Discover Germany, Issue 95, July 2022

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Wedding Dreams

Foto: Tom & Jezz Fotografie

FREI. ABER NICHT BELIEBIG! Eine freie Trauung bietet Paaren die Möglichkeit, so zu heiraten, wie sie es wollen – ohne Regeln und überholte Konventionen. Dr. Johann-Jakob Wulf ist selbst seit vielen Jahren als Trauredner tätig. Er ist Gründer von Strauß & Fliege, eine der ersten und größten Agenturen für Hochzeitsredner:innen im deutschsprachigen Raum und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema freie Trauung. TEXT: STRAUSS & FLIEGE

Was ist eigentlich eine freie Trauung? „Das ist eine sehr gute und gleichzeitig schwierige Frage, denn eine allgemein gültige Definition für eine freie Trauung gibt es nicht. Wenn ein Paar in Deutschland rechtskräftig verheiratet sein will, dann muss es auf das Standesamt gehen. Da führt kein Weg dran vorbei. Viele Paare wünschen sich darüber hinaus aber eine ‚feierlichere‘ Zeremonie, um diese Verbindung zu feiern. Das kann z.B. daran liegen, dass nicht alle Gäste mit aufs Amt kommen können oder weil der Amtsbesuch zu ‚bürokratisch‘ wirkt. Dann wäre z.B. die 16 |

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kirchliche Trauung ein schöner Rahmen für Paare, die ihre Eheschließung außerdem im Rahmen ihrer Religion feiern möchten. Es gibt aber Paare, die wollen oder können nicht auf Institutionen wie z.B. die Kirche zurückgreifen. Vielleicht sind sie schlicht nicht religiös oder haben unterschiedliche Religionen. Vielleicht kommen sie aus der queeren Szene, waren bereits verheiratet oder sind es schon und wünschen sich eine Erneuerung. Vielleicht will das Paar an einem ungewöhnlichen Ort heiraten und da steht einfach keine Kirche weit und breit. (lacht) Für alle diese Brautpaare ist eine freie Trauung die Lösung. Sie ist nicht ge-

bunden an Ort und Zeit und generell frei von Vorgaben und Regeln. Ergänzend zum Standesamt bietet sie ein sehr persönliches Zeremoniell, das dem Ja-Wort nochmal eine ganz andere Feierlichkeit verleiht. Sie kann aber auch ohne Standesamt oder sogar währenddessen abgehalten werden. Unsere Trauredner:innen begleiten das Paar übrigens auch zum Standesamt, um dort eine persönliche Traurede zu halten“, sagt Johann.

Und wie bist Du denn auf die Idee gekommen, Trauredner zu werden? Johann erklärt: „Ich bin 2014 privat von Freunden gebeten worden, deren freie Trauung zu gestalten. Eine totale Überraschung, eine große Ehre, – und eine echte Herausforderung. Die Art und Weise, wie ich die Zeremonie letztlich gestaltet habe, ist so gut angekommen, dass ich danach viele neue Anfragen bekam. Das waren dann schnell so viele, dass ich