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Ein: Blicke

Ausgabe Nr. 35 Dezember 2012

Hier kommt nur Frisches auf den Tisch! Das Essen im SCI:Kindergarten wird ausschließlich mit bio-zertifizierten und regionalen Lebensmitteln zubereitet — und mit viel Liebe.

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enn zur Mittagszeit ein leckerer Duft durch den Kindergarten zieht, stecken immer einige Kinder neugierig den Kopf in die Küche und fragen, was es denn Leckeres gibt. Das Essen riecht nicht nur unverschämt gut, es ist auch noch richtig gesund: Alle Lebensmittel, die im SCI:Kindergarten verarbeitet werden, sind ökologische oder biologische Produkte. Das bescheinigt die Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS), die vor Ort die Bestände kontrolliert und den Kindergarten bio-zertifiziert hat. Das Qualitätssiegel mit der entsprechenden Bescheinigungs-Nummer

befindet sich auf jedem ausgehängten Speiseplan. Einzige Ausnahmen sind regionale Produkte wie Kartoffeln, die von hiesigen Bauern kommen und separat gekennzeichnet sind. „Für die Bio-Zertifizierung gibt es strenge Vorgaben“, erklärt Kindergartenleiterin Christine Joliet. Dazu gehört, dass alle verwendeten Lebensmittel mit staatlichem und EUBio-Siegel versehen sind. Außerdem müssen die Mitarbeiterinnen Inventurlisten aller gelagerten Lebensmittel führen sowie Rezepturenpläne zu den einzelnen Gerichten erstellen. „Bei stichprobenartigen Besuchen vergleichen die Kontrolleure die Listen und sehen so, ob die laut

Rezepturenplan verbrauchte Produktmenge mit den Inventurlisten übereinstimmt“, erklärt Christine Joliet. Die Küche musste sich übrigens nicht eigens für die Zertifizierung umstellen: „Wir kochen schon seit Jahren mit Bio-Produkten. Durch die offizielle Zertifizierung werden jetzt aber einige Dinge nachvollziehbar und transparenter.“ Die Köchinnen Amina Hamzaoui und Sükran Elibas bereiten jeden Tag in der hauseigenen Küche das Mittagessen für etwa 90 Kinder und Mitarbeiterinnen zu. Die Menüpläne ändern sich wöchentlich. Mal ist Kartoffeltag, dann wieder Suppenoder Fischtag. Aber auch Pizza und Aufläufe kommen in ausgewogener Menge im Speiseplan vor. Die Ideen für neue Rezepte findet Christine Joliet zum Beispiel auf Ernährungsmessen und in Fachzeitschriften. „Die Küche ist eben mein Herzblut“, lächelt sie. Und deshalb bezieht sie auch ihre Kindergartenkinder in die

Christine Joliet (links), die Köchinnen Sükran Elibas und Amina Hamzaoui und Karin Wagner, zuständig für Organisation und Warenprüfung, präsentieren die Bio-Zertifikation.

Zubereitung mit ein: Einmal wöchentlich werden Vollkornbrötchen gebacken. Dazu müssen die Kinder das Getreide mahlen, den Teig zubereiten und die Brötchen formen. Der bewusste Umgang der Kinder mit Lebensmitteln ist für Christine Joliet ganz wichtig. Die Kleinen lernen das schnell: In dem hauseigenen „SCI:Biolädchen Dinkelkorn“ können sie dreimal pro Woche einkaufen gehen – ganz nach dem Vorbild der Großen. Die Kinder schreiben oder malen eine Einkaufsliste mit Lebens-

mitteln für das Frühstück, basteln ihr eigenes Geld und funktionieren einen Puppenwagen zum Einkaufswagen um. In der Küche ist eine kleine Verkaufstheke mit verschiedenen Lebensmitteln aufgebaut. Zwei Kinder übernehmen den Verkauf, bezahlt wird mit selbstgebasteltem Geld oder mit Luftgeld. Dabei entstehen die süßesten Verkaufsgespräche – und die Kinder lernen spielerisch die Namen einzelner Lebensmittel. „Wir Erwachsenen ziehen uns da ganz zurück“, erklärt Christine Joliet. „Das legen wir alles in Kinderhand.“

Focus

Unser neues Domizil

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ie Geschäftsstelle des SCI:Moers ist umgezogen, und zwar in die ehemalige „Volksschule“ in der Moerser Innenstadt. Die Postanschrift lautet jetzt Hanns-Albeck-Platz 2, 47441 Moers. Den Hanns-Albeck-Platz erreicht man, wenn man von der Uerdinger Straße in Höhe der alten Hauptpost in den ehemaligen Südring abbiegt. Die Rufnummern des SCI haben sich nicht geändert.


Portrait

Frischer Wind für den Kindergarten Doris Alushula absolviert den Bundesfreiwilligendienst im SCI:Kindergarten. Dafür bringt sie aus ihrer kenianischen Heimat einige Erfahrungen mit.

Doris Alushula ist eine von zwei „Bufdis“ im SCI:Kindergarten

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chon in ihrer Heimat Kenia hat Doris Alushula unheimlich gern mit Kindern gearbeitet: In Mombasa unterrichtete die 25-Jährige an einer Grundschule Englisch, Suaheli, Mathematik und Religion. Mit pädagogischer Erfahrung und der Liebe zu Kindern im Gepäck kam Doris Alushula vor anderthalb Jahren nach Deutschland, um weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln. Es folgte ein Jahr als Au-Pair-Mädchen in Duisburg-Baerl, bevor sie im Sommer den Bundesfreiwilligendienst in der Mondgruppe des SCI:Kindergartens antrat.

Dass die pädagogischen Schwerpunkte in beiden Ländern unterschiedlich gesetzt werden, stellte Doris Alushula früh fest. „In meinem Heimatland Kenia lernen die Kinder bereits mit vier Jahren Schreiben und Rechnen“, erzählt sie. „Das ist ein ganz anderer pädagogischer Ansatz als in Deutschland.“ Was ihr besonders gut an der Arbeit im Kindergarten gefällt, davon berichtet sie strahlend: „Vor allem das freie Spiel mit den Kindern. Es macht aber auch Spaß, gemeinsam das Frühstück vorzubereiten oder etwas zu malen oder zu basteln.“

Doris Alushula ist eine von zwei Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes im Kindergarten auf der Kirschenallee. Sie arbeitet im pädagogischen Bereich, während ihre Kollegin in der Hauswirtschaft beschäftigt ist. Zu Alushulas Aufgaben gehören vor allem Begleitung, Unterstützung und Förderung der Drei- bis Sechsjährigen in ihrem Gruppenalltag, gemeinsam mit dem Gruppenteam. Dazu kommen kleine hauswirtschaftliche Aufgaben oder Hilfe bei der Pflege. Die deutsche Sprache hat Doris Alushula in einem Sprachkurs im Goethe-Institut ihrer Heimatstadt Mombasa und bei Aufenthalten in Deutschland gelernt. Auch heute noch nimmt sie an einem Sprachkurs der Volkshochschule teil. „Am

Anfang war es schwer für mich, die Kinderlieder mitzusingen, aber mittlerweile klappt das schon ganz gut“, berichtet sie. Neben dem Deutschen und ihrer Muttersprache Suaheli spricht Doris Alushula auch Englisch und Französisch. Zum Ablauf des Bundesfreiwilligendienstes gehören auch etwa vier bis fünf Seminare, an denen die Kenianerin im Laufe des Jahres teilnehmen wird. Das letzte beispielsweise fand in Siegburg statt und informierte die Bundesfreiwilligen über ihre Rechte und Pflichten. Derzeit wohnt Doris Alushula mit ihrer Cousine zusammen in Moers. Nach ihrem Jahr als Bundesfreiwillige möchte sie gerne in Deutschland bleiben, um eine Ausbildung zur Erzieherin anzuschließen.

Noch bis zum Sommer hilft die 25-Jährige bei der Betreuung der Kinder.

Initiative

Parlamentspräsident unterstützt Patenschaft

Martin Schulz (Mitte) mit Christoph Gilles vom Landesjugendamt Rheinland und Frank Liebert vom SCI:Moers (rechts).

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er Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, hat der SCI:Jugendwerkstatt seine volle Unterstützung für die Gedenkstätten-Patenschaft in Sant‘ Anna di Stazzema zugesagt. Jedes Jahr entsendet der SCI:Moers für etwa zehn Tage mehrere Teilnehmer seiner Jugendwerkstatt in ein Friedenscamp in die Toskana, um dort an der Pflege der Gedenkstätte auf dem Gelände des Bergdorfes bei Pietrasanta mitzuarbeiten. Der Ort war im

August 1944 von einer Division der Waffen-SS heimgesucht worden. Auf bestialische Weise wurden hier über 500 Menschen ermordet, vor allem Frauen und Kinder. Anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 68. Jahrestag des Massakers hatte sich der Präsident des Europäischen Parlaments mit Frank Liebert vom SCI:Moers und Christoph Gilles vom Landesjugendamt Rheinland zu einem Gedankenaus-

Jedes Jahr entsendet der SCI:Moers mehrere Teilnehmer seiner Jugendwerkstatt zur Gedenkstättenarbeit in die Toskana. Wie wichtig das Projekt ist, zeigte zuletzt ein Besuch von Martin Schulz, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments.

tausch in Sant‘ Anna di Stazzema getroffen. Schulz bestärkte dabei das jahrelange Engagement des SCI:Moers und des Landschaftsverbandes Rheinland dafür, dass das Massaker niemals aus der Erinnerung gerät: „Ich verbeuge mich vor den Opfern dieser Verbrechen und setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass wir dies nicht vergessen werden. Das ist uns Verpflichtung für das Erbe, das wir an unsere Kinder weitergeben müssen“, sagte Schulz.

Der Europapolitiker sicherte bei dem Treffen zu, dass er wiederkommen werde nach Sant‘ Anna – für Frank Liebert ein gutes Zeichen: „Die Würdigung durch Martin Schulz gibt uns weiteren Antrieb, nicht nachzulassen bei unserer Arbeit in Sant‘ Anna!“ Liebert hatte mit seiner SCI:Jugendwerkstatt vor fünf Jahren die Patenschaft für die Gedenkstätte übernommen, die der Landschaftsverband Rheinland gemeinsam mit dem Land NRW finanziell fördert.

Seit etwa zwei Jahren setzt sich Frank Liebert dafür ein, dass die internationale Gedenkstättenarbeit auf die Ebene der Europäischen Union gehoben wird. Unterstützung hat er dabei von vielen Seiten bekommen, unter anderem von den toskanischen Bürgermeistern, vom Europaabgeordneten der SPD für das westliche Ruhrgebiet und den nördlichen Niederrhein, Jens Geier, sowie vom Vorsitzenden des Moerser Jugendhilfeausschusses Attila Cikoglu.


Nachgefragt

„Wir suchen noch Verstärkung!“ Um Grundschulkinder beim Lesenlernen zu unterstützen, setzt der SCI seit fünf Jahren ehrenamtliche Lesepaten ein. Bislang haben elf Patinnen die Aufgabe übernommen — es könnten mehr sein...

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icht allen Kindern fällt das Lesen leicht, manche brauchen eine Art Anschubhilfe. Um möglichst vielen diese elementare Grundlage für die weitere schulische Bildung zu schaffen, setzt der SCI an fünf Moerser Grundschulen Lesepaten ein. Sie sollen das Lesen gemeinsam mit den Schülern üben und verbessern. Eine der insgesamt elf Lesepatinnen ist Helga Hofmann. Gemeinsam mit Hedwig Blume und Ute Kattlun besucht sie regelmäßig die Waldschule in Schwafheim.

Frau Hofmann, wie gehen Sie vor, wenn ein Kind große Schwierigkeiten beim Lesen hat?

Wenn das Kind Anlaufschwierigkeiten hat, dann wechseln wir uns schon mal ab: Einen Satz liest das Kind, einen Satz lese ich. Wenn es dabei schwierige Worte richtig gelesen hat, lobe ich gerne. Zuwendung und ungeteilte Aufmerksamkeit sind sehr wichtig. Wer entscheidet denn, welches Kind diese Unterstützung braucht? Der Impuls kommt von den Lehrern. Die Zuweisung eines Lesepatens findet natürlich erst nach Absprache mit den Eltern statt. Es ist wichtig, dass es ein freiwilliges Angebot bleibt und nicht als Schulstundenersatz gesehen wird. Wir suchen aber

dringend noch Verstärkung, damit noch mehr Kinder diese Hilfen bekommen können. Der Bedarf ist da! Aus welchen Klassen kommen die Schüler und wie lange begleiten Sie sie? Die Schüler gehen in der Regel in die zweite Klasse. Die meisten begleiten wir ein halbes Jahr oder Jahr. Einen Schüler habe ich aber auch zwei Jahre betreut. Wie oft arbeiten Sie mit den Kindern? Meine Kolleginnen und ich sind jeweils montags in der Waldschule, bevor das Nachmittagsprogramm für die Schüler losgeht. Dann setzen

Helga Hofmann ist seit zweieinhalb Jahren Lesepatin in der Schwafheimer Waldschule.

wir uns für eine Stunde mit unseren Schülern zusammen, meist in einem leeren Klassenzimmer oder wo gerade ein Raum frei ist. Betreuen Sie immer die gleichen Kinder? Ja, jedem Kind ist ein persönlicher Lesepate zugeteilt. Ich selbst betreue zwei Kinder, aber im Normalfall hat jeder Pate nur einen Schüler. Es soll ja auch keine Konkurrenzsituation zwischen den Schülern entstehen. Wer legt fest, was genau in der Stunde gemacht wird? Da haben wir keine Vorschriften. Die Lektüren suchen wir uns vorher selbst aus. Das kann ein Kinderbuch sein oder auch mal die Kinderseite der Tageszeitung. Meist liest das Kind vor und ich höre zu und mache kleine Verbesserungen. Manchmal spielen wir aber auch Kartenspiele

oder malen etwas, lösen KinderKreuzworträtsel oder lassen den Tag Revue passieren. Durch solche Übungen verbessern die Schüler ja auch ihre Ausdrucksweise. Was glauben Sie, könnte die Ursache für diese Leseschwäche bei vielen Schülern sein? Ich denke, dass zu Hause zu wenig gelesen wird. Viele kennen gar keine Lieder, Märchen und Gedichte mehr. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass die neuen Medien das Lesen immer mehr verdrängen. Warum haben Sie sich für dieses Ehrenamt entschieden? Ich bin über einen Filmbericht auf die Idee der Lesepatenschaft gestoßen. Das ist eine tolle Möglichkeit, den Kindern einen Anschub zu geben. Auch für mich persönlich ist das eine tolle Sache!

Jugendliche

„Ein echter Glücksgriff!“ Die Jugendwerkstatt des SCI:Moers hat sich neu aufgestellt: Statt im Garten- und Landschaftsbau werden die Jugendlichen jetzt in der Radstation Moers ans Berufsleben herangeführt.

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omit hat der SCI eigentlich begonnen? „Unsere älteste Maßnahme ist die Jugendwerkstatt“, erklärt Frank Liebert, stellvertretender SCI-Geschäftsführer. Vor über 30 Jahren war diese Jugendhilfemaßnahme die erste, für die man hauptberufliche Kräfte brauchte. Neu aufstellen musste der SCI zuletzt allerdings die Jugendwerkstatt des Garten- und Landschaftsbaus,

Die Radstation befindet sich am Moerser Bahnhof.

weil der bisherige Werkanleiter Helmut Perlitz in den Ruhestand gegangen ist. Statt im „GaLaBau“ wurde jüngst eine neue Jugendwerkstatt im Bereich der Moerser Radstation am Bahnhof eingerichtet. Liebert: „Die Radstation ist dafür bestens geeignet, weil die Jugendlichen hier so viel Verschiedenes lernen können, zum Beispiel physikalische Dinge, das Arbeiten mit Metall oder sogar elektrische Sachen – wie denn eigentlich ein Dynamo funktioniert.“ Darüber hinaus lernen die acht bis zehn Teilnehmer in der Radstation ein aktuelles gesellschaftliches The-

Werkanleiter Bernd Fischer weist die Jugendlichen ein – und greift auch selbst zum Werkzeug.

ma kennen, nämlich die Fahrradwirtschaft. Immerhin kommen am Moerser Bahnhof eine Verleihstation des NiederrheinRades, das Projekt MaJo-Bike des SCI, die Routenwartung bei der NiederRheinroute und andere Funktionen zusammen. „Man kann sich da nicht hinter seiner Werkbank zurückziehen“, erklärt Liebert, „sondern muss auch den Kundenkontakt erlernen.“ Ein Jahr lang dauert die Jugendwerkstatt für jeden Teilnehmer. Ziel ist nicht, die Jugendlichen auszubilden oder sogar umzuschulen. Vielmehr geht es zunächst um Schlüsselfunktionen: sich an eine Arbeits-Tagesstruktur zu gewöhnen, pünktlich und zuverlässig zu

sein, Ausdauer zu zeigen. Zur Seite steht den Jugendlichen dabei der Arbeitspädagoge Bernd Fischer. Der 55-Jährige ist gelernter Schlosser. Er ist einerseits pädagogischer Betreuer, andererseits auch unterrichtender Werkanleiter. Nach erfolgreich absolvierter Jugendwerkstatt können die Jugendlichen beim SCI ins Werkstattjahr wechseln, eine handwerkliche Ausbildung beginnen oder eine individuelle Berufsberatung in Anspruch nehmen. Schon nach den ersten Wochen und Monaten der neuen Jugendwerkstatt in der Radstation ist sich Frank Liebert sicher, dass die Neuorientierung gelingen wird: „Damit ist uns ein echter Glücksgriff gelungen!“


Aktuelle Projekte

Das Lernen kommt zu den Leuten Der SCI treibt seit kurzem ein ambitioniertes Projekt namens „Quali:Web“ voran. Es soll Geringqualifizierten ermöglichen, sich Kenntnisse selbst anzueignen — per E-Learning.

Ü

ber 160.000 Studenten nehmen an einer einzigen Vorlesung teil – erst vor kurzem hat die Welt begriffen, was das sogenannte E-Learning eines Tages bedeuten könnte. Die Professoren amerikanischer EliteUniversitäten haben es vorgemacht. Aber ihr Prinzip des Lernens, wann und wo man will, lässt sich auch auf andere Zielgruppen übertragen. Der SCI:Moers beispielsweise setzt für seine eigenen Beschäftigten schon länger aufs E-Learning: Unterweisungen im Arbeitsschutz etwa erhalten die Beschäftigten über eine spezielle Plattform. Jetzt hat sich der SCI mit einigen Partnern daran gemacht, solche und andere Inhalte auch für Geringqualifizierte per E-Learning verfügbar zu machen. Ein Projekt namens „Quali:Web“ soll Arbeitslosen, Gemeinwohlarbeitern oder Menschen in Beschäftigungsprojekten ermöglichen, sich viele Kenntnisse selbst

zu erarbeiten. „Zu den Inhalten, die diese Menschen brauchen, gibt es kaum Selbstlernangebote“, hat SCIGeschäftsführer Karl-Heinz Theußen herausgefunden – „und wenn, dann sind sie nicht zielgruppengerecht aufbereitet.“ Genau das soll nun „Quali:Web“ ändern. Zusammen mit dem Heidelberger Institut Beruf und Arbeit (HIBA) entwickelt der SCI die Inhalte, die Geringqualifizierte am häufigsten brauchen. Und zwar in einer E-Learning-Form, die es dem Lernenden vom Einstieg bis zur Teilnahmebescheinigung extrem einfach macht. In der ersten Phase des Projekts gelte es nun, so Theußen, herauszufinden, welche Inhalte die Zielgruppen am dringendsten benötigen und welche Software ihren Bedürfnissen gerecht wird. Der SCI hat sich für Vorab-Tests mit drei anderen Organisationen vernetzt, so dass insgesamt 80 Personen an vier Standorten ausprobieren, was

gut klappt und was nicht. Diese erste Testphase soll Mitte 2013 abgeschlossen sein. Insgesamt erhält das Projekt „Quali:Web“ bis März 2014 Gelder aus dem Programm „Innovative Modellprojekte in der Arbeitsmarktpolitik“ des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales und dem Europäischen Sozialfonds. Am Ende des Projekts sollen einer Zielgruppe von über

Das E-Learning ist einer der ganz großen Trends im Bildungswesen.

170.000 Geringqualifizierten in NRW und Deutschland viele verschiedene Lerninhalte verfügbar gemacht werden. Wichtige Themen werden zum Beispiel Erste Hilfe und Arbeitssicherheit sein, aber auch die Hygiene in Pflege und Hauswirtschaft sowie Einführungen in verschiedene andere Beschäftigungsbereiche. Zu den E-Learning-Mitteln werden neben auf einer Lernplattform hinterlegten schriftlichen Unterlagen

Traditionell erinnert weltweit jedes Jahr ein Tag an die Rechte von Kindern: der Weltkindertag. Auch der SCI unterstützt diese Idee und veranstaltet seit vier Jahren um den 20. September herum zwei große Kinderfeste für Grundschulkinder aus Moers und Umgebung. Ein Fest findet auf der Halde Rheinpreußen statt, das andere am Kamp-Lintforter Pappelsee. Beim letzten Mal gab es so viel Unterstützung wie nie zuvor: Um für die jeweils 1100 Grundschulkinder ein tolles Programm auf die Beine zu stellen, engagierte das Organisationsteam um Monika Kositzki jeweils über 350 Schüler weiterführender Schulen. Vor Ort übernahmen sie die Betreuung der Jüngeren und leiteten sie bei Geschicklichkeits- und Wissensspielen an. Auch für den Spätsommer 2013 sind wieder Kinderfeste am Weltkindertag geplant.

„Viele glauben ja, dass E-Learning nur etwas für Akademiker ist“, hat KarlHeinz Theußen bei seinen Gesprächen im Vorfeld des Projekts festgestellt. „Wir sind da ganz anderer Meinung: Unsere eigenen Azubis oder die Gemeinwohlarbeiter sind technisch auf jeden Fall fit genug, um selbst online zu lernen. Woran es fehlt, sind gut aufbereitete Inhalte – und das werden wir jetzt ändern.“

Impressum Beim Brandschutz etwa nutzt der SCI schon heute interaktives E-Learning. Herausgeber: SCI:Moers gGmbH Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit Hanns-Albeck-Platz 2, 47441 Moers Telefon 02841/95 78-0 Telefax 02841/95 78-78 eMail: info@sci-moers.de

Kurz & Knapp Viel Unterstützung für den Weltkindertag

auch audiovisuelle Medien gehören, vor allem natürlich Filme. Aber die Software soll auch mit dem „Schüler“ interagieren und ihm den Austausch mit anderen Lernenden auf unkomplizierte Art ermöglichen. Welche Software man für das Quali:Web benutzt, wollen der SCI und HIBA als Trägerverbund des Projekts spätestens nach den Vorab-Tests entscheiden.

Neuer Bus fürs Regenbogenhaus

V.i.S.d.P.: Karl-Heinz Theußen (Geschäftsführer) Redaktion: Blattwerkstatt Fotos: Peter Oelker, Andrea Külkens, Stefan Brunn Gestaltung und Produktion: Agentur Berns Steinstraße 3, 47441 Moers www.agenturberns.de

Für das Schloss des neuen Renault Traffic war der Schlüssel zwar viel zu groß, den die stellvertretende Moerser Bürgermeisterin Erika Scholten auf unserem Foto Frank Liebert vom SCI überreicht. Aber der riesige Schlüssel passte symbolisch sehr gut zu der damit verbundenen Aktion: Der Verein „Social4Kids“ aus Schwalmtal stellt dem SCI das Fahrzeug für die Dauer von fünf Jahren kostenlos zur Verfügung. Finanziert wird der Transporter durch Sponsorengelder – wie man an den Aufklebern gut sehen kann. Über ein Dutzend Unternehmen und Organisationen aus Moers und Umgebung haben sich an der Leihgabe beteiligt. Genutzt wird das neue Fahrzeug vom Regenbogenhaus des SCI, einem Wohn- und Betreuungsangebot für Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Beeinträchtigungen.

Wer ist der Service Civil International? Der Service Civil International wurde 1920 von dem Schweizer Pierre Ceresole gegründet. Ceresole lehnte jeglichen militärischen Dienst ab. Stattdessen wollte er durch freiwillige Arbeit an gemeinnützigen Projekten den Frieden unterstützen. In Esnes, in der Nähe von Verdun in Frankreich, fand der erste Einsatz von Freiwilligen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz statt. Sie halfen mit, die im Krieg zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Heute ist der SCI in 25 Ländern weltweit als Friedensbewegung organisiert. Seine Aufgaben sind vielfältig, sie reichen von der Förderung von Verständnis und Solidarität zwischen den Menschen bis zu gemeinnützigen Projekten und Arbeiten im Natur und Umweltschutz. Oberstes Gebot ist die Integration von sozial benachteiligten Gruppen.


Ein:Blicke Nr. 35  

Ein:Blicke, Ausgabe 35, Dezember 2012

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