil eröffnet, das einiges zu bieten hat: Die Lagació Mountain Residence. Das Inhaberehepaar Margareth und Pio Canins verzichtete bewusst auf eine klassische Hotelstruktur mit festem Reglement. Den beiden schwebte vielmehr ein kleines, aber umso feineres und vor allem herzliches Bijou vor, in dem sich der Urlaubsgast, umgeben von unprätentiösem Luxus und dem gebotenen

108

Freiraum, völlig entspannen kann. Dieser Anspruch

stattung der 42 bis 88 m2 grossen Premium-

Dass die Lagació Mountain Lodge kein Hotel ist,

wird mehr als nur erfüllt. Der nach modernen

appartements wird von natürlichen Materialien

zeigt sich natürlich auch daran, dass die Apparte-

Grundsätzen und ökologischen Kriterien gebaute

und warmen Farben bestimmt, wobei jede der

ments über eine eigene Wohnküche verfügen, in

und als KlimaHaus A zertifizierte Gebäudekomplex

drei Etagen noch zusätzlich in einer ihr eigenen

denen man nach Lust und Laune seine kulina-

verfügt über 24 exklusive Appartements, in denen

Holzsorte gehalten ist (Zirbel, Lärche und Fichte).

rischen Triebe ausleben kann. (pb)

sich auf stilvolle Weise neues, zeitgemässes Design

Weiche Lodenstoffe kennzeichnen den Wohnraum,

mit Traditionselementen aus Alta Badia verbindet.

die Böden sind aus warmem Naturschiefer oder

Panoramafenster bringen das Licht und die impo-

Holz. Und eine Eigenheit der Residenz ist sicherlich

sante Bergkulisse direkt ins Zimmer und machen

das eigene Quellwasser, das in jedem Zimmer

die bizarren Dolomiten zum Greifen nah. Die Aus-

direkt vom Wasserhahn getrunken werden kann.

Sommer 2010

Lagació Mountain Residence Micurà de Rü 48, IT-39030 S. Cassiano / Alta Badia T +39 0471 849 503 www.lagacio.com


ADVERTORIALS

badrutt’s palace hotel | st. moritz Von der Familie Badrutt gegründetes und 1896 eröffnetes Hotel mit legendärem Weltruf. 159 Gästezimmer inkl. 38 Suiten mit Blick auf die Alpen. Kulinarische Highlights im «Le Restaurant» (17 Gault Millau-Punkte), der «Grande Dame» unter den sieben erstklassigen Hotelrestaurants. Ein rundum erneuertes Beauty Spa, die exklusive Shopping-Galerie, der Kids-Club und diverse Freizeitangebote für Teenager runden das Angebot ab. Badrutt’s Palace Hotel bbbbbS CH-7500 St. Moritz T +41 (0)81 837 10 00 www.badruttspalace.com

alpinhotel grimsel hospiz | guttannen Inmitten karger Felslandschaft über einem türkisblauen

zer zu einem äusserst geschmackvollen Hotel für Ästheten,

Stausee steht das Grimsel Hospiz. Nach eineinhalb Jahren

Natur- und insbesondere Weinliebhaber geworden. Oberstes

Bauzeit erstrahlt das historische Gebäude ab diesem Som-

Ziel ist es gewesen, den Charakter und Charme des tra-

mer in neuem Glanz. Das ehemals trutzige Bergarbeiter-

ditionsreichen Hauses zu bewahren und gleichzeitig zeit-

Domizil aus dem Jahr 1932 – es wurde nach der Flutung

gemässen Komfort in den 28 Hotelzimmern zu bieten. Das

des alten, urkundlich bereits 1142 erstmals erwähnten

Grimsel Hospiz ist Mitglied von Swiss Historic Hotels und

Hospizes erstellt – ist nach einem umfassenden Umbau

öffnet am 3. Juni 2010 die Türen für Gäste. Reservationen

unter der Leitung des Zürcher Architekten Andrin Schwei-

nimmt das Hotelteam bereits heute entgegen.

Alpinhotel Grimsel Hospiz CH-3864 Guttannen T +41 (0)33 982 46 11 www.grimselhotels.ch

ROmANTIK HOTEL chesa salis | bever

hotel alte herberge weiss kreuz | splügen

1883 liess Rudolf von Salis-Muralt das 1590 erbaute Bauern-

Die Alte Herberge Weiss Kreuz wurde im Jahre 2000 als

rant laden in unterschiedliche Epochen ein. Das Hotel liegt

haus in eine herrschafliche Patriziervilla umbauen. Seit

Kultur- und Erlebnishotel eröffnet und lässt eine über 1000-

im alten Dorfkern am Kulturwanderweg «ViaSpluga» und

1982 ist die Chesa Salis ein Hotel mit dem Charme eines

jährige Kultur – diejenige der Säumerherberge – wieder

verfügt über 16 Zimmer (mit insgesamt 34 Betten) in sa-

Privathauses. Meterdicke Mauern strahlen Geborgenheit

aufleben. Das historische Gebäude wurde mit modernen

genhaft historischem Ambiente. Im Restaurant wird regio-

und aristokratische Grosszügigkeit aus. 18 komfortable

architektonischen Elementen versehen, was einen ganz

nale Küche serviert, die Weine stammen vorwiegend aus

Gästezimmer sind Zeugen alter Handwerkskunst. In den

besonderen Reiz ausmacht. Die stilvoll gestalteten Zimmer,

der Bündner Herrschaft und Italien. 2002 wurde die Alte

gemütlichen Stuben geniessen die Gäste kulinarische Köst-

die schmucke Eingangshalle, das Panoramarestaurant im

Herberge Weiss Kreuz ausgezeichnet für ihre vorbildliche,

lichkeiten und regionale Spezialitäten.

«Heustall» sowie die Gewölbe-Bar und das Tagesrestau-

da sanfte und denkmalpflegerische Renovation.

Romantik Hotel Chesa Salis CH-7502 Bever T +41 (0)81 851 16 16 www.chesa-salis.ch

Hotel Alte Herberge Weiss Kreuz CH-7435 Splügen T +41 (0)81 630 91 30 www.weiss-kreuz.ch

Diese Hotels erfüllen die Qualitätskriterien von Swiss Historic Hotels und werden von Schweiz Tourismus empfohlen. MySwitzerland.com


GUIDE

SOMMER 2010

Hotels & Lodges San Lorenzo Mountain Lodge | San Lorenzo

in der ruhe liegt die kraft

der Lodge ist stilsicher arrangiert und zeugt von der

hinterlassen. Giorgia und Stefano kümmern sich

klaren gestalterischen Hand der Hausherren. Wert-

derweil um das Wohlergehen ihrer Gäste, wann

volles wird bewahrt oder mit alter Handwerkskunst

immer diese es wünschen, und lassen sie teilhaben

wieder belebt, Neues wird angepasst – mit viel

an ihrer Liebe zu dieser wunderbaren Landschaft

Sinn für Harmonie und das sensible Gleichgewicht

und zu den kulinarischen Köstlichkeiten, welche die

Eingebettet in die unberührten Wälder des Puster-

der antiken Struktur. Die Eleganz der exklusiven

Gegend zu bieten hat. Kurzum: Die San Lorenzo

tals bietet die San Lorenzo Mountain Lodge ihren

Textilien und die klare Schönheit der Möbel verbin-

Mountain Lodge gehört zum Schönsten, was der

Gästen ein wunderbares Erlebnis in einer Welt fern

den sich mit der Schlichtheit der Naturmaterialien

Alpenraum an Rückzugsorten zu bieten hat. Ein

der Welt. War das edle Jagdchalet auf 1200 Meter

und vermitteln einen Hauch von entspannter Sinn-

wahrer Geheimtipp für all jene, die Stille mögen

Meereshöhe einst Ausgangspunkt für wilde Treib-

lichkeit. Die Räume strahlen jene leise, authen-

und Unaufgeregtheit lieben. (pb)

jagden des lokalen Adels, so gegenteilig wird diese

tische Ruhe aus, die gerade der international

private Oase, die sich über 17 Hektar Wald- und

Reisende sucht. Ob die traditionell-alpine Stube,

Wiesenflächen erstreckt, heute genutzt. Die Haus-

die einladende Küche, die neu arrangierten Ruhe-

herren Giorgia und Stefano Barbini haben das alte

zonen oder die vier individuell ausgestatteten

Gemäuer mit viel Hingabe restauriert. Jedes Detail

Schlafzimmer: Überall möchte man seine Spuren

San Lorenzo Mountain Lodge Località Elle 23 IT-39030 San Lorenzo di Sebato T +39(0)474 404 042 www.sanlorenzomountainlodge.com

Anne-Sophie Pic

Auf den Spuren des guten Geschmacks Mit der Verpflichtung von Anne-Sophie Pic hat das Beau-Rivage Palace einen neuen, sehr aktuellen und eleganten Raum geschaffen, der zur Persönlichkeit seiner Chefköchin passt. Die Botschafterin des feinen Geschmacks, beste Köchin Frankreichs und mit drei Michelin-Sternen Beehrte besinnt sich auf das Einfache, das Wesentliche, um dann möglichst originelle, überraschende und aromatisch perfekt abgestimmte Gerichte zu kreieren, die leicht, Beau-Rivage Palace Place du Port 17–19 CH-1000 Lausanne 6 T +41 (0)21 613 33 39 www.brp.ch

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Sommer 2010

fast schwebend daherkommen. Im Beau-Rivage präsentiert Anne-Sophie Pic zwei Menüs, die sie im Verlauf der Jahreszeiten variiert … und dann die berühmten Klassiker aus der «Collection Pic».


ADVERTORIALS

Hotel Falken | wengen

GrAND hÔtel bella tola | st-luc

Das 1895 erstellte viktorianische Hotel liegt im Herzen der Jungfrauregion und wurde über Generationen hinweg von der Besitzerfamilie gehegt. Eine behutsame Anpassung an die zeitgemässen Bedürfnisse der Urlaubsgäste hat dazu geführt, dass das besondere historische Flair bis heute bewahrt werden konnte. 41 nostalgische Zimmer, ein herrschaftliches Restaurant, die gemütliche Hausbar, eine grosse Terrasse und ein lauschiger Park laden zum süssen Nichtstun ein. Hotel Falken CH-3832 Wengen T +41 (0)33 856 51 21 www.hotelfalken.com

Fantastisch gelegenes, historisches Hotel mit Blick auf

2001 wurde das Bella Tola zum Historischen Hotel der

die Walliser Viertausender. Dank gepflegten Renovationen

Schweiz gewählt – nicht zuletzt aufgrund seiner Noblesse

und dem Einbau eines edlen Spa im Jahr 2004 wurde aus

und alpinen Eleganz. Originale Möblierung in den Zimmern

dem 1859 erbauten Chalet ein elegantes und luxuriöses

und Salons, ein Speisesaal mit Original-Deckenmalereien

Bijou mit Originalmöblierung. Das auf 1650 Metern Höhe

aus dem 19. Jahrhundert, eine grosse Sammlung von Original-

inmitten eines alpinen Wander- und Skiparadieses gele-

gemälden und die Veranstaltungen mit kulturellem und

gene Haus überzeugt mit einer authentischen Küche und

historischem Hintergrund haben gleichfalls zur Prämie-

einer grossen Auswahl an erstklassigen Walliser Weinen.

rung beigetragen.

GD Hôtel Bella Tola bbbb CH-3961 St-Luc T +41 (0)27 475 14 44 www.bellatola.ch

Atmosphere & Design Das Hotel Saratz ist elegant aber familiär, modern aber charmant – und in der Kombination von Tradition und zeitgemässem Lebensgefühl verströmt es vor allem eins: Atmosphäre. In unseren Restaurants Belle Epoque und Restaurant Saratz werden Sie erstklassig verwöhnt! Lassen Sie den Abend an der Kaminbar ausklingen oder geniessen Sie in der AVO Lounge eine grosse Auswahl der bekanntesten Zigarren der Welt. Im La Cuort, der rustikalen Fondue- und Raclettestübli können Sie einen entspannten Abend geniessen. In der aufgefrischten Pitschna Scena treffen sich Hotelgäste und Einheimische zu ungezwungenem Beisammensein.

Hotel Saratz · CH-7504 pontresina / st. moritz · Tel. +41 (0)81 839 40 00 · www.saratz.ch Diese Hotels erfüllen die Qualitätskriterien von Swiss Historic Hotels und werden von Schweiz Tourismus empfohlen. MySwitzerland.com


GUIDE

SOMMER 2010

Hotels & Lodges Cervo | Zermatt

jagdhaus über zermatt In Zermatt gibt es junge, innovative Leute mit Visionen. Einer von ihnen ist Daniel Lauber. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Seraina Müller hat er einen Traum verwirklicht. Das CERVO ist die gelungene Mischung zwischen Alphütte, Lodge, Jagdhaus und moderner Architektur in den Bergen. Im ursprünglichen Familienchalet befindet sich die «Stuba», davor eine geniale Aussicht-

Berge | Aschau im Chiemgau

terrasse, darunter die Bar-Lounge mit Weinkeller

designer-kate

und Zigarrenschrank. Holz, Stein, gemusterte Stoffe und Hirschgeweihe begegnen einem an allen Ecken und Enden. Im Endausbau werden fünf Chalets mit total 31 grosszügigen Zimmern und Suiten das Stammhaus säumen – jedes mit einem privaten Wellnessbereich. Aus der Küche kommt Ungekünsteltes, aber Grossartiges – serviert von einer jungen, begeisterten Crew. Nun noch dies: Die Lage ist schlicht sensationell. 100 Meter über dem Dorf, auf der richtigen Talseite am Waldrand mit direktem Blick auf das Matterhorn. Dem Cervo gelingt ganz unverkrampft, wovon viele nur träumen. (dc)

Das «Haus berge» des deutschen Design-Outcast Nils Holger Moormann ist eine Herberge der ganz besonderen Art. Es bietet 13 individuelle Quartiere für Selbstversorger. Das Aussergewöhnliche ist, dass die Gäste unter sich sind und sich vorrangig selbst versorgen. Entsprechend sind fast alle Quartiere (ausgenommen davon sind die Bergebude und das Vorderstübchen) mit kompletten Küchen ausgestattet. Platz ist immer für zwei Personen, in einigen Wohnungen bietet ein Ausziehsofa noch zwei weitere Schlafplätze. Rund um das Haus lässt es sich wunderbar die Natur geniessen, sei es auf ausgedehnten Spaziergängen durch das Priental, beim Baden und Bräunen an einem der kleinen Seen der Eggstätter Seenplatte oder (wer es mag) beim Moorbad von Aschau, das für Haut und Haar exzellent sei … berge Kampenwandstrasse 85 D-83229 Aschau im Chiemgau T +49 (0)8052 90 45 17 www.moormann-berge.de

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Sommer 2010

CERVO Hotel & Restaurant Riedweg 156, CH-3920 Zermatt T +41 (0)27 968 12 12 www.cervo.ch

Hotel Heiden | Heiden

seelenwärme Das 4-Sterne-Hotel Heiden in der gleichnamigen Appenzeller Ortschaft verfügt seit diesem Sommer über ein 1000 m2-«Well&See»-Spa. Der Gast findet darin einen Gesundheitsbereich vor mit grossem Ayurveda-, Kosmetik und Massageangebot, ein Panoramahallenbad, Dampfbad, Erlebnisduschen und Ruhelandschaften. Die Saunalandschaft umfasst eine Finnische Sauna, Finarium, Kräuter-Dampfbad, Sole-Dampfbad, Wassertreten, Eiscrash-Brunnen, Kälteraum mit Eisnebel, Trinkbrunnen, Relaxarium mit viel Ambiente & Wellness-Lounge mit Tee- und Snackangebot. Insgesamt wurden in den Umbau knapp zwei Millionen Franken investiert. (pb)

Hotel Heiden Seeallee 8, CH-9410 Heiden T +41 (0)71 898 15 15 www.hotelheiden.ch


Müller • Gstaad

Müller • Gstaad

ADVERTORIALS

hotel bellevue des alpes | kleine scheidegg An bester Aussichtslage auf über 2000 Metern über Meer

tisch alle grossen Bergsteiger des 20. Jahrhunderts sowie

auf dem Scheidegg Pass thront das historische Hotel aus

Prominenz aus Gesellschaft, Skisport und Film haben in

dem Jahr 1840, das seit 1998 von der Familie Andreas und

diesem Haus gewohnt. Ausserdem ist es weltberühmt ge-

Silvia von Almen in der fünften Generation geführt wird.

worden als Filmkulisse für «The Eiger Sanction» mit Clint

Das Haus ist enorm geschichtsträchtig, sowohl was das

Eastwood und vor kurzem auch «Nordwand» mit Benno

Gebäude und die Inneneinrichtung als auch die Populari-

Fürmann. Das Bellevue des Alpes wurde 1948 aufgestockt

tät der Gäste betrifft: Sämtliche Interieurs der öffentlichen

und zum letzten Mal renoviert. Seither wurden die nun-

Hotelräume gehen auf die 1920er-Jahre zurück, und prak-

mehr 58 Zimmer nach und nach stilvoll restauriert.

Und was bedeUtet entspannUng für sie ?

Alpensommer in GstAAd...

Hotel Bellevue des Alpes CH-3801 Kleine Scheidegg T +41 (0)33 855 12 12 www.scheidegg-hotels.ch

boutique hotel monte rosa | zermatt Das Stammhaus der Seiler Hotels wurde auf den Funda-

Jahrhundert zeugen noch verschiedene Aufenthaltsräume

menten der legendären «Lauberschen Herberge» errich-

und Salons sowie der historische Speisesaal – einer der

tet, die 1839 die Zermatter Hotellerie begründete. Seither

schönsten der gesamten Alpenhotellerie überhaupt. Kuli-

beherbergt das Traditionshaus Besucher aus der ganzen

narisch wird der Urlauber von der Küchenbrigade mit Köst-

Welt. Der Hotelgast erlebt hier noch immer den Charme der

lichkeiten aus der ganzen Welt verwöhnt, und im Rahmen

alpinen Belle-Epoque-Hotellerie und geniesst zugleich die

des «Dine Around» der Seiler Hotels stehen den Gästen

Annehmlichkeiten einer modernen Hotelinfrastruktur. Vom

weitere elf Restaurants zur Auswahl. Ausserdem lockt der

ästhetischen Empfinden der Zeitenwende vom 19. ins 20.

Spa- und Wellnessbereich des Mont Cervin Palace. 3780 Gstaad - Switzerland 3780 Gstaad - Schweiz Phone +41 33 748 50 00 - www.palace.ch Telefon: +41 33 748 50 00 - Fax: +41 33 748 50 01 3780 Gstaad - Schweiz info@palace.ch Telefon: +41 33 748 50 00- -www.palace.ch Fax: +41 33 748 50 01

Boutique Hotel Monte Rosa bbbb CH-3920 Zermatt T +41 (0)27 966 03 33 www.monterosazermatt.ch

info@palace.ch - www.palace.ch

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GUIDE

SOMMER 2010

Hotels & Lodges Hotel Castell | Zuoz

the fine art of relaxing Kaum ein Hotel liegt bei Gästen jeglicher Klassen dermassen im Trend wie das Castell in Zuoz. Familien, Paare und Individualisten, Sportler und Kulturreisende, Junge wie Gereifte sorgen für einen phänomenalen Gästemix auf der KawamataTerrasse. Im mehrfach ausgezeichneten Hotel verschmelzen Kunst, Architektur, Kulinarik und alpiner Komfort zu einem einzigartigen Ferienerlebnis. Das Hamam belebt mit leuchtenden Farben und bietet orientalische Badekultur mitten in den Engadiner Bergen. Die Castell Küche ist frisch und

Hotel Greif | Bozen

ideenreich. Stilgerecht doch unkompliziert speist

kunstraum hotel

man unter der Stuckdecke des historischen Saales. Ein eigentliches Kunstwerk ist die sinnliche Rote

Die Überbauung des Greifareals im Zentrum

Bar mit der Castell Lounge. Nicht nur hier lässt es

Bozens basiert auf einem mehrschichtig ange-

sich Tagträumen, im ganzen Haus und zwischen

legten Entwurf aus den 1990er-Jahren, bei dem

der namhaften Sammlung moderner Kunst verfliegt

restauriert, repariert, neu gebaut und begrünt

die Zeit auf dem anderen Berg bei St. Moritz im

wurde und eine bis dahin vernachlässigte

Nu, und man kann sich herrlich dem Müsiggang

Stadtfläche in ein pulsierendes urbanes Milieu

hingeben. (dc)

verwandelt wurde. Von dieser Entwicklung profitierte auch das Hotel gleichen Namens, das im Zug der Bauarbeiten ebenfalls neu konzipiert wurde und heute mit einem gekonnten Mix aus

Castell Hotel · Restaurant · Hamam, CH 7524 Zuoz T +41 (0)81 851 52 53 www.hotelcastell.ch

Alt und Neu besticht. Um dem altehrwürdigen Hotel – es besteht schon seit dem 16. Jahrhundert – eine ganz besondere Note zu verleihen, hat der Inhaber zusammen mit Kunstsachverständigen das Motto Augenlust entwickelt, ein Konzept zur inidviduellen Ausstattung der 33 Zimmer mit

La Stüa de Michil | Corvara

vorwiegend zeitgenössischer Kunst, aber auch mit

gourmet-stube

Werken aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Während mehreren Jahren bewährt, wurde neu das «Grifon-

gilt unter Feinschmeckern als eines der bes-

cino», eine architektonisch eigenwillige Bar-Lounge

ten Gourmet-Restaurants im ladinischen Teil

kreiert, die täglich von 16 bis 1 Uhr in der Früh

von Südtirol. Die mit einem Michelin-Stern

geöffnet hat. Neben der lokalen Prominenz ist es

ausgezeichnete Stube trägt nicht umsonst den

gut möglich, dass man in diesem unterkühlten

Namen ihres vielseitigen Hausherrn Michil Co-

Ambiente auch mal auf Stars aus der internatio-

sta. Dieser gilt in seiner Heimat nicht nur als

nalen Musikszene wie Eros Ramazzotti trifft, die bei

bunter Vogel, sondern genauso als visionärer

ihren Auftritten im Südtirol standesgemäss im Hotel

Querdenker, der viel frischen Wind in die Kulinarik im Herzen der Dolomiten gebracht hat (siehe auch den Artikel über die Spitzengastronomie in Alta Badia auf Seite 48).

114

sich dieses künstlerische Hotelkonzept bereits seit

Die Stüa de Michil im Hotel Perla in Corvara

Sommer 2010

Stüa da Michil c/o Hotel La Perla Str. Col Alt 105, IT-39033 Corvara T +39 0471 83 10 00 www.hotel-laperla.it

Greif absteigen. (pb)

Hotel Greif / Bar-Lounge Grifoncino Waltherplatz, IT-39100 Bozen T +39 (0)471 318 000 www.greif.it


ADVERTORIALS

Hotel waldhaus | sils-maria Der Prachtbau aus dem Jahr 1908 hat im Laufe der Zeit nichts von seiner Grandezza eingebüsst und begeistert bis heute Gäste aus aller Welt. Noch immer persönlich geführt von der Gründer- und Besitzerfamilie, besticht das Waldhaus mit seiner authentischen (Innen-)Architektur, den repräsentativen Salons und einer breiten Zimmervielfalt. 2005 wurde der Vorzeigebetrieb zum Historischen Hotel des Jahres gekürt; vor zwei Jahren wurde «der Hundertste» ausgiebig kulturell gefeiert. Hotel Waldhaus bbbbb CH-7514 Sils-Maria T +41 (0)81 838 51 00 www.waldhaus-sils.ch

grandhotel giessbach | brienz Heute wie vor hundert Jahren bildet die historische Ho-

prädestinieren das Haus gleichermassen als Austragungs-

telresidenz an den Giessbachfällen hoch über dem Brien-

ort für Konferenzen und stilvolle Bankette. Das Spielgelände

zersee eine Welt für sich. Umgeben von Bergen, Wäldern

für Kinder sowie das Schwimmbad und der Tennisplatz

und Alpwiesen, mit atemberaubendem Blick auf die Brienzer-

sind eingebettet in die freie Alpennatur. Die Hausbar La

seelandschaft, liegt diese geborgene Oase weit abseits

Cascade, das Parkrestaurant mit Orangerie und Terrasse,

von Alltag und Verkehr. Die prachtvolle Residenz mit 70

das Gault Millau-Gourmet-Restaurant Le Tapis Rouge mit

Zimmern und Suiten und dem eigentümlichen Charme der

Seeterrasse, die älteste Standseilbahn Europas sowie die

Jahrhundertwende in Verbindung mit modernem Komfort

eigene Schiffsstation runden das prächtige Angebot ab.

Grandhotel Giessbach bbbb CH-3855 Brienz T +41 (0)33 952 25 25 www.giessbach.ch

hotel palazzo salis | soglio

Schweizerhof romantik hotel | flims

romantik hotel stern | chur

Im Bergeller Bergdorf Soglio gelegenes, von einer

Fin de siècle, Belle Epoque und Jugendstil bestimmen

Stadthotel am Eingang zur Altstadt, das 1677 erbaut wurde

wundervollen, historischen Gartenanlage umgebenes

das Ambiente im 1903 errichteten Schweizerhof Flims.

und seit vier Jahren von Mitbesitzer Adrian K. Mueller per-

Hotel aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1989 unter glei-

Im Sommer locken der Caumasee und die duftende Alpen-

sönlich geführt wird. Das Haus verfügt über 65 meist mit

cher Führung. Zimmer mit Einrichtungen aus vier Jahr-

flora, im Winter sind es 220 Pistenkilometer und

Arvenholz getäferte Zimmer. Das legendäre Restaurant

hunderten. Lokale Spezialitäten im Restaurant Sala. Im

herrliche Winterwanderwege. Seit 2008 führt Familie

Veltliner Weinststuben lockt mit Bündner Spezialitäten,

Garten wird grilliert, und zwischen den Buchshecken

Schmid das Hotel in der vierten Generation. Restaurant

frischer, saisonaler Küche und einem exquisiten Wein-

wandelten schon Künstler und Literaten wie Rainer

Belle Epoque, Halbpension oder à la Carte mit hoch-

keller (einheimische und italienische Weine). Für Individu-

Maria Rilke, Giovanni Segantini oder Hermann Burger.

wertigen Produkten und französischem Akzent.

alisten: Der Abholservice mit einem Buick Baujahr 1933.

Hotel Palazzo Salis CH-7610 Soglio T +41 (0)81 822 12 08 www.palazzosalis.ch

Schweizerhof Romantik Hotel bbbb CH-7018 Flims T +41 (0)81 928 10 10 www.schweizerhof-flims.ch

Romantik Hotel Stern bbb CH-7000 Chur T +41 (0)81 258 57 57 www.stern-chur.ch

Diese Hotels erfüllen die Qualitätskriterien von Swiss Historic Hotels und werden von Schweiz Tourismus empfohlen. MySwitzerland.com


GUIDE

SOMMER 2010

Hotels & Lodges The Lodge | Verbier

summer special Am 18. Juni beginnt in Sir Richard Bransons The Lodge Verbier die Sommersaison und damit die Möglichkeit für individuelle Reservierungen (denn in den Wintermonaten kann das stilvolle AlpenChalet nur exklusiv gebucht werden). The Lodge bietet erstmals drei sommerliche Spezial-Arrangements an: ein aktionsgeladenes Paket für AlpinSportler, ein Verwöhn-Arrangement für WellnessFans und ein Vorteilsangebot für Golf-Begeisterte. Der Fixpreis beinhaltet drei Nächte im Doppelzimmer inklusive aller Mahlzeiten, Getränke (auch Qualitätsweine und Champagner), lokaler Transfers innerhalb von Verbier und Taxen. Ebenfalls im Preis inbegriffen sind, je nach gewähltem Arrangement, weitere individuelle Leistungen (z. B. eine Runde Golf im Verbier und Chamonix Golf Club oder ein Tandem-Paragliding-Sprung, Mountainbiking, Rei-

The Lodge Chemin de Plénadzeu 3, CH-1936 Verbier T +41 (0)208 600 04 30 www.virginlimitededition.com

ten oder wahlweise auch Hot-Stone-Massagen und vitalisierende Beauty-Anwendungen). Die Angebote gelten bis zum 19. September 2010. (pb)

Hotel Pilatus-Kulm

Historisch und einzigartig

Das Hotel Pilatus-Kulm auf dem spektakulären Aus-

2132 m ü. M. bieten den Gästen ein Bergerlebnis

sichtsberg über dem Vierwaldstättersee investiert

der Extraklasse. In einer zweiten Ausbauphase

in die Zukunft. 1890 erbaut, 1999 unter Denkmal-

entsteht eine grosszügige Panoramagalerie, die

schutz gestellt, erstrahlt es diesen Sommer als

das historische Pilatus-Kulm mit dem Hotel Belle-

historisches Berghotel in neuem Glanz. 27 Zimmer

vue verbindet. (dc)

und drei Suiten in modernem Alpenstil, das frisch sanierte Belle Epoque Restaurant Queen Victoria, ein neues Business-Center in altem Gemäuer, Terrasse und die atemberaubende Aussicht auf

116

Sommer 2010

Hotel Pilatus-Kulm T +41 (0)41 329 12 12 www.pilatus.ch


ADVERTORIALS

Waldhaus Flims | Flims

Carigiet-Ausstellung und neue Eventhalle Eine repräsentative Auswahl von zwanzig Werken

Anmut, Bewegung und Ruhe, Licht und Schatten,

des Bündner Künstlers ist seit März dieses Jahres

Schalk und Melancholie sind bei Carigiet nie wirk-

als permanente Ausstellung im Grand Hotel Wald-

lich Gegensätze, sondern bilden eine Einheit.

haus Flims zu bestaunen. Die Gemälde, Aquarelle

Ein weiteres Highlight ist die Waldhaus Arena.

und Zeichnungen sind Teil von «La Collection du Dr.

Letzten Winter als Curlinghalle eröffnet, dient sie

M. Bahro» und haben im Hotel, nahe der Heimat

im Sommer als multifunktionaler Veranstaltungsort

von Alois Carigiet, einen idealen Ort gefunden. Der

der Superlative. (dc)

passionierte Sammler und Leihgeber Dr. M. Bahro

und verfügt über Grundmauern und eine Sgraffitofassade

ausschliesslich Privatsache ist, sondern der All-

aus dem Jahr 1695. Der herrschaftliche Landsitz, der 1892

gemeinheit zugänglich gemacht werden sollte,

durch den Bündner Architekten Niklaus Hartmann auf die

damit sie im öffentlichen Diskurs bleibt.

damalige Mode getrimmt wurde, ist heute ein familiäres

Der begnadete Maler und Zeichner Alois Carigiet

Hotel mit zwölf Gästezimmern, einer echten Genussküche

hat zeitlebens eine eigene, unnachahmliche Linie

und einem wunderbaren Schlossgarten zum Lustwandeln.

verfolgt. Sein Werk ist tief im kollektiven Bewusstsein der Schweiz und vor allem Graubündens verankert. Die typischen Motive seiner Werke konkretisieren auf der einen Seite schnörkellos anderseits deren Wünsche und Sehnsüchte. Kargheit und Fülle, Disziplin und Lässigkeit, Härte und

Das Schloss Sins ist ein geschichtsträchtiges Gebäude (unter anderem das Geburtshaus von Pompejus von Planta)

ist der Überzeugung, dass bedeutende Kunst nicht

und authentisch den realen Alltag der Menschen,

schloss sins | Paspels

Waldhaus Flims Via dil Parc, CH-7018 Flims T +41 (0)81 928 48 48 www.waldhaus-flims.ch

Schloss Sins CH-7417 Paspels im Domleschg T +41 (0)81 650 10 35 www.schlosspaspels.ch

Schloss Elmau | Oberbayern

die kraft der stille Schloss Elmau gehört zum Kreis der «The Leading Hotels of the World» und liegt weitab von allem, 100 Kilometer südlich von München, 1000 Meter über dem Meer, in einem weiten, geschützten Tal von magischer Schönheit. Hier geniesst man die Topografie der Urzeit, den Duft seltener Blumen, den

waldhaus flims mountain resort & Spa | flims

Atem der Wälder, das Rauschen kristallklarer Bäche und die Stille der Berge. Hier lässt man es sich gut

Das luxuriöse Hotelressort mit seinem erstklassigen Mix

gehen bei wohltuenden Behandlungen im Bade-

aus nostalgischem Glamour und modernstem Design ruht

haus nur für Erwachsene. Oder man hat uneinge-

verträumt in einem der grössten Hotelparks der Schweiz.

schränkt Zeit mit den Kindern im Family Spa oder

151 Zimmer, sieben Restaurants, fünf Bars, Jugendstil-

im riesigen Nature Spa. Man erhält, nebst einer ex-

Saal, Belle-Epoque-Pavillon, Tennis, Curling, Wellness-

quisiten Verköstigung im Michelin-gekürten Gour-

paradies auf 2500 m 2, Kids-Club, Golf, Streichelzoo,

met-Restaurant, noch zusätzlich ein reichhaltiges

Hochseil-Erlebnis-Garten und vieles mehr machen jeden

Kulturprogramm geboten, bestehend aus hochka-

Aufenthalt zu einem fulminanten Ereignis.

rätigen Konzerten, Lesungen und Gesprächen. (pb) Schloss Elmau D-82493 Elmau / Oberbayern T +49 (0)882 31 80 www.schloss-elmau.de

Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa bbbbbS CH-7018 Flims T +41 (0)81 928 48 48 www.waldhaus-flims.ch Diese Hotels erfüllen die Qualitätskriterien von Swiss Historic Hotels und werden von Schweiz Tourismus empfohlen. MySwitzerland.com


GUIDE

SOMMER 2010

Restaurants & Lounges

Vetterstübli | Arosa

ein frischer wind Ristorante Passerini | Chiavenna

zeitlos gut Das Ristorante Passerini in Chiavenna ist seit Jahren ein fester Wert und willkommene Zwischenstation auf dem Weg zwischen Comersee und dem Engadin. Er, Flaviano Passerini, charmanter Gastgeber, und sie, Sandra, begnadete Köchin im Hintergrund. Die Küche ist klassisch italienisch und auf kreative Weise von den regionalen Gerichten inspiriert. Dazu orientiert man sich bewusst an den Reichtümern des eigenen Terroirs und auf die Produkte der Saison. Herausragend die feinen FischDas ganzjährig geöffnete und letztes Jahr von Schweiz Tourismus zum Design- und LifestyleHotel gekürte Hotel Vetter liegt mitten im Zentrum von Arosa gleich gegenüber dem Bahnhof und in unmittelbarer Nähe zur Talstatation der WeisshornBahn. Hier beginnt auch gleich um die Ecke das

gerichte und die sorgfältig zusammengestellte Weinkarte mit den besten nationalen Etiketten – wieso sollte man hier weiter suchen? Das makellose Setting in einem Palazzo aus dem 16. Jahrhundert im historischen Kern des Städtchens runden das kulinarische Erlebnis ab. (dc)

Ristorante Passerini Via Dolzino 128, IT-23022 Chiavenna T +39 0343 361 66 www.ristorantepasserini.com

ausgedehnte Wanderwegnetz von Arosa, und zum Golfplatz (dem höchstgelegenen von Europa) sind es lediglich zwei Kilometer, die entweder zu Fuss über den idyllischen Eichhörnliweg oder mit dem

Seven Easy | Ascona

Gratis-Bus respektive dem Privatauto rasch zurück-

Trendlocation

gelegt werden können. Das Hotel wurde vor kurzem komplett umgebaut in ein modern-reduziertes, un-

mit Auszeichnung

prätentiös-schickes Haus für Liebhaber von klaren Formen und authentischen Materialien und hat sich

Hier ist Name Programm. Das Seven Easy bringt die

dank dieser Frischzellenkur zu einem eigentlichen

mediterrane Seite von Ascona auf den Tisch: Pasta-

Geheimtipp gemausert. Vor allem seine gastrono-

variationen, Pizza, Grill. Alles einfach, aber von sehr

mischen Einrichtungen sind bei Urlaubsgästen wie

hoher Qualität. Der Mix aus rustikalem Holz und

Einheimischen gleichermassen beliebt, allen voran

modernem Design ist fast schon genial und hat eine

das Vetterstübli mit seiner grossen Auswahl an A-

architektonische Auszeichnung erhalten. Ebenso

la-Carte-Gerichten und Hausspezialitäten wie dem

wurde es im Bereich Trendlokale zum «Best of Swiss

Aroser Steinpilz-Fondue, dem Cordon-Bleu für Ver-

Gastro» ernannt. Dass etwas daran sein muss,

liebte oder dem Fondue Chinoise. Eine vorzeitige

zeigt die gute Frequenz und das bunt durchmischte

Reservation wird empfohlen. (pb)

Publikum. Casual und eben typisch «easy». (dc)

Vetterstübli c/o Hotel Vetter Seeblickstrasse, CH-7050 Arosa T +41 (0)81 378 8000 www.arosa-vetter-hotel.ch

118

Sommer 2010

Ristorante Seven Easy Piazza G. Motta 61, CH-6612 Ascona +41 (0)91 780 77 71 www.seven-ascona.ch


ADVERTORIALS

palazzo mŸsanus | samedan

hotel schatzalp | davos Das im Jugendstil erbaute und von Thomas Mann im

Glanz erstrahlen, der auch einem Kaiser gut gestanden

1624 im historischen (und inzwischen verkehrsberu-

«Zauberberg» ausführlich beschriebene nostalgische

hätte (Kaiser Wilhelm II hatte zehn Jahre lang in drei spe-

higten) Dorfkern erbautes Gemäuer und ehemaliges

Gebäude fungierte zunächst als Luxus-Sanatorium und

ziellen und noch heute im Jugendstil erhaltenen Zimmern

Herrenhaus der Adelsfmailie Antonius Mÿsanus. 2003

wurde erst später zum Berghotel umgebaut. Bis heute ist

residiert). Fernab und doch so nah: Mit der Schatzalp-

mit natürlichen Materialien und in seiner heutigen

die stilvolle Architektur des Hauses in ihrer Originalform

Bahn ist der «Zauberberg» in lediglich vier Minuten vom

Form als Kunst- und Kulturhotel eröffnet. Historische

erhalten geblieben, wobei die Villa Guarda – das ehema-

Zentrum Davos aus erreichbar. Und ebenfalls erwähnens-

sowie modernisierte Zimmer, Frühstück im Kellerge-

lige Ärztehaus – sowie das separate Chalet seit kurzem

wert: 2008 wurde die Schatzalp zum Historischen Hotel

wölbe, Bankette bis zu 60 Personen. Kleinste Whisky-

mit luxuriösen Suiten bestückt wurden und in neuem

der Schweiz gewählt.

Bar der Welt mit grosser Auswahl an Single Malts.

Hotel Schatzalp CH-7270 Davos T +41 (0)81 415 51 51 www.schatzalp.ch

Hotel Palazzo Mÿsanus CH-7503 Samedan T +41 (0)81 852 10 80 www.palazzomysanus.ch

In un parco subtropicale di 80’000m2 si trova il Parkhotel Delta Ascona, albergo a 5 stelle adatto sopratutto per famiglie. Specialità culinarie, attrazioni sportive e benessere si sposano qui perfettamente con il lusso mediterraneo ed il lifstyle internazionale. In einer 80‘000 m2 grossen subtropischen Parkanlage liegt das familienfreundliche Fünfsterne-Parkhotel Delta Ascona. Gourmet-Genuss, Entspannung und Sportlichkeit paaren sich hier mit mediterranem Luxus und internationalem Lifestyle.

LOS ONE

Parkhotel Delta · Via Delta 137, 6612 Ascona · Reservation Tel. 0041 (0)91 785 77 85 · info@parkhoteldelta.ch · www.parkhoteldelta.ch

Diese Hotels erfüllen die Qualitätskriterien von Swiss Historic Hotels und werden von Schweiz Tourismus empfohlen. MySwitzerland.com


GUIDE

SOMMER 2010

Agenda Sommer 2010 Juni ART

bis 12.9. Meran

nalen Mekka der neuen und alten Musikszene. Das einzige konzeptionelle Rockmusikfestival in der Schweiz garantiert auch 2010 puren Musikgenuss, und dies inmitten einer beeindruckenden Bergwelt. www.greenfieldfestival.ch

Wohn Raum Alpen

TRADITION

20.6.

Schwarzsee Schwing- und Älplerfest Das Schwarzseeschwinget findet auf einem traditionellen Festgelände in den Freiburger Voralpen statt und ist das einzige kranzberechtigte Bergschwinget in der Südwest-

ART

16.6. bis 20.6.

Der Mythos Alpen floriert. Aber was steckt hinter dieser schwärmerischen Vorstellung einer alpinen Identität? Nicht alle Alpenbewohner leben im Heidiland und verdingen sich als Skilehrer. Was ist mit den restlichen 14 Millionen Menschen, die hier wohnen und arbeiten? Wie leben diese? Und wie nehmen sie ihre Lebensräume und Landschaften wahr? Um diese Fragen dreht sich die Ausstellung Wohn Raum Alpen, die von Kunst Meran und der Stiftung der Kammer der Architekten der Provinz Bozen initiiert wurde und noch bis zum 12. September dauert. www.kunstmeranoarte.org

MUSIC

11.6. bis 13.6. Interlaken

Greenfield Festival Das Greenfield gehört zu den wichtigsten Festivals der Schweiz. Es wurde zum natio-

THEATER

17.7. bis 13.8.

Diverse Orte Origen Festival Cultural Die Kulturinstitution Origen widmet sich der Förderung und Produktion von neuem, professionellem Musiktheater und realisiert das alljährliche Origen Festival Cultural. 2006 wurde die Burg Riom bei Savognin zum Theater ausgebaut und dient seither als Hauptbühne für das Festvial. Doch werden auch ausserhalb dieser Location Veranstaltungen durchgeführt. Höhepunkt des diesjährigen Programms ist die Freilichtaufführung von «La Regina da Saba» am 20. Juli auf dem Julierpass (nur mit dem Postauto erreichbar!). Das ganze Programm findet sich unter: www.origen.ch

120

Sommer 2010

Basel Art Basel Art Basel zieht jedes Jahr Kunstliebhaber aus aller Welt an und ist die mit Abstand berühmteste aller internationalen Kunstmessen. Die «New York Times» qualifiziert sie als «Olympiade der Kunst», die Pariser Tageszeitung «Le Monde» als «Die Beste der Welt», die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» titelt «Kunst in ihrer besten Form» und «Vogue» nennt sie treffend «Das schönste temporäre Museum der Welt».

schweiz. Hier ist nicht nur die Naturkulisse einzigartig, auch kulturell treffen hier unterschiedliche Sprach- und Kulturregionen aufeinander. www.schwingfeste.ch MUSIC

24.6. bis 27.6. St. Gallen

OPENAIR ST. GALLEN www.openairsg.ch MUSIC www.artbasel.com

SPORTS

18.6. bis 20.6. Flims

redbull-trailfox www.redbull-trailfox.ch

24.6. bis 4.7. Ascona

JazzAscona Jazzascona ist das bedeutendste Festival für Hot Jazz in Europa. Zehn Tage grossartige Musik mit den grössten Stars der internationalen Szene. Über 200 Musiker, mehr als 400 Stunden Musik. Ein Programm aus Swing, Blues, Gospel und Mainstream. Musik vom Mittag bis spät in die Nacht. Kon-


MUSIC Foto: festvial da jazz / Sophie Hunger

7.7. bis 17.7. Locarno

Moon AND Stars Moon and Stars findet auf der Piazza Grande in Locarno statt, die rund 12’000 Besucherinnen und Besuchern Platz bietet. Der Austragungsort mitten in einer historischen Altstadt ist einzigartig. Das Line-up kann sich ebenfalls sehen lassen: Haupt-Acts sind dieses Jahr u. a. Stevie Wonder, Ben Harper, Earth, Wind & Fire, Massive Attack, Pink, Jamiroquai, ZZ Top. Und auch Stress gibt sich die Ehre. Der Bahnhof ist nur gerade 500 Meter weit entfernt. Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln lohnt sich also auf jeden Fall.

MUSIC

15.7. bis 15.8. St. Moritz

Festival da Jazz 2010 Der legendäre Dracula Club in St. Moritz ist vom 15. Juli bis zum 15. August 2010 der Ort, wo die Vampire zu Jazz tanzen. Das Festival ist Plattform für eine neugierige Entdeckungsreise durch die Jazzwelt. www.festivaldajazz.ch

zerte in öffentlichen Lokalen und unter freiem Himmel. Fantastische Jam Sessions, die bis in den Morgen dauern. Ein «Must» für Musiker und Jazzliebhaber. www.jazzascona.ch

Juli SPORTS

MOBILITY

3.7. Samedan

Engiadina Classics – 100 Jahre Aviatik Am 3. Juli 2010 präsentiert die Engadin Airport AG zusammen mit dem St. Moritz Automobile-Club und dem Auto-Moto-Classics Engiadina im Rahmen des Jubiläums 100 Jahre Aviatik die Engiadina Classics. Am höchstgelegenen Flughafen Europas ge-

2.7. bis 4.7. Silvaplana Engadinwind 2010 www.engadinwind.ch MUSIC

2.7. bis 17.7. Montreux

Montreux Jazz Festival Seit den Anfängen im Jahre 1967, als die Veranstaltung drei Tage dauerte, hat sich das Montreux Jazz Festival zu einem der international bedeutendsten musikalischen Events weiterentwickelt. Mit Auftritten legendärer Grössen aus Jazz, Blues, Rock, World Music und Soul wie Miles Davis, Ella Fitzgerald, Quincy Jones, George Benson, Eric Clapton, Sting, Dizzy Gillespie, Aretha Franklin, Herbie Hancock, B.B. King und Ray Charles verzeichnete das Programm im Laufe der Jahre unzählige Höhepunkte. www.montreuxjazz.com CITY EVENT

2.7. bis 4.7. Zürich Züri Fäscht www.zuerifaescht.ch

ben sich zahlreiche fliegende und rollende Leckerbissen ein Stelldichein: die legendäre Super Constellation, Kampfflugzeuge aus dem 2. Weltkrieg und weitere Flugzeuge unterschiedlichster Bauart, Grösse und Leistungsfähigkeit bilden – zusammen mit einigen äusserst seltenen und herrlichen Automobilen – die Höhepunkte der Veranstaltung. www.engadin-airport.ch SPORTS

5.7. bis 11.7.

Gstaad BEACH VOLLEY OPEN GSTAAD www.beachworldtour.ch

www.moonandstarslocarno.ch MUSIC

9.7. bis 15.8. Engadin

70. Engadin Festival www.engadinfestival.ch MUSIC

20.7. bis 25.7. Nyon

Paleo Festival Seit seiner Gründung vor über 30 Jahren ist das Paléo zum grössten Schweizer Open Air geworden. Jedes Jahr pilgern rund 230’000 ZuschauerInnen auf das 84 Hektaren grosse Festgelände oberhalb von Nyon. Das Line-up ist schon bezüglich Masse beeindruckend: über 176 Konzerte und Shows werden angeboten, Haupt-Acts sind dieses Jahr u. a. Jamiroquai, Charlie Winston, Crosby, Stills & Nash, Archive oder Foals. www.paleo.ch MUSIC

23.7. und 24.7.

Val Lumnezia Openair Lumnezia Im Bündner Oberland, genauer gesagt auf der Hochebene des Val Lumnezia, findet jährlich das gleichnamige Open Air statt. Neben internationaler Prominenz locken heuer auch nationale Acts wie Sens Unik, 69 Chambers und Open Season ins «Tal des Lichts». www.openair-lumnezia.ch

121

Sommer 2010


GUIDE

SOMMER 2010

Agenda Sommer 2010 SPORTS

FILM

THEATER

Gstaad Allianz Suisse Open Gstaad www.allianzsuisseopengstaad.com

Internationales Filmfestival von Locarno

Zürich Zürcher Theater Spektakel www.theaterspektakel.ch

24.7 bis 1.8.

4.8. bis 14.8. Locarno

19.8. bis 5.9.

August

September

SPORTS

SPORTS

3.8. bis 5.8.

St. Moritz Engadiner Pferdesporttage Die Polo St. Moritz AG und der Engadiner Pferdesport Verein laden ein zur ersten Austragung der Engadiner Pferdesporttage. Verschiedene, auch für Nicht-Reiter attraktive Shows – unter anderem mit Olympiateilnehmern und Akrobaten des Zirkus Nock – demonstrieren die Schönheit und Vielseitigkeit des Pferdesports. Vorgesehen sind unter anderem diverse PoloDemonstrationen, eine Offroad-Kjöring-Show (von Rennpferden gezogene Inline-Skater überwinden mehrere Hindernisse), diverse Springreiten sowie Kutschenrennen. Speziell für Kinder wurde das Programm «Kinder und Pferde» entwickelt, das bereits den Kleinen das Pferd und den Reitsport näherbringen soll. Umrahmt wird der dreitägige Event von einem attraktiven musikalischen und kulinarischen Programm (mit einem Bauernhof-Brunch und einem gediegenen Horse Ball). Weitere Informationen und das detaillierte Programm finden Sie unter www.polostmoritz.com

2.9. bis 5.9. Crans Montana

Omega European Masters Seit mehreren Jahren belegen die European Masters einen besonderen Platz im europäischen Wettkampfkalender. Als Turnier mit erheblichen sportlichen Anforderungen spielt es, auch dank der unvergleichlichen Atmosphäre in Crans-Montana, bezüglich Gastfreundlichkeit eine besondere Rolle. www.crans-montana.ch

MOBILITY

9.9. bis 12.9.

Im Lauf seiner 62-jährigen Geschichte hat sich das Internationale Filmfestival von Locarno eine zentrale Stellung im Panorama der grossen Filmfestivals erobert. Alljährlich im August treffen hier über 160’000 Filmfreunde auf 1000 Medienleute und 3000 Branchenvertreter. Die kleine Tessiner Stadt im Herzen Europas wird so für elf Tage zur Welthauptstadt des Autorenfilms. www.pardo.ch MUSIC

19.8. bis 22.8. Gampel OPEN AIR GAMPEL www.openairgampel .ch

ART

10.7. bis 10.10.

Luzern Hodler, Amiet, Giacometti Ferdinand Hodler, Cuno Amiet und Giovanni Giacometti formen zusammen das grosse Dreigestirn am Schweizer Kunsthimmel des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie hatten Anteil an den europäischen Avantgarden und prägten das moderne Schweizer Kunstschaffen wie keine anderen Künstler. Die Ausstellung versammelt eine ganze Anzahl selten gesehener Bilder aus den interessantesten Schaffensphasen (wie beispielsweise das «Breithorn» von Ferdinand Hodler, um 1911). www.kunstmuseumluzern.ch

122

Sommer 2010

Arosa Arosa Classic Car Dieses internationale Bergrennen ist in den letzten Jahren zu einem über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannten Event herangewachsen und bietet in diesem Jahr wieder viele Höhepunkte auf und neben der Strecke. Die Veranstaltung ist im nationalen Sportkalender der ASS (Auto Sport Schweiz) und im Internationalen Sportkalender der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) eingetragen. Es werden 10’000 Zuschauer erwartet. www.arosa.ch


und häufig mit Restaurationsbetrieben versehen. Eine Ausstellung in der Bergstation der Seilbahn auf den Monte San Salvatore zeigt diesen Sommer, wie die speziell für diese Ausflugsziele gestalteten Reiseplakate den Mythos einer herben und zugleich grandiosen Landschaft in Verbindung mit den technischen Errungenschaften heroisierten. www.montesansalvatore.ch SPORTS

24.9. bis 26.9. Zürich

ART

Sommer Monte San Salvatore

HISTORISCHE Seilbahnplakate Mit dem Bau von Stahlseilbahnen – von der Zahnrad- und Seilschwebebahn bis hin zum Sessellift – war es plötzlich für breitere Schichten möglich, ohne Schwierigkeiten grosse Höhen und Berggipfel zu erreichen. Dank atemberaubenden Panoramen wurden diese Aussichtspunkte schnell zu wahren Anziehungspunkten für den Tourismus

freestyle.ch Am grössten Freestylesport-Event Europas zeigen internationale Topstars auf ihren Snowboards, Freeskies, FMX-Bikes und Skateboards waghalsige Tricks und sorgen beim Wettkampf für pure Action. Neben zahlreichen Verpflegungsmöglichkeiten gibt es an der Label World Messe die neusten Trends und Produkte des Freestyle-Sports zu entdecken. www.freestyle.ch

polo-sommerkurse in st. moritz – samedan Sind Sie Pferdeliebhaber und suchen eine neue Herausforderung? Oder möchten Sie Ihr Polospiel verbessern? Die Veranstalterin des renommierten Winter Polo Turniers St. Moritz Polo World Cup on Snow bietet im Engadin Sommerkurse für Klein und Gross an. Kurs I: Einführung in den Polosport Niveau: Keine Vorkenntnisse nötig,

ab 8 Jahre, Dauer: 2 Std.

Kurs II: Schnupperkurs Niveau: Beherrschen der 3 Grundgangarten,

ab 12 Jahre, Dauer: 3 Std.

Tageskurs: 1. Praxiserfahrungen im Polo Niveau: Beherrschen der 3 Grundgangarten,

ab 12 Jahre, Dauer: 5 Std. inkl. Lunch

Wochenkurs: Professionelle Einführung in den Polosport Niveau: Beherrschen der 3 Grundgangarten,

ab 12 Jahre, Dauer: 4 Tage inkl. Lunch

Privatunterricht auf Anfrage. Kurse beginnen ab Mitte Juni 2010 und werden täglich, auch am Wochenende, angeboten. Ferienkurse für Kinder: In den Sommer-, Herbst-, Winterund Frühlingsferien gibt es 5-tägige Polo Kurse für Kinder ab 5, 10 oder 14 Jahren, es sind keine Vorkenntnisse nötig. 26. – 30. Juli 2010 Jugend Polo Camp: In Zusammenarbeit mit der Swiss Polo Association wird das erste Summer Camp für junge Polospieler ab 12 J. durchgeführt. Anmeldeformular zum Download unter www.polostmoritz.com. ART

27.8. bis 5.9. St. Moritz

St. Moritz Art Masters Die dritte Austragung des St. Moritz Art Masters macht das Oberengadin auch diesen Sommer wieder zum Mekka der Kunst- und Kulturszene. Während zehn Tagen können Kunstfreunde aus der ganzen Welt das umfangreiche Angebot an zeitgenössischer Kunst erkunden (hier abgebildet «Old Bridge» von Ilya + Emily Kabakov; Courtesy: Ilya + Emilia Kabakov / Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf), das an ungewöhnlichen Orten im Engadin präsentiert wird. Das Detailprogramm ist einsehbar unter: www.stmoritzartmasters.com

Fordern Sie den Flyer mit dem Kursangebot an oder erkundigen Sie sich im Polo-Büro St. Moritz Polo AG Plazza dal Mulin 6, CH-7500 St. Moritz T +41 (0)81 839 92 92 www.polostmoritz.ch Kursort: Stalla Bodmer Plazza Aviatica 1, CH-7503 Samedan (direkt neben Engadin Airport)

123

Sommer 2010


CONTRIBUTORS

SOMMER 2010

Contributors Stephan Bösch hat seinen erlernten Beruf Werkzeugmacher an den Nagel gehängt, um sich ganz seiner Leidenschaft der Fotografie zu widmen. Oberflächliche Schönheit lockt ihn kaum. Er fotografiert Langzeitprojekte, Reportagen und Portraits bei denen er sich dem Menschen behutsam nähert. Vorzugsweise arbeitet er analog und nutzt vorhandenes, natürliches Licht. In seinem eigenen Fotolabor fertigt er Barytabzüge in kleinen Auflagen an. Digitaler Technik verschliesst er sich aber nicht. Stephan Bösch lebt und arbeitet in St. Gallen. www.sichtweise.ch

Phil Simha sucht das Outdoor-Abenteuer auf den Höhen des Himalayas und in den Tiefen der Ozeane. Er gehört in seinem Sektor europaweit zu den meistpublizierten Autoren und Fotografen. Wenn er nicht gerade irgendwo auf der Pirsch nach neuen Sujets ist, berät er verschiedene Akteure der Tauchindustrie in technischen und geschäftlichen Belangen. www.sunfishproductions.com

Anoush & Aimée Anoush Abrar und Aimée Hoving lernten sich während ihrer Studienzeit an der Kunstschule kennen. Seit 2003 arbeiten sie als kreatives Paar. Mit ihrer unvergleichlichen Handschrift aus hoch verführerischen Bildwelten und unerwartet provokativen Geschichten bringen sie frischen Wind in die Modefotografie. Ziel von Anoush und Aimée ist es, in Mode und Kunst gleichermassen

margit uber

erfolgreich zu sein. Oft fotografieren sie Mode so, wie sie für Kunst foto-

Wenn Margit Uber das Bedürfnis nach einer Kreativ-Pause über-

grafieren würden. So bekommen Aufnahmen, die in einem kommerziellen

kommt, packt sie kurzerhand Reisetasche, Rucksack und Bergstiefel

Kontext geschossen werden, ein zweites Leben in der Kunstwelt.

– und fährt über den Brenner. Südtirol heisst ihr Sehnsuchtsziel,

www.anoushaimee.com

spätere Übersiedlung nicht ausgeschlossen. Mit Blick auf die Zinnen und Zacken der Dolomiten entstand auch die Geschichte über Alta Badia. Eine ganz andere Leidenschaft verbindet die Autorin mit ihrer Heimatstadt München: die Bayerische Staatsoper, über die sie regelmässig schreibt.

124

Sommer 2010


CONTRIBUTORS

fabian scheffold (1966) ist freischaffender Fotograf in Zürich und arbeitet seit 1996 zusammen mit Istvan Vizner unter dem Label «scheffold.vizner». Neben verschiedenen Publikationen prägen sie mit ihrer Arbeit die Werbekampagnen und Auftritte nationaler und internationaler Unternehmen. Sie pflegen eine grosse Leidenschaft zur Landschaftsfotografie und dem inszenierten Portrait. www.scheffold.vizner.com

dominik flammer (1966) ist freischaffender Wirtschafts- und Food-Journalist und Partner von Lüchinger-Publishing. Daneben beschäftigt er sich seit Jahren leidenschaftlich mit Nahrungsmitteln und ihrer Geschichte. Flammer war Korrespondent der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) und Wirtschaftsredaktor sowie Ressortleiter bei der Weltwoche. Seit 2001 betreibt er in Zürich die Kochschule Shoppenkochen. www.shoppenkochen.ch, www.luechingerpublishing.com

Reto Guntli Der Zürcher Fotograf Reto Guntli bereist alle Kontinente dieser Welt für Reportagen über Architektur, Design,

adrian von moos

Kunst, Reisen und Menschen. Mit seinen Arbeiten

Aufgewachsen ist Adrian von Moos in Luzern

produzierte er bereits über 30 Bücher, die von den

am schönen Vierwaldstättersee. Nach einem

grössten internationalen Fotobuchverlagen herausge-

erfolgreichen Studium der Anglistik und

geben wurden. Ausserdem publiziert er regelmässig in

Germanistik an den Universitäten Zürich

den bekanntesten Architektur- und Lifestyle-Magazinen

und Edinburgh im Jahr 2006 arbeitete er bei

wie «Architectural Digest», «Vogue», «Elle Décoration»,

Thomson Reuters. Seine anglophile Ader

«Traveller Condé Nast», «Hotel & Lodges», «Geo» und

trieb ihn nach London, wo er sich nochmals

zahlreichen anderen. Guntli arbeitet als Werbefotograf

intensiv der englischen Sprache hingab und das

für internationale Hotels und hat auch in diesem Sektor

Übersetzer-Diplom für Englisch und Deutsch an

mehrere Bücher herausgebracht.

der University of Westminster absolvierte. Seit mehreren Jahren arbeitet Adrian von Moos als Freelance-Journalist im Bereich Interior Design und Architektur, als Lektor, Korrektor und Übersetzer. Adrian von Moos lebt in Zürich,

Andrea Caprez

und zählt Reisen, Städtebau, Literatur und Film

lebt seit 1988 als Illustrator, Comiczeichner, Sänger

zu seinen Hobbies.

und Komponist in Zürich. Er zeichnet für Zeitungen und Zeitschriften im Inund Ausland.

christoph schuler Mitbegründer und Redaktor diverser Fanzines und Zeitschriften («Stilett», «Nizza», «AHA!»). Seit 1987 freier Journalist, Songtexter und Redaktor beim bekannten Comic-Magazin Strapazin.


CONTRIBUTORS

SOMMER 2010

Impressum BIANCO, 3. Jahrgang Ausgabe Sommer 2010 herausgeber BIANCO Verlag GmbH Via Brattas 2, CH-7500 St. Moritz (Schweiz) Tel. +41 (0)81 837 30 80 Fax +41 (0)81 837 30 85 www.biancomag.ch

christina horisberger

Ulrich Grober

Schrieb ihr Lizenziat über die internationale

Journalist, Buchautor und passionierter Wanderer.

Verbreitung des Schweizer Chalet-Stils, die mit der

Sein Buch «Vom Wandern – neue Wege zu einer alten

touristischen Entdeckung der Schweizer Alpen

Kunst» ist zum Bestseller (und Longseller) geworden.

einherging. Fühlt sich inmitten karger Geröllfelder

Sein neuestes Opus erschien im März. «Die Ent-

auf über 2500 m ü. M. genau so wohl wie im Lounge

deckung der Nachhaltigkeit» erzählt die spannende

Chair von Eames.

Geschichte dieses Zauberworts.

Stefan Bühler Stefan Bühler ist Verleger und Journalist, Herausgeber verschiedener Zeitschriften und Bücher sowie Inhaber eines Druck- und Verlagsunternehmens in Chur. Als ehemaliger Chefredaktor der grössten Tageszeitung in Graubünden und Publizist befasst er sich kritisch mit den gesellschaftlichen, politischen und baulichen Entwicklungen in seiner Heimat.

chefredaktion Philipp Bitzer (pb), philipp.bitzer@biancomag.ch Dario Cantoni (dc), dario.cantoni@biancomag.ch STÄNDIGE MITARBEITER Fabrizio D’Aloisio (fa) Petra Kropf (pk) Mitarbeit AUSGABE Sommer 2010 Texte: Stephan Bühler, Dominik Flammer, Ulrich Grober, Christina Horisberger, Adrian von Moos, Christoph Schuler, Margit Uber Bilder: Pia Affolter, Anoush & Aimée, Stephan Bösch, Andrea Caprez, Gaudenz Danuser, Reto Guntli, Fabian Scheffold, Phil Simha, Gustav Willeit, Filip Zuan Produktefotos mit freundlicher Genehmigung der Hersteller. Creative direction Dario Cantoni, Spot Werbung Art Direction & Layout Pia Walser (AD), Andrea Klainguti, Filip Zuan (Spot Werbung, St.Moritz) cover Gustav Willeit Stimmung in den Dolomiten, Alta Badia

gustav willeit Geboren in Brunico, aufgewachsen in Corvara, (Alta Badia, Dolomiten). Im Jahr 2000 Studium an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign Zürich, Abschluss mit Fotografie. Danach in Zürich als Assistent bei Fotografen tätig, seit 2006 freischaffender Fotograf zwischen Zürich und Corvara. Themen: Kunst, Architektur, Natur, Portraits www.guworld.com

ANZEIGEN Mediensatellit GmbH Zypressenstrasse 60, CH-8004 Zürich (Schweiz) Tel. +41 (0)43 268 50 39 Fax +41 (0)43 540 50 41 www.mediensatellit.ch, info@mediensatellit.ch inserate@biancomag.ch ÜBERSETZUNGEN Hans & Jennifer Abplanalp CH-3600 Interlaken (Schweiz) KORREKTORAT Heiner Fierz CH-8049 Zürich (Schweiz)

Gaudenz Danuser Die Bilder des 43-jährigen Bündners zeigen Momente tiefer persönlicher Begegnungen. Dabei kommt es darauf an in der richtigen 1/125 Sekunde den Auslöser zu bedienen. In solchen Momenten entstehen Kunstwerke. Gaudenz Danuser hatte schon immer einen besonderen Bezug zum Sport- und Abenteuergeist, kombiniert mit seiner Feinfühligkeit ergibt dies die perfekte Mischung für eine eigene, herausragende Bildsprache. www.gaudenzdanuser.com

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Sommer 2010

Druck AVD Goldach Sulzstrasse 10, CH-9403 Goldach (Schweiz) auflage Sommer 2010 20’000 Exemplare Preis Einzelheft CHF 20.– BIANCO erscheint 2x jährlich Alle Rechte vorbehalten www.biancomag.ch


COMIX

Dieses Bild ist Teil einer grossen Serie von Andrea Caprez (Zeichnungen) und Christoph Schuler (Texte) zum Thema Alpen. Die Bilder entstanden auf verschiedenen Reisen durch den

Der Lebensbaum

BIANCO E NERO

Alpenbogen, von Ljubljana 端ber Innsbruck, Chur, Chamonix, Cuneo und Barcelonette bis nach Menton. Ein Teil davon ist diesen Sommer im Hotel Saratz, Pontresina, ausgestellt.

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Sommer 2010


KOLUMNE

DAS LETZTE WORT

Durchatmen

Durchatmen von Stefan Bühler

Wie jeder Joker seinen Batman hat, jedes Yin sein Yang, so hat jede Gesellschaft seinen Hang zum Steigerungswahn. Auf der nach oben offenen Richterskala gibt es kaum eine Grenze. Hohe Berge, tiefe Täler – das war einmal. Exzessiv heisst die Devise, obwohl nur die baskische Sprache diese vierte Steigerungsform bietet. Für uns deutsch Sprechende heisst es positiv, komparativ und superlativ – gross, grösser am grössten. Jede Stufe hatte einst ihre Berechtigung, oder negativ formuliert: Ist ein Schwangerschaftstest erst einmal positiv, gibt es nichts mehr zu steigern. So einfach war das. Bis die Sportkommentatoren und die Werber kamen. Seitdem kennt die Steigerungseuphorie keine Grenzen mehr. Optimal allein genügt nicht, optimalst ist angesagt, denn wir dürfen in keinster Weise einen maximaleren Aufwand für den minimalsten Gewinn erzielen, wenn wir schnellstmögliche Antworten brauchen. Alles lässt sich nämlich noch steigern, nicht nur Versprecher und Versprechungen von Politikern. Schönheit lässt sich optimieren, Kondition trainieren, Alter minimieren. An und für sich ist das auch notwendig, war doch der Schöpfer bekanntlich nicht sehr galant. Sonst hätte er nicht alle Falten im Gesicht konzentriert, obwohl doch anderswo genug Platz wäre. Eine besondere Form der Steigerung zu diesem Thema stammt von Albert Schweizer: «Mit zwanzig Jahren hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit vierzig das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat, und mit sechzig das Gesicht, das er verdient.» Vor allem im Zusammenhang etwa mit dem eigenen Geburtstag ist das schon tröstlich, zumal der Komparativ einfach schmeichelhafter ist. Älter sein hört sich niedlicher an als alt aussehen. Wer älter ist, kann in Ruhe all die Sünden bereuen, die er nicht begangen hat. Dass sich die Natur nicht immer durch die Menschen formen lässt, wird uns mit Erdbeben, Lawinen, Tsunamis und Klimaerwärmung schon schmerzlich ins Bewusstsein gerufen. Auch

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der kleinste Vulkan auf einer noch so kleinen Insel ergreift seine Chance, um in die Schlagzeilen zu geraten. Ungeachtet eines europaweiten Rauchverbotes werden seine Lavakörnchen zu Stolpersteinern für einen ganzen Kontinent. Die Natur macht uns einmal mehr gehörig einen Strich durch die Rechnung. Und dabei verblasst das alles zu einem kleinen Rülpser, wenn erst einmal die Asche den ganzen Globus verdunkelt. Dann wird es Zeit, wieder Demut gegenüber der Schöpfung zu bekommen. Wie das geht, wissen wir spätestens seit dem Alten Testament: «Asche über unser Haupt» heisst nichts anderes als Busse tun. Wer schon vorher erstickt oder sonst wie das Zeitliche gesegnet hat, für den hat der Pfarrer auf dem letzten Gang noch einen Nachschlag parat: «Asche zu Asche, Staub zu Staub.» Eigentlich werden wir laufend daran erinnert, dass die Asche zum Leben gehört wie die Urne danach. «Sieben Mal wirst Du die Asche sein» sang schon vor 30 Jahren der deutsche Rocker Peter Maffay. In seinen Lebenserinnerungen («Die Asche meiner Mutter» und «Ein rundherum tolles Land») bringt es der kürzlich verstorbene irisch-amerikanische Schriftsteller Frank McCourt im letzten Satz auf den Punkt: «Ach, wenn sie nur zu Atem käme». Das gilt heute für ganz Europa. Durchatmen – das genau ist die Herausforderung, der wir uns stellen sollten. Energie gewinnen beim Entschleunigen, wo geht das besser als in den Bergen? Sogar das aktuelle chinesische Jahr hilft uns dabei, unseren Wissenshorizont über die Dim Sum hinaus zu erweitern, verspricht doch das Jahr des Tigers neue Energiewellen. Allein finden wir wohl kaum aus dem Exzessiven heraus. Ein Trend jedenfalls ist zu erkennen, nicht im Sinne von Jean-Jacques Rousseaus «Zurück zur Natur», wohl eher nach der Devise «Zusammen mit der Natur». Die neue Philosophie des Wanderns hat nichts mehr mit der Anzahl Höhenmetern und nicht mehr mit Distanzrekorden zu tun. Es ist die Reaktion und der Gegenentwurf auf das Tempodiktat, dem wir täglich ausgesetzt sind. Das Kontrastprogramm zu all den Brandbeschleunigern dieser Zeit lautet ganz einfach: Durchatmen.


www.biancomag.ch

BIANCO Alpine Lifestyle Magazine  

Issue Summer 2010

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