Designobjekt 2022

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Designobjekt

Die Mitglieder von Designobjekt

Neun Schweizer Brands, eine Vision

Designobjekt ist mehr als ein konventioneller Onlineshop. Das Hauptziel ist es, unsere inhabergeführten Schweizer Brands bekannter zu machen, die Vielfalt und den Reichtum der Schweizer Designszene aufzuzeigen und dem Publikum die Möglichkeit zum Kauf zu bieten. Dabei wollen wir den Fachhandel nicht konkurrenzieren, im Gegenteil. Wir binden unsere Fachhandelspartner mit ein, was für die Konsumenten Vorteile hat. Sie können erstens das gewünschte Objekt in einem Fachgeschäft in Ihrer Nähe anschauen, anfassen, ausprobieren. Zweitens haben Sie die Wahl zwischen zwei Lieferoptionen: eine einfache Lieferung Bordsteinkante oder eine Lieferung samt kompetentem Service eines Fachhändlers.

Designobjekt ist eine Onlineplattform, die 2018 von neun Schweizer Brands ins Leben gerufen wurde. Ähnlich wie Familienmitglieder sind wir sehr unterschiedlich. Während sich die einen dem Werkstoff Holz oder dem Thema Licht verschrieben haben, arbeiten andere mit Metall oder planen architektonische Interieurs. Zu Designobjekt gehören kleine, junge Brands, aber auch international etablierte mit einer langen Geschichte. Manufakturen mit viel handwerklichem Können sowie industriell geprägte Betriebe. Was uns hingegen alle verbindet, ist die Leidenschaft für hochwertige, gut gestaltete Wohnobjekte. Es sind Produkte mit einer eigenen Persönlichkeit und Seele – viele davon haben Klassikerpotenzial –, welche die Besitzer ein Leben lang erfreuen und begleiten sollen.

Viel Freude beim Entdecken unserer kleinen, feinen Designfamilie wünschen Ihnen

Mit dieser Broschüre wollen wir Sie in die unterschiedlichen Welten und Philosophien unserer neun Mitglieder entführen und aufzeigen, dass hinter jedem Einrichtungsobjekt nicht nur viel Kreativität, Know-how und Präzision steckt, sondern vor allem viel Herzblut.

Manufaktur mit künstlerischem Esprit

WEIBELWEIBEL

Architektur im Kleinen

schindlersalmerón

Handwerk, Holz und Herzblut

Embru

Schön, schlicht, schlau.

Möbel wie Familienmitglieder

6 14 32 22 40 10 28 18 36

Seledue

Die Essenz des Lichts

Thut

Lehni

Erfindergeist im Blut

Mox

Tossa

Lichtprojekte

Sparsamer Materialverbrauch, maximaler Gebrauchswert

Fertigungskompetenz und Designqualität im Einklang

Möbel wie Familienmitglieder

Produktionsbetriebe sind rar geworden in der Schweiz, doch es gibt sie noch. Zum Beispiel in Rüti, seit 1904 der Sitz von Embru. So schweizerisch das Unternehmen mit seiner langen Tradition ist, so international relevant und aktuell ist die Kollektion von Wohnmöbeln, die Designgeschichte geschrieben haben. In Zusammenarbeit mit einer jungen Gestaltergeneration soll der Bereich Wohnmöbel ausgebaut und in die Zukunft getragen werden.

Wer die Schulbank in der Schweiz drückte, tat dies mit grosser Wahrscheinlichkeit auf Mobiliar von Embru, denn Möbel für Schulen sind eine Spezialität des Möbelherstellers. Heute beträgt der Verkaufsanteil des Bereichs Schule rund 35 bis 45% des gesamten Umsatzvolumens. Den Rest machen die Bereiche Pflege, Büro und Wohnen aus. Und letzterer darf sich sehen lassen: Ein Barwagen von Alfred Roth, der 1932 von Embru produziert wurde, wechselte bei einer Auktion für stolze CHF 60’000 die Hand. Das Möbel wird zwar nicht mehr pro duziert, dafür andere ähnlich begehrte Designerstücke. Im

Volksmund unter dem Namen Spaghetti-Stuhl bekannt ist bei spielsweise die Altorfer-Liege, die 1948 entworfen wurde und seit bald 75 Jahren Erfolge feiert. Vor 20 Jahren entschied der Schweizer Möbelproduzent, einige der Klassiker, die Embru ab den 1930er-Jahren gemeinsam mit Avantgarde-Architek ten entwickelt und bis in die 50er-Jahre produziert hatte, neu aufzulegen. Neben der Altorfer-Kollektion sind dies weitere Gartenmöbel von Marcel Breuer und Max Ernst Häfeli oder die Sitzmöbel von Werner Max Moser; allesamt funktionale, zeitlose und ästhetisch hochstehende Möbel.

Embru 7

So unterschiedlich diese Entwürfe aus den Anfängen der Moderne sind, eines haben sie gemeinsam: Sie bestehen zumindest teilweise aus Metall. Und genau dies ist die eigent liche Stärke des Rütner Möbelproduzenten. Gegründet als Eisen- und Metallbettenfabrik wurde die Spezialisierung auf die Verarbeitung von Metall früh festgeschrieben. Dies ist bis heute so geblieben. In den Hallen des Fabrikgeländes rattert und zischt es, hier wird gestanzt, geschnitten, gebogen. Stahl rohre, Blechteile und Profile bekommen Gestalt und werden zu Möbeln montiert. Zu 75 Prozent wird alles vor Ort herge stellt, einige Teile werden bei Zulieferern eingekauft. Der Maschinenpark in Rüti wurde kontinuierlich erweitert und modernen Fertigungstechniken angepasst. Heute verrichten hochmoderne Laserschneide- und Stanzroboter oder Pulver beschichtungsanlagen ihr Werk – Hand in Hand mit den spe zialisierten Arbeitern «Pro Jahr verarbeiten wir 800 bis 1000 Tonnen Stahl», erklärt Andreas Mantel, der das Marketing und Verkaufsbereich der Wohn- und Büromöbel verantwortet. Er trat 2012 in den Familienbetrieb ein und vertritt heute die 4. Generation der Eigentümerschaft. «Was mich fasziniert ist, dass man aus rohem Material Produkte herstellen kann, die

Unsere Klassiker schaffen den Transfer von längst vergange nen Epochen in die heutige Zeit. Es sind Möbel mit einer aktu ellen Relevanz: eigenständig nicht nur bezüglich Form, son dern auch hinsichtlich Materialien und Funktionalität. Die Gartenmöbel von Embru beispielsweise sind unverwüstlich und

Nennen Sie die drei wichtigsten Firmencredos.

GründungsjahrEmbru

4 Fragen an Andreas Mantel

Esraffiniert.sindMöbel mit Swissness in der DNA, die einen Nutzen stiften, lange Freude machen und einen durchs Leben begleiten, fast wie Familienmitglieder.

Wie würden Sie die Seele Ihrer Produkte beschreiben?

1904 Firmensitz

Wir bekommen regelmässig Möbel zum Überholen, die seit Jahrzehnten in Familienbesitz sind und auch weitergegeben werden. Das ist schön zu sehen. Reparaturen sind bei uns ein grosses Thema, wir dürfen jedes Jahr mehreren 100 Produkten ein zweites Leben schenken, zum Beispiel in Form von Neube spannungen von Altorferliegen oder neuen Polsterungen für den Moser-Fauteuil.

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Was macht Ihr Label einzigartig?

Welches Kompliment von Kundenseite freut Sie am meisten?

Wir verfolgen eine hohe Kundenorientierung, in höchster Qua lität und dem dazugehörenden Service. Zweitens bieten wir als Produktionsbetrieb ein familiäres und motivierendes Umfeld. Viele Mitarbeiter arbeiten schon seit 20, 25 Jahren bei Embru. Hinzu kommen noch 14 Lehrlinge. Unsere soziale Verantwor tung zeigt sich auch bei der Zusammenarbeit mit der Stiftung Züriwerk, die inhouse die Bespannung unserer Spaghetti-Stüh le, die zur Reparatur kommen, verantwortet. Drittens sind wir ein Produktionsbetrieb mit Tradition und Weitsicht. Das macht uns stolz.

Rüti ZH Produktion Metallverarbei tung in Rüti, Schreinerei in Wald (derzeit ist ein neues Produktionsgebäude in Rüti im Bau) Nachhaltigkeit Am Produktionsstandort Rüti stammt sämtlicher Strom aus erneuerbaren Quellen. Embru ist nach dem Umweltmanagementsystem ISO 14001 zertifiziert Bereiche Schule, Wohnen, Büro, Pflege Firmenstruktur Aktiengesellschaft mit Mehrheitsbeteiligung der Familie Mantel Mitarbeiter ca. 190

funktional, zeitlos und schön sind», beschreibt er seine Haupt motivation. Zudem begeistert ihn das Zusammenspiel von Designern, Konstruktion und Produktion, was Tradition hat bei Embru. «Wir sind durch und durch Produzent, da wissen wir, was wir können. Aber unsere Entwürfe kommen von zeit genössischen Architekten und Designern, dieses Zusammen spiel ist zentral», führt Mantel aus. Eines seiner Anliegen ist, dass Embru nicht nur von den alten Klassikern lebt, sondern dass die Tradition des modernen Möbelentwurfs weitergeht. «Wir wollen schliesslich keinen Heimatschutz betreiben, son dern in die Zukunft blicken», betont er. Deshalb setzt Embru auf die Kooperation mit der heutigen Gestaltergeneration, darunter etwa Moritz Schmid oder Egli Studio. Noch liegt der Anteil des Wohnbereichs im Verhältnis zum Gesamtumsatz unter 10 Prozent. «Aber der Bereich steigt stark, unser Ziel ist es, unsere Kollektion auch international stärker zu etablie ren», blickt Andreas Mantel in die Zukunft. Eine Zukunft, in der der Standort Rüti als Werkplatz sogar noch gestärkt wer den soll, denn zurzeit plant man auf dem Gelände gerade einen neuen Produktionsstandort für die Schreinerei. Das The ma Swissness ist bei Embru somit gesichert.

Vor 100 Jahren hat alles ganz bodenständig begonnen, als Rudolf Leh ni senior eine Bauspenglerei in Zürich gründete. Im Jahr 1954 übernahm sein Sohn, Rudolf Lehni junior, die Geschicke des Unternehmens. Zu seinem Freundes kreis gehörten Architekten und Künstler, darunter auch Max Bill und Ernst Gisel. Und natürlich Andreas Christen, der zum prägenden Hausdesigner von Lehni wurde. Von ihm stammt das berühmte Aluminium-Regal, das den Grundstein für die heutige Lehni-Kollektion legte und immer noch dessen Herzstück ist. Das Regal wurde 1964 entworfen und wirkt heute so modern wie bei seiner Lancierung. Der Grund: Es ist so clever entworfen, dass es sparsam ist im Mate rialverbrauch, dass es endlos viele Mög lichkeiten in der Anwendung gibt und dass es formal radikal reduziert und zeit los ist. Der damalige Konstruktionsan satz und das Material Aluminium wurde zur eigentlichen DNA von Lehni – die bis heute unverändert ist.

Dienstjahren jeden Aspekt der Produk tion.

Das Design der Lehni-Möbel folgt einer konstruktiven Logik und den Eigenschaften des Materials: Aluminium. Schweizer Fertigungsqualität, radikal-zeitlose Formgebung und ein hoher Grad an Kreislaufwirtschaft machen die Möbel des Familienunternehmens, das 2022 seinen 100. Geburtstag feiert, äus serst zeitgemäss.

lektion.Doris

Lehni-Quarella führte das Unternehmen weiter nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1981. Doch auch sie starb 1998 unerwartet und hinter liess die Firma ihrem Neffen Antonio Monaci. Der neue Besitzer überliess damals die Leitung von Lehni den Geschwistern Ursula und Heinz Menet, beide langjährige Mitarbeiter. Im Jahr 2022 schliesslich übernahm Antonio Monaci und seine Frau Benedetta Agostini die gestalterische Leitung der Firma. Neben Antonio Monaci wird neu Niels Blättler als Geschäftsleiter eingesetzt. Heinz Menet ist nach wie vor in Betrieb und kennt nach 35

Monaci und Agostini sind in Ita lien ausgewachsen, wo sie auch Archi tektur studiert haben und leben seit 12 Jahren in der Schweiz. «Ich hatte eine enge Beziehung zu meiner Tante Doris, und mich haben die Themen Design, Fotografie und Kunst früh fasziniert», sagt Antonio Monaci, von dem 2008 ein Sofa der Lehni-Kollektion entwor fen wurde.Erund seine Frau bringen mit ihrer italienischen Herkunft zwar eine neue Perspektive in die Firma, aber vie les wollen sie bewahren. Aus diesem Grund wird Lehni seine Kollektion auch in Zukunft gemächlich und durchdacht entwickeln. «Wir bringen nicht alle sechs Monate neue Produkte auf den Markt, das gehört nicht zu unserer Phi losophie», betont Benedetta Agostini, die als Art Director von Lehni amtet. Zur Philosophie gehört stattdessen eine kontinuierliche, zukunftsgerichtete Pro duktentwicklung. Ein schönes Beispiel dafür ist der Sessel Ensō, der 2021 lan ciert und von Frédéric Dedelley und Christian Kägi entworfen sowie gemein sam mit dem Zürcher Kultlabel Qwstion entwickelt wurde. Der Gartensessel ist zu 100% kreislauffähig, er kann einfach zerlegt und recycelt werden. Der Bezug besteht aus dem biologisch abbaubaren Textil Bananatex, einer Innovation von Qwstion. Dieser Kreislaufgedanke und die klare, reduzierte Formensprache mit einem Hauch von Poesie machen Ensō zu einem typischen Lehni-Möbel: radi kal, reduziert, aktuell.

LehniManufaktur künstlerischemmitEsprit

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Der Hauptsitz von Lehni liegt im Indust riegebiet von Dübendorf, einem typi schen Areal mit gesichtslosen Zweck bauten. Das Gebäude von Lehni fällt auf, es ist ein Solitär der Industriearchi tektur, 1975 vom Architekten Ernst Gisel gebaut und heute noch gerne von ETHStudenten besucht. Ein erstes sichtbares Zeichen dafür, dass es in diesem Unter nehmen nicht nur um Möbel geht, son dern auch um Architektur, Kultur und Kunst.

verarbeitet in den Produktionshallen in Dübendorf. Die Bleche bestehen zum Grossteil aus recyceltem Aluminium. Daraus entstehen in der Manufaktur die Aluminium-Regale, das ebenfalls bekannte Lehni-Bett sowie Schränke, Leuchten, Tische und Stühle. Seit 2014 gehört auch die Aluminium-Küche zum Sortiment, eine Ableitung von Andre as Christens Aluminium-Regal, wovon heute rund 12 Massanfertigungen pro Jahr produziert werden. Neben der Kollektion entstehen bei Lehni auch Auftragsarbeiten für Architekten und Privatkunden – und die legendären Möbel des Künstlers Donald Judd. Die Zusammenarbeit zwischen Lehni und dem amerikanischen Künstler begann 1984. Damals hatte Doris Lehni-Qua rella, Fotografin und Frau von Rudolf Lehni junior, Judd in Zürich kennenge lernt. Es entstand eine Freundschaft und schliesslich auch eine Möbelkol

Enge Liaison mit der Kunst 20 Tonnen Aluminium werden pro Jahr

Aluminiummöbel und -küche sowie Auftragsarbeiten Produktion 100% Swiss Made Material Aluminium, zu 70% Recyclingmaterial Firmen struktur Inhabergeführtes Familienunter nehmen im Besitz von Antonio Monaci. Gemeinsam mit seiner Frau Benedetta Agostini und Niels Blättler bilden sie seit 2022 das Führungsteam Mitarbei ter 10

Wie würden Sie die Seele Ihrer Objekte beschreiben? Sie sind essenziell, sie haben einen unverwechselbaren Stil –einfach erkennbar Lehni.

Warum sind Ihre Möbel relevant und zeitgemäss? Unsere Kollektion war und ist niemals modisch, sondern zeitlos, an Antonio Monaci, Inhaber von Lehni

Welches Kompliment von Kundenseite hat Sie bis heute am meisten gefreut?

Lehni ist tief in der Swissness verwurzelt, sowohl bezüglich Fer tigung als auch Präzision der Produkte. Gleichzeitig ist es Lehni gelungen, sich international einen Namen zu machen, indem es mit Künstlern wie Sol LeWitt und Donald Judd zusammen arbeitete.

Wo zwischen schweizerisch und international verorten Sie Ihre Kollektion?

die Möbel sind Evergreens. Zudem spielten ökologische Über legungen schon immer eine wichtige Rolle bei Lehni. Heute arbeiten wir mit Lieferanten zusammen, die uns mit mindestens 70% recyceltem Aluminium beliefern, und unsere Möbel kön nen nach ihrem Lebensende auch wieder in den Materialkreis lauf zurückgeführt werden.

1922 Firmensitz

Eine alte Dame sagte einmal, dass in jeder Wohnung ein Stück von Lehni stehen sollte, da diese Marke das Schweizer Design über Jahre hinweg geprägt hat und deshalb ein «Must-Have» ist. Die Geschichte des Schweizer Designs mitgestaltet zu haben, ist etwas, auf das man sehr stolz sein kann.

GründungsjahrLehni

4 Fragen

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Dübendorf Kernkompetenz

GründungsjahrLichtprojekte 2000 Firmensitz Luzern Kernkompetenz Entwicklung von produktneutralen Lichtkonzepten auf Auftrag, Entwicklung von Leuchten Produktion Einzelteile in lokalen Betrieben, Endfertigung im eigenen Atelier in Luzern Firmenstruktur Einzelfirma, Inhaber Christian Deuber Vertrieb der Kollektion über ein Fachhändlernetz Preise diverse Nominationen für den Design Preis Schweiz sowie Erwähnungen in verschiedenen Ausgaben des Internatio nal Design Yearbook

Die Essenz des Lichts

Der Mond, die Sonne oder das Feuer; das sind für Christian Deuber Urformen des Lichts, dessen Wahrnehmung tief in uns verwurzelt ist, und dessen Atmosphäre uns gut tut. Mit seinen Entwürfen für die eigene Kollektion sucht der Lichtdesigner die Nähe zu dieser archetypischen Lichtstimmung. Ein gutes Bei spiel dafür ist «La Lune», eine kugelrunde Wandleuchte und kraftvolle Skulptur in einem, mit der Anmutung des Vollmondes am Himmel. Die stattliche Leuchte hat eine Linse aus weissem Faserglas und einen Rahmen aus schwarzem Stahl. Obwohl formal maximal reduziert, ist sie poetisch – genau diese Kom bination zeichnet alle Leuchten von Christian Deuber aus. Schon als Kind war Christian Deuber vom Licht faszi niert, er hat viel experimentiert mit Plattenspielern, Boxen, Lichtinstallationen. Der gelernte Elektrotechniker arbeitete zunächst in einem Lichtplanungsbüro und anschliessend bei Baltensweiler, einem Designpionier im hochwertigen Leuchten design, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Dort war er während acht Jahren in der Entwicklung tätig, hat die Lust am Experimentieren und Entwickeln verfeinert, bis er sich in den 1990er-Jahren entschied, seinen eigenen Weg zu gehen. Deuber war Teil der Designgruppe N2, arbeitete mit anderen Gestaltern zusammen. 1997 stellte die Gruppe ihre Produkte während der Möbelmesse in Mailand vor, wodurch Kontakte zur internationalen Designwelt entstanden. Zum Bei spiel zum italienischen Leuchtenunternehmen Pallucco Italia, das Deubers Stehleuchte «Cabana» produzierte. Die Leuchte mit Schirm aus Textilfolie ist zugleich feingliedrig und skulptu ral – und so aktuell wie zum Zeitpunkt der Lancierung 1998. Heute ist das Modell Teil der Eigenkollektion von Lichtprojekte, das rund ein Dutzend Produkte umfasst.

Leuchten sind technische, emotionale Objekte. Sie müssen funktionale Anforde rungen erfüllen und schönes Licht streuen. Zwischen diesen Polen bewegt sich der Lichtdesigner Christian Deuber seit über 20 Jahren. Er plant mit seinem Label Licht konzepte für den Objektbereich und Produkte für die eigene Kollektion: reduzierte, poetische Leuchten, die die Zeit und alle Trends überdauern.

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Licht und Architektur im Dialog

Lichtprojekte

Das zweite Standbein neben der eigenen Kollektion sind Licht planungen für den Objektbereich. Eine Arbeit, bei der Christian Deuber und sein Team eng mit Architekturbüros zusammenar

beitet. Referenzobjekte von Lichtprojekte sind beispielswei se die Kirche Maihof Luzern, das Hammam Basar in Zürich, die Lonza Arena in Visp oder das Geburtshaus Terra Alta in Sursee. So unterschiedlich diese Projekte sind, das Ziel von Lichtprojekte ist immer das gleiche: einen engen Dialog zwischen Architektur und Licht zu schaffen und eine stimmi ge Atmosphäre zu kreieren, die auf den Raum und auf die Bedürfnisse zugeschnitten sind. Bei vielen Projekten kom men Modelle der Produktfamilie «Tube» zum Einsatz, schlichte Röhrenlampen als Pendel-, Wand- oder Stehver sion in verschiedenen Längen. Modelle, die auf dem ersten Entwurf aus dem Jahr 1997 zurückgehen, und die sich mit der Technik und LED-Leuchtmitteln weiterentwickelt haben. Christian Deuber macht sich auch Gedanken darüber, wie man Leuchten aus der ersten Generation, die er zu Hunder ten in Projekten verwendet hat, updaten könnte, denn die alten Leuchtmittel gibt es nicht mehr. Das heisst, die Produk te bräuchten eine technische Anpassung, damit sie in Zukunft mit den neuen LED bestückt werden können. «Es geht auch darum, sich zu kümmern und mit Sorgfalt Dinge anzugehen, auch nach dem Fertigstellen eines Projekts», ist Christian Deuber überzeugt und sieht sich nicht nur als Designer, sondern auch als Dienstleister. Schliesslich sollen seine Leuchten so lange wie möglich funktionieren und Freude machen. Es kommt nicht selten vor, dass er auch von Privaten gebeten wird, ein altes Modell zu reparieren oder beispielsweise bei einer «Cabana» der ersten Stunde den Lampenschirm auszuwechseln. Für den Lichtdesigner ist es erstens schön zu sehen, dass sein alter Entwurf von den Kunden immer noch geschätzt wird und zweitens vollkom men selbstverständlich, dass er auch Reparaturen macht. Eine Haltung, die in Kombination mit dem hohen techni schen Anspruch, der poetischrohen Formgebung und der Schaffung von schönen Lichtstimmungen das Label zeitlos und zeitgemäss macht.

Hat sich Ihr Designverständnis oder Stil über die Jahre verändert?

Sie sind zuerst einmal funktional, ihr Zweck und die Bedienung sind klar verständlich. Und sie haben eine eigene Persönlichkeit, einen Look zwischen Einfachheit und Skulptur. Vor allem muss die emotionale Wirkung des Lichts stimmen, denn beim Licht spielt auch der psychologi sche Faktor mit.

Ich bin ein Tüftler und mich interessiert es, wie man eine Idee technisch umsetzen kann. Ich gehe dabei sehr lustvoll vor und bin erst happy, wenn ich die perfekte Lösung gefunden habe.

Weil wir mit Leidenschaft und Sorgfalt Projekte und Produkte entwickeln und weil wir alle Ein zelteile und Komponenten für die Leuchten bei lokalen Firmen im Umkreis von 50km seriell produzieren lassen. Wir pflegen das Know-how des Produzierens in der Schweiz, denn es ist hochstehend und wertvoll.

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Wie würden Sie die Seele Ihrer Objekte beschreiben?

5 Fragen an Christian Deuber

Was macht Ihr Label einzigartig?

Wir surfen sozusagen auf zwei verschiedenen Wellen: Einerseits sind wir ein Eigenverlag, unter dem wir Produkte entwerfen und produzieren lassen. Andererseits entwickeln wir pro duktneutrale Lichtkonzepte für Kirchen, Schulen, Heime und auch für Private, immer massge schneidert auf Kundenwünsche und Räume.

Was ist Ihr Antrieb bei der Entwicklung einer Leuchte?

Warum sind Ihre Objekte relevant und zeitgemäss?

Nein. Ich mochte schon als Kind den Groove von Low-tech, den rohen Look. Das ist heute noch genau so.

Mox Ein Regal war das erste Produkt des Zürcher Labels, das gleich zum Klassiker und zum Inbegriff aller Mox-Produkte wurde: minimalistisch gestaltet und durchdacht konstruiert. Pool ist stabil und mobil, es wird einfach an die Wand gelehnt.

Zwei Freunde gründeten 1995 ein Möbelbrand, das für eine neue Generation stand: Jenseits vom etablierten Designverständnis entwickelten sie mit aufstrebenden Designern neuarti ge Möbel, die praktisch, minimalistisch und hochwertig sind. Die Jungunternehmer wurden zu Pionieren im Bereich Anlehn-Möbel und entwickelten kontinuierlich eine Möbelkollekti on vorwiegend aus Metall. Es sind Charakterstücke und Gebrauchsmöbel, gut durchdachte Produkte, die nicht angeben wollen, sondern einfach gut sind – und bleiben.

Schön, schlicht, schlau.

Bis heute wurden über 20’000 Regale verkauft – und es ist immer noch so aktuell wie bei der Lancierung. Das war 1996 und mit Mox brachten die Gründer Andreas Weber und Jürg Ehrensperger frischen Wind in die Schweizer Designland schaft. Diese war damals noch geprägt von etablierten Fir

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Mit seinen Möbeln traf Mox genau diesen Zeitgeist. Neben Zufall und Glück brauchten die beiden Jugendfreunde viel Durchhaltewillen, um über die Jahre eine kleine, feine Möbel kollektion zu entwickeln und sich in einer Nische in der weiten Designwelt zu etablieren.

men, grossen Namen und einem elitären Designverständnis. Doch dieses änderte sich, Design wurde immer mehr zum Thema für ein breiteres vor allem urbanes Publikum, das Appetit auf gute Gestaltung und neuartige Produkte hatte.

Wenn jemand eine Schraube oder ein anderes Ersatzteil anfragt für ein 20-jäh riges Mox-Möbel! Es freut mich zudem besonders, wenn unsere Produkte eine jüngere Generation ansprechen.

5 Fragen an Andreas Weber, Mitgründer von Mox.

Wir haben Mox nie als typisch schweize risch gesehen, sondern vielmehr als eine urbane Kollektion. Unsere Geschichte hat parallel zur Urbanisierung im Zür cher Kreis 5 stattgefunden, in einer Zeit, in der die Freitag-Container, Frau Gerolds Garten und der Prime Tower entstanden sind. Dieses pulsierende, urbane Umfeld hat eine ganz neue Generation hervorgebracht und unser Brand und unsere Kollektion stark geprägt.

Anlehn-Möbel, Kleinmöbel Aufbewahrung, Autorendesign Zusätzliches Tätigkeitsfeld Schweizer Vertretung von internationalen Brands (Living Divani, Weishäupl, Royal Botania, Zeus, Crassevig und Memphis/Gufram) Firmenstruktur Inhabergeführte Aktiengesellschaft (Andreas Weber, Jürg Ehrensperger)

Mitarbeiter 4 Exportanteil 25

GründungsjahrMox 1995 Firmensitz Herrliberg Kernkompetenz

Es brauchte viel Durchhaltewillen, um Mox aufzubauen. Dabei half, dass wir mit dem ersten Möbel, dem Pool-Regal, gleich einen Bestseller lancierten, wobei das Glück und der Zufall mit spielten. Später gab es immer wieder Auf und Ab, etwa der erstarkte Schwei zer Franken 2010. Unsere Stärke ist sicher unsere schlanke Firmenstruktur mit Jürg Ehrensperger und mir als Inha bern, die seit der Gründung die glei chen Ziele verfolgen und am gleichen Strick ziehen.

Was macht Ihre Kollektion nachhaltig und zeitgemäss?

Selbst nicht als Produzent tätig, versteht sich Mox als Designverlag mit einer Scharnierfunktion zwischen Designern und Produzenten. Denn neben dem Hauptmaterial Metall kom men auch andere Werkstoffe wie Holz oder Glas zum Einsatz, und die Aufgabe von Mox ist es, für das jeweilige Möbel die besten Hersteller oder Lieferanten von Teilen zu finden. Auto ren der Möbel sind vorwiegend Schweizer Gestalter wie Charles O. Job, Stephan Hürlemann oder André Zingg, der Urheber des ersten Mox-Produkts Pool. Und so unterschiedlich die Möbel und ihre Designer sind, so teilen sie doch einen gemeinsamen Geist: Es sind formal schlichte Alltagsprodukte, mobil und funktional in der Handhabung, unprätentiös in der Aufmachung und gemacht für die Ewigkeit.

dig. Andreas Weber ist für die Kommunikation und den Ver trieb verantwortlich in Herrliberg, wo Mox seit 10 Jahren in einem alten Industriegebäude seinen Hauptsitz hat.

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Welches Kompliment von Kundenseite freut Sie am meisten?

sind relevant, weil sie langlebig sind, sich wechselnden Trends widersetzen und stattdessen den Zeitgeist überdau ern. Das macht die Möbel auch nach haltig, im besten Fall können sie sogar weitervererbt werden. Und das Haupt material Stahl schneidet punkto Recyc ling gut ab.

Heute umfasst die Mox-Kollektion über ein Dutzend Möbel, von Garderoben und Zeitungsständern über Regale bis hin zu Tischen. Es war nie das Ziel, mit der Kollektion den gesamten Wohnbereich abzudecken und zum Beispiel Betten, Polstermö bel oder Stühle zu produzieren. Stattdessen konzentrierte sich das Kleinunternehmen konsequent auf das Kerngeschäft: Mobile Kleinmöbel aus den Bereichen Aufbewahren und Gar derobe. Hauptmaterial ist Stahl, das je nach Produkt gefaltet, gebogen oder geschweisst wird. In den ersten Jahren wurden die Möbel in der Schweiz produziert, doch mit der Zeit gab es keine geeigneten heimischen Hersteller mehr, auch war der Preisdruck zu gross geworden. So entschieden sich die beiden Firmeninhaber, die Produktion in eine Manufaktur nach Taiwan zu verlegen, das punkto Qualität und Arbeitsbedingungen ein ähnliches Niveau hat wie die Schweiz. Seit sieben Jahren lebt Jürg Ehrensperger in Taiwan und ist für die Produktion zustän

Beschreiben Sie die Seele Ihrer Produkte. Einfach, mobil und schlau. Wir haben einen hohen Anspruch an die Funktiona lität, denn in erster Linie muss ein Möbel funktionieren. Ein schöner Tisch nützt nichts, wenn er wackelt und ein Regal soll auch auf der Rückseite gut aussehen und verarbeitet sein. Die Funktionalität und die unkomplizierte Handhabung sind also ein Muss bei unseren Möbeln. Man muss keine Löcher bohren, um zum Beispiel unsere Regale zu nutzen, sie können einfach an die Wand gelehnt werden. Weiter ist die Leichtigkeit ein wichtiges Attribut unserer Möbel, und bei vielen entdeckt man auf den zweiten Blick überraschende Details.

Welche Stolpersteine gab es und wie haben Sie diese gemeistert?

Es sind keine Massenprodukte, sondern gut durchdachte Nischenprodukte. Sie

Prozent

Inwiefern ist Mox typisch schweizerisch?

Sie nennen sich Möbelarchitekten und entziehen sich der schnelllebigen Welt von Möbelneuheiten und Trends. Stattdessen setzt das Gestalterduo schindler salmerón auf Beständigkeit, Wertigkeit und Langsamkeit. In ihrer Doppelrolle als Entwerfer und Produzenten entwickelt das Architektenpaar Möbel für den Objektbereich sowie Serienprodukte mit Unikatcharakter.

Räume und Möbel gehören zusammen, davon sind diverse Architektengenerationen seit dem 18. Jahrhundert überzeugt. Deshalb entwarfen etwa skandinavische Architekten die pas sende Möblierung für ihre Gebäude oder Designer setzten Einrichtungsgegenstände in Beziehung zur Architektur. Genau diese Haltung prägt das Gestalterduo schindlersalmerón. Mar garita Salmerón und Christoph Schindler sind beide Architek ten und gründeten 2005 ein eigenes Zürcher Label, unter dem sie Möbel für den Objektbereich entwickeln – von der ersten Idee bis zur Produktion. Die Möbelarchitekten, wie sie sich selbst bezeichnen, vermitteln zwischen Kunde und Produzent, sie gehen auf die jeweiligen Anforderungen des Projekts ein und kreieren mit technischem Wissen und architektonischem Ansatz Möbel. Zum Beispiel für Google, die ETH, das Bündner Kunstmuseum, Spitäler, Kirchen und Horte.

Der Fokus vom Gebäude zum Möbel war ein bewusster Ent scheid. «Die Kleinmassstäblichkeit hat uns schon immer fas ziniert. Sie bringt den Vorteil, dass sich die Objekte 1:1 bau en, testen und immer wieder verbessern lassen», begründet Margarita Salmerón. Weiter bestimmt das Büro Material wahl, Herstellungstechnik und organisiert die Produktion. «Uns gefällt die Doppelrolle als Entwerfer und Hersteller, immer aus unserer architektonischen Perspektive gedacht», fügt die Architektin an. Die Produzenten spielen eine Schlüs selrolle bei schindlersalmerón, mit den meisten arbeitet das Büro seit Beginn ihrer Arbeit zusammen. Das sei Glück, aber auch ihrer frühen Entscheidung zu verdanken, Produktions partner sehr sorgfältig auszuwählen und darauf zu achten, ob die Zusammenarbeit aufgrund Qualitätsanspruch und Wertehaltung passe, fügt sie an.

ArchitekturschindlersalmerónimKleinen

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2005 Firmensitz

Wie würden Sie die Seele ihrer Objekte beschreiben?

Welche Stolpersteine gab es und wie haben Sie diese Welchesüberwunden?Kompliment von Kundenseite hat Sie bis heute am meisten gefreut?

das Label wickelt seine Verkäufe ausschliesslich über Fach händler ab. Interessierte können im Atelier auf Anfrage die Möbel testen und hier finden auch die Kundengespräche mit Margarita Salmerón statt. Sie ist für die Kommunikation zwi schen Kunden, Architekten, Vertriebspartnern und Produzen ten verantwortlich, während Christoph Schindler für den tech nischen Part der Produktentwicklung zuständig ist und parallel die Studienrichtung Objektdesign an der Hochschule Luzern – Design & Kunst leitet.

Am Anfang war es schwierig, als No-Name Aufträge zu bekom men und Vertrauen zu gewinnen. Dieses konnten wir über die Jahre aufbauen, weil wir bei unseren Projekten eng mit Archi tekturbüros zusammenarbeiten, die von Anfang an an uns Amglaubten.schönsten ist es, wenn uns bestehende Kunden wieder anfragen. Das macht uns glücklich!

Warum sind Ihre Möbel relevant und zeitgemäss?

Gründungsjahrschindlersalmerón

Eines der ersten Produkte und mittlerweile ein Klassiker von schindlersalmerón ist die Kleiderleiste. Seit der Lancierung im Jahr 2002 wurden ca. 2640 Stück verkauft. Jedes Metallmö bel kann auf die gewünschte Länge zugeschnitten werden, es sind – im Jargon des Gestalterduos – serielle Unikate, die an Kundenbedürfnisse angepasst werden können. Das Produkt entstand aufgrund der Erfahrungen im Bereich CAAD bzw. digitaler Fabrikation, die Christoph Schindler bei seiner Arbeit an der ETH Zürich gemacht hatte. Das Experimentie ren mit neuen Herstellungsprozessen spielt eine wichtige Rol le in der Arbeit von schindlersalmerón. Mit dem sogenannten Flankenschnitt-Fräsen wendete das Duo ein in der Möbelher stellung unübliches Verfahren an und entwickelte damit Stüh le. Im Unterschied zu herkömmlichen Stühlen unterscheiden sie sich bezüglich Sitzneigung und Stolpersicherheit; zwei Alleinstellungsmerkmale, die sie besonders für den Einsatz in Alters- und Pflegeheimen interessant machen. Die Flanken schnittstühle sind mittlerweile zur Produktfamilie gewachsen mit unterschiedlichen stapelbaren Modellen mit oder ohne Polster bzw. Armlehnen. Sie und alle anderen Möbel sind im Zürcher Atelier beim Kasernenareal zu sehen, das schindler salmerón Ende 2021 eröffnet hat. Verkauft wird hier nichts,

4 Fragen an schindlersalmerón

Serienprodukte custom made

Zürich Kernkompetenz Produktent wicklung für den Objektbereich, vom Design bis zur Produktion, in enger Zusammenarbeit mit Kunden, Architekten und Produzenten, serielle Unikate Firmenstruktur inhabergeführtes Familien unternehmen Vertrieb über ein Netz von regionalen Vertriebspartnern Preise iF Design Award 2019, Designers’ Saturday Award 2016 Bronze, Lista Office Award 2012 Gold

24 25 Unsere Möbel überdenken, überarbeiten und verbessern wir kontinuierlich weiter. Statt immer wieder Neues zu entwerfen, optimieren wir das Bestehende.

Margarita Salmerón und Christoph Schindler leben privat und beruflich nach einer Wertehaltung, die seit 20 Jah ren die gleiche ist. Schon damals – der Zeit weit voraus –machten sie sich Gedanken über Massenkonsum und -produk tion, Regionalität sowie Nachhaltigkeit und fragten sich: Wie können wir nachhaltig leben und arbeiten? Braucht es immer Wachstum? Wieviel brauchen wir wirklich? Und haben sich für das entschieden, wovon sie überzeugt sind: Klein und authentisch zu bleiben, im engen Dialog mit allen Partnern zu stehen, nachhaltig zu produzieren mit Herstellern in Europa. Heute ist ihre Haltung und ihr Slogan «Designed in Zurich –Made in Europe» aktueller denn je. Und ihre sorgfältig ent wickelten, hochwertigen Produkte sind zukunftsweisender denn je.

Wir vermitteln zwischen Auftraggeber und Produktion und ent wickeln aus unserer architektonischen Perspektive auf das jeweilige Projekt massgeschneiderte Möbel. Diese sind nach haltig, langlebig und so entwickelt, dass sie auch repariert werden können.

Blickt Philip de Vries in die Zukunft, will er weiterhin eine Balance finden zwischen dem Hauptgeschäft, der Vertre tung internationaler Kollektionen, und der Bewirtschaftung der Eigenkollektion, die er weiterhin stärken und ausbauen will. Bereits gibt es eine neue Produktidee, die gemeinsam mit einem Schweizer Gestalterpaar umgesetzt werden soll. Bei Produkt entwicklungen kommt immer noch Heinz Ryffel ins Spiel. «Dann bringt er sein breites Know-how und sein gutes Gespür für den Markt ein», sagt de Vries, der den Support seines Vorgängers und Mentors, der die solide Basis für Seledue geschafft hat, noch so gerne annimmt.

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verbrauch,SELEDUESparsamerMaterial-maximalerGebrauchswert

Ein fundiertes Know-how der internationalen Möbelbranche und das Verständnis für Schweizer Kundenwünsche bildeten die Basis für die Gründung von Seledue. Die Kollek tion umfasst Möbel für den Objekt- und Privatbereich – schlichte Objekte, die sich beim genaueren Betrachten jedoch als clever, robust und zeitlos entpuppen.

Seit seiner Lancierung sind gut 20 Jahre vergangen, aber das Bett SN2 ist aktueller denn je. In der Coronazeit, als alle Läden geschlossen waren, nahmen die Bestellung stark zu. Einerseits, weil die Menschen im erzwungenen Rückzug ins eigene Heim mehr auf ihre Möblierung achteten, zweitens, weil sich das multifunktionale Bett bzw. Sofa gut für Ferienwohnungen eig net, die sich manche zugelegt haben im Lockdown. Drittens ist das wandelbare Ausziehbett schlicht genial, weil es intelligent sowie materialschonend konstruiert ist, überdies platzsparend und einfach zu bedienen. Der Rahmen aus Birkensperrholz dient zugleich als Lattenrost und die beiden Rahmenteile lassen sich zusammen- bzw. auseinanderschieben, um die Bettgrösse anzupassen. Der Entwurf stammt vom Architekten und Desig ner Urs Esposito und gehört zu den ersten Produkten von Sele due, einem Label, das 1993 als Eigenkollektion von der Möbel agentur Seleform ins Leben gerufen wurde. Genauer gesagt von Heinz Ryffel, einem Branchenkenner, Designförderer und Netzwerker mit Herz und Seele. Er hatte 1983 die bereits seit den 60er-Jahren bestehende Seleform übernommen. «Heinz war immer ein Macher, er hat bewegt und motiviert», sagt Phi lip de Vries, der die Firma 2015 von Ryffel übernommen hat, als dieser sich in den Ruhestand zurückzog. Der junge Inhaber und Geschäftsführer begann 2010 bei Seleform zu arbeiten und fing rasch Feuer für die Designbranche. «Mein ganzes Wissen, meinen Möbel-Background habe ich von Heinz», sagt der Quereinsteiger.

Hochwertig, durchdacht, zeitlos Fast wie in einem Möbelmuseum wähnt man sich im grossen, hellen Showroom von Seleform, wo industrieller Look und hochwertiges Design aufeinandertreffen. Hier präsentieren sich Produkte der Vertriebspartner von Seleform sowie Model le der eigenen Kollektion Seledue. Und diese haben eines gemeinsam: Es sind hochwertige Qualitätsmöbel mit hohem

Gebrauchswert, einfache, durchdachte und zeitlose Produkte Objekte mit Klassikerpotenzial. Neben dem erwähnten Bett SN2 etwa der Coray-Stuhl, ein Entwurf von Hans Coray aus dem Jahr 1953. Er war einige Zeit lang produziert worden und verschwand dann, bis Heinz Ryffel gemeinsam mit Henriette Coray, der Witwe des legendären Gestalters, 2008 eine Neu auflage in Angriff nahm. «Der Coray-Stuhl ist leicht, robust und formal klar. Er ist sozusagen der kleine Bruder vom bekannten Landistuhl», sagt Philip de Vries. Beide Stühle bestehen aus leichtem Aluminium, sind wetterfest und stapelbar. Angefangen hatte alles in den 80er-Jahren. Damals herrschte Aufbruchstimmung in der Schweizer Designbranche, es gab neuartige Gruppierungen und Initiativen sowie viele kreative Köpfe. Einer davon war der Gestalter Kurt Thut, der Heinz Ryffel gut kannte. Das erste Produkt von Seledue stammt denn auch von Kurt Thut, ein Alustuhl, zu dem später eine Pro duktfamilie mit Alutischen hinzukam. Der Bestseller der Kollek tion ist ein Stuhl des Innenarchitekten Stefan Zwicky. Der Holz stuhl Viena wird vorwiegend im Objektbereich und vor allem im Health Segment nachgefragt, weil die Produktfamilie zahl reiche Varianten für diverse Anwendungen bietet. Rund drei Viertel des Umsatzes von Seledue wird im Objektbereich erzielt.

Alle sprechen heute von Nachhaltigkeit. Wir verstehen unter Nachhaltigkeit auch, Ressourcen bereits im Entwurf zu scho nen, also mit minimalem Materialeinsatz eine maximale Lösung zu erzielen. Ein Beispiel ist die Alu-Tischserie. Das Untergestell basiert auf einem einzigen Aluminiumprofil, je nach Grösse und Form des Tisches kommen unterschiedlich viele dieser iden tischen Teile zum Einsatz. Dabei ist er immer extrem stabil. Es braucht also nur ein einziges Werkzeug für die Produktion der ganz unterschiedlichen Tischunterkonstruktionen.

Warum sind die Möbel von Seledue heute relevant?

Nennen Sie Ihre drei wichtigsten Firmencredos.

Was macht Ihr Label einzigartig?

Welches Kompliment von Kundenseite freut Sie am meisten?

Wenn jemand Ersatzteile für ein Möbel nachfragt, das er vor 20 Jahren gekauft hat. Ein Alutisch zum Beispiel kann problem los 20, 30 Jahre draussen stehen. Es sind fast schon VintageMöbel, die die Kunden auch bei Umzügen immer mitnehmen.

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Es umfasst eigenständige Möbel von Schweizer Gestaltern und steht für typisches Schweizer Design: reduziert aufs Wesentli che, intelligent und zeitlos konstruiert.

4 Fragen an Philip de Vries

Guter und schneller Service, Zuverlässigkeit und Qualität.

GründungsjahrSeledue 1993 Firmensitz

Zollikon Haupttätigkeitsfeld Schweizer Importeur von Möbeln interna tionaler Brands (Thonet, Artifort, Mocoba, Rex Kralj, Wilde + Spieth) Speziali tät Eigenkollektion Seledue, Möbel von Schweizer Gestaltern Produktion diverse Hersteller in Zentraleuropa Firmenstruktur Inhabergeführte Aktienge sellschaft (Philip de Vries) Mitarbei ter 4

Thut 33 Thut Möbel haben ein Stück Schweizer Designgeschich te geschrieben. Sie sind verblüffend schlicht und überraschend, funktional und ästhetisch. Hinter der Produktentwicklung steckt viel Entwicklungsarbeit sowie Erfindergeist und eine spielerische Lust, Möbel immer wieder komplett neu zu denken.

Das Bett: clever, praktisch, flexibel. Anpassbar an jede Lebens- und Raum situation, vom Einzelbett bis zum Dop pelbett, mit Thut-Matratzen wird es auch zum Bettsofa. Handlich beim Transportieren, wenn es ganz zusam mengeschoben wird. Rafael Thut ist auf einem Scheren-Bett gross gewor den. «Als Kind war es 90cm breit, in der WG hab ich es auf 140cm vergrös sert und heute mit meiner Frau auf 180cm.» Der Entwurf stammt von sei nem Grossvater Kurt Thut, der das Unternehmen mit seinem visionären Denken und konstruktiven Ansatz geprägt hat. Er hatte die klassische Möbelschreinerei, die sein Vater Wal ter Thut 1929 gegründet hatte, weiter entwickelt und allmählich zu einer industriellen Fabrikationswerkstatt umgebaut. Die Möbel wurden vor allem ab den 80er-Jahren ganz neu gedacht: erfinderisch konstruiert, mit ausgeklügelten Funktionsmechanis men ausgestattet, aus innovativen Materialien gefertigt. Viele Entwürfe von Kurt Thut sind eigentliche Erfindun gen, neben dem Scheren-Bett bei spielsweise auch der Folienschrank oder der klappbare filigrane Kleider ständer. Er war ein Visionär und

Erfindergeist im Blut

zugleich bescheiden. Seine Söhnen Daniel und Benjamin Thut beeinfluss ten ihn massgeblich, nachdem diese ins Familienunternehmen eingestiegen waren. Ein schönes Beispiel ist der Folien-Schrank, ein Leichtgewicht von einem Möbel, das gemeinsam mit Dani el Thut, einem passionierten Segelflie ger, entwickelt wurde. Es besteht aus einer filigranen Holzkkonstruktion und dem Segeltuch Dacron. Während Daniel Thut als Konstrukteur im Hinter grund wirkte, begann Benjamin Thut eine eigene Designerlaufbahn und ent wickelte Produkte für externe Firmen, zum Beispiel die preisgekrönte Leuchte Lifto für Belux, aber auch für Thut Möbel. Darunter etwa den WerkzeugSchrank aus dem Jahre 2004, der nach dem Öffnungsprinzip einer Werk zeugkiste funktioniert. Der Funke –beziehungsweise die Lust am Tüfteln –ist von Kurt Thut auf seine Söhne übergesprungen. «In der Ausbildung fragte ich meinen Vater einmal, wie man eigentlich entwirft», blickt Benja min Thut zurück. «Er nannte das Renn velo als bestes Beispiel für gute Gestal tung: Nichts daran ist zuviel, es ist auf das Maximum reduziert, funktioniert aber perfekt.»

Beschreiben Sie die Seele Ihrer Produkte. Was macht ihr Label einzigartig?

ben. Ein schwieriges Unterfangen, weil es nicht mehr viele Produktionsbetriebe in der Schweiz und Europa gibt. Es ist uns ein Anliegen, einen engen Bezug zu unseren Lieferanten zu haben, wo wir hingehen, uns treffen, Probleme dis kutieren können. Im besten Fall sind unsere Lieferanten Freunde.

GründungsjahrThut 1929 Firmensitz Buchs ZH Produktion In der eigenen Fabrik Firmenstruktur Aktiengesell schaft in Familienbesitz Mitarbeiter 15 Award Grand Prix Design 2009 des Bundesamts für Kultur an das Unterneh men Thut Möbel

Die Faltvorhang-Front kann mit 25 ver schiedenen Textilien ausgeführt wer den und ist heute das wichtigste Produkt des Möbelbauers. Ebenfalls viel Erfolg hat der Auszieh-Tisch, den Benjamin Thut 2019 entworfen hat, ein Tisch mit einer raffinierten Tragkonstruktion und einem verblüffend einfachen Mechanis mus, um den Tisch zu verlängern. Dabei gleiten schmale Holzstreben wie von Geisterhand in- bzw. auseinander. Ein typisches Thut-Produkt, das mit viel Tüft lergeist und einem hohen Anspruch an Funktion und Ästhetik entwickelt wurde, und das sich perfekt in die Reihe von eigenen und eigenständigen Werksent würfen einreiht.

In der Schweiz und selber zu produzie ren ist uns wichtig. Was wir zukaufen, zum Beispiel die Profile, beziehen wir von möglichst nahe gelegenen Betrie

Warum sind Ihre Möbel relevant und zeitgemäss?

Das ist ein riesiger Glücksfall, denn so kann ich das machen, was ich gerne tue: entwerfen.

Herzstück Werkstatt

Wir verbinden Innovation mit Ingenieurs kunst. Alle unsere Möbel haben etwas Filigranes und sind dennoch stabil.

Ihr Sohn Rafael Thut hat nun die Verantwortung für die Produk tion übernommen. Was heisst das für Sie?

auch jahrelang später noch weiterent wickelt, weil es noch nicht perfekt war. Das war beim Faltvorhang-Schrank der Fall, ein Entwurf von Kurt Thut von 1992. «Bei der Lancierung fand er kaum Beachtung, deshalb haben wir ihn so weiterentwickelt, dass der Falt vorhang unabhängig vom Möbelkas ten als Systemwand funktioniert, die beliebig auf einen Raum zugeschnitten werden kann», erklärt Benjamin Thut.

5 Fragen an Benjamin Thut

Nennen Sie die wichtigsten Firmencredos.

Ihr Vater Kurt Thut hat als Gestalter grosse Fussstapfen hinterlassen. War das schwierig für Sie?

Mit Rafael, einem Sohn von Benjamin Thut, ist seit 2015 die vierte Generation an Bord. Er ist Hochbauzeichner und absolvierte danach eine Schreinerleh re. Als Leiter der Produktion ist das ein Vorteil im Betrieb, in dem es einen hohen Grad an Fertigungswissen gibt, denn viele Mitarbeiter arbeiten seit Jahrzehnten bei Thut. Die Werkstatt ist mehr als ein Ort der Fertigung: Hier ent stehen oftmals Innovationen, und das war schon immer so. Meist beginnt ein neues Produkt mit einer Idee, die dann rasch umgesetzt wird in der Fabrik. Zwi schen 5 und 7 Prototypen werden gebaut, bis ein Möbel ausgereift ist. «Für mich kommt das Entwerfen eigent lich erst am Ende des Prozesses, wenn es darum geht, die Dimensionen zu jus tieren oder eine Farbgebung zu definie ren», sagt Benjamin Thut, der für die Geschäftsführung und den Entwurf zuständig ist. Bis zu zwei Jahren dauert die Entstehung eines neuen Möbels, bei dessen Entwicklung nicht selten die Grenzen des Machbaren verschoben werden. Manchmal werden Produkte

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Mein Vater hat seine Fussstapfen immer verwischt und sich nicht so wichtig genommen. Meinem Bruder und mir hat er viel Raum gelassen, um unsere eigenen Ideen zu entwickeln und gesagt: Ihr müsst in die Zukunft schauen.

Wir wollen keine zeitgemässe Möbel machen, sondern zeitlose. Wir orientie ren uns auch nie am Markt, das ist nicht unser Weg.

Es riecht, als streife man durch dichtes Gehölz. Harziger Holzduft liegt in der Werkstattluft. Zwischen Hobelbank, auf gereihtem Werkzeug, Säge- und Fräsmaschinen stehen Bret ter, Stühle und unfertige Möbel. Ein Sideboard mit eleganten Linien und präzisen Kanten wartet auf die letzten Detailarbei ten. Es ist eine Massanfertigung für einen Kunden. Rund 20 Prozent der Aufträge sind Einzelanfertigungen. Den Rest macht die tossa-Kollektion aus, allen voran Tische. «Ein Tisch ist mehr als ein normales Möbel, denn am Tisch lebt, isst und kommuniziert man jeden Tag», sagt Ralf Geckeler, der Inha

Handwerk, Holz und Herzblut

ber von tossa. Pro Jahr fertigt der Schreiner rund 80 Tische. Keiner ist gleich, jeder lebt von der schlicht-eleganten Form und von der einmaligen Maserung der Massivholzplatte. Jedem schenkt er von A bis Z die gleich Sorgfalt und Liebe zum Detail. Der Möbelbauer, wie er sich selbst bezeichnet, verantwortet zusammen mit einem Mitarbeiter die ganze Pro duktion. «Ich mag es, dass ich bei jedem Tische persönlich auf das Holz, auf die Herstellung und auf jede Kleinigkeit achten kann, denn so kann ich die höchste Qualität bieten», betont der Handwerker.

Tossa 37

Einen schöneren Holztisch als einen von tossa gibt es nicht. Dies sagen viele Kunden des Labels, das seit 1995 für edle Massivholzmöbel steht, bei denen traditionelle Handwerkskunst auf klare, moderne Formen trifft. Jedes Stück ist einzigartig, besteht aus sorgfältig ausgewähltem Holz und wird mit viel Know-how und Liebe zum Detail gefertigt.

Das grösste Kompliment ist für mich die Treue unserer Kunden. Zum Beispiel junge Eltern, die einen «Familientisch» bestellen und erzählen, dass sie selbst auch schon mit einem tossa-Tisch aufgewachsen sind. Oder ein Paar, das sich für die Ferienwoh nung einen zweiten tossa-Tisch gönnt mit dem Argument, es gebe keinen schöneren.

Warum sind Ihre Produkte relevant und zeitgemäss? Der Einsatz des natürlichen Materials und das zeitlose Design machen sie nachhaltig und dauerhaft. Und lokale Produktion ist aktueller denn je.

Welches Kompliment von Kundenseite freut Sie am meisten?

Wie würden Sie die Seele Ihrer Produkte beschreiben? Sie sind unverwechselbare Unikate wegen des Zusammen spiels vom Naturwerkstoff Holz, von Handwerkskunst und Design.

Die DNA der tossa-Möbel liegt in der Verbindung zwischen Respekt vor dem Rohstoff und der Leidenschaft für höchste Sorgfalt. In der Schreinerei in Fischingen gibt es keine Industrieoder Massenproduktion, hier spielen Holz, Handwerk und Herzblut die Hauptrolle. Die Möbel sind Produkte eines klassi schen Slow-Design-Prozesses und bekommen so ihren eigenen Charakter. In der Werkstatt dreht sich alles um Holz, und dieses will sorgfältig ausgewählt werden. «Ich beziehe mein Holz von einem Händler am Bodensee», erklärt Geckeler. «Er kennt mich und meine Ansprüche, dort nehme ich die Stämme unter die Lupe und kann so genau das Richtige und Gewünschte für einen Kunden aussuchen.» Wenn sich Kunden für ein Tischmo dell und ein Holz entscheiden, kommt es nicht selten vor, dass sie den Möbelbauer in seiner Schreinerei in Fischingen besu chen. «Sie sehen, wo und wie ihr Möbel gemacht wird und bekommen dadurch einen engen Bezug zu ihrem Stück», beschreibt Geckeler seine Art, zu produzieren und mit den Kunden zu Nussbaum,kommunizieren.Eiche,Ulme

GründungsjahrTossa

oder Esche: Alle Hölzer stam men aus Europa, und wenn ein Kunde dies wünscht, verwendet tossa explizit Schweizer Holz. Momentan sind Nussbaum und Eiche am gefragtesten, und letzteres ist auch das Lieblingsholz von Ralf Geckeler: «Das war schon in der Schreinerlehre so, ich mag ihre Optik, ihren Tanningeruch und ihre Haptik.» Der Schreiner begann 2004 bei tossa zu arbeiten, damals noch in einer Werkstatt im Tösstal, die 1995 von Beat Hübscher und Sonia Loosli gegründet wurde. Sie trafen damals den Nerv der Zeit mit ihrer Idee, zeitlos schlichte Massivholzmöbel von

4 Fragen an Ralf Geckeler

Fischingen Kernkompetenz Massivholzmöbel in Handarbeit gefertigt. Eigene Kollektion und Massanfertigungen Produktion Swiss Made in der eigenen Werkstatt Firmenstruktur GmbH, Inhaber Ralf Geckeler Mitarbeiter inkl. Inhaber 2 für die Produktion, 1 für Vertrieb und Marketing Vertrieb der Kollektion über ein Fachhändlernetz

Nennen Sie die wichtigsten Firmencredos. Einfach ist besser. Das bezieht sich auf Gestaltung, Produktion und Organisation. Und: Die Wünsche unserer Kunden leiten unser Handeln.

1995 Firmensitz

Slow Design und Sorgfalt

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höchster Qualität zu produzieren. Ein Urprodukt ist der Tisch mesa11, seine Merkmale sind an den Ecken platzierte Beine und heruntergezogene Stirnseiten. Ein Tisch, der moderner, fri scher und edler daherkommt als die damals gängigen Beizenti sche. Mesa ist zusammen mit ultimo ein Klassiker bei tossa. Neben Tischen gehören Betten, Regale, Sideboards und Stühle zum Sortiment. Objekte, die allesamt zeitlos klassisch sind und deren Entwürfe entweder von Schweizer Gestaltern wie Fabi an Schwaerzler, Florian Hauswirth, Benny Mosimann oder Jörg Boner entworfen wurden oder Eigendesigns sind. Der Aus tausch mit Gestaltern oder die Inputs von Architekten sind wich tig für Ralf Geckeler, er braucht die Herausforderung, nach neuen Lösungen zu suchen.

Nachdem sich die Firmengründer 2015 zurückgezo gen hatten, übernahm Ralf Geckeler, der schon seit einigen Jahren Teilhaber war, die Geschicke von tossa. Und konzent rierte sich voll und ganz auf das Wesentliche: Massivholzmö bel von höchster Qualität punkto Material, Design und Verar beitung zu fertigen. 2019 zog er mit seinem Handwerksbetrieb in die historischen Räume des Klosters Fischingen im Kanton Thurgau. Ein ehrfürchtiges Gebäudeensemble mit romanti schem Innenhof, wo man fast glaubt, die Zeit sei stehengeblie ben. Das mag vielleicht für die eigene Klosterschreinerei zutreffen, die klassische Möbel fertigt oder restauriert. Doch in der Werkstatt von tossa, die Tür an Tür mit dem Klosterbetrieb liegt, weht ein moderner Zeitgeist: Es riecht zwar auch nach Holz, aber die Endprodukte sind zeitgenössische und zeitlose Designerstücke – nachhaltig und in der Schweiz gemacht, also angesagter denn je.

WEIBELWEIBELFertigungskompetenzundDesignqualitätimEinklang

Das Mutterhaus von WEIBELWEIBEL wurde 1965 gegründet. Heute führt das Aargauer Unternehmen zwei Marken: Das gut in der Schweizer Möbellandschaft verankerte Brand Intertime und die junge Marke WEIBELWEIBEL. Letztere profitiert von der hohen Fertigungskompetenz der Firma, ist jedoch punkto Design und Vertrieb schärfer positioniert.

Am Produktionsstandort Endingen ist Handwerk angesagt: Hier wird Leder zugeschnitten, genäht, gepolstert und mon tiert. Hier entstehen Sitzmöbel in schweizerisch-solider Manier mit dem Anspruch auf den höchsten Komfort, auf Langlebigkeit und Funktionalität – und dies seit Jahrzehnten. Auf dieser tra ditionellen Kompetenz und auch auf der Leidenschaft für die Herstellung hochstehender Möbel baut WEIBELWEIBEL. Die Kollektion ist bei den besten Designfachgeschäften platziert, weil sie in Bezug auf Gestaltung und Kommunikation noch einen Schritt weiter geht als die herkömmliche Möbelfamilie aus Endingen. Die Brüder Johannes und Lukas Weibel führen das Unternehmen in zweiter Generation. Während Johannes als strategischer Leiter wirkt, ist Lukas für den operativen Teil verantwortlich. Sie gründeten WEIBELWEIBEL 2015 mit dem Ziel, neben der bestehenden Marke ein zweites, eigenständi ges Brand im obersten Marktsegment anzubieten. «Wir sehen WEIBELWEIBEL nicht als Revolution, eher als Evolution der bestehenden Marke», betont Johannes Weibel und fügt an, es sei zentral, dass sowohl die Möbel von Intertime als auch jene von WEIBELWEIBEL aus einem Haus kämen. Das erste Produkt ist das Sofaprogramm LUIS; eine Kollektion aus der Feder von Reto Frigg mit diversen Sitzelementen, die es in zwei Tiefen und zwei Höhen sowie mit verstellbarem Rückenteil gibt. Auch das ist typisch für alle Möbel des Aargauer Herstellers: Sie können auf individuelle Wünsche zugeschnitten werden; für die anspruchsvolle Schweizer Kundschaft ein immer wichtiger wer dendes Argument. LUIS wurde sozusagen als Pilotprojekt in fünf gehobenen Fachgeschäften präsentiert – und es kam gut an beim Publikum. Heute führen mehr als 20 Topadressen die junge Kollektion WEIBELWEIBEL, die mittlerweile gut ein Dut zend Produkte im Programm hat, allen voran Sitzmöbel.

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Designabteilung im eigenen Haus Ein Bestseller von WEIBELWEIBEL ist MELLOW, ein leichtfüs

siges, elegantes Funktionssofa mit vielen Kombinationsmög lichkeiten, das von Benny Mosimann und Martin Birrer ent worfen wurde. Ähnlich erfolgreich ist das Sofa GIL, das in der eigenen Entwicklungsabteilung entstanden ist. Dort sind sechs Mitarbeiter beschäftigt, die vorwiegend für den Objektbereich Sondermodelle auf Bestellung entwickeln, aber eben auch für die eigene Kollektion. Nach den ersten Skizzen werden rasch die ersten Prototypen angefertigt: 1:1-Modelle aus Styropor, die mit Leder oder Stoff bezogen werden. So können neben den Proportionen selbst Details wie die Platzierung oder Art der Nähte geprüft und so lange überarbeitet werden, bis das Möbel serienreif ist. Dieser Ent wicklungsansatz und das Streben nach dem perfekten Sitzen garantieren dafür, dass die Sessel und Sofas nicht einfach nur schöne Designobjekte sind, sondern Lieblingsstücke mit hohem Komfort und bester Funktionalität, zeitlose Möbel, die lange schön bleiben. Falls ein Produkt nach ein paar Jahren doch einmal eine Reparatur braucht, ist auch das kein Problem, wie Johannes Weibel bestätigt: «Alles, was wir her stellen, können wir später bei uns problemlos reparieren.»Für die Möbelmacher aus Endingen sind neben zeitlosem Design und hoher Fertigungsqualität selbstverständlich auch Ver lässlichkeit und Service Teil der Wertehaltung. Und natürlich die Nachhaltigkeit, die zukünftig noch mehr Gewicht hat im Schweizer Betrieb. So sorgt eine eigene Photovoltaik-Anla ge im Werk für die Deckung des eigenen Strombedarfs und speist zudem noch Strom ins öffentliche Netz ein. Weiter beteiligt sich das Unternehmen am Programm von Global Compact der UN, bei dem jährlich neue Nachhaltigkeits-Zie le definiert werden. Ein Engagement, das die Brüder Lukas und Johannes Weibel neben ihrer Leidenschaft für Swissness, Qualität und Design mit Überzeugung und Herzblut verfol gen. Und das sich auch in der jungen Kollektion von WEIBELWEIBEL niederschlägt.

GründungsjahrWEIBELWEIBEL

Nennen Sie die drei wichtigs ten Firmencredos. Ästhetik, Sitzqualität und Nachhaltig keit. Diese Werte gelten für beide Mar ken Intertime und WEIBELWEIBEL.

Wo zwischen Swissness und international verorten Sie Ihre Kollektion?

WEIBELWEIBEL: 2015. Im August 2022 ist das Dachunternehmen mit den zwei Marken zu WEIBELWEIBEL AG umbenannt worden Firmensitz Endingen Produktion Swiss Made, Untergestelle werden zugekauft Kernkompetenz Nähatelier, Bezugabteilung, Montage und Entwicklungsabteilung inhouse Firmenstruktur Aktiengesellschaft, Inhaber: Lukas und Johannes Weibel Mitarbeiter 54, darunter zwei Lernende Award 1. Rang Aargauer Unternehmenspreis des Jahres 2014

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Es soll natürlich und behutsam wach sen.

Wir sind neu auf dem Markt, können aber gleichzeitig auf 57 Jahre Knowhow und Kontinuität zurückgreifen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem noch jungen Label WEIBELWEI BEL?

Was macht WEIBELWEIBEL einzigartig?

Wie würden Sie die Seele Ihrer Produkte beschreiben?

Gelassen, leise und doch souverän. Wir glauben, dass die Schönheit auch bei Möbeln von innen kommt, es braucht hochwertige Materialien und eine gute Verarbeitung, damit die Produkte auch schön altern können.

Es liegt irgendwo dazwischen: Unsere Werte und die Produktion sind zu 100% schweizerisch, aber punkto Sortiment und Design wollen wir uns internationaler ausrichten und etwas urbaner werden.

5 Fragen an Johannes Weibel, Mitinhaber von WEIBELWEIBEL AG

Intertime AG: 1965,

Name Verfasser / Autor Jahr 2022 Lektorat / Korrektorat: Name Gestaltung: Name Fotografie: Name Texte: Name Druck Gedruckt in der Schweiz Urheberrecht Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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