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Erste Stunde 4 Editorial

44

Die Entschlüsselung eines Cole Porter Lieds von Beatrice Behlen.

10 Kontributorenübersicht 12

Multimedia & Download Index

52

57

Wandel der Frau

38

2

Frauen im Porträt Ein Einblick in das umfangreiche Oeuvre von Anton Graff

13 Impressum

16

Dressing Daughter For Dinner

VICHY präsentiert: Wandel der Frau Die Geschichte der Schönheit

Königin Elisabeth Christine von Preußen – die Königinnenwitwe

60 Elle. Frauen im Wandel der Zeit. 62

Elisabeth I.

64

Barbe Nicole Cliquot-Ponsardin

und Pflege

66

Lou Andreas-Salomé

Facing Beauty

67

Golda Meir

70

Elly Beinhorn

72

Rita Hayworth

Gemalte Frauen und kosmetische Kunst. Ein Artikel von Beatrice Behlen.

: n o i rat t s Illu

Elisabe

o j i l l e , r e th W eb

t


ERSTE STUNDE Goethes Farbkreis 76

Goethe & Farben

Wirtschaft & Kunst

Robert Eberhardt über Goethes Verständnis von Farben

170 Wirtschaftlich Kochen

81

Der Farbkreiskuchen

186 PR für kleine Unternehmen

84

essie encrusted: 84

Die Lacke

112 Die Looks 126 Aus den Archiven in das bunte

Leben Carly Diaz über einen Foto-Trend 134 Smoothies nach Farben

Interpretation des Farbkreises von Claudia Gödke 150 Washoku

Traditionelle japanische Küche 158 Essen nach Farben

von Sibylle Roessler

Schnelle Rezepte für den Frühling Interview mit Sonja Harnisch 190 Startup Spotlight: ezebee.com 194 Konzeptionelle Kunst

Interview mit dilettantin produktionsbuero 202 staged: Design Award,

­Ausstellung & Konferenz 207 Point and Line to Plate

Kandinsky neu übersetzt 214 Im Flow

Eine Tour zu den aufregendsten Berliner Kunstkatalysatoren

3


AL

Stylistin Anna Czilinsky mit Covermodel Maria

Co ve rk le id vo n Ev i N eu ba ue r

4

Durch den Schnee: T Januar in Berlin (Br

editorial by toni & thea Liebe Leser_innen Das Jahr 2014 ist erst wenige Wochen sisterMAG-Leserin ist euch vielleicht alt und trotzdem fühlt es sich in der eine kleine Änderung am Cover aufgesisterMAG-Redaktion an, als ob wir fallen. Wieder ziert eine gute Freundin schon monatelang im Jahr der Trau- unser Titelblatt – Maria, die gerade beneiche lebten (Allgemeinwissen, in Berlin in Kunstgeschichte promowelches man sehr gut für Smalltalk viert. Wir steckten sie in ein papierbenutzen kann: Nachdem 2013 unter nes Blechimitat-Kleid und einen Ledem Motto des Holzapfels stand, ist dertorso à la Prinzessin Fantaghiro* dieses Jahr die Traubeneiche Baum und der Fotograf Cristopher Santos des Jahres … und nach chinesischem lichtete sie in der Berliner Galerie Kalender ist 2014 übrigens das Jahr »Nature Morte« ab. Dazu findet ihr des Pferdes). Apropos Wissen: Als neu am unteren Rand die drei Begriffe »Geschichte – Wirtschaft – Kunst«. FOTO

CS = Cristopher Santos

QUELLEN: AL = Ashley Ludaescher CG = Claudia Gödke TN = Thea Neubauer

Während wir uns im letzten Jahr von *Eine Märchenfilm-Reihe, die ab dem Jahre 1991 als italienische Produktion entstand.


ERSTE STUNDE

TN

Toni & Alex im runnenstraße)

TN

Spaß beim Shooting: Fotograf Cris Santos und Maria

CS

Das Team des Cover-Shootings: Cris, Anna, Maria & Thea 5

»Geschichte – Wirtschaft – Kunst« Romantiteln inspirieren ließen, haben also auch 2014 wieder viel Allgemeinwir uns nämlich für 2014 etwas Neu- wissen,

Spezialwissen,

Interviews,

es ausgedacht: Für die Redaktion und Rezepte und Schnittmuster, verrückte unsere Leser_innen geht es zurück in Ideen und innovative Konzepte. die Schule. Pro Ausgabe wählen wir Wie sieht das konkret aus? Wie be2-3 Fächer für euch aus. Wie in Schul- reits in Ausgabe 10, findet ihr wieder zeiten gibt es dann (fächerübergrei- drei Sektionen im sisterMAG. Die Fofende) Fokusthemen, mit denen wir kussierung auf 3-4 Kernthemen bietet

kreativ umgehen und die uns in gu- uns die Möglichkeit, diese etwas umter sisterMAG-Manier die Möglichkeit fassender zu beleuchten. Mit rund 250 geben, alles von Mode über Essen bis Seiten bietet aber auch diese Ausgabe hin zu kulturellen Themen und Tech- wieder genügend Lesestoff, um euch nologie abzubilden – wir bieten euch bis Anfang April zu beschäftigen!

Ausgabe 11 | Januar 2014


AL

CG

Historische Looks mit Spaghetti-Arrangierung VICHY und Model Elisaveta 6

Toni

Ein besonderes Augenmerk legten wir

empfinden, hat sich in den letzten 50

dabei auf Geschichte, denn uns bei-

Jahren radikal geändert. Heute strebt

de – Toni und Thea – verbindet eine

die Dame vor allem nach Individuali-

besondere Liebe zu diesem – unse-

tät. Wir sind deshalb glücklich, dass

rem – Leistungskursfach. In dicken

wir für das Jahr 2014 einen tollen

Leitz-Ordnern horteten wir in Klasse

Partner gewinnen konnten, der uns

11 und 12 das gesammelte Wissen

durch die Ausgaben begleiten wird:

über die Revolution 1848, ­Bismarcks

die Apothekenpflegemarke VICHY hat

Außenpolitik oder über die Wirt-

nicht nur eine interessante Geschich-

schaftswunder-Zeit. Als »Journal für

te (nachzulesen ab Seite 16 ), sondern

die digitale Dame« konzentrierten wir

hat sich genau dieser Idee verschrie-

uns für diese Ausgabe auf das weibli-

ben: Die ideale Haut ist für VICHY

che Geschlecht. In der Sektion »Wan-

nicht perfekt, sondern man selbst de-

del der Frau«

durchschreitet Toni

finiert wie ideale Haut aussieht und

das 20. Jahrhundert anhand des sich

was der Begriff bedeutet. Mit VICHY

verändernden Frauen- und Schön-

werden hoffentlich nicht nur wir beide

heitsbildes. Was wir heute als perfekt

die »perfekte« Pflege finden, sondern

und ideal im Angesicht des Spiegels

auch für die eine oder andere Leserin

sister-mag.com


ERSTE STUNDE Cover-Kleid oder Skulptur?

CS

Modechefin Evi & Toni

neues Wissen aufzeigen und helfen,

sechs glitzernden Farben der Na-

persönliche Ideale zu erreichen. Den

gellack-Marke essie vorstellen. Die

»Wandel der Frau« schließt eine Kurz-

sechs Farben gibt es ab Seite 84

portrait-Reihe über interessante Frau-

sehen. Die passenden Outfits mit sie-

enpersönlichkeiten von Elisabeth I.

ben Schnittmustern zum Herunterla-

bis zu Rita Hayworth ab.

den und Nachnähen findet ihr gleich

Wer in den letzten Wochen unsere

im Anschluss ab Seite 112 .

Social Media Kanäle verfolgte, dem

Die sechs Schattierungen fügten sich

fielen die vielen Shootings und Pro-

auch perfekt in einen neu-erdachten

duktionen auf, die wir auch für Aus-

modernen Farbkreis ein, denn unsere

gabe 11 durchgeführt haben. Größe-

zweite Sektion trägt »Goethes Farb-

re Eigenproduktionen umzusetzen

kreis« als Titel. Während Verleger

ist eine Herausforderung, macht uns

Robert Eberhardt über Goethes Ver-

aber auch besonderen Spaß: Lange

ständnis

im Gedächtnis wird uns so zum Bei-

haben

spiel das Shooting mit sechs Fashi-

Roessler und Claudia Gödke das The-

on-Bloggerinnen bleiben, die für uns

ma Farbe ganz spielerisch und vor al-

die neue »Encrusted«-Kollektion von

lem sehr lecker interpretiert.

zu

von Farbe philosophiert, Food-Fotografinnen

Sibylle

7


CG

Nach dem KT-Food-Shooting: Claudia, Thea & Tina

8

Thea

Am Ende der Ausgabe widmen wir

Tina fester und geliebter Bestand-

uns dann noch einem sehr inter-

teil dieser Familie. Wir werden sie

essanten Feld: der Verbindung von

sehr vermissen – ihre selbstgeba-

Wirtschaft und Kunst. Besonders

ckenen Köstlichkeiten, ihre Vorliebe

der ausführliche Spaziergang durch

für schwarzen Kaffee und die Lun-

die Berliner Kunstszene , den Anna

go-Kapseln, die wir ab jetzt nicht

Bromley für uns unternommen hat,

mehr brauchen, die guten Ideen und

ist einen Klick wert!

ihr Auge fürs Detail und vor allem ih-

Das Kontributoren-Verzeichnis zeigt,

ren unerschütterlichen Optimismus

dass die Anzahl an Freunden und Mitwirkenden immer weiter steigt und wir freuen uns über jede Erweiterung der sisterMAG-Familie, die uns manchmal in allerletzter Minute hilft, übersetzt, Texte schreibt oder recherchiert. In den letzten sechs Monaten war unsere Praktikantin

sister-mag.com

in allen Lebenslagen und wünschen ihr alles Gute für den Rest ihres Studiums! In dieser Ausgabe findet ihr nicht nur viele Seiten, die Tina gelayoutet hat, sondern auch einige Artikel aus ihrer Feder – ein gelungener Abschluss des arbeitsreichen Praktikums.


ERSTE STUNDE

CS

CS

CS

Fotografin Zoë mit Assistentin Anna während des essie Shootings 9 EO SCHAUT DAS VID ESSIE M E R E S N U N O V G A N! IN T O O H S O T O H P

LINKS: Toni mit unseren zwei Praktikantinnen von #sisterMAG11: Tina (links) und Sandra (rechts)

CS

Wir hoffen, dass euch der Start in die-

der unserer Ausgabe. Wir schlagen

ses neue »Schuljahr« mit uns gefällt

nun die Schnellhefter wieder auf und

und freuen uns auf euer Feedback – ob

entwickeln Tafelbilder für die nächs-

als Mail, Tweet oder Facebook-Kom-

te Ausgabe – dort wird es dann unter

mentar oder mit dem Pinnen der Bil-

anderem biologisch.

Thea & Toni

Ausgabe 11 | Januar 2014


Video Cristopher Santos

fotos

Beatrice Behlen

Tina Bergs

Tina Bergs

Thea Neubauer

Zoë Noble

Anna Bromley

Elisabeth Weber

Sibylle Rössler

Carly Diaz

Sandra Rothfeld

Cristopher Santos

Robert Eberhardt

Pamela & Araceli

Victoria Kau

Ashley Ludaescher 10

text

illustration & Layout

Anna Nesterenko

Sandy Volz Claudia Gödke

Antonia Neubauer Thea Neubauer Anna Schmalfuß Anna Seidel

sister-mag.com

Symbole Content Button: Direkt zurück zum Inhaltsverzeichnis Jump Bu­tton: Direkt zum nächsten Artikel


ERSTE STUNDE

Übersetzung

models

Korrektur

Sabrina Bäcker

Alexandra

Susanne Bauder

Kathrin Greyer

Elisaveta

Marina Engelhart

Sarah Müller

Hannah

Simone Haffner

Lydia Lucia

Melanie Haynes

Magdalena

Isabelle Koelling

Tanja Timmer

Styling Evi Neubauer Thea Neubauer Anna Czilinsky

Maria

Katharina Kraatz

Sara

Amie McCracken

Sarah

Deepa Paul

Lena Schleweis

Donata Proske

Kim Angermann

Antje Reiche

Alice McColm Location: Link zu Everplaces oder Google Maps Photo-Button: Kamera zeigt (mehr) Fotos an Link zu ­Pinterest Board

Externer link.

Leicht teilen und weiterempfehlen (zu finden am

Interner link. Zeigt Download an (z.B. unsere Rezeptkarten)

Ende der Artikel) Auf Twitter teilen Auf Facebook posten

11


Multimedia & Download Index SCHNITTMUSTER

Klick aufs Bild bringt euch auf die richtige Seite im sisterMAG!

11/1 – Schwarzes Minikleid

11/2 – Weißer ­Faltenrock

11/6 – Lagenrock

11/7 – Lackrock

11/3 – Jeanskleid

11/4 – Bestickte Bomberjacke

11/5 – Bundfaltenhose

12

WALLPAPER

VIDEOS

peak of chic belugaria SmartDesktop Wallpaper phone Wallpaper

lots of lux Tablet Wallpaper

Behind The Scenes essie Shooting

REZEPTKARTEN

Farbkreiskuchen sister-mag.com

Smoothies

Washoku

Wirtschaftliche Küche


ERSTE STUNDE

impressum sisterMAG – A journal for the digital lady www.sister-mag.com eMail

mail@sister-mag.com

Twitter

twitter.com/sister_mag

Facebook

fb.com/sister.magazin

Chefredakteurin Stellv. Chefredakteurin Fashion Director

Theresa Neubauer Antonia Neubauer Eva-Maria Neubauer

Redakteure (Text) 

Beatrice Behlen, Tina Bergs, Anna Bromley, Carly Diaz, Robert Eberhardt, Victoria Kau, Antonia Neubauer, Thea Neubauer, Anna Schmalfuß, Anna Seidel Redakteure (Photo & Video)  Claudia Gödke, Ashley Ludaescher, Anna Nesterenko, Zoe Noble, Sibylle Rössler, Cristopher Santos, Pamela & Araceli, Sandy Volz Design & Illustration Tina Bergs, Thea Neubauer, Sandra Rothfeld, Elisabeth Weber Übersetzung Korrektur

Sabrina Bäcker, Kathrin Greyer, Sarah Müller, Tanja Timmer Susanne Bauder, Marina Engelhart, Simone Haffner, Melanie Haynes, Katharina Kraatz, Amie McCracken, Deepa Paul, Donata Proske, Antje Reiche

sisterMAG erscheint aller zwei Monate in der Carry-On Publishing GmbH, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, Deutschland. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Geschäftsführung

Antonia Neubauer, Theresa Neubauer, Alex Sutter

Sales Marketing

Alex Sutter (Sales Dir.) Antonia Neubauer (Marketing Dir.), Donata Proske

Ausgabe 11 | Januar 2014

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EL U D A N R A F W ER D

1910

Eine Geschichte der Schönheit und Hautpflege im 20. Jahrhundert

16

STYLING

Lena Schleweis TEXT

FOTOS

Antonia Neubauer

Ashley Ludäscher

1920

Kaum ein Thema beschäftigt wirklich jede Frau so sehr wie die Auseinandersetzung mit Schönheit, Pflege und Haut. Ob man eher einem natürlichen Ideal anhängt oder etwas mehr Makeup benutzt – selbst die Ablehnung von Pflegeprodukten und –ritualen setzt eine – manchmal unterbewusste – Entscheidung voraus. Der Umgang und die Ideale der Schönheit haben sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert und im 20. Jahrhundert brachte jedes Jahrzehnt Neuheiten hervor. Dieses bewegte Jahrhundert hat ein besonders traditionsreiches Unternehmen beinah von Anfang an mitgemacht: die Laboratoires VICHY. Tief im Herzen Frankreichs machten zwei Männer 1931 eine

sister-mag.com

Quellenangabe

atemberaubende Entdeckung und legten den Grundstein für die Apothekenkosmetik-Marke. Während eines Aufenthalts in Vichy, einer für seine Thermalquellen berühmten Stadt in der Auvergne, zog sich der Geschäftsmann Georges Guérin eine Handverletzung zu. Der Direktor der Thermalkurbetriebe und Dermatologe, Dr. Haller, verschrieb die Behandlung mit mineralreichem Thermalwasser. Selbst erstaunt von der außergewöhnlich raschen Heilung, begannen sie mit der weiteren Untersuchung der hautreinigenden und –pflegenden Wirkungen des Thermalwassers. Sie gründeten daraufhin die »Gesellschaft für dermatologische Hy-


WANDEL DER FRAU

giene von VICHY« und begannen so eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert und deren Produkte man in Apotheken auf der ganzen Welt kaufen kann.

60e

r

Es lag daher nahe, als Partner für unsere »Geschichte der Schönheit« zu gewinnen. Auf den folgenden

1980 1981

Eine bahnbrechende Pionierleistung, die uns heute als völlig normal erscheint, war die Differenzierung der Hauttypen, die Dr. Haller in den 1930er Jahren vornahm. Heute ist dies die Basis jeder Hautpflege überall auf der Welt. Doch VICHYs Gründer war auch der erste, die für diese verschiedenen Hauttypen eine je-

weils abgestimmte Pflege entwickelte, um jede Haut effektiv behandeln zu können. Die Produkte, liebevoll »Die Geheimnisse von VICHY« genannt, setzten das Unternehmens-Manifest in die Tat um: »Die Haut ist nicht nur Schmuck, sie ist ein lebendes Organ, das die Reaktionen des Körperinneren auf Umwelteinflüsse zeigt.«

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19 31 Die Laboratoires VICHY werden gegründet und feiern sofort Erfolge mit den ersten Produkten »Secrets de VICHY«: den ersten Pflegecremes, die auf individuelle Hauttypen abgestimmt sind.

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1990


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Seiten haben wir Informationen zur allgemeinen Lage der Frauen, den Schönheitsidealen und besonders zum Stand der Hautpflege von 1920 bis heute für euch zusammengestellt. Welche Rolle dabei spielte, findet ihr in den Infotexten über jedem Jahrzehnt. Bild: akg-images

1920

Die 1920er-Jahre waren für Frauen eine aufregende Zeit. Ihre Rolle in der Gesellschaft wandelte sich, Job und Karriere gewannen an Bedeutung und die ersten Frauen errangen Führungspositionen. Doch damit stieg auch der 18

Erwartungsdruck ans Äußere. Kleidung wurde zunehmend in Massenproduktion hergestellt, das Prinzip basierte dabei auf normierten Kleidergrößen. Es wurde nicht mehr »auf Figur geschnitten«. Unterstützt wurde dies durch die Massenmedien, welche Werbung verbreiteten,

»Your hands can keep their good looks even though they work in the kitchen.« Titel auf einer Werbeanzeige für »Ivory Soap« (Seife)

die das Schönheits­ideal der dünnen und jungen Frau propagierten – also ganz ähnlich wie heute. Make-up wurde häufiger und stärker getragen, da Frauen zunehmend die Notwendigkeit sahen, »gut auszusehen«, um im Wettbewerb mit den Männern um Jobs einen Vorteil zu erhalten. Der stark geschminkte Look der 1920er-Jahre war dabei eine Reaktion auf die zurückhaltende Weiblichkeit der Vorkriegszeit. Die Zeit wurde schnelllebiger und eine internationale Kultur von Schönheit und Beauty entstand.

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WANDEL DER FRAU

Um den Wandel der Frau auch visuell zu veranschaulichen, setzten wir gemeinsam mit Stylistin Lena Schleweis und Fotografin Ashley Ludäscher Model und Reisefotografin Elisaveta (Fernweh'o'sophy ) in den Looks der 1930er,

1960er und 1980er Jahre in Szene. Die Verwandlung von Elisaveta zeigt eindrucksvoll den Wandel der Frau im 20. Jahrhundert.

1930

Ein 1920er-Artikel der Broadway-Schau-

In den 1930er-Jahren wurden

spielerin Suzanne Sheldon im McCall’s

immer mehr Frauen durch die

Magazine zeigt, dass Frauen ganz ähn-

schwierigen äußeren Umstände

lich über Haut- und Schönheitspflege

der Weltwirtschaftskrise gezwun-

dachten wie heute. Darin wird beispiels-

gen zu arbeiten. Ihre Jobs waren

weise der positive Einfluss von 6 bis 8

dabei meist schlecht bezahlt und

Gläsern Wasser pro Tag auf das Äußere

ihr Ansehen gering. Zudem wurde

hervorgehoben sowie ein vernünftiges

weiterhin erwartet, dass sie nach

Sportprogramm und tägliches Waschen

einem langen Arbeitstag den

des Gesichts am Abend. Andere Tipps

Haushalt führten und sich um die

wie das Tragen einer Gummibandage

Familie kümmerten. Eine schwie-

gegen ein Doppelkinn sind eher als Zei-

rige Doppelbelastung!

chen vergangener Zeiten zu sehen.

Eine Sondersituation ergab sich

Eine Vielzahl an Hautpflege-Produk-

mit der Machtergreifung der Na-

ten, zum Beispiel gegen Falten, Pickel

tionalsozialisten in Nazi-Deutsch-

oder Sommersprossen, waren auf dem

land: Weibliche Berufstätigkeit

Markt. Ihre Anwendung und Wirkung

wurde verpönt. »Reproduktion

wurden häufig in Zeitschriften disku-

und Pflege der Familie« waren

tiert. Das vielleicht wichtigste Pro-

fortan die Hauptaufgaben einer

dukt war die Feuchtigkeitscreme (cold

Frau. Systemische Beschränkun-

­cream) für einen schönen und strahlen-

gen führten dazu, dass es immer

den Teint.

weniger Ärztinnen, Anwältinnen,

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1937

bringt die erste Anti-Cellulite Pfle-

ge-Creme in der Geschichte der Kosmetik auf den Markt. wurden diese Cremes oft selbst aus Bienenwachs, Öl, Wasser und Borax hergestellt. Der Vorteil der Cold Cream war dabei, dass sie die Gesichtshaut weniger als Seife austrocknete. Danach wur-

20

Richterinnen etc. gab. Die Anzahl

den verschiedene Toniken und

der Studentinnen war auf 10% al-

Cremes für den Teint aufgetra-

ler Studenten beschränkt.

gen, wobei letztere normalerwei-

Das Schönheitsideal veränder-

se einen hohen Fett- oder Öl-An-

te sich dahingehend, dass Make-up verhaltener als noch in den 1920er-Jahren aufgetragen wurde. Zwar gehörten Eyeliner, Lippenstift und Rouge zur Grundausstattung des täglichen Schminkens, aber der übermäßige »Vamp«-Look des vorausgegangen Jahrzehnts wurde abgeschwächt. Zur täglichen Pflege-Routine gehörte für die 1930er-Frau dazu, sich das Gesicht mit Cold Cream zu säubern. Um Geld zu sparen,

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teil hatten, da man glaubte, dass das die Falten ausfülle.

ELISAVETAS LOOK

Das Vorbild für diesen Look war Marlene Dietrich. Das wichtigste am Make-up sind ultra­ lange Wimpern und sehr dünne, längliche Augenbrauenformen. Lippen wurden herzförmig in kräftigem Marron oder Himbeere geschminkt. Die beliebteste Frisur war der Bob, die Haare wurden mit einem Ondulier-Eisen in sanfte kleine Wellen gelegt.


WANDEL DER FRAU

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1930 / 1940 Nachbildung eines Photos der Marlene sister-mag.com


WANDEL DER FRAU

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Dietrich. Originalbild von 1943


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1940 1940 Die 1940er-Jahre waren geprägt durch den

Rita Hayworth. Kurzporträt über die Schauspielerin auf Seite 72

Zweiten Weltkrieg. Durch das Fehlen der Männer in der Arbeitswelt wurden Frauen gefragte Arbeitskräfte. Sie übernahmen Jobs, die vorher durch Männer ausgefüllt wurden und machten Karriere. Das Bild des »schwachen Ge-

24

schlechts« wandelte sich – wenn auch (vorerst) nur kurzzeitig bis zur Rückkehr der Männer. Aufgrund der Vollzeitbelastung aus Arbeit und Haushalt mussten die Pflege- und Schönheits-

»… Look for the familiar packing, but remember that though the [powder] sometimes wear wartime dress, they still have all the qualities you know and trust.« Hinweis in einer Werbe­anzeige von Yardley.

routinen v.a. eins sein: praktisch! Ein natürlicher, frischer Look mit akzentuierten Wimpern und vollen, leuchtenden Lippen wurde bevorzugt. Gutes, gepflegtes Aussehen wurde geschätzt, indem z.B. in den Umkleideräumen amerikanischer Rüstungsfabriken Lippenstifte zur freien Verfügung auslagen. Pflegeprodukte waren über das gesamte Jahrzehnt hinweg schwierig zu erhalten, so dass selbstgemachte Cremes und Lotions weiterhin boomten. Neben der Gesichtspflege – nun vorrangig mit Seife und Wasser wegen der Knapp-

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WANDEL DER FRAU

50er

Die Apotheke wird zum exklusiven Vertriebskanal für Produkte, denn nur so kann eine optimale Beratung der Kunden gewährleistet werden.

1950 heit von Öl – bekam die

Mit der Rückkehr der Männer aus dem Krieg

Pflege der Hände mit spe-

wurden die Frauen wieder in ihre Rolle als

ziellen Cremes für die be-

Hausfrau und Mutter zurückgedrängt. Wenn

rufstätige (»mit den Hän-

man als Frau eine weiterführende Bildungsein-

den arbeitende«) Frau eine

richtung besuchte, dann nur um sich in Fächern

neue Bedeutung. In der

wie »Hauswirtschaftslehre« auf das Leben mit

Werbung wurden weniger

Mann und Familie vorzubereiten. Ein Zurück

Luxusprodukte bewor-

zum Altvertrauten, welches immerhin auch eine

ben, sondern besonderer

Rückkehr zur Normalität nach den traumati-

Wert auf Fabrikate für die

sierten Erlebnissen der Weltkriegsjahre mit

ganze Familie wie Zahn-

sich brachte.

pasta, Schuppenshampoos

In den 1950er-Jahren durften Frauen auch wie-

und Seifen gelegt.

der glamourös aussehen. Filmstars wie Marylin Monroe oder Audrey Hepburn bestimmten das Ideal der weich und feminin aussehenden Frau mit einem »peaches and cream«-Teint. Make-up wurde zunehmend wichtiger und die Kosmetikindustrie entwickelte neue Produkte für den allgemeinen Gebrauch. Im Bereich der Pflegeprodukte konzentrierte man sich weiterhin auf das Reinigen und Eincremen mit einer fettreichen Creme und Lotion.

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1964

Die ersten Haarpflege-Produkte und Deodorants von

kommen auf den Markt.

1960

Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen prägten die 1960er-Jahre. Vielen Frauen reichte ein Leben am Herd nicht mehr aus. Durch die Erfindung der Anti-Baby-Pille wurden sie ein Stück unabhängiger in ihrer Lebensplanung. Der 26

Anteil der berufstätigen Frauen nahm so in den 1960er-Jahren wieder zu. Damit erhöhte sich aber auch die weibliche Unzufriedenheit über die Benachteiligung am Arbeitsplatz. Die Frauen-Bewegung erreichte sukzessiv Fortschritte in Bezug auf die ungleiche Bezahlung der Geschlechter

»Be a Champagne Blonde … the champagne will follow« Werbe-Claim für eine Blondierung in den 1960er-Jahren

und Karrierechancen sowie die gesellschaftliche Gleichbehandlung. Mit dem Aufkommen der Frauen-Bewegung änderte sich auch das weibliche Schönheitsideal. Frauen wie das Model Twiggy verkörperten weniger das Ideal des Weiblichen, sondern propagierten androgyne Formen. Jugend wurde immer mehr zum vorherrschenden Thema. In der Kosmetik passierte dagegen eher wenig. Die Zusammensetzung von Hautcremes war nach wie vor relativ einfach. Ziel war es, die Hautbarri-

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WANDEL DER FRAU

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Ausgabe 11 | Januar 2014


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ere zu schützen und rückzufetten.

den. Wirkstoffe wurden meist aus

Wirkstoffe wie Vitamin A, die heute

Tieren gewonnen – heute fast voll-

in jedes Hautpflegeprodukt gehö-

ständig verdrängt durch synthe-

ren, waren zwar bekannt, konnten

tische Wirkstoffe oder durch die

aber noch nicht erfolgreich für die

Gewinnung aus maritimen Roh-

Kosmetikindustrie genutzt wer-

stoffen wie Algen.

Das große Idol der 1960er war Brigitte Bardot. Der Fokus lag auf einem dramatischen A­ ugen Make-up mit viel schwarzem Kajal und schwungvollem Eyeliner. Den Look ergänzten lange Wimpern, wenig Rouge und blasse, rosé- oder nude­ farbene Lippen. Die Haare waren lang mit viel Volumen aber nicht mehr so perfekt toupiert wie in den 50ern. Ponys wurden oft mit Haarbändern kombiniert und aus dem Gesicht getragen.

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sister-mag.com

ELISAVETAS LOOK


WANDEL DER FRAU Werbung für Sonnen»schutz«

»Beautiful tan today. Young looking skin tomorrow.«

70er

wird international und ist in 10 Ländern Europas vertreten.

1970

In den 1970er-Jahren konnte die

folgte keinem einheitlichen Trend.

Frauenbewegung großen Zulauf

Tagsüber eher dezent und natürlich

verzeichnen. Immer mehr Frauen

wurde abends (für die Disko) beim

schlossen sich den Protestmärschen

Augen Make-up mit farbigen Lid-

und Demonstrationen für die Gleich-

schatten und Glitzer dick aufgetra-

berechtigung an. Mit der breiteren

gen.

Verankerung des Protests in der Ge-

Generell wurde eine »von der Son-

sellschaft wurde seine Schlagkraft auch größer und Erfolge wie das Equal Rights Amendment (ERA) zur Verfassung in den USA oder das Erste Gesetz zur Reform des Eheund Familienrechts in Deutschland konnten erzielt werden.

29

ne geküsste« Hautfarbe bevorzugt. Die Spätfolgen von übermäßigem Sonnengenuss waren damals (noch) nicht allgemein bekannt, obwohl von den Kosmetikfirmen schon fleißig dazu geforscht wurde. Jedoch ließen sich Cremes mit mehr als

Das erste Mal wurde auch diskutiert,

Lichtschutzfaktor 6 nur schwierig

was eigentlich Schönheit ausmacht.

verkaufen. Gegen Entzündungen

Man ahmte nicht mehr einfach ein

wie Sonnenbrand gab es den neuen

vorgegebenes Schönheitsideal nach,

Kosmetikstoff Aloe Vera. Anti-Aging

sondern definierte sein eigenes. Kör-

Produkte und Foundation wurden im-

perkult wurde groß geschrieben und

mer wichtiger und erweiterten das

es wurde viel ausprobiert. Das Ma-

Repertoire der Hautpflege-

ke-up wurde situativ ausgewählt und

Produkte.

Ausgabe 11 | Januar 2014


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1985

Die Männerpflegeprodukte von »erobern« die Apotheken.

1980

VICHY-Produkte in den 1980er-Jahren

Nach den bewegten Jahrzehnten verliefen die 1980er-Jahre eher ruhig. Die erkämpften Veränderungen wurden sichtbar. Die berufstätige Frau war »akzeptiert«, aber noch nicht die soziale Norm. Aber die Frauen waren ehrgeizig und

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wollten die gleichen Karrieren wie Männer. Das »Working Girl« wurde geboren. Immer mehr Mädchen besuchten die Universität und arbeiteten (zumindest bis zum ersten Kind). Erfolgreiche Frauen wie Margaret Thatcher lieferten neue Rollenvorbilder. Der neu erkämpfte Status der Frauen äußerte sich auch in einer veränderten Optik: Weniger Babydoll und Püppchen, mehr selbstbewusst und sexy. Schulterpolster für XXL-Schultern, hohe Schuhe, graue Kostüme, überschminkte Gesichter – man eignete sich den Look der maskulinen Macht an, wollte aber dennoch weiblich sein. Per Permanent-Make-up lies man sich Lidstriche und Lippenkonturen förmlich auftätowieren.


WANDEL DER FRAU

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Ausgabe 11 | Januar 2014


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1980

Große Fortschritte gab es in der Hautpflege. Nun endlich ließen sich Wirkstoffe wie Vitamin A oder C durch die Hornschicht in die Oberhaut schleusen. Besonders gut gelingt dies mit Hilfe der Liposomen (= Fette), die die Wirkstoffe 32

Beide Abb. aus »neue mode« Juni 88

huckepack in die Haut transportieren, dort frei-

ELISAVETAS LOOK

Das Idol der 1980er war ­Madonna. Das Make-Up war sehr bunt und kontrastreich mit Schimmer und Glitzereffekten. Augen, Lippen und Wangen wurden stark betont, Lidschatten sogar bis unter die Augenbrauen aufgetragen. Dauerwellen und blondiertes »Wattehaar«, Ponys oder Haartollen wurden mit extrem viel Haarspray fixiert und mit viele bunten oder punkig-rockigen Accessoires getragen.

geben und sich dann auflösen. Eine Vielzahl an neuen Kuren, Salben und Cremes gegen die Hautalterung entstanden. VICHY – Journal für die Apotheke von 1983


WANDEL DER FRAU

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Ausgabe 11 | Januar 2014


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1995

Das Motto von »Weil ­Gesundheit auch Hautsache ist« wird eingeführt.

1990

Die öffentlichen Demonstrationen der Frauen­ Fotostrecke in »neue mode« Dezember 1990

bewegung sind verschwunden und machten der selbstverständlich gleichberechtigten Frau Platz. Ausdrücke wie »Girlies« oder »Girl ­Power« waren Ausdruck für das gestiegene Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der

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1990er-Frau. Junge Frauen wurden darin bestärkt, Ihr Potential zu entwickeln und die Frauenarbeitsquoten näherten sich denen der Männer an. Das Konzept der rein männlichen Berufe verschwand langsam.

»Ein angenehmer Duft macht jeden Tag schöner – aber wie findet man seinen Lieblingsduft? Denn es gibt inzwischen über 500 Parfüms.« »neue mode«, 12/1990

Das Schönheitsideal wurde von vielen, teilweise auch gegenläufigen Trends geprägt: Minimalismus, Supermodels oder Grunge. Der Körper wurde zum Mittel, um sich auszudrücken: durch Tattoos, Abziehbilder, Henna und Piercings. Auch bei den Haaren bekannte man sich zur Farbe. Der Fokus der Kosmetikforscher lag auf der Hautalterung und effektiven Anti-Aging-Mitteln. Man untersuchte, warum die Haut altert und wie man diesen Prozess aufhalten kann. Die

sister-mag.com


2011

feiert Jubiläum: 80 Jahre gesunde, schöne Haut.

2000 heute Wirkweisen der ein-

Lediglich vier Jahre nach Ende der 2000er-Jah-

zelnen Wirkstof-

re ist es schwer eine Verallgemeinerung zu fin-

fe wurden erforscht

den – die Historisierung des Jahrzehnts hat noch

und man versuchte,

nicht eingesetzt. Deshalb dürfen wir gespannt sein,

sie in entsprechende

wie zukünftige Generationen unsere Pflegerouti-

Produkte zu integ-

nen betrachten werden. Definitiv lässt sich sagen,

rieren. Einige davon

dass unsere Zeit von einem Streben nach Indivi-

wie z.B. Vitamin E

dualität geprägt ist. Ein gepflegtes Äußeres und

oder das Co-Enzym

»gutes Aussehen« sind der Mehrzahl von Frauen

Q10 sind auch heute

wichtig – und dabei spielt eben diese Individualität

noch die Grundlage

eine große Rolle. Auch die Wünsche für die eigene

der Anti-Aging-Pfle-

Haut sind individuell. Gerade diese Idee, dass es

ge. Andere wie die

keine ideale Haut, sehr wohl aber eine persönli-

AHA-Fruchtsäure

che Vorstellung der eigenen idealen Haut gibt, hat

galten damals als

sich VICHY zur Aufgabe gemacht. Die ideale Haut

Wundermittel, sind

ist dementsprechend eher individuell als perfekt,

aber aufgrund ihrer

sie entspricht keiner vorgeschriebenen Norm, ge-

Nebenwirkungen wie

sellschaftlichen Standards oder Konventionen. Sie

Hautreizungen und

ist auch unabhängig vom Alter. Denn der Trend,

hoher Lichtempfind-

der sich bereits in den 1990ern abzeichnete – der

lichkeit wieder

Fokus auf Hautalterung und Anti-Aging-Mittel –

verschwunden.

ist auch heute wichtiges Betätigungsfeld von For-

Ausgabe 11 | Januar 2014

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heute

hat sich heute der idealen Haut verschrieben. Diese ist nicht perfekt, sondern allein abhängig von persönlichen Idealen.

schern und im Fokus in der Entwicklung von Pflegeroutinen. Mit der Vorstellung von Schön-

»Was ist ideale Haut?«

36

Die Frage, die sich VICHY heute stellt.

heit geht heute noch häufig die Konnotation von Jungsein einher. Frauen möchten älter werden ohne alt auszusehen. Der demographische Wandel in vielen Ländern wird so auch begleitet von einer Verjüngung in Mentalität, Lebensstil und Lebensgefühl. Eine 60jährige Frau von heute scheint viel jünger und vitaler als noch vor einigen Jahrzehnten. Während Botox, Lifting und Co. unnatürliche Resultate hervorrufen und von vielen Frauen daher skeptisch betrachtet werden, liefern innovative Produktkonzepte ähnliche Wirkungen durch natürliche Wirkstoffe.

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Untertitel Im Angesicht HEADING IN TWO COLOURS der Schรถnheit. text NAME

Fac i ng Beauty text BEATRICE BEHLEN

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WANDEL DER FRAU

Um 1859 wurde Charles Baudelaire

zum Zweiten Weltkrieg geschrieben,

von einer Serie von Modebildern aus dem späten achtzehnten Jahrhundert dazu angeregt, über die Idee der

sie diskutiert auch grundsätzlichere Fragen. Gibt es eine Verbindung zwischen Schönheit und Verlangen?

Schönheit nachzudenken und seinen vielleicht berühmtesten Essay zu

Wie wird ideale und reale Schönheit in Kunstwerken dargestellt und auch

schreiben. In ›Der Maler des Modernen Lebens‹ argumentiert der Dichter, dass »die Vorstellung, die der Mensch

konstruiert? Und was ist der Unterschied zwischen der Bemalung eines Gesichts und dem Festhalten eines

sich von dem Schönen macht« nicht nur in der Kleidung Spuren hinter-

Antlitzes auf der Leinwand?

lässt. Sie »bringt auf die Dauer sogar gewisse Veränderungen in seinen Gesichtszügen hervor«.

den ich früher oft hörte: »Il faut suffrir pour être belle.« Die Behauptung meiner Großmutter, dass Schönheit

In der Einleitung fiel mir ein Satz auf,

Laut Baudelaire besteht Schönheit aus zwei Teilen, einem »ewigen, un-

nur durch Leiden zu erreichen sei, ist mir immer im Kopf geblieben, obwohl

veränderlichen« und einem »relativen, zufälligen Element«. Das Zu-

sie nicht an mich gerichtet war, sondern an ihren geliebten Pudel, der das

sammenspiel aus universellem und

Fellbürsten hasste. »Leiden« ist wohl

zeitspezifischem Verständnis der Schönheit ist auch ein immer wiederkehrendes Thema von Aileen Ri­ beiros üppig illustriertem und elegant gestaltetem Buch ›Facing Beauty:

nicht das richtige Wort für die milden Schmerzen und gelegentliche Langeweile, die ich selber bisher im Namen der Verschönerung ausgehalten habe. Vor dem Ende des neunzehnten

Painted Women and Cosmetic Art‹. Ri­beiro hat nicht nur eine umfangreiche Geschichte der »Verbesserung oder Krea­ tion von Schönheit durch Kosmetik« von der Renaissance bis

Jahrhunderts hätten allerdings viele Frauen Beweise für die Wahrheit dieses alten Sprichworts erbringen können.

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Wie Ribeiro zeigt, waren viele der Inhaltsstoffe von Kosmetik sehr schäd-

Hunderten von Jahren: Schöne Haut und die Sehnsucht danach, jünger

lich. Das bekannteste Produkt, Bleiweiß, wurde hergestellt, indem

auszusehen«. Straffe und gerundete Gesichtskonturen, strahlende Augen,

Bleiplatten Essigdampf ausgesetzt wurden. Besonders dann, wenn es mit Quecksilber gemischt wurde, er-

gut erhaltene Zähne, rosige Lippen und Wangen sowie glänzendes Haar, alles Zeichen von Jugendlichkeit, er-

zeugte Bleiweiß (angeblich) eine reizend schimmernde Oberfläche, die

scheinen immer wieder in Definitionen von Schönheit. Zusammen mit

allerdings hart wurde und Mimik erschwerte. Obwohl Bleiweiß schwarze Zähne, faulen Atem, Haarausfall und

Harmonie, Symmetrie und Regelmäßigkeit scheinen sie Baudelaires ewiges, unveränderliches Element zu bil-

Schlimmeres verursachte, war es bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts im Gebrauch. Frauen wussten

den.

von den Gefahren, aber mögliche Ge-

ationen. Autoren haben den Versuch,

sundheitsschäden waren ihnen nicht so wichtig wie ein makelloser Teint. Nicht nur signalisierte dieser Wohlstand – die Besitzerin arbeitete offensichtlich nicht wie eine Bäuerin die meiste Zeit im Freien – klare und leuchtende Haut bedeuteten zugleich Jugend. Ribeiro bestätigt: »Schönheit bedeutet heute nichts anderes als vor

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Die Liste der idealen Merkmale ist lang, lässt aber genug Raum für VariSchönheit ein für alle Mal festzuhalten, nicht aufgegeben, scheiterten aber meist. Ribeiro gibt zu: »Es ist natürlich unmöglich zu definieren, was Schönheit ist – und alle Beschreibungen sind weitgehenden Interpreta­ tionen offen, wie zum Beispiel die Bemerkung von Le Corbusier von 1923, dass wir Proportionen als harmonisch


WANDEL DER FRAU

»Ich kann Schönheit nicht beschreiben, würde sie aber schon erkennen, wenn ich sie sehe.«

Annibale Romei

empfinden‚ weil sie in unseInneren über die sinnliche

Ekelschwelle. Als in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhun-

Wirkung hinaus Widerhall erwecken, gleichsam einen Resonanzboden in

derts enorme Chignons in Mode kamen, forderte das Englishwoman’s

uns zum Schwingen bringen. Spuren eines undefinierbaren Absoluten, das im Grunde unseres Wesens seit jeher

Domestic Magazine seine mittelständischen Leserinnen auf, doch von der Erwerbung von dreckigem Haar ab-

lebt’.« Annibale Romei ist zu applaudieren: Er hat im späten sechzehn-

zusehen, da es mit »kleinsten Insekten ekelhafter Art« verunreinigt sein

ten Jahrhundert behauptet, dass er Schönheit nicht beschreiben könne, sie aber schon erkennen würde, wenn

könnte.

er sie sähe. Das Streben nach Jugend führte zu allerhand merkwürdigen Praktiken

»Es gibt eine ganze Menge Dinge, über deren Abschaffung ich mich freue: Bärenfett, Taubenwasser Hautlotion,

(man könnte kosmetische Chirurgie

Urin auf der Haut, scharfe chemische

dazu rechnen). Im späten siebzehnten Jahrhundert halfen sich Frauen, die

Haarfärbemittel«. Aber nicht alles, was man früher benutzte, würde heu-

ihre Zähne verloren hatten, mit »Aufpolstern« (plumpers), runden Scheiben aus Kork, Leder oder Wachs, die

te verurteilt werden. »Lange vor Body Shop«, so Ribeiro » gab es eine große Anzahl von Lotionen und Cremes, die

sie in ihren Backen festhielten, um zu verhindern, dass diese »wie Le-

sinnvoll waren und aus Kräutern, Blumen und Früchten hergestellt wurden.

derbeutel« absackten. Manche Ideale verlangten Vorsicht oder eine hohe

Ich mag Rosenwasser, Seifen mit Olivenöl sowie Hand- und Körperlotio-

rem

Aileen Ribeiro hat ihre eigene Liste von Produkten die sie nicht vermisst:

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»Jeder Mensch besitzt eine Idealversion von sich selbst, und zieht vor, diese der Welt anzubieten.«

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nen, die Mandelmilch enthalten. Mein Lieblingsmittel ist wohl in Weißwein

Männern. Meine seit langem bestehende Faszination mit der Kleidung

abgekochte Rosmarinblüten. Damit konnte man seine Haut aufhellen,

auf Kunstwerken wird sich in Zukunft auch auf Gesichter erstrecken. Ich

oder man konnte es trinken, um seinen Atem zu versüßen!« Schönheitsflecken sind meine Kandidaten für ein

weiß ja nun, dass es nicht unbedingt der Maler war, der seinen weiblichen Modellen rosige Wange verabreichte,

Comeback. Diese kleinen Stücke aus schwarzem Taft oder Samt, manch-

sondern dass er oft nur abbildete, was die Damen selbst aufgetragen hatten.

mal in Form von Sternen oder Herzen ausgeschnitten, dienten im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert zur

Ich begann auch über meinen eigenen Gebrauch von Kosmetik nachzudenken. Was versuche ich eigentlich

Abdeckung von Narben oder Pickeln. Während ich Facing Beauty las und die Bilder anschaute, wunderte ich mich

zu erreichen? Ribeiro zitiert den englischen Autor und Karikaturisten Max Beerbohm, der glaubte, dass sich sel-

immer wieder über den weitverbreite-

ber schön zu machen ein Universal­

ten Gebrauch von »künstlicher« oder »zusätzlicher« Schönheit vor dem

instinkt sei. Die Autorin zitiert auch Jonathan Miller, wenn dieser schreibt

zwanzigsten Jahrhundert. Ich hatte fälschlicherweise angenommen, das Make-up erst vor etwa hundert Jah-

»jeder Mensch besitzt eine Idealversion von sich selbst, und zieht vor, diese der Welt anzubieten«. Der Gebrauch

ren benutzt werden »durfte«. Ich hatte auch mehr Verurteilung von Kosme-

eines Spiegels, so Miller, erlaubt es, »diese öffentlich sichtbare Fassade«

tik erwartet und war überrascht, wie oft sie gelobt wurde, besonders von

sorgfältig zu konstruieren. Der Soziologe Rudi Laermans geht noch etwas

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WANDEL DER FRAU

»Schließlich gleicht der Mensch dem, was er sein möchte.«

weiter: »die Nase pudern, Rouge oder Lippenstift auftragen, Augenbrau-

ne perlweiß. Ich werde weiterhin auf die Transformation zu einem besse-

en schwarz nachziehen« dient nicht nur dazu, eine »ersehnte Identität«,

ren (besser aussehenden) Selbst hoffen und wäre bestimmt schon fast am

sondern auch um ein »illusorisches (phantasmal) Selbstbild« zu kreieren.

Ziel, hätte ich endlich den Lippenstift in dem exakten Korallenton, der mein Gesicht vervollständigen wird. Bau-

Wenn ich potentielle Make-up-Einkäufe recherchiere oder von ihnen träume, stelle ich mir eine Anzahl von »ersehnten Identitäten« vor, nicht nur eine einzige Idealversion meiner selbst. Kosmetikprodukte erlauben es, mir verschiedene Fassaden anzumalen, um meine eigene und die Reaktion anderer zu testen. Was ich der Welt anbiete, muss nicht, aber kann, etwas mit der Person zu tun haben, die ich mir einbilde

delaire glaubte, dass die Vorstellung vom Schönen eine Veränderung bewirken kann: »Schließlich gleicht der Mensch dem, was er sein möchte.« Anscheinend von ganz allein. In Facing Beauty zeigt Aileen Ribeiro, was viele von uns schon immer vermutet haben, dass dies beinahe nie der Fall gewesen ist.

zu sein. Natürlich sind sogar meine »illusorischen Selbstbildnisse« von zeitgenössischen Idealen beeinflusst. Ich weiß, dass meine Haut makellos sein soll, meine Wimpern dunkel und üppig und meine Zäh-

FACING BEAUTY – Painted Women and Cosmetic Art von Aileen Ri­ beiro, Yale University Press. .

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WANDEL DER FRAU

Die Dechiffrierung eines Cole-Porter-Songs

DRESSING DAUGHTER FOR DINNER text BEATRICE BEHLEN

übersetzung TANJA TIMMER

Vor einigen Wochen hatte ich das Glück einen ganzen Tag im Kunst- und Designarchiv des V&A zu verbringen und

wie eine Mutter sich liebevoll – aber auch nicht ohne gewisse Kritik – der Aufgabe widmet, ihre Tochter aus ih-

in alten Pressbooks von Victor Stie-

rem Nachmittagsschlaf zu wecken

bel stöbern zu dürfen. Dabei stieß ich auf etwas Verblüffendes: Zwischen zwei Ausschnitten aus dem Februar und März 1934 war eine fremde Sei-

und für ein Abendessen im Berkeley anzukleiden. Porter bindet die Namen vieler zeitgenössischer Schönheitsprodukte und Modeerscheinungen in

te eingeklebt – leider ohne jede Da-

seinen Text ein, was natürlich sofort

tums- oder Quellenangabe. Neben einer Zeichnung von Marcel Vertès war darauf der Text eines Cole Porter

den Inspektor Columbo in mir wachgerüttelt hat – wobei Hercule Poirot hier wahrscheinlich eher der richtige

Liedes abgedruckt, das beschreibt,

Mann gewesen wäre.

Wer irgendwie an britische Ausgaben von Harper’s Bazaar aus dem Jahre 1934 kommt, sollte sich diesen Cole Porter Song unbedingt näher ansehen. Ich vermute übrigens aus gutem Grund, dass er eher in Harper’s und nicht in der Vogue abgedruckt war, dazu aber später mehr. Sehen wir uns zunächst den Text ein wenig genauer an: Wach auf mein Kind, hübsch und kokett, Ein Spritzer Floris Eau de Toilet, Und ein Perstick, neu gekauft bei Boots, Außerdem muss ein Töpfchen klein Velva Creme, und Valaze Mascara sein, Mit Eye-tebs und deinen Baby Poutz.

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Floris Eau de Toilet ist leicht zu

Ob Cole Porter von Harper’s Bazaar

recherchieren, aber ein ›Perstick‹ von

auferlegte Einschränkungen zu be-

Boots? Der Name verrät allerdings

achten hatte oder sich selbst für eine

schon viel. Ein Perstick ist ein Anti-

ausgeglichene

transpirant (engl.

antiPERSpirant)

entschieden hat, ist mir nicht be-

in fester, lippenstiftähnlicher Form.

kannt. In der fünften Zeile jedenfalls

Entwickelt wurde er vom Besitzer der

werden Produkte von Elizabeth Arden

›Feminine Products, Inc‹, New York.

und Helena Rubinstein erwähnt. Die

Marvin Small erhielt das Patent im

Crème mit dem für unser Empfinden

August 1934. In seinem Antrag zwei

vielleicht ein wenig unglücklichen

Jahre zuvor schrieb er: Entsprechend

Namen Velva wurde von Arden als

der aktuellen Erfindung liegt die Tran­

»pflegend ohne zu fetten« beworben

spiration verhindernde Mischung in

und als besonders für das vollere Ge-

fester Form, jedoch in weicher, wachs­

sicht geeignet beschrieben. Helena

artiger Konsistenz, in die Form eines

Rubinstein nutzte den Namen Valaze

verlängerten Stiftes oder Stöckchens

sowohl für ihre Produkte als auch für

gepresst vor. Sie befindet sich in einem

ihre Schönheitsinstitute (man beach-

Behälter der zugleich als Halterung für

te auch, dass sie diese nicht »Salons«

den Stift während der Anwendung als

nannte, sondern sich für den wissen-

auch als Verpackung, in welcher der

schaftlicher klingenden Begriff ent-

Stift bei Nicht-Gebrauch vollständig

schied).

umschlossen aufbewahrt werden kann,

Mit Eye-tebs sind falsche Wimpern

dient. Sie kann wie Lippenstift und an­ dere Toilettenartikel in einer Damen­ handtasche mitgeführt werden.

Markendarstellung

gemeint, auch wenn die Schreibweise ein wenig zum Rätseln Anlass gibt. In New York City konnte man sich da-

Ich weiß nicht, was Mr. Small noch al-

mals zum Beispiel im Ey-Teb Salon

les erfunden hat, aber er scheint ge-

auf der Fifth Avenue falsche Wimpern

nug damit verdient zu haben, um sich

machen lassen.

mit nur 45 Jahren zur Ruhe zu setzen.

Die Bedeutung von Baby Poutz er-

Im Jahre 1955 schrieb er ein Buch mit dem vielversprechenden Titel: Wie man mehr Geld verdient.

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schließt sich mir leider bis heute nicht. In der amerikanischen Fassung des Liedes heißt es dort Baby Touch,


WANDEL DER FRAU

was der Name eines damals erhältli-

Porters gesammelter Liedtexte (er-

chen Haarentfernungsmittels zu sein

schienen im Jahr 1983). Das sehr

scheint (das haben also nicht erst wir

englische Floris wird zum Beispiel

erfunden).

durch Coty ersetzt, Valaze wird zu

Amerikanische Version? Ja, richtig

Winx Mascara, statt Eye-Tebs fin-

­gelesen. Laut Google Books erschien

den Ne-Tebs (künstliche Fingernä-

in der US-Ausgabe von Harper’s Ba-

gel) Erwähnung und eben das oben

zaar im gleichen Jahr eine Alternativ­

genannte Baby Touch anstelle von

version. Robert Kimball (Hrsg.) zeigt

Poutz.

beide Texte in seinem Kompendium

Wurdest schwer wachgerüttelt Dein Sidecar ist bereits geschüttelt… 47

Überall auf der Suche nach Inspiration entdeckte ich in einem Roman aus dem Jahre 1927 den Schlüssel zu einem Rätsel, von dem ich gar nicht bemerkt hatte, dass es eines war. Ich dachte bei dem »geschüttelten Sidecar« handle es sich um den Beiwagen eines Motorrades, der im englischen »sidecar« genannt wird und in dem die Tochter möglicherweise zum Restaurant gebracht werden sollte. In dem Roman las ich aber, dass ein Side­car auch ein in den frühen 1920ern kreierter Cocktail ist, für den Orangenlikör und Zitronensaft in einem Mixbecher geschüttelt werden.

Ausgabe 11 | Januar 2014


Der Rest dieser Strophe bedarf ei-

In der dritten sieht es aber wieder an-

gentlich keiner näheren Erläuterung.

ders aus:

Trag die Parti-Pantiecles, (Sie animier’n die Fantasie) Sind‘s Aristoc oder Kira Sheer? Die Silhouette ist fantastisch Dank des Zweiweg-Stretch, elastisch Und der größte Hit an dir ist dein Kestos Brassière.

wurde. In der Vogue-Ausgabe vom ­­22. August 1934 wird der aus dem Zweiweg-Stretch »Lastex« (damals mit Anführungszeichen)

Kestos Brassière vorgestellt. Er

48 Abb.: Aristoc Werbung

hergestellte

wird als ideales Mieder unter Kleidern mit tiefem Rückenausschnitt, die damals besonders beliebt waren, vorgestellt. Kestos scheint die erste Firma gewesen zu sein, die einen Büstenhalter mit zwei geAristoc und Kira sind Miederwa-

renmarken. Der Name Aristoc wurde 1924 von einer Miederwarenfirma aus Nottinghamshire

angemeldet

und

wird bis heute genutzt. Unter der Marke Kira vertrieben damals Brough, Nicholson & Hall ihre Seidenstrümpfe.

formten Körbchen herstellte. Der Name leitet sich vom Cestus-Gürtel der Aphrodite ab, der die Trägerin unwiderstehlich machte. Der hier referenzierte Hersteller Kestos scheint seinen Sitz in London zu haben, der Name wurde jedoch später auch von anderen Firmen genutzt. Ende 1939

Zweiweg-Stretch scheint damals ein

überschrieb Kestos die Rechte an der

neuer Stoff gewesen zu sein, der in

Handelsmarke an W.H. Symington &

erster Linie für Unterwäsche genutzt

Co. aus Australien.

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WANDEL DER FRAU

Trag doch die Dolcis Schuhe, schau’, Nein, nicht die braunen. Wedgwood blau! Die schicke Tournüre macht den Auftritt groß. Melonenpink im Stiebel-Kleid Gehört dir Baba Beatons Neid, Den Kragen an von feinem Nerz Erweichst du sogar Monas Herz. Auch Ohrclips such dir schöne raus, Siehst ein bisschen blass noch aus. Mit Rouge ein wenig frisch gemacht und auch Mutters Herz bald lacht. Schau dich an und schwing sie stolz, Die Tasche fein aus echtem Holz, Und das Geheimnis jeder Frau, Die Changette muss mit. Genau! Die Samthandschuh in aubergine nimm’, (bei der Farb’ schmilz‘ ich selbst dahin) Der Pelz-Muff glänzt wie Mondenschein, wird Schmuck und Schutz vor Kälte sein. Zum Dinner im Berkeley darfst du’s wagen Perlen oder Glitzer auch zu tragen. Du solltest vor vierzig Minuten da sein, also los.

Die Wedgwood-blauen Dolcis Schuhe

(Seite 35): Und so stellt sich Patous

sollten eigentlich keiner Erklärung

neuste Idee dar – die Flieger-Tournüre,

bedürfen (Eleanor Blue –benannt nach

gefertigt aus steifem, durchsichtigem

Eleanor Roosevelt - Pedemode shoes

schwarzen Netzstoff. Sie verleiht den

Inc.). Die Tournüre wurde offenbar

in der heutigen Mode so unabdingba­

vom Flugwind inspiriert und im Syd-

ren Eindruck, gerade vom Wind erfasst

ney Morning Herald am 1. März 1934

worden zu sein. Heutzutage muss man

wie folgt vom französischen Coutu-

sich ständig der Gnade entweder eines

rier Jean Patou genauer beschrieben

Gegen- oder Rückenwindes aussetzen.

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Man fragt sich, wie die Trägerin sich vor

ge, ob sie beim Anblick des Kragens

dem Hinsetzen über den Saum erhebt,

eher vor Freude oder vor Entsetzen

sollte aber wohl nicht allzu viel Zeit an

geschrien hätte. Je weniger weite-

solcherlei potentiell gesundheitsge­

re Worte hier über Nerz als Kleidung

fährdende Gedanken verschwenden.

verloren werden, desto besser.

Nein, das sollte man in der Tat besser

In den 1930ern wurde es Mode, Hand-

nicht tun. In der vierten Zeile erfahren

taschen mit einem Reisverschluss

wir, weshalb diese Seite überhaupt in

auszustatten und, jedenfalls finden

Stiebels Pressbook eingeklebt war.

sich dafür einige Quellen, wohl auch,

Wassermelonenpink scheint in den

Baumrinde in Stoffen zu verarbeiten.

1930er Jahren eine beliebte Farbe ge-

Schiaparelli erzählt in ihrer Autobio-

wesen zu sein und liegt wohl irgend-

grafie ein wenig von ihrer engen Zu-

wo zwischen Fuchsia und Koralle. Das

sammenarbeit mit den »Stoffleuten«

Stiebel-Kleid, mit dem der Prota-

und beansprucht einige neue Trends

gonistin der Neid von Cecil Beaton’s

als ihr Werk, so zum Beispiel »Baum-

Schwester Baba gewiss gewesen sein

rinde, Cellophan, Stroh und sogar

soll, wird mit einem Nerzkragen ge-

Glas«. (Shocking Life, V&A Ausgabe,

tragen, der sogar Monas Herz erwei-

Seite 61). Ich halte es aber auch für

chen soll. Ich denke, Porter spielt hier

möglich, dass sie schlicht von her-

auf die Mona Lisa an. Bleibt die Fra-

kömmlichem Stoff gesprochen hat,

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WANDEL DER FRAU 1. Juni 1933: Douglas Fairbanks Jnr feiert die erste Nacht des Stücks ›Proscenium‹ im Berkeley Hotel in London (Foto von Sasha/ Getty Images) Blick auf das Berkeley Hotel vom Ritz Hotel, Piccadilly, London, 1927 aus (Foto von Edward G. Malindine/Topical Press Agency/Hulton Archive/Getty Images)

der in Form einer Baumrinde geknittert wurde. Einen solchen scheint sie nämlich in Zusammenarbeit mit dem Textilhersteller Colcombet in Lyon entwickelt zu haben. Die l’Officiel de la

zu nutzen, den man zügig hineinzu-

mode berichtet 1935 (in Ausgabe 162)

geben bzw. wieder herauszunehmen,

von einem »groben Kreppstoff«, den

beim Öffnen des Deckels jedoch vor

Colcombet unter dem Namen Écorce

dem Herausfallen zu schützen und so

d’Olivier (Rinde des Olivenbaumes)

insgesamt zu verbergen wünscht.«

vorgestellt habe. 1938, aber damit al-

Das Patent wurde 1933 präzisiert. Die

lerdings zu spät, um als Inspiration für das Lied gedient zu haben, schuf Schiaparelli ein Kleid aus bedruckter Seide, die an Baumrinde erinnerte. Und was ist eine Changette? Im Juli 1932 reichten Nina Skidelsky aus Stratford, Connecticut und Woldemar A. Barry aus New York eine Patentschrift für eine Brosche mit Behälterfunktion ein und erläuterten, dass »obwohl unsere Erfindung als Münzhalter beschrieben wurde, ist sie im Rahmen dieser Erfindung doch als Behältnis für jedweden Gegenstand

abgebildete Zeichnung wurde mit dem späteren Antrag eingereicht. Nun ist die Tochter also bereit, sich ins Berkeley Hotel aufzumachen, das sich damals an der Ecke Piccadilly und Berkeley Street befand, fast direkt gegenüber des Ritz Hotels in London. Beatrice Behlen ist Senior Curator, Fashion & Decorative Arts im Museum of London. Lies ihren Blog hier .

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Untertitel

FRAUEN IM HEADING IN TWO COLOURS PORTRÄT text NAME Anton Graff

52

Inf os

zur

Abbi

ldung

Über 2000 Gemälde, über 800 verschie­dene Gesichter, über 80 Selbstbildnisse: Dies ist das beachtliche Oeuvre des Schweizer Malers ­A nton Graff (1736-1813). Als wohl prominentester ­Porträtzeichner seiner Zeit schuf er Werke, die in ihrer bildnerischen Aussagekraft, psychologischen Tiefe und handwerklichen Präzision ihres­gleichen ­suchen.

text: Robert Eberhardt sister-mag.com


WANDEL DER FRAU

Graff avancierte zum Schöpfer des bürgerlichen Frauen- und Männerporträts im Deutschland des 18. & 19. Jahrhunderts. Kaum ein Regent, Staatsmann, Dichter oder Künstler fehlt in der langen Liste der von ihm porträtierten Personen. Noch bis Ende Februar läuft in der Alten Nationalgalerie Berlin die Ausstellung »Gesichter einer Epoche«. Anlässlich des 200. Todestages des Künstlers erschien 2013 im Wolff Verlag ein Band, welcher Gemälde Graffs mit Texten von Schriftstellern und Wissenschaftlern zum Sujet vereint. Für sisterMAG schreibt Verleger Robert Eberhardt über die Frauenbildnisse in Anton Graffs künstlerischem Werk. Edelmütig und musisch blicken sie

wegen seiner bildnerischen Empa-

drein, auch selbstbewusst und keck

thie gelobt, die nicht nur ein Gesicht

scheinen manche der Damen, die der

ins Bild setzte, sondern eben auch

Bildnismaler Anton Graff (1736-1813)

von Charakterzügen der Porträtierten

porträtierte. Die Bilder des Sächsi-

spricht und dem Betrachter das Ge-

schen Hofmalers besaßen beinahe

fühl gibt in beseelte Augen zu schau-

Kultstatus und jede hochgestellte

en, anstatt auf eine Leinwand mit

Persönlichkeit wünschte ein bleiben-

Farb­pigmenten.

des Abbild ihrer selbst von dieses

Das ausgehende 18. Jahrhundert be-

Künstlers Händen gemalt zu bekommen. Einige ließen auch das Kostbarste kunstvoll auf Leinwand bannen, das sie in ihrem oftmals durch Amtsgeschäfte oder Handelstätigkeit profanen Leben zu schätzen wussten: ihre Liebe, ihre Frau.

saß eine regelrechte Porträtmanie, denn die zu Selbstbewusstsein gekommene Bürgerschaft tat es dem Adel gleich und ließ sich eine Ahnen- oder Familiengalerie malen. Viele Porträts übersteigen dabei die rein repräsentative Funktion und wol-

So sind uns bis heute zahlreiche Meis-

len in einer Zeit der Empfindsamkeit

terstücke von Graff’schen Damen-

mehr ein Erinnerungsstück an das

porträts erhalten, die in dem etwa

eigene Leben oder dasjenige der Fa-

2000 Werke umfassenden Oeuvre des

milie sein. Graff illustrierte in vielen

Dresdners einen beachtlichen An-

Damenporträts die Hochschätzung

teil einnehmen. Graff wird bis heute

gegenüber der Frau, die freilich ohne

Ausgabe 11 | Januar 2014

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rechtliche Gleichstellung daherkam.

vorstellte. Die Mehrzahl

Allerdings spricht aus den Gemälden

der Damen zeichnete

nicht weniger Liebe und Sorge als es

eine Interessantheit,

in heutigen Beziehungen der Fall sein

Weltweite und Geis-

mag.

tigkeit aus – denn

Die erste Strophe von Schillers Ge-

auch wenn keine

dicht »Würde der Frauen« könnte emblematisch unter die Graffschen 54

Frauenbilder geschrieben werden:

Ehret die Frauen! sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben, Flechten der Liebe beglückendes Band, Und in der Grazie züchtigem Schleier Nähren sie wachsam das ewige Feuer Schöner Gefühle mit heiliger Hand. Überblickt man die Graffschen Frauenporträts, dann fällt freilich ihre privilegierte Stellung auf, ihre adlige oder wohlhabende Herkunft, die ihnen immer auch eine Ausbildung und Entfaltung erlaubte. Viele von ihnen vermochten genau das zu werden, was sich ein Mann der damaligen Zeit unter einer inspirierenden Muse

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Form der höheren Bildung und Tätigkeit für das weibliche Geschlecht existierte, wussten die im Familienkreis mitunter besser ausgebildeten Damen sehr wohl ihre Fähigkeiten, ja schlummernde Überlegenheit auszuspielen. Im Mantel der Unscheinbarkeit und Machtferne vermochte manches weibliche Geschöpf alle Karten zugunsten ihrer eigenen Wünsche und Gelüste zu spielen. Die Biographie der lebensfrohen Elisa von der Recke (1754-1833) mag dafür ein Beispiel sein: die deutschbaltische Dichterin wurde nach dem Scheitern einer Pflichtehe Freimaure-


WANDEL DER FRAU

Anton Graff: Elisa von der Recke (1754-1833), 1789, Institution: Alte Nationalgalerie

rin und hing verschiedenen

betonenden Kleid und einer auf ihrem

religiösen

angewinkelten Arm gestützten Kopf-

Schwärmereien

haltung, als hecke sie einen nächsten

an, was als Kehr-

Plan für die Männerwelt aus.

seite einer ver-

Viel zurückhaltender und edler ge-

nunftsfixierten Aufklärungszeit gesehen

wer-

den darf. In dieser Phase lernte sie 1779 den Grafen Alessandro

Cagliosto

kennen, der als Alchimist und Hochstapler durch Europa tourte. Mit diesem Liebhaber rechnete von der Recke schließlich mittels einer Streitschrift ab, was ihr eine lebenslange Zahlung von Katharina der Großen einbrachte. Dank dieser weiblichen »Brüderlichkeit« konnte sie fortan ein kunstsinniges Leben in gebildeter Gesellschaft in halb Europa verbringen und sich vor allem im Kreise der Berliner Aufklärung tummeln. Graffs Bild zeigt sie mit einem ihr Dekolleté

kleidet erscheinen ihre Standesgenossinnen, die drei Schwestern von Vieth und Golßenau auf einem 1773 von Anton Graff gemalten Porträt (siehe Seite 124 oder auf Kamerasymbol klicken). Als eine geschwisterliche Einheit blicken uns die drei jungen Frauen in größter Anmut an und präsentieren sich in einer unberührbar erscheinenden Zurückhaltung. Graff konnte in diesem Bild seine Fähigkeit in der Darstellung von Stoffen und Farbnuancen beweisen und schuf damit das vielleicht schönste Gruppenporträt seiner Epoche. Das Bild ist kompositorisch perfekt angelegt – die Posen der jungen Damen bergen eine Spannung, hinter der die Intimität ihrer Jugend kokett verborgen und doch angedeutet wird. Niemand

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anderes als Graff hätte die drei Töch-

Hof engagierte sie sich für Bedürftige

ter des kursächsischen Geheimen

und verfasste kleinere theologische

Kriegsrats und Zeremonienmeisters

Schriften wie Übersetzungen. Mit ih-

Johann Julius von Vieth und Golße-

rem Schicksal befriedet blickt sie aus

nau exzellenter in Szene setzen und

dem Graffschen Gemälde sanftmütig

diesen schönen Töchtern Saxonias

und versöhnt den Betrachter an.

ein ewiges Denkmal errichten kön-

Wer die große Anton Graff Ausstel-

nen.

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lung in der Alten Nationalgalerie

Weniger ungezwungen, dafür auf-

durchschreitet (noch bis 23.02.2014

geladen von historischer Bedeutung

in Berlin, Ausstellungs-Website

und einem nicht ganz einfachen Le-

und, den Originalen gegenüberste-

bensschicksal, erscheint das Porträt

hend, mag vor manchen Bildern die

der preußischen Königin Elisabeth

Reize der illustren Frauen und ihre

Christine als Witwe. Graff malte die

von weichen Stoffen umhüllte Erotik

74-Jährige, die 18-jährig mit Kron-

empfunden haben. Doch noch älter

prinz Friedrich verheiratet worden

als diese Gemälde, nämlich beinahe

war, drei Jahre nach dessen Tod. Kin-

250 Jahre, wären die Mädchen und

derlos blieb die Ehe der beiden, der

Frauen heute alt und ihre Anmut un-

keine emotionale Nähe beschieden

ter Falten begraben. So schreitet der

war. Meistens lebten sie getrennt: er

jetzige Mann hinaus auf die belebten

in Potsdam, sie in Berlin. Trotz der

Einkaufsstraßen

distanzierten Beziehung behielt die

Hauptstadt und bemüht sich in man-

Königin stets eine bewundernde und

cher in enge Jeans (die eigentliche Ar-

anerkennende Haltung gegenüber

beitshose der Cowboys) gezwängten

ihrem Gatten, der für sie nicht erst

Frau die in sanften Tüchern gehüllte

als Alter Fritz ein kauziger und ent-

Muse zu imaginieren, was dann von

rückter Partner gewesen sein muss.

Zeit zu Zeit wohl auch gelingen soll.

Neben ihren Routineaufgaben am

sister-mag.com

RE

der

)

gegenderten


WANDEL DER FRAU

PRINZESSIN ELISABETH CHRISTINE VON PREUSSEN

Auszug aus dem Band »Anton Graff – Porträt eines Porträtisten«

text: Anna Seidel

1733 wurde Prinzessin Elisabeth

eingenommen hatte. Sie füllte ihre

Christine von Braunschweig-Bevern

Rolle als Königin, wenn auch fern des

(1715–1797) mit Kronprinz Friedrich

Königs, mit der Übernahme der Rou-

von Preußen […] verheiratet. Diese

tineaufgaben am Berliner Hof aus.1

Heirat ging auf die Väter der Braut-

Sie befasste sich mit kleineren Schrif-

leute, König Friedrich Wilhelm I. von

ten und Übersetzungen theologischer

Preußen […] und Herzog Ferdinand

Abhandlungen und trat insbesonde-

Albrecht II. von Braunschweig-Wol-

re durch Zuwendungen an Bedürfti-

fenbüttel […] zurück, die in freund-

ge hervor. Nach 53 wenig glücklichen

schaftlichem Verhältnis miteinander

Ehejahren, die Elisabeth Christine zu-

verbunden waren und mit der Ver-

meist getrennt von ihrem Gatten ver-

mählung ihrer Kinder diplomatische

bracht hatte, verwitwete sie im Jahr

Interessen verfolgten. König Fried-

1786. Sie überlebte Friedrich II. um

rich II. pflegte keine emotionale Nähe

mehr als ein Jahrzehnt.

oder persönliche Bindung zu seiner

Aus den ersten Jahren der Witwen­zeit

Ehefrau. Doch sind Äußerungen von ihm überliefert, die annehmen lassen, dass er ihrem Charakter Respekt zollte und sich bewusst war, in welchem Maße er sich auf ihre Loyalität verlassen konnte. Elisabeth Christine wiederum bewahrte sich ihm gegenüber die zugewandte, verständnisvolle und bewundernde Haltung, die sie seit dem ersten Treffen mit Friedrich

stammt ihr Porträt von Anton Graff.2 Die Darstellung vereint Repräsenta­ tion und physiognomische Ähnlichkeit mit psychologischer Charakterisierung. So vermittelt sie ein eindringliches Bildnis der einstmaligen Königin, die durch eine heute übermalte Bildunterschrift als Dargestellte ausgewiesen wurde. […] Elisabeth Christine greift mit ihrer rechten Hand in eines

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von zwei

eine starke persönliche

le d e rg e -

Präsenz der Porträtierten.

bundenen Büchern,

die

auf

dem Beistelltisch liegen. Diese Bän58

de verweisen auf ihre literarischen Interessen und die von ihr verfassten Übersetzungen.

Graff verstärkte die Intensität des Porträts, indem er Sessel, Tisch, Vorhang und nicht zuletzt auch die Figur der Sitzenden selbst großzügig anschnitt. Er malte dieses Bildnis mit einer reduzierten Farbpalette: Schwarz,

Graff porträtierte Elisabeth Christine

Weiß und Blau sind nur um das stau-

in Witwentracht. Die Säume ihrer Ja-

bige Graugrün des Hintergrundes und

cke und ihres Mantels aus schwarzem

ein erdiges Rostrot für die Buchein-

Samt sind breit mit Hermelin abge-

bände erweitert. Rosa und Rot finden

setzt. Dicke, schwarze Seidenschlei-

sich in Inkarnat und Lippen p ­ unktuell

fen schmücken die Ärmel. Ein feines,

wieder. Die lebendige und zarte Wir-

weißes Tuch bedeckt den Ausschnitt,

kung der hellen, rosigen Haut von

weiße Spitze ragt an den Handgelen-

Gesicht und Händen wird durch den

ken hervor. […] Elisabeth Christines

Kontrast mit den dunklen Farben von

feine Gesichtszüge drücken Sanftmut

Kleidung und Vorhang verstärkt. […]

und konzentrierte Beobachtung aus.

Graffs Schreibkalender von 1789 ist

Ihre leuchtend blauen Augen sind unmittelbar auf den Betrachter gerichtet. Dieser direkte Blick vermittelt

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eine Notiz zu entnehmen, die von der Entstehung des Gemäldes der Königin Elisabeth Christine von Preu-


gen i t h c esi b nd u u z n t e de is önhaus l ä Gem ss Sch rliner s a D chlo l der Be sichter S im t Tei »Ge h g c n i n ellu he« t s s Au poc E r eine

Anton Graff: Königin Elisabeth Christine von Preussen als Witwe, 1789, Öl auf Leinwand, 148 x 98 cm, Schloss Schönhausen, Berlin, Eigentum des Hauses Hohenzollern, SKH Georg Friedrich Prinz von Preußen, SPSG

ßen als Witwe berichtet.3

Der

Maler bereitete das Porträt bei einem kurzen

WANDEL DER FRAU

1 Biskup, Thomas: »The hidden Queen: Elisabeth Christine of Prussia and Hohenzollern Queenship in the Eighteeth Century«, in: Queenship in Europe 1660-1815. The role of the Consort, hg. v. Clarissa Campbell, Cambridge 2004, S. 300-321, S. 307, 314-15.

Juli 1789 in Berlin ein, wurde je-

2 Anton Graff, Königin Elisabeth Christine von Preußen als Witwe, 1789, Öl auf Leinwand, 148 x 98 cm, SPSG, GK I 1202 (Schloss Schönhausen). Muther, Carl Albert Richard: Anton Graff, Leipzig 1881 (zugl. Diss. Leipzig), S. 75, Kat. Nr. 99; Vogel, Julius: Anton Graff. Bildnisse von Zeitgenossen des Meisters in Nachbildungen der Originale, Leipzig 1898, S.26-27, Taf. 9; Waser, Otto: Anton Graff von Winterthur. Bildnisse des Meisters, Winterthur 1903, S. 47; Berckenhagen, Ekhart: Anton Graff. Leben und Werk, Berlin 1967, S. 105, Nr. 259. Ich danke Alexandra Bauer für die Unterstützung meiner Recherche.

doch erst im folgenden Jahr mit

3 Muther, Carl Albert Richard: Anton Graff, Leipzig 1881 (zugl. Diss. Leipzig), S. 75, Kat. Nr. 99.

sechzehn ­Louis d’or bezahlt.5 Ihm

4 Muther, Carl Albert Richard: Anton Graff, Leipzig 1881 (zugl. Diss. Leipzig), S. 33-36.

Aufenthalt in Berlin vor, unmittelbar bevor er auf eine Professur an der Dresdner Akademie berufen wurde.4 Das Gemälde traf im

wurde große Anerkennung zuteil: Das Bild wurde noch 1789 in der Kunstakademie in Berlin ausgestellt6 und in mehreren Kopien vervielfältigt.7 […] Das Bildnis der Königin Elisabeth Christine von Preußen als Witwe von Anton Graff begründete somit eine eigene Porträttradition innerhalb der Darstellungen dieser Königin.

AS

5 Briefe Daniel Chodowieckis an Anton Graff, hg. v. Charlotte Steinbrucker, Berlin und Leipzig, 1921, S. 61, 66-69, 71, 75. 6 Im Katalog der Ausstellung 1789 Kat.-Nr. 34, so Berckenhagen, Ekhart: Anton Graff. Leben und Werk, Berlin 1967, S. 105, Nr. 259. 7 Zwei Kopien in Öl auf Leinwand in Weimar und auf Hampton Court sind dokumentiert: Berckenhagen, Ekhart: Anton Graff. Leben und Werk, Berlin 1967, Nr. 260 und 261. Ausst.-Kat. Anton Graff 1736–1813, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin 1963, S. 86, Nr. 41 (Inv. Nr. G 37); Slgs.-Kat. The Royal Gallery of Hampton Court, Ernest Law, London 1898, S. 185, Nr. 512.

Anna Seidel, M.A., ist Wissenschaftliche Volontärin am Herzog Anton UlrichMuseum Braunschweig und Lehrbeauftragte an der HBK Braunschweig. Ausgabe 11 | Januar 2014

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1861

1898

1987

1907 1918 2007

60

1937

1777

1978

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1866


WANDEL DER FRAU

FRAUEN IM WANDEL DER ZEIT

Texte von Anna Schmalfuß (AS) und Victoria Kau (VK)

Das Frauenbild prägt nicht nur das Leben und Aussehen der Frauen in einer Epoche. Genauso bestimmen herausragende Frauenfiguren das Frauen- und Schönheitsideal ihrer Zeit. Veränderungen wurden oft von Vorreiterinnen erkämpft und personifiziert. Sie werden damit Vorbilder für alle anderen Frauen und stehen für den Geist einer Zeit. Nachfolgend wollen wir euch in sechs Kurzbiographien Frauen vorstellen, die in den vergangen fünf Jahrhunderten das Frauen- und Schönheitsbild ihrer Zeit prägten und damit auch zur Symbolfigur für die Epoche wurden. Ihr Einfluss wurde dabei in verschiedenen Bereichen sichtbar: Politik, Wirtschaft oder Film. Der Einfluss der englischen Königin Elisabeth I. auf ihr Land und ihre Untertanen zeigt sich schon darin, dass das Zeitalter ihrer Regentschaft »Elisabethanisches Zeitalter« genannt wird. Ihr politisches Geschick führte England in eine Blütezeit. Als Frau schaffte sie auch ein neues Schönheitsideal, welches ihren Ruf als die »Jungfräuliche Königin« untermalte. Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin, genannt Veuve Clicquot, gilt als eine der ersten Karrierefrauen der Geschichte. Sie prägte

die Welt des Champagners durch Innovationen in der Herstellung und neue Marketingmethoden. Den Konven­ tionen ihrer Zeit widersetzt sich Lou Andreas-Salomé, indem sie nicht heiratet, sondern Zeit ihres Lebens nach Unabhängigkeit und Wissen strebt. Golda Meir drückte der Politik ihrer Zeit den Stempel auf, indem sie maßgeblich an der Gründung des israelischen Staates beteiligt ist und verschiedene Positionen in Regierung und Diplomatie innehält. Zur selben Zeit war Elly Beinhorn eine der populärsten deutschen (Kunst-) Fliegerinnen. Sie umrundete in ihrem Flieger in den 1930er Jahren einmal den Erdball. Wie kaum eine andere symbolisierte Rita Hayworth das Schönheitsideal der 1940er. Interessant daran ist, dass das Bild, welches wir heute von ihr haben, durch Schönheitsmittel und Kosmetik kreiert wurde.

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Elisabeth I., eigentlich Elizabeth Tudor, wurde auch bekannt als »Die jungfräuliche Königin« (The Virgin Queen oder The Maiden Queen) und war von 1558 bis an ihr Lebensende 1603 Königin von England, weshalb noch heute diese Ära als Elisabethanisches Zeitalter bekannt ist.

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Bild: De Agostini/ Getty Images

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WANDEL DER FRAU

Als Tochter König Heinrichs VIII. und seiner zweiten Ehefrau Anna Boleyn war Elisabeth I. zunächst keine glorreiche Zukunft beschieden, da man auf einen Thronfolger gehofft hatte. Heinrich VIII. ließ wenige Jahre nach der Geburt Elisabeths die Ehe wegen angeblichen Ehebruchs annullieren und Boleyn wurde hingerichtet. Bis sie zehn Jahre alt war, galt Elisabeth als illegitime Tochter des Königs. Erst seine sechste und letzte Gemahlin nahm sich ihrer an und ließ sie an der Ausbildung ihres jüngeren Halbbruders teilnehmen. So erhielt die junge Elisabeth, die eine große Begabung für Sprachen, Musik und Philosophie zeigte, eine intensive protestantisch-humanistische Bildung. Nach dem Tod ihrer katholischen Halbschwester Maria I. trat Elisabeth im Alter von 25 Jahren die Herrschaft Englands an. Sie drängte den durch Maria wieder eingeführten Katholizismus zurück und stellte die Anglikanische Staatskirche wieder her. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern zeigte sie sich dennoch als recht tolerant in Religionsfragen. Ihre Untertanen bewunderten sie als Meisterin der Rhetorik, wie ihr Vater war sie von scharfem Verstand, unbeugsam, egozentrisch und eigenwillig.

Aber Elisabeth war auch eine eitle Monarchin mit einer Vorliebe für kostbaren Schmuck, eine ausufernde Garderobe und rote Perücken. Es heißt, ihre extreme Blässe verdankte sie der großzügigen Verwendung von hochgiftigem Bleiweiß. Ihre Höflinge hatten ihr stets mit den ausgesuchtesten Komplimenten zu schmeicheln. Doch der Nationalkult Englands um ihre Person ist natürlich nicht nur ihrer Extravaganz geschuldet. Während ihrer Regentschaft erlebte das Land trotz des zunehmend puritanischen Einflusses eine Blütezeit der Kunst, Literatur und Musik. Zeit ihres Lebens war Elisabeth niemals vermählt. Es lag ihr fern, ihre Macht als Königin mit einem Gatten zu teilen, nichtsdestotrotz nutzte sie Eheversprechen als diplomatisches Mittel. Am Hofe wurden ihr zahlreiche Liebschaften nachgesagt, einen legitimen Nachfolger gab es jedoch nicht. Über die Jahre stilisierte sie sich zur »Jungfräulichen Königin«. Als sie 1603 verstarb, verschwand somit das letzte Mitglied der Tudor-Dynastie. Maria Stuarts Sohn Jakob I. trat ihre Nachfolge an. Mit »ihrem« England hinterließ ihm Elisabeth I. einen mächtigen und nationalbewussten Staat.

AS

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Sie war eine der ersten Karrierefrauen der Geschichte. Im Alter von 27 Jahren 체bernahm sie die Leitung des Champagnerhauses ihres verstorbenen Mannes. Mit cleveren Marketingstrategien und einem H채ndchen f체r Innovation brachte sie die Marke zu Ruhm und Erfolg.

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WANDEL DER FRAU

Barbe-Nicole Ponsardin wird 1777 in

tung ihres Weines. Auf der Suche nach

Reims geboren. Als Mädchen erlebt

einer Methode, um den Champagner

sie den Ausbruch der Französischen

möglichst klar werden zu lassen, entwi-

Revolution, in der ihr Vater, ein reicher

ckelt sie gemeinsam mit ihrem Keller-

Textilhändler, rege involviert ist. Um sie

meister die Technik des Degorgierens.

von den Geschehnissen fern zu halten,

Dabei werden die Flaschen kopfüber in

bringt er sie für einige Zeit bei einer

Löcher auf einem Rüttelpult gesteckt,

Schneiderfamilie unter. Als sie heim

so dass sich die Hefe im Flaschenhals

kehrt und ihre gute gesellschaftliche

sammeln und vom klaren Champagner

Stellung zurückerlangt, bittet François

getrennt werden kann. Ihre Methode ist

Clicquot, Sohn eines Weinhändlers, um

so gut, dass sie von Fälschern nach-

ihre Hand.

geahmt wird. Doch die Veuve Clicquot

Das wohl kalkulierte Eheglück währt

wehrt sich erfolgreich. Eine weitere ih-

nur kurz – 14 Tage nachdem ihre einzi-

rer Errungenschaften ist die gekonn-

ge Tochter Clémentine zur Welt kommt,

te Platzierung ihrer Marke: Das gelbe

stirbt der junge Mann an einem hefti-

Etikett ihres Champagners ermöglicht

gen Fieber. Sein Vater will das Geschäft

eine klare Identifizierung ihres Produk-

verkaufen, doch die Witwe »Veuve Clic-

tes über Ländergrenzen hinweg.

quot« widersetzt sich seinem Ent-

Über die Jahre erwirbt die äußerst tüch-

schluss und übernimmt die Geschäfte.

tige Geschäftsfrau immer mehr gut ge-

Damals vertreibt die Marke ca. 100.000

legene Weinberge. Im Jahr 1820 expor-

Flaschen im Jahr.

tiert ihr Haus 175.000 Flaschen im Jahr. Schwierigkeiten

1822 eröffnet sie die Bank Veuve Clic-

bringt die junge Frau das Champag-

quot Ponsardin & Cie, deren Geschäf-

nerhaus rasch zu Erfolg. Ihre Strategie,

te ebenfalls hervorragend laufen. Die

zahlreiche Handlungsreisende in die

Grande Dame de Champagne, die sich

Welt zu entsenden, zahlt sich aus: Sie

für ihre Tochter ein konventionelleres

exportiert ihren Champagner an alle

Leben wünscht und sie gut verheira-

Herrschaftshöfe Europas. Die Qualität

tet, stirbt 1866 in dem von ihr erbauten

ihres Produktes ist dabei ihre höchste

Schloss in Boursault. Auch heute noch

Priorität. Eigenhändig kümmert sie sich

gehört ihr Champagner zu den bekann-

um die Lagerung und Weiterverarbei-

testen Marken der Welt.

Nach

anfänglichen

VK

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Bevor sie 23 wurde, hatte sie bereits drei ­Heiratsanträge abgelehnt – letzteren von niemand geringerem als Friedrich Nietzsche. Ihre Unabhängigkeit war der begehrenswerten Intellektuellen immer wichtiger als Eheglück und Konvention.

1861 als Tochter eines Generals in St. Petersburg geboren, wuchs Louise – genannt Lou – in einer wohlhabenden und kulturinteressier-

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ten Familie auf. Früh schon setzt sich Louise mit Glaube und Philosophie auseinander. Ihr Studium der

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WANDEL DER FRAU

Theologie, Philosophie und Geschich-

niemals miteinander schlafen. Bis zu

te in Zürich muss sie früh wegen ei-

seinem Tode akzeptiert er ihre Unab-

nes Lungenleidens abbrechen. Doch

hängigkeit und ihre Beziehungen zu

in den folgenden Jahren lernt sie auf

anderen Männern.

ihren Reisen zahlreiche Intellektuel-

Lou veröffentlicht während ihres Le-

le kennen, die sie Zeit ihres Lebens

bens zahlreiche schriftstellerische

beeinflussen werden, darunter den

Werke, die jedoch heute im Schatten

deutschen Philosophen und späteren

ihrer außergewöhnlichen Lebensge-

Arzt Paul Rée, mit dem sie für eini-

schichte stehen. 1897 lernt sie den

ge Jahre in Berlin zusammen wohnt

Studenten René Maria Rilke kennen,

– ihre Beziehung bleibt jedoch ihrer-

der sich auf ihren Rat hin in Rainer

seits rein platonisch. Er ist es auch,

umbenennt und mit dem die 36-Jäh-

der sie mit Nietzsche bekannt macht,

rige wohl ihre ersten sexuellen Erfah-

welcher sich in Lou verliebt. Sie hin-

rungen macht. Die Liebesbeziehung

gegen ist nur an geistigem Austausch

der beiden währt bis 1901; danach

interessiert und weist ihn zurück.

bleiben sie befreundet.

Während ihres Lebens lernt Lou im-

1910 kommt Lou in Kontakt mit der

mer wieder Männer kennen, die sich

Psychoanalyse. Sie nimmt teil an der

stark zu ihr hingezogen fühlen. Sie ist

von Sigmund Freud gegründeten Psy-

attraktiv, klug und wissbegierig. Sig-

chologischen Mittwochsgesellschaft

mund Freud nennt sie in einem Brief

und eröffnet schließlich eine eigene

ein »Frauenzimmer von gefährlicher

psychotherapeutische Praxis in ihrem

Intelligenz.« Einmal heiratet sie 1887

Wohnhaus in Göttingen. Mit 61 Jahren

den fünfzehn Jahre älteren Orien-

wird sie in die Wiener Psychoanalyti-

talisten Friedrich Carl Andreas – zu-

sche Vereinigung aufgenommen.

vor hatte er sich aus Verzweiflung an-

1937 stirbt Lou Andreas-Salomé kin-

gesichts ihrer Abfuhr vor ihren Augen

derlos an Brustkrebs. Als freie Frau,

ein Messer in die Brust gerammt. Be-

die jede Konvention scheute und ih-

vor sie heiraten, muss er versprechen,

rem unabhängigen Geist stets treu

auf jede sexuelle Annäherung zu ver-

blieb, ist sie noch heute Vorbild für

zichten. In der Tat werden die beiden

Frauen auf der ganzen Welt.

VK

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Golda Meir war eine israelische Politikerin, die zwischen 1956 und 1965 als Außenministerin des gerade neu gegründeten Staates tätig war. Sie ist bis zum heutigen Tage zudem die einzige weibliche Ministerpräsidentin Israels (1969 bis 1974). sister-mag.com

Foto: Getty Images

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WANDEL DER FRAU

Golda Meir verlebte ihre Kindheit im ben 2000 Jahre gewartet. Nennen Sie antisemitischen Russland. Im Alter von das überstürzen?« 8 Jahren verließ sie gemeinsam mit ih- Nur vier Tage nach ihrer Rückkehr rer Mutter und den beiden Schwestern wohnte Golda Meir der Proklamaihre Geburtsstadt Kiew und folgte dem tions des Staates Israel als Mitglied Vater in die Vereinigten Staaten. Gegen

der Provisorischen Regierung bei und

den Willen der Eltern besuchte Golda

war in den folgenden Jahren als Bot-

Meir eine weiterführende Schule und schafterin in der Sowjetunion, später wurde schließlich Lehrerin. Sie be- als Leiterin des Arbeits- und Außengann sich politisch zu engagieren und ministeriums tätig. Die Gründung der wurde Mitglied der zionistischen Or- Arbeitspartei 1968 geschah unter ihrer ganisation Poale Zion. 1921 emigrierte

maßgeblichen Beteiligung. 1969 wurde

sie mit ihrem Mann Morris Meyerson

Meir mit 70 Jahren zur Ministerpräsi-

nach Palästina und zog nach einigen dentin von Israel gewählt. Während ihJahren im Kibbuz Merchavia schließ- rer Amtszeit stand Meir immer wieder lich nach Jerusalem, wo ihre beiden

in der Kritik unnachgiebig und wenig

Kinder geboren wurden. Wenige Jahre

kompromissbereit zu agieren. Trotz

später war sie bereits aktives Mitglied einer schweren Regierungskrise nach der Gewerkschaft Histadrut. Zwei Jah- dem Jom-Kippur-Krieg 1973 wurde sie re verbrachte sie als Abgesandte der wieder gewählt. Einen Monat später Pioneer Women’s Organization in den trat sie zurück und verzichtete fortan USA und warb um Unterstützung für auf jedes politische Engagement. die Unabhängigkeitsbestrebungen der

Golda Meir war eine der mächtigsten

Juden. Als Leiterin der Vertretung der Frauen und die »Eiserne Lady« IsraJuden in Palästina verhandelte sie mit els. Ihr unerbittlicher Einsatz für die der britischen Besatzungsmacht. Als

zionistische Sache verlangte auch ih-

Araberin verkleidet reiste Golda Meir

rem Privatleben viel ab. »Es gibt die-

1948 nach Jordanien und führte dort

sen Typ Frau, der nicht daheim bleiben

ergebnislose Friedensgespräche mit kann. Ihre Natur verlangt nach mehr, König Abdullah I. Als dieser ihr riet, mit als Kinder und Familie ihr geben könder Gründung Israels nichts zu über- nen. [...] Für diese Frau gibt es keine stürzen, antwortete sie ihm: »Wir ha- Ruhe.«

AS

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Elly RosemeyerBeinhorn war eine der popul채rsten deutschen (Kunst)Fliegerinnen des 20. Jahrhunderts, die v.a. durch ihren Alleinflug nach Afrika von sich reden machte.

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WANDEL DER FRAU

Als sich die einundzwanzigjährige

Cerro während ihrer Landung in Lima

Elly Beinhorn um Aufnahme an der

bat, ihn auf ihrem Weiterflug mitzu-

Sportfliegerschule in Berlin bemüh-

nehmen, da er sich unbeliebt und in

te, wollte ihr Vater sie von einem Ner-

Gefahr wähnte. Sie musste ableh-

venarzt untersuchen lassen. Dass sie

nen. Ihre letzte Etappe über den At-

Auto fuhr, war schon unerhört. Den

lantischen Ozean absolvierte die Pi-

Einwänden der Eltern und den ver-

lotin schließlich mit dem Schiff, und

meintlich schlechten Aussichten für

nur sieben Monate nach Beginn der

weibliche Piloten zum Trotz trat sie die Ausbildung an und erwarb 1929 ihren Pilotenschein. Im Auftrag des Dresdner Museums für Völkerkunde startete sie nur zwei Jahre später zu einer Fotoexpedition nach Westafrika - allein, ohne Funk und Radar. Als sie über Umwege wieder in Berlin landete, hatte die Berliner Zeitung Elly Bein­horn bereits zu einer Berühmtheit gemacht. Bereits im Dezember 1931 Jahr trat Elly Beinhorn ihren historischen Alleinflug um die Welt an. Eine »Klemm L 26« brachte sie mit 80 PS über den Balkan nach Indien und über Südostasien nach Australien. Der Flug über den Pazifik nach Südamerika war für ihre Maschine zu weit, so wurde sie zerlegt und in Einzelteilen nach Pana-

Reise kam sie in Berlin an. Es folgten zahlreiche weitere Flüge nach Afrika, ­Asien und Amerika. 1936 heiratete Beinhorn den Autorennfahrer Bernd Rosemeyr, die Fliegerin und der Rennfahrer wurden zum deutschen Traumpaar der 1930er Jahre. Nur zwei Jahre später, kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes, starb Rosemeyer bei einem Weltrekordversuch. Aus einer weiteren kurzen Ehe entstand eine Tochter. Da Elly Beinhorn Mutter zweier kleiner Kinder war, blieb ihr während des Zweiten Weltkrieges der Einsatz in der Luftwaffe erspart. Dank ihres unbeschadeten Rufs als Fliegerin arbeitete sie nach dem Krieg als Sportfliegerin, Journalistin und Fotografin.

ma verschifft. Südamerika überquer-

Mit 72 Jahren gab Elly Beinhorn ih-

te sie wieder mit ihrem Leichtflug-

ren Pilotenschein zurück. Nach rund

zeug. Beinhorn berichtete, dass sie

5000 Flugstunden »war es ja an der

der peruanische Präsident Sánchez

Zeit.«

AS

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Foto: Getty Images

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Die Welt ergötzte sich an ihrer Garderobe, ihr Foto zierte als Maskottchen amerikanische Bombenflieger und über ihre Liebesbeziehungen wurde mehr geschrieben als über so manchen Erfolgsroman. Rita Hayworth drehte über 50 Filme und galt als Liebesgöttin von Amerika.

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WANDEL DER FRAU

Das Bühnentalent wird Margarita

flussreichen Regisseur Orson Wel-

Carmen Cansino bei ihrer Geburt im

les und den pakistanischen Prinz Aly

Jahr 1918 wohl in die Wiege gelegt.

Khan, der einen Ruf als Playboy ge-

Ihr Vater, der Tänzer Eduardo Cansi-

nießt. Von diesen beiden Ehemännern

no, nimmt sie schon früh mit zu sei-

bekommt sie jeweils eine Tochter,

nen Tanzvorführungen, wo sie ein

alle ihre Ehen werden jedoch wieder

Hollywood-Produzent entdeckt und

geschieden. Über ihre Verhältnisse

zu Probeaufnahmen einlädt. Nach-

mit Männern sagt sie einmal: »Jeder

dem sie zunächst mehrere Nebenrollen spielt, nimmt sie den Mädchennamen ihrer Muter an und wird im Alter von 21 als Rita Hayworth mit dem Film S.O.S. Feuer an Bord an der Seite von Cary Grant berühmt. Im Laufe der Jahre dreht sie einen Film nach dem anderen und etabliert sich als eine der gefragtesten Hollywoodstars ihrer Zeit. Dank ihrer Schönheit und erotischen Ausstrahlung ist sie zudem neben Betty Grable das beliebteste Pin-up-Girl der US-amerikani-

Mann, den ich kannte, verliebte sich in Gilda, aber wachte mit mir auf.« Der Ruhm und das Ausmaß ihrer Rolle in der Presse und Öffentlichkeit überfordern Rita Hayworth bis zum Ende ihres Lebens 1987. Sie war in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, privat gilt sie als zurückhaltend. Mit ihrer Rolle als Filmstar und Erotik-Idol mag sie sich übernommen haben. In einem Interview bemerkt sie: »Ich hatte nicht alles im Leben.

schen Soldaten. 1946 dreht sie den

Ich hatte zu viel!«

Film, der ihr Image als Schauspiele-

In ihren letzten Lebensjahren er-

rin und Liebesgöttin für immer prä-

krankt Rita Hayworth an Alzheimer,

gen soll: In dem Film Noir Gilda ver-

ihre jüngere Tochter Yasmin Aga

körpert Rita eine betörende Tänzerin,

Khan nimmt sie zu sich und pflegt sie

die Männer um den Verstand bringt.

bis zu ihrem Tode im Jahr 1987. In

Neben ihren Rollen auf der Leinwand

Gedenken an ihre Mutter gründet sie

und zahlreichen Postern und Post-

die »Rita Hayworth Galas«, auf denen

karten wird sie auch für ihr Liebes-

jährlich Spenden für die Erforschung

leben weltberühmt. Fünfmal heiratet

der Alzheimer-Krankheit gesammelt

Rita in 21 Jahren, darunter den ein-

werden.

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Seine naturwissenschaftliche Neugier führte Johann Wolfgang von Goethe zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Farben. Schon die Lyrik seiner wilden Sturm- und Drang-Zeit zeichnete sich durch eine intensive Farbigkeit aus, indem er Sprachbilder reich an Kolorierungen er-

Robert Eberhardt

fand. Später baute er optische Versuchsanordnungen auf, mit denen er Phänomenen von Licht, Schatten und Farben untersuchen wollte. Diese Beschäftigung des weimarischen Geheimrats war weit mehr als ein Steckenpferd und überraschte die Zeitgenossen, die seine Thesen zu seiner Enttäuschung meist ablehnend aufnahmen.

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Kathrin Greyer


FARBKREIS

Goethes Anliegen war nichts weni-

mung. Sein breites Interesse und

ger, als zu Ansichten Issac Newtons

sein Anspruch, etwas ganzheitlich zu

vom Beginn des 18. Jahrhunderts

durchdringen und sich anzueignen,

Stellung zu nehmen bzw. diese zu

zeigen sich damit auch in diesem Teil

widerlegen. Dies misslang ihm, denn

seines Werkes geprägt von unermüd-

Goethes These – dass Farben aus dem

lichem Streben und Wirken.

Wechselspiel von Licht und Dunkel-

Die bekannteste Zeichnung Goethes

heit entstehen – stimmt im Gegensatz zu jener Newtons – dass das weiße Licht alle Farben enthält – nicht. Bis heute beachtet sind hingegen seine Beobachtungen zur Wahrnehmung von Farben, zu ihrer Wirkung in der Malerei und zur Farbsymbolik, die er vor allem als alter Mann entwickelte. Gerade während seines Aufenthaltes in Italien fragte Goethe ausgehend vom Licht der dortigen Landschaften und seiner Darstellung in der Malerei nach dem Wesen und der Entstehung der Farben.

aus der »Farbenlehre« ist zweifellos der 1809 angefertigte Farbenkreis, der zwar eigentlich nur ein Lehrbild darstellt, in seiner Struktur und seinem Kolorit aber selbst jede Wand als Kunstwerk schmücken könnte. In der aquarellierten Federzeichnung stellt Goethe in einem Ring (denn die innere Mitte des Kreises ist weiß belassen) die sechs reinen Mal- und Komplementärfarben dar und unterteilt den Kreis in zwei Bänder. Den äußeren teilt er in vier Sektionen mit den Begriffen »Vernunft«, »Ver-

Viele Jahre beschäftigte sich der

stand«, »Sinnlichkeit«, »Phantasie«.

Dichter mit dieser Materie, um dem

Goethe meinte, die gewählten Farb-

Wesen von Farben nachzuspüren

spektren würden sich auf jene Berei-

und den Antworten seiner Zeit wei-

che menschlichen Seins auswirken

tere hinzuzugeben: was sie sind, wie

bzw. ihnen zugeordnet sein. Im inne-

sie funktionieren, was sie bewirken.

ren Band charakterisiert er die Far-

Er widmete sich den physikalischen

ben : rot sei »schön«, orange »edel«,

Bedingungen ebenso wie ihrer sinn-

gelb »gut«, grün »nützlich«, blau

lichen Erscheinung und Wahrneh-

»gemein« und violett »unnötig«.

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ches erinnert einen an abstrakte Farbstudien. Goethe entwickelte seine Gedanken durch Anschauung und war ein genauer Beobachter, der vom Gesehenen ausgehend abstrahierte. Er hasste aufwändige Apparaturen

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und war in diesem Sinne ein Purist, denn er glaubte an die unmittelbare sinnliche Erfahrung der Natur. Eindrücklich zeigt sich Goethes Beschäftigung mit Farben und sein bedächtiger Umgang mit ihnen in seinem Wohnhaus am Weimarer Frauenplan. Goethes »Farbenlehre« lohnt auch heute noch der Lektüre, gibt sie doch Einblick in eine andere Form wissenschaftlichen Denkens und Schreibens und ist anhand der geschilderten Experimente nachvollziehbar. Die

Der Dichter lebte mehr als vierzig Jahre in dem Haus, das er nach und nach umbaute, indem er die Zimmer entsprechend der künstlerischen wie öffentlichen Aufgaben gestaltete. Die unterschiedliche Farbfassung der Räume fällt jedem Besucher auf, der

handgezeichneten Illustrationen zu

offenen Blicks über die knarrenden

den Thesen sind ansprechend, man-

Dielen schreitet. In jedem Raum ver-

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FARBKREIS

mittelt sich durch die Farbwahl ein

Meer gleich kommen mag, was sym-

Sentiment, das intuitiv Ge- oder Miss-

bolisch wie praktisch der Funktion

fallen weckt. Die vielseitige Farbigkeit

des Raumes als Ausstellungsort von

der Räume ist keine Besonderheit

weißen Skulpturen entspricht bzw.

des Dichterhauses – die bürgerlichen

den Werken einen kontrastierenden

Wohnräume der Zeit um 1800 sind

Hintergrund verleiht. Sein eigenes

stets farbig gehalten. Ein Weiß, wie

Arbeitszimmer hielt Goethe in einem

es die letzten Jahrzehnte als »nor-

kalkigen Grün, eine unaufgeregte

male« Wandfarbe dominierte, gab es

Farbe, die das kühle Denken fördern

in damaligen Wohnräumen selten. In

sollte.

Goethes Haus sind die Farben freilich

Goethes Ruf als Naturwissenschaft-

nicht zufällig, sondern wurden von

ler begründet sich hauptsächlich in

ihm bewusst gewählt, um die Funk-

seinen theoretischen Überlegungen

tionen der Räume zu unterstreichen,

zu Farben, die er 1810 unter dem Ti-

bestimmte Gefühle zu wecken oder

tel »Zur Farbenlehre« publizierte – in

ästhetische Wirkungen zu erzielen.

einer Erstausgabe von 500 Stück auf

Goethes Empfangs- und Esszimmer

weißem und 250 Stück auf grauem

ist beispielsweise gelb gehalten, weil

Papier. Viel eigenes Geld hatte er in

dies die Stimmung und Lebendig-

die Forschung gesteckt, denn etwa

keit steigern sollte. Das sogenann-

43 Jahre arbeitete er daran. Die Zeit-

te Brückenzimmer ist in einem Blau

genossen nahmen seine Untersu-

gestrichen, das einem griechischen

chungen mit Interesse und Achtung

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entgegen, wobei sich seine Ansichten

Künstler seiner Zeit wie Philipp Otto

gegen die etablierte Theorie von Isaac

Runge und William Turner. Zuletzt

Newton nicht durchsetzen konnten

bezogen sich Lehrer und Schüler des

und er im physikalischen Teil irrte.

Weimarer Bauhauses auf Goethes

Dass seine Ansichten von den Fach-

Farb-Positionen und transferierten

kollegen nicht geteilt wurden, nahm

sie in eine Kunst, die zur Goethezeit

der durch Kritik zu reizende Groß-

weit entfernt liegt. So ist sein Buch

dichter zum Anlass, seinen Kampf

trotz wissenschaftlicher Fehler eine

gegen die technisierte moderne Na-

Hommage an das Sehen und die Far-

turwissenschaft zu führen und an

bigkeit des Lebens.

eine postume Anerkennung seiner Arbeit zu glauben. Er selbst schätzte seine Erkenntnisse zur Farbenlehre sehr hoch ein und sah gar seine literarischen Leistungen 80

hinter diesen Ergebnissen zurückstehen. Mit seinen Positionen beeinflusste er schließlich auch bildende

FA C

EB K BO

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»Goethe und Farben«


FARBKREIS

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le Scho l i n a k V ol n l e ad d n

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Farb Pam

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text und fotos Arace li von V arita Cake Design Ausgabe 11 | Januar 2014


Zutaten

Zubereitung

Für den Biskuitboden:

4 Eier

400 g Zucker

380 g Mehl

1 TL Weinsteinback- pulver ein paar Tropfen Vanilleessenz 60 g gehackte Mandeln

70 g Schokolade

einen Schuss Khalúa

Für die Buttercreme: 82

200 g Puderzucker

80 g ungesalzene Butter

35g - 55g Kakao

25 m Khalúa

Für die Dekoration: Rollfondant (z. B. von BackFun.de) in verschiedenen Farben

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Rezeptkarte

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1. Das Eiweiß steif schlagen, langsam den Zucker und das Weinsteinbackpulver dazugeben. Danach die Dotter und das Mehl zugeben, zuletzt die Vanilleessenz, die Mandeln und einen Schuss Khalúa unterrühren. 2. Den Teig in drei Portionen teilen und in runde Backformen (Durchmesser 15cm) geben. 3. Für die zweite Schicht des Teiges werden 25g Schokolade dazugegeben und für die dritte Schicht 45g. 4. Die Böden dann circa 45min bei 180°C backen und abkühlen lassen. 5. Für die Buttercreme den Puderzucker, die Butter und den Kakao mixen, bis es zu einer gleichmäßigen Masse wird. Zuletzt den Khalúa hinzugeben und unterrühren. 6. Die unteren zwei Schichten mit etwas Puderzucker bestäuben und darauf die Buttercreme verteilen und die Böden vorsichtig aufeinandersetzen. 7. Das weiße Rollfondant ausrollen, über die Torte legen und vorsichtig anpassen. Für den Farbkreis die einzelnen Teile ausrollen, zuschneiden und auf der Torte anordnen.


FARBKREIS

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Untertitel

HEADING IN TWO COLOURS text NAME

s u x u L 's t b i g Im Februar ! n l e g ä N n e d f au 84

encrusted Teil 1 – Die Lacke sisterMAG stellt essies neue Limited Edi­ tion ­"Encrusted" vor – die sechs luxuriösen 3D-Struktur-Lacke. Fotos Zoë Noble | Outfits Evi Neubauer | Styling

Anna Czilinsky, Kim Angermann, Lena Schleweis Infos und Links zu allen Beteiligten auf Seite 110

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„Die kostbaren encrusted-Lacke heben Nail-Art auf ein n ­ eues Level in Sachen Finesse und Geschmack. So bringen die opulenten, trendigen Texturen all die schillernden Facetten des Luxus direkt auf die Fingerspitzen.“ 85


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Floralpunks Pom Pom Ohrringe

Ein wahres Schmuckstück auf den Nägeln: ­b elugaria ist ein kaviar-schwarzer Nagellack, durchzogen mit Glamour-Partikeln wie Glitzersteinen und Minipailletten. Ein Relief-Lack, der perfekt

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zum Ausgeh-Outfit (Seite 114 ) von ­Alexandra passt.

Download belugaria Smartphone-Wallpaper

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1 Fernola Kleid mit Schmuck am Ausschnitt (Ted Baker) 2 Jade Diamond Drops (BaubleBar)

3D-Tupf-Technik mit Relief-Lack: Belugaria ist ein besonders texturreicher Lack. Deshalb tupft man ihn sanft im Abstand von ca. 30 Sekunden auf die Nägel – so entsteht der unvergleichliche 3D-Effekt. Für ex­ tra l a n g­a n h a l te n de n Farb-Luxus

sor-

gen zwei Schichten. Und für noch

4 Ohrstecker Diana (Floralpunk)

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3 Nagellack "Belugaria" (essie)

Nagellack „belugaria“

6 Stiefel BLINK (Nelly.com)

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5 Feabee Kleid (Ted Baker)

mehr

Dramatik:

drei, vier, fünf ... ­Schichten!


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Download peak of chic DesktopWallpaper

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Den "Gipfel des Chics" erklimmt Hannah mit ­essies winterlichfunkelnder Nagellack-Farbe:

peak of chic ist eine ­Kreation aus Alpin-Weiß, durchzogen von holographisch facetten­ reichem Glitzer.

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2 Pa i l l e t t e n - S t r i c k p u l l

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mps e Pu hloe ern C Silb See By

ic" h c f o k a pe " k ac l l ction e e l l o g C Na usted 1 ncr ie s s e E v on

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Diamant

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4 Avia t o r B r i l l e v o n Ra y - B a n

6

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Nagellack „peak of chic“

hrrin ge B a u bleBar: Ice A ztec Dr ops

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Hors d’oeuvres, on a silver platter, ignite the night, lots of lux und peak of chic sorgen durch changierende und schillernde Partikel für einen glamourösen Look. Sie kann man wie gewohnt auftragen. Zwei Schichten sorgen für den extra langanhaltenden Farb-­Luxus, drei Schichten für noch mehr Glamour. 95

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1 Blaue Pumps in Jeans-Optik mit facettierten Schmuck­steinen am Absatz (Nelly)

Nagellack

„lots of lux“

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6 Bogenförmige Ohr7 ringe als Stecker (Floralpunk) ­Bl Schm (Floral

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2 Dunkelblaue Samt-Pumps (Nelly)

4 Sapphire Aria Drops (BaubleBar)

7 Transparentes Armband mit lumenmuck lpunk)

3 Nagellack "lots of lux" (essie)

5 Kleid mit Schößchen und Einsatz (Topshop)

Eine besonders edle Komposition ist lots of lux : Die Facetten des Lichts fängt dieser Nagellack in luxuriös schimmerndem Lapislazuli-Blau ein.

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Zur aufwendig bestickten Bomberjacke haben wir hors d'œuvres ­kombiniert, denn der platin-goldene Nagellack mit changierenden Silber-Partikeln wirkt – in mehreren Schichten aufgetragen – wie pures Gold auf den Nägeln. Wer die Jacke dagegen mit blauen Details anfertigt, sollte mit on

a ­s ilver platter kombinieren: Ein sanfter Violett-Glimmer an Perlmutt-schimmerndem Gold, gespickt mit antikem Silber.

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1 Bomberjacke in Schwarz & Gold (Nasty Gal)

2 Satinröschen zum Besticken (Heikes Kramkiste via Dawanda)

3 Goldene Pumps: Georgia Rose (Malas via sarenza.de)

4 Nagel­lack "on a silver platter" (essie) 5 Nagel­lack "hors d'œuvres" (essie)

ld & o G n i k c ) a e b d . g y n l i l l e 6 S : Candy (n W eiß

7 Glitzer-Pumps: Mellow Yellow (Mask via sarenza.de)

8 Goldene Armbanduhr (Marc by Marc Jacobs via asos.com)

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Floralpunks Chunky Crystal Ohrringe

Mix and Match: Der Look Als Basis ein helles Rosa (z.B. sugar daddy oder mademoiselle) auftragen und gut trocknen lassen. Jetzt beginnend ab der Nagelmitte eine Schicht hors d'oeuvres wie gewohnt auftragen, trocknen lassen und dann die Nagelspitzen noch einmal nachziehen. So entsteht ein edler Glanz-Verlauf.

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n e W " k c o r l Tül e 46) 3 pac (S

4 Ro c k "

Coast C o rd e l i a " (John Le wis)

d y"

„hors d'œuvres“

2 Nagellack "sugar daddy" (essie)

1 Nagellack "hors d'œuvres" (essie)

5 D-Ring Schnür­ sandalen von River Island (nelly.com)

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6 Floral Pulitzer Drops (BaubleBar)

7H

e l l ro s pulli a Strick(Ted B aker)

8 Ku

rzer Str

ickpullo v er (Topshop) Ausgabe 11 | Januar 2014


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Der Name "ignite the night" verspricht nicht zu viel: Der Nagellack mit schimmerndem Metallic-Glanz und fein-mattem Finish entz체ndet (ignite = etw. entz체nden / entfachen) ein Feuerwerk an Luxus auf den N채geln. Doch auch im Alltag kann er getragen werden, wie Sarah auf dieser Doppelseite zeigt. Besonders toll sieht die Kombination mit Silberschmuck aus, wie mit unserer Kette aus Murano-Glas.

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FARBKREIS

Ho

1 K u r z e r Ro c k i n ik (Monki) t p o z n a l g ch

2 Tai lleng optik ürtel (A SO in S t ra S) u ßen

-

„ignite the night“ 3 Nagellack "ignite the night " (essie)

4 Hakea Armreif mit Perlen (Anthropologie)

5 Westernstiefel Sendra Boots 2073 023 in Braun/Tan (Fashion Boots)

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i n e

beluga

t h g

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encrusted Klick auf die Farbe im Farbkreis, um zum entsprechenden Look zu springen.

chi

c

l

x u l f o ots

Kollektion 2014

on a si

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r e t t a l p r e lv

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of

k a pe

hors

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d'oeuvres

Fotografie

Zoë Noble Assistenz: Anna Nesterenko

Nail Artists

Fotos:

Behind the Scenes:

Cristopher Santos

Styling – Kleidung Evi Neubauer

Styling – Makeup & Haar

Anna Czilinsky & Kim Angermann Tag 2: Lena Schleweis Tag 1:

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Fingerbang Berlin Alice ­McColm

Models

Hannah , Alexandra , Lydia ­Magdalena , Sarah Annabell Sara Layout & Konzeption

Thea Neubauer & Tina Bergs


FARBKREIS

www.essie.de

111

Download lots of lux und belugaria Wall足 paper f端r Desktop und Tablet

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Untertitel

HEADING IN TWO COLOURS text NAME

112

EO SCHAUT DAS VID ESSIE VO N U N S E R E M G A N! PHOTOSHOOTIN

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Fotos diese Doppelseite: Cristopher Santos


E !

FARBKREIS

encrusted Teil 2 – Die Outfits

113

Inspiriert von essies "Encrusted"-Nagellacken (siehe Seite 84) hat sisterMAG Modeexpertin Evi passende Outfits entworfen und für euch sieben exklusive Schnitte zum Nachnähen und Herunterladen vorbereitet. FOTOS: Zoë Noble OUTFITS: Evi Neubauer STYLING: Anna Czilinsky

, Lena Schleweis , Kim Angermann SCHMUCK von Floralpunk.com VIDEO: Cristopher Santos Ausgabe 11 | Januar 2014


Alexandra kommt aus Köln und arbe Marketing Managerin in eine

DAS ERLEBN

sisterMAG kannte ich schon eine Wei Thea auf Instagram (@asjafashionlover dann erst habe ich die Verbindung zw Account und der Zeitschrift gezogen Shooting und obwohl ich genau dies doch schwieriger, als man sich im ers

NAGELLAC

Ich besitzt unglaublich viele Na mindestens 2mal in der Woche e am liebsten klassisc

114

ALEXAND BL ACK LU

DAS OUTF

Perfekt zum Ausgehen: das kastenförmigem Ausschnitt w bestickt und Strassstei Download Schnitt 1 Minikleid

STIEFEL : Buffalo | A ­Beautiful Rivet Bracelet sister-mag.com


FARBKREIS

eitet als Office bzw. em Start-up.

NIS

ile und dann hat mich r ) angeschrieben und wischen ihrem privaten n :). Es war mein erstes s erwartet hatte, ist es sten Moment vorstellt.

CK

agellacke und trage eine neue Farbe auf – ches Rot!

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DR A UXURY

FIT

s Hängerchen mit wird vorn mit Perlen inen beklebt. 11/1 für Samt-­ d.

Mini­ kleid

ARMBAND : t von Floralpunk Ausgabe 11 | Januar 2014


HANNAH WHITE ON WHITE 116

Hannah ist 24 Jahre alt und studiert in Maastricht. Auf ihrem Blog PinkGoldGlam schreibt sie über Mode, Beauty, Food und die vielen anderen schönen Dinge des Lebens.

Falten­ rock

DAS ERLEBNIS Bei „richtigen“ Models sieht das immer sehr leicht aus, aber ich hatte schon erwartet, dass das nicht so einfach ist!

NAGELLACK Ich lackiere mir eigentlich immer die Nägel – natürlich nicht täglich, aber bis die Farbe nicht mehr schön aussieht und dann kommt gleich eine Neue drauf, am liebsten ein dunkles Rot.

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DAS OUTFIT Unser DIY-FALTENROCK glänzt und schimmert beim Laufen: Mit Textilfarbe werden die Oberseiten der Falten bemalt: Download Schnitt 11/2 für den Faltenrock. Paillettenbesetzer PULLOVER : DAY Birger et Mikkelsen, SALE € 79,95 via Zalando Silberne PUMPS : Vintage SCHMUCK – alles Floralpunk Kette: Stella Diamond Pearl Necklace; Ohrringe: Diamond Drop Earrings, € 7,50

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Magdalena kommt ursprünglich aus Süddeutschland, lebt aber bereits seit 7 Jahren in Berlin. Sie betreibt den Blog Hoard Of Trends : schreibt über Mode, zeigt ihre Outfits und was man online Schönes finden kann oder was sie sich selbst gekauft hat. Nebenbei arbeitet sie im Verkauf.

DAS ERLEBNIS Sonst fotografiert mich mein Freund. Daher bin ich es zwar gewohnt, vor der Kamera zu stehen, jedoch war es eine neue Situation, dass so viele Menschen zusehen und an einem "arbeiten", aber es hat sehr viel Spaß gemacht.

NAGELLACK Ich trage IMMER Nagellack. Ohne fühl ich mich fast schon nackt! Am liebsten mag ich Rot, dabei eher dunklere Töne wie Weinrot, oder Schwarz. Da meine Outfits auch sonst eher dunkel sind, passt das gut. sister-mag.com


FARBKREIS

MAGDALENA DENIM LADY

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DAS OUTFIT Ganz ladylike ist das Jeanskleid in figurbetonter Form! Besonderer Coup: der Matrosenkragen und R端ckenausschnitt in quadratischer Form.

Download

Schnitt 11/3 f端r Jeanskleid

SCHUHE

: Alexander Wang

HANDTASCHE

: Louis Vuitton

Jeans足 kleid


LEGERER LYDIA LOOK Lydia lebt in Darmstadt und studiert Online-Journalismus an der h_da. Bereits sechs Jahren ist sie mit ihrem Modeblog LydiaLucia.de im Netz unterwegs. 120

DAS ERLEBNIS Shootings habe ich schon häufiger mitgemacht, man fotografiert sich für den Blog natürlich auch häufiger bzw. lässt sich fotografieren. Mir hat aber die entspannte Atmosphäre beim Shooting viel Spaß gemacht.

NAGELLACK Ich trage auch im "normalen" Leben immer Nagellack, meine Lieblingsfarbe ist sogar von essie und heißt "Watermelon". sister-mag.com


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Bomber­ jacke

DAS OUTFIT

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Lässiger Look mit einer selbstgemachten, bestickten Bomberjacke und einer Bügelfaltenhose mit PatchworkAufnähern im Stil von Céline.

Download Schnitt 11/4 – Bomberjacke Download Schnitt 11/5 – Bund­faltenhose PUMPS in Weiß & Gold BLÜTEN

Bundfalten­ hose

: Nelly.com

zum Aufnähen: Dawanda.com

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SARA BY ROSE CHEER CHANCE Sara schreibt für Magazine und Online-Sites über Mode und Trends. Sie wohnt derzeit in Stockholm, nachdem sie – ebenfalls als Modejournalistin – lange Zeit in Los Angeles gelebt hat. Man kann ihr auf Instagram (@sara_che_ ) folgen. Sie kuratiert zudem den Tumblr Haute Trendencies

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DAS ERLEBNIS

Ich kenne sisterMAG und die beiden Schwestern durch Instagram. Wir haben unter den Bildern immer mal wieder geplaudert und dann bekam ich plötzlich eine eMail mit der Einladung nach Berlin

NAGELLACK

Ich verlasse das Haus nie ohne Nagellack. Ich hab verschiedene Lieblingsfarben, abhängig von der Sais Jedoch würde ich wohl immer ein starkes Pink trage

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FARBKREIS

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DAS OUTFIT Der luftige Lagenrock und die rosa Strickjacke könnten leicht zu süßlich wirken, weshalb High Heels, z.B. schwarze Schnürsandalen, ein Must-­ Have für diesen Look sind!

n

h n!

be son. en.

Lagen­ rock

Download Schnitt 11/6 für Lagenrock SANDALEN STRICKJACKE

: Nelly.com : Filippa K.

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Sarah ist eine echte Ur-Berlinerin und hat gerade in der Hauptstadt ihr Studium beendet. Nebenher schreibt und fotografiert sie auf dem Blog Sanzibell

DAS ERLEBNIS

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Vor der Kamera zu stehen war definitiv ungewohnt, deshalb war ich auch ziemlich nervös. Ich mache erst seit ca. einem halben Jahr Fashion-Bilder und dies meistens mit meinem Freund zusammen.

NAGELLACK Ich trag auch im normalen Alltag ganz gern Nagellack. Am liebsten trage ich rote Töne: Pink, helles Rot und im Generellen helle Töne. Lack­rock

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WESTERN STORY SARAH DAS OUTFIT Den Glanz vom Lack nimmt unser Rock aus schwarzem Lackstoff wieder auf. Während Bluse und Cowboy-Stiefel sowie der breite Vintage-Gürtel leger wirken, ist die luxuriös glitzernde Kette ein echter Hingucker.

Download Schnitt 11/7 – Lackrock COWBOYSTIEFEL Fashion Boots

:

GÜRTEL : Vintage KETTE : Privat, gekauft bei ­Ortrun Cholet in Freiberg/Sachsen HERRENHEMD mit ­Stehkragen: Jacques Britt

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D HI A V S EN B U I L N N bil E de T rJ B OR E E LL DAN N OY J . D

te x tC

R A EN D S A U

die im Bild eingefangen und festgehalten werden. Historische Fotos hinterlassen mit ihren ausgeblichenen Bildern und abgegriffenem Papier oft Spuren ihres Alters, genau wie die abgebildeten Menschen, Orte und Momente über die Jahrzehnte hinweg zu verblassten Erinnerungen werden. Und dennoch kann die Technik des Kolorierens alte Fotografien verjüngen und ihnen neues Leben einhauchen, indem sie Schwarz-Weiß-Fotografien in vollen Farben erstrahlen lässt. Kolorieren ist zu einem richtigen Trend geworden. Museen und historische Gesellschaften durchforsten nach und nach alte Archive und nutzen immer mehr nachkolorierte Bilder für Ausstellungen. Beliebte Internetseiten zeigen die Arbeiten von Spitzenkünstlern und Meilensteine der Geschichte werden mit nachkolorierten Fotos gefeiert. So tat es zum Beispiel das amerikanische National Public Radio, das mit einer Sammlung von nachkolorierten Bildern dem 50. Jahrestag des Marsches auf Washington gedachte.

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längst vergangene Momente in den Händen,

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AR

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Beim Durchstöbern alter Fotos hält man


FARBKREIS

DI AZ 127

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BADEND SCHÖNH E EITEN 1905, Jer se y Sho USA , re, v on D etroit Publis hing C o.

arz-w eiß

om c . y p r o Version von Sh yd o l L . J . J n o v t k olorier Bilder sind mit diesem Linksymbol versehen. Ein Klick bringt Euch zum Original bzw. Posting von Jordan J. Lloyd.


128

Bildbearbeitungsprogramme

haben

te. Auch wenn es nur für einen kurzen

es Fotoliebhabern erleichtert, sich im

Augenblick ist. Farben helfen dabei die

Kolorieren ausprobieren zu können,

Zeitspanne zu überbrücken und er-

jedoch ist die Technik an sich nichts

möglichen dem Betrachter eine tief-

Neues. Die manuelle Nachkolorie-

greifende Erfahrung, besonders bei

rung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen

historisch bedeutenden Ereignissen«,

per Hand gibt es bereits seit dem 19.

sagte er.

Jahrhundert und somit seit Beginn

Im Gegensatz zur Restauration, bei

der Fotografie. Jordan Lloyd, einer der Kontributoren für das NPR Projekt

,

ist der Ansicht, dass das Hinzufügen von Farbe die Bilder auf eine Art und Weise wieder aufleben lässt, die es dem Betrachter ermöglicht, die Geschichte mit neuen Augen zu sehen. »Durch das bloße Ansehen wird man selbst zum Teilnehmer von etwas, an dem man zuvor gar keinen Anteil hat-

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dem versucht wird ein Bild in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, wird das Bild bei der Kolorierung so verändert, dass ein Element hinzugefügt wird, das im Originalbild nicht vorhanden ist. Kolorierung beginnt mit der Restauration, die das Entfernen von Kratzern, Farbstichen etc. beinhaltet, um das Bild, soweit es geht, in seinen Originalzustand zu-


MARSCH AUF WASHINGTON Blick auf die riesige Menschenmenge vom Lincoln Memorial zum Washington Monument.1963

FARBKREIS

Original von Warren K. Leffler / Library of Congress

rückzuversetzen, bevor Farbe aufge-

Um die originalgetreuen Farben he-

tragen wird. Was die meisten Künstler

rauszufinden, muss sich der Künst-

an dieser Technik jedoch fasziniert,

ler über den Zusammenhang im Kla-

ist die Begabung die Fotos farbig so

ren sein, in dem das Bild fotografiert

darzustellen, wie sie zum damaligen

wurde. Hier spielen zum Beispiel das

Zeitpunkt ausgesehen haben könnten.

Jahr oder der genaue Ort eine wichti-

Lloyd erläutert: »Abgesehen davon,

ge Rolle. Der Künstler sucht also nach

dass ich etwas über die Hintergründe

Hinweisen, die in eine konkrete Rich-

des Fotos erfahren möchte, ist es mein

tung für die Kolorierung weisen könn-

Ziel eine authentische Interpretation

ten, wie beispielsweise die Uniform

dessen zu geben, was der Fotograf

eines Soldaten, die ihn zu einem noch

zum Zeitpunkt der Aufnahme durch

erhaltenen Exemplar führen könnte,

seinen Sucher gesehen hat.« Um ein

oder Werbung, die im Hintergrund zu

solches Höchstmaß an Authentizität

sehen ist. Nachdem die Fotografie re-

erreichen zu können, bedarf es einer

stauriert wurde und eine Farbpalette

gründlichen Recherche, dem zweiten

durch den historischen Kontext be-

Schritt des Bearbeitungsprozesses.

stimmt werden konnte, werden dann mithilfe eines Bildbearbeitungspro-

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GY482 MAGNOLIA Kolorierung von a b&w photo 1948, Grimsby, United Kingdom.

130

gramms wie Photoshop mehrere Schichten Farbe über die Graustufen des Fotos gelegt. Der Künstler trägt dabei eine Schicht nach der anderen auf und färbt somit nach und nach verschiedene Bereiche des Bildes ein, angefangen bei der Kleidung und dem Hautton bis hin zu kleinen Details und dem Hintergrund. »Das Hinzufügen mehrerer Farbschichten bewirkt eine tiefere Farbstruktur und trägt dadurch zu einer realistischeren Wahrnehmung bei«, so Lloyd. Nachdem der Künstler die Farbschichten aufgetragen hat, müssen diese an den Hintergrund und die Lichtver-

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ES WIRD NICHT BESSER ALS DAS! Herbst 1941, Jackson, Michigan, Arthur Siegel


FARBKREIS

hältnisse im Bild angepasst werden, um ein in sich stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Neben den Fertigkeiten und der Ausrüstung benötigt man für das Kolorieren auch jede Menge Geduld. Lloyd beschreibt den Bearbeitungsprozess als eine für jedes Bild einzigartige Transformation: »Selbst für die einfachsten Porträts benötigt man einen halben bis ganzen Tag. Gruppenfotos, die draußen aufgenommen wurden

Kolorierung eines schwarzweiß Negativs, mit freundlicher Genehmigung der Library of Congress

oder Beschilderungen beinhalten, können auch eine ganze Woche dauern. Für komplexe Stadtmotive benötigt man mindestens eine, eineinhalb Wochen.« Im Kolorie-

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UNION CAPT. CUNNINGHAM, 1863 August 1863, Bealeton, Virginia, Fotograf unbekannt

Union Kapitän Cunningham paradiert neben dem Kommandozelt. Cunningham war Teil des Mitarbeiterstabs von Brigadegeneral Thomas F. Meagher, der während des Bürgerkrieges das weitgehend irische Kontingent befehligte. Einige Details lohnen weitere Untersuchung, da das Foto im August 1863 aufgenommen wurde, obwohl General Meagher im Mai des Jahres seinen Rücktritt erklärte.

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FARBKREIS

rungsprozess steckt jede Menge

gut recherchiert wurde. Durch das

Liebe und Hingabe für das Stand-

Hinzufügen von Farbe kann keine

bild und die Kraft, die es besitzt,

authentischere Darstellung der

Nostalgie zu erzeugen und die Er-

Geschichte geschaffen werden.

innerung zu prägen.

Es kann jedoch dazu anregen,

Und dennoch ist das Endprodukt

sich mit der Geschichte, mit dem

lediglich eine Interpretation und

kollektiven Gedächtnis auseinan-

grundsätzlich nur eine Anpassung

derzusetzen und zeigt, wie wichtig

der Originalfotografie. Es gibt Kri-

es ist, die Richtigkeit historischer

tiker, die an der Unversehrtheit

Ereignisse für den Betrachter zu

des Originalbildes festhalten und

hinterfragen. Und deshalb stür-

die Einfachheit nicht gutheißen,

zen sich Künstler des Kolorierens

mit der man mithilfe von digita-

in die Archive und erwecken Ge-

ler Technologie Bilder verändern

schichte zu buntem Leben. Pixel

kann. Denn es ist egal, wie

für Pixel.

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TAUBENFÜTTERER 1955 wahrscheinl. New York City, by Vivian Maier

Folgt Jordan J. Lloyds Arbeit: DYNAMICHRONE

Lest den Blog der Autorin: SMALL SIGHT von Carly Diaz


Untertitel

HEADING IN TWO COLOURS text NAME

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SYMBOLE: The Noun Project Smoothie: Jaclyne Ooi Zitrone: Abby Milberg

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Mixer: Simon Child 


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Konzeption & Fotos

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rezept

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Rote Beete

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Goji-Beeren

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N

Granatapfel

Him足b eeren

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R

Mandelbl채ttchen

Blaubeeren

Chia Samen

J

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rezept

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Ausgabe 11 | Januar 2014


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Kiwi rezept

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FARBKREIS

Spinat

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L imetten

M

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G

Gr端nkohl

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M

Blau足b eeren

Lila 142

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Brombeeren

rezept

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FARBKREIS

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r e e b m s o Br oko i h K ot

S

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I Mandelsplitter 143

Ausgabe 11 | Januar 2014


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M ango

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Zitronen 144

Anana s

sister-mag.com


FARBKREIS

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KurkumaShot

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Ge

rezept

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Orangen

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Orange sister-mag.com

rezept


FARBKREIS

go n a M - n n e e t g t ro r a n t h i e O

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Ka

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Gelber Kurkuma-Shot

HimbeerMandel-Smoothie

–– 1 daumengroßes Stück Ingwer, geschält und gerieben

–– 150 g Himbeeren (frisch oder gefroren) –– 1 TL Goji-Beeren

–– 125 ml Haferdrink oder Mandelmilch

–– 1/2 TL Kurkuma, frisch gerieben oder getrocknet

–– 300 ml kalter Früchtetee

–– 1 TL Agavensirup

–– 100 ml Mandelmilch

–– 100 g Blaubeeren, frisch oder gefroren

Alle Zutaten in einen Mess–– 2 TL Agavensirup becher geben und mit oder Honig einem Stabmixer pürie–– 1 Prise schwarzer ren, eventuell noch etwas ­P feffer Flüssigkeit dazugeben. Mit –– Saft einer Zitrone einem Klecks Kokosmilch Alle Zutaten in einem Mess- servieren. becher mischen. Mit ca. 100 ml warmem Wasser aufgießen und gut umrühren. Durch ein Sieb geben und auf 2 Gläser verteilen. Unbedingt aufpassen, Kurkuma färbt wirklich alles in kürzester Zeit ein. Deshalb lieber einen alten Messbecher dafür verwenden.

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Chia-­B laubeerSmoothie –– 2 EL Chia Samen

–– 1/2 Banane –– 100 ml Haferdrink Die Chia Samen in eine Schüssel geben, mit dem Agavensirup und dem Haferdrink mischen, mindestens 30 Minuten quellen lassen und ab und zu umrühren. Die restlichen Zutaten in einen Messbecher geben und mit einem Stabmixer pürieren. Zu dem Chia Pudding dazugeben und mit frischen Blaubeeren und Mandelblättchen servieren.


FARBKREIS

Brombeer-­K okosSmoothie –– 200 g Brombeeren, frisch oder gefroren –– 1/2 Banane

Karotten-MangoOrangen-Smoothie

–– 50 g Grünkohl oder Spinat, Blätter vom Strunk entfernt und in kleine Stücke geschnitten

–– 100 g Mango, grob gewürfelt –– Saft einer Orange

–– 100 g Ananas, gewürfelt

–– Saft einer halben Zitrone

–– 100 ml Kokosmilch

–– 1 Kiwi, geschält

–– 100 ml Karottensaft

–– 200 ml Haferdrink oder Mandelmilch

–– 1/2 Banane

–– 100 ml Haferdrink

d a o l n w r ten ka

pt

Claudia Gödke ist Foodfotografin, lebt und arbeitet in Berlin. Für sisterMAG setzt sie immer wieder innovative Food-Strecken um und bringt auch immer mal wieder einen Kuchen im Büro vorbei!

Do

Alle Zutaten in einen Mess–– 300 ml kalter Grüntee becher geben und mit eiAlle Zutaten in einen Mess- nem Stabmixer pürieren, becher geben und mit ei- eventuell noch etwas Flüsnem Stabmixer pürieren, sigkeit dazugeben. eventuell noch etwas Flüssigkeit dazugeben.

ze

Alle Zutaten in einen Messbecher geben und mit einem Stabmixer pürieren, eventuell noch etwas Flüssigkeit dazugeben.

–– Saft einer Limette

Re

–– 50 g Blaubeeren, frisch oder gefroren

Grünkohl-Kiwi-­ Ananas-Smoothie

www.claud iagoed ke.com Ausgabe 11 | Januar 2014

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Traditionelle Japanische Küche text TINA BERGS

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Die japanische Kultur ist unglaublich

Miso-Suppe, eingelegte Gurken und

komplex – zwischen Hello Kitty!, der

verschiedene Gerichte, zum Beispiel

Kirschblüte, J-Pop und Geishas wer-

gegrillter Fisch oder frittiertes Tem-

den von der kulinarischen Vielfalt aber

puragemüse sind Beispiele hierfür.

oftmals nur die verschiedenen Füllun-

Ein solches Menü soll harmonisch

gen von Sushi wahrgenommen. Um

und ausbalanciert sein, einzelne Gän-

dem entgegenzuwirken, wurde die tra-

ge auf unterschiedliche Weise zube-

ditionelle japanische Küche, Washo-

reitet werden und die einzelnen Ge-

ku genannt, im Dezember 2013 zum

schmäcker sich ergänzen.

UNESCO Kulturerbe erklärt. Dabei

Dazu gibt das Washoku fünf Farben,

geht es um vielmehr als eine Samm-

Geschmacksrichtungen,

lung alter Rezepte, es ist ein Leitfa-

tungsmethoden, Sinne und Anschau-

den und zugrundeliegende Kochphi-

ungen vor. Die Farben teilen Lebens-

losophie. Zentral ist die symbolische

mittel in verschiedene Gruppen auf.

Bedeutung einzelner Elemente, tief

Rot umfasst zum Beispiel verschie-

verwurzelt in der japanischen Kultur,

dene Früchte, Fleisch und getrockne-

ausgewogene Nährstoffe und ästhe-

te Bohnen. Wenn der ganze Farbkreis

tische Harmonie. Washoku gibt eine

abgedeckt wird, nimmt man automa-

Grundlage zur Auswahl der Zutaten

tisch eine große Vielfalt an Vitaminen,

und deren Zubereitung, zum Anrich-

Mineralien und anderen Nährstoffen

ten der einzelnen Elemente und letzt-

auf.

endlich auch zum Verzehr.

Außerdem spielt die ästhetische Kom-

Eine traditionelle japanische Mahl-

ponente eine wichtige Rolle. Neben

zeit besteht aus mehreren Gängen.

dem farblich und saisonal passend de-

sister-mag.com

Zuberei-


FARBKREIS

koriertem Geschirr soll das farbliche Zusammenspiel eines jeden Gerichts harmonisch und einladend sein. Die Zubereitung hat einen starken Einfluss auf Textur, Aussehen und Geschmack der einzelnen Gerichte. Um Eintönigkeit zu verhindern und alle Sinne auf unterschiedliche Weise anzusprechen werden die fünf Methoden Kochen, Braten, Frittieren, Dämpfen und das Verarbeiten der rohen Zutaten für verschiedene Gänge eines Menüs verwendet. Als letztes Element werden im Washoku fünf verschiedene Geschmacksrichtungen benannt. Jede hat eine eigene Funktion: Bitter soll zum Beispiel den Gaumen reinigen, damit man die Aromen der folgenden Gänge stärker wahrnimmt. Das ausgewogene Zusammenspiel von salzig, süß, sauer, bitter und scharf soll plötzlichen Heißhunger, zum Beispiel auf Schokolade, verhindern und dadurch einer zu zucker- oder natriumreichen Ernährung entgegenwirken.

des Kochenden respektieren, die Nahrung wertschätzen, frei von Wut und für geistige Gesundheit essen, sowie den Pfad zur Erleuchtung folgen. In der traditionellen Küche werden diese Prinzipien auf einzelne Menüs angewandt. Nicht jedes Gericht muss (oder kann) alle Kriterien erfüllen. Ein wichtiger Aspekt des Washoku sind traditionelle Rezepte, aber die Grundlagen können auch auf die westliche Küche angewandt werden: Statt langer Nährstofftabellen kann man sich einfach von Farben und Geschmack leiten lassen, um sich ausgewogen und gesund zu ernähren.

Neben dem Schmecken spielen auch die anderen Sinne: Sehen, Tasten, Hören und Riechen, eine wichtige Rolle. Die 5 Anschauungen verdeutlichen den philosophischen Anspruch: man soll die Bemühungen

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Rezept von YUKI ISHIKAWA www.wasyoku.blogspot.com Zutaten für Eiercreme

1 Ei 150 ml Dashi (japanische Sup-

pengrundlage), Rezept 1/2 TL Usukuchi (helle, salzige Sojasauce) 152

1/4 TL Salz

Feste Zutaten

2 Stück gekochte Hühnerbrust

2 Stück mittelgroße, gekochte Schrimps 2 Stück Mochi (japanischer Reis- kuchen) 2 Stück Kamaboko (geräucher- tes Surimi)

2 Shiitake Pilze

2 Yurine (Gemüselilien)

2 Namahu (Japanische Weizenbrötchen) Belag Ein wenig Yuzu-Schale (zitronen- ähnliche japanische Frucht) einige Mitsuba Blätter (japani- sches Kraut

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Zubereitung 1. Den Dampfkochtopf auf hoher Temperatur vorheizen. 2. Die trockenen Zutaten in kleine Stücke schneiden. 3. Dashi, Usukuchi und Salz in einer Schüssel vermischen. 4. Das Ei schlagen und langsam unter die Dashi-Mischung heben. Das Ganze zu einer glatten Masse verrühren. 5. Die trockenen Zutaten in kleine Auflaufformen geben. 6. Diese Formen zu ¾ mit Ei auffüllen, abdecken und für ca. 10. Minuten dämpfen, bis die Mischung die Konsistenz von Seidentofu erreicht hat 7. Jede Form mit ein wenig Yuzu-Schale und Mitsuba-Blatt dekorieren. 8. Sollten sich einige Zutaten nicht auftreiben lassen, kann man zum Beispiel bei den trockenen Zutaten ersatzweise auch einfach Jakobsmuscheln, Krabbenfleisch oder Fisch nehmen.


FARBKREIS

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Auf ihrem Blog www.wasyoku. blogspot.com befasst sich Yuki mit der »amerikanischen Art« zu kochen, teilt ihre Lieblingsgerichte und sammelt als ehemalige Köchin eines japanischen Restaurants ihre Lieblingsgerichte.

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EN H C O K I om M c A . N k o n o o b v k t o p o e c z e Re u s t o n j . w ww

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FARBKREIS

Zutaten für 28 Sushi Sushi-Reis

1,25 cm Lotuswurzel

1,25 cm Karotte

1 Ei

1 Prise Salz

1. Lotuswurzel in Form einer Blüte zurechtschneiden. Die Karotte ebenfalls in die Form einer Blüte schneiden. Die Würzzutaten in einem kleinen Kochtopf zum Kochen bringen, die Lotuswurzel sowie die Karotte hinzugeben und mitgaren bis beides weich gekocht ist.

2 Scheiben Zitrone 2. In einer beschichteten Pfanne auf mittlerer Temperatur ein wenig Öl erhitzen. Während 1/4 Avocado dessen das Ei in einer Schüssel mit dem Salz 60 g Sakura Denbu vermengen. Die Eimischung sodann in die 1/2 Noriblatt Pfanne geben, dabei unbedingt darauf achten, dass sie sich gleichmäßig verteilt. Wenn die 3 Shiso (Perilla) Unterseite gar ist, das Ganze wenden. Wenn Kaiware daikon es durchgegart ist, das Ei aus der Pfanne neh (Rettichwurzel) men und fein chiffonieren. Gewürze 3. Die Küchenwaage mit Frischhaltefolie abde 120 ml Dashi-Brühe cken, 30g Sushi-Reis abwiegen (ca. 2TL) und 1 TL Sake zu einer Kugel formen. Diese auf einem Teller beiseite legen und die nächste Portion abwie 1 TL Mirin gen. Die Reiskugel dabei jeweils zunächst in 1 TL Zucker die Frischhaltefolie und anschließend in eine 2 TL Usukuchi feuchtes Tuch wickeln, um zu verhindern, dass (helle Sojasauce) der Reis austrocknet. 1 Prise Salz 4. Sashimi in dünne Scheiben schneiden.

Sashimi nach Wahl

5. Nacheinander jeweils ein Folienpaket öffnen, Lachs Sashimi hineinlegen, anschließend den Reisball obenauf setzen, dann den Ball wieder mit Thunfisch der Folie umschließen. Die Päckchen jeweils Tai (Meerbrasse) fest zudrehen, um eine feste runde Form zu Hamachi erzielen. (Gelbschwanz) 6. Die verbleibenden Zutaten ebenso verarbeiten. Uni (Seeigel) 7. Vor dem Servieren die Folienpakete auspacken und mit Ikura, Kaiware Daikon und anderem Grün garnieren.

Nami wurde in Yokohama geboren, zog jedoch mit ihrem Mann nach San Francisco. Ihr Blog just one cookbook ist eine wundervolle Sammlung von Familienrezepten, um sie an ihre Kinder weitergeben zu können.

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Rezept von FIONA UYEMA www.fionasjapanesecooking.blogspot.com Fiona Uyema ist eine Authorität in Irland, wenn es um japanisches Essen geht. Dort bietet sie Kochkurse und öffentliche Kochshows an und teilt damit ihre Leidenschaft für japanisches Essen und Rezepte.

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FARBKREIS

Zutaten

Zubereitung

2 Knoblauchzehen (geschält und fein gehackt)

1 Zwiebel (geschält und fein gewürfelt)

1. Alle Zutaten für die Yakisoba Sauce in einem kleinen Kochtopf 10 Minuten köcheln lassen, bis die Sauce andickt und ungefähr die Konsistenz von Tomatenketchup annimmt; dann beseitestellen.

1 Karotte (geschält und in feine Streifen geschnitten)

Handvoll Sojasprossen Handvoll Wirsing (fein gehackt)

1 Pck Eier- oder RamenNudeln

Yakisoba Sauce

4 EL Tomatenketchup

4 EL Wasser

2 EL Worcestershire Sauce

1 EL Sake oder Rotwein

1 EL Sojasauce

1 TL Zucker

Frisch gemahlener Pfeffer (nach Geschmack) Pflanzenöl (zum Frittieren) Zum Verzieren Nori (fein gerieben) Beni Shoga (eingelegter Ingwer)

2. Das Pflanzenöl in einer Pfanne oder einem Wok erhitzen, die Zwiebeln hineingeben und weichdünsten, anschließend auch den Knoblauch mitdünsten. 3. Dann die Karotten hinzufügen und das Ganze eine weitere Minute garen. Zuletzt auch den Wirsing und die Sojasprossen mitbraten. 4. Die Nudeln in eine Schüssel kochenden Wassers geben und mit einem Essstäbchen oder einer Gabel vorsichtig (ohne sie zu zerreißen) entwirren. Anschließend abgießen und mit in die Pfanne geben. 5. Nun die Sauce unter das Pfannengericht rühren. 6. Auf Tellern anrichten und mit Nori und eingelegtem Ingwer dekorieren.

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FARBKREIS

Essen nach Far be 159

fotos & design

Sibylle Roessler fun.kyti.me/

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FARBKREIS

Carotinoide sind für die Gelbfärbung von Obst und Gemüse verantwortlich. Sie schützen die Pflanzenzellen vor UV-Strahlenschäden. Allgemein gelten sie als Antioxidantien, stärken das Immunsystem und beugen der Hautalterung vor.

Gelb

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Da Gelb häufig heiter, aufhellend und warm auf Körper und Seele wirkt, sollten hektische und überreizte Menschen gelbe Nahrungsmittel und besonders Gewürze meiden.

Paprika Ananas Physalis Ingwer Gelbwurz Ausgabe 11 | Januar 2014


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FARBKREIS

Bei roten Lebensmitteln ist Lycopin (ebenfalls aus der Gruppe der Carotinoide) für die Färbung verantwortlich. Als Radikalfänger tätig, kann das Antioxidant besonders reaktionsfreudige Moleküle in unserem Körper unschädlich machen.

rot

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Rot wirkt durchblutend, belebend und heizt Blutkreislauf und Blutdruck an. Falls ihr unter häufiger Müdigkeit leidet, euch lustlos und antriebslos fühlt, greift zu Tomaten, Chilli oder Roter Beete, Himbeeren, Erdbeeren oder einem Granatapfel!

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FARBKREIS

Grun Das Wort Chlorophyll ist wohl jedem aus dem Biologieunterricht in Schulzeiten bekannt: im Prozess der Photosynthese wird mit Hilfe des Farbstoffs Chlorophyll aus der Lichtenergie der Sonne Sauerstoff und andere chemische Verbindungen erzeugt. Zusammenfassend heißt das: Ohne das Grün der Pflanzen hätten wir keinen Sauerstoff zum Atmen. Chlorophyll kann im Körper krebsauslösende Stoffe binden, repariert angegriffene Körperzellen und schützt vor Giften der Umwelt. Weiterhin enthalten grüne Gemüse- und Obstsorten viel Folsäure, welches Wachstums- und Entwicklungsprozesse im Körper unterstützt (siehe unser Folsäure-Spezial in sisterMAG N°9). Wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass grünes Blattgemüse das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, senkt. Die Gründe sind also vielfältig, im nächsten Einkauf, Sibylles Empfehlungen wie Kiwi, Bohnen, Petersilie oder Avocado, einzupacken.

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orange 167

Offenheit und Optimismus, Freude und Lebenslust – für diese Eigenschaften steht die Farbe Orange. So fördern orangene Lebensmittel die Verdauung, den Stoffwechsel, Nieren- und Blasentätigkeit. Eine Orange hilft bei negativen Gedanken, wenn Kreativität und Freude ausbleibt. Um den orangenen Farbstoff – Carotinoid – wirklich aufnehmen zu können, sollte man diese Lebensmittel stets mit g ­ uten Fetten genießen.

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KUNST & WIRTSCHAFT

n e t h c su r e v °11 zu N n G e t A i Se rM e t n s e i l s ie v r n ü o n t v o a v ng rn « t u e f i n a h a l h em tsc rP r n öe i i d w e W i t n » l e l e f B d fä r n ü grif f e e r h B r oc k to e K en a d d F m n r i e i w Be ebe iell . z L n n e a t m .I fin ch or n r u i v e e e l d h e f t c b u s do er lka e j d e r t t d o i r v u wi sm n i n e e e m b lich z m Da Le ge n r n i e e l w h b i ta l g tlic i a n d h n e s n h n e a c e w t m g t, el fti u g ä G n h e c n T d s es re l ' a b e r l r e G e i v m n ais u e K z d r t r i e tn Ze nu r in t a l m h l P e c e l i n n m al ch ie ere s d r s , e n n p u it su be n. a m – e h k m t m c l e e e l sa m al ick h r c w o t s v n r e ke n– e r c t e e p ­ l d e em son ­Rez d , z n t e o tr on d h n c s u l nd i s g b e u te tun i e r e ub Z r e d

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Ein-Topf-Pasta mit Erbsen & Pesto 10:00 min

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250g Spaghetti (Star Marke) 200g Junge Erbsen (Naturkind)

1 halbe Knoblauchzehe 100 ml OlivenĂśl (Naturkind)

1 Handvoll WalnĂźsse (Star Marke)

1 Handvoll Petersilie (Star Marke)

getrocknete Tomaten (Star Marke)

Salz, Pfeffer

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ErdbeerBasilikum-Eis 05:00 min

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300 g TK Erdbeeren (Star Marke)

00:00 Alle Zutaten pürieren und nach Ge-

150 ml Joghurt (Naturkind)

schmack süßen.

einige Blätter Basilikum

04:11 Sofort servieren.

1 EL Agavendicksaft / Honig

Für Variation einfach andere TK-­ Früchte und Gewürze ausprobieren, z.B. Himbeer-Thymian-Eis.

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KUNST & WIRTSCHAFT

ZucchiniBohnen-Pfanne 10:00 min

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2 kleine Zucchini 1 Dose Kidney-Bohnen (Star Marke) 1 Speisezwiebel (Star Marke)

Reis (Naturkind oder Star Marke) Salz, Chili, Ingwer, Kreuzk端mmel, Zitronengraspulver

1 Dose Kokosmilch

Zubereitung auf Seite 180

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Limetten-Koriander-Hテシhnchen und Couscous-Salat 15:00 min

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1 Hテ、hnchenbrust (A&P)

Romana-Salat

1 Limette

Salz, Pfeffer, Koriander

Couscous

Oliven-テ僕

250g Cherry-Tomaten

Zubereitung auf der nテ、chsten Seite

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Zutaten Seite 178

LIMETTEN-KORIANDERHÜHNCHEN UND COUSCOUS-SALAT

00:00 Hühnerbrust mit einer halben Limette, Koriander und Salz einZutaten Seite 176

ZUCCHINIBOHNEN-PFANNE

00:00 Den Reis nach Packungsanweisung zubereiten (in kochendes Wasser geben – wir nutzten den 8-Minuten-Reis von Star Marke). 180

01:21 Zwiebel zerschneiden und in einer Pfanne mit etwas Öl anbraten.

02:08 Zucchini kleinschneiden und mit in die Pfanne geben.

04:24 Bohnen zugeben. 05:53 Kokosmilch in die Pfanne geben und garen lassen.

07:41 Mit Zitronengraspulver, Chili, Ingwer, Kreuzkümmel und Salz abschmecken.

09:12 Den Reis aus dem Topf nehmen und abtropfen lassen.

09:40 Zusammen servieren. sister-mag.com

reiben.

02:45 Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und die Hühnerbrut anbraten.

03:37 Währenddessen die gewünschte Menge Couscous in eine Schale geben und nach Packungsanleitung zubereiten (meistens einfach mit heißem Wasser übergießen und quellen lassen).

04:59 Tomaten und den Salat zerkleinern. Dazwischen Hühnerbrust wenden.

09:04 Den Couscous mit einer Gabel etwas auflockern.

09:45 Sobald die Hühnerbrust gar ist, diese aus der Pfanne nehmen.

09:45 In einer Schale Tomaten, Salat und Couscous vermengen, mit Salz, Pfeffer, Oliven-Öl und dem Saft einer halben Limette würzen.

12:13 Die Hühnerbrust in Streifen schneiden und zum Salat geben.

14:37 Servieren.


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Tomatensuppe mit Kokosmilch 05:00 min

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500 ml Pizzatomaten (Star Marke)

00:00 Die Pizzatomaten und Kokosmilch

1 Dose Kokosmilch

in einem Topf zum Kochen bringen.

Salz, Pfeffer

03:27 Mit Chili, Salz und Pfeffer abschme-

Chili Chilif채den (zum Garnieren)

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Download

cken.

04:14 Servieren.


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Stoppuhr-Symbol: Designed by Edward Boatman (The Noun Project)


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KUNST & WIRTSCHAFT Ob One-Pot, Pesto oder Pfanne: wir haben die ­perfekten Produkte von Kaiser's Tengelmann für schnelle und leckere Gerichte ­zusammengestellt!

ix and atch Pesto

Pfanne

Pesto

One Pot

Star Marke Penne Lisce

Naturkind Olivenöl

Star Marke Getr. Tomaten

One Pot

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Naturkind Fusili

Naturkind Junge Erbsen

Naturkind Broccoli

Star Marke Walnusskerne

Star Marke Langkorn-Spitzenreis

Pfanne

A&P Hähnchen-Brustfilets


PR FÜR KLEINE UNTERNEHMEN UND PROJEKTE interview mit SONJA HARNISCH Ob Start-up oder Kunstprojekt, Öffentlichkeitsarbeit (Englisch: Public Relations oder PR) ist essentiell, um Bekanntheit und damit Kunden und Interessenten für das eigene Projekt zu gewinnen. Um mehr darüber zu erfahren, was »richtig gute« Kommunikation ausmacht, haben wir uns Sonja Harnisch von »Fein gedacht. Kommunikation« geschnappt und sie über Grundlagen und erste Schritte ausgefragt - sowohl für Kleinunternehmer wie Kunstprojektler anwendbar.

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Welche Aufgabe kann PR für

Kunden immer erst ein Konzept und

ein Start-up erfüllen?

baue dann die Basics auf, erstelle

PR-Arbeit entwickelt die Wahrnehmung und das Image eines Unternehmens in der Öffentlichkeit. PR erzählt deine Geschichte und die deiner Produkte und Dienstleistungen und zeigt nach außen, wer du bist, was du anbietest, wofür du stehst und definiert so das Wesen deines Unternehmens – ganz gleich, ob es ein Großkonzern oder ein One-Woman-Startup ist. Bei welchen Schritten unterstützt PR ein Start-up oder Unternehmen?

die für sie relevanten Presseverteiler, schaffe persönlichen Kontakte zu Redakteuren, möglichen Kooperationspartnern und natürlich auch zu Bloggern. Wie es dann weitergeht, ist individuell vom Unternehmen, dessen Wünschen, Zielgruppen und dem Budget abhängig. Der erste Schritt ist meist der klassische PR-Weg, ich schreibe regelmäßig Pressemeldungen und schicke sie an die relevanten Redaktionen. Gleichzeitig baue ich aber auch ein Netzwerk und Kontakte über die Social-Media-Kanäle auf. Und auch über gut organisierte Re-

Für ein Start-up geht es ja häufig erst

daktionsbesuche, PR-Aktionen und -

einmal darum, bekannt zu werden.

Events kann man die Medien auf sich

Ich erstelle gemeinsam mit meinen

aufmerksam machen.

sister-mag.com


WIRTSCHAFT / KUNST

Ab welchem Zeitpunkt macht

man es allein nicht schafft. Spätes-

PR-Unterstützung Sinn?

tens dann sollte man sich ein Team

Gerade die Neuigkeiten zu Beginn ei-

zusammenstellen, dass bestimmte

ner Unternehmensgründung bieten spannende Themen, deshalb ist es sinnvoll, das Unternehmen bereits vom ersten Tag an mit PR zu unterstützen. PR – das ist meine Überzeugung sollte immer langfristig und zielführend angelegt sein. Mal hier und mal da eine Pressemeldung verschicken oder eine Aktion veranstalten, bringt nach meiner Erfahrung nicht viel. Es

Parts erledigt – eben auch die PR. Nach welchen Kriterien sollten wir unseren PR-Berater auswählen? Nach Referenzen, Background – und auch nach Auftreten und Sympathie! Denn der PR-Berater repräsentiert ja zum einen dein Unternehmen nach außen, zum anderen ist er dein Ansprechpartner, mit dem du Ak-

sollte immer ein gewisses »Grund-

tionen planst und mit dem du dich

rauschen« in der Kommunikation da

austauschst. Da sollte die »Chemie“

sein, so bleibt man bei Redakteuren,

schon stimmen. Außerdem sollte ein

Bloggern,

und

guter PR-Berater immer indivi­duell

Kunden im Gespräch und kann mit

auf das Unternehmen und – ganz

besonderen Aktionen und Neuigkei-

wichtig – auch auf das Budget des Un-

ten erfolgreicher punkten.

ternehmens eingehen. Ein PR-Kon-

Doch PR kann jederzeit unterstützen,

zept von der Stange zu hohen Kos-

auch später, wenn z.B. der oder die

ten, die das Budget sprengen, macht

Unternehmerin das Gefühl hat, mit

ja keinen Sinn.

Geschäftspartnern

eigenen Vermarktungsideen nicht weiterzukommen. Wenn das Unternehmen wachsen und neue Zielgruppen erschließen möchte. Oder auch

Welche Informationen sollten wir beim Erstgespräch parat haben?

ganz einfach, wenn das Unternehmen

Die wichtigste Information, die ich

so groß und erfolgreich wird, dass

von einem Kunden haben möchte, ist

Ausgabe 11 | Januar 2014

187


die Antwort auf die Frage: Was möch-

Netzwerken und natürlich vor allem

ten sie mit ihrem Unternehmen er-

durch persönliche Kontakte, die man

reichen? Und daraus ergibt sich alles

als PR-Profi hegt und pflegt.

andere – die Strategie und die PR-Instrumente.

nehmen Aufmerksamkeit in

Was sind die ersten Schritte?

188

Wie erhalte ich als Unterreichweitenstarken Medien?

Der erste Schritt ist immer ein Ken-

Die Basis ist die klassische Presse-

nenlern-Gespräch, die Analyse der

arbeit, also Erstellung eines Presse-

Ist-Situation und die Frage »Was will

verteilers und regelmäßiges Versen-

ich erreichen?«. Zusammen mit dem

den von Pressemeldungen. Ein gut

Kunden definiere ich darauf aufbau-

gemachtes Mailing kann auch nie

end die Ziele, z.B. der Aufbau eines

schaden. Dabei sollten die Informa-

Social-Media-Netzwerks,

be-

tionen für Redakteure und deren Le-

stimmte Zielgruppen zu erreichen

ser einen Neuigkeits- und Mehrwert

oder auch Artikel oder Kooperationen

haben. Welche Themen interessant

in und mit bestimmten Publikationen.

sind und wie man sie spannend er-

Anschließend erstelle ich ein Konzept

zählt und aufbereitet – dies sind die

und lege mit dem Kunden die internen

Aufgaben des PR-Beraters. Ebenfalls

und externen Abläufe und die Zeitpla-

sehr gut sind aufmerksamkeitsstar-

nung fest. Und dann geht´s los!

ke Events – doch dies ist häufig eine

um

Wie viel Zeit sollte in PR investiert werden? PR findet immer statt – es ist eine

Frage des Budgets. Wie können wir Kontakte zur Presse her stellen?

kontinuierliche Arbeit, denn nur so

Die Basis ist der klassische Presse-

wirkt sie dauerhaft und effektiv. Es

verteiler – und dann heißt es netzwer-

ist wichtig, dass man stetig mit »sei-

ken, kontakten, im Gespräch bleiben.

nen« Medien in Kontakt ist und so

Redaktionsbesuche oder die persön-

regelmäßig mit den eigenen Themen

liche Einladung von Redakteuren zu

präsent ist – durch Pressemittei-

Workshops, Veranstaltungen u.ä. kön-

lungen, Blogposts, Posts in sozialen

nen dann ein nächster Schritt sein.

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WIRTSCHAFT / KUNST

Was ist für ein Online-basier-

Pressemitteilungen

tes Start-up wie sisterMAG

aufbereitete

wichtiger: Klassische PR oder

neue Produkte, Veranstaltungen und

Social Media PR?

Neuigkeiten des Unternehmens. Sie

»Wichtig“ ist relativ- es kommt darauf an, was euch wichtig ist. Mit klassischer PR und Social-Media-PR wendet man sich an unterschiedliche Zielgruppen, nutzt man beides, vergrößert man seinen Bekanntheitswert. Mit der klassischen PR-Arbeit spricht man die Medien an, denn die Presseinformationen werden an Magazine, Zeitungen, Radio und TV gesendet, und die Kontakte, die man aufbaut, sind die zu Redakteurinnen und Redakteuren. Das ist natürlich

dakteure. Welche

um gezielt auf sich aufmerksam zu machen, ist der Aufbau eines Pressenetzwerks unerlässlich.

Kosten

fallen

für

uns an? Jeder Kunde ist anders, jede PR-Beratung ist anders, daher bekommt jeder Kunde nach einem Erstgespräch ein individuelles Angebot von mir – auf seine Wünsche und, ganz wichtig, auch auf sein Budget zugeschnitten. Über Sonja Sonja Harnisch ist selbständige

gezielt mit meinen Kunden oder Le-

privat auch im Netz unterwegs. Doch

über

damit auch die Zielgruppe sind Re-

Social-Media-PR kann ich direkt und

dakteure sind natürlich beruflich und

Informationen

severteiler geschickt, die Leser und

den Medien stattfinden will. In der

Die Grenzen sind fließend, denn Re-

sachlich

werden an individuell erstellte Pres-

unglaublich wichtig, wenn man in

sern in Dialog treten und sie mit mir.

sind

Foto: Svenja Paulsen

und

PR-

Social-Me-

dia-Beraterin

und

Bloggerin. 2009 grün­ dete sie ihre eigene Agentur ImPRess PR und Kommunikation, die sie zu Jahresbeginn in »Fein gedacht. Kommunikation« umbenannt hat. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Beratung von

Pressemitteilun-

Start-up-Unternehmen bei ihren ers-

gen? Wer schreibt sie? Wer

ten Schritten in die Möglichkeiten der

liest sie?

Öffentlichkeitsarbeit.

Was

sind

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IDEE

ezebee.com ist eine kostenlose Selbstvermarktungsplattform und Social Shopping Community für Kleinunternehmer und Freelancer weltweit.

Leider weniger romantisch: Ausschlaggebend war die Wirtschaftskrise. Wir fragten uns, wie sich speziell die kleinen Unternehmen am Markt halten wollen, ohne durch finanzielle Schwierigkeiten und mangelndes Knowhow sofort wieder zu kapitulieren. Und so kamen wir auf

Die BeeCoins haben die Funktion, geldloses Einkaufen und damit gebührenfreie Transaktionen zu ermöglichen. Wir wollen damit überhöhte Überweisungsgebühren von Banken umgehen und den e-Commerce-Prozess evolutionieren. Jeder User kann sich über PayPal ei-

nen Betrag an BeeCoins erwerben. 1 BeeCoin entspricht dem Wert eines US-Dollars. User können mit dieser Alternativwährung Werbeleistungen auf ezebee.com bezahlen und Produkte einkaufen. Denn jeder User kann (freiwillig) seine Produkte auch in BeeCoins anbieten.

STARTUP SPOTLIGHT

 ezebee.com 

@ezebeecom

fb.com/ezebee

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190 Über Werbung. Unsere User können verschiedene Werbeoptionen buchen, um ihre Showrooms und Produkte attraktiv zu platzieren. Dabei bleibt immer jedem selbst überlassen, ob und wieviel Geld er bei ezebee.com ausgibt. Zudem bieten wir Drittanbietern Bannerplätze auf unserer Plattform als auch in unserem Online Magazin ezebee mag an und wir betreiben Affiliate Marketing.

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GELD VERDIENEN

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BEECOINS ALS ZAHLUNGSMITTEL


INSPIRATION

die Idee, jedem Menschen den Zugang zu einer kostenlosen eigenen Website mit Shop zu ermöglichen. Innerhalb von 4 Wochen stand das Grundgerüst mit allen erdenklich notwendigen Tools, ein Online-Business erfolgreich zu führen.

Das Team

3 Die Startphase haben wir mit Eigenkapital finanziert. Und seit Januar 2014, also genau jetzt, läuft unsere Crowdfunding Kampagne bei Indigogo ! Ihr könnte alle mithelfen, diese Kampagne zu verbreiten und ezebee.com überall bekannt zu ma-

FINANZIERUNG

chen. Die über Indiegogo generierten Spendeneinnahmen werden dementsprechend in unser Marketingbudget fliessen. Des Weiteren sind wir immer wieder mit Investoren im Gespräch – auch hier können sich Interessierte gern bei uns melden. 191


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ZUKUNFTSPLÄNE

2018 sind wir DER globale Online-Markt für Kleinunternehmer, Feelancer und Kreative weltweit.

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KONKURRENZ

Einen sozialen, kostenlosen Online-Markt mit weltweiter Community gibt es nicht. In dem Sinne haben wir keine echte Konkurrenz.

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ezebee.com ist ganz einfach keine Handmade-Plattform. Wir beschränken uns nicht auf Handmade & DIY – bei uns haben Freelancer und andere Dienstleister genauso ihre Shops, es können Ferienwohnungen gebucht werden und noch viel mehr. Zudem ist ezebee.com sehr einfach und transparent aufgebaut. Selbst nicht angemeldete User können erst einmal über

192 Ein Zauberwort, auf das nur Männer kommen können ;-) ezebee ist ein Wortmix aus »be easy«. Das Ganze hatten wir anfangs mit einem symbolisch fleissigen Bienchen kombiniert, und schon kam es zu »ezebee«!

Unsere CI wurde bereits ein wenig geändert. Vom Bienchen zu Gelb war nur ein kleiner Schritt – heute sind wir allerdings bei einer schlichteren LogoVariante angekommen.

Unser Headquarter ist in der Schweiz, die Operations werden von Palma de Mallorca aus geführt und die Programmierung findet in Rumänien statt. Zudem haben wir Mitarbeiter in verschiedenen Ländern stationiert.

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NAME

FARBEN

STADT


DAS BESONDERE

den Marktplatz bummeln, sich die Community anschauen und ein Feeling für die Plattform bekommen. Ja, und wir sind eben kostenlos: Keine Gebühren, keine Umsatzprovisionen. 100% für den Verkäufer.

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LEBENSLAUF DER GRÜNDER

Wir beide sind schon immer Unternehmer gewesen und kennen uns bestens mit den Herausforderungen der Selbständigkeit aus. Ossian kommt aus der Online­ branche und Frank ist Geschäftsführer bei einem Helicopter-Unternehmen.

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ERSTE MITARBEITER

Programmierung :-) 193

Die Gründer Ossian Vogel (CEO) und Skype. Frank de Vries (CFO)

Kaffee, Kekse und Kalorien. … und damit sich unser Speiseplan verbessert, schaut alle nochmal bei unserer Indigogo-Kampagne vorbei ;-)

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MEIST GENUTZTE SOFTWARE

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HAUPTNAHRUNGSMITTEL


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Im Fokus dieser Sektion steht das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Kunst. »Kunst« bedeutet heute allerdings nicht nur das Bestaunen der alten Meister und selbst der Besuch im Museum ist nicht zwingend. Um in das Thema einzusteigen, haben wir uns deshalb mit einer Expertin zusammengesetzt. Unter dem Namen dilettantin ­produktionsbüro , einer Plattform für konzeptionelle Arbeiten zwischen Kunst und Alltag, die seit 2003 besteht, arbeitet sie mit anderen Künstlern zusammen, tritt selbst mit ihrem Namen aber nicht in Erscheinung. Für sisterMAG gibt sie Einblicke in ihr Leben und ihre kooperative Arbeiten. Foto: Die imaginierte Schallplattensammlung der Dres Coburg (dilettantin produktionsbüro feat. Paul Michael von Ganski und Marius Keller) sister-mag.com


WIRTSCHAFT / KUNST

Konzeptionelle Kunst Ein Interview

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Ausgabe 11 | Januar 2014


rechts:

HOTEL. (Jan Meier)

Was genau kann ich mir unter kon­ zeptioneller Kunst vorstellen? Ich mache Dinge, die nicht wie Kunst aussehen, aber künstlerische Inszenierungen sind. Das können In-

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stallationen, temporäre Orte oder

Die Inszenierungen bedienen sich oft

Performances sein – raumbezoge-

sinnlicher Mittel wie Geschmack oder

ne Arbeiten oder Interventionen, die

Musik, die den Raum bespielen und

im ersten Schritt oft außerhalb eines

die anwesenden Betrachter_innen

Kunstkontextes stattfinden, also nicht

›verführen‹. Mit Essen in sozialen Si-

in einem Museum oder einer Galerie.

tuationen arbeite ich sehr gerne, weil

In Bremen habe ich von 2007-2010 mit

es das Publikum un-

anderen zusammen ein Restaurant

mittelbar einbezieht

als Kunstprojekt gemacht – davor gab

und körperlich ›ver-

es ein Hotel

einnahmt‹.

laden

, dann einen Platten-

, zur Zeit machen wir einen

Kunstverein

Wenn

man isst oder trinkt,

, der sich als Shop tarnt.

ist man schon mal

Man könnte auch sagen wir ›tragen

nicht mehr ganz un-

die Kunst in den Alltag.‹

beteiligt. Das kann

Da diese Arbeiten nicht im White Cube,

überall stattfinden,

also an dezidierten Kunstorten, sondern im Alltäglichen stattfinden, ha-

im privaten und im öffentlichen Raum.

Wird Kunst in der kum. Die Hemmschwelle ist deutlich Bevölkerung heute niedriger und das Publikum hetero- noch wahrgenom­ gener, als wenn das Ganze in einer men oder findet sie Kunstgalerie stattfände. zu oft im abgeschot­ ben sie eine andere Nähe zum Publi-

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WIRTSCHAFT / KUNST Mitte: thisisnotashop

(dilettantin produktions­ büro). Underground Cake (Nikolai Wolff ). Swinging Plasticine (Michael Fesca feat. dilettantin produktions­ büro; Foto Sandy Holz) Unten: THE

SECRET - Supperclub (Andrea Lühmann)

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»Kunst existiert in Galerien und außerhalb von Galerien, sie erreicht dabei nur jeweils ein anderes Publikum.«

Ausgabe 11 | Januar 2014


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teten Betrieb der Galerien und Mu­ ken stattfindet und dass es nichts ist, seen statt. Vor allem in Hinsicht auf was man anfassen kann. Es gibt dafür zeitgenössische Kunst? keine Bewertungsskala, keinen MaßKunst existiert in Galerien und außerhalb von Galerien, sie erreicht dabei nur jeweils ein anderes Publikum. Mich als Künstlerin interessiert es eher, im Alltag zu agieren. Also dort, wo die Frage, was Kunst überhaupt ist, eine relevante und interessante Frage ist. Dort, wo diese Frage durchaus kippen kann und es eher darum geht, etwas Neues kennenzulernen und etwas Neues zu denken. Meine

stab. Es ist nichts, was man objektiv festlegen könnte. Es ist etwas, das eine Denkleistung des Betrachters erfordert. Als Betrachter oder Betrachterin bin ich an der Kunst immer aktiv beteiligt, nämlich mit dem, was ich wahrnehme und denken kann und mit dem Standpunkt, den ich mitbringe. Es ist also ein sehr aktiver Rezeptionsprozess, der erst einmal ortsungebunden stattfindet.

Ist für dich die Dokumentation eines der Überzeugung, dass Kunst im Den- solchen Kunstprojektes wichtig, die­ künstlerische Haltung resultiert aus

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WIRTSCHAFT / KUNST

dreijahre Gastraumprojekt (Jan Meier)

Photo links:

pr od

ukt

ion s b

uero

Der Begriff des Dilettantismus bezieht sich hier auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Ein Dilettant ist einer, der etwas aus Liebhaberei tut. Der Antrieb fürs Handeln kommt aus der Leidenschaft, nicht aus dem Können oder Handwerk.

in

t n a

t t e di l

ses aufzuzeichnen und für die Nach­ welt zu erfassen? Oder ist das Projekt zu Ende, wenn die Performance vor­ bei ist? Grundsätzlich spielt bei konzeptioneller Kunst die Dokumentation oder auch Konzeption eine große Rolle, weil

diesen Ort verlassen können und für das Kunstwerk stehen. Von daher ist die Dokumentation sehr wichtig, um überhaupt die Arbeit, nachdem sie irgendwo stattgefunden hat, noch einmal zeigen und erfahrbar machen zu können.

Warum hast du das Gefühl, solche wieder verschwunden ist. Häufig hat Projekte machen zu müssen? Möch­ man kein Produkt bzw. keine Veror- test du auf Probleme hinweisen oder tung in einem Material. Wenn ich z.B. möchtest du den Leuten etwas bieten? das Werk unter Umständen am Ende

eine räumliche Inszenierung mache,

In erster Linie will ich meinen eige-

habe ich kein materielles Werk, weil

nen Ansprüchen genügen und mich

dieses quasi das Gesamte ist. Es sei

selber damit auseinandersetzen. Von

denn, ich dokumentiere die Arbeit und

Arbeit zu Arbeit wechselt dieser An-

generiere Produkte bzw. Zeichen, die

spruch, je nachdem um was es inhalt-

Ausgabe 11 | Januar 2014

199


links:

No ART Around (Claudia A. Cruz)

rechts:

Sound in Savor (dilettantin produktionsbuero)

Das Buch "No ART Around", welches Fortsetzung und gleichzeitig Weiterführung des dreijahre Gastraumprojekts ist, kann hier bei The Green Box bestellt werden.

lich geht. Das 200

Wie verdient man mit ist auch ein konzeptioneller Kunst Grund, weshalb ich gerne mit ande- Geld? Kann man das? ren zusammenarbeite. Man reibt sich anders aneinander und kommt immer zu einem anderen Ergebnis, als das alleine möglich wäre. Was das Publikum dann mit meiner Arbeit macht, habe ich nicht in der Hand. Das kann von einer intellektuellen Debatte über Unverständnis und Entrüstung bis hin zu der Tatsache gehen, dass die Leute sich einfach nur gut unterhalten fühlen. Ich bewerte das nicht, freue mich aber natürlich, wenn es eine interessante Debatte gibt oder jemand eine Erfahrung gemacht hat, die er oder sie positiv bewertet.

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Das ist eine Frage, der ich mich auch immer wieder stellen muss. Man braucht einerseits irgendeine Art von Produkt, das sich auf dem Kunstmarkt verkauft. Auf der anderen Seite habe ich mir durch meine künstlerische Arbeit Fertigkeiten angeeignet, die ich in anderen Zusammenhängen anbieten kann, z.B. in der Entwicklung von Geschmacksprodukten für Firmen oder in Workshops zu Geschmacksschulung und Kochen.

Ist es für dich schwierig, deinen „künstlerischen Anspruch“ einem


WIRTSCHAFT / KUNST

Unternehmen zur Verfügung zu stel­ Bis Ende März gibt es noch das Projekt in Bremen, wo len? Hast du dann das Gefühl, dich zu THISISNOTASHOP wir Kunst und Design mit Bremenbeverkaufen? Ich glaube das es ein Klischeebild ist, dass der Künstler_in sich mehr verkauft als andere dies tun. Ich muss als

zug präsentieren, ins Gespräch bringen und verkaufen. Dort finden auch Aktionen, Performances und Konzer-

Künstlerin genauso Geld verdienen

te statt.

wie jeder andere auch. Und ich ver-

An das Projekt angedockt ist ein von

kaufe dabei nicht mich, sondern biete

uns begründeter Kunstverein

eine Dienstleistung oder ein materiel-

danach an immer anderen Orten in und

les Produkt an, mit dem ich mich auch

außerhalb Bremens auftauchen wird.

identifizieren kann. Das bedeutet al-

Und dann gibt es noch THE SECRET

lerdings, dass ich auch schon einen

– unseren Supperclub, der auch bald

Job abgelehnt habe, der z.B. meiner

wieder stattfinden wird.

grundsätzlichen Einstellung zu Er-

Ab Mai zeigen wir dann in Paderborn

nährung, Gesundheit und Lebensmittelproduktion widersprach.

, der

bei der Gruppenausstellung ›Tatort Paderborn‹

im öffentlichen Raum

An welchen Orten kann man dem­ eine kulinarische Installation, die ein nächst Arbeiten sehen? Modeprojekt mit einschliesst. Ausgabe 11 | Januar 2014

201


Design aus dem Dreiländereck Deutschland, Tschechien & Polen

STAGED - DESIGN AWARD, AUSSTELLUNG & KONFERENZ interview mit MARK OFFERMANN ; photos: PAULSBERG

202

staged - Was ist das Besondere dar-

programms gaben aus diesem Grund

an, was ist die neue Idee?

Redner aus diesen vier Branchen in-

staged ist das erste grenzübergreifen-

nerhalb zehnminütiger Impulsvorträ-

de Designformat für das Dreiländereck

ge Einblick in ihre Arbeitsbereiche. In

Deutschland, Tschechien und Polen.

Workshops arbeiteten deutsche und

Unsere Motivation für das Projekt war,

tschechische Designer gemeinsam an

durch den Austausch und die Zusam-

vorgegebenen Themen und entwickel-

menarbeit mit unseren Nachbarn das

ten Ideen für neue Produkte. Eine in-

kreative Potential unserer grenzüber-

terdisziplinäre Deutsch-Tschechische

schreitenden Region aufzuzeigen. Da-

Fachjury prämierte die besten aus-

rüber hinaus war es unser Anliegen,

gestellten Arbeiten mit dem staged

den länderübergreifenden Dialog zwi-

Designpreis. Die Reaktionen unserer

schen Kreativwirtschaft, Wissenschaft,

Besucher, Aussteller und Referen-

Handwerk und Industrie zu ermögli-

ten spiegeln wieder, dass es uns mit

chen. Innerhalb unseres Konferenz-

staged gelungen ist, eine grenzüber-

sister-mag.com


WIRTSCHAFT / KUNST

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schreitende Plattform des Dialoges zu

ser heutiges Design hat sich aus dem

schaffen.

Kunsthandwerk

Spannungsfeld Design-Kunst: Ist De-

und ist im Kontext der Industrialisie-

sign minderwertiger, weil es einen Zweck erfüllt und häufig gefälliger wirkt? Die Unterscheidung zwischen Kunst und Design kann meiner Ansicht nach nicht in der Definition einer Wertigkeit

heraus

entwickelt

rung elementar für die Gestaltung von Konsumgütern geworden. Eine sehr anspruchsvolle und in keiner Hinsicht minderwertige Aufgabe, schließlich gilt es ein Produkt so zu gestalten, dass es funktional und für die Zielgruppe ansprechend ist. Es ist jedoch

getroffen werden. Kunst war früher

wahr, dass das jeweils andere Feld für

immer Auftragsarbeit, hat damit ja

den heutigen Designer oder Künstler

auch einen fest zugewiesenen Zweck

eine Anziehungskraft ausübt und die

erfüllt und war innerhalb der Ästhetik

Grenze zwischen Kunst und Design

einer Epoche durchaus gefällig. Un-

zunehmend verschwimmt.

Ausgabe 11 | Januar 2014


Klickt hier , um die Gewinner des DesignPreises zu sehen.

ÂťDie Wirtschaft schreibt dem Designer weniger etwas vor, als dass es eine Interaktion zwischen den Bereichen gibt. [...] Die beiden Bereiche brauchen einander.ÂŤ

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sister-mag.com


WIRTSCHAFT / KUNST

Spannungsfeld

Design–Wirtschaft:

Die Situation in den kreativen Berufen

Inwieweit schreibt die Wirtschaft

ist aus mehreren Gründen nicht ganz

dem Designer vor?

einfach. Es besteht im Allgemeinen ein

Die Wirtschaft schreibt dem Designer weniger etwas vor, als dass es eine Interaktion zwischen den Bereichen gibt. Designer können Trends auslösen, die dann von der Wirtschaft aufgegriffen

hoher Kostendruck, die Bereitschaft für Gestaltungsaufgaben Geld auszugeben, ist in strukturschwächeren Gegenden besonders gering. Gepaart mit einem fehlenden Verständnis der Arbeit von Designern und den neuen

werden. Die Wirtschaft wiederum ist

DIY-Möglichkeiten der Technik, die je-

der Auftraggeber der Designer, hier

den scheinbar zum Gestalter machen,

werden die Bedürfnisse definiert und

ist es schwierig, ein vernünftiges Aus-

vom Designer in die richtige Form ge-

kommen zu finden. Dies ist im Übrigen

bracht. Die beiden Bereiche brauchen

auch ein grenzübergreifendes Prob-

einander. Allerdings gibt es aus meiner Sicht die Notwendigkeit besserer und

frühzeitigerer

Kommunikation

und Zusammenarbeit. Dem wollten wir mit staged Rechnung tragen.

lem. Hinzu kommen aus meiner Sicht die große Anzahl an Absolventen im kreativen Bereich und ganz wesentlich der fehlende Austausch mit den anderen Branchen, den potentiellen Auftraggebern. Dies war, wie bereits

Wie können Designer heute leben? Ist

erwähnt, eine Motivation für unser

es eine designerfreundliche Umwelt?

Projekt staged.

Ausgabe 11 | Januar 2014

205


Was macht tschechisches Design aus? Gibt es Besonderheiten? Wenn wir die Designhistorie der letzten 100 Jahre betrachten, können wir

Untertitel

HEADING IN TWO COLOURS text NAME

sicher einige länderspezifische Themen entdecken. In der heutigen global vernetzten Welt ist dies aus meiner Sicht eher schwierig. Bedingt durch die lange Tradition der Glasausstellung in Böhmen ist vielleicht eine Besonderheit, dass sich eine größere Anzahl tschechischer Designer mit diesem Thema befasst. 206

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Initiator von staged ist das Dresdner Designbüro Paulsberg. Das junge Unternehmen beschäftigt sich mit Innovationen aus Forschung und Entwicklung und visualisiert deren Eigenschaften in neuen Produkten. Internationale Bekanntheit erlangte Paulsberg durch seine Arbeit mit dem neuen Verbundwerkstoff Textilbeton, aus dem eine eigene Kollektion von Möbeln und Accessoires entstand. Mark Offermann ist geschäftsführender Gesellschafter des Designbüros Paulsberg. Er studierte Architektur und Szenografie in Dresden und Zürich und arbeitete in verschiedenen Büros und Projekten in Dresden, Leipzig und Zürich, bevor er 2011 gemeinsam mit Lars Schmieder und Knut Krowas das eigene Unternehmen gründete.


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POINT AND LINE TO PLATE

WIRTSCHAFT / KUNST

207

KANDINSKY NEU ÜBERSETZT Im traditionellsten Sinne ist Kunst etwas, dass betrachtet werden soll. Es gibt Museum voller Gemälde, die mit roten Kordeln abgesperrt sind und Skulpturen hinter Wänden aus Glas. Bücher setzen sich mit einzelnen Bildern auseinenander und untersuchen jeden Pinselstrich, um das Was mit einem Warum zu verbinden. Dies verleiht der Kunstwelt eine Aura der Exklusivität. Während mit Design interagiert werden soll und es alle Sinne anspricht, scheinen Kunstwerke manchmal nur zu existieren, um bewundert zu werden. Letzten April wollten Kuratorin Matylda Krzykowski, Food-Designer Jacopo Sarzi, Designer Valentin Loellmann und ihr Team diese Einstellung infrage stellen und übersetzten Kandinskys »Punkt und Linie zu Fläche« für den Esstisch.

Ausgabe 11 | Januar 2014


»Wir haben fest­ gestellt, dass viele Aspekte fusioniert sind ... es war ein fließender Aufbau, es hat sich einfach alles gefunden.«

208

Mit dem Gedanken, sein Studio in

signer Jacopo und beide begannen,

Maastricht einer breiteren Öffentlich-

aus einer wagen Idee ein inhaltliches

keit zugänglich zu machen, wandte

Konzept zu entwickeln. »Es ging uns

sich Valentin an Matylda. Die Projekt-

darum, kulturellen Inhalt zu schaf-

managerin, Initiatorin, Designerin

fen, der mehrere Ebenen umfasst. Es

und Leiterin ihres eigenen Büros soll-

ging uns nicht einfach um ein Dinner,

te ein Dinner inszenieren: »Ich fand

sondern um das Thema und die Er-

es spannend, anstatt einer einfachen

fahrung. Jacopo und ich glauben sehr

Ausstellung verschiedene Leute für

stark an Synergien, also an die Kolla-

einen Abend zusammenzubringen.

boration und Zusammenwirkung der

Ich habe das Gefühl, dass die Gäste

einzelnen Aspekte, die dann das Ge-

so etwas ausgesetzt werden, das ei-

samte ausmachen.«

nen Mehrwert hat - nicht nur das Ob-

Das Thema fanden beide in dem

jekt, das Visuelle, sondern auch die Erfahrung, die sie mittragen.«

Buch »Punkt und Linie zur Fläche« von Wassily Kandinsky. Die Diagram-

Diese Erfahrung sollte einzigartig sein

me bestehen aus geometrischen Fi-

und über gutes Essen hinausreichen.

guren und sind einfach gestaltet und

Matylda sprach zuerst mit Food De-

unterstreichen Kandinskys Anspruch

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WIRTSCHAFT / KUNST

an sein Werk: ein einzelner Punkt ist

Blauton je stärker die Assoziation mit

für ihn das Urelement. Bewegt man

Unendlichkeit.

einen einzelnen Punkt, erhält man

Matylda und Jacopo griffen Kandin-

Linien und die Komposition dieser erzeugt Spannung innerhalb eines

209

skys Werk vor allem in den einzelnen Gerichten auf und konnten ihr

Bildes. Hier entsteht auch der Ansatz

unterschiedliches kulturelles Erbe,

zur Synästhesie: Kandinsky assoziiert

Matylda ist gebürtige Polin und Ja-

Farben und Formen mit bestimmten

copo Italiener, mühelos vereinen. Bei

Gefühlen. Er will sich durch die Wahl

einem Probekochen in Jacopos Stu-

eines gegenständlichen Motivs nicht

dio schlugen sie die Brücke von rote

einschränken, sondern durch das

Beete und Wodka zu Pasta und Risot-

Zusammenspiel von Punkt und Linie

to. »Wir haben festgestellt, dass vie-

Emotionen hervorrufen und andere

le Aspekte fusioniert sind. Wir hatten

Sinneseindrücke wecken: eine spitze

nie eine durchgeplante Absicht oder

Form versinnbildlicht zum Beispiel

Aussage. Manchmal hat man ja Pro-

einen hohen Ton und Angespanntheit,

jekte die man voll konzeptioniert, aber

die Farbe blau verkörpert Ruhe, Käl-

hier war es ein fließender Aufbau, es

te und den Himmel. Je dunkler der

hat sich einfach alles gefunden.«

Ausgabe 11 | Januar 2014


Neben den einzelnen Gängen wurde

Warschau und Zürich, die ihre unter-

das Event mit Fotografien von Sagel

schiedlichen kreativen Herangehens-

& Krzykowski, einer weiteren Kolla-

weisen in der Küche vereinten. »Ich

boration von Matylda, mit dem Stillle-

habe an diesem Abend am liebsten

ben-Fotografen Christoph Sagel und

nicht diesen Raum verlassen, weil die

Musik von Jonas Loellmann ergänzt.

Kraft dieser kreativen Menschen, die

Jonas begleitete mit seinem Mikro-

inhaltlich sehr stark arbeiten und die-

phon das Probekochen in London und

ser Austausch so intensiv war. Wir alle

mischte aus den aufgenommenen Ge-

fanden die Energie, die dann auch im

räuschen den Soundtrack des Abends. 210

Christoph, der schon oft mit Matylda zusammengearbeitet hat, fotografierte Kombinationen von Zutaten. Zwischen Musik, Bildern, dem Interior und Essen fehlten für das Dinner noch Gäste und helfende Hände. Die Einladungen gingen an Freunde und Kollegen mit unterschiedlichsten Hintergründen, so saß Matyldas Steuerberater zwischen Fotografen und Redakteuren. In der familiären Atmos­ phäre gab es nur eine Bedingung: Jeder sollte eine Flasche Wein mitbringen. Hinter den Kulissen gab es eine ähnliche Energie. Es haben mehrere Leute geholfen, Journalisten, Modeund Produktdesigner aus Maastricht,

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Studio zum Ausdruck kam, war das Besondere dieses Ereignisses.« Ähnlich begeistert zeigten sich auch die Gäste. Während Matylda einräumt, dass einige sicher nur wegen des Essens, der Fotografien oder Gesellschaft kamen, gelang es doch, bei den meisten einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Statt einer anonymen Ausstellung, wurde Kunst plötzlich greifbar, doch hatte es nicht mehr viel mit Kunst zu tun, »es ist vielmehr ein soziales Ereignis mit diversen kreativen Einflüssen, eine Hommage an Kandinsky.«


WIRTSCHAFT / KUNST

211

»Aber da dieser Abend auch ein Experiment war, ist es erlaubt mehrere Ebenen anzukratzen, auch wenn diese nicht immer verstanden werden.« Ausgabe 11 | Januar 2014


212

Aber stehen alle miteinander ver-

kratzen, auch wenn diese nicht im-

wobenen Elemente nicht am Rande

mer verstanden werden.«

der Reizüberflutung? Matylda selbst

Auch wenn es als privates Dinner für

sieht eher die Chance, Maastrichts

Matylda und Valentin eine Investition

Facettenreichtum zu präsentieren:

war, war es durch diesen experimen-

»Es gab natürlich Momente, in de-

tellen Ansatz auch ein großer Erfolg:

nen ich mich fragte, ob etwas weni-

Valentins Studio war wie verwandelt,

ger hätte mehr sein können, aber es

durch die bunte Mischung der Gäs-

war kein kommerzieller Abend, uns

te wurden neue Netzwerke geknüpft

ging es darum zu zeigen, dass in ei-

und die einzelnen Kontributoren wa-

ner Stadt wie Maastricht ein solches

ren zufrieden: »Es ist ein gutes Ge-

Event machbar ist. Aber da dieser

fühl, zu wissen, dass das Publikum

Abend auch ein Experiment war, bei

den Abend genossen hat und nicht

dem viele Aspekte zusammenkamen,

so schnell vergessen wird. Das ist im

ist es erlaubt mehrere Ebenen anzu-

Grunde in all meiner Arbeit mein Be-

»Wir alle fan­ den die Energie, die dann auch im Studio zum Aus­ druck kam, war das Besondere dieses Ereignisses.«

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WIRTSCHAFT / KUNST

streben, denn ich kenne das selbst:

to Plate füllte diesen Platz mit Essen,

Wenn ich in eine Ausstellung gehe,

Geräuschen und anderen Kunstwer-

gibt es wenige Arbeiten, die mich so-

ken – durch die Gestaltung eines Er-

fort in ihren Bann ziehen. Aber wenn

lebnisses wurde die Kunst auf ande-

etwas passiert, was ich nicht erwar-

ren Ebenen neu interpretiert, aber

tet habe oder ich ein Gespräch mit je-

wird sie dadurch greifbarer? Die Kunst

mandem über ein Werk gehabt habe,

dient als inhaltsgebende Kulisse für

dass eine weitere Ebene für mich

die verschiedenen Aspekte des Din-

aufmacht, beeinflusst es mich.«

ners, wurde aber selbst auf die visu-

Aber am Ende stellt sich die Frage,

ellen Eindrücke beschränkt. Kandin-

ob ein solches Dinner sich zu sehr

skys Streben, sich von der Form zu

von seiner grundlegenden Inspira-

lösen und dem Betrachter die Inter-

tion löst? Kandinsky wollte Raum

pretation selbst zu überlassen, wur-

schaffen, um sich von einem Gemälde anregen zu lassen. Point and Line

de durch das Design des Abends in den Hintergrund gedrängt. 213

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IM I M F L O W F LOW

214

Eine Tour zu f端nf der aufregendsten BERLINER KUNSTKATALYSATOREN

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WIRTSCHAFT / KUNST

TEXT ANNA BROMLEY FOTOS SANDY VOLZ

Eigentlich wurde ich nach einer Tour durch Berliner Kunstorte gefragt. Beim Nachdenken darüber, was gerade am aufregendsten ist, komme ich aber nicht unbedingt auf Orte, sondern eher auf Ausstellungsmachende, die eigentlich oft nicht nur an einem Ort arbeiten. Heute heißt Kuratieren nicht mehr, nur eine Sammlung zu pflegen und auch nicht, als geniales Individuum nie gesehene Bezüge zwischen künstlerischen Ar­ beiten erfahrbar zu machen. Müssten dann Kunstorte nicht besser -räume heißen? Kunstraum oder space for the arts, das ist doch in Berlin inzwischen auch häufig zu hören. Was verändert sich da und welchen Einfluss hat das auf Kunstorte und Ausstellungen? Auf meiner Tour werde ich euch mit einigen Ausstellungsmacher_innen und ihrer Sicht der Dinge bekanntmachen. Nebenbei sehen wir natürlich auch die Orte, an denen sie arbeiten.

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EINS In den Kunst-Werken mit ELLEN BLUMENSTEIN Halb zwölf spuckt mich die Straßenbahn auf der Oranienburger Straße aus. Durch das verschlafene Scheunenviertel, das im Ostberlin der 1980er eine Wohnungsbesetzungshochburg war, schlendere ich in die Kunst-Werke – oder abgekürzt in die KW. Bevor ich in die Ausstellung gehe, brauche ich unbedingt noch einen Espresso mit Croissant im Café Bravo. Das Café Bravo im Hof der KW ist eines der abgezählten interessanten Architekturen in Berlin - ein verspiegelter Pavillon, dessen Entwurf vom 216

kanadischen Künstler Dan Graham stammt. In den drei Ausstellungsetagen der KW, der Bibliothek, den Arbeitsund Veranstaltungsräumen und dem Buchladen, wird ausschließlich zeitgenössische Kunst produziert und gezeigt. Oft fühle ich mich in den Ausstellungen so, als wäre ich in einer Mischung aus begehbarem Buch, Film oder auch Theaterstück und eingeflochtenen künstlerischen Arbeiten – wobei sich am Ende oft die Frage stellt, wo die Kunst anfängt und wo sie aufhört. Am besten geht man hierher nicht allein, denn schon in der Ausstellung entstehen meist gute Gespräche. Beim Rausgehen kann man manchmal lang im Bravo hängen bleiben - redend, debattierend und auf gute Weise über Kunst und alles andere streitend. Eine knarrende Holztreppe windet sich zur Schaltstelle, in der all die verschiedenen Formate realisiert werden. Hier sitzt Ellen Blumenstein - seit einem Jahr Chefkuratorin der KW.

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WIRTSCHAFT / KUNST

ELLE NBLU MENS T EIN 217

Ausgabe 11 | Januar 2014


EINS

218

AB: Ellen, Du bist seit dem Januar

gung direkt in das Museum einzieht,

2013 Chefkuratorin der international

oder ob ein Kunstort mit einer Aus-

renommierten Kunst-Werke Berlin,

stellung wie »Zur Vorstellung des

wo Du vor ein paar Jahren mit Fe-

Terrors« untersucht, wie sich Bilder

lix Enslin und Klaus Biesenbach die

von der sie umgebenden Welt über

Ausstellung »Zur Vorstellung des

mehrere Jahrzehnte verändert ha-

Terrors – Die RAF-Ausstellung« ku-

ben. Ersteres versucht, etwas von

ratiert hast. Wie siehst Du das, hat

der Kraft des Aktivismus einzufan-

das Ausstellungsmachen heute mehr

gen und im Museum zu konservieren,

mit sozialen und politischen Veran-

während wir etwas über unseren Um-

kerungen außerhalb des Kunstfeldes

gang mit (politischen) Bildern lernen

zu tun, als noch vor einigen Jahren?

und davon ausgehend unseren Blick

EB: Die Bezugnahmen darauf, was

auf die Gesellschaft und unsere eige-

in der Welt passiert – politisch, sozi-

ne Wahrnehmung schärfen wollten.

al, ökonomisch wie auch ökologisch

AB: Die KW sind in den 1990er Jah-

– haben in Ausstellungen sicherlich

ren aus einem Kollektiv heraus ent-

zugenommen. Neu ist ein solches

standen. Damals war das recht un-

Phänomen nicht: die 1970er Jahre

gewöhnlich für eine Kunstinstitution,

waren im Zuge der allgemeinen Po-

obwohl die Theaterlandschaft schon

litisierung ebenfalls eine Dekade, in

länger solche Arbeitsweisen kannte.

der nicht nur Künstler, sondern auch

Inwiefern haben das Ausstellungs-

Ausstellungsmacher sich in ihrer Ar-

machen und das Kuratieren seit die-

beit konkret zur weltpolitischen Lage

ser Zeit kollektivere Formen ange-

äußerten. Die Gegenbewegung folgte

nommen?

in den 1980er Jahren auf dem Fuße;

EB: Ich glaube, kollektive kuratori-

Kunst war in dieser Zeit häufig bewusst apolitisch.

sche Arbeit hat eher abgenommen, zumindest in unserem Bereich. Mei-

Es macht einen großen Unterschied,

ne Vermutung wäre, dass das Inte-

ob beispielsweise die Occupy-Bewe-

resse an gemeinsamer Diskussion

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WIRTSCHAFT / KUNST

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CAFÉ BRAVO IM HOF DER KW

Ausgabe 11 | Januar 2014


220

KUNST-WERKE BERLIN

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WIRTSCHAFT / KUNST

und Formfindung in der Kunst dann

nicht nur konkret ökonomisch, son-

stärker ist, wenn das betreffende Um-

dern auch in den Köpfen der Macher

feld eine plötzliche und radikale Ver-

und des Publikums deutliche Spuren.

änderung erfahren hat. Das war in den

Künstler, Kuratoren und Institutionen

90er Jahren in Berlin so, das gilt auch

bemessen das eigene Tun weniger

für WHW (What, How & for Whom) aus

aus einer inneren Werk- oder Produk-

Kroatien und ebenso für Beirut, eine

tionslogik heraus, sondern vermehrt

kuratorische Initiative in Kairo, die

an seiner Öffentlichkeitswirksamkeit,

2012 gegründet wurde. Wenn die Ver-

also dem statistischen Erfolg. Das

hältnisse und die Möglichkeiten in-

Publikum scheint das o.k. zu finden.

nerhalb dieser Verhältnisse zu agie-

Jedenfalls steigen die Besucherzah-

ren (scheinbar) klar sind, versuchen

len überall, auch die Aufmerksamkeit

die meisten Kuratoren eher, für sich

für Projekträume und freie Initiativen

allein eine Position zu finden – und

nimmt zu. Vor diesem Hintergrund

sich von anderen zu unterscheiden.

ändert sich die Rolle der sogenannten

AB: Wie haben sich aus Deiner Sicht

Freien Szene – vielleicht in Anlehnung

die Kunstorte in Berlin in den letzten zehn Jahren verändert? EB: Die Stadt beginnt sich immer stärker am Tourismus zu orientieren, und das gilt auch für die Kunstorte. Das mag für die kleineren Kunstvereine und Projekträume weniger offensichtlich werden als für größere Institutionen wie den Hamburger Bahnhof oder die KW. Aber die Atmosphäre des City Marketing legt sich flächendeckend über die gesamte Stadt und hinterlässt

an das Theater, wie du vorgeschlagen hast. In Städten wie London, wo der ökonomische Druck immer noch ungleich höher ist als in Berlin, gibt es auch freie künstlerische und kuratorische Initiativen, aber wesentlich weniger als hier. Dafür liegt auf ihnen viel mehr Aufmerksamkeit und zugleich sind sie wesentlich professioneller organisiert als bei uns. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch in Berlin eine Entwicklung in diese Richtung geben wird. Die Möglichkeiten, einfach

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221


EINS

222

unter dem Radar auch der eigenen,

liegt, weiß ich nicht genau. Irgendje-

internen Öffentlichkeit Dinge auszu-

mand behauptete kürzlich, dass Ber-

probieren und vielleicht gerade nicht

lin eine diskursive Stadt sei. Das wage

professionell zu bleiben, schwinden.

ich zu bezweifeln. Berlin hat eine

Die Grenzen werden durchlässiger.

starke Tradition in selbstorganisier-

Ob sich dabei unterschiedliche Öf-

ten Räumen, sozialen wie künstleri-

fentlichkeiten erhalten können, oder

schen. Es gibt aber auch eine starke

nicht am Ende eine einzige dabei he-

ideologische Trennlinie zwischen den

rauskommt, müssen wir abwarten.

verschiedenen Gruppen, die einen

AB: Ist Berlin exemplarisch für Ver-

Diskurs auf hohem und differenzier-

änderungen in der Figur der Ausstellungsmacherin und in den Austellungsorten? EB: Berlin ist ein extrem konservativer Boden für das Ausstellungsmachen. Im angelsächsischen Kontext zum Beispiel sind die Grenzen zwischen künstlerischen und kuratorischen Praxen, aber auch zwischen Kunst und Nicht-Kunst wesentlich durchlässiger als hier, es wird viel mehr mit Formaten und Konstella­ tionen experimentiert. Woran das

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tem Niveau erschwert. Das was man ›darf‹ und was ›gar nicht geht‹, ist für die jeweiligen Kontexte eindeutig festgelegt, und das Schlimmste ist, dass sich die Akteure dessen häufig nicht einmal bewusst sind. Solche Konventionen machen das Experimentieren schwer, und wahrscheinlich ist Berlin in dieser Hinsicht einfach nach wie vor provinziell.


WIRTSCHAFT / KUNST

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ZWEI In der nGbK mit KARIN REBBERT Gegen 14:30h - der Nachmittag ist diesig - erreiche ich die Oranienstraße in Kreuzberg und gehe in die brandneue nGbK-Ausstellung LARS2 - Love, Aids, Riot, Sex. In den großzügigen Räumen der ersten Etage treffe ich Karin Rebbert, die seit 2011 Geschäftsführerin der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (nGbK) ist. Die nGbK ist ein Kunst­verein und zwar ein ganz besonderer. Besonders ist sie nicht nur durch ihre erstklassigen und klugen Ausstellungen, sondern auch durch die Art, wie hier Ausstellungen gemacht 224

werden. Im Unterschied zu anderen Kunstvereinen wählen die Mitglieder (860, davon 63% Frauen) das Ausstellungsprogramm aus. Fünferteams, meist gemischt aus Künstlerinnen und Theoretikerinnen, realisieren dann die Ausstellungen. Als Kind der 1968er-Bewegung erarbeitete die nGbK als erster Kunstraum in Deutschland Ausstellungen, in denen es um Kunst, Politik und Arbeit ging. In den Siebzigern und Achtzigern erregte das natürlich Aufsehen und auch heute wird man hier in inspirierende Fragen zu Kunst und Gesellschaft verwickelt. Vor dem Ausstellungsraum lädt ein gut sortierter Buchladen zum Stöbern ein und direkt gegenüber serviert Berlins netteste Bedienung eine unglaublich leckere Spinat-Kokos-Torte im Bierhimmel.

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WIRTSCHAFT / KUNST

KA RIN

225

REB BERT

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ZWEI

226

AB: Verstehen sich Ausstellungsma-

ves Kuratieren. Das war ungewöhn-

cherinnen heute selbstverständlicher

lich, heute aber denken wir viel mehr

als Forscherinnen, die in einer politi-

in Netzwerken. Haben das Ausstel-

schen und sozialen Verankerung et-

lungsmachen und das Kuratieren seit

was produzieren?

dieser Zeit insgesamt kollektivere

KR: Das könnte man so beschreiben,

Formen angenommen?

aber es gibt da mehrere ineinander-

KR: In den Institutionen sitzen die

greifende Dynamiken und Konjunktu-

herkömmlichen Auffassungen über

ren. In den 1960ern kam die Vorstel-

das Ausstellungsmachen tief und das

lung vom Ausstellungsmacher als

hat Auswirkungen auf die Stellenbe-

auteur auf – also von einem Kurator

setzungen. Aber seit den 1990er Jah-

mit künstlerähnlichem Nymbus. Das

ren, in denen man wieder mehr über

kann man gut an Harald Szeeman

Politik nachdachte, wurden Kollektive

nachzeichnen. Solche auteur-Kurato-

wieder sichtbarer. Das passierte auch

ren waren meist männlich, weiß und

in der Kunst- und Kulturproduktion

heterosexuell.

und stellte natürlich diese festgefah-

Momentan wird die künstlerische

renen Vorstellungen infrage. Gemes-

Produktion an sich als Wissensproduktion begriffen. Die Künstlerinnen und Künstler verstehen sich als Forscherinnen und werden auch so beschrieben. In den letzten Jahren wurden beispielsweise PHD-Programme für Künstler_innen an den Hochschu-

sen an solchen Zeitabständen arbeitet die nGbK schon lange in transdisziplinären Gruppen. Aber nicht jede Gruppe ist automatisch ein Kollektiv, unsere Arbeitsgruppen wählen ihre Arbeitsteilung selbst. In der ersten Reihe steht dabei immer das Projekt,

len eingerichtet. Das ist auch eine Art

die Idee selbst.

Konjunktur.

AB: Wie haben sich aus Deiner Sicht

AB: Die nGbK praktiziert ja seit ihrer

die Kunstorte in Berlin in den letzten

Gründung im Jahr 1968 ein kollekti-

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zehn Jahren verändert?


WIRTSCHAFT / KUNST

227

nGbK BERLIN

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ZWEI

228

KR: Man spürt die Debatte darüber,

es sich hier im Vergleich mit anderen

dass zeitgenössische Kunst nicht nur

Metropolen sehr günstig leben und

in den Kunstvereinen und in den Ga-

die Ateliermieten waren in Ordnung.

lerien zu sehen sein sollte, sondern

Aber das ist aktuell in Gefahr! Stadt

auch in den öffentlichen Museen. Au-

und Staat sind gefordert, gemeinsam

ßerdem ist die derzeit sehr agile Pro-

Räume zu sichern, damit all diese in-

jektraumkultur spürbar. Seit einiger

teressanten Leute nicht weiterziehen

Zeit gibt es eine Vielfalt von Szenen,

und natürlich, damit auch Bewoh-

die sich miteinander verbinden, ver-

ner_innen mit geringerem Einkom-

netzen oder auch parallel, nebenei-

men weiter im Stadtzentrum wohnen

nander existieren. Die Räume und

können! Die nGbK wird sich in diesem

Institutionen haben in ihrer Öffentlich-

Jahr dieser Frage nach Zentrum und

keitsarbeit zugelegt – aber das haben

Peripherie zuwenden. Denn alle reden

auch die, die die Kunst produzieren -

von der Verdrängung aus der Innen-

sie machen das fast wie kleine Unternehmen.

stadt. Aber wo würde es denn eigentlich hingehen? Was ist ›Draußen‹? Wie

Berlin zieht viele interessante Leute

ist der Stadtraum da und wie sind die

aus der ganzen Welt an. Bisher ließ

sozialen Strukturen?

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WIRTSCHAFT / KUNST

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DREI Im Alten Finanzamt mit LORENZO SANDOVAL Über den Kotti alias das Kottbusser Tor geht es in die U-Bahn in Richtung Süden zum Rathaus Neukölln, wo es unglaublich quirlig ist. Als ich in eine Nebenstraße einbiege, lande ich in der erstaunlich ruhigen Nachbarschaft des alten Finanzamts, dem Atelier einer Künstlerinitiative. Das Alte Finanzamt, das im letzten Jahr mit dem Preis der Berliner Projekträume prämiert wurde, organisiert ein öffentliches Veranstaltungsprogramm mit Ausstellungen, Filmreihen, Tanz und experimenteller Musik. Ich habe mich mit Lorenzo Sandoval verabredet, der hier gerade eine Ausstellung 230

kuratiert. Der Madrider beschreibt sich selbst als Kulturproduzent - eine Mischung aus Kurator, Künstler und Designer, mit der er die konservativen Labels umschifft, in denen künstlerische Berufe meist bezeichnet werden. Mit Susanne Husse, die ich später treffe, entwickelte er die fortlaufende Forschungsplattform dissident desire.

AB: Lorenzo, knüpft das Aus-

künstlerische Experimente mit

stellungsmachen heute stärker

dieser unglücklichen Situation

an soziale und politische The-

und mit Alternativen. In Kunst

men an?

und Kultur kann man Diszipli-

LS: Das hängt von den Leuten

nen überschreiten und mit Ideen

ab, die eine Ausstellung machen, von ihrem Thema und ihren Strategien. Aber seit die Krise offensichtlicher wurde, beschäftigen sich immer mehr

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und sozialen Formaten experimentieren oder mit Organisationen, die beispielsweise das Geld neu denken. Wir machen uns heute mehr Gedanken da-


WIRTSCHAFT / KUNST

LORE N231

ZOSAN DOVA L Ausgabe 11 | Januar 2014


232

sister-mag.com


WIRTSCHAFT / KUNST

rüber was eigentlich Bilder sind, was

wir in uns tragen. Es fällt uns leich-

sie transportieren - was Performance

ter, eine kollektive Komposition unter

ist und was aufgeführt werden soll, im

einem Autor einzuordnen. Ich möchte

doppelten Sinne von Rollenerwartung

das nicht bewerten, es ist einfach ein

und Publikumsaufführung. Hier kön-

Fakt.

nen Situationen inszeniert werden, die

AB: Wie haben sich die Kunstorte in

unsere Gesellschaft reflektieren. Natürlich denkt man sofort an die 90er, so wie wir sie in der westlichen Welt erlebt haben. Aber auch auf die Wirtschaftskrise in den 20er Jahren wurde künstlerisch und kulturell reagiert. Und im Klima der französischen Revolution wurde der Louvre als erstes linkes Museum gegründet. So war Kunst schon immer ein guter Übungsplatz für die politische Vorstellungskraft. AB: Scheint uns das nur so, oder werden Ausstellungen heute kollektiver gemacht?

Berlin in den letzten zehn Jahren verändert? LS: Ich lebe seit viereinhalb Jahren hier und kam direkt nach der polemischen Based in Berlin Ausstellung an. Damals organisierte sich die Szene der unabhängigen Kunsträume und schließlich stellte der Senat einen Preis für Projekträume zur Verfügung. Das ist ein Anfang, aber um einen Projektraum zu führen, braucht man Ressourcen. Mit etwas Glück bekommt man diesen Preis, der die Raummiete zahlt und vielleicht noch

LS: Diese sehr interessante Entwick-

eine kleine Produktion. Aber da wur-

lung kommt sicher aus der Netzwelt

de nicht an Honorare gedacht, das

und der Frage nach dem Besitz, der

wäre aber wichtig. Berlin sollte sich

Autorenschaft an Ideen. Einerseits

vor Augen führen, wie viele spannen-

wurde uns durch die Digitalisierung,

de Projekte die unabhängigen Räume

die Creative Commons und YouTube

produzieren!

bewusster, dass Wissen kollektiv er-

AB: Welche Rolle spielt das Organi-

zeugt wird, was es auch ungeschützter macht. Auf der anderen Seite ist die Position des etwas kreierenden Autors eine kulturelle Vorstellung, die

sieren von verschiedenen Öffentlichkeiten? LS: Die großen Institutionen stehen unter Druck, mehr Publikum anzu-

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233


DREI

ziehen und Spektakel-Ausstellungen

und Orte, die einladend sind für die-

zu machen, damit viele Eintrittskar-

ses frei verfügbare Wissen, das sich

ten über den Tisch gehen. Da wird

mit jedem Gespräch verändert. Wich-

sehr betriebswirtschaftlich gedacht.

tig ist mir aber, dass diese Art des Zu-

Die Zahlen sagen aber nichts darü-

gangs zu Kultur und Kunst eine ande-

ber aus, in welcher Qualität ein Aus-

re Art gar nicht entwerten muss. Man

tausch mit den Ausstellungsbesu-

kann da sicher gut kombinieren.

chern stattfindet. Denn denen traut

AB: Ist Berlin exemplarisch für eine

man meist nicht zu, selbstständig 234

denken zu können und bereitet alles wie in einer Fernsehsendung auf. Natürlich gibt es erfreuliche Ausnahmen, wie das HKW in Berlin, die Reina Sofìa in Madrid und einige andere, die ausgefeilter mit verschiedenen Öffentlichkeiten arbeiten, Minderheiten einbeziehen und Begleitprogramme mit Workshops, Talks, Screenings, Essen und Konzerten anbieten. Ohne ein solches Programm ist da immer ein Spalt zwischen »Kunstwerk« und »Öffentlichkeit«. Wenn man aber die Künstlerin in einem Workshop treffen kann, dann tritt man auch in einen Dialog mit dem, was da gezeigt wird. Wir brauchen mehr wirklichen Austausch

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Veränderung

im

Ausstellungsma-

chen? LS: Das ist schwer zu beantworten. Berlin ist eher ein Durchgangsort, viele planen gar nicht, sich hier dauerhaft niederzulassen. Das macht die Stadt interessant. Verschiedene Lebensstile und -weisen treffen aufeinander und beeinflussen sich. Es gibt lateinamerikanische,

thailändische,

afrikanische Communities und viele mehr. Berlin eignet sich gut zum Schmelztiegel, denn es liegt zentral in Europa und nah an Osteuropa. Aber es gibt eigentlich keine berlinerische Art, Projekte zu machen. Zum Glück! Hier gibt es viele verschiedene Weisen des Projektemachens.


WIRTSCHAFT / KUNST

VIER In der SAVVY Contemporary mit ELENA AGUDIO | SASKIA KÖBSCHALL | BONAVENTURE NDIKUNG Über die Karl-Marx-Straße mit ihren unzähligen kleinen Läden, die sich wacker neben großen Einkaufszentren halten, laufe ich zum ­SAVVY Contemporary nach Rixdorf, einer ehemals böhmischen Siedlung mit Kopfsteinpflaster und ruhigen Straßen. Das SAVVY Con­ temporary ist ein 2009 gegründeter Projektraum, der im letzten Jahr dank des Preises der Projekträume aus einem kleinen Laden in ein ehemaliges Umspannwerk umziehen konnte. Seine Ausstellungsflächen, die Bibliothek und die Bar haben rohen Industriecharme. SAVVY Contemporary versteht sich als Plattform, auf der westliche und nicht-westliche Perspektiven auf Themen wie Post-Kolonialität, Identität und Gender durch das Prisma der Kunst betrachtet werden können. Ich habe Glück und treffe Elena Agudio (EA), Bonaventue Ndikung (BN) und Saskia Köbschall (SK) im Café Botanico gleich gegenüber. Die drei vom SAVVY-Leitungsteam haben ganz verschiedene Hintergründe: Elena Agudio ist eine promovierte Kunsthistorikerin und leitet die Plattform AON für Neurowissenschaften und Kunst. Der promovierte Biotechnologe Bonaventure Ndikung arbeitet in der Medizintechnikbranche, parallel als Kurator und ist Chefredakteur einer zweisprachigen Zeitschrift über zeitgenössische afrikanische Kunst. Vor vier Jahren gründete er die Initative SAVVY Contemporary. Zusammen mit Elena ist er außerdem Mitglied einer nGbK-Arbeitsgruppe. Saskia Köbschall studierte Anthropologie und promoviert in New York. In den letzten Jahren arbeitete sie viel in Filmprojekten über afrikanische Popkultur – über Hip-Hop in Ghana beispielsweise. Vor zwei Jahren stieß sie zum SAVVY-Team.

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235


VIER AB: Wie seht ihr das, hat das Ausstel-

AB: Müsste ein Kuratieren, das sich

lungsmachen heute mehr mit sozia­

für Ideen engagiert, nicht eher ein

len und politischen Verankerungen

kollektiver Prozess sein?

außerhalb des Kunstfeldes zu tun, als

EA: Absolut.

noch vor 10 Jahren? EA: Kunst war immer politisch. Aber in den letzten Jahren bekamen politische Aspekte in der Kunst mehr Aufmerksamkeit, obwohl es sie immer schon gab. Allerdings ist es gerade eine gute Zeit, radikale Debatten über 236

Selbstermächtigung zu platzieren. SK: Und die binden wir in einen klaren kritischen und theoretischen Kontext ein. EA: SAVVY ist unabhängig, wir müssen niemandem Rechenschaft ablegen keiner Institution, keiner politischen Bewegung, keiner Behörde. SK: Vermutlich könnte SAVVY auch ohne uns drei überleben, denn es geht um eine Idee, die bestimmte Menschen inspiriert.

SK: Die aktuelle und die letzte Ausstellung haben wir gemeinsam kuratiert. EA: Weil wir alle aus verschiedenen Berufen kommen, sind wir automatisch und sofort im Reflektieren. Wir debattieren wirklich viel. SK: Das sieht man den Resultaten auch an. BN: Ich bin in einem bibliophilen Umfeld aufgewachsen. Als ich aus Kamerun nach Europa kam, fragte ich mich, warum denn die internationalen Debatten über Gender und Eurozentrismus hier gar nicht ankamen. Und bis heute ist es selten, dass nichteuropäische Künstler in Berlin in großen Ausstellungen gezeigt werden. Die werden eher in ethnographischen

BN: Wir wollen unsere Konzepte in

Kontexten gezeigt und dort zum frem-

bestimmte Debatten einschreiben, da

den Anderen stilisiert. Das war wirk-

heben wir uns vom Berliner Umfeld

lich schockierend für mich, da sah ich

ab.

eine Leerstelle, die ich füllen woll-

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E


WIRTSCHAFT / KUNST

E LE N AS AS K IA B O NAVE N T U RE 237

Ausgabe 11 | Januar 2014


238

SAVVY CONTEMPORARY

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WIRTSCHAFT / KUNST

te. Und zwar durch eine Konversa-

zu helfen. Wir sind ein echtes Nach-

tion zwischen dem Westen und dem

barschaftsprojekt!

Nicht-Westen. Das Naheliegendste

AB: Wie haben sich die Kunstorte in

für mich war, das mit Kunst zu tun.

Berlin in den letzten zehn Jahren ver-

SK: Im Vergleich zu anderen Metro-

ändert?

polen wie New York oder London liegt

BN: Ich bin seit 15 Jahren hier und

Berlin zurück, was die Präsenz von nicht-westlichen Künstlern in Galerien und Museen außerhalb von exotisierenden Ausstellungen und Kontexten angeht. SAVVY leistet einen Beitrag dazu, dieses Ungleichgewicht zu verschieben.

finde die Berliner mit ihren Projekträumen wirklich mutig und aktiv. Aber Berlin ist auch eine Blase. Als ich vor 8 Jahren ein Interview mit Reuters gab, sagten die, Berlin wäre die nächste Kunsthauptstadt. Aber dass viele Künstler nach Berlin kommen,

BN: Es war klar, wir mussten etwas

macht noch lange keine Kunsthaupt-

anderes versuchen. So gründeten wir

stadt aus Berlin! Das trägt inhaltlich

unsere eigene Kunstinitiative - nicht

noch nichts bei. Ich würde sagen, dass

im Stadtzentrum, sondern in Neukölln

die Ausstellungen in den letzten Jah-

mit seiner besonderen Geschichte.

ren bessere Fragen stellten. Berlin ist

Schon vor 276 Jahren landeten die

etwas neugieriger geworden. Wenn

Böhmen als Migranten im Neuköll-

man die Qualität aller hier gezeigten

ner Rixdorf. Hier fingen wir vor 4 Jah-

Ausstellungen unter die Lupe nimmt,

re an und hier eröffneten wir im letz-

dann bezweifle ich allerdings, dass

ten Juli unsere neuen Räume. Als wir

Berlin die Hauptstadt von Irgendet-

im letzten Jahr den Preis gewannen,

was ist. Wir sollten uns fragen, was

konnten wir das Gebäude aus den

die innovativste Ausstellung der letz-

1920ern aufmöbeln. Vom Direktor des

ten Jahre in Berlin war und wie inno-

Goethe-Instituts in Lagos bis zu den

vativ die wirklich war.

Nachbarn kamen alle vorbei, um uns

Ausgabe 11 | Januar 2014

239


FÜNF Im District mit SUSANNE HUSSE Der Abend spült mich an den südlichen Rand des S-Bahnringes, wo ich im 2010 gegründeten, interdisziplinären Denk-, Experimentierund Ausstellungsraum District die Kuratorin Susanne Husse treffe. Zusammen mit lokalen und internationalen Gästen werden hier künstlerische Projekte, Ausstellungen, Diskussionen, Workshops, Interventionen und Performances im öffentlichen Raum produziert. Für diesen Ort sollte man sich Zeit nehmen, um zum Beispiel nach einer der Veranstaltungen noch auf ein Bier oder einen Wein zu bleiben. Wenn ich hier allein herkomme, lerne ich immer eine Menge 240

Leute kennen und werde mit interessanten Gesprächen belohnt!

AB: Hat das Ausstellungsmachen

in Bezug auf deine Frage beobach-

heute mehr mit sozialen und po-

ten lässt ist, wie die Kunst und die

litischen Verankerungen zu tun,

zeitgenössische Kultur als Gan-

als noch vor 10 Jahren?

zes immer mehr zum Pflaster für

SH: Ich glaube nicht. Das Ausstel-

die Wunden und Brüche werden,

lungsmachen ist ja nur ein Teil dessen, was als kuratorisches Arbeiten begriffen wird. Und dazu gehört

hauptsächlich,

gesell-

schaftliche Entwicklungen und sozial-politische Kontexte bereits in der Produktion und dann in der Vermittlung künstlerischer Praxis mitzudenken

beziehungsweise

von ihnen auszugehen. Was sich

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mit denen unsere westlich-demokratischen Gesellschaften überfordert sind. Künstler_innen und Kulturproduzent_innen arbeiten heute als Sozialarbeiter_innen, Gesellschaftstherapeut_innen, Zukunftsforscher_innen, entwickler_innen,

Stadt­

Unterneh-

mensberater_innen, Gärtner_innen,

Wissenschaftler_innen,

Öko­nom­_innen usw. In dieser Hy-


WIRTSCHAFT / KUNST

SUS

ANN 241

E HU

SSE Ausgabe 11 | Januar 2014


bridität liegt natürlich ein großes Po-

sehr lange, so dass es mittlerweile

tenzial, und mit diesem zu arbeiten,

fast eine Haltung ist. Ich suche in je-

ist aufregend. Aber die Wahrnehmung

der Zusammenarbeit mit Künstler_in-

von Kunst als Heilmittel hat eben auch

nen auch eine Form des gemeinsamen

etwas Zwanghaftes und Vereinnah-

Denkens und des Disputs und versu-

mendes. Und gleichzeitig wächst und

che, die anderen gegenüber zu öffnen.

realisiert sich dieser Anspruch immer

Das Kuratieren funktioniert dabei wie

unter den marginalisierenden Bedin-

ein Übersetzen. Ich glaube, dass die-

gungen des Regimes der Flexibilität.

se kollektiven Mikrokosmen gesell-

Prekär ist es und dabei hochprofessi-

schaftliche Minimodelle auf Zeit sind.

onell.

Das was man dabei lernt und die Art,

AB: Inwiefern ist es eher ein kollektiver Prozess geworden? SH: Vielleicht aus der Lust und Not242

wendigkeit heraus, eigene Strukturen zu bilden. Und die Vorbilder dafür sind unter anderem die kollaborativen Formen des Arbeitens und der Selbst-Organisation, die sich in der Kunst und im politischen Aktivismus beziehungsweise dort, wo sich die beiden vermi-

wie man sich darin neu erfinden kann, hilft, auch mit dem Kollektiv von Persönlichkeiten, Geschichten und Fähigkeiten im eigenen Körper umzugehen. »Jeder in seiner Welt so viele Welten« ist eine Zeile von Durs Grünbein, die ich sehr mag. Ich plädiere dafür, uns zu ent-einen, uns zu entspezialisieren. AB: Welche Rolle spielt das Organisieren von verschiedenen Öffentlich-

schen, seit den 60er und 70er Jahren

keiten dabei?

entwickelten. Auch die innerhalb von

SH: In Ausstellungen eröffnen wir Räu-

Künstlergruppen, kollektiven Initiati-

me, in denen bestimmte Themen für

ven und alternativen Räumen entste-

eine Zeit eine Rolle spielen und schau-

henden Fragestellungen und Forma-

en dann, was sich daraus entwickelt.

te der gemeinsamen Autorenschaft

Bei »dissident desire«, einem Projekt

und Vermittlung waren sehr einfluss-

zur Auseinandersetzung mit dem Kör-

reich. Mich begleiten die Auseinander­

per als Ort widerständigen Wissens,

setzung und das Experimentieren mit

das wir über sechs Monate bei District

kollektiven Zusammenhängen schon

realisiert haben, arbeiteten wir mit

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WIRTSCHAFT / KUNST

Wucherungen und Verzweigungen von

AB: Ist Berlin exemplarisch für eine

politischen Themen, die unterschied-

Veränderung

liche Gruppierungen verfolgen – akti-

chen?

vistisch, in der Theorie oder innerhalb

SH: Berlin denkt wahnsinnig gern über

der künstlerischen Praxis. Die wiederum sind verknüpft mit bestimmten Kulturen des Diskutierens und des Kritisierens. Die Herausforderung ist, nicht zwanghaft auf einmal gesetzten Strukturen zu beharren, sondern offen zu bleiben und sich schütteln zu lassen von dem, was man einlädt. Also den Raum als eine schwingende Membran zu begreifen, in dem es immer um das Ausloten der Zwischenräume geht, in denen andere Denkstrukturen und Formen des Handelns versucht werden können. Für mich ist es aufregend, ein Projekt mit der vietnamesischen Community in Berlin mit queeren Körperstrate­ gien oder -politiken zu verknüpfen. Seit einiger Zeit arbeite ich eher in ergebnisoffenen Projektreihen, die, nachdem sie einmal stattgefunden haben, weitergehen können und in denen sich verschiedene Themen und auch Leute aneinander reiben und miteinander verbinden

im

Ausstellungsma-

sich selbst nach und reflektiert sich dann doch nicht. Zum Beispiel nehme ich die wahnsinnig vielen internationalen Leute, die mittlerweile in Berlin leben, als ungenutztes Potential wahr. Die werden im Bereich der Kunst meist nur auf Projektraumebene sichtbar, wo die Ressourcen oft zu begrenzt sind, um mehr als einen Ansatz, eine Skizze für sich entwickelnde, interessante Formen des künstlerischen und kuratorischen Arbeitens zu erfahren. Was mich an Berlin interessiert, sind die Durchlässigkeiten, die Verknüpfungen, die zwischen den unterschiedlichen Szenen bestehen. Viele Kurator_innen arbeiten sowohl für größere Institutionen, machen aber auch freie Projekte mit oder ohne Geld, organisieren ihre eigenen Räume. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses ständige Passing von einer Rolle zur anderen und dieses ständige Driften zwischen Infrastrukturen und Kontexten und auch Formen des Überlebens, innerhalb dieses Berufs exemplarisch ist.

243


KW

MITTE

EINS

Klickt auf die Orte und ge-

Auguststr. 69, Berlin-Mitte.

langt direkt zu

Mi-Mo 12h-19h , Do bis 21h

Google Maps.

Aktuelle Ausstellung: REAL EMOTIONS:

THINKING IN FILM, 23. 2.– 27. 4. 14, weiter

IERGARTEN

N

Ausstellungen unter www.kw-berlin.de

ZWEI

KREUZBERG

Oranienstr. 25, Berlin-Kreuzberg. Täglich 12-19h, Do-Sa bis 20h

244

Aktuelle Ausstellung: LOVE AIDS RIOT SEX 2 - Kunst Aids Aktivismus

Im Souterrain der Schöns

NEU

Berlin-Neu

Aktuelle Ausstellung: ONLIN

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un

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Ku

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rf ör de

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1995 bis heute, bis 9. März

LINE. Encoding Eve

DI

ST

RI

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TEMPELHOF

FÜNF

sister-mag.com

Bessemerstraße 2-14, Berlin-Tempelhof. Di.-Fr. 10-17h, Aktuelle Ausstellung: Jana Gunstheimer: GENIE (LABOR), bis 23.04.2015


WIRTSCHAFT / KUNST

Die Künstlerin Anna Bromley, die im Berliner Südosten aufwuchs, hat immer min-

.V .

destens einen Koffer in Berlin. Im vorigen

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FRIEDRICHSHAIN Ku n

einer Arbeitsgruppe der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst die Ausstel-

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Jahr co-kuratierte sie dort als Fünftel

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lung DIE IRREGULÄREN – ÖKONOMIEN

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DES ABWEICHENS mit dem Begleitbuch

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GLOSSAR INFLATIONÄRER BEGRIFFE

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und dem Symposium DOING NERD.

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WWW.ANNABROMLEY.COM

Sandy Volz ist Künstlerin und Fotografin. Sie lebt in Berlin.

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stedtstr. 7, DREI

ukölln.

245

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VIER Richardstr. 20, Berlin-Neukölln. Im Winter nur Samstags 16-19h, Aktuelle Austellung: PERHAPS ALL THE DRAGONS IN OUR LIVES ARE PRINCESSES, bis 15. Feb.

Ausgabe 11 | Januar 2014


sisterMAG Ausgabe 11  

Ausgabe 11 mit den Oberthemen "Geschichte – Wirtschaft – Kunst" im Februar 2014

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