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Editorial

«SIM heute» 3/2014

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Kontakt

SIM Schweiz Weissensteinstrasse 1 Pf 4051; CH-2500 Biel 4 Postfinance: SIM, 10-2323-9 IBAN: CH49 0900 0000 1000 2323 9 BIC POFICHBEXXX Tel./Fax ++41(0)32 345 14 44/54 sim.suisse@sim.org SIM Belgien 38 rue Draily 6000 CHARLEROI Compte bancaire: 979-2238252-79 IBAN: BE58 9792 2382 5279 BIC: ARSPBE22 Tél. ++32 (0)485 562 936 sim.belgique@sim.org SIM Italien Via Rana,386 IT-15122 CASCINAGROSSA (AL) Kto: SIM Società Internazionale Missionaria Onlus n° 66281957 IBAN: IT18 R07601 10400 000066281957 Tel. ++39 0131 61 09 79 sim.italia@sim.org SIM Frankreich Quartier des Mians FR-84860 Caderousse CCP: SIM nº DIJ 201347U IBAN: FR22 2004 1010 0402 0134 7U02 508 Tel./Fax ++33(0)4 90 51 00 69 sim.france@sim.org SIM Canada 10 Huntingdale Blvd. Scarborough ON M1W 2S5 Tel.: +1 416-497-2424 Fax: +1 416-497-2444 canada.info@sim.org www.sim.ca Impressum «SIM heute» erscheint viermal im Jahr in Deutsch, Französisch und Italienisch. Jahresabonnement: CHF 10.–; € 8.–. Der Abonnementspreis ist in den Spenden des laufenden Jahres enthalten. Redaktion: Waltraud und Günter Kunz Grafik/Layout, Produktion: FRANK.COMMUNICATION. Singen (D) www.frank-com.de Druck: Jordi AG .das Medienhaus. Belp, www.jordibelp.ch Die SIM ist Mitglied der

und der

SIM International (Suisse) hat den Ehrenkodex SEA unterzeichnet. Das Gütesiegel verpflichtet die Unterzeichner zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ihrer Spende.

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Von Joshua Bogunjoko, Internationaler Direktor

Neulich machte sich das internationale Leitungsteam intensiv Gedanken über einen neuen Slogan, der unsere Mission kurz beschreibt. Er soll unsere Leidenschaft ausdrücken für das, was wir tun und warum wir es tun. Als nicht spezifische Mission arbeitet die SIM weltweit in verschiedensten Bereichen, in denen sich Mitarbeiter aus mehr als 50 Ländern engagieren. Vor diesem Hintergrund stellten wir uns Fragen: Warum haben wir so viele Arbeitsbereiche? Warum beschränkt sich die SIM nicht auf Afrika, wo ihre Wurzeln liegen? Warum engagieren wir uns in neuen Bereichen mit neuen Rahmenbedingungen? Warum reduzieren wir nicht unsere Arbeitsbereiche und konzentrieren uns auf ein paar wenige? Der Grund, warum wir das tun, was wir tun, ist nicht, weil es uns oder unseren Mitarbeitern gerade gefällt. Die Orte, an denen wir arbeiten, suchen wir nicht aus, weil sie die sichersten und angenehmsten wären. Wir tun unsere Arbeit aus der Überzeugung heraus, dass wir dazu berufen sind. Wir gehen an die Einsatzorte, weil unser Engagement gegenüber dem Evangelium uns dazu verpflichtet, und weil Christus um der Verlorenen willen auch dorthin gegangen wäre. Beim Überlegen, wie wir dies in einem Slogan zum Ausdruck bringen könnten, tauchte der Aspekt unserer Beziehung zur Gemeinde Jesu auf – wir sind ein Teil von ihr. Eigentlich tun wir all unsere Arbeit als Glieder des Leibes Christi. Diese sind dazu berufen, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um den Völkern Christus zu verkünden, sie zu Jüngern zu machen und seine Liebe weiterzugeben. Unser Dienst besteht in Jüngerschulung, theologischer Ausbildung, medizinischer Hilfe, Radioarbeit, Nothilfe, Alphabetisierung und vielen anderen Aktivitäten. Unsere Leidenschaft ist, Christus dort zu verkündigen, wo er noch unbekannt ist. Wir möchten sehen, wie Völker zu seinen Jüngern werden, damit wir gemeinsam, in der weltweiten Gemeinde, die Herrlichkeit Gottes erkennen. Wir sehnen uns danach, Menschen aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen anbetend um den Thron Gottes zu sehen. Diese Leidenschaft setzen wir um in der Nächstenliebe. Wir helfen denen, die wegen Katastrophen in Not geraten, weil wir sie lieben. Wir kümmern uns um die vom Menschenhandel betroffenen Mädchen und die Frauen von der Strasse, weil sie nach Gottes Ebenbild erschaffen sind und Christus auch für sie gestorben ist. Trotz Gefahren, Risiken und mangelnder Sicherheit halten wir an unserer Arbeit fest. Wir tun unsere Arbeit, weil uns die Liebe Christi dazu antreibt. Wir dienen der Gemeinde kulturübergreifend, weil sie der Leib Christi ist und wir ein Teil von ihm sind. Wir verkünden Christus den Völkern, machen sie zu Jüngern und lieben unseren Nächsten. Machen auch Sie mit?! Und so lautet der neue Slogan (in Englisch) neben unserem Logo:


Ein atheistisches Land

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n Von Andrés

Corrales

Können Sie sich einen atheistischen Präsidenten vorstellen, der aufmerksam einer Rede folgt, in der es um Christus geht und das Leben, das er anbietet? Oder stellen Sie sich das Parlament eines Landes vor, das vor fast hundert Jahren das Wort Gott aus der Verfassung gestrichen hat. Und diesen Landesvertretern wird gesagt, dass sie zu Gott umkehren müssen, damit das Land nach seinen Vorstellungen regiert werden kann. Dann malen Sie sich aus, wie 15‘000 Menschen in der Hauptstadt eines der Länder, die den Glauben an Gott am meisten ablehnen, versammelt sind und hören, dass Jesus der Herr ihres Landes werden möchte. All das hat sich letztes Jahr im Oktober so zugetragen, als der internationale Evangelist Nick Vujicic zu einer Veranstaltungsreihe nach Uruguay kam. Die SIM war an der Organisation beteiligt, in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden vor Ort. Nick Vujicic ist Redner, Autor, Musiker und Schauspieler. Er ist Direktor des Werkes „Life without Limbs“ (Leben ohne Gliedmassen), das sich für Menschen mit körperlichen Behinderungen einsetzt. Er hat auch die Hauptrolle in dem Kurzfilm The Butterfly Circus (Der Schmetterlingszirkus) gespielt.

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Nick sagt: „Wenn Gott einen Mann ohne Arme und Beine gebrauchen kann, um seine Hände und Füsse zu sein, dann kann er mit Sicherheit jeden gebrauchen, der im Herzen bereit ist!”

Nick wurde ohne Arme und Beine geboren. Sein Leben ist nicht nur ein Vorbild für Überwindung, sondern auch für das, was Gott in einem Menschen tun kann, wenn er ungeachtet der Lebensumstände sein Leben in seinen Dienst stellt. Sein Ausspruch lautet: „Wenn Gott einen Mann ohne Arme und Beine gebrauchen kann, um seine Hände und Füsse zu sein, dann kann er mit Sicherheit jeden gebrauchen, der im Herzen bereit ist!“ SIM-Uruguay hatte alle Hände voll zu tun, um Nick Vujicics Tournee zu planen. Dank des SIMProjektes „Förderung fähiger Jugendleiter“ wurde sein Einsatz im östlichsten Land Südamerikas möglich. Das Ergebnis war, dass christliche Werke, Kirchen und Gemeindeverbände, die noch nie zusammengearbeitet hatten, eine zweitägige Event-Reihe auf die Beine stellten, die das Land wie ein Meteorit traf. Die Tournee startete mit einer Konferenz im Parlament, bei der Nick sich für das Leben stark machte – nur wenige Monate zuvor wurde ein Gesetz zur Legalisierung der Abtreibung verabschiedet. Nick

wies darauf hin, dass wir im Leben von Jesus die besten Beispiele für Annahme und Gerechtigkeit finden. Am darauffolgenden Morgen empfing der Präsident Uruguays, José Mujica, den Evangelisten. Nick sprach mit ihm über Jesus und wie er ihn zum Herrn seines Lebens machen könnte. Für den Abend wurde am Ufer des Rio de la Plata, am Rande von Montevideo, eine riesige Bühne aufgebaut. Die immense Schar von Zuhörern aus der Landeshauptstadt folgte während zwei Stunden aufmerksam dem Vortrag. Nick setzte den Schwerpunkt dabei nicht auf sich selbst und seine Lebensgeschichte. Es ging vielmehr darum,

Malen Sie sich aus, wie 15‘000 Menschen in der Hauptstadt eines der Länder, die den Glauben an Gott am meisten ablehnen, versammelt sind und hören, dass Jesus der Herr ihres Landes werden möchte.

was Jesus tun könnte, wenn Uruguay sich Jesus nähern würde und Familien ihm Platz in ihrem Leben einräumten. Eine leichte Brise begleitete die Worte, die von Tausenden Menschen vernommen wurden. Die Botschaft kam rüber, dass Jesus nicht nur eine geschichtliche Persönlichkeit ist, wie man üblicherweise hier von ihm denkt, sondern der Sohn Gottes. Und unsere Einstellung ihm gegenüber beeinflusst, welche Art von Staat wir aufbauen.  n


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Zuflucht für Frauen …

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Von Suzanne Green, internationale Redakteurin

Pooja ist ein extrovertiertes Mädchen. Wenn die 18-Jährige tanzt, erhellt ihr Lächeln den Raum. Doch hinter ihrem Lachen verbirgt sich eine herzzerreissende Geschichte von Missbrauch durch Menschen, die sie hätten beschützen sollen. Pooja war ein glückliches, pflegeleichtes kleines Mädchen. Bis zu dem Tag, an dem ihr Vater anfing, sie mit anderen Augen zu sehen. Zuerst verstand sie sein neues Verhalten nicht. Sie hatte keine Ahnung, dass es sich dabei um Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch handelte. Pooja erzählte ihrer Mutter davon, die sich jedoch blind stellte. Niemand aus der Verwandtschaft kam ihr zu Hilfe. Die Zeit verging, und es wurde immer schlimmer. Ihre Eltern wurden zu ihren Zuhältern. Neben ihrem Vater hatten auch andere Männer regelmässig Sex mit Pooja. Unter dem Vorwand, sie zur Schule zu schicken, nahm der Vater sie mit nach Delhi. Neben der sexuellen Ausbeutung war sie nun auch noch verbalem, emotionalem und physischem Missbrauch durch ihren betrunkenen Vater ausgesetzt. Irgendwann hielt sie diese Folter nicht länger aus und floh von Zuhause. Sie traf auf einen Mann, der versprach, ihr zu helfen. Aber mit der Zeit vergriff auch er sich an ihr. Erneut rannte sie weg. Endlich nahm sich eine Frau ihrer an und brachte sie mit einer Hilfsorganisation und der Polizei in Verbindung. Mutig sagte Pooja vor Gericht aus, ihr Vater landete im Gefängnis. Sie verbrachte ein Jahr in einem Wohnheim, wo ihr Beratung angeboten wurde, wo sie ihre Ausbildung fortsetzen und den Weg zur inneren Heilung antreten konnte. Sie hat gelernt, mutig und ohne Scheu ihre Geschichte zu erzählen, auch wenn ihre Familie sie deswegen verachtet. Heute überlegt sich Pooja, ob sie Polizistin oder Lehrerin werden soll. Sie hat begonnen, denen zu vergeben, die sie verletzt haben. Falls sie ihren Vater je wiedersieht, möchte sie ihn gerne fragen: „Warum hast du das mit mir gemacht, mit deinem eigenen Fleisch und Blut, mit deiner Tochter?“

Von vorne beginnen „Beauty for Ashes“ (Schönheit statt Asche, Jes.61,3) ist ein Heim, das jungen Frauen eine Zuflucht bietet, die ausgenützt und missbraucht oder gehandelt und zur Prostitution verkauft wurden. Die Mitarbeiter haben als Ziel, dass solche Frauen Heilung finden und von ihrer Vergangenheit befreit werden. Dass sie Hoffnung für die Zukunft schöpfen und mit Gottes Hilfe zu dem werden, was er als Potenzial in sie gelegt hat. Das Heim entspringt der Verpflichtung einer christlichen Ortsgemeinde, den Armen und Unterdrückten der Stadt zu helfen. Sie sollen Gerechtigkeit und Zuwendung erleben. Das Heim wird nach den Massstäben und Wertvorstellungen der Gemeinde geführt, und die jungen Frauen in Betreuung werden als Teil des Freundeskreises betrachtet. Weil sie nichts anderes kennen als Missbrauch, Ausbeutung und Verachtung, kommen sich viele von ihnen wertlos vor. Bei „Beauty for Ashes“ entdecken sie oft zum ersten Mal, dass sie wertvoll sind.

Gott verwandelt „Asche in Schönheit“. Und sie können zum Wandel in einem Land beitragen, in dem die Misshandlung von Frauen schlimme Ausmasse angenommen hat.“ Erst in jüngster Zeit ist die Weltöffentlichkeit auf die schreckliche und sich verschlimmernde Wirklichkeit von Menschenhandel aufmerksam geworden. Deshalb ist bisher noch so wenig getan worden, um dieses Übel zu bekämpfen oder denen zu helfen, die zur Prostitution gezwungen werden. Das war ein Grund für die Einrichtung des Heimes „Beauty for Ashes“ im Jahr 2005, als Zuflucht für Frauen, die durch den Menschenhandel versklavt wurden. Ursprünglich war das Heim ausschliesslich für Aussteigerinnen aus dem Sexgeschäft gedacht. Doch bald wurde klar, dass viele junge Frauen Hilfe brauchten, die nicht in diese Kategorie fallen. Also entschied sich die Leitung, jede Frau

„Beauty for Ashes“ ist ein Heim, das jungen Frauen eine Zuflucht bietet, die ausgenützt und missbraucht oder gehandelt und zur Prostitution verkauft wurden.

Gegenwärtig kann das Heim bis zu zehn jungen Frauen Unterkunft bieten. Die Bewohnerinnen, manche von ihnen gerade mal 18 Jahre alt, brauchen eine Menge Ermutigung, Ansporn und Ausrüstung für ein Leben, das sich so sehr von dem bisher gekannten unterscheidet. Die Mitarbeiter versuchen, ihnen einen Blick dafür zu geben, dass ein neues Leben auf sie wartet – ein schöneres, sichereres und durch Gott sinnvolleres Leben. Ein Team-Mitglied kommentiert: „Wir hoffen, dass sie uns mit diesem Bewusstsein verlassen werden, dass sie gute Entscheidungen treffen und für andere Menschen ein Segen sind. Egal, wie viel Leid und Zerbruch sie durchgemacht haben,

aufzunehmen, die Gott zu ihnen schickte. Das Heim hat offene Türen sowohl für Frauen, die aus der Prostitution ausbrechen wollen, als auch für solche, die mit Drogenabhängigkeit zu kämpfen haben. Es nimmt sowohl unverheiratete Schwangere auf, als auch solche, die aus der Armut kommen und eine Ausbildung machen wollen, um im Leben voranzukommen. Einige blieben gerade mal ein paar Tage, andere einige Monate, und wieder andere wohnen ein Jahr oder länger im Heim. Leider sind einige von ihnen in ihre alte Lebensweise zurückgegangen. Aber andere haben geheiratet, haben Kinder und eine gute Arbeit.


… in Indien

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Du hast mein Klagelied in einen Reigentanz verwandelt! Den Trauermantel hast du mir ausgezogen und mich in ein Festgewand gekleidet. (aus Psalm 30)

Alpträume aus der Vergangenheit werden abgelöst von hoffnungsvollen Träumen von der Zukunft.

Heilung an Leib und Geist Oft kommen junge Frauen aus einem ähnlichen Heim („Redlight-Greenlight“) zu „Beauty for Ashes“. Dort kümmert man sich um Mädchen im Alter zwischen 12 und 17. „Redlight-Greenlight“ ist ein Übergangsheim, das Mädchen direkt nach ihrer Befreiung aus einem Bordell oder aus einer Missbrauchssituation aufnimmt. Ursprünglich wollte man mit diesem Heim ein Umfeld schaffen, das Mädchen die besten Voraussetzungen bietet, um in einen Heilungsprozess einzutreten. Doch Heilung kann ein langer Weg sein, und „Redlight-Greenlight“ kann sie nur bis zu ihrem 18. Lebensjahr beherbergen. „Beauty for Ashes“ kann älteren Mädchen helfen, die auf ihrem neuen Kurs weitermachen wollen. Zur Zeit wohnen drei junge Frauen von „Redlight-Greenlight“ bei „Beauty for Ashes“, wo ihnen geholfen wird, in ihrer Ausbildung und im Glauben voran zu kommen. Sie erlernen auch neue Fähigkeiten und wachsen in ihrer sozialen Kompetenz. Weil es sich um einen Dienst für Erwachsene handelt, hat „Beauty for Ashes“ mehr Freiheiten, die Frauen offiziell im Glauben zu fördern. Die jungen Frauen haben Zugang zu geistlicher Nahrung, können an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen und, wenn sie es wollen, sich taufen lassen. Alle derzeit betreuten jungen Frauen anerkennen auf unterschiedlichen Niveaus die Existenz Gottes. Die Betreuer, unterstützt von der Ortsgemeinde, ermutigen sie, Jesus kennenzulernen und die Macht seiner Vergebung und seiner Auferstehung in ihrem Leben zu

Bei „Beauty for Ashes“ erlernen junge Frauen neue Fähigkeiten und wachsen in ihrer sozialen Kompetenz.

erfahren. Sie erhalten Hilfestellung, wenn sie sich auf den Weg mit Jesus machen wollen und entdecken, wie Gott sie sich vorstellte, als er sie geschaffen hat. Das Team von „Beauty for Ashes“ möchte gerne, dass die Heimbewohnerinnen eine Leidenschaft für Gott und eine Liebe für Menschen entwickeln.

Zukunftsträume Auch wenn das Heim bereits einer ganzen Anzahl von jungen Frauen lebenswichtige Hilfe bieten konnte, gibt es doch so viele andere in Indien, die keine Hilfe oder Unterstützung erhalten. Die Mitarbeiter des „Beauty for Ashes“-Teams möchten gern in ein grösseres Gebäude ziehen, wo sie bis zu 15 Frauen aufnehmen könnten. Zusätzlich würden sie ein Übergangsheim für Frauen einrichten, die am Ende ihrer Betreuung nicht zu ihren Familien zurück können. Dort hätten die Frauen ein Minimum an Betreuung, würden aber auch lernen, auf eigenen Füssen zu stehen. Der Wunsch wäre, dass eine oder mehrere Selbsthilfegruppen entstehen, damit die Heimbewohnerinnen auch andere junge Frauen aus ihrem Umfeld erreichen können. Indem sie ihre Erfahrungen mit anderen teilen, könnten sie ihnen helfen, ihre eigene Situation zu erkennen und ein Unterstützungsnetzwerk aufbauen. Und schliesslich gibt es den Gedanken, eine Plattform einzurichten mit dem Ziel, die Ungerechtigkeit in der Behandlung der verschiedenen Geschlechter anzuprangern und zugleich die Heilung und Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern in der Hauptstadt zu fördern. Es bleibt noch so viel zu tun, um den

Die jungen Frauen erhalten Hilfestellung, wenn sie sich auf den Weg mit Jesus machen wollen und entdecken, wie Gott sie sich vorstellte, als er sie geschaffen hat.

ausgebeuteten, missbrauchten und vom Menschenhandel betroffenen Frauen zu helfen. Das Heim „Beauty for Ashes“ ist nur ein Mittel. Doch durch seinen Dienst werden Alpträume aus der Vergangenheit abgelöst von hoffnungsvollen Träumen von der Zukunft.  n


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Neue Missionare aus Afrika

Im August 2013 erfüllte sich für Yakoubou und Yop Sanoussi ein lang gehegter Wunsch: Sie wurden vom neuen Sendungsbüro SIMWestafrika als Missionare aufgenommen. Yakoubou Sanoussi ist in Niger, Westafrika, geboren. Sein Vater war Pastor, und sein erstes Lesebuch war die Bibel. Aber Niger ist ein vorwiegend muslimisches Land. Deshalb war es für den zehnjährigen Yakoubou ziemlich verwirrend, zu Hause das eine zu hören und etwas anderes von den Jungs auf der Strasse. Mit 14 Jahren fanden die inneren Kämpfe ein Ende, als er seinen Vater über Jesus, den Weg, die Wahrheit und das Leben predigen hörte. Der innere Zwist, anders zu sein, verlor an Bedeutung. Yakoubou war sich nun sicher, dass er und andere Christen, auch wenn sie in der Minderheit waren und deshalb zu leiden hatten, auf dem richtigen Weg waren.Es war etwas später in diesem Jahr, als Yakoubous Mutter seinen jüngeren Bruder wegen Masern ins Krankenhaus brachte. Es waren so viele Leute im Warteraum, dass der Junge starb, bevor er überhaupt untersucht werden konnte. An diesem Tag traf Yakoubou eine Entscheidung:

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Jemand aus der Familie muss eine medizinische Ausbildung machen. Und dieser jemand war er. Er entschied sich, Krankenpfleger zu werden, doch seine Lehrer bereiteten ihn auf das Medizinstudium vor. Etwa zur selben Zeit traf ein Teenager-Mädchen in Nigeria seine Berufswahl. Yop Dung wuchs bei ihrer gläubigen Tante und deren Mann auf. Die beiden legten Wert darauf, dass Yop eine gute christliche Erziehung und die bestmögliche Ausbildung erhielt. Die Art und Weise, wie Krankenpflegerinnen sich um Menschen kümmerten, beeindruckte sie so, dass sie deren Vorbild nacheifern wollte. 1992 schloss sie ihre Ausbildung an einem christlichen Spital als Pflegerin und Hebamme ab. Wenige Zeit später schlug eine Freundin ihr vor, eine einjährige Hebammenstelle am Galmi-Spital anzunehmen. Zuerst stiessen die Hitze und die Dürftigkeit des Landes Niger sie ab. Doch sie betete um Klarheit und wurde von Gott an das Spital berufen, in dem Yakoubou gerade ein Praktikum ableistete. Schon als sie ihm 1996 zum ersten Mal begegnete, sagte ihr etwas in ihrem Inneren, dass er eines Tages ihr Ehemann sein würde.

Heute haben Yakoubou und Yop Sanoussi drei Kinder: Nathaniel (14), Elisha (12) und Dan (9). Die Sanoussis haben wichtige Aufgaben und viel Verantwortung im Dienst des Galmi-Spitals. Yakoubou ist Chef-Chirurg und Lehrer im internationalen Ausbildungsprogramm PAACS für Chirurgen. Yop arbeitet im Bereich HIV/AIDS und nimmt viele Gelegenheiten innerhalb und ausserhalb des Spitals wahr, um mit den Patienten über geistliche Dinge zu reden. Das neue sendende Büro „SIM-Westafika“ in Côte d’Ivoire bot ihnen die Chance, SIM-Mitglieder zu werden. Nach einer dreijährigen Kandidatenzeit wurden sie als SIM-Missionare übernommen, womit ihr langersehnter Wunsch in Erfüllung ging. Afrikaner erreichen Afrikaner: Sie besitzen eine weitaus bessere Kenntnis der lokalen Kultur und ihrer religiösen Praktiken. Sie sind durch die gleichen Schwierigkeiten wie andere einheimische Christen gegangen. Yop und Yakoubou sind zusätzlich multikulturell und können somit der internationalen Missionarsgemeinschaft Wege aufzeigen, wie sie im Niger am besten zusammenarbeiten kann.  n

Galmi

Missionare aus Afrika am Galmi-Spital: Yakoubou und Yop Sanoussi mit Nathaniel (14), Elisha (12) und Dan (9)


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Radioarbeit

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wurde, nachdem sie die Radiosendungen „Programm für dein Leben“ gehört hatte. Seit mehreren Jahren hören Fulani-Hirten das Evangelium in ihrer eigenen Sprache über acht lokale Radiosender. Viele der Frauen sind treue Hörerinnen, die sogar angefangen haben, die Radioarbeit auch finanziell zu unterstützen, um zu zeigen, wie viel sie ihnen bedeutet. Ein Voodoo-Priester, sein Assistent sowie seine drei Frauen und viele ihrer Kinder kamen neulich zum Glauben an Christus. Durch Radiosendungen in der Adja-Sprache hatte das Evangelium ihre Herzen erreicht.

Die Verkündigung des Evangeliums durch Radiosendungen bleibt ein ganz wesentliches Mittel, um die Botschaft von der Rettung zu denen zu bringen, die vom Voodoo gefangen gehalten werden. Benin in Westafrika gilt als die Wiege des Voodoo-Kultes, wo sich Zeichen der uralten Praktiken bis heute in der Kultur wiederfinden, speziell im südlichen Teil des Landes. Auf einer Fulani-Frauenkonferenz beschrieb vor Kurzem eine Teilnehmerin, wie sie von der Bindung durch Dämonen und Götzen befreit

Der mit der SIM in Verbindung stehende Gemeindeverband UEEB begann in den frühen 90er Jahren mit der Produktion von Radioprogrammen. Inzwischen werden Sendungen in 16 Sprachen über den nationalen Sender und bis zu 25 örtliche und private FM-Stationen ausgestrahlt. Das Radio erreicht Gebiete, wohin Menschen nur schlecht gelangen, und es wird von der Bevölkerung als offiziell, wahr und wichtig erachtet. Der Schwerpunkt liegt noch immer auf der Verkündigung des Evangeliums, zumal durch Radiosendungen immer neue Gebiete für Gemeindegründungen erschlossen werden.  n

allen 16 Landessprachen gesendet werden kann. Zurzeit werden nur sechs Sprachen abgedeckt. Moses Nyante, Direktor von Radio ELWA sagt: „Wir sind so froh, dass nach drei Jahren die Sendungen wieder über Kurzwelle ausgestrahlt werden können. Vielen unserer Hörer war es nicht möglich, Sendungen über UKW zu empfangen. Mit dem erweiterten Senderadius können wir noch mehr Menschen erreichen und Seelen retten!“ Das neue Studio für das ELWA-Team befindet sich in der zweiten Phase des Baus. Diese beinhaltet die Absicherung, dass das Studio wasserdicht ist und bereit zur Installation der Geräte, die angeschafft werden müssen. Auf der Radio-Station ELWA in Liberia wurde neulich eine neue Kurzwellenantenne in Betrieb genommen. Das bedeutet, dass die Sendungen nun im ganzen Land gehört werden können, ausserdem in Conakry in Guinea, möglicherweise sogar in Abidjan in Côte d’Ivoire. Die neue Antenne macht es möglich, dass während der Woche in

Das Radio ist ein wesentliches Mittel, um Menschen in Liberia für Christus zu erreichen, besonders wenn man den miserablen Zustand der Strassen bedenkt, die während der Regenzeit noch schlechter werden. Für eine Reise von ungefähr 300 km muss man bis zu 14 Stunden einrechnen.  n


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Nothilfe

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Von Suzanne Green, internationale Redakteurin

Der Taifun „Haiyan“, einer der mächtigsten Stürme, die je das Land heimgesucht hatten, zerstörte am 8. November 2013 das östliche Visayas-Gebiet auf den Philippinen. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 5‘600 Menschen dabei ums Leben, weitere 1‘000 wurden im Anschluss an Haiyan als vermisst gemeldet. Millionen von Menschen wurden obdachlos. Die SIM tat sich in ausgewählten Regionen mit örtlichen Gemeinden und Organisationen zusammen, die Auskunft über Orte geben konnten, wo Hilfe nötig war, und half bei den Verteilungsaktionen. Es war uns wichtig, der gesamten Bevölkerung zu dienen: Opfer erhielten Hilfe, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Rasse, ihrer Religion oder der Frage, ob sie eventuell an Plünderungen direkt nach der Katastrophe beteiligt waren oder nicht. Wir steckten uns als Ziel, 1‘000 Familien (etwa 3‘000 Personen) mit Lebensmitteln, Wasser, Decken, Matten, gebrauchter Kleidung, Medikamenten, Kerzen, Streichhölzern und Gebrauchsgegenständen zu versorgen. In der zweiten Phase sorgten wir für medizinische Hilfe und TraumaBetreuung. Zusätzlich wollten wir Materialien zum Wiederaufbau der Häuser zur Verfügung stellen. Und wir würden gerne, sofern es die finanziellen Mittel erlauben, Kinder mit grundlegendem Schulmaterial versorgen. Die Schätzungen der Kosten für diese Hilfeleistungen, die noch bis zu einem Jahr weitergehen sollen, belaufen sich auf CHF 40‘000. Der SIM-Mitarbeiter Chad Loftis besuchte die Philippinen zwei Wochen nachdem der Taifun zugeschlagen hatte und half bei den Hilfeleistungen in Veloso, in der Provinz Samar. Chad schreibt: „Wir hören das typische Zischen der pneumatischen Bremsen des 12 Meter langen Sattelzuges, der mit Hilfslieferungen in der Stadt ankommt. Jetzt sind die 20 Tonnen Güter bereits über 72 Stunden unterwegs – die meiste Zeit davon im Fährhafen von Surigao. Pascal, ein Europäer Mitte dreissig, der zusammen mit seinem Kollegen Tom die ganze Woche darauf geachtet hat, dass die Waren an ihr Ziel kommen, springt aus seinem Pickup und legt los.

Spuren der Zerstörung an der katholischen Kirche von Veloso

Die Hilfsgüter für die Menschen in Veloso sind herzlich willkommen

Es ist offensichtlich, dass er mehrere Tage nicht geschlafen hat und momentan nur vom Adrenalin angetrieben ist. Aber zum Ausruhen bleibt keine Zeit – das Fuhrunternehmen will, dass er den Rückweg noch heute Abend antritt. Es dämmert schon fast, und zwei weitere Orte warten noch auf die Lieferung. Alle stehen erwartungsvoll vor der Kirche von Veloso, unserem Partner: Wir beschaffen die Güter, sie kümmern sich um die Verteilung. Und dann wird ausgeladen: grosse Säcke voll Reis, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Sperrholzplatten, 10-kgPlastikbehälter mit Eingemachtem, eine Segeltuchplane und weitere Hilfsgüter. Eine Einheit pro Familie. Es wiegt schwer, und es muss kräftig angepackt werden, aber es herrscht eine Feststimmung. Alle machen einen zufriedenen und dankbaren Eindruck. Niemand versucht, mehr als seinen Anteil zu ergattern. Der LKW ist zur Hälfte entladen, die Waren verteilt, und schon wird der Laderaum wieder geschlossen. Wir hechten in den Pickup und rasen nach Santa Rita, etwa 40 Minuten entfernt. Es ist bereits dunkel – stockdunkel, denn auf den 100 Kilometern entlang der Küste gibt es keinen Strom. Wie es scheint, kommen alle Bewohner der Stadt zusammen, um die Güter in zwei kleine öffentliche Gebäude an der Strasse umzulagern. Es geht das Gerücht um, dass Leute aus diesem

Ort, die vom Taifun getroffen, aber nicht umgekommen sind, in den Nachrichtensendungen vom philippinischen Präsidenten erkannt wurden, wie sie Tacloban in einem organisierten Konvoi verlassen und geplünderte Beute wegtragen. Als Strafe sollten sie von der Regierung keine Hilfsgüter erhalten. Als Mitglieder der Kirche vernahmen, dass wir mit Hilfsgütern zu ihnen kommen wollten, ob sie nun Plünderer waren oder nicht, kamen ihnen die Tränen. Beim Betrachten der Leute, wie sie im Licht der Scheinwerfer zusammen schwitzen und die Behälter von Hand zu Hand geben, wird deutlich, wie organisiert sie sind. Selbst der Bürgermeister ist da und überwacht die lange Schlange der Helfer, damit alles möglichst mit rechten Dingen zugeht. Mir geht einfach der Gottesdienst von heute Morgen in der Kirche von Marabut nicht aus dem Kopf: der unerschütterliche Wille der Menschen, zusammenzukommen, gemeinsam zu weinen, Gott für ihr Leben zu danken und um seine Kraft zu bitten. Es hat sogar jemand seine USAID-Plane hergegeben, unter der er hätte schlafen können, damit das zerstörte Gemeindegebäude ein provisorisches Dach hat. Der Sturm hat vieles hier zerstört, aber er konnte nicht den Willen auslöschen, zusammenzuhalten und auf einander Acht zu haben. Filipinos wurden von einer unheimlichen Katastrophe zu Boden geworfen. Aber sie stehen auf, um gemeinsam den Kampf wieder aufzunehmen. Und, ich muss sagen, gemeinsam sind sie stark.“  n ▲

Hilfsgüter verpackt in Plastikbehältern


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