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Vorwort

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Dramatherapeutische Praxis Eine Übungssammlung Doris Müller-Weith Nina Dudek Klaus Wührl-Struller

Schibri-Verlag

Berlin • Milow • Strasburg


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Dramatherapeutische Praxis – Eine Übungssammlung

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet und über http://dnb.de abrufbar © Schibri-Verlag 2014 Milow 60 • 17337 Uckerland Tel.: 039753/22757 E-Mail: info@schibri.de www.schibri.de Druck: Hoffmann-Druck, Wolgast Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlages vollständig oder teilweise vervielfältigt werden. Das gilt auch für die Speicherung in einem Datenerfassungssystem und die Weiterverarbeitung mit elektronischen oder mechanischen Hilfsmitteln, wie Fotokopierer und andere Aufzeichnungsgeräte. Insbesondere die Übersetzung und Verwendung in Schulungsunterlagen bedürfen der Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany ISBN 978-3-86863-137-1


Inhaltsverzeichnis

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Inhaltsverzeichnis Vorwort Unser „Schneckenbuch“ ist da!

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Einleitung

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Kapitel 1 Körper – Bewegung – Raum

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Kapitel 2 Geschichten

67

2.1. Mythen, Märchen, Lieblingsmärchen

68

2.2. Vorlagen

72

2.3. Eigene Geschichten

76

2.4. Phantasiereisen

98

Kapitel 3 Rollen und Figuren

119

Kapitel 4 Dramatherapie mit biografischem Material

169

Kapitel 5 Häufige Themen

195

5.1. Wahrnehmungsschulung

196

5.2. Ich und die Anderen: Bindung Beziehung Vertrauen

209

5.3. Umgang mit Gefühlen, Konflikt und Aggression

240

5.4 Gruppendynamik

278

Kapitel 6 Dramatherapie mit besonderen Materialien

291

Anhang Autorinnen und Autoren Stichwortverzeichnis

329 330 334


Vorwort

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Vorwort Unser „Schneckenbuch“ ist da! Liebe Theater- und DramatherapeutInnen, liebe KollegInnen! Vor rund drei Jahren begann unsere Reise, aus der fixen Idee, eine Nachschlagesammlung mit dramatherapeutischen Übungen erstellen zu wollen, Taten werden zu lassen. Nun halten Sie unser deutschsprachiges Nachschlagewerk von Drama- und TheatertherapeutInnen für KollegInnen mit rund 155 Übungen zu verschiedenen Themenkomplexen als Praxishandbuch in Ihren Händen. Die Themenvielfalt und -auswahl unseres Übungsbuches ergibt sich aus den Erfahrungen der HerausgeberInnen und unserer Co-AutorInnen in ihren Praxisfeldern, außerdem aus der gezielten Suche von Seiten der HerausgeberInnen nach Übungen zu ihnen wichtig erscheinenden Themen-Feldern. Daraus entstanden die vorliegenden 6 großen Kapiteleinteilungen zu den Themengebieten „Körper Bewegung Raum“, „Geschichten“, „Figuren und Rollen“, „Biografie“, „Häufige Themen“ und „Dramatherapeutische Übungen mit besonderen Materialien“. Diese Kapitel enthalten Übungen für jegliches Klientel im Kindes-, Jugend-, Adoleszenz-, Erwachsenen- und Seniorenalter. Anwendungsgebiete können u. a. sein: Klinik, Forensik, Paartherapie, freie Praxis, Suchttherapie, Erwachsenenbildung, Familientherapeutische Einrichtungen und Sozialarbeit. Jede der Übungen ist verschlagwortet. Diese Schlagwörter finden sich hinten im Buch als alphabetisch geordnete Liste mit Seitenangaben wieder. Die HerausgeberInnen haben sich bemüht, eine möglichst praxisorientierte und sinnvolle Bandbreite an Übungen zu präsentieren, die die direkte Arbeit mit Ihren KlientInnen, PatientInnen und TeilnehmerInnen erleichtern soll. Dabei wurde darauf verzichtet, bei jeder Übung anzugeben, mit welcher Klientel sie durchführbar ist. Die Entscheidung, ob eine Übung zu den TeilnehmerInnen Ihrer Gruppen- oder Einzeltherapie passt, legen wir in die kompetenten Hände der jeweiligen KollegIn. Weder die Inhaltsgliederung noch das Stichwortverzeichnis orientiert sich an Krankheitsbildern oder Diagnosen von Systematiken wie beispielsweise der ICD-10. Ebenso versteht sich dieses Buch nicht als Manual für bestimmte institutionelle Settings wie Reha-Kliniken, Forensik, Suchtberatungsstellen o. ä. Die Kompetenz, für die jeweiligen KlientInnen sowie den jeweiligen organisatorischen und institutionellen Rahmen das angemessene methodische Vorgehen festzulegen, liegt alleine bei der TherapeutIn und ihrem fachlichen Umfeld. Dieses Buch kann lediglich Hilfestellungen und Anregungen innerhalb eines methodischen Vorgehens bieten. Darum verstehen wir alle Angaben zu Indikationen, Zielgruppen, Settings usw. als Vorschläge, die zwar in der Praxis erprobt sind, die aber jederzeit von der AnwenderIn nach eigenem Ermessen verändert oder angepasst werden können. Dieses Buch ist ein Werk von vielen AutorInnen mit zum Teil jahrzehntelanger Erfahrung in verschiedensten Feldern der theater- und dramatherapeutischen Praxis. Die HerausgeberInnen haben die Sammlung angestoßen, die einzelnen Beiträge geordnet und in eine einheitliche Form gebracht. Es war jedoch nicht unser Anliegen, den beigetragenen Übungen ihre eigene


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Dramatherapeutische Praxis – Eine Übungssammlung

Handschrift zu nehmen. Daraus ergeben sich in Stil, Ausführlichkeit, Gewichtung, Wortwahl und anderen Details durchaus Unterschiede in den einzelnen Übungsbeschreibungen. Diese Unterschiede wurden sehr bewusst akzeptiert und in weiten Teilen erhalten. Bei der Beschreibung der Übungen wird durchlaufend die weibliche Form „Therapeutin“ anstelle von TherapeutIn für die Rolle der Leitung verwendet. Dies ist kein Zufallsprodukt, sondern von den drei HerausgeberInnen wohl überlegt und entschieden worden. Der Grund ist ein pragmatischer: Da es weitaus mehr weibliche als männliche Theater- und DramatherapeutInnen gibt, haben sich die HerausgeberInnen für die weibliche Form des Wortes Therapeut und für die männliche Form der Bezeichnung der Teilnehmer entschieden. Wir freuen uns besonders, den Schibri-Verlag als Verlagspartner gewinnen zu können, der bereits das Buch „Spielend Leben Lernen“ von Doris Müller-Weith, Lilli Neumann und Bettina Stoltenhoff-Erdmann 2008 und im Herbst 2013 die Methodensammlung von Sandra Anklam und Verena Meyer „Life. On Stage.“ herausgegeben hat. An dieser Stelle bedanken sich die HerausgeberInnen bei den Co-AutorInnen, die ihre kostbare Zeit dazu verwendet haben, die wertvollen Schätze ihrer langjährigen Arbeit zu verschriftlichen und allen NutzerInnen dieses Buches zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie daran interessiert sind, Kontakt zu den AutorInnen der einzelnen Übungen aufzunehmen, finden Sie im Anhang des Buches jede AutorIn mit Kurzbiographie und Kontaktdaten vertreten. Den NutzerInnen wünschen wir viel Spaß beim Durchstöbern, Nachschlagen, Sich vertiefen, Entdecken und natürlich Anwenden dieser Übungssammlung. Die HerausgeberInnen


Einleitung

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Einleitung Dramatherapie ist eine wesentliche Errungenschaft des 21. Jahrhunderts. Obwohl es eine Anzahl historischer Beispiele therapeutischer Wirkungsweisen von Ritual und Theater gibt (Jones 2007, Jennings 1994, 2009), wurde erst in den letzten Jahren eine systematische Bestandsaufnahme von Dramatherapie als einer klinischen, gesellschaftlichen und erzieherischen Praxis erhoben (Casson 2004, Macfarlane 2012, Jennings 2011). Für die Dramatherapie gibt es mittlerweile in vielen Ländern eine formelle Ausbildung. Die Tatsache, dass die Ausbildungen verschieden sind und jeweils angepasst werden an eine spezifische Kultur begrüße ich sehr. Eine innovative dramatherapeutische Unternehmungslust in Deutschland zeigt, dass es ein großes Bedürfnis für kontinuierliche Erweiterung und Weiterentwicklung gibt. Ich erinnere mich an meine sehr frühe Arbeit in der Anstalt Wittekindshof, in der Nähe von Minden in den 60er Jahren. Ich habe dort eine therapeutische Theatergruppe für Dutzende von Insassen mit schweren Lernproblemen angeboten. Inhalt waren Grundübungen aus dem Drama, der Pantomime und der Darbietung. Die Abenteuerlustigeren innerhalb der Belegschaft und der Ärzte nahmen daran teil, was dazu führte, dass ein Kurs mit Grundübungen in Wittekindshof und in Roteborg angeboten wurde. Wichtig ist, dass Dramatherapie, wie auch das Theater, organisch ist und sich entsprechend der Bedürfnisse seiner Teilnehmer und den steigenden Fähigkeiten seiner Praktizierenden entwickelt. Dies ist der Grund, warum dieses neue Buch über Dramatherapie so bedeutsam ist, da es aus einem wachsenden Bewusstsein von einer Integration des Theaters, des Dramas und der Heilpraxis in Deutschland hervorgeht. Dies ist ein sehr praktisch orientiertes Buch und führt seine Leser durch die wichtigen Elemente dieser Arbeit. Es beginnt mit einem Schwerpunkt auf dem Körper durch Bewegung, Atmung und Stimme. Es kann nicht genug betont werden, dass alle Drama-Arbeit mit dem Körper beginnt und der Körper für viele Teilnehmer Konflikte und Spannungen beinhaltet, die ihn davon abhalten, seine „authentische Stimme” zu finden. Im Kapitel Geschichten wird gezeigt, dass die Arbeit mit Geschichten mehrere Facetten umfasst: Mythen und Märchen, archetypische Geschichten und persönliche Erzählungen. Die Arbeit mit Geschichten ist fundamental für die Dramatherapie; was ist Theater, wenn nicht Erzählung in Aktion? Kulturelle Geschichten helfen, die Identität von Menschen zu stärken und Mythen aus einer anderen Kultur zeigen neue Perspektiven und Einsichten in das Menschsein. In Rollen zu schlüpfen, eröffnet Wege, neue Aspekte von sich selbst und anderen zu entdecken und Figuren aus Theaterstücken und Mythen zu spielen, ermöglicht ein tieferes Verständnis der Komplexitäten des Lebens. Dieser Ansatz zur Rollenarbeit wahrt die Sicherheit einer „Distanz”, um den Teilnehmern eine Entdeckung von persönlichen und Gruppendynamiken zu ermöglichen. Biographisches Theater wiederum gibt Menschen die Möglichkeit, Aspekte ihres Lebens in die Form einer Geschichte zu bringen und diese vor einem Publikum aufzuführen, das darüber Zeugnis ablegt; dies erlaubt einer Person, Aspekte ihres Lebens in eine therapeutische und künstlerische Aufführung zu integrieren.


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Dramatherapeutische Praxis – Eine Übungssammlung

Um den Körper, die Geschichten, die Rollen und das Nachspielen effektiv zu üben, sollten die Praktizierenden über ein funktionierendes Modell verfügen, das Selbst zu verstehen: denken, fühlen und reflektieren. Es ist wichtig, dass Kognition, Management von Gefühlen und Gruppendynamiken in den dramatherapeutischen Lehrplan eingebunden sind, die spirituelle Dimension nicht zu vergessen. Dies ist besonders hilfreich für das Verständnis und die Praxis der rituellen Dramatherapie. Die große Mehrzahl von Büchern über Dramatherapie gibt es in Englisch (in UK und in den USA) mit einer kleinen Anzahl an Titeln in anderen europäischen, östlichen und asiatischen Sprachen. Deshalb ist es sehr begrüßenswert, dass dieses Buch in deutscher Sprache geschrieben wurde. Deutsche Dramatherapeuten sind auch aktiv in der neu geformten europäischen Vereinigung von Dramatherapeuten, was eine sehr willkommene Initiative ist. Dramatherapie ist eine lebendige Methode, die einen wesentlichen Einfluss auf die Teilnehmer hat. Wenn es in Gesellschaft und Erziehung mehr Theater gäbe, würde weniger Dramatherapie gebraucht werden. Theater kann als „vorbeugend” gesehen werden und Dramatherapie als „heilend”. Sie integriert alle Formen von Kunst durch Bewegung und Stimme, Spiel und Geschichten, Design und Malen, Rollen und Masken, Ritual und Texte. Sie ist mystisch, aber auch praktisch, ist transformativ und auch affirmativ. Dieses leicht verständliche Buch ermöglicht der Dramatherapie, ein größeres Publikum zu erreichen und erleichtert die größere Verbreitung eines sehr wichtigen Mittels, mehr Freude in eine geplagte Welt zu bringen. Dr. Sue Jennings Stratford-upon-Avon and Wells, UK Brasov, Romania 2014 Dramatherapist, storyteller Specialist in Neuro-Dramatic-Play Honorary Fellow, Leeds Metropolitan University


Kapitel 1: Körper – Bewegung – Raum

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Kapitel 1 Körper – Bewegung – Raum


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1.0.1

Dramatherapeutische Praxis – Eine Übungssammlung

Tanz mit Enge, Mitte und Weite

1. Stichwörter Kontaktschwierigkeiten; Selbsteinschätzung; Abgrenzung; Bipolare Störung; Depression; Essstörung; Tanz; Innen-/Außenwelt; Warming-up 2. Organisation und Setting Einzel- oder Gruppensetting Material: Musik, die Motive von Enge und Weite hat. 3. Absicht oder Ziel Wechsel zwischen Innen- und Außenwelt spüren. Freie Entscheidung treffen – wann ziehe ich mich zurück, wann öffne ich mich? Wie fühlen sich die verschiedenen Ebenen an: Innerlich, nah bei mir und Öffnung nach außen? 4. Beschreibung Im ersten Durchgang beginnen die TN von einem Ort im Raum aus, sich frei zur Musik zu bewegen. Dann auf Ansage innerlich eine Kugel spüren, die innerhalb ihres Körpers rollt, z. B. vom Herzen, in den Bauch, in ein Bein bis in den Fuß, in das andere Bein, über Bauch, Brust, Schulter in einen Arm usw. durch den ganzen Körper. Im zweiten Schritt sollen die TN sich fühlen, als ob sie in einer engen Röhre stecken und darin tanzen. Im dritten Schritt sind die Bewegungen so groß wie möglich und beziehen den ganzen Raum mit ein. Im zweiten Durchgang dürfen die TN frei entscheiden, wann sie in die eine oder andere Qualität wechseln und den Tanz entweder innerlich, in der Röhre oder groß im ganzen Raum gestalten. Anschließend kann ein Sharing stattfinden. 5. Varianten Erweiterung des Tanzes kann sein, mit den anderen TN dabei in Kontakt zu kommen und eine Art tänzerischen Dialog zwischen Rückzug, bei sich bleiben oder intensivem Kontakt zu bilden. 6. Dauer Mit Einführung ca. 15–20 Minuten. Dazu kommt die Zeit des Sharings je nach Gruppengröße. 7. Indikation und Kontraindikation Kontaktschwierigkeiten, mangelnde Selbsteinschätzung, Schwierigkeiten sich zu öffnen oder im Gegenteil bei „überstülpender Persönlichkeit“ bzw. fehlender Abgrenzung, Bipolare Störung, Depression, Essstörung. Nicht ideal, aber im Einzelfall möglich bzw. trotzdem richtig: Psychose, schizophrene Tendenzen.


Kapitel 1: Körper – Bewegung – Raum

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8. Fokus Die TN sollten klar zwischen den 3 Möglichkeiten entscheiden – keine Mischformen. Die Therapeutin sollte beobachten, welche Tendenzen sich im Einzelnen zeigen. Darauf kann sie im Sharing hinweisen und sie erhält Material/Erkenntnisse für die weitere Arbeit. 9. Auswertung Die Therapeutin sollte auf Tendenzen und Einseitigkeiten achten. Sie kann dazu diagnostische Einsichten erhalten – wozu neigt der TN, was geht, was geht nicht. Daraus können weitere Kontaktmöglichkeiten zu sich oder zu den Anderen als Ziel erstellt und passende weitere Settings geplant werden. 10. Bemerkungen Die Übung ist als Warming-up ideal zu weiteren Übungen oder Improvisationen, die den TN durch theatrale Wege veranschaulichen, wie der Kontakt zu ihnen selbst oder zu anderen ist. Mit den 3 Räumen kann dazu ein Einstieg in weitere Übungen geboten werden. 11. Tipp Als Musik eignet sich z. B. gut Armand Armar. 12. Quelle Tanztherapeutische Fortbildung mit eigenen Modifikationen. Beitrag von Annette Haage-Riedlinger


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1.0.2

Dramatherapeutische Praxis – Eine Übungssammlung

Tanz „My roots“

1. Stichwörter Warming-up; Ich-Raum-Phase; Kontakt; Achtsamkeit; Körper; Bewegung; Ressourcen 2. Organisation und Setting Einzel- oder Gruppensetting Material: Passende Musik, CD-Player/Anlage 3. Absicht oder Ziel Dieser Tanz stellt dar, wie der Mensch mit seinen Wurzeln verbunden ist und durch diese Kraft schöpfen kann, um in den Himmel hinein zu wachsen. Er kann sich immer wieder aufrichten dank seiner Wurzeln. Sie sind das, was ihn ausmacht und er kann sich immer wieder durch sie regenerieren. Auch der Baum hat ein weit verzweigtes Wurzelwerk, das man nicht sehen kann, da es unter der Erdoberfläche verborgen ist. Gerade dieses Wurzelgeflecht, das nicht gesehen wird, nährt den Baum und gibt ihm Kraft. Wenn wir einem Menschen begegnen, dann können wir ebenfalls nicht sofort unter die Oberfläche schauen. Der Tanz ist eine Einladung sich auf die Dinge zu besinnen, die Einem Kraft spenden und sich der Dinge bewusst zu werden, die Einen ausmachen. 4. Beschreibung Die TN stehen in einem Kreis, jeder nimmt sich selber in den Arm und wiegt sich hin und her. Bei „my roots“ gehen die TN in die Hocke und setzen die Hände vor sich auf die Erde. Bei den Worten „reaching high up to the sky“ stehen die TN auf, streichen mit ihren Händen an ihrem Körper entlang nach oben und strecken die Hände himmelwärts. Bei den Worten „I go my way“ gehen alle durch den Raum und können, wenn sie einem anderen Menschen begegnen, ihn sachte an der Hand berühren. Das darf sein, muss aber nicht geschehen. Dies wiederholt sich ein paar Mal. Wenn die Musik schneller wird, tanzen die TN jeder für sich durch den Raum. Bei den Textstellen „my roots“ können die TN wieder in die Hocke gehen und den Tanz von neuem beginnen. Zum Ende des Songs kommen die TN wieder zu einem Kreis zusammen und wiegen sich hin und her. 5. Varianten Für ungeübte Menschen und TN, die eventuell keinen Zugang zu ihrem Körperbewusstsein haben empfiehlt es sich, den freien Teil, bei dem man sich im Raum bewegen kann, einzuschränken, da dies als Überforderung erlebt werden kann. Hier reicht es, Bewegungen am Platz zu machen. 6. Dauer Der Tanz dauert inklusive Erklärungen ca. 10 Minuten. Anschließend können sich die TN über ihre Erfahrungen austauschen.


Kapitel 1: Körper – Bewegung – Raum

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7. Indikation und Kontraindikation Die Übung ist gut für das Warming-up geeignet. Durch die fröhlich-besinnliche Musik wird von Anfang an die Achtsamkeit der TN auf sich selbst und auf die eigenen Bedürfnisse gelenkt. Die Übung eignet sich gut als Einstieg in eine ressourcenorientierte Arbeit. 8. Fokus Die TN achten darauf, wie es ihnen jetzt gerade in diesem Moment geht. Sie lassen den Alltag hinter sich und kommen ganz im Setting an. Die Konzentration richtet sich auf das eigene Ich und seine aktuellen Bedürfnisse. Die TN sind achtsam mit sich selber und nehmen dann im Verlauf des Tanzes in dieser Achtsamkeit Kontakt mit ihrer Außenwelt auf. Die Therapeutin sollte im Vorfeld einschätzen, wie viel Freiheit im freien Teil des Tanzes für die TN sein darf. Wenn es einem TN zu viel wird, kann dieser durch die bereits eingeübten Bewegungen des Wurzelns und Sich-in-den-Himmel-Streckens, die auch am Platz ausgeführt werden können, wieder zu sich selbst geführt werden und neue Sicherheit gewinnen. 9. Auswertung Die Therapeutin kann beobachten, welche TN sich in welchem Teil wie verhalten. D. h. ob die jeweiligen Stärken eher bei freien oder gebundenen Bewegungsabläufen liegen. Daraus kann sie Aufschluss über Anknüpfungspunkte für die Ressourcenarbeit und die Abgrenzung der TN erhalten: Was ist vorhanden, was muss entwickelt, was sollte gestärkt werden? 10. Bemerkungen Es ist gut, wenn der Raum Platz für genügend Bewegungsfreiheit lässt. Der CD-Player/ die Anlage sollte nicht zu leise sein. 11. Tipp 12. Quelle Entwickelt von Peter Dudek, Facharzt für Neurologie und Psychotherapie, Yogalehrer. Beitrag von Nina Dudek


Dramatherapeutische Praxis