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Mit dem Risiko leben

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Editorial

Kontakt SIM Schweiz Weissensteinstrasse 1 Pf 4051; CH-2500 Biel 4 Postfinance: SIM, 10-2323-9 IBAN: CH49 0900 0000 1000 2323 9 BIC POFICHBEXXX Tel./Fax ++41(0)32 345 14 44/54 sim.suisse@sim.org SIM Belgien 38 rue Draily 6000 CHARLEROI Compte bancaire: 979-2238252-79 IBAN: BE58 9792 2382 5279 BIC: ARSPBE22 Tél. ++32 (0)485 562 936 sim.belgique@sim.org SIM Italien Via Rana,386 IT-15122 CASCINAGROSSA (AL) Kto: SIM Società Internazionale Missionaria Onlus n° 66281957 IBAN: IT18 R07601 10400 000066281957 Tel. ++39 0131 61 09 79 sim.italia@sim.org SIM Frankreich Quartier des Mians FR-84860 Caderousse CCP: SIM nº DIJ 201347U IBAN: FR22 2004 1010 0402 0134 7U02 508 Tel./Fax ++33(0)4 90 51 00 69 sim.france@sim.org SIM Canada au Québec 17 rue Alfred-Laliberté Notre-Dame-de-l´Ile-Perrot, QC, J7V 7P2 Tél./Fax: 514 425 6611 Quebec.Selection@sim.org Impressum «SIM heute» erscheint viermal im Jahr in Deutsch, Französisch und Italienisch. Jahresabonnement: CHF 10.–; € 6.–. Der Abonnementspreis ist in den Spenden des laufenden Jahres enthalten. Redaktion: Waltraud und Günter Kunz Grafik/Layout, Produktion: FRANK.COMMUNICATION. Singen (D) www.frank-com.de Druck: Jordi AG .das Medienhaus. Belp, www.jordibelp.ch Die SIM ist Mitglied der

und der

SIM International (Suisse) hat den Ehrenkodex SEA unterzeichnet. Das Gütesiegel verpflichtet die Unterzeichner zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ihrer Spende.

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Vom Gemeindewachstum und einem lebenslangen Abenteuer Suzanne Green, Redakteurin für SIM International

Das Wachstum der Kirche in der Mongolei ist wirklich beeindruckend. Bei einem Gespräch neulich in meiner Gemeinde in Schottland wurde betont, dass man 1990 in der Mongolei noch von kaum mehr als fünf Christen wusste. Heute, nur etwa 20 Jahre später, ist die Anzahl der Christen auf über 50‘000 emporgeschnellt! Auch in anderen Teilen der Welt tritt dieses Phänomen eines enormen Gemeindewachstums auf. Es hilft sehr, sich dies ins Gedächtnis zu rufen und nicht nur darauf zu schauen, was sich bei uns „im Westen“ tut bzw. eben nicht tut. Bei der Diskussion in unserem Hauskreis darüber meinte ein Teilnehmer: „Ja, alles schön und gut! Aber was hilft uns das hier? Unsere Statistiken sind alles andere als ermutigend!“ Ich erwiderte, dass es mir ein klareres Bild von der gesamten Christenheit gibt, wenn ich sehe, was in anderen Ländern läuft. Ich bin froh, dass mir meine Arbeit die Möglichkeit bietet, ständig davon zu erfahren, was Gott rund um den Erdball tut. Sonst wäre ich auch längst entmutigt! In dieser Ausgabe schauen wir in eine Arbeit hinein, die in Erdenet in der Mongolei stattfindet. Das ist nicht der einzige Ort dieses riesigen Landes, in dem sich grossartige Dinge ereignen. Aber es zeigt einen Ausschnitt davon und gibt uns genug Stoff zum Beten. Und für diejenigen, die bereit sind, sich dorthin senden zu lassen, wird der dringende Bedarf an Unterstützung deutlich. In dieser Ausgabe finden Sie ebenfalls einen Artikel darüber, dass Mission oftmals mit einem Risiko verbunden ist. In einigen Unruhegebieten dieser Welt müssen Missionare wegen Kämpfen, die dort ausgebrochen sind, manchmal evakuiert werden. Andere Gebiete sind friedlich, jedoch besteht oftmals ein höheres Gesundheits-Risiko als im Heimatland. Und es gibt noch viele andere Risiken, die mit einem Auslandseinsatz verbunden sind, wie zum Beispiel: „Werde ich meinen Partner fürs Leben finden, wenn ich ins Ausland gehe?“ Manche Missionare würden darauf antworten, dass sie ihren Ehemann oder ihre Ehefrau gefunden haben, gerade weil sie dem Ruf Gottes ins Ausland gefolgt sind (wie in meinem Fall). Die SIM kümmert sich sehr um die Sicherheit ihres Personals. Aber in der Nachfolge Jesu zu stehen, ist und bleibt ein Abenteuer auf Lebenszeit! Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir immer auf „Nummer Sicher“ gehen können. Aber das hat derjenige, dem wir folgen, ja auch nicht gemacht.


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Treue Zeugen

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Orou Ina Sidi Jean (1938-2011) John Stuart

Mehr als sieben Jahrzehnte lang wurden die Menschen in Benin durch das Leben von Orou Ina Sidi Jean gesegnet. Sidi Jean kam 1938 in einem Baatonu-Dorf zur Welt, und bereits als Teenager vertraute er Christus sein Leben an. Von Jim und Teddy Cail in seinem Glauben begleitet und gestärkt, machte er sich auf, um an der Bariba-Bibelschule zu unterrichten und sie zu leiten. Zusätzlich gründete er mehrere Gemeinden. Als in den siebziger Jahren der Kommunismus die Herrschaft im Land übernahm, steckte man Sidi Jean für kurze Zeit ins Gefängnis. Er liess sich dennoch nicht davon abhalten, treu das Evangelium zu verkündigen. Er bekam mit, wie seine traditionelle afrikanische Heimat zur Kolonie wurde, dann zu einem marxistischen Staat und schliesslich zu einer freien modernen Republik. Doch bei all den politischen Umwälzungen galt für ihn stets nur das Eine: Jesus zu erkennen und ihn bekannt zu machen. „Niemand hat in Benin so viele Menschen zu Jesus geführt wie Sidi Jean. Er ist für den Norden Benins das, was Billy Graham für die Welt ist: Die

Sidi Jean (rechts) mit SIM-Missionar Jim Cail im Jahr 1969.

Bibelschul-Studenten ermutigen und war stets ein geduldiger Lehrer. Tausende schätzen ihn als einen „geliebten Bruder“. Seine letzten 15 Dienstjahre galten hauptsächlich den Patienten im Missionsspital in Bembéréké, gegen Ende vorwiegend den an AIDS Erkrankten. Durch eigenes Leiden, das er mit der Krankheit und dem Tod seiner Frau und seiner Tochter durchmachte, wurde er ein umso besserer Pastor. Er gewann dadurch das Vertrauen der Patienten, denen er sein Mitgefühl und seinen tief gegründeten Glauben bezeugen konnte. „Er war ein begabter Evangelist mit der Einstellung eines Dieners, der andere höher achtete als sich selbst“, schreibt die SIM-Mitarbeiterin Martha

Sidi Jean bei der Aufnahme einer Radiosendung

nicht zum Schweigen zu bringende Stimme, die mit viel Liebe Menschen zu Jesus Christus ruft“, schreibt Ben Hegeman, SIM-Missionar in Benin. In den vergangenen 20 Jahren bereitete er Radiosendungen vor und war regelmässig als Sprecher auf dem FM-Bariba-Sender zu hören. Wie kein anderer konnte er junge Pastoren und

Koetsier. „Wie kein anderer konnte er das Evangelium auf einfachste Weise erklären.“ Die UEEB-Gemeinden in Benin nahmen am 27. März 2011 Abschied von Sidi Jean. Als SIM empfinden wir es als grossen Segen, gemeinsam mit diesem demütigen Mann Gottes arbeiten zu dürfen. Es war bereichernd, Zeuge seiner ansteckenden Freude zu sein, mit der er das Evangelium gelebt und verkündigt hat.

Mehr über das Leben von Sidi Jean und seinen Beitrag zur Verbreitung des Evangeliums in Benin finden Sie (in Englisch) auf www.sim.org.

Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe das Ziel des Laufes erreicht, ich habe am Glauben festgehalten. Nun liegt der Siegeskranz für mich bereit, die Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir an jenem grossen Tag geben wird. (2. Timotheus 4,7, NGÜ)


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isiko R d n u n o i s s Mi

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Der Risikofaktor in der Weltmission von Suzanne Green Gestern bewies Got t mir und meiner Frau aufs Neue seine Liebe und Treue… Am Vormit tag… erreichte uns Nachricht aus Karmuk, der nächsten Stadt von Yabus aus, dass es Probleme gab und man die Missionare evakuieren würde. Unser Freund Ryan Weeks machte sich zum Aufbruch bereit. Aber wir hat ten nicht vor zu gehen, weil die Bombardierungen in Karmuk und nicht in Yabus stat tfanden. Dann aber, um 9 Uhr 40, passierte es: Das Flugzeug hat te kaum von der Start bahn in Yabus abgehoben, als ein anderes Flugzeug auftauchte und zweimal die Rollbahn bombardierte. Alle rannten wie aufgeschreckte Hühner in sämt liche Richtungen davon, um sich im Busch zu verstecken. Beim Laufen betete ich: „Herr, wache über uns und tue, was für uns das Beste ist.“ Got t liess uns nicht im Stich. Er beschützte uns und brachte uns sicher nach Nairobi. Und ich weiss, dass euer ernst haftes Gebet und eure Tränen eine wichtige Rolle darin gespielt haben. Herzlichen Dank dafür, möge Got t euch alle segnen! Wir bit ten auch weiterhin, dass ihr für unsere Mitarbeiter betet, für die Lehrer und das Personal, die in Yabus zurückgeblieben sind. Betet, dass Got t sie bewahrt und ihnen hilft. Es bereitet uns Schmerzen, wenn wir an sie denken. Bit te, bit te, betet für ihre Sicherheit…

Dieser Abschnitt stammt aus dem Bericht über die Evakuierung der SIM-Missionare Hiakie und Rangteigong Hegui. Er macht deutlich, dass sich das Risiko in der Mission nicht ausschliessen lässt. Das Ehepaar, das aus Nagaland in Indien stammt, befindet sich inzwischen in Doro in Südsudan, wo sie weiterhin für die Sekundarschule in Yabus arbeiten und bei der Leiterschulung mithelfen. Wegen der Unruhen in der umstrittenen Grenzregion zwischen Nord- und Südsudan wurden sie aus Yabus evakuiert. Es stimmt durchaus, dass Mitarbeiter der SIM in manchen Regionen dieser Welt einem höheren Risiko ausgesetzt sind, als wenn sie zu Hause geblieben wären. Bei anderen mag die Wahrscheinlichkeit, physischen Schaden zu erleiden, sogar geringer geworden sein, indem sie sich entschlossen, in einem fremden Land zu dienen. Das gilt zum Beispiel dann, wenn eine Familie aus einer westlichen Grossstadt mit hoher Kriminalitätsrate in ein relativ friedliches Dorf im Ausland zieht. Trotzdem muss sich jeder Missionsbewerber irgendwann fragen: „Wie steht es um die Sicherheit an meinem neuen Wohnort? Wird meine Familie irgendwelchen Risiken ausgesetzt sein, wenn wir dorthin ziehen?“ Diese Überlegungen sind ganz normal, wenn man darüber nachdenkt, seine Wurzeln zu verlassen, um in einem anderen Teil der Welt zu leben. In dieser Zeit, wo das Fernsehen

uns ständig mit Bildern von Unruhen und Kämpfen aus der ganzen Welt überschüttet, müssen Missionsinteressierte wahrscheinlich vermehrt Zeit mit Gebet und Nachdenken verbringen, bevor sie sich bewerben. Natürlich können wir als Christen nicht immer auf „Nummer Sicher“ gehen. Wir versuchen, gute und weise Entscheidungen zu fällen und die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um uns und unsere Familien zu schützen. Aber wir folgen Jesus nach, der uns führt, wohin er will. Ich denke an den Charakter des Löwen Aslan in den Narnia-Romanen von C.S. Lewis. Wir müssen uns bewusst sein, dass „unser Löwe“ an unserer Seite ist. Und er ist stark. Oft schon habe ich von Leuten gehört, wie sie in schwierigsten Umständen Mut hatten. Weil sie wussten, dass Gott bei ihnen war und sie sich an dem Ort befanden, wo er sie haben wollte. Die Risiken abschätzen Sicherheit ihrer Mitarbeiter: Die SIM nimmt dieses Thema sehr ernst. Unsere neuen Mitarbeiter erhalten während des Orientierungskurses viele Hinweise, wie sie sich in Sachen persönliche Sicherheit verhalten sollen. Dabei wird auch die Verantwortung der SIM sorgfältig erklärt. Sämtliche Büros der SIM weltweit verfügen über einen Notfallplan, der jährlich aktualisiert wird, zusammen mit einer Einschätzung der Risiken.

Das internationale Büro der SIM hilft auch den neuen sendenden Partnern, sich mit diesen Themen zu befassen, bevor sie ihre Missionare aussenden. Es ist uns bewusst, dass sie im Allgemeinen über weit weniger Mittel verfügen als wir. Nur selten haben sie eine Versicherung für einen Rücktransport im Notfall. Ich fragte den Direktor für SIM-Äthiopien, Steve Bryan, warum nach seiner Meinung Leute bereit seien, in Gebieten zu arbeiten, die nicht unbedingt als sicher einzuschätzen sind. Seine Antwort lautete: „Ich glaube, dass diejenigen, die sich entschieden haben, in einem Gebiet mit hohem Risiko zu dienen, sich nicht blind stellen für die möglichen Gefahren, sondern die Risiken sehr gründlich abgewogen haben. Meistens denken wir bei Risiken nur an die physische Gefahr. Das führt dazu, dass wir so handeln, als seien Krankheit und Tod die grössten Bedrohungen für unser Wohlergehen. Doch das Leben ist noch grösseren Risiken ausgesetzt. Zum Beispiel besteht die Gefahr, dass wir unser Leben damit vergeuden, wertlosen Dingen nachzujagen. Oder wir betrachten das Glück in der Ehe und die Sicherheit der eigenen Kinder als höchstes Gut. Wehe, wenn dann das Eheglück dahin schwindet und die Kinder geistlich andere Wege gehen.“ Ein vielschichtiges Thema Es ist nicht einfach, mit Sicherheitsfragen und Krisensituationen umzugehen. Eine Vielzahl von Faktoren ist zu bedenken, bevor man eine Evakuierung anordnet, wie im Fall von Hiakie und Rangt eigong. Wir vertrauen, dass Gott seine Kinder beschützt. Gleichzeitig versuchen wir, das Wohin und Wann bei einer Platzanweisung mit Weisheit zu entscheiden. Wenn SIMMitarbeiter evakuiert werden müssen, wissen sie, dass ihre einheimischen Kollegen sehr wahrscheinlich nicht weggehen können. Das bedeutet, dass enge Freunde

Missionar in Yabus mit einheimischen Mitarbeitern


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siko i R d n u n o i Miss

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Gefahren ausgesetzt sind, während sie gerettet werden – ein schmerzhaftes Dilemma. Wir arbeiten hart daran, die Sicherheit eines jeden unserer Mitarbeiter zu gewährleisten, in dem Bewusstsein, dass wir es auch mit Risiken zu tun haben, die einer ständig steigenden anti-westlichen, anti-christlichen und anti-missionarischen Haltung geschuldet sind. Aber letztendlich liegt unsere Sicherheit nicht in den SIM-Vorschriften und Verhaltensmassnahmen begründet, sondern in unserem herrlichen und allmächtigen Gott. Jesus hat sich nicht vor Risiko gescheut, und er betrachtete seine persönliche Sicherheit auch nicht als das Wichtigste. Steve Bryan erinnert uns an die Aussage Jesu im Matthäus-Evangelium: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können – die Seele können sie nicht töten. Fürchtet vielmehr den, der Leib und Seele dem Verderben in der Hölle preisgeben kann.“ (Matthäus 10,28, NGÜ)

Einfahrt zur SIM-Station in Yabus

Auch Angehörige machen sich Sorgen Es braucht viel Mut von Eltern und Grosseltern, um ihre Lieben aufs Missionsfeld ziehen zu lassen, wenn die Umstände nicht besonders sicher scheinen. Jimmy und RoxAnne Cox arbeiteten 1994 mit ihrer Familie für die SIM in Äthiopien. RoxAnne schreibt von einem Tag, den sie nie vergessen wird, dem 29. November: „Ich hatte Angst, mit meiner Mutter zu telefonieren. Wir hatten gerade vor ein paar Wochen meinen Vater in Kanada beerdigt. Und ich wusste: Wenn sie erfahren würde, was uns gerade in Äthiopien zugestossen war, würde sie uns auffordern, sofort nach Hause zu kommen: ‚Schafft meine lieben Enkel sofort da raus‘, würde sie sagen – zumindest dachte ich das. Bewaffnete Banditen hatten in der Nacht unser Haus überfallen und mit ihren schrecklichen Maschinengewehren das Feuer auf uns eröffnet. Gott hatte wirklich ein Wunder getan, dass wir alle am Leben geblieben waren. Ich teilte meiner Mutter mit, dass die SIM uns von unserer abgelegenen Station im Busch evakuiert hätte. Auf der anderen Seite herrschte tödliche Stille, während meine Mutter die Nachricht verarbeitete. Dann verblüffte sie mich: ‚Ich glaube, wenn ihr jetzt nach Hause kommt, erhält der Teufel den Sieg‘. Aber ich wollte doch nach Hause! Es war kurz vor Weihnachten, der Tod meines Vaters beschäftigte uns alle noch und wir litten unter den Folgen des Traumas auf Grund der Schiesserei. Später sagte meine Mutter, dass diese Worte vom Heiligen Geist gekommen seien, nicht von ihr. Wir sind in Äthiopien geblieben, wir erhielten ausgezeichnete post-traumatische Betreuung von Mitmissionaren, und der Herr tröstete unsere Familie in Nordamerika. Wir sind so dankbar für unsere 23 Jahre in Afrika!“

Die Cox-Jungen mit ihrer Grossmutter

Bibelunterricht für Christen vom Gumuz-Volk, unter dem Familie Cox gearbeitet hat.


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hstum c a w e d n i e Gem in Asien

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Erdenet: Ein Schatz in Gottes Augen von Jane Smith

In Erdenet wohne ich jetzt seit einem Jahr. Mit ihren 100‘000 Einwohnern ist sie die zweitgrösste Stadt der Mongolei. Ihren Namen verdankt sie der viertgrössten Kupfermine der Welt. Als 1975 gewaltige Kupfervorkommen entdeckt wurden, wurde die dort entstehende Siedlung „Erdenet“ genannt, was wörtlich übersetzt „Nahe beim Schatz“ bedeutet.

Der Bedarf an Mentoren Inzwischen sind über 20 Jahre vergangen und viele Einwohner von Erdenet haben Gott persönlich kennengelernt. Es gibt 17 Kirchen in der Stadt und noch mehr in der Umgebung. Die meist mongolischen Pastoren arbeiten eng zusammen. Viele Gemeindemitglieder machen eine Bibelschulausbildung und sind bestrebt, sich für die Leitung der Anbetung, für die Arbeit mit Kindern oder für die Seelsorge ausbilden zu lassen.

Da das Kupferbergwerk gut bezahlte Arbeit anzubieten hatte, wuchs Erdenet sehr schnell. Leute aus den umliegenden Gegenden gaben gerne ihren harten nomadischen Lebensstil auf und machten sich sesshaft. Und sie fanden dort tatsächlich ihren „Schatz“. Aber sie ahnten nicht, dass sie in Erdenet auch noch einen weitaus wertvolleren Schatz finden könnten: eine persönliche Beziehung zu Gott.

Natürlich sind die Leiterpositionen zurzeit noch mit Christen der ersten Generation besetzt, die nicht auf Vorbilder oder Berater aus eigenen Kreisen zurückgreifen können. Auf der einen Seite ist es wichtig, dass neue Leiter selbständig werden, andererseits brauchen sie die Ermutigung und den Beistand von Missionaren.

Nach der Öffnung der Mongolei zur Aussenwelt im Jahr 1990 dauerte es nicht lange, bis die ersten christlichen Missionare kamen und anfingen, Gemeinden zu gründen. Sie stellten fest, dass Erdenet nicht nur ein „Schatz“ wegen seiner Kupferminen war, sondern auch wegen der Einwohner, die in Gottes Augen so wertvoll sind. Sie malten sich aus, was Gott tun würde und wie Er viele Mongolen als seine Kinder annehmen würde.

Letztes Jahr im Juni fand in Erdenet der erste „JesusMarsch“ statt. Ich war von der Freude und Liebe überwältigt, die von den circa 300 mongolischen Christen verschiedener Denominationen ausging. Sie wollten die Gute Nachricht in ihre Stadt bringen. Der anschliessende Gottesdienst, der unter einem grossen Zeltdach stattfand, war gut besucht, und die Gemeindeleiter freuten sich auf die evangelistischen Veranstaltungen,

Quelle: Harpers‘ Global Roving

die sie an den folgenden Abenden durchführen würden. Doch sie hatten zu viel Selbstvertrauen. Die kleine Anzahl von Besuchern setzte sich fast ausschliesslich aus einer Horde vernachlässigter Kinder aus den benachbarten Vierteln und einigen Gemeindegliedern zusammen. Was war schiefgelaufen? Das Zelt war gross und gut platziert. Den ganzen Tag über wurde Musik gespielt, und auch das Wetter war erstaunlicherweise gut. Doch die Gemeindeleiter hatten es verpasst, ihre Mitglieder zu informieren, zu motivieren und mit einzuspannen. Das Abendprogramm wurde, ohne viel zu überlegen oder zu beten, ganz spontan zusammengeschustert – alles in letzter Minute. Und es hatte sich kaum jemand die Mühe gemacht, seine Freunde oder Bekannten einzuladen. Ihnen war einfach nicht bewusst, dass das ihre Verantwortung war. So vergingen die „Zelttage“, und die Organisatoren fühlten sich ausgelaugt. Ich bin sicher, dass Gott sich über das Wachstum der Gemeinde und die Liebe seiner Kinder hier in Erdenet freut. Doch er kennt auch den Bedarf an Missionaren vor Ort. Zurzeit haben wir eine Mitarbeiterin, die Bibelschüler motiviert, einen Nachmittag pro Woche einzusetzen, um armen und bedürftigen Menschen in ihrer Umgebung praktische Hilfe anzubieten. In der Gemeinde gibt sie Anleitung in Evangelisation und an der Schule Englischunterricht.

Zeltveranstaltung in Erdenet


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hstum c a w e d n i e Gem in Asien

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Ein Ehepaar unterstützt Schulen auf dem Land, indem es Bibliotheken aufbaut und den Lehrern Computer installiert. Ein weiteres Ehepaar bietet Seelsorge an sowie praktische Hilfe für solche, die von der Gesellschaft oft übersehen werden: alleinstehende Mütter, Kinder in Tagesstätten und Patienten im Endstadium. Andere haben ein Café als Möglichkeit zur Evangelisation eröffnet. Sie versuchen, mit dem Gewinn die örtliche Jugendarbeit zu unterstützen. Der Leiter von JMEM für die Mongolei lehrt zusammen mit seiner Frau an Bibelschulen im ganzen Land und darüber hinaus und investiert somit in das Leben zukünftiger Leiter. Ich bin ebenfalls von der Arbeit unter Jugendlichen begeistert und arbeite im Moment an der Übersetzung von Jugend-Alpha-Kursen für Leiter und Teilnehmer und bilde Mitarbeiter verschiedener Gemeinden für die Arbeit mit Teenagern aus – egal ob sie bereits Christen oder nur am Glauben interessiert sind. Ein Ehepaar träumt davon, eine Fussballschule zu eröffnen. Das bedeutet, an Schulen mit dem Programm „Fussball Plus“ zu arbeiten und beim Fussballtraining christliche Werte zu vermitteln - als Grundlage zu einer positiven Charakterbildung.

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GEBEN

» Wenn Sie unsere Arbeit oder die Arbeit anderer Missionare in der Mongolei unterstützen möchten, nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

GEHEN » Könnten Sie sich vorstellen, sich unserem

Team in Erdenet anzuschliessen? Wir brauchen Lehrer für körperlich und geistig behinderte Kinder sowie Physio- und Ergotherapeuten.

Weitere Einsatzmöglichkeiten finden Sie auf: www.sim.ch/de/mitarbeiter/gesucht.html

Pascal Zurbuchen

» Beten Sie mit uns, dass Gott die Herzen von Millionen unerreichter Mongolen vorbereitet, damit sie von Jesus erfahren. Und beten Sie für weitere Mitarbeiter, die bereit sind, unter dem Volk der Mongolen zu arbeiten. Bitte beten Sie auch für hingegebene Leiter mit einer Vision.

Am 8. November brannte das Gebäude des Radiosenders ELWA (Eternal Love Winning Africa) in Monrovia, Liberia, bis auf die Grundmauern nieder. Sobald der Notruf eingegangen war, eilten Einsatzkräfte der UNFriedenstruppe, drei Polizeieinheiten, sogar ein Panzerwagen und die liberianische Feuerwehr zu Hilfe. Auch die Mitarbeiter von ELWA und andere taten ihr Möglichstes, das Feuer zu löschen. Doch es konnten nur ein Mischpult und zwei Drittel der CDs und Tonbänder gerettet werden. Im Moment strahlt ELWA seine Botschaften der Hoffnung und Rettung über einen kleinen Satellitensender aus. Die SIM hat Mittel zur Verfügung gestellt, um dort eine Klimaanlage zu installieren und einige Computer anzuschaffen. Doch es besteht weiterhin ein grosser Bedarf an technischer Ausrüstung. Bisher gibt es keine Hinweise auf die Brandursache. Das Feuer brach am selben Tag aus, an dem die Präsidentschaftswahlen begannen.

Es kommt auf jeden von uns an. Es geht darum, unseren Glauben im Alltag auszuleben, den Menschen von Jesus zu erzählen und den Leitern zu helfen, dass sie wachsen, ihre Gaben erkennen und sie einsetzen können. Gott schätzt den Ort Erdenet sicherlich sehr, und wir könnten noch viele gebrauchen, die uns helfen, die Schätze Seiner Liebe den Menschen hier weiterzugeben.

BETEN

ELWA-Radiosender durch Feuer zerstört

Der ELWA-Radiosender wurde 1954 gegründet und 1990 wegen des Bürgerkrieges in Liberia 18 Monate lang ausser Betrieb genommen. Der FM- und der Kurzwellensender zogen in die alte Werkstatt der ELWA-Station um, die 1996 geplündert wurde. Seit dieser Zeit wurde ELWA weiter ausgebaut und sendet heute in 12 der 15 liberianischen Sprachen. Pascal leistet zurzeit seinen Zivildienst in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. In Zusammenarbeit mit der SIM stellt der diplomierte Augenoptikermeister seine beruflichen Kenntnisse der dortigen Augenklinik zur Verfügung. Mehr unter: www.sim.ch/de/mitarbeiter/kurzzeit.html » Pascal Zurbuchen

Falls Sie sich am Wiederaufbau des ELWASenders beteiligen möchten, vermerken Sie bitte „ELWA Wiederaufbau 95107“ auf Ihrer Einzahlung. Mehr Information steht (in Englisch) auf www.sim.org/index.php/project/95107 zur Verfügung.


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aus e r a n o i s s i M Region der

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Ein Herz für Jugendliche in Benin Damien Golay ist im jurassischen Vallée de Joux aufgewachsen, wo er eine Ausbildung zum Automechaniker und –elektriker absolviert hat. Der Wunsch, sein Leben mit Gott noch intensiver zu gestalten, führte ihn zunächst nach Benin und Togo in Westafrika. Von 2005 bis 2006 absolvierte er eine Jüngerschulung bei Jugend mit einer Mission. Dort erlebte er dann auch konkret, wie Gott ihn zur Missionsarbeit berufen hat, um Ihm mit seinen Gaben und Fähigkeiten zu dienen.

Zur weiteren Vorbereitung meldete sich Damien zur Ausbildung am Bibelinstitut Emmaüs in St. Légier an. In der Bibelschule ist es üblich, regelmässig Vertreter verschiedener Missionswerke einzuladen, um ihre Arbeit vorzustellen. Auf diese Weise kam Damien in Kontakt mit Walter Diem, dem Direktor der SIM Schweiz. Da beide das Land Benin gut kannten, fanden sie schnell gemeinsamen Gesprächsstoff, und Walter konnte Damien die Arbeit der SIM

in Benin etwas detaillierter vorstellen. Dieses Zusammentreffen blieb nicht ohne Auswirkungen. Bald wandten sich Damien und seine Frau Lucie an ihre Familien und die Verantwortlichen ihrer Gemeinde, um ihnen zu erzählen, was Gott ihnen aufs Herz gelegt hatte. Dabei stiessen sie auf positive und ermutigende Resonanz. Vom „Service Missionnaire Evangélique“, dem Missionszweig des FREE-Gemeindeverbandes, wurden sie in ihrer Vorbereitungsphase beraten und betreut. Dazu gehörten ein Gemeindepraktikum in der FREE-Gemeinde in Gland und ein Kurs über das Erlernen einer einheimischen Sprache, der von Wycliffe angeboten wurde. Vor ihrer Ausreise stellten sie ihr Missionsprojekt noch in mehreren Gemeinden vor, um so den nötigen Rückhalt im Gebet und bei den Finanzen zu bekommen. Zusätzlich liessen sie sich noch etwas Originelles einfallen: Jedermann war eingeladen, zu ihnen zu

kommen, sich von ihnen die Autoreifen wechseln zu lassen und damit ihr Projekt zu unterstützen. Ende Mai 2011 war es schliesslich soweit: Die Golays mit ihren zwei kleinen Kindern Mateo und Joakim machten sich auf den Weg nach Afrika. Nach und nach haben sie sich in Parakou eingerichtet, der „Hauptstadt des Nordens“ von Benin. Damien schreibt: „Nachdem wir hier angekommen waren, mussten wir uns erst einmal zurechtfinden und uns an einen neuen Lebensrhythmus gewöhnen (Arbeit, Familie, Gemeinde usw.). Unsere Kinder haben sich gut eingelebt. Sie hatten nur Mühe damit, dass jeder sie auf den Arm nehmen wollte.“ Damien und Lucie haben angefangen, die einheimische Sprache „Dendi“ zu lernen, um sich besser zu integrieren und die Kultur besser zu verstehen.

wir den jungen Leuten in den Gemeinden eine Stütze sein können. Wir wollen wirklich für die Gemeinden und die Mission hier in Benin zur Verfügung stehen.“ Die beiden möchten auch die Rolle der Mission in Benin näher kennenlernen, bevor sie sich auf längere Zeit engagieren. Sie sind froh über jeden, der mit ihnen Gott bittet, dass er ihnen während dieser zwei Jahre eine klare Richtung anzeigt. Eine besondere Motivation für ihren Einsatz haben sie in den Worten aus Johannes 4,34 gefunden: „Meine Nahrung ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und das Werk vollende, das er mir aufgetragen hat.“ Weitere Informationen finden Sie (in Französisch) auf ihrem Blog: http://vied-uncombiercomble.hautetfort.com

Die Aufgabe von Lucie war bereits klar definiert: Verantwortung für das Gästehaus. Das bedeutet, ein kleines Team von Mitarbeitern zu leiten, sich um die Einkäufe, die Zimmerreservierungen und die Buchhaltung zu kümmern. Zunächst machte sich Damien auf der Station an verschiedene kleine Reparaturarbeiten, an denen es nie mangelt. Anfang Oktober startete er dann an der evangelischen Berufsschule mit dem praktischen Unterricht für Automechaniker. Seine ersten Eindrücke kommentiert er folgendermassen: „Man kann hier noch viel machen, um die Ausbildung zu verbessern. Das dringendste scheint mir, der praktischen Ausbildung mehr Struktur zu verleihen. Es ist auf jeden Fall ein ausgezeichneter Ort, um mit jungen Leuten aus unterschiedlichen religiösen oder anderen Hintergründen in Kontakt zu kommen.“ Kontakte knüpfen und Beziehungen unterhalten, das sehen Damien und Lucie als Schwerpunkt für ihre Zeit in Afrika: „Uns liegen vor allem die Jugendlichen sehr am Herzen, und wir sind dabei herauszufinden, wie

GEBET » Dass sie Hörende bleiben, um Gottes Reden in Bezug auf ihre zukünftige Arbeit in Benin zu vernehmen. » Dass sie als Dienende auftreten und nicht als solche, die anderen ihre Ideen aufdrängen. » Dass Gott ihnen Gesundheit, Kraft, Unterscheidungsvermögen und Weisheit für ihre Arbeit schenkt. » Dass Gott sie als Familie segnet und beschützt.

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Zeitschrift der SIM International (Schweiz)