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ISSN 2512-7519

2/2020

Blütenpresse Schutzgebühr 2 €

Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V.


Blütenpresse

Inhalt Heft 2-2020 Impressum 46 Editorial 47 Eine besondere Ehrung 48 Die zwei Neuen im Vorstand 49 Bulbophyllum – ein Kleinod der Orchideenfamilie 50 Das große Schlüpfen – ein Erfahrungsbericht 54 Blütenbesucher 55 Laissez faire im Herbst 58 Ganz im Kleinen 60 Aus der Stiftung kurz berichtet 62 Tag der Blumensträuße 64 Plan des Botanischen Gartens 66/67 Langjährige Partnerschaft 70 Der Bauerngarten 72 Unsere Kuchenbäckerinnen und Kuchenbäcker stellen sich vor 73 Stiftungsfahrt 2020 75 Umbau der Gewächshäuser 1, 2 und 6 77 Kioskbetrieb zu Corona-Zeiten 79 Schön, dass es den Botanischen Garten gibt 80 Der Botanische Garten in Glück 81 Das neue Pflanzkonzept für den Bauerngarten 82 Pflanzenporträt: der Kakaobaum 82 Staude des Jahres 2021 83 Helfer gesucht – Mitmachen erwünscht! 84 Mitgliedsantrag 86 Hilfe für den Boden 87 Das Titelfoto zeigt eine außen gelb, innen rot blühende Ball-Dahlie. Foto: H. Hieronimus

Impressum Redaktion: Harro Hieronimus (v.i.S.d.P.) Matthias Nitsche Zuschriften an: H. Hieronimus Dompfaff weg 53 42659 Solingen Tel.: 0212-819878 redaktion@bluetenpresse.de Die Blütenpresse ist eine Zeitschrift für die Mitglieder der Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V. sowie die Besucher des Botanischen Gartens. Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Abonnementsmöglichkeiten bitte bei der Redaktion erfragen. Veröffentlichte und namentlich gekennzeichnete Manuskripte stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar. Für den Inhalt sind die Autoren selbst verantwortlich. Jegliche Gewährleistung für

beschriebene Verfahren oder Geräte wird nicht von der Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V. oder der Redaktion übernommen. Für unverlangt eingesandte Artikel wird keine Gewährleistung übernommen. Jeder Einsender erklärt sich mit der redaktionellen Bearbeitung seiner Artikel einverstanden. Eine Rücksendung von Manuskripten oder Bildvorlagen findet nur nach besonderer Absprache statt. Angenommen werden auch Artikel, die bereits in einer anderen Zeitschrift abgedruckt wurden, wenn das Einverständnis der erstveröffentlichenden Zeitschrift beigefügt ist bzw. ein Abdruck in einer Zeitschrift erfolgte, die den Nachdruck ausdrücklich genehmigte. Alle Anfragen und Einsendungen sind möglichst direkt an die Redaktion zu richten.

www.botanischer-garten-solingen.de


Blütenpresse Foto: Privat

Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde des Botanischen Gartens Solingen, weiterhin ist das Thema Nr. 1 nicht nur im Botanischen Garten Solingen, sondern in ganz Deutschland und eigentlich weltweit Corona, der Covid-19-Virus. Kurzzeitig hatte Solingen den deutschlandweiten Spitzenplatz in der sogenannten 7-Tage-Inzidenz erreicht und ganz Deutschland geht im November in einen teilweisen Lockdown. Der Botanische Garten bleibt während dieser Zeit geöffnet – eine Oase nicht nur für Solinger Bürgerinnen und Bürger. Die Schauhäuser allerdings bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Das liegt natürlich auch am Umbau des Tropenhauses samt Vorbau. In der ursprünglichen Planung war ein früherer Termin vorgesehen, aber die verschiedensten Gründe führten zu Verzögerungen. Dank des Einsatzes von Herrn Krause, des Architekten, sollen zumindest bis Ende November die äußeren Arbeiten abgeschlossen sein. Besondere Maßnahmen sind natürlich beim Aquarium möglich. Neben einer zusätzlichen Heizung werden allerdings einige Maßnahmen getroffen, damit die Fische und Pflanzen diese Zeit gut überstehen. Auch hier hat die Verzögerung allerdings dazu geführt, dass einige Umgestaltungen erst später in Angriff genommen werden können. Der Fischbestand – momentan etwas sehr einseitig – wird wieder vielfältiger werden. Nach einer größeren Reinigungsaktion wartet das Aquarium auch auf eine Teilerneuerung des Pflanzenbestands. Auch dieses muss allerdings auf den Abschluss der Arbeiten warten. Da aber die Schauhäuser sowieso geschlossen sind, ist dies eher ein internes Problem. Ein viel größeres Problem stellt sich allerdings bei den Finanzen. Keine Angst, die Stiftung ist nicht pleite, aber durch die fehlenden Einnahmen aus den geplanten Veranstaltungen ist die Finanzlage natürlich alles andere als rosig. Wer also die Möglichkeit hat, die Stiftung mit einer kleinen oder großen Spende zu unterstützen, ist dazu aufgefordert. Wir danken schon im Voraus. Auch die zahlreichen Helfer im Botanischen Garten mussten leider auf gewohnte Belohnungen verzichten. Weder das Kegeln noch das Helferessen konnten stattfinden, da die Hygieneanforderungen weder beim einen noch beim anderen Ereignis eingehalten werden können. Auf diesem Weg sei aber allen Mitarbeitern und Helfern für ihre Arbeit im ablaufenden Jahr gedankt – und damit verbindet sich natürlich auch die Hoffnung, dass alle auch im nächsten Jahr wieder anpacken, damit der Botanische Garten das bleibt, was er seit Jahrzehnten ist: ein wahres Juwel. Bleiben Sie gesund! Ein trotz der widrigen Umstände frohes Fest und einen guten Rutsch wünscht Ihnen allen Ihr Harro Hieronimus 47


Eine besondere Ehrung Unser Gründungsmitglied Gerhard Beckermann wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Er ist ein Mann der ersten Stunde der Stiftung Botanischer Garten Solingen. Die Stadt Solingen hatte aus Sparsamkeitsgründen die alten Rosenbeete an der Sonnenuhr mit Gras eingesät. 1997 bat der Verein zur Förderung der Rosenkultur im Bergischen Land um Erlaubnis, die alten Rosenbeete wieder mit Rosen bepflanzen zu dürfen. Die Rosenfreunde durften, aber unter der Auflage, dass die Beete auch weiterhin von den Rosenfreunden gepflegt würden. Gerhard Beckermann war dabei. Als die Rosenfreunde erfuhren, dass der Botanische Garten aus Geldmangel geschlossen werden könnte, wurde die Werbetrommel gerührt. Vielen Solingern war der Botanische Garten Solingen leider nicht bekannt. „Was, ein Botanischer Garten in Solingen, wo ist der denn?“, bekam man zu hören. Bald waren genügend interessierte Bürger dabei, einen Verein zu gründen. Die Gründung der Stif-

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tung Botanischer Garten Solingen e.V. erfolgte am 15. Oktober 1998 durch 14 Personen und den Verein zur Förderung der Rosenkultur. Gerhard Beckermann war dabei. Gerhard Beckermann ist an vielen Objekten beteiligt, die im Park von der Stiftung geschaffen wurden. Das Schachbrett unter der Pergola ist zum Beispiel sein Werk. Er half beim Aufbau des Kiosks und bei Veranstaltungen beim Auf- und Abbau der Zelte und des Sonnensegels. Jetzt, zu Corona-Zeiten, begleitete er noch die Bodenarbeiten bei der Umgestaltung der Gewächshäuser. Kurz, wo etwas zu tun ist, hilft er auch jetzt noch im Alter von fast 92 Jahren. Bei der Jahreshauptversammlung am 29.09.2020 ernannte der Vorstand Gerhard Beckermann zum Ehrenmitglied. Gerhard Beckermann fand hiermit Anerkennung, er erhielt eine Urkunde und einen großen Blumenstrauß. Text: Ingeborg Meuter-Reckermann Foto: Valeria Luhn


Die zwei Neuen im Vorstand Das Ausscheiden zweier Beisitzer aus dem Vor- sammlung eine Neuwahl nötig. Die beiden Gestand der Stiftung machte auf der Jahreshauptver- wählten sollen hier kurz vorgestellt werden.

Harro Hieronimus

Hallo zusammen, ich heiße Patricia Michalski, bin 38 Jahre jung und wohne seit Juni 2019 der Liebe wegen in Solingen. Erst durch den Botanischen Garten, wohin ich im Frühjahr 2020 durch die Solinger Freiwilligenagentur vermittelt worden bin, habe ich allmählich angefangen, mich hier zuhause zu fühlen. Seit Mai/Juni bin ich vorwiegend im Kioskbetrieb im Service im Einsatz. Hier macht es mir große Freude, den Besuchern zusammen mit den Kollegen einen schönen Sonntagnachmittag bei Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und Eis zu bescheren. Außerdem versuche ich – je nach Zeit – in den Themengärten mitzuwirken. Ansonsten fotografiere und male ich gerne und halte mich gerne im Grünen auf, was bekanntlich im BoGa prima möglich ist. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen für das Vertrauen, die mich als Besitzerin gewählt zu haben. Es freut mich, mich mit euch/ Ihnen für einen so schönen Ort einzusetzen.

Den Mitgliedern der Stiftung bin ich sicher als Redakteur der Blütenpresse längst bekannt. Weniger bekannt ist wohl, dass ich seit über 30 Jahren in Vereinen leitend tätig bin und diese Erfahrung nun auch in den Vorstand einbringen möchte. Daher mein Dank an die Teilnehmer der JHV für die Wahl. Seit 40 Jahren bin ich Intensivaquarianer und schreibe seit 1985 für zahlreiche Zeitschriften in den Bereichen Aquaristik, Vogelkunde und Garten sowie Gartenteich. In der Zeit sind auch ein gutes Dutzend Bücher zu diesen Themen von mir geschrieben worden. Seit 1986 wohne ich – damals berufsbedingt – mit meiner Frau in Solingen. Zum BoGa kam ich bei einem Garten- und Blumentag, als mich ein Bekannter auf die damals traurige Situation des Aquariums aufmerksam machte und ich leichtsinnig Matthias Nitsche fragte, ob man sich hier irgendwie einbringen könnte. Das Ergebnis haben ja viele inzwischen gesehen. Foto: Privat

Foto: Valeria Luhn

Patricia Michalski

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Bulbophyllum – ein Kleinod der Orchideenfamilie Bei Orchideen haben die meisten Menschen Pflanzen mit großen, lang haltbaren Blüten in Erinnerung. Bei den Bulbophyllum hingegen ist die Größe eher zweitrangig. Auch die Haltbarkeit der Blüten ist im Vergleich zur Gattung Phalaenopsis eher als kurz zu bezeichnen. Dennoch hat bei Liebhabern die Gattung Bulbophyllum einen gewissen Bekanntheitsgrad, da es die artenreichste Gattung in der Orchideenfamilie ist. Zudem sind sie bekannt, weil unter ihnen auch die größten „Stinker“ zu finden sind. Das ist ein Grund, warum diese Gattung auch bei den eingefleischten Orchideenspezialisten nicht gerade sehr beliebt ist. Die Gattung Bulbophyllum kommt gleich auf vier Kontinenten (Asien, Australien, Afrika und Südamerika) vor und dort zumeist in tropischen Bereichen. Der Name setzt sich aus dem griechischen „Bulbos“ = Knolle und „Phyllon“ = Blatt zusammen. Die meisten Arten haben eine Knolle und ein Blatt, in seltenen Fällen sind sogar zwei und in ganz wenigen Fällen auch drei Blätter vorhanden. Alle gemeinsam verbindet der Blütenaufbau,

Abb. 2: Bulbophyllum gibbosum.

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Abb. 1: Bulbophyllum tigridum.

Abb. 3: Bulbophyllum bicolor.


Abb. 4: Bulbophyllum lobbii.

insbesondere die wippende Lippe, welche sich bei Berührung hoch und runter bewegt. Für die Pflege dieser Pflanzen benötigen die meisten schon etwas Erfahrung. Der Temperaturbereich der meisten Arten ist im Bereich der normalen Zimmertemperatur, das heißt zwischen 17 und 25 °C. Jedoch muss die Luftfeuchtigkeit bei diesen kleineren Orchideen doch recht hoch sein. Sie sollten recht hell stehen, doch vertragen sie keine direkte Sonnenstrahlung. Es wird für eine erfolgreiche Zimmerkultur ein kleines Regenwaldterrarium oder noch besser eine Orchideenvitrine empfohlen. Dann ist auch ein Kulturerfolg bis hin zur Blüte kein Problem mehr. Im Botanischen Garten Solingen werden etwa 40 verschiedene Arten gepflegt. Die günstigen Bedingungen für diese Pflanzen sind auch in den GeAbb. 6: Bulbophyllum nymphopolitanum.

Abb. 5: Bulbophyllum bicolor.

wächshäusern des Botanischen Gartens Solingen nicht immer einfach hinzubekommen doch einige werden erfolgreich gepflegt und kommen regelmäßig zur Blüte. Im Folgenden wird eine kleine Auswahl kurz beschrieben und gezeigt. 51


Bulbophyllum tigridum: Eine kleine Pflanze mit 2 cm großen Bulben und einem etwa 7 cm langen Blatt. Die Pflanze bildet kleine Blüten in fächerartigen Blütenständen. Der Blütenstiel ist etwa 7 cm hoch. Die Einzelblüte ist etwa 2,5 cm lang und 3 mm breit. Bulbophyllum gibbosum: Die Bulbe ist sehr dünn und langgestreckt und hat ein Blatt. Der Blütenstiel wird etwa 15-20 cm lang und an diesem kommen in der gesamten Länge rechts und links die kleinen cremefarbenen Blüten von 3 mm Durchmesser heraus. Bulbophyllum lobbii (Synonym siamense): Sie hat eine etwa 4 cm große Bulbe mit einem 12 cm langen Blatt. Der Blütenstand ist etwa 15 cm lang und trägt eine Einzelblüte mit etwa 5 cm Durchmesser. Bulbophyllum bicolor: Die Pflanze ist fast identisch mit Bulbophyllum lobbii. Der Blütenstiel ist genauso identisch. Hier finden wir drei bis acht Blüten mit jeweils 5 cm Durchmesser an einem Blütenstand. Bulbophyllum nymphopolitanum: Die Bulben sind etwa 4 cm groß und haben ein 25 cm großes Blatt. Der Blütenstand wird nur 5 cm lang und trägt bis zu 5 Blüten, welche sich nacheinander öffnen. Sie sind etwa 6 cm hoch und 3 cm breit. Bulbophyllum echinolabium: Die Bulben haben einen Durchmesser von 7-8 cm und das Blatt wird bis zu

Abb. 8: Bulbophyllum helenae.

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Abb. 7: Bulbophyllum echinolabium.


Abb. 9: Bulbophyllum rothschildianum.

Abb. 10: Bulbophyllum crysocephalum.

Abb. 11: Bulbophyllum leopardinum.

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30 cm lang. Der Blütenstand erreicht eine Höhe von bis zu 40 cm und trägt eine Einzelblüte, welche knapp 6 cm breit und fast 30 cm hoch ist. Der Geruch dieser Blüte erinnert an Verwesungsgeruch, denn die Pflanze zieht damit ihre Bestäuber an. Bulbophyllum helenae: Die Bulben habe eine Größe von 6 cm und tragen ein bis zu 20 cm langes Einzelblatt. Der Blütenstand ist 15 cm lang und trägt bis zu zwölf Blüten. Eine Einzelblüte ist etwa 6 cm lang und 0,8 cm breit. Bulbophyllum rothschildianum: Die Bulben haben eine Größe von knapp 4 cm und tragen ein 15 cm

langes Blatt. Der Blütenstiel hat eine Länge von etwa 25 cm und trägt bis zu acht Blüten. Die Einzelblüte ist fast 12 cm lang und etwa 4 cm breit Bulbophyllum crysocephalum: Dies ist eine Pflanze mit einem Blatt von etwa 12 cm Länge und 3 cm Breite. Die Blüten sind etwa 1,5 cm lang und 0,5 cm breit. Die Bulbe ist 2 cm groß und 1 cm breit und trägt ein Blatt. Bulbophyllum leopardinum: Die Blüten haben etwa 1,5 cm Durchmesser und die Bulbe ist 3,5 cm lang, 1,5 cm breit und trägt ein 2 cm breites und 13 cm langes Blatt. Text & Fotos: Christoph Feyer

Das große Schlüpfen – ein Erfahrungsbericht silie gefüttert, um gestärkt in die Verpuppung zu gehen. Über den Winter hingen dann die Puppen ganz entspannt im Kasten, ich schaute etwa einmal in der Woche nach dem Rechten. Gegen Anfang April wurde es dann langsam spannend. Seit Mitte März kam ich öfter vorbei und beobachtete die Entwicklung der Puppen. Von dem gefürchteten Puppenräuber hatte ich schon gehört. Dieses Insekt bohrt ein Loch in die Schmetterlingspuppe und legt ein Ei hinein. Statt des Falters schlüpft dann im späten Frühling ein junger Puppenräuber aus der Puppe. Foto: Carmen Dörner

Foto: Wolfgang Girnus, CC-SA BY 3.0

Im vergangenen Herbst staunten wir im Botanischen Garten nicht schlecht. Im Fenchelbeet unseres frühmittelalterlichen Heilpflanzengartens konnten wir mehrere Raupen des schönen Schwalbenschwanzes entdecken. Ich berichtete darüber ausführlich in der Ausgabe 3/2019 in unserer „Blütenpresse“. Der Schwalbenschwanz ist einer der wenigen Großfalter Mitteleuropas. Mit Hilfe des NABU hatten wir daraufhin sechs Raupen im RaupenÜberwinterungskasten gesichert. Eine Zeit lang wurden sie noch regelmäßig von mir mit Peter-

Abb. 1: Puppe des Schwalbenschwanz kurz vor dem Schlupf.

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Abb. 2: Der erste geschlüpfte Falter.


Bis Mitte Mai sind alle sechs Falter geschlüpft und natürlich von mir in die Freiheit entlassen worden. Um die Zeit der Eisheiligen herum hat das Schlüpfen eine merkliche Pause gemacht. Kaum war das Wetter wieder warm, ging es weiter. Die Tierchen wissen genau, welches Wetter gut für sie ist. Nun hoffen wir, dass der Schwalbenschwanz uns wieder mit seinem Besuch beehrt. Alle Doldenblütler (z. B. Petersilie, Fenchel, Kümmel, Möhre, Bärwurz, Bergkümmel), welche die Hauptfutterpflanzen der Raupen des Falters sind, stehen unter Beobachtung von mir. Vielleicht haben sogar Sie, unsere Besucher des Gartens, das Glück, den Schmetterling oder seine Raupen zu entdecken. Dann würde ich Sie bitten, schnell jemanden von der Stiftung zu informieren, es wird sofort an mich weitergegeben. Dann kann ich mich um die nächste Schwalbenschwanzgeneration kümmern. Ich würde mich sehr freuen. Carmen Dörner Foto: Redaktion

Uns blieb das zum Glück erspart. Inzwischen konnte ich durch die dünne Haut der Puppe schon schwach die Flügelzeichnung sehen. Die Puppen waren nicht mehr nur braungrau, sondern es schimmerte auch gelblich und schwarz durch die Hülle. Das waren die zusammengefalteten Flügel. Am 28. April war es dann soweit. Der erste Falter flatterte im Raupenkasten herum, er war noch sehr ungeschickt und torkelte. Schlüpfen ist Schwerstarbeit. Nachdem der Falter sich aus der engen Puppe gezwängt hat, muss er durch Bewegung Gefäßflüssigkeit in seine Flügel pumpen, die vorher ganz verknittert sind. Um sich zu trainieren, flattert er immer wieder herum und breitet die Flügel aus. Ist er dann zu Kräften gekommen, kann er losfliegen. Ich hatte vorsorglich ein paar Nektarpflanzen (Blaukissen – Aubrieta; Polsterphlox – Phlox subulata) in den Kasten gestellt und beim Schlupf des ersten Falters ein paar saftige Orangenscheiben hineingehängt. Damit können die Schmetterlinge sich nach dem Schlüpfen stärken.

Blütenbesucher

Am Freitag, den 11.9.2020, besuchte ich nachmittags für eine Stunde den Botanischen Garten Solingen. Ziel war es zu erkunden, welche Insekten im Spätsommer in den weitläufigen Blumenrabatten des Gartens noch zu beobachten sind. Es war ein warmer Septembertag mit teilweise bedecktem Himmel. Bewaffnet mit zwei Fotoapparaten strebte ich zügig den violett leuchtenden Kissenastern zu. Viele Blütenbesucher waren auf den gelben Körbchen in der Mitte der Blumen eifrig bei der Ernte von Nektar und Pollen.

Recht häufig war die Große Schwebfliege Syrphus ribesii mit ihrer den Wespen nachempfundenen gelb-schwarzen Färbung. Weitere Schwebfliegen nahm ich mit dem Canon 60-mm-Makro-Objektiv auf, z.B. die Kleine Keilfleckschwebfliege, Eristalis arbustorum, die Große Sumpfschwebfliege, Helophilus trivittatus, und die Scheinbienen-Keilfleckschwebfliege, Eristalis tenax. Letztere wird auch als Mistbiene bezeichnet, wegen ihres oft massenhaften Auftretens in der Nähe von Misthaufen. 55


Syrphus ribesii

Ersistalis arbustorum

Eristalis tenax

Tachina fera

Auffallend ist die Igelfliege, Tachina fera, mit den schwarzen Borsten am orangefarbenen Hinterleib. Von den neun Wildbienen, die auf der bebilderten Liste im Botanischen Garten genannt werden, konnte ich keine finden; allerdings war bei sieben Arten die übliche Flugzeit auch bereits vorbei. Dafür sah ich die Gelbbindige Furchenbiene, Halictus scabiosae, sowie eine der Blutbienen, Sphecodes (albilabris), so bezeichnet wegen ihres blutroten Hinterleibs. Außer mir war noch jemand bei den Insektenhotels auf der Suche nach den Bienen bzw. ihren Nestern: eine Schlupfwespe, Dolichomitus. Mit ihrem enorm langen Legestachel gelingt es den

Ichneumoniden, ihre Eier in oder an die Larven in der Nisthöhle von Wildbienen zu legen. Viele Honigbienen und Hummeln tummelten sich auf den Kokardenblumen. Daneben gab es auch zwei Wanzen: die winzig kleine Gemeine Wiesenwanze, Lygus pratensis, sowie die dekorative Feuerwanze, Pyrrhocorris apterus. Schmetterlinge gibt es nur noch wenige. Ich beobachtete den Admiral und einige Weißlinge. Die Gallische Feldwespe, Polistes dominula, sonnte sich auf einem Blatt. Zum Schluss nahm ich noch einen NachtigallGrashüpfer, Chorthippus/Glyptobothrus, auf.

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Halictus scabiosae

Sphecodes (albilabris oder crassus)

Dolichomitus cf. imperator

Pyrrhocorris apterus

Polistes dominula

Kokardenblumen, Paradies fĂźr Hummeln und Bienen. 57


Es ist schon erstaunlich, wie viele interessante Blü- Fotos aller beobachteten Insekten habe ich auf tenbesucher man in so kurzer Zeit findet. Es kann der Website inaturalist.org gepostet. Sie sind zu eine Anregung sein, auch im eigenen Garten mehr finden, indem man auf dem Eingangsbildschirm Blühendes anzupflanzen, um damit dem Insekten- rechts oben unter location eingibt: Botanischer schwund entgegenzuwirken und etwas Gutes für Garten Solingen. die Insekten zu tun. Text & Fotos: Dr. Wolf-Achim Roland

Laissez-faire im Herbst Ich werde oft gefragt, welche Arbeiten jetzt im Herbst im Garten erledigt werden sollten oder wie ich meinen Garten winterfest mache. Meine simple Antwort darauf lautet: Ich mache nichts im Herbst, also, fast nichts. In den Staudenbeeten sollte alles einfach so stehen bleiben, damit auch noch im Winter Strukturen und Höhen vorhanden sind. Viele braune Samenstände sehen wirklich sehr interessant und hübsch aus. Außerdem finden Vögel daran noch Futter und in den Ritzen und Halmen können Insekten überwintern. Des Weiteren ist die Staude auch durch das Verwelkte besser geschützt, sollten wir doch noch einmal einen richtigen Solinger Winter bekommen. Ein gut geplanter Garten sollte seinen Besitzer an jedem Tag im Jahr dazu verleiten, ihn zu betrachten. Mit Raureif überzogene Sonnenhutköpfe

Abb. 1: Samenstand von Russells Brandkraut (Phlomis russeliana).

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oder das Rascheln von verwelkten Gräserhorsten sind auch im Dezember oder Januar eine Attraktion in den Beeten. Der Blick ändert sich nur und man muss genauer hinschauen. Wie hat der berühmte niederländische Gartenplaner Piet Oudolf gesagt: ,,Brown is a colour, too!‘‘ Ferner sollten Sie in Ihrem Privatgarten auch den Gehölzschnitt erst im Februar erledigen. Schneiden Sie jetzt im November an ihren Sträuchern und Bäumen, verheilen die Wunden nicht, da die Gehölze auch in Winterruhe sind. Im Februar beginnen die Säfte wieder zu steigen und das Wachstum beginnt bald, so dass die Schnittstellen schneller abheilen können. Aus Vogelschutzgründen sollte aber Ende Februar mit größeren Schnittarbeiten Schluss sein. Stark blutende Gehölze wie Birken oder Ahorn sollten früher geschnitten werden.

Abb. 2: Samenstand der Fetthenne (Sedum).


Abb. 3: Ballhortensie ‘Annabelle‘ (Hydrangea arborescens ‘Annabelle‘).

Abb. 4: Samenstand des Chinaschilfs (Miscanthus).

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Das Herbstlaub muss lediglich vom Rasen entfernt werden, weil dieser darunter schimmeln würde. Sie können es abharken oder, so wie ich es mache, einfach an einem trockenen Novembertag noch einmal mit dem hochgestellten Rasenmäher drüber fahren. Diese Mischung aus zerhäckseltem Laub und Rasen kompostiert übrigens superschnell und sie können es auch als Mulch unter Sträuchern oder auf abgeernteten Gemüsebeeten verteilen. Damit die Herbststürme aber nicht wieder alles im Garten verwirbeln, sollten Sie etwas Gartenerde oder Kompost zum Beschweren drüberstreuen. Vögel, vor allem Amseln, freuen sich über so eine Schicht, weil sie so bis in den Winter hinein darunter Würmer und Insekten finden. Das Laub in den Beeten lasse ich liegen. Da ich seit Jahren in meinem Garten nur organisch und mit Kompost dünge, habe ich ein reges Bodenleben, welches bis zum Frühjahr die Menge schon erheblich reduziert hat. Lediglich sehr großes oder schwer verrottbares Laub sollten Sie extra kompostieren. Auch in den Teich sollte kein Laub fallen. Am besten spannen Sie ein Netz darüber. Außerdem entferne ich noch einmal grob das Beikraut aus den Beeten, weil es viele Kräuter gibt, die auch in einem milden Winter weiter wachsen, z.B. das Springkraut oder der Gundermann. Alles, was ich jetzt noch jäte, spare ich mir im Frühjahr. Aufgrund der letzten drei sehr trockenen Sommer bekommt die Herbstpflanzung eine ganz andere Bedeutung. Sie können jetzt noch problemlos Stauden und Gehölze pflanzen, da der Boden noch warm und mittlerweile auch wieder feucht ist. Bei den Gehölzen gibt es Containerpflanzen, wurzelnackte und Ballenware. Die Pflanzen im Topf sind oft etwas teurer, weil sie ja auch ganzjährig gepflanzt werden können. Wurzelnackt angeboten werden z.B. Rosen oder auch laubabwerfende Heckenpflanzen oder Wildgehölze. Diese sind oft

preiswerter als Ballenware. Dafür können Sie sich aber mit Solitärgehölzen aus der Baumschule Zeit kaufen. Wo kann man das sonst im Leben? Im Herbst und Winter ist auch die richtige Zeit, um zu kalken. Das sollten Sie aber nie auf gut Glück machen, sondern nur nach vorherigem Messen. Im Baumarkt gibt es Sets zu kaufen, womit man den pH-Wert des Bodens bestimmen kann. Für die meisten Pflanzen sollte er zwischen 6 und 6,5 liegen. In dieser Spanne sind auch die meisten Nährstoffe im Boden pflanzenverfügbar. Sollte ihre Messung einen niedrigeren Wert ergeben haben und sie haben nicht nur Rhododendron, Azaleen, Heidelbeeren, Heide und Kamelien im Garten, sollten Sie nach Packungsanleitung kalken. Einfach ausstreuen und einregnen lassen. Ein zu niedriger pH-Wert kann mit ein Grund für Moos im Rasen sein. Aber Moos im Rasen ist ein ganz eigenes Thema… Und was mir auch noch sehr wichtig erscheint: Vielleicht nutzen Sie die Winterzeit dafür, zu überlegen, wie und wo man noch Regenwasser auffangen und speichern kann. Ansonsten genießen Sie auch einfach mal die Gartenpause, denn in ein paar Wochen blühen ja schon wieder die Schneeglöckchen. Text & Fotos: Anja Berger

Ganz im Kleinen Bienen, Wespen und Fliegen sind meist recht auffällig, wenn sie an und um Blüten herumfliegen. Auch von ihnen gibt es Miniaturausgaben. Das Foto auf der nächsten Seite zeigt aber ein ganz spezielles Insekt: eine Krabbenspinne (wahrscheinlich Misumena vatia), fotografiert im September 2020 auf einer Dahlie im Dahliengarten. Man sieht, manchmal lohnt es sich, ganz genau hinzuschauen. 60

Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem etwa 2 mm „großen“ Winzling um ein Männchen, die nur bis 3 mm groß werden. Die Weibchen dagegen können bis zu 10 mm groß werden und sich farblich mit gelben und grünen Farbtönen dem Untergrund anpassen, während die Männchen anfangs weiß sind und im Alter dunkler werden. Text & Foto: H. Hieronimus


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Aus der Stiftung kurz berichtet Liebe Mitglieder,

Spende des Imkervereins an den Botanischen Garten

es gibt wieder einiges aus der Stiftung und dem Botanischen Garten zu berichten. Wir haben wie- Zu den Veranstaltungen, die dieses Jahr ausgefalder einige Informationen für Sie kurz zusammen- len sind, gehörte auch eine unserer ältesten und gefasst: beliebtesten Veranstaltungen: der Imkertag, den wir immer mit dem Imkerverein Solingen durchKioskbetrieb unter besonderen Auflagen führen. Trotz der Absage hat sich der Imkerverein dazu entschlossen, uns im Juni 250 Euro zu spenAufgrund der Coronapandemie mussten wir lei- den, um die Arbeit der Stiftung zu unterstützen. der alle Veranstaltungen für das Jahr 2020 ausfallen Wir bedanken uns sehr für die Hilfe und die gute lassen. Für das Jahr 2021 planen wir wieder mit Zusammenarbeit. Wir freuen uns schon auf den unseren Veranstaltungen. Wir können nicht in die Imkertag 2021. Zukunft sehen, bleiben aber optimistisch. Nach Rücksprache mit den städtischen Stellen mussten wir die Lage jeden Tag neu bewerten. Die Gefährdungslage für Gäste, Partner und Helfer ist für uns als Veranstalter nicht abzuschätzen. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass wir ab Mitte Juni wieder den Gartenkiosk an jedem Sonn- und Feiertag von 14-18 Uhr für die Gäste des Gartens öffnen konnten. Es wurden wie gewohnt leckere selbstgebackene Kuchen, kalte und warme Getränke sowie Eis angeboten. Um die Gäste wie auch die ehrenamtlichen Helfer zu schützen, wurden aber neue Hygieneregeln eingeführt. Bis auf Weiteres durfte es keine Selbstbedienung mehr geben. Gäste mussten sich am Anmel- Die Markisen an der Pergola sind neu befestigt depunkt vor dem Kiosk melden und wurden dann an einen der bis zu 15 Tische geführt. Nachdem Anfang Juni sind uns bei den Vorbereitungen die Kontaktdaten aufgenommen wurden, wurde zur Kioskeröffnung an zwei Markisen die Gedie Bestellung entgegengenommen und an den lenke der Ausfahrarme gebrochen. Des WeiteTisch gebracht. Wichtig war auch, dass sich alle ren neigten sich die Markisen im ausgefahrenen an die allgemeinen Hygienevorschriften gehalten Zustand stark nach unten, so dass der Abstand haben. Am Anmeldepunkt vor dem Kioskeingang zum Boden von zwei Meter nicht mehr gegeben standen Mittel zur Handdesinfektion für die Gäste war. Die beiden Ausfahrarme haben wir kostenund das Kioskteam bereit. Einen großen Dank an alle Helfer/innen, die sich trotz dieser Situation dazu bereit erklärt haben, zu helfen und somit den Kioskbetrieb zu ermöglichen. Gewächshäuser bleiben während der Pandemie geschlossen Auch die Gewächshäuser sind von der Pandemie betroffen. Aufgrund der Auflagen der Stadt Solingen ist es uns leider zurzeit nicht möglich, diese wieder für Besucher zu öffnen. Für das Jahr 2021 hoffen wir aber, dass die Häuser wieder geöffnet werden können. 62


Wir berichteten in einer der letzten Ausgaben, dass die Tore am Betriebshof und auch am Tropenhaus erneuert wurden und noch der Anstrich fehlt. Dies wurde jetzt von der Stadt erledigt und gleich noch das Tor am Haupteingang mit gestrichen. Jahreshauptversammlung 2020 Unsere satzungsmäßige Jahreshauptversammlung für 2020 konnte ja wegen des Lockdowns nicht im März stattfinden. Diese haben wir dann am 29. September in der Partyscheune des Restaurants Scheider Mühle nachgeholt. Wir hatten lange nach neutral austauschen lassen, dies hat leider drei einem Raum gesucht, der trotz der CoronaauflaMonate gedauert. Die starke Neigung der Mar- gen allen Mitgliedern, die an der JHV teilnehmen kisen hing damit zusammen, dass sich die Un- wollten, auch Platz bietet. Auf der JHV wurden terlegscheiben der Schrauben, die die Markisen Ralf Harten als Beisitzer wieder- und Patricia am Holzrahmen der Pergola halten, in das Holz Michalski sowie Harro Hieronimus neu gewählt. gedrückt hatten. Als Lösung haben wir uns von Wegen seiner besonderen Verdienste für die Stifder Jugendhilfewerkstatt Edelstahlplatten anfer- tung wie auch für den Botanischen Garten wurde tigen lassen, die die Kraft der Unterlegscheiben unser Gründungsmitglied Gerhard Beckermann jetzt besser verteilen, um ein Eindrücken in das vom Vorstand zum Ehrenmitglied ernannt. Holz zu verhindern. Dank an alle Helfer, die Auch die Satzung wurde an diesem Abend um ein weiteres Vereinsorgan, das „Kuratorium“, ergänzt. sich um die Instandhaltung gekümmert haben. Das Kuratorium soll die Arbeit der Stiftung unterstützen und neue Kontakte und Verbindungen Eingangstore wurden neu gestrichen knüpfen. Das Kuratorium besteht aus mindestens drei, max. aber 15 Personen aus den Bereichen Politik, Kultur und Wirtschaft. In der nächsten Ausgabe der „Blütenpresse“ werden wir weiter über das Kuratorium berichten. Die Sanierung des Tropenhauses hat begonnen Viele von Ihnen haben bestimmt mitbekommen, dass wir mit der Sanierung des Tropenhauses und dem Einbau eines Klimacomputers begonnen haben. Im August fiel der Startschuss und wir hatten geplant, dass die Arbeiten Ende Oktober fertig

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sind. Manchmal kommt es anders als man denkt. Wir gehen davon aus, dass wir Ende November mit den Außenarbeiten fertig sein werden (zumindest sieht die Planung bei Abfassung des Artikels trotz mehrerer Verschiebungen so aus) und freuen uns schon auf das Tropenhaus und den neuen Klimacomputer. So wollen wir bis zu 30 % der Energiekosten einsparen. In der nächsten Blütenpresse lesen Sie dann einen ausführlichen Bericht zur Sanierung. Text und Fotos: Matthias Nitsche

Tag der Blumensträuße Auch der Sommer 2020 war wieder sehr heiß und trocken. Der Dahliengarten an der Pergola ist mit vereinten Kräften in der Hitzeperiode gewässert und gepflegt worden. Als August und September ins Land kamen und die Temperaturen erträglicher wurden, erblühten auch die Dahlien endlich richtig schön. Mit Hinblick auf den schon einsetzenden Herbst hatten wir die Idee, den Besuchern wieder schöne Blumensträuße mit den Dahlien gegen Spende anzubieten. In den Jahren zuvor boten wir die gebundenen Blumen im Rahmen des Erntedank-Gottesdienstes an. Ab Frühjahr mussten wir wegen der Corona- Pande-

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mie jede Veranstaltung für 2020 absagen und wollten so am 20. September unseren Gästen im Garten eine schöne Abwechslung bieten. Unsere Idee wurde sehr gut angenommen und wir hatten ordentlich zu tun. Ein Dutzend Sträuße konnten gegen Spende an Besucher weitergegeben werden. Der Nachmittag hat uns Dreien sehr großen Spaß gemacht. Ganz herzlichen Dank von mir an Ulrike und Angelika, die mich beim Binden der Blumenarrangements tatkräftig unterstützt haben. Text: Carmen Dörner Foto: Axel Kreher


Abenteuer Amazonas Wie kleine Fische den grössten Regenwald der Welt retten

Abenteuer Amazonas 92 Seiten Format 21 x 21 cm Hardcover ISBN 978-3-936616-95-8 Verlag Natur & Wissenschaft Solingen 2019 19,80 € (D), 20,40 € (A) versandkostenfrei

Bestellungen an: Verlag Natur & Wissenschaft Postfach 170209 D-42624 Solingen info@verlagnw.de

Sy Montgomery Keith Ellenbogen Übersetzung Harro hieronimus Text

Fotografie

Über das Buch: Die Stichworte CO2, Klimaschutz und Klimawandel sind heute nahezu allgegenwärtig. Der Amazonas-Regenwald gilt als der wichtigste landgestützte CO2-Speicher und Sauerstoffproduzent. Gleichzeitig werden aber Tag für Tag riesige Wälder abgeholzt, im Amazonas-Becken sind es etwa 100 km² – pro Tag, Tendenz steigend. In diesem Buch wird gezeigt, wie durch den nachhaltigen Fang von Aquarienfischen ein Gebiet, das fast ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, vor Holzfällern, Landwirtschaft, Goldsuchern, Palmölplantagen geschützt und der Regenwald in seiner ursprünglichen Form erhalten wird. Ein besonderes Anliegen dieses Buchs ist es, dem Leser zu zeigen, wie wichtig der Zierfischfang für den Erhalt des Regenwalds ist. Das Überleben von mehr als 1.000 Tierarten hängt vom Regenwald ab und dessen Überleben fast nur von einer einzigen Fischart. Und das ist das vielleicht wichtigste Ziel: der Schutz des Regenwalds in einem riesigen Gebiet. So viel Natur kann durch den Kauf von nachhaltig durch den Fang von Aquarienfischen bewirtschaftetem, naturbelassenem Regenwald gerettet werden. In Zusammenarbeit mit europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern und Kaufleuten entstand das Projekt Piaba. Das Motto des Projekt Piaba lautet:

Kauf einen Fisch – rette einen Baum! Die Autorin, Sy Montgomery, ist eine amerikanische Naturforscherin, Bestseller- und Drehbuchautorin, die für ihre Bücher schon zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Keith Ellenbogen ist ein bekannter Unterwasserfotograf mit dem Schwerpunkt auf Umweltschutz. Harro Hieronimus ist ein Aquarianer, der schon zahlreiche Bücher und zahllose Artikel zu verschiedensten Themen der Aquaristik veröffentlicht hat.


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Langjährige Partnerschaft Der Botanische Garten ist vermutlich eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten und einer der beliebtesten Freizeitorte in Solingen. Mit seinen zahlreichen Angeboten bietet er einen echten Mehrwert für seine Besucher und die Stadt. Als kommunales Versorgungsunternehmen fühlen sich die Stadtwerke Solingen der Stadt, der Region und allen, die hier leben, sehr verbunden und freuen sich deshalb, bereits seit vielen Jahren Sponsoringpartner des Botanischen Gartens zu sein, hauptsächlich für das beliebte Bromelienhaus. „Was viele nicht wissen: Zu finden sind hier über 200 Bromelienarten. Das macht die Sammlung zu einer der größten in NRW. Wir sind daher schon stolz, vor vielen Jahren schon die Patenschaft für das Bromelienhaus übernommen zu haben“, sagt Stadtwerke-Pressesprecherin Lisa Nohl. Aber das Engagement geht noch weiter: So fördern die Stadtwerke jedes Jahr verschiedene Kinderund Jugendveranstaltungen wie Kindermalen, Ostereiersuchen, Familienralleys, Familientage und Konzerte. Somit bietet der Botanische Garten als Einrichtung einen echten Mehrwert für die Stadt und für Familien. Als besonderes Highlight haben die Stadtwerke 2019 zudem im Rahmen ihres Engagements für den Ausbau der Elektromobilität ein zusätzliches Sponsoring für die Errichtung einer E-Bike-Ladestation am Haupteingang ermöglicht, die den Botanischen Garten auch für weitere Zielgruppen interessanter und attraktiver machen soll. „Der Ausbau der Elektromobilität im Sinne der Nachhaltigkeit ist uns besonders wichtig für unsere Klingenstadt. Deshalb freuen wir uns, dass wir nun, gemeinsam mit dem Botanischen Garten, eine weitere Ladestation einweihen konnten“, so Nohl. Starker Partner für Solingen Insgesamt unterstützen die Stadtwerke jedes Jahr über 80 Vereine und Initiativen, die sich für die Förderung von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Sie sind in der Region nicht nur Ener70

Foto: Barbara Mentzel

Stadtwerke Solingen unterstützen den Botanischen Garten

gieversorger und Dienstleister, sondern übernehmen als Partner auch soziale Verantwortung für Projekte mit gesellschaftlicher Bedeutung. Das Sponsoring und die aktive Unterstützung sind Teil des Selbstverständnisses und Ausdruck der Verbundenheit mit Solingen. Text: Lisa Nohl


71 Foto: Matthias Nitsche


Der Bauerngarten Die Pflege des sogenannten Bauerngartens ist ein Teil der Aufgaben, die die Stiftung zum Erhalt des Botanischen Gartens von der Stadt übernommen hat. Jeweils zum Sommer bzw. Winter wird er von den ehrenamtlichen Mitgliedern der Stiftung neu bepflanzt und zwischendurch stets gepflegt. So werden je nach Jahreszeit verschiedene Nutzoder Zierpflanzen so dargestellt, wie der Hausgarten früher von der Bauersfrau gestaltet wurde.

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Beraten und mit Samen oder Pflanzen versorgt werden wir teils von Frau Dörner, einer engagierten Helferin, sowie vom Gartenbaubetrieb Steen. So kommen wir mit freiwilliger Arbeit der Ehrenamtlichen unserer Aufgabe nach, den Botanischen Garten Solingen den Besuchern als Schmuckstück und Teil der Natur darzustellen. Text: Dr. Horst Fleischer Fotos: Biserka Horvat


Unsere Kuchenbäckerinnen und Kuchenbäcker stellen sich vor In unserem Kiosk können Sie sich während der Gartensaison Woche für Woche jeden Sonntag über selbstgebackenen Kuchen freuen. Wir stellen gerne auch Ihr Rezept vor. Melden Sie sich bei unserem Kioskteam, wenn Sie Interesse haben, uns mit einer Kuchenspende zu unterstützen! Wir freuen uns auf Sie!

Foto: Valeria Luhn

Ein Rezept von Erika Manert: Spekulatiustorte (ohne Backen) – eine erfrischende Torte für die Advents- und Weihnachtszeit Zutaten: 50 Gramm gemahlene Haselnüsse 125 Gramm Butter 200 Gramm Spekulatius 1 gestrich. TL Zimt 2 Dosen Mandarinen 500 Gramm Mascarpone 500 Gramm Quark 75 Gramm Zucker Saft und abgeriebene Schale einer Bio-Limette 1 Granatapfel Zubereitung: Haselnüsse in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten, bis sie duften und abkühlen lassen. Butter schmelzen lassen, ebenfalls abkühlen lassen. Spekulatius grob zerbröseln, mit Haselnuss, Zimt vermischen, Butter unterrühren und die Masse auf dem Boden einer Springform (Durchmesser 26 cm) gleichmäßig verteilen und fest andrücken. Den Teig zwei Stunden kalt stellen. Zwei Dosen Mandarinen abtropfen lassen. Mascarpone, Quark, Zucker und Limettensaft sowie die abgeriebene Schale einer Limette verrühren. Die Hälfte der Creme auf den Boden streichen. Mandarinen – bis auf paar Stück, die man zum Verzieren nimmt – darauf verteilen. Den Rest der Creme darüberstreichen. Zwei Stunden kalt stellen. Granatapfel aufschneiden und entkernen. Die Torte mit den restlichen Mandarinen und Granatapfelkernen verzieren.

Ein Rezept von Renate Mattausch, langjähriges Mitglied und Kuchenbäckerin: Ebereschentorte (Eberesche wird auch als Vogelbeere bezeichnet) – passend für die Jahreszeit Herbst Zutaten: Ebereschenmarmelade, wahlweise 1 Dose Mandarine Für den Boden: 100 Gramm Butter 200 Gramm Mehl 50 Gramm gemahlene Mandeln 50 Gramm gemahlene Haselnüsse 210 Gramm Zucker 1 Ei 1 Blatt Gelatine 250 Gramm Naturjoghurt 500 ml Sahne 1 Packung Puddingpulver mit Vanillegeschmack (für die Variante mit Marmelade) Zubereitung der Marmelade: Sammelzeit für die Beere: Juli bis Oktober, Farbe korallenrot. Nach dem Pflücken Beere zuerst einfrieren. Später mit Gelierzucker (2:1) und entweder mit selbstgekochtem Apfel- oder Birnenmus aufkochen; so verliert die Eberesche den herben Geschmack. Zubereitung: Butter, Mehl, Nüsse, Mandeln, 70 Gramm Zucker, Ei zu einer Teigmasse verkneten. Backofen auf 175° vorheizen, den Teig in eine Springform geben und zehn Minuten backen. Ebereschen-Marmelade mit Schmand, Joghurt, 60 Gramm Zucker vermischen, Sahne steif schlagen, Gelatine mit der Schmandmasse verrühren, Sahne unterheben. Die Creme auf den Tortenboden geben, mit Schokoröllchen verzieren. Variante mit Mandarinen (anstelle von Ebereschenmarmelade): Mandarinen abtropfen lassen, Saft auffangen. Gelatine einweichen. Schmand, Joghurt, 60 Gramm Zucker unterrühren. Sahne steifschlagen, Gelatine mit der Schmandmasse verrühren, Sahne unterheben. Fortsetzung und Foto nächste Seite! 73


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Fotos: Valeria Luhn

Fortsetzung Ebereschentorte: Den Boden mit der Hälfte der Creme bestreichen, die Hälfte der Mandarine darauf verteilen, die restliche Creme verteilen. Restlichen Mandarinen pürieren, auf 250 ml mit Mandarinensaft auffüllen und mit Puddingpulver Vanillegeschmack aufkochen. Nach Belieben mit Orangenscheiben oder Mandeln garnieren. Detaillierte Informationen über die Eberesche finden Sie unter Heilkraeuter.de/Lexikon/ Eberesche


Stiftungsfahrt 2020 Zur Landesgartenschau (Laga) in Kamp-Lintfort Als wir im Januar zur Stiftungsfahrt eingeladen hatten, war das Interesse groß. Viele wollten mitfahren und freuten sich auf die Fahrt. Dann kam Corona und keiner wusste, ob wir fahren können. Zum Glück entspannte sich im Sommer die Situation so weit, dass die Fahrt stattfinden konnte. Auf Grund der Pandemie war natürlich Maskenpflicht im Bus und jeder war angehalten, sich vor Betreten des Busses die Hände zu desinfizieren. Zwischen den Sitzreihen waren Plexiglasscheiben montiert worden und vor der Fahrt wurde ein Infofilm über die Hygieneregeln im Bus gezeigt. Am Samstag, den 29. August, ging es dann um 8 Uhr für 56 Teilnehmer wie immer vom Parkplatz Vogelsang/Ecke Frankenstraße los. Unser Chauffeur Christoph Lütticke fuhr pünktlich los, sodass wir kurz nach 9 Uhr auf dem Parkplatz des LagaGeländes ankamen. Nachdem jeder beim Verlassen des Busses mit einer Eintrittskarte und einem Lageplan versorgt wurde, konnte die Laga bis 18 Uhr selbstständig erkundet werden.

Die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort 2020 ist die 18. Veranstaltung dieser Art in NordrheinWestfalen. Lagas gibt es in NRW seit den 1970erJahren, mittlerweile schreibt das Landwirtschaftsministerium sie im Drei-Jahres-Rhythmus aus. Das Laga-Gelände in der ehemaligen Zechenstadt Kamp-Lintfort war in drei Teilbereiche aufgeteilt. Die Größe des Gesamtareals beträgt 40 Hektar. Die große, offene Parklandschaft mit den zentralen Ausstellerbereichen vor der denkmalgeschützten Industriekulisse im Zechenpark misst 25 Hektar. Die historische Gartenanlage mit barockem Terrassengarten und den Paradiesgärten unterhalb von Kloster Kamp umfasst 5 Hektar. Der circa 2,7 Kilometer lange Wanderweg, entlang der Großen Goorley zwischen Zechenpark und dem Kamper Gartenreich, nimmt eine Fläche von 10 Hektar ein. Im größten Teil, dem Zechenpark, konnten das „Haus des Bergmanns“ und der „Lehrstollen“ besichtigt werden. Neben der Kamp-Lintforter Spiel- und Tier Oase, kurz „Kalisto“, mit einem 1,5 Hektar großen Tiergehege konnte auch der

Das Wahrzeichen der Laga ist der große Förderturm mit Aussichtsplattform.

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67 Meter hohe ehemalige Förderturm mit einem Fahrstuhl erklommen werden. Dort hatte man einen wunderbaren Ausblick auf die Laga und die Stadt Kamp-Lintfort. Für alle Wissbegierigen bot das Green FabLab der Hochschule Rhein-Waal auf dem Landesgartenschaugelände einen Treffpunkt. Hinter einem kleinem Handwerksmarkt befand sich die Blumenhalle, in dem die Floristen ihr Können zeigten. Neben vielen Themengärten und Kunst gab es auch ein großes Musikangebot auf der Gartenbühne. Um zum zweiten Teil der Laga zu kommen, den Barockgärten des Klosters Kamp, konnte der 2,7 Kilometer lange Wandelweg, entlang der Großen Goorley (kleiner Fluss), zwischen Zechenpark und dem Kamper Gartenreich (Kloster Kamp) benutzt werden. Nach ca. 45 Minuten hatte man dann das Kloster erreicht oder man entschied sich für den kostenlosen Shuttle-Service zwischen den beiden Parkbereichen. Im Klostergarten gab es neben der wunderschönen Barockanlage am 29. August spezielle Informationsangebote, so informierten u.a. Tourismus NRW und seine touristischen Partner in der Orangerie über die schönsten Ausflüge zu Schlössern, Burgen und der Gartenkunst in NRW, aber auch das Bienenhaus war an diesem Tag geöffnet. Gegen 18 Uhr waren alle wieder im Bus und wir traten dann die Rückfahrt an. Gegen 19:30 Uhr kamen wir wieder auf dem Parkplatz am Vogelsang/Frankenstraße an. Auch für das Jahr 2021 haben wir wieder eine Stiftungsfahrt geplant. Dieses Mal wollen wir uns den Botanischen Garten von Berlin anschauen. Da wir das aber nicht in einer Tagesfahrt schaffen, wollen wir am Freitag, den 20. August, um 6 Uhr losfahren und am Sonntag, den 22. August, gegen 19 Uhr wieder in Solingen sein. Am Freitag werden wir gegen 15 Uhr in Berlin ankommen und in einem Hotel direkt am Campus der Universität untergebracht. Das Hotel liegt ca. 900 m Luftlinie vom Botanischen Garten und ca. 5 km von der Innenstadt weg. Am Freitag ist nach dem Einchecken ins Hotel der Abend zur freien Verfügung. Am Samstag geht es dann nach dem Frühstück um 10 Uhr mit einer Führung durch den Botanischen Garten los. Danach kann man sich die Zeit wieder frei einteilen. Am Sonntag geht es dann nach dem Frühstück wieder zurück nach Solingen. Weitere Infos zu den Preisen und den Anmeldeformalitäten geben wir dann im Januar bekannt. Text: Matthias Nitsche Fotos Matthias Nitsche und Gero Leuther 76

Blick über den größten Teil des Laga-Geländes von der Aussichtsplattform aus.

Durchaus zum Sitzen geeignet – auf dem Schild wird allerdings vor Nässe gewarnt. Blick über den Barockgarten von Kloster Kamp von der Freitreppe vor dem Kloster aus.


Umbau der Gewächshäuser 1, 2 und 6 Die Coronapandemie und die damit verbundene Absage all unserer Veranstaltungen hat uns schwer getroffen. Wir haben aber auch etwas Positives daraus gewinnen können. So hatten wir u.a. die Möglichkeit, Projekte durchzuführen, die wir sonst während der Saison nicht geschafft hätten und die schon lange auf unserem „Zettel“ standen. Eines unserer Projekte war der Umbau der Gewächshäuser 1, 2 und 6. Hier wollten wir im Gewächshaus 1 (es handelt sich um das Gewächshaus, das am nächsten zum Klinikum steht und als Kalthaus genutzt wird) die letzten beiden Pflanztische niederlegen, um den Boden neu zu pflastern und Platz für die Kübelpflanzen aus dem Garten zu schaffen, die im Winter hier untergestellt werden, Direkt im Anschluss an das Gewächshaus 1 beda diese nicht winterhart sind. findet sich das Gewächshaus 2. Die vorderen zwei Drittel des Hauses werden als Anzuchthaus für unsere Pflanzen als Warmhaus genutzt. Im hinteren Drittel sollten die letzten drei Pflanztische niedergelegt und der Boden neu gepflastert werden.

Ziel soll sein, hier einen Werkstattbereich für Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten zu schaffen und einen Bereich, in dem wir mit Schwerlastrega77


len auf zwei Ebenen unsere Veranstaltungstechnik einlagern können. So würde dann der Lagerbereich hinter dem Kiosk für die Gartenausstattung freiwerden. So könnten dann alle Gartengeräte inkl. der Bewässerung an einem Ort zusammengeführt werden.

niedergelegt und der Boden neu gepflastert werden. Ziel soll es sein, aus dem Haus 6 ein „Grünes Klassenzimmer“ entstehen zu lassen, das aber auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Der Umbau war immer daran gescheitert, dass wir dafür die Heizungsrohre umbauen, abbauen bzw. verlegen mussten und wir im Winter, wenn wir Zeit gehabt hätten, das wegen der Außentemperaturen nicht durchführen konnten.

Das Gewächshaus 6 liegt zwischen dem Bromelienhaus und dem Sukkulentenhaus und diente, bis wir die Gewächshäuser 1 und 2 von der Stadt übernommen hatten, als Mutterpflanzenhaus und dient noch als Lager und Küche für unseren Kiosk. Hier sollten die restlichen mittleren Pflanztische

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Von Ende Mai bis Anfang August haben wir an jedem Wochenende und zum Teil auch unter der Woche daran gearbeitet, den Umbau voranzutreiben. Bei schönstem Sommerwetter haben wir bei Temperaturen bis 45 °C in den Gewächshäusern gebohrt, gestemmt, geflext, geschüppt, betoniert und gepflastert. Alle Arbeiten die wir uns für die Sommermonate vorgenommen hatten, haben wir geschafft. Vielen Dank an alle Helfer die sich über Monate an den Arbeiten beteiligt haben, das war eine riesige Leistung! In den Wintermonaten wollen wir weiter an der Umsetzung dieses riesigen Projekts weiterarbeiten. Wir werden in der nächsten Ausgabe der Blütenpresse darüber berichten, wie weit wir gekommen sind. Text: Matthias Nitsche Fotos: Matthias Nitsche und Sascha Verführt


Kioskbetrieb zu Coronazeiten Alle Mitarbeiter(innen) müssen Mund-Nase-Bedeckung tragen. Die Gäste melden sich am Anmeldepunkt an und bekommen einen Tisch zugewiesen. Die Gäste tragen sich mit ihren Daten in eine Liste ein. Der Servicedienst nimmt die Bestellungen auf und serviert Kuchen, warme und kalte Getränke am Tisch. Die Gäste verlassen den Tisch auf vorgeschriebenen Wegen. Nach jeder Besetzung wird der Tisch desinfiziert. Um die vielen Informationen „sacken“ lassen zu können, wurde vereinbart, dass sich in der Woche nach Pfingsten jede(r) entscheiden sollte, ob sie/er mitmachen wolle oder nicht. Schließlich bedeuteten die neuen Regelungen ja auch einen erhöhten Personalbedarf durch den Servicedienst. In der Woche nach Pfingsten erfolgten viele Telefonate mit dem Ergebnis: Ja, wir können es wagen, zu öffnen – die erweiterte Kioskbesetzung kann gestemmt werden! Die Gäste kamen zum Anmeldepunkt, wunderten sich, dass sie nur noch die Kuchentafel, nicht aber die Kuchen „live“ betrachten durften, nahmen Platz und freuten sich über die Bedienung. Es ist doch auch herrlich, bei schönem Wetter im Sonnenschein mit Blick auf die wunderschönen Blumenbeete die Kaffeezeit zu genießen. Aber 2 Fotos: Valeria Luhn

Normalerweise startet zu Ostern mit dem Eiersuchen auch die Kiosksaison. Die Ostertüten für die Kinder werden gepackt, der Kiosk wird nach der Winterpause auf Hochglanz poliert. Dieses Jahr war alles anders. Die Regelungen, bedingt durch den Coronavirus, verhinderten die Öffnung des Kiosks zu Ostern. Alle Menschen sollten sicherheitshalber lieber zu Hause bleiben, um sich nicht anzustecken. Sorgen machten sich breit: Wie wird es weitergehen? Wann kann der Kiosk wieder öffnen? In der Woche vor Pfingsten kündigte Herr Nitsche an, dass das Ordnungsamt eine Ortsbesichtigung machen würde, um mit dem Vorstand die Bedingungen zu erörtern, unter denen der Cafébetrieb wieder aufgenommen werden könnte. So geschah es, und das Ergebnis war ein ausgeklügelter Hygieneplan, der eine Öffnung ermöglichen sollte. Nun stellten sich die Fragen: Können wir unter den Vorgaben arbeiten? Wer macht mit? Um sich für eine Mitarbeit entscheiden zu können, mussten alle Mitarbeiter(innen) des Kiosks erst einmal über die Änderungen des Cafébetriebs informiert werden. Also berief Herr Nitsche eine Versammlung ein, die unter der Pergola nach den geforderten Abstandsregeln stattfand, und hielt einen ausführlichen Vortrag über die neuen Regelungen:

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Schön, dass es den Botanischen Garten gibt! Mit diesem Satz hat mein Gespräch mit Coco Richter angefangen. Frau Richter ist Anfang 50, arbeitet in Vollzeit für einen Lebensmittel verarbeitenden Betrieb. Ihre Hobbys sind ihr großer Garten und ihre Zwergkaninchen. Frau Richter und ihr Mann haben bis jetzt immer Projekte für Kinder oder Tiere mit Spenden unterstützt. Frau Richter genießt zu jeder Jahreszeit den Botanischen Garten. Sie geht jeden Sonntag auf der Trasse zum Botanischen Garten. Mal sitzt sie unten am Teich, so hat sie auch beobachtet, wie die Feuerwehr eine Entenfamilie zum Teich im Botanischen Garten begleitet hat. Mal oben unter der Pergola bewundert sie die Frühlingsblumen in ihrer Pracht. Sie hat immer ihre Thermoskanne mit warmem Kaffee dabei. Es ist immer eine wunderbare kleine Auszeit vom stressigen Alltag. Der Garten bietet schöne Momente zur Erholung, Entspannung und für Gespräche mit anderen Menschen. Um die ehrenamtliche Arbeit vieler Helfer und Helferinnen im Botanischen Garten zu unterstützen, kam Frau Richter auf die Idee, Gesichtsmasken zu nähen. Sie hat in erster Linie Mundschutzmasken für Men80

Foto: Axel Kreher

auch vom schlechten Wetter ließen sich einige Gäste nicht abschrecken und schauten trotzdem vorbei. Herr Nitsche arbeitete unermüdlich am Anmeldepunkt und sorgte dafür, dass alles reibungslos ablief. Das Serviceteam legte an manchen Sonntagen weite Wege zurück, wenn alle 15 Tische besetzt waren. Und jeder Gast bekam das, was er bestellt hatte, wenn auch manchmal an der Kuchentheke die Frage auftauchte: Hat der Gast an Tisch 4 Apfelkuchen oder Käsekuchen bestellt? An der Kuchentheke und in der Küche konnte wie gewohnt gearbeitet werden, natürlich mit MundNase-Bedeckung und ständiger Desinfizierung der Hände. Die Kuchenbäckerinnen haben auch wieder sehr fleißig gebacken. Die Kuchenauswahl war außerordentlich vielfältig. Der 25. Oktober war der letzte Tag, an dem wir geöffnet hatten. Wir waren alle froh, dass wir sie geschafft hatten, unsere besondere Saison. Danke an alle, die mitgemacht haben! Wann und wie beginnt die Saison im Jahr 2021? Wir sind gespannt! Viele Gäste haben gesagt, dass sie auf jeden Fall wiederkommen! Text: Ruth Karschewsky-Klingenberg


schen genäht, bis auffiel, dass auch die Trichter von Jagdhörnern geschützt werden müssen. Also wurde auch für die Blasinstrumente genäht. So war es für die Jagdhornbläser der Kreisjägerschaft Solingen möglich, weiterhin zu proben. Die Mundschutzmasken hatten alle Motive, die auf den Garten hinweisen, wie z.B.: Blumen, Blätter. Zum Glück hat Frau Richter durch eine gute Freundin und bei einer Haushaltsauflösung viele Stoffe geschenkt bekommen. Frau Richter hatte trotz Aufruf keine Hilfe beim Nähen. Die Anfertigung der ersten Mundschutzmasken hat etwa eine halbe Stunde gedauert. Mit

ein bisschen Übung konnte Frau Richter dann die Masken in etwa einer Viertelstunde je Maske fertignähen. Die Masken wurden für eine freiwillige Spende an die Jagdhornbläser, Familie, Freunde und Arbeitskollegen abgegeben. So kam es, dass Frau Richter eine Spende in Höhe von 150 EUR gesammelt hat und am 6.7.2020 an die Stiftung überreichte. Die Stiftung bedankt sich bei Cordula (Coco) Richter ganz herzlich für die großartige Unterstützung. Text: Valeria Luhn und Cordula Richter Foto: Cordula Richter

Der Botanische Garten in Glück Nein, das ist kein Rechtschreibfehler, denn es handelt sich um die Zeitschrift „Glück“, herausgegeben von Westlotto. Und die zahlen einen Teil ihrer Erlöse an die NRW-Stiftung und die wiederum unterstützt den Botanischen Garten Solingen. So war es also kein Zufall, dass sich die Redaktion aufmachte und das neuste Projekt, die Renovierung des Tropenhauses, ausführlich vorstellte.

Besonders betont wird im Artikel, dass der Botanische Garten in Solingen der einzige ist, der vor allem vom Bürgerengagement, also den Mitgliedern und Förderern, getragen wird (die Unterstützung der Stadt wollen wir aber nicht verschweigen). Hoffentlich lesen viele Lottofreunde den Artikel und besuchen den Garten. Text: Harro Hieronimus

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Foto: A. Kreher

Das neue Pflanzkonzept für den Bauerngarten im Botanischen Garten

Foto: C. Dörner

Das Pflanzkonzept des Bauerngartens, welches immer gut funktioniert hat, solange es feuchte Sommer gab, zeigt sich jetzt von seiner problematischen Seite. Zweimal im Jahr wird der Boden fast komplett abgeräumt und neu bepflanzt. Bei jeder Bepflanzung wird zwar gut verrotteter Kompost eingearbeitet, aber die sich langsam zersetzenden Pflanzenbestandteile fehlen fast völlig. Durch die Trockenheit sind die bei der Verrottung beteiligten Bodentiere sehr zurückgegangen, da die Unterschicht kaum Wasser erhalten hat. Die Artenvielfalt muss dort wieder aufgebaut werden. Dafür brauchen wir eine Menge Pflanzenmaterial, das sich an der Oberfläche zersetzen kann. Also haben wir angefangen, für die Sommerzeit im Bauerngarten zusätzliche Pflanzen anzusiedeln.

Unter anderem hatten wir dort Kürbisse (Foto), Zucchini (Foto mit C. Dörner), Stockrosen, Bauerntabak, Estragon, Sonnenblumen, Kugelprimeln, Ringelblumen, Kapuzinerkresse und Jungfer Im Grünen sowie etliche Schattenstauden zusätzlich gepflanzt und eingesät. Durch die dichtere Bepflanzung verdunstet nicht so viel Wasser, die Blattmasse sorgt dafür, dass der Boden beschattet wird. Wenn die Sommerbepflanzung ausgeräumt wird, ist es günstig, die alten Kulturpflanzen kleinzuschneiden (Schredder) und auf dem Boden verrotten zu lassen. Eine Laubschicht sorgt dafür, dass der Boden neu mit Nährstoffen angereichert wird und die Stauden Winterschutz bekommen. Text: Carmen Dörner

Pflanzenporträt: der Kakaobaum Im Bromelienhaus des Botanischen Gartens steht der Kakaobaum – Theobroma cacao L. Der botanische Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Speise der Götter. Die Pflanze gehört zu den Malvengewächsen. Der Kakaobaum kommt ursprünglich aus Südamerika. Heute wird Kakao nicht nur dort, sondern auch in Mittelamerika, Asien und Afrika angebaut. Die länglichen Früchte enthalten bis zu 50 helle, bohnenähnliche Samen, die mehrere Tage fermentiert werden

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müssen. Danach sind die Samen schokoladenbraun, haben die Reste des Fruchtfleischs verloren und beinhalten bereits eine Vorstufe des Kakaoaromas. Schon die Azteken bereiteten aus den zerstampften Kakaobohnen ein rituelles Getränk, allerdings kam noch kein Zucker hinein. Im 17. Jahrhundert eroberte das Kakaogetränk, diesmal mit Zucker aus Mittelamerika versetzt, den Kontinent Europa. Allerdings war es nur für den Adel erschwinglich. Seit der Kakao auch auf großen Plantagen ange-


Fotos: A. Kreher

baut wurde, konnte auch der einfache Bürger sich die edle Speise leisten. Kakao enthält Theobromin, das ist ein mit dem Coffein verwandtes Alkaloid. Vielleicht ist das für das Glücksgefühl verantwortlich, das beim Schokoladenessen entstehen soll. Allerdings sollte man darauf achten, woher die „Götterspeise“ kommt. Sehr häufig werden große Mengen Pflanzenschutzmittel beim Anbau des Kakaos verwendet, oft werden auch die Kleinbauern der Kakaoplantagen ausgebeutet.

Im Moment trägt der Kakaobaum in unserem Botanischen Garten Früchte. Wir sind gespannt, wie sie sich entwickeln. Text: Carmen Dörner

Staude des Jahres 2021 Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist vielen als Unkraut vom Straßenrand bekannt. Dabei wird sie schon lange gärtnerisch bearbeitet und inzwischen in sehr vielen Sorten angeboten. Abgebildet hier ist die Sorte ‘Wesersandstein‘. Mehr zur Staude des Jahres 2021 im nächsten Heft. Text & Foto: H. Hieronimus

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Helfer gesucht – Mitmachen erwünscht Die Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, Solingens grüne Lunge, den Botanischen Garten, zu erhalten und zu attraktivieren. Unter unserem Wahlspruch „Gemeinsam für ein schönes Stück Solingen“ suchen wir Gleichgesinnte, die Lust haben, unsere einzelnen Arbeitsteams zu unterstützen. Ihre Hilfe wird dringend benötigt, vielleicht schnuppern Sie einfach bei einem unserer Teams rein. Unser Freilandpflegeteam Die Stiftung pflegt einige Beete im Freigelände, u.a. den Bauerngarten, den Heilpflanzengarten, den Bibelgarten oder die Wechselbepflanzungsfläche. Die Teams treffen sich mittwochs und samstags oder nach Absprache und jäten Unkraut, mähen den Rasen, schneiden den Ilex, pflanzen Blumen u.v.m.

Unser Schauhauspflegeteam Die Stiftung hat die Pflege des Sukkulentenhauses, des Bromelienhauses und der Orchideenhalle übernommen. Auch hier sind weitere Mitstreiter jederzeit herzlich willkommen. Auch für die Anzuchtarbeiten im „Mutterpflanzenhaus“ wird immer Verstärkung gebraucht.

Kiosk und Küchenteam Seit 2008 bietet die Stiftung in ihrem Kiosk Kaffee, Kuchen, Eis und Erfrischungsgetränke an. Von Ostersonntag bis Ende Oktober wird dieser ehrenamtliche Service für die Besucher an jedem Sonn- und Feiertag von 14-18 Uhr angeboten. Vielleicht haben Sie Spaß dabei, uns im Verkauf, in der Küche, beim Kaffeekochen und Spülen oder oder beim Backen von Kuchen- und Tortenspenden zu unterstützen. Ohne Kuchen gibt es natürlich auch keinen Verkauf, daher freuen wir uns immer über Kuchen- und Tortenspenden. 84


Reparaturtungsteam

und

Instandhal-

Dazu werden Bastler und Tüftler gesucht. In einem Botanischen Garten mit über sechs Hektar Fläche gibt es viel instandzusetzen und zu reparieren. Sie haben Spaß am Schrauben, Malern, Mauern, Schreinern usw.? Dann ist dieses Team vielleicht etwas für Sie. Mitglieder verschiedenster Gewerke arbeiten hier ehrenamtlich Hand in Hand für den Botanischen Garten. Veranstaltungsteam Der Botanische Garten ist bekannt für seine vielen abwechslungsreichen Veranstaltungen, von Konzerten über Tanztees bis hin zu Vorträgen und Führungen. Auch für den Auf-, Abbau und die Durchführung dieser Veranstaltungen werden wieder viele fleißige Hände benötigt. Bei einigen Veranstaltungen werden auch ein Grill und ein Getränkestand aufgebaut, deren Betreuer sich über weitere Verstärkung freuen würden.

Schließ- und Aufsichtsdienst Dieses Team ist unsere dienstälteste Gruppe. Seit 2004 schließt die Stiftung jeden Tag den Botanischen Garten ab und an Wochenenden und Feiertagen auch auf. Auch die Aufsicht in den Gewächshäusern an Sonn- und Feiertagen hat die Stiftung übernommen, damit die Häuser für die Besucher weiter offenbleiben können. Auch hier suchen wir dringend (!) zuverlässige Verstärkungen. Sie haben Interesse, Lust und Spaß, uns in einer der verschiedenen Gruppen zu unterstützen, möchten mehr erfahren oder einfach mal bei uns reinschnuppern, dann nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf Sie: info@botanischer-garten-solingen.de 85


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Hilfe für den Boden Wir hatten das dritte Jahr in Folge einen sehr trockenen Sommer. Es ist nicht abzusehen, wann sich daran etwas ändert. Die Pflanzen müssen mit dem Boden zurechtkommen, in den wir sie setzen. Also muss der Gärtner überlegen, was er tun kann. Jetzt kommt erst mal ein wenig Bodenkunde: Der normale Gartenboden ist in mehreren Schichten aufgebaut. In der Mulchschicht (die Oberfläche, die wir sehen) befinden sich ein Teil Regenwürmer, Spinnen, Tausend- und Hundertfüßer, Schnecken, Asseln, Käfer und Ameisen. Sie sind am direkten Zersetzungsprozess beteiligt, d. h. das verrottende Pflanzenmaterial wird zersetzt und gefressen und die Nährstoffe wandern zurück in die Erde. Direkt unter der Mulchschicht befindet sich der Oberboden. Dort leben Bärtierchen, Rädertierchen, Amöben, Pilze, aber auch Regenwürmer, Gliederfüßer und Springschwänze; auch sie sind an der wichtigen Rotte beteiligt. Wer tiefer gräbt, stößt auf den Unterboden. Er ist fester, hat eine mineralische Struktur und ist oft braun gefärbt. Auch dort sind Regenwürmer zu Hause, aber auch die Pilze, die mit den Pflanzen eine Symbiose (Mykorrhiza) eingehen können, von der Beide einen Vorteil haben. Das Pilzgeflecht sorgt dafür, dass Wasser und

Nährstoffe leichter transportiert werden und der Boden aufgelockert wird. Die Regenwürmer tragen mit ihren langen, schmalen Röhren dazu bei, dass das Wasser in die unteren Bodenschichten gelangen kann. Was schon angerottet ist, wird von ihnen in die Röhre gezogen und verdaut. Was dabei (hinten) herauskommt, ist feinster Wurmhumus. Unter der Unterschicht liegt die Gesteinsschicht. Dort ist der Boden sehr kiesig oder man stößt direkt auf Felsen. So ein Boden kann humosig, sandig, kiesig, lehmig, tonig oder moorig sein. Lehmig-humosiger Boden ist optimal für die meisten Pflanzen und die Bodentiere, am besten ist es, wenn er nicht zu sauer und nicht zu alkalisch ist. Jede Art dieser winzigen Lebewesen lebt in seiner optimalen Schicht, darum ist es eigentlich fatal, den Gartenboden umzugraben. Was in dunklen, kühlen, feuchten Erdschichten lebt, würde ans Licht und in die Trockenheit befördert und dort zugrunde gehen; viele Bodentiere, die im Dunkeln leben, sind empfindlich gegen UV-Strahlung. Was an der Luft und Sonnenwärme lebt, würde nach unten befördert und muss sich mühsam wieder nach oben graben. Ein besserer Weg ist es, die Grabegabel tief in den Boden zu stecken und am Stiel etwas hin und her zu bewegen. So kommt Luft in den Boden, die Krume wird aufgebrochen und die nützlichen Tierchen werden nicht gestört. Sinnvoll ist, über den Winter das Laub auf dem Beet liegen zu lassen bzw. dort aufzubringen. Laub (Eiche hat zu viel Gerbsäure) enthält viele Nährstoffe (Stickstoff) und der Boden tendiert dann bei der Verrottung nicht in den sauren Bereich. Je saurer der Boden ist, desto artenärmer ist das Leben darin. Wer über das Jahr seinem Boden etwas Gutes tun will, kann auch die Fläche mit allem organischen Material, das keine Unkräuter enthält, abdecken. Man nennt dieses Verfahren Flächenkompostierung. So können wir unserem Boden helfen, etwas besser mit der Trockenheit zurechtzukommen. Text: Carmen Dörner

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Blick in die Orchideenvitrine in der Orchideenhalle. Foto: H. Hieronimus

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Blütenpresse 02/2020  

Blütenpresse 02/2020