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Herbst 2021 Nr. 189 SPIESSER.de

Wissen ist online Bildungscreator erobern unsere Newsfeeds. Uns haben einige von ihnen verraten, was sie antreibt und was Social Media in Zukunft noch für die Bildung tun kann. Ab Seite 6

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Wächst die Sucht nach Medien?

Gegen Cybermobbing ankämpfen

Experteninterview

Exkurs

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Jetzt kommen die Sinnfluencer

Inhalt

Gerade durch die Corona-Pandemie sind in den sozialen Netzwerken jene Content-Creator bekannt geworden, die es scha��en, in ihren Videos kurz und knapp echtes Wissen zu vermitteln. Grund genug, dass wir uns näher damit beschä�tigen, welches Bildungspotenzial noch in TikTok, Instagram und Co. schlummert.

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Wie viel Wissen steckt in Social Media? Über das Potenzial sozialer Netzwerke für die Bildung

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Wächst die Mediensucht? Im Interview mit Daniela Ludwig, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

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Das muss aufhören Cybermobbing – was das ist und wie ihr euch schützen könnt

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Vernetzt, verknotet, vereinsamt Wie uns soziale Netzwerke verbinden und zugleich trennen

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Kreuzworträtsel 6 nimmt!-Spielepakete, Pelikan ilo-Boxen, Häfft-Timer Sets

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Tipps & Tricks Heimkino? Aber richtig!

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Und jetzt … Euer Feedback zum letzten Heft

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die IT hinter den Bundestagswahlen

Der Deutsche Bundestag vertritt das deutsche Volk und ist maßgeblich daran beteiligt, Gesetze zu beschließen. Alle vier Jahre werden Abgeordnete nach den Wahlrechtsgrundsätzen allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim in den Bundestag gewählt. Dieses Jahr ist es wieder so weit: Am 26. September 2021 steht die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag an. Alle volljährigen Deutschen dürfen entweder im Wahllokal oder per Brief wählen. Damit die Wahlen wie geplant ablaufen können, benötigt der/die Bundeswahlleiter:in zuverlässige IT-Services. Diese stellt das ITZBund als IT-Dienstleister der Bundesverwaltung bereit – vor dem ersten Wahltag, in der Wahlnacht und danach bei der Feststellung des amtlichen Ergebnisses. Das ITZBund beginnt schon Monate vor der Wahl mit den Vorbereitungen, um den reibungslosen Betrieb während der Bundestagswahlen zu garantieren. So kann jederzeit auf kurzfristige Entwicklungen – wie zum Beispiel vorgezogene Neuwahlen – reagiert werden. In Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt (Destatis) und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüfen die IT Spezialist:innen das Gesamtsystem in verschiedenen Testläufen auf seine Wirksamkeit und Zuverlässigkeit.

Vor den Wahlen wird eine stabile Infrastruktur mit Netzwerken, Servern, Systemen und Softwarelösungen errichtet. Zusätzlich wird eine Live-Betriebsumgebung für das Wahlsystem aufgebaut und das Monitoring vorbereitet. Dann wird das Zusammenspiel der einzelnen IT-Komponenten getestet und das Lagezentrum für den/die Bundeswahlleiter:in errichtet. Außerdem sorgt das ITZBund dafür, dass die Wahldaten auch im Falle eines IT-Ausfalls korrekt übermittelt werden können. Mit einer Generalprobe wird sichergestellt, dass das System fehlerfrei läuft. Ein ständiges Monitoring ermöglicht das frühzeitige Erkennen und Beheben von Störungen. Um mögliche Angriffe sofort zu entdecken und abzuwehren, wird das zur Datenübertragung genutzte Netz permanent überwacht. Außerdem betreibt das IT-Team die physikalischen Serversysteme für die Aufbereitung der Wahlergebnisse und die Internetangebote des Bundeswahlleiters/der Bundeswahlleiterin. Am Wahltag und in der Wahlnacht unterstützt das ITZBund bei der Ermittlung und Übermittlung des endgültigen Ergebnisses der Bundestagswahlen.

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Titelstory


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Bildung in sozialen Netzwerken

Wie viel Wissen steckt in Social Media?

Von TikTok hat jeder schon mindestens einmal gehört oder es sogar selbst genutzt. Die Platt�orm hat sich gerade in den vergangenen anderthalb Jahren auch sehr als moderne Bildungsplatt�orm mit hohem Unterhaltungs�aktor etabliert. Durch Bildungscreator, die sich im Hashtag #LernenMitTikTok vereinen, vermitteln Experten ihr Fachwissen – beispielsweise in Bezug au� Karriere, Mathe, Recht oder auch Gesundheit. SPIESSER-Autor Dennis hat den Hashtag und die Sinn�luencer dahinter genauer unter die Lupe genommen.


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Titelstory

TikTok – �rüher mal bekannt unter dem Namen Musical.ly – kennt wohl mittlerweile jeder. Die App wird vor allem von jungen Leuten genutzt. Zu sehen sind neben vielen Tanzeinlagen, ziemlich witzigen Comedians und skurrilen Challenges zunehmend auch Bildungscreator. TikTok selbst hat das ge�ördert und den Hashtag #LernenMitTikTok ins Leben geru�en. Experten mit echtem praktischen Fachwissen aus verschiedenen Lebensbereichen zeigen sich hier und setzen – inzwischen unter Eigenregie – regelmäßig lehrreiche und zugleich unterhaltsame Videos um. Das Wissen reicht hier von Tipps und Tricks zum Kochen bis hin zu psychologischen oder sogar juristischen Fakten.

TikTok selbst hat im Jahr 2020 ein Budget von 4,5 Millionen Euro eingeplant, um Bildungscreator aktiv zu fördern. Stichwort: Jura. Ganz vorne mit dabei ist Herr Anwalt (@herranwalt), einer

der bekanntesten deutschen TikToker. Mit 3,9 Millionen Followern und circa 172 Millionen Likes au� seinen Videos bringt der studierte Jurist Paragraphen und Rechtsangelegenheiten in das TikTokUniversum. Mit Er�olg. Fragen, die er klärt, sind beispielsweise: Dar� mir der Lehrer verbieten, au� Toilette zu gehen? Oder was dar� ich eigentlich, wenn ich 18 bin? All das klärt er au� und stützt sich dabei au� juristische Fakten. Wissen in wenigen Sekunden Der Hashtag #LernenMitTikTok hat schon über 7 Milliarden Views. Ziemlich viel, wenn man sich überlegt, dass TikTok eigentlich als eine reine Unterhaltungs-Platt�orm gilt. Diese enorme Zahl ergibt sich aus den Views aller Videos mit dem Hashtag. Für die Förderung der lehrreichen Kurzvideos hatte die Platt�orm selbst im Jahr 2020 ein Budget von 4,5 Millionen Euro eingeplant, um Bildungscreator aktiv zu �ördern. Neben Herrn Anwalt wurden weitere TikToker ins Boot geholt. Unter anderem die Deutschlehrerin @dein_ sprachcoach, Fotogra� @charly_schwarz, der Mediziner @doc.�elix, der Mathelehrer

@mathe.nick, der Experte �ür Karriere und Beru� @karriereguru oder auch die Fachmediziner �ür Gynäkologie und Urologie @doktorsex.Den verschiedenen Experten merkt man ihre Expertise in jedem Video an und die Au�machung der Videos ist – trotz Unterhaltungswert und kreativer Umsetzung – schlichtweg seriös. Die hohen Likesund View-Zahlen ihrer Videos zeigen, dass sie genau damit bei der Community ankommen. Gerade die Corona-Pandemie hat diesen Videoproduzenten einen großen Push gegeben. Und sie gehören zu den Stars – zumindest im deutschsprachigen Raum. Natürlich springen immer weitere Creator mit ihren verschiedenen Themen au� den Wissenszug au� und erstellen Videos in ihrem Stil. Nur selten �indet man dadurch unter dem Hashtag ein Video, das �ehl am Platz ist. !Achtung! Bei einer mehr�achen täglichen Nutzung von sozialen Netzwerken spricht man von einer klaren (Social-Media-) Sucht.


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Bildung in sozialen Netzwerken

©Gaby Gerster/lai�

Warum ist es Ihnen so wichtig, Ihr Wissen über die sozialen Medien zu teilen? Mir ist eben aufgefallen, dass die Aufklärungssituation in Deutschland mangelhaft ist. Wir selbst sind damals groß geworden mit „Doktor Sommer“ und den Jugendlichen heute fehlt so was – jemand, an den sie sich bei Fragen wenden können. Ihre Videos sind ja vom ersten an millionenfach geklickt ‒ haben Sie mit dem Erfolg gerechnet? Also wir hatten schon das Gefühl, dass das gut wird – einfach, weil wir von Anfang an mit vollem Elan dabei waren und das Gefühl hatten, dass es sehr viele Themen gibt. Aber dass @doktorsex dann so schnell durch die Decke geht, damit hat keiner gerechnet. (lacht)

„Ich bin eine Aufklärungsmissionarin“ Dr. med. Sheila de Liz aka @doktorsex

Wie kommen Sie auf Ihre Themen? Wir nehmen zum Teil Fragen der User auf. Ich selbst nehme auch Themen aus meinem Praxisalltag auf. Zusätzlich widmen wir uns Mythen aus dem Internet, die nicht tot zu kriegen sind. Und damit haben wir tatsächlich jede Menge Stoff für unsere Videos. (lacht) Sehen Sie sich selbst als Influencer? Für mich ist ein Influencer jemand, der einfach nur berühmt ist, weil er berühmt ist. Und der dann seine Reichweite nutzt, um irgendwelche Energy-Drinks oder Turnschuhe oder so was zu promoten. Also nein, ich sehe mich nicht als Influencer. Ich bin eine Aufklärungsmissionarin.

Welches Potenzial schlummert noch in sozialen Netzwerken in Bezug auf Bildungsinhalte? Ich glaube, dass die meisten Leute sich einfach mehr und mehr online bei sozialen Medien informieren werden. Ich glaube auch, dass das gedruckte Blatt weiter an Bedeutung verlieren wird – zu meinem Leidwesen. Ich mag Bücher, aber in Zukunft ist es schlicht einfacher zu gucken, wer mir da online was beibringen kann. Kein Weg ist da schneller, direkter und unbürokratischer als die sozialen Medien.

Das ganze Interview gibt’s auf: SPIESSER.de


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Titelstory

verbringen die dann 39 Minuten täglich mit den Kurzvideos. Im Monat sind das hochgerechnet immerhin 19 Stunden. Und genau hier setzt das Problem der App an. Social Media ist so was wie das neue Fernsehen oder ganz �rüher Radio: Der Fokus im Konsum lag und liegt au� der Unterhaltung und weniger in der Wissensvermittlung. Klar wurden und werden am Rande weiterhin einige Fakten oder lehrreiche Inhalte geteilt, aber die sind zweitrangig.

Vor dem Hashtag #LernenMitTikTok gab es sogar schon einen gleichnamigen und eigenständigen Account @lernenmittiktok.

Vor allem gibt TikTok in seinem Grundau� bau das nicht her – jeden�alls noch nicht. Die For You Page – also die Startseite, die individuell au� jede Userin und jeden User zugeschnitten ist – �olgt einem Algorithmus und gibt ähnliche Inhalte wieder, die man auch zuvor gelikt, kommentiert oder versendet hat. Heißt: Wer sich normalerweise keinen Bildungscontent ansieht, bekommt ihn auch nicht so schnell vorgeschlagen. Und vielleicht erscheinen Herr Anwalt und Co. nur mal aus Zu�all kurz au� ihrer For You Page. Also, wenn es um ein zielorientiertes Lernen geht, ist TikTok wohl (bisher) eher die �alsche Platt�orm. Es handelt sich eher um ein „Undercover Lernen“ – viele User lernen etwas in einem unerwarteten Moment.

Bildungspotenzial ausgeschöpft? Ein genauer Blick au� die deutsche TikTokCommunity zeigt, dass die Platt�orm von 46 Prozent der User täglich genutzt wird. Nicht nur einmal, sondern sogar bis zu zehnmal. Damit schießt die deutsche Community sogar die amerikanischen User vom Thron, denn diese nutzen Tik Tok im Durchschnitt „nur“ achtmal am Tag.

Unterm Strich kann man also sagen, dass die deutsche Community von dem Phänomen TikTok ziemlich �asziniert ist. Im Mai 2020 knackte die Platt�orm sogar ihren Downloadrekord in Deutschland. Allein in diesem Monat wurde die App 522.670 Mal, nur über den App-Store, runtergeladen und von 5,5 Millionen Usern aus Deutschland genutzt. Durchschnittlich

�brigens: Vor dem Hashtag #LernenMitTikTok gab es sogar schon einen gleichnamigen und eigenständigen Account @lernenmittiktok. Dieser wirbt in seiner Bio, also der Pro�ilbeschreibung, mit spannenden Fakten in unter 30 Sekunden. Sein Versprechen hält der Account auch, aber es bleibt auch nur bei spannenden Fakten oder „Sachen, die man au� einer Party erzählen kann“. Ob es nun der größte Ap�el der Welt ist, das älteste Baby oder die Länder mit dem niedrigsten Durchschnitts-IQ. Insgesamt vermittelt der Account also sehr unnützes Wissen, das vielleicht bei „Wer wird Millionär?“ abge�ragt werden würde.


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Bildung in sozialen Netzwerken

Hier die wichtigsten deutschen Bildungsinfluencer auf TikTok*:

* Zahlen Stand August 2021. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

@herranwalt Jura

@doktorsex

sexuelle Aufklärung

@niklaskolorz

Allgemeines Wissen

171.6 Mio. Likes 3.9 Mio. Follower

19.8 Mio. Likes 814.000 Follower

9.2 Mio. Likes 503.600 Follower

@karriereguru @doc.felix Gesundheit

@dein_sprachcoach Deutsch

@mathe.nick

Karrieretipps

8 Mio. Likes 427.200 Follower

7.7 Mio. Likes 508.300 Follower

7.4 Mio. Likes 408,400 Follower

Mathematik

4.9 Mio. Likes 412.400 Follower

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Titelstory

Vorbild YouTube Dass man mit sozialen Medien gut lernen kann, haben vorher schon diverse andere Platt�ormen unter Beweis stellen können. Vorreiter hierbei ist sicher YouTube. Egal, ob �ür Mathe�ormeln, englische Zeit�ormen oder eine chronologische Ab�olge des Zweiten Weltkriegs. Au� YouTube kann man einen Tag vor der Klausur alles lernen – und o�tmals sind die Videos, die man dort �indet, besser als die eigenen Lehrer. YouTube hat es also gescha��t, Unterhaltung

und Wissen zu kombinieren, ohne das selbst aktiv initiiert zu haben. Ein YouTuber, den wohl alle Schüler kennen, ist Daniel Jung. Seine MatheVideos haben die ein oder andere Mathe-Klausur gerettet. Mittlerweile hat er 795.000 Abonnenten und über 2.700 Videos rund um das Fach Mathe. Von Prozentrechnung bis hin zu hochgradig komplexen Matrizen hat er alles in petto. Weitere Beispiele �ür er�olgreiche

Lernkanäle sind MrWissen2go, maiLab und Explainity. Sie erklären Themen aus unterschiedlichen Gebieten oder bereiten politische Debatten anschaulich au�. Solche Videos sind ganz klar eine ein�achere, aktuellere und ansprechendere Alternative zu Büchern – und auch ein Lichtblick in der Vielzahl von eher sinnlosen Videos. YouTube hat aber auch etwas zu bieten, was TikTok schlichtweg nicht bieten kann: Zeit. TikTok-Videos können maximal

Hier die wichtigsten deutschen Bildungsinfluencer auf Instagram*: * Zahlen Stand August 2021. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

maithink

Chemie, Naturwissenschaften

420.000 Abonnenten

doc.felix

Gesundheit, Ernährung

194.000 Abonnenten

mrwissen2gogeschichte Geschichte

170.000 Abonnenten

karriereguru Karrieretipps

85.000 Abonnenten

tomatolix

Selbstexperimente

32.600 Abonnenten

mathemitnick Mathematik

drsheiladeliz

sexuelle Aufklärung

25.400 Abonnenten

40.000 Abonnenten


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Bildung in sozialen Netzwerken

„Sinnfluencer sind die nächsten Influencer“ Tobias Jost aka @karriereguru

Tobias, du bist ja tatsächlich erst im Januar letzten Jahres als „karriereguru“ gestartet ‒ was war dein Antrieb? Während meiner Selbständigkeit habe ich die Leidenschaft entwickelt, mit jungen Talenten zusammenzuarbeiten. Nach Verkauf meiner letzten Firma und einer kleinen Kreativpause hatte ich dadurch meine Berufung gefunden: Ich wollte die Person sein, die mir selbst früher immer gefehlt hat, denn als ich noch in der Schule war, hatte ich nie das Gefühl, ich wäre gut vorbereitet auf das, was da mal kommt. Mein Ziel als Karriereguru ist es, den beruflichen Kompass meiner Community so früh wie möglich zu justieren. Warum bist du gerade auf TikTok aktiv? Tatsächlich habe ich auf YouTube angefangen und schnell begriffen, dass es schwer

ist, dort organisch an Reichweite zu gewinnen. Als ich TikTok gesehen habe, habe ich erst mal selbst viel konsumiert und dann irgendwann den ersten Bildungscreator entdeckt und dachte: Wow. Ich habe angefangen zu skripten und erst mal damit begonnen, Berufe vorzustellen. Mein erstes Format war „1 Minute Traumberuf“. Aktuell nutzen die meisten von uns soziale Netzwerke ja vor allem zur Unterhaltung. Meinst du, das bleibt so? Ich würde behaupten, dass die Sinnfluencer die nächsten Influencer sind. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass es auf andere Werte ankommt, als auf tolle Autos und Klamotten. Und das sind entweder Humor oder informativer Content. Corona hat Bildungscreatorn aus meiner Sicht einen enormen Push gegeben.

Ab wann sollte man sich ernsthaft Gedanken über die berufliche Zukunft machen? Ich bin immer erstaunt, dass die Mädels in meiner Community deutlich früher darüber nachdenken – schon so zwei, drei Jahre vor dem Abschluss. Bei den Jungs ist es häufiger ein: Oh jetzt habe ich meinen Abschluss, jetzt muss ich ja echt was finden. (lacht) Aber ich denke schon, dass es wichtig ist, sich im Vorfeld mit der beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen – auch, weil man im Abschlussjahr genug um die Ohren hat.

Das ganze Interview gibt’s auf: SPIESSER.de


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Titelstory

Hier die wichtigsten deutschen Bildungsinfluencer auf YouTube*: * Zahlen Stand August 2021. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

MrWissen2go

Geschichte, Allgemeinbildung

1,54 Mio. Abonnenten

maiLab

60 Sekunden lang sein, während es au� YouTube kein Zeitlimit gibt. Das merkt man auch in der Themenauswahl. Au� YouTube ist so ziemlich jedes Thema abgedeckt. TikTok tut sich aber noch relativ schwer damit, denn in 60 Sekunden kann man nun mal nicht viel komplexes Wissen erklären – das ist sicher auch der Grund, warum die Themen o�t trotz aller In�omation noch recht „ein�ach“ bleiben. Fazit: gute Aussichten Nichtsdestotrotz ist bei TikTok ein Potential zur Wissensvermittlung vorhanden. Ganz klar. Jedoch wird dies selten durch die User aktiv einge�ordert, sondern geschieht zu�ällig. Eine Art ungewolltes Lernen, das uns �ür ein paar Sekunden staunen lässt und dann wohl leider in ein ungehemmtes Weiterscrollen übergeht. Spätestens dann haben viele den Inhalt des Videos wohl schon wieder vergessen.

Chemie, Naturwissenschaften

1,33 Mio. Abonnenten

Ob die Wissensvermittlung funktioniert, hängt aber auch maßgeblich von den Usern ab. tomatolix

Selbstexperimente

687.000 Abonnenten

Doktor Allwissend

über

Allgemeinbildung

411.000 Abonnenten

Breaking Lab

Naturwissenschaften

The Simple Club

Nachhilfe, Schulfächer, Naturwissenschaften

220.000 Abonnenten

406.000 Abonnenten

#LernenMitTikTok ist also eine gute Möglichkeit, nicht allzu komplexe Sachverhalte zu vermitteln. Ob die Wissensvermittlung �unktioniert, hängt aber auch maßgeblich von den Usern ab. Aktuell ist es eben so: Möchte ich mich zielgerichtet über einen Sachverhalt in�ormieren oder habe eine konkrete Frage, dann gebe ich diese schnell au� Google ein und werde im besten Fall au� einen Artikel oder ein Video weitergeleitet. Die wenigsten aber würden wohl aktuell TikTok au�suchen, um etwas Spezielles zu lernen. Suchmaschinen sind da ein�ach nahbarer und ein�acher. Aus TikTok wird also in naher Zukun�t wohl kein digitales Klassenzimmer. Wenn es aber die Bildungscreator scha��en, ihren Usern In�ormationen mitzugeben und sie mit Wissen zu begeistern, ist das auch schon eine gute Sache.

Text von Den n is Zas tawny, 22,

hatte beim Schreiben für seine TikTok-Sucht wenigstens mal eine gute Ausrede: Recherche.


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Bildung in sozialen Netzwerken

„Mathe ist wie ein Kartenhaus “ Dipl. Math. (FH) Nicolas Klupak aka @mathe.nick

Du leitest seit 2009 dein eigenes Coaching-Institut AKADEMUS ‒ warum hast du dich entschieden, auch mit Social Media zu starten? Ich mache das nicht des Geldes wegen, denn AKADEMUS lief und läuft erfolgreich. Nein, ich habe begonnen, um noch mehr Menschen zu erreichen und für Mathe zu begeistern, als ich es mit meinen Kursen kann. Mein erstes Jahr war aber ehrlich gesagt eine Katastrophe. (lacht) Ich wurde von allen Seiten belächelt. Der Durchbruch gelang mir dann erst mit TikTok. Warum bereitet gerade Mathe so vielen Schülern Probleme? Mathe ist wie ein Kartenhaus. Es bringt dir nichts, wenn du oben alle Kärtchen super draufsetzt, wenn es unten wackelt. Und das macht Mathematik einzigartig. Bei

Mathe brauchst du einfach immer alles – und das ist die Krux. Woher nimmst du die Ideen für deine Videos? Genug Stoff gibt der Bereich Mathe natürlich für Erklärvideos her. Aber meine Videos sollen unterhaltsam und auch für jemanden interessant sein, der vielleicht noch gar nicht in der entsprechenden Klasse ist oder überhaupt nicht mehr in die Schule geht. Ich mag vor allem Videos, bei denen das Ergebnis überraschend ist und die zeigen, dass man Mathe auch im Alltag brauchen kann. Warum kommen deine Inhalte auf TikTok so gut an? Ich denke, das klappt so gut, weil der Algorithmus der Plattform so ist, wie er ist. Bei Instagram ist der Algorithmus bei-

spielsweise stark auf die Followerzahl abgestimmt. Aber TikTok ist es egal, wie viele Follower du hast. Wenn das Video gut ist, kann das eine Millionenreichweite bekommen. Werden Bildungsinhalte in Zukunft eine größere Rolle in sozialen Netzwerken spielen? Da ist noch unendlich viel Potenzial, denke ich. Spätestens, wenn künstliche Intelligenzen mit ins Spiel kommen. Da bekommst du dann als User Videos ausgestrahlt, die einfach perfekt zu deinem Problem passen.

Das ganze Interview gibt’s auf: SPIESSER.de


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Experteninterview

Wächst die Mediensucht?

Die Userzahlen von sozialen Netzwerken wachsen und wachsen. Die Platt�ormen dienen zur Ablenkung vom (Corona-)Alltag und werden o�t zum reinen Zeitvertreib genutzt. Doch wie wirkt sich die Nutzung au� unsere Gesundheit aus? SPIESSER-Autorin Rebecka hat mit der Drogenbeau�tragten der Bundesregierung, Daniela Ludwig, über Mediensucht gesprochen. Was haben Medien und typische Drogen gemeinsam? Auf den ersten Blick natürlich nichts. Tablet, Handy und PC sind ja Alltagsgegenstände, die jeder kennt. Aber so wie Alkohol, Tabak und illegale Drogen abhängig und krank machen können, können auch digitale Medien ungesund werden. Nämlich dann, wenn Menschen ohne sie gar nicht mehr im Alltag zurechtkommen und in einen „digitalen Dauerzustand“ geraten. Welche Gefahren gehen denn konkret von zu starker Mediennutzung aus? Ich kenne Fälle, in denen Kinder regelmäßig psychotisch und aggressiv gegenüber ihren Geschwistern, Eltern und Freunden geworden sind, weil sie nicht „zocken“ durften. Oder nichts mehr gegessen, das Haus nicht mehr verlassen, sich nicht mehr gepflegt haben. Das wurde teilweise so dramatisch, dass sie stationär behandelt werden mussten und zwar nicht nur eine Woche lang. Es gibt mehrere Kliniken, die spezielle Abteilungen für das Thema Internetsucht eingerichtet haben oder sich ausschließlich diesem Thema widmen.

Gibt es spezielle Anzeichen einer Mediensucht? Wenn Menschen – junge wie ältere – sich immer mehr zurückziehen, nicht mehr am „normalen“ Leben teilnehmen möchten, ihre Freunde und Hobbys vernachlässigen, dann sind das schon Zeichen, die man ernst nehmen sollte. Nicht immer ist die Person gleich „abhängig“, aber wenn das Handy, der PC, die Konsole die erste Geige spielen und das täglich, muss man genau hinschauen. Kinder und auch Jugendliche müssen einfach, bevor sie die digitale Welt entdecken, einen „Fahrplan“ bekommen.

Gesund ist, wenn das analoge und das digitale Leben ausgewogen bleiben. Und wie viel Bildschirmzeit ist „erlaubt“? Weniger die Dauer, sondern eher „was und wie oft“ ist zentral. Gesund ist, wenn das analoge und das digitale Leben ausgewogen

bleiben. Was zählt, sind klare Absprachen, wie zum Beispiel: nach dem digitalen Lernen erst einmal eine Pause machen. Ein Spaziergang mit der Freundin, eine Runde Joggen oder mit dem Rad fahren statt gleich weiter ans Smartphone oder die Spielkonsole. Auch Handys beim Essen sollten Tabu sein – natürlich auch für die Eltern! Wie sieht Ihre Expertise in Bezug auf soziale Medien aus? Nutzen Sie selbst soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram und Co.? Politik von heute funktioniert kaum noch ohne die sozialen Medien. Gerade wenn wir die jüngeren Menschen in Deutschland erreichen möchten – was wir müssen –, geht es nicht ohne Twitter, Facebook und so weiter. Ich habe selbst mehrere Accounts und pflege diese auch größtenteils selbst. Es ist wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger auf möglichst vielen Kanälen erreicht werden. Sehen Sie auf den Plattformen Potenzial für die Bildung? Digitale Medien insgesamt ja, soziale Medien nicht unbedingt. Dafür sind sie zu schnell-


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Mediensucht

lebig. Ich denke, es ist immer die Mischung, die es ausmacht. Reines Lernen über beispielsweise TikTok sehe ich kritisch, das wäre zu wenig. Aber als Ergänzung: Warum nicht? Warum ist es gerade jetzt für Sie so wichtig, über dieses Thema aufzuklären? Ehrlicherweise ist Mediensucht eines meiner Topthemen seit meinem Amtsantritt. Es hat durch die Pandemie nochmals enorm an Fahrt gewonnen, weil alle natürlich mehr denn je auf digitale Medien angewiesen sind – beruflich wie privat. Wie wären sonst Homeoffice oder Kontakt halten mit den Freunden möglich? Was mich aber schon sehr beschäftigt, sind die Zahlen, die belegen, dass allein in Deutschland mittlerweile 700.000 Kinder und Jugendliche problematisch oder sogar pathologisch im Netz unterwegs sind oder gamen. Tendenz steigend. Die Pandemie wirkt hier als absoluter Verstärker, daher kümmere ich mich aktuell intensiver denn je um dieses Thema. Also glauben Sie, die vermehrte Mediennutzung ist ein „Nebeneffekt“ der Pandemie? Absolut! Aber nicht nur von sozialen Medien, auch bei Videospielen sehen wir einen Anstieg der Nutzungsdauer. Wir haben im Sommer 2020 mit der DAK-Gesundheit die ersten Ergebnisse der Studie zur Mediennutzung während des ersten Lockdowns vorgestellt. Aus dieser ging hervor, dass damals schon die Zeiten um 75 Prozent angestiegen sind.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation in Bezug auf Homeschooling und digitales Lernen? Unterm Strich sitzen wir alle mehr vorm Bildschirm. Da müssen wir uns nichts vormachen. Das bleibt aber nicht für immer so. Ich stelle bei meinen Kindern, neunjährige Zwillinge, aktuell fest, wie schnell sie plötzlich fit im Umgang mit Uploads, Videokonferenzeinwahlen oder E-Mail schreiben werden. Das war so nicht geplant, aber funktioniert wirklich gut. Die Kinder lernen im Crashkurs, wie sinnvoll die Digitalisierung ist, wo die Vorteile liegen. Sie lernen – wenn es gut läuft – sinnvolle und unsinnige Mediennutzung zu unterscheiden. In einem kurzen Video zu Ihrer neuen Kampagne Familie.Freunde. Follower. erklärt Tobias Krell, was Mediensucht eigentlich ist und was man tun kann, um einen gesunden Abstand zur digitalen Welt zu wahren. Sind diese Tipps aktuell überhaupt umsetzbar? Der Film soll das Thema ja langfristig vermitteln. Die Tipps gelten auch noch für die Zeit nach Corona. Natürlich ist die Lage aktuell sehr außergewöhnlich, nicht „normal“. Aber es ist ja nicht verboten, sich mit seiner besten Freundin oder seinem besten Freund draußen im Park oder auf dem Sportplatz zu verabreden. Im Film zeigen wir Beispiele, die klarmachen, dass neben all der Gamerei und dem Internet auch noch analoge Alter-

nativen wahrgenommen werden sollten. Das ist momentan natürlich nicht der Gruppensport, sondern eher Spaziergänge, lesen, kochen, basteln, malen.

Unterm Strich sitzen wir alle mehr vorm Bildschirm. Haben Sie abschließende Tipps? Ein Tipp der Kampagne lautet: als Eltern selbst ein gutes Vorbild sein. Wenn Papa oder Mama nonstop vor dem Bildschirm sitzen, auch beim Essen zum Beispiel, dann können Kinder und Jugendliche ja gar nicht lernen, wann sie mal „den Stecker ziehen“ sollten. Wenn das Homeschooling oder das Homeoffice vorbei ist, dann sollten auch die digitalen Medien – wenigstens für ein paar Stunden – Feierabend machen!

Text von Rebecka Juchems, 20,

hat ihr Smartphone nach dem Gespräch vom Esstisch verbannt.

Daniela Ludwig (links) ist seit September 2019 die Drogenbeau�tragte der Bundesregierung. Für ihre Kampagne „Familie.Freunde.Follower“ wurde im Januar 2021 ein Film mit dem Kika-Reporter „Checker Tobi“ (rechts) verö��entlicht.

Die Mediensucht-Kampagne Familie. Freunde.Follower. der Drogenbeau�tragten der Bundesregierung hat das Ziel, insbesondere Kindern und Jugendlichen einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Sie bietet wertvolle, ein�ache Tipps �ür den Alltag und zeigt au�, wie jeder das richtige Maß an Mediennutzung �inden kann. Alle In�os dazu �indet ihr au�: www.drogenbeauftragte.de


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Exkurs

Das muss aufhören

„Cybermobbing“ ist ein Begri��, den wir alle schon gehört haben. Dennoch ist vielen Menschen nicht bewusst, wie viel�ältig dieses Phänomen ist und in welchem Ausmaß es auch in Deutschland statt�indet. SPIESSER-Autorin Annika gibt einen �berblick. Welche realen Auswirkungen Cybermobbing haben kann, wurde An�ang des Jahres durch den unerwarteten Todes�all der ehemaligen GNTM-Kandidatin Kasia Lenhardt deutlich. Hinweise deuten au� einen selbstverschuldeten Tod hin. Dazu ge�ührt haben könnten wohl auch die zahlreichen Hasskommentare und andauernde Shitstorms gegen die junge Frau. Das Model war wegen ihrer Beziehung zum Fußballspieler Jérôme Boateng in die Kritik der ���entlichkeit geraten, und nach der Trennung erhob Boateng selbst ö��entlich schwere Vorwür�e gegen seine Ex-Freundin. Au� ihrem Instagram-Pro�il wehrte sich Kasia zwar gegen diese Anschuldigungen und teilte ihren Frust über die Situation mit. Die Hetze �and aber kein Ende und ging sogar so weit, dass sie Morddrohungen erhielt. Ihr letzter Instagram-Post: „Now is where you draw the line. Enough.“

Ein Phänomen über alle sozialen Schichten hinweg Aber Cybermobbing betri��t nicht nur Personen des ö��entlichen Lebens, sondern kann jeden tre��en. Mobbing im Netz �indet beispielsweise in Chats oder Foren, am häu�igsten jedoch in unseren heiß geliebten sozialen Netzwerken statt. Cybermobbing heißt aber nicht nur, dass man online bloßgestellt wird, weil private Nachrichten oder Fotos verö��entlicht oder Gerüchte verbreitet werden. Cybermobbing beginnt mit dem wiederholten Senden von beleidigenden oder belästigenden Nachrichten und dem bewussten Ausschließen bestimmter Personen von Aktivitäten, Chats und �hnlichem. Ausgrenzung, Spott oder Schikane unter Jugendlichen sind erst mal keine neuen Verhaltensweisen, sondern den meisten

bekannt, aber die Formen des Mobbings haben sich im digitalen Raum in den letzten Jahren stark verändert. Cybermobbing ver�olgt die Op�er nach Hause und beein�lusst auch ihr Privatleben. Durch das Internet als Medium können die Op�er An�eindungen o�t nicht aus dem Weg gehen, sondern sind ihnen konstant ausgesetzt. Hinzu kommt: Jederzeit können auch Unbekannte einen im Netz angrei�en. Die Anonymität im Internet ermutigt Mobber dazu, �ußerungen zu tätigen, die sie ihren Op�ern nie ins Gesicht sagen würden. Es ist erschreckend, wie viele Jugendliche bereits selber Op�er von Cybermobbing wurden oder Betro��ene kennen. Laut der JIM-Studie (Jugend, In�ormation (Multi-) Media) wurde jeder �ün�te Jugendliche schon einmal mit der Situation kon�rontiert, dass �alsche oder beleidigende Dinge über ihn im


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Cybermobbing

Internet kursierten, und jeder dritte Jugendliche kennt jemanden, der durch Cybermobbing �ertiggemacht wurde. Ein konkretes Beispiel Wie am Beispiel Kasia Lenhardt deutlich wurde, kann Cybermobbing schlimme Konsequenzen nach sich ziehen, aber zum Glück endet es nicht immer so. Während meiner Recherchen bin ich au� den Fall der 17-jährigen Chiara gestoßen, die jahrelang Op�er von Cybermobbing war. Trotzdem hat sie es gescha��t, den Teu�elskreis zu durchbrechen. 2017 sprach sie mit einem Reporter des Magazins Focus über ihre Er�ahrungen. Ich möchte Chiaras Fall hier erzählen, um anderen Betro��enen Mut zu machen und ihnen zu zeigen, dass es einen Ausweg gibt.

In Deutschland kann Cybermobbing nicht direkt gesetzlich bestra�t werden, es können allerdings verschiedene Gesetze grei�en, so zum Beispiel: • § 185 Strafgesetzbuch: Beleidigung • § 238 Strafgesetzbuch: Nachstellung

Fün� Jahre lang wurde Chiara an ihrer Schule gemobbt, wegen Dingen wie ihrem Kleidungsstil oder ihrer Art zu reden. Teilweise sei das sogar so weit gegangen, dass sie in der Umkleide der Turnhalle ge�ilmt wurde und das Video au� YouTube landete. Das ständige Mobbing �ührte bei Chiara nicht nur dazu, dass sie sich von ihrer Familie distanzierte und ihre Freunde verlor, sondern auch zu selbstverletzendem Verhalten, Drogenmissbrauch und sogar Selbstmordgedanken. Von ihrer Lehrerin bekam Chiara keine Unterstützung und ihren Eltern wollte sie sich an�angs nicht anvertrauen, weil sie sich schämte, obwohl es dazu keinen Grund gab. Die Tortur endete �ür das Mädchen erst, als sie die Schule wechselte und sich mit ihrer Familie Hil�e beim Bündnis gegen Cybermobbing holte. Dunkle Aussichten Experten beobachten in Bezug au� Cybermobbing einen beunruhigenden Trend: Täter werden sich ihrer Taten immer bewusster und das Mitge�ühl �ür die Op�er ihrer Attacken schwindet. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, wie wir soziale Medien nutzen. Durch die Schnelllebigkeit im Internet haben wir beispielsweise zwar die Möglichkeit, schneller au� In�ormationen zuzugrei�en und besser mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren,

aber dadurch können auch schneller und ein�acher Nachrichten, Bilder und Videos verschickt werden, ohne dass die Konsequenzen dieses Handelns vorher re�lektiert werden.

Täter werden sich ihrer Taten immer bewusster und das Mitgefühl für die Opfer ihrer Attacken schwindet. Es kommt so dazu, dass man schneller abwertende Kommentare ver�asst oder scheinbar lustige Bilder weiterleitet, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was ein derartiges Verhalten �ür die Zielpersonen bedeutet. Hinzu kommt die Anonymität im Netz, durch die Täter o�t nicht bestra�t werden (können). Um Cybermobbing in Zukun�t zu verhindern, muss man also auch präventiv daran arbeiten, die Sicherheit und den Respekt im Netz zu verbessern.

Text von An n ik a Sp erl in g, 2 2,

ist der Meinung, dass dieses Problem mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte.


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Exkurs

Bist du selbst von Cybermobbing betroffen? Lass dir helfen! Das kannst du tun:

Mach dir klar: Es liegt nicht an dir. Du bist gut, so wie du bist.

Hier bekommst du Hilfe: Juuuport – kostenlos, vertraulich • www.juuuport.de (online oder WhatsApp) bundesweite Online-Beratungsplattform für junge Menschen von JUUUPORT e.V.

Blockiere deine Mobber im Netz. Jugend Notmail – kostenlos, vertraulich Geh nicht auf die Nachrichten ein: Ignoriere sie!

Mach Screenshots als Beweis.

• www.jugendnotmail.de (Chat, Forum oder Einzelberatung von Profis) vom Verbund für Kinder-, Jugend- und Soziale Hilfen (KJSH)

bke-Onlineberatung – anonym, kostenfrei, datensicher • www.bke-beratung.de (Chat, E-Mail und Forum)

Melde Belästigungen bei den Betreibern der Webseiten.

Vertraue dich jemandem an, egal ob Eltern, Freunden, Geschwistern, Lehrern oder anonymen Hilfestellen. Es hilft, darüber zu reden.

vom Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. – Der Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung

Nummer gegen Kummer – kostenlos, anonym • www.nummergegenkummer.de (per Telefon: 116111. Der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung und du kannst völlig anonym bleiben.) vom Nummer gegen Kummer e.V.

Die Telefonseelsorge – täglich, 24 Stunden, kostenlos, anonym • per Telefon 0800 / 111 0 111 (evangelisch), 0800 / 111 0 222 (katholisch) oder 116 123 • per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de Seelsorgeangebot in Verantwortung der Evangelischen und der Katholischen Kirche


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Cybermobbing


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Essay

Vernetzt, verknotet, vereinsamt Instagram, Tumblr, TikTok, YouTube, Twitter – beinahe jeder ist heutzutage au� irgendeiner Platt�orm unterwegs. Sie sind gerade jetzt, in Zeiten von Corona, unsere Verbindung zu Freunden, der Familie und der ganzen Welt. Aber irgendwie machen sie uns gleichzeitig auch einsam, �indet SPIESSER-Autorin Lea. Seitdem die Corona-Pandemie ausgebrochen ist und weltweit Menschen versuchen, persönliche Kontakte zu minimieren, verlagert sich der soziale Austausch noch mehr auf das Internet als früher. Es dient nicht mehr nur der Unterhaltung, sondern soll auch trösten und Zuspruch geben. Verwunderlich ist das nicht, denn Kommunikation und menschlicher Kontakt sind erwiesenermaßen essenziell für uns, die soziale Spezies Mensch.

aussichtlos erscheint. Wenn man dann mal einen Freund oder die Oma anruft und sich richtig ausheult, wird einem oft klar, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Oder dass es immerhin noch vielen anderen ähnlich geht.

Das Internet ermöglicht es uns, weiterhin Kontakt mit unseren Mitmenschen zu halten. Über Videotelefonie kann man sich mit seinen Freunden treffen, quatschen und herumblödeln. Man kann gemeinsam neue Rezepte ausprobieren oder zusammen lernen. Sogar das virtuelle Anstoßen klappt ganz gut – Stichwort Silvester. Noch lustiger und schöner sind gemeinsame Spieleabende, Quizrunden oder Challenges. Die erfordern zwar manchmal etwas mehr Organisation, sind es aber definitiv wert. Da die netten und oft hilfreichen Flurgespräche mit Kommilitonen oder Mitschülern wegfallen, können Discord-Channel wenigstens ein bisschen Abhilfe schaffen. Hier kann man sich Tag und Nacht auf verschiedenen Kanälen schriftlich oder per Video über unterschiedliche Themen austauschen und sich gegenseitig Tipps geben. Es ist super, wenn man sich über diese verschiedenen Wege miteinander verbindet, einander hilft und Mut zuspricht. Denn im Lockdown und mit Kontaktverboten passiert es schnell, dass man sich eingesperrt und gestresst fühlt. Man dreht und wendet Gedanken im Kopf so lange hin und her, bis einem alles

Mit sozialen Netzwerken holen wir uns also die Außenwelt ins eigene Wohnzimmer und können uns gleichzeitig auch selbst nach außen hin mitteilen und präsentieren. Dieser technisch nachgeahmte persönliche Kontakt ist wichtig. Aber wenn wir ehrlich sind: Wie oft passiert es wirklich, dass man die App öffnet, ein, zwei Stories schaut, ein paar Kommentare liest und dann – motiviert und aufgemuntert – seinen restlichen Tag gestaltet?

Soziale Plattformen entpuppen sich oft als wahre Zeitfresser.

Die sozialen Plattformen haben eine enorme Sogwirkung und entpuppen sich oft als wahre Zeitfresser. Fast jeden von uns hat wahrscheinlich die eigene Bildschirmzeit mal überrascht – oder sogar erschreckt. Man fragt sich dann: Was bitte habe ich mir da den ganzen Tag angesehen? Dienste wie Instagram oder TikTok sind mit voller Absicht so gestaltet, dass man immer weiter scrollt, immer mehr Videos schaut und möglichst viel Zeit dort verbringt. Man wird verleitet, hauptsächlich Content zu konsumieren und nur noch selten wirklich selbst aktiv zu kommunizieren. Ein Großteil der Kommunikation auf diesen Plattformen ist nämlich einseitig – und dann doch eigent-


lich gar keine richtige Kommunikation. Das Ganze birgt die Gefahr, dass wir am Ende doch ganz langsam vereinsamen – und es nicht mal merken.

sich nun mal. Wie oft handelt es sich also um versteckte Verkaufstaktiken, leere Worte oder einfach nur Selbstdarstellung, die uns dann davon abhalten, unser eigenes, echtes Leben zu gestalten?

Wir sollten uns nicht darin verlieren, fremden Menschen beim Leben zuzusehen.

Gegen Einsamkeit und Ziellosigkeit helfen Austausch und Menschlichkeit – und ja, zur Not auch über den Bildschirm. Dennoch sollten wir uns nicht darin verlieren, fremden Menschen beim Leben zuzusehen. Wir sollten uns nicht tagtäglich einfach nur berieseln lassen und darüber vergessen, ein eigenes Leben zu führen. Die Welt an sich ist noch immer analog und sie ist es wert, wahrgenommen zu werden. Auch wenn es einem zurzeit erschwert wird, darf man sich nicht völlig in seine heimelige digitale Blase zurückziehen. Denn dort gehen leider viel wertvolle Zeit und viele tolle Ideen verloren. Deshalb: Geht mehr spazieren und ruft doch mal eure Oma an.

Wir tendieren dazu, viel zu konsumieren und zu wenig zu tun. Zu selten führt ein inspirierender Inhalt auch tatsächlich zu einer Aktion. Oft verzweifelt man sogar an dem Eindruck, dass andere ihr Leben im Griff haben, ihre Ziele erreichen und nur man selbst hinterherhängt und den ganzen Tag nichts gebacken bekommt. Dabei vergessen wir oft, dass das, was auf den sozialen Plattformen gezeigt wird, nur ein kleiner (oft geschönter) Ausschnitt aus dem Leben anderer Menschen ist. Wir sollten deshalb immer unser eigenes Verhalten und auch die Intention der Influencer hinterfragen. Content zu liefern, der bei den Leuten ankommt und im besten Falle täglich treu verfolgt wird, lohnt

Text von L ea Massel, 22,

versucht zurzeit ihren Internetkonsum zu verringern – bisher mit mäßigem Erfolg. Aber immerhin geht sie jeden Tag spazieren.


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Meinung

Diese (un)sozialen Medien Nahezu jeder Jugendliche nutzt die sozialen Medien, ohne sie ist es schwierig in der digitalisierten Welt. Neben den Etablierten wie Twitter und Facebook kommen auch ab und zu neue Dienste und somit auch neue Probleme. Was bedeutet das �ür das Miteinander im Social Media? Stell dir vor, es gibt ein soziales Netzwerk, in das du nur kommst, wenn du eingeladen wirst. Und auch das geht nicht unbegrenzt, sondern jeder aktive Nutzer besitzt jeweils genau zwei Einladungscodes, die sie oder er weitergeben kann. Und auch das nur an iPhone-Nutzer. Was wie eine Dystopie der sozialen Medien und wie ein elitärer Zirkel klingt, ist nun mit der neuen Hype-App Clubhouse zur Realität geworden. Die App gibt es zwar schon seit April 2020, aber bis Januar 2021 hat sie so gut wie niemanden interessiert. Kaum aber haben mehrere Influencer die App mal eben ein bisschen beworben, war sie plötzlich am 19. Januar 2021 die am häufigsten heruntergeladene iOS-Anwendung.

Was mit dieser Erfolgsgeschichte einhergeht, ist ein Aufkommen von Exklusivität auf Social Media. Und wenn ihr mich fragt, ist das eine Entwicklung, die durchaus gefährlich sein kann. Denn was hier angegriffen wird, ist die Grundidee des Social Media: Alle Menschen sollen partizipieren können. Zwar gibt es seit Mai 2021 auch eine öffentliche Beta-Version für Android, dennoch hat die App einige Schwachstellen. Wenn ich mir die Screenshots von Gesprächsrunde ansehe, muss ich echt sagen: Divers ist anders. Clubhouse als diskriminierungsfreier Raum? Wer’s glaubt! Anklang findet die App aber auch bei jungen, progressiven Menschen. Wieso? Vermutlich, weil Clubhouse in gewisser Weise ein neuer

Hype ist, der uns langweilige Tage im CoronaAlltag etwas aufhübschen möchte. Sicher sind die meisten einfach auf diesen Hype-Zug aufgesprungen, sofern sie sich eine Einladung zur App besorgen konnten und dann auch noch das richtige Smartphone dafür hatten. Ein weiterer möglicher Grund, warum gerade progressive Jugendliche die App so attraktiv finden: Es kommt der Anschein auf, dass diese App Potenzial für einen „Safe Space“ hat – also eine diskriminierungsfreie Umgebung für Marginalisierte bietet. Laut dem Aktivisten Orry Mittenmayer ist das aber ein Trugschluss. Orry ist selbst schwerbehindert, er kann nur mithilfe eines Cochlea-Implantats hören. In einem Kommentar zu Clubhouse für die Tageszeitung Neues Deutschland kritisiert er


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die App scharf und bezeichnet sie als barriereunüberwindbar: „Wie nachhaltig sind diese Safe Spaces und der Versuch, antirassistische Kämpfe voranzutreiben, wenn nur ein exklusiver Teil der marginalisierten Communities darauf Zugang hat? Sind Schwerbehinderte nicht auch Menschen, die ein Recht auf genau diese Safe Spaces haben?“

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Denn diese App schafft Exklusivität statt Inklusion. DAS BRINGST DU MIT Eine ziemlich berechtigte Frage. Der Versuch, diskriminierungsfreie Räume zu schaffen – übrigens kein expliziter Anspruch der Clubhouse-Entwickler, sondern eine Wunschfantasie von Anhängern der App – scheitert für mich sowieso schon am Grundsätzlichen: Der Repräsentation ebenjener Gruppen, die dort angeblich einen solchen Safe Space vorfinden sollen.

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Im Kampf gegen Diskriminierung von Queers, Persons of Color oder Menschen mit Behinderung hilft uns die App nur bedingt weiter. Denn diese App schafft Exklusivität statt Inklusion. Damit setzt sie die Ausgrenzung und das Nicht-Gehört-Werden aus dem „normalen“ Leben weiter fort. Das gilt aber nicht für alle sozialen Medien. Generell fördern diese Netzwerke die Repräsentation und Vernetzung von ganz unterschiedlichen Gruppen. Und sie verschaffen Gehör abseits des Mainstreams. Aber frei von Diskriminierung sind sie nicht – es wäre zu schön.

Was ist ein Safe Space? Als Safe Space werden Räume (auch physische) bezeichnet, die da�ür da sind, Er�ahrungen zu teilen und sich zu vernetzen. Sie versuchen, Diskriminierungen abzubauen. Da dies auch dort nicht immer möglich ist, spricht man auch von Safer Spaces, weil es keine vollkommene Sicherheit um die Bemühungen um Diskriminierungs�reiheit gibt. Es gibt zum Beispiel Safe Spaces �ür LGBTIQ*, Schwarze Menschen, People o� Color und Menschen mit Behinderung.

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Meinung

Denn dazu reichen die Community-Richtlinien von Twitter, Instagram und Co. nicht aus – jedenfalls nicht, wenn sie nicht auch konsequent umgesetzt werden. Diskriminierung allein durch soziale Medien zu bekämpfen, ist unmöglich Die Autorin und Politikerin der Linkspartei Julia Schramm beschreibt den Versuch, soziale Ungleichheiten durch soziale Netzwerke zu bekämpfen, in einem Artikel in der Zeitung Neues Deutschland treffend folgendermaßen: „Social Media gibt uns [...] das Gefühl, unmittelbar etwas tun zu können. Ist ein Post [...] ein Akt des Widerstands? Ein einzelner Post von einem anonymen Account vielleicht nicht, aber viele Posts von vielen Accounts können Druck aufbauen und etwas verändern.“ Vermeintliches „Drama“ aus den sozialen Medien kennen vermutlich alle, im Szenejargon auch „Beef“ genannt. Es gilt: Umso lauter und kontroverser gegen eine andere Person geschossen wird, desto häufiger wird man geklickt. Das Phänomen findet sich vor allen Dingen auf Twitter, wo es leider häufig schon einer Art Sport gleicht, andere User zu zerlegen. Mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir die Kraft, die wir durch die sozialen Me-

dien haben, bündeln, um Diskriminierung abzubauen, Ungerechtigkeiten zu bekämpfen und Protest auszuüben? Das wird natürlich nicht reichen, um Ungerechtigkeiten aus dem Weg zu schaffen. Aber es kann ein Anfang sein, Menschen zu mobilisieren, auf das eigene Anliegen aufmerksam zu machen. Und dafür ist es enorm wichtig, die Betroffenen sprechen zu lassen. Genau aus diesem Grund sollten die sozialen Medien auch wirklich für alle zugänglich und Barrierefreiheit die Norm sein. So könnte mit etwas Glück tatsächlich ein gesellschaftlicher Wandel erreicht werden!

Soziale Netzwerke sind nicht der Feind, der abgeschafft werden muss. Fest steht also: Soziale Netzwerke sind nicht der Feind, der abgeschafft werden muss. Vielmehr müssen wir sie nutzen, um Stimmen laut zu machen, die wir in den anderen Medien oder im Alltag traurigerweise nicht finden. Das schaffen wir nur, wenn sie auch für alle zugänglich sind. Ein exkludierendes Projekt wie Clubhouse ist in diesem Zusammenhang klar als Rückschritt zu verstehen.

Text von Philipp S chröder, 17,

nutzt die sozialen Medien und hat sich deswegen mal grundlegende Gedanken zu dem Thema gemacht.


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Rätsel

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Tipps & Tricks

Heimkino? Aber richtig! Die warmen Sommernächte sind vorbei und der Herbst rückt näher. Bald wird es wieder Zeit �ür kuschelige Filmabende au� dem So�a. Um den Filmabend komplett zu machen, dar� Knabberzeug natürlich nicht �ehlen. Passend dazu haben wir hier ein leckeres – und zumindest etwas gesundes Süßkarto��el-Chips-Rezept �ür dich.

Süßkartoffel Chips

Du brauchst (für 4 Personen): • 700 g Süßkarto��eln (unge�ähr 7 Süßkarto��eln) • 2 Thymianzweige • 2 EL Olivenöl • P�e��er aus der Mühle • Grobes Salz 1. Backofen vorheizen Den Backo�en au� 200°C Umlu�t vorheizen. 2. Süßkartoffeln schneiden Die Süßkarto��eln gründlich waschen und in hauchdünne Scheiben hobeln oder schneiden. Je dünner die Scheiben sind, desto schneller lassen sie sich am Ende backen. Die Schale der Süßkarto��eln ist essbar und muss somit nicht ent�ernt werden. Anschließend den Thymian waschen, trocken schütteln und die Blättchen abzup�en. 3. Würzen Die Karto��elscheiben in einer Schüssel mit dem Olivenöl und Thymian mischen sowie mit Salz und P�e��er würzen. Am besten lässt sich das �l mit den Händen verteilen. Dann zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und die Süßkarto��eln einzeln au� die Bleche verteilen.

Dir fehlt noch das passende Equipment? Jetzt mitmachen und mobilen Beamer XGIMI Halo gewinnen! Für deinen ultimativen Heimkinoabend verlosen wir einen XGIMI Halo im Wert von 799,- Euro. Der mobile Beamer kombiniert 800 ANSI Lumen mit einer 1080p HDR 10-Au�lösung und bietet so ein Bild, das kaum vom Umgebungslicht beein�lusst wird. In wenigen Sekunden stellt sich die Leinwand automatisch ein, bis die Bildprojektion ideal ist und passt sich optimal an die Umgebung an. So eignet sich der Beamer nicht nur �ür einen Filmabend im Wohnzimmer bei verregneten Tagen, sondern auch �ür dein Sommer-Outdoor Kino. Der starke Akku sorgt �ür mehrere Stunden Power, sodass du den XGIMI Halo problemlos überall mit hinnehmen kannst. Der eindrucksvolle Klang der integrierten Lautsprecher rundet das Kinoerlebnis ab. Mehr In�os? Schau doch mal bei twitter.com/xgimitech oder www.xgimi.com vorbei. Jetzt an der Verlosung teilnehmen au� SPIESSER.de/gewinnen/xgimi-halo

4. Backen Die Chips im vorgeheizten O�en ca. 10 bis 13 Minuten knusprig backen. Gegen Ende der Garzeit solltest du die Chips im Auge behalten, da sich diese sehr schnell bräunen. Je nachdem wie salzig du es gerne hast, kannst du sie am Ende mit etwas groben Salz bestreuen. Übrigens: Die selbstgemachten Chips lassen sich auch gut aus Pastinake, Rote Bete oder Sellerie zubereiten. Dazu passt prima ein Sour Cream- oder Avocado-Dip. Oder probiere mal andere Gewürze. Chilli Flocken zum Beispiel verleihen deinem Snack ordentlich Schär�e.


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Blattkritik/Ausstieg

Und jetzt ...

SPIESSER erscheint bundesweit mit einer Druckau�lage von 200.000 Exemplaren (IVW I/2021). Herausgeber

Bevor ihr das He�t weg- und die Füße hochlegt, wer�t doch noch einen Blick au� das Feedback zum letzten SPIESSER.

der Einfluss ber den k: ü ti y li r o P to Titels n auf die ie d e M sozialen wenn sich

ll, y. Wäre to ürden. Super Stor er trauen w k ti li o P r meh

Orange YC GmbH Fetscherstraße 32 01307 Dresden Geschä�ts�ührer: Björn Peters (V.i.S.d.P.) Tele�on: 0351 288549-000 Fax: 0351 288549-549 Web: SPIESSER.de Mail: in�o@SPIESSER.de Redaktionsleitung: Tabea Grünert Layout: Paula Kuchta, Lena Schä�er Lektorat: Ute Nitzsche Redaktion: Caroline Böhme, Frieda Rahn, Katharina Ziegler Koordination: Susann Thannert Mitarbeiter dieser Ausgabe: Rebecka Juchems, Lea Massel, Philipp Schröder, Annika Sperling, Dennis Zastawny Wir lieben alle SPIESSER, egal welchen Geschlechts. Damit aber trotzdem alles im SPIESSER und au� SPIESSER.de gut lesbar ist, verwenden wir weibliche und männliche Sprach�ormen als Paar�ormen oder das generische Maskulinum. Sämtliche Personenbezeichnungen sind bei uns wie Farben – sie sind �ür alle da.

Cover mit Dalia Mya:

Kolumne üb

Top _ wünsche mir aber mehr Diversität!

Fotos/ Illustration: CHENGDU XGIMI TECHNOLOGY CO., Gaby Gerster/lai�, megaherz, NieKoe-Fotogra�ie, www.�laticon.com, www.�reepik.com, www.unsplash.com

er Objektiv

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nicht neu, aber schön argumen tier

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kern zu Politi Debatte in teien u n d Pa r Medien: n le ia z o s

as ok, ja klar ist d nötig Debatte un

Beitrag über einen alternativen Shop in Wuppertal:

Stellt gerne mehr kleine deutsche Städte vor.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Keine Ha�tung �ür unau�ge�ordert eingesandte Manuskripte, Fotos usw.; Nachdruck von Beiträgen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, zugesandte Beiträge zu kürzen.

Ohne euch ist der SPIESSER nichts ‒ Werdet Autoren, Fotogra�en oder Videojournalisten! Ein�ach au� SPIESSER.de/autor anmelden.

Titel�oto: (v.l.n.r.) Dr. med. Sheila de Liz, Dipl. Math. (FH) Nicolas Klupak, Tobias Jost

ssen er den Job als Wi Beruferoulet te üb tag: es nd Bu im rbeiter schaftlicher Mita

ich Genial und aufschlussre

Bildnachweis: Gaby Gerster/lai� (Foto von Sheila de Liz), NieKoe-Fotogra�ie (Foto von Nicolas Klupak)

Der nächste SPIESSER erscheint am 08. November 2021.


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Jetzt kommen die Sinnfluencer Gerade durch die Corona-Pandemie sind in den sozialen Netzwerken jene Content-Creator bekannt geworden, die e...

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