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IIRBLJ JI CHWEIZERISCHERAIZADEMISCHER SIZI-CLUB


DER SCHNEEHASE 32. Jahrbuch

Herausgegeben vom Schweizerischen Akademischen Ski-Club Schriftleitung : Dr. Raoul Imseng

Der Schweizerische Akademische Skiclub, gegründet 1924 und massge blich an der Einführung und Entwicklung der alpinen Skidisziplinen Abfahrt und Slalom beteiligt, besteht aus den 7 Sektionen Zürich, Bern, Geneve, Lausanne, Basel, Fribourg und Norwegen. Er vereinigt rund 1000 Mitglieder auf sich: 750 «Alte Herrem), 200 aktive Akademiker und 50 Gymnasiasten. Turnusgemäss übernahm 1983 die Sektion Bern mit Dr. Martin Hodler, Bern, als Nachfolger von Dr. Kamen Troller, Geneve, die Leitung des SAS. Die unter Dr. Hans Nater, Zürich, Ende der siebziger Jahre vorgenommene Strukturanpassung mit der Bildung ständiger Kommissionen, die nicht dem Dreijahresturnus unterworfen sind, erleichtert der sAs-Führung die Bewältigung anspruchsvoller Aufgaben, bei denen eine gewisse Kontinuität erforderlich ist. Dazu gehören z. B. die jährliche Organisation eines FIS-Rennens oder die Betreuung der alpinen und nordischen Studenten-Nationalmannschaften. Der Wechsel in einem Vorortssystem bringt ständig neue Impulse. So möchte der Berner Zentralvorstand insbesondere die Beziehungen zu anderen Verbänden vertiefen, publizistisch noch aktiver werden und die Unterstützung leistungsbezogener Wettkämpfe für echte Amateure aufrecht erhalten. Daneben soll der SAS ein Club sein, in dem verschiedenste Polaritäten nebeneinander bestehen können: welsch und deutsch, alt und jung, Tradition und Erneuerung, Kampfgeist und Freundschaft. 1983 konnte der SAS mit Denis Du Pasquier, SAS Lausanne, anlässlich der Universiade in Sofia den Akademischen Weltmeister in der Abfahrt stellen. Daneben belegten Hans Grüter und Peter Kozma, beide SAS Zürich, die Plätze 3 und 4 im Riesenslalom. Diese Erfolge sind das Ergebnis einer langjährigen und konsequenten Aufbauarbeit unter der Leitung von Dr. Hanspeter Denzier. Die Vorbereitungen der alpinen Mannschaft beginnen Mitte Juli und nehmen bis Weihnachten insgesamt 50 Trainingstage In ca. 10 Trainingscamps in Anspruch.


DER SCHNEEHASE JAHRBUCH DES SCHWEIZERISCHEN AKADEMISCHEN SKI-CLUBS


DER SCHNEEHASE JAHRBUCH DES SCHWEIZERISCHEN AKADEMISCHEN SKI-CLUBS SAS NR·32

19 81 - 19 8 3

SCHRIFTLEITUNG: RAOUL IMSENG

INHAL TSVERZEICHNI S Zur Einführung, Introduction, Schriftleitung SAS und Leistungssport, Martin Hodler, Zentralpräsident SAS Sport, Arbeitswelt, Kultur, Arnold Kaech, SAS «Sans Titre ... », Pierre Hirschy, SAS Die sAs-Aktivitäten im Wandel der Zeit, Ivan Wagner, SAS Portrait of a Pioneer Sir Arnold Lunn, 1888- 1974, Walter Amstutz, SAS Langlauf in Norwegen, Aksel Gresvig, SAS Die Schneemaus - «Höchstes» Säugetier der Alpen, Heini Hediger, Zürich Belastung und Beanspruchung des menschlichen Bewegungsapparates beim alpinen Skilauf, Benno M. Nigg, Calgary (Canada) Wenn man den Panorama- und Kartenzeichnern über die Schultern guckt, Eduard Imhof, Erlenbach Pirmin Zurbriggen und sein Almagell, Raoul Imseng, SAS Sport nach 50, Carl Schneiter, SAS Wege zum Ziel, Hanspeter DenzIer, SAS Universiade, Rencontre entre etudiants ou course aux medailles?, Pierre Andre Morand, SAS sAs'ler über 8000 Meter, ]ürg Marmet, SAS Beruf oder Sport - Beruf und Sport?, Peter Grunder, SAS Hans Beat Wieland, Einführung von Hans Rudolf Kurz, Bern Spuren, Augusto Gansser, SAS Mit zusammenleg baren Ski über alle Viertausender vom Monte Rosa zum Breithorn, Ulrich Campe 11, SAS Die Staubbachbalm, t Othmar Gurtner, SAS Langlauf und Tierleben, Horst Stern, München sAs-Canada-Expedition 1982, Charles von Wurstemberger, SAS Schlittenhunde und einsame Spuren, Victor StolI, Zürich Inferno, ] ames Riddell, SAS Erinnerungen an die] ungfraustafette, Walo Hörning, SAS Quod erat demonstrandum, ] örg Wyss, Thun Donatoren Schnee- und Silberhasen seit 1942 Präsidialberichte und Ehrungen Resultate

17 27 39 41

5I 63 74

85 90

106 I I 3 I I 8 120 123 126 129

138 147 160 162 166 169 177 179

185 187 188 189 203


© 1983 SCHWEiZERISCHER AKADEMISCHER SKI-CLUB Schriftleitung: Raoul Imseng, CH-8803 Rüschlikon Memor: Walter Amstutz, EM SAS Zürich. Bildredaktion (teilweise) und Zusammenfassungen: Schriftleitung. Übersetzungen: A lbert Fanchamps, EM SAS Lausanne, Phi lippe Gillieron, EM SAS Geneve, Olivier Brunisholz, SAS Fribourg, und Pierre Cervo. Zusammenstel lung der Resultate: Marc Russenberger, SAS Zürich. Herstellung: Bütler & Partner AG, Zürich. Graphische Gestaltung: Edy Schreyer, Zürich. Satz: LibroSatz, Kriftel. Photolithos: Repro von Känel AG, Zürich. Druck: C. J. Bucher AG, Luzern. Einband : Buchbinderei Burkhardt AG, Zürich. Dieses Jahrbuch ist beim Kommissionsverlag De Clivo Press, CH-8600 Dübendorf, Usterstrasse 126, erhältlich. Tel. 01 / 820.12.24 Preis: Fr. 40.-

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ZUR EINFÜHRUNG

« Wenn Altern hiess, dass Erfahrung die F/ügel der Phantasie beschnitt, bis sie ängstlich J/Jurde J/Jie die Vögel hinter Gittern: Dann war sie gealtert. ))

«Wenn Altern hiess, dem armen, kraftlosen Ich mehr zu vertrauen als Zufall, Schicksal und Glück: Dann war sie gealtert. Wenn Altern hiess, mit der unaufhaltsam verrinnenden Stunde zu knausern, als richtete sich die Sonne nach den langsamer dahinschleichenden Zeigern der Uhr: Dann war sie J gealtert.» So lässt Hans Habe in seinem Roman «Ilona» sie selbst, Ilona, sinnieren bei irgendeiner Wegstation in ihrem 30. Lebensjahr. 30 ist kein gutes Alter, schreibt er weiter: Man kann noch nicht von der Vergangenheit zehren und ist nicht mehr jung genug, um nur in der Zukunft zu leben. Der SAS ist nicht jung, bald 60. Er kennt eine Vergangenheit, doch zehrt er nicht von ihr. Er ist alt, doch nicht gealtert. Er kann es sich leisten, nur in der Zukunft zu leben. Er ist reif und trägt doch noch den Keim der nächsten Entfaltung in sich. Der SAS lehnt nicht in Erfahrung zurück, da er ständig die nächste sucht.

***** DIE WANDLUNG Seit dem Jubiläumsjahr I974 hat der SAS sich gewandelt. Weder Restauration noch Renaissance, weder Reconquista noch Revolution. Kein Weg zurück zur letzten Weggabelung, um die verheissungsvollere Spur zu wählen. Keine neue Gestalt oder körperliche Wandlung, keine Rückeroberung verlorenen Besitzes noch eine Umkehr der Ordnung. Der Club bleibt innerhalb eines bewährten föderativen Sektionssystems in eine zentrale Organisation eingebettet, die durch die Aufsplitterung in autonome Einheiten nicht leidet, sondern gerade wegen dieses Aufbaus stark und gesund ist. Aus dem alten «chef technique» ist eine Kommission geworden, die die Skimanöver des SAS mit starker Hand im Griff hat. Als ständige Kommission überlebt sie den Wechsel des Zentralvorstands. Darüber hinaus ist sie aus «Sportministern» verschiedener Sektionen zusammengesetzt und deren Mutation ist individuell geregelt. So kommt im wichtigsten Segment der sAs-Führungsaufgaben Stabilität und Ruhe auf. Das Gleiche gilt für die Publizitätskommission. Nur die Regierung, der Zentra/vorstand, wandert erratisch von Genf nach Bern, nach Lausanne, Basel, nun vielleicht sogar nach Fribourg, und dann nach Zürich. Dieses System von Kontinuität im technischen Bereich und Wechsel in der Admiralität wird wirksam durch eine weitere Neuerung unterstützt, die der ganzen Wandlung neue Impulse gibt: Jede Sektion ist mit der Durchführung bestimmter sAs-Rennen betraut, wodurch Zentralvorstand und Technische


Matinee inattendue

Photo E. Dragesco

Donatoren Comite Central du

SAS

'98'- '983, Geneve,

SAS

Stiftung und

SAS

Alpin-Stiftung


Kommission erneut entlastet sind. Diese genialen, weil einfachen Wandlungen haben den Club fast schock artig entwickelt: Es ist, wie wenn die alten Motoren durch Düsentriebwerke ersetzt worden wären. Der Erfolg wurde aber nur möglich, weil in dieser Organisation Skidirigenten zum Zuge kommen, sich nun auch richtig entfalten können, die mit ihren eigenen kleinen Stäben hervorragende Arbeit leisten: So als Beispiel Hans-Peter Denzier, nun schon 6 Jahre Trainer der alpinen StudentenNationalmannschaft. Truls Berg hat die Tore für neue Projekte geöffnet. Hans Nater hat gebaut und das Haus bestellt. Kamen Troller hat das Werk gefestigt, abgestützt und gesichert. Martin Hodler zieht jetzt ein mit einer erprobten Mannschaft. Aus dem früheren Zentralvorstand im schweren Trilchtuch ist eine elegante Dame geworden, gekleidet in Jersey von Coco Chanel. Die hoffnungslos überladene Fracht des ehemaligen Technischen Leiters ist auf eine ganze Trägerkolonne umgeladen, die jetzt nicht nur mit leichtem Gepäck marschiert: Sie ist ob der selbst in Szene gesetzten Treibjagd in Atem gehalten. Zuviel vielleicht, wie Ivan Wagner in seinem Beitrag beleuchtet. Es brodelt überall. Dampf entsteigt den Küchen . Doch das Feuer flackert nicht nur unter den Töpfen des Jungen. Auch die Alten entlocken ihren Süppchen neue Gerüche. Phifippe Gif/ieron wird 1984 seine 15 . AH-Woche durchführen. Hans Grim,,! ist im Juli als endlos begeisterungsfähiger Abenteurer und Bergpionier aus den Höhen des Ararat, 16. alpine Expedition des SAS, zurückgekehrt. Der Pentathlon in Grindelwald als polysportiver Anlass ist mit seiner Ambiance, dem Wechselspiel von Glück und Pech, seinem «intelligenten» Rechnungsbüro, seinen kleinen Festivitäten und illustren Ehrengästen aus dem sAs-Zirkus überhaupt nicht mehr wegzudenken. Nicht zuletzt sind aber auch die Stiftungen beleibter geworden. Auch wagt es der Schneehase, in neue Reviere vorzustossen. Wandlung, E ntspannung, Anpassung, ohne Stichsäge und Axt. Das chirurgische Besteck lag bereit, doch benützt wurde es nicht; kein Anästhesist im Einsatz. Eine leichte Kur bloss zur vegetativen Umstimmung des Organismus. Die Ohrmarke bleibt die gleiche.

DIE INDIVIDUALISTEN Der SAS ist ein Topf voll Individualisten. Ein jeder kann sich entfalten. Der eine mit charismatischem Eifer, autoritär, der andere den Konsens suchend, diplomatisch. Der eine verwaltend, knapp führend, vom Druck aus allen Richtungen nach vorne gestossen. Der andere politisch-egozentrisch, den eigenen Vorteil über den der Gesellschaft stellend, um sich und seine Karriere in Schwung zu bringen. Jener idealistisch-ideologisch, mit den Jungen reaktionär, reformierend und ständig in Versuchung, die Wachsmischung zu ändern. Unter den Alten Herren gibt es kuriale Bewahrer von Traditionen, hier und dort auch ein im Eis erstarrter Torwart, der den Ausgang des Rennens nicht registriert. Der Vorabend eines Rennens ist faustisch und komödiantisch zugleich. Grotesk, wie sie verbissen ihren Kanten den letzten Schliff geben, um sich an die Hundertstel zu klammern, die die in den Toren verlorenen Sekunden mindern . Rennen, die nach aus sen ebenso unbedeutend sind wie nach innen ein Kampf um olympische Ehren. Ein Kabarett erlahmender Artisten, in deren Seelen der einstmals aufgenommene Kampfgeist nicht zu verglühen scheint. Ihre Reflexe und ihr robuster Instinkt verdrängt die Vernunft, die, selbst nach Luft ringend, den Verstand benebelt. Nicht selten lässt sich der nächste Sieger aus dem Aufwand um den Sieg, in Zeit und Material gemessen, programmieren. Doch billigen wir zu, dass hier und dort die Explosionskraft durch Verpflichtungen in Familie, Beruf und Militär gedrosselt ist. So jagen sie sich von Winter zu Winter, vertauschen unter sich ihre Rollen nach einem stillen Ritus . Sie sind nicht immer fröhlich, manchmal sklavisch. Pfauen auch, die ihre Federn ausbreiten und beachtet werden wollen, die fauchen, wenn sie im Glanz der andern untergehen. Pokale werden nicht selten gestiftet, um die selbst konstruierte Formel des richtigen Massstabs sportlicher Leistung mit einem Preis zu stützen, den selbst zu erringen erst zum durchschlagenden Beweis der These wird. 8


LES «COUSINES» «Cousinen» tauchen auf, stehen unvermittelt in einer Arena voll summender Bienen. Als Eingeladene sind sie jedoch selbst im Prüfstand. Der SAS wird für sie zur Teststation. Die «Cousine» hat sich in einem ebenso kalkulierten wie mystischen Selektionsprozess zu stellen. So muss sich zeigen, wie sie sich in einer Gruppe zurechtfindet, in der alles zur Mitte strebt, aber ständige Fliehkräfte jederzeit das Gleichgewicht zu zerstören drohen. Wird sie sich als Partnerin in dieser lebhaften Gesellschaft bewähren? Wird sie die Spannungen mit Charme absorbieren, obwohl sie kein Verständnis für Männerfreundschaften haben kann? Sie wird zum sAs-Skiturnier erwartet, sofern sie nicht selbst zum Team gehört. Ihre Gesichter tauchen auf, die durch ihre Brüste geprägt sind. Die Einen zelebrieren sie wie eine Monstranz, festlich und feierlich, die Andern tragen sie platt wie eine abgeholzte Kuppe oder führen sie mit als Bergwerk mit lauerndem Ausstoss giftiger Gase. Immer aber bringen ihre Busen die entscheidenden Konturen in ihr Gesicht. Die Einen sind hochgeschossen wie alpiner Lattich, dessen Sommerwachstum Schlüsse auf den Schneefall des kommenden Winters zulässt. Die Andern kurzbeinig wie ein Schneemann mit Nase und Besen. Meistens an die Absperrung der Rennpiste gestellt, ist sie wie ein Linien-Schiedsrichter eines Fussballspiels an eine sture Gerade gebunden, obwohl es sie ans Steuerrad drängt. Sie spielt das Instrument, für das der Komponist in seiner Partitur die Noten ausgespart hat und fällt durch, wenn Melodie und Harmonie nicht stimmen. Ihre Konversation wird mit ihren Gesten, ihr Fahrstil mit ihrer Robustheit, ihre Intelligenz mit ihrem Charme, ihre Lust mit ihrer List und ihr Tanz mit ihrer Erotik gemessen. Sie selbst aber fordert das Experiment heraus. Da ihre Knospen aufgegangen sind, fängt sie zu werben an . Will sie von den Bienen beachtet werden, muss sie ihre Blüten öffnen. Orte ga y Gasset sagt: Der Mann wirkt durch sein Tun, die Frau durch ihr Sein. In diesem Sein - so nicht mehr Ortega - gibt es ohne Zweifel bedeutende Komponenten von einer natürlichen Unlust zur Arbeit: mediterraner Lebensstil. Es geht darum, den SAS in dieses weibliche Sein miteinzuschliessen. Sie darf ihm später nicht vorhalten, was er dem SAS statt ihr gibt, so wie sie in ihrem ungeduldigen Drang nach raschem Erfolg alles doppelt und mehrfach abrechnet, was ihr aus seinem Tun nicht täglich, ja stündlich zufliesst. Da ihr alles absurd ist, was sie zur Witwe seiner Karriere macht, könnte ihr auch schon die freudig übernommene Bürde für eine Gesellschaft, die aus ihrer Sicht keine Dividenden zahlt, suspekt sein. Seine Niederlage darf nicht ihr Sieg, sein Sieg nicht ihr Untergang sein. Die sAs-Stunden, die Tage und Wochen darf sie nicht zum statistischen Wert entwickeln und den SASAufwand nicht betriebswirtschaftlieh erfassen. Es muss vermieden werden, dass sie saldiert, auf neue Rechnung vorträgt, kommentiert und publiziert. Das Urteil über die «Cousine» fällt in der Regel rasch, erbarmungslos, messerscharf. Talent oder keines.

Bühnen bild-Studie Copyright C. j. Bucher AG

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DIE LEITBILDER Talent allein ist nichts. Wer Talent hat, kann die Bewunderung des Tages erreichen, doch verbleichen die Farben. Der SAS will die Förderung des Talents, nicht das Wissen um den Kristall in der Kluft. Gesucht ist der Jungmann mit sAs-Mass, auch jener, der das Unmass misst, um das Mass zu finden. Der SAS scheidet nach nicht definierten Formeln aus. Er sucht sich den sAs'ler, der das Spiel mit hartem Sport verbindet und versucht, ein herausforderndes Ziel in lockerem Stil zu erreichen. Unstet und doch sesshaft hängt er wählerisch und kritisch seine Netze auf, um sich in ihnen als Kosmopolit und lebhafter Geist zu betten. Die sAs-Mitte liegt zwischen kleinbürgerlichem Fleiss und elitärem Anspruch, zwischen Leistung und Protz, Ehrgeiz und Lust. Die Abwehrkräfte sind ebenso zu entwickeln wie die Instrumente des Erfolgs, den der SAS im Sport und Beruf nicht weniger als in Familie und Gesellschaft erwartet. Erwartungshaltung liegt in der Luft. Das Niveau des Anspruchs wird in spiritistischer Art gefunden und unhörbar missioniert. Die Herausforderung des SAS ist spürbar. So lenkt der SAS in den eigenen «coral», was seinem Leitbild eines Jungmanns entspricht, und versucht der Aufgenommene, die kommenden Proben zu bestehen. Evolution durch Selektion und Mutation auch hier. Wer sich diesen Forderungen als Mitglied nicht stellt, wird zum Kriegsdenkmal. Dem Held der banchetta in Ses triere bleibt zwar die Anerkennung und Achtung, auch wenn der spätere Weg mühselig und düster wird. Doch geht seiner historischen Figur das zivile Nachstück ab. Es lebt nur noch der erstarrte Schatten eines alten Freunds, dessen kristalline Struktur sich im Schritt durch das Leben gewandelt haben muss. Sein Clubbeitrag ist die einzige Kommunikation. Dem jungen Sektions-Kassier kommt sein Check wie eine Flaschenpost vor.

KOLORA TUR DES SAS Obwohl Kupferstiche edler wirken, wenn ihnen keine Farbe zugefügt wird, ist der SAS koloriert. Edel zu sein, ist nicht sein Wunsch. Dies nähert ihn aber auch nicht dem Gegenteil. «Edel» wäre eine falsche Ordinate. Koloriert indessen trifft zu, elitär jedoch nicht. Und in der Koloratur sind alle Schattierungen vorhanden. Doch fällt auf, dass viele Mitglieder in einzelnen Segmenten - Sport, Wissenschaft, Wirtschaft, Prestige - zu Eliten gehören, so dass nicht wenig Glanz auf den SAS selbst zurückfällt. Es hängen Orden an ihm, ohne dass man weiss, woher und wofür sie überreicht worden sind. Da die Dichte dieser Dekoration ins Auge sticht, lässt sich die Selektionsprozeo4r - aus der

Donator Christoph Spoerry,

SAS

Der Gehörnte im Fichtenwald Photo A . A ngertJJayer

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Zürich


Die Gruppe

Photo E. Dragesco

Donator Jean-Pierre Hertig, SAS Geneve

Rückschau - bewerten, woraus sich die Anhaltspunkte für die weitere Marschrichtung ergeben. Der SAS belagert seine Kandidaten. Er prüft wie andere Gesellschaften, die einen stillen numerus clausus kennen, die chemischen Reaktionen, die aus der Begegnung der Elemente entstehen. Der SAS ist im alpinen Skirennsport verwurzelt, den er «erfunden», gegen starke Widerstände promoviert und reglementiert hat. Ski ist das Hauptthema, die Messlatte des Könnens, die Spannfeder des Clubs, der Zutritt zu den Rängen. Doch erringt der Skiartist nur dann einen sAs-Platz, wenn seine Lebensphilosophie stimmt. Seine Leistung ist immer der Nenner, sein sAs-Humanismus aber der Quotient. Doch Sturheit fehlt nicht immer. Der SAS ist stolz darauf, sich 1984 zum 52. Mal mit einem Club zu messen, den es nicht gibt: Dem Buse. Der British University Skicfub besteht aus Teilnehmern eines Angfo-Swiss, denen nur die Gesichter ihrer Mannschaftskameraden in Erinnerung bleiben. Da ihre Namen von Cof. Readhead gesammelt werden, bleibt den Briten der Stellenwert verschollener, aber registrierter Kriegsveteranen. Die Läufer, die für die Bestreitung dieses historischen Treffens ad hoc zusammengestellt werden, flattern wie Zugvögel zurück über den Kanal, um sich im Weltgetümmel des United Kingdom zu verlieren. Schrullig weil britisch, sympathisch weil schrullig. Der Pokal ist eine getreue Abbildung jenes Bechers, aus dem sich Admiral Nelson in der Schlacht von Trafalgar stärkte. Das Erlebnis der traditionellen Toasts «to the Queem> und «to the President of the Swiss Confederation», gefolgt vom «you may smoke», ist eine Station, die zu erleben zur Karriere jedes jungen sAs'lers gehört. Erwartungsvoll das Ganze, obwohl jeder weiss, was ihn erwartet. Im fröhlichen Gegensatz dazu steht das ltafo -Suisse als nicht minder traditionelles, aber arythmisch inszeniertes, farbiges Treffen zwischen helvetischen Alemannen und Romanen und italienischen Ladinern, Piemontesen, Lombarden und Römern. Die Erinnerung an diese Wettkämpfe in Ses triere, St. Moritz, Terminillo, Cortina d' Ampezzo oder wo immer im Norden und Süden der Alpen oder der Apenninen ist tief verankert. Der SC 18 ist für viele zum tragenden Element der Freundschaft über die Grenze geworden. Der SAS lebt! Er hat das Privileg, an seinem 60. Geburtstag gesund und kräftig zu sein. Rüschlikon, im August 1983

Raoul Imseng I I


INTRODUCTION

«5 i vieilfir signifie que f' experience coupe les ailes Ci I' imagination jusqu' Ci fa rendre craintive comme les oiseaux en cage: afors elle a bien vieille. »

«Si vieillir signifie faire confiance a sa pauvre et faible personne bien plus qu'au hasard, a la bonne fortune et a la chance: alors elle a bien vieilli. Si vieillir signifie etre avare des minutes qui passent comme si le soleil s'adaptait a la lente progression des aiguilles de la montre: alors elle a bien vieilli.» C'est ainsi que dans le roman «Ilona» de Hans Habe, Ilona elle-meme se propose un moment de reflexion lorsqu'elle a trente ans. Ce n'est pas un bon age, trente ans, continue-t-il, c'est encore trop tot pour profiter des experiences de son passe, et en meme temps on n'est plus assez jeune pour ne vivre que pour l'avenir. Le SAS n'est plus tout jeune puisqu'il aura bientot 60 ans. Il a un certain passe, c'est vrai, mais il ne se repose pas sur ses lauriers. Il est deja vieux sans toutefois avoir vieilli . Il peut se permettre de ne vivre que pour l'avenir. Tout en hant mur il porte deja en lui la semence d'un prochain developpement. Le SAS ne s'endort pas sur son passe puisqu'il ne cesse jamais de chercher de nouvelles experiences.

LA TRANSFORMATION Depuis l'annee jubilaire de 1974, le SAS a subi des transformations. Pas de restauration, pas de renaissance, pas de «reconquista», pas de revolution non plus. Pas de retour jusqu'a la derniere bifurcation pour choisir le chemin le plus prometteur. Pas de nouvelle forme ou de transformation physique et pas non plus de reconquete de biens perdus et de retour au bon ordre. Le club a garde son organisation centrale avec le systeme federaliste des sections qui a fait ses preuves. Cette division en unites autonomes ne diminue en rien la souverainete de cette organisation centrale, au contraire: c'est par ces elements independants qu'elle devient forte et saine. Le «chef technique» d'autrefois est devenu une commission qui d'une maniere ferme dirige les manceuvres de ski du SAS. En tant que commission permanente, elle ne subit pas les changements du Comite central. En outre, elle est composee de «ministres sportifs» des differentes sections et la mutation de ces «ministres» est reglee individuellement par chaque section. Par cette formule, une bonne stabilite et le calme sont assures dans le domaine le plus important, celui de la gestion du SAS . La commission publicitaire fonctionne de la meme maniere. Seul le gouvernement, c'est a dire le ComiN central continue sa voie erratique de Geneve aBerne, a Lausanne, a Bale, peut-etre a Fribourg et ensuite aZurich. Ce systeme de continuite dans le domaine de l'amiraute est efficacement soutenu par une autre innovation, donnant de nouvelles impulsions: l'organisation de 12


certaines courses SAS est confiee a chaque section, ce qui constitue une decharge supplementaire pour le Comite central et la commission technique. C'est grace a ces transformations geniales, si simples, que le club a subi une evolution de choc: comme si le vieux moteur d'un «coucou» avait ete remplace par des moteurs areaction. Ce succes a ete possible uniquement parce que des chefs d'orchestre fort capables ont maintenant la voie libre pour s'exprimer pleinement et font avec leurs baguettes un excellent travai!. Ci tons le modele exemplaire en la person ne de Hans-Peter DenzIer qui depuis 6 ans deja entraine l'equipe suisse universitaire. Truls Berg a ouvert des portes a de nouveaux projets. Hans Nater a construit la maison. Kamen Troller a solidifie et consolide l'ouvrage. Et c'est Martin Hodler avec une equipe experimentee qui va y habiter. L'ancien Comite, vetu de coutil, s'est transforme en dame elegante dans un costume en jersey leger de Coco Chane!. La lourde charge qui pesait desesperement sur les epaules de l'ancien chef technique a ete repartie sur toute une caravane de porteurs. Ainsi allegee, elle marche non seulement d'un pas alerte, mais elle est tenue en haleine par l'impulsion qu'elle s'est donnee elle-meme. Peut-etre trop, comme l'illustre Ivan Wagner dans son rapport. Cela bouillonne partout. La vapeur monte dans les cuisines. Mais le feu ne fait pas bouillir uniquement la soupe des jeunes: les vieux aussi font sortir de nouveaux aromes de leur petit potage. Philippe Gillieron organisera po ur la I jeme fois la semaine AH. Le pionnier montagnard Hans Grimm est revenu, aventurier eternel, des hauteurs de I' Ararat, 16eme expedition alpine du SAS. Impossible d'imaginer le cirque du SAS sans le pentathlon a Grindelwald, evenement polysportif, avec son ambiance extraordinaire, ses petits coups de chance ou de malchance, son bureau de calculs «intelligent», ses petites festivites et ses illustres invites d'honneur. Mais surtout, c'est la Fondation du SAS qui a pris un certain poids. Et le Schneehase penetre dans de nouveaux terrains de chasse. Transformation, detente, adaptation, sans hache ni scie. Tous les instruments chirurgicaux etaient prets, mais ils furent inutiles, tout aussi bien que l'anesthesiste. Juste une petite cure pour une readaptation vegetative de l'organisme. La marque a l'oreille reste la meme.

LES INDIVIDUALISTES Le SAS, c'est un melange d'individualistes qui permet a chacun de s'epanouir: le ze!ateur fanatique, charismatique et autoritaire tout comme celui qui cherche le consensus d'une manie re diplomatique, celui qui administre sans exercer de fortes pressions, pousse de tous cotes vers l'avant, celui au caractere politico-egocentrique, mettant son propre avantage au-dessus de celui de la socihe po ur en tirer profit en vue de sa carriere. L'un est le realiste ideologique, reactionnaire par rapport aux jeunes, toujours tente d'essayer un nouveau fartage. Parmi les Alte Herren, il y ades conservateurs a la maniere de la Curie, ci et la des controleurs de portes engourdis par le gel et qui n'aper<;:oivent plus la fin de la course. La veille d'une course tient a la fois de Faust et de la comedie. N'est-ce pas grotesque de les voir s'acharner a limer leurs carres pour s'agripper au moins aces centiemes de secondes qui attenuent l'effet des secondes entieres perdues a chaque porte? Meme si ces courses n'ont apparemment pas d'importance, elles ont dans le fond une signification presque olympique pour ces vieux combattants. C'est une piece de cabaret jouee par des artistes uses mais dont l'ame et l'esprit combattif semblent etre intacts. Leurs reflexes et leur instinct robuste refoulent la raison qui - a bout de souffle elle-me me - embrume le bon sens. Souvent on pourrait programmer le prochain vainqueur en fonction des efforts qu'il a consentis en temps et en materie!. Mais admettons que parfois la force explosive puisse etre un peu diminuee par des obligations familiales, professionnelles ou militaires. C'est ainsi qu'ils s'acharnent a vaincre encore, hiver apres hiver, s'echangeant leurs roles d'apres un rite secret. Ils ne sont pas toujours gais, et prennent parfois une allure d'esclave. Ils sont comme des paons qui font la roue pour mieux se faire voir et qui sont mecontents lorsqu'ils se trouvent noyes dans la foule en ne pouvant ainsi faire valoir leur propre eclat. La channe du vainqueur est souvent le pretexte choisi par le donateur pour que subsiste le reglement de course etabli par lui-meme.


LES COUSINES Subitement les cousines sont la, e!les font apparition dans I'arene ou bourdonnent les abeilles. En tant qu'invitees, e!les sont pourtant elles-memes mises a I'epreuve: le SAS devient pour e!les un test. La cousine doit se soumettre a ce processus de selection calcule et mystique en meme temps. Elle doit fournir la preuve qu'elle sait s'identifier et s'adapter a ce groupe dans lequel tout se dirige vers le centre mais OU, atout moment, des forces centrifuges menacent de derruire l'equilibre. Va-t-elle s'affirmer comme partenaire dans cette societe vibrante? Sera-t-elle capable d'absorber avec charme les tensions meme si elle ne peut pas comprendre les amities viriles? Elle est attendue au concours du SAS si elle ne fait pas deja partie de I'equipe. Ă&#x2013; cousines, qui surgissez et dont les seins soulignent votre visage! 11 yen a qui les portent hauts et solenne!s, d'autres qui les ont tout plats comme des collines que l'on adeboisees ou comme des mines de montagne d'ou s'evadent parfois des gaz toxiques. Mais c'est toujours la poitrine qui donne l'expression caracteristique au visage. Il y en a qui sont grandes et longues comme la laitue alpine, dont la croissance estivale laisse supposer les chutes de neige de l'hiver qui vient. Les autres ont de petites jambes, comme un bonhomme de neige avec son balai et sa carotte. Le plus souvent, elle est condamnee a se placer en bordure de la piste, comme un juge de ligne, meme si elle prefererait prendre le volant. Elle joue un instrument pour leque!le compositeur n'a pas ecrit de notes dans sa partition. Elle echouera si sa melodie ne s'adapte pas a l'idee du compositeur. Sa conversation sera jugee a ses gestes, son style a ski a sa robustesse, son intelligence a son charme, son envie a sa ruse et sa danse a son erotisme. Mais c'est elle le maitre du jeu. Elle a commence a etre interessee par ce jeu et maintenant qu'elle s'epanouit comme une fleur, elle doit ouvrir ses perales si elle veut etre vue et reconnue par les abeilles. Ortega y Gasset a dit: L'homme agit par son activite, la femme par son etre. Dans cet etre - et ce n'est plus Ortega qui le dit - il Y sans doute un cate nature! paresseux: le style de vie mediterraneen. Il s'agit d'inclure le SAS dans cet etre dit du sexe faible. Elle n'a pas le droit de lui faire des reproches plus tard de ce qu'il donne au SAS au lieu de le lui donner a elle, comme elle le ferait impulsivement et impatiemment en multipliant par deux ou trois ce qui ne profite pas a elle chaque jour, chaque heure meme, de son activite a lui. Tout lui est etrange ce qui la rend veuve de sa carriere a lui, la rache, joyeusement acceptee, pour une societe qui a son point de vue ne paye pas de dividendes, lui apparait suspecte, naturellement. Mais sa defaite a lui ne doit pas etre une victoire pour elle, tout comme la victoire a lui ne doit pas etre une defaite pour elle. Elle ne doit pas compter les heures passees avec le SAS comme valeur statistique et enregistrer les depenses comme dans une entreprise. Elle ne doit pas parvenir au point de calculer le solde, reporter a nouveau sur la page suivante ni commenter et publier comme dans un excercice comptable. En regle generale, le jugement sur la cousine tombe comme un couperet. Il est fait rapidement, sans pitie, perspicace. Elle a, oui ou non, du talent.

LES IDEES DIRECTRICES Le talent tout seul ne vaut rien. Ce!ui qui en a peut etre admire un jour, mais les couleurs se fanent vite. Ce que le SAS veut c'est la promotion du talent et non pas savoir qu'a l'ombre de la crevasse se cache un cristal. On cherche un jeune homme qui corresponde aux exigences du SAS, meme celui qui mesure l'incommensurable. Le SAS selectionne d'apres des normes non-definies. 11 cherche ce!ui qui aime a la fois le jeu et le sport de competition, celui qui cherche dans un style decontracte a atteindre un but eleve. Il se montre exigeant avant de le prendre dans ses filets parce qu'i! est cosmopolite et qu'il a l'esprit vif. S'il y a un juste milieu dans le SAS, il se situe entre la diligence du petit-bourgeois et l'exigence elitaire, entre perâ&#x201A;Ź.ormance et bluff, entre ambition et envie. Les forces de defense doivent etre deve!oppees autant que les instruments de la reussite que le SAS attend du sport et de la profession, comme de la famille et de la societe. 11 y a de l'attente dans l'air. Le niveau d'exigence est trouve de maniere spiritiste 14


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SAS - Tradition :

Wendling-Cup

Photo L. Decoppet

Donatoren Walter H , Vock, EM, und Hans Henzi,

SAS

Zü rich


et transmis sans qu'on l'entende. Le defi est quelque chose de tres present. C'est ainsi que le SAS amene dans son propre «coral» ce qui correspond ä son idee directrice d'un jeune homme, et le nouveau venu cherche ä reussir les epreuves ä venir. Evolution par la sdection et par la mutation ici aussi . Celui qui ne se soumet pas ä ces exigences comme membre devient monument de guerre. Il restera au heros de la banchetta de Sestriere l'appreciation et le respect, meme si le chemin devient par la suite penible et sombre. Mais il manquera ä son person nage «historique» la suite vecue. Il n 'y a plus que l'ombre figee d'un vieux copain, dont la structure cristalline doit s'etre transformee au long de la vie. Sa cotisation au club reste sa seule communication. Au jeune caissier de la section, son cheque ressemble ä une bouteille ä la mer.

LES COLORIS DU SAS Il est vrai que les estampes non-colorees ont un aspect plus prestigieux. Mais le SAS, lui, est colore. Son desir n'est pas de paraitre noble, ce qui ne le rapproche pourtant pas du contraire. Noble, ce serait une mauvaise definition. Colore oui, mais pas de maniere elitaire. Et en ce qui concerne les coloris, toutes les nuances sont possibles. Il faut pourtant souligner que bien des membres font partie de l'dite ä l'interieur de leurs domaines respectifs, que ce soit le sport, la science, l'economie ou un autre domaine de haut prestige, ce qui occasionne des retombees de gloire souvent considerables po ur le SAS. On le trouve decore de medailles sans trop en connaitre la provenance ou la raison. La densite de ces decorations etant assez evidente, elle permet d'evaluer retrospectivement le procede de sdection qui conditionne la suite de la marche. Le SAS assiege ses candidats. Comme d'autres societes qui connaissent un numerus clausus discret, le SAS examine les reactions chimiques provoquees par la confrontation des elements. Le SAS est enracine dans le ski alpin de competiton qu'il a en quelque sorte invente et promu - malgre des forces opposees - et reglemente. Le ski, c'est le theme principal, la barre ä franchir, le ressort du club, l'acces aux rangs. Mais l'artiste skieur ne peut conquerir une place au SAS que si sa philosophie est la bonne. Sa performance sera toujours le denominateur commun, mais c'est son humanisme SAS qui en sera le quotient. Un brin d'entetement peut parfois s'y ajouter. Le SAS est fier de se mesurer en 1984 po ur la 5zeme fois ä un club qui en realite n'existe pas: le BUSC. Le British Universiry Skiclub est forme par des participants ä l' Anglo-Swiss auxquels il ne restera dans la memoire que les visages de leurs camarades d'equipe. Leurs noms sont enregistres par le Colonel Readhead et par ce fait, le tout ressemble un peu ä une troupe de veterans de guerre: disparus mais enregistres. Les competiteurs sont reunis ad hoc pour cette manifestation et s'envolent comme des oiseaux migrateurs, la tache accomplie, vers le nord pour se perdre de l'autre cate de la Manche dans la cohue internationale du Royaume Uni. Farfelus puisque British, sympathiques puisque farfelus. Le trophee du vainqueur est une copie exacte de la coupe que l' Amiral Nelson utilisait po ur se desalterer pendant la bataille de Trafalgar. Les toasts traditionnels «to the Queen» et «to the President of the Swiss Confederatioll», suivis du «you may smoke» sont des evenements importants dans la carriere de chaque jeune membre du SAS. Meme s'il sait ce qui l'attend, il est impatient de vivre une fois cet Anglo-Swiss. Un joli contraste ä cette manifestation c'est l'Italo-Suisse, rencontre non moins traditionnelle, mais arythmique, par sa mise en scene, Oll s'affrontent helvetes alemaniques, romands et latins, piemontais, lombards et romains. Le souvenir de ces courses äSestriere, St. Moritz, Terminillo, Cortina d' Ampezzo ou ailleurs au nord comme au sud des Alpes ou des Apenins, reste profondement ancre dans la memoire de chacun. Le SC [8 est devenu pour beaucoup de participants l'element portant l'amitie au-delä de la fron tiere. Le SAS est bien vivant! Et il jouit du privilege de feter son 60eme anniversaire en bonne sante et en pleine pos session de ses forces. Raoul Imseng

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SAS UND LEISTUNGSSPOR T WESHALB SICH DER SAS AUCH IN ZUKUNFT FÜR DEN LEISTUNGSSPORT EINSETZEN SOLL TE Martin Hodler, SAS Bern

EINLEITUNG Die Wahl des Themas - SAS und Leistungssport - mit dem Untertitel: « Weshalb sich der SAS auch in Zukunft für den Leistungssport einsetzen sollte» für meinen Beitrag im Schneehasen 1983 hat folgende drei Gründe: Erstens befassen wir uns zur Zeit in Bern - bedingt durch die Übernahme des sAs-Zentralvorstandes für die Jahre 1983- 1986 - eingehend mit den längerfristigen Zielsetzungen unseres Clubs. In derartigen grundsätzlichen Überlegungen muss man sich zweifellos auch mit der Problematik des Leistungssportes in der heutigen Zeit befassen. Zweitens haben sich in den letzten Jahren in Kreisen des Schweizerischen Studentensports immer stärker Stimmen bemerkbar gemacht, die den Leistungssport, so wie ihn der SAS seit seiner Gründung propagiert und organisiert, in Frage stellen. Eine klare Stellungnahme des SAS zu diesem Problemkreis ist deshalb notwendig und kann dazu beitragen, die Diskussionen zu vereinfachen. Drittens hatte ich schon lange das Bedürfnis, mich mit der Tatsache, dass der leistungsbezogene Sport in meinem Leben einen so hohen Stellenwert hat, eingehender zu befassen und meine Überzeugung festzuhalten . Der von mir gewählte U ntertitel macht in aller Deutlichkeit klar, dass ich der Meinung bin, der SAS müsse auch in Zukunft an der Förderung des Leistungsprinzipes und damit an der Organisation leistungss portlicher Anlässe festhalten. Die folgenden Ausführungen sollen dazu dienen, meine Stellungnahme zu begründen und die Rolle zu beschreiben, die der SAS im Rahmen dieses Problemkreises spielen kann und spielen sollte. Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich gleich zu Beginn meiner Ausführungen die Begriffe Spitzensport, Leistungssport und Breiten- oder Volkssport so umschreiben, wie ich sie verstehe und wie ich sie im Folgenden verwenden werde. Unter Spitzensport verstehe ich diejenige sportliche Aktivität, die zum Ziel hat, nationale und sogar internationale Spitzenleistungen zu erbringen. Der Massstab zur Beurteilung dieser Leistungen sind die nationalen und internationalen Klassemente oder bei vergleichbaren und messbaren Leistungen die Messwerte selbst. Unter Leistungssport verstehe ich diejenige sportliche Aktivität, die für den Sporttreibenden zum Ziel hat, ein Maximum aus seinen Talenten und seinen Möglichkeiten herauszuholen, oder anders ausgedrückt, sich an seine eigene Leistungsgrenze heranzutasten und damit etwas für sich persönlich Überdurchschnittliches zu erreichen. Unter Breiten- oder Volkssport verstehe ich diejenigen sportlichen Aktivitäten, die in erster Linie der Freizeitgestaltung dienen, entspannen und die Erhaltung von Gesundheit und körperlicher Fitness zum Ziel haben, ohne jedoch individuelle Leistungsgrenzen zu berühren. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die Bedeutung des Leistungssportes, und damit wie ich später erläutern werde - des Leistungsprinzipes schlechthin, im Gesamtrahmen jeglichen menschlichen Handeins darzustellen.


Ein ige gegen all e, alle gegen viele, viele gegen sich

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Photo Dรถlj Preisig


Donateurs Alvaro de Orleans- Bourbon,

SAS

Z端rich, und Kidder Peabod y (Suisse) AG, Thierry Reverdin,

SAS

Geneve


Die Abb. r verdeutlicht in schematischer Weise, dass meiner Meinung nach zur Erreichung ethisch, sozial und wirtschaftlich sinnvoller Zielsetzungen im Leben, grundsätzlich drei entscheidende Faktoren berücksichtigt werden müssen .

ETHISCH, SOZIAL UND WIRTSCHAFTLICH SINNVOLLE ZIELSETZUNGEN IM LEBEN Streben nach Menschlichkeit und kreativer Bewältigung zukünftiger Probleme

Kriterien zur Beurteilung der Zielsetzungen

KULTUR Philosophie Religion Mora l usw .

Treibende Kraft zur Zielerreichung

LEISTUNGSVERMÖGEN Maximale Ausschöpfung vo rhandener Talente

----

Familie, Gesellschaft, Kirche

Abb.

I:

Sport

Bereitstellung der zur Zielerreichung notwendigen Werkzeuge

BILDUNG Schaffung der notwendigen Kommunikationsmöglichkeiten (gemeinsame Sprache) ~---------.r-------~

Staatliche und private Bildungsinstitutionen (Schule, Universität)

Allgemein formuliertes Ziel menschlichen Hande In s und für die Z ielerreichung massgebende Faktoren

Da ist einmal das, was ich in meinem Schema (v gl. Abb. r) zusammenfassend, und bestimmt auch vereinfachend, als Kultur bezeichne. Es sind dies all diejenigen wichtigen Überlieferungen, Erkenntnisse, Überlegungen und auch die nicht rational fassbaren Intuitionen, die das Beurteilen der von uns aufgestellten Zielsetzungen überhaupt erst möglich machen. Ähnlich wichtig ist der gesamte Problemkreis, den ich mit Bildung umschreibe. All das, was unter diesen Begriff fällt, könnte man vereinfachend als die zur Zielerreichung benötigten Werkzeuge oder die für eine konstruktive und zielgerichtete Zusammenarbeit innerhalb einer Gesellschaft notwendige Sprache bezeichnen. Weder die sinnvollen Zielsetzungen noch die Werkzeuge allein genügen jedoch, um zum Ziel 20


zu gelangen. Ohne vollen Einsatz und ohne Mobilisierung aller unserer Kräfte und Möglichkeiten können wir niemals wirklich erfolgreich sein. Zusammenfassend kann man sagen, dass uns unsere Kultur die Kriterien zur Beurteilung unserer Zielsetzungen, die Bildung die zur individuellen oder gemeinsamen Zielerreichung notwendigen Werkzeuge und das Leistungsvermögen die wertneutrale treibende Kraft zum optimalen Einsatz der Werkzeuge und damit zur Zielerreichung liefern. Alle drei Themenkreise sind für eine sinnvolle Gestaltung unseres heutigen und zukünftigen Zusammenlebens von grosser Bedeutung und müssen, speziell im Rahmen der Erziehung der Jugend, in gleichem Masse ernst genommen werden.

DIE WICHTIGKEIT DES LEISTUNGSVERMÖGENS UND DAMIT AUCH DES LEISTUNGSSPORTS Es soll nun ausschliesslich über das wertneutrale, von der Qualität der Zielsetzungen und der Güte der zur Zielerreichung notwendigen Werkzeuge unabhängigen treibenden Kraft, dem Leistungsvermögen, die Rede sein. Meine Überzeugung, dass zur sinnvollen Gestaltung unserer Zukunft das Leistungsvermögen eine wesentliche Rolle spielt, basiert auf der wohl kaum ernsthaft bestrittenen Annahme, dass der Mensch in seiner biologisch und kulturellen Sonderstellung in der Lage ist, die Bewältigung der Zukunft aktiv in seine Hände Zu nehmen. Diese Bewältigung der Zukunft mit all den verschiedenartigen Problemen ist nur durch eine freiwillige, auf Eigeninitiative beruhende, also nicht befohlene oder verordnete Ausrichtung aller unserer Kräfte möglich. So wenig man Reinhold Messner zur Alleinbesteigung des höchsten Berges der Welt ohne Sauerstoffgerät hätte zwingen können, so wenig könnte man allein durch Dressur, Drill oder durch befohlenes Üben in irgendeinem Bereich, sei es in der Kunst oder in der Wissenschaft, herausragende Leistungen erzwingen. Ohne echte Herausforderung, ohne selbstgesetztes oder zumindest selbstangenommenes Gefordertsein gibt es keine echte Leistung und damit, das sei nebenbei auch noch erwähnt, auch keine tiefe menschliche Erfüllung und keine eigenständige Persönlichkeitsentwicklung. Die wichtigste Voraussetzung für die Erbringung überdurchschnittlicher Leistungen bildet demzufolge das Handeln aus eigener Initiative. Dies, und damit auch das sich daraus ableitende kreative Leisten, muss deshalb als eine wichtige, persönlichkeitsbildende Aktivität von grosser sozialer Bedeutung angesehen werden, die leicht zugänglich gemacht und in allen Phasen des Lebens gefördert werden sollte. Speziell der Jugend muss dabei die Möglichkeit geboten werden, in spielerischer Form möglichst viele und vielartige Leistungsaktivitäten, das heisst Spielarten kreativen Handelns kennenzulernen und üben zu können. Dies gilt auch für den Bereich der Schule, sei es im Schulsport oder auf anderen Gebieten. Leider ist jedoch dieser Gedanke innerhalb unserer heutigen Bildungsstätten viel zu wenig verankert. Unsere Schulen sind oft zu stark auf Gleichmacherei und auf das sogenannte Vollziehen nach dem «Schema F» ausgerichtet. Der Lehrer sollte vermehrt zum kreativen Handeln anregen und die erbrachte Leistung aus eigener Initiative in viel grösserem Masse anerkennen. Diese offensichtliche Lücke in der Erziehung unserer Jugend, auf die ich später noch eingehend zu sprechen kommen werde, kann der Sport füllen, und zwar der Leistungssport, wenn er richtig verstanden und betrieben wird. In unserer Welt voll von Institutionen ist der Sport so etwas wie eine Oase, wo wirkliches Handeln aus eigener Initiative noch möglich ist und zum sichtbaren oder fühlbaren Erfolg führen kann. Die sportliche Leistung kann, wie es der deutsche Ruderprofessor Karl Adam einmal gesagt hat, als ein wichtiges Symbol und Beispiel eines aktiven, engagierten Lebens angesehen werden. Wenn man zudem der Behauptung zustimmen kann, dass die Struktur der Leistung auf allen Gebieten gleich sei, lässt sich das Leistungsverhalten des Menschen im Sport als Modell für sein Leistungsverhalten überhaupt verwenden. Der Sport stellt demzufolge ein erzieherisch sehr wichtiges und wegen seiner spielerischen Ausübung für die Jugend leicht zugängliches Hilfsmittel dar, um die treibende Kraft im 21


Universiade 198j, Sophia 1. Rang, Abfahrt: Denis Du Pasquier, SAS Lausanne, Weltmeister (rechts) 3. Rang, Riesenslal om: Han s Grüter, SAS Zürich (5. 24 oben) 4. Rang, Riesens lal o m: Peter Kozma, SAS Z ürich (5. 24 unten)

Donator Ian Loopuyt,

SAS

Zürich

Leben zu wecken und zu entwickeln. Die sportliche Leistung, wie auch jede andere Leistung, hat überdies die besondere Bedeutung, eindeutig das Handeln eines einzelnen Menschen Zu sein, was dem Individuum in unserer nahezu total verwalteten Welt die Möglichkeit gibt, seine eigene Persönlichkeit zu entdecken und zu entwickeln. Ein weiterer Faktor, der die Bedeutung jeglicher kreativer Leistung, und damit auch der sportlichen, untermauert, ist die Tatsache, dass echte Leistungen niemals erschlichen und auch nicht erzwungen oder vorgetäuscht werden können. Man kann sie zudem weder delegieren noch abschreiben. Die echte Leistung ist einfach zu verstehen, sie wird sichtbar inszeniert und bedarf kaum langatmiger, kulturspezifischer Deutungen, um zu faszinieren. Sie kennt keine sprachlichen, sozialen oder rassistischen Barrieren. Gleichwohl wird leider der Begriff <Leistung> in unserer Gesellschaft oft missverstanden. Karl Adam spricht mir aus dem Herzen, wenn er die in unserer Zeit immer deutlicher werdenden Tendenzen zur Entwicklung einer passiven Konsumenten- und Rentner-Mentalität und einer reinen Anspruchs- und Genussgesellschaft mit folgenden Worten kritisiert: «Man hat manchmal unsere Gesellschaft als Leistungsgesellschaft bezeichnet. Sie ist das sicherlich nicht. Sie ist eine Erfolgsgesellschaft. Das höchste gesellschaftliche Prestige in dieser Gesellschaft hat nicht derjenige, der vielleicht - wie der Leistungssportler - überdurchschnittliche Leistungen erbringt, sondern derjenige, der mit möglichst wenig Arbeitsaufwand einen möglichst hohen Konsum bei geringer oder ausfallender Leistung erreicht.» Der Gefahr, dass ein derartiges Menschenbild für unsere Jugend richtungsweisend wird, sollte vehement entgegengewirkt werden. Kulturelle Höchstleistungen und auch solche in der Industrie, an den Hochschulen, im ethischen und im sozialen Bereich lassen sich mit einer Mentalität, bei der mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel herausgeholt werden soll, nicht erreichen. Wir müssen versuchen Zu verhindern, dass in unserer Gesellschaft eine grosse Zahl derartiger «NutzniesserJ) einer geringen 22


Anzahl von leistungsbeJvussten Menschen, die ihre Selbstachtung im Erbringen überdurchschnittlicher Leistungen suchen, gegenübersteht.

Alle diese zum Teil etwas komplexen und nicht leicht beschreib baren Argumente bilden die Basis meiner am Anfang dieses Artikels bereits deutlich ausgesprochen~n Bejahung des Leistungsprinzipes und damit auch des Leistungssportes. Letzterer kann zweifellos als eines der möglichen Hilfsmittel zur Erziehung unserer Jugend zu aktiven, selbstbewussten und handlungsfähigen Menschen mit dem notwendigen Leistungsvermögen angesehen werden. In dieser Überzeugung bezüglich des Sinnes und des Wertes des Leistungssports liegt wohl auch der tiefere Grund für den hohen Stellenwert, den der leistungsbezogene Sport in meinem Leben hat. Im nun folgenden zweiten Teil meiner Ausführungen möchte ich versuchen, die Rolle, die der SAS im Rahmen derartiger Überlegungen spielen kann und spielen sollte, kurz zu skizzieren.

DIE ROLLE DES SAS IM RAHMEN DER ERZIEHUNG JUNGER MENSCHEN ZU LEISTUNGSBEWUSSTEN MITGLIEDERN UNSERER GESELLSCHAFT Ich habe im vorangehenden Abschnitt versucht, die Wichtigkeit des Erbringens von Leistung durch Handeln aus eigener Initiative darzustellen und zu begründen. Wie jede andere Fähigkeit muss auch die Fähigkeit, etwas Überdurchschnittliches zu leisten, während des Erziehungsprozesses unserer Jugend «gezündet», trainiert und weiterentwickelt werden. Wie ich bereits kurz erwähnt habe, kann die Schule in ihrer heutigen Form diese enorm wichtige Funktion in den allermeisten Fällen nicht in befriedigender Weise übernehmen. In unseren Schulen fehlt allzu oft die Uneigennützigkeit, mit der den Schülern durch ein begeisterndes, aufmunterndes Verhalten der Lehrer Leistungsbegeisterung und Leistungsjreude eingeimpft werden können . Vielleicht leidet die Fähigkeit, andere durch das eigene Vorbild zu begeistern, bei vielen


Hans Gr端ter,

SAS

Z端rich

Peter Kozma,

SAS

Z端rich

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heutigen Erziehern darunter, dass sie sich allzu schnell dagegen wehren, etwas (<Umsonst» zu tun. Sie werden dabei von unserer heutigen Gesellschaft in diesem Handeln noch unterstützt. Von unserer nur ökonomisch denkenden Anspruchsgesellschaft werden nichtvergütete Leistungen unterbewertet, ja oft sogar diskriminiert. Dieses mehr und mehr aufkommende «Jobdenken» in der Schule wirkt sich in der Erziehung unserer Jugend negativ aus und muss wohl als Ursache für das oft feststellbare Ausbleiben der erwähnten Zündung zum Erbringen überdurchschnittlicher Leistungen in unseren Bildungsinstitutionen angesehen werden. Weder behördliche Erlasse noch spezielle Verfügungen können hier helfen, da sich - wie bereits mehrmals erwähnt - Begeisterungsfähigkeit, eigenmotiviertes Handeln und ausserordentliche Leistungen nicht erZlvingen lassen. In dieser Situation kann der Sport, mit seinem nach wie vor geltenden Prinzip der mehrheitlich ehrenamtlich erbrachten Dienstleistungen unserer Gesellschaft etwas sehr Wertvolles bieten. Wenn schon nicht in der Schule, so soll unsere Jugend doch zumindest im Sport zu überdurchschnittlichen Leistungen aus eigener Initiative angestachelt und begeistert werden. Genau in diesem Zusammenhang kann der SAS meiner Meinung nach sein sinnvollstes und dankbarstes Betätigungsfeld finden . Der SAS ist von seiner Struktur und Tradition her prcidestiniert mitzuhelfen, die sich mehr und mehr abzeichnende, folgenschwere Lücke in der Erziehung unserer Jugend (mangelnde Animation zum freiwilligen Erbringen überdurchschnittlicher Leistungen) mindestens teilweise auszufüllen. Dies setzt allerdings voraus, dass die massgebenden Leute in unserem Club selbst von der Wichtigkeit des Leistungsprinzips überzeugt sind und sich nicht davor scheuen, diese Einstellung auch nach aussen zu vertreten. Wenn die clubinternen Voraussetzungen vorhanden sind, kann der SAS mehr bieten als irgendein anderer Sportclub oder Sportverband, da er einerseits «per definitionem» sehr eng mit wichtigen Bildungsstätten unseres Landes (Hochschulen, Universitäten und Gymnasien) verbunden ist, und andererseits in seinen Reihen über eine überdurchschnittlich gros se Zahl von einflussreichen Persönlichkeiten verfügt. Der SAS kann demzufolge, nicht zuletzt auch dank seiner grossen Tradition, einen Teil der jungen Akademikergeneration zum Erbringen überdurchschnittlicher Leistungen animieren, auch wenn es in erster Linie nur sportliche sind, und diejenigen, bei denen der Funke gezündet hat, in ihrer Weiterentwicklung unterstützen. Dank seines intellektuellen Potentials kann er aber auch auf anderen Ebenen dazu beitragen, dass sich unsere Gesellschaft nicht noch mehr von einer Leistungsgesellschaft zu einer Erfolgs- oder Genussgesellschaft entwickelt. Die Übernahme dieser Aufgabe stellt ein äusserst ambitiöses Ziel dar. Der SAS wird niemals allein die Verantwortung für die Aufrechterhaltung des wichtigen Gedankens der Leistungsbereitschaft übernehmen können, aber er stellt bestimmt einen wichtigen Stein im gesamten Mosaik dar. Die grundlegende Voraussetzungfür die Erreichung dieses sehr hoch gesteckten Zieles bildet die Aufrechterhaltung unserer Filhigkeit,junge Leute für die Erbringung ausserordentlicher Leistungen Zu begeistern. Diese Haltung hat den SAS während seiner ganzen Geschichte seit I924 ausgezeichnet und darf jetzt und auch in Zukunft nicht verschwinden. Der SAS soll weiterhin sportliche Anlässe organisieren, die von den Teilnehmern oder von denjenigen, die versuchen, sich für eine Teilnahme zu qualifizieren, überdurchschnittliche, bis an die individuellen Grenzen gehende Leistungen verlangen. Mittels dieses Aufrechterhaltens und wenn möglich sogar Weiterentwickelns des Leistungsprinzips am Beispiel Sport kann der SAS das bleiben, was er in der Vergangenheit war, und die erzieherische Rolle spielen, die ich im Rahmen dieser kurzen Abhandlung zu beschreiben versucht habe. Die von mir in diesem Artikel gemachten Überlegungen bilden die Grundlage für die Zielsetzungen des Berner Zentralvorstandes für die Jahre I983- 1986. Nebst der administrativen Führung des Clubs, der Pflege der Beziehungen zu Dritten (SSV, FIS, SASV, FISU, Regionalverbände des ssv usw.) und der Betreuung aller Kategorien von sAs-Mitgliedern werden wir uns mit grösstmöglichem Einsatz um die Aufrechterhaltung des Leistungsprinzips bemühen, sowohl durch die Organisation leistungsbezogener Wettkämpfe als auch durch den Versuch, uns auf der geistigen Ebene mit dieser Problematik auseinanderzusetzen. Ob uns dies gelingen wird, werden die nächsten drei Jahre zeigen. 25


RESUME Ce sont des reflexions systematiques sur les buts que le Comite Central s'est fixes, a long terme, qui ont pousse Martin Hodler, President Central du SAS, a se pencher sur le theme «Le SAS et je sport de performance». Il s'agit de repondre a la question de savoir quelle importance attribuer au sport de performance dans le club. Le sport de performance implique, selon Martin Hodler, que l'adepte d'un sport, apres s'etre fixe un objectif, doit fournir le maximum de ses talents et possibilites. Autrement dit, il doit pouvoir dherminer ses limites afin d'atteindre un niveau superieur a la moyenne. Martin definit celui-ci en comparant les notions de sport d'elite et de sport de masse ou populaire. Par sport d'elite, l'auteur entend que l'adepte d ' un sport s'etant fixe un but doit effectuer des perfo rmances de pointe tant au niveau national qu'international. Ces performances seront appreciees aussi bien en regard des classements obtenus que de leur analyse directe, dans la mesure Oll leur valeur est comparable et mesurable. Par sport de masse ou populaire, ]'auteur entend que celui qui pratique un sport le fait principalement po ur se dhendre et que son but est de se maintenir en bonne sante et en pleine forme physique, sans toutefois rechercher une quelconque performance sportive. Le schema (no. I) montre quels elements realisent les fondements d'un but personnel. Martin Hodler voit une influence preponderante de ce but sur la formation de la personnalite. Ainsi, l'individu peut atteindre ses propres limites en utilisant pleinement son potentiel de capacites. Or aujourd'hui, il sied de remarquer que les ecoles publiques ont tendance a negliger le developpement de prestations individuelles. La recherche des limites des performances des ecoliers est bien placee au premier plan mais ces performances sont basees uniquement sur les possibilites du groupe et non sur les possibilites des individus. Cette lacune doit etre comblee car il convient de donner conscience aux jeunes de leurs possibilites d'atteindre des performances personnelIes encourageantes dans tous les domaines. C'est la raison pour laquelle le SAS doit encourager le sport de performance. Ainsi, la societe de performance devra devenir le modele, a l'encontre d'une societe de profit ou de consommation. Pour arriver a cet ideal de sport de performance, la performance comme teile ne sera certes pas suffisante, il conviendra egalement de faire appel a la spontaneite dans les affaires tout en evitant un quelconque interet commercial personne!. Les liens tres etroits que le SAS entretient avec les plus importants centres de formation du pays ainsi que le fait qu'il regroupe parmi ses membres un potentiel tres vaste de personnalites influentes constituent des points d'appui ideaux po ur agir dans ce sens. D'ailleurs , c'est cet esprit que le SAS a defendu tout au long de son histoire, soit depuis 1924. Et cet esprit ne devra jamais disparaitre, ni aujourd' hui ni demain.

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INTERESSANTE LITERATUR ZUM THEMA LEISTUNGS SPOR T 1) Grenzen der Leistung? Ethi sche, psychologische und soziologische Fragen an den Leistungssport. D ok umentation des Symposiums vo m 29. und 30. September 19 80 in München, veranstaltet vom Nationalen Olympischen Komitee für

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Deutschland, dem Bundesin stitut für Sportwissenschaft und der Max-Planck-Gesellschaft Karl Adam: Leistungssport als D enkm odell, München 1978 Karl Adam: Leistungssport - Sinn und Uns inn, München 197 j K. M. Bolte: Leistung und Leistungsprinzip , Opladen 1979 A. Geh len et al.: Sinn und Unsinn des Leistungsprinzips, München 1974 G. Hartfiel (H g.): Das Leistungsprinzip, Opladen 1977


SPORT,ARBEITSWELT,KULTUR Arnold Kaech,

SAS

Bern

Mich reizt der Lorbeer, Ruhe beglückt mich nicht, Gefahren zeugen Miinnerkräfte, Leiden erheben die Brust des Jünglings. Hölderlin

SPORT, BRUDER DER ARBEIT? Im Frühjahr 1954 hat Jose Ortegay Gasset seinen Festvortrag vor dem Deutschen Sport bund mit einer ungewöhnlichen Behauptung eröffnet: «Sport ist», so sagte er, «kein Spass, sondern, im Gegenteil, eine Anstrengung. Deswegen ist er der Bruder der Arbeit.» Diese Ouvertüre reizt zu Widerspruch. Schon weil sie impliziert, dass Anstrengung kein «Spass» sein könne. Alle, welche den gout de I' effort als eine Haupttriebfeder des Phänomens Sport wie auch der individuellen sportlichen Leistung ansehen, werden auf den Plan gerufen. Lauri Pihkala, Künder finnischer Sisu, spricht sicher für viele, wenn er meint: «Spezifischer Aspekt des Sportes ist die Freude an der Anstrengung. Sie kennzeichnet die sportliche Leistung und grenzt sie von den Mühen und Beschwerden der täglichen Arbeit ab.» Es besteht Grund zur Annahme, dass der brillante Ortega y Gasset seine Zuhörer gleich zu Beginn aus konventionellen Gedankengängen aufschrecken wollte. Wie ein Fechter, der seine Garde öffnet, ein Boxer, der die Deckung herunternimmt, um den Gegner zu unbedachter Attacke zu reizen, mag er in den zwei Einleitungssätzen herausfordernd eine Angriffsfläche geboten haben. Herbert Peckmann schreibt denn auch in einem Aufsatz zu seinem 100. Geburtstag (9. Mai 1983): «Es kam ihm darauf an, dass seine Zuhörer einen kleinen Unterschied zwischen den beiden Anstrengungsarten, Sport und Arbeit, entdeckten.» Und wirklich, Ortega hilft ihnen dabei selbst auf den Weg mit den Worten: «Die speziellen <sportlichem Tätigkeiten sind ... der direkteste, unmittelbarste Ausdruck des ersten grundlegenden Sinnes des Lebens, sind nicht zufällige Liebhabereien. Sie heben sich ab von dem Hintergrund der anderen notwendigen Anstrengungen, die als erzwungene über uns fallen.» Peckmann interpretiert diese Hinweise so: «Ein sportlich eingestellter Mensch würde demnach nicht Sport treiben, oder tätig werden, um etwas zu erreichen, denn das wäre ja zielgerichtet und Arbeit, also kein Sport. Nein, ein sportlich eingestellter Mensch handle vielmehr, weil er aus der innern Kraft schöpfend - sozusagen aus Übermut aktiv würde.» Er meint, dass Sport wohl der Bruder der Arbeit sei. Nur «der Sport wäre der für das Leben bedeutendere Bruder». HOMO LUDENS Es mag dahingestellt bleiben, ob der ohnehin facettenreiche und schwer fassbare Ortega y Gasset mit dieser Feststellung «überinterpretiert» ist. Ihre Bedeutung liegt in der Hinführung zu einem andern Denker, zu Johan Huizinga (1872- 1945). An dessen Homo Ludens kommt keiner vorbei, der sich über Zusammenhänge von Sport und Kultur Gedanken macht. Wer solches unternehmen will, wird gut tun, zu beachten, wie Huizinga in der Einleitung die Risiken


seines eigenen Vorhabens glaubt andeuten zu müssen: «C'est le sort reserve a quiconque veut traiter des problemes de culture, que de s'aventurer sur des terrains va ries qu'il ne possede pas a fond». * Wenn schon der illustere Holländer für sich selbst gewisse Gefahren nicht ausschliesst, wieviel mehr müssen sie sich vor dem eher in sportlichen als in kulturellen Dingen unterrichteten Verfasser dieses Aufsatzes auftürmen. Er wäre wohl davor zurückgeschreckt, hätte ihm Huizinga nicht selbst den Weg gewiesen: «Devant l'alternative: ecrire maintenant ou jamais, sur un sujet qui me tenait a cceur, j'ai opte pour la premiere solution», schreibt er. Das gleiche will ich - «toute proportion gardee» - wagen.

***** Huizinga hat bekanntlich dem homo faber, dem Menschen als Schmied der Welt, und dem homo sapiens - von Linne so benannt und mit Attributen wie: klug, weise, vernünftig, ausgestattet - den homo ludens, den spielenden Menschen, gegenüber gestellt. Er meint, dass «Spiel» den Menschen in einzigartiger und fundamentaler Weise auszeichne. Spiel sei der Generator kultureller Vorgänge, deren Vielfalt zu belegen Huizinga nicht müde wird. In ihren ursprünglichen Phasen sei die Kultur «gespielt». Sie werde zwar nicht aus dem Spiel geboren, aber sie entwickle sich im Spiel und als Spiel. Dieses Spiel sei zweckfreie Tätigkeit ausserhalb der täglichen Pflichten. Sie werde als fiktiv empfunden, könne aber nichts desto weniger den Spieler voll in Anspruch nehmen: Er spielt sein Spiel ernsthaft. Er handelt ohne materielles Interesse, ohne Nützlichkeitsgedanken. Spiele laufen in nach Raum und Zeit vorgegebenem Rahmen und nach vereinbarten oder akzeptierten Regeln, in einer Stimmungslage von Freude, von Enthusiasmus, Hingerissensein, ab. In weiteren Kapiteln deckt Huizinga den überraschenden Anteil des spielerischen Elementes bei der Entstehung und Ausgestaltung aller bedeutenden Teile des Gemeinschaftslebens auf: Kult, Dichtung, Musik und Tanz, Wissenschaft, Recht, Kampf und Krieg.

***** Wer seine Neugier auf Zusammenhänge zwischen Kultur und Sport richtet, wird das Werk Huizingas mit grössten Erwartungen zur Hand nehmen. Er wird zunächst nicht enttäuscht: In den archaischen Zivilisationen sind diese Zusammenhänge, wenn wir vorerst nun einmal - was natürlich nicht statthaft wäre - , Sport mit Spiel gleichsetzten, offensichtlich. Leuchtendes Beispiel ist der hellenische Kulturkreis mit seinen mannigfachen «Spielen», von denen die in Olympia gefeierten die weitaus bedeutendsten gewesen sind. Sie gingen auf kultische Ursprünge zurück, und waren während Jahrhunderten Mittelpunkt des hellenischen Lebens. Nicht nur die besten Athleten, auch Staatsmänner, Philosophen, Dichter, Sänger, Künstler, Gaukler, kurz, wer immer in Hellas etwas galt oder gelten wollte, fand sich ein. «Die Spiele», schrieb Sir Arnold Lunn, «schenkten uns die Oden Pindars und einen Teil der griechischen Kultur. In Olympia war es, wo der junge Tukydides den Herodot seine Geschichte der Perser kriege vorlesen hörte und sich so daran begeisterte, dass er beschloss, auch unter die Geschichtsschreiber zu gehen.» Wir finden hier - in wohl schönster Weise - den Sport in die Kultur eingebettet. Huizinga geht sodann dem Anteil des Spielerischen in späteren Zeitepochen nach. Er stellt in der Kultur Roms, verglichen mit jener der Hellenen, eine geringere und «gröbere» Bedeutung des spielerischen Elementes fest. «Le mot ludus en depit de tout ce qu'il evoque de joyeux et de libre, a toujours servi a designer l'ensemble des championnats romains, avec leur caractere sanglant, superstitieux et esdavagiste.» Zudem wurden, wie Christian Meier in seiner Caesar Biographie hervorhebt, in

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Zitiert wird aus einer französischen Übersetzung des «Homo Ludens». Es besteht kein Grund zur Annahme, dass in einer andern Sprache der Originaltext getreuer wiedergegeben wäre.


Rom die Körperübungen zwar «meist sportlich betrieben, hatten aber gleichwohl eine direkte Beziehung zu dem, was man im Krieg gebrauchen konnte ... Von griechischer Athletik hielt man nicht viel . . . nur als Zuschauer liess man sie sich gefallen.» Sport diente als (wichtiger) Teil der Erziehung junger Adliger, vor allem bei der Formung des Virtus, des Manneswertes römischer Vorstellung. Dazu war für Rom der Schrei panem et circenses bezeichnend. Die römische Gemeinschaft konnte ohne Spiele nicht leben. Spiele waren - wie die Speisung - ein Anspruch, den die Bürger stellten. Seine Befriedigung war ein wichtiges Mittel der (popularen) Politik. Das Christentum war sportlichen Spielen nicht wohlgesinnt. Nachdem «der Leib schon seit Platon immer eine schlechte Presse hatte» (Ortega y Gasset), wurde er von der Kirche an den Rand der Kultur verbannt. Er war gut zur Arbeit, aber für wenig sonst. Dominant war die Forderung, Fron als das Schicksal des Menschen zu akzeptieren. «Im Schweisse Deines Angesichtes sollst Du Dein Brot essen» (I. Moses, 3, I9)' Die klassischen olympischen Spiele ragten trotzdem noch während Generationen, wie ein eratischer Block, in diese christliche Welt hinein. Im Jahr 393 setzte Kaiser Theodosius dem heidnischen Treiben in Olympia ein Ende. Die Spiele Jvaren seit 776 v. ehr., also während 1169 (!) Jahren, ausgetragen worden. Eine neue Zeit liess sie fallen wie einen zerschlissenen Mantel.

***** Je weiter der Leser Huizinga bei seinem Gang durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart folgt, desto weniger findet er seine Erwartung «naturgegebener» Zusammenhänge zwischen Sport und Kultur bestätigt. Dem letzten Jahrhundert wird im «Homo Ludens» ein Rückgang des spielerischen Elementes attestiert. Schliesslich findet man das harte Urteil, der moderne Sport sei der reinen Sphäre des Spielerischen immer mehr entfremdet und zu einem Element sui generis geworden. «Ni les Olympiades, ni l'organisation sportive des universites americaines, ni les competitions internationales an noncees a grand fracas, n'ont pu relever le sport au niveau d'une activite creatrice de style et de culture. En depit de son importance aux yeux des participants et des spectateurs, il demeure une fonction sterile, Oll le vieux facteur ludique s'est presqu'entierement ereint.»

Donator Tor Lingjaerde, Geneve

SAS

Marmorgruppe zweier Ringer (nach einem hellenistischen Werk des späten 3. Jahrhundetts v. ehr. ), Florenz, Uffizien Copyright AntikenlllliSell17l Basel


Teilstück ein er Siegerstatue, Bronce, vermutlich Kopf des Satyros, Olympiasieger im Faustkampf 335 vor Christus, Skulptur des Silanon, Nationalmu seum von Athen Copyright K. Schefold

RUHM UND EHRE Sowenig wie nun aber Kultur einfach mit Spiel gleichgesetzt werden darf, ist dieses alleiniges Kennzeichen des Sportes. Huizinga übersieht es nicht. «Depuis la vie enfantine jusqu'aux activites supremes de la culture», so schreibt er «le desir d'etre loue ou honore pour sa superiorite, agit comme l'un des ressorts les plus puissants du perfectionnement individuel et collectif.» Bei den Körperübungen ist der Wunsch, sich auszuzeichnen, besonders dominant, ist doch das Resultat - der Gewinn des Rennens, der Sieg über den Gegner - unmittelbar und objektiv feststellbar. Pihkala weist darauf hin, dass im finnischen Synonym für «Sport», dem Wort Urheifu, auch die Vorstellung von «Muterprobung» mitschwingt. Das gleiche lies se sich vom schwedischen !drott (norwegisch !drett) sagen. Das Wort ist in der Umgangssprache durchaus kurant und hat die angelsächsische Bezeichnung kaum aufkommen lassen. Im Idrott eingeschlossen ist ein Element, das man mit «kühneln» bezeichnen könnte. Ein enger Zusammenhang besteht auch mit der Ehre. Sie ist das höchste Gut der dem Ideal der Ritterlichkeit Verpflichteten, sei es in der arabischen Welt, in Japan oder im christlichen Mittelalter. Dem Begriff ritterlich, chevaleresque (heute zu sporting abgewertet), entsprach das griechische aidos. Aidos meinte mehr noch als chivalry. Das Wort bezeichnet «das ehrfürchtige Gefühl» für das, was man den Göttern schuldig ist, den Mitmenschen und sich selbst. Aidos ist es, was einen Mann zum «aufrechten Kämpfer» macht, eine Eigenschaft, die Pindar am Boxer Diagoras rühmt» (Lunn) . So verbindet sich im Sport der Drang «immer besser zu sein, die andern zu übertreffen» (Homer: !lias, vr.), sie zu überragen an Leistung, wie auch an Kühnheit, an «Haltung», dem spielerischen Tun, ja er beherrscht dieses. La rage de vaincre kann dabei zur Dominante werden. Den Wettkämpfer treibt sie zu einer Steigerung der Hingabe bis über seine Grenzen hinaus . Für die Zuschauer ergibt sich ein Gewinn an Dramatik. Die Griechen hatten dafür einen besonderen Sinn, räumten sie doch ganz allgemein dem Agon, dem Wettstreit, ein weites Feld ein . Huizinga berichtet von Bewerben um den Preis männlicher Schönheit, von Wettgesängen und Wettstreiten im Rätsellösen, im Essen, Trinken und Wachbleiben. Alexander soll den Tod von Kalanos mit einem gymnastischen und musikalischen Agon, verbunden mit einem Preis für die besten Trinker, gefeiert haben. Die Folge: 35 Tote auf der «Kampfstätte». Sechs weitere Teilnehmer, darunter der Sieger, starben nach abgeschlossenem Wettstreit. Solch (übermässiges!) Resultat zeigt griechische Hingabe an das agonale Prinzip. Man kann wohl sagen, dass es durch die Zeitläufe den olympischen Spielen Bestand und Erfolg gesichert hat. Seine Überbetonung dürfte aber auch der tiefere Grund ihres Niederganges und Ansatzpunkt von Huizingas Kritik gewesen sein.


ORA ET LABORA Es mag verlockend sein, Huizingas Ansicht über die Bedeutung des Spiels im Lichte des christlichen Gebotes ora et labora zu betrachten. Arbeit, so wissen wir, ist die ewige Strafe für den Verstoss gegen die paradiesischen Gesetze; das geduldige Auf-sieh-nehmen dieser Strafe daher eine Gott geschuldete Pflicht. «Though the acceptance of the working day has marked the beginning of all civilisation, it was left to Western society to declare work a virtue», schreibt Ernst Jokel. In den archaischen Zivilisationen war die Teilung in Arbeitende (Sklaven) und Freiheit von der Arbeit Geniessende natürlich. Die Fron der einen war die Voraussetzung für die Musse der andern. Arbeit der einen ermöglichte den andern Entfaltung im Spiel. Solche Ordnung führt zwangsläufig zu einem ausgesprochen elitären Kulturbegriff. Wenige scheinen daran Anstoss zu nehmen; auch Huizinga nicht. Die gleiche Zweiteilung gilt bei andern sozialen Strukturen - ebenso in späteren Zivilisationen. «Wer sollte uns den Acker buwen, ob Ihr alle Herren wäret?», predigte im 13. Jahrhundert Berthold v. Regensburg den Bauern. Immerhin vermochte sich durch die Jahrhunderte hier und dort neben der noblesse eine unterschiedlich breite Schicht des arbeitenden Volkes genügenden Freiraum für die Entfaltung eigener Wettkampf- und Spielformen zu bewahren. In der alten Eidgenossenschaft standen sie zeitweilig in hoher Blüte. Der Zürcher Historiker Walter Schaufelberger charakterisiert sie wie folgt: «Kultisches schwingt im Untergründigen nach, Politisches geht im Oberschichtigen mit, Kriegerisch-Militärisches ist auf beiden Ebenen, doch in unterschiedlicher Gestalt beteiligt.» Kirche und Obrigkeit freilich sahen Ausbrüche aus der Arbeitswelt ins Reich des Spielerischen nicht gerne. Mit allerhand Verboten und Mandaten kämpften sie - besonders eifrig zur Zeit der Reformation und Gegenreformation - dagegen an. Was wurde nicht alles «zu Vermydung göttlichs Zorns» verboten, (<Uf das Gottes gerechter Zorn, straff und rutten vonn uns gewendet und genommen wurde», zitiert Schaufelberger. Und er hängt eine bezeichnende zeitgenössische Klage über die Verketzerung von «Fechten, Steinstossen, Springen und derglychen dingen» an: «Nun ists schier leider dahin kon wer yetz mit sölchem tuet umbgon der wirt veracht, man tuot ihm weren». Wirkungsvoller als alle Vorschriften sollten sich die Fesseln erweisen, welche das anbrechende Industriezeitalter spielerischer Entfaltung auferlegte. Folgte, mindestens bei der ländlichen Bevölkerung, der Arbeitsanfall und damit auch eine gewisse Musse noch dem Wechsel der Jahreszeiten, so diktierten mit dem Aufkommen der Fabriken Maschinen und ihre Besitzer den Rhythmus. Er konnte grausam sein. Ein wahrlich erschütterndes Beispiel dafür hat Ernst J okel veröffentlicht. Es handelt sich um Erhebungen, welche das «Committee on Factory Children' s Labor» 183 I in England angestellt hat.

Numerus c1ausus mit Zylinder (Epsom Detby '98,)

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Eine Kostgeberin von in Fabriken arbeitenden Mädchen - die Vorsteherin emer Children-Power Unternehmung, würde man heute sagen - beantwortete die Fragen. Question: Ans/ver: Question: Anslver: Question: Answer: Question: Anslver:

At what time in the morning did these girls go to the mills? In the brisk time, for about six weeks, they have gone at 3 o'clock in the morning, and ended at 10, or nearly half past, at night. What intervals were allowed for rest or refreshment during these nineteen hours of work? Breakfast, a quarter of an ho ur, and dinner half an hour, and drinking a quarter of an hour. Had you not great difficulty in awakening your children to this excessive labor? Yes, in the early time we had to take them up asleep and shake them, when we got them on the floor to dress them, before we could get them off to their work. Were the children extremely fatigued by this labor? Many time; we have given them the litde victualling we had to give them; we had to shake them, and they have fallen to sleep with the victuals in their mouth many a time.

Die Untersuchung hat zu einem Gesetz über die Abschaffung der Kinderarbeit geführt. Sie wirft aber ein grelles Schlaglicht auf eine Gesellschaft, welche zwar passioniert «sportlichen» Vergnügungen nachging, sich seit 171 I jährlich an der Ascot-Rennwoche und seit 1780 am Epsom-Derby traf, aber weit davon entfernt war, «offen» zu sein. Am aufkommenden Sport, gebaut auf die Elemente Leibesübung, Agon und Chivalery, Ritterlichkeit, konnte der weitaus grösste Teil dieser Gesellschaft keinen Anteil haben. Sie war in den Arbeitsprozess eingespannt. «The idea that time for leis ure would be available to the common man sounded revolutionary not so long ago when the worker, unless he was working, rested to recuperate from and gather new strength for work», schreibt Joke!. Nun, diese Revolution hat stattgefunden. «The physical stress of labour has been largely eliminated by the introduction of machines». Die Tyrannen sind mit der Verfeinerung der Technik zu Helfern geworden. Die Produktivität in fast allen Sektoren ist um ein vielfaches gestiegen. In der modernen Industriegesellschaft ist Freizeit - erstmals in der Geschichte - nicht mehr das Privileg einer bevorzugten Schicht, sondern ein allgemeines Gut. Für seinen Gebrauch haben sich noch nicht hinreichende Modelle ergeben. Die Entwicklung ist den Vorstellungen und Vorkehren davongelaufen. Dass dem Sport bei der Lösung dieser Fragen eine tragende Rolle zukommt, dürfte indessen gesicherte Erkenntnis sein.

WAS TAUGT SPORT? Sport ist sicher besser als er von Huizinga dargestellt wird. Es tut dem grossen Holländer keinen Abbruch, wenn wir feststellen, dass sein ungnädiges Urteil im Lichte seitheriger Entwicklung nicht stand hält. Huizinga war Kulturhistoriker, nicht Futurologe. Dem letzten Kapitel seines «Homo Ludens», in dem die «Culture contemporaine» behandelt wird, stellte er folgende Feststellung voran: «11 va de soi que le temps dont nous parlons est toujours un passe deja historique, un passe qui s'effrite a mesure qu'on s'en eloigne». Als Huizinga 1938 sein Werk zu Ende brachte, stand er unter dem Eindruck der damaligen Entwicklung des Sportes. Sie war anlässlich der olympischen Spiele 1936 im Deutschland Hitlers besonders offenbar geworden und mochte in der Tat zu pessimistischen Schlussfolgerungen Anlass geben: Weitgetriebene Ausrichtung auf die Eliten, ohne signifikant belebende Wirkung in Breite und Tiefe; Sport als Zugpferd des Chauvinismus; Verpflichtung zum Sieg für Führer und Vaterland und als Beweis für die Überlegenheit einer Rasse, eines politischen Systems. Schlacken solcher Fehlentwicklung haften dem Sport immer noch an . Die Krise der Vorkriegsjahre hat er jedoch überwunden . Eindrücklicher noch, viel eindrücklicher, als die Verbesserung der Rekorde, die zu Huizingas Zeit galten, ist das damals unvoraussehbare Anwachsen der Sportwelle. Wie ein belebender, erfrischender Strom geht sie über Länder und Kontinente hinweg. Sie sendet Bäche


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Olympia '936: Fackelläufer erreichen an der tschechischen Grenze den Boden Hitler-Deutschlands

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und Bächlein bis in Länder, die aus der Dämmerung der Geschichte eben erst in die Völkerfamilie traten. Huizinga - lebte er heute - könnte nicht verkennen, wie sehr damit das ludische Element an Verbreitung und vielleicht auch an Vertiefung gewonnen hat. Zwei Dinge im wesentlichen hält Huizinga dem Sport vor: er bleibe «une fonction sterile Oll le vieux facteur ludique s'est presqu'enti<~rement eteint»; er habe sich nicht auf das Niveau «d'une activite creatrice de style et de culture» zu erheben vermocht. Dazu wäre folgendes zu sagen: Primo: Huizinga ist beizupflichten, dass manche Manifestationen des Spitzensportes ihren Platz mehr in der Arbeitswelt als im Spiel haben. Die Verknüpfung mit profession, Beruf also, Professionalismus, ist offensichtlich. Sie schliesst auch Amateure ein, deren Statut sich von dem der Berufssportler nur auf Grund sophistischer Reglementiererei unterscheidet. Es ist denn auch nicht erstaunlich, dass hier weitgehend die Gesetze der Arbeit und die Taktiken des Arbeitskampfes Geltung haben: Anstellungsverträge, Abhängigkeitsverhältnisse, Geldstrafen, Entlassungsdrohungen, Entlassungen, Streikdrohungen, Streiks, Bestrafung der Streikbrecher mit physischer Gewalt, z. B. Abdrängen in den Strassenrand, wie wir das jedes Jahr bei den grossen Radrundfahrten erleben. Es gäbe anderes anzuführen. Trotz alledem ist das Ludische auch hier noch gegenwärtig. Der Professional mag - über das Ganze gesehen - seinen Effort nach den Prämien dosieren . Schon die Berufswahl deutet jedoch darauf hin, dass sein Sinn nicht nach einer Arbeit steht, bei der nur die Norm erfüllt zu werden braucht. In seinem Innersten ist er dem Agon verpflichtet. Wenn er sich an den Grenzen menschlicher Möglichkeiten auf dem Rad den Mont Ventoux hinaufquält, ist er mitten in diesem Spiel bei dem es darum geht, «immer besser zu sein, die andern zu übertreffen». Ganz unbegründet ist jedoch die Ansicht Huizingas, in diesem Bereich habe das Spielerische zu oft vor den Gesetzen der Arbeit zurückzutreten, gewiss nicht. Die sportliche Seite findet bei solchen Betrachtungen ihrerseits gewisse «Kompensationen»: Manche forschen und denken in einer ludischen 33


Ambiance. Manche Unternehmer scheinen den Regeln des Sportes mehr verpflichtet, als denen der Arbeit. Sie betreiben ihre Geschäfte wie einen Sport. Wir sehen, die Grenzen sind fliessend. Etwas wäre noch beizufügen: Niemand wird bestreiten, dass in Ballett und Schauspiel das Ludische den tragenden Grund bildet. Niemand wird einem Nureijew oder den grossen Mimen vorhalten, dass sie «lediglich» Arbeit verrichten. Wie steht es mit den sportlichen Eliten? Ein früherer UNEsco-Generalsekretär, Rene Maheu, hat den Schausport als «das wahre Theater unserer Zeit» bezeichnet. Sollten seine Akteure nicht auf gleiche Wertschätzung Anspruch haben, wie ihre Kollegen vom Theater und Tanz? Mindestens in einem wesentlichen Punkt gleichen sich ihre Leistungen: Sie sind für den Augenblick bestimmt. In was unterscheiden sie sich eigentlich? Secundo: Der Auffassung, dass Sport im Hinblick auf Stil und Kultur nicht «kreativ» sei, ist - mit allem Respekt - zu widersprechen . Der sportliche Stil hat die Gesellschaft in einem Mass durchdrungen, über das wir uns nur deshalb keine Rechenschaft geben, weil wir daran gewöhnt sind. Es sei hier nicht von Mode die Rede, obwohl auch sie nicht ohne Bedeutung ist. Vielmehr geht es darum zu erkennen, dass ein Verhaltens kodex, eine Geisteshaltung, die uns der Sport gelehrt hat, zu einer der Leitplanken für unser Handeln in Gesellschaft und Öffentlichkeit geworden ist. Sie kann auch im härtesten (politischen) Getümmel nicht ungestraft übersprungen werden. Als kreativ hat sich der Sport - und zwar gerade der Spitzensport - in unvoraussehbarer Weise gezeigt. Er hat nicht nur das «Bild des Menschen» nachhaltig verändert - ein Blick auf Fotographien unserer Väter erübrigt weitere Erklärungen - , er schuf völlig neue Lebensgewohnheiten. Zehntausende laufen die Marathonstrecke durch die Strassenschluchten, über die Brücken, von New Y ork. In der ganzen Welt vollbringen Heerscharen von Männern und Frauen Leistungen, die vor 50 Jahren noch wenigen Champions vorbehalten waren. Nicht zu zählen sind Skiläufer, Jogger, Rad- und Bergwanderer. Volkskavalkaden, Massenschwimmen, Radfahrertage mobilisieren die Trägen. Sportorganisationen, aber auch nicht organisierter Sport, der kommerzielle eingeschlossen, hören nicht auf zu wachsen. Aerobic-Fieber greift um sich. «Spiel-Feste» in grösster Zahl - Huizinga würde sich freuen - sind erfolgreich vom Sport her «animiert» worden. Sollte das nicht eine «kreative» Leistung sein? Diese Leistung wird - einem Naturgesetz folgend? - in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Zeit erbracht: Der Mensch, dessen Kräfte sich nicht mehr «im Strom des Lebens» zu bewähren haben, der harter Arbeit entraten ist, über ein nie dagewesenes Mass an Musse verfügt, findet im Sport den notwendigen Ausgleich. Es mag dahingestellt bleiben, ob es sich dabei um einen «arterhaltenden», biologischen Reflex handelt, oder, wie etwa bei Aerobics, eher um eine Modeströmung. Wichtig ist, dass der Ursprung im Sport liegt, dass der Sport den Weg weist - etwas, was ihm Huizinga offenbar nicht zutraute. Ein frappantes Beispiel: In Zermatt, dieser Metropole des Tourismus, wurden an den sonnigen Hängen gegen Hohbalmen hinauf seit Jahrhunderten Roggenäckerlein unterhalten; die höchsten bis gegen 2000 m über Meer. Hier und an steilen, nur auf den Knien zu bearbeitenden Kartoffelfeldern kämpften Männer, Frauen und Kinder seit der ersten Besiedelung «im Schweisse ihres Angesichtes» für die Notdurft des Lebens . Dieser Fron sind die Zermatter enthoben, seit Wymper ihren Berg, das Matterhorn, berühmt gemacht und die Bahn ihr Tal - auch im Winter - erschlossen hat (1928). Die Äcker sind heute vergandet, die alten Wege aber noch begehbar, und die von Menschenhand geschaffenen Terrassen einst fruchtbaren Bodens erhalten. Doch wo früher der Roggen der Reife entgegenwuchs, finden sich heute die Stationen eines Vita-Parcours. Auf den vom Schweiss der Generationen getränkten Pfaden mühen sich Jogger ab, denen ihre Arbeitswelt keine genügende Übung des Körpers mehr zu bieten vermag. Was würde aus der Menschheit, wenn der Sport nicht «kreativ» wäre? 34


12. New York City-Marathon nach dem Start auf der Verrazano-Brücke (14496 Teilnehmer, 13 360 im Ziel)

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ZEUGEN UNSERER ZEIT Zur Kreativität des Sportes in Bezug auf Stil und Kultur abschliessend noch eine Betrachtung aus etwas anderem Blickwinkel. Manche begreifen «Kultur» als das, was frühere Zivilisationen uns sichtbar, fassbar, hinterlassen haben. Die klassischen Spiele des hellenischen Zeitalters verbinden sie mit der Statue des Giitterboten Hermes, von Praxiteles geschaffen und von Ernst Curtius in Olympia ausgegraben. Oder sie denken an den Zeus Tempel mit der Figur des Appollon in der Mitte des West- und der Männergestalt des Gottvaters selbst im Ostgiebel. Die Kathedrale von Chartres wird in solcher Betrachtung zum Inbegriff mittelalterlicher Kultur; die Freiheitsstatue, an der Einfahrt zum Hafen von New Y ork versinnbildlicht mit ihrer Fackel die zukunfts gläubige Welt gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Wird der Sport unserer Zeit solche Zeugen hinterlassen? Wir haben allen Grund, es anzunehmen. Wenn nicht eine Katastrophe, weit schlimmer als die Erdbeben, welche in den Jahren 522 und 551 Griechenland erschütterten, Korinth in Trümmer sinken und die Säulen des Zeustempels in Olympia einstürzen lies sen, die Welt heimsucht, werden Zeugen des Sportes unserer Zeit - Kulturzeugen - Späteren allgegenwärtig sein. Papst Johannes Paul H . hat auf die erstaunliche Tatsache hingewiesen, das zu praktisch jeder Gemeinde, die eine Kirche hat, auch ein Sportplatz gehört. Omnipotenz des Sportes. Die eigentlichen Stadien sind zu Sammelbecken menschlicher Begegnungen geworden. An Grösse übertreffen sie jeden Dom. Wenn BiJly Graham zu seinen 35


Anhängern predigen will, muss er ein Stadion mieten. Die 80000 Jungen oder Pseudojungen, welche die Rol/ing Stones oder die Supertramps zu hören (und zu sehen) begehrten, füllten , an zwei Abenden das grösste Stadion des Landes. Fast ebensoviele, 70000 im ganzen, kamen im Hallenstadion von Oerlikon zur Aida-Vorführung. Es geht hier nicht darum, solchen Massen-Kulturkonsum kritisch zu werten. Die Tatsache, dass in einem wohl nie gekannten Ausrnass Sportstätten auch Kultur- und - im Falle von Billy Graham - Kultstätten sind, ist aber doch der Erwähnung wert. Ein Beispiel besonderer Art wegweisend vielleicht für künftig noch engere Integration von Spiel und Sport in den gesellschaftlichen Gesamtbereich - ist die Schaffung eines kombinierten Schwimm-Bade-Freizeit- und Verkaufszentrums, in das eine der bedeutendsten (auch auf kulturellem Gebiet tätigen) Verteilorganisationen der Schweiz 80 Millionen investiert. In etwas anderer Art wird hier eine Entwicklung fortgesetzt, die mit der Ausgestaltung der ursprünglich oft trostlos öden Turnhallen zu anspruchsvollen Mehrzweckbauten, welche sowohl sportlichen wie kulturellen Tätigkeiten dienen, ihren Anfang genommen hat. Manche Sportstätten dürften auch von künftigen Generationen als bedeutend, als «schön», mindestens als zeittypisch, so wie das Kolosseum in Rom, empfunden werden. Die Olympiabauten in München etwa. Vom Sportlichen her, also funktional, ergeben sich Anregungen, die weit über diesen spezifischen Bereich hinaus ihre Wirkung entfalten. Otto Frei hat auf die zunehmende Leichtigkeit von Material und Konstruktion hingewiesen, die vor allem auch bei Freizeitbauten zur Anwendung kommt. Sporthalle und Auditorium Maximum einer arabischen Universität wird als Beispiel dargestellt. Eine stützenfreie Membrane bildet Wandung und Dach zugleich. Sie ist an acht Punkten hochgezogen und umfasst mehrere tausend Quadratmeter einer bewegten Form. Die hier angedeutete Tendenz im Sportstättenbau ist der «Kulturbeständigkeit» im archäologischen Sinne vielleicht nicht besonders förderlich. Künftige Generationen werden aber auch solch vergänglichen Konstruktionen zusammen mit allem, was den Sport unserer Tage kennzeichnet, in einer Unzahl von Mediotheken und andern Speichern begegnen. Es ist deshalb Gewähr dafür geboten, dass der Nachwelt für die Beurteilung der Zusammenhänge von Sport und Kultur im frühen Atomzeitalter reichliches Anschauungsmaterial zur Verfügung steht. Voraussetzung ist freilich, dass es der Menschheit geling t, die von ihr gespannten Zündmechanismen totaler Zerstörung zu sichern. Versagt sie bei dieser wichtigsten Aufgabe, sind auch solche Zeugen unserer E poche von keinem Belang mehr. Rol ling Stones-Konzert, Basel 1982

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Acrylglas-Dach über dem Olympia-Stadion in München

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RESUME Lors d'une conference en 1954,Jose Ortegay Gasset commen<;:a son expose par une affirmation pour le moins insolite: «Le sport, dit-il, n'est pas un divertissement, mais un effort. C'est la raison pour laquelle il est le frere du travail.» Cette ouverture incite Arnold Kaech a la refutation . Tous ceux qui voyent dans le gout de l'effort le mobile principal du phenomene socio-politique de sport et de la performance individuelle, sont appe!es au combat. L'objet principal de l'etude est cependant une critique des conclusions auxquelles Johan Huizinga (1372- 194;) est arrive dans son reuvre «Homo Ludens». Le Neerlandais y oppose I'homme quijoue a I' homo sapiens. Le «jeu» caracterise l'homme de maniere singuliere et fondamentale. Le jeu est le generateur des processus culture!s dont Huizinga ne se lasse pas de decrire la variete. Dans les phases initiales, la culture est un phenomene «joue». Elle n'est pas nee du jeu, mais elle se developpe dans le jeu et devient jeu. Le joueur agit sans interet materie!, sans avoir l'utilite po ur but. Les jeux se deroulent dans un cadre donne par le temps et l'espace d'apres des regles convenues ou acceptees, dans une atmosphere de joie, d'enthousiasme et de ravissement. Huizinga etudie aussi la part de l'element ludique aux differentes epoques. Compare a la culture hellenique, il constate que la culture romaine donne une importance moins grande a cet element mais lui attribue un certain cote rustre. La chretiente (<<ora et la bora») n'etait pas bien intentionnee a l'egard des jeux. Puisque «le corps avait deja depuis Platon une mauvaise presse» (Ortega y Gasset), I'Eglise l'exclut du domaine de la culture. 11 etait bon pour travailler, mais pas pour grand chose d'autre. Le jeu fut banni. C'est l'empereur 37


chrerien Theodose gui, en 393, mit fin aces activites palennes d'Olympie et a une tradition gui avait dure TI69 (!) ans, les premiers jeux olympigues ayant eres disputes en 776 avant Jesus-Christ. Mais c'est surtout au siede dernier gue Huizinga remargue une forte diminution de l'element ludigue. Et il se voit contraint de porter un jugement assez severe sur le sport moderne: celui-ci s'est, a ses yeux, toujours plus eloigne de la sphere pure de I'element de joie dans le jeu pour devenir element «sui generis». Huizinga ne meconnait pas gue I'aspiration homerigue 'd'etre toujours le meilleur, de surpasser les autres», au niveau de I'exploit comme celui de courage, est liee dans le sport avec l'action joyeuse, en fait elle le domine. Cest une des raisons de la disparition de l'element ludigue dans le sport de nos temps, sur leguel Huizinga porte son jugement severe, gu'i! n'ait pu s'elever au niveau d'une activite creatrice et de style. Cest precisement ce jugement gue Kaech conteste. Huizinga, gui termina son ceuvre en 1938, etait sous l'impression du sport de son temps : Promotion accentuee de l'elite sans gue cela ne profite au gros de la population; l'effet stimulateur en largeur et en profondeur n'etait pas realise. Les jeux olympigues de 1936 dans I'Allemagne de Hitler provoguerent a juste titre un certain pessimisme. Le sport apparaissait alors comme fer de lance au chauvinisme, l'obligation de gagner pour le Führer et pour la patrie et comme preuve de superiorite d'une ra ce ou d'un systeme politigue etaient d'autres points sombres. Depuis lors, beaucoup de choses ont change. Huizinga ne pouvait pas le prevoir. Dans la societe industrialisee moderne, le temps libre n'est - pour la premiere fois dans I'histoire - plus l'apanage d'une couche privilegiee, mais il releve du domaine public. Le mode d'emploi et I'idee de son utilisation ne sont peut-etre pas encore suffisamment developpes. Il semble pourtant gue generalement le fait soit reconnu gue le sport a une fonction porteuse. Bien plus impressionnante encore gue l'amelioration des records des temps de Huizinga est l'accroissement, imprevisible, de l'engouement du sport. Il passe comme un courant rafraichissant, revitalisant, dans tous les pays et continents. Malgre ce gue Huizinga avait cru, le sport s'est montre cdati]. Le style sportif a saisi la societe a un point gue nous ne voyons gue difficilement parce gue nous y sommes habitues. Il s'agit de se rendre compte gu'un code de comportement et une attitude mentale gue le sport nous a appris, sont devenus gages de conduite pour nos activites en societe. Le sport - et surtout le sport d'elite - ont eu un effet creatif aux conseguences enormes. Non seulement il a change «I'image de I'homme», mais il a cree des habitudes entierement nouvelles, dont nous avons besoin pour survivre dans les conditions de notre monde industriel et post-industrie!. La cufture est po ur certains ce gue les civilisations precedentes nous ont laisse de visible, de saisissable et de palpable. Ils associent les jeux hellenigues dassigues a la statue du messager divin Hermes, creec par PraxiteIe et mise a jour par Ernst Curtius a Olympie. Ou alors ils pensent au temple de Zeus avec la statue d' Apoffon au centre du fronton ouest et la statue antropomorphe de Zeus, dieupere, sur le fronton est. Dans les contemplations de ce genre, la cathedrafe de Chartres devient de son cote le symbole de la culture medievale. Nous avons toutes les raisons de presumer gue le sport de nos temps, avec ses stades et ses arenes utilises dans une large mesure aussi comme des lieux de rencontre lais sera un temoignage cuiture1 similaire - a condition gue l'humanite soit capable de maitriser les mecanismes de securite gui empechent le dedenchement de l' Apocalypse. LITERA TURHINWEISE: Diem, Carl: Poesie des Sportes. Olympischer Sport-Verlag Stuttgart. Elias, Norbert: Über den Prozess der Zivilisation. Suhrkamps Taschenbuch Wissenschaft. Frei, Otto: Natürliche Konstruktionen. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1982. Huizinga, Johan: Homo Ludens. Librairie Gallimard, 1951. Jokel, Ernst: Sport and Culture. Pergamon Press, Oxford, 1964. J okel, Ernst: Sports in the C ultural Pattern of the WorM. Institute of Occupational Health, Helsinki, 1965. Maheu, Rene: Sport and Culture. UNESCO. International Journal of Adult and Youth Education, Vol. XIV, No. 4, 1962. Meier, Christian Caesar: Severin und Siedler, Berlin 1982. Ortega y Gasset, Jose: Vom sportlichen Ursprung des Staates. Gesammelte Werke, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Peckmann, Herben: Zum 100. Geburtstag von lose Ortegay Gasset. Olympische Jugend, 6.83, Limpert Verlag GmbH, 6380 Bad Homburg v.d.H. Pihkala, Lauri: Sport, Travail, Culture. Rapport officiel de la conference internationale sur la contribution du sport au perfectionnement professionel et au developpement culturel (Gouvernement finlandais /Unesco 1959) Helsinki 1960. Schaufelberger, Walter: Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft. Verlag Paul Haupt, Bern.


«SANS TITRE ... » Pierre Hirschy,

SAS

Zürich

Vous etes-vous deja demande, Monsieur le Redacteur en chef, devant quels problemes quasi insolubles vous placez celui a qui vous demandez d'ecrire un article «ex-oHicio» en lui laissant le libre choix du sujet alors que vous prescrivez aux autres, en bon organisateur que vous etes, pas moins de 30 titres? Si mon article est mauvais j'en porte seul la responsabilite alors que trente autres auteurs ont une excuse: le sujet impose ne valait rien ... J'ai donc choisi tout simplement de vous parler de la Federation Suisse de Ski, vue a travers les jumelles de son president central (jumelles qu'il faut quelque fois tenir a l'envers pour prendre suffisamment de distance). Les buts de la FSS tels qu'ils sont definis a l'art. 4 de ses statuts sont nombreux: favoriser le sport de competition et le sport de loisir de maniere equilibree; soutenir et favoriser les ski-clubs en leur accordant leur independance; assurer une saine politique au point de vue financier, permettant de prendre en consideration les interets du sport de competition et du sport de loisir, de maniere appropriee; suivre l'evolution realisee par le ski sur le plan mondial; favoriser le ski pour la jeunesse; favoriser la literature et l'art qui se rapportent au ski; developper le service medico-sportif; elaborer des avantages et des prestations en faveur des membres; elaborer des cartes pour les excursions a ski; participer a l'elaboration et au developpement d'une efficace prevention des accidents, en particulier, en favorisant le service des pistes et de sauvetage; organiser des manifestations destinees aux jeunes en particulier, les camps de ski de jeunesse suisse; remise de skis gratuits aux enfants; favoriser tous les genres de sport apparentes; favoriser la creation et l'entretien de pistes de fond. Cette enumeration a elle seule montre la diversite des problemes, que nous devons resoudre; les agreables et ceux qui le sont moins. Le budget d'environ six millions et demi est couvert a 40 % par les cotisations des membres, nous avons heureusement des sponsors genereux, mais pour le reste il faut se faire mendiant ... ce qui n'est pas a la portee de tous et parfois diHicile a accepter! Tout serait plus simple si le nombre des membres de la Federation Suisse de Ski, aujourd'hui de 12 j 000, pouvait doubler. Quand on sait que notre pays compte deux millions de skieurs ... mais que pouvons-nous faire de plus. Depuis plus de 30 ans la FSS forme des patrouilleurs de piste (depuis 2 ans avec I' Association Suisse des Entreprises de Transport a C:ibles) au profit de tous les skieurs. Nous cherchons a «rembourser» le prix de la cotisation centrale par toutes sortes de prestations plus ou moins appreciees et nous formons tous nos responsables jusqu'a I'echelon des clubs. 39


Mais il Y a aussi les joies: Les resultats de nos equipes nationales, la sympathie qu'elles recoltent un peu partout par leur tenue et leur gentillesse. C'est un encouragement pour le President Central. Il y a aussi toutes les bonnes volontes que l'on rencontre partout chez ceux qui sont epris d'un meme ideal: skier ... jusqu'a la fin de ses jours. Disons po ur terminer ce tour d'horizon bref et incomplet que nous venons d'accueillir le IOooeme ski-club; des ski-clubs dont Ie nombre des membres varie de 10 a 1300 et dont les desirs et les activites sont plus diverses encore, dies vont du tranquille club d'amis et de promeneurs au bouillant club de competiteurs. Harmoniser ces desirs, soutenir et conseiller ceux qui le demandent c'est a quoi un President Central consacre un tiers de son temps!

Kollekti v im Salto

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DIE SAS-AKTIVITÄTEN IM WANDEL DER ZEIT EIN KURZVERGLEICH 1924-1954-1984 Ivan Wagner, SAS Zürich

Am 26. November 1984 wird der SAS sechzigjährig: Bald ein Pensionierungsalter? Bestimmt nicht. Im Gegenteil, der SAS erfreut sich heute einer ausgesprochenen Vitalität, ja er sprudelt vor Aktivität und Tatendrang. So sieht der Terminkalender der nächsten Saison 18 clubinterne Anlässe mit insgesamt 36 Einzelrennen vor. Mit deren Anzahl steigt ständig auch das sportliche und organisatorische Niveau aller unserer Rennen. Inder nationalen ssv - Punktbelllertung ist heutejeder zehnte Elitefahrer ein sAsler. Unsere Nationalmannschaft gehört weltweit zu den stärksten und bestgeführten Studenten-Teams. Mit der Eroberung eines Weltmeistertitels in der Abfahrt ( Denis Du Pasquier) und einer Bronzemedaille im Riesenslalom (Hans Grüter) an lässlich der letzten Universiade in Sofia erreicht der SAS leistungsmässig einen neuen Höhepunkt. Auch wenn diese Entwicklungen auf den ersten Blick sicher beeindrucken, kann sich ein kritischer Betrachter fragen, wohin sie führen und welchen Preis sie haben. Was kann sich aus diesem Drang nach immer mehr und noch besser organisierten Rennen, aus diesem Streben nach immer höheren Leistungsgrenzen entwickeln? Um es vorwegzunehmen: es scheint heute Hinweise dafür zu geben, dass diese Entwicklungen auch Gefahren mit sich bringen. Der nachfolgende Beitrag verfolgt zwei Ziele: Einerseits geht es darum, die Entwicklung des SAS und seiner Aktivitäten seit bald 60 Jahren skizzenhaft darzustellen. Diese Darstellung stützt sich auf Berichte der ersten SAS-Jahrbücher sowie auf Gespr~che mit prominenten sAslern, welche die damaligen Geschicke des SAS geprägt haben. Als Vergleichsjahre werden dabei das Gründungsjahr des SAS (1924) und das bisherige Halbzeit jahr (1954) gewählt. Andeterseits sollen die heutigen Entwicklungstendenzen herausgearbeitet und anhand des aktuellen Rennkalenders (1984) und der einzelnen Anlässe kritisch untersucht werden.

DIE RENNEN DES

1.

SAS-WINTERS (1924125)

Der SAS wurde am Abend des 26. November 1924 durch ein Triumvirat Hermann Gurtner, Willy Richardet und Walter Amstutz im I. Stock des Restaurant du Theatre in Bern aus der Taufe gehoben. Jedes neue Mitglied trat als «Hase» in den Club. Wenn es sich später als guter, zuverlässiger Fahrer auswies, wurde es durch einen Vorstandsbeschluss in den Stand des «Schneehasen» erhoben. Schon nach einem Jahr zählte der SAS 33 Mitglieder: I Ehrenmitglied (Arnold Lunn), 2 I Hasen und I I Schneehasen. Das erste Clubjahr wurde durch folgende zwei Anlässe geprägt: Am I I. und 12. Januar 1925 veranstaltete der SAS und der Kandahar Ski Club das erste Anglo-SlIlissRennen in Mürren. Es war das erste internationale Mannschaftsrennen in den alpinen Disziplinen Abfahrt und Slalom. Am 14. und 15. Februar 1925 fanden, ebenfalls in Mürren, die ersten Universitiits-Skilllettkämpfe der Schweiz statt, die Vorläufer der heutigen Schweizerischen Hochschulmeisterschaften. Das Programm setzte sich aus einem Abfahrtsrennen und zwei Slalomläufen zusammen. Die letzteren wurden getrennt auf «hartem» und «weichem» Schnee ausgetragen. An diesem ersten Wettkampf

41


I.

waren Studenten der Universitäten Basel, Bern, Zürich, der ETH Zürich und der Handelshochschule St. Gallen vertreten. Wie sich damals so ein Rennen etwa abspielte, schildert ein Bericht im ersten Schneehasen über das Anglo-Swiss-Rennen:

«Captain der englischen Mannschaft war Mackintosh, der einundzwanzigjährige Riese und internationale Rugbyspieler, bekannt durch sein rücksichtsloses Draufgängerturn. Die Schweizer standen unter der Führung des flinken, skitechnisch bis ins Einzelne durchgebildeten Amstutz. Die Strecke folgte der bekannten Abfahrt Tschuggen-Grindelwald und führte über zirka 6 Kilometer mit 900 Meter Gefalle von der Hütte bei Punkt 1870 des Siegfriedatlasses nach dem Boden (Grindelwald) . Für die Konkurrenten, wie für die Zuschauer war dieses Rennen vielleicht der interessanteste Wettkampf, der je zwischen dem SAS und den Engländern durchgeführt worden ist, indem alle 12 Teilnehmer gemeinsam starteten. Leider gelangte einer unserer Favoriten, W. Salvisberg, durch einen ungünstigen Start etwas ins Hintertreffen und zog sich, durch den aufstiebenden Schnee der Vorausfahrenden geblendet, nach wenigen Metern beim Sturz über einen Stein einen Bruch des linken Unterarms und eine Verletzung der Schläfe zu, die ihn für kurze Zeit betäubte. Dass er trotzdem vom weitaus letzten zum vierten Platz aufholte, zeigt von grosser Energie und nicht alltäglichem Können. Im Kampf um die Führung stritten sich Knebworth, Mackintosh und Amstutz, bis es unserem Captain gelang, sich endgültig an die Spitze vorzudrängen ... »

Der nachfolgende Ranglisten-Auszug und das Mannschaftsphoto des druck des damaligen Rennens ab. Abfahrtslauf 1. Anglo-Swiss-Rennen, 1925 1. W. Amstutz ...... . 2 . Viscount Knebworth 3. c.E.W. Mackintosh 4. W. Salvisberg . 5. W. Jordi . . .. . 6. W. Richardet ...................... . .......... .

SAS

runden den Gesamtein-

Min. Sek. 10

5,6

II

11,4

12

15

13

10,6

13

14,4

14

25,2

Teilnehmer des 1. Anglo-Swiss-Abfahrrsrennens (von links): H . Salvisberg, W. Jordi, W. Salvisberg, W. Richardet, A. Escher Copyright De Clivo Press


Bemerkenswert die Zeitabstände - und das Tenue: Zur kompletten Ski-Ausrüstung gehörte damals auch die Krawatte! Neunmal wurde das Anglo-Swiss in Mürren durchgeführt, bevor es Walter Amstutz 1935 nach St. Moritz brachte. Später fand dieser Wettkampf jahrzehntelang unter der grosszügigen Leitung von Hans Kessler statt, der in vielen Rennberichten als «die graue Eminenz, Organisator, Führer und Papa» dieses Rennens bezeichnet wird. Das Rennen wird heute alljährlich im Palace der gastfreundlichen Familie Badrutt in St. Moritz unter Beibehaltung des traditionellen Austragungsmodus und unter der umsichtigen Obhut von Truls Berg ausgetragen. Die Gründung des SAS fand im wohl ereignisreichsten Jahr der ganzen Skigeschichte statt. Neben den Gründungen des Kandahar Ski Clubs in Mürren und der Fideration Internationale de Ski (FIS) in Chamonix fanden 1924 auch die 1. Olympischen Winterspiele, mit Einschluss von Langlauf und Sprung, statt. Die Gründungsväter des SAS haben in der Kampagne um die Anerkennung von Abfahrt und Slalom einen namhaften Beitrag geleistet. Dieser Beitrag bestand im besonderen darin, dass sie sich als Fürsprecher der neuen Disziplinen durch ihre wettkampfsportlichen Veranstaltungen und durch ihre Pressefeldzüge im deutschen Sprachraum nachhaltig Gehör verschafften. Dabei half ihnen der «Schneehase» als Sprachrohr. Sie taten dies mit einem gros sen Einsatz und einer bemerkenswerten Geschicklichkeit. Aus ihrer Grundhaltung heraus wollten sie nicht nur im Beruf, sondern auch im Sport Ausserordentliches, ja Elitäres leisten. Und sie haben es geschafft. So wurde die Gründung des SAS durch leidenschaftliche Pionierarbeit, echte Sportsmanship und insbesondere durch recht vielldealismus geprägt.

ANGLO-SWISS MÜRREN-LIED VON HERMANN GURTNER THE GOOD üLD TIMES

In the good old times at Mirren, Some tllJentyyears ago, We didn't know the Sialomschll}irren, Nor Fähnlenis and so.

Down-hili did never count a bit In all the racing business. Das ischt unfair pr yser Lyt. We otlght to change that, dises.

We l/Jere happy on the HubeI, Where we did like to hock. We did love Birg, Bärg u Chnubel, Wie z'Gemschelli d'r Bock.

And that since really changed a lot: Mier hein is afa rieren, U sin hyt nymi in d'r Chrot, Wes eis heisst d' Laden schmieren.

MII steid uf d' laden u fehrd nitzi Vom Schiltgrat bis i Z' Tenn. We didn' t stay uf ineren Blitti To learn the lifted stem.

D'r Kandahar, d'r S.A .S ., Das sin die Pionieren, Die d' s sältmal pr di ganz S kiwält Si' d' s H eft ga revidieren.

Im tiefschte Schnee, on hard, in soft, We mostly took down straight Aes hed is den alben uverhofft Eis uf e Riggen gleid.

J etz si mer hibschelli elter worden U fahren gärn l/Jhite hair. I hate this crowed, uf Ditsch die Horden, Which never l/Jalk IIpstairs -

Bad looser, that we never heard, Där isch no nid erfllnden . Sig eina twentieth,fifth or third, Z' lescht ischt i jeda dunnen.

Upstairs? - Uphill wär besser gsin; Doch l/Jiird sich das nid riemen. Mier sin als Blieben nidgeng 't'Schllei U lieber 0 ga' schynen -

Mier hein due 0 afa studieren, What abollt organisation? We surely cOllld in d'r Schigmeind Eis niewis usaheischen.

Nil, anyhow! 1 think, 1 glless: Mier trinken eis uf en S .A.S., Ulan hei läben immerdar The good old friends of Kandahar!

Cheerio!

43


1. Akademische Weltwinterspiele (Vorl채ufer der heutigen Universiade) Cortina d'Ampezzo, 19z8: Andre Roch, SAS Genf, Weltmeister in Abfahrt und Slalom in 3 Rennphasen

44


DER SAS VOR 30 JAHREN Die Urgeschichte des SAS konnte man schon Ende der zoer Jahre als beendet bezeichnen. Was folgte war Wachstum, Verbreitung, Perfektionierung, neue Rekorde. So wurden Sektionen in allen Universitätsstädten gegründet: Nach Bern (1924) folgten Zürich (192;), Genf (1928), Basel (1928), Lausanne (19}6) und Fribourg (1946). 195 I wurde die erste und voraussichtlich die letzte «Niederlassung» des SAS im Ausland gegründet: die ehemaligen, heimgekehrten norwegischen ETH-Studenten gründeten in Oslo die Sektion Norge. Zu Beginn der Saison 1953/54 zählte der SAS ganze 493 Mitglieder: 14 Ehrenmitglieder, 114 Aktive und 365 Alte Herren. Der SAS entwickelte sich nicht nur in der Anzahl der Sektionen und deren Mitglieder, sondern auch bezüglich seiner Aktivitäten. Zu den traditionellen Anlässen in der Schweiz gesellten sich Neulinge im In- und Ausland. Wie das seinerzeitige Saison-Programm etwa ausgesehen hat, lässt sich aus einem Brief des damaligen Technischen Leiters, Pierre Riotton, an den Redaktor des Hasen (Vorläufer der heutigen sAs-News) entnehmen:

8 . A.8. Chef techlli,!,,,' Gellcvc. lc 25

nO\

embrc 1%3,

Monsieur I. Yire-Pr"sidenl du

CH'-AITZERICHEURACAOEMICHEURCHICLOUB Uedaklor du HasC'. Versoh.

Mon cher.

Ainsi <fI!lI Gmlti4!c 111(' rä dtl1Hlndf>. llinsi qlle ht l"atfcnds et ninsi (Juc je ttrai promis, je !t. donlH' ri-dessous Ics r~nseigncl1H'nls rOllrcrnanl lc 'Vinlrrs:lisonprogralllin :

du 26 dt'r. all I'" jan\' , : le 31 d,'ccmbre: all 2 jau,", au§: jilH\. : Je 7 c-t H jan\.. : dll 27 jarl\'. all 31 j<lIw. : ,lu 24 f(oy .•.111 L~'~ lI1ars: ...111 1\" I1HlfS

IlHlrs an 7 m'HS : a\'ril:

Oll

Camp cle NoH Coupe \Vclldling Spüzen fa h rcrku rs Anglo-suisscs Derby des Ciladills Derby des Ciladins SAS Rennen TOIlrenwoche S. A. S.

Zermalt

SI-Morilz Sestriere Mfghc:

Snas-,I'p,'

La d,Hc tl,·s Ilalo-suisscs""'sl pas (·llcQre{ixe. POIH;

tOLIS

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POII\"CZ \ ous afln'ssl,.'" ('oup,,* f("/·mllillJ!.:

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I"rlillrhds rcspect.ifs, Oll conslllter:. le ca1cl1drier SSV.

Les inStTiptiolis II ('(' slalom grant par rquipcs et Ia rormation des (-(llIipt'S $(' fl'ronl directemenl au r,tm;, de Noc!.

SP;/:'PIIJa],t'(·"'..,ll's: TOLis rcnscigncnWllts pC\I\'cnt l~(rc donnrs p:lr les prcsidctllS

clc .ceüolt ou

par

les llIallres de .ports des dLffrl'cnles

lIoiversites.

Je n'ai pas grand'<hos" de plns i\ dire. m,\is jc pense 'Jlle cola IlIcub1era Mj') Hit

pl'U

tOll

Has\'.

Sisne : Tonion.

Wie den Berichten in dem damaligen Schneehasen zu entnehmen ist, fanden in diesem Jahr noch folgende Rennen statt: 28.2 Flims Schweizerische Clubmeisterschaft Gstaad Italo-Suisse 10.- 16-3- La Molina Int. Rennen in Spanien 19.- 20.3. Ses triere sAr-Rennen Auch wenn diese bereits vervollständigte Liste sicherlich noch nicht das wahre Saison-Programm dokumentiert, zeigt sie deutlich, dass der damalige Rennkalender reichlich bestückt war und dass sich der SAS insbesondere an ausländischen Rennen häufig engagierte. Erwähnenswert scheint noch, dass 45


für die «Spitzenfahrer» die damalige Rennsaison offensichtlich erst um Weihnachten herum begann. Schliesslich ist auch noch die Tourenwoche zu erwähnen, ein hochalpiner Tourenkurs, welcher traditionsgemäss die alpinen und nordischen Aktivitäten am Schluss der Saison abrundete. Eines der bedeutendsten und traditionsreichsten Rennen dieser Zeit war das Wendling-Cup-Rennen. Im «Hase», 1954, kann darüber nachgelesen werden:

La {( Heir:i Wendling El'innerullgsprcis» est, comme son nom offioiel Ie dil, d'ubord un souvcllir. 11 fut offert on 1937 par feu ·Ie 01'. \Vclldling, mcmoirc de son fils Heiri, enJe\'c trop lot du S. A. S. En offrant ce prix, non pas

a

a .un

a

Ia

l'affection des siens ct de scs amis seul coureur, mais ii. Ia mcilleure

equipe d-une seclion, le Dr. Wendlillg a volontairemcnt voulll developper ce ((ui cst. la raison mcme . de /lot.!'e club: un esprit de solidarile el d'amitir

all

scm dc chaquc sectioll et, parlant, un sain esprit de compHition parmi lous Ies mcmbres du S. A. S. Sicherlich keine Überraschung lvaren 19J7 in Mürren die ersten Sieger dieses Rennens: Mare Hodler, Franz Obrecht, W Riesen und Arnold Kaech, aus Bern. Um einen Eindruck über die üblichen Zeitabstände in den Ranglisten der 50er Jahre zu vermitteln, seien in der Folge die Resultate des Wendling-Cup-Rennens 1954 wiedergegeben. Dieses Rennen fand in Zermatt unter der Teilnahme von etwa 60 sAslern statt. Mannschaftswertung

Resultate Coupe Wendling, 1954 1. Imseng Raoul 2. Losinger Vinzenz 3· Napp Hans-Peter 4· Bucher Claude 5· Mach Bernard 6. Szekely Thomas Bornand Fran<;ois 8. Heuer Jack Clavadetscher Jean-Jacques 10. Burger Max

Bern I Bern I Basel I Lausanne Genf I Zürich I Lausanne Zürich I Zürich Zürich

I II

I

I

46,0 46,1 48, I 4 8,3 49,0 49,1 49,2 49,2

1. Bern I (Imseng, Losinger, Heim) 2. Zürich I (Szekely, Heuer, Clavadetscher) 3· Lausanne I (Bucher, Bornard, Schwaar) 4· Zürich II (Burger, Rudolph, Spengler) 5· Basel I (Napp, Keller, Hungerbühler) 6. Genf I (B. Mach, Didisheim Tandberg)

144,1 148,0 149,2 153.4 15 8,0 159,2

49,2 5°,0

Die Zeitmessung erfolgte mit der Genauigkeit einer Zehntelsekunde (handgemessen). Verglichen mit den Minuten-Abständen in den Rennen von 1924 schrumpften die durchschnittlichen Zeitabstände bis auf mehrere Zehntelsekunden bis ganze Sekunden zusammen. Heute erfreut sich der Wendling-Cup nach wie vor grosser Beliebtheit. Diese ist sicherlich nicht zuletzt auf den Traditionswert und die Schönheit des Wanderpreises - eine der begehrtesten Trophäen im SAS - zurückzuführen (s . Abbildung S. 15). Bei der Lektüre des Schneehasen und des Hasen aus dieser Zeit entsteht der Eindruck, dass in den 50er Jahren dem gesellschaftlichen Rahmen aller sAs-Aktivitäten besonderer Stellenwert beigemessen wurde. Es scheint, dass die damaligen Anlässe unter dem Motto «erst ein Rennen, dann aber ein Fest» standen. So bestätigt mir auch Hans Kessler, der damalige Zentral präsident, spontan: «Die ganze Saison war ein Riesenfest. Die Verbundenheit zwischen Alt und Jung prägte nicht nur die sportlichen, sondern besonders auch die gesellschaftlichen Anlässe.» Unternehmungslust, Lebensfreude, Fröhlichkeit und Unbekümmertheit waren die Stichworte, die die 50er Jahre im SAS - und wahrscheinlich nicht nur dort - charakterisierten.


Die SAS-SAISON 1983/84 In den 60er und 70er Jahren kann in der Schweiz von einem eigentlichen Ski-Boom gesprochen werden. Alles fährt und läuft Ski. Davon profitiert nicht zuletzt auch die Ski-Industrie, welche sich in dieser Zeit weltweit zu einem bedeutenden Wirtschaftszeig entwickelt. Im Schweizerischen Ski-Verband sind heute an die 130000 Skiläufer in etwa 1000 Clubs organisiert. Auch der SAS wächst ständig, heute zählt er knapp IOOO Mitglieder. Ähnliche Entwicklungstendenzen sind auch in bezug auf die sportliche Leistung zu erkennen. Teilweise durch die ständigen Materialverbesserungen ermöglicht, getragen durch intensiveres Training und stimuliert durch den kommerziellen Erfolg, klettert das Leistungsniveau höher und höher, als gäbe es keine Leistungsgrenze. Hand in Hand mit diesen Entwicklungen steigen die Anforderungen an die Organisatoren. Sowohl der Sportler wie der Kommerz verlangen nach professioneller Organisation. Auch im Studenten-Skisport nehmen die Anforderungen sowohl bezüglich Training und Betreuung wie auch bezüglich der Rennorganisation ständig zu. Der SAS wird mit diesen Entwicklungen erstmals Ende der 70er Jahre ernsthaft konfrontiert, als sich bei einem turnusmässigen Zentralvorstand-Wechsel die Sektion Basel ausserstande erklärt, den Zentralvorstand zu übernehmen. Dies ins besonders deshalb, weil sie nicht die nötigen personellen Kapazitäten aufbringen kann . Als dann die Zürcher, unter der Leitung von Hans Nater, in die Bresche springen, lässt sich wiederum niemand finden, der bereit wäre, das aufwendige Amt des bisherigen Technischen Leiters zu übernehmen. Es wird offensichtlich, dass die organisatorische Struktur des SAS angepasst werden muss. So führt Hans Nater 1977 die Technische und die Publizitäts-Kommission ein, die den Zentral vorstand um die aufwendigen und Kontinuität verlangenden technischen und publizistischen Aufgaben entlasten sollen. Schematisch lässt sich die heutige sAs-Struktur wie folgt darstellen:

ORGANIGRAMM

ZENTRALVORST AND Alpin

Nordisch

Jung

SAS

I

I SAS

News

I

Finanzen

I

NationalNationalMannschaft Mannschaft nordisch alpin

Presse & PR

I Basel

I

TECHNISCHE KOMMISSION

PUBLIZITÄTSKOMMISSION Schneehase

Material

SHM alpin, nordisch

Fribourg

I

Genf

I

Zeitmessung

I

SEKTIONEN Bern

Schiedsrichterwesen

Lausanne

I

Zürich

Norwegen

I

Diese Lösung hat sich bis heute bestens bewährt, selbst in der Zentralvorstandsperiode der zunächst skeptischen Genfer. An sich ist deren Leitgedanke verblüffend einfach: Verteilung der Aufgabenlast auf mehrere Köpfe. Damit wurde erreicht, dass sich die Mitglieder des Zentralvorstandes - entlastet durch die Kommissionen - auf die eigentliche Lenkung des Clubs konzentrieren können. Die 47


Kommissionen ihrerseits sind für die Sicherstellung der Kontinuität, insbesondere bei einem Wechsel des Zentral vorstandes, verantwortlich. Auf der Grundlage dieser Reorganisation, welche Freiraum für weitere Innovation und Perfektion schaffte, kam es zu einer Ausweitung der clubinternen Aktivitäten, wie es der Terminkalender für die Saison Ig8} / 84 erkennen lässt: E r sieht 2 0 Renn- und administrative Anlässe vor, die insgesamt mehr als 42 Tage in Anspruch nehmen. Aber dieser an sich schon ausgelastete Terminkalender beinhaltet nur die inländischen Anlasse des Gesamt-sAs. Die Anlässe einzelner Sektionen, die Termine der internationalen Meisterschaften und Rennen im Ausland sowie auch die Vorbereitungsaktivitäten unserer Nationalmannschaft sind darin nicht enthalten. Um zu verdeutlichen, in welchem Umfang sich beispielsweise die Vorbereitungen unserer alpinen Mannschaft bewegen, sei darauf hingewiesen, dass das Trainingjedes Jahr schon Mitte Juli beginnt und dass bis Weihnachten mindestens JO Trainingstage auf Schnee in etwa 10 Trainingscamps organisiert werden. Im Mittelpunkt der clubinternen Saison-Aktivitäten stehen die im Rahmen des SAS -CUp ausgetragenen Rennen. Diese, durch die einzelnen Sektionen und den Zentralvorstand organisiert, bilden die eigentliche sAs-Saison-Meisterschaft. Nach einem speziell für diesen Zweck 1977 erstellten Reglement werden dabei jährlich die Sieger bei dem Jeune-sAs, den Aktiven, den Alten Herren sowie die beste Sektion ermittelt (vgl. S. 206/ 207). Erwähnenswert ist die Vielfalt der in dieser Meisterschaft einbezogenen Disziplinen: Neben Abfahrt, Slalom und Riesenslalom werden auch Langlauf, Hoplom (eine Kombination von Slalom und Sprung), Parallelslalom sowie seit kurzem auch ein Super-G (eine Mischung von Abfahrt und Riesenslalom) ausgetragen. Einer langen Tradition erfreut sich das Italo -Suisse-Rennen, ein Mannschaftswettkampf zwischen unseren Skikameraden vom sc 18 (Ski Club Diciotto) und dem SAS. Erstmals 1936 in Gran Sasso d'Italia durchgeführt, wurde das kombinierte Rennen jedes Jahr organisiert, abwechslungsweise in Italien und in der Schweiz. Im eher familiären Rahmen massen sich dabei - ähnlich wie bei dem eingangs erwähnten Anglo-Swiss-Rennen - je sechs italienische und schweizerische Studenten im Slalom und Riesenslalom. Um diesen Wettkampf aufzuwerten bzw. ihn in einen grösseren und würdigeren Rahmen zu stellen, wurde Ig81 im Palace Hotel St. Moritz die erste Reunion Italo-Suisse durchgeführt. Wie geplant, nahmen neben den zwei Rennfahrer-Teams auch etwa hundert ehemalige Italo-Suisse-Veteranen teil, Mitglieder des sc 18 und sAs'ler waren etwa zu gleichen Teilen vertreten. Es wurde ein Wettkampf der Ehemaligen, der Alten Herren, ausgetragen, alte Erinnerungen aus vergangenen Italo-Suisse-Begegnungen aufgefrischt. Nicht zuletzt dadurch wurde die Tradition dieses Rennens gefestigt. Begründet durch den Erfolg dieses Anlasses wurde beschlossen, ähnliche Reunions alle 2- 3 Jahre abwechslungsweise in Italien und in der Schweiz durchzuführen. Schliesslich sei noch einer der jüngsten Sprösslinge im Rennkalender des SAS erwähnt: der Internationale sAs-Pentathlon, welcher bereits eingehend im letzten Schneehasen beschrieben wurde. An diesem in der Schweiz bis heute einzigartigen Winter-Mehrkampf - bestehend aus Riesenslalom, Sprunglauf, Curling, Langlauf und Schwimmen - nahmen seit 1978 jedes Jahr 33 Dreierteams teil. Dank der Anwendung eines altersbedingten Handicap-Systems wird dabei der Einbezug von Damen und Herren aller Alterskategorien in einer gemeinsamen Einzel- und Mannschaftswertung ermöglicht. Bei der Gründung dieses Wettkampfes stand die Sorge über die heutige Entwicklung im Spitzenskirennsport im Vordergrund. Dieser wird immer spezialisierter und stellt an die Organisatoren und Teilnehmer zunehmend höhere Anforderungen . Ein Sieger, welcher mit Hundertstel- oder gar Tausendstel-Sekunden ermittelt wird, verdankt des öfteren seinen «Erfolg» dem Materialvorsprung gegenüber anderen Rennfahrern, besseren Psychotherapeuten oder sonst irgendeinem exogenen Faktor. Der sAs-Pentathlon will den obengenannten Entwicklungen entgegentreten. Er versucht, anstelle der ständig wachsenden Spezialisierung Vielseitigkeit zu fördern, Sportindividualisten und -idealisten beiden Geschlechts und jeden Alters in einem gemeinsamen Wettkampf zusammenzuführen sowie Teamgeist und Freundschaft über die Club-Grenzen hinaus aufleben zu lassen.


Chef-Trainer der alpinen StudentenNationalmann schaft Hanspeter D enz ier, SAS Z체rich, mit seinem Weltmeister Denis Du Pasq uier, SAS Lausanne. Kurios it채t dieses Abfahrtsrennen: Die ersten j 0 Fahrer klassierten sich in einem Zeitabstand von nur 3 Sekunden.

Photo M. Jenny

Bisher einziger sAs ler als Teilnehmer an einer Winter-Olympiade: Der damalige Leutnant Arnold Kaech, EM SAS Bern, F체hrer der Schweiz. Milit채r-Patrouille in Garmisch-Partenkirchen, 1936 (in dieser Phase als Schlussmann laufend)

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SAs-Bob. I. Akademische Winterspiele in Cortina d'Ampezzo, '928 (von links): Walter von Stockar, Kar! Weber, Andre Roch, Heiri Binder, Ueli Campel!. Photo Press Agenry Ltd.

KRITISCHE GEDANKEN Anlass für die vorstehenden Ausführungen war - im Sinne der Schneehasen-Chronik - etwas von • den aktuellsten Entwicklungen für die sAs-Geschichte festzuhalten. Im weiteren drängen sich doch auch einige kritische Gedanken zu den aktuellsten Entwicklungen auf. Es scheint, dass auf der Grundlage der sAs-Reorganisation eine Ausweitung der Aktivitäten erreicht worden ist, welche das Mass des Vernünftigen zu überschreiten droht. Es stellt sich zudem die Frage, ob dieses Aktivitäten-Pensum für die Größe des Clubs tragbar ist und ob das überladene Saison-Programm den Aktiven dient oder für sie einen Zwang darstellt. Sehen sich die heutigen Studenten-Rennfahrer nicht vermehrt ausserstande, ihr Studium mit dem Programm eines Spitzensportlers zu vereinbaren? Wohin führt der Drang nach immer mehr und noch besser organisierten Rennen, das Streben nach immer höheren Leistungsgrenzen? Es ist nicht zu verkennen, dass sich im Laufe der letzten Jahre alle unsere Rennen zu sportlich hochstehenden Rennen entwickelt haben. Der Preis für diese Entwicklungen ist jedoch heute bereits nicht mehr zu übersehen: Unsere Rennen tragen zunehmend weniger den Charakter und die Atmosphäre eigentlicher Studentenrennen. Die Teilnehmerzahlen einzelner Anlässe nehmen in gleichem Masse ab wie - als Mass des sportlichen Niveaus - der ssv-Punkte-Zuschlag. Die Kontakte zwischen den Aktiven und den Alten Herren werden seltener. Auch wenn einigen Lesern diese Darstellung als überzeichnet erscheinen mag, so stimmen solche Entwicklungen doch nachdenklich. Dieser Tendenz sollte, selbstverständlich unter Beibehaltung unserer leistungs sportlichen Zielsetzung, in Zukunft entgegengetreten werden. Für dieses nicht allzu leichte Unterfangen wünsche ich dem SAS den Idealismus der zoer Jahre, die Lockerheit und Unbekümmertheit der 50er Jahre und schliesslich, im vernünftigen Rahmen, auch den Perfektionismus der 80er Jahre.

* * * * * «Look for so me task difficult to do, something which is challenge to your skilI, then go out and achieve it» (Sir John Hunt, Leiter der erfolgreichen Mount Everest Expedition im Jahre 19J}) 5°


POR TRAIT OF A PIONEER SIR ARNOLD LUNN, 1888 - 1974 THE ARNOLD LUNN MEMORIAL LECTURE

held under the Auspieces of THE SKI CLUB OF GREAT BRITAIN

and the ALPINE SKI CLUB

London, May 10th 1979 by Walter Amstutz,

SAS

Z端rich

Let others hai! the rising sun: 1 bow to that whose course is run. GARRICK

GIVING THIS MEMORIAL LECTURE on Sir Arnold Lunn saddens my heart, for it is areminder that he is no longer with us, which in a way is in its turn areminder of what is implied by finality. Yet, I find solace in the fact that I was privileged to be his friend for the greater part of my life and that those to whom we have been near for so long never really leave us - they only go before. Bearing this in mind, it fills me with pride that I am able to pay homage to his remarkable and unusual personality. To do justice to a man of his calibre is no easy undertaking. When Dr Harold D avis invited me to give this talk I was hesitant in accepting, feeling much as the well-known Genevese mountaineer, Raymond Lambert, must have feit when he was on ce asked to write a paper on his Himalayan explorations. After mul1ing it over in his mind, Lambert found that he could not shape the sentences to his satisfaction and so he declined by saying: <Le piolet, ce n'est pas la plurne.> I rea1ize that my account cannot possibly record adequately the multifarious facets of the fertile mind of Sir Arnold. Some day, I hope, a 1iterary critic will supply what I lack and evaluate his creative and expressive powers as a man of letters, as an Alpine essayist, as a biographer, novelist, as a controversialist, debater, lecturer, thinker and writer on philosophieal, political and religious matters . He was a man I greatly respected for his outstanding span of intellect. I admired hirn for his brilliancy as a speaker, who could hold an audience in suspense for as long as he liked. Pascal's words, L'efoquence est une peinture de Ja pensee, were befitting for hirn, for he was aperfect word-painter of his thoughts . But apart from respecting hirn for the agility of his mind there were reasons for loving hirn for his uniqueness, his wit, his sense of humour and, above all, for his humanity. I was near hirn for so long that I can only depict hirn as I knew hirn and as I remember hirn - as a friend, and as a friend of Switzerland, which may weil differ from how others saw hirn. The only true portrait of hirn is that which he has hirnself delineated. It is his self-portrait, consisting of his lifework as a ski pioneer who introduced to the world a new sport, which also became an Olympic sport; it includes his prolific output as an author of some 60 books, in addition to innumerable pamphlets and articles on many va ried subjects; it further includes his work as Honorary Editor of j 0 continuous issues of the British Ski Year Book during the course of over seven crowded decades, all out of his measure of 86 years of life. There is no room left for any further addition- sampling is difficult enough. Most of us have never really grasped the vastness of such a catalogue, least of all those who only know his name from a casual mentioning. There is indeed much scope for praise; so much so that it might easily become panegyrical. I know that he could at times madden people as they could madden hirn . That is human. All of us have scars and wrinkles; but I am not here today to account for his. I am here to speak about his time, his world, his interests, his achievements as a skiing pioneer and his fascinating personality.

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It is not a case of Nelson's blind eye, for it is a fact that in our 62 years of acquaintanceship, wruch gradually knitted itself into a close and lifelong friendship, he showed me nothing else but kindness, goodwill and generosity. As we all know, human beings usually display to others the better side of their coin, providing their fellows show the corresponding counterpart. I don't know which of us produced it first. Maybe I was successful in ruding from hirn that part of me which represents the ugly Swiss, to which an 18th-century English visitor referred, remarking that she found it easier to say goodbye to them than to Switzerland. Arnold Lunn skied in the Alps when this was still a novelty and an adventure. Alpine skiing and he began together. This was when he was a boy of 10 and skied in Chamonix in 1898. He was in fact exploring the hig Alps on skis within ten years of the beginning of serious ski mountaineering. In 1908 he crossed the Bernese Oberland on skis from end to end with Professor F.F. Roget. His early ski and winter climbs included the Finsteraarhorn, Wetterhorn, Eiger, Monte Rosa, Weisshorn, Fiescherhorn, Gspaltenhorn, Breithorn and the first ski ascent of the Dom, the highest mountain entirely in Switzerland. In August 1909 he was climbing with rus friend Scott Lindsay in Wales. While he was making a solo descent of the east ridge of Cyfrwy a vast block detached itself and hurled hirn over a cliff. The fall shattered his right leg, as a result of which it was shortened by some three inches and left hirn for years with an open wo und. Trus did not stop rum climbing and skiing, but it hindered hirn considerably. To set hirn in a fitting frame I must go back to the early days when I was a boy, which makes it inevitable that I also say something about myself, for which I apologize; but part of my background is also part of Arnold's, as far as skiing is concerned. Although he was 14 years my senior, we had much in common. We both loved mountains and we both loved books. His background, however, differed very much from mine. Harrow and Balliol College, Oxford, were his impeccable credentials. Mine were of a more modest nature, being descended from mountain peasants (as my name implies), a breed whom Arnold called the <Berglers> and who were his best friends. He respected them for their conservative nature and their inborn sense of tradition. My parents owned a small hotel in M端rren and were ill placed to put a silver spoon in my mouth. That was something I had to find for myself. But they did the next best thing, which was for me even better - they put me on a pair of skis soon after I could walk and endowed me with various other precious gifts. Skiing proved to be most useful (quite apart from being fun) when I later went to secondary school in Lauterbrunnen. It was an exciting daily descent of some 800 metres before school started at eight in the morning. Some days I was alone, on other days there were two or three of us, just enough to chase and ra ce against each other. These competitions were in a way the instigation of my small contribution towards downhilI and slalom racing. Arnold's father, Dr Sir Henry Lunn, had been a medical missionary in India, where Arnold was born. Owing to ill health, Sir Henry changed his job and became a travel agent par profession, but remained a preacher of the Gospel par passion. In the winter of 1910 he opened up M端rren as a winter sports resort, transforming its image completely overnight. The Alps in winter were no longer out of season. Suddenly more U-English was spoken in the village than Swiss-German. The Alpine hamlet quickly became fashionable and acquired a prestigious reputation in London's West End. Alas, the spectacle was only of short duration, for all ended with the beginning of the First World War. August 1916 offered new surprises. The res ort was subject to a friendly invasion by some 800 British officers and men as interned prisoners of war. This lasted Eor two years, set the M端rren railway in motion once again, this time year in, year out, and brought new life into the village. On account oE his climbing accident Arnold was refused a commission in the war and spent most of it in charge oE arrangements for these interned officers in M端rren and Montana. Though we had met before, this was the time when we ca me into closer contact. I was then a boy oE 14 and well remember a meeting on the nursery slopes. My English left much to be desired. Arnold called it swinglish. From 53


what I gathered he was about to write a book on skiing, and that is why he wanted me to explain my version of the functioning of the telemark. But I simply could not explain; it was just one of the things one did, and that was all there was to it. To avoid any further embarrassment, I shot off downhilI, leaving a trail of aseries of these antiquated turns for which I never really cared. Next day, he informed me that my performance had been to his entire satisfaction. From what he saw, as I understood it, he was able to deduct all there was to deduct. After the First World War Sir Henry raised the Mürren curtain for the third act. The preliminaries for it he had prepared long before. He was so struck, after a visit to Grindelwald in January 1892, with the possibilities of the Alps as a winter playground that he founded in 1905 the Public Schools Alpine Sports Club, which was to serve as the mainstay of his winter travel business. Its officers were men of nobility, of rank and style. Nobody was allowed to book rooms in his hotels unless they belonged to this distinguished club, not even a Swiss, much to his annoyance. Sir Henry's company had in the meantime secured for the exclusive use of the club a number of hotels in Switzerland, among them the Palace and all other hotels in Mürren, except the Grand. It was not exacdy a selection on Darwinian prinicples, but it was a selection of a sort, since it guaranteed that its clientele would meet their social equals. Dancing on Sundays was taboo; black tie and the dance programme were an institution. Morals had, however, already decayed slighdy: it was permissible to book more than two dances with the same girl on the same evening. Such discriminating institutions might be a cause of embarrassment, as was the case when the secretary of the late King Albert of the Belgians enquired privately concerning accommodation for a <Belgian family> at the Palace Hotel in Mürren. He was politely informed that the hotel was reserved exclusively for Club members. The Royal family found shelter in the Grand Hotel. During his visit in January 1929 the King was the guest of honour of the sixth Anglo-Swiss Race and its concluding dinner at the Palace. He was much impressed with what he saw, as he said in his after-dinner speech. During dinner the King said to me that it was difficult for hirn to become proficient in any sport with his metier, but as far as skiing and climbing were concerned he could at least claim to be the best among his colleagues. With a smile, he further added that his performance was nevertheless not good enough to qualify hirn for booking rooms at the Palace Hotel. Leslie Stephen in his Life and Letters wrote that <Scenery, even the wildest which is really enjoyable, derives half its charm from the occult sense of human life and social forms moulded upon it. A bare fragment of rock is ugly till enamelled by lichens, and the Alps would be unbearably stern but for the picturesque society preserved among their folds .> The question remains whether Sir Henry's clients were the lichens that enamelled the Mürren rocks. Looking back, it was the age of a tourism tailored to the aristocrat, which had manifested itself in more ways than one. I am reminded of the story that was spread around about the late Aga Khan, who used to stay at the Lausanne Palace before the war. His trouble was that he could not see eye to eye with its manager concerning his personal comforts. He solved his problems by buying the hotel. But the times have now changed, for better or for worse, the pendulum has swung the other way; mass tourism is now the order of the day. Mürren thus became, if not a Crown Colony, at least a British colony for winter sports. On this stage Arnold made his debut as a revolutionary in skiing. Here downhill and slalom racing was the rule, and he was its undisputed leader. In his father's profession he showed litde interest. He had not been over-impressed with the skiing in Scandinavia, with which he was acquainted from personal experience. As an Alpinist the Alps had taught hirn a lesson. They had taught hirn that the difference of topography between north and south was like that of night and day. Ski racing in the Alps obviously needed rethinking. This led hirn to invent a new game which has since developed into one of world importance. His methodical mind caused hirn first to analyse the essence of a game: <Sport>, he concluded, <is the invention of an artificial problem for the pleasure of solving it.> And the problems, and the pleasures, he deduced further, were different in the Alps from what they were in Scandinavia. 54


As far as downhill skiing was concerned, he was of the opinion that the obvious way of testing it was to run downhilI. It was a simple formula, but nobody would hear of it. Tradition dies hard, and the novelty Arnold presented was unknown to those who directed local, national or international skiing policy. They had never heard of a ra ce course defined by pairs of Hags which allowed intricate variations through which competitors had to pass . That was Arnold's patent, and will remain so for ever. We were now in the early twenties, as I was myself. I was fascinated by his personality, which was so unique. Whatever was discussed, whether it was sport, politics or books, the way his crystal-clear brain dealt with everything was for me a revelation . I was at that time a student at the University of Berne, reading first geology, because it had to do with rocks, and later the history of art, law and economics, vaguely hoping that this might eventually lead to the making of a living. These studies were much interrupted by frequent intervals of climbing and skiing. I had joined that carefree brotherhood which Arnold has so aptly called the studon'ts. To supplement my lack of cash I also became a ski instructor. This was a rather one-sided game, for I offered my know-how against a fee, whereas my British pupils responded by correcting my English free of charge. There were further rewards; I met amongst my pupils my future English wife. Being a ski instructor nevertheless had its drawbacks. According to British standard rules it made me a professional, which implied that I could no longer compete in any international ski race against British entrants . This suited neither Arnold nor mys elf. Iwanted to race, and he needed as many qualified demonstrators as possible for his game. He said my dilemma could be solved and drafted arequest to the President of the Ski Club of Great Britain, explaining m y special case, and then advised me to sign and dispatch it. I took great care in retyping it, knowing that Arnold's style of typing was as unmistakably his own as was Picasso's style of drawing; it would have betrayed us both. Thanks to his eloquent pleading the letter served its purpose. When I later met the President I had an uneasy feeling of suspicion, for he said to me: <I always knew that you could ski and that you were a student; we found your arguments completely convincing in order to reinstate you as an amateur. But>, he added, <I had no idea that you could write such an excellent letter in English. I'm not quite sure whether you are not a professional writer.> Arnold chuckled when I informed hirn later about this interview - he was as pleased as Punch. I924 was for me a year of many successful climbs and first ascents. In May of that year Arnold and I planned to make an attempt of a first ski ascent of the Eiger. It is of course not exactly a mountain which offers ideal slopes for downhill skiing, but it offered scope to prove what Alpine skiing implied. The same can be said about the Jungfrau, which my friend von Schumacher and I climbed and traversed two months later for the first time on skis from Jungfraujoch to Eigergletscher. On the Eiger climb there were four of us oI invited my friend Willy Richardet to accompany us and Arnold engaged Fritz Ammacher from Grindelwald as his porter. It was a dramatic climb. Twice I nearly met apremature death. On the previous day Richardet and I were reconnoitring the ice-fall above Eigergletscher Station to find a route through the maze of crevasses. Late in the afternoon on our way down we were caught in a huge ice avalanche, from which somehow we just managed to escape. It was touch and go. Next day, on our descent from the Eiger, Arnold slipped up near the top; the strength of his game leg was spent. As we were roped together, I was pulled after hirn. Our fall was miraculously halted by a tiny spike of rock which caught the rope just before we would have been hurled over a precipice. Fate had ordained that downhill and slalom racing was to come about. In my climbing diary Arnold wrote this note: <This was the most interesting climb in all my experience and might have been the last. The Amstutz-Richardet rope race from the avalanche was one of the most exciting races I have ever watched.> What was once declared as da ring seems now to be a tarne affair. Sylvain Sau dan and Heini Holzer (whose reckless courage was his undoing on Piz Roseg), as well as Kurt Jeschke and others have since set new standards of skill for skiing down precipices, such as the north shoulder of the Eiger, the Marinelli Couloir on Monte Rosa, the infernal Cervasutti Couloir on Mont Blanc, the north face of Piz Roseg and both the Breithorn and Weisshorn north-east faces, to mention just a few. 55


Members of the University Alpine Club, Berne, were amongst the early pioneers of winter mountaineering, photo c. '920

We have travelled a long way since Colonel Strutt, a former Honorary Editor of the Alpine Journal and President of the Alpine Club, evaluated the use of skis in the high Alps as he saw it at his time. In a letter quoted in the last Presidential Report of the Alpine Ski Club, Colonel Strutt wrote to Arnold Lunn around 1908: <Skis are only suitable as originally used in Norway for the ascent of gentle grass or shale summits or as aids to serious mountaineering to enable one to reach a club hut.> However, standards of early climbers and skiers were not lower because they were faint-hearted . It is the refinement of equipinent together with a fresh, detached outlook which has in the course of years geared mind and body to an ever higher standard of technique, daring and accomplishment. It is a revealing fact that a great thinker like Orte ga y Gasset should have been struck by this phenomenon already half a century ago. In his Revolt of the Masses he calls it an <increase of vital potentiality> and goes on to state that <it is a constant and wellknown fact that in physical effort connected with sport, performances are put up to-day which excel to an extraordinary degree those known in the past.> It is difficult to predict when the ultimate will be reached, though one day it must, for no athlete will ever be able to run a hundred yards in zero seconds. As far as mountains are concerned, my old friend and climbing companion Andre Roch always used to say: Ou i/y a de ja neige, on peut toujours al/er. Today, the most forbidding overhangs are no longer obstacles; artificial climbing aids have made the imposible possible. As far as Alpine skiing is concerned there seems to be no limit in sight of what is feasible either. I am led to say: Ou i/y a de la neige, on peut toujours faire du ski, however steeply inclined a face of a mountain may be. Some mountaineers have difficulty in accepting such provocation, which they consider to be a desecration of the mountains. Lord Schuster for one, an ex-president of the A lpine Club, whose Alpine essays are a pleasure to read, expressed the sentiment of Alpinists of an earlier generation who are of the opinion that <mountains are things to be reverenced and not treated as slides.> Reverence and sporting daredevilry, however, are not necessarily antipodes, but rather matters of personal taste and


ability. The thrill of skiing down a slope increases with its angle (providing one is young enough), which is difficult to appreciate for anyone who has never experienced it. Whatever opinions on such matters may be, Arnold Lunn's deep religious feeling never hindered hirn from admiring great mountaineering feats; trus for hirn did not imply in any way a disrespect for the Almighty. From his M端rren headquarters, Room 4 in the Palace Hotel, he reigned supreme. In those early days this seemed to me to be a more important place than No. 10 Downing Street. It was more like a studio, full of atmosphere. The walls were decorated with signed photos of kings, ex-kings and princes, with pinned-up cartoons, news paper cuttings and curiosa of many sorts; table and desk were overloaded with various kinds of tomes, minute-books, letters and papers, skiing and climbing magazines in all languages. The sagging bookshelves groaned under their burden. The room was cluttered in every angle with boxes, ski-boots, old pairs of skis with a history, slalom Hags of various shapes and makes. From here he wrote tirelessly with the help of an antiquated dictaphone and a worn-out typewriter articles, letters and messages to all four corners of the world to spread his concept of Alpine skiing and ski racing. Everything in his retreat seemed to be in utter confusion. Yet, when Arnold needed something he carefully sifted the many strata of documents and fished out whatever he was looking for in no time. His filing system, he said, was his own, but he welcomed my explanation when I pointed out to hirn that it must be somehow related to a mathemathical theorem, according to which a certain disorder can turn out to be an ideal disorder. In his room No. 4 and later in his apartment in the Jungfrau Lodge he kept us all in fits of laughter with rus coining of new words and his funny stories. It would have taken more than one Boswell to record them all. Never was it a case of more laughter in the next room, it was always one of more laughter in the same room. Once when he was travelling in Italy, Arnold related, a young English tourist in a conducted party had told rum that he hated picture galleries and would run a mile when people started talking about such things as the influence of the pre-Raphaelites on Raphael. On another occasion he told us about a visit of his to America, when his hostess called her young son to carry his luggage upstairs to his room. The boy shouted back: <l can't, mum, I'm relaxing.> Not so long before he died, when he was al ready frail, an American lady journalist came to interview rum in M端rren . She wanted to know when he had last skied. To her blank astonishment he said' <Trus morning>, which was perfectly true, for he had been pottering around on an pair of skis earlier that day on the nursery slopes. The year 1924 was the annus mirabilis for Alpine skiing. In that year the FIS was founded in Chamonix. On January 30th Arnold founded with friends the Kandahar Ski Club in M端rren, wruch from now on was to be the carrier of his ideas. I was at that time a youth of 22 and had become his ardent pupil and ally. I was determinded to form a similar Swiss Ski Club of importance in order to spread his gospel amongst German and French speaking skiers. What could have been better than a Swiss University Ski Club, which at that time did not yet exist? On November 26th of the same year, three of us, Dr Hermann Gurtner, Willy Richardet and I founded the SAS in Berne, which has since grown ioto a flourishing club of nearly 1000 members. The two clubs organized the first Anglo-Swiss downhilI and slalom race, an event which has since beco me a yeady tradition between British and Swiss University men. In order to spread the new message amongst the German and French speaking public I founded and edited a year book called Der Schneehase which was pu blished for the 30th time on the occasion of the 50th anniversary of the SAS . It was, until the brilliantly edited British Ski Year Book by Arnold ceased publication, its counterpart in German. A close co-operation between the Kandahar Ski Club and the SAS grew out of these beginnings. Mr. James Riddell had the brilliant idea of commemorating the 50th Jubilee of the two clubs with the simultaneous issue of a British and a Swiss stamp with an appropriate skiing subject. I had the blessing of the Swiss Postmaster General but at the last minute the Labour-minded British postal authorities did not consider that skiing had sufficient proletarian appeal to justify the issue of a special stamp. 57


In 1926 the SAS organized the first International University Downhill and Slalom Race in St Moritz. It was a milestone of Alpine ski racing as it was the first race of this kind disputed internationally. But it began with a crisis. It convinced the international press, it convinced the Austrian, British, German, Italian and Swiss competitors (if they had not al ready been convinced before) but it did not convince the Kurdirector of St Moritz . I had asked Arnold to set the slalom, which was to be the showpiece of the event. To this the Kurdirector, Mons . de Mestral, objected violendy, although it did not concern him in the least; but he wanted to set it himself, in spite of the fact that he had abolutely no idea of the new concept of Alpine ski racing. For him it was to be a slalom in accordance with the traditional practice of zigzagging round single Hags. Litde did I know, or did he know at the time, that I was to be his successor in his office in St Moritz four years later. A violent quarrel between him and Arnold was the opening scene of this event. To prevent a hand-to-hand fight, I intervened. Salastrains very nearly earned the reputation of being the Battlefie/d 01 Slalom. I had never seen Arnold in such atemper. About losing it, he wrote in one of his books, <that it is easy to keep one's temper in attack, less easy in defence, least easy when one is defending one's deepest convictiom, which was exacdy what he was doing on this occasion. When the slalom was over a journalist asked me who had won. I said, <Arnold Lunm. <Oh>, he replied, <l thought he was setting it.> <Yes>, I answered, <that is exacdy what he did.> According to Arnold's report this slalom reHected the temper in which he had set it; <it was>, he wrote later, <a brute of a slalom.> He was right; I thoroughly enjoyed running it. <This day was>, in his own words, <the big day of crisis in the history of downhill racing.> However, nothing succeeds like success . From that date on Alpine skiing was more and more to the fore. In 1928 Arnold organized with Hannes Schneider the Arlberg-Kandahar Race, which was for years to come the most important downhill and slalom world event; in the same year he initiated the Inferno Race in M端rren, the longest downhill ski ra ce in the world. It was also in the same winter that the FIS Congress in St Moritz adopted aresolution put forward by Arnold on behalf of the Ski Club of Great Britain that the FIS should be invited to try out the British rules for downhill racing and report their conclusions to the FIS Congress of Oslo in 1930. A committee for special studies of Alpine ski disciplines was formed and chaired by the Swiss Dr K. Dannegger. This Congress in Oslo was to be Arnold's coronation. Two much disputed decisions were put to the

<Geschmozzle> start. Roberts of Kandahar Race, Schiltgrat, M端rren, 30. 12. '927. Ford Leading, followed by Joannides, Mackintosh, Riddell.


Arnold Lunn in the ,St端bli) of the Palaee Hotel Sr. Moritz on the oeeasion of the 10th Anglo-Swiss Raee, January 3. and 4.,1935 . On the table ean be seen the Anglo-Swiss Challenge Cup and a repliea whieh Hans Badrutt had had seulptured in iee for the oeeasion of the dinner.

vote. First: the question of whether ski instructors should be allowed to compete in open international ski races; the second: to give international recognition to downhill and slalom racing. Arnold was the delegate of the SCGB . Switzerland was represented by Dr Dannegger and myself, as a member of the newly formed FIS Downhill and Slalom Comrnittee. Dr Karl Dannegger was not an experienced ski-runner hirnself, but he was a highly skilled judge and an ardent supporter of the ski instructor's case. His attitude to down hili and slalom racing, however, had until quite recently been rather lukewarm, at least until I had invited hirn to attend the second University World Winter Games in Davos earlier that year. Both Arnold and Dannegger knew that they needed each other's support for their respective cases. We were only sure that we had that of Count Bonacossa of Italy and Count Hamilton of Sweden for the indusion of downhilI and slalom racing in the international schedule. Arnold was well aware that within the SCGB at that time opinions about ski instructors were divided. Dr Dannegger's arguments in favour of ski instructors were a revelation. He said: ,A ski teacher is not paid for skiing, but for teaching . He is a professional teacher, if you like, but he is not a professional skier.> Arnold was so overawed by this forensic ability that he rose, made a profound bow to Dr Dannegger, as he later wrote, and said: <l surrender, I have met my master.> Dannegger's support for the downhill-slalom proposition was now a question of noblesse oblige. It was forthcoming, not only from hirn, but also from other quarters, and Arnold hoisted the little Union Jack on the table in front of hirn. At the time of this Scandinavian trip hats were, as far as fashion was concerned, de rigueur. Please note, I am talking about men. But quite apart from such trivialities a hatless state gave one an odd feeling of not being dressed. Arnold tried to live up to it, but he failed; he lost his first hat in Oslo, his second in Stock holm. He never lost his third, because he never bought another.

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Skiing gloves and a wallet were easier to harness, they could be fixed on astring round his neck or could be tied to a chain, providing the chain was attached to the wallet. One day when Arnold paid me a visit in Zurich, I met hirn at the station with my car. When he was asked to produce his pass port at the hotel desk he was alarmed to discover that he had the chain only but no wallet. <Let's retrace my steps>, he said to me. <What!>, I exclaimed, <as far as Interlaken in this cold and rainy November night?> He knew exactly what he was doing, his memory and his power of concentration were enormous when it mattered to hirn. <Let's see how far we get>, he replied. So I drove hirn back to the station and to the place where I had parked my car. A taxi was now stationed there. <Here>, he said, <is where I bent down when I stepped into your car.> I looked under the taxi, but could see nothing; it was pitch dark. I scraped around with the handle of my umbrella and suddenly fished out his wallet. <You see>, he said, <that's exactly the place where I thought it must be. People accuse me of being absent-minded; but because I'm always preoccupied with what I'm thinking at the moment, I'm just the contrary; I'm not absent-minded, I'm present-minded.>Detachment is the privilege of the preoccupied- of those who hear but do not heed, to borrow Byron's words. It is by such purely personal incidents which recall Arnolds, present-mindedness that many of us like to remember hirn. One, treasured by my wife Eveline, took place years ago. It is small, a cameo, carved out of their long friendship. It was arranged that after attending a ski club meeting Arnold should collect his wife Mabel and bring her to our chalet for dinner. He arrived alone. Realizing what had happened, Eveline went to fetch her. As Mabel came into the room where Arnold was sitting, she stood behind hirn and, putting a hand on his shoulder, said: <Arnold, I believe you even forget you have a wife!> Taking that small hand in his he replied: <Ah! but not very often!> There was laughter from other guests. They found it amusing, but what they had missed was the warmth of deep affection in his voice. Once, on a December day, our paths crossed by chance at London airport on our way to Switzerland. He obviously had had so me overweight luggage problems which he had solved by stuffing his rucksack to the brim and then slipping his heavy winter coat over body, rucksack and all. The appearance was grotesque, which he did not deny. <As you see>, he greeted me, <l am the hunchback of Natre Dame.> Most of his actions were based on reason. He became a Catholic by reason, as he said hirnself, and reason is a matter of faith, as Chesterton said. Reason was indeed the main pivot to which his mind was linked. An American hostess found it difficult to believe that the inventor of the slalom was the same man as had written The Flight from Reason. But then she had probably never read the chapter in his autobiography which bears the title The Return to Reason. It was also through reason that he hoped to convince our common friend, the Contessa Bonacossa, that she should believe in the RC dogma, or at least in her Creator. She argued that she had some difficulty in accepting his credo since she was deeply involved in objective reality, being much influenced by the theories of Fichte and German idealistic philosphy. Such a sweeping statement of scepticism was grist to Arnold's mill. He made a startling sally with the provocative question, intended to be his coup de grdce: <You do of course admit, Etta>, he said, <that you exist>; wherupon she flashed back: <No, I don't, Arni- touche!> Switzerland has lost in Arnold Lunn one of its sincerest friends and admirers. It was his second horne. He loved its people and lauded its mountains in his literary works. He was in accord with Ruskin, who wrote <that the best image which the world can give of Paradise is in the slope of the meadows, orchards, and corn-fields on the sides of a great Alp, with its purpIe rocks and eternal snows above.> Such alandscape was indeed also Arnold's idea of Paradise on earth. He had hirnself described it at its best in his Mountains of Youth. Later, during and after the last war, I became his German publisher. His books were a discovery for the German-speaking public. One of them, the studious work and translation of Switzerland and the English, won much applause from many scholars and earned hirn, together with his other books on Switzerland, the honorary degree of Doctor of the University of Zurich. In recognition of his life-work much honour was showered upon hirn. He was a founding member

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Arnold Lunn o n the Northern Eigerjoch on the occasion of the first ascent of the Eiger on sk is, 17. 5¡ '9 2 4. The party consisted of Waltet Amstutz, Arnold Lunn, Willy Richardet and Fritz Ammacher (as porter). Photo Walter Amsttltz

and president of several ski and mountaineering clubs and was an Honorary Member of so many of them that I cannot mention them all here. He greatly treasured the award of the Pery Medal, the Honorary Membership of the GHM for his contribution to snow craft, that of the Alpine Ski Club, the Swiss University Ski Club (SAS) and, above all, the Alpine Club. For its jubilee he wrote the masterly work A Century 0/ Mountaineering. The Queen bestowed a knighthood on hirn for his contribution to Anglo-Swiss relations; he was an Honorary Citizen of Chamonix and a bearer of the Gran Cruz Isabella Catolica of Spain. I personally owe hirn a debt which I have never been able to repay. He enriched my intellectuallife immensely through his wide reading and his didactic gifts. I learnt more from hirn than I did from any of the several universities at which I have studied. As he grew more fragile towards the end of his life he never seemed to lose his original way of thinking or his sense of humour. Two years before he died he gave me a letter concerning his Honorary Member Certificates to be left to a planned Arnold Lunn Room. As a confirmation of the sanity of his state of mind he added after his signature in brackets ÂŤaliveÂť. His physical sufferings he bore with great dignity, but as a convinced patriot he deplored the decline of his country. It depressed hirn that his frequent letters to THE TIMES did not stir the echo he had hoped. What would he have said living in an England without THE TIMES today? Yet, he remained a tenacious herald to the end. <There is no rest for the messenger till the message is delivered>, Joseph Conrad wrote; he might have written it for Arnold . In all his 86 years he never failed to deli ver his message, and for that his name will be rememberd in gratitude by millions of skiers for generations to come. 61


All things and alllives come to an end, as did the life of Arnold Lunn. Taking leave of him implies taking leave of an epoch which went with him to his grave; it was an epoch that bore very much his personal stamp. It began with what he called the Golden Age of skiing, the gilding of which was done by his own hand. It ended in a triumphal finish on a course which he had set himself. I can find no better parting words than his own, expressed in his beautifully composed prayer LEVAVI OCULOS, which Phyllis, his second wife, found after his death, inscribed on the back page of his missal. It is the essence of the very spirit of the man he was, confirming his belief in his Creator and echoing the voice of the high hills which meant so much to him, as they still do to so many of his friends.

Let me give thanks, dear Lord, in the Jrailty oJ age Jor the beloved mountains oJ my youth, Jor the ehal/enge oJ roek andJor the jcry oJ ski-ing, Jor the Jriends with whom I cfimbed and skied, and above al/, dear Lord, Jor those moments oJ revelation when the temporal beauty oJ the mountains reinJorces my Jaith in the Eternal Beauty whieh is not subjeet to deeay.

SIR ARNOLD LUNN KT 195' Hon. DPhil (Z端rich), 1954; Citoyen d'honneur of Chamonix, France, 195'; Grand Cross oflsabella Catolica, Spain, 1959; b Madras, ,8 April 1888; es of late Sir Henry Lunn; m Lady Mabel (d '959), d of late Rev. Hon. John Stafford Northcote, Chaplain to HM, and sister of 3rd Earl of Iddesleigh; two sone d; m 1961, Phyllis, d of late O. N. Holt-Needham. Educ: Harrow; Balliol Col!., Oxford. Sec., Oxford Union Soc.; Edited the Isis. Ex-President Ski Club of Great Britain, Founder and Ex-President of Alpine Ski, Kandahar Ski and Oxford Univ. Mountaineering Clubs; Mem. Ctee, lnternat. Ski Federation. 1934- 49; Chm., International DownhilI Ski-racing Cttee. 1946- 49; invented and obtained Olympic recognition for the modern Slalom race. During war of '939- 45, Press Correspondent Balkans, Chile, Peru. Lectured: in USA; for British Council, Spain, Rome, Malta; Lowell Lectr. Harvard Uni v., 1960. Attached to Ministry of Information (SP), War Office, June 1941; to Amer. High Comr in Germany, April- July 1953. Pllblications: Guide to Montana, 1907; Oxford Mountain eering Essays (ed.), 191'; The Englishman in the Alps, 191'; The Harrovians, 19'3; Ski-ing 19'3; The Alps (Horne univ. Library), 1914; Was Switzerland Pro-German? (nom de plI/me Sutton Croft), 19'0; Loose Ends, 1919; Auction Piqeut (nom de plI/me Rubicon), 1920; Cross Country Ski-ing, 1920; The Alpine Ski Guides (Bernese Oberland), 1920; Alpine Ski-ing, 19'1; Roman Converts, 19'4; Ski-ing for Beginners, '9'4; The Mountains of Youth, 19'5; A History ofSki -ing '927; Things that have Puzzled Me, 1927; Switzerland (Kit-bag Travel Books), '9,8; John Wesley, 19'9; The Flight from Reason, 1930; The Co m-

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plete Ski-runner, 1930; Family Name, 193 I; Venice (Kitbag Travel Books), 1932; (with Rev . R. A . Knox) Difficulties, 1932; The ltalian Lakes and Lakeland Cities, 1932; Within the Precincts of the Prison, '932; (with C.E.M. Joad) Is Christianity True?, '933; Public School Religion, '933; Now I See, '933; A Saint in The Slave Trade, '934; (with Prof. ].B.S. Haldane, FRS) Science and the Supernatural, '935; Within that City, 1936; Spanish Rehearsal, 1937; Communism and Socialism, 1938; Whither Europe?, '940; Co me What May: An Autobiography, 1941; And the Floods Came, 194'; Mountain Jubilee, 1943; The Good Gorilla, 1943; Switzerland and the English, 1944; The Third Day, 1945; Is the Catholic Church Anti-Social? (with G .G . Coulton), 1946; Switzerland in English Prose and Poetry, 1947; Mountains of Memory, 1948; The Revolt against Reason, 1950; The Cradle of Switzerland, '95'; The Story of Ski-ing, 195'; Zermatt and the Valais, 1955; Memory to Memory, '956; Enigma, '957; A Century of Mountaineering, 1957; The Bernese Oberland, 1958; And Yet so New, 1958; The Swiss and their Mountains, '963; The Englishman on Ski, 1963; The New Morality (with Garth Lean), 1964; The Cult ofSoftness (with Garth Lean), 1965; Matterhorn Centenary, '965; Unkilled for So Long (memoirs), 1968; (with Garth Lean) Christian Counterattack, 1969; The Kandahar Story, '969; contributed to Encyclopredia Britannica; Editor Georgian Stories, 19", 19'4,1925; Co-Editor, Ski Survey, 1971; Editor British Ski Year Book 1919- 71. Clubs: Athenreum, Alpine (Hon. Mem.). (Taken from WHO'S WHO 1974)


LANGLA UF IN NORWEGEN Aksel Gresvig, SAS Norge Berater: Odd Martinsen, Olympiasieger und Weltmeister

DIE W E LTMEISTERSCHAFTEN IN HOLMENKOLLEN/O SLO 1982 Die Stellung des nordischen Skilaufens in Norwegen und was die Spitzensportler dieser Disziplinen für das norwegische Volk bedeuten, beschreibt man am besten durch einen Blick auf die Weltmeisterschaft in Oslo 1982. Unter den Läufern ist Holmenkollen für seine besondere Atmosphäre bekannt und beliebt. Nirgends auf der Welt werden die Loipen von so vielen enthusiastischen Ski-Könnern und -Fans bevölkert: 50000 an den grossen Tagen der Meisterschaft. Die Fernsehübertragung der Weltmeisterschaft 1982 war einmalig. NRK (Norw. Rundfunk) hat später einen internationalen Preis für die Übertragung der 4 x 10 km Herrenstaffel erhalten: Jeder Meter der Loipe war von Kameras überwacht und die ganze Dramatik hervorragend übermittelt. Das ist noch nie vorgekommen: Millimeterstreit sowohl für Gold wie für Bronze - und erst nach Diskussion der Jury an zwei Mannschaften erteilt. Im neuen Mannschafts-Wettbewerb der nordischen Kombination hat es dazu noch zwei Silbermedaillen-Mannschaften gegeben. Die norwegische Mannschaft hat sich in jeder der 13 Einzel-Disziplinen mindestens eine Medaille geholt. Ein derartiger Erfolg einer Nation ist seit dem 2. Weltkrieg sonst nur einmal vorgekommen: Durch eine überlegene finnische Mannschaft bei der Weltmeisterschaft 1958 in Lahti, Finnland.

«HOME-COURSE» Sind vielleicht «home-course»-Rennen bei den nordischen Disziplinen mehr ausschlaggebend für den Erfolg als z. B. bei Alpinrennen? Um die norwegische Mannschaft als Beispiel zu nehmen: Beste

Aksel Gresvig, Präsident SAS Norge, und Odd Marrinsen bei der Komposition dieses Beitrages


Nation der Olympischen Spiele 1952 und der Weltmeisterschaft 1966, beide in Oslo ausgetragen. Beispiele der «Misserfolge»: Lahti, Finnland 1958. Falun, Schweden 1954 und 1974. Lake Placid, USA 1980. Jedoch: Gesamtbeste Nation Grenoble 1968 - und 6 Langlaufmedaillen Sapporo 1972. Die Statistik gibt uns also keine eindeutige Antwort, lässt uns aber annehmen, dass sich eine Meisterschaft «zu Hause» besser vorbereiten lässt und aus psychologischer Sicht vorteilhaft ist. Von grosser Bedeutung für eine erfolgreiche Meisterschaft der nordischen Disziplinen scheinen aber die Ski-Traditionen und Erfahrungen des Austragungsortes zu sein. In dieser Hinsicht waren z.B. die Spiele in Lake Placid ein schlechtes Beispiel. Trainer und Betreuer allein als Zuschauer schaffen keine «Stimmung» für die Aktiven, und zudem lag das Wohnquartier sehr weit vom Skistadium entfernt. Sarajevo nächstes Jahr wird spannend sein: Die vorolympischen Spiele haben eine unwahrscheinliche Unstabilität des Wetters und der Schneeverhältnisse gezeigt: «Alle vier Jahreszeiten während eines Laufes». In der technischen Durchführung der Rennen kann man bis nächstes Jahr einige Verbesserungen erwarten . Eine echte «Skitradition» lässt sich aber innerhalb kurzer Zeit nicht so einfach aufbauen.

HOLMENKOLLEN ALS «MEKKA» DES NORDISCHEN SKILAUFS Trotz des offenbaren Chauvinismus des Verfassers: Holmenkollen ist nahezu ideal für nordische Rennen: Stabile Schneeverhältnisse - wenn auch nur 350- 450 Meter über Meer. Die Loipen sind nur 15 Autominuten von der Hauptstadtmitte entfernt und sogar mit der «U-Bahn» erreichbar. Dazu kommt ein enthusiastisches «Kenner-Publikum», das echte Begeisterung und Anerkennung zeigt, sei es für Leistungen von Läufern eigener oder fremder Nationen. Z. B.: Thomas Wassberg, Schweden, nach dem 50-km-Sieg: «Meine grösste Hochachtung für das norwegische Publikum». Die Loipen des Holmenkoffen sind hart, schJlJer und abwechslungsreich. Immerhin waren 1982 sowohl das 10-km-Rennen der Damen wie auch das lj-km der Herren die schnellsten einer Meisterschaft überhaupt. Oddvar Braa hat nur 2;12 Minuten pro Kilometer gebraucht. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 23 km/ Stunde. Vielleicht hängt das - neben den guten Schneeverhältnissen mit der gewaltigen Begeisterung des Publikums der ganzen Loipe entlang zusammen. Die Läufer werden zu überdurchschnittlichen Leistungen angespornt. Ferner spielt das Interesse der Königsfamilie für die ganze Stimmung und das Festivitas des Rennens eine Rolle. König Olav - jetzt 80 - , selbst einmal aktiver Springer und Teilnehmer der Holmenkollrennen, ist immer dabei. Das Kronprinzpaar, Sonja und Harald, sind bekanntlich auch begeisterte Skiläufer. Der Kronprinz hat sich als Vorsitzender des Organisationskomitees mit der Durchführung der Weltmeisterschaft intensiv befasst. Sein 45. Geburtstag feierte der Kronprinz übrigens bei der kleinen Sprung-Schanze der Weltmeisterschaft mit 50000 «Gästen», und einem gigantischen Kuchen! «Foreningen tif Skiidrettens FremmeJ) (= «Die Vereinigung zur Förderung des Skisports») wurde 1883 gegründet und gehört somit zu den ältesten Skiorganisationen der Welt. Sie ist der Veranstalter der Holmenkollrennen und war somit auch für die Weltmeisterschaft verantwortlich. Eine gewisse Erfahrung hat man schon . .. : Das 1. Holmenkollrennen wurde 1892 durchgeführt. 1983 hat übrigens diese Vereinigung ein neues Skimuseum - direkt an der Schanze - eingeweiht.

NACH DER WELTMEISTERSCHAFT . . . Während der «Highlights» der Meisterschaft war die Produktivität der norwegischen Wirtschaft um die Hälfte reduziert. Dies ist wahrscheinlich ein «billiger Preis» für die Unterhaltung und Inspiration, eine gros se Vitaminspritze für das ganze Volk . Langlauf hat den Vorteil, dass es von beiden Geschlechtern ausgeübt werden kann und zwar bis ins sehr hohe Alter. Weltmeister werden immer Idole eines Landes, grosse Vorbilder für die junge Generation . Die Weltmeisterschaft von 1982 hat einen sehr positiven Einfluss auf die Langlauf-Rekrutierung gehabt. Eines muss aber bis zum nächsten Mal geändert werden: Die nordische Kombination (individuell) muss nach der «Gunder-Methode» ausge-


Oddvar Braa

VG-Photo

Donator Hubert Weisbrod, EM,

SAS

Z端rich


tragen werden, um das Publikumsinteresse auf der Höhe zu halten. Diese Methode (nach dem «Erfinder» Gunder Gundersen genannt) bedeutet, dass die Startreihenfolge des Langlaufs der Rangliste des Springens (auch zeitlich) entspricht. Also: Erster Mann im Ziel ist der Sieger. Der Abstandzwischen Gold und Silber war diesmal nur 2/ 10 Sekunden zugunsten des Norwegers Tom Sandberg, der es schaffte, in der Loipe 100 Sekunden aufzuholen. Das Publikum hätte diese Spannung als einen Kampf um Zentimeter an der Ziellinie miterleben können: Der Silbermedaillen-Gewinner hätte sogar «antworten» können und somit seine Führung von der Sprungschanze verteidigt. Der BronzemedailleGewinner wäre übrigens nur 2 Sekunden später ins Ziel gelaufen ...

DIE «KÖNIGIN» DER MEISTERSCHAFT - BERIT AUNLI 3x Gold - IX Silber: Eine einmalige Leistung in einer Meisterschaft mit 4 Disziplinen! Berit Aunli, 27, ist die Tochter von Kristen Kvello, ehemaliger norwegischer Meister und Trainer der Nationalmannschaft. Während der Weltmeisterschaft war er «Speaker» für Langlauf. Sachlich und neutral, aber mit Gefühl, hat er die Spannung der Meisterschaft und die Erfolge seiner eigenen Tochter über den Lautsprecher vermittelt. Keine einfache Aufgabe für einen stolzen Vater! Der Mann von Berit ist Ove Aunli, auch Mitglied der Mannschaft und Medaillengewinner (Staffel). Der Erfolgstrainer der Damenmannschaft, Dag Kaas, hat 1980 eine Erneuerung und Verjüngung der Mannschaft vorgenommen. Es ist jedoch bemerkenswert, dass die Schlussläuferinnen der russischen und norwegischen Mannschaften der Staffel 40 (Kulakova) beziehungsweise 20 (Brit Pettersen) Jahre alt waren. Im Langlauf können also die Sportlerinnen sich wesentlich länger an der Spitze halten als in anderen Sportarten. Berit Aunli ist jetzt Mutter geworden, wird aber 1984 wieder am Start sein! Warum war sie bei dieser Meisterschaft so überlegen? Erstens war sie offenbar zum richtigen Zeitpunkt in Form. Zweitens passt das Profil der Holmenkolloipen ausgezeichnet zu ihrer Technik. Mit ihrem schnellen Rhythmus und dem effektvollen, zeitlich gut abgestimmten Abstoss, hat sie ihre besondere Stärke, wenn es bergauf geht. Dazu kommt der psychologische Vorteil, dass die Meisterschaft im eigenen Land ausgetragen wurde. Berit Aunli ist eine zielbewusste, ausgesprochen temperamentvolle Läuferin mit sehr starkem Willen. Die Kombination von Willen und Temperament nützt ihr besonders in der Abschlussphase des Rennens viel. Wenn auch noch so müde, hat sie die beneidenswerte Fähigkeit, im entscheidenden Moment, wenn sie durch ihren Betreuer über die Lage des Konkurrenz informiert wird, das Tempo noch um einiges zu steigern. Die Grundlage hat sie natürlich zu Hause bekommen durch den Vater, der mit allen seinen 6 (!) Kindern das Skilaufen sehr früh angefangen hat. Er hat aber nie forciert, sondern immer betont: Das Skilaufen ist ein Spiel, es soll vor allem lustig sein. Dieses «Spielen» als Kind ist vielleicht gerade der Grund, dass sie jetzt so draufgängerisch als Rennläuferin ist. Systematisches Training allein macht keinen Meister.

ZUM

1.

MAL WELTMEISTER, ABER DOCH DER «GRÖSSTE»: ODDV AR BRAA (32)

Kaum jemand hat seinen Weltmeistertitel dermassen verdient wie der Sieger der 15 km und der Staffel: Oddvar Braa, World Cup-Sieger und der beste Langläufer der Welt der letzten 10 Jahre. T 5 norwegische Meisterschaften. Dennoch: Vor 1982 keine individuelle Olympia- oder Weltmeisterschafts-Medaille. Oddvar Braa ist stilistisch gesehen nicht der Eleganteste, aber ein effektvoller «Fighter». Er ist der aufmerksame und arbeitende Rennläufer, der jederzeit die Geländevariationen maximal auszunützen weiss. Er hat keine ausgeprägte Spezialität, gehört aber zu den stärksten, sowohl bergauf wie in den Abfahrten. Unter normalen Umständen wird gesagt, er sei im Endspurt unschlagbar. Braa hat sich jetzt entschieden, noch zwei Jahre zu laufen: Wettkampf ist sein Leben: «Das Aufhören ist schwerer als zu gewinnen!» Voller Einsatz in jedem Rennen, und, wenn kein Schnee ist, dann Leichtathletik: 5000 m, 10000 m oder Geländelauf. Immer neue Wettkämpfe. Sein Entscheid, sich 66


für die nächste Saison vorzubereiten, hängt auch mit der neuen und besseren Gestaltung des WeltCup-Programms zusammen. Die bisherigen Überschneidungen zwischen Welt-Cup-Rennen und nationalen Meisterschaften werden vermieden. Das mag Oddvar Braa gern. World-Cup-Punkte sammeln ist seine Spezialität. Niemand auf der Welt hat so viele, sein Rekord ist kaum zu schlagen. - In Sarajevo wird eher der «Wettkampf-Mensch» Braa als der regierende Weltmeister Braa an den Start gehen.

TRAININGSMETHODEN UND WACHSEN Nach einer für die norwegische Mannschaft schlechten Saison 1978, hat Magnar Lundemo die Funktion des Herrentrainers übernommen. Vorher hatte er für Österreich eine Langlaufmannschaft aufgebaut. Zwei Jahre später übernahm Dag Kaas, der zuerst als Juniorentrainer tätig war, die Verantwortung für die Damenmannschaft. Die bei den haben psychologisch gesehen einen sehr positiven Einfluss gehabt. Ruhe und Vertrauen sind die Voraussetzungen für jede gute Mannschaft. Die Trainer dehnten das Sommertrainingsprogramm stark aus: Skilaufen auf Schnee abwechselnd mit Rollskilaufen. Für das Konditions- und Gleichgewichts-Training sind die Rollski gut geeignet. Insbesondere wird damit auch der Schlittschuhschritt intensiv geübt. Rollskilaufen stärkt auch den Oberkörper. Das Training auf Schnee und Rollski im Sommer reduziert die Belastungsschäden, die bei zuviel Geländelauf immer auftauchen.

Die talentierte Brit Pettersen, letzte Etappe der WM-Staffel '982 VG-Photo


Die Trainingsprogramme für die Mitglieder der norwegischen Nationalmannschaft werden den einzelnen Läufern in bezug auf Alter, Temperament und Laufstil besonders sorgfältig angepasst. Beim Skitraining werden immer diese 3 Elemente scharf beobachtet: Rhythmus, Abstoss, die Überführung des Gewichtes von einem Ski zum anderen. Die Durchführungsweise ist aber vom Stil der einzelnen Läufer abhängig. Es werden auch im Sommer Tests durchgeführt: Sauerstoff-Aufnahme kapazität, Puls-Retardation, Pulsfrequenz nach bestimmten Läufen, Zeitmessungen. Ausserdem werden regelmässig Blutproben genommen. Die ausgesprochen individuelle Anpassung der Trainingsprogramme der Norweger gibt uns kein allgemeingültiges Rezept für das Langlauftraining. Vielleicht ist es aber gerade diese Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der einzelnen Läufer, die im Programm mancher Mannschaften fehlt? Die Trainer der norwegischen Mannschaft behaupten, keine Wachsgeheimnisse zu haben. Die Wachstechniken sind allgemein bekannt. Eines kann aber festgestellt werden: Während der Weltmeisterschaft in Oslo haben die Norweger den anderen Mannschaften gegenüber ein weicheres Wachs angewendet, wenn auch das Thermometer minus 12 0 C gezeigt hat. Die Maschinen, die die Loipen präparieren und Spuren machen, zerstören die Schneekristalle dermassen, dass ein weicheres Wachs als normal bei entsprechender Temperatur erforderlich wird. Weiterhin betonen die norwegischen Trainer die Wichtigkeit, Wachstestläufer unterwegs zu haben, deren Abstosstechnik mit jener der Läufer vergleichbar ist. Das gi bt Vertrauen, und gerade Vertrauen ist auch beim Wachsen wichtig. Das Gefühl, das richtige Wachs gewählt zu haben, ist für den Einsatz und die Motivation von Bedeutung.

DIE ENTWICKLUNGSTENDENZEN D E R LANGLAUFAUSRÜSTUNG Wesentliche Verbesserungen haben in den letzten Jahren in den Bereichen Ski, Bekleidung und Schuh-/Bindungssysteme stattgefunden. Die Bekleidung ist dünner und leichter geworden. Die Atmungseigenschaften sind stark verbessert, auch wenn die Oberfläche glatter geworden ist. Man könnte

S. 69: Brit Pettersen auf dem Weg zum Holmenk ollen -Sieg 1983, sek undiert durch Berit Aun li VG-Photo Donator A rn o ld Kaech, EM,

Donator Peter Wanner,

SAS

SAS

Bern

Zürich

Die überlegene norwegische Damenmannschaft (von links): Berit Aun li, Brit Pettersen, Anette Boe, lnger Helene Nybraaten VG-Photo

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sagen: Viel «schneller» geht es nicht! Die letzten Bindungsrysteme, die gleich neue Schuhe erfordern, sind stabiler und geben einen verbesserten Halt in den Abfahrten. Allzu viele neue Systeme sind aber nicht gerade im Interesse der Läufer: Das Austauschen oder Umsteigen auf ein anderes Paar Ski wird erschwert. Ein neues Bindungssystem bedeutet Einkauf von neuen Schuhen - oder umgekehrt. Von den Schuhen ist eine noch verbesserte Wasserwiderstandsfähigkeit zu erwarten. Die Stöcke sind auch geändert und einige Gramm leichter geworden, ohne dass die Probleme der fehlenden Haltbarkeit und Bruchfestigkeit gelöst sind. Leider hat seit einigen Jahren eine ständige, weltweite Überproduktion die ganze Skiindustrie sehr gestört. Zur Zeit gibt es kaum eine Skifabrik auf der Welt mit Kapitalkosten, die eine vernünftige Rentabilität ergeben. Um Norwegen als Beispiel für die Marktentwicklung zu nehmen, kann erwähnt werden, dass das Jahresverkaufsvolumen von Langlauf- und Tourenskiern von über 400000 bis unter 200000 Paar innerhalb der letzten drei Jahre gesunken ist. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Par ist im selben Zeitraum trotz Inflation eher gesunken als gestiegen. Norwegen hat jetzt 4 Skifabriken, vor fünf Jahren waren es 15! Unter der fehlenden Rentabilität der Skifabriken hat die Forschung etwas gelitten, und leider ist es vorgekommen, dass Produkte etwas zu früh auf den Markt gebracht wurden. Insbesondere gilt dies für gewisse «No- Wax» Systeme. Mit den alten, imprägnierten Holzskiern konnte der Sonntagsläufer ohne Wachs herumlaufen, Alpinbeläge müssen gewachst werden. In Mitteleuropa haben 8 5 % der verkauften Langlauf- und Tourenskiern eine «No-Wax»-Sohle, und nur 15 % «Wax-


base». In Norwegen ist es umgekehrt. Das hängt mit der Durchschnittstemperatur, aber auch mit der Tradition zusammen. Für den Rennlauf ist zur Zeit die Entwicklung neuer Beläge das wichtigste. Bei Temperaturen um 0 ° C wird die Sohle jetzt meistens nur mechanisch bearbeitet. Das «Rubbing» mit Schmirgelpapier, oder neuerdings mit einem Aluminiumgerät gibt bei schwierigen, wechselnden Schneeverhältnissen ein besseres Resultat als das Wachsen. Künftig ist zu erwarten, dass weitere Belagstypen entwickelt werden, die speziell für ganz bestimmte Schneearten geeignet sind. Der jO km Lauf der Weltmeisterschaft in Oslo hat die Bedeutung der Beläge deutlich demonstriert: Die ersten drei der Rangliste haben alle Skier mit dem gleichen Belag verwendet.

DIE ENTWICKLUNG DER SCHLITTSCHUHTECHNIK Zur Zeit des alten Holzskis (vor 1974) wurden die grossen Zeitdifferenzen im Rennlauf hauptsächlich in den Steigungen erzielt. Auf der Ebene und in den Abfahrten waren alle mehr oder weniger gleich schnell. Das ist nicht mehr der Fall. Die Entwicklung der Renntechnik hat einen gewissen Zusammenhang mit den Neuerungen in der Skikonstruktion. Weil die Geschwindigkeit bergab so viel grösser ist, entstehen Zeitdifferenzen zugunsten der «Abfahrtspezialistem>, die früher nicht denkbar waren. In flachem, offenem Gelände ist der in den letzten zwei, drei Jahren stark verbreitete «Schlittschuhschritt» dem traditionellen Diagonalgang mit Doppelstoss völlig überlegen. Im Engadiner Marathon starten die Schlittschuhspezialisten jetzt mit Skiern, die ausschliesslich mit Alpinwachs präpariert wurden. Auch «Vasaloppet» in Schweden hat flaches, offenes Gelände. Hier kann ein Mann wie Oddvar Braa von weniger bekannten Leuten geschlagen werden, die Schlittschuhtechnik extrem trainiert haben. Der Amerikaner Bill Koch ist der Rennläufer der Weltspitze, der das Schlittschuhlaufen am längsten aushält, nachdem er seine Oberschenkel speziell dafür trainiert hat. Im Rennsport ist Schlittschuhlaufen unter anderem aus «verkehrsmässigen» Gründen problematisch. In Sarajevo ist letztes Jahr in der Staffel ein Kanadier disqualifiziert worden, weil er im Finish mit Schlittschuhschritt einen schwedischen Läufer behindert hat. Die FIS-Tagung in Sidney, Mai 1983, hat das Problem behandelt und beschlossen, dass Loipen internationaler Rennen nach Möglichkeit so gestaltet werden sollen, dass das Schlittschuhlaufen limitiert ist. Das heisst: Geländevariationen ausnützen und die Gesamtbreite der Loipe stellenweise zu reduzieren. Ausserdem ist der Schlittschuh-

WM 1982: Oddvar Braa und Ex-Weltmeister Odd Martinsen, der ihn über seine Goldmedaillen-Chancen orientiert (in einer solchen Rennphase ist Braa unschlagbar) VG-Photo Rem


schritt jetzt während den letzten zoo m emes Langlaufrennens verboten. Weiter muss beim Start (100 m) der ersten Etappe der Staffel auf das Schlittschuhlaufen verzichtet werden. Die Begrenzung der Ausübung der Schlittschuhtechnik scheint vernünftig: Auswüchse werden vermieden (z.B. sind unterschiedliche Längen eines Ski-Paares verboten worden. Zuviel Schlittschuhlaufen kann schädlich sein - der Rücken und die Hüften werden übermässig und ungünstig belastet. Es wird behauptet, dass besonders die Rennläufer aus Finnland und Norwegen einen natürlichen, lockeren Langlaufstil mit gutem Rhythmus hätten. Sogar das Wort «elegant» mag passend sein. Es ist wichtig, dass sich die traditionelle Langlauftechnik in einer vernünftigen Richtung weiterentwickelt und verfeinern lässt, und die jungen Skiläufer das «richtige» Vorbild nachahmen. Als Vorbild mag auch der Nordpol-Forscher Fridtjoj Nansen in mancher Beziehung stehen. Skilaufen hat er als den Sport aller Sportarten bezeichnet: «Langlauf ist die nationalste von allen norwegischen Sportarten - und was für eine herrliche Sportart! Verdient etwas die Bezeichnung «Sport aller Sportarten», so muss es wahrhaftig diese sein. Nichts härtet die Muskeln mehr und macht die Glieder so kräftig und elastisch wie der Langlauf. Nichts fördert die Geistesgegenwart und Gewandtheit mehr, nichts härtet den Willen mehr und macht den Sinn so frisch wie der Langlauf.»

RESUME L'article d' Aksel Gresvig, SAS Norge, a ere inspire par les succes retentissants des coureurs de fond norvegiens aux Championnats du Monde nordiques de 198z. Dans chacune des 13 disciplines, une medaille au moins fut remportee par la Norvege; depuis la deuxieme guerre mondiale, seule la Finlande avait reussi un tel exploit, lors des Championnats du Monde de Lahti. La «reine» des championnats a ete Berit Aunli (trois medailles d'or et une d'argent), une skieuse pleine de temperament et douee d'une volonte de fer. Chez les hommes, «le plus grand» a ete Oddvar Braa, bien qu'il ait attendu l'age de 32 ans pour devenir champion du monde; il gagna l'epreuve de 15 km et representa la Norvege dans l'equipe de relais. Aksel Gresvig attribue les victoires norvegiennes notamment aux facteurs suivants: avantage de courir dans son propre pays, atmosphere particuliere d'Oslo et stabilite des conditions de neige dans cette region, public de connaisseurs pouvant reunir jusqu'a 50000 spectateurs; bon esprit au sein de l'equipe grace a l'intelligente direction des deux entraineurs Magnar Lundemo et Dag Kaas; entrainement d'ete individueI, adapte a chaque coureur; emploi judicieux du fartage et du «rubbing» (traitement purement mecanique du revetement); pratique constante de tests de fartage avec des skieurs courant avec la me me technique. Une critique: po ur maintenir l'interet du public, le combine nordique devrait se derouler selon la formule «Gunder» (du nom de son inventeur): l'ordre et les intervalles de depart pour la course de fond sont determines par le classement du saut, de sorte que le premier arrive au but est le vainqueur. On prerend que les skieurs de fond finlandais et norvegiens ont un rythme de course et un style particulierement sou pie et natureI, voire «elegant». 11 est important que la technique du fond evolue dans un sens raisonnable en s'affinant toujours davantage, et que les jeunes fondeurs aient des modeles valables a imiter. A bien des egards, l'explorateur polaire Fridtjof Nansen peut aussi etre considere comme un modele . Pour lui, entre toutes les disciplines sportives, la course a ski etait le sport par excellence. «La course de fond est le plus national de tous les sports norvegiens, et quel sport magnifique! Si quelque chose merite d'etre appele «le sport de tous les sports», c'est bien celui-l:l.. Rien n'endurcit les muscles, ne fortifie ni assouplit les membres a l'egal de la course de fond. Rien ne stimule autant la presence d'esprit et l'adresse, rien ne fortifie davantage la volonte et ne rafraichit les sens comme le ski de fond.»


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'sh des Staffeldramas 4 x 1 0 km: Gold f端r Norwegen und Ru ssland Copyright Fischer

Donatoren Truls Berg, EM, SAS B und Anton Reinhart, SAS Z端rich


DIE SCHNEEMA US - «HÖCHSTES» SÄ UGETIER DER ALPEN Heini Hediger, Zürich

Es ist unmöglich, über diesen kleinen Kobold der Berghütten zu schreiben, ohne gelegentlich Superlative anzuwenden, schon was sein Vorkommen anbetrifft. Von a//en alpinen Säugetieren ist die Schneemaus nämlich dasjenige, das in der grössten Höhe lebt. «Kein anderes wird ständig in solchen Höhen angetroffen», schreibt der Berner Zoologe F. Baumann, welcher der Schneemaus 1918 eine ausführliche Studie gewidmet hat. Er fand sie z. B. am Finsteraarhorn, am Montblanc und PiZ Bernina in 4000 m Höhe. Nur selten kommt dieser kleine Nager unter 1500 m vor. Erstaunlich ist dabei, dass die Schneemaus im Gegensatz zu anderen Hochgebirgstieren wie etwa Stein- und Gemswild nicht nur zeitweise, im Sommer sich an der Grenze oder in der Region des ewigen Schnees niederlässt, sondern dauernd. Sie verzichtet also auf Wanderungen, um dem Schnee und der Kälte wenigstens zeitweise auszuweichen. Noch erstaunlicher ist unter diesen Umständen, dass die Schneemaus selbst unter härtesten Bedingungen keinen Winterschlaf hält. Während die Murmeltiere in viel tieferen Lagen den Winter in einem Dauerschlaf zubringen, ist die Schneemaus in noch viel kälteren Zonen das ganze Jahr über aktiv. Mitten im Winter kann man sie über den Schnee laufen sehen (Baumann). Das sind wahrhaft einzigartige Leistungen für ein so kleines Tier - Rekordleistungen. Die Schneemaus ist aber nicht darauf angewiesen, wie andere Schneetiere sich ständig auf der Schneefläche zu bewegen, vielmehr hat sie die Möglichkeit, sich auch unter der Schneedecke fortzubewegen, wo sie komplizierte Röhrensysteme anzulegen pflegt, in denen sie an die Wurzeln von allerlei Alpenkräutern - ihrer Hauptnahrung - zu gelangen vermag, und in denen sie auch Vorräte anlegt, von denen wir noch zu berichten haben. Nicht selten besucht sie unterirdisch oder auf der Oberfläche gehend auch Sennhütten und Clubhütten, wo sie als «Alpenratte» oder «Hüttenratte» auftritt zum Entzücken tierfreundlicher Alpinisten und Skifahrer. Dabei hat sie es keineswegs auf Wursthäute, Speckschwarten oder Käserinde abgesehen, wie das bei echten Ratten der Fall wäre, sondern sie ist ein reiner Vegetarier, der auf jede Fleischnahrung verzichtet. Zudem ist die Schneemaus nicht ein Geschöpf der Finsternis, sondern sie zeigt sich recht oft bei Tage in vollem Licht. Eine weitere Merkwürdigkeit ist die, das sie sich nicht scheu den Winkeln und Wänden entlang drückt, sondern sich oft furchtlos, ohne Menschenscheu, in den Hütten bewegt, so daß sie als zutraulicher Hütten-Kobold oft - und zu Recht - die Sympathie tierfreundlicher Sportler findet. Wer ist nun eigentlich diese seltsame Schneemaus? Sie wurde verhältnismässig spill entdeckt, nämlich erst im Jahre JJ4I, und zwar durch den englischen Zoologen Martins und seinen Ko//egen Bravais. Sie fingen am Faulhorn die ersten Exemplare, die der Wissenschaft zugänglich gemacht worden sind. Im darauffolgenden Jahr, 1842, hat Martins in der schweizerischen Fachzeitschrift Revue S uisse de Zoologie diese bisher unbekannte Art nach den Regeln der zoologischen Nomenklatur offiziell benannt als Microtus nivalis. Eine ausführlichere Beschreibung erfolgte später in den Annales des Sciences Nature//es. Die Entdeckung einer neuen, bisher unbekannten Tierart und deren erste wissenschaftliche Be74


schreibung sind oft ziemlich aufregende Ereignisse - weniger für die betreffenden Tiere als für die beteiligten Fachleute. Es kommt da nicht selten zu einem Konkurrenzverhalten, ja zu eigentlichen Wettrennen, weil manche Zoologen, besonders die Systematiker unter ihnen, den Ehrgeiz haben, möglichst viele neue Arten zu «beschreiben», d.h. als erste in die Wissenschaft einzuführen. Die arme Schneemaus hat zu solcher Konkurrenz, die oft zu einer erheblichen Verwirrung führt, in aller Unschuld einiges beigetragen. Ich sollte zwar da nicht aus der Schule plaudern. Ein wenig muss ich es aber doch, weil wir sonst über unsere Alpen-Schneemaus nicht klarkommen. Wie der Berner Zoologe Franz Baumann in seiner bereits erwähnten Arbeit berichtet, hat Landamman Nager in Andermatt im gleichen Jahr wie der englische Zoologe Martins auch einige Schneemäuse gefangen, auf dem St. Gotthard; sie gelangten in die Hand des bayrischen Zoologen A. Wagner. Nur Zoologen können neue Arten beschreiben, entsprechend den international geltenden Nomenklaturregeln und auf Grund der einschlägigen Fachliteratur, deren Kenntnis nicht so einfach zu erwerben ist. Wagner nannte sie eine alpine Maus, 1843 unglücklicherweise Alpen-Feldmaus, Hypudaeus alpinus. Und damit setzte die Verwirrung ein. Sie wurde noch gesteigert durch eine weitere Veröffentlichung durch Wagner in den «Gelehrte Anzeigen der königlichen bayrischen Akademie der Wissenschaften» (Bd. 36). Bald wurde die Schneemaus nicht nur in den Schweizer und in den Bayrischen Alpen gefunden, sondern auch in den Pyrenäen, im Balkan, in den Karpathen und noch in anderen Gebirgen. Es macht den Eindruck, dass die Schneemaus nach der Eiszeit, d.h. nach dem Aperwerden der europäischen Ebenen als ausgesprochen kälteliebende Art - stenotherm glazial in der Fachsprache - sich mit dem zurückweichenden Schnee- und Eisklima auf verschiedene Gipfel zurückgezogen hat, wo sie in die Isolation geriet und gewissermassen eine Gefangene des alpinen Klimas wurde, unfähig, mit den früheren Artgenossen in Verbindung zu bleiben. Die Situation ist durchaus vergleichbar mit Insel-Tieren, die durch das Meer gehindert werden, mit Artgenossen auf Nachbarinseln Kontakt aufrecht zu erhalten. Bei der Schneemaus ist es nicht das Wasser, sondern die Wärme der Ebenen, die es ihr unmöglich macht, von einer Gipfelgruppe zur anderen zu wandern. Ebenso wie Inseltiere etwa der Balearen, der Adria-Inseln, des Hawaii-Archipels oder der Galapagos ist die Schneemaus der geographischen Isolation ausgeliefert. Diese Isolation führt immer dazu, dass sich die Populationen der einzelnen Bezirke durch eine gewisse Inzucht in einer bestimmten Richtung entwickeln und sich schliesslich von ihren Nachbarn unterscheiden. Die aufregende Frage ist die, wie stark sie sich von ihren Vorfahren unterscheiden. Sind es verschiedene Arten geworden oder bloss Unterarten, oder handelt es sich gar nur um individuelle Variationen, so wie es bei uns blonde und dunkle, blau- und braunäugige Menschen gibt? Das zu entscheiden liegt weitgehend im Ermessen der zuständigen Spezialisten. Die prominente Hamburger Säugetierforscherin Erna Mohr (gestorben 1968), ebenso kompetent wie resolut, vertrat die Meinung, dass mindestens die Karpathen-S chneemaus ( Microtus nivalis ulpinus) von unserer Alpen-Schneemaus (Microtus nivalis nivalis) als eine besondere Unterart Zu unterscheiden sei. In ihrem klassischen Werk über «Die freilebenden Nagetiere Deutschlands und der Nachbarländer» (Letzte Auflage 1954) wandte sie sich temperamentvoll gegen die Darstellung eines jungen Kollegen, der eine ganze Anzahl von Wühlmäusen einschliesslich der Schneemaus in einer einzigen Art zusammenfassen wollte: «Die tschechischen Autoren sind leider völlig von den Schäferschen Gedankengängen eingefangen, die schon so viel Verwirrung angerichtet haben. Mit jugendlichem Schwung warf Schäfer 1935 in seiner Dissertation alles mögliche zusammen und erklärte u.a. als artgleich ... ». Nun folgt eine ganze Liste von Wühlmäusen, die gewiss verschiedenen Arten angehören. Das ist auch die Meinung des Berner Zoologen Franz Baumann, langjähriger Direktor des Naturhistorischen Museums, der 1949 ein massgebendes Werk über «Die freilebenden Säugetiere der Schweiz» veröffentlicht hat. Wir dürfen die Diskussion über die Gültigkeit oder Ungültigkeit der verschiedenen Arten und Unterarten ruhig den 75


Schneemaus-Porträt: gewaltiger Schnurrbart als Tastorgan in den Höhlen Photo A. Leufert / W Ruh (da. S. 77)

Schneemaus-Liebhaber Waldiltis (Ratz) Photo A. Angermayer

Donator Jacques Baumgartner,

SAS

Lausanne

Spezialisten überlassen. Wesentlich ist für uns lediglich, dass in den Schweizer Alpen eine wohlumschriebene Schneemaus-Art vorkommt, die wegen ihrer Zutraulichkeit und ihrer einzigartigen Lebensweise im Sommer sowohl wie im Winter das Interesse und das Wohlwollen der Alpinisten verdient. Dieses Tierchen ist 18- 2I cm lang, davon beansprucht der Schwanz etwa 6- 7,5 cm. Dieser wird beim Gehen nicht am Boden nachgeschleppt, sondern immer leicht angehoben getragen und bei Aufregungen steil aufgerichtet. Er stellt also auch ein einfaches Stimmungsbarometer dar. Die verhältnismässig gros sen, abgerundeten Ohren stehen deutlich aus dem Haarkleid hervor. Der dichte, weiche Pelz ist am Grunde schwarz-grau, erscheint aber wegen der braunen und gelben Haarspitzen an den Flanken heller. Der Bauch ist weisslich und immer sind die Füsse weiss. Alles in allem ein recht hübsches Tierchen, und K. Zimmermann, ein bedeutender Säugetierforscher aus Berlin, rechnet sie 1953 «zu den angenehmsten Zimmergenossen wegen ihres Taglebens und ihres zutraulichen, lebendigen Wesens.» Damals war es noch nicht üblich, das Verhalten von Tieren mit Computern zu berechnen auf der Basis von zerhackten Zeitintervallen, sondern man notierte auf Grund ausdauernder Beobachtung vertrauter Exemplare Besonderheiten und Gewohnheiten, die sich schliesslich zu einem instruktiven Gesamtbild des Artverhaltens zusammenfügten. Zu diesem gehört auch die Fortpflanzung, d. h. das Paarungsverhalten, die Aufzucht und die Entwicklung der Jungen. Diese Daten waren deswegen nicht leicht zu ermitteln, weil sie sich im ungestörten Freileben nicht genau beobachten lassen, sondern nur in Gefangenschaft, d. h. in künstlichen Biotopen, in gut eingerichteten Terrarien, in denen die Jungen der zahmen Tiere eingesehen, gewogen und fotografiert werden dürfen. Dabei lies sen sich erstaunliche Resultate ermitteln, die wiederum die Besonderheiten der Schneemaus gegenüber ihren weniger spezialisierten, weiter verbreiteten Verwandten beleuchten. Ein- bis zweimal im Jahr werden nach 2 I tägiger Tragzeit 4 bis 7 nackte Junge geboren, welche ihre Augen nach rund 12 Tagen öffnen. Die Neugeborenen sind etwa 3,7 g schwer und können ein Gramm im Tag zunehmen bis zu einem Endgewicht von 38- 48 g. Zimmermann hat bei seinen gefangenen Schneemäusen beobachtet, dass sogar 39 Tage alte Junge, also fast ausgewachsene, noch an der Mutter saugten. Er bringt diese langsame Jugendentwicklung und die lange Bindung an die Mutter mit den Erfordernissen des Hochgebirgslebens in Zusammenhang: «Bei der Kürze der Vegetationsperiode müssen die Jungtiere in besonders guter körperlicher Verfassung in den Winter gehen.»


Die Haltung und Aufzucht der Schneemaus in Käfigen bietet keine besonderen Schwierigkeiten, es sei denn ihre Empfindlichkeit gegenüber Infektionskrankheiten. Die reine Alpenluft und die keimarme Umgebung ihres natürlichen Biotopes können ihr bei Gefangenhaltung im Tiefland nicht leicht ersetzt werden. Mehrere Beobachter bemerkten eine aussergewöhnliche Anfälligkeit gegenüber Infektionen, gegen die offensichtlich keine hinreichende Widerstandskraft vorhanden ist. Die Ernährung hingegen bietet gar keine Schwierigkeiten. Ausser allerlei Kräutern, Gräsern, Sämereien und aufgeknackten Nüsen nahm Erna Mohrs Pflegling sogar Bananen- und Orangenstücke an. Diese Forscherin hatte übrigens die Eigenart, ihre zahlreichen, in einfachen Käfigen gehaltenen Säugetiere mit individuellen Namen auszustatten . Sie behauptete, dass auch die intelligenten Mäuse, zu denen sie die Schneemaus rechnete, durchaus imstande seien, ihren Eigennamen in kurzer Zeit zu lernen, so auch ihr «Franzl», die Schneemaus. Zwar wissen wir heute, dass viele Säugetiere, Vögel und sogar Fische von Natur aus ihre persönlichen Eigennamen haben, die von ihren Artgenossen benutzt werden; nicht nur akustische Namen, sondern auch ultrasonische, geruchliehe, optische usw. Aber im Falle von «Franzl» hätte man durch exakte Untersuchungen feststellen müssen, ob er wirklich auf den ihm zugedachten Namen reagierte oder z. B. auf die Schritte seiner Herrin, auf das Knistern der Futtertüte, auf die Stimme usw. Erna Mohr hat übrigens die interessante Theorie aufgestellt, dass die Schneemaus eine besondere Beziehung zur rostblättrigen Alpenrose bzw. Zu deren Wurzeln habe, die u. a. der Maus als Nahrung dienen. Dass die Schneemaus auf allerlei Alpenkräuter und deren Wurzeln als Nahrung angewiesen ist, steht ausser Zweifel. Dass zur Alpenrose ein spezielles Verhältnis bestehe, wird u. a. dadurch wahrscheinlich gemacht, dass dort, wo diese Alpenpflanze besonders weit ins Tiefland vorrückt, wie z. B. am Luganersee, auch die hochalpine Schneemaus in für sie aussergewöhnliche Niederungen absteigt. Künftige Schneemaus-Forschungen müssen da Klarheit schaffen; wir wissen immer noch recht wenig über dieses faszinierende Hochgebirgstierchen. Dass die Schneemaus nicht nur für die Alpenrose, sondern auch für das Edelweiss eine besondere Vorliebe hat, das wurde von dem in mehrfacher Hinsicht ausserordentlichen Schweizer Zoologen C. A. W Guggisberg festgestellt - ausserordentlich schon deswegen, weil er den grösseren Teil seines Lebens in Nairobi zugebracht und trotz dieser Entfernung von der Schweiz Tschudis berühmtes «Tierleben der Donator Pi eHe Folliet,

Beine und Schwan z: weis s gefarbt

5AS

Gene ve

Jäger Uhu

Photo A. Angermayer

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Alpen» in zwei umfangreichen Bänden im Berner Hallwag-Verlag neu herausgebracht hat. Seine Afrika-Urlaube pflegte der 198 I verstorbene Gelehrte in der Schweiz, besonders in Bern zuzubringen, wo er die Gelegenheit benützte, die einschlägige Literatur, die in seiner umfangreichen Privat-Bibliothek in Nairobi etwa noch fehlte, gründlich zu studieren. In diesem gros sen Tschudi-Werk (1955 S. 75) führt er u. a. inbezug auf unsere Schneemaus folgendes aus: «Im Alpengarten auf der Schynigen Platte stellten die Gärtner vor einigen Jahren fest, dass ständig von unbekannter Hand Edelweisspflanzen gestohlen wurden. Vergebens suchte man den Täter zu fassen, bis ein Arbeiter unter einem Stein das Nest einer Schneemaus fand, das mit Edelweiss weich ausgepolstert war!»

Schneemaus-Zeichnung, natürliche Grösse um die Hälfte verkleinert

Copyright /1 . Let/tert

Begreiflicherweise brauchen diese Höhenrekordler unter den Säugetieren weiches, gut isolierendes Nestmaterial. Es besteht aber keineswegs immer aus Edelweiss. In den meisten Fällen bedienen sie sich weniger edlen Materials. Im übrigen sind bis heute niemals Klagen laut geworden, dass die Schneemaus etwa als Schädling geschützter Alpenpflanzen auftreten würde. Nach Guggisberg bedient sie sich meist gewöhnlicherer Pflanzen sowohl zum Nestbau wie auch als Nahrung. Das bevorzugte Futter der Schneemäuse bilden - nach Guggisberg - die Blüten der Nelkenwurz (Geum) und des Fingerkrautes (Potentilla), dann die Blätter und Wurzeln der Leimkräuter (Silene), Hornkräuter (Cerastium), der Enziane, Gänsekressen (Arabis), Himmelsherolde ( Eritrichium), der Fetthennen (Sedum), Steinbreche (Saxifraga) und der Kleearten. Die Vorliebe für Alpenrosen wurde bereits erwähnt. Die Speisekarte der Schneemaus ist also recht ansehnlich und wäre zweifellos noch wesentlich zu ergänzen. Sie braucht aber viele Alpenkräuter nicht nur als Nahrung, sondern auch als Isoliermaterial für ihr Nest und teilweise auch für die unterirdischen Gänge in ihrem eiskalten Wohnraum zwischen Schnee und Erde, in Felsspalten und Geröll. Während des ganzen Jahres, auch unter meterhohem Schnee, hat sie stets Zugang zu den Wurzeln und Trieben ihrer Futterpflanzen. Begreiflicherweise legt sie aber auch Vorräte an, was an gefangenen Exemplaren bestätigt wurde. Das tun ja viele kleine Nagetiere, u. a. auch die Hausmaus und der Hamster, der dafür besonders berühmt ist. Der riesige Verwandte hingegen, das Murmeltier, legt keinen Vorrat an, obgleich es immer wieder beobachtet wird, wie es im Maul gros se Bündel Heu einträgt. Dieses dient jedoch nicht als Nahrung, sondern lediglich als Streu, als Polster- und Isoliermaterial. Seinen Wintervorrat trägt das Murmeltier bekanntlich in Gestalt von Fett unter der Haut, im eigenen Körper. Sein Wintervorrat ist also intrakorporell, derjenige der Schneemaus hingegen extrakorporell. Besonders aufregend ist für Zoologen und Verhaltens forscher, was G. Küsthaardt, der seinerzeitige Inspektor der zoologischen Staatssammlung in München, über das Vorratmachen von Schneemäusen beobachtet und 1941 in der Zeitschrift für Säugetierkunde berichtet hat. Es klingt wie ein Märchen: Seine im Freien beobachteten Schneemäuse hatten nämlich die Blüten einer kleinen Kleeart in Mengen auf eine Steinplatte zum Trocknen ausgebreitet und von Zeit zu Zeit die Blütenköpfe mit ihrem stumpfen Näschen umgewendet, bis sie ganz trocken waren. Erst dann wurde der so bearbeitete Vorrat in den Bau eingetragen. Man spricht in solchen Fällen von ((Heu machenJ).


Einige Autoren sind von diesem «heuen» überzeugt, so auch C. A. W Guggisberg und Kurt Walde in seinem Buch über «Die Tierwelt der Alpen» (1936). Andere sind kritischer. Nach Prof Klaus Zimmermann, dem bekannten Berliner Zoologen, «soll» die Schneemaus «heuen, d. h. abgebissene Pflanzen in der Sonne trocknen» (1959), dabei setzt er hinter diese Angabe in Klammern zusätzlich noch ein Fragezeichen ~ begreiflich. Der grossartige Tiermaler und -beobachter der Welschschweiz, Robert Hainard, zitiert in seinem zweibändigen Werk «Mammiferes sauvages d'Europe» (1949) seinen Malerund Beobachter-Kollegen Frantz Murr. Dieser hat eine Schneemaus überrascht «mettant secher des brins d'herbe et des petites feuilles sur des cailloux po ur les rentrer ensuite dans son trou ... ». Hainard selber fand in einem Schneemausgebiet auf 1800 m am 3. August 1948 viele Blätter von Alpenkräutern auf dem Boden ausgebreitet. Das eigentliche Heuen konnte er jedoch nicht sehen. Handelt es sich um ein Märchen? Ist die Schneemaus wirklich so gescheit, dass sie derart zweckmässig handeln kann? Oder wie wäre ein solches Verhalten, wenn es wirklich vorkommt, zu deuten? Die meisten zünftigen Verhaltensforscher, die Ethologen, werden das Heuen der Schnemaus in die Kategorie der Märchen bzw. der Anekdoten einreihen, die wissenschaftlich wertlos sind, weil diese Beobachtungen bisher nur in wenigen Einzelfällen vorliegen und sich nicht beliebig experimentell wiederholen lassen. Nur völlig ungestörte Tiere in ihrem natürlichen Biotop werden das fragliche Verhalten zeigen. Da können weder Apparate noch Computer helfen. Das einzige Hilfsmittel, das hier sinnvoll einzusetzen wäre, ist die Filmkamera in der Hand von sehr geduldigen Beobachtern. Es wäre eine unwissenschaftliche Haltung, angesichts der heute vorliegenden Sachlage, das Heuen der Schneemaus glattweg als Märchen oder Anekdote abzutun. Nur ausdauerndes Sammeln und filmisches Belegen weiterer Beobachtungen kann hier wissenschaftlichen Fortschritt bringen. Hier könnte ich eine lange Reihe von Beispielen anführen, d . h. von unwahrscheinlich anmutenden Verhaltensweisen, die wissenschaftlich abgelehnt wurden und schliesslich doch anerkannt werden mussten. Es sei nur daran erinnert, dass indische Lippenbären ihre Jungen tatsächlich auf dem Rücken, und kanadische Biber ihre Jungen tatsächlich auf den Händen tragen. BeideVerhaltensweisen wurden viele Jahrzehnte lang als Märchen abgetan, weil sie für zu unwahrscheinlich, für schlechthin unmöglich gehalten wurden. Die Tragweisen und das Trocknen von Futter haben es in sich. Früher wurde z. B. vom Murmeltier (auch von Gottfried Keffer in seinem Gedicht ((Der Apotheker von Chamounix))) geglaubt, dass sie sich gegenseitig Heu auf den Bauch laden und sich von ihren Artgenossen ~ auf dem Rücken liegend ~ am Schwanz in den Bau ziehen liessen. Das stimmt in der Tat nicht; Murmeltiere tragen ihr Heu, wie erwähnt, im Maul zum Bau. Sie sehen dann aus, als ob sie einen riesigen Schnurrbart hätten. ~ Von der Wanderratte hat man hartnäckig behauptet, dass sie sich gestohlene Hühnereier auf den Bauch laden und sich gleichfalls von ihren Artgenossen wie ein Schlitten am Schwanz in den Bau ziehen liessen. Das halte auch ich für ein Märchen. Was das Heu machen anbetrifft, so herrscht nicht einmal Klarheit bei einem so weit verbreiteten und leicht zu beobachtenden Alpenbewohner wie bei unserem Murmeltier, das jährlich zu tausenden erlegt wird. Im Jahre 1981 waren es laut offizieller Jagdstatistik 5856 Stück. Sogar von diesem populären Wild wird einerseits behauptet, andererseits bestritten, dass es Heu mache, wie ich in meinem Buch (( Tiere sorgen von) (Manesse Verlag Zürich 1973) dargelegt habe. Zu den Befürwortern gehört der prominente Zoologe Konrad Herter, der sich im Zusammenhang mit seinen grundlegenden Untersuchungen über den Winterschlaf ausgiebig mit dem Murmeltier beschäftigt hat. Im Handbuch der Zoologie, einem rund einen Meter dicken wissenschaftlichen Sammelwerk schrieb er: «Bevor die Murmeltiere die Winterquartiere beziehen (ab August), beissen sie grosse Mengen von Grashalmen ab, die sie unter mehrfachem «Wenden» auf flachen Steinen in der Sonne trocknen lassen.» Demnach macht also das Murmeltier mit seinem Gras genau das, was nach der Überzeugung verschiedener Beobachter die Schneemaus mit ihren Kleeblüten macht, eine Angabe, die übrigens auch

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Schneemaus im Dischmatal, Davos

Photo P. Wiedemeier

von l. Eibl-Eibesfeldt in der Zeitschrift für T ierpsychologie ( 1950) übernommen worden ist. Vom amerikanischen Roten Eichhörnchen ( Tamiasciurus hudsonicus) weiss man, dass es eine Vorliebe für Pilze hat und oft beträchtliche Mengen davon in geschützten Baumlöchern auf Vorrat legt. Bevor es sie einträgt, pflegt es sie auf dürren Zweigen zu trocknen. - Warum sollte unsere Schneemaus ein geeignetes Trocknungsverfahren nicht auch kennen und ihre Kleeblüten trocknen, also «Heu machen»? Es wäre sehr wünschenswert und auch höchste Zeit, dass die wenigen diesbezüglichen Angaben endlich durch neue Beobachtungen und namentlich durch Filmaufnahmen eindeutig bestätigt würden. 80


Aber das einfache, geduldige, bescheidene Beobachten von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum ist unter den modernen Zoologen leider nicht mehr «in»; sie sind vielmehr auf experimentelle Laboruntersuchungen mit komplizierten Apparaten ausgerichtet. Eine andere erstaunliche, als intelligent erscheinende Leistung der Schneemaus besteht dari n, dass sie z. B. in der Zeit der Schneeschmelze, wenn Wasser ihren Bau zu überfluten droht, einen Wall um ihre Einschlüpfe errichtet, der 8 cm Höhe zu erreichen vermag und das eisige Wasser ableitet. Die Schneemaus gibt uns noch mancherlei Rätsel auf. Während langer Zeit ist z. B. behauptet worden, dass sie wegen ihrer weitgehend unterirdischen bzw . unter hohen Schneeschichten sich abspielenden Lebensweise vor Feinden weitgehend gesichert sei und praktisch keine Futterkonkurrenz kenne; denn ihre magere Kräuternahrung macht ihr niemand streitig. Zwei Kleinsäugerspezialisten, H. Kahmann und S. Hafgewachs, haben 1961 dieser Frage eine besondere Untersuchung gewidmet. Dabei stellte sich heraus, dass der Lebensraum der Schneemaus keineswegs so feindarm ist, wie man früher angenommen hat, wenigstens in den unteren Berglagen zwischen 1600 und 1900 m, wo - erst recht in der wärmeren Jahreszeit - zahlreiche andere Arten vorkommen. Es ergab sich eine überraschend fange Liste von Schneemaus-Feinden, teils durch unmittelbare Beobachtung, teils durch Gewöll- und Magenuntersuchungen. So hat z. B. die Alpendohle als wichtiger Schneemausfeind zu gelten, wenn sich diese Nager an der Oberfläche zeigen, ebenso der Kolkrabe und verschiedene Eulen vom Rauhfusskauz bis zum Uhu. Aber auch der Fuchs wird der Schneemaus gelegentlich gefährlich. Hermelin und Mauswiesel können ihr oft bis in enge Gesteinsritzen oder gar in den Bau fo lgen. Katzen, die im Sommer auf Alphütten mitgenommen werden, lassen auch in der Höhe das Mausen nicht und erwischen gelegentlich die wenig scheuen Schneemäuse, und schliesslich hat es die Kreuzotter besonders auf Nest junge abgesehen. Auch allerlei Parasiten wie Zecken, Milben, Flöhe, Läuse setzen der Schneemaus zu. Eine letzte Frage, eine Hauptfrage, sei zum Schluss noch kurz erörtert, obgleich sie z. Zt. nicht beantwortet werden kann: Warum ist die Schneemaus nicht weiss? In bezug auf die Färbung steht sie in einem auffälligen Gegensatz zu vielen anderen Tieren der Ewigschnee-Landschaften oder solcher Gegenden, die während eines gros sen Teils des Jahres unter Schnee und Eis liegen. Es sei etwa erinnert an den weissen Schneehasen, die Schneeziege, Eisfuchs, Polarwolf, Eisbär, Grönlandfalke, SchneeEule, Schneehuhn, Hermelin usw. Die alte Schulbuch-Weisheit, wonach alle Tiere der Polargebiete und anderer Schneelandschaften weiss zu sein haben, damit sie von ihren Feinden nicht gesehen werden, stimmt eben nicht; aber sie ist immer noch sehr lebendig. Vor wem hätte sich etwa der Eisbär zu fürchten? Er ist das mächtigste Raubtier der Arktis. Von ihm heisst es dann, er sei weiss, damit er von seinen Beutetieren nicht gesehen wird und sich gut an sie anschleichen kann. Immer geht es um eine zweckmässige Anpassung. So will es die ehemalige Schulbuch-Weisheit haben. Sie übersieht z. B., dass es in absolut schneefreien Gegenden, nämlich in der arabischen Wüste, weis se Antilopen gibt, und auf der Tropeninsel Bali weisse Stare, andererseits im hohen Norden fast schwarze Vielfrasse und recht dunkle Rentiere, und noch dunklere Moschusochsen. Man kann bei näherer Prüfung der Frage fast sagen, dass es ebensoviele Beispiele wie Gegenbeispiele gibt. Wenn wir im einschlägigen zoologischen Standardwerk nachsehen, in H. B. Cott' s «Adaptive Coforation in Animafs)) (1957), müssen wir zu unserer Enttäuschung feststellen, dass die Schneemaus darin mit keinem Wort erwähnt ist. Der Verfasser hat schon genug Probleme mit anderen mehr oder minder mysteriösen Farbanpassungserscheinungen im Tierreich, etwa mit dem Zebra, dessen «tarnende Streifung» nicht auszurotten ist. Im Zusammenhang mit der Weissfärbung von Säugetieren und Vögeln der Schneelandschaft meint Cott, dass wir es hier noch mit vielen ungelösten Rätseln zu tun haben. Dem kann man nur beipflichten - besonders im Hinblick auf die Schneemaus. 81


Der natürliche Lebensraum der Schneemaus (microtus nivalis nivalis): I JOO m bis über 4000 m (auf dem Bild ungefahr der Schneegrenze entsprechend) Horizont von links: Monte Rosa-Gruppe, Lyskamm, Castor, Pollux, Breithorn, Matterhorn Bildmitte: Dom mit Hohberggletscher, nach links: AlphubeI, Rimpfischhorn, Strahlhorn (vor dem Strahlhorn: Allalin) vorne (von links mit Schattenwurf): Südlenz, Nadelhorn, Stecknadelhorn, Hohberghorn, Dürrenhorn Photo SllJissair

Donator Peter Braun,

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SAS

Zürich


RESUME Le campagnol des neiges microtus nivalis nivalis est, de tous les mammiferes du massif alpin, ce!ui qui vit aux plus hautes altitudes. On le trouve jusque pres des sommets, a plus de 4000 metres, et rarement en-dessous de 1500 metres. Lorsqu'a la fin de la periode glaciaire, les glaces se mirent a liberer les plaines d'Europe, la souris amie du froid se retira sans doute sur les sommets, en me me temps que les neiges eternelIes. La, isole et en quelque sorte prisonnier du climat alpin, le campagnol des neiges perdit contact avec ses congeneres. La chaleur des bas pays l'empeche de migrer d'un massif montagneu x a l'autre. Le campagnol des neiges n'a ete decouvert qu'en 1841, par le zoologiste anglais Martins et son collegue Bravais. Sa vie se deroule en grande partie sous terre et sous d'epaisses couches de neige, mais il ne craint pas la lumiere et n'a pas peur de s'aventurer dans les huttes et cabanes de montagne. Son regime alimentaire est purement vegetarien, compose de plantes alpines et de leurs racines, avec une predilection pour le rhododendron. Contrairement a la marmotte, il n'hiberne pas, mais reste eveille tout l'hiver, aus si se protege-t-il des grands froids en tapissant son nid, et en partie aussi les galeries souterraines, a l'aide de vegetaux isolants; le noble ede!weiss semble etre a cet egard un materiau particulierement apprecie. Le campagnol des neiges est long de 18 a 2 I cm, dont 6 a 7,5 cm de queue; cette-derniere, barometre de l'humeur, est tenue dressee en cas d'excitation. Son pe!age n'est pas blanc, comme ce!ui d'autres habitants des regions de neiges eternelIes te!s que le lievre des neiges ou l'hermine, ou comme le plumage de la perdrix des neiges: il est gris fon ce, un peu plus clair sur les flanes du fait d'une coloration brune ou jaune du bout des poils; le ventre est blanchatre, les pattes sont toujours blanches. Le campagnol des neiges fournit ainsi une nouve!le preuve de la faussete de la these se!on laquelle la couleur blanche d'un animal serait adaptee a l'environnement nature! comme mesure de protection contre les predateurs. Quel ennemi l'ours blanc aurait-il donc a craindre dans les regions arctiques? En fait, nombre d'animaux fonces, te!s que le renne et le beruf musque, vivent dans les neiges, tandis que des animaux blancs (l'antilope blanche p. ex.) habitent le desert. Le campagnol des neiges fait des provisions, et il semble connaitre la technique du fanage; divers observateurs l'ont vu etendre des herbes au soleil et les retourner pour les faire secher. Ils ne sont a l'abri des predateurs que dans les zones les plus eJevees de son habitat: ses ennemis sont avant tout les choucas, mais aussi les renards, hermines et be!ettes; et les chats qui tiennent compagnie aux humains dans les cabanes alpestres ne perdent pas pour autant l'habitude de chasser les souris.


BELASTUNG UND BEANSPRUCHUNG DES MENSCHLICHEN BEWEGUNGSAPPARATES BEIM ALPINEN SKILA UF Benno M. Nigg, Calgary (Canada)

EINFÜHRU NG Skifahren war vor einigen Jahren eine Sportart, die nur von wenigen Leuten betrieben wurde. Es war ein Sport, der von einer reichen Oberschicht ausgeübt wurde oder vielleicht noch von Leuten, die in den Bergen wohnten. Das hat sich grundlegend geändert. Heute ist Skifahren einer der beliebtesten Volkssportarten geworden. Man rechnet, dass vor allem in den Alpenregionen praktisch jedermann diesen Sport betreibt. Doch auch in anderen Ländern wird alpines Skifahren immer aktueller. Neue Skizentren werden in Nordamerika und im Fernen Osten eröffnet, und immer mehr Menschen könn en diesen Sport ausüben. Parallel zu dieser Entwicklung hat jedoch auch eine andere stattgefunden: Skifahrer werden ve rletzt, was teilweise zu längerfristigen Spitalaufenthalten führen kann. Spezialisierte Kliniken für Skiunfälle sind in den Wintersportgebieten gebaut worden. Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz die Kosten, die auf Grund von Skiunfällen entstehen (inklusive Nachfolgekosten), auf ca . I % des Volkseinkommens geschätzt werden, dann mag es sinnvoll erscheinen, wenn man sich einige grundsätzliche Gedanken über die Belastung des menschlichen Bewegungsapparates beim alpinen Skifahren macht. Das Ziel dieser Publikation besteht demnach darin, einige grundlegende Überlegungen bezüglich der Belastung des menschlichen Bewegungsapparates beim alpinen Skifahren anzustellen.

GRUNDLAGEN

SCHNEE PISTE SPOR TGERAETE HINDERNISSE RANDBEDINGUNGEN

KOERPERGEOMET RIE INTERN

FITNESS LEVEL

GESC HW INDIGKEIT EXTERN

WIEDERHOL UNGEN

BEWEGUNG KOERPERSTE LL UNG INTE RN Abb. I Wichtigste Einflussgrössen für die Belastung des menschlichen Bewegungsapparates beim alpinen Skifahren.

MUSKE LAKTIVI TAET . ..... ...... ... .


Die Belastung des menschlichen Bewegungsapparates, der Knochen, Bänder, Sehnen, Knorpel, Muskeln etc., hängt grundsätzlich von einer Reihe von verschiedenen Faktoren ab. Diese können allgemein in zwei Hauptgruppen unterteilt werden: in diejenigen Faktoren, durch welche die Bewegung beschrieben ist und in solche, die als Randbedingungen bezeichnet werden könnten. Beide Gruppen können wiederum in innere (INTERN) und äussere (EXTERN) Faktoren unterteilt werden. Wichtige Faktoren, die die Bewegung beschreiben, sind die Geschwindigkeit (hier ist sowohl die Geschwindigkeit des gesamten Körpers wie auch die relative Geschwindigkeit der Teilkörper enthalten) sowie die Anzahl der Wiederholungen einer Bewegung oder einer Krafteinwirkung. Dies sind Beispiele für äussere Faktoren. Innere Faktoren wären die Körpersteflung (Hocke oder aufrechte Stellung) sowie die Muskelaktivität. Als äussere Randbedingungen können die Schneeverhältnisse (Hartschnee, Pulverschnee . . .), die Beschaffenheit der Piste (vereist), die Sportgeräte (Ski, Skischuhe, Bekleidung etc.) sowie allfällige Hindernisse (Baum, Fels etc.) betrachtet werden. Im folgenden Kapitel wird an einigen Beispielen illustriert, wie diese Faktoren die Belastung des Bewegungsapparates beeinflussen können. Diese Beispiel sind nicht umfassend für alle Möglichkeiten, die im Skifahren vorkommen. Sie sollen nur einige Hinweise über den Stand der neuesten Forschung geben.

EINIGE RESULTATE Für Belastungsmessungen im Skifahren stehen uns nur wenige Messtechniken zur Verfügung. Die am meisten benützte Methode ist die Beschleunigung. Beschleunigungsmessgeräte (Gewicht etwa 2 g) werden am menschlichen Körper befestigt. Normalerweise ist eine Messstelle am Schienbein, eine zweite in der Gegend der Hüfte und eine weitere am Kopf. Die grössten Beschleunigungen werden normalerweise in der Richtung der Körperachse gemessen. Im folgenden ist immer diese Richtung gemeint, wenn nichts anderes angegeben ist. Zusätzlich können noch andere Messgrössen erfasst werden wie zum Beispiel die Geschwindigkeit des Skifahrers oder der Kniewinkel etc. In gewissen Fällen ist es nicht möglich, die interessierenden Grössen direkt zu messen. In diesem Falle versucht der Biomechaniker mit Hilfe eines Modells sowie mit einigen gemessenen Resultaten die gewünschte Information zu erhalten.

Schnee

Puder hart hart hart

[m/s]

Mittlere Beschleunigungen Kopf Hüfte Tibia [g] [g] [g]

10

2

v

10

2

4-

6

30-

60

I5

60- I20

25

- 200

Tabelle 1 Gemittelte Beschleunigungsspitzen, die beim alpinen Skifahren auf verschiedenen Unterlagen mit verschiedenen Geschwindigkeiten gemessen wurden.

Die in Tabelle I zusammengestellten Resultate enthalten eine Reihe von Informationen. Sie zeigen, dass die Beschaffenheit des Schnees offensichtlich einen Einfluss auf die Beschleunigungswerte hat. Im frischen Puderschnee sind die Beschleunigungen, die am Schienbein gemessen werden in der Grössenordnung von 4 bis 6 g, also etwa vier bis sechs Mal die Erdbeschleunigung (g = 9.8 I mls ). Auf einer harten, aber nicht eisigen Piste sind die entsprechenden Werte rund zehn Mal grösser, wenn man dieselben Fahrgeschwindigkeiten vergleicht. Das hängt einerseits davon ab, dass die Kräfte, die wirken viel kleiner sind, andererseits aber auch davon, dass die Fahrer normalerweise in einer anderen KörpersteIlung fahren . Die Werte in Tabelle I zeigen jedoch auch den Einfluss der Geschwindigkeit. 86


Mit zunehmender Geschwindigkeit des Skifahrers nimmt auch die Beschleunigung zu. Es ist schon aus der Tabelle ersichtlich, ist aber in Abbildung 2 noch speziell illustriert, dass dieser Zusammenhang nicht linear sondern wahrscheinlich etwa quadratisch ist. Das bedeutet jedoch, dass die Belastung insbesondere des Kniegelenkes für hohe Geschwindigkeiten viel stärker zunimmt als die Geschwindigkeit. Wenn also ein Skifahrer seine Geschwindigkeit verdoppelt, sonst jedoch alle Faktoren (z. B. KörpersteIlung) gleich lässt, dann nimmt die Belastung seiner Kniegelenke (Gelenkskräfte) um das Vielfache zu! Abb. 2 Beschleunigungen am Schienbein für verschiedene Schneesorten.

BESCHLEUNIGUNG SCHIENBEIN

[g }

100

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HARTSCHNEE PUL VERSCHNEE

50

10

15

[m/5}

Die Zahlen in Tabelle I zeigen noch ein Weiteres. Die Beschleunigungen an der Hüfte und am Kopf sind sehr viel kleiner als die am Schienbein. Das hängt einerseits damit zusammen, dass die Rumpfmasse bedeutend viel grösser ist als die Schienbeinmasse (Kraft = Masse x Beschl.) andererseits wohl auch damit, dass die Beine als Dämpfungssystem für den Rumpf und den Kopf wirken. Man stelle sich einmal vor, was geschehen würde, wenn wir diese Dämpfungsfunktion der unteren Extremitäten nicht hätten und alle Kraftstösse direkt auf den Rumpf und den Kopf weitergegeben würden. Abb . 3 Gemittelte Beschleunigungswerte beim Skifahren mit verschiedenen Skischuhen.

BESCHLEUNIGUNG SCHIENBEIN [g} 50

•0

30

20 10

Stenmark, Tiefentlastung

Copyright RDZ

• •

• SCHUH


Wenn wir also nochmals unser allgemeines Modell (Abbildung I) durchgehen, dann stellen wir fest, dass mit diesem Beispiel vier Einflussfaktoren illustriert wurden: der Schnee, die Piste, die Geschwindigkeit sowie die Körperstellung . Resultate für ein weiteres Beispiel sind in Abbildung 3 illustriert. Es handelt sich dabei um Messungen von Beschleunigungen beim alpinen Skifahren mit verschiedenen Schuhen. Die fünf für diese Versuchsreihe ausgewählten Schuhe sind von verschiedenen Firmen und wurden als Spitzenmodelle angepriesen. Die Resultate zeigen Unterschiede in den gemessenen Beschleunigungen von etwa 100 % bezüglich des kleinsten Mittelwertes für Schuh 1. Da es sich ja um axiale Beschleunigungen handelt, hat dies hauptsächlich mit der Schockabsorption zu tun. Die Schockabsorption in Schuh 4 ist demnach bedeutend schlechter als in Schuh I . Die Krafteinwirkungen der hochfrequenten Schläge (passive Kraftspitzen mit einer Dauer von nur einigen Millisekunden) wird dementsprechend nicht durch den Schuh im Falle von Schuh 4, sondern hauptsächlich durch den menschlichen Bewegungsapparat (speziell Gelenke) absorbiert, was in gewissen Fällen bionegative Auswirkungen haben kann. In diesem Zusammenhang ist es wohl interessant, auch einige Bemerkungen bezüglich der Höhe der Schuhschafte von Skischuhen zu machen. Man weiss, dass in den letzten Jahren die Skischuhe immer höher wurden . In diesem Zusammenhang hört man denn auch immer wiederum die Kommentare, dass damit die Belastung des menschlichen Bewegungsapparates insbesondere im Kniegelenk drastisch zunehme. Den Plausibilitätsbeweis erbringt man normalerweise damit, dass die Knieunfälle enorm zugenommen haben. Abbildung 4 zeigt die Resultate von Modellberechnungen für verschiedene Schafthöhen. Das Resultat ist erstaunlich.

Abb.4 Gelenkkräfte aus Modellberechnungen für verschiedene Skischuhschafthöhen.

KRAFT [N] 3000

2000

KNIEGELENK 1000

SCHUHSCHAFTHOEHE 10

20

30

40

[ern]

Es zeigt, dass die Kräfte, die in diesem Beispiel für einen Frontalsturz berechnet wurden, mit zunehmender Schafthöhe im Fussgelenk und im Schienbein (tibia) abnehmen und dass die Kräfte im Kniegelenk unabhängig von der Schafthöhe sind. Diese Berechnungen wurden unter der Annahme gemacht, dass die Randbedingungen konstant blieben. Das heisst zum Beispiel, dass die Sicherheitsbindung in allen Fällen genau gleich eingestellt ist und auch auslöst im kritischen Falle. Die Tatsache, dass trotzdem mehr Knieunfälle registriert werden, hängt also nur indirekt mit den hohen Schuhschäften zusammen. Was vermutlich in den meisten Fällen passiert, ist folgendes: Da mit dem hohen Schaft die Kräfte bedeutend leichter übertragen werden können (grösserer Hebel), löst die Sicherheits bindung wohl auch leichter aus, was dann normalerweise zur Reaktion führen kann, diese stärker einzustellen. Damit verschiebt man die ganze Kniekurve in Abb. 4 nach oben und die Kräfte im Kniegelenk werden bedeutend viel grösser. Die Quintessenz dieser Ausführungen ist somit: Ein höherer Schuhschaft bedeutet nicht apriori eine höhere Belastung im Kniegelenk. Die Belastung wird grösser, wenn man gewisse Randbedingungen verändert. Die häufigste (negative) Veränderung ist die Einstellung der Sicherheitsbindung. Eine Erhöhung der Auslöseschwelle ist gleichbedeutend mit einer Erhöhung der Belastung des Kniegelenkes. Dieser Satz gilt jedoch unabhängig von der Schafthöhe.

88


Die Explosion in vier Phasen, John Eneguess, St. Moritz,

20.12. 1980

Copyright CDH

SCHLUSSBEMERKUNGEN Die angeführten Beispiele sollten illustrativ zeigen, dass es möglich ist, mit biomechanischen Messungen Aussagen über die Belastung des menschlichen Bewegungsapparates beim Skifahren zu machen. Die Beispiele deckten allerdings nicht alle möglichen Einflussgrössen ab. Sie zeigen jedoch, dass durch geschickte Strategie eines einzelnen Skifahrers einiges getan werden kann, um die auf den menschlichen Körper wirkenden Kräfte zu reduzieren. Die illustrierten Mittel sind die Wahl des Terrains, die Wahl der Geschwindigkeit, der Skischuh, die Einstellung der Sicherheitsbindung. Doch daneben bestehen eine Reihe von anderen Möglichkeiten. Da der menschliche Bewegungsapparat wohl kaum fürs Skifahren konstruiert wurde, dieser Sport aber äusserst faszinierend ist, sollten die möglichen Strategien zur Belastungsreduktion erkannt und auch angewendet werden.


WENN MAN DEN PANORAMA- UND KARTEN ZEICHNERN ÜBER DIE SCHULTERN GUCKT Eduard Imhof, Erlenbach

Unlängst wurde eine gewichtige Sammlung handgezeichneter Bergpanoramen aus dem Dunkel verschlossener Bibliotheksschränke ins helle Licht allgemeinen Interesses gerückt. Dies verdanken wir dem Kunsthistoriker Gustav Solar, der im Jahre 1976 eine gross angelegte Faksimile-Ausgabe der Panoramen von Hans Konrad Escher von der Linth (1767- 1823) besorgte. Solar versäumte es nicht, diese Veröffentlichung gleich auch noch zu untermauern durch ein kunstgeschichtliches Werk über Panoramen von Anbeginn solchen Bemühens bis zu Escher, somit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Da mag es angezeigt sein, auch einiges zu berichten über jüngere Bergpanoramen, über Bergzeichnung überhaupt und im Besonderen über Land- oder Landschaftskarten.

VON SCHWEIZERISCHEN BERGPANORAMEN SEIT BEGINN DES LETZTEN JAHRHUNDERTS Die Landkarten zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren noch herzlich schlecht. Daher mussten oft Panoramen, solche in gedruckt herausgegebener Form, der touristischen Neugier auf die Beine helfen. Ein zürcherischer Karten- und Panoramakünstler, Heinrich Keller (1778- 1862), zeichnete im Jahre 1804 erstmals ein Rigi-Panorama. Schon damals bearbeitete er es in den beiden geometrisch verschiedenartigen Formen, dem langen Bildstreifen, aufgebaut über einer geraden, waagerechten Horizontlinie (Abb. 1), sowie dem kreisrund, gleichsam um den Beobachter herumlaufenden Horizont (Abb. 2). Im nun anbrechenden «goldenen Zeitalter des Alpinismus» wetteiferten Kunstmaler und Topographen, aber auch hoffnungslos Unbegabte, um panoramistische Lorbeeren. Später; in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, war es der Zürcher Geologe, Professor Albert Heim (1849- 1937), der nicht nur geologische Karten und Profile zeichnete, sondern auch die Herstellung von Bergmodellen und Bergpanoramen kräftig förderte. Schon als Student zeichnete er Panoramen, und er tat es noch in hohem Alter. Seine Lust dazu übertrug er auf einige seiner Schüler, musste aber zusehen, wie einer derselben, der Obwaldner Topograph Xaver Imfeld (1853- 19°9), ihn hierin überflügelte. Imfelds Panorama werk, etwa vierzig Bildstreifen, bleibt unübertroffen, sein Mont-Blanc-Panorama wurde weltberühmt. Im Laufe unseres Jahrhunderts kam dann die Flamme der Begeisterung für zeichnerische Panoramen fast zum Erlöschen. Man besitze nun ja tadellose topographische Karten, die über alles Wünschenswerte aufklären, und die moderne Photo technik bringe mühelos die schönsten Panoramaansichten in unsere Stube. Nur noch Sonderlinge, Symbiosen topographischer Schnüffelei und musischer Zeichnungslust, klettern auf kalte Bergspitzen, um dort panoramazeichnend sich einen bösen Schnupfen zu holen. Ein solcher Sonderling war auch ich. Das kam so: Mein Vater war Geograph und leidenschaftlicher Bergsteiger. Ich liebte ihn, somit wollte ich ebenfalls Bergsteiger werden. Seine Schränke barsten fast unter der Last alpinistischer Bücher. Zwischen diesen eingeklemmt, befanden sich auch einige Bergpanoramen. Das Panoramazeichnen ist ja offenbar für Alpinisten obligatorisch, so dachte ich, und so zeichnete ich als achtjähriger Knirps an einem klaren Föhntage des Sommers 190 3 meinen ersten solchen Bildstreifen. Es geschah auf der'blechbeschlagenen, glühend


Abb.

1.

Panorama abgebildet auf einen lotrechten Projektionszylinder, der dann in die Ebene abgewinkelt wird .

Abb.

2.

Kreisringpanorama


heissen Dachzinne einer Mietskaserne am Abhang des Käfersberges bei Zürich. Ich kritzelte mit einem Bleistiftstummel die feine Zackenreihe der Schneeberge vom Glärnisch bis zum Titlis in sukzessiver Folge auf sechs kleine Papierbogen. Den angehenden Alpinisten interessierte vor allem das Auf und Ab der Bergsilhouetten, nicht aber alles Vordergründige . Das Häusermeer der Stadt deutete ich daher lediglich symbolisch an durch die Texthinweise Zürich I, Zürich III usw. Später dann, als Gymnasiast und Topographiestudent, liebte ich, neben Karten, Bergmodellen, Bergbildern aller Arten, auch immer wieder die Panoramen. Grösstes Vergnügen bereitete mir im Jahre 1919 die Aufnahme der Rundsicht vom Gipfel des Urirotstocks. Niemand hatte mich beauftragt, zu solchem Zwecke dort hinauf zu steigen. Anstoss war einzig meine trotzige Seele. Ich wollte mir selber beweisen, dass ich es fertig bringe. Vier sonnige, klare Tage auf dem Gipfel des Berges, Höhe meines Glückes, nicht nur die strahlende Sonne und die zackige Rundsicht, sondern auch meine gar nicht zackige, aber um so schönere junge Braut. Alle die vielen Stunden harrte sie geduldig auf des Berges Spitze bei mir aus. Nie hatte ich mich dann nachher bemüht, das Ergebnis dieser Aufnahme zu veröffentlichen. Hier, in den Abbildungen 5 und 6, zwei der damaligen Teilskizzen. Mein Tun auf des Urirotstocks höchster Zinne wurde dann aber bald ruchbar. Es dauerte nicht lange, im Jahre 1922, da bat mich Professor Heim um meine panoramistische Mitarbeit. Er hatte einst im Jahre 1866 als Siebzehn jähriger auf dem Gipfel des Grossen Mythen ein ringsherumführendes Panorama gezeichnet (Abb. 3). Ein halbes Jahrhundert später lockte es den indessen dreiundsiebzigjährigen Gelehrten dort oben nochmal ein Panorama zu zeichnen, ein Abschluss und Meisterstück seiner Panoramakunst sollte es werden, dies unter Einsatz aller neueren technischen Hilfen. Hierzu wurde nun folgendes unternommen: Eines schönen Tages im Herbst 1922 schleppte ich einen Theodoliten auf den Berg, richtete das Fernrohr sukzessive auf einige hundert Berg- und Kirchturmspitzen und ermittelte ihre horizontalen und vertikalen Richtungswerte. Die Ergebnisse übertrug ich, unter Annahme eines vereinbarten Radius des Projektionszylinders, auf grosse, blank-weisse Zeichnungsblätter. Sein Sohn Arnold, der damals siebenunddreissigjährige «junge» Heim, stieg ebenfalls mit schwerem Gepäck auf den Berg und photographierte morgens, mittags und abends die verschiedenen Teile der herrlichen Rundsicht. Darauf keuchte auch der «Alte» hinauf und entwirrte mit Hilfe eines Fernrohres zeichnerisch einige ferne, unklare Einzelheiten. Auf Grund dieser Vorarbeiten und seines topographischen Wissens zeichnete er dann zu Hause mit nadelscharfem Stift sein neues Werk, wohl die beste all seiner Panoramazeichnungen (Abb. 4). Da aber gab sich sein Freund, der alte Hermann Hofer, noch nicht zufrieden. Hofer war Inhaber einer lithographischen Anstalt am Untern Mühlesteg in Zürich, er hatte in Heim's Auftrag oft Panoramen und geologische Karten gedruckt. Nun knurrte er: «So kann man diese überspitzte Feinstrichelei nicht herausgeben, der Imhof muss nochmals her». Ich hatte nun auf den Lithographiesteinen Heim's Liniengewebe schummernd zusammenzufassen.

BESONDERHEITEN DER PANORAMAZEICHNUNG Es mögen nun hier einige Hinweise auf Besonderheiten des Panoramazeichnens nicht unangebracht sein: Was sich uns in der Natur in weiter Ferne zeigt, ist ausserordentlich unterschiedlich, ob wir es zu einer Morgenstunde, um Mittag oder gegen Abend betrachten. Gegenlicht verschleiert vieles, Mitlicht, d. h. Sonne im Rücken, sprenkelt jede kleinste Einzelheit ins Bild und lässt formale Zusammenhänge oft schwer oder überhaupt nicht erkennen. So oder so werden Bergkanten deutlich sichtbar, oder sie sind verwischt. Unzusammenhängendes wächst scheinbar zusammen und Zusammenhängendes zerfällt. Der Panoramazeichner sieht sich daher genötigt, jede ferne Berggestalt morgens, mittags und abends auf topographische Zusammenhänge hin zu prüfen und danach eine «gegenständliche», möglichst gut orientierende Zeichnung zu gestalten. Weit entfernte, räumlich getrennte, hintereinander hervorguckende Bergkämme täuschen oft eine einzige Gebirgswand vor. Da helfen dem Panora-


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Abb, 3 und 4, Aus Albert Heim's Mythenpanoramen, oben vom Jahre 1867, unten von 19'4' Teilst端cke Stanserhorn, Rigi Hochfluh, Pilatus. Die Ortsnamenstreifen 端ber den Zeichnungen sind hier weggelassen.

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Abb.

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Abb. 7.

E . Imhof, Urirotstockpanorama, '9'9. Tei lstĂźck gegen den KrĂśnten . E . lmhof, Panorama des Minya Konka-Gebirges in West-Szetschuan, von Osten.

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Abb.6.

E . Imhof, Urirotstockpanorama, 1919. Teilst端ck gegen Schlossberg und Spannort.

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mazeichner zu ihrer Entflechtung nur die Landkarten und gute eigene regionale Kenntnisse. Der fähige Panoramagestalter ist daher nicht nur ein exakter Zeichner, er ist auch ein erfahrener topographischer Detektiv. E r wühlt im Nebelhaften herum. Überdies sucht er durch gestalterische Besonderheiten dem Bildbetrachter zu helfen: Je weiter entfernt ein Bergkamm, desto feiner zeichnet er die Linien . Jede Silhouette löscht er unmittelbar bevor sie hinter dem davorstehenden Kamme untertaucht. Solches erleichtert dem Betrachter ein räumliches Zuordnen der verwirrenden Bildteile (Abb. 7). Unter den handgezeichneten Bergpanoramen findet sich alles, vom Dilettantischen bis zu Erzeugnissen bemerkenswerter Kunst. Nachteilig im Sinne der Kunstbewertung sind aber ihre Formate und die Zweckbestimmung, Papierstreifen von weniger als 20 cm Breite und über 300 cm Länge, darauf eine meist mager-spitzige Aufreihung miniaturhaft kleiner, ferner Berggipfelchen. Solches vermittelt wohl geographische Auskünfte, kann aber den überwältigenden Eindruck einer Rundschau von hoher Warte, den Zauber eines Blickes über weite Länder, den Glanz des Atmosphärischen, nicht wiedergeben. Hierzu bedürfte es der genialen Kunst, wie sie uns beispielsweise Albrecht Altdorfer in seinem im Jahre 1529 fertig gestellten Grossgemälde der «Alexanderschlacht» dargeboten hat. Wir wollen nun aber Heroen Heroen sein lassen und es dem Schneehasen gestatten, ein wenig über unsere Schultern zu gucken.

VERWANDTSCHAFT MEINER KARTEN- UND LANDSCHAFTSMALEREI Meine Lust am Zeichnen, die Freude am Bergsteigen und nicht zuletzt der Einfluss meines Vaters hatten mich beruflich zu den Landkarten hin gedrängt. Mit diesen papiernen Sorgenkindern zog ich durch meinen Alltag. Mein Beruf aber war zugleich mein Hobby. Nie jedoch vermochte dieses Hobby mein anderes Hobby zu verdrängen. «Trinkt, oh Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt!» E in von topographisch-geographischer Zweckbestimmung freies Zeichnen und Malen konnte ich ebenfalls nicht lassen . So griff ich zu meinem Malzeug, wo immer Freizeit, Sonnenschein, Berge oder sonst etwas Annehmbares dazu verlockten . Meist fanden sich meine beiden Hobbies freundschaftlich zusammen, gelegentlich aber zerkratzten sie sich. «Wie aber hat Ihre landschaftliche Hobby-Malerei Ihr anderes Hobby, Ihre Kartenmalerei, beeinflusst? Vergleicht man Ihre Aquarelle und Karten miteinander, so ist ja eine gewisse Verwandtschaft unverkennbar.» - So oder ähnlich fragten mich die Leute oft. Solches wollte neulich auch ein Schneehase von mir wissen. Zunächst eine naheliegende Antwort: Das zu malende Motiv, der Blick in oder auf ein Stück Landschaft, ist ja für meine beiden Hobbies, das Kartenmalen und das Landschaftsmalen, ein- und dasselbe. E benso sind des Malers Augen und auch sein Malzeug hier wie dort unverändert. So ist es wohl nicht verwunderlich, wenn die Ergebnisse ähnliche Züge aufweisen. Mit dieser Antwort aber will sich mein Schneehase noch nicht zufrieden geben, er möchte Genaueres erfahren. Dazu aber muss zuvor die Frage etwas präzisiert werden. Für viele Karten und Karteninhalte ist die gestellte Frage gegenstandslos, so z. B. für statistische Karten, Autostrassenkarten, Karten kleinster Massstäbe, solche, die vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Sewerowostotschnii reichen . Die obige Frage beschränkt sich offenbar auf Karten mit landschaftlichen Aspekten, d. h . auf topographische Karten grosser Massstäbe, wie es auch unsere üblichen kantonalen Schul wand- und Handkarten der Kantone sind. Auch bei solchen Karten beschränkt sich die Frage wohl im Wesentlichen auf ihre flächenhaften Aspekte, solche der Reliefschattierungen, Höhenabstufungen, Wälder, Gletscher und Wasserflächen, Felsgebiete und Ähnliches . Bevor wir auf solche Fragen eingehen, ein kleines, an sich recht unbedeutendes Erlebnis. Es war an der Hochschule zu Zürich, ich ein Student im ersten Semester, erste Übungsstunde in topographischtechnischem Zeichnen. Unser Lehrer, der bedeutende Landkartenpionier, Professor Fridolin Becker (1854- 1922), hiess uns nach der Erinnerung eine Planskizze der Häusergruppe des eigenen Wohnquar-


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Eduard Imhof, Eiger-Gipfel von Grindelwald gesehen, Aquarell 1978 .

Donator Jack Heuer,

SAS

Bern

97


tieres zeichnen. Wir waren etwa unser vierzig Studenten. Ich war der einzige, der die Gebäude nicht, wie es allgemein üblich ist, durch ihren ebenerdigen Umriss darstellte, sondern in ihrer Ans.i cht lotrecht von oben, mit bergkammähnlichen, schattenplastisch gestalteten Dachgiebelformen. Der Professor stutzte, solches war ihm noch nicht begegnet. Fü.r mich aber war es eine Selbstverständlichkeit. Für mich war und ist auch das Geländekartenbild nicht grundsätzlich anderer Art als ein entsprechendes anderes Ansichtsbild, geändert ist nur die Blickrichtung des Betrachters, und damit das geometrische Gefüge. Das Landschaftsphoto ist Ansichtsbild, das photographische Luftbild ist Ansichtsbild, das Landschaftsgemälde ist Ansichtsbild. Warum sollte es denn nicht auch die Landschaftskarte sein? Je ähnlicher die gemalte Karte den visuellen Naturaspekten, desto leichter das Identifizieren ihrer Eintragungen und desto grösser auch die Freude am schönen Werk. «Nun ja», wendet mein Schneehase ein. «Das ist ja alles recht schön und gut, aber es ist ja doch wohl nicht der Sinn einer Landkarte, in einem Kunstmuseum an der Wand zu hängen.» Zugegeben, von der Karte verlangt man in erster Linie alle möglichen geometrischen und geographischen Auskünfte. Dies zwingt bei ihrer Malerei zu Konzessionen, zur Bereicherung durch auskunftsträchtige, symbolische Darstellungelernente. Solche Probleme im Grenzbereich zwischen visuellem Aspekt und figürlichem Symbol beschäftigten die «Kartenmacher» seit alters her.

ENTWICKLUNGEN DER KARTOGRAPHISCHEN GELÄNDEDARSTELLUNG: SEILZIEHEN ZWISCHEN SYMBOLFIGUR UND ANSICHT. In alten Karten, bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein, half man sich mit Seitenansichten der Berge, Schlösser, Kirchen, Bäume usw. (Abb. 8). Dies änderte sich, seit genauere Vermessungen und der Wunsch nach reicherem Karteninhalt die Berge und andere Dinge in den Grundriss zwang. Nun aber hub bei den kartographischen Bergzeichnern das Heulen an. Eine Legende erzählt, Friedrich der Grosse habe seinen Militärtopographen befohlen: «Wo ich mit meinen Soldaten nicht hinkommen kann, setze Er mir in die Karte einen Klecks!» Jahrzehntelang zeigten dann in den Karten immer noch kleine, uniforme Ansichtsfigürchen, kleine Höckerchen oder aber verfilzte, formlose Strichgewirre das Vorhandensein von Bergen an. Da, in der Mitte des 17. Jahrhunderts, eine gloriose Ausnahme, ein heller Stern am Kartographenhimmel: Hans Konrad Gygers Wandkarte des Zürichgaues (Abb. 9), ein streng grundrissIich aufgebautes, aber farben- und schattenplastisch gestaltetes Naturbild, eine weite Landschaft mit all ihren Buckeln und Bergkämmen lotrecht von oben gesehen, die früheste grossräumige Landschaftskarte solcher Art. Sie konnte aber beim damaligen Stande der Technik nicht faksimiletreu reproduziert werden. Während fast dreihundert Jahren verkroch sie sich in das Dunkel von Archivschränken. Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein beherrschte der Kupferstich mit seinen scharfen schwarzen oder braunen Strichen und Linien die Landkartenreproduktion. In der kartographischen Bergzeichnung suchte man dann aber, aus solch formlosem Gekratze herauszukommen. Man erfand die «Geländeschraffen», kleinste, äusserst dicht gescharte Stücke von supponierten Geländefalllinien. Durch Abstufungen ihrer Strichstärken ergaben sich hellere oder dunklere Flächenschraffierungen (Abb. 10 und I I, Seite I02) . Die «Denker» und die «Regel- und Gesetzesanbeter» klammerten sich an die fiktive Relation, «je steiler, desto dunkler» . Die Strichstärke der Schraffen hatte - so theoretisierte man - den Böschungswinkel zu symbolisieren (Abb. IO). Sie nannten es «senkrechte Beleuchtung», obschon eine solche weder in der Natur, noch experimentell am Modell irgendwelche Formen zeigt, es wäre denn, man gäbe sich mit Karten zufrieden, deren Hell-Dunkelgewühle den Photos abgedeckter Gehirnmassen ähnlich wären. Die Erde war wüst und öde! Solcherart schraffierte, später geschummerte Karten behaupteten in den meisten Ländern das Feld bis tief in unsere Zeit hinein. Gott schuf das Licht am ersten Schöpfungstage, die Kartographen aber entdeckten es erst im 19. Jahrhundert. Da gab es einige, die


Abb.8.

Aegidius Tschudi, Schweizerkarte

1j

38 . Teilstück Vierwaldstättersee, Süden oben.

Abb . 9. Hans Conrad Gyger's Zürcher Kantonskarte vom Jahre 1667. Teilstück, Stadt Zürich, auf etwa ein Drittel verkleinert, Osten oben.

99


Augen im Kopfe hatten, solche in verschiedenen Ländern, vor allem aber auch in der Schweiz. Freilich, Leonardo da Vinci und Hans Konrad Gyger hatten die Morgenröte am Kartographenhimmel bereits früher wahrgenommen. Lassen wir Schräglicht auf eine horizontal ausgebreitete, aber leicht gewellte oder zerknitterte Fläche fallen, und schauen wir senkrecht von oben auf sie, so sehen wir im hell-dunkel-wechselnden Schattenspiel unmittelbar die Oberflächenwellen und Knitterungen. Solchen Zauber gewahrt unser Auge überall, wohin wir blicken. Spät, sehr spät haben es dann die kartographischen Geländezeichner gewagt, ihren Augen mehr zu glauben, als einer traditionellen, aber fragwürdigen Fiktion «je steiler, desto dunkler». In den Schraffenkarten wurden nun Lichthänge durch feinste Stricheleien hell schraffiert, Schattenhänge durch kräftige Striche dunkel. Bei genauester Durcharbeitung erzeugt dies einen schatten plastischen Aspekt des Geländereliefs. Glorioses Beispiel wiederum in der Schweiz: die zwischen I842 und I864 erschienene, früheste nationale topographische KarteI: IOOOOO, nach ihrem Schöpfer benannt als « Dufourkarte» (Abb. 1 I). Kaum fertig gestellt, wurde sie reprotechnisch überholt durch lithographierte Karten mit ihren verfeinerten Möglichkeiten der Licht- und Schattenmodulation. Es waren einige Schweizer, die als erste die nun genaueren Höhenkurvenaufnahmen und die reicheren reprotechnischen Möglichkeiten ausnützten zu weiterem Ausbau schattenplastischer Geländekarten. Dies geschah während der zweiten Hälfte des I9. Jahrhunderts, allen voran der Lithograph Rudolf Leuzinger (I826- 1896), dann die Topographen Fridolin Becker (1854- I922) und Xaver Imfeld (I85 3- I 909), sowie der Lithograph Hermann Kümmer!y (I 8 57- I 9°5)'

VOM GENERALISIEREN UND VON DEN GESETZEN DES SEHENS IN DER KARTOGRAPHIE. Als ich im Jahre I925 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich auf den Lehrstuhl für Topo- und Kartographie gesetzt wurde, erachtete ich es als meine Pflicht, den Landkartenherstellern etwas genauer in ihre Papiere zu gucken. Da war ja immer noch nicht alles Gold, was glänzte. Die jüngsten topographischen Karten vieler Länder waren bis zur Unlesbarkeit mit Details vollgestopft. Einer der hervorragendsten Graphiker, der Zürcher Pierre Gauchat, äusserte einst zu mir: «Landkarten sind graphische Greuel». Etwas kleinlaut stimmte ich ihm zu, worauf er beschwichtigend beifügte: «Die Ihrigen natürlich ausgenommen.» Ursachen des Greuels: Eine allgemein grassierende inhaltliche Überfütterung, augenmörderische Mikrozeichnerei und ungenügendes graphisches Koordinieren all der in- und übereinandergreifenden Stricheleien. Ich bemühte mich nun, solch graphischer Überlastung und Verfilzung entgegen zu wirken durch sinnvollere, den Dimensionen der Kartenflächen besser angepasste Inhaltsauswahl, wie auch durch graphisches Formvereinfachen. Mein gewichtigster Lehrsatz: «Es kommt nicht nur darauf an, was man in eine Karte hineinstopft, sondern auch, was ein normales, unbewaffnetes Auge daraus herauszulesen vermag.» So entwickelte ich schon seit dem Jahre I 92 5 eine inhaltliche und graphische Karten-Vereinfachungslehre, das sogenannte «Generalisieren». Die damit erstrebte Säuberung von allerlei Unrat hat ja wohl auch zur Bildhaftigkeit und Lesbarkeit meiner Karten beigetragen. Mein zweites Bemühen: Ich suchte das plastische und farbliche Antlitz der Landschaftskarten so weit wie möglich den Naturaspekten und damit allgemein gültigen «Gesetzen oder Erfahrungen des Sehens» anzunähern. Zum Studium der Schatten plastik der Karten dienten mir vor allem auch Beleuchtungsexperimente an körperlichen Landschaftsmodellen. Es galt dabei. u. a. «überbeleuchtete» und (<unterbeleuchtete», blinde, relieftote Geländeformen durch leichtes Variieren der Haupt-Lichtrichtung sichtbar zu machen, die Halbtonübergänge zwischen hell und dunkel, wie auch die leichten Schattentöne in der Ebene zu beachten und dies alles beim Kartenmalen oder Geländeschummern nachzuahmen . IOO


Eduard Imhof, Kartengemälde Relief der Schweiz Veröffentlicht als Karte 1:300000 im Verlag der Bundesanstalt für Landestopographie, Wabern.

1 : 200000,

Teilstück Aletschgletscher, vergrössert auf etwa

1:110000.

Donator Vinzenz Losinger,

SAS

Bern

101


Abb.

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Abb.

J J.

102

Carte de France

1:80000,

aus dem Jahre

J875 .

Teilstück aus Blatt

«Dufourkarte», Topographische Karte der Schweiz

J69,

Albertville.

1: 100000, J 842- J 864.

Teilstück Glarus.


Hier einige weitere Hinweise auf «Gesetze oder Erfahrungen des Sehens», die sowohl für den Landschaftsmaler als auch den Landschaftskartenmaler gelten: In der Natur erscheinen mit wachsender Entfernung die Geländeteile zunehmend heller, blauer, konstrastschwächer, das Licht- und Schattenspiel dominiert mehr und mehr die Geländeoberflächentöne. Diese sog. «Luftperspektive» in die Karte übertragen, ist wirksame Hilfe zur Höhen- und Tiefengliederung des Geländes. Starke und bunte Oberflächenfarben zerstören die schattenplastischen Formen. Nichtbeachtung dieser E rscheinung führte und führt heute noch zur Verpfuschung unzähliger Karten. Das malerische Gestalten der Geländekarten lernte ich nicht in irgend einem Kartographieunterricht, sondern in der Natur als Landschaftsaquarellist. In meinen früheren Jahren standen mir Farbphotos noch nicht zur Verfüg ung. So half mir nur mein kleines Malschächtelchen. Die dabei erworbenen Erfahrungen suchte ich dann im Atelier beim Kartenmalen zu beachten. Es mag meiner persönlichen Neigung entsprechen, dass ich sowohl in der Landschaftszeichnung, im Landschaftsaquarell als auch beim Kartenmalen das plastisch modellierende Formenspiel von Licht und Schatten stets ganz besonders beachtete. Auch verwarf ich in meinen mehrfarbigen Karten die bi sher all gemein üblichen, naturwidrigen braunen und braunroten Schattentöne und ersetzte sie durch naturähnliches Blau- und Graublau. Darauf, wie auch auf einigen anderen, hier beschriebenen «Liebhabereien» meines Sehens, mag zwischen meinen Aquarellen und Karten eine gewisse malerische Verwandtschaft beruhen.

RE SUME Topographe et cartographe repute, le Professeur Edouard Imhof commente le developpement de l'art cartographique. Les cartes etant autrefois tres primitives, elles devaient etre completees par des vues panoramiques. Les figures I et 2 donnent une idee de la technique utilisee pour definir geometriquement les points fixes ainsi que les lignes du terrain et de l'horizon. De grands ouvrages panoramiques sur la Suisse sont dus notamment a un geologue, le Professeur Albert Heim (1849- 1937) a un topographe, Xaver Imfeld (18 j 3- 19°9). La comparaison des figures 3 et 4, representant toutes deux une portion du panorama du Grand Mythen, montre les progres accomplis entre 1866 et 1922; Imhof avait participe aux releves geometriques et a l'execution de la lithographie du plus recent d'entre eux. Les figures 5 et 6 sont des fragments, inedits a ce jour, d'un panorama dessine en 1919 par Imhof lui-meme du sommet de ['Uri-Rotstock. La technique du panorama vi se non seulement a l'exactitude geometrique et topographique, mais aussi - sans sacrifier les details importants - a donner une representation parlante et esthetiquement satisfaisante du terrain qui s'offre aux regards du dessinateur. Le resultat est toujours un compromis entre la reproduction de tous les details identifiables et la vue generale esquissee a grands traits. Cet art a ete introduit dans la cartographie, un domaine Oll le Professeur Imhof a accompli des travaux d'une qualite insurpassable, ainsi qu'en temoigne la figure p. 101, chef-d'cruvre de ['art cartographique et aboutissement de l'evolution illustree par les figures 8- 11. A noter l'eclairage oblique et le remplacement des hachures - qui fatiguent la vue et rendent l'orientation difficile - par de nouveaux modes de representation. Pour rendre le modele du relief, les couleurs, dans leurs tonalites naturelles, doivent etre utilisees avec retenue. Le rendu pictural des cartes de geographies realisees par Imhof s'explique en partie par son talent d'aquarelliste, dont on peut se convaincre en contemplant les paysages reproduits aux pages 97 et l041I0j, toutes deux egalement inedites.


Eduard lmhof, Blick von der Cabane de Tracuit gegen Zinalrothorn, Obergabe lhorn, Besso, Dem Blanche. Aquarel l '955 .

1째4


Donatoren Pierre Riotton, EM,

SAS

Geneve, und Ulrich CampelI, EM,

SAS

Z체rich

1째5


PIRMIN ZURBRIGGEN UND SEIN ALMAGELL Raoul Imseng,

SAS

Zürich

Saas-Almagell (1600) ist das südlichste Dorf des Saas-Tals, das in einem lichten Lärchenwald längs der Vischpa weiter zum Mattmark, heute ein Stausee, ansteigt; von dort aus führen verschiedene Übergänge ins Italienische und nach Zermatt: Ofental- und Mondellipass, Monte Moro sowie Schwarzberg-Weisstor. Direkt in Saas-Almagell und im alten Weiler «Zermeiggern» münden die Verbindungen über den Zwischbergen- und Antronapass. Grosse Verkehrsachsen also? Früher ja. Die Pässe wurden, wenn auch unterschiedlich, mit Sicherheit zu Maultierzeiten alle benützt. Das «SaasThaI» ist, wie Konrad Imseng 1) annimmt, von Süden, nach seiner Version durch die Salasser, einem V ölkerstamm der Ligurer, zur Broncezeit, bevölkert worden. Später, im 5.- 4. Jahrhundert v. Chr., kamen von Norden her die Kelten, noch später die Romanen und schliesslich, zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert n. Chr., die Alemannen dazu. Doch «Almagell» scheint nach ihm keine Stätte dieser Volksstämme zu sein, denn nirgends ist das Dorf in seiner Geschichte des Saas-ThaIs erwähnt, obwohl die Besiedlung sehr vieler, kleiner Niederlassungen historisch nachweisbar ist. Die These von der Anwesenheit von Sarazenen im Saas-Thallehnt Konrad Imseng entgegen der Saaser-Chronik 2) ohne Begründung ab. In diesem Punkt habe ich meine Zweifel. «Almagell» ist wie «Allalin» im geografischen Sprachschatz auch des Saas-ThaIs so fremdartig, dass es nirgends zu den übrigen Ortsbezeichnungen passt und die Wortherkunft auch nicht erklärt werden kann. Es sei denn durch Anklang an die sarazenische Sprache. «Al Alin» z. B. heisst arabisch «Die Quelle», eine sinnvolle Bezeichnung, da sich ja von diesem Viertausender gewaltige Gletscher ausbreiten. Stutzig wurde ich kürzlich, als ich aus Zufall in einem geografischen Atlas bei der Darstellung der Topographie Spaniens einige Übersetzungen von arabisch-maurischen Ausdrücken las. Für «Berg» z.B. «al djabal», gesprochen «dschabal». Es schloss sich sofort die Überlegung an, dass «Mischabel» d. h. Mi-dschabel und selbst Alphubel d.h. vielleicht Al-dschabal den Wortstamm «djabal» enthalten könnte. Denn «Alphubel» als Bezeichnung für diesen breitschultrigen Gipfel zwischen dem eleganten Allalin und der wuchtigen Mischabel-Gruppe passt mit «Hubel» für «Horn», wie die Berge im Wallis üblicherweise genannt werden, nirgends ins Konzept ortsgeografischer Bezeichnungen. Ein «Hubel» ist die Bezeichnung von Geländekonturen allerunterster Stufe. Ich benütze diese abenteuerliche historische Eskapade, die Almagell etwas in die Isolation drängt oder nach heutigen nostalgischen Wandlungen vielleicht sogar verzaubert, mit Bedacht als Anlass zu einer Feststellung, die mich immer wieder richtiggehend in Bann schlägt. Wie kommt es, dass in einem abgeschiedenen Bergdorf aus dem Nichts heraus mit Pirmin Zurbriggen ein Klassefahrer heranwachsen kann, der mit 19 Jahren bereits zur Weltspitze gehört? Parallelen zu Ingemar Stenmark (<Und seinem Tärnaby» tauchen auf. Von ihm sagt Pirmin, dass er in der Leistung nicht zurückgefallen ist. Seine Konkurrenz hat indessen sein Niveau erreicht. Nichts deutet für Zurbriggen auf eine solche Karriere im Gegensatz zu Max Julen, dessen Vater Martin Julen zu den bekanntesten und talentiertesten I) Dr. Konrad 1mseng, Saas-Thal (Urgeschichte), Saas-Fee 1973. z) Saaser-Chronik 1200- '979, verfasst von Peter Josef Ruppen, Gustav Imseng, Werner Imseng, Saas-Fee '979'

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Skiläufern seiner Zeit gehörte, der, in sich gekehrt, fast wie ein Raubtier zu explodieren verstand. Max Julens Zermatt und Pirrnin Zurbriggens Almagell sind der vollständige Gegensatz, obwohl beide Stätten nur wenige Kilometer, aber immerhin durch ein gewaltiges Massiv getrennt, auseinanderliegen. Truls Berg und Martin Hodler haben im letzten Schneehasen die Grund-Konstituanten und Eigenschaften des Meisters anhand des Beispiels von Ingemar Stenmark in Perfektion herauspräpariert. Ich vermute, dass es keine anderen Elemente des Erfolgs gibt und die Gewichtung auch nicht zu verschieben ist (vgl. 4 j). Bei Pirmin Zurbriggen treffen diese Erfolgselemente und keine andern zu, und er selbst hat dies in einem gründlichen Gespräch bestätigt. Sportlich wie Peter Müller und Bernadette Zurbriggen, eine Cousine ihm unbekannten Grades, hat er an der 3. Auflage der Allalinhorn-Abfahrt ohne jegliches Training und ohne Pistenrekognoszierung teilgenommen, und dort habe ich ihn auch kennengelernt. Pirmin Zurbriggen ist jetzt 2ojährig. Nächstes Jahr wird er in die Rekrutenschule für Minenwerfer einrücken. Er wirkt in seiner soliden, sofort gewinnenden und fröhlichen Art überlegt, zurückhaltend, selbstkritisch. Auffallend, wie schmal er in natura erscheint, da er auf Sportbildern den Eindruck eines breitgebauten, muskulösen Wettkämpfers macht. In ihm schimmert die harmonische Anlage seiner Person durch, die den Weg zur Persönlichkeit, nicht nur im sportlichen Bereich, schon sichtlich angetreten hat. Sein Vater Alois, Inhaber des behäbigen und gemütlichen «Lärchenhof»-Hotels in Almagell, förderte die Motivation Pirmins für den alpinen Skisport. Als Vorbilder nennt unser Jungstar Bernhard Russi und Roland Collombin. Obwohl zu Vaters Zeiten in Almagell in Abfahrt und Slalom auf kleinem Feuer gekocht wurde, geschah es doch, dass 1944 sein Bruder Philipp, also Pirmins Onkel, in einem

Slalom Adelboden (11.

I.

'983) von links Max Julen (2.), Pirmin Zurbriggen (1.), Jacques Lüthy (3.)

Photo asl


3· ALLALIN H O RN-ABFAHRT, '4· 4· '983 links: Aufstieg mit Fellen (Ü bergang Piste/Pulverschnee bei den Eisbrüchen ) Mitte: Allalinhorn, 4027 m (Abfahrtsstart, darunter Feejoch, ca. 3800 m (effektiver Start). Die Strecke vom Gipfel zum Feejoch wurde als Durchschnittszeit dreier Testfahrer der Skischule Saas Fee ermittelt mit 45 Sek. unten rechts: Rennfahrer ca. ' 50 m unter dem Feejoch, Hinterg rund Allalingipfel. Photos eh. Seiler

D o natoren Martin Hafter, EM, und H ans Kessler, EM, beide SAS Zürich

rechts: Pirmin Zu rbriggen

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Photo Rhomberg


verwegenen Abfahrtstraining auf den Plattien oberhalb Saas-Fee tödlich verunglückte. Almagell selbst brachte indessen im Gegensatz zu Saas-Fee nichts hervor, was auch nur auf nationalem Parkett Glanz beansprucht hätte. Doch kann dies nicht auf den Mangel an Talenten zurückgeführt werden. Genügende Übungsmöglichkeiten fehlten. Auch galt als besessener Sonderling und Nichtsnutz, wer das lokale Trainingsmass sprengte. Das «Milieu» war dem SkisportIer abhold, mit Ausnahme einiger Langläufer, unter denen vor allem bei den damals noch in Almagell stationierten Grenzwächtern Louis Bourban herausragte. Der erste kleine Skilift im Saas-Tal wurde 195 I in Saas-Fee in Betrieb gesetzt. Er hatte eine Länge von vielleicht 300 m und überwand eine Höhendifferenz von 30- 40 m, aber in der Osterwoche war nicht einmal jeder Bügel besetzt. Auch im Bergführerturn hat sich Almagell im Vergleich zu Saas-Fee und vor allem Eisten im Eingang des Saas-Tals mit dem famosen Alexander Burgener nicht ausgezeichnet. Selbst Pirmin Zurbriggen ist, obwohl ein Bergfreund, kein Alpinist. Die Besteigung des Allalinhorngipfels anlässlich der 3. Abfahrt war sein erster Viertausender. Er spürt in sich keinen Drang zum Klettern, kein Fieber für die klassischen oder sogar für ausgefallene Routen seiner engsten Bergwelt, doch geht ihm das Verständnis für den Alpinismus nicht ab. Dazu liebt er die Berge zu sehr, in denen er seine einsame Trainingsläufe absolviert, wenn er in Almagell nicht Tennis und Fussball spielt oder zum Mattmark-Damm hinauf pedalt. Der systematischen Arbeit des Walliser Skiverbandes (vgl. 31. sAs-Jahrbuch, Seite 88 f.) hat Pirmin Zurbriggen viel zu verdanken. Er weiss es zu schätzen, dass er dort und später beim ssv hervorragende Trainer angetroffen hat, die ihn auf Fehler aufmerksam machten, ihn aufmunterten. Besondere Dankbarkeit verbindet ihn in dieser Beziehung mit Hans Rieser, Grindelwald. Bei den Trainern gibt es erstaunliche Klassenunterschiede, stellt Pirmin Zurbriggen fest. Seit er die Stufe der Weltklasse erreicht hat, haben Trainer eine andere Funktion: Sie sind eine Stütze in Schwächeperioden. Sie sind Experten, die den Feinheiten, den kleinen Details nachspüren, um dem Fahrer Anhaltspunkte für neue Wege zu geben. Holzhammerlösungen gibt es keine. Der Fortschritt findet in kleinsten Schritten statt. Nicht selten ist der Zufall im Bewegungsablauf wichtigster Lehrer: Die Erkenntnis, dass unerwartet etwas Besonderes gelungen ist, und der Versuch der anschliessenden intuitiven, nicht wissenschaftlichen Analyse. Die Auswertung des Videomaterials ist schwierig. Oft sind die Fehler zu deutlich, um weiterzuhelfen. Wo Brillanz der Technik oder des Stils ins Auge fällt, bleiben nicht selten die Resultate aus. Pirmin Zurbriggens Stärke liegt im Riesenslalom, im Super-G im besondern. Er erklärt dies mit einer ihm vielleicht eigenen Technik mit stark zurückgelegtem Körperschwerpunkt. Ganz sicher ausschlaggebend ist die Fähigkeit des Beschleunigens aus dem Schwung heraus, das Ausnützen des Zuges im Ski, den er so flach als möglich drückt. Die Umstellung zum Slalom ist schwieriger als man denkt, weil der Rhythmus vollständig abweicht, und noch schwieriger ist der Wechsel zur Abfahrt, die nur vor den Kombinationsrennen trainiert wird. Die Wahl der Lieblingssparte ist Veranlagung und Sache des eigenen Temperaments. Sie hängt auch von der Disziplinierung der Fahrlust, vom Körperbau - Pirmin Zurbriggen ist wie Ingemar Stenmark 1,83 m gross - , von den athletischen Eigenschaften und der Kraft ab. Sehr viel Zeit wird auch für Materialtests verwendet. Pirrnin Zurbriggen fühlt sich in dieser Hinsicht bei Kästle hervorragend betreut. Es werden laufend u.a. an die 50 verschiedenen Beläge getestet, um die verschiedenen Faktoren: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schneehärte in den Griff zu bekommen. Die enge Kooperation mit seinem Service-Mann Schenkenbach führt zur Herstellung von speziellen Skis, die es ihm möglich machen, seine Technik optimal auszunützen. Mit brandneuen Skis geht er nie an den Start: Sie sind ihm zu «giftig». Man muss sie einfahren.

***** «Pirmin Zurbriggen und sein Almagell»: Mögen beide so natürlich, naturnah und schlicht bleiben, wie sie jetzt sind. 110


2 3 4 5

Streckenstart (Al lalinhorn Gipfel) Rennstart (Feejoch) Panoramaplatz (altes) Kanonenrohr Ziel

ALLALIN -ABFAHRTS-STRECKE 1983 Start: Allalin-Gipfel, 4027 m Ziel: Saas Fee, 1800 m

Donatoren Silvia Burri, Horgen, und Raoullmseng, SAS Z端 rich

Bestzeit: Peter M端ller (neuer Rekord) 7.02.38

Photo Swissair

I I I


Spitzensport mit

112

)0:

Truls Berg, EM,

SAS

Bern

Donator Jean -Jacques Clavadetscher, EM,

SAS

Z端rich


SPOR T NACH

50

earl Schneiter, SAS Zürich

Von der Altherren Skiwoche 1983 in Verbier habe ich eine Karte mit über 20 Unterschriften erhalten. Alle Unterzeichnenden waren über 50 Jahre alt. Beim am gleichen Datum ausgetragenen Engadiner Skimarathon starteten 25 sAsler, 10 davon waren älter als 50. Das sind kleine Hinweise, dass im SAS auch die über 5ojährigen aktiv sind, dass Sport ihnen weiterhin Freude bereitet, und dass von ihnen auch die Geselligkeit im Sport gepflegt wird. Was sich im SAS abspielt, hat weitherum Gültigkeit. Der Sport ist nicht mehr das Privileg der Jugend. Er hat die älteren Generationen erfasst, und selbst Rentner füllen ihre viele Freizeit mit sportlichen Tätigkeiten aus. Dieser Wandel ist beeindruckend und hat seine Ursachen weitgehend in der Entwicklung der letzten 2 Dezennien: Einmal in der Vertechnisierung mit dem zunehmenden Bewegungsmangel resp. vermehrtem Bewegungsbedürfnis, dann aber auch im Wohlstand mit der guten ökonomischen Situation, der vielen Freizeit und den Möglichkeiten, die uns das Auto für die sportlichen Tätigkeiten bietet. Dringen wir etwas tiefer in die Probleme des Sportes der älteren Generationen ein, so stossen wir auf eine merkwürdige Welt, von der man vor 20 Jahren noch keine Ahnung hatte und die bei Nichtsportlern nur Kopfschütteln hervorruft. Diese sportliche Neuzeit führte zu wichtigen Erkenntnissen: Der menschliche Organismus ist bis ins höchste Alter trainierbar. Bis vor kurzem glaubte man noch, diese Trainierbarkeit höre mit dem 70. Altersjahr auf. Am Volksmarsch rund um den Zugersee mit 42 km Distanz beteiligten sich 1983 ein 95 und ein 89jähriger; den Originalmarathon in Athen lief ein 95jähriger und wiederholte seinen Start ein Jahr später. Solche Leistungen können nur nach längerem Training bewältigt werden . Der Sport Jvird von den Alteren ganz iihnfich empfunden wie von der Jugend und den ErJvachsenen. Er vermittelt ebenso Freude und Zufriedenheit, er bietet Gelegenheit zum Kampf, zu Erlebnis und Abenteuer, er ist Spannung, Entspannung und Ausgleich. Darum ist Sport im mittleren Alter nicht einfach leichtes körperliches Bewegen, sondern Sport mit all seinen Formen, aber auf etwas tieferem Leistungsniveau. So ist es verständlich, dass auch ein Alters-Wettkampfsport entstanden ist. Am Engadiner 1983 starteten 1714 Männer und 76 Frauen, die über 50 Jahre alt waren . So etwas war vor 20 Jahren noch völlig undenkbar. Der Sport verzögert die Alterserscheinungen. Hier stossen wir auf das schwierige Thema des Alterns . Da sind einmal die einfachen Bewegungsmangelkrankheiten, die sich wie Alterserscheinungen äussern. «Wer rastet, rostet», geringe Leistungsfähigkeit, starkes Herzklopfen und Atemnot schon bei kleinsten Anstrengungen sind die Auswirkungen. Abhilfe ist einfach: Mehr Bewegung, Treppensteigen statt Lift, zu Fuss zum Briefkasten statt mit dem Auto. Der Sport aber vermag viel mehr, man kann durch Sport 20 Jahre lang 40 Jahre jung bleiben. Sport heisst in diesem Fa" 2- }mal pro Woche schJvitzende Tiitigkeit von rund I Stunde Dauer. Man betrachte nur einmal diese 60, 70jährigen Sportler mit ihrer Jugendlichkeit und Lebensfreude, dann erkennt man, welch Jungbrunnen der Sport sein kann. Wenn der Sport nicht so wirkt, dann belastet man zu wenig oder sündigt in Essen, Trinken, Rauchen etc. Ein Wiederbeginn ist auch im ;0.- 70. Afterijahr noch möglich. Es gibt Tausende von Seniorenläufer, die in ihrem Leben nur wenig Sport getrieben haben, ein Übergewicht besassen, irgendwann mit Laufen begannen, und noch zu gros sen Erfolgen kamen. Der Jungbrunnen wirkt auch, wenn wir etwas


später, älter ins Bad einsteigen. Was vom Laufen geschildert, gilt für alle Ausdauerdisziplinen wie Skilanglauf, Velofahren, Schwimmen oder Bergwandern. Für die übrigen Sportgebiete ist die Situation nicht so eindeutig. Als Beispiel: Zwei 65 jährige wollen nach der Pensionierung mit Tennis beginnen. A hat in der Jugend Tennis gespielt, B hat nie Tennis gespielt. A wird nach wenig Unterricht wieder ein Spiel mit mehreren Ballwechseln ausführen können, B braucht 5- romal soviele Lektionen, vielleicht lernt er das Tennisspiel überhaupt nicht mehr. Der Wiederbeginn wird durch die frühere sportliche Tätigkeit beeinflusst, technische Fertigkeiten wie Skifahren, Schwimmen, Velofahren, Tennis usw. bleiben in reduziertem Mass erhalten, die Kondition hingegen geht verloren. So wird der Wiederbeginn oder Neubeginn in einer neuen Sportart einmal durch die frühere Tätigkeit, dann durch das körperliche Tun oder Nichttun in der sportlichen Inaktivitätsphase bestimmt. Die Fortschritte beim Wiederbeginn können durch Vorbereitung wie Gymnastik, Jogging usw. beschleunigt werden. Das ist dem SAS bestens bekannt durch die Vorbereitung einer Skisaison. Die Wiederaufnahme des Sportes der Älteren muss von einer ärztlichen Kontrolle begleitet sein. Dies ist kein leeres Wort. Die Erfahrung lehrt, dass Herzversagen, die im Sport ebensowenig zu vermeiden sind wie im täglichen Leben, vor allem bei wenig oder schlecht Trainierten vorkommen. Der Wiederbeginner ist in jedem Fall ein Schlechttrainierter. Warum überhaupt Sport nach JO? Die Antwort ist einfach: Er bereitet Freude und Wohlbefinden. Damit sei auch festgehalten, dass derjenige, der am Sport keine Freude empfindet, sich dazu nicht zwingen muss. Es gibt auch andere Wege zum Wohlbefinden wie Lesen, Konzertbesuche, Pflege der Freundschaft usw. Der Ausdruck «Bewegungsmangelkrankheitem> zeigt jedoch, dass noch mehr hinter dem Sport steckt als nur ein Hobby. Dabei sind seine Wirkungen nicht etwa nur auf die Behebung des Bewegungsmangels mit seinen Erscheinungen beschränkt. Der Sport vermag die Abwehrkräfte gegenüber vielen Krankheiten zu stärken. Dies ist für den Älteren mit seiner grösseren Krankheitsanfälligkeit äusserst wichtig. Die Ergebnisse der Präventivforschung geben darüber ein eindrückliches Bild. Bei den Herz-Kreislaufkrankheiten kennt man Risikofaktoren wie Rauchen, Fettgehalt, hoher Blutdruck, Stress und Bewegungsmangel. Liegen mehrere Risikofaktoren vor, so vervielfacht sich die Erkrankungsgefahr. Durch einfache Bewegung beseitigen wir einen einzigen Faktor. Treiben wir aber Sport mit einer gewissen Intensität, so regt das auch zu Mässigung in Essen, Trinken, Rauchen an und führt zu einer vernünftigen Lebensweise. Damit beheben wir gleichzeitig mehrere Risikofaktoren und die Gefahr, krank zu werden, sinkt um ein Vielfaches. So sollten sich die Älteren nicht nur bewegen, sondern kräftig Sport treiben. Gesundheit, Wohlbefinden und Freude ergeben sich nicht aus Fingerbeugen, sondern Kniebeugen oder ähnlichen kräftigen Übungen. Aber auch von Arbeit und Beruf her ist Sport nach JO wünschenswert. Die beruflichen Anforderungen steigen mit dem Alter ,trotz sinkender körperlicher Leistungsfähigkeit an. Durch Training sollte der Überforderung begegnet werden, oder, wie der Fachausdruck lautet: Der Sozialstress muss abgebaut werden. Dabei ist nicht nur an das körperliche Training zur Verbesserung der physischen Leistungsfähigkeit zu denken, sondern ebenso sehr an Erholung, Entspannung und Ausgleich. Viele ältere Läufer sagen denn auch, dass das körperliche Training ihre geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Welche Sportarten sollen nach JObetrieben werden? Gibt es geeignete und ungeeignete Disziplinen? Altern bedeutet Abnahme der Funktionstüchtigkeit der Organe, Verlangsamung des Funktionsablaufes, damit auch Verlangsamung der Erholung und Erhöhung der Anpassungszeit an neue Situationen. Diese Kriterien geben gute Anhaltspunkte für die Eignung der Sportarten im Alter, bevorzugt werden ruhige Disziplinen mit geringem oder langsamem Situationswechsel. Dies ist bei den Ausdauerübungen der Fall. Aber im Grunde genommen eignen sich fast alle Sportarten zum Alterssport, wenn die Tätigkeit dem Alter angepasst wird. Einschränkungen kommen von der Gefährdung her. Da sind zwei Gebiete zu unterscheiden: Die Schiidigungen: Herz, Kreislauf und Atmungsorgane dürfen nicht maximal belastet werden. Solche Belastungen ergeben sich durch Schnelligkeits übungen im anaeroben Bereich, also durch Sprints und schnelle Spiele wie Eishockey oder Basketball, dann durch Pressung der Atmungsorgane im 114


Sport nach

jO

Copyright

c.f.

Bucher AG

Donatoren Willy und Hermann Gericke,

SAS

Z端rich

I I

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Krafttraining oder in Zweikämpfen wie Ringen usw. Die Ausdauerübungen führen nicht zu solchen Belastungen, wenn nicht durch Zwischenspurts eine grosse Sauerstoffschuld eingegangen wird. Diese Bemerkung zeigt, dass die Eignung einer Sportart zum Alterssport weniger von der Sportart selbst als von der Art der Durchführung abhängt. Die Schwierigkeit bei der Gefährdung der inneren Organe liegt darin, dass der Sportler den Grad der Gefährdung nicht beurteilen kann. Darum ist bei Schnelligkeits- oder Pressübungen immer Vorsicht geboten. Der Bewegungsapparat kann durch Sport ebenfalls Schädigungen erleiden. Ob viel Sport die Bildung von Arthrosen beschleunigt, ist umstritten. Der Nichtsportler wird von dieser Krankheit ebenso befallen WIe der Sportler. Eindeutig ist die Situation der Überlastungsschäden durch zuviel Training, durch ungeeignetes Material (Schuhe) oder schlechte Bodenbeläge (Asphalt). Sie äussern sich durch Schmerzen in den Gelenken, Bändern und Muskeln. Der Sportler nimmt sie sofort wahr, kennt aber oft die genaue Ursache nicht. Überlastungsschäden sind im Alter sehr häufig. Abhilfe erfolgt durch Pausieren oder Umstellung im Training, durch Schuhwechsel etc. Die Unfallgefahr: Reduzierte Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit, vermindertes Gleichgewicht schaffen ein erhöhtes Risiko. Wir können auf eine eisige Abfahrt verzichten, aber Fremdeinflüsse wie ein störrisches Pferd oder ein Zusammenstoss im Spiel sind kaum zu vermeiden. Was tun? Das Wissen um die Gefahr und Vernunft müssen das Risiko vermindern. Die Frage nach der Eignung einer Sportart für das Alter hat auch soziale Aspekte. Der jojährige befindet sich in einem Netz von beruflichen, familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen, die die sportliche Tätigkeit einschränken. Meist gibt es darin eine Grauzone, in der zwischen Pflichten und Sport abgewägt werden kann. Da ist es wichtig, dass eine Sportart gewählt wurde, die Freude und Genugtuung bietet. Im weiteren hilft hier der Verein oder eine lose Gruppe mit festem Treffpunkt, z. B. jeden Dienstag um 18. 30 Uhr. Diese Zeit wird ebenfalls als Verpflichtung aufgefasst und der Ansporn zum sportlichen Tun ist um so grösser, je tiefer die Kameradschaft innerhalb der Gruppe ist. Eine andere Möglichkeit, den Zeitbedarf zu bewältigen, ist das individuelle Training, bei dem man den Zeitpunkt je nach Freizeit wählen kann . Hier bietet sich das Ausdauertraining und die vielen ganztägig geöffneten Sportschulen an. Das individuelle Training hat aber auch Nachteile, sofern die sportliche Tätigkeit nicht zum Selbstverständnis geworden ist. Oft fehlt auch die Erfahrung in der Dosierung und es besteht die ständige Gefahr des gänzlichen Aufhörens . Bei der Pensionierung schafft der Verlust der beruflichen Umgebung, der Kollegen, der Vorgesetzten und Untergebenen eine soziale Leere, die der Sport auf ideale Weise ausfüllen kann. So erhält die Gemeinschaft im Alter vermehrte Bedeutung, sie sollte deshalb schon in jüngeren Jahren gepflegt werden. Man sollte miteinander älter werden. Der soziale Aspekt des Alterssportes zeigt erneut, dass weniger die Sportart, als die Art, wie diese gepflegt wird, entscheidend ist. Doch der Zeitbedarf spielt bei den meisten eine Rolle. Wer in einem Minimum an Zeit ein Maximum an Trainingswirkung herausholen will, der muss laufen oder eine Fitnessschule besuchen und nicht Velofahren, Langlaufen oder Wandern. Die beste Lösung liegt jedoch im polysportiven Tun: im Wechsel von Wochentags-, Wochenend- und Feriensport. Nun noch zur gros sen Merkwürdigkeit des Aiterssports. Der jojährige befindet sich im Lebensabschnitt der sinkenden körperlichen Leistungsfähigkeit. Plötzlich beginnen diese Älteren wie verrückt Sport zu treiben; sie laufen Marathon, bestreiten den Vasalauf und erklimmen mit dem Velo auf der gleichen Fahrt mehrere Alpenpässe. Was ist da passiert? Wir können das nur verstehen, wenn wir den Sport in seiner Funktion als kompensatorischer Ausgleich kennen. Die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt, Geist und Seele, die Persönlichkeit, entwickelt sich aber weiter bis ins hohe Alter. Nun vermögen die heutige Lebenssituation und die Arbeitsbedingungen die unbewussten Bedürfnisse dieser Persönlichkeit nicht mehr zu erfüllen. Zum Beispiel: Wir sind doch nur noch eine Computernummer bei allen grossen Verwaltungen. Im Sport aber, da zählt nur das Ich, niemand kann mir die Mühen beim Vollbringen einer Leistung abnehmen. Und diese Leistung ist so leicht messbar: in Kilometern, Stunden und Minuten oder im Spiel durch Sätze, Schläge, Steine usw. So spricht der Sport die Persönlichkeit an, er vermag die vielen ungestillten Bedürfnisse im Bereich der Persönlichkeit zu

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erfüllen. Das sieht man am Ziel eines gros sen Laufes. Welche Zufriedenheit und Befriedigung strahlen doch die Gesichter der Läufer trotz Müdigkeit aus! Die Grösse der Leistung gibt uns einen Hinweis auf die Grösse der Bedürfnisse. Das ist eine stark vereinfachte Erklärung der Erscheinung, warum Ältere so grosse Leistungen vollbringen. In Wirklichkeit sind die Verhältnisse viel komplizierter. Das sportliche Verhalten ist Ausdruck des Charakters und der Charakter ist etwas ausserordentlich Kompliziertes mit Bewusstsein und Unbewusstsein, mit Gegensätzlichkeiten wie Gut und Böse. Der Charakter ändert sich mit dem Alter, durch die Umgebung, die Stimmung usw. Beim Engadiner demonstrieren Tausende das gleiche Verhalten, wenigstens äusserlich. Nach innen sind die Gründe, warum der Einzelne diesen Lauf bestreitet, sehr verschieden. Aber auch das Gegenteil findet man im Sport: Gleiche Gründe, verschiedene Sportarten. Der Eine spielt Tennis, der Andere Golf. Der Eine betreibt seinen Sport wettkampfmässig , der Andere kann nicht verstehen, wieso man im Alter überhaupt noch an Wettkämpfen teilnimmt. So ist es sehr schwer, die wahren Gründe für die Entwicklung des Sportes nach 50 zu finden. Wenn ich mich frage, wieso ich im hohen Alter mit den gros sen Ausdauerwettkämpfen begonnen habe, so weiss ich darauf keine sichere Antwort. Erlebnisse, Abenteuer, Befriedigung über Gesundheit und Leistungsfähigkeit, Freude am Bewältigen einer freiwilligen, grossen Aufgabe, Kameradschaft usw., das sind alles Faktoren im Bereich der Persönlichkeit. Sicher ist, dass der Sport mir und meinen älteren Kameraden nie geahnte Gefühle von Freude und Zufriedenheit gebracht und mein Leben vor und nach der Pensionierung wesentlich bereichert hat. Auch Demut stellte sich ein gegenüber einem gnädigen Schicksal, das mir und meinen Kameraden erlaubt, immer noch so aktiv tätig sein zu dürfen. Dieses Glück wünsche ich allen sAslern.

RESUME Le sport n'est plus un privilege de la jeunesse; en effet, des hommes d'un certain age et me me des retraites s'y adonnent toujours davantage. Ce developpement du sport des anciens est un phenomene nouveau et a permis de mettre en evidence certains faits et notamment que: l'organisme humain est susceptible d'etre entraine jusqu'a un age tres avance le sport est vecu par les hommes ages de la meme manie re que par les jeunes le sport retarde I'apparition des signes du vieillissement une reprise de la pratique sportive est possible apres 50 ans et me me jusqu'a 70 ans cette reprise doit s'accompagner d'une surveillance medicale L'homme de plus de 5 ans doit faire du sport car, outre Je plaisir et le bien-etre que sa pratique proeure, les defenses de l'organisme contre les maladies se renforcent et les capacites intellectuelles s'ameJiorent. Si l'activite sportive est adaptee a l'age, presque toutes les disciplines peuvent etre pratiquees. Il faut toutefois preferer les activites d'endurance et eviter celles qui comportent des eHorts violents, rapides ou eHectues en maintenant une forte pression pulmonaire. Si les risques d'accidents sont un peu plus eJeves en raison de la diminution de la vitesse de reaction et de la mobilite, ils sont souvent evites par le discernement et l'experience. Les hommes de plus de 50 ans ont quantite d'obligations qui restreignent leurs possibilites de faire du sport. Tres souvent, seule une activite individuelle est pour eux possible; toutefois, il ne faut pas oublier les avantages que peut presenter - surtout pour les retraites - la pratique d'un sport avec une equipe de bons copains. Il est frappant de constater qu'en depit de la baisse de leurs performances, beaucoup d'anciens eprouvent le besoin, parfois inconscient, d'aHirmer leur personnalite, en se livrant ades epreuves d'endurance comme, par exemple, les marathons. Le sport est un enrichissement certain de la vie des hommes de plus de 50 ans.

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WEGE ZUM ZIEL Hanspeter DenzIer, SAS Zürich

Ü ber das «Wie man am besten Skirennläufer züchtet», sind schon ganze Bibliotheken geschrieben worden. Ich will jedoch den Leser nicht mit Zucht-Analysen langweilen. Schon das Wort «Zucht» wäre verfehlt. Ich ziehe für meine Trainingsmethoden «Unkonventionell» vor. Ich bin davon überzeugt, dass es nur einer individuell trainierten Studenten-National-Mannschaft gelingt, in die Medaillenränge einer Universiade hineinzufahren. Ich weiss, dass es E iniges dagegen einzuwenden gibt. Aber meine Erfahrungen haben deutlich gezeigt, dass dies der richtige Weg ist.

INDIVIDUELLE DOSIERUNG DES TRAININGS Dass wir gezwungen sind, die Zahl der Skirennläufer möglichst niedrig zu halten, erleichtert natürlich deren individuelle Betreuung. So wird ein scheinbarer Nachteil zum offensichtlichen Vorteil. Das gesamte Trainingskonzept steht unter den Maximen individuelle Freiheit (nach Möglichkeit in allen Bereichen), mannschaftliche Geschlossenheit und führungsmcissige Flex ibilität. Altbewährte Lehrmethoden und E rkenntnisse aus den neuesten E rfahrungen bilden die Grundlage. Dazu kommt - und das ist fast noch wichtiger - das kreative Zusammenarbeiten von Sportlern und Trainer. Durch die Steigerung des Wettkampfniveaus und die Konfrontation mit den Besseren und Besten schien eine rein auf Leistung getrimmte Mannschaft vorprogrammiert. Die Angst, dass alte sAs-Ideale dabei auf der Strecke bleiben, kam auf. Man fürchtete im SAS die muskelbepackten Superathleten, die nur übers Skifahren diskutieren können. Oder anders gesagt: Man fürchtete sich vor gesellschaftlichen Nieten . Alles in allem - für den SAS, besonders für die AH, ein Alptraum. Die Angst ist unbegründet. Denn unsere Truppe setzt sich weder aus Ski-Idioten zusammen noch aus einem wilden Haufen kraftstrotzender Athleten. Es sind alles Studenten, die an sich ebenso hohe Anforderungen stellen wie an die sie betreuende Organisation. Zugegeben: durch das hohe Wettkampfniveau steht das alpine Team unter einem mehr oder weniger starken Leistungsdruck. Der SAS ist heute einer der stärksten Regionalverba'nde der Schweiz. Es fanden sich Sponsoren. E hemalige Rennläufer übernahmen wichtige Führungsaufgaben. Ausgezeichnete Trainingslager wurden eingerichtet: Stelvio, Davos, Sölden und Gstaad. Der SAS-CUP ist zu einer viel beachteten, professionell durchorganisierten Rennserie geworden. Auch die Zusammensetzung des Nachwuchses aus verschiedenen Altersgruppen wirkte sich positiv aus. Der Erfolg stellte sich endlich ein: Die sAs-Alpinen eroberten eine Gold- und eine Bronce-Medaille sowie einen ausgezeichneten vierten Platz an der Studenten weltmeisterschaft I 98 3 in Bulgarien. Die Mannschaft lieferte einen eindrücklichen Beweis ihres Zusammenhaltens: Niederlagen wurden verkraftet, interne Probleme gemeinsam gelöst und Erfolge fröhlich gefeiert. Dass die individuelle Trainingsmethode die einzig richtige ist, beweisen diese drei hervorragenden Ränge ganz deutlich . Hans Grüter, 24jähriger Wirtschaftsstudent aus St. Moritz, zog sich im Frühjahr I982 frustriert aus dem Skiverband zurück. Nach längerem Überlegen entschloss er sich, seine Skikarriere im SAS fortzusetzen. Ein kurzes, aber sehr intensives Trainingsprogramm (eigens für ihn zusammengestellt), bildete die Grundlage zu seiner Bronzemedaille im Riesenslalom an der Universiade 83. Peter Kozma aus Zürich, 22 Jahre alt, verliess ebenfalls den Skiverband. Der langsame Weg über die II8


Verbands kader reizte ihn nicht mehr. Sein Drang nach Freiheit und nach Ganz-vorne-dabei-zu-sein waren dafür eine Nummer zu gross. Auch wollte er sein Medizinstudium endlich vorantreiben. Um schnell Erfolg zu haben, erwarb er die internationale Lizenz für Ungarn. Nach langem Hin und Her wurde ihm der Verbandswechsel erlaubt, allerdings unter Streichung aller internationalen Rennpunkte. Auch der Zugang zum Weltcup wurde ihm erschwert (erste 100 der internationalen Rangliste). Ein hartes Los. Doch nichtsdestotrotz - nach einem langen, gut durchdachten Training fuhr Peter Kozma an der Universiade 1983 einen brillanten vierten Platz im Riesenslalom heraus. Trotz hoher Startnummer. Und darüber hinaus sicherte er sich mit diesem Resultat die Qualifikation für den Weltcup. Denis Du Pasquier, 2jjähriger Ökonom aus Neuenburg (erfolgreich an den Nor-Am-Rennen in den USA und an der Universiade 8 I), galt als Geheimtip für einen guten Platz in Bulgarien. Die Grundlage zum Erfolg wurde schon für die Saison 1981/82 geplant mit einem professionellen Training. Es ging zunächst daneben: 18 Stürze in 23 Rennen. Völlig am Boden hörte Denis Du Pasquier im März 1982 mit dem Skifahren auf. Erst nach einer erfolgreichen Saison als Enduro-Fahrer begann er Mitte Dezember 1982 wieder mit dem Skitraining. Schneemangel verhinderte aber ein reguläres Abfahrtstraining. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - wurde er in Bulgarien Abfahrts-Weltmeister. Alle drei hatten sich ganz verschieden auf die Weltmeisterschaften vorbereitet. Jeder von ihnen hatte eine ganz andere Ausgangslage. Jeder hatte auf seine Art und Weise den ihnen vom SAS geschaffenen Trainingsrahmen voll ausgenützt. Wissend um das Vertrauen, das in sie gesetzt wurde. Wissend um den hervorragenden Teamgeist in der Mannschaft. Alpine Mannschaft der Universiade 1983: von links (stehend) J ürg Hintermann (Trainer), Claude Stricker, Joel Claret, Denis Du Pasquier, Renaud Moeschler, Peter Kozma, Geri Weinmann (Trainer), Hans Grüter, Andreas Zuber (unten kniend von links): Markus Jenny, Björn Berg, Jean -Philippe Rochat, Jean-Rene Schenk, Hanspeter Denzier.


UNIVERSIADE RENCONTRE ENTRE ETUDIANTS OU COURSE AUX MEDAILLES? Pierre Andre Morand,

SAS

Geneve

L'un des objectifs principaux de la FISU, lorsqu'elle organise une manifestation sportive estudiantine a l'echelle du globe comme l'Universiade, est en plus de permettre aux meilleurs sportifs des hautes ecoles de chaque pays de s'affronter loyalement dans leurs disciplines favorites, de creer l'occasion d'echanges d'idees entre ressortissants de pays, de cultures et de systemes politiques differents. L'entreprise est d'autant plus honorable que les participants aces joutes mondiales sont senses appartenir a la future elite intellectuelle de leurs pays. Certains devraient occuper plus tard des postes de responsabilite et leurs experiences ainsi que les contacts noues precedemment a l'etranger devraient positivement influencer leur vision des choses.

DE LA THEORIE

A LA PRA TIQUE

Cela est bel et bien. Mais qu'en est-il dans la realite? Pour avoir participe a l'Universiade d'hiver de Jaca en I 98 I, rec,:u diverses equipes etrangeres en Suisse durant trois ans a l'occasion des Championnats suisses universitaires nordiques et accompagne des selections suisses a l'etranger pour y disputer les championnats universitaires nationaux, nous avons ete amenes a constater une realite quelque peu differente des souhaits officiels. Arretons nous un instant a l'Universiade. Pour y participer, il faut etre etudiant immatricule dans une haute ecole ou avoir termine ses etudes superieures depuis moins d'une annee tout en etant age de moins de 28 ans revolus. Chaque association sportive nationale souhaite evidemment obtenir les meilleurs resultats possibles. Selon l'intensite de ce desir et la bienveillance des universites qui deIivrent les attestations d'immatriculation, on comprend aisement qu'un contr6le de la realite du statut d'etudiant par la FISU est tres difficile. Certains indices font malheureusement penser que plusieurs pays, particulierement de l'Est et vraisemblablement dans un but de propagande destinee a la consommation interieure, fournissent des certificats d'immatriculation ades sportifs nationaux de haut niveau dont le statut d'etudiant s'avere des plus douteux mais qui ne manqueront pas de rapporter aux pays la moisson desiree de medailles. Comment en effet des athletes de niveau mondial comme le descendeur Tsyganov, le slalomeur Popangelov ou les fondeurs Burlakov (l'un des meilleurs Sovietiques aux Championnats du monde I982) et Lebanov (medaille de bronze sur I5 km a Lake Placid) peuvent-ils en plus des quatre a cinq heures d'entrainement quotidien qui leur sont necessaires pour atteindre puis se maintenir au plus haut niveau international, poursuivre normalement des etudes? Cela n'est materiellement pas possible. En Suisse, on peche dans l'exces contraire en refusant par exemple le droit a un etudiant auditeur de prendre part aux jeux mondiaux universitaires. Il faut ajouter que les meilleurs coureurs aperc,:us a l'universiade ne se mesurent aux autres etudiants du monde qu'en cette seule occasion. On ne les voit jamais aux championnats universitaires nationaux, ayant mieux a faire en s'alignant dans des courses de la Coupe du monde. I20


CHAMPIONNATS NATIONAUX PLUS PROPICES C'est pourtant durant ces competitions nationales d'etudiants que les contacts personnels sont possibles, permettant des echanges de vues instructifs, et que des amities se nouent. Durant l'Universiade, seuls les coureurs des delegations de l'Ouest se rencontrent alors que ceux de l'Est s'isolent systematiquement. Aucun contact reel entre etudiants de part et d'autre du rideau de fer n'est donc possible ce qui rend vain l'un des principaux objectifs de la FISU.

POUR LA GLOIRE DE REGIMES POLITIQUES Ces propos quelque peu desabuses n'ont que pour but de souligner le malaise qui regne lors des jeux mondiaux d'etudiants. Les «vrais» etudiants sont litteralement declasses par les appeles pour l'occasion et que l'on ne reverra plus pendant deux ans au moins jusqu'a la prochaine Universiade. Un sentiment evident de frustration, particulierement en ski nordique, secteur dans lequelles pays de l'Est peuvent aligner des coureurs de tout premier plan, s'installe parmi les delegations composees d'etudiants suivant regulierement des cours. Le plaisir de participer a une grande competition, meme lie le plus souvent a un interessant voyage, ne supprime pas completement l'arriere pensee desagreable de n'etre que des faire-valoir de concurrents alignes pour la gloire d'un regime politique. Lors de la derniere Universiade de Sofia en fevrier 1983, le phenomene s'est encore amplifie chez les nordiques. Cela s'explique probablement par le fait que la manifestation etait organisee dans un pays de l'Est et qu'il etait en consequence imperatif de marquer l'evenement par une abondante recolte de medailles. En lisant les resultats, on releve que les concurrents rencontres habituellement lors des championnats universitaires nationaux se sont systematiquement retrouves dans la deuxieme moitie du Delegation nordique a I'Universiade de Jacca de gauche: Gila Poltera, Christine Stebler, Pierre-Andre Morand (chef d'equipe), Laurent Donze, Thomas Grünenfelder, Hans Schindler, Hans-Järg Lutz, Brigitte Stebler, Hans-Ruedi Bühler (ASUS), Anne-Marie Kuster et Bernard Brunisholz (entraineur) (manque Barbara Hugi-Strupler).

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Universiade-Team, Spanien 1981 oben stehend: Barbara Struppler, Marc Ru ssenberger, Pierre-Andre Morand (Trainer nord), Markus Jenny, Peter Kozma, Thomas Gr端nenfelder Mitte stehend: Gila Poltera, Denis Du Pasquier, Fritz Bebie, J ean-Philippe Rochat, Hans Gr端ter, Hans Schindler, Annemarie Kuster, Hans-J端rg Lutz, Hans-Ruedi B端hler (SASV) unten kniend: Hanspeter DenzIer (Trainer Alpine), Jost Schnyder (Delegationschef), Paolo Ferretti, Olivier Brunisholz (Betreuer Alpine), Brigitte Stebler, Andreas Zuber, Laurent Donze, Christi ne Stebler, Bernhard Brunisholz (Betreuer Nordische)

classement. Serge Luthi, membre du cadre national jusqu'a la saison derniere, a ouvert de gros yeux en prenant connaissance de son 24e rang aux 30 km a IO minutes du vainqueur Devetyarov, troisieme des Preolympiques de Sarajevo sur 15 km. La question semble moins symptomatique dans le domaine alpin Oll les pays de l'Est ont davantage de peine a deleguer de grands champions en nombre suffisant. Cela n'a pas empeche le Sovietique Tsyganov de remporter a Jaca le titre en descente, le Bulgare Popangelov celui du slalom et le Tcheque Zeman le geant. Cela dit, nous avons meme rencontre un etudiant suisse fier de n'avoir perdu que 3 sec on des et demie sur le descendeur sovietique, lequel allait rem porter une course Coupe du monde une quinzaine de jours plus tard. Question de point de vue!

ETUDIANT DANS UN PAYS, PAS DANS UN AUTRE D'autres problemes se posent en rapport avec la qualification des etudiants. Certaines desciplines sont considerees comme universitaires dans quelques pays et pas dans d'autres. C'est le cas de la physiotherapie. Si vous etes Franc;:aise et que vous etudiez cette branche comme Perrine Pelen, vous eres qualifiee pour participer a J'Universiade . Si vous etudiez la meme discipline en Suisse comme Evi Kratzer (multi-championne suisse de fond) vous n'obtenez pas votre visa. Cela n'est evidemment pas satisfaisant et la FISU se doit d'edicter des regles uniformes a ce sujet.

QUEFAIRE? Alors que faire? Dans la mesure Oll ce sont les hautes ecoles nationales qui delivrent les certificats d'immatriculation et les pays eux-memes qui definissent les disciplines academiques, la lutte contre les abus sera difficile tant que les associations sportives nationales ne joueront pas le jeu. Un boycottage des pays soupc;:onnes de ne pas respecter les regles sur la qualification des athletes aboutirait a l'eclatement du mouvement sportif universitaire et n'est donc pas souhaitable. Ne pourrait-on pas en revanche imposer comme condition de qualification supplementaire la participation aux championnats universitaires nationaux et a l'un ou l'autre des championnats universitaires etrangers? Cela rendrait plus malaise l'engagement de mercenaires aux seules fins de viser la victoire dans une course politiquement interessante. Si l'on veut que les peuples se comprennent mieux a l'avenir, il est vital que leur jeunesse puisse se rencontrer, se parler et non seulement se croiser a l'instant fugitif de la remise des medailles. 122


SAS'LER ÜBER 8000 m J ürg Marmet, SAS Zürich

Die Nachforschungen haben ergeben, dass bisher drei sAs' ler die 8000 m Grenze erreicht haben: Andre Roch I952 Genfersporn (8020 m) und H ans Grimm 1956 Südsattel (7986 m) am Mount Everest }ürg Marmet I956 Mount Everest (8848 m) Zweitbesteigung Es ist kein Zufall, dass der SAS ausgerechnet mit dem Namen des Mount Everest verbunden ist; denn die Expeditionen der Jahre I952 und I956 wurden durch die Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen (SSAF) organisiert und finanziert. Und mit dem Namen der SSAF sind unsere sAs'ler Karl Weber, Ernst Feuz und Walter Amstutz sehr eng verbunden. Ja, nur dank ihnen war es möglich, dass diese schweizerischen Expeditionen in der Pionierzeit der Erschliessung der Achttausender überhaupt zustande kamen.

Mount Everest mit Wes tschulter, 8848 m (link s), Lhotse, 8501 m (Mi tte) und Nuptse, 7827 m

Photo]. Marmet


Die SSAF wurde 1939 gegründet und von 1942 bis zu seinem Tode von Karl Weber präsidiert und tatkräftig gefördert. Ernst Feuz, ihr unermüdlicher Geschäftsführer, Präsident seit 1973, führt die Stiftung heute noch mit seiner ihm eigenen nie erlahmenden Energie. Schon in seiner Jugendzeit hat Ernst Feuz davon geträumt, selbst einmal zum Mount Everest aufzusteigen. Leider ging ihm dieser Traum nicht in Erfüllung; er hat andern dazu verholfen, dieses Ziel zu erreichen. Andre Roch war Teilnehmer der ersten Schweizer Mount Everest Expedition des Jahres 1952, die sich bekanntlich dadurch auszeichnete, dass sie das westliche Cwm, auf der nepalischen Seite des Berges, unter Überwindung einer breiten, das ganze Hochtal durchquerenden Spalte mit Hilfe einer Seilbrücke erschlossen und erstmals den Südsattel (7986 m) erreichten. Raymond Lambert und Tensing Norgay (wer von den «Alten» erinnert sich nicht an diese Namen?) haben damals eine Höhe von etwa 8600 m, rund 250 m unter dem noch unberührten Gipfel erreicht. Wie alle späteren Expeditionen, die den Everest über den Südostgrat erreichen wollten, mussten sie die Kuppe des Genfer Sporns auf 8020 m Höhe übersteigen, um in die « Mausejalle )}, den Südsattel, zu gelangen. Den Expeditionsberichten kann entnommen werden, dass sich Andre Roch auf diesem ständig von Wind gepeitschten Flecken Erde nicht sonderlich wohl gefühlt hat; so zermürbend waren die Strapazen, die damals ein Aufstieg ohne Sauerstoff erforderte. Und wer hat sich vier Jahre später auf eben demselben Südsattel die Schulter ausgerenkt, allem Zerren und Reissen kräftiger Hände zwei Tage lang getrotzt und sich dann die Schulter so nebenbei beim Abstieg wieder eingerenkt? Unser Hans Grimm, Leiter unzähliger sAs-Expeditionen. «Im Südsattel, man leidet» soll einmal Raymond Lambert gesagt haben. Hans Grimm muss es offensichtlich dort oben zu wohl gewesen sein. Zusammen waren Hans Grimm und ich vom Lager 4 (6900 m) ins Lager 5 (7500 m) aufgestiegen und unser gemeinsamer Aufstieg in den Südsattel wurde nur deshalb unterbrochen, weil der Expeditionsleiter Albert Eggler, mit seinen Sherpas allein im Lager 5, dringend in vorgeschobene Position aufsteigen musste, um die weiteren Aktionen zu leiten . Auf dem Genfersporn stiessen Albert Eggler und ich auf Ernst Schmied mit seinem ihn begleitenden Sherpa und noch am selben Abend zügelten wir in den Südsattel. Wir planten, am folgenden Tag auf 8500 m ein Biwak zu errichten und, falls es die Verhältnisse gestatten würden, wollten wir eine Besteigung des Mount Everest riskieren. An diesem strahlenden, unvergesslichen Abend auf dem Südsattelleuchtete die Sonne mit ihrem warmen, gelben Licht bis die Dunkelheit hereinbrach und wir uns wohl oder übel in die Zelte verkriechen mussten. Die zweite Besteigung des Mount Everest (nach Hillary und Tensing), gelang

von links: Andre Roch, EM, SAS Geneve, Hans Grimm, EM,

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SAS

Zürich, und Jürg Marmet, SAS Zürich


Mount Everest, Südsattel, aufgenommen vom Genfersporn

Photo J. Marmet

uns am 23. Mai 1956 bei herrlichem, wolkenlosem und nahezu windstillem Wetter, nach einem sehr widerwärtigen, stürmischen und von Zwischenfällen gespicktem nächtlichen Biwak auf 8400 m. Es war ein Erlebnis, wie man sich einen Grataufstieg in den Alpen nicht schöner vorstellen könnte. Über eine Stunde sassen Ernst Schmied und ich, damals noch aktiver Bergführer, auf dem Gipfel, bis uns die von Süden aufquellenden Monsunwolken in dichten Nebel hüllten. Seither ist es im SAS um die Achttausendergrenze wieder ruhiger geworden. Heute werden nun aber jedes Jahr immer zahlreichere Expeditionen durchgeführt, meist im «Alpine Style}}) so dass es schwer fällt, alle Namen zu registrieren. Wer weiss, Hans Grimm, vielleicht organisiert der SAS wieder einmal eine Expedition auf einen Achttausender?

* CIVfII ist walisisch

(Wales) und bedeutet: kleines Tal (Kar). Diese Bezeichnung stammt von der engl. Expedition '953 (Hillary und Tensing) und ist heute ein geographischer Begriff. Es ist keine Abkürzung und wird "Kurn" ausgesprochen.

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BERUFODERSPORT - BERUFUNDSPORT? Peter Grunder,

SAS

Bern

Nach einer kurzen Ansprache zeichnet der Chef für Nachwuchsförderung im SSV, Pool Silvio, die drei Sieger der Schweizer Junioren Abfahrtsmeisterschaften I 98 3 in Meiringen aus. Auffallend spärlicher Applaus. Wen wundert's? Es stehen drei Deutsche auf dem Siegespodest. Zwei Tage später am Slalomhang in Grindelwald. Kein Abglanz des strahlenden Wetters auf den Mienen von Trainern und Betreuern. Der technische Delegierte aus Österreich meint herablassend, höchstens I5 der hier startenden I 30 Burschen wären an der österreichischen Meisterschaft überhaupt erst selektioniert worden. Die deutsche Delegation hat Pech, ihr bester Mann fällt aus. So kommt wenigstens ein Schweizer zu einer Bronzemedaille, wie schon am Vortag im Riesenslalom in Wengen. Ratlose Trainer, zynische Sprüche - nächstes Jahr besser? Was sich im Vorj ahr in Wildhaus abgezeichnet hatte, wurde dieses Jahr offen bar: Unsere Junioren haben den Kontakt zur internationalen Spitze verloren. Was ist geschehen? Möglicherweise überhaupt nichts Alarmierendes. E s könnte sich um ein ganz natürliches, kurzes Tief handeln . Zwei, drei schlechte Jahrgänge, das gibt's auch beim Wein. Vielleicht aber hat sich im Nachwuchsbereich auf internationaler Ebene etwas getan, das mit den strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft verglichen werden dürfte . Es könnte folglich den Schweizer Alpinen ähnlich ergehen wie den Schweizer Uhren. Während wir in der Schweiz weiterhin die übliche Berufslehre als Norm und die Ausbildung zum Spitzenathleten als angenehme Zugabe anschauten, haben andere Nationen neue Wege beschritten. In Schweden, Frankreich, Österreich und Jugoslawien sowie in der Bundesrepublik Deutschland legte man grösseres Gewicht auf eine doppelte Früherfassung. Berufliche, schulische und sportliche Zielsetzungen wurden einander gleichgesetzt oder gar dem Spitzensport klare Priorität eingeräumt. Wer die Szene im Nachwuchsbereich aufmerksam verfolgt hat, wird schon entsprechende Resultate der betreffenden Länder im alpinen Sektor festgestellt haben. Es ist nun keineswegs gesagt, dass unsere Rennfahrer dieses zeitliche Handicap nicht mehr aufholen könnten. Viele der (zu) früh erfassten Athleten mögen mit 20 ausgebrannt und lustlos sein. Sollte sich aber der neue Trend als zukunftsträchtiger erweisen als unsere schweizerische Nachwuchsförderung, läge ein Wellental ähnlich dem französischen der 70er Jahre durchaus im Bereich des Möglichen. Wahrscheinlich gibt es kaum Verantwortliche im SSV, die unsere alpine Spitzenposition aus grundsätzlichen Erwägungen aufs Spiel setzen möchten . Es wäre auch sachlich ungerechtfertigt, den zuständigen Personen vorzuwerfen, sie hätten sich nicht um das Problem gekümmert. Im Gegenteil, man hat in den vergangenen Jahren recht häufig darüber diskutiert. Ich möchte kurz einige Aspekte der Frage beleuchten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dazu fehlt mir die genaue Kenntnis, welche ja erst möglich wäre, wenn Analysen vorlägen.

FREMDENVERKEHRSPOLITISCHE GESICHTSPUNKTE Die Erfolge oder Misserfolge unserer Spitzenleute spielen keine zentrale Rolle in diesem Zusammenhang. Wahrscheinlich wäre es trotzdem falsch, mögliche negative Rückwirkungen von vornherein I26


zu vernachlässigen. National- und Ständeräte, die aus Wintersportregionen stammen oder mit solchen Regionen engere Verbindungen pflegen, müssten gezielt informiert werden.

NEUE SCHUL- UND AUSBILDUNGSFORMEN Eine frühe Doppelerfassung talentierter Jugendlicher wirft eine Reihe völlig sportferner Fragen auf. Unsere grundsätzlich kantonalen Schulkonzeptionen laufen einer zentralen oder doch überkantonalen Lösung zuwider. Kommt dazu, dass die Berufsausbildung nach anderen gesetzlichen Grundlagen geregelt wird. Möchte man also etwas Solides und für alle Vergleichbares erreichen, müssten wieder politische Mandatsträger gewonnen werden. Auch die Verwaltungsebene sollte unbedingt einbezogen werden.

SPOR TVERBÄNDE Das Problem stellt sich nicht nur für den SSV. Andere gros se Sportverbände stehen vor vergleichbaren Fragen. Es wäre also sicherlich angebracht, sich im Schosse des SLL Konzepte auszudenken, die eine grösstmögliche Koordination zulassen. Verbandspolitische Engstirnigkeit würde niemandem auf Dauer dienen. Auch hier lässt sich absehen, dass ohne politische und gesetzgeberische Fundamentierung kaum Dauerhaftes erreicht werden kann. Recht schwierig dürfte sich auch die Frage der Kompetenzabgrenzungen innerhalb der Verbände selbst gestalten. Das Nachwuchswesen hat für viele Regionalverbände höchste Priorität - aber nur in eigener Kompetenz. Mögliche Widerstände gegen neue, eher zentralistisch gesteuerte Lösungen dürften sich ergeben.

DIE LAGE DER JUNGEN SPITZENF AHRER HEUTE Durch die zunehmende Perfektionierung der Skitechnik, die grössere Zahl von nationalen und internationalen Wettkämpfen, die frühere Erfassung der Jungen und nicht zuletzt durch Prestigefragen ist die zeitliche Beanspruchung grösser geworden. Immer häufiger steigen darum Spitzen-Aspiranten überhaupt nicht mehr in eine Lehre ein, versuchen es mit Fernschulen, teuren Privatschulen, steigen um und endlich aus. Es wäre aus mehr als einem Grund interessant zu wissen, wieviele junge Schweizerinnen und Schweizer irgendeine solche, letztlich fragwürdige Lösung getroffen haben. Wen wundert es, wenn die Mehrzahl der alpinen Nationalmannschaft keine Schule oder Berufslehre hinter sich hat, die mehr als zwei oder drei Jahre dauert. Zudem sind es noch Berufe, wo Schule und zeitliche Beanspruchung im Winter speziell günstig liegen (Maurer, Zimmerleute, Der Nachwuchs

Copyright RDZ 12 7


Köche). Der Anteil dieser Berufe ist verblüffend hoch. Gross ist auch der Anteil derer, die weder Lehre noch Schule gemacht haben, vor allem bei den Mädchen. Eine solche Basis kann auf Dauer nicht tragen. Die Talente sind doch wohl so breit gestreut wie die Berufe. Kaufleute, Gymnasiasten und Seminaristen sind vergleichsweise untervertreten oder fehlen ganz. Man kann sich vorstellen, in wievielen Familien Wege gesucht werden, um der doppelten Zielsetzung gerecht zu werden - und wie allein sie eigentlich dabei bleiben. Es wäre also aus Gründen der Redlichkeit und der pädagogischen Verantwortung Zeit, sich des Ganzen anzunehmen.

DIE GLEICHEN SPITZENFAHRER IN EINEM NEUEN SCHULUNGSKONZEPT Wäre die Frage der Doppelbelastung grundsätzlich so gelöst, dass gesetzliche Grundlagen bestünden für die drei Hauptbereiche: Handwerk- Kaufleute-Mittelschulen, so nähme man von den Jungen, deren Eltern und vielen Betreuern einen Druck weg, der meines Erachtens für die meisten zu belastend ist. Unbelasteter könnten Beruf und Spitzensport nebeneinander aufgebaut werden. Man täusche sich nicht: Auch so wäre es für die Sportler noch nicht problemlos. Es versteht sich, dass Betreuung in sportlicher, erzieherischer und beruflicher Hinsicht nicht zu Überbetreuung oder Fehlbetreuung werden darf. Schwedische und österreichische Modelle müssten sorgfältig studiert und kritisch beurteilt, Einstieg und Ausstieg so flexibel wie möglich gehandhabt werden.

FINANZIELLE FRAGEN Heute ist in vielen Fällen der finanzielle Aufwand so gross, dass Eltern mit kleinem oder mittlerem Einkommen überfordert oder doch zu stark belastet werden. Und zum «fils a papa»-Ausscheidungsrennen dürfte die Selektion unter keinen Umständen degenerieren. Noch ist es nicht so weit, aber Ansätze sind zu beobachten. Bei einer neuen Lösung sollten Wege gefunden werden, die für alle Betroffenen Belastungen ergeben, welche mit den <<normalen» Schulungs wegen vergleichbar bleiben. Der Bund, die Kantone, Verbände, Sponsoren und die Eltern müssten wahrscheinlich zur Kasse gebeten werden. Ich bin mir bewusst, dass der Sonderfall Schweiz auch hier zu berücksichtigen bleibt. Es ist mir auch klar, dass die momentane finanzielle Grosswetterlage keine günstigen Prognosen erwarten lässt. Aber das Problem besteht, andere Staaten haben darauf reagiert und es wäre fatal, wenn man eines unschönen Tages unter Zugzwang stünde.

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HANS BEAT WIELAND ALS KRIEGSMALER AN DER DOLOMITENFRONT Oktober/November 1915

Einführung von Hans Rudolf Kurz, Bern

Dank der Empfehlung des Schweizerischen Generalstabschefs, Oberstkorpskommandant Th. Sprecher von Bernegg, erhielt Hans Beat Wieland im Herbst 1915 eine Einberufung als Kriegsmaler in das Kriegspressequartier des österreichisch-ungarischen Heeres. Die Kriegsmaler jener Zeit hatten ähnliche Obliegenheiten wie etwa die Mitarbeiter der Presse und Propagandaeinheiten im Zweiten Weltkrieg; sie wurden auf die verschiedenen Fronttruppen aufgeteilt und hatten die Aufgabe, besonders eindrückliche Geschehnisse und aussergewöhnliche Leistungen an den Fronten mit Bleistift und Pinsel für den politischen und historischen Gebrauch festzuhalten. In dieser Funktion war Wieland innerhalb von drei Jahren 6 mal an verschiedenen Kampffronten des österreichisch-ungarischen Heeres tätig. Eine umfangreiche künstlerische Ausbeute zeugt von seinen Fronterlebnissen und zeigt sein aussergewöhnliches Einfühlungsvermögen. Die auf diesen Seiten wiedergegebenen Tagebucheintragungen und Bilder stammen aus der Kriegsmalertätigkeit Wielands an der österreichisch-italienischen Dolomitenfront. E inige militärhistorische Hinweise sollen die Bedeutung dieser Gebirgsfront darlegen und damit zum Verständnis der geschriebenen und gezeichneten Erinnerungen Wielands beitragen. Am Z3. Mai '9'5 erklärte Italien der K. und K. Monarchie Österreich-Ungarn (nicht jedoch dem Deutschen Reich) den Krieg. Verlockende territoriale Versprechungen der Europamächte für den Fall eines Kriegseintritts (Trient, Görz, Südtirol mit Bozen, Gradisca und Triest) und die Bedrängnis des österreichisch-ungarischen Heeres an den Fronten in Serbien und Galizien gaben ltalien den Anlass, aus seinen längst nicht mehr ernst genommenen Dreibundsverpflichtungen mit Österreich-Ungarn und seiner bisherigen Nicht-Kriegsführung herauszutreten. Mit Kriegseintritt Italiens erwuchs für Österreich die gegen Italien gerichtete neue Südwestfront, die vom Stilfserjoch im grossen Alpenbogen über dem Tonalepass zum Gardasee und über Rovereto - Monte Pasubio - Sieben Gemeinden - Val Sugana - Fleimstalerberge Marmolata - Col di Lana - Tofana - Cristallo - Monte Piano - Drei Zinnen - Paternkofl - Kreuzbergsattel - karnische und julische Alpen - lsonzo bis an das adriatische Meer reichte. Diese Siidwestfront gliedert sich in drei grosse geographische Abschnitte: die Front westlich der Etsch zwischen Stilfserjoch lind Gardasee, die Front östlich der Etsch zwischen dem Gardasee, den sieben Gemeinden und den Dolomiten bis zum Kreuzbergsattel, die Front entlang des karnischjlliischen Kammes und längs des Isonzo . Die Dolomiten/ront verlief in der Stellungslinie über die Hochfläche der Sieben Gemeinden zu den Fleimstaler Bergen,

dann über die Dolomitengruppen der Fassauer Dolomiten - Marmolata - Buchensteiner Berge - Col di Lana - Fanes Falzarego - Tofanen - Cristallo - Monte Piano - Sextener Dolomiten zum Kreuzbergsattel bei Sexten. Die italienische Armee unter der faktischen Führung von General Cadorna legte ihr Schwergewicht auf eine Offensive gegen den österreich ischen Adriahafen Triest; hier sollte der österreichischen Stellung in Oberitalien der Todesstoss gegeben werden. Die Hauptanstrengungen der Italiener richteten sich somit gegen den Isonzo. Hier fanden die " gros sen italienischen Angriffsschlachten statt und hier konzentrierte sich auch die österreichische Abwehr. Dementsprechend war das italienische Heer, das über 800000 Mann und 34 Infanterie-Divisionen verfügte, gegliedert: eine Armee stand zwischen Stilfserjoch Gardasee - Pasubio, eine Armee im Raum Feltre-Belluno und zwei Armeen westlich des Tagliamento, bereit zum Angriff auf die l sonzolinie. In I l grossen Isonzoschlachten, die zwischen Juni '9' 5 und August '9'7 stattfanden, kamen die Italiener trotz grossem Aufwand gegen die hartnäckig und tapfer verteidigenden Österreicher nur sehr langsam voran; immerhin gelangen ihnen die Einnahme von Görz und ein gefahrlicher Einbruch am oberen lsonzo. Mit der [2. lsonzoschlacht, die im OktoberNovember '9'7 stattfand, gingen die Österreicher, zusammen mit deutschen Verbänden, selbst zur Offensive über. An dieser denkwürdigen Schlacht, in der die Namen Tolmein und Flitsch aufklingen, erlitten die Italiener eine schwere Niederlage; sie wurden aus dem Gebirgsraum des Isonzo hinausgedrängt und bis an die Piave zurückgeworfen. Zu einem vollständigen Zusammenbruch des italienischen Heeres reichten die Kräfte jedoch nicht; dieses konnte sich hinter der Piave, nicht zuletzt dank der Unterstützung durch E litetruppen wieder auffangen . Neben der Isonzofront bildeten die

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übrigen Kampfabschnitte der österreichisch-italienischen Front zwischen dem Stilfserjoch und der Adria Kampfräume von zweitrangiger Bedeutung. Auf diesen Nebenschlachtplätzen begnügten sich die Italiener mit einer kordonartigen Aufteilung ihrer Kräfte, um einerseits grösseren österreichischen Angriffsabsichten entgegenzutreten, und anderseits um den Weg ins österreichische Hinterland zu öffnen, wenn die Entwicklung der Lage dazu Gelegenheit bieten sollte. Die österreichische Heeresleitung hatte vor dem Krieg die Alpenfronten etwas ausgebaut; die grossenteils älteren Festungswerke wurden in Bereitschaft gestellt. Zu einer umfassenden Grenzsicherung fehlten jedoch die Mittel. Der österreich ische Oberbefehlshaber an der Südwestfront, Erzherzog Fugen, war deshalb nach der italienischen Kriegserklärung gezwungen, die Grenzstellungen zu räumen und seine Hauptabwehr, im Sinne einer Konzentration der Kräfte, auf die wichtigsten Schlüsselpunkte im Gebirge zurückzuversetzen, wo die Abwehr gegen die italienischen Angriffe geführt werden sollte. Geräumt wurden insbesondere die Grenznahmgebiete des Ledrotals, des Etschtals, des Pasubio, des Valsugana, das Grismontal, das Fellegrinotal, der Talkessel von Cortina d' Ampezzo und Teile der karnischen Alpen. Das österreichisch-ungarische Heer war bei Kriegsbeginn den Italienern weit unterlegen; es verfügte für die ganze Südwestfront nur über 60000 Mann aktiver Truppen, die mit Standschützen und Zoll- und Gendarmerieverbänden verstärkt wurden. Später kamen dazu aus Galizien zu rückgeführte Aktivverbände sow ie Truppen des deutschen Alpenkorps, die vor allem in den Dolomiten eingesetzt wurden.

Trotz dieser beschränkten Mittel gelang es den österreichischen und deutschen Verteidigern, vom Juni I9I J bis in den Spätherbst I9I7 die Gebirgsstellungen gegen die italienischen Angriffsverbände zu halten. In diesen Kämpfen ist erstmals in der Geschichte der reine Gebirgsraum zum Ort einer umfassenden und mit aller Intensitiit geführten Kriegsführung geworden. Beide Seiten haben mit grossem Einsatz, mit hoher Tapferkeit und ausserordentlicher Leidensbereitschaft gekämpft; dieser Krieg in der Alpenstellung ist gekennzeichnet durch Mut und Tapferkeit, bewunderungswürdige Ausdauer und einer von hohem Patriotismus getragenen Einsatzbereitschaft. Das alpentechnische und militärische Können beider Parteien verdient auch heute noch Bewunderung. Dass dabei auch die italienischen Angriffsverbände, insbesondere die Elitetruppen der Alpini Hervorragendes geleistet haben, darf gerechterweise nicht verschwiegen werden . Der Krieg im Gebirge war ein echter Männerkampf, bei welchem nicht Maschinen und technische Einrichtungen vorherrschten, sondern die Herzen der Männer, mit ihrem Mut, ihrer Kampfkraft und ihrer Bereitschaft zur Entbehrung. Neben den Einwirkungen der Technik traten die Wirkungen der Naturgewalten, mit Hitze und Kälte und Gefahr aller Art - gegen 60000 Menschen haben in diesem Krieg den Lawinentod erlitten Mit schwachen Kräften suchte der Mensch die Unbilden der Natur und des Gebirgsgeländes zu überwinden; der Sprengtechnik und dem Minenkrieg erwuchsen in Fels und Eis völlig neue Möglichkeiten. All die Höhen und Scharten, Eisflächen und Felswände der Fleimstalerberge der Marmolata, des Col di Lana, der Tofanen, des Monte Cristallo, des Monte Prano, der Dreizinnen und des Paternkofel sind heute noch Mahnmale dieses aussergewöhnlichen Kriegsgeschehens. Dass seine faszinierende Besonderheit auch dem Künstler Wieland in besonderer Weise angezogen haben, wird in seinen Darstellungen überall deutlich. Trotz des grossen Einsatzes aller Beteiligten sind in dieser Gebirgsfront keine entscheidenden Operationen geglückt. Neben Erfolgen taktischer Natur stehen keine solchen im strategischen Bereich. Durchbruchsaktionen grösseren Umfangs blieben im Krieg aus. Der Krieg blieb stationär und beschränkte sich auf Kleinerfolge im taktischen Rahmen. Eine einzige Offensivbewegung grösseren Umfangs wurde im Mai 1916 von der österreichischen «Heeresgruppe Südtirol» mit 2 Armeen auf der Hochfläche zwischen Etsch- und Suganertal versucht. Sie errang schöne Anfangserfolge, hatte aber nicht die Kraft, um in die Poebene auszubrechen . Nach der schweren italienischen Niederlage in der 12. Isonzoschlacht und der Rückverlegung der italienischen Hauptfront hinter die Piave hingen die italienischen Gebirgsstellungen in der Luft. Dies führte dazu, dass diese Stellungen Ende 1917 kampflos geräumt werden mussten. Damit trat nach 2 '12 jährigem Kampf in den Dolomiten, den Fassauer- und den Fleimstalerbergen plötzliche Kampfstille ein. Die Berge hatten ihre Schutzaufgaben erfüllt; nun herrschte wieder Ruhe. Ein letztes Aufleben der Kampfaktionen erfolgte in der österreichischen Sommeroffensive von 1918 in Südtirol auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden. Dieser letzten Offensive alt Österreichs war jedoch kein Erfolg beschieden; vielmehr hat sie den Zusammenbruch des ausgebluteten Heeres noch beschleunigt.


TAGEBUCHNOTIZEN VON HANS BEAT WIELAND

Sonntag, 14. November 191J. - Pergine Wir frühstückten im kleinen Cafe am Platz. Um 8 Uhr kommt das Lastauto, das uns zur Pa na rota bringen soll, um uns abzuholen. Die «Vögel» sitzen schon oben. Mit Gebrüll stürmt der Motor die Bergstrasse hinauf. Pergine sinkt tiefer und tiefer, die Brentagruppe kommt heraus, dann kommen goldig von der Sonne durchleuchtete Lärchenwälder. Eine Fahrt voller Schönheit. Wir kommen an eine Stellung bei Buso grande. Hier wird ausgestiegen und wir gehen durch die Drahthindernisse nach vorne. Photographenapparate werden gezückt; müssen aber schleunigst wieder verschwinden. Die Stellung bietet einen Blick aufs Suganatal, auf die Vecena und auf das Lavaroneplateau. Die Geschütze sind völlig unsichtbar eingebaut. Man muss es den Österreichern lassen, dass sie Meister im Einbauen und Maskieren von Stellungen sind. Nach kurzer Rast rattern wir weiter hinauf. Bald kommt Schnee. Noch eine Bergnase wird umfahren, stets stark steigend, und wir sind auf dem Pana rota Kamm angelangt. Es ist ein Berggrat, gegen die feindliche Seite steil abfallend, gegen die eigene sanfter geneigt, wie geschaffen zu einer mächtigen Verteidigungsstellung. Weniger günstig als Ausgangspunkt offensiven Vorgehens. Die Stellung ist stark ausgebaut. Kasernen, Unterstände, Beobachtungsstände usw. Auch die Kehlfront des Rednils ist verteidigungsfahig. Im Ganzen eine ausserordentlich starke Position. Zwei mächtige ganz moderne deutsche Geschütze, deren Rohre über 4 m lang sind, erwecken unsere Aufmerksamkeit. Uns zu Ehren werden zwei Schüsse auf ca. 9 km Entfernung abgegeben. Leider können wir den Einschlag nicht mehr sehen. Die Offiziere in der Stellung führen uns zum Gipfel, von wo aus eine riesige Aussicht über das Tal Sugana, das Lavatoneplateau und im Westen über die Adamello-, Pressanella- und Ortlergruppe ist. Zu Füssen von den Italienern besetzte Berge. Deutlich davor sichtbar die Schützengrabenlinie. Auf bastionierten Bergriegeln sieht man die italienischen Feldwerke. Borgo selbst scheint ausgestorben. Selbst durch das Scherenfernrohr ist kein lebendes Wesen zu entdecken. Die Fontanella-Batterie feuert andauernd. Wir sehen die Schrapnelle über dem Sellaplateau platzen. Von Lavarone herüber tönen wie dumpfer Donner die schweren Geschütze. Deutlich ist das zerschossene Werk Verle zu sehen. Darüber weiter südlich Luserne. Der Mittagstisch in der Offiziersmesse war gedrängt voll. Der Infanterie- und Abschnittskommandant Hauptmann Jeschek. Einige Artilleristen. Zwei deutsche Artilleristen, Oberleutnant Beckler und Leutnant Behrend. Dann viele Kadetten und endlich wir Kriegsmaler. Nach Tisch ging's an die Arbeit. Leider kam bald Nebel auf und nun ging das wundervolle Spiel los, das der Nebel in den Bergen treibt. Alle Augenblicke reisst ein Nebelfenster auf und in der Tiefe glänzen die goldig braunen Hänge des Fersentales herauf. Ich arbeite im Hause des Herrn Oberleutnant Wostoll, meines Quartiergebers und zeichne den Monte Fravort und seine Stellungen. Der Abend im Offiziers-Esszimmer in der Bretterbaracke verlief gemütlich und alkoholisch. Ich rauchte zu viel. Ein Zillertaler-Standschütze spielte Zither auf und sang sehr nette Gstanzeln. Draussen war alles ruhig. Kein Kanonenschuss mehr hörbar. Die Sterne zum Greifen nahe. Oberleutnant Wostoll hatte mir in seinem Unterstand noch rasch ein Bett zimmern lassen. Leider ein sehr hartes Lager. Ich schlief fast gar nicht, wälzte mich hin und her. Hatte Kopfweh und horchte auf den Sturmwind draussen. Hie und da tutet das Telefon nebenan. Der Telefonposten ruft seine andern Posten alle paar Stunden an.

Beobachter-Patrouille, Radierung

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Montag, den 1 J. November, Pergine - Pana rota Mit wüstem Kopfe aufgewacht nach kurzem Schlaf. Das Frühstück in unserer kleinen Stube war recht gemütlich. Cacao. Ich spendete noch ein paar Konserven-Delikatessen dazu. Vormittag malte ich im Arti llerie-Beobachtungsstand Nr. 1, da der Sturmwind ein Verweilen im Freien zur Unmöglichkeit macht. Dann zu den neuen deutschen Geschützen, die ganz wundervolle Maschinen sind . Das Mittagessen in der von Schneestaub erfü llten, kalten Offiziersmesse war etwas frostig . Nach Tisch gehe ich noch zum Weit joch, während die Kollegen den Rückweg antreten. Der Sturm hat nicht

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nachgelassen und weht lange Schneefahnen ins Suganatal hinaus. Das Weit joch liegt im Sonnenschein da. Eben wird ein Geschütz von vielen Leuten dorthin transportiert. Da ich des Sturmes wegen nicht zeichnen kann, gehe ich auch heim. Treffe unterwegs Herrn Oberst von Kreschell, der im Auto heraufgekommen ist. Er scheint etwas enttäuscht zu sein, dass wir schon den Rückweg antreten. Ich schildere ihm die Schwierigkeiten, die sich uns entgegengestellt haben. Dann trotte ich weiter abwärts. Eine malerische Trainkolonne holt mich ein. Ich hocke mich in einen der galizischen Korbwagen und gelange so, zwar recht unsanft gerüttelt, zu Tal. An jedem Wagen sind rückwärts zwei ledige Gäule angebunden, wohl als Vorspann für die Bergfahrt. In der Dämmerung steigen auf den vordern Wägen noch ein paar junge Mädel auf, die an der Strasse arbeiteten. Unter Gejuchze und Gelächter rumpelt die Kolonne zu Tal, während über dem Ganzen still und gross die Brentagruppe in den glasig hellen Abendhimmel hineinragt. Bei völliger Dunkelheit komme ich müde und zerschlagen in Pergine an und beziehe wieder mein Zimmer im Hotel Pilota, das ich aber mit Maler Printz teile. Neben uns schläft, oder sollte schlafen, der leichte Vogel Zinsler. Er hat's immer mit den Mäderln und ist stets mit Rendez-vous beschäftigt. Eben ist's eine Mutter mit Tochter, die er anbalzt. «Heiraten's Sie's doch», sagen wir zu ihm. «I was nöt, dos geht nöt. Schaun's: erstens hob i zum Heirothen koa Zeit und dann hob i jo do schon an Fox!!» Er hat eine ganze Batterie Weinflaschen im Zimmer stehen, die er aus schöner Hand gespendet bekam. Ein origineller Kerl! Abends holen wir den Rittmeister Koschul am Bahnhof ab. Er teilt uns mit, dass Görz total in Trümmer geschossen sei durch die Italiener und dass zur Strafe österreichische Flieger Verona und Venedig mit Bomben belegt hätten. Er war in Bozen gewesen. Dort hatten sie auf dem Oberkomando schon Kenntnis, dass die Deutschen uns zu Ehren, wenn man so sagen darf, zwei Schüsse abgeschickt hatten. Dienstag, den 16. November, Pergine Früh schon sind Flieger hörbar. Sie kommen wohl aus Verona zurück. Zinsler, Printz und ich frühstücken in dem Cafehaus von Pergine. Zinsler hat schon von einem «Mäderl» ein frisches Veilchensträusschen erhalten. Vormittags arbeite im Zimmer, da es bitter kalt ist. Als wir zum Mittagessen gehen wollen, treffen wir den Herrn Obersten. Er lädt uns ein, mit seinem Auto nach Tenna zu fahren . Ich nehme an und bin um 2 Uhr in der Kommandantur. Der Oberst ist pünktlich zur Stelle und im Flug geht's hinaus. Wir fahren nach Cristoforo, dann links den Querriegel im Tal hinauf. Rechts ist das Lavarone-Plateau sichtbar. Malerische Dörfer, aber fast menschenleer. An der Spitze des Riegels, der das Tal scheidet, liegt ein altes Festungswerk. Ich gehe etwas weiter und male den wundervollen Talschluss mit Levico im Vordergrund. Aufbeiden Seiten des Bergrückens ist ein See. Während des Zeichnens donnern die schweren Geschütze von Lavarone herüber. In den Weinbergen wimmelt's von Soldaten und Bauern, die an Drahtverhauen arbeiten. Links ist die mächtige Stellung von Pana rota und Busa grande zu sehen. Die Drahthindernisse laufen bis zum Kamm des Berges hinauf. Nach einem behaglichen Tee in der Offiziersmesse des Werkes, wo ich um j Uhr ganz durchfroren eintreffe, holt mich das Auto des Obersten wieder ab und in der Dunkelheit geht's den steilen Berghang hinunter. Natürlich muss gerade an der heikelsten Stelle ein Train von Ochsenfuhrwerken entgegenkommen. Um Fingersbreite fahrt der Wagen am geländerlosen Strassenrande entlang, während die Zugochsen erstaunt und weniger nervös als ich, das Auto anschauen . Abends nettes gemütliches Abendessen mit dem Rittmeister und zwei Etappenoffizieren. Zum Abschluss eine Schnapsprobe im Zimmer eines der Herren. Mittwoch, I7. November, Pergine Schönes Wetter. Arbeite vormittags am Parkplatz. Malerisches Durcheinander von allen möglichen Bauernwagen, Slowaken, Galizier, Bauernweiber, Ochsengespanne. Dazwischen Lagerfeuer und darüber die braunroten Berghänge. Nachmittag male ich am Lagerfeuer ein paar fein zerlumpte Burschen. Abends zuerst im Hotel Pergine, dann in der Offiziersmesse. Der Oberst stellt uns für morgen wieder sein Auto zur Verfügung. Z insler hat Rendez-vous, jede Stunde eine Andere. Donnerstag, [go November, Pergine Herrlicher Tag. Früh 6 Uhr auf. Bei der Kommandantur finden wir unser Auto und unter Begleitung eines gemütlichen Feldgendarmen geht's hinaus in die frische Morgenlandschaft, gegen Tenna zu. Ich bummle mit einem Kadetten vom Werk aus über den Bergrücken nach Rotolo, dem äussersten Punkt des Rückens. Vor uns liegt Levico; ganz tot und ausgestorben . Alle Bewohner evakuiert. Ein Surren in der Luft. Es erscheinen nacheinander 3 österreichische Flieger, die Richtung Lavarone nehmen. Manchmal blitzen die Apparate in der hellen Morgensonne wie Sterne am blauen Himmel auf. Sie verschwinden hinter dem Monte Vezzena. Von einer Beschiessung durch die Italiener ist nichts zu bemerken . Dies hätte mich auch sehr aufgeregt, da ich doch noch gestern mit dem einen Piloten im Kaffeehaus gesessen war. Male einen prächtigen braunen Berghang, der zum Levicotal abfallt und auf dem es voll von schwarzen Gestalten wimmelt. Es sind A rmierungsarbeiter und -Arbeiterinnen. Obwohl die Italiener vom Sellaplateau aus jeden Mann deutlich erkennen können, schiessen sie doch nicht her, weil ihre Berggeschütze die 12 km Luftlinie nicht «verkraftem>. Singend ziehen die Mädchen mit den Stacheldrahtrollen vorüber. Eine Prozession von jungem Leben und dabei eine sehr unfriedliche Beschäftigung. Mittagessen in Tenna in der Offiziersmesse, wo wir, d.h. Marotti, Maler Printz und ich wiederum und wie überall, sehr freundlich und nett empfangen werden. Nach Tisch gleich wieder an die Arbeit. Ich male das Fort Tenna, ein älteres Werk aus den 80er Jahren. Sehr malerisch verwittert. In der Wachtstube sind Bludenzer Standschützen . Sie reden gut alemannisch mit mir und freuen sich, einen Nachbarn aus der Schweiz zu treffen . Einer von ihnen ist gar ein echter Schweizer aus Mendrisio im Tessin und erst vor kurzem eingebürgert worden. Um 4 Uhr geht leider die Sonne unter. Noch liegt Levico im Sonnenglanz da, darüber dieCima da Dodici wie eine weis se Pyramide. Ein wundervolles Bild, aber ohne jedes Leben. Abends wieder mit dem Auto des Kommandanten zurück, an einer Flut von schönen Landschaftsmotiven vorbei. Man möchte alle Augenblicke anhalten und arbeiten. Aber kalt ist's - bitterkalt.


Spanische Reiter, Z7.

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1915, Öl auf Leinwand 76/ 80 cm

Fort Tonale an der Tiroler Front, 6. I z. 1915, Öl auf Leinwand 41 / 65 cm

Donator Hans Jörg Schwegler,

SAS

Zürich

Donator Philipp Weber,

SAS

Zürich


Freitag, /9. lVovember, Pergine

In der Früh Fliegerbrummen. Lange geschlafen und dann im Zimmer gearbeitet. Nachmittag zum F lugplatz hinaus und draussen gezeichnet. Die Herren waren eben sehr beschäftigt. Einer ist gestern über Lavarone abgestürzt, nachdem er noch drahtlos gemeldet hatte, dass sein Apparat zu schwanken beginne. - Wundervolle Stimmung gegen Trient zu. Im Vordergrunde ein Rudel buntgek leideter Arbeiterinnen, die den Flugplatz einebnen. Besichtigen die Flugzeuge. Die Arbeiterinnen gegen den hellen felsigen, von der Sonne beschienenen Hintergrund geben ein herrliches Motiv ab, das ich male. Abends wird in Pergine eine Spionin eingebracht. Sie gebärdet sich wie wild, wälzt sich am Boden und schreit in einem fort: Dio mio, dio mio! Todesangst!

Skipatrouille auf dem Suldengletscher, Radierung 34129 cm

Samstag,

20.

November, Pergine

Printz und ich werden um 9 Uhr per Wagen zum Flugplatz abgeholt. Es ist klares Wetter, aber bitterkalt. Ich male vom Innern eines Zeltes die Arbeiten an einem Apparat, der sich dunkel gegen die helle Landschaft abhebt. - Um 10 Uhr rufen die Leute draussen : Die Apparate kommen zurück! Schon hört man das lebhafte italienische Artilleriefeuer auf Lavarone. Schuss um Schuss. Dann wird's still und das Surren in der Luft wird vernehmbar. Bald ist der silberne Vogel im hellen Morgenhimmel zu sehen. In eleganter Kurve kommt er herunter, schwenkt am Boden und bleibt vor dem Flugzelte stehen. Die Herren klettern mühsam in ihren dicken Lederkleidungen heraus. Es sind Bekannte von der Offiziersmesse. Sie hatten starkes Artilleriefeuer auszuhalten gehabt. 60 Schuss bei Monfalcone. 39 Schuss bei Lavarone. Sogar photographiert hat er die Schrapnellwölkchen vom Apparat aus . Gleichmütig zündet er sich eine Zigarette an. Dem Tode hat er wieder mal wenigstens für die nächsten 24 Stunden ein Schnippchen geschlagen. Morgen fliegen sie wieder, werden wieder beschossen und schliesslich geht's ihnen wie dem Oberleutnant von gestern: Der Apparat wird getroffen und aus 2000 Metern stürzt er senkrecht ab, zwei brave Menschen zermalmend . Bald landet auch Oberleutnant Mandl mit dem zweiten Apparat. Sie haben Storo in Brand geschossen. «So a bissl einizündet haben wir ihnen, den Katzelmacherm>. Wer wird einmal die Helden in ihrer Einfachheit und Natürlichkeit schildern? So ganz ohne Phrase und Pathos sind sie. Nachmittags noch ein wenig gezeichnet. Die zerlumpten slowenischen und polnischen Trainknechte, wie sie um's Lagerfeuer sitzen. Dann kommt Abschiedsbesuch bei Herrn Oberst von Kreschell, der bis zuletzt unglaublich liebenswürdig war und dem wir es verdanken, dass wir so viel Schönes und Interessantes sehen durften . Auf dem Wege zur Bahn wurde die Spionin von gestern abgeführt. Ein völlig zerstörtes Gesicht. Verweint und verzweifelt. Wird wohl in Trient erschossen werden. Am Bahnhof Pergine zeigten sich Freund Zinslers Erfolge. Zwei Damen begleiten ihn und es gibt einen rührenden Abschied. Auf seinem Militärkappl steckt ein Veilchensträusschen und seine Äuglein schimmern feucht in dem rosig vergnügten Wienergesichtl. Prächtige Mondscheinfahrt nach Trient hinunter und Einquartierung im Hotel Bristol. Ordonnanz Weiss hat mir das Zimmer schon liebevoll hergerichtet. Nach Tisch noch ins Cafe, das von Offizieren wimmelt. Die Fliegeroffiziere von Pergine sitzen alle an einem Tisch und trinken Sekt. Es lebe das Leben; es lebe der Augenblick! Wer weiss, was morgen Abend sein wird? (Es folgen Tagebuch-Eintragungen vom 21., 22. und 26. November) Sonntag, 28. November, Christomanoshaus, Pordo/joch

Herrliches Wetter! Der Herr Oberst hat uns sein Auto zur Verfügung gestellt. Mit Rittmeister Koschul rasen wir die engen Wege hinauf in die Dolomitenwunderwelt. Ganze Götterburgen stehen vor uns auf, dann wieder indische Tempel. Ich bin ganz begeistert von der ungeahnten Pracht und Herrlichkeit. Hätte ich das gewusst, ich wäre schon früher gekommen, um hier zu malen. Oben am Christomanoshaus in der Einsattelung des Passes wird der Blick nach Süden frei :


Da steht schwarz und mit einer dichten Rauchfahne am Gipfel der Col di Lana, der heissumstrittene Grenzberg. Historischer Boden! Schuss um Schuss erdröhnt. Besonders die schweren Dreissiger und Einundzwanziger machen einen unheimlichen Donner. Es scheinen Unterstände auf dem Col die Lana zu brennen . Die armen Menschen, die es dort im Feuer aushalten müssen. Deutlich sieht man die Schrapnellwölkchen über dem Berge als helle weisse Punkte in der Morgenluft. Wir vergassen über dem Bilde ganz die nähere Umgebung. Mit den Gläsern sucht man unwillkürlich nach einzelnen Figuren in dem grausig schönen Schauspiel. Im Christomanoshaus, wo wir untergebracht sind, sieht es böse aus. Wir teilen unsere Zimmer. Marotti nimmt mich bei sich auf. Aus dem Offizierskrankenzimmer wird noch eine Matraze für mich geholt, der Schlafsack draufgelegt. Rucksack als Kopfkissen und das Bett ist fertig. Ein unglaublicher Schmutz ist in dem ehemaligen Schutzhause. Zeichne Nachmittag den kleinen, neu angelegten Soldatenfriedhof. Die Gräber liegen am Fusse des Sella und in Schneeund Einsamkeit; sehr stimmungsvoll! Abends kehren die russischen Gefangenen von der Arbeit zurück . Eine lange Linie von braungrauen Gestalten. Diese einfachen Leute wirken immer gross und monumental. Ihr Anblick hat etwas Ergreifendes. Habe nie so den Eindruck eines still duldenden Volkes bekommen wie von den Russen . Besonders schön wirkt es, wenn 30 Mann und mehr an einem Baumstamm ziehen, oder wenn sie zusammenstehen, scheinbar stumpf und resigniert. Stets wirken sie künstlerisch. Sie sind hier fast in der vordersten Linie beschäftigt und spielen die Rolle des treuen Tragtieres. Das Feuer auf dem Col di Lana lässt gegen Abend nach . Schuster und ich melden uns weiter unten im Pordojhotel, wo der Stab untergebracht ist, beim Abschnittskommandanten, dem Obersten von Lerchner. Er ist eine hagere Gestalt, Schönes, etwas nervöses Soldatengesicht. In der Messe pompöses Abendessen. Eine Menge von neuen Erscheinungen. Unterhalte mich gut mit dem Obersten und stosse immer wieder auf die Meinung, dass auch noch die Schweiz in den allgemeinen Trubel hineingezogen werde. Er meinte, «das Land, welches die letzte halbe Million frischer Truppen aufzuweisen habe, werde die Entscheidung herbeiführen .» Zum Schlusse gibt's noch eine gute Flasche Schweizerwein. Mit Schuster wandere ich durch die wundervolle Mondnacht wieder zurück. Es ist bitter kalt. Oben auf der Passhöhe angelangt, sehen wir am Col di Lana ein merkwürdiges Feuerwerk. Der Gipfel ist durch italienische und österreichische Scheinwerfer hell beleuchtet. Darüber sieht man das Aufblitzen der platzenden Schrapnells und das Aufsteigen von Leuchtraketen. Fortwährendes Rollen und Donnern wie von einem fernen Gewitter. Vor dem Hause geht die Schildwache in dicken Strohpantoffeln lautlos auf und ab. Die Fensterläden müssen alle geschlossen bleiben. Kein Licht darf nach aussen dringen. Oben im Zimmer ist's gut warm. Ich suche nur noch eine Konservenbüchse als Nachttöpfchen und dann gehts zu «Schlafsack». Mein Zimmergenosse Marotti wälzt sich unruhig hin und her. Er kann nicht schlafen vor Schmerzen. Er hat sich heute beim Zeichnen im Freien drei Finger erfroren. Ich hatte sie gleich mit Schnee frottiert, die gelbgrüne Farbe verschwand, aber die Schmerzen kommen erfahrungsgemäss in der Nacht. Ich liege in meinem Schlafsack ganz gut und der Rucksack ist ein nicht übles Kopfkissen. Hier, eine boshafte Sprungfeder sticht mich ins Kreuz . Durch die geschlossenen Läden tönt dumpf der Kanonendonner herein und dazwischen heult der Jochwind . Für einen eventuellen Alarm wird alles so bereit gelegt, dass man rasch davonspringen kann, falls die Italiener schiessen würden. Kriegslager.


Panarottastellung gegen N.O. (Hintergrund Col di Lana) , Aquarell 34/ p em

Donatoren Mare Gurtner, SAS Lausanne, und Hans Peter Gurtner, SAS Bern

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Gr盲ber auf Pordojjoeh, 29. ,1. '9' 5, Aquarell 34/ 52 em

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Donator Andre Laeour,

SAS

Geneve


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Sch端tzengraben am Fedajapass, 26.

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Aquarell 4 7/ 33 cm

Donatoren Alex F . M端ller und Pier re Pictet, SAS Geneve


SPUREN Von Augusto Gansser,

SAS

Zürich

Spuren sind gleichsam die Visitenkarten des Phänomens, das sie prägt, sei es menschlich, tierisch, pflanzlich oder auch sachlich. Dabei gibt es auch viele Spuren, die wir nicht deuten können, Visitenkarten in einer Sprache oder Schrift, die uns noch unbekannt ist. Dem Jäger zeigen die Spuren im winterlichen Wald den Bestand und die Wanderungen des Wildes an. Auch er hinterlässt Spuren seiner Schuhe, der Schneereifen oder seiner Skis. Der Spurennachweis der Kriminologen ist eine Wissenschaft für sich. Dem Paläontologen erzählen die fossilen Spuren über die Lebensweise und die Umwelt der damals lebenden Faunen und Floren. Der Archeologe findet die Visitenkarten früherer Völker oft in grossartigen naturgetreuen Höhlenmalereien der Steinzeit, oder wieder in Fefsgravierungen wie in der Val Camonica westlich des !\damello und der Garschenna ob Thusis, deren Vielfalt der Darstellungen die Lebensweise von sonst fast unbekannten Völkerstämmen widerspiegeln . Die Garschenna Bilder bewachen gleichsam den Eingang zur wilden Via Mala. Im westlichen Himalaya und Karakorum deuten Spuren in Form von über 1000 Felsgravierungen auf Völkerwanderungen innerhalb einer Zeitepoche von 3000 Jahren zwischen NW Indien und SW Tibet. Die von schwarzem Wüstenlack überzogenen Felsen längs des lndus und Hunzaflusses waren für diese Petroglyphen besonders geeignet. In den KolumIn kalki gen Sandstein eingemeisselte konzentrische Kreise bewachen den Eingang zur Via Mala Schlucht. Garschenna ob Thu sis. Pboto Cansser

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J 50 cm

Menschliche Figuren eingemeisselt in die Quarzitfelsen der Stromschnellen des Guayabero Flusses in den Kolumbiani schen Llanos . Der Aberglaube erlaubte den heute verschwundenen Indianerstämmen nicht, ihr Ebenbild voll ständig darzustellen. Böse Geister können sie dann nicht in Besitz nehmen. Füsse und Hände haben darum nur 4 Zehen und Finger.

bianischen Llanos fand ich vor 40 Jahren Spuren verschwundener Altindianer, die in die Felsen von Stromschnellen ihre Visitenkarten eingemeisselt hatten. Sie zeigten unter vielen anderen Motiven menschliche Gestalten, die aber deutlich den Aberglauben dieser früheren Völker erkennen liessen, ihr Ebenbild nie vollständig darzustellen. Füsse und Hände hatten bei allen Figuren nur vier Zehen und Finger! Schnee ist natürlich das beste Medium, um Spuren, wenn auch nur vorübergehend, zu erhalten. Ich denke besonders an die zierlichen Spuren unseres Wappentieres, des Schneehasen . Seine Spuren zeigen uns, dass er es eigentlich immer sehr eilig hat. Mit den starken Hinterpfoten vor seine bei den Vorderpfoten gesetzt, zeigt er uns die Richtung seiner sprungartigen, immer ängstlichen Bewegungen. Sicher fühlt er sich nur, wenn er, durch sein weisses Fell getarnt, in einer Schneevertiefung sitzt. Man kann ihn dann mit den Skis fast überfahren. Rehe, Hirsche und Gemsen zeigen uns ihre Spuren, oft flüchtig in Riesensprüngen, oft mühsam im tiefen Schnee, oder gemächlich aber trotzdem immer aufmerksam durch den winterlichen Bergwald wandernd . Der Fuchs kann seinen buschigen Schwanz im Schnee schwer verbergen, er verwischt zum Teil seine eigene Spur. Fein sind die Spuren der Futtersuchenden Kranen oder des laufenden Schneehuhns bis zum plötzlichen Abflug, mit den Flügelabdrücken im Schnee und der für das Schneehuhn so typischen knarrenden Begleitmusik. Die grösste Mannigfaltigkeit von winterlichen Spuren hat uns der Mensch hinterlassen und hinterlässt sie immer weiter in immer grösser werdenden Arealen . Vor 4000 Jahren soll er die ersten Skispuren gezogen haben, aber erst seit 100 Jahren haben die Skis das mühsame Schneestapfen mit


seinen typischen Spuren, besonders wenn noch Schneereifen angeschnallt wurden, ersetzt. Heute prägen die Skispuren die winterliche Landschaft. Es sind teils Visitenkarten von Menschen, die immer die gleichen Hänge herunterschießen, immer mehr Buckel bildend, die nur noch von weitem, bei schräger Sonne einen gewissen, eigenartigen Reiz zeigen. Aber wir finden auch andere Skispuren: Es sind Visitenkarten des höchsten skifahrerischen Genusses, die Wedelspuren über unberührten Neuschneehängen. Gibt es schönere menschliche Spuren als die Pulverabfahrten in den Kanadischen Rockies? Aber auch der Schnee selber, ohne menschlichen Einfluss, kann erstaunliche Spuren hinterlassen. Denken wir an die verschiedenen Arten von Lawinen. Das Bild der abreissenden Schneebretter und der unten im Tal angehäuften Schneemassen. Eigenartige Spuren hinterlassen die Nassschneelawinen die sich in verschiedene Kanäle verästeln, jeder Kanal mit seinen eigenen Wänden und den Fliessstreifen in der Mitte. Aber auch kleine, beginnende Nassschneerutsche hinterlassen ihre typischen Visitenkarten in Form der unzähligen sich spiralig aufrollenden Schnee«bälle», die dann nach einer Tüpfelspur sich umlegen und als spiraliges Gebilde liegen bleiben.

Dinosaurier-Spuren auf einer Kalkplatte am Piz dal Diavel im schweizerischen Nationalpark. Hier sehen wir über 200 Millionen Jahre alte, vierzehige und 60 cm lange Abdrücke. Photo Furrer Donatoren Walo Hörning, Zürich

SAS

Bern, und Peter Walser,

SAS

S. '40 oben: Wedelspuren Photo Bogner unten links: Hasenspur Photo Angermayer unten rechts: Fuchsspuren Photo Angermayer rechts oben: Rotwildspuren Photo Angermayer rechts unten: Krähenspuren, Nahrungssuche Photo Angermayer


Wenn auch die Schneespuren jedes Jahr verschwinden, so gibt es doch Spuren, die je nach den Umständen und dem Medium, in dem sie geprägt wurden, lange, oft über Hunderte von Millionen Jahren erhalten bleiben können. Vor 20 Jahren hat ein Doktorand des Geologischen Institutes in Zürich auf einer abschüssigen Kalkplatte am Westgrat des PiZ dal Diavel im Schweizerischen Nationalpark auf 2450 m Höhe kreuz und quer verlaufende Fussspuren mit Abdrücken bis 60 cm Länge entdeckt. Im Sommer 198 I wurden diese Fährten durch eine Geologengruppe des gleichen Institutes erneut und detailliert aufgenommen. Es zeigte sich, dass hier, vor mehr als 200 Millionen Jahren, die ersten gros sen Dinosaurier herumspazierten, natürlich nicht als Alpinisten auf dem Piz dal Diavel, sondern im weichen Kalkschlamm von flachen, seichten Uferzonen am nördlichen Rand des damaligen äquatorialen Ozeans. Die Grösse und Form der Spuren lassen auf eine zweibeinige Gangart von grossen 6 - 10 m langen und 3- 4 m hohen Pflanzenfressern und von schnelleren räuberischen etwa 4 m langen Fleischfressern schliessen. Die verschiedene Schrittlänge bei gleichem Fussabdruck dürfte auf verschieden schnelle Gangarten hindeuten. Die folgenden Gebirgsbildungen haben den durch Überlastung weiterer Sedimente verhärteten Kalkschlamm samt Fährten zu den Engadinger Dolomiten aufgetürmt und die Erosion hat dann die Schichtplatte mit den Spuren aus der Westflanke des Piz dal Diavel herauspräpariert. Die Deutung dieser Spuren wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht in anderen Gebieten in gleich alten Schichten Skelettfunde gemacht worden sind, die einen Vergleich der Fussabdrücke erlaubten. Skelette sind in den Engadiner Dolomiten noch nicht gefunden worden.

2 00 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Spuren am Westgrat des Piz dal Diavel. Die vierzehige grosse Spur stammt von einem g rossen pflanzenfressenden Saurier (oben links), die dreizehige Spur von einem kleineren, aggressiven, fleischfressenden Tier (oben rechts). Aufnahme lind Darstellung von H. Furrer, Geologisches Institut der ETH.

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Neben diesen deutbaren Spuren gibt es aber auch solche, deren Urheber immer noch in mysteriöses Dunkel gehüllt sind. Es sind dies nicht fossile Spuren, sondern heutige Abdrücke im Schnee und Schutt des höchsten Gebirges der Erde, des Himalaya. Wir kennen ihn alle, diesen sagenhaften «SehneeMensehem) den Yeti, der wohl eigenartige Spuren hinterlässt, der allen Himalayavölkern in unzähligen Variationen bekannt ist, den aber noch niemand mit 100 % Sicherheit gesehen oder geschweige denn photographiert hat. Im lokalen Sprachgebrauch ist Yeti eine Zusammenfassung von Ye = Fels und Teh = Tier, also Felstier. Die häufigsten Yeti Spuren wurden im Sherpa Gebiet der Everest Gruppe beobachtet. Hier finden sich auch die meisten Yeti Legenden und das gesamte Gebiet wird seit altersher als «MahalangurJ) Kette oder Gebiet bezeichnet, was in Sanskrit «Grosser Affe)) bedeutet. Yeti-Legenden sind aber auch im Sikkim- und Bhutan-Gebiet, sowie im östlichsten Himalaya weit verbreitet, weniger häufig im westlichen Himalaya. Scheinbar fehlen sie im Karakorum. Der Yeti ist eben ein Wesen der Hochgebirgswälder und hinterlässt nur auf seinen Wanderungen über die vielen Gletscher seine Spuren. Die Sherpa erzählen von einem Schneemenschen, der je nach Art etwas grösser aber auch etwas kleiner als ein gewöhnlicher Mensch sein kann. Er hat ein dichtes, rotbraunes, wirres Fell und einen nach oben zugespitzten Schädel mit tiefliegenden Augen in einem dunkeln, unbehaarten Gesicht. 1832 hat der Engländer Hodgsen erstmals über den Yeti berichtet. Schon im 18. Jahrhundert wurde scheinbar in einer Chinesischen Abhandlung über die Tierwelt Tibets ein Yeti dargestellt. Die Legenden über den Yeti verbreiten sich immer weiter, aber nur als unverifizierbare Sherpa-Erzählungen vom Grossvater, Onkel, Vater zum Sohn, die aus ihrem Mahalangur Himal von schrecklichen Erlebnissen berichten. Zur allgemeinen Sensation kam es aber 195 I, als Erie Shipton im November auf fast 6000 m Höhe am Menlung Tse ausgezeichnete Aufnahmen von Yetispuren im Neuschnee machte. Die guten Spuren deuteten auf einen Zweibeiner mit Fussabdrücken 30 cm lang und 15 cm breit. Dabei zeigte sich deutlich eine etwas abstehende grosse Zehe, eine davon gut getrennte zweite Zehe und dann drei eng verbundene weitere Zehen. Die Schrittlänge entsprach ungefähr der eines erwachsenen Menschen. Dass ein unbekanntes, etwas menschenähnliches Wesen seine Spuren hinterlässt, scheint zur Tatsache geworden. Eine seriöse Suche nach dem Schneemenschen beginnt. Berühmt ist die von der Daily Mai! 1954 organisierte Expedition, der viele andere, auch solche von Hillary, folgten. Alle fanden sie mehr oder weniger gute Spuren, sonst nichts. Unterdessen haben die Nepalesen den Yeti «verstaatlicht» und die Yetiforschung kostete viel Geld. Der Anreiz im Himalaya, das ))missing link)), das fehlende Glied zwischen Mensch und Affe, zu finden war gross. Alle Bemühungen waren aber vergeblich. Nur die Spuren blieben. Aber auch bei diesen Spuren kann es Überraschungen geben, die zur Vorsicht mahnen. Bei einer Rast auf einem verschneiten Bergrücken im nördlichen Bhutan Himalqya kam mein Begleiter ganz aufgeregt zu mir und sagte, er hätte eine grosse Yeti-Spur gesehen. Tatsächlich sahen wir auf dem sonnen bestrahlten Südhang grosse, etwas dreieckige Spuren ca. 40 cm lang, die über den Grat führten. Die Spuren waren etwas unregelmässig, aber eher gradlinig angeordnet. Wir verfolgten diese Spur über den Grat. Auf der Nordseite lag aber Neuschnee. Aus der Yeti-Spur hatte sich eine eindeutige Hasen-Spur entwickelt. Bei der starken Sonnenstrahlung können verschiedene, auch kleinere Spuren zu gros sen Eindrücken ausschmelzen, und mit der immer vorhandenen Phantasie ist dann bald der Yeti vorbeispaziert. Auch die verschiedenen Reliquien wie Skalpe, Hände und Felle der Yeti, in den Klöstern des Kumbu Gebietes aufbewahrt, erwiesen sich bei genauerer Untersuchung in Europa und den USA als Menschenhände, Ziegen- oder Bärenfelle. Unbestimmt blieb aber ein interessanter «Yetirest» aus dem Bhutan Himalaya. Es handelt sich hier um eine mumifizierte rechte Mittelhand, die leider nicht aus Bhutan ausgeführt werden durfte. Meine Tochter konnte sie in Bhutan photografieren. Nach diesem Farbphoto hat das Paläontologische Institut der Universitiit Zürich festgestellt, dass es sich nicht um einen Primaten handelt, sondern eher um ein bärenartiges Raubtier. Nach der Grösse zu schliessen käme ein Kragenbär oder der grosse Panda in Frage. Für beide stimmen aber die Knochenanlagen nicht ganz, sodass ohne das Original eine sichere Bestimmung offen bleiben muss. 143


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Das unbekannte, vergletscherte Garula Kang Gebirge dominiert die wilden Bergdschungel des nordöstlichsten Bhutan Himalaya, wo die aggressiven «Churas» leben sollen. Photo Cansser rechts: Detail einer Yeti-Spur aufgenommen von E . Shipron. Die erste, etwas zurückliegende grosse Zehe, die zweite lange und grosse Zehe sowie die kleinen drei eng beieinanderliegenden Zehen unterscheiden diese Spur von einem normalen Bären. Auch fehlen die Abdrücke der Klauen. (Siehe Abb. S. 145).

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Der Yeti wie ihn die Sherpas des Kumbu Gebietes beschreiben. (Aus H. Tichy, Himalaya 1968). links: Die berühmte Yeti-Spur am Menlung Tse, aufgenommen von E . Shipton 195 J.


Eduard WjlSS- Dunant fand während der ersten Everest Erkundung auf der Südseite im Jahr 1952 am Kumbugletscher mehrere sogenannte Yeti-Spuren. Er kam aber zum Schluss, dass es sich um Bärenspuren handelte, und zwar vierfüssige, obwohl die Klauen nicht gut sichtbar waren. Der Tibetologe Ernst Schäfer fand 1935 auf seiner Suche nach dem Yeti in SE Tibet in einer von den Einheimischen sehr gefürchteten Yetihöhle einen schlafenden Bären, den er gleich erlegte. Immerhin konnte er auf seinen Reisen aufrecht gehende Bären sehen. Nach den Legenden zu schliessen ist der reich bewaldete Bhutan Himalaya von vielen Yetis bewohnt. Die Geschichten spinnen sich um die abendlichen Lagerfeuer. Besonders in Ostbhutan gibt es zwei Arten von Yetis, einen grossen, den (( Migü)) und einen kleineren, den (( Chura )) . Während der Migü eher harmlos sein soll, ist der kleinere Chura sehr aggressiv. Er ist besonders im nordöstlichsten Teil von Bhutan tätig, dort wo die Bergurwälder am wildesten sind und die Gletscher bis in die Rododendron-Dschungel reichen. Diese Gegend wird vom östlichsten, noch ganz unbekannten Gletscherberg Bhutans, dem Garula Kang dominiert. Vor einigen Jahren kampierten wir am Paibai La in Nordostbhutan, im dichten Bergurwald. Meine bhutanesischen Begleiter, die diese Gegend recht gut kannten, waren sehr beunruhigt, denn der Paibai La (Pass) sollte ein beliebter Übergang für Churas sein. Auffallenderweise wird er von den Einheimischen sehr selten benützt. Die ganze Nacht musste ein gros ses Feuer uns vor nächtlichen Besuchern schützen. Es kam jedoch niemand, und andern Tags zogen wir weiter über den berüchtigten Pass, nachdem ich zuvor am Lagerfeuer die nötigen Verhaltensregeln zu hören bekam. Bei den Churas ist nur das Weibchen gefährlich und nur die Flucht kann einen retten. Dabei soll man auf keinen Fall bergauf rennen, sondern nur hinunter. Die Chura Weibchen haben nämlich riesige und lange Brüste. Im Hinaufrennen werfen sie diese einfach rückwärts über die Schultern. Wenn sie aber abwärts rennen müssen, stolpern sie über ihre eigenen Brüste und der Verfolgte hat damit die Chance zu entkommen. Die Yeti-Geschichten, die an den vielen Lagerfeuern preisgegeben werden, könnten Bücher füllen.

Bärenspuren im Schnee, als Vergleich mit Abb. links. (Aus Tierspuren, Bang u. DahJström, München 1981). Mumifi ziertes Mittelhandstück eines «Yeti» aus dem Bhutan Himalaya. Die Mittelhandknochen sind für medizinische Zwecke etwas abgeschabt. Vergleich mit der Hand meiner I 8jährigen Tochter. Photo Ursula Gansser

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Von den unzähLigen Spuren möchte ich zum Schluss noch eine besonders rätselhafte Erscheinung erwähnen. In einem Teil des Death Val/ey in Californien gibt es mit Gips und Salz durchsetzte Schlammebenen (ausgetrocknete Seen), begrenzt von felsigen Hügelzügen. Von diesen rutschen an einigen Stellen Felsblöcke auf die Ebene . Anstatt dass diese Blöcke nun am Rande der Ebene liegen bleiben, beginnen sie über Hunderte von Metern weit über die vollständig horizontale Fläche zu «wandern». Dabei hinterlassen sie eine breite, der Grösse des Steines entsprechende Spur, die hie und da sogar gewisse Richtungsänderungen zeigt. Obwohl hier das spurenerzeugende Medium bekannt ist, hat man über die Ursache der Bewegung noch keine überzeugende Erklärung. Gefrier und Tauerscheinungen - auch im Death Valley kann es empfindlich kalt werden - in Zusammenhang mit einer leichten Überflutung dieser Ebenen (Playas) und starkem Wind sollen für die periodische Mobilität dieser spurenbildenden Blöcke verantwortlich sein. Immerhin sind gewisse Blöcke einige hundert Kilo schwer! Wir haben festgestellt, wie unterschiedlich und vielseitig Spuren sein können. Alle erzählen uns etwas über ihre Urheber. Viele dieser Geschichten können wir ohne weiteres verstehen. Andere geben uns aber grosse, faszinierende Rätsel auf, die wir vielleicht mit der Zeit teilweise, vielleicht aber auch nie werden lösen können.

RESUME Augusto Gansser, SAS Zurich, nous par!e d'empreintes inscrites dans le roc, la neige ou la glace. La figure 6 montre des traces decouvertes sur une dalle du Piz dal Diavel, dans notre Parc National, qui ont ete identifiees en ere 1981 comme provenant de dinosaures de grande taille. Ces empreintes geantes ont ete laissees, il y a plus de 200 millions d'annees, dans!e limon calcaire du rivage de l'ocean equatorial par le passage de deux animaux, un enorme herbivore et un carnivore un peu moins grand. Le limon s'est ensuite solidifie sous la pression des sediments superposes, et les convulsions de l'ecorce terrestre l'ont dresse pour former !es Dolomites Engadinoises. Sous l'effet de l'erosion, la dal!e portant les empreintes a ere mise a nu. L'interpreration ci-dessus est confirmee par la decouverte, dans des couches du meme age geologique, de squelettes concordants avec ces traces. La figure 8 represente un yeti, tel que le decrivent les sherpas. Le mot est une contraction de ye = roc et teh = animal, il signifie donc animal des rocs. Toute la chaine de l'Everest est designee en sanskrit sous le nom de «Mahalangur», qui signifie «grand singe». Le yeti, qui vit sans doute essentiellement dans les forets de haute altitude, n'a pas encore ete decouvert, mais les traces qu'illaisse dans la neige en traversant les glaciers ont ete observees a plusieurs reprises (voir figures 9 et 10). La figure 1 I ne represente cependant pas une trace de yeti, mais celle d'un lievre, que le solei I donnant sur un versant sud a fait fondre en lui donnant l'aspect d'une empreinte de yeti. Le Professeur Gansser a trouve dans l'Himalaya du Bhoutan la partie centrale. Momifiee, d'une main droite, que les autorites locales ne lui ont malheureusement pas permis d'exporter. Sur la base de photographies (figure I2), les specialistes ont conclu qu'il devait s'agir d'un carnassier de la famille des ours.


MIT ZUSAMMENLEGBAREN SKI ÜBER ALLE VIER TA USENDER VOM MONTE ROSA ZUM BREITHORN ERINNERUNGEN UND GEDANKEN ZUR ERSTEN SKI-GESAMTTRA VERSE VOR MEHR ALS EINEM HALBEN JAHRHUNDERT Von Ulrich Campell, SAS Zürich

Wenn man es so spät im Leben unternimmt, Erinnerungen aufzufrischen, so hat das auch einen Vorteil: man ist inzwischen so viel älter geworden, dass erfahrungsgemäss die Jugenderinnerungen stärker hervortreten. - Ich schreibe auf Anregung der Schriftleitung diesen Bericht in erster Linie, um den jungen sAslern, die die Entwicklung des Ski-Bergsteigens nicht aus den Anfängen erlebten, zu zeigen, wie faszinierend nach der Skirennsaison der Ski-Alpinismus sein kann. Im Frühjahr 1930 hatten wir in der Längsüberschreitung des Mont Bfanc von Osten nach Westen wichtige Erfahrungen gesammelt. Wir waren schon um 21 Uhr in der viel zu niedrigen Cabane du Requin (2500 m) aufgestanden, um auf der Route Mont Bfanc du Tacuf - Cof du Mont Maudit in I3 Stunden den Mont Blanc Hauptgipfel (48 IO m) zu erreichen, mit anschliessender fast 4000 m Abfahrt über die nie gesehenen Gletscher zum Abendessen in Chamonix: auf Hickory Ski von 2,20- 2,30 m Länge, ohne Kanten noch Diagonalzug. So fuhr man in der Pionierzeit des Ski-Bergsteigens über unbekannte Bergketten und gar nicht schlecht, wenn auch im heute unvorstellbaren freien Gleichgewicht nach vorn. Dafür gab es mangels Kanten auch keine Kantenfehler. Mit ihrer sich hoch aufbiegenden weichen Spitze überwanden diese Ski Widerstände selbst in eisigen Lawinenbrocken derart stossfrei, dass sie die Marke «Sorglos» verdient hätten. Aber zum Klettern im Fels waren diese Ski zu lang und boten beim Tragen dem Sturmwind zu riskante Angriffsflächen.

Die Teilnehmer (von link s) : Han s Gyr, SAS Zürich, Ulrich CampelI, EM, SAS Zürich, Han s Hotz, AACZ

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Die Ausrüstung: Zusammenklappbare Hickory-Ski mit Messingkanten, Seehundfelle, aufgeschnallte Steigeisen, Skischuhe mit Kappnägel

NEUERUNGEN DER AUSRÜSTUNG Aus diesen Überlegungen heraus liessen wir uns von Adolf AttenhoJer nach unseren Angaben verschieden breite Ski von 1,70- 1,90 m Länge mit Messingkanten nach dem italienischen FreyrieFaltsystem zur Verfügung stellen, wonach der Ski in der Hälfte Lauffläche gegen Lauffläche zusammengeklappt und im Rucksack verstaut werden konnte. Es gab also Kompaktski Jahrzehnte bevor die Skifabrikanten diesbezüglich die Trommel schlugen. Jean Fritsch vom Sporthaus stiftete Rucksack und Pickel. Mit blauem Sohmwachs klebten wir für die Aufstiege Seehundsfelle verlässlich fest; nur konnte fatalerweise das Wachs bei grosser Kälte für die Abfahrt nicht verrieben werden . Wenn in höchsten Regionen tiefer Pulverschnee mit blauem Eis wechselten, brachten wir mit den Gurten die Steigeisen hinter der Skimitte an. Weil beim Falten der mit Fellen versehenen Ski ein ca. 20 cm langes Stück der Lauffläche frei und zum Verstauen zu klebrig blieb, überzog diese jeder von uns mit von einer Freundin als Andenken mitgenommenen Seidenstrümpfen. Die von der Firma Bally gestifteten, mangels Gummiprofilsohlen mit Kappnägeln versehenen Skischuhe liessen den Zehen besonderen Spielraum, so dass es auch bei Tagesmärschen unter 20° keine kalten Füsse gab, allerdings in heute unvorstellbarer Weise auf Kosten der Führung. Mangels Diagonalzugs war ohne jedes Umschaltmanöver der Absatz so frei, dass die Knie auf den Ski hinuntergebogen werden konnten. Dafür konnte man - was der bis heute noch zu wenig erkannte Hauptvorteil einer alpinen Bindung ist - mit geöffnetem Strammer der «Alpina» Bindung Lawinenhänge durchfahren, um notfalls mit einem Ruck aus der Bindung zu kommen. Im Bruchharst erwies sich der Stemm-Telemark als besonders nützlicher Bogen, wie auch der Quersprung. Um auf langen Touren durch die vielfältigen Ausrüstungswechsel möglichst wenig Zeit zu verlieren, hatten wir alle Manövrierungen geübt. Für Lawinenunfälle hatten wir ein System erprobt, das bewährtermassen daraus bestand - den fahrenden Schnee mit der ganzen Körperlänge belastend - ,


durch explosive Drehungen um die eigene Achse den Rand der Gefahrenzone zu erreichen. Der Unterschied, mit oder ohne Ski in einer Lawine zu sein, ist fast so gross wie zwischen einem Spass und einer Katastrophe. Unsere Ausrüstung hat ihre Probe bis zu Tagesleistungen von 4000 m Abfahrt bei wechselvollsten Verhältnissen gut bestanden, und die Ski mit den noch immer wasserdichten Schuhen kann ich heute noch gelegentlich gebrauchen, wenn auch nur zum spürbaren Vergleich mit der Zeit, als das Skifahren noch eine ganz andere Kunst war. Im Gegensatz zur heutigen Technik mit aneinandergereihten Kurzschwüngen bestand unser Abfahrtsstil darin, mit möglichst wenig Richtungsänderungen auszukommen, mit entsprechend geringerer Ermüdung. Weil die Laufflächen der Hickory Ski keinen Belag hatten, musste man täglich wachsen und mit Kork verreiben. Dazu musste Reparaturzeug mitgetragen werden, speziell eine Ersatzspitze, denn die damaligen Holzski hatten vor den späteren Metallski den Vorteil, vor den Beinen zu brechen. Weil es damals ausser der schrecklich klebenden Deckpaste Pommadedu Dr. Sechehaye kein Mittel gab, um sich gegen ganztätige Bestrahlung durch die Frühlingssonne zu schützen, hatten wir aus Handtüchern Löcher für die Augen ausgeschnitten und diese mit aufgenähten Kordeln derart umsäumt, dass die damaligen Schneebrillen mit Aluminiumgestell nicht verrutschen konnten. So wurde gleichzeitig die Haut geschützt, wenn der Sturmwind Eiskristalle warf, und es gab keine Erfrierungen. In den Schlaufen meiner bis in die Achselhöhlen reichenden Bambus-Skistöcke, mit grossen, eng geflochtenen Tellern, hingen Verlängerungsriemen, um im Aufstieg die Arme immer im ökonomischsten Winkel gebrauchen zu können und für die Abfahrt lange Stöcke zu haben.

TRAININGSTOUREN Der grosse Bergsteiger Purtscheller hatte damals empfohlen, vor anstrengenden Touren auf dem Küchenboden zu schlafen und fürs Stufen schlagen den ganzen Tag Holz zu hacken. Wir hatten andere Aufgaben, nämlich im Hinblick auf unsere Tourenpläne unsere Studien mit Hochdruck rechtzeitig zum Abschluss zu bringen: Hans Gyr vom SAS als Maschinen-Ingenieur ETH, Hans Hotz vom AACZ und der Schreibende von bei den Clubs als doctores iuris. Dies trotzdem in unseren Kollegheften mehrere weis se Seiten gähnten als Zeugen vergangener sportlicher Pracht. Den Bücherstaub wollten wir nun ganz besonders gründlich aus unseren Lungen bringen, wobei ich mir zur Beschwingung aus dem Deckel meines corpus iuris civilis Einlagesohlen geschnitten hatte. So wanderten wir durchs Saaser Tal zur Britannia Hütte hinauf und bestiegen von dort Rimpfisch Horn (42°3 m), Allalin Horn (4034 m), Alphubel (42°7 m) und Strah/horn (4191 m) mit Abfahrt nach Zermatt. Mit zum Bersten vollen Proviantsäcken, die Brote am aus dem Rucksack herausragenden Pickelstiel aufgespiesst, erreichten wir die Bitemps Hütte (2802 m) als Ausgangspunkt für die geplante Monte Rosa Rundtour. Was mich nachträglich über diese längste Grattraverse am meisten freut? Unsere planvolle Vorsicht, in unbekanntem Gelände für den Fall eines Wetterumschlages die Rückzugslinien über die spaltenreichen Gletscher zur Beternps Hütte zu rekognoszieren. Nämlich für die Tour des zweiten Tages von der Capanna Regina Margherita aus: in deren erstem Viertel über den Grenzgletscher, wo es in mondklarer Nacht ein vollendetes Märchen war, durch die Eisbrüche aufzusteigen; in der Hälfte vom FelikJoch durch den ZUJillingsgletscher und im dritten Viertel vom Schlvarztor über den Schwärzegletscher. Der Schwärzegletscher mit seinen Eisabbrüchen und Spaltenlabyrinthen war der weitaus zerklüftetste. Hotz fuhr als erster ohne Rücksicht auf wackelige Spaltenbrücken sehr forsch drauflos; ich folgte am straffen Seil, die Seilschlingen in der einen und den Pickel in der anderen Hand, die Stöcke senkrecht am Rucksack aufgebunden. Bei dieser recht anspruchsvollen sportlichen Leistung, weitab von jedem Publikum, kam es neben der Skitechnik darauf an, die physikalischen Spaltungsgesetze bei der Routenwahl zu bedenken; dies damit die Partie nicht unsichtbare Spalten in der Längsrichtung befuhr, um wie ein Brief im Briefkasten zu verschwinden. Wegen einer unsichtbaren Längsspalte verunglückte doch mein unvergesslicher Seilkamerad Georg Weber (SAS und AACZ) mit Frau und Begleiter am Crast' agüzza Satte/. Für alle Fälle trug jeder von uns am Seil einen Steigbügel oder Sitzschlinge. Als wir


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Die Monte Rosa Rundtour: Ausgangspunkt: Monte Rosa-Hütte (Betemps-Hütte), 2795 m 1) Nordend, 4609 m - 2) Grenzgipfel, 4596 m - 3) Dufourspitze, 4634 m - 4) Zumsteinspitze, 4563 m (verdeckt) 5) Signalkuppe und Capanna Regina Margherita, 45 56 m (verdeckt) - 6) Parrot Spitze, 4436 m - 7) Ludwigshöhe, 434' m 8) Schwarzhorn, 432' m (verdeckt) - 9) Vincent Pyramide, 4215 m - 10) Lyskamm Hauptgipfel, 4527 m - 1 I) Lyskamm Westgipfel, 4480 m - 12) Felix Horn, 4'76 m - 13) Castor, 4226 m - 14) Pollux, 409' m - '5) Breithorn Hauptgipfel, 4160 m. (Die Höhenkoten und Bezeichnungen im Beitrag von Ulrich CampeIl sind dem damals benützten topographischen Atlas entnommen .)

Ausschnitt aus dem «Panorama vom Mettelhorn» von Xaver Imfeld, aufgenommen ca. 1890

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heil unten angekommen waren, war klar, dass dieser Gletscher als Rückzugslinie bei Wetterumschlag nicht in Betracht kam. Bis zu dieser Tour war Kaspar Escher vom AACZ dabei, der dann leider nach Hause musste, so dass die grosse Traversierung durch eine Dreierseilschaft, statt zwei Zweierseilschaften, erheblich erschwert war.

DER ERSTE TAG DER MONTE ROSA RUNDTOUR, DER

10.

JUNI

1931

Wir hatten uns ein weites Ziel gesteckt. Den zwei Dutzend km weiten Gratkamm des Monte Rosa wollten wir vom Nordend bis zum Breithorn über alle Viertausender traversieren. Ziel des ersten Tages war die Capanna Regina M.argherita auf der Punta Gnifetti der Monte Rosa Ostwand. Nicht nur weil es zu weit führen würde, die Routen der folgenden Überschreitungen zu beschreiben, erwähne ich nur besondere Erlebnisse. Denn nur so bleibt, was für jeden Führerlosen das Entscheidende ist, die Spannung bewahrt, falsch zu gehen und aus den gemachten Fehlern Lehren zu ziehen. Wie so oft vor grossen Fahrten mit ungewissem Ausgang habe ich in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni nicht gut geschlafen . Das Wetter war nicht sicher, und ich überlegte hin und her nach alter Bergsteigerregel den Punkt, von dem es bei einem Wetterumschlag besser war, vorwärts zu gehen statt umzukehren. Es ist etwas Besonderes, diese mitternächtliche Aufbruchstimmung vor einem grossen Unternehmen - die innere Unruhe bricht auf. Die sonst so frohe Stimmung leidet unter den Umständen. Mit schweren Rucksäcken für einige Tage Proviant hinaus in die kaltwindige Nacht, wo vor der Hütte die Ski mit aufgeklebten Fellen bereit stehen. Los in den Aufstieg mit Volldampf. Aber kaum hatten wir mit den Steigeisen unter den Ski die Steilhänge des unteren und oberen Platije überwunden, steckten wir unter der Satteldohle auf ca. 4000 m in dickem Nebel, derweil der Sturm über die Monte Rosa Gräte heulte. Fehlstart. Man muss auch umkehren können, wenn auch mit dem Vorsatz, es jede Nacht wieder neu zu versuchen. Ohne unsere Messingkanten hätten wir über die glasharten Steilstufen nicht abfahren können.

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Die beiden ersten Gipfel des I. Tages: Nordend link s und Dufourspitze rechts mit nachts im Aufstieg begangenem Monte Rosa Gletscher Photo Gabareli

In der nächsten Mitternacht wieder Tagwacht. Wegen zweifelhaften Wetters Start um einige Stunden verschoben. Den SiJbersattef (4490 m) zwischen Nordend und Dufourspitze erreichten wir in einer so kurzen Zeit wie 3 % Stunden durch einen Kunstgriff; nämlich weil wir den darunter liegenden Eisbruch nach Einsteigen auf die Sekundärbrücke einer riesigen Querspalte dadurch überwinden konnten, indem wir über günstig geschichteten Lawinenschnee auf der anderen Seite wieder herauskamen . Auf Steigeisen erreichten wir über die vergwächtete Gratkante bei orkanartigem Wind, der jede Verständigung durch Worte unmöglich machte, den Startpfeiler links unseres Unternehmens, das Nordend (4612 m). Das alpinistisch schwierigste Stück der ganzen Tour war der Aufstieg vom SiJbersattef zur DuJourspitze (4638 m). Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie es Hotz als dritter am Seil fertig brachte, über die fast senkrechten verglasten Felsen mit zwei Rucksäcken und zwei Paar Ski heraufzukommen, ohne ins Seil zu stürzen. Es gab damals noch keine Eisschrauben, aber ich hatte einen Mauerhacken, der hielt. Diese 150 m Höhendifferenz kosteten wegen der schlechten Verhältnisse 21'2 wertvolle Stunden. Die erste Rast machten wir auf dem Gren'\[,ipJeI (4634 m). Seit 8 Stunden hatten wir nichts gegessen noch angehalten. Der Übergang über den schwer vergwächteten Grenzsattelwar theatralisch. Es schneite vom 3000 m tiefen italienischen Abgrund herauf. Oft packte uns der von dort aufsteigende Nebel ein, so dass die Gwächten-Ränder der gigantischen Schneebalkone kaum zu erkennen waren. Immer wieder bliesen 1)2


Selbst ko nstrui erter So nnenschutz (Trainings to ur am A lphube i, H interg rund A ll alin) Sicherun gsarbeit: 2 . Mann am Sei l mit Pic kel und Parall elspur Blick vo n der Z um stein spitze zur Sig nalkuppe mit Capanna Regina Marg heri ta

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uns aber von der Gegenseite kommende Sturmböen frei. Dieser Übergang, ebenso wie die Kletterei zur Dufourspitze wären ohne zusammenlegbare Ski im Rucksack nicht zu bewältigen gewesen. Nur dank dieser E inrichtung standen wir in z Stunden auf der Zumsteinspitze (4573 m) . Über den Colle Gnifetti erreichten wir in total 11 Stunden die Capanna Regina Margherita, die wie ein Adlerhorst am Rand der himmelhohen Monte Rosa Ostwand klebt, für Physiker zur Sicherung gegen die ständigen Blitzschläge ein Faraday' scher Käfig - für Bergsteiger ein Paradies. Ja, das waren noch Zeiten, da Königinnen kostspieligste Schutzhütten den Alpenclubs schenkten und zur Einweihung auf 4559 m stiegen. Damals gab es dort noch nicht wie heute ein mit Sonnenenergie betriebenes S.O.S. Notfunkgerät, um den Helikopter der Schweizerischen Rettungsflugwacht zu alarmieren. Durch die steilsten Eisbrüche und von Stein- und Eisschlägen dauernd bedroht, fand hierher der spätere Papst Pius Ratti in 12 Stunden eiserner Selbstbehauptung und demütiger Gottergebenheit seinen Aufstieg durch die Wand, während Sylvain Saudan vor 5 Jahren mit Ski unterhalb des Silbersattels die Abgründe und Lawinenbahnen des MarineIli Couloirs in einer Stunde zum 3000 m tieferen Macugnaga durchfuhr. Durch die Monte Rosa Ostwand und durch die 1000 m hohe Ostwand des Lyskamm donnerten die Eislawinen. Früher waren diese Wände ehrfurchtsvolle Eistouren der Tüchtigsten - heute Abfahrtsrouten der Tollkühnen. Die Zeiten haben sich auch in den Bergen geändert. Aus den itälienischen Tälern, wo die gewaltigen Eisströme auslaufen, grüssten die grünen Wiesen. Der Monte Rosa war abends wirklich in Rosalicht getaucht, eine Farbensymphonie ohnegleichen, erzeugt allein durch Wasserdampf und Licht. In der Ferne blinkten nachts die Lichter von Mailand. Wir fühlten uns wie Könige, denen alles zu Füssen liegt: der Glanz, die Lichter und die Schönheiten der Erde.

DER ZWEITE TAG DER MONTE ROSA RUNDTOUR, DER

11.

JUNI

1931

Trotz der strapaziösen Bergfahrt hatten wir so gut geschlafen, dass wir erst erwachten, als eine strahlende Sonne durchs Fenster schien. Um die verlorene Zeit einzuholen, eilten wir beschleunigt über die «billigen Viertausender», wie wir sie nannten, von der Signalkuppe (45 59 m), über Parrotspitze (4463 m), Ludwigshöhe (4344 m), Schll!arzhorn (4324 m) zur ganz in Italien liegenden Vincent Pyramide (4215 m). Dies teils mit Ski bis auf die Gipfel, wobei höchstens die Bergschründe Probleme aufgaben. Am Lys Joch begegneten wir zu unserer Überraschung und Freude unserem Clubbruder Andre Roch, dem besten studentischen Bergsteiger seiner Zeit und Weltmeister in Abfahrt und Slalom an den I. Akademischen Weltwinterspielen in Cortina d' Ampezzo, der mit Juge vom S.A.S. Genf von der Betemps Hütte den Lyskamm bestieg. Weil wir es eilig hatten, liess er uns den Vortritt zu dessen Gstgipfel (4538 m), wobei wir mit besonderem Respekt vor den ständigen Gratgwächten über den Westgipfel (4478 m) das FelikJoch in z 1'2 Stunden erreichten. Kompakt zusammengefrorene Gwächten brechen unerwarteterweise oft so weit zurück über dem festen Boden ab, als sie auf der anderen Seite überhängen! Ein einziges Mal bin ich zu Fuss vorübergehend in eine Spalte eingebrochen, wobei Gyr mich prompt am straffen Seil hielt. Trotzdem hatte ich auf der Sekundärbrücke einen Fuss verstaucht. Wie verändert wäre die Situation gewesen, wenn es schlimmer gekommen wäre. Dann wäre die rekognoszierte Rückzugslinie über den Zwillings gletscher praktisch geworden. Wegen der Gewichtsverteilung auf die langen Ski hielten die schwächsten Spaltenbrücken immer erstaunlich gut. Der ständige Wind hatte uns fast betäubt, weshalb wir zur Mittagsrast in eine Spalte hinunterstiegen, wo wir mit gemischten Gefühlen unser Essen verschlangen, tiefgekühlt und keimfrei wie aus dem Eisschrank. Obgleich wir oben das Seil am eingerammten Pickel befestigt hatten, haben wir während der ganzen Rast die sekundäre Spaltenbrücke, auf der wir sassen, mit so dankbar-warmen Blicken bestrahlt, dass sie fast deshalb schon einbrach. Jetzt fingen wir zu rechnen an; denn es war Mittag. War es überhaupt noch möglich, über Castor und Pollux das Breithorn und in der Abfahrt den Gornergletscher zu erreichen, bevor die Nacht hereinbrach? In diesem Moment brauchte es viel mehr Kraft umzukehren, statt aufzusteigen. Zur Zeitersparnis 154


lies sen wir den Grataufschwung des Felik Horns (4080 m) in nächster Nähe links liegen. Mit den Steigeisen und Fellen unter den Ski konnten wir sogar die messerscharfe Gratkante zwischen den Beinen meistern, die sich vom italienischen Gipfel zum Schweizer Gipfel des Castor (4230 m) hinüberschwingt. Was müssen die vielen Fernrohrgäste auf Gornergrat wohl gedacht haben, als sie uns, die Ski in der Mitte brechend und im Rucksack versorgend, nach Italien verschwinden sahen? Hier mussten die Ski kurz getragen werden, dann schossen wir in den Pass hinunter, der zum Aufstieg zum Polfux (4094 m) führt. Von dort hatten wir genauen Einblick in die Spaltensysteme des Ghiacciaio di Verra, wo unsere Route deshalb besondere Vorsicht erheischte, weil sie immer parallel zu den Schründen verlief. Vom Schwarzror sind es fast 600 m Höhendifferenz zum Breithorn. Letzter Aufstieg - genauer gesagt: letzter Aufstieg zu einem Gipfel; denn ganz zum Schluss ga b es dann doch noch einen. Die Sonne brannte uns mit italienischer Hitze auf die Köpfe, und vom Breithorn-Plateau stürzten Wellen windgepeitschten Schnees auf uns herunter, so dass wir manchmal zurücktaumelten. In der hinter Gipfeln untergehenden Sonne stürmten wir wie auf eine stille Verabredung im Laufschritt über den Grat zu unserem letzten Gipfel, dem Zermatter Breithorn (4 17 I m). 18 Y2 Uhr. Einsamer Sieg. Gross war unsere Freude über ein erreichtes, weit gestecktes Ziel: ich glaube die schönste Viertausender-Skifahrt der Alpen. In weiter Ferne verlor sich die Spur von unseren Ski. Nur auf dem Verra Gletscher waren es drei Spuren, weil wir wegen der in der Gehrichtung verlaufenden Spalten nicht in Einerkolonne, sondern in Seildistanz nebeneinander marschierten.

Casto r und Po llu x

Photo Cabarell


Jetzt galt es abzufahren, was das Leder hielt, um den Nachtschatten zuvorzukommen, die aus dem Tal heraufkrochen. Etwas über die Verhältnisse lebend sausten wir ohne Seil über den leicht angefrorenen Sulz des Breithorn-Plateaus, bis die ersten feinen Spaltenrisse aufbrachen. Dann stemmten wir am Seil mit besonderer Vorsicht den Steilhang zum Kleinen Matterhorn hinunter - als hinter dem vorausfahrenden Hotz, der dies gar nicht bemerkt hatte, ein schwarzes Loch von etwa einer Skilänge aufbrach. Im gleichen Moment hatte sich Gyr schon geworfen, und der Vorausfahrende kam durch den plötzlichen Seildruck zum Rückwärtssturz. Wir waren also dort, wo vor uns eine erstklassige Partie ein tragisches Ende fand. Sollte unser bis hier so glücklich verlaufendes Unternehmen in der 15. Stunde ein gleiches Ende finden? So jäh kann der Wechsel von überschäumender Lebensfreude zu einem Schicksalsschlag sein. Durch das offene Loch sah man eine gegen die EinbruchsteIle sich verjüngende Brücke einer riesigen Querspalte. Was ging uns jetzt alles durch den Kopf? Beim Herausziehen eines Eingebrochenen würde sich das Seil in die Brücke einschneiden, so dass man ihn nur bis unter die Spaltenbrücke hinaufziehen könnte - einen Meter unterhalb der Rettung. Wenn dann einer von uns nachts durch die Spalten Hilfe bei der Gornergratbahn anfordern könnte, könnte eine Rettungskolonne vielleicht in 10-15 Stunden hier sein. Schliesslich entschieden wir uns für das Manöver, dass Hotz unter und die oben Gebliebenen über der Spalte seitlich querten, worauf die Oberen in seitlich grösster Staffelung im Telemarkausfall in der Fallinie so schnell als möglich über das Hindernis schossen. Die Brücke hielt. Wo Theodul- und Gornergletscher beim Pt. 2566 m zusammenfliessen, haben wir zum letzten Mal in dunkler Nacht unsere Felle aufgeklebt. 5 km Distanz mit viel mehr Steigung als 300 m zur Beternps Hütte; denn es ging dauernd auf und nieder auf ausaperndem Eis mit eingefrorenen Steinen und faulem Schnee auf den Spaltenbrücken, während ungezählte Gletscherbäche eines heissen Frühlingstages irgendwo gurgelnd verschwanden - zum grossen unterirdischen See, wo man heute mit dem Gummiboot fährt. Es gab nur eins, um die geplante Rundtour abzuschliessen und die schützende Hütte zu erreichen: auf die Zähne zu beissen. 21'2 Stunden - so lange wie die Traverse des Lyskamms gebraucht hatte - mühten wir uns über schlimme Moränen mit rutschenden Blöcken, dauernd wechselnd zu Fuss oder auf Ski, der Vorausgehende im schwachen Schein einer Kerzenlaterne, die Nachfolgenden im Dunkeln nachstolpernd, manchmal knietief versinkend. Der unsichtbare Vierte am Seil, unser immer wieder durchbrechende Humor, hatte sich unauffällig losgeseilt. Denn obgleich es niemand sagte, fühlte doch jeder um so klarer die Gewissheit, dass wir diese Nacht in Herrgotts grösster Kiesgrube mit

links: An der Ostwand des Lyskamms (Ski im Rucksack), hinten links Signalkuppe, rechts Parrotspitze

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S. 157: von links: Dufourspitze, Zumsteinspitze, Signalkuppe


nassen Füssen und Hosen verbringen würden. Das wäre eine bittere Pille unserer bald 2O-stündigen Monte Rosa Rundreise gewesen. Unsere neuen Seehundsfelle, die sonst doch viele Winter hielten, waren fast durchgelaufen. Unterwegs sein ist schön, noch wichtiger ist ankommen. Doch - oh Wunder - nach Überwindung der letzten Randspalten im Laternenschein stiessen wir genau auf die 30 cm breite Wegs pur zur Hütte!! Man hätte diesen Punkt ruhig einen km mehr rechts oder links verfehlen können. Es muss neben der äusseren Navigation eine innere geben. Ski, Pickel, Steigeisen und das schwere, nasse, immer und immer wieder krangelnde Hanfseil wurden auf den Boden geworfen. Jetzt wirklich allerletzter Aufstieg! Es war fast Mitternacht, als wir plötzlich vor der vorher nicht sichtbaren Beternps Hütte (2802 m) standen, in der Roch wohl kein Licht gemacht hatte, weil er als Kenner der Gegend sicher war, dass wir sowieso nicht ankämen. Ich weiss nicht, ob jeder von uns die Schuhe auszog oder mit diesen bereits schlafend unter 5 Decken schlüpfte. Damit war der Kreis geschlossen und unser Jugendtraum der Monte Rosa Rundtour Wirklichkeit geworden, die grass zügige Viertausender-Skifahrt der Alpen, ein Unternehmen, das bei weitem nicht so schwierig war wie andere Touren, sich aber durch Ausdehnung und Vielgestaltigkeit auszeichnet. Der 2. Tag bot praktisch keine alpin-technischen Schwierigkeiten, verlangte aber Vorsicht vor Spalten, Lawinen und Gwächten - und etwas Glück. Nach Hause zurückgekehrt wurde das Unternehmen verschieden beurteilt. Die sAsler meinten, das habe mit Skifahren sehr wenig zu tun, und im AACZ schob man dasselbe ins Kapitel der «alpinen RennsaU» . Die Wellen der Anerkennung und Abschätzung in den Clubs gingen hoch. Wir waren wieder bei den Menschen. Gegenüber dem Vorhalt der Unvernunft, nämlich dass wir uns mit unnötig vielen Gipfeln eine sonst schöne Skifahrt erschwert hätten, während der Vernünftige sich doch umgekehrt der Welt anpasse, zogen wir den Schluss, dass auch der alpine Fortschritt vom Unvernünftigen abhängt. Welch dankenswertes Phänomen ist doch ein jugendlicher Organismus, der nach einem Flüssigkeitsverlust von sicher mehr als fünf Litern und der damaligen grundfalschen Auffassung, keine Getränke mitzutragen, bis Mitternacht störungsfrei auf höchsten Touren läuft. 157


RÜCKBLICK An jenen 9 Tagen standen wir 21 Mal auf Viertausendern, zuletzt über den beidseitig vergwächteten Viereselsgrat auf der Dent Blanche (4364 m). Rückblickend muss zugegeben werden, dass die Viertausender Ernte wohl etwas extrem ausgefallen war. Aber in jungen Jahren tut es gelegentlich gut, über sich selbst hinauszuwachsen und gleichsam nach den Sternen zu greifen. Wenn eine viel nähere Unterkunft am Theodul Pass auch offen gewesen wäre, wäre uns dort das Übernachten zu teuer gewesen; denn in der Betemps Hütte kostete es nur Fr. 1. - . Es ist so wertvoll, in jungen Jahren wenig Geld zu haben. Sonst wäre auch die Monte Rosa Rundtour nicht abgerundet worden . Man muss sich im Leben Erinnerungen schaffen. Wir hatten gleichzeitig den Höhen- und den Abfahrtsrausch erlebt, wenn der Fahrtwind im Ohr donnert, die schönsten Tränen - die Abfahrtstränen - über die Wangen fliessen und das feuchte Hemd eiskalt wird. Wir sind nie aus Flucht in die Berge gegangen, sondern aus Unternehmungslust und nahmen die dort geholten auftreibenden Kräfte als Stählung für den täglichen Lebenskampf. Viel mehr als von einigen gewonnenen und noch mehr verlorenen Skikonkurrenzen, (wo es ja doch immer entweder zu schnell oder zu langsam ging,) ist von einem solchen Leben, Erleben und Überleben in den Bergen in der Erinnerung geblieben - wo jede Faser des Körpers und der Seele dem Fels und dem Eis gehörte, dem Sturmwind und der Sonne. Die Berge sind das sinnvolle Verbindungsstück von der Erde zum Himmel. Solche Unternehmen im Lebensabschnitt des Sturms und Drangs waren für uns Wegweiser in ein Leben der Aktivität mit Selbstantrieb zum Stern beglückender Leistung. Für ein Olympia-Stadion gibt man heute 100 Millionen Franken aus. Mit Milliarden von Milliarden könnte man nicht das Monte Rosa Stadion erstellen, das uns ganz allein zur Verfügung stand. Nach Neuschneefällen immer wieder ohne Spuren, ein Teppich diamantner Schneekristalle, geradezu wie für die ersten Menschen auf Erden, ein wahrer Playground of Europe. Eine Arena majestätischer Ruhe, nicht der tosenden Massen. Deshalb ist doch nach ausreichender Schulung und Lawinenkunde - speziell wegen der in kilometerweiten Gratlagen hängenden Schneebretter - das führerlose Gehen ohne Routenkenntnis am ertragreichsten für den Sieg über uns selbst. Abgesehen von den wenigen Abgrundfahrt-Selbstmordkandidaten ist das Ski-Bergsteigen weitgehend dasselbe geblieben, was es immer war: der abwechslungsreichste Sport gleichmässig für Körper wie Seele, in Naturschönheit und Abgeschiedenheit und in vertiefter Kameradschaft. Die viel zu vielen Bergbahnen und Skilifte konnten erfreulicherweise 99 % der Berge nicht erobern. Und dabei sollte es bleiben. An jedem Tag vielleicht 100 offene und noch mehr verdeckte Spalten zu überwinden, ist der Platz für Freunde von Risikobereitschaft und Verantwortung, bei einer Leistung in materieller Sinnlosigkeit. Für einen jungen Mann, unbehindert von psychischen Nebeln, ist dies ein Beitrag zur Erziehung zur Männlichkeit. In Planung und Durchführung ist ein solches Unternehmen in jungen Jahren zur Festigung des Charakters ein Beitrag, der eigentlich wichtiger ist als das Unternehmen selbst. Nicht nur Wunder der Berge - auch Wunder des Schneeschuhs! Ob man so etwas auch in den ewigen Skigründen erleben kann? Dann würde ein Abstecher dorthin sich entschieden lohnen. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann. So wurde diese Bergfahrt eine besonders schöne Perle in der Kette der Erinnerungen an zwei abenteuerreiche Tage im grossen Abenteuer Leben, eine so nachhaltige Erinnerung, dass sie ein halbes Jahrhundert überdauerte. Wenn in den späteren Jahrzehnten die Monte Rosa Gruppe vor meinen Blicken auftauchte, erinnerte ich mich an den einmal gehörten Vers:

Wenn schweifen in der Gipfelstunde die Blicke suchend in die Runde, dann tauchen Jugendtaten auf.

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Magst sie umsonst zurückverlangen, ein Schein von ihrem einst'gen Prangen, geht doch durch unsern Lebenslauf.


RESUME Ueli CampelI, SAS Zurich, decrit la premiere traversee a ski, effectuee il y a plus d'un demi-siecle, des quatorze 4000 qui jalonnent sur 24 km la cf(~te reliant le Mont Rose au Breithorn. Tout d'abord les preparatifs: une traversee partant de la cabane du Requin (2500 m) et aboutissant apres 13 h de marche, via le Mont Blanc du Tacul et le col du Mont Maudit, au sommet du Mont Blanc (4810 m), fournit une precieuse experience au sujet de l'equipement alpin. La descente de pres de 4000 m du Mont Blanc a Chamonix sur des g laciers encore inconnus des participants fut effectuee avec des skis d'hickory de 2,20 a 2,30 m, sans aretes et sans tension diagonale; instruits par cette aventure, nos alpinistes passerent au fabricant zurichois Adolf Attenhofer une commande speciale: des skis de diverses largeurs et de 1,70 a 1,90 m de long, munis d'aretes en lai ton et pliables selon le systeme italien Freyrie-Falt (voir figure). Avant l'expedition proprement dite dans le massif du Mont Rose, les trois voies de retraite possibles en cas de brusque changement de temps furent reconnues: le Grenzgletscher, le glacier des Gemeaux et le Schwärzegletscher. Une premiere tentative, entamee le 9 juin 193 I peu apres minuit, dut etre abandonnee a une altitude d'environ 4000 m en raison d'une violente tempete de neige. La seconde, le lendemain, fut couronnee de sucd:s. Malgre des conditions difficiles, le trajet de la premiere cime, le Nordend (4612m), par le Silbersattel a la Pointe Dufour (4638 m) et au troisieme sommet, le Grenzgipfel (4634 m), fut couvert en 8 heures. Apres une halte, on gravit encore la Zumsteinspitze (4573 m) po ur rejoindre la Capanna Regina Margherita, collee comme un nid d'aigle au faite de la paroi Est du Mont Rose. Le lendemain I I juin, on commen<;:a par la traversee des «4000 a bon marche», la Signalkuppe (4559 m), la pointe Parrot (4463 m), la Ludwigshöhe (4344 m), le Schwarzhorn (4324 m) etla Pyramide Vincent (4215 m). Parvenus au Lysjoch, nos trois alpinistes Ueli CampelI, Hans Hotz du Club Alpin Academique de Zurich et Hans Gyr du SAS Zurich firent une rencontre aussi inattendue qu'agreable, en la personne des deux SAS genevois Andre Roch et Jean Juge. Ensemble, ils traverserent les sommets Est (4538 m) et Ouest (4478 m) du Lyskamm. Apres une halte meridienne, savouree a l'abris du vent violent sur un pont de neige dans une crevasse, la poursuite de l'entreprise fut decidee: Felik Horn (4080 m). Castor (4230 md), Pollux (4094 m) et finalement, apres une derniere mon tee de 600 m de denivellation, le Breithorn de Zermatt (4 17 Im), atteint apres un temps de marche total de 18 12 heures. A la descente, l'euphorie de la victoire fut brutalement interrompue par la chute de Hans Hotz dans une crevasse, d'ou par une manceuvre risquee ses deux compagnons reussirent heureusement a le tirer. Apres une penible marche dans l'obscurite a travers le glacier, les moraines et les blocs de rocher, nos trois heros se retrouverent enfin peu avant minuit sur le sen tier de 30 cm de large conduisant a la ca bane Betemps. L'echo suscite par cette performance fut mitige. Au SAS, on estima que cela avait peu de rapport avec le ski, et l'opinion prevalut au Club Alpin Academique qu'il s'agissait d'un exploit de tetes brulees.

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DIESTAUBBACHBALM

Beim Durchblättern alter Stiche hat ein meisterliches Blatt vo n C. WolH unsere A ufmerksamkeit erregt. Von einer Felsklippe, auf der windgerüttelte Tannen kleben, fällt das breite Wasserblatt tief hinab zum Rande einer Felsenschale, aus deren zerfressenem Rund der Gischt gussweise in den tiefer strudelnden Hexenkessel geschleudert wird. Zwei zeitgenössische Gestalten stehen am Felsufer und oben, zwischen Wassersturz und Fluh hüpfen ein paar Gernslein dahin, als hätte der Maler die so lange irrtümlich auf den Staubbach bezogene Waldstromstrophe des grossen Haller nachbilden wollen. Wo eigentlich dieser obere Staubbachfall zu suchen ist, kann man vom Tale aus nicht beurteilen. Das Auge glaubt über der Felsenbraue einen flacher werdenden Waldhang zu erkennen und kein Mensch ahnt, wie gewaltig sich Wasser und Felsgestein in eben diesem Walde verbünden. Gleichviel, ob der Wanderer von den Alplägern nieder oder mit feuchtbeperlter Stirne aus dem Talgrund heraufsteigt, am Pletschbache angekommen, findet er die leerstehende Hütte und das halb zerfallene Schirmdach einer Säumerherberge. Wunderliche Stimmungen beschleichen den frühen Gesellen und wenn er auf den blanken Steinfliesen Rast hält, vermeint er das deutliche Klirren eines Saumzuges den Wald herauf hallen zu hören. Und jetzt knabbert das trockene Gebälk der Schenke, eine Türangel im Innern girrt. Wenn der unbewirtete Gast beklommen umschaut, wird er inne, dass Wind und Bohrwurm ihn genarrt haben. Unter dem Schirmdach schlüpft ein zertretenes Weglein in behendem Zickzack zwischen die Grotzen hinab. Schlüpfriges Waldkraut und feuchter Reisig zwingen den Fuss zu festem Tritt. Jetzt stäubt auch schon ein jäher Wasserguss aus dem Grünen auf und die Hand packt fester in die schwankenden Äste. Allein die Wegspur kehrt sich wieder ab und läuft erst tiefer, wenn der wilde Geröllkessel schon weidlich drohend vor den Augen des Behutsamen aufgegangen ist, dem Wasser zu. Hier stecken rostige Bolzen im Gestein und ein morscher, von Moospolstern verhüllter Trämel hilft uns in einen engen Winkel hinab; der steile Felsen beut dem Niedersteigenden ein paar dürftige Tritte, so dass er endlich auf einem jähen Grasporte landet. Hülfsbereite Tannen fördern weiter. Die Wegspur aber biegt mit einem Male scharf um die Ecke. Hoch herein prasselt der Sturzbach. In schmale Strähnen zerrissen wischt der Schwall über die Felskante und von oben hangen ein paar zitternde Tännlein herein. Der bauchig vorgewölbte Felsen aber gibt eine seltsame Balm frei, in die der Wanderer seine Schritte lenken mag, um eines der reizvollsten Schauspiele stürzender Bergwasser zu kosten. Die Morgensonne glüht in den Wasserstaub und lässt ihn gleich einem golddurchwirkten Schleier niederwallen. Drüben aber harrt die Jungfrau der Huldigung und es ist in solchen Morgenstunden ein Leichtes, der Zeit und der Gefährten nicht achtend, traumverloren in der Natur aufzugehen. Das Schönste aber ist das zeit- und wunschlose Lagern in der Balm. Ein feiner Farbstich von Gabriel Lory, Sohn, hat dieser wasserverschatteten Balm eine wundervolle Stimmung abgelauscht. Die im Tale hinstreichenden Nebel, das armselige Gewächs auf den Felsen und die in der Felsenspalte um ein Feuerlein Gelagerten, tragen eine schwerblütige Stimmung in dieses ausgezeichnete Blatt. Auch wir möchten des Lagerfeuers nicht entraten. Dürres Holz findet sich im Dickicht am Bache im Überfluss und erst wenn die Flammen an die rauchschwarzen Felsen hinauf schlagen, kehrt die wahre Stimmung für diesen erlesenen Sitz ein. Danken wir unseren Göttern, dass sie uns mit Wasser, Feuer und stillen Winkeln so wohl versorgt haben. In diesem Sinne wird das Kampieren in der Staubbachbalm zum Gottesdienste des ruhelosen Wanderers . Von t Othmar Gurtner, SAS Aus: Das besinnliche Wanderbüchlein. A uf alten Pfaden im Lauterbrunnental. Zürich 0.) .

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Donateur et Collection Walter Amstutz, EM,

SAS

Z端rich


LANGLA UF UND TIERLEBEN WILDTÖTER WIDER WILLEN Horst Stern, München

Es scheint das Schicksal der Ökologie zu sein, mehr und mehr zum grossen Spielverderber von homo ludens, des Freizeitmenschen, zu werden. Je mehr die Untersuchungen über die komplizierten Wechselwirkungen im Haushalt der Natur anwachsen, desto deutlicher wird die Rolle des arglos sich vergnügenden Menschen als Schadfaktor. An seinem unzweifelhaften Status als ein Teil der Natur kann es nicht liegen; er gehört zu ihr und könnte sich in ihrem Ordnungsgefüge wohl auch ausbalancieren, wäre da nicht seine explosive Vermehrung, die ihre zerstörerischen Folgen immer weiter hinaus und immer höher hinauf in die letzten Naturrefugien trägt. Der Skisport im alpinen und subalpinen Raum ist ein Beispiel dafür. Während die Forst- und Almwirtschaft noch ihr Klagelied singt von den durch Pisten- und Liftbau aufgerissenen und nun sturmgefährdeten Schutzwäldern und von vegetativ degradierten, ja erodierten Weideflächen durch zu frühen und zu späten Skibetrieb auf aperem Schnee, stimmen die Wildbiologen eine neue Jeremiade an : der Langlauf, für seine Betreiber doch Inbegriff der Naturverbundenheit, als Wildtiertöter! Wie das? Während der Langlauf bis weit in die Nachkriegszeit hinein vorwiegend eine Sache der Jäger und Förster, Soldaten und Zöllner war, allenfalls noch der Leistungssportler, jedenfalls nicht der Masse, explodierte die Zahl der ihn ausübenden Menschen in den letzten zehn, zwölf Jahren: mehr als zwei Millionen Langläufer allein in der Bundesrepublik Deutschland! Langlauf wurde zur - werblich geförderten - Mode. Ein Abfahrtslauf, der weithin zur gefährlichen Pistenraserei verkam, immer länger werdende Schlangen an den Talstationen der Lifte, die medizinisch indizierte Ausweitung der Altersgrenzen im Sport - das alles trieb immer mehr Skifahrer in die Loipen. Und es kam, wie es kommen musste: Die Loipen teilten alsbald das Schicksal der Pisten; sie wurden zu voll. Der Exodus aus der maschinell vorgefertigten, touristisch kommerzialisierten Spur in die unberührte Schneewelt begann. Das Elend der Wildtiere, durch Wintereinwirkung schon kritisch genug, verschärfte sich mancherorts zur Katastrophe. Wer, während er seine Spuren zieht, auch nur einen flüchtigen Gedanken an die Situation der Wildtiere wendet, kommt wohl von selber drauf: Der Tag ist extrem kurz, die Nahrung nicht nur knapp, sondern auch von minderem Wert; holzige Rohfasern herrschen vor, vereist nicht selten und oft von weniger Gehalt an Energie als zu ihrer Aufschliessung im Magen nötig ist - zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig . Während Rot- und Rehwild vom Menschen mit Fütterungen bedacht wird, gehen die Rauhfußhühner leer aus. Das Auer- und das Birkwild sind denn auch die eigentliche grosse Sorge der Wild biologen im Hinblick auf den Langlauf abseits der offiziellen Loipen. Die Gefährdung ist doppelt. Trockenlegung letzter grosser Heide- und Moorgebiete oder auch nur ihre landwirtschaftliche, touristische und militärische Nutzung gehen dem Birkhuhn sommers an den Bestand. Ähnliches gilt für den Auerhahn durch eine Forstwirtschaft, die aus Renditegründen die den Waldhühnern gemässen lichten und gemischten Altholzbestände einschlägt und durch Stangenholz162


Monokulturen ersetzt. Und dann kommen, kaum dass der erste Schnee die Moorheiden und Waldlichtungen deckt, die Naturfreunde auf ihren schmalen Brettern daher! Eine sorgfältige demoskopische Untersuchung im Bereich des deutschen Nationalparks Bayerischer Wald ergab, dass 57 Prozent der Langläufer Wanderungen abseits der gespurten Loipen unternehmen. 45 Prozent dieser «Aussteigen> nannten als Grund das «grössere Landschaftserlebnis», 17 Prozent waren die Loipen zu voll und zu laut. Nur 30 Prozent aller Befragten mochten glauben, dass der Skilanglauf zu einer Belastung der Natur werden könnte. Die grosse Mehrheit reagierte auf entsprechende Fragen je nach Temperament mit Unverständnis oder Ratlosigkeit. Und selbst die Einsichtigen offenbarten ein erschreckendes Informationsdefizit. Dass aber 55 Prozent der Befragten eine Aufklärung für wünschenswert hielten und 42 Prozent gar eine Sperrung empfindlicher Gebiete für den Langlauf akzeptieren mochten, gibt Anlass für Hoffnung auf Besserung. Worin besteht denn nun die winterspezifische Gefährdung des Wildes durch Skiwanderer? Der im Nationalparkamt Bayerischer Wald arbeitende Biologe W. Scherzinger sagt, dass jede Tierart, ohne sich dessen bewusst zu sein, durch ihr Verhalten den eigenen Energiehaushalt «kalkuliert»: «Wenn ein Birkhuhn für das Verlassen der schützenden Schneehöhle und die Nahrungssuche mehr Kalorien verbraucht als es durch Fressen wieder aufnehmen kann, bleibt es lieber hungrig und verbringt den ganzen Tag am Schlafplatz.» Die Energiebilanz eines sich so verhaltenden Birkhuhns ist am Existenzminimum ausgeglichen; unter Zuhilfenahme letzter Reserven kann es Schlechtwetterperioden gerade noch überleben. Von dieser Grundtatsache ausgehend ist es nicht allzu schwierig, sich vorzustellen, was mit solch einem energetisch gerade noch ausbalancierten Tier geschieht, wenn es durch einen herannahenden Skiläufer zur Flucht veranlasst wird, womöglich gar mehrmals am Tag: Der Energiehaushalt gerät durch den Kalorienverbrauch a conto Flucht hoffnungslos ins Defizit; schon die kommende Nacht kann den Tod durch Erfrieren bringen, und bringt ihn oft genug, wie die Bestandsverminderungen an solchen Störorten beweisen. Die Oberammergauer Wildbiologen Georgi und Schröder simulierten gezielt Störungen an Rothirschen und zeigten, dass die Auswirkungen sehr von Deckung und Jahreszeit abhängen, wie das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten 1977 ermitteln liess. Weite Fluchtstrecken waren im deckungsarmen Gelände die Regel, wie es im Winter vorherrschend ist. Wenn man nun noch weiss, dass Huftiere beim Rennen bis zu zehnmal soviel Energie verbrauchen wie im Ruhezustand, dann ist die Folgerung klar: Absolute Winterruhezonen für die Einstände der Wildtiere. Es ist nicht nur der Zusammenbruch des Energiehaushalts, der aufgestörten Wildtieren zum Verhängnis wird. Aus der Deckung gejagte Waldhühner (oder auch Schneehasen) werden leicht von Beutegreifern wie Fuchs, Habicht oder Steinadler entdeckt und gerissen. Auch Verdrängungseffekte gehen auf das Konto des Skibetriebs. Wo er typische Biotope beunruhigt, weichen die Tiere, wo möglich, in andere Lebensräume aus, die oft für sie wenig oder gar nicht geeignet sind und zur Dezimierung führen. Solche Effekte werden oft erst nach Jahren sichtbar, und kaum jemand kam bislang auf die Idee, sie dem Skisport anzulasten. In diese Kategorie der Entschuldung gehört auch der von Skisportlern oft gehörte Einwand, man habe doch gar keine Tiere gesehen, und also könne man sie auch nicht zu Schaden, geschweige zu Tode gebracht haben. Es ist dies eine untaugliche Einrede: Die Fluchtdistanzen der Tiere, innerhalb derer sie auf die Annäherung von Menschen reagieren, sind winters im deckungsarmen Gelände sehr gross; naturgemäss nehmen die Tiere den Menschen sehr viel früher wahr als umgekehrt, denn während dieser mit der Konzentration auf sein sportliches Vergnügen beschäftigt ist, geht es für jene um Leben oder Tod. Scherzinger tritt darum dem Argument des Skitourismus, es gebe keinen beweisbaren kausalen Zusammenhang zwischen Störung und Tiertod, entschieden entgegen: «Störungen lassen sich nicht global definieren ... Darüber hinaus fehlen aus den meisten Gebieten zahlenmässige Angaben über Bestandsveränderungen unter dem Einfluss des Wintersports. Das liegt zum einen an der Neuheit


dieser ThemensteIlung, die erst in den letzten Jahren aktuell wurde, zum anderen an der vielschichtigen Verwebung unterschiedlichster Faktoren, die wir als <Störung> zusammenfassen.» Was er, genauer, sagen will, ist dies: Es gibt kein einfaches Ursachen-Wirkungs-Gefüge zwischen der Zunahme des Langlaufsports und der Abnahme der Wildtierbestände in diesen Landschaftsräumen. Die Komplexität der Einflüsse verzögert oder verschleiert die Auswirkungen. Das liegt auch an der unterschiedlichen Reaktionsempfindlichkeit der bedrohten Tiere: Habicht, Luchs, Auerhahn und Fischotter sind längst verschwunden, wenn Häher, Spechte oder Finken dem unwissenden Skiwanderer noch eine heile Welt vorführen. Andererseits haben revierbesitzende Tierarten oft nicht die Möglichkeit des Auswanderns. In Frage kommende Räume sind von Rivalen besetzt. Also verharren sie, wo sie sind, bis sie durch Stress oder Alter verenden . Erst wenn eine Verjüngung nicht mehr erfolgt und ein Tierbestand in diesem Raum verschwunden ist, bemerkt man die Folgen von Störungen. Auch wenn der Fremdenverkehr es den Naturschützern nicht glauben mag - es ist so wie Scherzinger sagt: «Wenn gefährdete Arten trotz Loipe und Piste mehrere Jahre durchhalten, wäre es falsch, darin einen Widerspruch zu oben genannten Thesen zu sehen. Ein einziger wirklich strenger Winter kann nämlich das Energiesparkonzept der Tiere auf die Probe stellen und die - eben doch! - gestörten Tierbestände vernichten. Wintersport auf breiter Basis kann ein Refugium im Bergwald innerhalb weniger Jahre veröden lassen.» Die Schlussfolgerung fällt leicht, ihre Umsetzung in die Tat schwer: Skisport, Fremdenverkehr,jäger und Biologen gehören in Problemgebieten an einen Tisch. Es müssen Konzepte her, die das oben Gesagte berücksichtigen. Loipen gehören nicht in Wildruhezonen, und Loipen dürfen nicht verlassen werden um eines Naturgenusses willen, der anderen Lebewesen den Tod bringt. Von sträflichem Unwissen geprägt ist die oft anzutreffende Haltung des Skiwanderers, der erst in der Begegnung mit Wild im winterlichen Wald einen Höhepunkt seines Naturerlebnisses sieht. Reh und Hirsch, Huhn und Hase sehen dem Eindringling die friedfertige Absicht ja nicht an den Skispitzen an.

LITERA TUR VERZEICHNIS Autorenkollektiv (1977): Wald und Wintersport - Allgemeine Forstzeitschrift Heft 1/ 2 1977 - München: BL V-Verlag Georgii, B. u. W. Schröder (1981): Raumnutzung und Aktivitätsmuster von Rothirschen unter besonderer Berücksichtigung menschlicher Einflüsse. Mitteilungen der Wildbiologischen Gesellschaft in München e.v., 56 S. Moen, A. (1973): Wildlife Ecology - San Francisco Müller, F. (1977): Wieviel Störungen vertragen unsere Rauhfußhühner, Nationalpark Heft 1/ 1977 Olschowy, G. (1971): Belastete Landschaft, gefahrdete Umwelt - München: Goldmann Verlag '97' Scherzinger, W. (1976): Rauhfuß-Hühner - Wissenschaftliche Reihe . Nationalpark Bayerischer Wald Heft 2. Herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium für E rnährung, Landwirtschaft und Forsten Scherzinger, W. (1977) : Tierwelt und Wintersport - Nationalpark Heft 41I 977 Volk, H. (1979): Gewohnheiten und Meinungen der Skilangläufer im Südschwarzwald, Ergebnisse und Folgerungen einer Befragung - Allgemeine Forstzeitschrift Heft 1/ 2 1979, S. 29- 3' - München: BL V-Verlag '979


Knappste Energievorr채te im Winter: Rehbock und Auerhahn als Beispi ele. Umgekehrt lebt der Fichtenkreuzschnabel (unten link s) im Gbertluss reifer Tannzapfen, weshalb er sich im Winter fortpflanzt.

Donator Han s Steinegger,

SAS

Bern


SAS-CANADA-EXPEDITION 1982 Charles von Wurstemberger, SAS Fribourg

Calgary ist Ausgangspunkt der sAs-Expedition 1982, die uns nicht wie vorgesehen nach Alaska, sondern in die Kanadischen Rocky Mountains und schlussendlich nach Vancouver führen soll. Ziemlich mitgenommen von der achtstündigen Reise und der Zeitverschiebung sitzen wir in einem Chevrolet Mietbus und rollen auf der Trans-Canada Highway in Richtung der Rocky Mountains, die sich schon in der Ferne als dunkler Streifen abzuzeichnen beginnen. Hinter uns fünftausend Kilometer flaches Farmland bis zum Atlantik, vor uns die Rockys, die zu überwindende Klippe, um an die Tausend Kilometer entfernte Pazifikküste zu gelangen. Am Steuer Sepp Renner, der uns soeben am Flughafen von Calgary in Empfang genommen hat. Er ist Schweizer Bergführer, seit zwölf Jahren in Kanada, im Winter Leiter einer Hefiskiing Lodge, im Sommer Bergführer in den Rocky Mountains. Neben ihm der einzige, der noch Energie zum sprechen aufbringen kann, Hans Grimm, auch diesmal wieder Expeditionsleiter. Die hinteren Sitzreihen teilen sich Christoph Schmid, Hanspeter Lutz, Max und Beat Hintermann, die Expeditionsärzte, Thommy Hug, Chris Peler und ich. In einem gelben Amerikaner folgen uns Ursi Renner, die blonde Schwester von Sepp, die uns in der ersten Hälfte der Reise begleiten wird, und auf dem Beifahrersitz, nur in der Silhouette erkennbar, Dres Schild. Banff, am Eingang der Rocky's liegend, Touristenzentrum, lässt uns zum ersten Mal so richtige, kühle kanadische Luft schnuppern. Die Hauptstrasse, hektisch, ist gespickt mit ((giftshopJ), die Plastikelche und Gummibären «en masse» feilbieten. Riesige Wohnmobile kriechen an uns vorbei, auf dem Dach ein Surfbrett, am Kühler klebend ein Motorrad und manchmal hinten im Schlepptau der Kleinwagen. Am Lake 0' Hara, einem wilden Bergsee, der nur nach Anmeldung und für eine beschränkte Anzahl Besucher zugänglich ist, schlagen wir unser Basislager auf. Höhepunkt der nun folgenden zweitägigen Besteigung des Mount Louise ist die Süd-Nord Gratüberquerung mit Blick auf den weltberühmten Lake Louise und das gesamte Panorama der Rocky Mountains. Leider müssen Hans Grimm und Christoph Schrnid wegen Grippe auf die Überquerung verzichten. Der Abstieg erfordert nochmals die ganze Konzentration, da er über völlig vereiste Couloirs führt, die nur mit Steigeisen begehbar sind. Zurück im Basislager treffen wir wieder auf unsere Rekonvaleszenten. Plötzlich breitet sich eine gewisse Unruhe in der Mannschaft aus. Der Grund dafür liegt in einem bildhübschen Mädchen, welches sich inmitten unserer Zelte für das bevorstehende Jogging aufwärmt. Sogar die Gebrüder Hintermann können nicht dem Anblick der anmutigen Stretchübungen widerstehen. Da fällt mir die Geschichte ((Jennifer, kleine WaMliiuferim) von ArnoM Kaech*, SAS Bern, ein: Kaech beschreibt, wie er anno 1937, in genau dieser Gegend, anlässlich des Langlaufrennens (( S kooki Race» mit Ziel in Lake Louise, einem traumhaften Mädchen namens J ennifer begegnet, das ihn um ein (1ode/ing» bittet. Ich raffe meinen Mut zusammen und will die schöne Joggerin fragen: «Sorry, wasn't your mother's name «Jennifer», by any chance?» Doch sie ist schon durch die Wälder weggehüpft.

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Der Schneehase, Jubiläumsbuch Schweizerischer Akademischer Ski-Club, '924- '974, S. 57.


Wir verlassen den wunderschönen Lake O'Hara und fahren über Golden, eine Baumfällersiedlung, nach Invermere, dem Wohnort von Sepp Renner, wo er uns in seinem zu einer ansehnlichen Villa ausgebauten Wohnwagen empfängt.

KLETTERN IN DEN BUGABOOS Die Bugaboos, die Wiege des kanadischen Heliskiing, sind unser nächstes Ziel. Geplant sind drei Tage Granitkletterei. Bei unserer Ankunft in der Lodge wird eben ein Helikopter mit Amerikanern und Japanern vollgestopft, alle versehen mit Mietschuhen und Daunenjacken. Sie starten für das sogenannte Helihiking, was bedeutet, auf einem Grat abgesetzt zu werden, diesen zu überqueren, und dann mit dem Helikopter wieder abgeholt zu werden. Trotz Wetterproblernen können wir den Pitsehen Style, den markantesten Gipfel der Gruppe, nach interessanter Kletterei bezwingen. Im Abstieg bietet uns dann Hans Grimm eine kleine Demonstration seiner Absteigerfähigkeiten. Wir Jungen staunen, wie übrigens auch über die «Hosenrütsche» von Ursi Renner, die sie in den Couloirs von Andermatt geübt haben soll. Auf weitere Gipfel müssen wir wegen Regen verzichten. Zurück in Invermere verabschieden wir uns von U rsi und Sepp Renner, welche den ersten Teil dieser Reise wirklich ausgezeichnet organisiert haben.

JASPER, KAMLOOPS, V ANCOUVER «On the road again». Wir fahren nordwärts, durchqueren den Kootenay- und den Ban]] Nationalpark. Der Wald scheint unendlich, links und rechts bizarre Felszacken, die halb im Nebel verschwinden. Nach zwei Tagen erreichen wir Jasper, eine kleine Stadt am Athabaska River. Da bis jetzt unsere Hoffnung, einen Bären «live» zu sehen, nicht erfüllt wurde, suchen wir, da Bären bekanntlich von Abfällen angezogen werden, die Schutthalde von Jasper auf. Diese ist jedoch mit einem riesigen elektrischen Drahtgitter umzäunt. Das einzige, was sich bewegt, ist ein Tracks, der im Dreck herumwühlt. Als Trost für diese Enttäuschung stürzen wir uns ins Nachtleben von Jasper. Wir haben gar keine andere Wahl, da sich die Rock-Band der Hotelbar unmittelbar unter unseren Zimmern eingerichtet hat, an Schlaf also überhaupt nicht zu denken ist. Das Bärenfieber lässt uns nicht mehr los. Bei Morgengrauen brechen wir auf in Richtung Mount Robson Nationalpark. Wir treffen nur (aber immerhin) auf vier riesige Hirsche, die am Strassenrand stehen. Kein Elch, kein Bär. Die Landschaft ändert, es wird trockener, ab und zu taucht eine Farm auf. Wir erreichen Kamloops, eine kleine aufstrebende Provinzstadt, Treffpunkt der sich konkurrenzierenden Trans Paeifie Railway und Trans Canadian Raifway, die von dort aus, die eine auf der linken, die andere auf der rechten Talseite, dem Pazifik zustreben. Vaneouver - wie es heisst, die schönste Stadt Amerikas - und der Besuch der Vietoria Island, die stark englisch geprägt ist, bilden den letzten Höhepunkt dieser phantastischen Reise, die, getragen von einer ausgezeichneten Stimmung, eine ideale Kombination von Sport und Reisen war.


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Spuren am Everest: Reinh old Messner, All eingang 1980 ~.on der Nordseite)

Donatoren Hans Kรถnig, Geneve

SAS

SAS

Bern, und Fred erie Urfer,


SCHLITTENHUNDE UND EINSAME SPUREN DIE ARKTIS ALS SKIGEBIET Victor Stoll, Zürich

Die Heldenzeit der Arktis ist vorbei. Funk und Flugzeug haben ihr den Schrecken genommen. Trotzdem: die unendliche Weite, ihre unvorstellbare Einsamkeit, die Härte ihrer Natur und ihre Kargheit sind geblieben. Kleinstexpeditionen sind heute aber durchaus möglich. Die besten Zeiten für den Skiläufer in der Arktis sind Mitte März bis Juni. Wer sich in die Arktis begibt, muss sich über drei Tatsachen Rechenschaft geben: a) je weiter man in die nördliche Arktis vordringt, um so dünner wird die Schneedecke, b) die Unterkunft muss man in der Hocharktis selber mitbringen, c) die Kälte ist enorm. Man friert zwar in dieser trockenen Kälte nicht, aber die Gefahr schwerer Erfrierungen ist gross. Die Grenzen der Arktis sind umstritten. Der Geograph behauptet, die Arktis sei nördlich des Polarkreises. Der Klimatologe bestimmt die Grenzen mit der 10 Grad-Juli-Isotherme, also jenes Gebiet in dem die Temperatur 10 Grad Celsius nie übersteigt. Der Biologe zieht die Grenze entlang dem nördlichsten Waldbestand oder der südlichen Begrenzung des Permafrostes, kurz - es kommt auf den Blickwinkel an. Wir wollen uns an die geographische Grenze halten. Dieser Bericht basiert auf den Erfahrungen von acht Arktisfahrten in Gebieten von der finnischen Arktis bis zum kanadischen Mackenzie-Delta.

ARKTIS FÜR ANFÄNGER Erfahrung ist, was man an sich selber «erfährt» und arktische Erfahrung ist unbedingt nötig, wenn solche Abenteuer nicht in einer Katastrophe enden sollen. Wir beginnen daher unsere Arktis-Karriere im finnischen Norden, dem der Golfstrom nicht nur ein vergleichsweise mildes Klima, sondern auch

Finnland: Rentiere im arktischen Wald Photo V 5toll


einen dichten Waldbestand schenkt. Basislager unserer ersten Arktisfahrt sind warme Blockhütten mit heisser Sauna und der Möglichkeit, Proviant einzukaufen. Zwar bewegen wir uns zügig über gefrorene Flussläufe und deutlich erkennbare Waldpfade, aber unsere superleichte Langlaufausrüstung lassen wir trotzdem zu Hause, wir befinden uns immerhin in arktischem Gebiet. Voralpine Wanderausrüstung dürfte ungefähr das Richtige sein. Die Füsse stecken in leichten Lederskischuhen und die Laufski sind mit Vorteil mit einer Kabelbindung versehen . Daunenjacke und Sturmhose schaden nie und ein Biwaksack kann das Leben retten, denn Landmarken fehlen und die Orientierung ist nicht sehr leicht. Wir fliegen über Helsinki nach Ivalo, dem nördlichsten Flugplatz Finnlands, nehmen dort ein Taxi und lassen uns nach Saarisiilkä kutschieren ... und sind schon im arktischen Dorado der Langläufer. Blockhäuser, warm und behaglich erwarten uns. Das Frühstück wird im Restaurant eingenommen und es entspricht finnischer Gastfreundschaft, dass man vom reichen Frühstücksbuffet gleich noch den Proviant für den ganzen Tag mitnimmt. Malerische Lappen bieten ihre Führerdienste an. Aber man täusche sich nicht: finnische Skiwanderungen dauern 7 bis 12 Stunden. Die Finnen sind harte Leute. Die Nächte sind taghell, ein Zeitbegriff fehlt in der Arktis ohnehin. Bald zieht man seine eigene Spur, das Gelände ist einfach grenzenlos, der Wald so licht, dass man sich leicht bewegen kann, und weiter im Norden läuft man schon über baumlose Tundra. Ein Trick arktischer Langläufer in Skandinavien sei hier verraten: In den Monaten April- Mai, im Polar tag, starten sie gegen 2 I Uhr, laufen in der Nacht über beinhart gefrorenen Schnee und kommen gegen 9 Uhr am nächsten Morgen zurück, um zu schlafen. 100 Kilometer Laufdistanz unter diesen Bedingungen werden als normal und unerheblich angesehen .

DER KÖNIGSPFAD IN SCHWEDEN Zum zweiten Mal testen wir unsere «Arktisbegabung» auf einer Strecke durch die Wildnis Lapplands, ein Trail von Hütte zu Hütte, den « Kungsledem), den Königspfad von Abisko am Torne Träsk, nordwestlich der flächenmässig grössten Stadt der Welt, Kiruna, bis zum Lappenzentrum Kvik~okk. Elf Tagesetappen dauert der Lauf, aber keine Etappe ist länger als 25 Kilometer und der höchste Übergang ist lediglich 400 Meter hoch. Am Ende jeder Etappe winkt eine Hütte, von denen einige bewirtschaftet sind, dort kann man auch etwas Proviant einkaufen. Die Berge, die wir durchstreifen, sind bergsteigerisch nicht interessant mit Ausnahme des Kebnekaise. Trotzdem ist diese verlassene Wildnis durchaus polar. Wir begegnen Ren-Herden und Lappen, die, wie die Eskimos Kanadas, dem Motorschlitten als Transportmittel den Vorzug geben. Selten trifft man Hunde- oder Ren-Schlitten, aber mitunter Wildnisläufer, die ihre Ausrüstung im Pulka nachziehen, jenen kleinen bootsförmigen Schlitten (auch in der Schweiz zu haben), die sich leicht ziehen lassen, viel Gepäck aufnehmen, an Schräghängen meistens kippen und trotzdem hervorragend sind. Die Strecke von 182 Kilometern ist gut gesichert (Telefon in den Hütten), aber tiefe Temperaturen erschweren das Gehen. Hochalpine Ausrüstung sei trotz der vielen Hütten und Unterstände sehr empfohlen.

MIT SCHLITTEN UND HUNDEN In der Skandinavischen Arktis verlässt man die Zivilisation nie ganz, Unterkunft und Verproviantierung sind gegeben. Grönland bietet das, was wir uns unter Polarfahrten vorstellen: erstarrtes Schweigen, Eis und Schnee, Zelt und Primuskocher, Schlitten und Hunde . Solange man marschiert, ist auch grosse Kälte zu ertragen. Schlimm ist die Zeit, da man im Zelt schlotternd wartet, bis Wärme dem Primus entströmt. Daunen-Jacke, -Hose und -Schuhe sind ratsam und gleichzeit als Nachtgewand im Schlafsack verwendbar. Eine Pelzmütze schützt den Kopf und die Skistöcke brauchen grössere Schlaufen, damit die Polarhandschuhe Platz finden. Der Durst ist im polaren, trockenen Klima gross, eine Thermosflasche darum praktisch. Die Schuhe sind zwei oder dreifach Skischuhe und die Schnee-

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brille ist obligatorisch, wenn man nicht halb blind mit tränenden und höllisch schmerzenden Augen durch die Gegend irren will. Als Zelt bewähren sich Pyramiden- oder Kuppelzelte. Man fliegt über Kopenhagen nach Söndre StrömJjord, dem Flughafen knapp nördlich des Polarkreises. Jetzt bieten sich zwei Möglichkeiten an: Entweder schleppt man die gesamte Ausrüstung, inklusive Proviant für ca. IO Tage in gros sen Rucksäcken mit, oder man organisiert durch Preben Schleimann in Holsteinborg Hundeschlittengespanne, Zelt, Proviant, Kocher und Führer. Dann kann man mit leichtem Rucksack marschieren, denn die Seesäcke mit der eigenen Ausrüstung werden auf den Schlitten mitgeführt. Die Route von Söndre Strömfjord nach Holsteinborg - etwa I 50 Kilometer lang - führt nach einer Einlaufstrecke durch den Fjord hinauf zum Auritsorssuaq-See, den man quert. Dann hinauf auf das Plateau des Pingup Sagdlia - mitten durch Rentiergebiet, durch schmale Täler in anstrengender Skiwanderung über Seen bis zum herrlichen Fjord Kangerdluarssuk Tugdleq, wo sich eine winzige Jagdhütte befindet, und schliesslich über den steilen Marora-Pass hinunter nach Holsteinborg. Das eigene Langlauftempo kann man füglich vergessen: die Kälte lässt keine sportliche Anstrengung zu . Auch Alkohol nützt nichts. Zudem sind die Grönländer scharf darauf und ertragen auch kleine Mengen nur schwer. Man biedere sich weder mit Grönländern noch mit Schlittenhunden an, bevor man sie nicht einigermassen gut kennt und verschliesse das tierschützlerische Herz bei der rauhen Behandlung der Schlittenhunde. Weder der ständig jaulende Hund noch der Grönländer könnte verstehen, was man da zu lamentieren hat. Ausserdem ist die Behandlung nicht so schlimm, wie sie aussieht. Die Peitsche knallt zwar oft, aber meistens haarscharf über dem Hund und die Fusstritte werden in heu gepolsterten schweren Seehundsstiefeln ausgeteilt und nicht in schweren Marschschuhen. Man vermeide es auch, die ewig hungrigen Hunde zu füttern, denn wo immer sie nachher

Grönland: Schlitten hunde im Tiefschnee

Photo V Stoff

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Donator Reto Meier,

SAS

GrĂśnland: Holsteinborg

ZĂźrich

Photo V 5toll

Kanadische Hocharktis: Polarjäger auf dem Meer Photo 5le!Jen

Kanadische Hocharktis: Bezal vor seinem Hotel Photo { .a.rlo {rllles

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Donator Peter Hopf,

SAS

Basel

Die 7 Landtiere der Hocharktis (von oben nach rechts): Polarwolf (Photo Alean) Polarb채r ( Photo Kappenberger) Halsband -Lemming (Photo jacana) Polarfuchs (Photo Steffen) Moschusochse ( Photo Warttnallll) Caribou (Photo Steffell) Schneehase ( Photo S teffell)


auftauchen, wird die Meute bettelnd zum Spender galoppieren und dem schimpfenden Gespannführer wird es unmöglich, seinen Schlitten zu führen. Man kann Glück haben und auf der ganzen Strecke etwa 20 Zentimeter Pulverschnee finden, was besonders in Fjorden und über Seen einen herrlichen Gleitschritt zulässt. Man kann aber auch Pech haben und muss sich dann über das blanke Eis von Fjorden und Seen und durch das Gestrüpp unendlich langer Aufstiege kämpfen, bis man in Meeresnähe endlich Schnee findet, der richtiges Skilaufen erlaubt. Tiefe Täler weisen immer Schneelagen auf. Es handelt sich um Schnee, der von den Höhen - zum Glück für Rentiere und Schneehühner - in die Mulden hinunter geweht wurde und dort so hoch werden kann, dass man zuweilen hüfttief den Hunden vorausspuren muss . Das ist dann harte Knochenarbeit. Um so mehr schätzt man dann die glücklichste Stunde des Tages, wenn das Zelt aufgestellt, der Boden gepolstert, die Glieder in Daunen verpackt und der Primus wärmespendend das Essen kocht. Hungrig ist jeder und müde auch! Wer diese Strecke mit Elan, als guter Kamerad und ohne Nörgelei übersteht - besonders, wenn er seine Ausrüstung selber schleppte - , der darf von sich behaupten, er hätte sein polares Gesellenstück geleistet. Er ist sozusagen arktistauglich! Von Holsteinborg fliegt ein Helikopter die arktischen Skiwanderer zurück nach Söndre Strömfjord, von wo aus Kursflugzeuge zurück in die Heimat fliegen.

IN DEN HÖCHSTEN NORDEN Am nördlichsten Ende kanadischer Landmassen, auf der Rieseninsel Ellesmere-Land, ruht inmitten hocharktischer Landschaft der Lake Hazen, gefroren, ein idealer Landeplatz für Flugzeuge. Ein schöneres Skigelände dürfte in der Hocharktis wohl kaum gefunden werden, denn an dem See steht eine Hütte, meistens von Wissenschaftlern benutzt, aber jedermann zugänglich, die sich als Basis- oder Ausgangslager bestens eignet. Wir sind im nördlichsten Gebiet der Moschusochsen und Eisbären. Beide greifen an. Der Moschusochse verteidigt sich und der Eisbär ist einfach aufdringlich neugierig. Wir ergänzen darum unsere Ausrüstung mit Signalraketen, die besonders Eisbären vertreiben, und durch ein Gewehr. Es wimmelt keineswegs, weder von Moschusochsen noch von Eisbären. Aber während der Ochse in Angriffstellung verharrt, bevor er angreift, ist der Eisbär äusserst schlau und so gut getarnt, dass man ihn nur sehr schwer in der Winterlandschaft erspäht. Man kann wochenlang dort herumziehen, ohne ein Tier auszumachen. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Bär plötzlich das Zelt zerreisst. Dann hilft nur noch ein tödlicher Schuss, wenn man sein Leben vor dem streng geschützten Polar könig retten will. Damit ist auch schon gesagt, dass man dort oben nicht mit Schlittenhunden rechnen kann, denn nur sehr, sehr selten sind Eskimojäger in dieser nördlichen Breite noch anzutreffen. Man fliegt über Montreal hinauf nach Resolute Bay mit Kursflugzeugen. Resolute ist die Drehscheibe hocharktischer Fliegerei. In Resolute wohnt auch der Mann, ohne den man keine Abenteuer in der kanadischen Hocharktis bestehen sollte. Es ist der Inder Bezal Jesudason, Maschinenbauingenieur, Sprachgenie, Eskimokenner, Hotelbesitzer und Ausrüster sämtlicher moderner arktischer Kleinexpeditionen, ein Mann, ohne den nichts geht. Ausser seiner hervorragenden Ausrüstung und seiner arktischen Erfahrung kennt er auch sämtliche Arktisflieger und vermittelt bei günstiger Gelegenheit erstaunlich billige Flüge in nördlichste Gegenden. So konnte ich zum Beispiel gratis nach EffesmereLand fliegen, weil die Regierung einen Zimmermann dort hinauf fliegen liess mit der Aufgabe, an einer Hütte ein paar Nägel einzuschlagen. Bezal Jesudason sammelt aber auf schriftliche Bestellung auch Gruppen, die dann billiger fliegen können und dort abgesetzt werden, wo ein Flugzeug landen kann. Wer sehr reich ist, kann sich ein Flugzeug selber mieten, aber wer ist schon reich unter den Arktisfahrern? Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit, kommt jeder mit einem Transport in den äussersten Norden. Es zeigt sich auch da: wer billig reisen will, muss Zeit haben, der Eilige zahlt schwer.


Wir fliegen von Resolute nach Grise .ryordhinauf und von dort der Ostküste von Ellesmere entlang, vorbei an prachtvoller Berglandschaft zum Lake Hazen. Weiter nördlich befinden sich nur ein paar Militärs und die eigentlichen Nordpolfahrer. Mit Glück kann man auch einen Flug ergattern, der die Forschungsstationen der ETH in Zürich verproviantiert, denn unsere Technische Hochschule betreibt mit kanadischen Wissenschaftlern zusammen im hocharktischen Gebiet zeitweise drei Stationen. Zurück zum Lake Hazen: Dieser langgezogene See umrahmt von Bergen, bietet alle Möglichkeiten. Von ausgedehnten, flachen Rundtouren, mit Rückkehr zur Hütte, bis zu alpinen Skitouren mit Zelt und Rucksack ist alles möglich. Die Natur ist sehr hart, Stürme können gewaltig sein, das Wetter wechselt schnell, nur gute alpine und polare Erfahrung mindern hier das Risiko. Strapazen kann man sich übergenug aufladen und selbst alpine Erstbesteigungen winken hier. Wer lieber mit Eskimos zusammenlebt, der bleibt in Grise Fjord, bei den wenigen noch verbliebenen Polarjägern und macht seine Skitouren übers Meer.

WARNUNG Abenteuer in der Arktis sind weit weniger eine Sache physischer Kraft und sportlichen Einsatzes, als vielmehr eine Sache der Mentalität. Wem diese eiszeitliche Landschaft gefällt, wer mit sich selber zurechtkommt und Tage der Einsamkeit und absoluter Stille erträgt, wer Hunger und Müdigkeit überwinden kann, seinen lächelnden Humor nicht verliert, die Eskimos versteht und auf jeglichen Komfort verzichten kann, der ist richtig für die Arktis. Jeder andere wird mit Schaudern in die Zivilisation Zentraleuropas zurückfliehen. Trotzdem sei jeder eindrücklich gewarnt: Es gibt nämlich eine Krankheit, die man, sofern davon befallen, nie mehr losbringt. Es handelt sich um den bazillus po/aris arcticus, zu deutsch «Arktisheimweh», das sogar die Familie in Mitleidenschaft ziehen kann. Der richtige Arktisfahrer kehrt wie magisch angezogen in die Arktis zurück, denn einmal angesteckt, erliegt man dem Zauber des Hohen Nordens immer wieder, immer wieder!

RESUME Viktor Stoll de Zurich dispose d'une grande experience en matü~re arctique, puisqu'il a deja participe a huit excursions dans cette region. Il nous recommande de debuter la carriere arctique au nordjin/andais, ou les randonnees peuvent durer de sept a douze heures. Aux mois d'avril et de mai, les connaisseurs partent en pleine nuit, vers 2 I heures, par un ciel nordique, pour profiter encore de la neige dure. 100 km sont consideres comme distance normale et insigrufiante a parcourir. Le deuxieme test pourrait se derouler dans la contree deserte de la Laponie, par exemple sur le sentier royal d' Abisko, süue au Torne Träsk, jusqu'au centre lapon de K vikkjokk. La temperature excessivement basse necessite un equipement de haute montagne. On poursuit le chemin vers le Groen/and, ou on quitte toute civilisation. L'allure habituelle de ski de fond est sensiblement diminuee par le froid rigoureux et les bonnes conditions de neige dure sont assez rares. Celui qui reussit les quelques 150 km de Söndre Stromfjord jusqu'a Holsteinborg tout en faisant preuve d'une bonne camaraderie, est declare «bon pour le continent arctique». Une nouvelle excursion l'amenerait par exemple en arctique canadien, a l'ile geante de Ellesmere-Land, OU l'on peut rencontrer des ours blancs et des boeufs musques. Il faut avoir le temps pour voyager a bon marche, ceux qui sont presses payent les deplacements tres chers. Les aventures dans la region arctique exigent beaucoup moins de force physique et d'effort sportif qu'une mentalite particuliere. Celui qui aime ces paysages rappelant l'epoque glaciaire, qui s'y retrouve et qui supporte la faim et la fatigue, qui ne perd pas son sens d'humour et qui comprend les esquimaux et sait renoncer atout confort, a le caractere adequat pour les voyages en region arctique. Celui qui a Cte ensorcele par la magie du nord devra encore et encore y retourner.


1 2 3 4

Schilthorn E ngetal Kanonenrohr Almendhubel

17 6

5 Mi ttelberg 6 Schilthornbahn - Station M端rren 7 Birg

Photo Swissair

Donator Schilthornbahn AG, M端rren


THE INFERNO J ames Riddell,

SAS

Bern

A former President of the Alpine Ski Club, the Kandahar Ski Club and the Ski Club of Great Britain writes about his memo ries of one of the earliest Inferno races (1929)'

Today, on the Saturday before the day of the 41st Inferno Race at Mürren, I travelled up, cheek by jowl so to speak, with some of the almost countless young competitors crowded into the huge cabin of the famous Schilthornbahn. Two or three of the nearby young Swiss, pressed like colourful sardines up against me, began to evince considerable interest in the badge pinned to the front of my Kandahar sweater. Presently one of them spoke to me, in German ... «What», said the young man, «are you doing with that Gold Inferno badge?» «I'm wearing it», I replied - not without a little püde. «Why?», he asked - most politely I hasten to add ... «Because», I explained, «Long, long ago before any of you had even been thought of, I did actually win the Inferno.» Looks of astonishment and almost of disbelief, were exchanged. Could it possibly be that this elderly dinosaur in their midst really had won such a prestigious event in the Ski-Calender? Questions began to be fired at me like bursts of machine gunfire ... When? What year? How did you go down? How did you get up? How many entries were there? And so on ... If there was anything missing it was certainly not interest; who, for instance, first thought up so fabulous arace? The conversation between the four of us continued all the way up from Mürren to Birg, waiting at Birg and continuing on up to the famous James Bond Piz Gloria revolving restaurant at the summit. I did my best. . . I told them that fifty-five years ago, way back in 1928, the Kandahar Ski Club dreamed up the idea of creating a downhilI race that really was a race - that really was a test of stamina and variety - that really would be something that anyone who entered would remember for the rest of his life . . . It has been remembered. Enough so that whereas only a few dozens took part in the first six or seven Infernos, there are now annual entries of between one and two thousand competitors, and not one of these will ever forget the part he plays - however glorious or however modest - in any single one of the modern Inferno races! I am now one of the very few, possibly the only one, who can really remember the very early Infernos - not the very first one, because I happened not to be in Mürren that year - but the second Inferno ... oh yes! I remember that one all right! That was the one I won ... and, oh dear! How different was that race in 1929 to these races of the 1980s! So it was that the seventy-three year old skier that I now am did his best to explain to the three athletic young Swiss expert downhillers that there was no magic in those days of being wafted up to the Schilthorn in any cosy cabin ... that those who wanted to enter for the Inferno had to get up long before any self-respecting chough and climb, with skis, rucksack, food and clothing - the lot in fact - for about five hours, before anyone could even think of saying «Three, Two, One, Go» ... In my year it was the first time I had ever climbed to 10000 ft, and I was completely and utterly overwhelmed with the presentation of the majestic panorama of the giants of the Bernese Oberland peaks as they gradually unveiled themselves to our party of ... how many? Twelve? Fifteen? Twenty? Exact I cannot be, for it is a long time ago . .. That view, from Schilthorn summit, has now been


revealed to hundreds of thousands - to millions - but I doubt if it ever fails to impress each and every one of those millions with its truly devastating splendour. It cannot have. It is unique . .. However, came the time when «Three, Two, One - Go» was eventually shouted to our litde line of some fiheen competitors, and off we all went in what was then called a «Geschmozzle» Start. Stop-watches held by the official starters began to tick in unison with those held by the Finish Timekeepers, who had already travelled down to Lauterbrunnen by Grütschalp train and were presumably waiting for someone in due course to arrive in the roadway by the bottom station of the long funicular. There were no controls - no gate to force one down to the «Hogs Back». There was no piste - only uphill c1imbing tracks. There was no high traverse up above the Engetal (which in those days was called «Happy Valley»). One could go any way one Iiked to choose from Schilthorn summit right down to Lauterbrunnen - regardless even of any routes that could righdy have been termed «lawinengefährlich» . .. especially down the Kanonenrohr and way down below that .. . We had no ni ce anoraks or warm modern c1othing. J ust wo ollen sweaters. Snow conditions were just as they happened to be on that particular day. Fresh powder in the shadows; windblown ridges; breakable crust; unbreakable crust; icy stretches lower down where people had been skiing; deep stuff to c1imb up to «MaulerhubeI» and «Hindmarsh Gully»; hard snow on the Mürren-Grütsch railway line (yes ... in spite of every protest and complaint, we did ski along the railway line from Winteregg - then «Halfway» - to Grütsch, dodging any train!) There was no such thing as any «Roadway» from Grütsch down to Lauterbrunnen. Only woods - thickisch woods - with just a narrow steep, angular, summer pathway to indicate any possible way down! By and large I suppose it would be fair to say that what we had to race down corresponded almost precicely with what a ski mountaineer expects to find when he searches out his way from A to B in high mountains. Unexpected, interesting, difficult, everything - but one thing it did pay to do was to spend a lot of training time finding the most enterprising and quickest wa y down the steep woods below Grütsch till one came to the open meadows just above Lauterbrunnen! This I did! I studied every possible (and impossible) route ... and it paid off very well - for this is where I leh all my rivals far behind. In the first Inferno, in 1928, Sir Harald Mitchell, a great old friend, had the winning time of I hour 12min. Whether the 1929 race enjoyed better or easier conditions or not I am in no position to judge, but all I do know is that somehow or other I managed to clip nearly thirty minutes off this time. The result of this unexpected performance was that when I arrived, tired and covered in snow, at the Finishingline, there was nobody - no Timekeepers, no Judges, no Spectators, no anyone - to be seen anywhere ... It did cross my mind that perhaps I was down in Lauterbrunnen just a litde bit earlier than was expected and, for a moment, I wondered just what I ought to do. Only for a moment however. Quick as a flash I skied across the Iitde «Place» to the Sternen Restaurant, pushed open the door with my ski sticks and rushed into the restaurant on my skis. Everyone, I just knew it in my bones, would be crowded into the back room drin king beer and just enjoying themselves ... It was just as I had thought. For one long moment there was a horrified silence and then chaos broke loose. Judges and time keepers lunged for their stopwatches and rushed headlong out of the pub into the square and to the Finish line. My «official» time was taken when I arrived in the backroom of the pub, and I seem to remember that one minute was subtracted as areward for having had to search out and find the Timekeepers and Judges! This is probably why my official time is now recorded for ever at the round figure of 45 minutes precicely! So much for old-time memories . May the Inferno long continue to be the wonderful, unique event that i tal wa ys has been ... and ma y man y more hundreds of thousands of young people who love skiing forever remember the marvel of the Schilthornbahn and the past, present (and future) of Mürren where most of the his tory of skiracing and Anglo-Swiss collaboration all started. 17 8


ERINNERUNGEN AN DIE JUNGFRAU STAFETTE Walo Hörning,

SAS

Bern

Anfangs der dreissiger Jahre wurde in Sportkreisen zusammen mit der Redaktion des «Sport» an einer ganz gros sen Idee gearbeitet: Dem Amateursport mit einer Allroundkonkurrenz für Mannschaften neuen Auftrieb zu geben. Die grossen Sportverbände, zum Teil skeptisch, andere enthusiastisch, sagten ihre Mitwirkung im Patronatskomitee und in der Organisation zu, und die Leitung der Jungfraubahn versprach (und hielt) alles. Als Präsident des OK wurde Generalstabsmajor Fritz Rihner, ein erfahrener und überlegener Organisator von Grossanlässen, Kommandant des Fliegerwaffenplatzes Dübendorf, gewählt (Rihner wurde 1944 Kommandant der Flieger- und Flab Trp). Reglemente und erste Organisationsstrukturen entstanden um folgende Konzeption: Vom Haus des «Sports)) an der Dianastrasse in Zürich so"ten für jedes teilnehmende Team Läufer, Radfahrer, Flieger, Skifahrer, Langliiufer, Bergläufer, ein Motorrad und ein Auto eine Stafette über den Milchbuck (Zürich) - Flugplatz Dübendorf - jungfra,goch - Konkordiaplatz - Fiesch - Sitten - Flugplatz Lausanne - Dübendorf - Dianastrasse bringen. Major Rihner als erfahrener Berufsflieger liess für die sehr unterschiedlichen Sportflugzeuge eine Handicapformel berechnen. Die Töffs und Autos wurden schlicht und einfach auf das Strassen verkehrs-Gesetz verwiesen, dem sich Touren- und Sportfahrzeuge zu unterziehen hätten. Brauchbare Sprechfunkverbindungen für diese neuartige «Tour de Suisse» der Amateure gab es bei uns damals noch nicht. Auch das Berghaus Jungfraujoch besass noch kein Eidgenössisches Telephon, weshalb man auf die guten Dienste des Bahndrahtes angewiesen war, um mit den Etappen resp. den ÜbergabesteIlen in Verbindung zu treten. Während der Vorbereitungsphase liefen alle Fäden in der Redaktion des «Sport» zusammen, für den Anlass selbst wurde das Jungfraujoch als Zentrum der sportlichen Leitung gewählt, wobei man für den Schlechtwetterfall mit einem Auge nach der Dianastrasse schielte. Es war allen klar, dass das Rennen nur bei Flugwetter auf der Strecke Dübendorf - Jungfraujoch planmässig vor sich gehen konnte. Bei Schlechtwetter sollten sich die Flieger nach Lausanne - Blecherette durchkämpfen und dort auf die Ankunft der Autos warten. Den Skifahrern, Lang- und Bergläufern traute man zu, auch bei Nebel und Sturm ihre Strecke zu meistern und ihre ÜbergabesteIlen zu finden. Der OK-Präsident setzte den Start dieses gigantischen Unternehmens auf 5 Uhr fest, weil der frühe


Morgen erfahrungsgernäss die besten Flugverhältnisse versprach. Gigantisch war der Anlass, weil viele Hunderte von Funktionären das Rennen der «Wenigen» - eine Mannschaft bestand an der ersten Jungfraustafette aus I I Mann und es starteten 10 Teams - kontrollieren, reglieren, betreuen, verbinden und bedienen (Presse!) mussten. Unvorstellbar war der Kampfgeist und Wille dieser Sportler und Helfer. Idealismus, Teamgeist, der Ehrgeiz der Organisatoren, der Wille der Presse am «Triumph» dieses einzigartigen und heute in dieser Form völlig undenkbaren Unternehmens dabei zu sein, waren die Garanten.

1.

STAFETTE

Am 2I. Juni I9jl um 5 Uhr lag die Schweiz unter emer Schlechtwetterfront. Nach mehreren Verschiebungen entschloss sich das OK zur Schlechtwettervariante. Der Leitstab vom Berghaus übergab an die Unterzentrale und reiste nach dem Massenstart der Skifahrer beim Berghaus mit gemischten Gefühlen per Bahn und Auto zurück nach Zürich. Aus den noch vorhandenen Unterlagen ist leider nicht mehr lückenlos ersichtlich, wer für das SAS - Team was geleistet hat. Sicher ist aber, dass J. Luymes Equipenchef und einer der Bergläufer war, dass sich O. R. Urech, Wilfy Burth und Oscar Schnyder in die Läufe von der Dianastrase nach dem Milchbuck und in Dübendorf teilten. (Schnyder übergab die Stafette auf dem Milchbuck als Zweiter.) Ein Radfahrer vom v.c. an der Sihl pedalierte nach Dübendorf, wo ein weiterer Läufer vom Flugplatzeingang zum wartenden Flugzeug spurtete und an Flieger Hans Rieser (später erster Kommandant des Überwachungsgeschwaders) übergab, der eine respektable Zeit nach Blecherette erzielte. Als Skifahrer, Langläufer und Bergläufer waren Gyr, Coebergh, Loopuyt, Uli Campe!!, Martin Messmer und Luymes gemeldet. Der «Sport» vermerkte in seiner Reportage, dass einer unserer Holländer-Langläufer Walter Prager den Schnauf austrieb, ihn überholte und dann im faulen Tiefschnee die Spur für die nachfolgenden Konkurrenten zog, bis er entkräftet die ganze Meute in geschlossener Formation (Einerkolonne!) am Übergabeort für den ersten Bergläufer oberhalb des Märjelensees übergab. Dort soll wegen dieser Massenankunft ein ordentliches Chaos entstanden sein. Coeberg habe seine ungeeigneten Bergschuhe auf der Jagd ins Tal ausgezogen und sich dabei blutige Füsse geholt. Unserem Motorradfahrer cand. ing. Lüthy ging der Most aus und er brachte sein Vehikel keuchend zu Fuss zu Toni Page in Sitten, der vom langen Warten nervös geworden, seinen Alfa Romeo 1750 cc bestieg, um nach einer bravourösen Fahrt nach Lausanne - Blecherette die Meldetasche Hans Rieser zu übergeben. Page musste dann einen Protest gegen sein Fahrzeug und die Disqualifikation seiner Equipe entgegennehmen. Er hatte sich bei

~

.-J .?~ O BERN

Seite 179: Der Preis der Jungfraustafette Photo G. Horvath link s: Streckenübersicht (gemäss der Stafetten-Ausschreibung 1939)

180


Karl Erb vom Sport erkundigt, ob sein Fahrzeug zugelassen sei! Die Disqualifikation war daher völlig unrichtig. Die Kriterien für Touren- und Sportwagen waren zu wenig genau festgelegt! Über den Rückflug und die Geschehnisse zwischen dem Abwurfplatz in Dübendorf und dem Ziel an der Dianastrasse kann ich nichts berichten. Unser Team erreichte den J. Rang (Ob die Disqualifikation aufrecht erhalten wurde, geht aus den Akten nicht hervor.) Nach diesen ersten Erfahrungen wurden die Reglemente bereinigt und begeistert an den Vorbereitungen der 2. Jungfraustafette gearbeitet.

2.

STAFETTE

Am 18. juni 19}} fand die 2. Stafette ebenfalls mit Schlechtwettervariante statt. Die Zusammensetzung der Mannschaften war etwas modifiziert worden, der Parcours blieb unverändert. Der SAS stellte zwei Equipen unter der Oberleitung unseres unvergesslichen Wilb Bürgin. (Rückweg)

SAS I

Laufzeiten

I. Läufer A. Wyss Startplatz - Milchbuck Radfahrer P. Siegrist Milchbuck - Flugplatz Dübendorf 2. Läufer P. Vadia (SAS ZH) Eingang Flugplatz - Flugzeug Pilot Vic Streiff* (SAS ZH) auf Gypsi Moth Dübendorf - Lausanne Skifahrer R. Büchi (SAS BE, genannt Buggi) Jungfraujoch Konkordiaplatz Langläufer P. Hitz (SAS ZH) Konkordiaplatz - Thälligrat I. Bergläufer Hannes Schneider (SAS BE) Thälligrat - Fieschertal 2. Bergläufer M. Müller (Sioux SAS ZH) Fieschertal - Fiesch Motorradfahrer A. Roch (SAS GE) Fiesch - Sitten Autofahrer Alph. Hörning (ACS BE), Beifahrer Walo Hörning auf Bugatti 2,3 Liter mit Kompr. Sitten - Lausanne Flugplatz

14.3 8

(12.08)

11.44 1.08

(17·52)

75-47

( 0· 57) (37.4 8)

22 .00 25.3 0 39. 0 5 27.4 0 54. 16 64-49

(beste Tageszeit)

Gesamtzeit: 6h 4J.22 SAS

Laufzeiten (Rückweg)

II

Läufer H. Wehrli Radfahrer L. Morf 2. Läufer A. Naumann (SAS ZH) Flieger W. Lindecker (Gäggeli!), SAS ZH, auf Klemm Argus Skifahrer Willy Bürgin (SAS ZH) Langläufer S. Guttormson (SAS ZH) 1. Bergläufer W. Wirz (ev. AACB) 2. Bergläufer R. Strüby (SAS ZH) Motorradfahrer R. Carlen (Sitten) Autofahrer Otto Küderli (ACS ZH) auf Chrysler Imperial (5 Ltr.) 1.

12 · 37 11. 3 8

(10.20)

1. 10

( 1. 0 5)

75-37 20.00

(41.II)

(18.3 6)

32.3 1 34·59 20.00 52 . 2 5 68,35

(zweitbeste Tageszeit)

Gesamtzeit: 6h 40.44

*

Ursprünglich waren Toni Page als Pilot und E . Thommen (Tömmeli) als Passagier gemeldet (beide SAS ZH). Beim Training kollidierte Toni mit einer Hochspannungsleitung in der Gegend von Bremgarten und stürzte in die Reuss ab . Er zog sich ein lebenslängliches Augenleiden zu. Beide erreichten schwimmend und blutend das Ufer und wurden ins Spital gebracht. Aus den noch vorhandenen Akten geht nicht mit Sicherheit hervor, ob Vic. Streiff als Ersatzmann flog. Die Flugzeiten lassen jedoch einen Könner vermuten und deshalb nehme ich an, es sei Vic gewesen (Falls ich einem anderen Piloten die Ehre der Teilnahme wegnehme, bin ich gerne bereit, mich zu «iöffelm>!)

181


Läufer der

1.

Strecke, Milchbuck Zürich

Übergabe an den Piloten auf dem Flugplatz Dübendorf

wurde guter Dritter. Beide Teams liegen nur rund 4 Minuten auseinander. Hätte A. Hörning nicht einen Ölleitungsbruch erlitten und seinen Motor auf der Teilstrecke Vevey bis Lausanne Flugplatz praktisch grilliert (im Ziel lieferten noch 3 Zylinder von sechs eine kleine Leistung), so wäre SAS I vermutlich im 1. oder 2. Rang klassiert worden. SAS II

STAFETTEN 1935, 1937 UND 1939 An den weiteren 3 Stafetten (1935, 1937 und 1939) war der SAS nur durch einzelne Mitglieder in anderen Teams vertreten. 1935 war ich als Flieger im Siegerteam Bern I zu finden. Mein Meldetaschenabwurf unterhalb des Berghauses Jungfraujoch wurde von Kari Glatthard (später Präsident des SLL) in die Hand übernommen. Mit der Töff- und Autofahrt der unbegrenzten Möglichkeiten war es aber vorbei und für die Teilstrecke Fiesch - Sitten (Motorrad) sowie Sitten - Lausanne (Auto) wurde ab 1937 mit Rallyebestimmungen und Handicapformeln gefochten. Auch die Leistungen der F lugzeuge wurden durch eine verbesserte Formel in einer Handicapliste neu bewertet. An der letzten Jungfraustafette (1939) waren Werner Lindecker (Gäggeli, SAS Zürich) und der Berichterstatter dabei. Die nachfolgenden Stories zeigen, dass «Hochmut vor dem Fall» kommt und «wer wagt, gewinnt» nicht immer gültig ist. Lindecker und Hörning waren bereits ziemlich gute Piloten. Gäggeli entschloss sich für den Direktflug von Dübendorf auf das Jungfraujoch trotz Empfehlungen für eine wetterbedingte Umwegstrecke über das Aaretal nach Bern und Thun, geriet dann in schwere Sorgen, machte nach langem Blindflug eine Umkehrkurve von 180 0 und setzte mit gespannten Nerven zum Abstieg an, der ihn genau über dem Brünig aus der Wolkendecke entliess (Schwein gehabt, alter Freund, denn der Hasliberg und die Ausläufer des Brienzerrothorns waren im Nebel!). Seine Leopard Moth hatte gewaltige Eiskrusten an den Flügeln angesetzt. Für ihn begann dann der Kampf um die Überhöhung des Mönchjochs, das er nach mehreren Versuchen schliesslich überfliegen konnte . In starkem Abwind im Anflug auf die AbwurfsteIle musste Gäggeli Richtung Konkordiaplatz ausweichen. Am Drusberg schickte ihm der Wettergott einen starken Aufwind. Frohgemut setzte Gäggeli erneut aus Überhöhung zum Anflug an, um prompt im Abwind vom Jungfraujoch endgültig «abzusaufen». Sein vereister Vogel erlitt einen Geschwindigkeitsverlust, machte einen Taucher, aus dem Gäggeli sich noch im letzten Moment zu einer harten Landung auf den Gletscher herausziehen 182


konnte. Damit war der H. C. Zürich aus dem Rennen gefallen und Gäggelis erster und einziger Flugunfall in seinem recht bewegten Fliegerleben war glücklich überstanden. Der Berichterstatter Wa/o Hörning startete auf einem Bücker-Jungmann (roo PS Hirth-Motor) mit ersten Rudimenten einer Blindflugausrüstung, bestehend neben einem Bandkompass aus einem Wendezeiger und einer Wasserwage für die Kontrolle von Richtung und Querlage. Nach dem bereits zitierten Motto «wer wagt, gewinnt» setzte ich auf die Karte Direttissima zum oberen Mönchjoch. Über dem Mittelland bis zum oberen Aaretallag eine Wolkendecke, die nach Angaben der «Wetterfrösche» von ca. 300 Meter über Grund bis ca. 2500 m reichen sollte, mit Tendenz zur baldigen Auflösung. Das Jungfraujoch meldete strahlendes Wetter, belanglose Lokalwinde, also «grand beau». Mein Entschluss zum Direktflug durch die Wolken decke basierte auf dem übermütigen Grössenwahn, den Blindflug ab Zürichsee - Lopper - gegen Samen spätestens im Bereich des Vierwaldstättersees erfolgreich abzuschliessen. Den Pilatus zu meiner Rechten sah ich nie, wohl aber die Sonne als Kugel durch die letzten 50- IQO Meter Nebel. Jetzt begann ein schlimmer Nervenkrieg: Mit Vereisung meiner Tragflächen und dem Einfrieren des «Pitot», der meinen Geschwindigkeitsmesser bedienen sollte, hatte ich nicht gerechnet. Auf ca. 2300 m zeigte mein «Tacho» erste Schwierigkeiten. Trotz unveränderter Fluglage zeigte das Gerät abnehmende Geschwindigkeit bei stabiler Quer- und Längslage und genauem Kompasskurs . Die Sonne, als Scheibe ehrfürchtig und gläubig begrüsst, verhüllte sich wieder und plötzlich (ganz plötzlich!) vereiste mein Bücker in eine Vrille. Erste Überlegung: Soll ich versuchen, diesen unkontrollierten (wegen der dicken Wolkendecke) Zustand zu parieren? Entschluss: Nein, die Vrille wird sich wiederholen . Also was? Mir wurde nur allzu klar, dass ich die Vrille fortsetzen muss, bis ich in den Voralpen zerschellen oder in einem Tal aus dem Deckel entwischen würde, um mit Erdsicht die Vrille zu parieren. Bei diesem Entschluss blieb ich, vrillte weiter bis . . ., ja bis sich plötzlich unter mir der schöne graue Sarnersee präsentierte (Ich werde diesen See Zeit meines Lebens lieben!). Kurze Parade der Vrille und weiter in Richtung Brünig, der still auf seinen rooo Metern über Meer dalag und meinem vereisten Bücker freundlich zulächelte. Nun begann der Kampf um die Höhe. Es war ein langer «Kampf» über dem Brienzersee, wo ich das Eis wenigstens teilweise zu verlieren hoffte. Meinen Plan, über das Mönchjoch an die Abwurfstelle unterhalb des Berghauses Jungfraujoch zu Die bei den damaligen SAS - Teilnehmer, beide als Pilot: Walo Hörning, SAS Bern, bei Equipe Bern Zürich, beim Hockey Club Zürich

I,

und Werner Lindecker,

SAS

lS'r. 2: Equipe Dem 1. Equipenchef: L ee .! m b ach e ..r P. (Bern) ; >Stellvertreter: J. P. Stauffer undDr. V. de Roche . 1. Läufer: Utiger Gottfried, GGB (Ersatz: mann: Meister E., GGB). Radfahrer: Füeg Walter, RV B€)rn. 2. Läufer: Dr. V. de Roche, GGB (Stauffer J. P., SC Bern) . Pilot: Hörning Whlo, Ae. C. J;lern. 1. Skifahrer: Bichsel OUo, SC Bem .(Merz Heini, SAS). 2. Skifahrer: Roth WiIly, SC Gurten (Däpp Paul, Christiania) . Bergläufer: Steinmann E., TV FlamattNeuen 2. Berg : Zwygart Ernst, SC Christiania (Karle., GGB{. Motorradfahrer: FlÜhmann H., GMMB CHänrli Otto, MYB). Autoi'hdbil.\st: ~. chxibr~F Aug" A~ Ber!'l. Begleiter: Hämike;. R" ACS Bern (Chronometreur). Flugzeug' : ' J;lücker-JungmaIDI :.:HE UFI 100 PS (Ei'gentümer: Aeroclub Betn,). Motorrad:' BMW 600 ecm , A,lltomoqi\; Lancia-Tourenwagen 7,PS,

Nr. 5: HQcll:~ <:;!ub Zürich. Equipenchef: B u ehe r E'fnil (Zi-\hCh); Stellvertreter: Greuter Erwip. (Zürich) . 1. Läufer: Frei John, Zürich. Radfahrer: Maag Han~, Zürich (Ersatzmann: JaisU Werner, Zürich). ' 2. Läufe", Wirz Hans, Zürich(Püt~ner; Z~rich). Pilot: Hauptm. Lindecker Werner, E!'lnetbaden (Martin Köpfli, Zürich) . Begleiter : Hold WiIly,Züriqh. 1. Skifahrer: Bertlath WUly, Chaux~pe-Förips . 2. Skifahrer: BergerErnst, Zürich (Bürgin W., Meilen). 1. Bergläufer : Krebser K ., Opfikon. 2. B\irgläu~er: Imhasly Heh., Fie!\ch, ;Motqrrapta,preFDinkel Max, Zürich. Automobilist: . Keil Heinz, Zürich. Beghliter: Greute in. Flugzeug: Leo M9~!" . ~ > AR;r ~20 PS (EigentUmer . . ~o!,(lllggrupp<; t Sekt.' Zürich desA,e. C.R). Motorrad: CoridOr. 500 cctn. Automobil ;. MG-Tc,urenwagen 13 PS.


Abwurf der Meldetasche unterhalb des Berghauses Jungfraujoch

gelangen, musste ich abschreiben und hoffte, wenigstens die Höhe der Sphinx am Jungfraujoch zu erreichen, um über diese in den Kessel einzufliegen. Dreimal musste ich - von der Kleinen Scheidegg anfliegend - kurz vor dem Joch abdrehen, weil ich über keinen Meter Höhenreserve verfügte. Das vierte Mal gelang es ganz knapp und ich hatte keine Lust, den Zuschauern zuzuwinken. Faul wie eine lahme Gans überkroch ich das Jöchlein und sah vorne links das ausgelegte Tuchkreuz und heftig winkende Skifahrer. Mit dem unlustigen Bücker noch eine Korrektur für einen ge zielten Abwurf meiner Stafette zu versuchen, schien mir strafbare Vermessenheit und ich liess meine Meldetasche wie ein faules Ei fahren . Welch ein Bart! Meine Verspätung war gewaltig und ich hatte grässlich versagt. Mit hängendem Kopf flog ich gletscherabwärts gegen den Konkordiaplatz und sah dann etwa einen Kilometer unterhalb der Abwurfstelle eine Leopard Moth leicht beschädigt (scheinbar) auf dem Gletscher liegen. Einer meiner Fliegerfreunde hatte es nicht geschafft. In Lausanne erfuhr ich, dass es Gäggeli war und dass ich mit mehr Schwein als Können doch noch als Sechster abgeworfen hatte. Nach diesem Ereignis bin ich viele Jahre lang als Militär- und Berufspilot «blind» geflogen, aber nie mehr so, wie anlässlich dieser fünften und letzten Jungfraustafette! Viele von uns wurden im Laufe der vergangenen Jahrzehnte abberufen und sie weilen nicht mehr unter uns. Diese Erinnerungen seien daher dem Andenken dieser lieben und unvergesslichen Freunde in Dankbarkeit gewidmet.

RESUME Walo Hörning, du

SAS

Berne, decrit l'Estafette de la Jungfrau, qui fut disputee cinq fois en 193 I,

1933,1935,1937 et 1939· Son parcours: co ure ur a pied dans la ville de Zurich, de la redaction du «Sport» au «Milchbuck», de la par cycliste a l'aerodrome de Dübendorf, d'ou decollait un avion qui allait lacher le temoin au Jungfraujoch; recupere par un skieur, le temoin etait descendu jusqu'a Konkordiaplatz, porte de Ja au Thälligrat par skieur de fond, a Fiescherthal et de Ja a Fiesch par deux coureurs de montagne, a Sion par motocycliste, a Lausanne- Blecherette par automobiliste, a Dübendorf par aviateur, a ZurichMilchbuck par cycliste, et retour a la redaction du Sport par coureur a pied. En cas de mauvais temps, l'etape du Jungfraujoch etait remplacee par la Blecherette. Lors de la deuxieme edition, le SAS aligna sous la haute direction de Willy Bürgin deux equipes, qui realiserent les temps totaux tres voisins de 6h.40 et 6h.4 5. L'equipe SAS II se classa troisieme, bien qu'une conduite d'huile de sa Bugatti 2,3 I se soit rompue sur le parcours Sion- Lausanne. L'auteur de l'article a participe plusieurs fois a l'epreuve, soit comme automobiliste, soit comme aviateur.


QUOD ERAT DEMONSTRANDUM Jörg Wyss, Thun

An einem Spätsommertag des Jahres 1982 feierte ein sAs-Mitglied seinen sechzigsten Geburtstag. Man fand sich auf einem Vorsass über dem Thunersee an Holztischen versammelt und sprach in angenehmer Gesellschaft herzhaft dem Wein und dem ländlichen Buffet zu. Ich fragte Arnold Kaech, ob einer aus dem SAS eine Geburtstagsrede halte und erfuhr, dass solches nicht vorgesehen sei. Als Mitglied des Akademischen Alpenclubs Bern sprang ich in die Lücke, da der Jubilar als Bergsteiger wie als Skifahrer seinen Mann gestellt hatte, kam auf die Beziehungen zwischen AACB und SAS zu sprechen, geriet in Fahrt und erklärte der Gästeschar, dass der SAS eine Gründung des AACB sei. Nach der Rede fragte mich der Schriftleiter dieses Jahrbuchs, ob ich bereit wäre, diese Erkenntnisse im «Schneehasen» festzuhalten, und unvorsichtigerweise sagte ich zu. Beim Quellenstudium erfuhr ich, dass in den Jahren 192 I und 1922 P. von Schumacher Präsident des AACB war. Im Jahre 1923 wurde der Club von W. Richardet präsidiert, 1924 von B. Rüfenacht, 1925 von H . Bürgi und 1926 von W. Amstutz. Im Präsidialjahr von W. Amstutz erschien der Jahresbericht des AACB erstmals in grösserem Umfang und mit einem Bild von W. Richardet, der 1925 an der Aiguille Blanche de Peteret im Steinschlag tödlich verunglückt war. Weitere Bilder galten dem Fiescherhorn und der Jungfrau, deren Nordwände von Schumacher und Amstutz und Lauper und von Schumacher erschlossen hatten. Nach der gleichen Quelle begingen im Gründungsjahr des SAS, im Mai 1924, W. Amstutz, W. Richardet, A . Lunn und der Träger F. Amacher als erste den Eiger mit Ski, und im Juli 1924 fuhren W. Amstutz und P. von Schumacher vom Jungfraugipfel als erste mit Ski über die Guggiroute zu Tale. Im Jahre 1925 standen im Mitgliederverzeichnis des AACB folgende Clubisten, die verschworene Seilgefährten und dem modernen Skilauf und dem alpinen Wettkampfsport zugetan waren:

W. Amstutz H. Bürgi P. von Schumacher C. Grunder o. Gurtner

W. Jordi O.Hug H. Lauper CI. Mosca B. Rüfenacht

H. Rüfenacht H. Salvisberg W. Salvisberg A. Scabell P. Simon

Im Jahresbericht 1923 des AACB hat W. Richardet Folgendes geschrieben: «Ein überaus schöner und erfolgreicher Bergsommer liegt hinter uns; es ist der achtzehnte seit dem Bestehen des AACB. Weltbewegende Ereignisse weiss der diesjährige Bericht nicht zu erwähnen, doch erzählen kann er von eitel Sonnenschein, frischem Bergwind und echtem kameradschaftlichem Geiste, die unsern Klub durchströmen. Die intensive bergsteigerische Tätigkeit der Mitglieder lässt sich aus den Tourenverzeichnissen unschwer ersehen. Die Gesamtzahl der von 38 berichtenden Mitgliedern 18 5


bestiegenen Gipfel und Pässe beträgt 668. Davon sind fast ein Drittel Skitouren. Einseitigkeit kann den Bergsteigern im AACB nicht vorgeworfen werden: Montblanc-Gebiet, Wallis, Berner Oberland, Urner Alpen, Engadin, Dolomiten, Apuanische Alpen und Schottländer Berge sind vertreten; wir lesen von schweren Eistouren und rassigen Klettereien. Besonders auffallend und sehr erfreulich ist die von Jahr zu Jahr stets wachsende Zahl der Skitouren im Mittel- und Hochgebirge; noch nie war im Klub die Begeisterung für den edlen Skisport grösser als im letzten Winter, und auch heute wieder tönt durch die Reihen des jungen AACB ein frohes «Skiheil». Hier spüren wir den Geist, aus dem der SAS gegründet wurde. Im Hüttenbericht des AACB berichtete der als Rauhbein in Erinnerung gebliebene Hüttenchef Fritz Krähenbühl im Jahre 1923, dass es den Bemühungen von Amstutz gelungen sei, für einige der jüngern Skifahrer des AACB das Chalet «Sölden» in Mürren zu mieten. Sarkastisch fährt er fort: «Nach einigen indiskreten Äusserungen zu schliessen, haben sie sich dort oben sehr gut unterhalten. Man hörte wenigstens so Ausdrücke wie <Smoking>, <Afternoon-tea>, <Englishgirls>, <Grosser Ball>, <Bobsleighfahrt>, etc . Aber trotzdem wussten sie auch von langen Touren und feinem Pulverschnee zu berichten.» Liegt im Chalet «Söldem) in Mürren, an jenem Schnittpunkt zwischen Gebirgsskilauf und alpinem Rennsport, die Wiege des SAS? Ich wage es, im Rückblick, diese Frage zu bejahen. Walter Amstutz hat diese Auffassung bestätigt und mir berichtet, dass auch das Anglo-Swiss, ein Mannschaftsskirennen, das heute nach bald 60 Jahren zu einem traditionellen Ereignis geworden ist, seine Wurzeln im AACB besitze. Im Jahre 1925 umfasste die 6 Mann starke sAs-Mannschaft 5 AAcB-Mitglieder, nämlich W. Amstutz, W. Jordi, W. Richardet und das Bruderpaar W. und H. Salvisberg. Im AAcB-Jahresbericht 1926 lesen wir Folgendes: «Ungefähr ein Drittel sämtlicher Bergfahrten entfällt auf winterliche oder Ski-Touren. An den Internationalen Universitäts-Skiwettkämpfen in Wengen, dem Anglo-Swiss-Race in Mürren, bzw. dem Mount-Gurnigel-Ski-Derby, wurde der AACB in rühmlicher Weise durch Amstutz, bzw. Carlo Grunder und Amstutz vertreten.» Ich bin der Gründung des SAS nicht nach Statuten und Sitzungsprotokollen nachgegangen. Bekannt ist mir, dass H. Gurtner, W. Amstutz und W. Richardet den SAS am 26. November 1924 im «Du Theatre» in Bern aus der Taufe hoben. «Obschon in Mürren ausgedacht, schien es uns richtig, dass der formelle Akt der Gründung am Ort unserer alma mater zu geschehen habe» steht im J u biläumsjahrbuch Nr. 30 des SAS aus der Feder von W. Amstutz zu lesen . Sicher ist, dass die Gründer und ersten Mitglieder des SAS berg- und ski begeisterte Studenten waren. Sie lebten dem Wahlspruch nach, den der Cl u bpräsident im AACB-Jahres bericht 1926 hoch gehalten hat: «Freunde und Berge». Solche Worte mögen nostalgisch tönen, doch sie sind ein Vermächtnis von Männern, die keinen Verein gründen, sondern eine Idee gestalten wollten. Dieses Erbe dürfen AACB und SAS getrost gemeinsam in die Zukunft tragen.

* ** * * RESUME Jörg Wyss, avocat a Thoune et membre du Club Alpin Academique de Berne (AACB), demontre comment le SAS est issu de ce club. L'AAcB etait preside en 1923 par W. Richardet, en 1924 par B. Rüfenacht, en 1925 par H . Bürgi, et en 1926 par W. Amstutz. Lors de l'Anglo-Suisse de 1925,5 des 6 coureurs representant la Suisse etaient membres de I' AACB. L'idee de creer un skiclub academique suisse est nee a Mürren, au chalet «Sölden». Bien que la fondation officielle ait eu lieu au restaurant «Du Theatre» a Berne, le chalet «Sölden» doit etre considere comme le berceau du SAS. 186


DONATOREN DIESES JAHRBUCHS

Aerni Paul, SAS Bern Amstutz Walter, EM, SAS Zürich Asper Hans, SAS Zürich Badrutt Andrea, SAS Zürich Badrutt Hansjürg, SAS Zürich Baumgartner Claudie, Lausanne Baumgartner Jacgues, SAS Lausanne Bechtler Walter, SAS Zürich Berg Truls, SAS Bern Bergmaier Hans, SAS Zürich Bonh6te Yves, SAS Geneve Bonnet Georges, SAS Lausanne Braun Kar!, SAS Basel Braun Peter, SAS Zürich Broccard Jean-]acgues, SAS Zürich Brunner Hans-Ueli, SAS Zürich Bühler Rene, SAS Zürich Burger Max, SAS Zürich Burlet Franz, SAS Bern Burri Silvia, Horgen Chauvet C1aude, SAS Geneve C1avadetscher ]ean-Jacgues, SAS Zürich Comte Hans-Rene, SAS Zürich Coppetti Peter, SAS Zürich Coppetti Thomas, SAS Zürich de Courten Henri, SAS Lausanne Diener Carl, SAS Zürich Faber-Odermatt Gaby, Zürich Fanchamps Albert, SAS Lausanne Fassbind Ruedi, SAS Zürich Feuz Ernst, SAS Zürich Folliet Pierre, SAS Geneve Frey Peter, SAS Bern Gericke Hermann, SAS Zürich Gericke Willy, SAS Zürich Gillieron Philippe, SAS Geneve Girardet Ernest, SAS Lausanne Gunst Raymond, SAS Basel Gurtner Hans-Peter, SAS Bern Hafter Martin, SAS Zürich

Hagenbach Bernhard, SAS Zürich Hammer Bruno, SAS Bern Heer Lorenz, SAS Zürich Henzi Hans, SAS Zürich Hertig Jean-Pierre, SAS Geneve Heuer Jack, SAS Bern Hopf Peter, SAS Basel Hörning Walo, SAS Bern Hug Luzius, SAS Zürich Imseng Raoul, SAS Zürich J ezler Christoph, SAS Zürich Kaech Arnold, SAS Bern de Kalbermatten Stephan, SAS Geneve Keller Luk, SAS Zürich Kessler Hans, SAS Zürich Kessler Martin, SAS Zürich Kessler Robert, SAS Zürich Kind-Schaad Camillo, SAS Zürich Koenig Hans W., SAS Bern Kozma Otto, SAS Zürich Lacour Andre, SAS Geneve de Lavallaz ]oseph, SAS Lausanne Lindlar Herbert, SAS Zürich Lingjaerde Tor, SAS Geneve Loopuyt Jan, SAS Zürich Losinger Vinzenz, SAS Bern Loustalot Pros per, SAS Basel Maissen Luis, SAS Zürich Marcuard Bernhard, SAS Bern Meidinger Urs, SAS Basel Meier Reto, SAS Zürich Michel Gottlieb, SAS Bern Middendorp UIi, SAS Zürich Muller Alex, SAS Geneve Müller Charles, SAS Geneve Mustad OIe K., SAS Zürich Niehus Walter, SAS Zürich de Orleans-Bourbon Alvaro, SAS Zürich Page George H., SAS Zürich

Pictet Pierre, SAS Geneve Plattner J ürg, SAS Zürich Real Fritz, SAS Zürich Reinhart Anton, SAS Zürich Reverdin Fran<;:ois, SAS Geneve Reverdin Thierry, SAS Geneve Ricklin Peter, SAS Zürich Rihs Hugo, SAS Bern Riotton Pierre, SAS Geneve Rosenmund Paul, SAS Basel Rouge Fran<;:ois, SAS Geneve Salvisberg Peter, SAS Zürich Von SiebenthaI Rudolf, SAS Bern Schaeppi Ernst, SAS Bern Schild Dres, SAS Zürich Schlegel Andreas, SAS Zürich Schlegel Hansjakob, SAS Zürich Schmid Sebastian, SAS Basel Schwegler Hansjörg, SAS Zürich Schweizer J ürg, SAS Zürich Spoerry Christoph, SAS Zürich Sportinformation Arnold Wehr!e AG, Zürich Stadler Hans-Ueli, SAS Bern Stein Paul, SAS Zürich Steinegger Hans, SAS Bern Strässler Hansruedi, SAS Zürich Suhner Bertel, SAS Zürich Suter Peter Max, SAS Basel Thomet Franz, SAS Bern Troller Susanne, Geneve Trüb Werner, SAS Zürich Urfer Frederic, SAS Geneve Vock Walter, SAS Basel Vogel Tom, SAS Geneve Walser Peter, SAS Zürich Wanner Peter, SAS Zürich Weber Philipp, SAS Zürich de Weck Alain, SAS Fribourg Weisbrod Hubert, SAS Zürich Wetli Peter, SAS Basel Wiki Heinrich, SAS Zürich Zesiger Peter, SAS Bern


SEIT 1942 ERNANNTE SCHNEE- UND SILBERHASEN

SCHNEEHASEN Ahlm Roger Astrup Alf Baehni Philippe Baumann J ürg Beck Albert Beck Hanspeter Blum Laurent Bollag Hansruedi Brunisholz Olivier Brunner Felix Bucher Claude Choffat Pablito Clavadetscher Jean-Jacques Courchod Bernhard Dänzer Hanspeter Denzier Hanspeter Du Pasquier Denis Du Pasquier Rene Ellingsen Knut Faber Mare Fassbind Ruedi Fatton Jean-Jacques Favre Eric Felli Pierre Ferretti Paolo Feuerle Peter Frei Jürg Gaudenz Duri Gericke Willy Girardet Daniel Girardet Patrice Glarner Rudolf Golaz Alain Grunder Peter Grüter Hans Hählen Beat Hammer Bruno Heer Lorenz Hertig Peter Hew Conrad Hirt Bernhard 188

Hirtz Arnold Hodler Jürg Hollenweger Emil Imseng Raoul J uge Olivier Kozma Otto Krebs Max Losinger Vinzenz Lüthi Jean Mare Lutz Hansjörg Maissen Luis Marmet Jürg McElroy J ames Meidingers Urs Mercier Pierre Metzler Ueli Molnar Sascha Morandi Bernhard Mournier Jean MuHer Alex Nater Hans Neftel Klaus Niggli Luc Nilsen Halftan Odermatt Adolf Page George H . Pasche Fernand Pellaton Jean-Louis Pfeiffer Frank Pieth Fritz Rey Michel Riotton Pierre Rochat J ean-Phillippe Russenberger Mare R yser Walter Schaeppi Ernst Scharturn Tormod Schmid Christoph Schmid Rudolf Schwaar Gilbert Schweizer Jürg Sprenger Peter Stauffer Jean-Pierre

Stein Paul Steinebrunner Max Stern Philippe Streiff UHin Stricker Claude Sudan Jean-Pierre Szekely Thomas Tandberg Erik Terraillon Mare Thomet F ranz Tönz Martin Urfer Frederic Wenger Jose Wittenwiler Fredy Wittwer Ruedi

SILBERHASEN Astrup Alf Baehni Tom Bollag Ueli Bornand Franc;:ois Breaud Philippe Choffat Pablito Furuholmen Christen Gammeter Sepp Gaudenz Duri Haefelfinger Robert Holzer Fritz Jequier Franc;:ois Kessler Robert De Lavallaz Antoine Rey Michel Riotton Pierre Schweizer J ürg Stern Philippe Thomet Franz Uffer Mare Wittenwiler Fredy


RAPPORT PRESIDENTIEL 1981 - 1983 Kamen Troller, Zentralpr채sident SAS

Arrive a la fin du triennat, je suis heureux de pouvoir confirmer que le Comite central genevois peut presenter un bilan qui est positif dans tous les domaines, soit sur le plan sportif, sur le plan administratif et sur le plan financier.

LES ACTIVITES SPORTIVES DU SAS Le SAS est reste un club de sportifs. Les actifs et les Alte Herren disputent de nombreuses courses au courant de chaque saison. Le calendrier des courses est presque surcharge et, aux reunions des presidents rennchefs, nous assistons a chaque fois a une discussion animee entre les sections pour obtenir des week-ends libres. La Coupe SAS rencontre une popularite croissante. Une vingtaine d'actifs forment le groupe de pointe et de choc des actifs du SAS. Ils suivent un entrainement regulier pendant presque toute l'annee et ils cueillent des succes dans de nombreuses courses regionales et internationales. Il y a plusieurs coureurs du SAS qui sont capables de se hisser dans les dix premiers lors des Championnats suisses. Mais le SAS ne compte pas seulement une poignee de coureurs de pointe: pendant la saison I982 / 83, plus de I 50 actifs et Alte Herren ont participe aux courses, ce qui est un signe de la vitalite de nos jeunes et moins jeunes. (Et lors de la semaine AH, on a surpris, la veille du slalom geant, un veteran du SAS qui s'achetait une nouvelle paire de skis de course et plusieurs autres qui limaient les carres et fartaient leurs skis). Comme consecration du travail et des eHorts fournis par les entraineurs, ainsi que le SAS tout entier, dans le domaine sportif, un SAS est devenu champion du monde de la descente I 982: Denis Dupasquier, de la section de Lausanne. Lors de ces memes championnats, deux SAS ont ete respectivement troisieme et quatrieme en slalom geant, Hans Gr체ter et Peter Kozma. Le Comite central sortant les felicite et remercie tous ceux qui ont contribue a ce succes, inattendu mais tant espere.

L' ADMINISTRA TION DU SAS Le Comite central zurichois avait dabore et mis sur pied une structure organisatrice du SAS qui prevoyait un comite central seconde par une commission de publicite relativement independante et une commission technique completement independante. Comite central et commission de publicite se renouvellent simu ltanement. La commission technique suit un autre turnus. Le Corni te central genevois amis cette structure en application et elle a fait ses preuves. La clarte de cette structure, la circonscription nette des differentes raches permettent de gerer le SAS d'une maniere efficace avec relativement peu d'encombrements.


LA SITUATION FINANCIERE DU SAS Les trois ans de notre gestion ont permis de prouver que le SAS est viable, non seulement sur le plan sportif, mais aussi sur le plan financier. Grace aux contributions de ses membres et aux subsides accordes par les institutions publiques et semi-publiques teHes que le Sport-toto et I' ASUS, les recettes du SAS sont suffisantes pour lui permettre de realiser l'activite sportive universitaire du ski en Suisse. Ce n'est probablement pas le moindre des merites de la nouvelle organisation que les finances sont plus faciles a equilibrer: Le contr6le des differentes activites est devenu beaucoup plus transparent. Mais, comme dans chaque entreprise, le sucd:s financier depend aussi de l'engagement de chaque personne qui a une tache a remplir, soit de sa discipline dans les depenses, soit des efforts qu'eHe fournit dans l'acquisition de nouveaux fonds. Le chef du materie! et la section de publicite peuvent assurer des revenus non negligeables aux SAS et des actions speciales permettent de montrer de beaux succes grace aux initiatives de que!ques volontaires. A la fin de mon mandat de president, je tiens a remercier t체us mes camarades et amis du Comite Central, ainsi que tous les autres pivots du SAS qui m'ont assiste dans la gestion du SAS pendant mon triennat et je souhaite bonne chance au nouveau president et a son comite. Mais, avant tout, je souhaite une longue prosperite au Ski-Club Academique Suisse.

Der sAs-Zentralpr채sident '98' - '983: Kamen Troller zusammen mit E hegattin und Zentralvorstand-Stabchefin Susanne (links in alp iner und rechts in nordischer Erscheinung)


BERICHT DER SEKTION NORWEGEN 1981 - 1983 Aksel Gresvig, Präsident

Die AH Sektion Norwegen ist stolz darauf, im Schneehase berichten zu dürfen. Zur Zeit können wir uns über eine gewisse «Zuwachsrate» freuen, die Mitgliedzahl ist jetzt über 5o. Besonders aus Freiburg sind mehrere enthusiastische neue sAs'!er ins Heimatland zurückgekehrt. Weh tut uns aber, grosse sAs'ler wie Frithjov S. Platou, Carl Smestad, Jacob de Rytter Kielland und Arild Schlytter verloren zu haben. Die Tätigkeit unserer Sektion beschränkt sich auf ein Sommer-Rendez-vous, neuerdings am Strand von Anette und Alf Astrup, einige Stammanlässe, die immer lustige Generalversammlung, und natürlich: Die grosse Meisterschaft, der Hopp/om. Rolf Lonnevig und Johnny Lunde sind immer noch in der Klubmeisterschaft unschlagbar, obwohl Admiralsekretär Knut Ellingsen in der Rangliste sehr nah heran gekommen ist. Der im Vorstand «stets schlafende Beisitzer» Aage Bryn ist auch immer schnell. Die Schnellsten sind aber Jan Olav Brusletto und Axel Eitzen. Die grosse Meisterschaft können sie jedoch nicht gewinnen, weil sie zu wenig (legitimierte) Kinder haben! Wilhelm Wiig, neu aus Freiburg und Langlaufspezialist, gewinnt nicht, spendet aber gern den Apero - «die Bowle» - auch nächstes Jahr. Unter den Damen war 1983 Mette Klaveness (Schwiegertochter von Dag) die Beste. Unter den Kindern gewann noch eine Klaveness, wie auch eine Bryn und eine Dehli (vor ihrer Schwester). Christian Dahle (wirkliches Kind = WK) fährt schneller als sein Vater, unser Materialverwalter. Sonst waren auch dabei die Familien Mustad, Schlytter, Fredriksen, Sandvik, Astrup und Stang. Ausserdern: Dan Foss, Tom Amundsen, Ex-Präsident Lars Backer und Nachfolger Aksel Gresvig. Insgesamt haben 32 Erwachsene mit 29 Kindern am Rennen teilgenommen. Leider gibt es jetzt in Norefjell kein Hotel mehr. «Norefjellstua», die für die Olympischen Spiele im Jahre 1952 gebaut wurde, ist diesen Sommer völlig abgebrannt. Schade um den traditionellen Austragungsort der sAs-Clubmeisterschaften. Beim letzten Stamm hat uns Holger Sinding in seinem Betrieb NEBB (Brown Boveri Norwegen) zu einem interessanten Durchgang eingeladen. Auch der Präsident hat im neuen Hauptquartier seiner Firma einen Stamm organisiert. Sonst werden unsere Stamms in der Regel unregelmässig abgehalten. Um auch während der Sommerzeit unseren lieben SAS nicht ganz zu vergessen, wird ein '«Spielen Singen - Surfen - Trinken - Grillen» Rendez-vous am Strand der Familie Astrup durchgeführt mit einem Haufen Kinder dabei. Jetzt kann auch Alf Astrup surfen! Bei den letzten Generalversammlungen waren wir bei Halfdan Nielsen Moe oder Tom Amundsen zu Hause: Fondue, Wein und Tanz, jawohl, aber zuerst eine seriöse GV. Kassierer Peter Solberg hat eine einfache Aufgabe: 100 % der Kontingenteinnahmen gehen in die Schweiz. Sonst hat der Präsident laut Statuten unbeschränkte Macht. Der Admiralsekretär muss alles machen! Axel Eitzen ist bei der letzten Generalversammlung gross geehrt worden. Sein Pentathlon-Einzelsieg 1982 ist wahrscheinlich der grösste internationale Erfolg eines Norweger-sAs'lers seit der Gründung der Sektion. Für unseren Club ist der Kontakt mit alten Schweizerfreunden von besonderer Bedeutung. Wir sind froh, wenn wir es schaffen, bei einigen Anlässen in der Schweiz teilnehmen zu können. Phi lippe Gillieron hat uns gestattet, bei der AH-Woche in Gstaad unsere Kronprinzessin Sonja, zusammen mit Wanda Ditlev-Simonsen (geborene Klaveness) und Ulla Klaveness als Gäste mitzunehmen . Sie vergessen die Woche nie! Besondere Freude macht es, wenn Schweizer-sAs'ler zu uns auf Besuch kommen. Christoph Jetzier, «J ochi» Strässler und Martin Tönz haben es nicht bereut, dass sie während der Weltmeisterschaft nach Oslo gereist sind. Eine sAs-Langlaufwoche lässt sich in Oslo leicht organisieren ...


MARC HODLER - MONSIEUR F.I.S.

1933 - Der SAS-J ung-Hase Mare Hodler erregt als I 5-jähriger erstmals Aufsehen in der Skiwelt und wird Slalom-Meister der Berner Gymeler. 1938 - Der sAs'ler Mare Hodler wird in Villars Hochschulmeister in Abfahrt, Slalom und alpiner Kombination. Er wird neben Ruedi Rominger Mitglied der alpinen Ski-Nationalmannschaft. Wegen eines unglücklichen Ski-Unfalls scheidet er als Ski-Internationaler aus, bleibt aber während Jahren Spitzenfahrer der Akademischen Skiwelt. Dies die skisportliehe Vorgeschichte Mare Hodlers, der vor 50 Jahren bereits «wissenschaftlich» die Skitechnik analysierte und anhand des Filmstreifens sich selbst und seine Team-Kameraden perfektionierte. Schon in jungen Jahren glitt er dann hinüber in die Ski-Administration, erst im SSV, dann in der F.I.S., deren bereits legendärer Präsident der heuer 65 -jährige Berner Rechtsanwalt seit I951, also seit 32 Jahren ist. Parallel dazu ist Mare seit langen Jahren Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, wo er als «Spokesman» aller olympischen Wintersportarten wirkt. - Fast unnötig noch zu sagen, dass eine solche Karriere ein übermenschliches Mass an Ausdauer, Einfühlungsvermögen, Sprachgewandtheit, Verhandlungstalent und Überzeugungskraft in allen Richtungen nebst wirklicher Kenntnis der Materie und begeisterten Verbundenheit mit dem Skilauf voraussetzte. Die Fülle der in über drei Dezennien unter Leitung Mare Hodlers von der F.I.S. bewältigten Aufgaben kann hier nur in Stich worten erwähnt werden: Diplomatische Regelung zah ll oser Probleme unter Vermeidung politischer Verwicklungen; so ist die F.I.S. wohl der einzige internationale Verband, der politische Gruppierungen zwischen Ost und West nie aufkommen liess. Andauernder Balance-Akt mit dem Internationalen Olympischen Komitee über die Frage des Amateurismus, wobei die F.I.S. konsequent - wenn auch nicht immer unbestritten - eine liberale Amateur-Auslegung vertritt. Gründung und Leitung der A.I.W.F. (Assembly of Internat. Wintersport Federations), deren Existenz die Einhaltun g von einheitlichen Richtlinien gewährleistet; man denke z. B. an die Wahrung der Chancengleichheit auf dem Materialsektor. Modernisierung der internationalen Wettkämpfe durch Einführung neuer Weltmeisterschaften und der Ski-Welt-Cups. Überführung des internationalen Skisports in die moderne Zeit und damit Entwicklung desselben zum Fernseh-Sport. Mare Hodler steht nun seit bald einem Dritteljahrhundert im Brennpunkt all dieser Probleme. Wir freuen uns, dass ein sAs'ler diese Leistung erbracht hat und weiter erbringt. Wir dürfen unserem Ehrenmitglied bedenkenlos den Ehrentitel des «Monsieur FI S» verleihen. Bernhard Marcuard


BESONDERE AUSZEICHNUNGEN Hans Nater (links im Bild), Präsident des Verbandsgerichts des ssv und ehemaliger Zentralpräsident des SAS, wurde an der 70 . Generalversammlung des Schweizerischen Olympischen Komitees (soc) als Nachfolger von Kar! Glatthard in den Exekutivrat gewählt. Das Schweizer Olympische Komitee (soc) und der Schweiz. Landesverband für Sport (SLS) sind die beiden Spitzen-Sportverbände der Schweiz.

***** Goldene Verdienstnadel des SSV I 98 3 Fritz Pieth, SAS Basel

*****

LISTE DES SEMAINES DE SKI AL TE-HERREN

22- 29

mars

CHAMONIX

Hotel Alpina I4- 2 I

mars

GSTAAD

Palace 13 - 20

mars

VERBlER

Hotel Alba

Palace Hotel, Gstaad


EHRENMITGLIEDSCHAFT

TRULSBERG Ehrenmitglied 19 81

Mit seinen 50 Jahren ist Truls eine sportlich-schlanke, athletische Erscheinung. Sein meist braungebranntes, gefurchtes Gesicht weist keine harten Züge auf, lässt aber den Ausdauersportler erkennen. Truls spricht eine ruhige, gepflegte Sprache mit einem leichten Akzent, der viele neugierig macht, aber nicht erkennen lässt, dass er in Buenos Aires geboren und in Norwegen aufgewachsen ist. Im Umgang mit Dritten strahlt Truls Vertrauen und Milde aus; seine offene, geradlinige und verständnisvolle Art ist ausgesprochen gewinnend. Nur wer Truls näher kennt, weiss, dass er lieber gegen sich selber kämpft als gegen andere. Truls ist sachlich, leistungs bezogen, aber stets menschlich: ein Ingenieur ohne Ingenieur-Mentalität. Übertreibungen ist er abhold, bringt aber für geschickt vorgetragene «Understatements» Verständnis auf. Truls ist nicht der Typ, der mit dem Surfbrett auf dem Sportwagen vorfährt, um seine Sportlichkeit unter Beweis zu stellen. Abgesehen davon, würde ein Surfbrett auch nicht genügen, um ihn fit zu halten. Wie ein Blick auf sein Feriengepäck im Sommer 1983 zeigt, benötigt Truls allein für sein zehntägiges Sommer-Trainingscamp im südlichen Italien ein Kajak, ein Tennis-Racket, ein Rennvelo und eine komplette Rollskiausrüstung! Dieser Aufwand ist gerechtfertigt und zur Erzielung von Spitzenleistungen erforderlich. In der Tat sucht der sportliche Leistungsausweis des Geehrten seinesgleichen und ist noch höher zu bewerten, wenn man sich vor Augen hält, dass er zwei Industrieunternehmungen von nationaler Bedeutung führt . Am Engadin Marathon verlor Truls in den Jahren 198 I 34 Minuten (Rang 509), 1982 nur 25 Minuten (Rang 576) und 1983 gar bloss 20 Minuten (Rang 346) auf die Bestzeit. Diese Prachtsleistungen trugen ihm den Sieg in der SAS Handicap-Wertung 1981 und 1982 ein. Noch beeindruckender scheint mir das 83er-Resultat am härtesten Volkslauf, dem Birkebeiner: dieser norwegische Gebirgslauf führt über 56 km mit einer Steigung von 9 10m und wird mit einer Packung von 5,5 kg gelaufen. Truls verlor auf die unwahrscheinliche Rekordzeit des Weltklasseläufers Per Knut


Aaland (2 Std. 52 Min .) nur 44 Minuten und unterbot die für seine Alterskategorie geltende «Marke» bei weitem. Truls ist ein passionierter sAs'ler. Für ihn bildet der SAS einen Standort im Leben . Deshalb ist es ihm stets leicht gefallen, sich mit unserem Club zu identifizieren und sich voll für ihn einzusetzen, als Aktiver und Führer. Truls war in den Jahren 1972 bis 1975 ein starker Zentralpräsident, setzte sich Ende der 7oer-Jahre engagiert für die U mstrukturierung des SAS ein und war den Sektionen Bern und Basel in kritischen Situationen stets ein treuer Freund und Helfer. Er gehört auch dem amtierenden Berner Zentralvorstand an. Truls war und ist ein Vorbild für Aktive und Alte Herren, beim Laufen und Führen. Er verfügt über die Härte eines Wikingers, die Fairness eines englischen Gentleman und die Grosszügigkeit eines Mentors. Er kommt dem sAs'lerischen Archetypus verblüffend nahe. Hans Nater

ULRICH CAMPELL Ehrenmitglied 19 82

La fortüna sta sül/a via per chi ja piglia o chi passa speravia

Dieser sinnvolle Spruch in Rumantsch Ladin, nach Ueli Campell - stolzer Bürger von Ardez im Unterengadin - die schönste der romanischen Sprachen, steht auf einem Dachsparren in seinem Seehaus am Obern Zürichsee. «Das Glück liegt auf dem Weg für den, der es ergreift - oder er ginge dann achtlos daran vorüber.» Vielleicht überrascht es nicht, dass Ueli CampeIl als Auslandschweizer aufgewachsen ist. Aus seinem Dialekt sind unschwer Elemente herauszuhören, die weder in Zürich noch im Engadin beheimatet sind. Geboren im ostpreußischen Königsberg, heute Kaliningrad, kam Ueli als qjähriger in die Schweiz. Sein Vater hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg entschlossen, Hab und Gut im ausgebluteten Land zurückzulassen und in die Schweiz zurückzukehren. Ueli begann früh mit dem Skilauf. So


erinnert er sich, wie er in (kurzen) Tirolerhosen, I j jährig, an einem Ski rennen des Neuen Skiclubs Zürich in Amden teilnahm. Dort kam, was kommen musste: Seine nackten Knie wurden im Bruchharst durchgescheuert. Doch das G lück liegt auch im Bruchharst: In Amden machte er die Bekanntschaft von Willy Bürgin, den er später - dies ist die erste grosse Tat des Ueli CampeIl - zum SAS lotste. Ueli wurde rasch mit den Bergen vertraut. Das Gebirge zog ihn an. Er suchte das Abenteuer, die Eroberung des Unbekannten, die Bezwingung der Schwierigkeiten, den Gipfelgenuss. Er lernte in den Bergen die Sprache der Natur. Er fand Erhabenheit und Würde, die Wildheit der Formen, die Tücken der Gletscher. Er machte sich daran, mit den Naturelementen zu leben und liess sich von den Bergen formen. Es trifft sich besonders gut, dass Ueli CampeIl in diesem Jahrbuch u.a. über eine Marathon-Traversierung berichtet, die heute noch als einzigartige Leistung dasteht, ja vielleicht nie mehr wiederholt worden ist. Er macht uns hier gleichsam sein alpinistisches Testament. Die Überschreitung der Monte Rosa-Lyskamm-Breithorn-Gruppe im Juni I93 I mit Ski ist für die damalige Zeit eine weltweit herausragende Pionierleistung. Begehungen in den Alpen mit Ski waren erst aufgekommen, gehörten aber noch zu den Ausgefallenheiten des Alpinismus. Material und Ski technik für eine solche Traverse mit Expeditionscharakter waren noch völlig ungeeignet. Die in seinem Beitrag wiedergegebenen Bilder vermitteln denn auch den Eindruck archaischer Epochen. Ueli selbst mag das Bild von den zusammenklappbaren Skis mit angeschnallten Steigeisen - beide Utensilien samt Schuhe besitzt er noch heute - mit ebenso viel Humor wie Respekt betrachten. Mit Humor bin ich überzeugt, denn er fehlt ihm trotz aller alpinistischen und advokatorischen Verbissenheit nie, wo immer er Platz hat. Nicht weniger erstaunlich ist aber die Tatsache, dass es ihm gelang, diese Fahrt, die lebhaft geschrieben und mit zahlreichen Details gewürzt ist, nach j 2 Jahren aus der Erinnerung aufzuzeichnen. Ueli CampeIl war ein Allrounder des SAS. Eintritt im Jahre I926, kurz nach der Gründung des SAS Zürich. Coach und erfolgreicher Fahrer der Studenten mannschaften an den I. und 2. Weltwinterspielen in Cortina d' Ampezzo und Davos, Captain des Anglo-Swiss-Teams, wiederholt Sieger an den Zürcher Hochschulmeisterschaften, deren Initiant er war. Bis in seine joer Jahre nahm er an vielen Skirennen des SAS teil. Als sich Schwierigkeiten in der technischen Reaktion einstellten, bat er Peter Waser, damals Präsident des SAS Zürich, die Slalomtore zur bessern Übersichtlichkeit mit Girlanden zu versehen ... Fanatischer Bergvorausgänger, der er war, hat er sich - 2. grosses Verdienst des Ueli Campell - zeit seines Lebens unerschrocken als Erster in sämtliche Lawinenhänge gewagt - und drei Lawinenniedergänge überlebt. In diesem Haudegen hat man denn auch Mühe, den äusserst erfolgreichen Rechtsanwalt mit dem messerscharfen Argument und dem durchdringenden Blick wiederzuerkennen. Im Anwaltsstand bezieht er weiterhin seinen Jagdsitz, um im rechtlichen und unternehmerischen Revier den Wildbestand unter Kontrolle zu halten. Zu seinen sportlichen Dauerübungen zählen heute noch die Ausritte mit seinem Pferd. Hierzu gehört auch die jährliche Frühlings-Skifahrt vom Piz Cartas über Fuorcla Ziteil nach Tiefenkastel mit seinen neun Enkelkindern. Ueli CampeIl hat diesen Natur-Sportplatz ausgewählt, um seiner noch formbaren Nachkommenschaft der 2. Generation etwas von seiner alpinen Erfahrung beizubringen, sie vor allem zu lehren, wie man aus den Bergen heil zurückkehrt. Mit seiner Nomination zum Ehrenmitglied kommt nicht nur die Achtung und Anerkennung, sondern auch der Dank für eine langjährige, treue und engagierte Clubaktivität und -kameradschaft zum Ausdruck. Ueli CampelI, zu dessen engsten Freunden die verstorbenen sAs'ler Willy Bürgin, Heiri Binder, Karl Weber und Hans-Jakob Kielland gehörten, bleibe, da er erst 77jährig ist, noch lange ein besonderes Privileg erhalten: Die erste - und einsame - Skispur in den Bergen. Raoul Imseng


WALOVOCK Ehrenmitglied I9 8 3

Walo Vock wurde I926 in Basel geboren, ist dort aufgewachsen und lebt heute in Binningen (BL). Er besuchte das Humanistische Gymnasium und absolvierte anschliessend ein Jura-Studium, daneben genoss er auch eine betriebs wirtschaftliche Ausbildung. Er schloss ab als Dr. iur. und machte sich sogleich selbständig. Heute führt Walo erfolgreich ein Unternehmungsberatungsbüro, das in den verschiedensten Bereichen tätig ist. I 9 50 trat Walo Vock in die Sektion Basel des SAS ein. Er hat sich nie als grossen Rennfahrer gesehen. Seine Stärken lagen vielmehr im Alpinismus und Tourenfahren, wo er sich als Sportoffizier einer Division auch im Militär engagieren konnte. Walo diente dem Vorstand seiner Sektion von I954- I95 8, hauptsächlich als Aktuar. Als Revisor und guter sAs-Kamerad unterstützte er bis heute tatkräftig die Aufgaben verschiedener Kassiere, teils unter Mitwirkung seiner Firma, wenn Probleme auftauchten. Von I962 bis I965 präsidierte Walo Vock den letzten Basler Zentralvorstand. In dieser Zeit fielen die internationalen Hochschulmeisterschaften in Andermatt und Villars, an die sich viele gerne zurückerinnern. Ein unvergessliches Erlebnis war für Walo die Universiade I964 in der Tschechoslowakei, an der er als Delegationschef teilnahm. Gemeinsam mit seiner Frau Elsbeth bestellte er auch die Redaktion des «Hasen», was uns zeigt, dass Zentralpräsidenten früher vielseitiger sein mussten. Als Zentralpräsident war Walo auch Mitglied des Zentralvorstandes des ssv. I972 waren wir anlässlich des Basler Zentralfestes am Sonntag zu Gast bei Elsbeth und Walo Vock . Darauf wurde es vermeintlich still um ihn, was den SAS betrifft, doch der Eindruck täuscht. Seit der Gründung der sAs-Stiftung ist Walo Vock Mitglied des Stiftungsrats, in dem er soeben das «Finanzministerium» übernommen hat. Diese Institution ist vor allem in mageren Jahren wichtig für unseren Club. Weiter präsidierte er das Verbandsgericht des ssv, er war der Vorgänger von Hans Nater. In letzter Zeit pflegte Walo auch guten Kontakt zu vielen] ung-sAs'lern seiner Sektion, die von seinem Sohn betreut werden. Er wurde deshalb verschiedentlich von] ungen zum Paten für ihre Aufnahme in den SAS gewählt. Schliesslich unterstützt Walo Vock heute den SAS als Initiator und Verwaltungsrat der Rinerhorn Bergbahnen, wo jährlich acht Rennen des SAS, sowie Trainingslager der Studenten-«Nati», des JungSAS und der Sektion Basel auf abgesperrten Pisten und zu vorteilhaften Bedingungen stattfinden können. Daraus wird Walos Anliegen deutlich, vor allem die Jungen und die Rennfahrer zu fördern. Truls D. Berg I97


t

EHRENMITGLIEDER UND ZENTRALPRÄSIDENTEN

tWILL Y BÜRGIN 19 0 3- 19 80 Wenn ich in den gemeinsamen Erinnerungen zurückblättere, komme ich aufs Jahr 1927, wo ich Willy zur 2. ZHM beizog, um in der Organisation behilflich zu sein. Vom ersten Moment weg zeigte er sich von derart uferloser Begeisterung und Hilfsbereitschaft, dass er unwiderstehlich in die Herzen aller sAs'ler einzog und unser Mitglied wurde. In der Folge wurde der Club sein eigentlicher sportlichmenschlicher Lebensraum, zunächst mit seiner baumstarken Konstitution als Sieger ungezählter AbJahrtsrennen. Man kann zum Kampfsport stehen wie man will: mit seinem Kampfgeist in jungen Jahren wurde er zum Ritter ohne Furcht und Tadel, der er immer geblieben ist. Später ist er erfolgreich auf Lang/auJski umgestiegen und hat mit seiner weittragenden Stimme an allen möglichen Skikonkurrenzen als Speaker die unverwechselbare Willy Bürgin Stimmung geschaffen. In der Organisation von Ski wettkämpfen aller Art hat Willy Bürgin sich einen besonderen Namen geschaHen . Er war lange Jahre Rennchef des SAS und des ssv. Dann wuchs er über den Rahmen des SAS hinaus. Er wurde nationaler und internationaler Sprungrichter, Schöpfer der Schweizer Clubmeisterschaften des ssv in Abfahrt und Slalom sowie einer der Hauptfunktionäre der Winterolympiade 1948 in St. Moritz. Das Besondere seiner Persönlichkeit war, dass er vorausging im praktischen Anpacken eines Problems und mit seiner Begeisterungsfähigkeit alle mitriss . Wo er im Lande mit seiner Dynamik und anzündenden Fröhlichkeit auftauchte, konnte der Wetterbericht nur lauten: ganze Schweiz sonnig und heiter. Einen unvergesslichen sAs'ler Herbst haben ihm die Grimmschen Expeditionen auf den Kilimandscharo, Elbrus und mit einer einzigartigen Rentierkolonne auf Langlaufski durch Lappland bescheert. Eine hervorragende Leistung des bald 70-jährigen, dessen Ski mit Schuhen auf der Flugreise nach Marokko eine falsche Richtung genommen hatten, war die Besteigung des 4300 m hohen Hauptgipfels des Hohen Atlas mit Steigeisen unter den Turnschuhen. Ich kenne keinen Menschen, der in ähnlichem Mass seine Zeit und seine Persönlichkeit für den Club und den Skisport eingesetzt hat - mit Rat und Tat, immer mit anfeuernder Begeisterung. Weil er im besten Sinne die Seele des Clubs war, hat der SAS nichts anderes als eine Anstandspflicht erfüllt, als er ihn 1943 zum Ehrenmitglied ernannte. Man darf ihm den Kranz winden, dass er nicht nur Ehrenmitglied, sondern der sAs'ler No . I war und dies für uns in der Erinnerung als Träger des Clubgeistes, ja als Clubidol für ewige Zeiten bleiben wird. Als 1979 auch der ssv ihn als einen der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten der schweizerischen Skiwelt zum Ehrenmitglied ernannte, erklärte er es als eine besondere Freude, dass man ihn doch nicht ganz vergessen habe. Diejenigen, die dabei waren


wissen, dass er in den 30er Jahren schwunghaft mithalf, Abfahrt und Slalom - neben den damals allein vom ssv anerkannten Konkurrenzen Lang- und Sprunglauf - zur internationalen Anerkennung als vollwertige Wettkampfdisziplinen zu bringen. Als sein Sportruhm altersbedingt sank, hatte er das seltene Glück und den Stolz, dass es ausgerechnet sein Sohn war, der zu Europa- und Weltmeisterschaftsehren im Rudersport aufstieg. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, seiner Frau den verdienten Dank abzustatten für die Opfer, die sie brachte, als ihr Heim «Ländli» am Zürichsee week-end für week-end jahrzehntelang eine offene Tür für die sAs'ler hatte, man darf schon sagen als dauernde sAs'ler Landsgemeinde. Niemand wird uns diese unvergesslichen Stunden gemeinsamen Erlebens mit Willy nehmen können; diese Stunden gehören uns. Denn die Erinnerung ist ja das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann. Wenn Freundschaft spontanes Geben und Nehmen ist, so war Willy Bürgin vorwiegend Gebender. Zu seinem vornehmen Charakter gehörte es, dass er Kritik an einem Abwesenden nicht duldete. Der Angegriffene musste fairerweise anwesend sein. Nur einen guten Monat vor seinem Tode waren wir auf dem Rigi als seinem Heimatberg zur Feier des jo-jährigen Hochzeitstages zusammengekommen, wo Willy in einer längeren Ansprache seine Freude an der mit Schwiegersöhnen, Schwiegertochter und Enkelkindern gewachsenen Familie ausdrückte. Dass noch eine Urenkelin im letzten Moment sich einstellte, war für ihn eine Offenbarung. Martin Luther King hat gesagt: «Es kommt nicht darauf an, ein langes Leben zu leben, sondern ein erfülltes, ein reines, eines, das an einer guten Welt baut.» Das war der Lebensinhalt von Willy Bürgin. Ulrich Campell

EN GUISE D' ADIEU

A WILL Y BÜRGIN

Les rangs se creusent. La liste s'allonge. C'est normal mais c'est triste. C'est la loi de la vie et c'est forcement I'amitie qui en prend un coup. Parfois un coup plus dur que d'autres. Nous l'avons bien ressenti en apprenant la mort de Willy Bürgin. Car nous le connaissions tüus, me me les plus jeunes. Dire qu'il n'avait que des amis au SAS serait un pleonasme! Il n'erait pas seul a incarner notre club, mais c'est lui qui l'incarnait le mieux. Avec son franc sourire, ses yeux malicieux, son accent inimitable et sa casquette legendaire, il erait reconnu partout comme notre meilleur ambassadeur. Ceux qui n'etaient pas a l'Eglise de Küsnacht po ur prendre conge de lui, liront avec emotion - dans ces pages - l'hommage vibrant et lumineux que notre ami Ueli Campelilui a parfaitement rendu. On ne peut pas dire ce que serait devenu le SAS sans Willy Bürgin. Mais on est sur de ne pas se tromper en disant que notre grande familie, sans lui, aurait ere autre chose. Peut-etre un club comme tant d'autres, sans ame, sans cceur, sans enthousiasme ni ambition. Nous avons !es uns et les autres beaucoup re<;:u de lui, de sa joie de vivre, de sa camaraderie communicative et de sa franche amitie. Des souvenirs nous en garderons d'innombrables . Parmi eux, en guise d'adieu, je voudrais en citer deux. Le plus ancien remonte a ma premiere Wendling, comme candidat, a Mürren en 1942, au temps heureux Oll l'on pouvait se classer dans les vingt premiers en ne tombant que deux ou trois fois! A l'heure plut6t gaie de l'apero, un seul riait vraiment aux larmes en ecoutant Jean-Jacques Fatton chanter «L' Alouette»: c'etait Willy, hiJ.are et comble. Le plus recent de ces souvenirs - et ce fut po ur nombreux d'entre nous le dernier - c'erait a la Pischa, apres le Bündner-Buffet de la Semaine-AH, le 26 mars 1980. Le meme Willy, toujours aussi jeune, n'eut de cesse de reclamer «L' Alouette». Fatton n'etait plus la, helas. On a quand meme chante notre vieille liturgie a nous, la gorge un peu serree, uniquement pour faire plaisir a Willy. Il en a pleure de joie, il a ecrase ses larmes et il est venu me dire merci. Je n'avais jamais vu Willy si emu. En guise d'a Dieu, peut-etre. .. Philippe Gillieron


t

JAKOB DE RYTTER KIELLAND 19 0 9- 19 82

Am 9. Januar 1982 ist er ganz unerwartet an einem Herzinfarkt in Oslo verschieden. Damit hat das Herz eines g rossen sAs'lers zu schlagen aufgehört. 1929 ist Jakob in die Sektion Zürich des SAS eingetreten, in jenem Jahr, da er auf Langlaufski in Engelberg Slalomsieger wurde. Das waren noch Zeiten! Seit Jakob mit seinem ganz überlegenen Sieg im Sprunglauf der 2. Akademischen Weltwinterspiele in Davos 1930 in die internationale Springerelite eingetreten war, ist er von einem Triumph zum anderen gezogen, den ASAL, den Schweizer Meisterschaften, den Weltmeisterschaftsspringen in Lahti und Holmenkollen. 1947 hat er in einer Konkurrenz in Vikersund seinen längsten Sprung mit 78,5 m gestanden. Unvergesslich während der Studienzeit war es für uns als seine Kameraden, wie nur er Wochenende für Wochenende von Sprungkonkurrenzen mit Pokalen an den Stamm kam. Administrativ hat er sich um den Skisport als Generalsekretär und Mitglied des Ausschusses für Abfahrt und Slalom der FIS ebenso ein Jahrzehnt lang verdient gemacht wie als Schanzenchef des Holmenkollen-Sprunglaufs. Er war selbstverständlich dabei, als die Sektion Norwegen gegründet wurde, die mit ihrer jährlichen Klub-Meisterschaft des «Hopplom» die fröhlichste Kombination nordischer und alpiner Skifahrkunst erfunden hat. Den Kontakt zum SAS hat er am wirkungsvollsten damit aufrecht erhalten, dass er jahrzehntelang an den Schweizer Ski-Hochschulmeisterschaften teilnahm. Als er 1955 in Saas Fee mit 46 m weiter als alle Jungen sprang, vollbrachte er mit ergrauten Schläfen die absolut grösste Leistung, die an diesen Hochschulmeisterschaften überhaupt geboten wurde. 13 8 Preise hat er sich erkämpft, meistens im Sprunglauf. Wenn dies mehr als 500 Sprünge in Konkurrenz bedeutet und noch mehr im Training, dann ist es sicher eine aussergewöhnliche Leistung, über 1000 Mal hoch oben im Anlauf zu stehen - im Angesicht eines ausserordentlichen Risikos. Er war ein Freund des Risikos, aber des berechneten. Bis hierher und keinen Meter weiter. So ist er im Sport wie in seinem erfolgreichen Berufsleben als Maschinen-Ingenieur praktisch sturzfrei durchgekommen. Mustergültig waren bei ihm drei Ei genschaften: Bescheidenheit, Selbstdisziplin und Askese; Begriffe, die heute seltener geworden sind und doch jene Fähigkeiten betreffen, die den grossen Sportsmann wie die kulturelle Persönlichkeit ausmachen. 1958 haben wir Jakob de Rytter Kielland zum Ehrenmitglied ernannt. Er war ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Wir dürfen ihm dankbar für seine Freundschaft sein, und dafür, dass er den sAs-Pullover immer ehrenvoll getragen hat. Ulrich CampeIl

200


t GEORGES LACOUR 19 01 - 19 8 3

C'est avec beaucoup de chagrin que ses nombreux amis , au rang desquels figurent tout particulierement de nombreux membres du SAS, ont appris le deces de Georges Lacour, des suites d'un accident de la route, a l':ige de 82 ans . Georges Lacour a exerce une influence considerable, dans le scoutisme d'abord, puis dans le SAS et le sport universitaire genevois. Dans le domaine du ski, il a meme joue un role tres important sur le plan national et international. Entre au SAS en 1933, alors qu'il avait deja termine ses etudes de dentiste, il a assume tres rapidement des responsabilites au sein de la Seetion Genevoise qu'il presida pendant 7 ans, de 1936 a 1943. De 1936 a 1939, il accepta, sous la presidence du regrette Jean Juge, de devenir vice-president central et, a ce titre, d'organiser les Championnats Suisses Universitaires et les courses SAS de Grindelwald en 1939, avant de se distinguer a la mobilisation, parmi les patrouilleurs et competiteurs militaires. 11 joua un role tres important dans le sport universitaire genevois a ses debuts. 11 accepta en effet de faire partie de la Commission sportive, alors que les organisations sportives estudiantines se heurtaient a pas mal d'opposition de la part des autorites politiques ou academiques. 11 fut de la petite equipe qui relan<,:a l'activite du Club Alpin Academique en 1943 et fit partie, en compagnie de son ami Jean Buffle, de la Commission de construction de la cabane Von Waldkireh, au-dessus des Hauderes. Des 1935 et jusque longtemps apres la guerre, il organisa avec sa bonhomie et son talent d' organisation habituels, le co neo urs de ski annuel de l'Universite de Geneve, avant de transmettre le flambeau a son fils Andre qui le porte encore . .. Sur le plan international Georges Lacour, en organisant manifestations et delegations de ski a l' etranger - tout particulierement dans la F rance voisine - pendant la guerre et l'immediat apres-guerre, fut un des grands artisans du maintien de relations sportives internationales durant une periode particulierement difficile. Le Comite genevois puis le Comite central du SAS en 1945 , lui avaient confere le titre de membre d'honneur, ainsi que le Club Alpin Academique de Geneve. Le Rectorat de l'Universite lui avait decerne le fanion d'honneur de l'Universite. Georges Lacour etait un homme d'une tres grande simplicite et que les honneurs, qui lui avaient ete accordes, laissaient parfaitement paisible et nature!. 11 jouissait d'une sante admirable qu'il maintint par la pratique du ski jusqu'a plus de 80 ans, - il avait skie le matin meme du jour Oll il fut victime de l'accident d'automobile qui devait lui couter la vie, - et par une activite professionnelle reguliere qu'il assuma sans defaillance jusqu'a son dernier jour. 11 possedait le privilege d'etre en meme temps calme et enthousiaste. Il aimait rendre service discretement et nombre de comites d'etudiants un peu 201


«branlants» - tout particulierement au SAS - durent leur survie a l'aide efficace gue Georges Lacour sut leur apporter «en coulisse» lors de moments difficiles. L'enthousiasme de Georges Lacour, tout particulierement pour le ski et le SAS, a ete transmis a ses descendants . Ses deux fils ont toujours ete tres actifs au sein du SAS et l'un d'eux, Andre, a assume la presidence centrale, alors que, guelgues semaines apres son deces, son petit-fils Jacgues, fils de Claude, acceptait de presider la Section Genevoise ... C'est un homme bon, genereux et actif, un camarade merveilleux, gui vient de disparaitre. Tous les sportifs universitaires gui l'ont connu gardent de lui un tres amical et reconnaissant souverur. Jean Brechbühl

t JEANJUGE Zentralpräsident 1936 19 08 - 197 8

IN MEMORIAM

EHRENTAFEL unserer verstorbenen sAs-Freunde Bürgin Willy Keller Max Platou Frithjov S. Zschokke Werner Hagenbach Paul Knoepfel Konrad Schoch Adrien Smestad Carl 202

1980 1980 1980 1980 19 81 19 81 19 81 19 81

von Tscharner Hans De Ritter Jakob Kielland Hiemeyer Walter von Skene Robert Kollbrunner Curt Lacour Georges Nicod Jean-Louis Schi ytter Arild

19 81 19 82 19 82 19 82 19 8 3 19 83 19 8 3 19 8 3


RESULTATE

49. ANGLO-SWISS UNIVERSITY RA CE IN ST. MORITZ 10.

Januar

1981

SLAL OM

RI E SE NSLA LOM I.

D elacretaz Bern hard

2. Langaard Thomas 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10.

Ay les Anthon y Rygh Andrew Ru sse ll Sand y Chri sten sen T-lenning Scho pfer Albert Di ethelm T-lans-Peter Schmid G rego r T o ll eson Chuck

I. 16'9 2 1.17 .21

SAS SA S BUSC

1.17· 53 1.1 8. 55 I. 19 .26

B USC B USC B USC

1.19· 3° 1.1 9·73 1. 20.08 1.20. 40 I. 22. 40

SAS SAS SAS BUSC

Langaa rd Th omas

SA S

2. D elacretaz Bernh ard

SAS

I.

Ryg h Andrew Ru ssell Sand y Schö pfer A lbert Dieth elm T-lans-Peter 7· Tolleson Chu ck 8. Pu rcell T-lu gh 9· Blay loc k G ien 10. K ae lin Eti en ne 3· 4· 5· 6.

BUSC BUSC SAS

1. 2 5.°9 1.26.60 1.28·° 5 1. 29·j2 1. 29. 8 5

SA S

I. 33 .06

B USC

BUSC

1·34-44 1. 38 . 2 3 l.3 9·3 6

SAS

1.4 1. 53

B USC

SA S win s th e UNIVERSITY CT-lALLEN G E CU P with pts. aga in st BU SC with 35 ·44 pts.

°

vo n link s: Etienne Kaelin, T-lenn ing Chri sten sen, Kamen Tro ller, E ndre Rygh, Gregor Schmid, Glenn Blaylock, T-lan spete r Dieth elm, Robert Readhead, Truls Berg, Anthon y Ayles, U rs Schüpbach, Chuck To lleson, A lbert Schopfer, Sand y Russe l, Bernard Delacretaz, T-lugh Purcel l, Thomas Langaard .


1.

50. ANGLO-SWISS UNIVERSITY RACE IN ST. MORITZ

5 I. ANGLO-SWISS UNIVERSITY RA CE IN ST. MORITZ

8./9' Januar 1982

8. Januar 1983

RIESENSLALOM

SLALOM

Simpson Bruce

2.24·3° 2.24.3 1

Grüter Hans

SAS

2. Stricker Claude

SAS

2.25·93 2.29· 14

3· Simpson Bruce 4 · Whyte Alan

BUSC

5· Ayles Anthony 6. Marxer Herben

SAS

87 · 5° 88 . 15

7· Russenberger Marc

SAS

9°·8 8

SAS

2·3°·3° 2·3°·7° 2.31. 87 2.34.9 2

SAS

2-40. I °

BUSC

2. B1 yth Ross

BUSC

Langmuir Roddy Sarott Constant Whyte Alan Moser Ch ristian 7· Ayles Anthony 8. Hug Thomas 9· Du Pasquier Denis

3· 4· 5· 6.

BUSC SAS BUSC SAS BUSC

Du Pasquier Denis

BUSC

Grüter Hans

2. Ferretti Paolo SAS

2. Sarott Constant

SAS

3· Simpson Bruce

BUSC

4· Blyth Ross 5· Whyte A lan 6. Schaeppi Urs

BUSC

7· Rygh Endrc 8. Ayles Anthony

BUSC

9· Langmuir Roddy 10. Hug Thomas

BUSC

BUSC SAS

BUSC BUSC SAS

1.21.57 1.22.16 1.22.48 1.22.5 0 1. 2 3.5 6 1. 2 3. 6 5 1.26 .20 1.34·°4 1.55-39 2.01. 53

BUSC wins the UN IV ERSlTY CH ALLENGE CUP with ° pts. against SAS with 114.76 pts.

79. 20 81.02 83·74 86.00

SU PER-G I.

SLALOM I.

I.

3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10. 11.

Stricker Claude Russenberger Marc Marxer Herbert Blyth Ross Cattaneo Pascal Ayles Anthony Beck Laurence Penrose Steve Simpson Bruce

SAS SAS SAS

'3 6 .75 13 8 . 22 '3 8 . 24

SAS

13 8 .3 1

SAS

14°. 58 141.°5 143. 26 14 5. 8 5

BUSC SAS BUSC BUSC BUSC

154·27 154. 60

BUSC

17°·20

SAS wins the UNIVERSITY CHALLENGE CUP with ° pts. against BUSC with 218.5 pts.

von links: D. Du Pasquier, R. Blyth, U. Schäppi, A. Whyte, C. Sarott, R. Langmur, M . Pool (Captain), Organisatoren: Col. Roben Read head und Truls Berg, A. Ayles (Capta in), B. Simpson, Chr. Moser, H. Christensen, P. Michel, E. R ygh, Th. Hug.


MANNSCHAFTSKLASSEMENT

WENDLING CUP IN ZERMATT

I. SAS Lausanne I

13. Dezember 1980 1. Poncet Pierre 2. Stricker Claude 2. Rochat Jean -Philippe 4· Wahlen Jean-Francois 5· Weder Walter 6. Erneri Jean -Francois 7· Delacretaz Bemard 8. Brunisholz O li vier 9· Du Pasquier Denis 10. F erretti Pao I0

GE LA LA LA ZH LA LA FR LA BE

1.11.81

2. SAS Zürich 1

1.11.88 1.11.88 1. 12.58 1. 12·9 3 1.13. 20 1.13-47

3· SAS Fribourg I

4 . SAS Geneve

1.13 ·74 1.13.9° 1.14.01

5. SAS Bem j

MANNSCHAFTSKLASSEMENT 1. SAS Lausanne

2. SAS Geneve

3· SAS Bem

4· SAS Zürich

5· SAS Fribourg

Stricker Rochat Wahlen Poncet Mahler Schöpfer Ferretti Schüpbach Fuhrer Weder Halleen Diethelrn Brunisholz v. Wursternberger Touron

6. SAS Basel 303 6 .34

Schenk Rochat Stricker Russenberger Weder Denzier Klink Berther Despont Poncet Stump Cattaneo Schaepp i Schüpbach Hofe r Schrnid Syz Hübner

3· 4·

5· 6. 7· 8.

9· 10 .

Rochat Jean -Philippe Schrnid Eric Claret Joel Russenberger Marc Stricker C1aude Weder Walter Poncet Pierre Klink Olivier Denzier Han speter

LA LA BS LA ZH LA ZH GE FR ZH

3. 2 1.88

3. 2 3.9 2

3034.9 6

3-4 6 . 10

,. Du Pasquier Denis 2. Poncet Pierre 3· 51.20

3· Schenk Jean-Rene 4· Ferretti Paolo 5· Rochat Jcan-Philippe 7· Menetrey J acques 8. Schrnid Christoph

März 1982

1. Schenk Jean -Rene

3. 20 .66

WENDLING CUP IN CHARMEY

3.43.4 6

WENDLING CUP IN GST AAD

2.

3· 18. 75

3.4 2 . 3 8

5· v. Wursternberger CharIes

20.

3.15. '0

9· Russen berger Marc 10 . Delacreraz Bemard

LA GE LA BE FR LA LA ZH ZH LA

57.' 2 58 .32 58 '31 58 .73 59 · 17 59· '7 59. 19 59 .9 6 1.00.06 1.00. 15

1.°4.3 8 1.° 4 ·75 1·° 4·94 1. 0 5.64 1.°5. 8 4 1.°5 ·97 1.06.2 I

MANNSCHAFTSKLASSEMENT 1. SAS Lausanne 1

1.06 .25 1.06.5 0

2.

SAS Zü rich I

1.06· 7°

3. SAS Fribourg I

4. SAS Bem

j

5. SAS Geneve

j

Dupasquier Schenk Rochat Schrnid Russen berger Ben z v. Wursternberger Klink Brunisho lz Ferretti Schaeppi Fuhrer Poncet Marxer Prod ' horn

3. 00 . 56

3. 02 .32

3.02 .57

2°5


SAS-CUP 1980/ 1981 - GESAMTWERTUNG

17. D elac retaz Berna rd 18. G irardet Patr ice

19. Sc hüpbach Urs 20. Mahler Per

j el/ne l.

2.

3. 4.

5. 5. 5. 5. 5. 10. 10 .

SAS

Vionnet J ean-Pau l I:lolli ge r Henri Schnyder N icolas Notz Philippe Troll e r A lexan der H eve r Chri stof Chappuis Guillaurne Syz Ch ri stoph Notz O li vier Burlet Wassili Voc k Chri stoph

LA LA BE GE

22 20

Sektionen LA GE GE GE GE BE GE BS GE FR BS

5° 4°

1. 2.

35

3.

27

4.

25 25 25 25 25

5. 6.

Lausanne 295 Z ürich ..... . . ... . . . . . . . . .. . . ... . . ... . 7 16 Geneve . . . . . . .. . . . ..... . . . .. . . 7 28 Fribourg .. . .......... . . . ............ . 83° Be rn ... . ................•....... . . . . 9°2 Base l ........ •.. .......... . . • ........ 16 32

20 20

Alte Herren I. 2.

3. 4.

5.

6. 7.

8. 9. 10 . I I.

1 2.

1).

14· 15.

16. 16. 18.

19. 20 .

Poncet Pie rre Den zier Han speter Cosandier Pierre-Alexis Guinand Stephane M arxe r Herben Knecht Urs Uffer Mare Reyman n Bernard Troll er Kamen Berthaudin C1aude Argand Luc Guyot Phi lippe Sottaz F red K älin J ose Dubui s Cha rIes Nater Han s Stadler Han s-Ueli Richa rd Philippe Ro uge Francois N ico le Ad ri en

GE ZH GE GE LA BE LA GE GE GE GE LA FR FR GE ZH BE LA GE LA

100

67 49

2.

3. 4·

5. 6. 7.

8. 9. 1 0. 11. 12.

1).

14. 15.

16 .

206

Kozma Pete r Rochat Jean-Philippe Du Pasquier D en is Wah len J ean-Francois Stricker Claud e Schenk J ean- Rene Brunisho lz Olivier Ru ssenberger Mare Rochat Ch ri stian Ferretti Pao lo Emeri J ean-Francois Berther Jacques Röthli sbe rger A ndreas Hammer Bruno Schmid Eric v. Wurstemberger Charly

ZH LA LA LA LA LA FR ZH LA BE LA FR BE BE BS FR

jelme-JAS

39 35 34 34

33 32 32 )1 20

18 q

, . Vionnet J ea n-Paul Bl atti J acq ues 3. Anderson Martin 4. Von der Muehl Didier 5. H ofmann Matthias 6. Syz Chri stop h 7. Berra Jacqu es 8. Chappui s Guillaume 9. Schnyder Nico las 1 0. Lenain Vincenr 2.

LA LA GE LA BS BS LA GE GE LA

85 75 52 47

35 32 25 20 20

15

15 15 15 14

13

Aktive I.

SAS-CUP 1981 h98 2 - GESAMTWERTUNG

111

93 83

82

65 53

46 44 )l

29 29 28 25

25 24

23

Alte fIerren ,. Marxer Herben Po ncet Pierre 3. D enzier H anspeter 4. Kälin J ose 5. Cosan di er Pi erre-A lexis 6. G uinand Stephane 7. Hammer Bruno 8. Paquet Michel 9. G u yot Philippe '0 . Berthaudin Claude 1 1. Peter Christian '2. Ro ll e Philippe 13. KnechtUrs 14. Uffer Mare 15. Reverdin Thi erry 16. N icole Adrien q . Fontannaz J ean , 8. Röth lisberger And reas 19. Berg Trul s ' 9' Wagner I van 19. D es ponr Pi e rre 2.

LA GE ZH FR GE GE BE GE LA GE ZH FR BE LA GE LA LA BE BE ZH FR

99 9° 57

56

5° 35 34

31 3° 3° 27 27 27 25

25 23 21 20

15 ' 5 15


Aktive l. Stricker C1aude

LA LA LA BE LA BE ZH FR ZH FR GE FR ZH BS LA ZH LA ZH ZH ZH

z. Schenk Jean -Rene 3· Rochat Jean -Phil ippe 4· Z uber Andreas 5· C1aret J od 6. Ferretti Paolo 7· Weder Walter 8. Berthet Jacques 9 · Moser Christian 10. K link Olivier Il. Cattaneo Pasqua l I

z. Schartum To rmod

I

z. Kozma Peter

14· Schmid Eric 15· Wahlen Jean-Franco is 16. Russenberge r Marc

17· 18. 19 · 19 ·

Delacretaz Bernatd Bjä rne J ann Langaard Tho mas Tandberg Hara ld

76 7Z 65 54 46 39

3Z 31 z9 z9 z6 Z5 z5

. . . . . . . . . . . . . . . . .. .. ..... . . . . Geneve .... . ... . ............ . . . . . . ... Friboutg ......... . . .... . .. ..... . . ... . Z ürich ..... .. .... .. ..................

5· Bern 6. Base l

I z . Rey mann Bernard 13· Bornand F ran~o i s '4 · Stähli Markus 15· Brandt Dominique 16 . Hammer Bruno

17· Reverdin Thierry 18. Stadlet Hans-Ueli 19· Lacotte U rs zo o Ado r Thierry

Du Pasquier D enis

z. Stricker Claude

zz

3· Ferretti Pa olo

ZI

4 · J enny Markus

1.

Rochat J ean-Philippe

ZI

j.

zo

6. Z uber An dreas

zo

7· Schaeppi Urs 8. Menerrey J acqu es

0

•••

•••

••••••

•••••

••••

••

•••••

••

.. . ...... . . . . .. ... . . . . ..... . . . .

38 1 594 7 10 749 837 Iz q

LA GE LA GE LA BE LA BE GE BE BE GE

zz zz zo zo 19 16

'5 '5 '3 IZ 11

Aktive

9· v. Wurstemberger Charles

l. Lausanne z.

10 . Girardet Patrice

Z4 zz

Sektionen

9· Conne J ean-Marie 10 . Argand Luc

10 .

Schenk J ean-Rene

Il. Klink O li vier IZ. Wahlen J ean-Franco is '3. Mo unier E ric

'4. Cattaneo Pascal '5· Claret J oe l 16. Ru ssenberger Marc

'7. Rey mond Phi lippe 18. Brunisho lz Olivier 19· D elac reraz Bernard zoo Benz Patric k

LA LA BE ZH LA BE BE LA FR LA FR LA LA GE LA ZH LA FR LA ZH

zz ZI Z1

zo Zo 18 18

17 Ij

Sektionen zzo

] . Lausanne

SAS-CUP 19821198, - GESAMTWERTUNG j etme-SAS l. Anderso n Martin z . Heuer Chri stOph 3· Syz ChristOph 4 · Schnydet Nico las 5· Bolliger Henri

GE BE BS GE GE

65 50 45 Z5 15

Alte f -lerren 1. Pon cet Pierte z. D enzier Han speter 3· Kälin Jose 4· Schmid Chri stO ph 5· Marxet Ossi 6 . Guyot Philippe

7· Ro lle Philippe 8. Marxer Herben

GE ZH FR ZH GE LA FR GE

Iz5 80 57 55 50 43 30 Z5

z. 3. 4. 5· 6.

Geneve Bern Fribourg Zürich.. .. .. .. . .. ... . . ..... . . . . .. ... . Basel . ... . . . . .. ... . .. .. .... ....... . ..

773 1

zzo


SAS-RENN EN IN MEIRINGEN-HASLIBERG 55· SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

8.- 23 · Januar I98I SLALOM DAMEN 1. Z ibrino va Katarina 2. Harvanova Jana 3· Matschirska Salsitza 16. Binggeli Theres 17· Richter Aline 18. Fr itsche Gaby

TCH TCH BUL SUI Sul SUI

ABFAHRT HERREN 1. Du Pasquier D enis 2. Maurer Theo 3· Marconi Franco 4 · Berchtold Kurt 5· Andeer Roland 13· Rochat J ean-Philippe 14· Zu ber And reas I). Berg Björn 18. Russenberger Marc 22. Kozma Peter 26. J enny M arkus

AUT TCH FRA LA AUT ZH LA ZH LA

SSV !TA TCH BS BS LA

FRA LA AUT SSV ZH BE ZH LA BE LA

1. 32.91 1. 32.94

1.33 ·°9 1.33·47 1.33. 68 I. 34. 2 3

SAS-RENNEN IN GADMEN 55· SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

1.31.5 8 1. 31.64 1.32.5 8 1.32. 66

24.- 26 . Januar I98I

1.32·99 1.33. 26 1.33·34 l.3 5.76 1.37. 23

2·44· 76 2.4 8 .°4 2-48. 1 3 2·55·37 2.) 5.61 2·55·94

RI ESENSLALOM HERREN 1. Ciprelli Patrice 2. Dupasquier Denis 3· Nachbauer Werner 4· Riva Angelo 5· Kozma Peter 9· Zuber Andreas 12. Russenberger Marc 17· Rochat J ean-Philippe 20. Ferretti Paolo 21. Stricker Claude

1.31 · 59 I. 31.66 1.31.81

1.35·73 1.35. 89

RJESENSLALOM DAMEN I. Kaufmann Elisabeth 2. Silvestri Maddalena 3· Harvanova Jan a 23· Binggeli Theres 24· Fritsche Gaby 26 . Richter A line

1.3°·29 1.31.5 8

1. 2 5. 64 1. 25. 82 1.28.86 1.35.4 6

SLALOM HERREN 1. Maier Helmut 2. Gursky Thomas 3· Jourdan Francois 4· Du Pasquier Denis 5· Nachbauer Werner 6. Russenberger Marc 7· Stricker Claude 20. Jenn y Markus 26. Wahlen Jean-Francois

LA SSV !TA SSV SSV Sul Sul Sul ZH ZH ZH

2.3 6.08 2.3 6.61 2.3 6 . 8 5 2.37.9 ' 2.3 8.3 8 08 2.39. 2.39.3 8 2-4 0 .33 2.4°.85 2·4°·88

LANGLAUFDAMENloKM ETHZ BE POL BE ZH BS ZH

1. Stebler Brigitte 2. Brugger Christine 3· Topor Zofia 4 · Strupler Barbara 5· Kuster Annemarie 6. Stebler Christine 7· Kuli Marianne

36 .37. 8 5 37.5 2. 27 38.54.64 4°.°9. 62 4°.21.4 2 4°·32-44 44-4 8. 18

LANGLAUFHERREN30KM I. Pochwala Lech 2. Majoch Tadeus 3· Donze Lautent 4· Waldner Reinfried 5· Gruenenfelder Thomas 6. Poltera Gila 7· Lutz Hansjörg

POL POL NE AUT ETHZ FR ETHZ

1. 31. 56.06 1.33-57. 1 5 I. 34.44. 70 1.3 6 -45.9 1 1.37.02 .82 1.39. 2 3. 12 1.39.32. 2 5

STAFFELLAUF DAMEN 3 x 5 KM 1. ETHZ/ Uni Zürich

2. Uni Bern

Kuster Annemarie Kuli Marianne Stebler Brigitte 1.01.5 6.5 0 Arn Beatrice Strupler Barbara Brügger Christine 1.02 .32 .13

ABFAHRT DAMEN 1. Viret Christi ne 2. Silvestri Maddalena 3· Selz Florence 13· de Laval laz Romaine 16. Fritsche Gaby

208

SSV !TA SSV Sul BS

1.3 6.4) 1.3 6.8) 1.3 6 .9 8 1.41.8) 1.42.66

STAFFELAUF HERREN 4 x 10 KM I.

Uni Zürich

Huwiler Frow in Sprenger Peter Kiser Beat Schindler Hans

2.21.18.02


2. ETH Zürich

Grünenfelder Thomas Schneider Andy Braun Ruedi Lutz Hansjärg 2.22.27·7) Falkner Werner Wanivenhau s Gera ld Waldner Reinfried Prokes Jan 2.23. 26 .02

3. Autriche

).

9· Boeg li Charly 10 . Ferretti Paolo

13· Menetrey Jacques I). Purtschert Guido

2. 3· 4· ).

6. 7· 8.

Stebler Brig itte Brügger Christine Topor Zofia Kuster Annemarie Strupler Barbara Stebler Christi ne Kuli Marianne Arn Beatrice

ETHZ BE POL ZH BE BS ZH BE

LANGLAUF HERREN I.

2. 3· 4· ).

6. 7· 9·

Schindler Hans Pochwala Lech Majoch Tadeus Lutz Han sjärg Annaheim Daniel Don ze Laurem Poltera Gila Pen g Rätu s

I)

18.20.27 18 .38. 24

I.

Siry Stephanie

2. Bonato Joce lyne

19-41.43 20 . 1) .76

3· Harvano va Jana 17 · de Laval laz Romaine

2°-43-47 20.4 8.06

'9 · Binggeli Theres 20. Richter Aline

22.28·3° 22 . )2.64

KM

ZH POL POL ETHZ BE E FR SG

SSV BE LA NE BE LA ZH

1.3 8 .32 1.4 2. j l 1.4 2.) 3 1-4 2.9 2 1-42.99 1.43.3 1 1.44· 3 8

RIESENSLALOM DAMEN

LANGLAUF DAMEN) KM I.

Anderegg Järg

7· Zuber Andreas 8. Claret Joel

4 2.)7.9

' 4)·)2·27 16 4 6 .33. 47. 26 .6 7 47 .38.)0 4 8 .00 .94 4 8 .34. 60 49. 2 3. 80

SSV FRA TCH GE BS LA

2-4 1.9° 2.4 2.62 2-4 2. 6 3 2. ) 6-40 2.)8'32 2.)9.06

RIESENSLALOM HERREN 1. Joyeusaz Mauto 2. Anderegg Järg 3· Tomschev Luedmil 4· Angelov Christo ).

Trave rsa Eugenio

10. Jen ny Markus 12. Zuber Andreas Ij.

17· 24 · 2) . 26. 3°· 3' .

Schenk Jean-Rene Stricker Claude Ferretti Paolo Menetrey Jacques Claret J oe! Purtschert Gu ido Delacretaz Bernard

ITA SSV BUL BUL ITA ZH BE NE LA BE LA LA ZH LA

2.16·7° 2.18 . 1I 2.18·3) 2.18.62 2.18.87 2.20.88 2.21.97 2.23.46 2.24·43 2.26.23 2.26.)2 2.26 .7 8 2.29. 12 2.29. 29

ABFAHRT DAMEN

SAS-RENNEN IN VEYSONNAZ 56. SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN 1].- 22 .

I.

3· Sil vestri Maddalena 9· Rau ber Barbara 10. de Lavallaz Romaine '3· Binggeli Theres

Janu ar 1982

SLALOM DAMEN I.

2. 3· 9· 10. 11.

Harvan ova J ana Campiglia Giuliana Longo Jenn y de Lavallaz Romaine Richter Aline Gmeiner Cornelia

TCH ITA FRA GE LA FR

I.

Angelov Christo

3· Vach Jiri 4 · Traversa Eugenio

BUL BUL TCH ITA

TCH SSV ITA BE GE BS

I. 34.90 I. 3) .07 1.3 6 .70 1.4 2.20 1.4 2.3)

1.49·°3

ABFAHRT HERREN 1.41.68 1.4 2.38 1-44. 8 ) 1. )) .90 1.)8·)7 1.)9·37

SLALOM HERREN 2. Tontschev Luedmil

Kolatkova Marcela

2. Gillioz Jeannette

1. Crausaz Jean- Daniel 2. Beccari Giovanni 3· Zappa Fu lvio 4· Du Pasquier Denis ).

Andeer Roland

7· Bachmann Peter 12. Jenn y Marku s 16. Stricker Claude

1.34·97 I. 36.06

'7. Schenk J ean-Rene 18. Purtsc hert Guido

1.37. 12 1.37.9 6

23· Claret Joel 26. Zuber A ndreas

SSV ITA ITA LA SSV FR ZH LA NE ZH LA BE

1. 24.7 6 1.2).08 1.2) . '4 1.2).21 1.2)-46 1. 2).) 8 1.26.)6 1.27. 10 I.

27. 1)

1.27.4 2 1. 28.08 1.28·32

20 9


SAS-RENNEN IN LES RASSES 56. SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

I2. - 14.

Februar

I. Razymova Hedvika 2. Matousova Zusana 3· Parakova Maria 4· Stebler Brigitte 5· Deveaux Marie-Pierre 14· Kuli Marianne 16. Kuster Annemarie

CSSR CSSR CSSR ZH FRA ZH ZH

16 .24. 6 16·3°·4 16·59·5 17.00.0 17. 0 1.4 19.01.2 '9 .08 . ,

LANGLAUF HERREN 15 KM

1982

LANGLAUFDAMENloKM I. Matousova Zusana 2. Razymova Hedvika 3· Parokova Maria 4· Ruel Gcile 5· Bianchin Agnes 6. Stebler Brigitte 9· Kuster Annemarie '3· Robadey Veronique

LANGLAUFDAMEN5KM

CSSR CSSR CSSR FRA FRA ZH ZH GE

36.35 .0 36.5 2.9 37. 2 1.9 38. 10 . 0 38. 29.9 38.35 .0 4 2.°3. 6

I. Farsky Ladislav 2. Stocek Michal 3· Prokes Jan 4· Annaheim Daniel 5· Petrin i Carlo 8. Grünenfelder Thomas 11. Donze Laurent 17· Kopp Ueli 18 . Lutz Hansjörg

CSSR CSSR AUT BE !TA ZH NE ZH ZH

41.52·3 4 2.45 . 1 43. 21 .4 43-33·9 43 . 54. 1 44. 27. 6 44.43. 2 46.08 ,9 46 '°9. 0

44·05 ·3

LANGLAUFHERREN30KM I. Farsky Ladislav 2. Petrini Carlo 3· Stocek Michal 4· Saska Jaromir 5· Lutz Hansjörg 6. Kopp Ueli 9· Grünenfelder Thomas 12. Langel Philippe

CSSR ITA CSSR CSSR ZH ZH ZH LA

I. 30.44.9 1.32·31.4 1.32.32. 2 I. 33-44.8 I. 34· 59. 6

1.35 ·32·7 1.3 6 .3 6'9 1.37·3°·3

SAS-RENNEN IN VEYSONNAZ 57. SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

STAFFELLAUF HERREN 4 x 10 KM I.

Italien

2. Frankreich 1

3. CSSRI St. Gallen komb.

Perini Maurizio Bolla Paolo Tozzi Mario Petrini Carlo 1.47. 22 .7 Millet Gregoire Dusser Bruno Devaux Jean-Fran~ois Thomas Pierre 1.47.57.6 Stocek Micha l Saska Jazomir Peng Rätus Farsky Ladislav

STAFFELLAUF DAMEN 3 x 5 KM I.

CSSR

2. Frankreich 1

3. ETHZ/ Zürich 1

210

Razymova Hedvika Parakova Maria Matousova Zuzana 51.18.2 Detouillon Isabelle Ruel Cecile Devaux Marie-Pierre 52.28.8 Stebler Brigitte Kuli Marianne Hugi Barbara

20.- 21.

Januar

1982

RIESENSLALOM DAMEN l. Bovier Sand ra 2. Siry Stephanie 3· Heinzmann Pierrette 10. Gmeiner Cornelia 12. Dreissigacket Nota 18. Fritsche Gaby

SSV SSV SSV FR ZH BS

2.18.4 1 2.19·95 2.20.23 2.25 .81 2.26.82 2·32·°4

RIESENSLALOM HERREN l. Grüter Hans 2. Pecchio Franco 3· Du Pasquier Denis 4· Es-Botrat Francis 5· Moeschler Renaud 14· von Wurstemberget Charly 15· Zuber Andreas 17· Delacretaz Bernatd zo. Russenberger Marc 24· Bodenwinklet Hubert 25· Ferretti Paolo 26. Schenk Jean-Rene

ZH !TA LA SSV NE FR BE LA ZH ZH BE LA

2·°4·39 2.04·43 2·°4·95 2.°5. 02 2·°5·°9 2.06·97 2.07 · 76 2'°7 .96 2.08·75 2.°9 . 18 2.°9. 24 2·°9·4°


LANGLAUF HERREN

SLALOM DAM E N I . Bovier Sandra 2. Siry Stephanie 3· Campiglia Giuliana 10 . Gmeiner Cornelia I). de Lavallaz Romaine

SSV SSV !TA FR

sm

1.4) ·99 1.4 6.°7 1.46. I I 1.) ). I) 1.)7.86

SLALOM HERREN I. Joyeusaz Mauro 2. Es-Borrat Francis 3· Anselme Herve 4· Mannet Laurent ). Moeschler Renaud 7· Stricker Claude 10. Claret Jod 12 . Delacretaz Bernard 14· Bachmann Peter I). Boegli Charly

ITA SSV FRA SSV NE LA LA LA FR NE

1.34. 8 3 1.34.9 6 I. 3).1) I. 3).) 1 1.3 6 . 24 1.3 6.9 1 1.37. 69 1.39.08 1.39. 82 1.40. T 8

l. Gawlak Jozef 2. Pochwala Lech 3· Kopp Peter 4· Rummel Bernd ). Condrau Giusep 6. Stadler Markus 7· Annaheim Daniel 8. Mandelli Luca 9· Langel Philippe 10. Mollat Jean

KM

POL POL BE BRD SG ETHZ BE !TA EPF NE

LANGLAUF DAMEN I. Brügger Christine 2. Topor Zofia 3· Pi ton Anna

I)

10

49·49·57 )0.04.) 1 )0.4 6.41 ) 1.°9. 21 )1.41.01 ) 1.43·77 )1.47. 89 jI·)9·7° j2.01. 16 j2·44·13

KM

BE POL POL

34·49 ·32 37 .02 .39 38-41.06

LANGLAUFHERREN30KM

SAS-RENNEN IN LES RASSES 57. SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

LANGLAUF DAMEN) KM I . Brügger Christine 2. Stehler Brigitte 3· Topor Hucianska 4· Piton Anna ). Ketterer Franziska 6. Kuster Annemarie

BE ETHZ POL POL BRD ZH

19. 26 .39 20·41.)7 20.)4. 29 21. 27.3° 21.44·99 22.02.8)

I. Gawlak Jozef 2. Lüthi Serge 3· Pochwala Lech 4· Rummel Bernd ). Ansersen Arnt-Edwin 6. Kopp Peter 7· Condrau Giusep 8. StadIer Markus 9· Philipp Jürg 10. Schnurr Willi

POL LA POL BRD BRD BE SG ETHZ ZH BRD

1.34.02 .64 1.37.°4. 88 1.3 8.08 .99 1.39.4 2-47 1.41.06-47 1.41. 29.9) 1.41.31.82 1.4 2-43. 19 1.43 . 28 .3 8 1.44.02 .) )

STAFFEL HERREN l.

BRD

2.

Bern I

3. Italien

Schnurr Willi Fehrenhach Bernhard Andersen Arnt-Edwin Rummel Bernd Tönz Martin Leu Werner Annaheim DanieJ Kopp Peter Lollohrigida Giuseppe Sormani Andrea Rossi A ugusto Mandelli Luca

2.°7. 10 .62

211


13. ENGADIN-SKIMARATHON

SAS WANDERPREIS 15. März 1981

1.

Name

Sektion

Jahrgang

eff. Zeit

sAs-Zeit

U reeh Andrin

ZH ZH BE ZH ZH BE ZH BE BE ZH

1939 1953 1932 1954

2.21.'9 2. '0.'7

2.08 . '9 2. '0. '7

2·34-49 2.' 5.'0 3'°3. 26 2.25. 24

2. I 1. '9

195°

2·59·' 3 2.30. '0

'952 '9 27

2·3' ·°4 3.0 7.32

2.28. '3 2.29. 10 2.3'.04 2.3 6.32

eff. Zeit

sAs-Zeit

2. Sprenger Peter 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10.

Berg Truls Lutz Hansjärg Bergmaier Hans Hammer Bruno Frey Walter Gasner Christian Suter Mare Braun Peter

'9'9 1953 19 27

2.'5. '0 2. ,6.56 2.25. 24

14. ENGADIN-SKIMARATHON

SAS WANDERPREIS 14. März 19 82

1.

Name

Sektion

Jahrgang

Berg Truls

BE BE ZH BE ZH ZH BE ZH ZH FR

1932

2.25 .08

2.00.08

'9'4 1927 1953

3.00.20 2.3 8.26

2.00.20

2·°9 ·55 2.26. '9

2·°9·55 2.' 1.49

2-45 ·49 2. '7.30 2.28.3 6

2·13· '9 2.' 5·30 2. ,8.3 6

2.21.02

2.21.02

2.4 2.°5

2.23·°5

2. Kaeeh Arnold 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· ' 0.

Braun Peter Hammer Bruno Ureeh Andrin Frey Walter Gasner Christian Bollag Hansruedi Sprenger Peter Huber Franz

'939 '927 195 ° 194 2 '953 193 6

2'°5.5 6

15. ENGADIN-SKIMARATHON

SAS WANDERPREIS 13· März 1983

1.

Name

Sektion

Jahrgang

eff. Zeit

sAs-Zeit

Berg Tru ls

BE ZH ZH ZH ZH BE ZH FR ZH ZH

'932

1.54. 22 2.26.20 2.,8 .4 2

1.27.5 2

2.01.32 1. 58-4 8 1.4 8 .55

1.45 ·32 1.47·,8 1.4 8 .55

1.53 ·37 2. ,6.04

1.53-37 1.55·34 2.01.55 2.06. '9

2. Bergmaier Hans 3· Frey Walter 4 · Ureeh Andrin 5· Bollag Hansruedi

6. Hammer Bruno 7· Kiser Beat 8. Huber Franz 9· Furter Rolf '0. Braun Peter

212

'9'9 '927 '939 194 2 1953 195 6 193 6 195 6 19 27

2.01.55 2-4°·49

1. 3 5.5° 1.44. I2


39. ITALO-SUlSSE-RENNEN IN ST. MORITZ

RIESENSLALOM

SLALOM 1. Poncet Pierre

SAS

41.9 6

1. Ferretti Paolo

SAS

2. Delacretaz Bernard

SAS

2. Poncet Pierre

SAS

3· Moser Sandro

sc 18

43·45 43 . 8 7

3· Weder Walter

SAS

SAS

44·)0

SAS

44·5' 44 . 6 9

6.

4· 5· 6. 7· 8. 9· 10. I!.

12. '3· 14· I).

Halleen Leif-Eric Weder Walter Cipriano Mario Tochon Bernard Lanaro Mauro Bellodis Gino Pozzani Maurizio Reale Clemente Poncet N icolas Bussandri Bill y Wagner Ivan Lacedelli Marco

sc 18

).

SAS

45-34

sc 18 sc 18 sc 18

4)·7) 4 6 .06 4 6 -49

9· 10.

SAS

4 6 .)4

I!.

SAS

4 6 . 54

12.

sc 18

4 6 .79

13·

SAS

47. 20 47 .7 2

'4·

sc 18

7· 8.

I).

16.

Gesamttotal:

I.

Halleen Leif-Eric Moser Sandro Delacretaz Bernard Pozzani Maurizio Bellodis Gino Cipriano Mario Bussandri Billy Lacedelli Marco Poncet Nicolas Tochon Bernard Reale Clemente Lanaro Mauro Wagner Ivan

1.22·°3 1. 2 3. 02

SAS

1. 24.°7 1. 24.49

sc 18

1. 2 4. 6) 1. 2 4. 81

SAS

sc sc sc sc sc

18

1.2) . 10

18

1. 2 5.44

18

1. 2

18

1.2) . 58

18

1.26.80

SAS

5.) 4

1.27. 2 9

SAS

1. 2 9.34

SAS

I. 3°. 1)

sc 18

1.32 . 28

SAS

1.3 6 . 1 9

SAS 10-44.64 - 2. sc 18 10.54.21

Reunion ltaio-Suisse St. Moritz 1931. Organisator: Ivan Wagner, SAS Zürich, stehend ganz rechts. Obere Reihe von links nach rechts: N . Donna dalle Rose (Presidente SC 18), B. Delacretaz, N. Poncet, B. Tochon, P. Poncet, W. Weder, R . Clemente, P. Ferretti, H . Leif-Eric. Untere Reihe von links nach rechts: M . Lanaro, A. Moser, M . Cipriano, M . Lacedelli, G. Bellodis, B. Bussandri, M . Pozzani (Captain SC 18).

I.


4. INTERNATIONALER SAS-PENTATHLON IN GRINDELWALD 20. / 21. / 22.

März

1981

Einze/resultate

Rang

1. 2. 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10. 11. 12 . 13· '4· 15 · 16. '7. 18. 19· 20. 21. 22. 23· 24· 25· 26. 27· 28. 29· 3°·

Name

Team

Kozma Peter Moen E ilif Berg Björn Sottaz Fred Gericke Willy Wagner Ivan Bollag Hansi McDonald Kenny Langaard Thomas Du Pasquier Denis Spieler Walter Gattiker Guolf Delacretaz Bernard Hemingway Bill Dite Lada Hammer Bruno Melloni Alessandro Kurt Mathias Troller Kamen Crawford Gordon Russi Bernhard Boehm Eduard Denzler Hansperer Berthod Rene Terraillon Marc Radici Fausto Brunisholz Olivier Imseng Raoul Hug Thomas Henzi Hans

The Wild Ones Cairngorm Ski Club Trolls Les Ssarmaillis The Old Cracks The Organizers The Wild Ones Cairngorm Ski Club Intersection Sen'Sas's Diners Team Ist Continental Kancet Kon Mange Cairngorm Ski Club Ex Prager Mühlegasse 1 Sas-Sai-Va Mühlegasse President's Suite Bearsden Ski Club Diners Team Ex Prager Trolls Diners Team Pourquoi Pas I Tremona Sai Les Ssarmaillis The Old Cracks Black Puddings The Organizers

Riesenslalom 1020

10°9 1026 947 9 29 857 787 85 8 986 1012

986 879 99 6 73 6 895 931 979 788 966 747 855 97° 108 3 10 4 8 1°4 2 944 953 9 87 873 9 13

Springen

Curling Cross Schwimmen

Total

102 5 1°37 102 5 99 6 10 36 840 982 93 6

83° 73 8 73 8 49 2 369 II07 49 2 984 646 33 8 369

4 808 4 69 1 45 84 457 ' 4520

'°47 969 95 8 895 93 6 847 843 769 860 780 887 82 5 II 40 98 5 861 1062 106 7 89 1 1002

977 847 710

4°0 369 769 553 18 4 12 3 4°0 276 61 5 1)3 92 33 8 18 4 18 4 24 6 12 3 27 6 553 553

933 939 1011

1008 975 860 II 66 635 727 955 999 9°' 735 524 806 I I 53 10 4 8 104 8 981 600 943 795 981 62 4 888 882 868 964 7°' 73 6

1000

968 784 II28 1211

745 953 957 833 954 76 5 98 5 1002

"47 879 93° 934 9°6 80 4 II25 8'7 1°31 6°9 9°8 600 781 784 525 74 ' 781

44°9 4380 437° 4 239 4 228 4°77 4060 4°3 8 4°23 397 6 39 67 3944 39 22 39 14 39 '2 39°8 3873 387 2 3826 37 81 3744 373° 37 29 37 5 ' 3693

Mannschafts- Klassement

Rang I.

2. 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10.

21 4

Team

Namen

Cairngorm Ski Club The Wild Ones Trolls Les Ssarmaillis Diners Team The Old Cracks Ex Prager Mühlegasse The Organizers Sen'Sas's

(Moen E ilif, Hemingway Bill, McDonald Kenny) (Bollag Hansi, Bebie Fritz, Kozma Peter) (Denz ier Hanspeter, Berg Björn, Berg Nicolas) (Brunisholz Olivier, Sottaz Fred, Lacotte Urs) (Russi Bernhard, Berthod Rene, Spieler Walter) (Gericke Willy, Clavadetscher Jojo, Imseng Raoul) (Boehm Eduard, Kminek Martin, Dite Lada) (Hammer Bruno, Toenz Martin, Kurt Mathias) (Wagner I van, Henzi Hans, Wittenwiler Fredi) (Rochat Jean-Philippe, Du Pasquier Denis, Stricker Claude)

Total

13° 84 12 7 80 II 876 I I 850 I I 81 I I I 568 I 1418 I I 363 II 330 I I 296


Pentathlon-Schwur

Pentathletin: Die Kammerzofe mit den overnight-news

2I5


5. INTERNATIONALER SAS-PENTATHLON IN GRINDELWALD 26. / 27. / 28 . März 1982

Einzelrestlltate

Rang

1. 2. 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10. 11. 12 . 13 · '4· 15· 16. 18. 19· 20. 21. 22. 23· 24· 25· 26 . 27· 28. 29· 3°·

Name

Team

Eitzen Axel Stüssi Ueli Sottaz Fred Kakes Petr Denzier Hanspeter Bollag Hansruedi Lüthi Jean-Marc Fraschini Andrea Tönz Martin Hemingway Bill Binggeli Theres Boehm Eduard Me ll oni Alessandro Boehm Irene Langaard Thomas Grant Colin Witt-Döring Chris Pfeferle Pierro Marxer Ossi Crawford Gordon Blair Andy Jirsa Marrin Poncer Zilliard Gattiker Guolf Radici Fausto Joss Ursula Hug Thomas von Wursremberger Gresvig Aksel Levi Marco

Trolls Norge The Organizers SAS Gruyere Ex Prager Mühlegasse The Bewildered One Intersection I Tre Mona Mühlegasse Cairngorm Ski Club Quelle Epique Equipe Ex Prager I Tre Mona Quelle Epique Equipe lntersection Cairngorm Ski Club Ist Continental Team SAS Gruyere I rreductibles Bearsden Ski Club Cairngorm Ski Club Ex Prager The Helicoprers 1I I sr Continental Team 1 Tre Mona Quelle Epique Equipe Black Puddings Schnigelwursr Tro ll s Norge I Sai Va

Riesenslalom

9 16 966 97 6 '°5 2 1144 8II '°5° 1086 793 667 9 87 1002

89 6 '°94 977 939 1064 7 15 9 28 749 7 18 97 8 1088 81 5 973 868 795 97 2 939 1021

Springen 1010

1045 1028 108 5 95° 99 2 1°4 2 101 4 9 25 81 9 894 97 ' 9°4 101 9 106 3 968 1°35 8)1 968 840 808 '°39 1°7 1 9 28 86, 937 93 6 968 89 2 76 5

Curling Cross Schwimmen

73 8 399 21 5 246

954 101 3 10)2 94 2

43° 33 8

'°93 1'9 6 97 2 761 12 53 73 6

3°7 43° 24 6 83° 49 2 '53 18 4 3°7 399 584 43° 523 369 49 2 799 3°7 21 5 3°7 21 5 27 6 399 246 18 4 461

87° 962 I I 55 674 766 6'7 673 729 743 674 670 754 557 881 949 801 834 69 ' 99 2 848

894 '°3 ' I I 36 1000

7°5 973 9 4 ' 873 944 1102

89 2 1046 94 6 9 88 82 9 9 21 82 7 1200

9 12 II 33 885 79 8 9 28 9°3 81 3 899 800 821 688 586

Total

4)12 4454 43 87 4)25 4)22 43'° 4 28 5 4 16 4 4161 4 ' 54 4 ' 35 4 1 34 408 5 4082 4°34 4°29 4°29 401 8 39 20 3888 3880 3876 38 59 38 34 38II 37 81 37 64 369 8 3695 3681

Mannschafts- Klassement

Rang

1. 2. 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10.

218

Team

Namen

Ex Prager Cairngorm Ski Club I Tre Mona Mühlegasse Quelle Epique Equipe SAS Gruyere lntersection Ist Continental Team Trolls Norge The Organizers

(Boehm Eduard, J irsa Martin, Kakes Petr) (Hemingway Bill, Grant Colin, Blair Andy) (Fraschini, Andrea, Radici Fausto, Melloni A lessandro) (DenzIer Hansperer, Tönz Martin, Kurt Matthias) (Joss Ursula, Binggeli Theres, Boehm Irene) (Sottaz Fred, Pfeferli Pietro, Sudan J ean-Pierre) (Lüthi Jean-Marc, Langaard Thomas, Schmid Christoph) (Weder Walter, Gattiker Guolf, Witt-Döring Chris) (Gresvig Aksel, Eitzen Axel, Berg Nicolas) (Wagner Ivan, Henzi Hans, Stüssi Üli)

Total

12 335 1206 3 12060 12 °42 1199 8 I1 868 1175 I I 1468 11 18 4 11 12 4


Mannschaftssieger 4. sAs-Pentathlon Cairngorm Ski Club (E. Moen, B. Hemingway, K. McDonald)

Mannschaftssieger j . sAs-Pentathlon Ex-Prager (E. Boehm, M . Jirsa, P . Kakes)

«Trolls Norge» -Team '982 von links: A. Eitzen (Einzelsieger), A. Gresvig, N. Berg

Mannschaftssieger 6. sAs-Pentathlon «The Out-Handles» (M. Russenberger, H. P. Denzier, J. Schweizer)


6. INTERNATIONALER SAS-PENTATHLON IN GRINDELWALD

Einzel-Klassement

Rang I.

2. 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10. 11. 12. 13· 14· 15· 16. 17·

18. 19· 20. 21. 22. 23· 24· 25· 26. 27· 28. 29· 3° ·

Name

Team

Denzier Hanspeter Bollag Jürg Lüthi Jean-Mare Bollag Hansruedi Russenberger Mare Moen Ei lif Poneet Nieolas Boehm Eduard Kakes Petr Blum Pascal Frasehini Andrea Blair Andy Melloni A lessandro Metzler Ueli Melloni Stefano J irsa Martin Schweizer Jürg Gui nand Stephane Hug Thomas Holinger Andrea Binggeli Theres Steinebrunner Thomas Berg Nieolas Brunisholz Olivier Blum Laurent Kurt Roland Jäger Urs Wittenwiler Fredi Tournier A lee Roehat Jean-Philippe

The Out-Hand les The Wild Brothers MI The Wild Brothers The Out-Handles Cairngorm Ski Club Speaker's Suite Ex Prager Ex Prager Sen'Sas's Il I Tre Mona Cairngo rm Ski Club I Tre Mona MI I Sai Va Ex Prager The Out-Handles Metteurd yaek Blaek Puddings Sen'Sas's II Quelle Ep iqu e Equipe Mother's Best Morgestraieh Les Pagailleurs Les Kikouyous Atromitos ßlaek Puddings Ist Continental Team Bonbonneschuss Sen'Sas's II

Cross Schwimmen

9 86 1113

86 3 '°75 87 2 961

1°79 952 99 8

733 980 9 26

1°43 1°33 7°2 85 6 9 1o 1°45 87 1 799 104 8 9 86 835 86,

1°74 962 826 93 6 960 961 1°7 1 96 3 76 3

1022 1111

1°°3 757 9 24 95' 81 4 874 833 7 23 8°3 834 945

7°3 9 5 ' 833 87 8 866 1016 65 6 806 533 960 68 9 608 880 568

RiesenCurl ing Springen slalom

784 784 599 630 72 3 569 7 23 24 6 399 84 6 49 2 784 399 27 6 49 2 4 15 4' 5 599 49 2 23° 4 15 461 7°7 584 661 4 5 ' 753 599 43° 569

9°3 95' 1°99 1006 97 6 973 879 1061 10 31 9 89 943 85 2 854 97 8 1°°5 95° 1°39 854 97 6 101 9 '°43 82 4 9°7 94 8 '°17 10°3 '°17 101 3 1°°3 9°7

1°53 666 1026 86 4 1°°4 lall

917 1001

994 102 7 108 7 78 3 95' 1°°5 94 ' 101 3 99 6 93° 968 995 '°4° 89 ' 885 93° 9 83 845 87 2 1°°4 874 102 3

Total

4 62 5 45 87 45 82 4)74 45'5 44 8 5 4443 44 2 5 44 19 439° 4314 4 28 9 421 0 4 201 4200 4 18 9 4 39 ' 4 33 ' 413 ° 4'2 5 4 '21 4 I1 6 4 10 6 4082 4068 40 56 4°54 4°27 4°21 4°'2

MannschaftsreSllltate

Rang I.

2. 3· 4· 5· 6. 7· 8. 9· 10.

Team

Namen

The Out-Handles Ex Prager The Wild Brothers MI Cairngorm Ski Club Sen'Sas's II I Tre Mona Blaek Puddings Speaker's Suite Quelle Epique Eq uipe

(Schweizer Jürg, Denzier Han speter, Ru ssenberger Mare) (Boehm Eduard, Jirsa Martin, Kakes Petr) (Bollag Hansruedi, Bollag Ueli, Bollag Jürg) (Metz ler Ueli, Lüthi Jean-Mare, Sehmid Christop h) Moen Eilif, Hemmingway Bill, Blair Andy) (Ho linger Andrea, Roehat Jean-Philippe, Blum Pascal) (Frasehini Andrea, Levi Marco, Melloni Alessandro) (Hug Thomas, Jäger Urs, Egli Urs) (Lullin Aymon, Terraillan Mare, Paneet Niealas) (B inggel i Theres, Boehm lrene, Jass Ursu la)

Total

'3 279 ' 3°33 12 93° 12 732 126 9 8 12 527 122 49 11993 11 869 I I 826

221


WINTER-UNIVERSIADE 1981 Spanien

ABFA HRT HERREN 1. Tsyganov Valery 2. Tchaadaev Sergei 3· Beccari G iovann i 4· Ju din 19or 5· Zappa Ful vio 6. Steinthaler Gen 7· Maier Helmut 8. Provera Massimo 9· Du Pasquier Denis 10. Zeman Bohumir '7. J enny Ma rku s 22. Zuber Andreas 23· Ru ssenberger Marc 29· Kozma Peter

URS URS lTA URS ITA AUT AUT lTA SUI TCH SUI SUl SUI SUl

LANG LA UF H E RR EN 15 KM 2.00·9 3 2.01.48 2.01. 7 3 2.01.86 2.01.89 2.01·95 2.02.26 2.02 ·93 2.02 ·95 2.°3. 21 2.04·53 2.06 .36 2.06 -44 2'°7. 62

SLALOM HE RREN I . Popangelov Pete r 2. Cerkovnik Tomaz 3· Blanc Patrick 4· Salvadores Carlos 5· Jourd an Ftancois 6. Zibler J anez 7· Gasienica Ciapta k Maci 8. Tontschev Luedmil 9· Benedik G rega 10. Provera Massimo 20. Ru ssenberger Marc 22. Grüter Han s 25 · Stricker Claud e

BUL JUG FRA SPA FRA JUG POL BUL J UG lTA SUI SUl SUI

1. Kozel A. 2. Burlakov J. 3· Devetairov M. 4· Kutukin A . 5· Lebanov 1. 22. Lutz H. J. 24· Schindler H . 4 2. Poltera G. 43 · Donze L. 55 · Grünenfelder Th.

1. 2 5.7° 1.'1.06 1. 27.57 1.28.64 1. 29.4 2 1. 29. 49 1. 29·jl 1.29. 86 1.3°·18 1. 3°·26 1. 33.9 ' I. )4.68

44. 26 . 27 45 . 24. 8, 45 -49.9 6 46.06.68 46.11.1 8 5°·28.23 50 · 3j.l4 53.32. 10 53 . 57 . 82 56.39 .7 2

URS URS URS URS BUL SUl SUI SUI SUl SUl

LANGLAUF H E RREN30KM 1. Lebano v 1. 2. Kozel A. 3· Kutukin A. 4· Devetairov M. 5· Kam iharako J. 29 · Sch indler H. 38. Poltera G.

BUL URS URS URS JPN SUl SUl

STAFFELLAUF HERREN 4 x I.

URS

2. JPN

I. '9' 18.28 1.19.39. 81 1.20.34.7 1 1.21.35. 86 1.2 I. 55·95 I. 31.01.92 1.39. I 2.26

10

KM

3. FlN

1.35·93 STAFFELLAUF DAMEN 3 x 5KM I.

RIESENSLALOM HERREN I. Zeman Bohumir 2. Cerkovnik Tomaz 3· Popangelov Peter 4· Fontaine Daniel Gasienica Ciaptak Maci 6. Blanc Patrick 7· J oyeusaz Mauro 8. Tontsche v Luedm il 9· Atienza Ricardo 10. Grüter Hans

222

TCH J UG BUL FRA POL FRA !TA BUL SPA SUl

TCH

2. URS 4· POL

2·)4·43 2.35. 10 2.35. 88 2.36.3 1 2.3 6.3' 2.3 6.97 2.)7. '7 2.)7.80 2.3 8.39 2.3 8.79

3. FlN 5· SUl

LANGLAUFDAMEN,oKM I. J eriova Q. 2. Paulu B. 3· Sabaloskai L 13 · Stebler B. 24· Stebler Ch .

T CH TCH URS SUI SUl

28 .03· 13 28 .33. 2 5 29.°5. 2 5 31.53·32 33. 02 -4 '


WINTER-UNIVERSIADE I983 Bulgarien

A EF AHR T DAMEN 1. Gantnerova-So ltysova, Jana TCH Charvatova O lga TCH FRA 3· Waldmeier Marie-Luce

LANGLAUF HERREN ' 5 KM 1.12.89 1.12.89 1.13.5 8

ABFAHRT HERREN 1. Du Pasquier Denis 2. Beccari Giovanni 3· So ltya Peter 4· Sp iess Uli 5· Morrisey John 16. Rochat Jean-Phi lippe 18. Schenk J ean-Rene 34· Jenny Markus 48. Zuber Andreas

SUI !TA TCH AUT USA SUI SUI SUI SUI

1.°7·95 1.08 ·°5 1.08 . 18 1.08.20 1.08.26 1.08·75 1.08·9° 1'°9. 62 1.10.16

RIESENSLALOM DAMEN 1. Zini Daniela 2. Charvatova O lga 3· T lalka Ma lgorszata

ITA TCH POL

2'°7. 69 2.°9-4 2 2·°9 · 59

R IESENSLALOM HERREN 1. Sal vadores Carlos 2. Hadjiev Mitko 3· Grüter Hans 4· Kozma Peter 5· Kreacic 19or 39· Stricker C1aude 41. Berg Björn 48. Schenk Jean-Rene 52 . Du Pasqu ier Denis

ESP BUL SUI HU YUG SUI SUI SUI SUI

1. Devetyarov Mikhail 2. Lebanov I van 3· Boonstra Todd 4· Malkin Vital 5· Borodavko Yuri 33· Lüthi Serge 52· Kopp Peter 53· Condrau Giusep 54· Kopp Ueli 55· Langel Phil ippe

URS BUL USA URS URS SUI SUI SUI SUI SUI

42.00 .0 4 2.57.7 43. 10 .4 43-'4. 8 43. 24.7 46.3°.3 4 8.55. 1 48.5 8.0 4 8.5 8. 1 49. 16 . 2

LANGLAUF HERREN 30 KM 1. Devetyarov M ikhail 2. Mazalov Vladimir 3· Lebanov Ivan 4· Georgiev Mikhail 5· Borodavko Yuri 24· Lüthi Serge 43· Condrau Giusep 44· Kopp Uel i 47· Kopp Peter 51. Stadler Markus 52 · Langel Philippe

URS URS BUL TCH URS SUI SUI SUI SUI SUI SUI

1. 24.28 .8 1.26.08-4 1.27·5'·1 1.28.17. 8 1.28.3 6.1 1.33.27. 1 1.37-45·5 1.37·57·3 1.3 8 -4°.3 1.4°.34. 8 '-4°.45. 0

2.26.81 2.27·°9 2·27 · '7 2.27. 26 2·27·49 2.34.7 8 2.35. 16 2.3 6.29 2.3 8.28

LANGLAUFDAMEN5KM 1. Zabo lotskaya Lyubov 2. Vasilchenko Lilia 3· Smirnova Faina 4· Kepenova Zora 5· Reit Livia Elena 45· Stebler Brigitte

URS URS URS TCH ROM SUI

15 .11.2 '5 -4 2. 1 16.05 -4 16·°5·9 16.29.0 '9·°7·7

LANGLAUFDAMEN,0KM SLALOM DAMEN 1. Zini Danie la 2. Zavadlav Anja 3· Tlalka Ma lgorszata

ITA YUG POL

1.18·52 1.20.08 1.20.4 '

SLALOM HERREN 1. Popangelov Pete r 2. Ga idet Ch ristian 3· Melnikov Leonid 4· Podboj 19or 5· Mikami Yoshitaka 18. Stricker Claude

BUL FRA URS YUG JPN SUI

1. 29. 84 1.3 1.06 1.)2.81 1.33. 0 5 1.34. 13 1.39·95

1. Zabolotskaya Lyubov 2. Vasilchenko Li lia 3· Smirnova Faina 4· Fokina Nata lia 5· Kepenova Zora 40. Stebler Erigitte

URS URS URS URS TCH SUI

3°.39 . 8 3°·57·3 )2.13·9 33 ·°3·7 33. 10 .3 37. 2 5. 2

STAFFELLAUF DAMEN 3 x 5KM 1. URS

2. TCH

3· FI N

STAFFELLAUF HERREN 4 x 10 KM 1. URS

2. EUL

3. FIN

223


ZENTRALVORSTAND BERN '980-'983 Präsident Vizepräsident Beisitzer Verbindung SASV

Martin Hodler Rudolf von Siebenthai Truls Berg J ost Schnyder (bis Dez. 83) Fran~ois Rouge (ab Dez. 83) Urs Lacotte Bruno Hammer Peter Aerni Urs Knecht Ruedi Schnider Markus Stähli

Chef Alpin Chef Nordisch Chef J ung-sAs Chef Finanzen Chef Material Sekretariat

TECHNISCHE KOMMISSION Präsident Vizepräsident Chef Alpin Chef Nordisch/sHM Chef SAS/F1S/sHM-Rennen alpin Chef Schiedsrichterwesen Chef Zeitmessung Beisitzer

Ivan Wagner Jean-Philipp Rochat Hanspeter DenzIer Carlo Fahrländer Olivier Brunisholz Rudolf Glarner Thomas Hug J ean-J acques Clavadetscher Fritz Holzer

PUBLIZIT Ä TSKOMMISSION Präsident Schriftleiter «Der Schneehase» Redaktor «SAS News»

Hansueli Stadler Raoul Imseng Nicolas Berg

* * * * * SAS STIFTUNG Präsident des Stiftungsrates Mitglieder

Martin F . Hafter Hans Kessler Pierre Riotton Vinzenz Losinger Gilbert Schwaar Walter H. Vock

SAS ALPIN-STIFTUNG Präsident des Stiftungs rates Mitglieder

Hans Grimm Ulrich CampeIl Ulrich Stüssi


Im Mittelpunkt der clubinternen Aktivitäten stehen die im Rahmen des SAS-CUPS ausgetragenen Rennen. Diese, durch die einzelnen Sektionen und den Zentral vorstand organisiert, bilden die eigentliche sAs-Saison-Meisterschaft. Nach einem speziell für diesen Zweck 1977 erstellten Reglement werden dabei jährlich die Sieger bei dem Jeune-sAs, den Aktiven, den Alten Herren sowie die beste Sektion ermittelt. Erwähnenswert ist die Vielfalt der in dieser Meisterschaft einbezogenen Disziplinen: Neben Abfahrt, Slalom und Riesenslalom werden auch Langlauf, Hoplom (eine Kombination von Slalom und Sprung), Parallel slalom sowie seit kurzem auch ein Super-G (eine Mischung von Abfahrt und Riesenslalom) ausgetragen. Einer langen Tradition erfreut sich das AngloSuisse, ältestes Team-Rennen der Welt, das im Januar 1984 in St. Moritz zum )2. Mal durchgeführt werden wird, sowie das Italo-Suisse, erstmals ausgetragen 1936 am Gran Sasso in Italien. Der jüngste Sprössling im Rennkalender des SAS ist der Internationale sAs-Pentathlon, betreut durch Ivan Wagner und Guolf Gattiker, beide SAS Zürich. An diesem in der Schweiz einzigartigen Winter-Mehrkampf, bestehend aus Riesenslalom, Sprunglauf, Curling, Langlauf und Schwimmen, nahmen seit 1978 jedes Jahr 33 Dreierteams teil. Dank der Anwendung eines altersbedingten Handicap-Systems wird dabei der Einbezug von Teilnehmern aller Alterskategorien in einer gemeinsamen Einzel- und Mannschaftswertung ermöglicht. Bei der Gründung dieses Wettkampfs stand die Sorge über die heutige Entwicklung im Spitzenskirennsport im Vordergrund. Der Pentathlon versucht, an Stelle der ständig wachsenden Spezialisierung Vielseitigkeit zu fördern, Sportindividualisten und -idealisten beiden Geschlechts und jeden Alters in einem gemeinsamen Wettkampf zusammenzuführen sowie Teamgeist und Freundschaft über die Grenzen hinaus aufleben zu lassen. Für das vorliegende 32. Jahrbuch haben auf Einladung der Schriftleitung folgende Autoren, die nicht Mitglieder des SAS sind, Beiträge zur Verfügung gestellt: Prof. Dr. Heini Hediger, Zürich Prof. Dr. Eduard Imhof, Erlenbach Prof. Dr. Hans Rudolf Kurz, Bern Prof. Dr. Benno M . Nigg, Calgary (Canada) Dr. Horst Stern, München Victor StolI, Chefredaktor, Zürich Jörg Wyss, Fürsprech, Thun Umschlag-Photo: Eric Dragesco

Dieses Jahrbuch ist zum Preis von Fr. 40.- beim Kommissionsverlag De Clivo Press, Postfach, CH-8600 Dübendorf (Zürich) erhältlich. Tel. (01) 8201224


SCHRIFTLEITUNG: RAOUL IMSENG

Martin Hodler, Arnold Kaech, Pierre Hirschy, Ivan Wagner, Walter Amstutz, Aksel Gresvig, Heini Hediger, Benno M. Nigg, Eduard Imhof, Raoul Imseng, Carl Schneiter, Hanspeter DenzIer, Pierre Andre Morand, J ürg Marmet, Peter Grunder, Hans Rudolf Kurz, Augusto Gansser, Ulrich Campell, Horst Stern, Charles von Wurstemberger, Victor Stoll, J ames Riddell, Walo Hörning, Jörg Wyss schreiben über: SAS und Leistungssport; Sport, Arbeitswelt, Kultur; «Sans Titre . . .»; Die SASAktivitäten im Wandel der Zeit; Portrait of a Pioneer Sir Arnold Lunn, 1888- 1974; Langlauf in Norwegen; Die Schneemaus «Höchstes» Säugetier der Alpen; Belastung und Beanspruchung des menschlichen Bewegungsapparates beim alpinen Skilauf; Wenn man den Panorama- und Kartenzeichnern über die Schultern guckt; Pirmin Zurbriggen und sein Almagell; Sport nach 50; Wege zum Ziel; Universiade, Rencontre entre etudiants ou course aux medailles?; sAs'ler über 8000 Meter; Beruf oder Sport Beruf und Sport?; Hans Beat Wieland; Spuren; Mit zusammenlegbaren Ski über alle Viertausender vom Monte Rosa zum Breithorn; Langlauf und Tierleben; sAs-CanadaExpedition 1982; Schlittenhunde und einsame Spuren; Inferno; Erinnerungen an die Jungfraustafette; Quod erat demonstrandum Präsidial berichte und Ehrungen Resultate

Profile for Swiss Academic Ski Club

Nr 32 1981-1983  

Nr 32 1981-1983

Nr 32 1981-1983  

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Profile for sas-ski
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