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Editorial

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Kontakt SIM Schweiz Weissensteinstrasse 1 Pf 4051; CH-2500 Biel 4 Postfinance: SIM, 10-2323-9 IBAN: CH49 0900 0000 1000 2323 9 BIC POFICHBEXXX Tel./Fax ++41(0)32 345 14 44/54 sim.suisse@sim.org SIM Belgien 38 rue Draily 6000 CHARLEROI Compte bancaire: 979-2238252-79 IBAN: BE58 9792 2382 5279 BIC: ARSPBE22 Tél. ++32 (0)485 562 936 sim.belgique@sim.org SIM Italien Via Rana,386 IT-15122 CASCINAGROSSA (AL) Kto: SIM Società Internazionale Missionaria Onlus n° 66281957 IBAN: IT18 R07601 10400 000066281957 Tel. ++39 0131 61 09 79 sim.italia@sim.org SIM Frankreich Quartier des Mians FR-84860 Caderousse CCP: SIM nº DIJ 201347U IBAN: FR22 2004 1010 0402 0134 7U02 508 Tel./Fax ++33(0)4 90 51 00 69 sim.france@sim.org SIM Canada au Québec 17 rue Alfred-Laliberté Notre-Dame-de-l´Ile-Perrot, QC, J7V 7P2 Tél./Fax: 514 425 6611 Quebec.Selection@sim.org Impressum «SIM heute» erscheint viermal im Jahr in Deutsch, Französisch und Italienisch. Jahresabonnement: CHF 10.–; € 6.–. Der Abonnementspreis ist in den Spenden des laufenden Jahres enthalten. Redaktion: Waltraud und Günter Kunz Grafik/Layout, Produktion: FRANK.COMMUNICATION. Singen (D) www.frank-com.de Druck: Jordi AG .das Medienhaus. Belp, www.jordibelp.ch Die SIM ist Mitglied der

und der

SIM International (Suisse) hat den Ehrenkodex SEA unterzeichnet. Das Gütesiegel verpflichtet die Unterzeichner zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ihrer Spende.

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Suzanne Green, Redakteurin für SIM International

In meiner Erinnerung ist der Herbststurm 1987 die schlimmste Naturkatastrophe, die ich erlebt habe. Damals wurde Grossbritannien von Orkanstürmen heimgesucht. Mein Mann und ich waren jung verheiratet und wohnten im obersten Stockwerk eines 13-stöckigen Hochhauses. In der Sturmnacht wackelten im Wohn- und Schlafzimmer die grossen Bilderrahmen an den Wänden. Auf unserer Höhe hörte sich das Tosen der Sturmböen unheimlich und bedrohlich an. Überraschenderweise konnten wir in dieser Nacht trotzdem schlafen. Und noch erstaunlicher war, dass unser Haus nicht beschädigt wurde. Am folgenden Tag erfuhren wir, dass viele Schaufenster der Geschäfte zu Bruch gegangen und Schornsteine eingestürzt waren. Umgestürzte Bäume blockierten die Strassen. Mein Arbeitsplatz befand sich am „Sevenoaks“-Platz, der seinen Namen von den sieben Eichen hatte, die im Ortskern standen. Nach dem Sturm meinten manche Leute im Spass, dass man den Platz zu „Oneoak“ (eine Eiche) umbenennen sollte. So schlimm das alles auch war, man kann es nicht mit dem vergleichen, was Pastor Akira Sato und seine Gemeinde in Fukushima bei der dreifachen Katastrophe 2011 durchmachen mussten: Erdbeben, Tsunami und ein Supergau! Eigentlich unvorstellbar. Doch durch den Verlust von Heim und Besitz fanden die Mitglieder der First Bible Baptist Church enger zueinander. Vielleicht wuchsen sie, wie nie zuvor, dadurch zu einer „Familie“ zusammen. Ebenso scheint es, dass die Kirche in Japan seit der Katastrophe näher zusammengerückt ist. Verschiedene Gemeindeverbände helfen einander, trennende Zäune werden abgebaut. Und die Liebe und das Erbarmen, die durch Hilfsaktionen von Christen zum Ausdruck kamen, führten zu einer grösseren Offenheit der Menschen gegenüber dem Evangelium. Neue Gläubige wollen sich taufen lassen, und neue Gemeinden entstehen. Es ist spannend, von all den neuen Einsatzmöglichkeiten in Japan oder auch in Äquatorialguinea zu hören, wo Jugendliche in Dörfer gehen, um den Leuten zu erzählen, was Jesus für uns getan hat! In dieser Ausgabe finden wir einiges an guten Nachrichten – und wir erfahren viel über die Offenheit gegenüber der einen „Guten Nachricht“. Und die kann ohnehin nicht ausgelöscht werden, egal wie viele Gebäude einstürzen oder Bäume entwurzelt werden. n


Afrika auf Spanisch

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von Geoffrey W. Hahn, stellvertretender Internationaler Direktor für Amerika

Wenn Sie im Herzen Afrikas ein Land betreten und Ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, alles sehr „spanisch“ vorkommt, dann befinden Sie sich in einem einzigartigen Land, nämlich in Äquatorialguinea. Viele Leute hier sind stolz auf ihre Jagdkünste im tropischen Regenwald, der die Dörfer und Städte umgibt. Das geht bei manchen so weit, dass sie Rind-, Hähnchen- oder Schweinefleisch als ungeniessbaren „Städtefrass“ empfinden. Einer meinte: „Welcher einigermassen vernünftige Mensch kann so ein schreckliches Fleisch essen?“ Auf dem Markt hat man dann auch eine breite Auswahl an Affen, Gazellen, Nagern und, ohne Scherz, lebendigen Krokodilen. Können Sie sich vorstellen, vom Einkaufen nach Hause zu kommen mit einem meterlangen Krokodil für das Abendessen, bei dem der Einfachheit halber Beine und Maul verschnürt sind? Doch wir wollen uns „gehaltvolleren“ Themen zuwenden: Gott ist in diesem kleinen, relativ iso-

ist in diesem kleinen, relativ isolierten Land Der Eifer ist beeindruckend, mit dem Christen in S amGottWerk. S Äquatorialguinea Seine Gemeinde breitet sich fast wie ein das Wort Gottes studieren.  

Buschfeuer aus.

Herausforderungen Ein schnelles Gemeindewachstum bringt natürlich Herausforderungen mit sich. Es gibt nur wenig ausgebildete Pastoren oder biblische Lehrer in Äquatorialguinea. Dem Land fehlt es entscheidend an Bibelschulen und Leuten, die Gemeindeleiter ausrüsten können. Jeder zweite Pastor, der eine theologische Ausbildung machen will, wird abgewiesen. Und es besteht ein Bedarf an biblischer Ausbildung vor Ort für die Dorfbewohner, die nicht in die

SIM erhält eine wunderbare Möglichkeit, sich S inDiediesem einzigartigen Land auf ganzheitliche  

Weise einzubringen!

schon lange in diesem Land tätig ist. Diese Partnerschaft öffnet für SIM-Missionare die Tür, einen Dienst in Äquatorialguinea zu beginnen. Wir brauchen Leute für Lehre und Jüngerschaft, die mit dem WEC, den örtlichen Gemeinden und dem Bibelseminar an einem Strang ziehen. Möglichkeiten bestehen auch für reife Christen, die unter Jugendlichen arbeiten möchten. Die Kirche fasst ausserdem noch andere wichtige Projekte ins Auge. Zurzeit ist Äquatorialguinea Nummer 14 auf der HIV/AIDS-Weltrangliste und hat eine der höchsten Raten für Zentral- und Westafrika. Trotz dieser Zahlen ist kein funktionierendes Junge Leute gehen auf eigene Initiative hinaus in R Dörfer, um die Gute Nachricht zu verbreiten. Spontan  

entstehen neue Gemeinden.

lierten Land am Werk. Seine Gemeinde breitet sich fast wie ein Buschfeuer aus. Die Kirchen sind vielerorts bis zum Rand gefüllt und neue entstehen dort, wo junge Leute auf eigene Initiative hinaus in die Dörfer gehen und die Gute Nachricht verbreiten. Sie kümmern sich um die neuen Gläubigen. Und so entstehen spontan neue Gemeinden. Anfangs versuchte der Pastor einer Ortsgemeinde das Ganze etwas unter Kontrolle zu behalten, doch schliesslich gab er auf. „Warum sollte ich diese Begeisterung für Gott eindämmen?“, fragt er sich.

Stadt umziehen können. Ich war zu Gast in einem überfüllten Abendkurs an dem einzigen übergemeindlichen Bibelseminar. Der Eifer, mit dem dort Gottes Wort studiert wird, ist beeindruckend. An diesem Abend kamen Studenten unter einer Strassenlaterne zusammen, um von den seltenen Momenten der elektrischen Beleuchtung zu profitieren und die Bibel noch länger lesen zu können. Vor Kurzem wurde die SIM angefragt, ob sie mit dem Missionswerk WEC zusammenarbeiten würde, das

HIV-Hilfsprogramm bekannt. Betroffene leiden unter der schwerwiegenden Ausgrenzung, und es wird nur wenig dafür getan, das Problem an der Wurzel anzugehen – weder von der Regierung noch von den Gemeinden. Christliche Leiter in Äquatorialguinea bieten uns eine wunderbare Möglichkeit an, uns auf ganzheitliche Weise einzubringen. Lassen Sie sich anstecken und lassen Sie sich eine Liebe für diese Bevölkerung schenken. Dann können viele Leben durch Christus in diesem einzigartigen Land verändert werden. n


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Katastrophen …

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von Jeffrey S. Johnston, Asian Access

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Vom “Auszug der Kirche” in Japan An Akira Satos 54. Geburtstag stand die Welt plötzlich Kopf. Als er an diesem Freitagmorgen erwachte, ging er davon aus, dass er an diesem Tag feiern würde. Doch um 14.46 Uhr war nichts mehr wie vorher.

An Akira Satos 54. Geburtstag stand die Welt S plötzlich Kopf.

T Dies ist Gottes Stunde, in der seine versöhnende Liebe durchbricht.  

Der Kalender zeigte den 11. März 2011 – es war der Tag der dreifachen Katastrophe im Nordosten Japans. Als erstes zerstörte ein Erdbeben der Stärke 9,0 die Region und löste weitere Tragödien aus. Innerhalb weniger Minuten forderte ein Tsunami 20‘000 Menschenleben und verursachte eine Kernschmelze im Kernreaktor 1 von Fukushima. Die Folge war eine Zwangsevakuierung des ganzen Gebietes. Als Pastor der First Bible Baptist Church (wenige Kilometer von dem Reaktor Nr.1 entfernt) schaltete Akira Sato um in den Überlebensmodus und kümmerte sich um seine Mitglieder. In den folgenden Wochen wurde die inzwischen heimatlose Gemeinde eingeladen, in einem christlichen Ferienlager im Westen Tokyos Unterschlupf zu finden, fast 300 km von zu Hause entfernt. Etwa 70 der 200 Mitglieder zogen in dieses Lager um. Der Rest der Überlebenden wurde von Verwandten in anderen Teilen Japans aufgenommen. Sato schrieb zwei Bücher über die Erfahrungen seiner Gemeinde, darunter den Bestseller „Exodus Church“ (Auszug der Kirche). Im Nachdenken über die Zeit in der „Wüste“ ist er zu dem Schluss gekommen, dass er für solch eine Zeit geboren wurde. Sein Geburtstag und der Name seiner Gemeinde bestätigen ihn darin. Einstürzende Mauern – eine einmalige Gelegenheit Pastor Sato stellt noch weitere Überlegungen an. Zusammen mit den Mauerresten, die der

Zusammengehörigkeitsgefühl wird eine Zeit lang Tsunami zum Einsturz brachte, sind noch drei anhalten. Das japanische Volk ist tief beeindruckt andere Mauern gefallen: und berührt, dass ausländische Christen weiterhin 1. Die Trennwand zwischen Kirche und geben, kommen und dienen. politischer Gemeinde: Vor der Katastrophe waren christliche Gemeinden den meisten JapaWachsende Offenheit nern unbekannt. Etwa 99,5% der Japaner sind keine Christen. Weil aber die Kirchen und frei- Die Zerstörung dieser sinnbildlichen Trennwände willige christliche Helfer sich eingesetzt haben, geht einher mit einer geistlichen Offenheit der um Hilfsgüter zu verteilen und andere Unter- japanischen Bevölkerung, wie man sie seit dem 2. stützung zu leisten, stieg plötzlich ihr Bekannt- Weltkrieg nicht mehr erlebt hat. Gleich zu Beginn der einsetzenden Hilfeleistungen waren es Kirchen, heitsgrad im ganzen Land. 2. Die Trennwand zwischen Denomina- die Nahrung und andere Hilfsmittel an Menschen in Not verteilten. Oft sahen Kinder die freiwilligen tionen: Verschiedene Denominationen liessen Helfer kommen und schrien vor Aufregung: „Oma, ihre Meinungsverschiedenheiten beiseite und Jesus bringt uns wieder Essen und Kleider!“ taten sich zusammen, um die Bedürfnisse der In einem Dorf wurden die Erdgeschosse der Bevölkerung zu stillen. Die einst schwindenden meisten Häuser überschwemmt und damit auch Besucherzahlen einer Gemeinde schnellten plötzlich in die Höhe. Die neuen Besucher wissen zwar wenig über Gemeinde, aber sie sind offen für Christus. Innerhalb weniger Wochen liessen sich 10 neue Gläubige taufen. Weil es sich diese Gemeinde nicht leisten konnte, das gemietete Gelände zu kaufen, halfen drei andere Denominationen mit, Geld für den Grundstückskauf zu sammeln. Quer durch das Spektrum der verschiedenen Kirchen ist der Wille spürbar: „Wir verpflichten uns zur Zusammenarbeit – und nicht zum   Quer durch das Spektrum der Denominationen ist der Wille Errichten von Mauern zwischen uns.“ da: „Wir verpflichten uns zur Zusammenarbeit – und nicht 3. Die Trennwand zwischen zum Errichten von Mauern zwischen uns.“ Japan und der Welt: Die weltdie „Götter-Regale“, auf denen ihre Statuen weite Kirche hat sich nach der verheerenden standen. Als Gemeindemitglieder Hilfsgüter Katastrophe auf Japans Seite geschlagen. Das

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brachten, verteilten sie auch gedruckte Bibel- nur an Pastor Sato: An seinem 55. Geburtstag, nach einem Jahr im Lager, zieht er mit seiner verse, welche die Bewohner an ihre Wände Herde erneut um. Weil sie nicht in ihre geliebklebten. Ein Dorfältester überlegte: „Der Tsunami te Heimatstadt zurückgehen können, siedelt er spülte all unsere Götter mit weg. Jetzt hängen bei uns die Worte Gottes über den Götter-Rega- seine Leute am Rand der Sicherheitszone an. Sato sammelt Geld für ein neues Gemeindehaus und len. Vielleicht sollten wir alle Christen werden.“ Kirchen fördern die Einheit und das Zusammenge- ein Wohnhaus für ältere Gemeindemitglieder. Er ist fest entschlossen: „Wir haben unseren Heihörigkeitsgefühl und lenken ihre Aufmerksamkeit matort verloren und können nie wieder dorthin mehr und mehr nach aussen. Das neue Miyagi Mission Network, ein Netzwerk von Gemein- zurückkehren. Deshalb müssen wir uns einen den, hat vor, 1’000 neue Gemeinden zu gründen. neuen aufbauen.“ Ein Pastor im Landkreis Miyagi hat 33 Hausgemeinden unter den Tsunami-Opfern gegründet. Im Landkreis Iwate hat das „3.11-Gemeinde-Netzwerk“ ein ähnliches Projekt, um der betroffenen Bevölkerung zu helfen und Gemeinden im Norden Japans zu gründen. Ortschaften werden durch die Gemeindeaktivitäten   SIM und Asian Access arbeiten zusammen, um den Menschen im berührt und neu belebt. Der Nordosten Japans Hilfe und Hoffnung zu bringen. Leuchter Christi strahlt hell.

… und gute Nachrichten

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sind SIM-Missionare an verschiedenen Plätzen im Nordosten Japans im Einsatz. Beten Sie bitte für eine reiche Ernte in Japan … und für mehr Mitarbeiter. n Mehr Informationen finden Sie im Tagebuch von Pastor Sato auf www.f1church.com Ein Interview mit Pastor Sato (englische Untertitel) ist zu sehen auf http://vimeo.com/47352632

Das Licht Christi

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Wiederaufbau von Existenzen und Gemeinschaften Nach der Nothilfe folgte eine weitere Aufgabe: der Wiederaufbau. Innerhalb von zwei Jahren wurden wichtige Teile der Infrastruktur in mühevoller Kleinarbeit wieder hergestellt. Jetzt gilt es für die Leute, ihre Existenz und das lokale Gewerbe wieder aufzubauen. Gemeinden vor Ort bieten Hilfe durch Beratung und Selbsthilfegruppen an. Oder sie starten soziale Projekte, um die Menschen zum Neuanfang zu motivieren.

Dort eine Gemeinde aufzubauen, wo Einheimische die neuen Mitbürger als „Evakuierte“ betiteln, bringt einiges an Herausforderungen mit sich. Ein anderes Mal spricht man von ihnen als unerwünschte, verstrahlte Flüchtlinge. In diesen schweren Zeiten findet Pastor Sato Trost bei dem Gedanken, dass er für diese bedeutende Zeit geboren wurde. Er stellt sich den Herausforderungen. Dasselbe könnte man auch von der japanischen Kirche sagen. Dies ist Gottes Stunde, in der seine versöhnende

eine Gemeinde aufzubauen, wo man von Einheimischen neue Miyagi Mission Network, S alsDort„Evakuierte“ S einDasNetzwerk betitelt wird, bringt einiges an Herausfordevon Gemeinden, hat vor,  

rungen mit sich.

Der Verlust des Bekanntenkreises bleibt. Menschen, die in Übergangsunterkünften wohnen, müssen wieder verwurzelt werden. Viele kommen sich noch vor wie auf einer Irrfahrt. Denken Sie

1’000 neue Gemeinden zu gründen.

Liebe durchbricht. Seine Gemeinde bringt der japanischen Bevölkerung Hilfe und Hoffnung. Durch die Partnerschaft der SIM mit „Asian Access“, die eine Auszeichnung erhalten hat,

Vor der dreifachen Katastrophe begann ein bereits über 70 Jahre altes Ehepaar der konservativen Baptisten mit einem Hauskreis zur Gründung einer Gemeinde. Als der Tsunami sie erreichte, wurde die Frau beinahe durch die Tür mit weggespült. Ihr Mann konnte gerade noch ihren Knöchel fassen und sie festhalten. Wie durch ein Wunder gelang es ihm, sie in Sicherheit zu ziehen. Das Untergeschoss wurde stark zerstört, und das Ehepaar hatte nicht die Mittel, es wieder reparieren zu lassen. Das Haus wurde daher mit Sprayfarbe übermalt und für den Abbruch gekennzeichnet. Ein Pastor der Mennoniten-Brüder fuhr daran vorbei und fragte sich, ob es sich eventuell noch für ein Gemeindehaus eignen könnte. Seine Kirche war vom Tsunami zerstört worden. Er nahm mit den Besitzern, die in eine kleine Mietwohnung gezogen waren, Kontakt auf. Diese stellten ihm das Haus von Herzen gerne zur Verfügung. Der Mennoniten-Pastor renovierte das Haus. Dort versammelt sich nun seine Gemeinde, zu der sich auch einige Mitglieder des ursprünglichen Hauskreises zählen. Vor dem Haus steht ein Kreuz aus Neonlampen und erhellt die Umgebung – als Zeichen dafür, dass das Licht Christi hell leuchtet.


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Von den Wellen …

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von Tabitha Plueddemann

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Starke Brandung und warmer Sand: SIM-Mitarbeiter Bruce Blackbell wuchs mit dem Wellenreiten am Cronulla-Strand im australischen Sydney auf. Sehr früh beherrschte er sein Surfbrett und surfte an der Seite von Profis. Mit 12 Jahren lernte er dann in einem Ferienlager Jesus kennen. Er war fasziniert von dem Gedanken an eine Welt, die noch kommen und ewig bleiben wird. Sein Glaube wuchs, er lernte Gott immer besser verstehen, entdeckte mehr und mehr seine Liebe, seine Vergebung und seine Gnade. Als Bruce noch Teenager war, kam eine Gruppe Gleichaltriger auf die Idee, andere Surfer für Jesus zu gewinnen. Der Gedanke machte in Australien die Runde, und Brett Davis gründete schliesslich 1977 den Verein „Christian Surfers“. Was mit ein paar mutigen Teenagern auf Surfbrettern begann, ist heute bekannt unter „Christian Surfers International“ (CSI) und aktiv in 35 der 120 „surfbaren“ Nationen. (Einzelheiten über die Geschichte von CSI findet man im Buch von Brett Davis „Ground Swell“.) Bruce Blackwell reiste mit seiner Familie 2007 mit der SIM nach Peru. Er sollte im Rahmen der „Biblischen Ausbildung am Ort“ (TEE) unterrichten, das ist ein Bibelkurs, der sich Schülern widmet, die keinen Zugang, keine Möglichkeit oder kein Geld für eine Bibelschule haben. Wie schon viele vor ihm ging Bruce mit TEE in den Dschungel des Amazonas und in die Berge

Blackbell (links) ist Missionsmotivator für SIMR Bruce Australien. Er arbeitet auch in Teilzeit als Pastor in Port  

Macquaire, einer Surferstadt nordöstlich von Sydney.

Wettkämpfen dabei zu sein: Sie vergöttern das Surfen. Einige Profis haben das Evangelium zwar gehört, wollen sich aber vor Christus nicht beugen, aus Angst, ihre Sponsoren zu vergraulen und ihre Popularität und ihren Reichtum zu verlieren.

der Anden. Als er angefragt wurde, Vorstandsmitglied bei Christian Surfers Peru zu werden, stellte er schnell fest, dass viele Surfer ein tiefes Wissen vom Ozean, aber ein nur sehr flaches von der Bibel haben. Also bot er sich an, sie mittels TEE zu lehren. Auf diese Weise bahnte sich das Studium der Bibel den Weg zu einem der am wenigsten erreichten Volksgruppen: zu den Surfern. Die perfekte Welle surfen Das Surfen zieht eine Unmenge von Anfängern, Touristen und Möchtegern-Profis an. Sie bevölkern die bekanntesten Surfstrände der Welt. Vielen von ihnen geht es einfach nur darum, die perfekte Welle zu surfen und dabei möglichst noch fotografiert zu werden, um zu Ruhm und Geld zu kommen oder Profi zu werden. Einige verbringen den ganzen Tag mit Warten auf die eine gute Welle, nur um zu erkennen: Das war nichts!

Biblische Ausbildung am Ort (TEE) widmet sich Schülern, die keinen SZugang, keine Möglichkeit oder kein Geld für eine Bibelschule haben.  

Zahlreiche Leute leben nur noch für das Surfen. Das geht zu Lasten ihrer Familie, ihrer Arbeit und ihres Zuhauses. Viele sind zu Nichtsesshaften geworden, leben in Autos am Strand oder unter Bäumen. Sie werden zu Einzelgängern, nur damit sie surfen können. Aus aller Welt reisen solche Leute an, um bei

Surfer aus aller Welt erreichen und lehren Im November 2012 feierte CSI seinen 20. Geburtstag. Das Treffen von surfenden und Jesus liebenden Athleten fand an der Nordküste von Honolulu auf Hawaii statt, dem wahrscheinlichen Geburtsort des Surfsports.

In der Konferenz ging es darum, christliche Surfer herauszufordern, Jesus gegenüber dem Surfen die Priorität zu geben. Ideen wurden ausgetauscht, wie man Surfer rund um den Erdball für Jesus erreichen könnte. Bruce stellte die TEEArbeit vor, und verschiedene Landesverbände von Südamerika zeigten wachsendes Interesse. Die Idee ist, unter den Heranwachsenden Leiter zu entdecken und zu fördern und dafür einen allgemeinen, übergemeindlichen und internationalen TEE-Kurs zu nutzen. Während der zwei Wochen nach der Konferenz fand ein Einsatz mit Evangelisation und Jüngerschulung statt, an dem Bruce und andere wie Andy Curruthers, ein Seelsorger für Profis, teilnahmen und unterrichteten. Ehrenamtliche aus Japan, Norwegen, Südafrika, USA, Australien, Peru und


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… in die Herzen

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T 2013 nahm Bruce als Vorstandspräsident der christlichen Surfer in Peru an der Amerika-Konferenz in Ecuador teil.  

Brasilien sprachen zu der Zuschauermenge, die die Triple-Crown-Profi-Meisterschaften verfolgten. Der Aufwand hat sich gelohnt. Drei beteiligte Ortsgemeinden baten um regelmässige Unterstützung von Teams bei den jährlichen Wettkämpfen, wo Tausende aus aller Herren Länder um den begehrten Triple-Crown-Pokal kämpfen. Vor Kurzem kehrte Bruce mit seiner Familie nach Australien zurück, um dort als Missionsmotivator für die SIM zu arbeiten. Bruce arbeitet in Teilzeit als Pastor in Port Macquaire, einer Surferstadt nordöstlich von Sydney, wo die nationalen Surf-Wettkämpfe stattfinden. Seine verschiedenen Leiterpositionen in Südamerika versucht er beizubehalten. Darunter fällt natürlich auch die Vorstandsmitgliedschaft bei den christlichen Surfern in Peru. Zweimal im Jahr reist er dort hin, um die TEE-Arbeit zu vertreten und Diplome zu verleihen. Sein Einsatz trägt dazu bei, dass Surfer in Südamerika in Gottes Wort verwurzelt und ausgerüstet werden, alle Völker zu Jüngern zu machen. n

R chen, und einige sehen ein, dass die Suche nach   CSI versucht Surfer rund um den Globus zu errei-

Surfers International (CSI) feierte seinen 20. Geburtstag. CSI arbeitet in 35 der 120 „surfS Christian baren“ Nationen.  

Mehr Informationen zu Christliche Surfer International: http://christiansurfers.net

Ehre und Reichtum nicht alles ist.

Damaris und Marco Chilese, Missionare der SIM-Schweiz, arbeiten auf der Insel La Réunion und sind selbst begeisterte Surfer. Sie berichten: La Réunion ist eigentlich ein Surfparadies. Doch wegen vieler, zum Teil tödlicher Haiattacken in den vergangenen Jahren ist das Surfen leider nur noch sehr eingeschränkt möglich. Wir konnten schon viele Kontakte zu anderen Surfern knüpfen. Das gemeinsame Hobby und die Freude an den Wellen schafft schnell eine freundschaftliche Basis. Wir haben immer wieder Gespräche über Gott und konnten bisher ca. 30 Surferbibeln verschenken - Neue Testamente mit Lebenszeugnissen von gläubigen Surfern. Wir möchten bald zu einem Film über einen gläubigen blinden Surfer einladen und hoffen, dass sich dadurch einige verbindlicher für Jesus interessieren.


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Neue Mitarbeiter aus Québec

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von Angela Brandle, Direktorin SIM-Québec

Avantgardistisch und einflussreich, gebildet und wortgewandt, kultiviert und schick – Franzosen haben schon immer Künstler, Philosophen und Schriftsteller von Weltruhm hervorgebracht. Gleichzeitig sind sie auf dem neuesten Stand der Technik und Medizin. Auf geistlichem Gebiet sieht es jedoch ganz anders aus: Weniger als ein Prozent der Bevölkerung bekennt sich zum Glauben an Jesus Christus. Tatsächlich gibt es mehr Hellseher als Haus-ärzte, und in 35‘000 der 37‘000 Städte und Dörfer gibt es keine evangelische Kirchgemeinde. Das alles bringt Frankreich mit an die Spitze der Länder mit enormen geistlichen Bedürfnissen.

S Die Stadt Bourges liegt Steve und Laura am Herzen.  

Allerdings ist für Frankreich das Evangelium nichts Fremdes. Der Reformator und geborene Franzose Jean Calvin hat Schriften verfasst, die starken Einfluss auf die Hugenotten ausgeübt haben, Mitglieder der reformierten Kirche Frankreichs des 16. Jahrhunderts. Das Profil des Volkes und die geistliche Geschichte Frankreichs wurden heftig durcheinandergebracht, als grausame Verfolgungen eine halbe Million Hugenotten ins Exil trieben. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts suchten viele von ihnen Zuflucht in anderen Ländern und Erdteilen, wie beispielsweise Nordamerika, wohin sie ihr gesamtes Wissen, Können und ihr evangelisches Christsein mitnahmen. Nach ihrer Flucht schüttete ein Schriftsteller sein Herz aus und schrieb: „Frankreich hat seine Seele verloren.“

ihre Berufung von Gott, ihren Glauben auf dem „Alten Kontinent“, in Frankreich, zu teilen, wo sie in einem der 35‘000 Orte eine Gemeinde gründen wollen, in denen noch keine existiert.

Steve Cyr ist ein waschechter Quebecer. Seine Frau Laura ist die Tochter des Ehepaares David & Nancy Dytynyshyn, Gemeindegründer in Québec aus Ontario, die mit der SIM bereits in Niger und Frankreich gearbeitet haben. Steve besitzt ein MasterDiplom in Theologie und arbeitete neben seinem Dienst als Diakon und Prediger seiner Gemeinde in Montréal auch als Gefängnisseelsorger in einem Hochsicherheitstrakt. Er hat sich seinen Schwiegervater als Mentor in Sachen Gemeindegründung gewählt. Steve und Laura sehen es als

Die Gymnasiasten in Frankreich haben sieben Stunden pro Woche Philosophie-Unterricht. Zunächst begeistert und in der Erwartung, dort Antwort auf ihre Lebensfragen zu erhalten, stellen sie mit zunehmender Verzweiflung fest, dass ihre Hoffnung durch die pessimistischen Schlussfolgerungen der Philosophie, dass das Leben keinen Sinn und kein Ziel habe, zunichte gemacht wird. Kein Wunder, dass manche Jugendliche in diesem Alter ihrem Leben ein Ende setzen. Ebenso wie Québec befindet sich auch Frankreich

Tatsächlich gibt es mehr Hellseher als Hausärzte, und in 35‘000 der 37‘000 Städte und Dörfer gibt es keine evangelische Kirchgemeinde.

auf geistlichem Gebiet an einer Kreuzung. Die von Institutionen verwaltete Religion wurde seit Langem vernachlässigt. Der Materialismus ist der neue Gott der Postmoderne. Und doch spüren viele ein Bedürfnis nach dem wahren Gott. Die Christen in Frankreich bilden eine kleine, aber wachsende Minorität. Gemeindegründer aus Frankreich und dem Ausland beobachten, wie sich Jahr für Jahr neue Gemeinden bilden. Wenn man zusammenfassen will, kommt man nicht an der Tatsache vorbei, dass die Sprache Molières in 25 Staaten Afrikas und verschiedenen Regionen der Welt gesprochen wird. Es gibt einige Gebiete mit unerreichten Volksgruppen, in denen nur wenige Missionare arbeiten, weil das Erlernen der französischen Sprache für viele eine grosse Hürde ist. Wenn die Anzahl der Gemeinden in Frankreich steigt - einem Land mit enormem Potential zur Sendung von Missionaren - wird es viel wahrscheinlicher, dass sich das Evangelium in der französisch sprechenden Welt verbreitet. Lassen Sie uns gemeinsam Steve und Laura im Gebet unterstützen, die schon bald nach Frankreich aufbrechen möchten. Ihr Ziel ist es, dort Gottes Reich mit zu bauen in Zusammenarbeit mit France Mission, einem Partner der SIM, und ihrer sendenden Gemeinde, Calvery Chapel in Montréal. n

SIM heute 1/2014  

Zeitschrift der SIM International (Schweiz)