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DAS KINOMAGAZIN O K TO B E R 2012 € 1,45

V’12

Viennale Guide Plus:

Michael Caine in Get Carter

BEN AFFLECK ISABELLE HUPPERT SELMA BLAIR WILLIAM FRIEDKIN THOMAS VINTERBERG PATTI SMITH OLIVIER ASSAYAS WOODY HARRELSON WERNER HERZOG

FOTO: AUS DER SAMMLUNG DES ÖSTERREICHISCHEN FILMMUSEUMS

PART OF THE GAME: DER FESTIVALFAHRPLAN MIT DEM KOMPLETTEN PROGRAMM ZUM HERAUSNEHMEN

Viennale ’12

P.b.b. Verlagspostamt A-1050 Wien, GZ 09Z038017M

Die Jubiläumsausgabe zum 50er!


FLIEG MIT SKY & SKIP 2013 NACH BERLIN, CANNES UND

Gewinn den Filmfe s Du bist Cineast? Du träumst davon, alle großen Kinofestivals Europas zu besuchen? SKY & SKIP bringen dich hin! Ein Gewinner fliegt 2013 mit Begleitperson für jeweils ein langes Wochenende zu den Festivals von Berlin, Cannes und Venedig!

1. Etappe: 8. bis 10. Februar

BERLIN 2013

2. Etappe: 17. bis 19. Mai

CANNES 2013

3. Etappe: 30. August bis 1. September

VENEDIG 2013

TAMARA UND MARKUS, DIE GEWINNER VON 2012: EINE LOVE-STORY

VERLIEBT, VERLOBT, VERHEIRATET

Die Gewinner des Filmfestival-Superpasses von 2012, Tamara und Markus, kamen bis über beide Ohren verliebt in Berlin an. In Cannes kam von Markus im Smoking der Heiratsantrag. Und kurz nach Venedig haben die beiden geheiratet. Sky und SKIP gratulieren!


UND VENEDIG

e stival - Superpass

PROMOTION

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH

Die Festivals und ihre Stars: Evan Rachel Wood in Abendrobe am Roten Teppich von Venedig, Christina Ricci, Holliday Grainger und Robert Pattinson beim Photocall für ihren Film Bel Ami in Berlin und Kirsten Dunst mit Viggo Mortensen in Cannes.


PROMOTION

GEWINN MIT SKY & SKIP DEN EUROPA-FESTIVAL-SUPER PA

BERLIN

Der Beginn des europäischen Festivalreigens in Berlin ist immer ein Trendbarometer für das gesamte Kinojahr. Die pulsierende deutsche Metropole wirft sich für das Festival in ihr schönstes Kleid, und der Potsdamer Platz mutiert für elf Tage zum Walk of Fame.

Von Festival z

CANNES VENEDIG

Das schönste Festival der Welt bietet einen würdigen Abschluss der exklusiven Filmfestival-Tour 2013. In der traumhaften Kulisse der Lagunenstadt genießt man neben großartigen Filmen auch die letzten heißen Sonnentage des Sommers.

Palmen, Stars und Sonnenschein: Der alljährliche Höhepunkt der Festivalsaison an der Croisette kombiniert großes Kino mit dem größten und exklusivsten HollywoodAufmarsch Europas.


R PASS 2013

l zu Festival FESTIVAL TOTAL MIT SKY & SKIP SKIP hat für den cineastischen Superpreis des Jahres – die drei Trips der Festival-Tour 2013 – den perfekten Partner gefunden: Sky ist genauso nahe dran an den besten Filmen und talentiertesten Stars wie wir. Hier siehst du deine Lieblingsschauspieler und ihre Glanzleistungen als Erster im Fernsehen – so wie du es dir immer gewünscht hast. Aber auch Sport, Serien, Dokus etc. sind drin: Was du möchtest, wann du es möchtest – Sky ist Entertainment auf höchsten Niveau.

DEIN TRAUMGEWINN Du fliegst mit einer Begleitperson deiner Wahl von 8. bis 10. Februar nach Berlin, von 17. bis 19. Mai nach Cannes und von 30. August bis 1. September nach Venedig. Flüge und Transfers sind inkludiert, genau wie jeweils zwei Nächte im Top-Hotel (DZ) mit Frühstück und Festivaltickets für die Dauer eurer Aufenthalte. Vor Ort werdet ihr vom SKIP-Team persönlich betreut.

SO GEWINNST DU

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH

Geh auf www.skip.at, beantworte unsere Frage und nimm so am Gewinnspiel teil. Oder sende eine SMS mit dem Inhalt „Festival-Tour“ an die Handynummer 0664 660 12 02. Du erhältst umgehend eine SMS zurück – mit einer Frage, zu der dir zwei Antwortmöglichkeiten angeboten werden: A und B. Entscheide dich für die richtige Antwort und sende eine SMS retour – mit dem jeweiligen Buchstaben. War die Antwort richtig, spielst du schon um den Hauptpreis mit. Falls nicht – einfach nochmal versuchen!

Meet the stars: Antonio Banderas in Berlin, Salma Hayek und Emma Stone in Cannes, Kristen Stewart und Kate Hudson in Venedig – sie alle sind FestivalStammgäste.

Jetzt mitmachen auf www.skip.at oder per SMS an 0664 660 12 02


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VORSPANN

Spots & Facts

25. 10. – 07. 11.

Liebe SKIP-LeserInnen, VIENNALE-BesucherInnen & FilmfreundInnen!

VON VIENNALE-DIREKTOR HANS HURCH

FOTO: ALEXANDER TUMA/VIENNALE

Jubilieren und navigieren In diesem Jahr feiert die VIENNALE ihr 50-jähriges Bestehen, und nahezu die Hälfte dieser langen Zeit begleitet das Kinomagazin SKIP nun schon das Festival mit einer eigenen, zu diesem Anlass erscheinenden Publikation. Die aktuelle Ausgabe halten Sie hier in Händen, und Sie werden ahnen, dass es gar nicht so einfach ist, so eine Art Logbuch für die VIENNALE herzustellen. Das Angebot an Filmen und Programmen ist groß, die Gäste sind zahlreich und die zusätzlichen Veranstaltungen und Events nicht minder. Es gilt also einerseits, über alles zu informieren und ein möglichst vollständiges Programm zu erstellen, andererseits eine Reihe von aktuellen Geschichten und Interviews, Tipps und Hinweisen anzubieten. Also einen zugleich genauen und selektiven Blick auf das Festival zu werfen. Auf welche Weise das hier geschieht, ist immer wieder überraschend und überzeugend zugleich. Jede und jeder kann auf ihre und seine Weise ein eigenes Festival erfinden. Eine neue VIENNALE. Und gerade darin liegt das Besondere und Verführerische eines Festivals, dass man sich frei darin bewegen und durch die Programme und Tage, die Kinos und Filme navigieren oder sich treiben lassen kann. Am augenfälligsten wird die Weite und Vielfalt des Programms in diesem Jahr vielleicht durch die Wahl des Eröffnungsund des Abschlussfilms. Argo der eine, eine größere amerikanische Produktion, ein aktueller erfolgversprechender Film. L’intervallo der andere, ein kleiner, fast minimalistischer, italienischer Autorenfilm, der hierzulande keinen Verleih gefunden hat. Und dazwischen ein reiches, vielstimmiges Programm, durch das zu navigieren, das zu erkunden und das zu entdecken wir Sie in den nächsten Tagen herzlichst einladen. Hans Hurch

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An Evening To Remember mit Patti Smith: Sonntag, 04. 11., 21.00 Uhr im Metro Kino, 1., Johannesgasse 4

FOTO: ANDREA MÜHLWISCH

EDITORIAL

Unser Lieblingsfilmfestival feiert heuer sein 50. Jubiläum – und wir alle sind eingeladen, mitzufeiern. Die VIENNALE ist ein halbes Jahrhundert alt und frisch wie nie: Wieder gilt es, zwei Wochen lang die Welt des Kinos ganz neu zu entdecken. Vom wunderschönen Basislager der neuen Festival-Zentrale aus geht es auf die höchsten Gipfel und in die tiefsten Tiefen des Mysteriums Film. Happy Birthday!

FILME FESTE FEIERN

Zum 50. Jubiläum werden nicht nur über 350 Filme die Besucher erfreuen, sondern auch eine Reihe ganz wunderbarer Events drumherum. So wie z. B. An Evening To Remember mit Patti Smith, wo sie im intimen Rahmen des Metro Kinos auftreten wird. Tickets sind gratis und werden wegen der beschränkten Anzahl verlost: Bis zum 1. 11. ein E-Mail mit Namen und Anzahl (1 oder 2) an remember@viennale.at senden!

Gewinnen und abheben Der langjährige FESTIVALSPONSOR AIR FRANCE verlost jeweils zwei Flugtickets nach Los Angeles und Paris: Zu gewinnen auf www.airfrance.at!

IMPRESSUM: SKIP-VIENNALE-GUIDE

SKIP Media GmbH, Grohgasse 5-7/1, 1050 Wien. Tel: +43/1/545 24 00, office@skip.at. Herausgeber: Michael Ginalis, Josef Hruby. Geschäftsführung: Michael Ginalis. Chefredaktion: Kurt Zechner, Gini Brenner. Fotoredaktion: Andrea Mühlwisch. Redaktion: Gini Brenner (gb), Dina Maestrelli (dm), Magdalena Miedl (mm), Julia Pühringer (jp), Kurt Zechner (kz), Christoph Zeppetzauer (cz), VIENNALE. Chef vom Dienst: Dina Maestrelli. Korrektur: Uwe Bubik. Grafik: Grillo, Ronnie Feichtinger. Produktionsleitung: Thomas Antwi. Fotos: Andrea Mühlwisch, VIENNALE. Event-Marketing: Walter Schreier. Anzeigenleitung: Oliver Dvorsky. Key Account: Paul Ranefeld. Anzeigenverwaltung: Andrea Permoser. Sekretariat: Heliane Sagheb. Druckvorstufe: GraphicCooperation – Rudolf Huber, Bergsiedlung 139, 2571 Altenmarkt an der Triesting. Druckerei: Infopress Group, Nádas u. 6., 2600 Vác, Ungarn. Homepage: www.skip.at


PROMOTION

ERSTE bank & SkIP vERloSEn TäglIch vIEnnalE-kaRTEn

SkIP & dER vIEnnalE-hauPTSPonSoR ERSTE bank laden vom 26. Oktober bis 6. November täglich

f oTo S : v I E n n a l E / T u m a ( 2 ) , n E wa l d ( 1 )

2 mal 2 Leser zur Hauptabendvorstellung ins Gartenbaukino ein. Am Mittwoch, dem 24. Oktober, werden die Tickets für den 26. Oktober verlost; ab dann gibts täglich 2 mal 2 Karten zu gewinnen, jeweils zwei Tage im voraus. Die VIENNALE-Karten liegen dann am Tag der Vorstellung unter den Namen der Gewinner an der Abendkassa bereit. Die Gewinner werden von uns rechtzeitig telefonisch verständigt.

hol dIR dEInE TIckETS jETzT auf


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PROGRAMM

Hier geht die Post ab!

Das neue VIENNALE-Festivalzentrum in der ehemaligen Hauptpost Mike Skinner

FOTO: VIENNALE

Das 50. VIENNALE-Jubiläum wird standesgemäß in der neuen Festivalzentrale gefeiert: Das ehemalige Hauptpostamt in der Innenstadt (1010 Wien, Dominikanerbastei 11 – U1, U4 Schwedenplatz) ist während der gesamten VIENNALE die filmreife Kulisse für Parties, Events und Diskussionen – täglich ab 18.00 Uhr und bis 4.00 Uhr früh! Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen und Konzerten!

VIENNALE-Eröffnungsparty Hans Nieswandt & Nick Hook (Cubic Zirconia/ Fools Gold) & Cid Rim (Lucky me/Affine Rec) Party. Do. 25. 10., ab 22.00 Uhr Hans Nieswandt steht gemeinsam mit seinem New Yorker Kollegen Nick Hook bei der Eröffnungsparty der VIENNALE an den Turntables. Rhinoplasty: M.O.L.O.C.H. Party. Fr. 26. 10., ab 22.00 Uhr Anlässlich der diesjährigen Retrospektive erweist auch das Rhinoplasty – die hipste queere Party der Stadt – Fritz Lang seine Reverenz . FilmemacherInnen an den Plattentellern DJ-Set & Party. Sa. 27. 10., ab 22.00 Uhr Das beliebte Format mit Plattenschätzen von: Melanie Shatzky und Brian Cassidy (Francine), Dominga Sotomayor (De Jueves a Domingo), Andrés Duque (Ensayo final para utopía), Bernd Schoch (Aber das Wort Hund bellt ja nicht), Damien Ounouri (Fidaï). Moderation: Aki Beckmann

Erinnerungen an Wien von Fritz Lang Buchpräsentation & Lesung. So. 28. 10., 19.30 Uhr Als neuer Band der VIENNALE-Edition The Useful Book präsentiert das Festival erstmals vollständig die Erinnerungen Fritz Langs an seine Geburtsstadt Wien. Doris Uhlich DJ-Set & Party. So. 28. 10., ab 21.00 Uhr Die Choreografin Doris Uhlich hinterfragt Körperbilder und setzt dabei Popmusik ein – wie jüngst in einer Falco-Performance. Mit Hits aus den 80ern ist also zu rechnen. Gated Area: Hans Schabus, Ludwig Gerstacker und Alexander Ehrmann DJ-Set & Party. Mo. 29. 10., ab 21.00 Uhr Auch heuer geben wieder bildende Künstler Einblicke in ihre Musikvorlieben, diesmal Ludwig Gerstacker und Hans Schabus gemeinsam mit Alexander Ehrmann.

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Österreichs Filmfestivals fordern: Raus aus der Kommastelle! Diskussion. Di. 30. 10., 20.30 Uhr Filmfestivals in Österreich fristen mit wenigen Ausnahmen ein kärgliches Dasein, leisten jedoch Wesentliches für das Kino. Mit: Doris Bauer (espressofilm), Daniel Ebner (VIS), Sebastian Höglinger (YOUKI), Hans Hurch (Viennale), Barbara Pichler (Diagonale). Chez Del und Urbs DJ-Set & Party. Di. 30. Oktober, ab 21.30 Uhr phil-Betreiber Christian Schädel & Soundbastler Paul Nawrata aka DJ Urbs: Fetzige 80er Hits, Film-Soundtracks der 60er Jahre und schräge Funk-Loops. Anbuley (live), DJ Nu-Mark (Toy-Set/DJ) Konzert & Party. Mi. 31. 10., 21.00 Uhr Anbuley vereint Einflüsse aus Ghana ebenso wie Jazz und Funk-Elemente. Nu-Mark ist mit seinem Mix aus Latin, Afro- und BalkanBeat ein Garant für volle Tanzflächen. Terror, Chips und Bier DVD-Abend. Do. 01. 11., 19.30 Uhr Jörg Buttgereit (Special Program: They Wanted to See Something Different) präsentiert den Film The Trollenberg Terror mit einem begleitenden Audiokommentar von John Carpenter. FilmemacherInnen an den Plattentellern DJ-Set & Party. Do. 01. 11., ab 21.30 Uhr Mit Mike Ott, Tizza Covi und Rainer Frimmel (Der Glanz des Tages) und Jörg Buttgereit (Special Program: They Wanted to See Something Different). Moderation: Norman Shetler.

Festival von César Aira Buchpräsentation & Lesung. Fr. 02. 11., 19.30 Uhr Als weiterer Band der Useful Books erscheint erstmalig in deutscher Übersetzung der fantastische Schlüsselroman über die verrückte Welt der Filmfestivals. DJ Blackjoy, Smoab, Fritz da Groove DJ-Set & Party. Fr. 02. 11., ab 22.00 Uhr Superfly präsentiert mit DJ Blackjoy und Smoab House Music vom Feinsten. Mit im Team ist auch Fritz da Groove.

Ebony Bones (DJ-Set), DJ Michael Ostrowski & Mathias Zsutty DJ-Set & Party. Sa. 03. 11., ab 22.00 Uhr Die Auftritte und DJ-Sets von Ebony Bones sind großes Theater mit verwegenem Sound. Danach stehen Michael Ostrowski und FM4Urgestein Mathias Zsutty an den Plattentellern. Tim Simenon DJ-Set & Party. So. 04. 11., ab 21.00 Uhr Chart-Erfolge treffen Underground-Experimente: Elektromusik-Legende Simenon legt Schmuckstücke aus seiner Plattensammlung auf. Joel Gibb (The Hidden Cameras), DJs Firn und Arosa Konzert & Party. Mo. 05. 11., 21.00 Uhr Joel Gibb, Band Frontman von The Hidden Cameras, tourt als Sänger auch Solo. Danach legt das heimische DJ-Duo Firn und Arosa auf. Rainald Goetz Lesung. Di. 06. 11., 19.30 Uhr Rainald Goetz, Chronist der Party-Kultur (Rave, 1998) und Apologet der Online-Option (Abfall für alle, 1999), blickt in seinem jüngsten Roman Johann Holtrop auf die Nullerjahre zurück. Kaiser Chiefs (DJ-Set), DJ Franco Forte DJ-Set & Party. Di. 06. 11., ab 22.00 Uhr Die Bandmitglieder der Kaiser Chiefs sind auch als DJs sehr beliebt. Als Local Support steht den Briten DJ Franco Forte mit seinem Downbeat, House und Freestyle zur Seite. VIENNALE-Abschlussparty Mike Skinner (DJ-Set), DJ Soma Party. Mi. 07. 11., ab 22.00 Uhr Mike Skinner aka The Streets steht für musikalisch höchst raffinierten Rap. Tanzbar wie eh und je: Die Briten wissen eben, wie man Party macht. Unterstützt wird er vom umtriebigen DJ Soma. VIENNALE-Portraits Ausstellung. Mo. 29. 10., 20.00 Uhr (Vernissage) bis Mi. 07. 11. Martin Scorsese, Jane Birkin, Lauren Bacall, Danny Glover, Isabelle Huppert, Sofia Coppola, David Lynch, Jane Fonda, Tilda Swinton, Harry Belafonte u. v. m. in teils bisher unveröffentlichten Porträtfotos der VIENNALE-Fotografen.


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PROGAMM PARTNER & SPONSOREN

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Genau das war der Plan. VOLL IM EINSATZ: Das SKIP-VIENNALE-Faltprogramm mit Spielplan & Eckdaten klebt hier nicht mehr!

SPONSOREN Air France AVERNA card complete Corona Extra Kodak LANCIA Manner Philips Ruefa Silhouette TV5MONDE Vöslauer PRODUKTSPONSOREN A. Frey & Co. Adventure Catering Albrechtsberger Canon CHV City Airport Train Dyson Fairtrade Österreich FedEx Gewista urban media Gomi Zelte und Mietmöbel Die Glasfabrik/Lichterloh Hotel Astoria illycaffè INFOSCREEN Lusthaus Wien Maestrani Media Market Observer Pannobile Remaprint Schloss Gobelsburg Sektkellerei Johann Kattus Synchro Film, Video & Audio von feichtinger Blumen/Plantical Weingut Bründlmayer Weingut Jurtschitsch-Sonnhof Wirecard CEE RESTAURANTSPONSOREN Café Prückel cal(l)las Figlmüller Glacis Beisl Hollmann Salon Lusthaus Wien Prinz Ferdinand restaurant S’PARKS Stadtwirt Xpedit Zum Finsteren Stern

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Umfassende Infos zu den besten VIENNALE-Filmen sowie die schönsten VIENNALE-Gewinnspiele finden Sie auch auf www.skip.at, den kompletten Spielplan auch auf www.viennale.at!

MEDIENPARTNER SONDERPUBLIKATIONEN DER STANDARD derStandard.at Falter FM4 orange 94.0 orf.at ORF Kultur ORF Wien ORF III Ö1 ray Filmmagazin SKIP – Das Kinomagazin skip.at MEDIENPARTNER Celluloid Cineplexx M* magazine OKTO SPIKE 98.3 Superfly the gap uni:view

MARKETING PARTNER FILM Austrian Film Commission Berlinale Cinéma du Réel Crossing Europe Diagonale Festival dei Popoli Filmarchiv Austria Int. Frauenfilmfestival Dortmund/Köln Int. Kinderfilmfestival Wien Int. Kurzfilmtage Oberhausen Österreichisches Filmmuseum Punto de Vista Documentary Film Festival VIS Vienna Independent Shorts Visions du Réel MEDIEN brand eins FAQ Magazine Fleisch Magazin FILM-DIENST Licht*Spiele MALMOE On Rail springerin stadtbekannt vice Vienna Online Wiener Wienerin Wina KULTUR, KUNST, NON-PROFIT Amnesty International APA Arena Wien Blickfang brut Büchereien Wien Grünstern Gartenküche institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft Kulturreferat ÖH Uni Wien Kunsthalle Wien Kunsthistorisches Museum Verband Wiener Volksbildung waves vienna WUK BUSINESS ARGE Fuchs/Itze/Mathoi Demel Facultas Filmgalerie 8 1/2 freikarte.at Goldbach Audience Hoanzl KAFFEEKÜCHE Schottentor-Passage ORF Enterprise OZ Cinethek philiale Schüren Verlag snipcard Thalia Tools at Work UCI Kinowelt United Internet Media ZONE Media


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SPIELFILME

BEN AFFLECK

TEXT: DINA MAESTRELLI

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (2) / VIENNALE (1)

One Man Show? Nur im Film. Regisseur und Hauptdarsteller BEN AFFLECK trickst im VIENNALEEröffnungsfilm Argo im Alleingang den Iran aus, doch als Filmemacher steht er lieber nicht solo da: „Das Geheimnis ist, Leute zu engagieren, die besser sind als man selber, und von denen zu lernen.“

Frechheit siegt Dass sich Argo nicht sklavisch an die tatsächlichen Ereignisse hält, sieht Ben Affleck locker: „Es heißt ‚Basierend auf einer wahren Geschichte‘ – da darf man sich keine Dokumentation erwarten.“

SKIP: Ist es nicht riskant, aus einer Geschichte, deren Ausgang den Menschen bekannt sein dürfte, einen Thriller zu machen? BEN AFFLECK: Ich glaube, das klingt komplizierter als es ist. Ich hatte ein gutes Drehbuch und wunderbare Schauspieler, die in jedem Moment begreiflich machen konnten, was auf dem Spiel steht. Und so ist der Zuschauer nicht ununterbrochen damit beschäftigt, zu denken: Hm, die würden wohl keinen Film über sechs Leute machen, die auf der Rollbahn erschossen werden. Der Film nimmt sich einiges an künstlerischer Freiheit, um spannend zu bleiben ... Ja, und einiges hat mir Chris (Terrio, der Drehbuchautor, Anm.) erst gebeichtet, als der Film schon fertig war! Im Ernst: Zu Beginn heißt es ‚Basierend auf einer wahren Geschichte‘ – da darf man sich keine Dokumentation erwarten. Aber wir hatten das Glück, dass das meiste, was tatsächlich passiert ist, von Haus aus schon fesselnd war. Wir haben natürlich etwas komprimiert und dramatisiert, aber wir haben stets die Essenz der Ereignisse respektiert. Ziemlich frei erfunden ist das packende Finale am Flughafen. Ist dem ein Diskussionsprozess vorausgegangen, ob ihr euch so weit von den tatsächlichen Ereignissen entfernen solltet? Es war Teil des Skripts, verdammt gut geschrieben, ich wusste, dass es im Film

perfekt funktionieren würde. Was es damals wirklich gegeben hat, war die Verspätung des Fluges, das Warten am Flughafen – eine enorme innerliche Anspannung. Für den Film muss man diese nach außen transportieren, sichtbar machen, und ich glaube, das ist sehr gut gelungen. Ausgerechnet, als Argo Premiere hatte, wurde in Teheran die kanadische Botschaft geschlossen ... Das zeigt, wie relevant der Film ist, obwohl die Geschichte 30 Jahre her ist. Wir stehen wieder vor ungewollten Konsequenzen von Revolutionen und haben immer noch dieselben Herausforderungen zu bewältigen wie damals. Die Szenen mit Alan Arkin & John Goodman sind absolute Highlights und lockern den Film angenehm auf. Argo verbindet ja die drei Elemente Thriller, Spionagefilm und Hollywood-Satire, und Letzteres hätte leicht ins Auge gehen können. Aber ich hatte zwei Schauspieler zur Hand, die in ihren Szenen zwar wunderbar komisch sind, aber ohne dabei wie Kasperln zu wirken. Man glaubt ihnen, dass sie Hollywood lieben und ein Teil davon sind, aber gleichzeitig haben sie diesen gesunden Zynismus. Wie haben Sie aus den sechs Amerikanern eigentlich glaubwürdige Kanadier gemacht? Ich habe ihnen gesagt, seid einfach doppelt so freundlich wie sonst.

Argo

THRILLER. USA 2012. LÄNGE: 120 Min. REGIE: Ben Affleck. BUCH: Chris Terrio. KAMERA: Rodrigo Prieto. SCHNITT: William Goldenberg. DARSTELLER: Ben Affleck, Bryan Cranston, John Goodman, Alan Arkin, Victor Garber, Chris Messina, Clea DuVall, Tate Donovan.

Eine Story, so verrückt, dass sie wahr sein muss. Teheran 1979, Islamische Revolution: Sechs Amerikaner verschanzen sich nach der Besetzung der US-Botschaft durch radikale iranische Studenten in der Residenz des kanadischen Botschafters. Der aberwitzige Plan der CIA: Getarnt als kanadisches Filmteam auf der Suche nach exotischen Locations für den Dreh eines SciFi-Films – Argo –, soll ein Agent (Ben Affleck) mit der Gruppe auf einem normalen Linienflug den Iran verlassen. DO. 25. 10., GARTENBAUKINO, 19.30 UHR (NUR MIT EINLADUNG!) / DO. 25. 10., GARTENBAUKINO, 23.30 UHR

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SPIELFILME

ISABELLE HUPPERT

EXKLUSIV-INTERVIEW: KURT ZECHNER

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (3) / VIENNALE (1)

Voyage, V Rein in die Welt: In Da-reun na-ra-e-suh reist La HUPPERT nach Korea – und fühlt sich bei harten Eiern und Kohl unerwartet zu Hause, wie sie im Interview erzählt. Hoffentlich wird ihr das mit Schnitzerl und Apfelstrudel ähnlich gehen, wenn sie die VIENNALE als Stargast beehrt! lieben. Beim Dreh mit ihm hatte ich genau dieses Gefühl: Dass ich zwar weit weg bin, aber es hat sich zugleich auch bekannt angefühlt. Der ganze Film war für mich eine einzigartige, sehr schöne Erfahrung. Jeder war unglaublich nett zu mir, es war alles sehr einfach, obwohl wir nicht die selbe Sprache sprechen. Ich war unglaublich berührt von dieser großen Liebenswürdigkeit, die ich vom Anfang bis zum Ende erleben durfte. Vielleicht habe ich mich deswegen nie beschwert, obwohl ich Unmengen an hartgekochten Eiern und sehr viel Kohl essen musste. Sie betonen oft, dass Sie Ihre Filme immer nach dem Regisseur aussuchen … Ja, natürlich, oft noch bevor ich die Rolle kenne.

„Jeder erlebt seinen eigenen Film, das ist doch die Macht des Kinos.“

SKIP: Wie war für Sie die Arbeit mit Regisseur Hong Sang-soo? ISABELLE HUPPERT: Mit dem ersten Film, den ich von ihm gesehen habe, Women Are the Future of Men, konnte ich mich sehr identifizieren – es ist zwar ein koreanischer Film, aber er ist sehr nahe an unserem Empfinden und dem, was wir in Frankreich

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Kommt es denn nie vor, dass Sie vom fertigen Film dann enttäuscht sind? Ja, aber das ist die übliche Frustration. Ich bin meistens sehr stolz auf die Filme, die ich mache, aber muss halt jedes Mal feststellen, dass Perfektion eben nicht existiert. Umgekehrt ist das aber wohl auch der Grund, warum ich immer weiter Filme mache, weil ich immer etwas versuche, was ich niemals ganz erreiche. Und wenn Ihnen schon bei den Dreharbeiten klar wird, dass Sie gar nicht mögen, was da passiert? Oh, ich mag es immer. Ich muss es ja mögen, das ist die


ALE (1)

, Voyage

Da-reun na-ra-e-suh In einem unbekannten Land. Filmemacherin, Geliebte, Betrogene: ISABELLE HUPPERT als Hauptfigur der Stories einer jungen koreanischen Autorin.

Eine Klasse für sich. Isabelle Huppert, 59, ist ganz ohne Gossip und Skandälchen eine der schillerndsten Schönheiten des europäischen Kinos.

Voraussetzung für diesen Beruf. Ich muss voll Vertrauen sein, sonst kann ich nicht spielen. Ich kann ja nicht mitten während des Drehs aussteigen, da ist es zu spät. Daher mache ich mir meine Entscheidungen auch nicht leicht. Schauen Sie sich Ihre Filme an? Viele Schauspieler sagen ja, sie halten das nicht aus. Ja, das behaupten die aber nur. Natürlich seh ich meine Filme. Aber können Sie diese Filme dann auch sehen wie eine normale Zuschauerin? Ich weiß nicht was eine normale Zuschauerin ist. Niemand ist ein normaler Zuschauer, jeder erlebt doch seinen eigenen Film, das ist die Macht des Kinos. Ein Film ist für jeden Zuschauer anders, jeder versteht ihn anders. Natürlich, wenn man in einem Film mitspielt und ihn dann im Kino sieht, klar, da muss man damit umgehen, dass man sich auch selbst zuschaut. Und das ist eine besondere Erfahrung, jedes Mal wieder.

Da-reun na-ra-e-suh ist für Sie ein ungewohnt leichter, unbeschwerter Film. Warum sieht man Sie so selten in Komödien? Ich beschäftige mich generell nicht mit einer Unterscheidung von Filmen in Komödie oder Drama. Das ist nicht mein Problem. Aber es gibt sicherlich weniger großartige leichte, witzige Filme als Dramen, das ist eine Realität. Manchmal doch, und dann mache ich auch gerne mit, aber die großen, tiefgründigen Komödien sind einfach schwieriger zu finden.

DRAMA. SÜDKOREA 2012. LÄNGE: 89 Min. BUCH & REGIE: Hong Sang-soo. KAMERA: Park Hong-yeol, Jee Yune-jeong. SCHNITT: Hahm Sung-won. DARSTELLER: Isabelle Huppert, Yu Jun-sang, Jung Yumi, Youn Yuh-jung, Moon So-ri.

EINE JUNGE KOREANERIN zieht mit ihrer Mutter in eine fremde Stadt. Die darauffolgende Krise versucht sie mit dem Schreiben eines Drehbuchs zu bekämpfen – und so holt sie Anne (Isabelle Huppert) in ihre Welt. Die erfundene Französin lässt sie ihre Geschichte in verschiedenen Perspektiven erleben, als Regisseurin, als die Geliebte des Filmemachers und als die betrogene Ehefrau, und jede für sich findet das Ziel ihrer Reise auf eine andere Art. Der neue Film des koreanischen Regisseurs Hong Sang-soo ist ein aufregendes erzählerisches Experiment, lebendig, locker und durch und durch ungewöhnlich. SA. 27. 10., KÜNSTLERHAUS, 21.00 UHR (IN ANWESENHEIT VON ISABELLE HUPPERT) SO. 28. 10., GARTENBAUKINO, 15.30 UHR

Haben Sie eigentlich jemals erwogen, selbst Regie zu führen? Manchmal denke ich darüber nach, aber bisher ist es nur eine Idee. Ich habe diesen Sprung noch nicht gewagt vom Denken zum Tun. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler, oft sehr sehr jung, wagen das – aber es erfordert so viel Mut. Vielleicht auch ein gewisses Maß an Unwissenheit. Ich bin immer noch der Meinung, dass nicht jeder unbedingt Filme machen muss, einfach weil es nicht jeder gut kann. Und ich habe immer noch diese erhabene Vorstellung von Film, dass es ein Medium ist, das nicht in die Hände von allen gehört – und ich bin nicht sicher, dass meine Hände erhaben genug sind.

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SPIELFILME

BENH ZEITLIN

EXKLUSIV-INTERVIEW: MAGDALENA MIEDL FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (2) / VIENNALE (1)

Biester im Sturm Für seinen ersten Spielfilm bekam BENH ZEITLIN in Cannes die Camera d’Or: ein magischer Film, tief verwurzelt in New Orleans, über ein kleines Mädchen, dessen vertraute Heimat vom Hurrikan zerstört wird – und das sich damit nicht abfinden will. Grinsekatze. Die mittlerweile achtjährige Quevenzhané Wallis bezaubert alle, die ihr begegnen – natürlich auch ihren Regisseur Benh Zeitlin (links) und Filmpapa Dwight Henry.

SKIP: Ihr Film spielt in der Zeit um den Hurrikan Katrina. Stand die Katastrophe am Beginn des Projekts? BENH ZEITLIN: Als ich nach dem Sturm dorthin übersiedelt bin, haben mich die Leute gefragt: „Warum willst du dort hinziehen? Warum will dort jemand leben? Warum baut ihr diesen Ort wieder auf, wo doch wieder alles überflutet werden kann?“ Diese Verständnislosigkeit hat mich wütend gemacht, und deswegen wollte ich einen Film machen mit jenen Leuten als Helden, die dort ausharren – denen, die in der letzten Ortschaft am Ende der Straße leben, am Rande der Zivilisation. Ich wollte aber bewusst keinen politischen Film machen, ich wollte von den emotionalen Problemen beim Verlust eines geliebten Ortes erzählen. Wenn die Leute über Katrina reden, geht es um rechte und um linke Politik, um George W. Bush, um Ölförderung im Golf von Mexiko und so weiter. Ich wollte aber von einem Ort erzählen, der ausgelöscht wird, einer Kultur, die ausstirbt. Das ist eine universelle Tragödie, die jeder nachvollziehen kann. Der Film erinnert ein wenig an Wo die wilden Kerle wohnen. War das für Sie ein Bezugspunkt? Wir haben nicht bewusst darüber nachgedacht, aber natürlich ergibt das Sinn. Wir versuchen in diesem Film die Erlebenswelt

einer Sechsjährigen realistisch darzustellen: Wenn du sechs bist, ist die Grenze zwischen Einbildung und Wirklichkeit durchlässig, und es gibt nicht viele Filme, die diesen Bewusstseinszustand eines sechsjährigen Kindes respektieren und ernstnehmen, anstatt zu sagen: „Deren Realität ist falsch.“ Wir sagen: „Diese Realität ist genauso real wie alles andere in der Geschichte, denn es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens.“ Wir glauben also alles, was das Kind glaubt, und stellen nicht in Frage, ob es wahr oder falsch ist. Wo die wilden Kerle wohnen ist mit Wirklichkeit ähnlich umgegangen. Ihre Arbeitsmethode ist die eines Kollektivs, in der Gruppe Court 13. Wenn Sie nun allein für den Film sprechen, gibt es da Unstimmigkeiten? Nein, gar nicht. Wir sind eine richtige Familie: Wir arbeiten nicht nur zusammen, Court 13 sind meine besten Freunde. Und jeder versteht, dass es eben jetzt mein Job ist, das Gesicht des Projekts zu sein. Niemand in Court 13 ist hungrig nach Ruhm, wir glauben alle an das, was wir tun, und der Prozess ist befriedigend und voller Freude. In den USA gibt es eine sich langsam entwickelnde Kultur von Kollektiven und Gruppen, die Filme machen, und es wächst ein Bewusstsein, dass auch solche Kollektive eine autonome Autorenschaft haben können. Ich glaube, unsere Generation hat da eine andere Mentalität, da geht es nicht mehr um den unantastbaren Autor.

Beasts of the Southern Wild FANTASYDRAMA. USA 2011. LÄNGE: 92 Min. REGIE: Benh Zeitlin. BUCH: Lucy Alibar, Benh Zeitlin. KAMERA: Ben Richardson. SCHNITT: Affonso Gonçalves, Crockett Doob. DARSTELLER: Quevenzhané Wallis, Dwight Henry, Levy Easterly, Lowell Landes.

Die sechsjährige Hushpuppy hat, wie bei kleinen Mädchen üblich, Zauberkräfte: Mit einem Blick gebietet sie den wilden Kreaturen des Sumpfes Einhalt, sie wohnt in ihrem eigenen Hexenhaus, und als ihr Papa Wink stirbt, kann sie ihn wieder aufwecken. Beasts of the Southern Wild ist ein Abenteuer aus der Sicht eines kleinen Mädchens, das gemeinsam mit seinem Vater im Überschwemmungsgebiet in Louisiana wohnt und den großen Sturm überlebt – ein schauriges Ereignis mit unvorhersehbaren Konsequenzen. FR. 26. 10., URANIA, 18.30 UHR / FR. 02. 11., GARTENBAUKINO, 20.30 UHR / DI. 06. 11., KÜNSTLERHAUS, 06.30 UHR

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SELMA BLAIR

EXKLUSIV-INTERVIEW: KURT ZECHNER

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (2) / VIENNALE (1)

In TODD SOLONDZ’ schrulliger Love-Story Dark Horse trägt Hellboy-Babe SELMA BLAIR das wohl traurigste Gesicht der Kinogeschichte spazieren. Dabei ist das sonst gar nicht der Stil der quirligen Schauspielerin. Also wirklich überhaupt nicht.

One Woman Show SKIP: Was hat Sie an der Figur der Miranda so gereizt? SELMA BLAIR: Ich habe für diese Rolle unterschrieben, lang bevor ich das Script gekannt habe! Ich hab nur gesagt: Wenn Todd mich will, dann werde ich selbstverständlich mit Freuden mitmachen, was auch immer es ist. Ich liebe den Tonfall seiner Filme, sie sind sehr real für mich, fühlen sich überhaupt nicht überhöht oder gekünstelt an, auch wenn das Kritiker manchmal über seine Filme schreiben. Ich bin der Meinung, dass das sehr zärtliche Porträts von Figuren sind, auch wenn vielleicht schreckliche Dinge passieren. Und es hat Ihnen dann nichts ausgemacht, mit so einem unglaublich langen Gesicht durch den Film zu gehen? Nein (lacht). Erstens kann ich wirklich gut deprimiert dreinschauen – mein Gesicht hat diese Tendenz, nach unten zu hängen. Wirklich! Wenn ich ganz relaxt die Straße runtergehe, bleiben Leute stehen und fragen, ob sie mich trösten können. Dabei bin ich eigentlich eine sehr fröhliche Person (lacht). Und ich war nie ein besonders eitler Mensch. Ich habe etwa nach der Geburt meines Sohnes (2011, Anm.) ziemlich zugenommen, aber überhaupt nicht das Bedürfnis, wieder irrsinnig dünn zu sein. Es interessiert ja auch keine Sau, ich bin kein Riesenstar, also gibt es kein Bild, das ich erfüllen muss. Nur für mich selbst, weil ich bestimmte Kleidungsstücke mag und wieder anziehen möchte, die sind jetzt zu eng, und das tut dann weh (lacht). Aber das ist wirklich der einzige Grund, weshalb ich langsam wieder in Form kommen will. Ich habe nicht das Geld, mir eine komplett neue Garderobe zuzulegen.

Sie haben das Image des IndependentFilm-Girls – sind Sie damit glücklich? Oh, ich würde so gern in so vielen unterschiedlichen Arten von Filmen spielen, aber wenn ich darüber rede, klinge ich entweder affig oder verzweifelt, dabei bin ich das gar nicht. Also das Beste wäre, wir reden einfach nicht darüber, sonst steht in diesem Interview vielleicht noch was drin wie „Ich würde alles tun, um in einem großen Film zu sein“ – und das wäre doch zum Kotzen und irrsinnig peinlich (lacht schallend). Haben Sie vor, auch weiter in Musikvideos aufzutreten (Blair war u.a. in Videos von Placebo und Danko Jones zu sehen, Anm.)? Ich mache das wirklich gerne, aber ich glaube, ich bin mittlerweile ein bisschen zu alt, um noch das Videogirl zu sein. Ich meine, mit dem Ventilatorenwind in meinem Haar und dem Aerosmith-Song im Hintergrund, und alles auf HD – ich glaube, dieser Zug ist wohl abgefahren. Andererseits, man soll ja nie aufgeben. Never say never! Sagt Justin Bieber (lacht) – oh mein Gott, meine besten Zitate sind Songtitel von Justin Bieber! Green Power: Selma Blair solo in Denkerpose (gr. Bild) und Arm in Arm mit Regisseur Todd Solondz (l.) und Co-Star Jordan Gelber (r., kleines Bild oben).

Dark Horse TRAGIKOMÖDIE. USA 2011. LÄNGE: 85 Min. BUCH & REGIE: Todd Solondz. KAMERA: Andrij Parekh. SCHNITT: Kevin Messman. DARSTELLER: Selma Blair, Jordan Gelber, Christopher Walken, Mia Farrow, Justin Bartha.

Independent-Filmikone Todd Solondz (Storytelling, Happiness) erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Miranda (Blair) und Abe (Gelber): Er ist ein kindischer Proll, der mit Mitte 30 noch bei seinen Eltern wohnt, massenhaft Fast Food in sich hineinstopft und alles liebt, was auffällt – sie ist eine zynische, pessimistische und verschrobene Einzelgängerin mit wenig Antrieb und eindeutiger Vorliebe für Schwarz. Dennoch finden sie zusammen – oder auch nicht … MI. 31. 10., URANIA, 16.00 UHR / FR. 02. 11., GARTENBAUKINO, 18.00 UHR

V’ 15


V’12

SPIELFILME

WILLIAM FRIEDKIN

EXKLUSIV-INTERVIEW: KURT ZECHNER FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (1)

Beim Filmfestival von Venedig 2011 präsentierte Altmeister WILLIAM FRIEDKIN (French Connection, Der Exorzist) erstmals sein neues Werk, den verstörenden Thriller Killer Joe, vor internationalem Publikum. SKIP traf ihn am Lido.

Moral, Gewalt und große Oper „Ich versuche natürlich, immer das Richtige zu machen – und scheitere daran, wie wir alle.“ Zum Glück aber längst nicht immer, wie Friedkins eindrucksvolle Filmograf ie zeigt.

SKIP: Macht es Ihnen besondere Freude, eine komplett unmoralische Geschichte zu verfilmen...? WILLIAM FRIEDKIN: Finden Sie sie wirklich so unmoralisch? Hm. Es ist jedenfalls ein sehr harter Ritt (lacht). Ich denke eigentlich nie über Moral nach, außer wenns um die menschliche Natur geht. Ich versuche natürlich selbst immer das Richtige zu machen – und scheitere daran, wie wir alle. Aber ich will nicht über andere urteilen, solange ich sie nicht dabei beobachte, wie sie schreckliche Dinge tun. Jemanden zu verletzen, eine Frau zu prügeln oder so was, so wie in diesem Film, das finde ich natürlich falsch. In unserem Film ist das aber keineswegs eine Huldigung so einer Tat. Mir geht es darum, die menschliche Natur in möglichst vielen Facetten zu zeigen.

wichtig, wenn es eine Geschichte und Substanz gibt. Aber die meisten Filme heute, speziell die amerikanischen, scheinen mir den Stil höher zu bewerten als die Substanz. Deshalb mache ich wohl so wenig Filme. Ich habe einfach zu wenig Style, um einfach einen Film über nichts zu machen (lacht).

Gabs keine Bedenken wegen der Brutalität einiger Szenen? Ich finde die Szenen gar nicht sooo brutal, ich hätte das viel extremer zeigen können. Das liegt halt immer im Auge des Betrachters, wie hart man etwas empfindet.

Das Spektrum Ihrer Arbeit reicht von harten Thrillern bis zu Operninszenierungen – wie erst diesen Frühling etwa bei Hoffmanns Erzählungen am Theater an der Wien. Wie geht das für Sie zusammen? In jedem Fall lerne ich von beidem. Wenn ich einen Film mache, profitiere ich sehr von den Erfahrungen meiner Opernarbeit, und umgekehrt. Die wirklich guten Opernsänger, mit denen ich die Ehre hatte, zu arbeiten, wollen dasselbe wie gute Schauspieler: Opernsänger wollen nicht einfach rauskommen und ein Konzert abliefern, nein, die wollen ein Rolle spielen. Deshalb brauchen sie auch einen psychologischen Unterbau für ihren Charakter und eine Inszenierung, die funktioniert.

Würden Sie Killer Joe als Ihre Version eines Film noir bezeichnen? Nein. Ganz ehrlich, ich denke nie an irgendeinen Stil, sondern versuche nur, die Geschichte zu erzählen. No Style. Stil ist nicht

So wie Matthew McConaughey als Killer Joe? Er ist großartig, nicht? Als ich ihn getroffen habe, war mir klar, dass er den perfekten Killer abgeben würde. Davor konnte ich mir da ja nicht so sicher sein.

Killer Joe

THRILLER. USA 2011. LÄNGE: 103 Min. REGIE: William Friedkin. BUCH: Tracy Letts. KAMERA: Caleb Deschanel. SCHNITT: Darrin Navarro. DARSTELLER: Matthew McConaughey, Emile Hirsch, Juno Temple, Thomas Haden Church, Gina Gershon.

Chris (Hirsch) hat Spielschulden – also heckt er gemeinsam mit seinem Vater (Church) einen teuflischen Plan aus: Für sexy Schwesterchen Dottie (Temple) als Lohn soll Joe (McConaughey), Polizist und Auftragskiller in Personalunion, Chris’ Mutter um die Ecke bringen, damit deren Lebensversicherung fällig wird. Doch ganz so einfach läuft die Sache natürlich nicht … Brutal, wild, witzig: William Friedkins schrecklich nette Familie. SA. 27. 10., GARTENBAUKINO, 01.00 UHR (VON SA AUF SO) / SO. 28. 10., URANIA, 16.00 UHR

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Demner, Merlicek & Bergmann

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Bis 2050 sollen die EU-weiten CO2-Emissionen im Transportbereich um 95% reduziert werden. Dieses Ziel könnte durch einen Umstieg auf Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft erreicht werden.

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Die OMV betreibt heute schon in Wien Österreichs erste Wasserstofftankstelle. Und sorgt so für freie Fahrt, wenn die ersten Wasserstoffautos in Serie gehen.

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Wo nehmen die Kinder nur die Energie her? Sicher auch von der OMV. Denn was immer sie vorhaben, die OMV sorgt heute schon für die Energie von morgen. Für Österreich und ganz Europa.

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11.10.12 12:08


V’12

SPIELFILME

APICHATPONG WEERASETHAKUL

Er ist einer der ungewöhnlichsten Filmemacher der Gegenwart, einer der liebenswürdigsten Interviewpartner seiner Zunft und hat glücklicherweise den großartigen Spitznamen Joe: APICHATPONG WEERASETHAKUL über gefräßige Geister und Baumaterialien.

EXKLUSIV-INTERVIEW: MAGDALENA MIEDL FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (1)

Happy Joe: Für Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben bekam Weerasethakul 2010 in Cannes die Goldene Palme, seither ist er endlich kein Geheimtipp mehr.

My Name is Joe SKIP: Was hat der Mekong für eine besondere Bedeutung für Sie? APICHATPONG WEERASETHAKUL: Ich bin in dieser Gegend aufgewachsen, und als mein Vater 2003 gestorben ist, haben wir seine Asche im Fluss verstreut. In letzter Zeit hat sich der Wasserstand stark verändert, aufgrund der Dammbauten in China und Laos. Manchmal ist das Wasser sehr niedrig, und manchmal ist alles überflutet. Das ist ein großer Konflikt in der Region, zwischen den Menschen und Tieren, die darunter leiden, und dem Fortschritt – denn immerhin brauchen wir auch den Strom, der in den Kraftwerken erzeugt wird. Wenn der Fluss fast ausgetrocknet ist, sieht man am Ufer große Bagger, die Sand abbauen, als Baumaterial. Und ich denke an meinen Vater, an seine Knochen und die vieler andere Menschen, die in diesem Sand liegen. Es ist wie ein Recycling, von den Knochen zu Gebäuden, die dort gebaut werden. Wiedergeburt ist ein Thema, das immer wieder vorkommt in Ihren Filmen. Warum? Das ist ein Teil von jedem, der in Thailand aufgewachsen ist. Auch wenn ich mir manchmal vielleicht denke, das ist nur Nonsens – aber diese Kultur ist wie ein Teil meiner DNS. Würde ich zum Beispiel meine Füße auf den Tisch legen, sodass die

Fußsohlen zu Ihnen zeigen, würde ich mich schlecht fühlen, weil der Fuß für Thailänder unrein ist. Ich kann da nicht aus meiner Haut. Dasselbe gilt für all diese Vorstellungen von Geistern und von Wiedergeburt: Es ist einfach da. In Mekong Hotel kommt ein sogenannter Pob-Geist vor. Was ist das? Ein Pob ist der Geist eines Mannes oder einer Frau, üblicherweise etwas ältlich. Nachts wird er oder sie sehr hungrig und geht aus dem Haus, um die Tiere anderer Leute zu fressen. Pobs sind also immer verdächtig, wenn Tiere sterben, und die Dorfbewohner müssen den Geisterdoktor rufen, um den bösen Geist in diesem Menschen auszutreiben. Als ich ein Kind war, war das ganz real, man ging, um bei der Zeremonie zuzuschauen. Mittlerweile gibt es um Pob eine Serie von Filmkomödien, mit einem weiblichen Geist. Im letzten Teil geht diese Pob-Frau zum Arzt, und der sagt ihr: „Sie haben einen hohen Cholesterinwert, Sie dürfen kein Fleisch mehr essen!” (lacht). Eine sehr lustige Serie. Gehen Sie oft ins Kino? Einmal im Monat vielleicht. Aber da schaue ich mir am liebsten Hollywood-Filme an. Denn wenn ich auf einem Festival bin, sehe ich ohnehin so viel von diesen Kunstsachen.

Mekong Hotel

DRAMA. THAILAND/GB/FRANKREICH 2012. LÄNGE: 57 Min. REGIE/BUCH/KAMERA/SCHNITT: Apichatpong Weerasethakul. DARSTELLER: Jenjira Pongpas, Maiyatan Techaparn, Sakda Kaewbuadee, Apichatpong Weerasethakul, Chai Bhatana, Chatchai Suban.

Alles fließt, und alles fließt ineinander: Weerasethakul arbeitet in einem heruntergekommenen Hotel am Ufer des Mekong an dem Film Ecstasy Garden. Ein Freund spielt ihm auf der Gitarre Musik vor, die er verwenden möchte im Film. In demselben Hotel spielt aber auch eine fiktive Handlung: von einer blutrünstigen, zugleich liebevollen Mutter, die ein Pob-Geist ist, von ihrer Tochter, von einem Liebespaar, einer Dreiecksgeschichte. Und unten fließt der Mekong ... MO. 29. 10., GARTENBAUKINO, 13.00 UHR

V’ 18


PATTI SMITH

EXKLUSIV-INTERVIEW: GINI BRENNER

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (2), VIENNALE (1)

Gesamtkunstwerk Die großartige PATTI SMITH wird heuer die VIENNALE gleich in doppeltem Auftrag beehren: als Produzentin des Spielfilms Museum Hours, das im Kunsthistorischen spielt – und für ein ganz besonderes Konzert im Metro Kino.

An evening to remember: Am 4. 11. lädt Patti Smith zu einer Performance im wunderschönen Rahmen des Metro Kinos. Details siehe Seite 06!

SKIP: Sie machen Musik, Literatur, Kunst – und nun haben Sie auch einen Film produziert … PATTI SMITH: Der Regisseur Jem Cohen ist seit Jahren ein guter Freund, wir haben schon öfter zusammengearbeitet. Und in diesem Film gehts um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt – außerdem freue ich mich drauf, wieder nach Wien zu kommen. Sie sind seit den Sixties künstlerisch und politisch aktiv, sind eine der unbestrittenen Ikonen der Popkultur – fühlen Sie sich manchmal als eine Art Überlebende aus einer anderen, freieren Zeit? Freier vielleicht nicht, aber unschuldiger sicher. Was ich an den Sixties wirklich gemocht habe, war, dass sie eine viel weniger materialistische Zeit waren als das Heute. Niemand hatte Geld, wir hatten keine Computer, keine Handies – wir konnten uns auch kein normales Telefon leisten. Aber es ging uns nichts ab. Wir hatten alle diverse Jobs, ich habe in einer Fabrik und dann in einem Buchgeschäft gearbeitet, um das bisschen Geld zu verdienen, das ich zum Leben brauchte – den Rest meiner Zeit habe ich mich mit kreativen Dingen beschäftigt. Ist es heute schwieriger, Menschen zu motivieren? Durchaus, die Leute sind alle so satt und zufrieden in ihren

schicken Häuschen mit den vielen Hypotheken drauf, dass sie gar nicht merken, wieviel Schlimmes um sie herum vorgeht. Niemand fühlt sich mehr persönlich betroffen, wenn was Schlimmes in der Welt passiert. Dabei sind sich die Menschen nur nicht bewusst, wie sie alle manipuliert werden. Was fehlt, ist konzentrierte, unabhängige Information. Zum Beispiel darüber, welche Firmen man ganz konkret boykottieren sollte, weil sie mit ihrer Profitgier ganze Landstriche auf Dauer zerstören. Anscheinend gibt es für jeden engagierten Menschen eine Million, die so ziemlich alles völlig kalt lässt. Haben Sie nie den Impuls, denen allen den Finger zu zeigen und sich in einen angenehmen Ruhestand zurückzuziehen? Nein. Man muss eine Position vertreten und das auch dann, wenn man der Einzige ist, der das tut. Man muss das Feuer immer weiter schüren und darf es nie ausgehen lassen. Woher nehmen Sie die Kraft dafür? Ganz einfach: gesunder Menschenverstand. Stellen Sie sich vor, ein kleines Kind fällt hin und schlägt sich das Knie blutig. Würden Sie dann denken: „Ach nein, ich hab doch erst letzte Woche vier Kindern geholfen, ich lasse dieses da jetzt liegen“? Infos zu An evening to remember auf Seite 06!

Museum Hours

DRAMA. ÖSTERREICH/USA 2012. LÄNGE: 107 Min. REGIE & BUCH: Jem Cohen. KAMERA: Peter Roehsler, Jem Cohen. SCHNITT: Jem Cohen, Marc Vives. PRODUKTION: Patti Smith, Jem Cohen, Gabriele Kranzelbinder. DARSTELLER: Mary Margaret O’Hara, Bobby Sommer.

Künstler und Filmemacher Cohen ist seit Längerem der VIENNALE verbunden. 2007 schuf er den Festivaltrailer, nun präsentiert er hier seinen ersten Langfilm, produziert u. a. von Patti Smith: Anne (O’Hara) hängt mit Minimalbudget in Wien fest und entdeckt das Kunsthistorische Museum als Zuflucht. Bald lernt sie Museumswärter Johann (Sommer) kennen – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Because the night belongs to art lovers! MO. 05. 11., GARTENBAUKINO, 20.30 UHR

V’ 19


V’12

SPIELFILME

THOMAS VINTERBERG

EXKLUSIV-INTERVIEW: GINI BRENNER FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (2) / VIENNALE (1)

Jagdversteher Als junger Wilder war THOMAS VINTERBERG einer der Mitbegründer der DogmaBewegung, mittlerweile ist er einer von Dänemarks arriviertesten Filmemachern. Mit SKIP sprach er über den Verlust der Unschuld und das Wesen der skandinavischen Seele. SKIP: In Ihrem Film geht es um eine moderne Hexenjagd – die heute nach genau denselben Mechanismen abzulaufen scheint wie in den finstersten Tiefen der Geschichte. THOMAS VINTERBERG: Ich glaube, es ist Teil der menschlichen Natur, Allianzen zu bilden, Gemeinschaften gegeneinander und möglichst genau definierte Feindschaften. Aber es war uns wichtig, dass wir alle Figuren verteidigen und uns auf keine Seite stellen wollten. Wir haben hier keine Schuldigen, wir haben keine Verräter. Sie wissen einfach alle nicht, wie sie sich verhalten sollen. Darin liegt auch eine große Traurigkeit: Wir haben die Unschuld verloren. Ich zum Beispiel bin in den 70er Jahren in einer Kommune aufgewachsen, zwischen nackten Genitalien, die in meiner Augenhöhe rumgebaumelt sind, was überhaupt kein Problem war, und wo es physischen Kontakt gab zwischen Erwachsenen und Kindern, und da war nur Liebe und überhaupt kein Sex, es war total unschuldig – und das wäre heute nicht mehr möglich. Es ist vorbei, und natürlich gibt es dafür einen sehr guten Grund, wir alle wissen, dass es Kinder gibt, die missbraucht werden. In Ihrer Geschichte gehts ja eigentlich gar nicht

„Mads kann nichts falsch machen. Es ist ihm schlicht unmöglich.“ Vinterberg mit Hauptdarsteller Mads Mikkelsen.

wirklich um das Kind, um dessen Wohl sich vorgeblich alles dreht. Ja, das Mädchen wird sehr schnell zu einem Requisit in dieser Jagd. Haben Sie im Vorfeld irgendwelche realen Fälle recherchiert? Nicht wirklich. Wir wollten auch keine Anwälte oder Polizisten, es sollte keine Fallgeschichte sein sondern eine Geschichte über Menschen, über Liebe, über Vaterschaft und Zusammensein und den Verlust der Unschuld. Menschen sind irrationale Wesen, und ich denke, sie reagieren so, wie ihre Emotionalität ihnen das vorgibt. Ich finde, unsere Hauptfigur reagiert sehr typisch skandinavisch, er besteht darauf, zivilisiert zu bleiben und an das Gute im anderen Menschen zu glauben. Aus dieser Perspektive ist das, was er tut, total logisch und realistisch. Ist diese Besonnenheit tatsächlich eine skandinavische Tugend? Wir sind oft überzivilisiert, ja. Da ist ein Mangel an Libido in den Straßen Skandinaviens. Das mag mit ein Grund dafür sein, warum es hin und wieder so extreme Ausbrüche von Aggressivität gibt. Es ist, als wäre eine mittelmäßige zivilisierte christliche Daunendecke über das ganze Land gebettet.

Jagten DRAMA. DÄNEMARK 2012. LÄNGE: 111 Min. REGIE: Thomas Vinterberg. BUCH: Thomas Vinterberg, Tobias Lindholm. KAMERA: Charlotte Bruus Christensen. SCHNITT: Janus Billeskov Jansen, Anne Østerud. DARSTELLER: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Susse Wold.

Nach einer schlimmen Trennung von der Mutter seines halbwüchsigen Sohnes hat Lucas (Mikkelsen) sich wieder gefangen, in einem idyllischen dänischen Nest arbeitet er als Kindergartenonkel. Doch als ein kleines Mädchen sich von ihm zurückgewiesen fühlt und versucht, Lucas’ Chefin davon zu berichten, missversteht die das völlig – und ahnt das Schlimmste. Und plötzlich sieht Lucas sich von der Dorfgemeinschaft mit unerwartet aggressiver Feindschaft konfrontiert, die er sich nicht erklären kann. DI. 06. 11., GARTENBAUKINO, 20.30 UHR (IN ANWESENHEIT VON THOMAS VINTERBERG) / MI. 07. 11., KÜNSTLERHAUS, 23.30 UHR

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V’12

SPIELFILME

OLIVIER ASSAYAS

EXKLUSIV-INTERVIEW: KURT ZECHNER

Der Mai ist vorbei Jugend in Aufruhr: Für sein semiautobiografisches 70er-Porträt Après mai hat OLIVIER ASSAYAS heuer in Venedig den Preis für das beste Drehbuch gewonnen. Bei der VIENNALE wird er seinen Film höchstpersönlich präsentieren.

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FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (3) / VIENNALE (1)

SKIP: Inwieweit haben Sie mit Après mai Ihre eigene Geschichte erzählt? OLIVIER ASSAYAS: Alles ist mehr oder weniger inspiriert von meinen Erfahrungen und Erlebnissen der 70s – entweder real oder auch nur in meiner Vorstellung. Wir leben ja zwei Leben, das reale und das unserer Imagination, unsere Erinnerungen bestehen immer aus beidem. Aber wenn es hier nur um meine persönlichen Erinnerungen gehen würde, dann wäre die Geschichte ja automatisch sehr klein. Die Tatsache, dass diese dann doch nur an die Realität angelehnte Geschichte von Schauspielern verkörpert wird, gibt der Sache hoffentlich einen universelleren Appeal, der vielleicht auch für eine ganze Generation sprechen kann. Was hat für Sie persönlich diese Zeit so einzigartig gemacht? War man damals anders jung als jetzt? Es war natürlich gleich schwer wie zu jeder anderen Zeit, erwachsen zu werden, aber vielleicht noch ein wenig schwieriger, den persönlichen Weg zu finden – in einer Zeit, wo es obligat war, dass sich jeder auch in politischer Hinsicht definieren musste, und es immer auch um das Kollektive ging. Als Künstler will man in einen Dialog mit der Welt treten, aber dabei bleibt man meist alleine. Und diese Position war damals als zu individualistisch und als kleinbürgerlich verunglimpft. Wenn man sich nur mal in die damalige Stimmung zurückversetzt: Als Jean Eustache einen der großartigsten französischen Filme aller Zeiten machte, The


Mother and the Whore, wurde er selbst in den Cahiers du Cinema dafür kritisiert, dass er einen individualistischen kleinbürgerlichen Mist gedreht hätte. Und wir reden hier von einem der schönsten und radikalsten Werke der französischen Filmgeschichte! In Ihrem Film zeigen Sie ja auch, wie die ursprüngliche Freiheitsbewegung immer dogmatischer wurde … Genau. Der Idealimus der 70er Jahre hat sich irgendwann in Ideologien festgefahren, die dann schnell zu gefährlichen Dogmen wurden. Und als der Terrorismus dann richtig groß war und schnell alles wegfiel, was zuvor die linken Gruppen irgendwie geeint hatte, wirkte das extrem zerstörerisch. Es war wirklich, wie wenn etwas gestorben wäre. Nicht ohne Grund nannte man das damals dann die „Bleierne Zeit“. Genauso hab ich das damals auch empfunden. Was auch immer mit

„Als Künstler will man in einen Dialog mit der Welt treten, aber dabei bleibt man meist alleine.“ Hoffnung, Idealimsus und dem Traum, die Welt zu ändern, aufgeladen war, wurde zu etwas wie tödlichem Stillstand, komplett abgeschnitten von der Realität irgendwie.

Live am Lido: Olivier Assayas mit seinen Darstellern Mathias Renou, Hugo Conzelmann, India Menuez, Carole Combes, Felix Armand, Lola Créton und Clément Métayer.

Après mai Als die Hippies kämpfen lernten. OLIVIER ASSAYAS porträtiert, inspiriert von seiner eigenen Jugend, die wilden Siebziger in Paris.

Wie sind Sie damit umgegangen? Hm, schwer zu sagen ... 1976 brach Gott sei Dank Punk los, und da bin ich halt auf diesen Zug aufgesprungen (lacht). Das war dann meine Revolution. Profitieren wir nicht auch noch heute von der 68er-Bewegung und ihren 70er-Nachwirkungen? Ja natürlich! Ich bin ja aus einer anderen Generation, 1968 war ich erst 13. Aber auch danach entwickelten sich in diesem Sog noch Strömungen, die so revolutionär und stark waren, dass es fast zum Sturz der französischen Regierung kam, das war ja nicht irgendwas. Dass etwas passiert ist 1968 und danach, das die Welt verändert hat, dass sich die Welt nach 1968 tatsächlich radikal geändert hat, ist unbestritten. Es hat so viel befreit, so viel an überkommener Steifheit in den westlichen Gesellschaften aufgelockert. Sarkozy hat gesagt, 1968 ist eine Erfahrung, die man besser vergessen sollte in Frankreich ... Ich denke eher, Sarkozy ist eine Erfahrung, die Frankreich schnell vergessen sollte.

DRAMA. FRANKREICH 2012. LÄNGE: 122 Min. BUCH & REGIE: Olivier Assayas. KAMERA: Eric Gautier. SCHNITT: Luc Barnier. DARSTELLER: Clément Métayer, Lola Créton, India Menuez, Felix Armand.

PARIS IN DEN 70er Jahren: Die Nachwirkungen der Studentenrevolten von 1968, die das ganze System ins Wanken gebracht hatten, sind noch unmittelbar zu spüren. Großteils inspiriert von seinen eigenen Erinnerungen, erzählt Assayas, selbst Jahrgang 1955, die einfühlsame Geschichte des Gymnasiasten Gilles, der sich Anfang der 70er politisch und künstlerisch zu engagieren beginnt und in dieser wilden Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs auch noch das Erwachsenwerden halbwegs unbeschadet zu überstehen versucht. SO. 28. 10., GARTENBAUKINO, 21.00 UHR DO. 01. 11., URANIA, 13.30 UHR

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SPIELFILME

WOODY HARRELSON

INTERVIEW: KURT ZECHNER

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (2)

Ich bin der coole Woody: Als korrupter Cop in Rampart lässt Harrelson wieder mal ordentlich den Fiesling raus – privat könnte er relaxter kaum sein.

Und ich mag, was Oren dann als Regisseur draus gemacht hat. Er hat zwar erst zwei Langfilme gedreht, aber ich halte ihn jetzt schon für ein absolutes Kino-Genie.

Sie machen sich ja eher rar in den letzten Jahren. Wonach suchen Sie eigentlich Ihre Rollen aus? Diese Frage muss ich gleich mal dafür benutzen, mich bei meinen Agenten zu bedanken, die während aller meiner oft recht beherzten Versuche des Karriere-Selbstmordes zu mir gestanden sind (lacht). Ich fands halt immer wichtiger, ein gutes Leben zu haben und Spaß mit meinen Freunden als in einem prestigeträchtigen Film mitzuspielen, der aber keinen Spaß macht. Glauben Sie mir, ich hab das schon gemacht, und ich hab es gehasst. Darüber hinaus wirds für mich als Vater immer schwieriger, mich für ein so zeitintensives Projekt wie einen Film zu verpflichten. Früher habe ich die Kids immer einfach mitgenommen, aber jetzt gehen sie in die Schule … und irgendwie gewinnt die Schule immer über alles andere (lacht).

Natural Born Chiller WOODY HARRELSON ist ein echtes Naturereignis – auf der Leinwand genauso wie in Natura. Charismatisch, lustig und pointiert kommentiert er, was ihm am allerwichtigsten ist: Spaß am Leben haben, und das auf jeden Fall auch bei der Arbeit. SKIP: Wo auf dem Good Gop/Bad Cop-Spektrum würden Sie Ihre Filmfigur aus Rampart einordnen? WOODY HARRELSON: (lacht) Er ist die klare Nummer 1! Egal auf welcher Seite. Oren Moverman schrieb das Drehbuch zu Rampart gemeinsam mit Krimi-Bestseller-Autor James Ellroy, basierend auf einer wahren Geschichte … Ja, aber sie haben die Story schon recht stark verändert.

Ihre Rolle in Rampart erinnert ein bisschen an die in Natural Born Killers, der Film, der Sie zum Star gemacht hat … Haha, ja, das war eine tolle Erfahrung. Ich weiß ja immer noch nicht, warum mich Oliver Stone damals ausgesucht hat. Ich meine, alles, was er damals von mir gesehen hat, war White Men Can’t Jump und Ein unmoralisches Angebot. Tja, und meine Fernsehauftritte in der Serie Cheers. Aber er wollte mich unbedingt treffen und hat gemeint, ich hätte da so ein irres Funkeln in den Augen, ich wäre bestimmt super für die Rolle. Und so wars dann ja auch. Natural Born Killers ist heute ein Klassiker. Ja, in der Tat. Ständig sieht man in irgendeiner Fernsehshow einen Ausschnitt daraus – und man weiß sofort: Huch, jetzt gehts um das Thema „Gewalt in den Medien“! Weil das die Leute immer noch mehr kümmert als die Gewalt im richtigen Leben (lacht). Die meisten haben nicht verstanden, dass Natural Born Killers eine Satire ist. Obwohl – eigentlich ist es ja eine missverstandene Liebeskomödie (lacht).

Rampart

DRAMA. USA 2011. LÄNGE: 108 Min. REGIE: Oren Moverman. BUCH: Oren Moverman, James Ellroy. KAMERA: Bobby Bukowski. SCHNITT: Jay Rabinowitz. DARSTELLER: Woody Harrelson, Anne Heche, Sigourney Weaver, Ice Cube, Steve Buscemi, Cynthia Nixon.

Officer Dave Brown (Harrelson) ist ein richtiges Arschloch von einem Cop. Unter dem Motto „Ich bin kein Rassist, ich hasse alle!“ nimmt er das Gesetz oft in seine eigenen Hände und deformiert es ordentlich. Als er schließlich sogar einen Zivilisten halb tot prügelt, kriegt er ernsthafte Troubles – die er im Privatleben längst hat: Seine beiden Exfrauen, die noch dazu Schwestern sind, machen ihm das Leben mit Vergnügen zur Hölle. MO. 05. 11., GARTENBAUKINO, 23.00 UHR / DI. 06. 11., METRO, 21.00 UHR

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AB 9. NOVEMBER IM KINO www.ohyeahsheperforms.com


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SPIELFILME

GAEL GARCÍA BERNAL

ExKLUSIV-INTERVIEW: KURt ZECHnER FoToS: AndREA MÜHLWiSCH (1) / viEnnALE (1)

Just Say No! das grandiose Politdrama no behandelt eins der spannendsten Kapitel der jüngeren Geschichte Chiles. die Hauptrolle, einen gewitzten Spin doctor, spielt der mexikanische Superstar gaeL garcÍa BernaL. SKiP traf ihn in Cannes.

„Politik spielt immer und überall eine Rolle.“ Gael García Bernal schafft den Spagat zwischen Superstar und engagiertem Darsteller wie kaum ein Zweiter.

Sie spielen hier einen TV-Producer, der die Kampagne gegen Pinochet mit sehr ungewöhnlichen Mitteln zum Erfolg treibt. damals, in den 80s und frühen 90s, war es ausschließlich das Fernsehen, das weltweit den kompletten politischen dialog diktiert hat. Und das Erstaunliche hier ist, dass der Mann, den ich spiele, genau die gleichen Elemente für die Kampagne gegen die diktatur benutzt, wie zuvor die diktatur, um sich zu rechtfertigen: Konsumismus, sozialer Aufstieg und absurde versprechen. ich meine, die haben sogar versprochen, dass die Sonne scheinen wird, wenn Pinochet weg ist – wer soll das schlagen (lacht)? natürlich fanden das viele trivial und respektlos angesichts des Schmerzes, den so viele Leute von der diktatur davongetragen haben, und, dass das wenn dann nur ein teilsieg sein konnte. Und so war es auch, das System blieb ökonomisch mehr oder minder das Gleiche. Auch das Schulsystem hat sich kaum verändert: bis heute hat Chile als einziges lateinamerikanisches Land keine wirklich freie Erziehung, kein freies Schulwesen. Aber trotzdem: die Abstimmung gegen Pinochet wurde mit dieser Kampagne gewonnen. SKIP: Für uns in Europa war das Phänomen Pinochet schwer begreiflich: Die Leute müssen, wie man in No sieht, erst mittels einer aufwendigen Kampagne überzeugt werden, gegen den brutalen Diktator zu stimmen ... GAEL GARCiA bERnAL: Exakt, dieses Phänomen ist erstaunlich, schon allein warum das alles so passiert ist. Chile ist das einzige Land der Welt, wo die sozialistisch-kommunistische Partei demokratisch die Wahl gewonnen hat, es dann einen Militärputsch gab – extrem blutig und natürlich unterstützt von der CiA – und wo anschließend nach vielen grausamen Jahren der diktator mit demokratischen Mitteln wieder gestürzt wurde.

No zeigt die manipulativen Machenschaften, die oft hinter demokratischen Entscheidungen stehen … dieser Film hinterfragt demokratie sehr stark, im besten Sinne. Man sieht, dass demokratie zwangsweise auch mit Enttäuschungen verbunden ist. Zum beispiel, dass es Leute gibt, die anders wählen als du. oder dass es immer welche geben wird, die auch die größten idioten wählen. Aber eine politische Kampagne hat mit demokratie ja auch nichts zu tun. Echte demokratie passiert, wenn Leute zusammenkommen, und eine Community in einem täglichen Austausch tatsächlich politische Änderungen erlebt.

No Drama. chiLe/FranKreich/usa 2012. Länge: 115 Min. regie: Pablo Larrain. Buch: Pedro Peirano. Kamera: Sergio Armstrong. schnitt: Andrea Chignoli, Catalina Marín durarte. DarsteLLer: Gael García bernal, Alfredo Castro, Antonia Zegers, Alejandro Goic.

Eine Familie picknickt unter Kirschblüten, fröhliche Menschen reiten in den Sonnenuntergang, der Song dazu verspricht eine goldene Zukunft … der chilenische Werbespot aus 1988 will keine deosticks verkaufen, sondern knallhart Politik machen: Ein Volksentscheid soll den brutalen Diktator Pinochet im Amt bestätigen, aber Medienprofis wie René Saavedra (Bernal) arbeiten an der ebenso bizarren wie wirksamen Gegenkampagne, die schließlich tatsächlich zum Sturz der Militärdiktatur führt. mo. 29. 10., gartenBauKino, 20.30 uhr / mo. 05. 11., KÜnstLerhaus, 23.30 uhr

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Antonin Svoboda

Exklusiv-Interview: gini brenner FotoS: Filmladen/Eva Kees (1) / VIENNALE (1)

Brandauer gegen den Rest der Welt: Der österreichische Filmemacher und coop99-Mitbegründer Antonin Svoboda (Spiele Leben) widmet dem genialen Wissenschaftler und Psychiater Wilhelm Reich ein filmisches Denkmal.

Reich und die Kraft SKIP: Sie haben bereits vor drei Jahren die TV-Doku Wer hat Angst vor Wilhelm Reich gedreht, nun präsentieren Sie bei der VIENNALE Ihr Spielfilm-Projekt The Strange Case of Wilhelm Reich. Was fasziniert Sie so an ihm? Antonin Svoboda: Schon allein die Tatsache, dass man sich sonst relativ wenig mit ihm beschäftigt. Reich hat einige faszinierende Erkenntnisse gewonnen, er hat der sexuellen Revolution weit vorgegriffen – und vor allem ist er wesentlichen Fragen nachgegangen, die gar nicht so überraschend sind, aber viel zu wenig gestellt werden: Was ist Leben? Warum sind wir hier? Wie können wir die Welt, wie sie ist, begreifen? Und nicht: Was können wir der Welt hinzufügen. Sie haben in Englisch und mit einigen englischsprachigen Schauspielern gedreht … Mich haben von Anfang an Reichs letzte Jahre in den USA interessiert, als alle gesagt haben „jetzt ist er verrückt geworden“ – ich habe es als große Herausforderung empfunden, das zu verfilmen. Und es war auch eine Herausforderung, das zu finanzieren: Eigentlich wollten wir in den USA filmen, 2009 ist dort aber das Independent-Kino total eingebrochen – und niemand wollte mehr Geld locker machen für einen Film von einem Nicht-Amerikaner, der die USA kritisiert. Also sind wir dann wieder zurück nach Österreich gegangen damit. Wie war es, mit diesen großartigen internationalen Darstellern zu arbeiten? Und war Klaus Maria Brandauer wirklich so schwierig, wie sein Image vermuten lässt?

Zum Glück kannte ich diese ganzen Geschichten um ihn nicht, also war ich vor allem neugierig. Solche Kaliber wie er schätzen es aber auch gar nicht, wenn man zu vorsichtig mit ihnen umgeht. Und die Internationalen waren ganz toll. Wenn jemand wie David Rasche, den man hauptsächlich als Sledge Hammer kennt, ans Set kommt und erst mal meint „Danke, dass Sie die Erfahrung dieses Projekts mit mir teilen wollen!“, dann ist das schon mal ein wunderbarer Start.

„Wir sind ständig damit beschäftigt, Zeit zu gewinnen, und haben immer weniger davon.“ Antonin Svoboda auf den Spuren Wilhelm Reichs.

Wo haben Sie eigentlich gedreht? Das sieht doch alles sehr nach den Originalschauplätzen aus? Nein (lacht), wir haben u. a. in Südspanien gedreht, in Wien und im Waldviertel – eine kleine Liegewiese am Ottensteiner Stausee hat als Reichs Grundstück in Maine gedient.

The Strange Case of Wilhelm Reich Drama. Österreich 2012. Länge: 110 Min. Regie & Buch: Antonin Svoboda. Kamera: Martin Gschlacht. Schnitt: Oliver Neumann. Darsteller: Klaus Maria Brandauer, Julia Jentsch, Birgit Minichmayr, David Rasche, Markus Schleinzer, Gary Lewis.

Der österreichische Wissenschaftler Wilhelm Reich (1897–1957), Autor kontroversieller Werke wie Massenpsychologie des Faschismus oder Die Sexualität im Kulturkampf, emigrierte 1939 in die USA. Der Film behandelt seine letzten Jahre, als er (dargestellt von K. M. Brandauer) wegen seiner ungewöhnlichen Therapiemethoden ins Blickfeld der Kommunistenjäger gerät und ihm schließlich der Prozess gemacht wird: Warum fühlt sich die Autorität von ihm derart bedroht? So. 28. 10., Gartenbaukino, 18.00 Uhr

V’ 27


V’12

SPIELFILME

CRISTIAN MUNGIU

EXKLUSIV-INTERVIEW: MAGDALENA MIEDL FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (2)

Losing My Religion

Wer in Rumänien ins Kino geht, schaut sich US-Filme an, vorzugsweise Sequels oder Prequels, klagt CRISTIAN MUNGIU. Sein Dupa˘ dealuri ist eine Antithese dazu: Ein bedächtiger, religionskritischer Film über einen tödlichen Exorzismus – in einem Land mit 20.000 Kirchen.

Wie wichtig ist Religion heute in Rumänien? Wir haben nach dem Fall des Kommunismus viele Kirchen wiederaufgebaut, über 4000 in den letzten 20 Jahren – das ist alle zwei Tage eine neue Kirche. Jetzt haben wir 20.000 Kirchen in einem Land mit 5000 Schulen und 500 Spitälern. Ich finde, darüber sollten wir nachdenken. Zum Teil sind die Kirchen von den Gläubigen finanziert, aber die Priester werden direkt vom Staat bezahlt. So viele Kirchen zu haben ist ja prinzipiell keine schlechte Sache, aber man würde doch erwarten, dass die Leute etwas moralischer eingestellt sind, wenn Religion doch angeblich so verbreitet ist. Was aber hier passiert ist, zeigt doch, dass sehr viel Gleichgültigkeit herrscht, und dass die tiefen, wahren Werte des Christentums durch all die Kirchen nicht weitergegeben werden. Vielleicht sollte sich die Kirche also eher auf die Vermittlung der Werte konzentrieren als die Leute zu lehren, wie die Rituale bei der Messe sind. Spiel auf Sieg. Für Cosmina Stratan und Cristina Flutur endete ihr erster Filmauftritt mit einem Triumph: Die beiden bekamen in Cannes die Silberne Palme als Beste Schauspielerinnen.

SKIP: Dupa˘ dealuri beruht auf einem aufsehenerregenden Exorzismus vor wenigen Jahren, bei dem ein Mädchen gestorben ist. Haben Sie das damals mitbekommen? CRISTIAN MUNGIU: Ja, aus den Medien. Voriges Jahr wurde der Fall wieder aktuell, weil die Nonnen, die damals verurteilt worden sind, freigelassen wurden. Mittlerweile ist nur mehr der involvierte Priester im Gefängnis. Diese Geschichte polarisiert immer noch unglaublich: Die Leute, die gegen Religion eingestellt sind, argumentieren am Beispiel dieses Priesters, was schlimm ist daran. Und die, die auf Seiten der Kirche sind, sagten: „Ja, aber die Nonnen waren die Einzigen, die versucht haben, zu helfen, während die Sozialeinrichtungen versagt haben.“ Dieser Fall ist also eine Gelegenheit, über die Werte zu sprechen, die wir heute haben.

Aber Religion ist ja nur ein Aspekt des Films. Was hat Sie sonst noch an der Geschichte interessiert? Ich wollte einem Film machen, der vordergründig der Beziehung dieser beiden Mädchen folgt. Ich kann so von Liebe erzählen, davon, was Menschen im Namen der Liebe tun, über unterschiedliche Arten von Liebe, aber auch über Missbrauch, über Vernachlässigung und über den freien Willen. Denn, wie sehr ist es eine freie Entscheidung, wenn Sie nicht genug Wissen haben? Dann haben Sie ja nichts, worauf Ihre Entscheidung beruhen könnte. Der Film handelt also von viel mehr als von dem, was den Mädchen passiert, er handelt von der Gesellschaft dahinter und von den Reaktionen der Gesellschaft.

Dupa˘ dealuri DRAMA. RUMÄNIEN/FRANKREICH/BELGIEN 2012. LÄNGE: 150 Min. REGIE & BUCH: Cristian Mungiu. KAMERA: Oleg Mutu. SCHNITT: Mircea Olteanu. DARSTELLER: Cosmina Stratan, Cristina Flutur, Valeriu Andriuta, Dana Tapalaga.

Für sein Abtreibungsdrama 4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage bekam Mungiu 2007 die Goldene Palme. Nun erzählt der Rumäne die wahre Geschichte von zwei Waisenmädchen nach, von denen eine als Nonne in einem orthodoxen Kloster lebt, während die andere sie zur Abreise nach Deutschland überreden will. Sie tritt dann doch auch ins Kloster ein und wird einem Exorzismus unterzogen, an dessen Folgen sie stirbt: Dupa dealuri stellt aufwühlende, grundlegende Fragen nach Glauben und Liebe. DI. 30. 10., KÜNSTLERHAUS, 15.00 UHR / DO. 01. 11., GARTENBAUKINO, 14.30 UHR

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V’12

SPIeLFILMe

Wadjda

WaDJDa ISt nICHt nuR der erste saudiarabische Spielfilm überhaupt, sondern auch noch von einer Frau gedreht, der jungen Haifaa al Mansour – eine Sensation: Die elfjährige Wadjda (Waad Mohammed) hat sich mit dem Nachbarsbuben angefreundet, der ein Fahrrad besitzt. Leider hat sie kein Rad, sodass ein Wettrennen ausgeschlossen ist, und Wadjdas Mutter will ihr auch keines schenken. Wadjda, mit ihren ausgelatschten Converse-Turnschuhen unter dem bodenlangen schwarzen Schleier, ist aber mindestens so stur wie die gesamte Religionspolizei zusammengenommen. Sie kriegt kein

So. 28. 10., Urania, 21.00 Uhr di. 30. 10., gartenBaUkino, 15.30 Uhr

Csak a szél

L’intervallo

draMa. Ungarn/deUtSchland/Frankreich 2011. länge: 91 Min. regie & BUch: Bence Fliegauf. kaMera: Zoltán Lovasi. Schnitt: Xavier Box. darSteller: Katalin Toldi, Gyöngyi Lendvai, Lajos Sárkány, Györgyi Toldi.

draMa. italien/SchWeiZ/deUtSchland 2012. länge: 90 Min. regie: Leonardo di Costanzo. BUch: Maurizio Braucci, Mariangela Barbanente, Leonardo Di Costanzo. kaMera: Luca Bigazzi. Schnitt: Carlotta Cristiani. darSteller: Francesca Riso, Alessio Gallo, Carmine Paternoster.

Basierend auf einer rassistisch motivierten Mordserie, der unlängst in Ungarn acht Menschen zum Opfer fielen, erzählt der Film von einer Roma-Familie, die nach den Morden panische Angst hat. Der Regisseur betont zwar, sein Film handle „von rassistischen Mechanismen überall auf der Welt“, doch sein offen sozialkritisches Werk zeichnet ein beklemmend unmittelbares, realistisches Bild der Situation in Ungarn. Dafür gab es in Berlin den Großen Preis der Jury. MM di. 30. 10., Urania, 21.00 Uhr Mi. 31. 10., gartenBaUkino, 20.30 Uhr

V’30

Fahrrad? Also kauft sie es sich eben selbst, wenn nötig von dem Geld, das sie beim Koranwettbewerb zu gewinnen gedenkt ... Wadjda erzählt von einer Gesellschaft, in der Frauen unsichtbar sein müssen – was jedes parterschaftliche Zusammenleben verhindert: „Du darfst mein Fahrrad haben“, bietet der Nachbarsbub Wadjda an. „Aber dann können wir ja wieder nicht um die Wette fahren“, sagt sie, und bringt damit das Wesen von Gleichberechtigung auf den Punkt. MM

Im VIENNALE-Abschlussfilm wird der junge Getränkeverkäufer Mimmo von der Mafia erpresst und muss eine 17-Jährige bewachen. Zuerst sind sich die beiden gegenseitig suspekt, aber nach und nach kommen sie einander näher. Wir beobachten die zwei und lernen so manches über die kriminelle Schattengesellschaft Süditaliens und deren weitreichende Auswirkungen. cZ Mi. 07. 11., gartenBaUkino, 19.30 Uhr (nUr Mit einladUng!) Mi. 07. 11., gartenBaUkino, 23.30 Uhr

Sinapupunan draMa. philippinen 2012. länge: 106 Min. regie: Brillante Mendoza. BUch: Henry Burgos. kaMera: Odyssey Flores. Schnitt: Kats Serraon. darSteller: Naura Aunor, Bembol Roco.

Shaleha (Naura Aunor) ist Hebamme und hat ihr Leben lang die Babys anderer Frauen auf die Welt geholt. Sie selbst ist längst zu alt, um Kinder zu bekommen, doch ihr Mann Bangas-An (Bembol Roco) sehnt sich nach Nachwuchs. Um ihm den Wunsch zu erfüllen, beschließt sie, eine Zweitfrau für ihn zu finden, und so verlassen die beiden die für Brillante Mendozas Filme typischen Slums und fahren hinaus, um mit Hilfe von Heiratsvermittlern eine geeignete Braut zu finden, auf einer entlegenen Inselgruppe an der Grenze zu Malaysien ... Ein anrührender Film, dessen zwei Hauptdarsteller wichtige Protagonisten philippinischer Filmgeschichte sind. MM Fr. 26. 10., künStlerhaUS, 21.00 Uhr Sa. 27. 10., gartenBaUkino, 14.30 Uhr 20.10., gartenBaUkino, 23.00 Uhr / 23.10., künStlerhaUS, 10.30 Uhr

Berberian Sound Studio thriller. gB/deUtSchland/Frankreich 2012. BUch & regie: Peter Strickland. kaMera: Nic Knowland. Schnitt: Chris Dickens. darSteller: Toby Jones, Cosimo Fusco, Fatma Mohamed, Eugenia Caruso, Antonio Mancino.

Italien, 1976: Das Berberian Sound Studio ist eines der grindigsten seiner Art, und als der britische Toningenieur Gilderoy engagiert wird, um für Italo-Kult-Horrorregisseur Santini an dessen neuestem Machwerk zu arbeiten, fühlt er sich in eine andere Welt versetzt: Die Bilder, die Geschichte und die Instrumente bringen ihn allmählich um den Verstand … MM di. 30. 10., Metro, 21.00 Uhr Mi. 31. 10., Metro, 11.00 Uhr

FotoS: VIENNALE

draMa. SaUdiaraBien/deUtSchland 2012. länge: 97 Min. BUch & regie: Haifaa Al Mansur. kaMera: Lutz Reitemeier. Schnitt: Andreas Wodraschke. darSteller: Waad Mohammed, Reem Abdullah, Abdullrahman Al Gohani, Ahd, Sultam Al Assaf.


Electrick Children

FotoS: VIENNALE

Sonne, Staub, jede Menge Geschwister – und sonst gar nichts: Die 15-jährige Rachel wächst in einer streng gläubigen Mormonenfamilie in der Prärie von Utah auf. Als sie verbotenerweise auf einem Kassettenrecorder einen Rock’n’Roll-Song hört, ist sie fasziniert: Es muss Gott sein, der da zu ihr singt! Das Mädchen, das an die unbefleckte Empfängnis glaubt, meint daraufhin, durch den Song schwanger zu sein; ihr Vater, der von Biologie mehr versteht, verdächtigt aber ihren älteren Bruder und verstößt ihn. Rachel jedoch, voller Freude, Gottes Kind in sich zu tragen, macht sich auf den Weg nach Las Vegas, um den Sänger und damit auch den Vater ihres Kindes zu suchen. Tatsächlich läuft sie aber einem Ausreißer (Rory Culkin) in die Arme, der sie ohne zu fragen bei sich aufnimmt – und Rachel entdeckt staunend eine Welt,

die ihrer eigenen komplett entgegengesetzt ist: Electrick Children ist das warmherzige Regiedebüt der jungen Regisseurin Rebecca Thomas, die selbst als Mormonin aufgewachsen ist, und die einige Geheimnisse bis zuletzt nicht auflöst. MM

Coming-of-Age-Film. USA 2012. Länge: 96 Min. Regie & Buch: Rebecca Thomas. Kamera: Mattias Troelstrup. Schnitt: Jennifer Lilly. Darsteller: Julia Garner, Rory Culkin, Liam Aiken, Bill Sage, Cynthia Watros, Billy Zane, John Patrick Amedori.

Sa. 27. 10., Urania, 16.30 Uhr Sa. 03. 11., Stadtkino, 18.00 Uhr

Ai to makoto

Margaret

Sightseers

Musical-Farce. Japan 2012. Länge: 134 Min. Regie: Takashi Miike. Buch: Takuma Takayuki, Kajiwara Ikki, Nagayasu Takumi nach der gleichnamigen Manga-Vorlage von Kajiwara Ikki. Kamera: Kita Nobuyasu. Schnitt: Yamashita Kenji. Darsteller: Emi Takei, Tsumabuki Satoshi, Ihara Tsuyoshi.

DRAMA. USA 2011. Länge: 149 Min. Regie & Buch: Kenneth Lonergan. Kamera: Ryszard Lenczewski. Schnitt: Mike Fay, Anne McCabe. Darsteller: Anna Paquin, J. Smith-Cameron, Jeannie Berlin, Mark Ruffalo, Matthew Broderick, Kieran Culkin, Matt Damon, Jean Reno.

Komödie, GB 2012. Länge: 89 Min. Regie: Ben Wheatley. Buch: Alice Lowe, Steve Oram. Kamera: Laurie Rose. Schnitt: Amy Jump, Ben Wheatley, Robin Hill. Darsteller: Alice Lowe, Steve Oram, Eileen Davies, Jonathan Aris, Richard Glover.

Die Liebesgeschichte zwischen dem zornigen Makoto und der Tochter aus bestem Haus und Vorzugsschülerin Ai ist ein wenig wie eine japanische Version von High School Musical – wäre da nicht die ständige Präsenz von Absurdität, auch verkörpert durch das Antihelden-Paar, eine junge Psychopathin und ihren Freund, der wie 40 aussieht und kämpft wie ein Irrer ... Auch hier enttäuscht Takashi Miike, der Weltmeister im Gehirneschmelzen, in keinster Weise. Pflicht! CZ

Schuld & Sühne. Anna Paquin als nach einem Busunfall mit tödlichem Ausgang traumatisierte 17-Jährige. Erst nimmt sie den Buslenker, der bei Rot über die Kreuzung gefahren war, in Schutz, doch die Lüge belastet sie. Ihre Versuche, Ordnung ins emotionale Chaos zu bringen, lassen Teenager-Illusionen mit der Realität kollidieren ... Reibereien um den final cut verzögerten den Kinostart – Margaret entstand bereits 2005. DM

Würde man Tina und Chris begegnen, irgendwo auf einem Parkplatz in Yorkshire, hätte man schnell eine Meinung: Sie sind laut, sie nerven, und sie sind enorm ineinander verknallt. Stimmt, doch was erst rauskommt, wenn man länger mit den beiden geplaudert hat: Wer Chris schief anschaut, überlebt das nicht lange. Denn, was auch Tina nicht wusste – ihr sensibler Liebhaber ist ein Serienkiller! Doch wahre Liebe kann das nicht aufhalten ... MM

SO. 04. 11., Gartenbaukino, 20.30 Uhr MI. 07. 11., Künstlerhaus, 15.30 Uhr

Di. 30. 10., Künstlerhaus, 13.00 Uhr Fr. 02. 11., Gartenbaukino, 23.00 Uhr

Di. 30. 10., Gartenbaukino, 23.00 Uhr

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V’12

SPIELFILME

Grenzgänger DRAMA. ÖSTERREICH 2012. LÄNGE: 88 Min. BUCH & REGIE: Florian Flicker nach Der Weibsteufel von Karl Schönherr. KAMERA: Martin Gschlacht. SCHNITT: Karina Ressler. DARSTELLER: Andreas Lust, Andrea Wenzl, Stefan Pohl, Martin Schwanda.

The Deep Blue Sea DRAMA. GROSSBRITANNIEN/USA 2011. LÄNGE: 98 Min. REGIE & BUCH: Terence Davies. KAMERA: Florian Hoffmeister. SCHNITT: David Charap. DARSTELLER: Rachel Weisz, Tom Hiddleston, Simon Russell Beale, Ann Mitchell.

macher Florian Flicker (Der Überfall, Suzie Washington) spielt mitten in der burgenländisch-slowakischen Einschicht, im Marchfeld. Kurz nach der Jahrtausendwende mussten dort noch junge Männer vom Bundesheer die Grenze bewachen. Einer davon ist Ronnie (Stefan Pohl). Er wird vom Vorgesetzten auf Jana (Andrea Wenzl) und Hans (Andreas Lust) angesetzt: Die beiden betreiben ein schlecht besuchtes Wirtshaus, stehen aber im Verdacht, Menschen über die Grenze zu schmuggeln. Während Ronnie mit Jana flirtet, die von Hans auch noch dazu

angehalten wird, kommen die Dinge und Gefühle ins Rollen. Nachher wird nichts mehr sein wie zuvor. Die Dreiecksgeschichte nahm sich Flicker von Schönherrs Weibsteufel, auch Versionen von Wenn der Postmann zweimal klingelt von Visconti bis Petzold waren Inspiration. Kameramann Martin Gschlacht macht die Auenlandschaft zum Wildwest-Schauplatz eines stillen Dramas der Abhängigkeiten, Flickers verknappte und immer wahrhaftige Dialoge tun zur entrischen Stimmung ihr Übriges. JP

Hochgelobt wurde Rachel Weisz schon für ihre Verkörperung der Hester Collyer in dieser bei weitem nicht ersten, aber doch deutlich herausragenden Verfilmung des Theaterstücks von Terence Rattigan: Hester, ein in der Ehe mit dem wohlsituierten Richter Collyer gefangener Freigeist, beginnt eine Romanze mit dem ExPiloten Freddie, verlässt ihren Mann und steht schließlich alleine da, körperlich instabil und sozial vor dem Nichts. Eine Traumrolle für jede ernsthafte Schauspielerin – und eine Gelegenheit, die Weisz bestens zu nutzen weiß. CZ SO. 28. 10., URANIA, 13.30 UHR MI. 31. 10., GARTENBAUKINO, 15.30 UHR

DI. 30. 10., GARTENBAUKINO, 18.00 UHR

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Der Glanz des Tages

Wo hai you hua yao shuo

DRAMA. ÖSTERREICH 2012. LÄNGE: 90 Min. REGIE: Tizza Covi, Rainer Frimmel. BUCH: Tizza Covi, Rainer Frimmel, Xaver Bayer. KAMERA: Rainer Frimmel. SCHNITT: Emily Artmann, Tizza Covi. DARSTELLER: Philipp Hochmair, Walter Saabel, Vitali Leonti.

DRAMA. SÜDKOREA/CHINA 2012. LÄNGE: 70 Min. REGIE & BUCH: Ying Liang. KAMERA: Otsuka Ryuji. SCHNITT: Tong Wai-wing. DARSTELLER: Nai An, Kate Wen, Sun Ming.

Der Schauspieler Phillipp ist in Wien und Hamburg erfolgreich und völlig eingenommen von seiner Bühnen-Scheinwelt. Aber der Einfluss seines Onkels, eines ehemaligen Zirkusartisten, und die zaghafte Freundschaft zu dem Vagabunden Walter holen ihn auf den Boden der Realität zurück – weil das Leben nicht immer eine Bühne sein muss. CZ MI. 31. 10., GARTENBAUKINO, 18.00 UHR

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KURZFILME

Trespass KURZFILM. ÖSTERREICH 2012. LÄNGE: 11 Min. REGIE/BUCH/DARSTELLER: Paul Wenninger. KAMERA: Paul Wenninger, Nik Hummer. SCHNITT: Martin Music.

2008 ist China im Olympiafieber, der Polizeiapparat in höchster Alarmbereitschaft. Da wird einem jungen Mann vorgeworfen, er habe sechs Polizisten getötet. Unmittelbar danach wird seine Mutter in eine psychiatrische Anstalt gebracht und 143 Tage festgehalten. Ihr Sohn wird zum Tode verurteilt und hingerichtet, nach einem höchst undurchsichtigen Prozess. Ying Liangs Film zeichnet das Leiden der Mutter nach. MM

Einer der spannendsten und innovativsten österreichischen Beiträge im diesjährigen VIENNALE-Programm: Choreograph Paul Wenninger und Musiker & Set-Designer Nik Hummer erzählen mittels selbstgebastelter Motion Control die visuell überwältigende Geschichte einer aus Realbildern animierten Figur, einer Art Avatar des Regisseurs, der mit einer übervollen Bilderwelt aus realen Elementen kämpft, die in seine Enklave einzudringen versucht. KZ

SA. 03. 11., STADTKINO, 15.30 UHR SO. 04. 11., STADTKINO, 20.30 UHR

SO. 04. 11., URANIA, 21.00 UHR MI. 07. 11., STADTKINO, 13.00 UHR

FOTOS: VIENNALE

DER NEUE FILM von Austro-Filme-


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DOKUMENTARFILME

WERNER HERZOG

INTERVIEW: CHRISTOPH ZEPPETZAUER

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (2)

Menschen, keine Monster WERNER HERZOG, gebürtiger Bayer, weltberühmter Regisseur, Tausendsassa und 1991 selbst VIENNALEDirektor, beehrt das Festival heuer als Stargast (am 26. 10. bei Into the Abyss) und präsentiert seine großartige Doku-Reihe über die Implikationen der Todesstrafe.

„Als Deutscher mit unserer Nazi-Vergangenheit kann ich keinem Amerikaner erzählen, wie er über die Todesstrafe zu denken hat.“ (Werner Herzog)

SKIP: Wie stehen Sie persönlich der Todesstrafe gegenüber? WERNER HERZOG: Ich denke, dass kein Staat – unter welchen Umständen auch immer – jemals das Recht haben sollte, einen Menschen hinzurichten. Krieg ist die einzige Ausnahme, wo ein Staat über Leben und Tod eines Feindes entscheiden dürfen kann. Aber das hängt davon ab, ob sich der Staat verteidigt oder als Angreifer fungiert. Und auch das ist natürlich sehr, sehr diskussionswürdig.

Warum haben Sie sich für Texas als Schauplatz entschieden? Ich mag Texas. Man findet dort Leute, die sehr bodenständig sind und innerlich sehr integer. Ich mag dieses amerikanische Heartland sehr und kann die Art, wie die US-Eliten von den Küsten auf diese Leute herabschauen, nicht ausstehen. Außerdem ist Texas sehr medienfreundlich, genau wie Florida. Und beides sind Staaten, die ihre Todeskandidaten auch tatsächlich hinrichten. Die allermeisten Todeszellen-Insassen gibt es übrigens in Kalifornien – weil sie dort nicht wirklich hingerichtet werden, es gibt da ein Moratorium.

lange nicht mögen muss. Sie mochten mich alle – weil ich geradeheraus war und ihnen nichts vorzumachen versuchte. Sie fragen Ihre Protagonisten nach ihren Träumen. Warum? Wenn man 23 Stunden am Tag in einem kleinen Betonraum eingeschlossen ist und einmal in der Woche in Käfigen im Freien sein darf, dann lebt man in seiner Fantasie. Die Menschlichkeit der Insassen verdichtet sich sozusagen in ihren Träumen. Das hat mich interessiert und fasziniert. Wie war die Arbeit mit diesem Material? Ich habe wieder zu rauchen begonnen. Und ich konnte nur maximal fünf Stunden pro Tag daran arbeiten, dann habe ich Abstand gebraucht. Normalerweise arbeite ich acht Stunden am Tag.

Sie zeigen Schwerstverbrecher, Vergewaltiger, Mörder … wie grenzt man sich da ab und verhindert, zu sehr zu sympathisieren? Die Verbrechen sind monströs, aber die Täter selbst sind niemals Monster, sondern immer Menschen. Das ist meine prinzipielle Attitüde. Ich versuche nicht, zu ihren Gunsten zu emotionalisieren. Ich habe z. B. in Into the Abyss sofort klar gemacht, dass ich meine Interviewpartner zwar respektiere, deshalb aber noch

Death Row DOKU. USA 2012. LÄNGE: 208 Min. REGIE: Werner Herzog. KAMERA: Peter Zeitlinger. SCHNITT: Joe Bini.

Schon in Into the Abyss (heuer ebenfalls im VIENNALE-Programm) hat sich Werner Herzog intensiv mit Insassen texanischer Todeszellen beschäftigt. Daraus entstand die Idee für eine vierteilige TV-Serie, in der Menschen, die für brutale Verbrechen zum Tode verurteilt wurden, porträtiert werden. Herzog geht dabei äußerst intuitiv und ohne vorbereitete Fragen vor – immer darauf aus, mit seiner Persönlichkeit das Vertrauen und die Gesprächsbereitschaft seiner „inmates“ zu wecken. Die VIENNALE zeigt alle vier Episoden von Death Row am Stück. SO. 04. 11., KÜNSTLERHAUS, 13.30 UHR

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MIRJAM UNGER

EXKLUSIV-INTERVIEW: JULIA PÜHRINGER

FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (1)

Rock ’n’ Roll mit Kind und Kegel, frontstage und backstage: Die Musikdoku Oh Yeah, She Performs! porträtiert die formidablen Austro-Frontfrauen und Produzentinnen GUSTAV, CLARA LUZIA, TERESA ROTSCHOPF und LUISE POP.

Frauen unter Strom

Radiomoderatorin und Filmemacherin Mirjam Unger bebildert österreichische Musikgeschichte: Vier Frauen erobern die Bühne und die Welt.

Du hast anfangs viele Künstlerinnen interviewt – wie hast du schließlich deine Auswahl getroffen? Gustav und Klara Luzia gehören zu den wichtigsten Protagonistinnen dieser neuen Welle, die mussten dabei sein. Wichtig war mir auch, dass unterschiedliche Musikrichtungen und Persönlichkeiten vertreten sind, so ist Teresa Rotschopf dazugekommen. Sie war mit Bunny Lake schon im Mainstream, war bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag und hat sich von diesem typischen Klischee einer Sängerin mit einer Männerband dahinter emanzipiert. Sie macht jetzt ihr eigenes Ding. Sie hat mich beim ersten Treffen sofort bezaubert. Luise Pop ist mir während der Dreharbeiten begegnet: Ich hab irrsinnig lang nach einer coolen Frau gesucht, die E-Gitarre spielt und Rock ’n’ Roll mitbringt – das war Frontfrau Vera Kropf einfach. SKIP: Gegensätzlicher könnte man einen Gig nicht beschreiben: Auf der Bühne ist man „nackt“ und doch „safe“, wie zwei Protagonistinnen von Oh Yeah, She Performs! meinen … MIRJAM UNGER: Ja, genau. Einerseits ist man nackt und verletzlich, wenn man sich der Öffentlichkeit ausliefert. Andererseits ist das, wenn man da oben steht, quasi eine „freie Zone“. Auf der Bühne kannst du dich total ausleben, kannst schreien, sexy sein, was auch immer dir gefällt. Hast du selbst Lieblings-Musikdokus? Auf jeden Fall – The Last Waltz von Scorsese, alle RollingStones-Filme, vor allem die alten, die Aufnahmen vom Konzert im Hyde-Park, Shut Up and Sing mit den Dixie Chicks, auch Spielfilme wie Control über Joy Division.

Es gibt ziemlich viele Babys in deiner Musikdoku … Das war so nicht geplant – wie Babys ja auch oft (lacht). Gustav war zu Drehstart schwanger, die Teresa auch. Aber wie man sieht, geht sich das alles aus, mit einer gewissen Furchtlosigkeit und Offenheit. Man braucht dann eben auch daheim ein gutes Management, einen Partner, dem das auch taugt. Aber: Das geht! Du lässt in deiner Doku keine Experten reden, sondern filmst mittendrin auf der Bühne und backstage ... Solche „talking heads“ sind sehr amerikanisch. Da reden immer dieselben fünf Leute über ein Musik-Phänomen. Aber ehrlich: Das ist doch in den meisten Fällen echt schnarch. Zuschauen und Dabeisein ist einfach viel leiwander!

Oh Yeah, She Performs! DOKU. ÖSTERREICH 2012. LÄNGE: 101 Min. REGIE: Mirjam Unger. BUCH: Mirjam Unger, Veronika Weidinger. KAMERA: Eva Testor. SCHNITT: Karina Ressler. MIT: Gustav, Clara Luzia, Teresa Rotschopf, Luise Pop.

Sie sind in den Charts, sie begeistern ihre Fans, sie machen Musik und können – zumeist – davon leben. Sie gründen Labels, werden Produzentin, sind furchtlos und gehen aufs Ganze: Eva Jantschitsch (Gustav), Clara Humpel (Clara Luzia), Teresa Rotschopf (Ex-Bunny-Lake) und Vera Kropf (Luise Pop). Sie nehmen im Heimstudio auf oder im verlassenen Bauernhaus, sie spielen in Wien und New York, sie kriegen Kinder und proben im Kleingartenhaus: Das Musikbusiness aus Frauenperspektive. Rock ’n’ Roll, Baby! SA. 03. 11., KÜNSTLERHAUS, 18.00 UHR

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doKuMentarFiLMe

Re: Generation Music Project

Marina Abramovi´c: The Artist Is Present DOKU. USa 2011. Länge: 105 Min. Regie/ KaMeRa: Matthew Akers. Schnitt: E. Donna Shepherd, Jim Hession.

Sie nennt sich die „Großmutter der Performancekunst“, sie ist ein Popstar der Kunstszene, verehrt von Lady Gaga, befreundet mit Willem Dafoe und Björk, und eine furchtlose Selbstdarstellerin: Marina Abramovi´c ist die erste Performancekünstlerin, der eine Retrospektive im MoMA in New York gewidmet wurde. Matthew Akers Film begleitet die Vorbereitungen auf diese Ausstellung – das Porträt einer kompromisslosen Frau. MM FR. 26. 10., gaRtenBaUKinO, 14.00 UhR

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die idee BeStiCHt mit ihrer simplen Genialität: Fünf große Namen der elektronischen Musikszene wählen sich je ein „klassisches“ Musik-Genre und arbeiten dann mit einem etablierten Vertreter dieses Genres eine gemeinsame Komposition aus. Klingt einfach, die tatsächliche Umsetzung wird

Jeff SpieLDOKU. USa 2012. Regie: Chris James Thompson. BUch: Chris James Thompson, Andrew Swant, Joe Riepenhoff. KaMeRa: Michael T. Vollmann. Schnitt: Chris James Thompson. DaRSteLLeR: Andrew Swant, Pamela Bass, Patrick Kennedy, Dr. Jeffrey Jentzen.

Sa. 27. 10., KünStLeRhaUS, 23.30 UhR MO. 05. 11., gaRtenBaUKinO,13.00 UhR

Vers Madrid (The Burning Bright!) DOKU. FRanKReich/Spanien 2012. Regie/ BUch/KaMeRa/Schnitt: Sylvain George.

Er ging einkaufen, zum Augenarzt, abends auf ein Bier. Er ist das „Monster von Milwaukee“, auf dessen Konto mindestens 17 grausige Morde gehen: Jeffrey Dahmer, Serienkiller, zu 957 Jahren Haft verurteilt. Chris Thompson interessiert sich für den irrwitzig banalen Hintergrund: In seinem Genrehybrid spielt Andrew Swant den Mörder im Alltag, gegengeschnitten mit Interviews mit jenen, die mit Dahmer persönlich zu tun hatten. MM

Empört euch! Die weltweite Protestbewegung nahm ihren Ursprung in Madrid, bei einer spontanen Kundgebung am 15. Mai 2011: Die Indignados, die Empörten, versammelten sich auf der Plaza del Sol, um gegen ökonomische Diktatur und ihre politischen Handlanger zu aufzustehen. Sylvain George filmt vom Streitgespräch über kabarettistische Interventionen bis zum offenen Straßenkampf mit: Ein brandaktuelles Dokument politischen Handelns, zutiefst beeindruckt vom Widerstand der Zivilgesellschaft. MM

Di. 30. 10., KünStLeRhaUS, 11.00 UhR DO. 01. 11., URania, 23.30 UhR

Sa. 27. 10., StaDtKinO, 23.00 UhR SO. 28. 10., KünStLeRhaUS, 18.30 UhR

FotoS: VIENNALE

DOKU. USa 2012. Länge: 82 Min. Regie: Amir Bar-Lev. KaMeRa: Nelson Hume. Schnitt: Dan Swietlik, Darrin Navarro. MUSiK: Derek Smith aka Pretty Lights, DJ Premier, Mark Ronson, Sonny Moore aka Skrillex, The Crystal Method. Mit Sonny Moore aka Skrillex, DJ Premier, Members of The Doors, Derek Smith aka Pretty Lights, The Crystal Method, Mark Ronson, Nas, Erykah Badu, Mos Def u. v. a.

allerdings rasch zum Abenteuer. Die Herangehensweise zwischen jungen und deutlich älteren Musikern und vor allem deren Musikverständnis sind oft doch sehr unterschiedlich: DJ Premier muss sich mit einem ganzen Orchester zusammenraufen, Pretty Lights mit einer Country-Sängerin, The Crystal Method sich mit R&B anfreunden, Mark Ronson mit Jazz und Skrillex mit Mitgliedern der legendären Rockband The Doors. Während Amir Bar-Lev diesen Prozess für uns begleitet, faszinieren sowohl die Einblicke in Arbeitswelt und -abläufe der Musikproduktion als auch die Ergebnisse der Segmente: Die fertigen Musikstücke können sich allesamt hören lassen. Eine wilde Mischung – aber der Spirit bleibt über Generationen und Genres hinweg derselbe. Jp/cz


Meine keine Familie

Doku. Österreich 2012. Regie & Buch: Paul-Julien Robert. Kamera: Klemens Hufnagl, Fritz Ofner. Schnitt: Oliver Neumann.

Harry Dean Stanton: Partly Fiction Doku. Schweiz/USA 2012. Länge: 77 Min. Regie & Buch: Sophie Huber. Kamera: Seamus McGarvey. Schnitt: Angelo Corrao, Russell Greene, Jason Brandenberg.

Vater, Mutter, Kind.

FotoS: VIENNALE

Familie, wie sie in Bilderbüchern vorkommt. Für Paul-Julien Robert, den Regisseur von Meine keine Familie, ist dieser klassische Nukleus etwas, das er so nicht kennt. Robert wurde in etwas hineingeboren, das als Sozialexperiment Geschichte geschrieben, Bewunderung hervorgerufen und Skandale ausgelöst hat: In die vom Wiener Aktionisten Otto Mühl gegründete Kommune Friedrichshof im Burgenland. In seinem ersten Dokumentarlangfilm geht er auf Spurensuche nach diesem alternativen Modell des

Zusammenlebens jenseits bürgerlicher Familienstrukturen, mit freier Sexualität, mit gemeinsamem Eigentum. Was wird aus Menschen, die in einer solchen Gemeinschaft aufgewachsen sind? Und was, fragt der Regisseur sich selbst und auch seine Mutter, bedeutet in einer Kommune das Wort Familie? Mit Archivmaterial, das hier zum ersten Mal öffentlich zu sehen ist, geht Paul-Julien Robert auf eine Reise zu seinen eigenen Wurzeln – mit unbekanntem Ziel. MM

Sein Gesicht ist eine Filmikone, er gilt als einer der vielseitigsten Nebendarsteller des US-Kinos – doch die Regisseurin und Schauspielerin Sophie Huber wählte für das Porträt ihres legendären Kollegen Harry Dean Stanton den Zugang über seine Musik: „Er besitzt die seltene Gabe, als Sänger jedem einzelnen Wort eine tiefe Wahrheit zu verleihen“, so Huber über Stanton. Neben Ausschnitten aus einigen seiner 250 Filme und Aufnahmen seiner Versionen amerikanischer Folk Songs, kommen Wegbegleiter zu Wort wie David Lynch, mit dem Stanton vielfach gedreht hat (zuletzt Inland Empire), Debbie Harry oder Wim Wenders. MM

So. 04. 11., Gartenbaukino, 18.00 Uhr

So. 04. 11., Urania, 18.30 Uhr Mo. 05. 11., Künstlerhaus, 13.30 Uhr

Nyukuria Neisyon

Girl Model

DOKU. Japan 2012. Länge 96 Min. Regie/ Buch/Schnitt: Funahashi Atsushi. Kamera: Funahashi Atsushi, Yamazaki Yutaka.

DOKU. USA 2011. Länge: 78 Min. Regie/ Buch/Kamera: Ashley Sabin, David Redmon. Schnitt: Ashley Sabin, David Redmon, Alan Canant, Darius Marder.

Eine internationale Katastrophe, ein nationales Trauma: Japan nach Fukushima. Genauer: die Kleinstadt Futaba, drei Kilometer vom strahlenden Ground Zero entfernt. Sämtliche rund 1400 Bewohner wurden evakuiert und in einer Turnhalle in Tokio untergebracht – wo die Kamera sie im Alltag beobachtet, und wo sich zwischen Kronprinzen-Besuch, Wrestling-Turnier und der Möglichkeit, persönliche Sachen aus der verstrahlten Zone zu holen, irritierendintensive Momente ergeben. DM MO. 29. 10., Urania, 18.30 Uhr DO. 01. 11., Stadtkino, 13.00 Uhr

Drama, Baby, Drama. Und zwar wörtlich, denn der Model-Nachwuchs wird immer jünger. Die Doku folgt der 13-jährigen Nadja und Modelscout Ashley, ehemals selbst bereits als Teenager vor der Kamera tätig, die nun für eine russische Agentur in Sibirien Ausschau nach Frischfleisch für den japanischen Markt hält: mit falschen Versprechungen und erbarmungslosem Blick für die Schwächen der Mädchen und Vorlieben der Kunden. Eine entlarvend-deprimierende Sicht auf den Mädchentraum Supermodel. DM MO. 05. 11., Stadtkino, 20.30 Uhr DI. 06. 11., Urania, 13.30 Uhr

Dann bin ich ja ein Mörder DOKU. Österreich 2012. Länge: 70 Min. Regie & Buch: Walter Manoschek. Kamera: Rainer Komers, Stephan Mussil, Daniel BinderLichtenstein. Schnitt: Linda Reif.

Erinnerungslücken. Dem fast 90-jährigen ehemaligen SS-Unterscharführer Adolf Storms, dem ein Mord und die Beteiligung an einem Massaker an 57 jüdischen Zwangsarbeitern im März 1945 im Burgenland zur Last gelegt werden, soll 63 Jahre nach der Tat der Prozess gemacht werden. Bevor es so weit kommt, stirbt Storms. Davor stand er Univ. Prof. Dr. Manoschek bereitwillig Rede und Antwort. An ein Massaker erinnern können wollte er sich bis zuletzt nicht. DM FR. 02. 11., Urania, 18.30 Uhr

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DOKUMENTARFILME

Easy Rider DOKU. USA 2012. LÄNGE: 95 Min. REGIE/BUCH/ KAMERA/SCHNITT: James Benning.

Method to the Madness of Jerry Lewis DOKU. USA 2011. LÄNGE: 115 Min. REGIE & BUCH: Gregg Barson. KAMERA: Peter Good. SCHNITT: James Ruxin.

witzigen Ideen ziemlich durchgeknallte, aber durchwegs grandiose Filme: 2004 zeigte er unspektakulär wie eindrucksvoll 13 Lakes und Ten Skies (wortwörtlich und in minutenlangen Einstellungen), ihre Fortsetzung fand die stumme Betrachtung 2011 mit Twenty Cigarettes, wo man 20 Menschen beim Rauchen zusehen konnte. Meditativ Menschen und Landschaft zu erfahren, war Programm. Voriges Jahr nahm Benning John Cassavetes’ Klassiker Faces als Ausgangsmaterial und erfand das „Remake“ neu – er konzentrierte sich ausschließlich auf die Nahauf-

Jai Bhim Comrade DOKU. INDIEN 2011. LÄNGE: 189 Min. REGIE/ BUCH/KAMERA/SCHNITT: Anand Patwardhan.

Unberührbare. Seit 1949 verbietet die indische Verfassung Diskriminierung aufgrund des hinduistischen Kastensystems, gesteht den Dalit, wie sie sich selbst bezeichnen, gleiche Rechte zu. Theoretisch, denn in der Lebenswirklichkeit ist die Gleichstellung auch heute noch nicht verankert. 14 Jahre arbeitete der 1950 in Mumbai geborene, in den USA ausgebildete Filmemacher an seinem Werk, das die Dalit, die seit über zwei Jahrtausenden an ihnen verübten Grausamkeiten und ihren andauernden Kampf um Würde und eine bessere Zukunft in den Fokus rückt. DM SO. 28. 10., STADTKINO, 14.00 UHR MO. 29. 10., STADTKINO, 20.30 UHR

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nahmen der Gesichter der Darsteller. Diesmal ist Easy Rider an der Reihe, Dennis Hoppers legendärer Anti-Establishment-Kultfilm mit Peter Fonda und Jack Nicholson. Benning ersetzte die Landschaftsaufnahmen kurzerhand durch an den Originalschauplätzen gedrehtes neues Material, bastelte einen neuen Soundtrack und schreibt so anhand des und mit dem Biker-Epos Film-, Landesund Landschaftsgeschichte. Im Anschluss an das Screening folgt ein Publikumsgespräch mit dem Regisseur! JP

King of Comedy & Charity. Showbiz-Legende & Superstar. 86 Jahre und nur ein bisschen leise ist Jerry Lewis. Einerseits durch Interviews mit Hollywood-Größen von Jerry Seinfeld über Steven Spielberg bis Alec Baldwin blickt Gregg Barson auf die 80-jährige Karriere des als Joseph Levitch in New Jersey geborenen VollblutEntertainers zurück; andererseits vervollständigt nie zuvor gezeigtes Archivmaterial das Bild vom einstigen Rockstar unter den Comedians. Ein ausführlicher Blick auf die Jahre an der Seite von Dean Martin darf da natürlich genau so wenig fehlen, wie der Jerry Lewis von heute, der dem Filmemacher für dieses Porträt quasi uneingeschränkt Zugang zu sich gewährte. DM

MO. 29. 10., FILMMUSEUM, 21.30 UHR

SO. 28. 10., KÜNSTLERHAUS, 23.30 UHR DI. 06. 11., KÜNSTLERHAUS, 18.30 UHR

Tropicália DOKU. BRASILIEN 2012. LÄNGE: 87 Min. REGIE: Marcelo Machado. BUCH: Marcelo Machado, Di Moretti. KAMERA: Eduardo Piagge. SCHNITT: Oswaldo Santana.

Brasilien in den späten 1960ern: Mit Musikern wie Gilberto Gil und Caetano Veloso an der Spitze, entwickelte sich die Kulturbewegung Tropicália, die dem Establishment nicht nur brasilianischen Bossa Nova gemischt mit Rock und Pop entgegenschleuderte, sondern sich auch als Protestbewegung gegen die repressive Militärdiktatur verstand. Archivmaterial und Interviews mit den damaligen Protagonisten beleuchten die kulturelle und politische Dimension von Tropicália. DM DO. 01. 11., STADTKINO, 23.00 UHR DI. 06. 11., STADTKINO, 18.00 UHR

Room 237 DOKU. USA 2012. LÄNGE: 102 Min. REGIE/ BUCH/KAMERA/SCHNITT: Rodney Ascher.

Ein fast menschenleeres Hotel. Blutige Visionen. Zimmer 237. Wahnsinn, Mord & Totschlag. Was wollten Sie uns damit sagen, Mr. Kubrick? Rund um den Horrorklassiker The Shining haben sich teils recht schräge (Verschwörungs-)Theorien angesammelt, deren jeweilige Verfechter überzeugt sind, das Rätsel um die versteckte Bedeutung des Films gelöst zu haben. Leidenschaftlich interpretieren selbsternannte Experten Kubricks Werk – es liegt am Zuschauer, sich darüber zu amüsieren, sich ein Bild von der Glaubwürdigkeit zu machen, oder selber zu spekulieren. DM FR. 26. 10., GARTENBAUKINO, 23.30 UHR (DOUBLE FEATURE MIT THE SHINING) SA. 27. 10., KÜNSTLERHAUS, 13.30 UHR

FOTOS: VIENNALE

JAMES BENNING macht aus aber-


Vorsicht,

Taschenliebe!

KULTOBJEKT VIENNALE-TASCHE VON A1: EIN FESTIVAL-ACCESSOIRE, DAS MAN HABEN MUSS.

Die legendären Kollektionen des Kultobjekts werden inzwischen fast zu Schwarzmarktpreisen gehandelt. Sie beleben nicht nur in Wien das Stadtbild, längst sind die schicken Teile auch weit über die Landesgrenzen hinaus ein Symbol österreichischen Filmgeschehens. VIENNALE-Sponsor A1 machts wie jedes Jahr wieder möglich – passend zu diesjährigen Winterkollektionen glänzt das edle Stück heuer in noblem Nadelstreif.

AB 17.OKTOBER KANNST DU DIE TASCHE AUF DER A1 FACEBOOK SEITE GEWINNEN, ALSO SCHAU VORBEI.


V’12

triBute

michael caiNe

exklusiv-iNterview: KUrt ZEChNEr

Sir Michael gibt sich die Ehre Zum 50. Jubiläum der VIENNAlE kommt ein ganz besonderer Gratulant nach Wien: michael caiNe (79), allseits beliebte Kino-legende und einer der mit Abstand coolsten hunde des Filmbiz. Das Festival präsentiert eine Auswahl seiner Filme, SKIP ein hinreißendes Interview, das wir anlässlich des remakes von Sleuth führen durften. SKIP: Hallo, Mr. Caine – oder ist Ihnen Sir Michael lieber? MIChAEl CAINE: Nur Michael, bitte! Für uns Engländer ist der titel zwar tatsächlich wichtig, wir erwarten das aber von niemand anderem. Es nennt mich außerhalb von England niemand Sir. Die erste Version von Sleuth ist bereits 1972 entstanden – wie finden sie sich selber als jugendlicher liebhaber? Ganz ehrlich: Ich hab den Film seit damals nie wieder gesehen. 35 Jahre später standen Sie unter der regie von kenneth Branagh für das Sleuth-Remake vor der Kamera – nur in der anderen Rolle, mit Jude law als jüngerem Partner … Ich betrachte den Film eigentlich nicht als remake. Wir haben nur den Plot und den titel gestohlen und einen ganz neuen Film gemacht (lacht). wenn sie jetzt mit jüngeren kollegen arbeiten – glauben sie, Die vielen Gesichter des Michael Caine: Als Gangster und Frauenheld in Get Carter (1971), rechts, und als alternder Reporter mit Liebeskummer in The Quiet American (2002).

dass die es schwerer haben oder leichter als Sie damals? Das, was die junge Schauspielergeneration auf jeden Fall sehr von uns damals unterscheidet, ist, dass die heute zu Beginn viel genauer wissen, was läuft. Wir waren so unschuldig damals. Wir kamen als Youngsters aus dem Krieg, waren gewohnt, nichts zu haben, wir waren nicht geizig oder neidig, weil es ja sowieso nichts gab. Jetzt ist das ganz anders. Wenn heute einer berühmt wird, muss er ständig auf sich aufpassen und sich schützen, er hat eine ganze Meute auf den Fersen, die ihn ständig verfolgt, wir kannten so was gar nicht. Gut, ich verstehe das bis heute nicht. Ich habe immer so ein langweiliges leben gelebt, niemand will ein Bild von mir. Ich bin seit Jahrzehnten mit der gleichen Frau verheiratet, die Fotografen schlafen ein, sobald ich irgendwo auftauche. wenn sie heute auf ihr leben zurückblicken, hätten sie es lieber aufregender gehabt? Nein, ich würde keine Sekunde an meinem leben ändern wollen. Ich bin gesegnet mit Glück. Alle meine träume sind in Erfüllung gegangen. Ich wollte zum Film, berühmt werden, reich, ich wollte eine tolle Frau und Kinder – und alles davon habe ich bekommen. heute arbeite ich nur, wenn ich will, ich muss ja keine Miete mehr bezahlen. Das ist der größte luxus, den man sich vorstellen kann. Vor allem, weil ich mich noch gut daran erinnern kann, dass das nicht immer so war. in ihrer anfangszeit hatten sie es nicht immer einfach … Es war sehr mühsam – wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich wohl was anderes gemacht (lacht). Ich hatte

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Dirty Rotten Scoundrels Komödie. USA 1988. Länge: 110 Min. Regie: Frank Oz. Buch: Dale Launer, Stanley Shapiro, Paul Henning. Kamera: Michael Ballhaus. Schnitt: Stephen A. Rotter, William S. Scharf. Darsteller: Michael Caine, Steve Martin, Glenne Headly, Barbara Harris.

Frank Oz schickt in dieser wunderbaren Komödie (das Original Bedtime Story mit David Niven und Marlon Brando stinkt gegen dieses Remake völlig ab!) Michael Caine und Steve Martin an die französische Riviera, wo sie als rivalisierende Hochstapler mit fiesen Tricks um das Herz einer eventuell reichen Dame wetteifern: kongeniales Pointen-Pingpong zweier großartiger Scherzkekse. Aus der Sammlung des Österreichischen Filmmuseums

Fr. 02. 11., Metro, 16.00 Uhr

Get Carter Thriller. GroSSbritannien 1971. Länge: 112 Min. Regie: Mike Hodges. Buch: Mike Hodges nach dem Roman von Ted Lewis. Kamera: Wolfgang Suschitzky. Darsteller: Michael Caine, Ian Hendry, Britt Ekland, John Osborne.

Caine als treffsicherer Underdog: Als Londoner Gangster John Carter ahnt er nach dem Begräbnis seines Bruders, dass dessen Tod keine natürliche Ursache hatte – und mischt im Alleingang und ziemlich brutal die Unterwelt der britischen Arbeiterstadt Newcastle auf … Die Kamera führte Wolfgang Suschitzky – heuer ebenfalls VIENNALE-Stargast.

„Ich würde keine Sekunde an meinem Leben ändern wollen. Ich bin gesegnet mit Glück.“

Sa. 03. 11., Künstlerhaus, 21.00 Uhr Mo. 05. 11., Gartenbaukino, 15.30 Uhr

lange Zeit kaum Jobs, war sehr arm und sehr allein. Ich erinnere mich daran, dass mich ein Journalist einmal gefragt hat, ob ich immer noch meine alten Freunde von meiner Anfangszeit sehen würde. Als ich verneint habe, meinte er: Ah, Sie sind heute als großer Filmstar also wohl zu abgehoben, um sie noch zu treffen? Dabei war es ganz anders: Ich hatte damals einfach keine Freunde. Ich war ein Nobody. Wenn ich in ein Pub ging, haben die Kollegen alle weggeschaut, weil sie keinem ein Bier kaufen wollten, der ihnen keins retour spendieren konnte. Nach über einem halben Jahrhundert im Filmbiz – denken Sie da nie an den Ruhestand? Nein. Im Filmgeschäft muss man nicht in Pension gehen. Man wird gegangen, wenn überhaupt. Irgendwann kommen dann halt keine Skripts mehr und kein Geld, und dann bist du Geschichte. Und das kann nach deinem ersten oder auch nach deinem 100. Film sein.

Thriller. GroSSbritannien 1972. Länge: 138 Min. Regie: Joseph L. Mankiewitz. Buch: Anthony Shaffer. Kamera: Oswald Morris. Schnitt: Richard Marden. Darsteller: Michael Caine, Laurence Olivier, Eve Channing. Fotos: viennale (5)

Glauben Sie, dass Ihnen das auch noch passieren könnte? Ganz sicher sogar. Aber jetzt hab ich den Butler Alfred neben Christian Bales Batman gespielt. Mein Vorgänger in diesem Job, Michael Gough, war beim letzten Mal 84 Jahre alt. Ein paar Jahre bleiben mir also noch (lacht).

Sleuth Der alternde Krimiautor Andrew (Olivier) lädt den jungen Friseur Milo (Caine) auf seinen Landsitz ein. Die beiden haben wenig gemeinsam – außer Andrews schöner Frau. Der Beginn eines turbulenten Abends für die beiden Kontrahenten. Bei der VIENNALE erstmals in der restaurierten Fassung zu sehen – als Gala-Screening in Anwesenheit von Sir Michael himself. Fr. 26. 10., Gartenbaukino, 20.00 Uhr (in anwesenheit von michael caine)

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SPECIAL PROGRAMS

JOHN BOORMAN

EXKLUSIV-INTERVIEW: GINI BRENNER & KURT ZECHNER FOTOS: ANDREA MÜHLWISCH (1) / VIENNALE (2)

Das VIENNALE-Special THEY WANTED TO SEE SOMETHING DIFFERENT widmet sich unter anderem John Boormans fiesem Südstaaten-Horrortrip Deliverance. SKIP traf den Altmeister heuer in Cannes.

Anders gesehen SKIP: In Deliverance gibts einige Szenen, die bis heute tief verstören. Wie hat Sie das Studio damals damit durchgelassen? JOHN BOORMAN BOORMAN: Es gab natürlich heiße Diskussionen, sie wollten jede Menge geschnitten haben, etwa die Szene, in der Burt Reynolds einen ziemlich langen Tod stirbt, und natürlich Neds Vergewaltigungsszene. Eines Tages rief mich Barbra Streisand – sie war damals DER Star – an und sagte: „Ich möchte endlich einen Film sehen, in dem ein Mann vergewaltigt wird! Ich habe genug von vergewaltigten Frauen im Kino!“ Und sie startete dann eine regelrechte Kampagne im Filmbiz, bis die Produktionsfirma schließlich tatsächlich klein beigab.

Deliverance spielt in den Appalachen, dem Hügelland, wo die sprichwörtlichen Hinterwäldler, die Hillbillies, leben … Wir haben auch dort gedreht, in Clayton, Georgia. Die Leute dort haben ja eine sehr traurige Geschichte: Sie stammen von Mischlingen von Indianern und Weißen ab, die von beiden Volksgruppen geächtet wurden – und so kams zu Isolation und Inzest über Generationen.

Schwein gehabt – not: Ned Beattys legendäre Szene in John Boormans Deliverance (1972).

Als wir dort aufgetaucht sind, waren die Leute anfangs sehr verschlossen und feindselig. Aber irgendwann haben sie sich ein bisschen geöffnet, einige davon haben dann sogar im Film mitgespielt. Unglaublich faszinierende Gesichter! Ihre Familie war immer mit am Set, ihre Kinder waren damals noch recht klein – gabs da nie Probleme mit den Szenen, die nicht so kindergeeignet waren? Wie die oben erwähnte, in der Ned Beatty von einem Hillbilly vergewaltigt wird, der ihm befiehlt, dabei zu quieken wie ein Schwein … (lacht) Daran kann ich mich noch gut erinnern. Wir sahen uns jeden Abend alle gemeinsam das am Tag gedrehte Material an, meine Kinder waren immer dabei. Nur an dem Tag, als wir diese Szene gedreht haben, warf ich sie raus und sagte, sie dürften heute nicht mit dabei sein. Nun, am nächsten Tag hörte ich mit Entsetzen, wie sie sich beim Spielen „Quieke wie ein Schwein! Quieke wie ein Schwein!“ zuriefen. Sie hatten einfach eine Kiste ans Fenster gestellt und heimlich von außen zugeschaut! Allerdings bin ich dann mit Erleichterung draufgekommen, dass sie noch überhaupt keine Ahnung hatten, was da eigentlich wirklich in dieser Szene vor sich ging.

Deliverance THRILLER. USA 1972. LÄNGE: 110 Min. REGIE: John Boorman. BUCH: John Boorman, James Dickey. KAMERA: Vilmos Zsigmond. SCHNITT: Tom Priestley. DARSTELLER: Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty, Ronny Cox.

Vier Freunde (Reynolds, Voight, Beatty, Cox) planen einen Männertrip in die tiefen Wälder Georgias. Doch die Einheimischen, vierschrötig und feindselig, machen den „City Boys“ die Reise zur Hölle auf Erden … Der starbesetzte Edel-Genrefilm läuft neben u. a. Ridley Scotts Alien (1979), John Carpenters The Thing (1981) oder Mario Bavas Terrore nello spazio (1965) im Rahmen des VIENNALE-Specials They Wanted to See Something Different – Eine kleine Geschichte des Unheimlichen. MO. 29. 10., METRO, 13.30 UHR / DI. 30. 10., KÜNSTLERHAUS, 23.30 UHR

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Monument Film Ein Abend mit Peter Kubelka

Schuss – Gegenschuss

LICHT – KEIN LICHT. Ton – kein Ton. Vier Elemente sind es,

die Film in seinem ureigensten Wesen ausmachen. Als Peter Kubelka im Frühling 1960 seinen sechseinhalbminütigen Film Arnulf Rainer, der eben diese vier Aggregatszustände auslotet, vor großem Publikum zeigte, leerte sich der Saal allerdings binnen Minuten: Der Film arbeitet mit einer metrischen Abfolge von Schwarz und Weiß, Ton und Stille, von positiv und negativ, eine pure cinematografische Komposition, dass die Emotionen hochgingen. „Ich verlor damals fast alle Freunde, wegen dieses Films“ erinnert sich Kubelka, „Viele Jahre lang wurde mein Werk verlacht.“ Heute gilt Arnulf Rainer, mit seinen exakt 9216 Filmkadern, als radikales Meisterwerk, obwohl Kubelka von sich selbst sagt: „Ich wollte nie radikal sein, nur konsequent, wie ein Wissenschaftler, der an seinen Ergebnissen arbeitet.“ Mehr als 50 Jahre später ist Kubelka zu seinem frühen Film zurückgekehrt und hat eine exakte Antwort geschaffen, ein Antiphon: Da, wo Helligkeit war, ist jetzt Schwärze, wo Ton war, ist es still – Kader für Kader ist in geradezu meditativer händischer Kleinarbeit ein Gegenstück entstanden,

ein Re-Make im Wortsinne. Bei der VIENNALE wird Arnulf Rainer wiederaufgeführt, daraufhin der gegensätzliche Zwilling Antiphon, danach werden beide nebeneinander auf der großen Leinwand im Gartenbaukino projiziert, und dann beide Filme präzis übereinander – ein außergewöhnliches, sinnliches Kinoereignis unter dem Titel Monument Film, in Anwesenheit von Peter Kubelka. Ergänzend zur Filmvorführung gibt es eine Ausstellung, bei der sowohl Arnulf Rainer als auch Antiphon, jeweils in 128 exakt gleichlange Streifen geschnitten, im Gartenbaukino aufgehängt sind. MM SA. 27. 10., GARTENBAUKINO, 20.30 UHR

FOTOS: STADTKINO VERLEIH (1), VIENNALE (1)

PETER KUBELKA, Experimentalfilmer, Künstler und ehemaliger FilmmuseumDirektor, errichtet im Gartenbaukino das Monument Film – eine Vorführung zweier einander antwortender Filme, die das Medium auf seine Grundlagen zurückführen.

FOTO: JOERG BURGER

That’s Wolf Zum 100. Geburtstag des Fotografen und Kameramanns Wolf Suschitzky

Kamera ab „ES IST MIR NIE eingefallen, mich

Künstler zu nennen. Ich war Handwerker“, sagt Wolf Suschitzky von sich selbst, der Fotograf und Kameramann: Geboren 1912 in Wien und 1934 mit 22 Jahren vor dem austrofaschistischen Regime emigriert nach London, prägte er hier ein halbes Jahrhundert die Filmlandschaft mit – mit zahlreichen Dokumentationen und Kurzfilmen, aber auch viel beachteten

Spielfilmen (Ulysses, Theatre of Blood). Stellvertretend für sein Gesamtwerk zeigt die VIENNALE in Anwesenheit von Wolf Suschitzky himself den genialen, düsteren Thriller Get Carter mit Michael Caine, und davor Geoffrey Jones’ sechsminütigen, oscarnominierten Avantgardefilm Snow aus dem Jahr 1963. MM SA. 03. 11., KÜNSTLERHAUS, 21.00 UHR

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SPECIAL PROGRAMS TEXT: DINA MAESTRELLI

FOTOS: VIENNALE / FILMARCHIV AUSTRIA

Five Women

Amy Seimetz Sun Don’t Shine

Coleen Fitzgibbon / Narcisa Hirsch / Mati Diop / Kurdwin Ayub / Amy Seimetz

ES IST, was es ist: Die

Arbeiten von fünf Frauen – Filmemacherinnen, zwei treten auch als Schauspielerinnen in Erscheinung –, zusammengefasst zu einem lose zusammenhängenden, wie zufällig entstandenen Programm. So ist das experimentelle Kino der argentinischen Avantgardistin Narcisa Hirsch neben den Vidoes der jungen Wiener Künstlerin Kurdwin Ayub zu finden, die aus dem Irak stammt. Daneben zwei, die auch vor der Kamera aktiv sind: Die junge Französin Mati Diop gibts in Claire Denis’ 35 Rhums (2008) zu sehen, in drei ihrer Kurzfilme offenbart sie sich als sensible Beobachterin. Amy Seimetz wiederum vertritt das junge US-IndependentKino – mit einer Kamerapräsenz die im Widerspruch zu ihrem zerbrechlichen Aussehen steht, und mit Sun Don’t Shine als eigenwillig-radikale Filmemacherin. Last but not least wird Coleen Fitzgibbon in Erinnerung gerufen, Vertreterin des amerikanischen Experimentalkinos der Siebzigerjahre.

DRAMA. USA 2012. LÄNGE: 82 Min. BUCH & REGIE: Amy Seimetz. KAMERA: Jay Keitel. SCHNITT: David Lowery. DARSTELLER: Kate Lyn Sheil, AJ Bowen, Kentucker Audley. VORFILM: When We Lived in Miami (Amy Seimetz, USA 2012, 12 Min.)

Dort, wo Amy Seimetz aufgewachsen ist, hat sie ihren ersten Langspielfilm angesiedelt: Zentralflorida, ein schwül-heißer, flirrender Dschungel aus Mangrovenwäldern und Sümpfen. Ein Paar, Crystal und Leo, ist unterwegs – wohin und zu welchem Zweck, bleibt zunächst verborgen. Auch, warum sich Momente der Zärtlichkeit abwechseln mit heftigen Auseinandersetzungen. Nur so viel scheint klar: In der aufgeheizten Atmosphäre kündigt sich ein düsterer Ausgang dieses Road Trips an. MO. 05. 11., KÜNSTLERHAUS, 21.00 UHR

Filme von Kurdwin Ayub KURZFILMPROGRAMM. ÖSTERREICH 2011/2012. LÄNGE: 68 Min. REGIE/BUCH/ PRODUKTION/DARSTELLER: Kurdwin Ayub.

Performance-Kunst im YouTube-Stil, dazu ausnahmsweise Dokumentarisches wie bei Familienurlaub (Szenen 1-17) – entstanden aus Langeweile während ebendiesem: Ob sie Someone Like You mit Adele im Duett singt und aufgibt, oder in Katzenjammer ihren Ex beeindrucken will – die Video-Miniaturen der 22-jährigen Studentin an der Kunstakademie sind spontan inszenierte Selbstdarstellungen, ironische Irritation und Scheitern inbegriffen. SA. 27. 10., KÜNSTLERHAUS, 18.30 UHR

Wien–Moskau

Programm 1

Ubijcy vychodjat na dorogu

Artur Berger und Gerbert Rappaport – Österreichische Filmarbeiter in der Sowjetunion

DRAMA. UDSSR 1942. LÄNGE: 60 Min. REGIE: Vsevolod Pudovkin, Jurij Taric. BUCH: Vsevolod Pudovkin, Manuel Bolsincov. AUSSTATTUNG: Artur Berger. DARSTELLER: Ada Vojcik, Michail Astangov.

GASTARBEITER

im Arbeiterparadies. Das Filmarchiv Austria gewährt einen ersten Einblick in sein Forschungsprojekt über Österreicher in der sowjetischen Filmindustrie und stellt zwei der Öffentlichkeit so gut wie unbekannte Wiener Filmpioniere vor, die in die UdSSR gingen, nicht zuletzt aus politischen Gründen. Artur Berger beginnt seine Karriere als Architekt bei der Wiener Sascha-Film. Ab Mitte der 1930er-Jahre emigiert die jüdische Familie Berger nach und nach, 1936 nimmt der Sozialdemokrat und Antifaschist eine Einladung nach Moskau an, arbeitet an mindestens 27 Filmen hauptverantwortlich mit, auch, als nach dem Angriff Deutschlands die sowjetische Filmindustrie nach Alma-Ata verlegt wird. Dort landet schließlich auch Gerbert (eigentlich Herbert, doch das Russische kennt kein H) Rappaport (Bild), der seiner Heimat Mitte 1941 den Rücken gekehrt hatte, um in der UdSSR als Regisseur zu wirken.

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Gezeigt wird, wie der nationalsozialistische Terror die Menschen im Alltag und in ihrer Privatsphäre überfällt, wo sich dessen Schergen sicher fühlen, während sie – so wird postuliert – im weiten, winterlichen Russland geschlagen werden können. Der Film ist eine Bearbeitung von Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches, entstand übrigens in Alma-Ata – und wurde nach seiner Fertigstellung von den Sowjets umgehend verboten. FR. 26. 10., METRO, 21.00 UHR

Programm 5

Professor Mamlok DRAMA. UDSSR 1938. LÄNGE: 104 Min. REGIE: Gerbert Rappaport, Adolf Minkin. DARSTELLER: Semen Mezinskij, Vladimir Cestnokov, Oleg Zakov.

Rappaports Regiedebüt nach dem Roman von Friedrich Wolf ist eines der raren Beispiele für einen antifaschistischen Sowjet-Film, der vor Kriegsbeginn entstanden ist. Der offen zur Schau gestellt Antisemitismus wird qualvoll spürbar, wenn der Chirurg Professor Mamlok mit einem Schild „Jude“ um den Hals seine Klinik verlassen muss. Im Buch bringt er sich daraufhin um, im Film ruft er zur Revolution auf. DO. 01. 11., METRO, 18.30 UHR


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IN FOCUS TEXT: CHRISTOPH ZEPPETZAUER

FOTOS: VIENNALE

Alberto Grifi

Programm 2

Il festival del proletariato giovanile al Parco Lambro

Auf Video gedrehte Billigfilme waren ihm die einzig interessanten Dokumente: ein „filmischer“ Nachruf auf ein italienisches Multitalent.

DOKU. ITALIEN 1976. LÄNGE: 58 Min. BUCH & REGIE: Alberto Grifi. KAMERA: Flavio Vida, Luciana Meazza, Enza Janunni, Carla Tiziana, Alberto Romero, Flavia Geronazzo, Fabio Leonardis, Vito Zagarrio uvm. SCHNITT: Alberto Grifi.

ALS ALBERTO

Grifi im Jahr 2007 verstarb, beklagte die italienische Presse den Verlust eines Pioniers der Filmavantgarde. Aber eigentlich war Grifi ein totaler Film-Verweigerer, der völlig versessen war auf die von Geldzwängen entkoppelte Reinheit des Produzierens auf Video. Sein fast vierstündiges Opus Anna aus den frühen 70er Jahren ist bestimmt Avantgarde: Nicht nur drehte er mit einer 16-jährigen, schwangeren Drogensüchtigen, die er bei sich zu Hause aufgenommen hatte, er stieg auch während der Produktion auf das damals neue Video um und arbeitete im Reportagestil weiter. Aber eigentlich kann man ihn nirgends eingliedern: Er war Maler, Fotograf, Filmschaffender und Autor, aber auch Erfinder neuer Video- und FilmtechnikGeräte und ein gefragter Lehrer, der ständig von Studenten umringt war. Ein Besessener – und ein Genie.

Auch in Italien verlangte im Fahrwasser von Woodstock die Jugend nach radikalem Umbruch. Die Zeitschrift Re Nudo (nackter König) etwa veranstaltete 1975 und 76 das Festival der proletarischen Jugend, und Alberto Grifi wurde gebeten, dieses zu filmen – ein sensationelles Zeitdokument. SO. 04. 11., STADTKINO, 18.00 UHR / DI. 06. 11., KÜNSTLERHAUS, 23.30 UHR

Programm 3

A proposito degli effetti speciali EXPERIMENTALFILM. ITALIEN 2001. LÄNGE: 50 Min. REGIE, BUCH, KAMERA: Alberto Grifi. DARSTELLER: Alessandra Vanzi, Alberto Grifi, Man Ray, Aldo Braibanti.

Verschroben wirkt das Konzept und bezieht doch genau daraus seine Berechtigung: Wenn Grifis Lebensgefährtin Alessandra Vanzi über die Liebe schwärmt, Man Ray in seinem Studio in Paris Besuch hat, und Grifi selbst in einem Zerrspiegel kommentiert, haben wir keine Wahl, als uns ganz auf sein Universum einzulassen. Am Ende steht, dass es nur um den Moment geht – und die Liebe. MO. 05. 11., STADTKINO, 18.00 UHR / MI. 07. 11., KÜNSTLERHAUS, 11.00 UHR

Manuel Mozos

Um passo, outro passo e depois …

Der Portugiese Mozos ist quasi eine Entdeckung der VIENNALE 2012: Der 52-Jährige ist bisher nur in seiner Heimat und in Frankreich bekannt.

DRAMA. PORTUGAL 1989. LÄNGE: 58 Min. REGIE: Manuel Mozos. BUCH: Jorge Silva Melo, Manuela Viegas, Manuel Mozos nach einer Idee von Edgar Pêra. KAMERA: José António Loureiro. SCHNITT: Manuela Viegas. MUSIK: Rodrigo Leão.

DASS NICHT NUR

Spanien, sondern auch Portugal außergewöhnlich talentierte Regisseure hervorbringt, scheint in ständiger Vergessenheit zu schweben – genau wie die Tatsache, dass Portugal seit der Detonation der Betongoldblase von 2008 sogar noch mehr unter der Schuldenkrise leidet. Wer das Land mit seinen verbauten Landstrichen und geschlossenen Geschäften kennt, dem wird Mozos’ Dokumentation Ruínas besonders nahe gehen. Das Gesamtwerk des seit 1989 aktiven Regisseurs aus Lissabon hat eine gewisse Unverkennbarkeit, zeigt eine Kombination aus Talent, Erfindungsgeist und Eigensinn. Mozos, heißt es, sei ein Getriebener und dreht solange Dokumentationen, bis er einen Spielfilm Ramiro finanziert bekommt. Die VIENNALE zeigt fünf von Mozos’ wichtigsten Filmen und im Rahmen einer Carte Blanche seine liebsten portugiesischen Filme der 60er, 70er und 80er Jahre.

Ein Schulwart, Eigenbrötler und Einzelgänger schreitet, als junge Missetäter seine Routine durchbrechen, zur Tat. Aber bevor wir ihn abstempeln können, entpuppt er sich unvermutet als etwas ganz anderes, als wir glaubten … Ein stiller Film mit unwiderstehlichem Sog, präzise auf seine Figur im Zentrum konzentriert. FR. 02. 11., STADTKINO, 18.00 UHR

Ruínas DOKUDRAMA. PORTUGAL 2009. LÄNGE: 60 Min. BUCH & REGIE: Manuel Mozos. KAMERA: Luís Miguel Correia, João Nicolau, Sandro Aguilar. SCHNITT: Telmo Churro.

Quer durch Portugal hat Manuel Mozos alte Gebäude und andere Spuren der Zivilisation aufgespürt, die ihren Zweck seit langem erfüllt haben und nun leerstehend dem Verrotten und Zusammenbrechen harren. Die stoischen Bilder der Ruinen werden von den Stimmen jener begleitet, die einst hier gelebt haben; sie erzählen die Geschichte der Orte. Ein sehr assoziatives und meditatives Kinoerlebnis. SO. 04. 11., URANIA, 13.30 UHR

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RETROSPEKTIVE FRITZ LANG

Larger than Life

TEXT: GINI BRENNER

FOTOS: VIENNALE

Pionier des Eventkinos, Stilbildner des Horrorfilms, kritisch politischer Kommentator, Filmikone: FRITZ LANG, dem die diesjährige Retro gewidmet ist, verkörpert wie kaum ein anderer das Wesen des ersten Jahrhunderts Kino.

ES IST KAUM MÖGLICH,

die Höhepunkte des Schaffens von Fritz Lang (1890–1976) kompakt zusammenzufassen – es sind zu viele, sie sind zu eklektisch, und die Geschichten abseits der Leinwand zu faszinierend. Am bekanntesten ist wohl sein Früh-

Ministry of Fear DRAMA. USA 1944. LÄNGE: 87 Min. REGIE: Fritz Lang. BUCH: Seton I. Miller nach dem Roman von Graham Greene. KAMERA: Henry Sharp. SCHNITT: Archie Marshek. DARSTELLER: Ray Milland, Marjorie Reynolds, Carl Esmond, Percy Waram.

Just während die Nazis Großbritannien bombardieren, wird Mr. Neale nach zwei Jahren in einer psychiatrischen Anstalt als geheilt entlassen. Als er durch Zufall auf einen Spionagering stößt, will den von der Außenwelt ohnehin reichlich verstörten Ex-Patienten natürlich keiner Ernst nehmen … Auch auf der Paranoia-Orgel spielte Lang virtuos: Packender Film noir nach dem gleichnamigen Roman von Graham Greene. SA. 27. 10., FILMMUSEUM, 16.00 UHR FR. 09. 11., FILMMUSEUM, 18.30 UHR

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werk: Vom Monumental-Epos Die Nibelungen (1924), das in seiner Grandiosität alles damals Dagewesene übertraf, über das visionäre Metropolis (1927), damals ein Riesenflop, bis zum genredefiniernden Krimi M (1931) mit Peter Lorre und Gustaf Gründgens, der viel-

leicht erste Serienkiller-Thriller der Filmgeschichte. Nach seiner Emigration in die USA drehte Lang u. a. mit Spencer Tracy (Fury, 1936), Henry Fonda (You Only Live Once, 1937), Cary Grant und Lili Palmer (Cloak and Dagger, 1946) – und geriet ins Visier von Kommunistenjäger McCarthy. Zurück in Europa drehte Lang mit dem legendären Produzenten Arthur „Atze“ Brauner seine letzten Filme, den Abenteuer-Zweiteiler Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal und Die 1000 Augen des Dr. Mabuse. Seinen letzten Kinoauftritt jedoch hatte er im Film eines anderen: In Jean-Luc Godards Le Mépris (1964) spielt er einen Regisseur. Die VIENNALE-Retro zeigt sämtliche seiner Filme, dazu ausgewählte Interview- und Porträtfilme, Giorgio Moroders Metropolis-Bearbeitung von 1984 und Jean-Luc Godards Le Mépris.

Das indische Grabmal

Conversation with Fritz Lang

ABENTEUERFILM. DEUTSCHLAND/FRANKREICH/ITALIEN 1959. LÄNGE: 101 Min. REGIE: Fritz Lang. BUCH: Werner Jörg Lüddecke, Thea von Harbou, Fritz Lang. KAMERA: Richard Angst. SCHNITT: Walter Wischniewsky. DARSTELLER: Paul Hubschmid, Debra Paget, Walter Reyer.

DOKU. USA 1975. LÄNGE: 47 Min. BUCH & REGIE: William Friedkin. KAMERA: William A. Fraker. SCHNITT: Augie Hess. MIT: Fritz Lang, William Friedkin.

Abenteuer! Liebe! Wilde Tiger! Langs Spätwerk, die Fortsetzung von Der Tiger von Eschnapur, ist eine abenteuerliche Love Story zwischen einem Deutschen und einer indischen Prinzessin, ein opulentes Dschungel-Spektakel – doch zwischen all dem klischeehaften Kitsch der 50er zeigt sich die Hand eines genialen Filmemachers. SO. 18. 11., FILMMUSEUM, 16.30 UHR

Als William Friedkin, dessen neuester Film Killer Joe ebenfalls bei der VIENNALE läuft und der heuer seinen 77er feierte, noch ein „junger Wilder“ des New Hollywood war, ging er mit dem damals 84-jährigen Lang verbal zur Sache: Ein großartiger Ausflug in die Kinogeschichte und ein faszinierendes Porträt zweier Kino-Größen zum Preis von einer. MO. 29. 10., FILMMUSEUM, 18.00 UHR


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FOTO: VIENNALE / TUMA

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