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D A S BUCH DER ABFAHRT 77 PHOTOS, 2 FARBENPHQTOS, 45 S K I Z Z E N U N D 6 T A B E L L E N I M ANHANG

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SCHRIFTLEITUNG

SEE FRlEDRlCH KURTZ

RIEDEL

DR. GUNTHER LANGES

SPRINGERKÖNIG BIRGER RUUD

ARNOLD LUNN

ING. R. STRAUMANW

DR. WALTER A M S T U T Z

DIREKTOR LEKTOR HERBERT

PROF. DR. HANS THlRRlNG

u.a.m.

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Die Ski-Kante Amateurfragen Abfahrt und Slalom in Norwegen Die Knochen d e r Rennfahrer Zeit- und Strecken-Messiingsprobleme Zukunft des Slaloms Neue Kornbinationsmethoden f ü r Abfahrt und Slalom D e r Ski erobert die Türkei Ski-Springen Angriff F I S Sprunganlagen-Normen Normung des Skistiefel-Sohlenwinkels Zahlreiche Rennberichle U.S.W.


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B DAS BUCH DER ABFAHRT

„Das Buch der Abfahrt" nennt sich der ,,Schneehaseu bescheiden. Film des Skisports, Prophet der Abfahrt wären Bezeichnungen, die dem spezifischen Charakter dieses einzigartigen ,,Jahrbuchesu des SAS (Schweizerischer Akademischer Ski-Club) eher gerecht würden, von dem der ,,Sportu sagte, es beherrsche die Skiliteratur der Welt, die ,,B. 2. am Mittag", es lese sich wie ein aufregender Roman, sei aufschlußreicher wie zehn statistische Jahrbücher - den Freund packender Bilder und virtuoser Aufmachung begeisternd, und das vom ,,Winteru als unbedingt flottestes und fortschrittliches Ski-Jahrbuch bezeichnet wird. Film, der beispiellos schmissigen, sonne- und tempo-durchsetzten, originellen und meisterlich beschnittenen Lichtbilder, des unterhaltsamen und vielseitigen, frisch aus dem Schnee gegriffenen Textes wegen; Prophet, weil der ,,Schneehaseu dank seiner Abstammung in einem höchst fruchtbaren Wechselverhältnis zum modernen Skisport steht, dessen Schönheiten, Entwicklung, große Ereignisse und gelegentlichen Verirrungen in diesem prachtvollen Buche nicht lediglich überzeugend offenbart, festgehalten und aus berufener Feder kritisch unter die Lupe genommen werden ; der „Schneehaseu erfüllte von jeher die hohe Mission, den Vätern und verdienstvollen „Erziehernd modernen Skifahrens als stark beachtetes Sprachrohr zu dienen, welcher Umstand ihm nicht zuletzt sein berechtigtes Ansehen als unumstrittenes StaudardWerk eintrug. So verleihen die geistreichen Angriffe, anregenden Vorschläge und Plaudereien, Untersuchungen und Auseinandersetzungen des scharfsinnigen Ski-PapstesArnold Lunn, der Professoren Altrock und Thirring, von Kapitän z. See F. Kurtz, des zu seiner jüngsten und - so unglaublich es den Freunden früherer „SchneehasenH klingen muß - entschieden höchsten, glücklichsten Leistung zu beglückwünschenden Schriftleiters Dr. Walter Amstutz, von Dr. G. Langes, Ing. R. Straumann, Lektor H. Riede1 und Springerkönig Birger Ruud - um nur einige der Mitarbeiter herauszugreifen - dem neuen ,,Schneehasen" wieder jenen exklusiven Gehalt, der, durch Spitzenerfolge der Sportsphotographie und graphischen Kunst würdig eingerahmt, der das ,,Jahrbuch" des SAR weit über ein Jahrbuch und über die Jahrbücher stellt. Dieser ,,Schneehaseh enthält 77 Photos, 2Farbenphotos, 45 Skizzen und 6 Tabellen im Anhang.

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JAHRBUCH D E S S C H W E I Z E R I S C H E N AKADEMISCHEN SKI-CLUB ANNUAIRE DU S K I - C L U B ACADEMIQUE SUISSE

SCHRl FTLEITUNG

WALTER A M S T U T Z

BD. 3 1 No. 9 1 1935 P R E I S F R . 6.-


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Höhenweltrekord auf S k i Uber 7000 Meter: Himalaja Expedition 1934 Artic Expedition 1935: Royal Geographical Society, Oxford Erfolgreichster Skifahrer (FIS-Sieger): B i r g e r Ruud Sprungrekord von 9 9 Meter i n Ponte d i Legno: Fr. Kainersdorfer Kandahar-Sieger und Siegerin: Arnold Glatthard und Anny Rüega Schweizer Skimeister: F r i t z Steuri

Franz. Skimeister: Siegmund Ruud

Schwedischer Skimeister: Eriksen

Norweg.Skimeister: A. B. Christiansen

Finnischer Skimeister: Valonen

Deutscher Skimeister: Sörensen

Polnischer Skimeister: Maruzars

Italienischer Skimeister: Bonomo

Holmenkohl-Sieger: Hans Beck

Parsenn-Diavolezza-Sieger: Rominger

Arlberg-Sieger: Otto F u r r e r

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Lrmmfen und Fahren Laufen: Der Diagonalzug-Haken ist eingeschoben; der Doppelriemen hat freies Spiel bis an die Riemen-Nut, da die Backen-Platte ausgeschnitten ist. Bei ausgezeichneter ZehenfGhrung gibt die Bindung in dieser Stellung eine ungehinderte Abrollung des Fußes, mit angenehmem, federndem Fersendruck. Zum Laufen und Fahren in leichtem Gelände und Weichschnee ideal; Ermüdung des Fußgewölbes und Krämpfe bleiben aus.

Fahren: Der Diagonalzug-Haken ist ausgeschwenkt; mit geöffnetem Federstrammer wird der Doppelriemen unter den Haken geschoben und der Strammer geschlossen. In dieser Stellung wirkt der Diagonalzug in der gewünschten Starke als Fersendruck. In schwerem Gelände und auf harter Piste oder bei schwerem Schnee bleibt der Ski mit ausgezeichneter Führung am Absatz. Bei schweren Stürzen nach vorn oder bei hangenbleibendem Ski gibt der elastischeFederstrammer nach oder springt auf, wodurch Zerrungen vermieden werden. I

1=Nut. 2=Doppelriemen. 3=Diagonalzug-Haken: ausschwenkbar, z u m Einhängen des ~ o p p e l r i e m m k (Fahren); einschiebbar, bei Verwendung des ausgehängten Doppelriemens (Laufen). 4=Stellschraube: Diagonalzug-Stärke 1 (normal), 2 (verstärkt), 3 (stark). S=Federstrammer. 6=Fußplatte. 7 =Diagonalzug-Platte. 8= Deckplatte. 9 =Alpina-Spezialbacke. lO=Sohlenhalter. 1 Im guten Sportgeschäft erhältlich

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Jiilirbucli des Schweizerischen Akadcniisclicn Ski-Club

Biind :I, Ko. 9, 1935

Schriftleitung: Walter Amstutz

INHALTSVERZEICHNIS

Seite

Gettarikeii eiries Reririfahrers iin Jahre 1!)36. Schriftlcit,t:r , . Ski-Heil, Kamerad Professional! Vori Dr. Gurither Langes, Uolzario Die Meisterklasse. Von Dr. Waltor Arnstutz, SAS, St. Moritz ,;,->, ..+ Die Zukunft drs Slaloms. Voii Ariioltl I,unn, SAS, I,oii<l«ri Messung von Rennstreckeri. Von Kapitcin zur See a. D. 1~'rietlricl.iKurtz, Bremeii Bravo, Herr Kapitän! Vor1 Dr. Gurither Langes, Bolzano Gespräch mit Reinhard Stranrriann. Von Othma,r Gurtner, SAS, Zi1ric.h. Mit 6 'l'abellen im Anhang Der noiie Modus zur Errectinung korribininrter Abfaliits- iin(1 Slalorn-Resultate. Von Arnold Lunn, SAS, Loiidon Die Skikantc. Vori Prof. Ur. Hermann Altrock, Leipzig Kormung des Sohlcrim~i~ikcls bei Skistiefelri. Vor1 Prof. Dr. Hans Tliirririg, Urii\rersitiit Wien Zur Zeitnit~ssurig.Von Dip1:Irig. W. \V. Arnhercl. Lontlon Zurii Angriff Lindstatl auf tlio Fis-Norrneri fiir Sprunganlagon. Vori Ing. H. Straurnarin, Waldenburg, Sprungscharizenexperte der FIS Skispringen. Von Birger Ruutl, Rorlin-Uarrriisch-Partriikirolicri Einige Betrachtiitigeri iiber Abfahrt iintl Slalom in h'orwcgeii. Von ITilly Biirgin, SAS, Ziiricali Der Ski erobert dio Tiirkei. Von Direktor Hcrbert Hiedol, Ankara-lJcipzig

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PRHSIDIAL-,

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SKI- U N D CLUBBERICHTE

SAS 1934/1935. Von Dr. H. Binder, Zentralpräsident des SAS, Zürich Das Rennjahr des SAS. Von W. M. Bürgin, Rennchef SAS, Zürich SAS-Tour i n die Alpes Vanoises. Von Dr. Paul Stein, SAS, Zürich Das 10. Anglo-Swiss-Rennen, 3.-4. Januar 1935, St. Moritz. Von Dr. Walter Amstutz, SAS, St. Moritz Tagebuch der 11. Ski-Hochschulmeisterschaftin Engelberg, 11 .-13. Januar 1935. VonViktor Streiff, SAS, Zürich 4. Akademische Weltwinterspiele und 11. SAS-Rennen, St. Moritz 4. - 10. Februar 1935. Von Heinz Schiller, St. Moritz 3. Wintermeisterschaften der Universität Bern, Grindelwald 15./16./17. Februar 1935. Von Werner Grob, SAS, Grindelwald FIS-Reportage aus Mürren, 22.-25. Februar 1935. Von Othmar Gurtner, SAS, Zürich 8. Arlberg-Kandahar-Rennen in Mürren, 9.110. März 1935. Von Fritz Ringgenberg, Meiringen Das „AS-Komitee" Wir erfahren von der F I S Rennkalender der F I S 1935 Mitteilungen des Zentral-Vorstandes des SAS


uEDANKEN E I N E S RENNFAHRERS I M JAHRE 1936 Ich erinnere mich noch an die schönen Tage, wo es ein Vergniigen war, den Starter zu hören: „Bereit. . fertig. . . los!" Und beschwingt wallte man die Hänge hinunter -man dachte sich: den ,,Mack6'hol' ich mir, und wenn nicht, dann jedenfalls das nächste Mal, und man hatte dabei sein helles Vergnügen ! Und heute? ,,Bereit. . fertig. . los !" Man fliegt wie ein Irrsinniger die Lawinenzüge hinunter - nicht um den ,,MackUzu holen - bewahre! Die Ehre des Vaterlandes steht auf dem Spiel. Der nationale Sportkommissär hat ja schon im Sommer mehrere tausend Taler aus dem Staatssäckel zu Trainingszwecken überwiesen erhalten. Es gilt zu amortisieren. Es geht in den Kampf um das Nationenklassement. Schande deiner Heimat, wenn du fiiegst! Die Landesverteidigung erwartet Resultate - Leistungen, die dem Prestige der Nation entsprechen. Wenn man so im Rennen liegt, denkt man an das monatelange spartanische Training des eben gestarteten Vorläufers. Dieser begann unter Aufsicht der nationalen Sportkommission seine Vorbereitungen - wie hieß man sie schon?. . ach ja, Konditionstraining - bereits im Hochsommer im Nationalen Institut für Leibesiibungen. Ununterbrochen hat er mit seinen Kameraden geübt - auf Rollski -, ist durch Wälder gejagt und ist regelmiißiger zu Bette gegangen, aufgestanden, hat regelrniißiger und nach wissenschaftlichen Grunds&tzenNahrung zu sich genommen, regelmäßiger Duschen und Massagen erhalten als es je der Stoppzeiger auf dem Chronometer des Starters anzeigen könnte. Ja, dieser Vormann - den ich vielleicht doch noch erwische - sei es mit gut Glück, oder sei es, weil meine zwei Beine trotz alledem noch besaer aushalten, der muß ja auch seine Nation retten. Von ihm dürfen seine Landsleute und seine Presse zwar füglich mehr erwarten als von mir, denn die Steuerbelastung pro Kopf für Rennskifahrer dieser Nation ist erheblich über dem Durchschnitt und übersteigt jedenfalls die meines Vaterlandes um das Mehrfache! Es nahen die Tage des olympischen Kampfes, der sein Vorbild in der Antike geholt hat. Es soll ein Kampf sein unter Gleichen. Amateur, heißt es im ,,BrockhausCc, ist ein „Liebhaberc'. Unter solchen Skilehrer sind vom Wettbewerb ausgeschlossen. Schon seit Monaten aber stehen gilt der Kampf. ,,Liebhaber" unter Aufsicht der nationalen Behörden in Zucht und Ordnung, um sich auf das Ringen vorzubereiten. Wo bleibt der Unterschied zwischen dem vom Staate finanzierten ,,Liebhaberu und dem sich unter Umständen selber erhaltenden Skilehrer? Die brennende Frage von Amateur und Professional im Skisport harrt der gerechten Lösung!

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St. Moritz, im Oktober 1935.

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SKI-HEIL, KAMERAD PROFESSIONAL1 Von Dr. Gunther Lang@, Bvlzano. Wenn ich nicht schon meinen doctor juris hätte, würde ich mir billig einen doctor philosophiae mit einer großen Arbeit über ,,Amateur und Professional, eine Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung des Skisports", holen. Die Dissertation gäbe eine schöne, dicke Broschüre. Als Unterlage würde ich hauptsächlich einen Aufsatz verwenden, den köstlichen ,,Ewigen Zankapfel" von Arnold ,,Schneehasen" des letzten Jahres. Arnold unn hat sehr viel und alles sehr geistreich und vornehm gesagt. Ich bewundere dies allw sehr, n mit dem vornehmen Ton bin ich heute fast nicht mehr einverstanden. In dem Jahr, das vergang n ist, hat sich ein kurzer, aber inhaltsreicher Kampf zwischen zwei obersten Sportbehörda LuM abgespielt, kurze, entschiedene Waffengänge mit ein paar Briefen. Den willkürlichen Sieg der einkönnte man so skizzieren: Die Skilehrer sind Professionals und bleiben von der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen ausgeschlossen. Basta! Hochachtungsvoll C. I. 0. Hätte Arnold Lunn das vor einem Jahre gewußt (im ,,Zankapfel" spricht er noch von ,,starken Bestrebungen"), er wäre bestimmt im Ton etwas schärfer gewesen. Darum will ich es sein, hier will ich einsetzen! Man kann mit spitzen Lanzen anrennen und dabei doch ritterlich kämpfen! Ich will es versuchen. h o l d Lunn sagt, daß ein ständiges Problem in ein akutes Stadium kommen wird. Heute ist diessis zündbare Problem bereits brennend geworden; um noch genauer zu sein: vorläufig ist es einmal in hellen Flammen aufgegangen und wir stehen vor kahlen Brandruinen, die hoffentlich nicht & Olympischen Winterspiele sein werden. Wird aus diesen Ruinen auch wieder einmal neues Leben sprießen? Wir wollen es hoffen und dafür uns einsetzen. Es gibt also ein sportliches Gesetz, das die Skiläufer in Amateure und Professionals einteilt. Daß die Formulierung dieses Gesetzes aber nicht einmal imstande war, fest und scharf umrissen zu sagen, wer Amateur und wer Professional sei, also eine Begriffsbestimmung, eine Definition nach den einfachsten Regeln der Logik und der Gesetzgebung zu schaffen, das hat Arnold Lunn sehr gutmütig lächelnd nachgewiesen. Es ist der Mühe wert, nach der Motivierung dieses sportlichen Gesetzes, wie sie ja schließlich jedes Gesetz haben muß, zu forschen. Es handelt sich um Geld und Beruf. Wer den Skisport als Beruf ausübt, wer damit Geld verdient, ist ein Professional, ein Berufssportler, und damit von der Teilnahme an den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Arnold Lunn hat sehr gut dargeIegt, wie die Trennung in Amateure und Professionals ihre geschichtliche Entwicklung im englischen Sport des verflossenen Jahrhunderts gehabt hat. Wie diese Trennung mißverständlich zu einem für unsere Zeiten sinnlosen Gesetz erhoben worden ist, soll hier untersucht werden. Geld ist durch dieses sportliche Gesetz auf einmal anrüchig geworden! Man darf Sport und auch guten Sport und Konkurrenzsport nicht als Beruf ausüben und damit Geld verdienen. Der Sport wird mit einem ethischen Geranke verziert, wie es sonst nirgendwo zu finden ist. Der Künstler erhiilt für die höchsten Offenbarungen des menschlichen Geistes Geld (und sollte meist noch viel mehr verdienen!), Feldherren und Staatsmänner bekommen geldliche Ehrengaben von ihren Völkern für ihre Verdienste, an viele Orden und Auszeichnungen für Tapferkeit vor dem Feinde sind Renten und geldliche Gaben geknüpft. Alle diese hochstehenden und idealen Berufe vertragen somit das Geldnehmen und Geldverdienen! Der Sport aber steht über alldem, er verträgt das nicht! Wer beruflich Sportsmann ist, wer für sportliche Ausübung Geld nimmt, ist unwürdig! ! Als Motiv für die Abseitsdrängung der Professionals' ihr Geldverdienen anzunehmen, ist also so hirnrissig, dai3 wohl nur wenige aus dem gegnerischen Lager hartnäckig daran festhalten werden. Und diese sind ungefährlich, denn sie sind verbohrte Eigenbrödler auf verlorenem Posten. Bchon allein diese kurze Untersuchung hat ergeben, daß verständigerweise BerufsausÜbung 4 Geldverdienen nicht das Motiv für die Redaktion des harten Professionalgesetzes sein können. Dm

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Komplex Geld und Beruf sind auch bestimmt nie das Motiv gewesen, sondern nur wesentlich Unterscheidungmerlcmal in gesetzlichem Sinne. In Wirklichkeit ist das auslösende Moment, das läßt sich leicht aus dem obigen Merkmal rekonstruieren, die erweiterte Ausübungsmöglichkeit und Ausübung des Skisports, die dem Professional als feststehende Tatsache anhangen. Aber diese Tatsache allein kann noch kein treibendes Motiv bilden (denn sonst müßte man die Skiläufer auch in Ein-, ZweiDrei- und Mehrwochenskiläufer einteilen). Aus der erweiterten Ausübungsmöglichkeit jedoch folgert man - mit Recht oder Unrecht, das bleibe vorläufig dahingestellt - die Möglichkeit der Aneignung eines höheren Könnens, einen besseren Start mit erhöhten Siegesaussichten! Einen idealen Charakter könnte das auch noch immer vollkommen unberührt lassen, bei anderen aber, und die haben das Gesetz gemacht, erzeugt dies Neid ! Zu dem gesellen sich als wenig erfreulich noch zwei sportliche Untugenden: Siegpsychose und eine absolute Wertung einer sportlich relativen Lehtung !Damit haben wir die wirklichen Motive klar herausgeschält. Zu der obigen Begründung vorerst ein Beispiel. Ein Musikliebhaber weigert sich mit Berufsmu~likern in einem Konzert mitzuwirken, obschon die Mitwirkung an sich ihm ein großer Genuß wäre, eben weil die anderen Berufsmusiker sind. Es kann dies natürlich nie die wirkliche Begründung im letzten Ende sein, er kann damit natürlich niemals die Tatsache der Berufsausübung allein meinen, denn sonst gehörte der snobistische Kerl im zwanzigsten Jahrhundert erschlagen oder um ein paar Jahrhunderte als Feudalherr in das Mittelalter zurückversetzt. Und schließlich ist auch Diplomatsein nur ein Beruf. Nein, der gute Amateurmusiker will damit nur sagen, daß ihm die anderen durch die Berufsausübung über sind, daß er sich dadurch übervorteilt sieht in seiner Leistungsfähigkeit und nicht so bestehen kann wie sie. Diese wirklichen Beweggründe liegen in dem unterscheidenden Merkmal : Beruf ! Wir alle hängen mit Leidenschaft an unserem Skisport. Was leichter, als daß nicht sehr ausgeglichene Charaktere jeden Mitmenschen beneiden, dem ein glückhaftes Schicksal Beruf und Liebhaberei zusammenlegte (denn so sehen sie es kurzsichtig und unter Abstraktion vieler weniger glücklicheren


Beigaben, die diese Vereinigung auch meistens mit sich bringt). Dieser Neid zeigt sich in allen Spielarten, vom harmlos-kindlichenNeid, der dem gleich ist, den man einst auf das etwas dicker bestrichene Butterbrot des Schulkameraden hatte, bis zum gehässigen Neid, durch den man den anderen, glücklicheren Sportskameradenzum minderwertigen Menschen stempelt, mit dem man nicht in die Kampfbahn tritt. Dazu kann auch noch die Siegpsychose kommen. Sie ist der Standpunkt, nur in Wettbewerben an'zutreten, in denen man eine bestimmte, sehr hohe Aussicht auf den Sieg oder zumindest auf einen der ersten Plätze hat. Mit ihr eng verbunden ist bei diesen Leuten meistens auch noch die absolute Wertung ihrer sportlich relativen Leistung. Für beide zusammen ein Beispiel. Ein sehr guter Amateur bestreitet ein offenes Rennen. Im Ergebnis liegen vor ihm fünf Professionals, er wird Sechster, mit einem schon sehr fühlbaren Zeitunterschied zum Ersten. Hat dieser Amateur die schlechten sportlichen Eigenschaften, von denen oben die Rede ist, wird er sich nun sagen: Hätte ich die Professionals aus diesem Rennen ausschließen können, wäre ich Sieger geworden und meine Zeit wäre als sportliche Leistung die beste gewesen. Er verfällt somit in eine Siegerpsychose und in eine absolute Wertung seiner doch nur sehr relativen Sportleistung ! Dieser Standpunkt ist ganz und gar verwerflich, weil er mit Unterdrückung einer besseren Leistung, die personell, zeitlich und örtlich durch die nicht vereitelte Teilnahme anderer zustande hätte kommen können, eine Pseudosiegerleistung schafft. Den Höhepunkt der Verwerflichkeit erreicht diese sportliche Stellungnahme in den offensten Rennen, in den Weltrennen der Olympischen Spiele. Bedingte Rennen, niimlich fast alle Nationalrneisterschaften, Landesmeisterschaften, akademische Rennen, Vereins- und Gästerennen usw., schaffen sich ja schon durch die bedingte Ausschreibung eine bedingte Siegerleistung. Bei allen offenen Rennen aber und vor allem bei den weltoffenen Rennen der Olympischen Spiele wird durch den Ausschluß der favorisierten Teilnehmer in häßlichstem Widerspruch zur unbedingten Weltbestleistung eine bedingte Bestleistung geschaffen, die nie darauf Anspruch erheben kann. Eine hohe, sportliche Leistung steht in ihren Auswirkungen mit zahlreichen Fäden immer auch zur Umwelt in Verbindung. Darin ähnelt der Sportsmann dem Künstler, dessen Kunstwerk in gewissem Sinne auch erst mit der Aufnahme durch die Mitwelt sanktioniert wird. Die Begründung für diese Zusammenhänge verliert sich im Problemgewirr der menschlichen Seele. Soviel aber ist aus diesen Zusammenhängen zu folgern, daß die Umwelt solche sportliche Leistungen etwas angehen. Ich mache mich jetzt zum Sprecher der Umwelt an Hand eines Beispieles, das sehr gut Wirklichkeit werden könnte. Nehmen wir an, ich stünde als Zuschauer bei einem weltoffenen Skirennen, bei dem die Besten, eben weil sie Professionals sind, von der Teilnahme ausgeschlossen wurden. Ich bekäme da also Leistungen zu sehen, die sich anmaßen, die weltbesten zu sein, in Wirklichkeit jedoch durch den ausgeübten Zwang verkrüppelt sind. Würde einem da nicht die Wut pack&? Denn ich will ja nicht sehen, wie man als unbezahlter Amateur um so und so viel schlechter sein kann als ein geldverdienender Profi, ich will ja nicht sehen, wie gestümpert wird, wenn ich weiß, daß die hervorragendsten Könner untätig herumstehen und zusehen. Und mich interessiert schon gar nicht, mir auszuklügeln, wie nahe diese Amateure an die Leistung der besten ~ro'fessionalsherankommen, obschon sie 350 Tage des Jahres im Bureau in Hamburg oder Palermo oder sonstwo sitzen, und nur 14 Tage Schnee unter den Ski hatten. Mich interessiert leibhaftig nicht, die Wertung der gebotenen Leistung mit dem Gedankengang einzuleiten: Wenn man bedenkt, daß . . . dann ist die Leistung hoch zu werten. Von diesem Verrennen in immer und ewig bedingte Leistungswertungen muß einem doch langsam übel werden! Und schließlich müßte ein einbeiniger Invalider, der eine 5.Minuten-Abfahrtstrecke in einer Stunde heruntertreppt, als Sieger gewertet werden, wenn man bedenkt, daß . . Wenn meine alte Tante vier Räder hätte, dann wäre sie eben auch ein Omnibus!

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Die Leistungen bei Rennen nach dem Amateurprinzip vertragen eben keinen absoluten Maßstab, und falls sie schlechter sein sollten, werden sie von den anhängern dieses Prinzips mit Bedingungen


Man sollte nach einem solchen Rennen zum Sieger gehen und ihm sagen: „Sie sind im Verhältnis dazu, daß Sie nicht beruflich in diesem Sporte tätig sind und kein Geld damit verdienen, recht gut gelaufen! Wenn alles vorüber ist, gehen Sie vielleicht doch noch einmal zu einem erstklassigen Professional in den Kurs, vielleicht können Sie noch etwas lernen!" Der Amateurstandpnkt ist der Tod der sportlichen Höchetlektung! Ich habe in den obigen Ausführungen mit Absicht den Amateur ständig zum weniger Leistenden, ja fast zum Stümper gestempelt, was natürlich von vorneherein unberechtigt ist, denn es gibt gern* ausgezeichnete Amateure. Ich habe dies absichtlich getan, um damit zu zeigen, daß man nach Geschmack und Laune höher und niedriger werten kann, wenn die Vergleichsmöglichkeit zwischen den beiden. Gruppen fehlt. Der Rat, den ich oben dem Olympiasieger gegeben habe, könnte alsc auch sehr gut verfehlt sein. Für meine Ansicht spricht, daß die Spitzenklasse im Skisport (zumindest in Mitteleuropa) bisher in erdrückend großer Zahl von Professionals gebildet wird. Die Nahrung für die Motivierung des Amateurstandpunktes bildet hauptsächlich eine immer wieder zitierte Behauptung seiner Anhänger: Zwischen den beiden Gruppen bestehe ein sehr große] Unterschied in den Möglichkeiten, sich dem Sport zu widmen und damit sich zu üben, zu trainieren sein Können zu erhöhen, sich zu vervollständigen! Also verschiedene sportliche Lebensbedingungen, Arme und Reiche, vom Schicksal Benachteiligte und Beglückte, Amateure und Professionals! Arnold Lunn hat die Verschiedenheit dieses Trainingsstandards für die beiden Gruppen untersucht und sogar zugegeben, sehr loyal bis zu einem gewissen Grade zugegeben. Sehr hitzig wird das abei von anderer Seite wieder bestritten. Es wird immer ein Streit um des Kaisers Bart bleiben! Dem solange man nicht imstande ist, einwandfrei zu beweisen, ob diese tiberlegungen und in welchen: Ausmaße sie stimmen, wird man mit ihnen nicht einmal theoretisch rechten können. Sehen wir uns einmal dieses wirre Kampffeld der Meinungen und Behauptungen an. Die Amateure operierer zumeist ganz einfach und generell damit, daß der Professional mehr auf dem Schnee stünde unc daher bessere Bedingungen habe. Die Professionals hingegen wollen beweisen, daß das berufliche Skifahren (in den meisten Fällen wohl Skikurse leiten) reinstes Gift für einen Rennläufer sei, dac man nur wieder durch verstärktes Training aus den Knochen bringe. Die Schlachtordnungen seher also so aus: Hie Professionals, die Leute mit den ,,unbeschränkten Trainingsmöglichkeiten", vor denen sie selber aber behaupten, daß sie keine Möglichkeiten seien, hie Amateure, die ewig jammernc feststellen, daß sie nie genügend Zeit und Möglichkeit hätten, sich bis zur Vollendung durchzubilden. Beide werden irgendwie Recht und Unrecht haben; wie viel und wie weit, das wird niemand ergründen. Bei den Professionals ist es bestimmt schwieriger, auch nur zum Teil die Glaubwürdigkeit der Einwendungen zu prüfen; viel leichter jedenfalls bei den Amateuren. Und diese Prüfung fällt zu ihrer Ungunsten aus. Denn in ihrem Lager hat man die große Anzahl von Amateuren vergessen, dia es sich erlauben können, viele Monate lang in den Wintersportplätzen herumzukugeln und nacl Herzenslust zu trainieren, ohne sich wie ein armer Skilehrer bei tausend vorgezeigten Stemrnböger die Muskeln elend zu verkrampfen. Wenn ich Anhänger des Amateurstandpunktes wäre, hätte ich darum schon längst einer weiterer Spaltung der Amateure mein Wort geredet. penn sind die Unterschiede bei ihnen nicht oft viel krasser als zwischen Amateur und Professional im allgemeinen? Ist es kein Unterschied, ob eir Amateur in Hamburg, Palermo und Athen wohnt oder in Zürich, Innsbruck und München lebt zwei Schnellzugsstunden von Schneeparadiesen entfernt? Steigern wir weiter! Ist kein Unterschiea zwischen den Skiläufern, die in den genannten Alpenstädten wohnen und die meist doch nur die Sonntage ins Gelände kommen, und denen, die in St. Moritz und in Kitzbühel täglich zwischen der Bureaustunden spielend ihre 700 Meter Abfahrt erledigen? Und ist der Unterschied zwischen der ersten und den letzten nicht überhaupt schauerlich groß? Grund genug, um wieder Gruppen abzureißen, wenn man als Palermitaner Amateur auf den St. Moritzer Amateur neidig ist. Und tatsächlich ist dies auch schon~vorgekommen.Dieselben Triebfedern, die einst Amateure und Professionals geschieden, haben in Bayern eine Zeitlang bei den Rennteilnehmern eine Unterscheidung zwischen Stadt- und Landläufern gemacht. Dies war der Gipfel der Eigenbrödelei zur B e f r i e d i q


von Siegerwünschen auf Kosten der allgemeinen, guten Sportleistung. Man sieht, welche Bocksprünge irre geleitetes sportliches Denken machen kann. Ich habe mich bemüht, das Problem, das durch diese Seiten rollt, nach allen Seiten zu drehen wie ein Brathuhn am Spieß, um vielleicht irgendwo ein Fleckchen zu entdecken, woran es von andern vor mir noch nicht genug angeröstet wurde. Denn wenn das Problem einmal, ebenso wie das Hühnchen des Beispiels, richtig durchgebraten ist, dann wird es hoffentlich von dem immer noch gesunden Magen der großen Skiläufergemeinde für immer verschlungen und verdaut werden. Photo: DY.Walter Amstutz


So eine schwache Stelle ist noch folgende. Körperschaften, auch oberste Sportbehörden, die nicht genügend juristisch gebildet sind, sollen nicht Gesetze erlassen, die sehr verwickelt sind und eine sehr heikle Rechtslage betreffen, und die nur nach gründlichstem Studium erlassen und nur mit einer feinen, juristischen Maschinerie durchgesetzt werden können. Denn ein Gesetz muß sich durchsetzen, sonst werden die Gesetzgeber, die Wahrer des Gesetzes, und schließlich auch noch das Gesetz selbst lächerlich! Was würde man von den Gesetzgebern und den Hütern des Gesetzes in einem Lande halten, in dem der Mord verboten ist und strengstens geahndet wird, wenn Staatsanwälte und Richter bei Großmordveranstaltungen anwesend sind und - ha, ha, ha - vielleioht sogar noch selbst die Preisverteilung an die Hauptmörder vornehmen? Bei allen drei Olympischen Winterspielen, die stattgefunden haben, haben Professionals trotz des bestehenden Verbotsgesetzes teilgenommen. Niemand fiel daran etwas auf. Als heuer im Briefwechsel zwischen F I S und C.I.O. auf diese präjudizierende Tatsache verwiesen wurde, wohl um daraus ein Gewohnheitsrecht zu folgern, gab man zur Antwort, daß man an höchster Stelle nichts von diesen Gesetzesverletzungen g e d t hätte. Hallo, ja warum setzt man diese schläfrigen Wahrer des Gesetzes nicht einfach ab und wirft das Gesetz selbst zum alten Plunder? Beide haben ihre Nichteignung damit doch wiederholt bewiesen ! Für die nächsten Olympischen Spiele ist der drohende Paragraph drohend genug über die Köpfe der Teilnehmer ausgehängt worden! Wird es nunmehr wenigstens eine klare Rechtslage geben? Nein, bestimmt nicht! Denn nun, da er den verschiedenen Nationalmannschaften sich sehr hindernd in den Weg stellt, zeigt er seine ganze formaljuristische Mißgeburt! Die Definition des Begriffes Professional ist so löchrig, daß bei stärkerem Schütteln ein Großteil der Fälle als Grenzfälle durchfallen. Eben liest man in den Zeitungen, daß eine Nation ihre Abfahrtsläufer für die Olympischen Winterspiele genannt hat; unter den Läufern sind nicht weniger als drei weltbekannte Trainer! Sind diese Professionals oder nicht? Oder waren am Ende die Gelder, die sie für ihre Arbeit erhielten, nur Ehrengaben oder Ersatz für Spesen und entgangenen Gewinn? Wird die wunderbare Blüte dieses Gesetzes den zahlreichen Anstürmen von Bemäntelungen, Verdrehungen, vielleioht auch unwahren Behauptungen usw. standhalten? Wo fängt das Geldverdienen an und wo hört es auf? Was ist Geld und Honorar, und was ist Ersatz von Spesen und was ist getarnt? Solche Fragen könnte man zu Dutzenden stellen, diese lex mystica wird nie eine Auskunft darüber geben. Der Geschichte dickes Ende aber wird das sein, daß man unter den fünf verschlungenen Kreisen ein bißchen viel Theater erleben wird. Schlüpfen durch die weiten Maschen viele Professionals nach Garmisch hinein, dann wird man am Fuße der Alpspitze neben den üblichen Kopfbedeckungen der Rennläufer, neben Schirm- und Wollmützen und befederten Hüteln auch Tarnkappen sehen, die allerdings nur auf eine oberste Sportbehörde als solche wirken. Dafür wird es aber doch einigermaßen guten Sport geben. Sollte es aber geschehen, daß die Maschen noch im letzten Augenblick gut verklebt werden, dann wird man von den sportlich mittelmäßigen Olympischen Spielen zu den sportlich wertvolleren FIS-Rennen nach Innsbruck gehen. Man muß Sportverbände mit mehr Idealismus und Modernität leiten als Aktiengesellschaften; man muß aber vor allem den Mut haben, Bestimmungen, die sich als irrig oder schlecht oder unzeitgemäß erwiesen haben, abzuschaffen, bevor man schiffbrüchig an eine Planke geklammert auf dem Meer der Lächerlichkeit herumgeworfen wird. Zum Sport gehört Geld, zu besserem Sport wieder Geld und zum besten Sport noch einmal Geld! Und warum anständig verdientes Geld anrüchig sein soll, das kann doch heute niemand mehr verstehen. Darum ein Pereat der großen Schranke, die zwischen uns Skiläufern befremdend errichtet worden ist. Sie soll so bald als möglich niedergerissen werden! Dann wäre die große Gemeinde der Rennläufer in herrlicher Sportskameradschaft zu einer einzigen Familie zusammengeschmiedet. Damit würde ein aufkommender häßlicher Typ in diesen Kreisen, nämlich der des spekulativen Rennläufers, von der Bildfläche verschwinden und damit wäre der reinen Bestleistung wieder ihr Vorrecht eingeräumt und der bedingten Leistung ihr unberechtigte@, Dasein genommen. , , . r

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DIE MEISTERKLASSE Von Br. Walter A m t u t z , S A S , St. Moritz Über die Frage der Anwendung des Amateur- und Professional-Begriffes auf den Skisport bestehen viele wirre Ansichten. Viel wurde um das Thema herumgeschnuppert, aber selten ein praktischer Vorschlag fallengeIassen. E h e n wirklich geistreichen Beitrag zu dem Amateur- und ProfessionalThema hat Arnold Lunnl) im letzten „Schneehasen" geschrieben. E r hat damit als erster eine logische Diskussionsbasis geschaffen. Wir verweisen auch auf den bemerkenswerten Aufsatz von Dr. Gunther Langesß) in diesem Jahrbuche und den Aufsatz von Dr. Hoek im Schneehasen No. 3.3) Ganz allgemein gesagt wurden und werden noch heute Sportsleute aus zwei Griinden in Amateurund Professional-Klassen eingereiht: einerseits aus gesellschaftlich-snobistischen Gründen, die geldliche Entschädigungen für sportliche Leistungen nur bedingt anerkennefl, und andererseits aus praktisch-sportlichen Gründen, um ähnliche Leistungen einander gegenüberzustellen. Es gilt daher zu untersuchen, ob diese beiden Erwägungen sinngemäß auch für den Skisport Geltung haben. Unsere Auffassung geht dahin - und wir werden dies in der Folge noch zu beweisen versuclien daß der erstgenannte G m d auf den Skisport nicht übertragbar ist und daß dem zweitgenannten Grund auf andere Weise sinnfälliger entsprochen werden kann. Lunn, dessen Aufsatz ein Muster der Logik ist, vertritt zwar die Auffassung, daß eine Unterteilung in Amateur und Professional im Skisport Sinn hat. Er will dabei die Frage des finanziellen Nutzens wohl außer acht lassen und eine Einteilung nur aus dem zweiten oben angeführten Grunde befürworten. Sein Vorschlag geht dahin, man könnte ähnliche Leistungsmöglichkeiten einander gegenüberstellen, indem die Amateureigenschaft eines Skifahrers von einem Maximalaufenthalt im Skigebiet mit einer bestimmten Anzahl ,,Skitage" pro Jahr abhängig gemacht wird. Dieser Vorschlag erscheint uns zu mathematisch. E r wird in der Praxis nicht befriedigen und unzähligen Schwierigkeiten begegnen. Allein schon die Buchführung über die Skitage wäre eine komplizierte und heikle Sache. Untersuchen wir nun einmal, was uns zu der eben gemachten Behauptung führt, Amateur- und Professional-Begriffe seien auf die Skifahrer nicht anzuwenden: Wenn Worte einen Sinn haben sollen, sagt Lunn, so steht das Wort Professional im Zusammenhang mit dem Wort Profession, das mit Recht auf einen Skifahrer angewendet wird, dessen einziger Haupt- oder Nebenberuf das Skifahren ist. Demnach iat ein Skilehrer zweifelsohne ein Professional. Unter Profession oder Beruf versteht man aber eine dauernde wirtschaftliche Tätigkeit in einem Erwerbszweige zum Zwecke der Beschaffung dea Lebensunterhalts. In der Bezeichnung „Professional" ist also nicht nur die Definition des Begrifies der dauernden Beschäftigung enthalten, sondern auch die Tatsache, daß mit dieser Beschäftigung eine dauernde Beschaffung des Lebensunterhaltes verbunden ist. Die geldliche Entschädigung ist also ein Hauptmerkmal des Begriffs ,,Professional". Tatsächlich kenne ich keinen einzigen Sport, wo nicht bei der Definition des Amateur- und Professional-Standea dieser Punkt ausschlaggebend ist. ifberall heißt es ungefähr so: - daß in den meisten Fällen die Vorschrift umgangen wird, ist gleichgültig - Wer in direkter oder indirekter Weise Geldentschädigung aus dem Sport zieht, ist Professional. Die reine Lehrtätigkeit genügt nicht, um zu den Professionals gezählt zu werden. Ein Skilehrer, der ohne Entgelt Skiunterricht erteilt, wäre auch bei Anwendung sehr strenger Arnateurbestimmungen immer noch Amateur. Da wir aber mit Lunn einig sind, wie wir dies weiter unten auch noch ausführen werden, daß die geldliche Entschädigung für skifahrerische Leistungen - solange es sich nicht um Startgelder handelt, die, wie wir auch noch sehen werden, beim Skisport nicht in Frage kommen - keine Unterteilung der Skifahrer in Amateure und Professionals rechtfertigt, kann die Anwendung des Professionalbegriffes im ursprünglichen und landläufigen Sinne des Wortes nicht in Frage kommen. ') „Ein ewiger Zankapfel", Schneehase Band 3 No. 8, 1934, Seite 29 ff. =) Dr. Gunther Langes ,,Skiheil, Kamerad Professional!" siehe Seite 131 ff.

Dr. Henry Hoek ,,Amateur und Professional oder Sport als Liebhaber und Beruf.<' Schneehase Band No. 3, 1929, Seite 133 ff.

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Photo: D?. W&er ArmWb

Warum kann beim Skisport die geldliche Entschädigung nicht Anlaß sein, den Professionalbegriff in Anwendung zu bringen? Der Skisport ist ein Sport, der zeitlich und örtlich ganz erheblich mehr gebunden ist als irgendein anderer Sport - zeitlich an den Winter und örtlich an die Berge. Es ist wesentlich, das zu erkennen, denn aus all diesen Gründen kann sich ein Skiprofessional nicht entfalten, wie dies bei anderen Sportarten möglich ist, wo mehr oder weniger die Gelegenheit besteht, den Sportberuf das ganze Jahr, und bei Spitzenleistungen mit großem finanziellem Erfolg, auszuüben. Ein Berufs-Skifahrer muß also schon zum Unterschied von einem Berufs-Boxer, einem Berufs-Tennis-, -Fußball-, -Hockey- oder -Cricket-Spieler - abgesehen von wirklich vereinzelten Ausnahmen - während des größten Teils des Jahres eine andere Beschäftigung suchen. Er muß dies auch deshalb tun, weil die Ausübung des Berufs-Skisportes in den wenigen Wintermonaten nicht genug Verdienst schafft, um dm ganze Jahr leben zu können. Ein Berufs-Skilehrer kann also diesen Beruf jedenfalls nur als Nebenberuf betreiben. Der Skisport ist, abgesehen vom Springen, kein eigentlicher Schausport, so daß sich auch hier nicht die Möglichkeit bietet, auf andere Weise als durch Lehrtätigkeit sich ein zeitweiliges Einkommen zu verschaffen. Aber selbst beim Springen wäre die finanzielle Ernte eines Berufs-Springers, der gegen Startgeld springt, eine geringe, weil die städtischen Verhältnisse fehlen, die es erlauben würden, wirklich namhafte Betrage von seiten der Organisatoren abzuführen. Außer dem Holmenkollen kenne ich keinen Sprunghiigel auf der ganzen Welt, wo wirklich mit städtischen Verhältnissen gerechnet werden kann. Auch den größten Sportplätzen in den Alpen wiire es nicht möglich, Startgelder von Bedeutung an Berufsfahrer auszuzahlen; die Einnahmen rechtfertigen dies nicht. Mit dem Skisport sind heute große wirtschaftliche Interessen verbunden; er ist für die Volkswirtschaft von großen Gegenden der Alpen lebenswichtig. Durch diese enge Verbindung von Handel und Gewerbe, Hotellerie und Verkehr ergibt sich - und das beweist die Praxis zur Genüge -, daß


es praktisch völlig ausgeschlossen ist, festzustellen, wer und in welchem Maße man materielle Vorteile aus dem Skisport ziehen kann. Es gibt mehr Grenzfälle als andere. Selbst wenn man dies aber feststellen könnte, wäre es im Skisport sinnlos, aus diesem Grunde Amateur- und ProfessionalKlassen zu schaffen. Skisport ist nicht das Privileg auserwählter Herren, sondern soziales Bedürfnis des Volkes von vielen Alpenländern. Die Anwendung des ,,Herrenparagaphen" auf den Skispod ist daher unmöglich und sinnlos. Erschwerend tritt weiterhin hinzu, daß heute die finanziellen Zuschüsse von seiten des Staatm a n die R e d ä u f e r in letzter Zeit derartige Formen angenommen haben, daß man ohnehin allfällige Professionals noch in ,,Staats-Professionals'' und ,,freie Professionals" unterteilen könnte. Wir sind also mit Lunn und Langes darin einig, daß eine Unterteilung vom materiellen Gesichtspunkte aus für unsern Sport unzweckmäßig erscheint. Eine Unterteilung der Skifahrer kann also praktisch nur vom Standpunkte des Könnens aus, wie dies schon Lurm sagt, erfolgen. Hier schließe ich mich der Ansicht jener nicht an, die sagen, daß es absolut unwesentlich sei, ob Herr Bluntschli im Clubrennen Erster sei oder nicht. Gewiß, absolut ist es unwesentlich, relativ aber nicht, denn es gibt Tausende von Bluntschlis, die sich gegenseitig messen wollen und darauf bestimmt ein Anrecht haben. Für sie ist die gegenseitige Kraftprobo relativ ebenso wichtig, wie sie es für David Zogg und für Otto Furrer ist, und weder für Zogg noch für Furrer wäre es ein Vergnügen, sich mit den Bluntschlis einzulassen, SO wenig als der ,,Amateur von st. Moritz" eine besondere Freude daran haben könnte, sich mit dem ,,Amateur von Palermo" zu messen, es sei denn, daß beide zufälligerweise ähnliche Leistungen vollbringen können. Gewiß, die maximale Leistung ist absolut immer maßgebend, sie ist das Vorbild für das, was erreicht werden kann. Das schaltet aber Wettkämpfe unter weniger Talentierten nicht aus. Sich gegenseitig messen hat ja nur Sinn, wenn ähnliche Verhältnisse die Voraussetzung bilden, weshalb die akademischen Skirennen, die Clubrennen und Vereinsrennen sinn- und zweckmäßig sind. Nun sind aber die Voraussetzungen für solche, die Skiuntei-richt erteilen, und für eine Reihe von anderen auserwählten Skifahrern, die alle in der Spitzenklasse liegen, ähnliche. Ob sie sich während einigen Monaten des Jahres ihr Geld durch Unterricht in bar, in Naturalien, durch freien Aufenthalt und sonstige Vergünstigungen verdienen, oder ob sie ihr Geld vom reichen Vater beziehen, ist irrelevant, denn sie treiben alle unter ähnlichen zeitlichen und örtlichen Verhältnissen Skisport. Wenn aber bei der Einteilung nur die Frage der gleichen Trainingsmöglichkeiten und nicht geldlich& Gründe eine Rolle spielen sollen, sind Amateur und Professional für eine derartige Einteilung nicht die richtigen Bezeichnungen. Die Unterteilung von Skifahrern mit ähnlichen ~rainin~smö~lichkeitesl - über deren Zweckmäßigkeit wir einig sind - kann ohne weiteres auf andere Weise praktisch erfolgen. Wir brauchen nur entsprechende Namen für diese Fähigkeitsklassen zu fhden. Lunn sagt, daß die Praxis beweise, daß die ersten Ränge in allen großen Skirennen gewöhnlich von Skilehrern belegt werden. Die tfberlegenheit leitet er vom Berufe ab und versucht damit, die Einteilung in Amateure und Professionals zu rechtfertigen. Er überträgt dann aber den Professionalbegriff, im Vergleich zu andern Sportarten, nicht sinngemäß auf den Skisport - denn die geldlichen Vorteile stehen ja hier außer Diskussion. Er anerkennt eine bevorzugte Klasse von Skifahrern, die mehr Trainingsmögliohkeiten haben als andere, namentlich die ,,Skilehrer", die ,,Amateure von St. Moritz", die ,,Halbamateure von Paris" und den ,,Sohn des reichen Maklers von London", und diese will er Professionals nennen. Gewiß haben Skilehrer bis heute die meisten Abfahrts- und Slalomrennen gewonnen. Das wird aber bestimmt in Zukunft nicht immer der Fall sein. Wenn einmal die jetzt heranwachsenden Junioren an der Reihe sind, wird es bestimmt Rennfahrer geben, die in der Spitzenklasse liegen werden, ohne von Beruf Skilehrer zu sein. Da man schließlich nur einige Monate im Jahr skifahren kann, bestehen auch für viele Städter die Möglichkeiten, die freie Zeit für ein ähnliches Training, wie es den Skilehrern geboten ist, zu finden. Wir kommen auf Grund dieser Überlegungen zu dem Schlusse, daß die Einteilung in Amateur und Professional im Skisport keine zweckmäßige ist. Viel sinnfälliger und praktischer ist eine Einteilung in eine „allgemeine K1&sse6' und eine ,,Meistarklasse". Die Organisation stellen wir uns wie folgt vor:


Der Landesverband bezeichnet im Auftrag der F I S jene Rennfahrer, die in die Meisterklasse gehören. Wer sich dazu qualifiziert erachtet, dieser Klasse anzugehören, ohne in sie eingeteilt worden zu sein, stellt unter Begründung durch seinen Skiklub an den Landesverband ein Gesuch zur Aufnahme in die Meisterklasse. Die Mitgliedschaft der Meisterklasse ist also Ehrensache und Auszeichnung zugleich. Wir schaffen damit eine wirklich saubere Unterteilung! Der ominöse Begriff ,,Profe~sionaE~'~ i , verschwindet aus dem Skisport. Die Skirennerei ist mit finanziellen Auslagen verbunden. Presse und Publikum erwarten, daß sich die Meisterklasse mehr wie gelegentlich mißt, und so muß auch die finanzielle Frage der Teilnehmer an diesen Rennen sauber gelöst werden. Die FIS ermächtige daher den Rennveranstalter oder den Club, dem der ,,Meisterfahrer" angehört, oder den Staat, den er vertritt, so es der eine oder der andere für angebracht erachtet, den ,,Meisterfahrern" eine Fahrtentschädigung, ihre Aufenthaltkosten und ein bescheidenes Spesengeld von Fr. X per Tag zu vergüten, wie zum Beispiel irn Eis-Kunstlauf (dessen strenge Amateur-Bestimmungen bekanntlich in besonders widersinniger Weise umgangen werden) wo den Teilnehmern an Amateur-Konkurrenzen und -Schaulaufen die tatsächlich bezahlten Reisekosten, Reisespesen bis zum Höchstbetrage von schw. Kr. 20.- pro Tag und die Aufenthaltskosten für die Konkurrenztage, sowie für einen Tag vor und nach der Konkurrenz, gemäß 8 3 der Wettlaufordnung der internationalen Eislauf-Vereinigung, durch den Verband zurückbezahlt werden dürfen. Für die Teilnehmer der allgemeinen Klasse sind diese Vergütungen verboten. Eine größere Entschädigung als die oben angeführte ist ebenfalls untersagt. Wer weitere Beträge bezieht oder auszahlt, wird von der FIS disqualifiziert und die Veranstaltungen des fehlbaren Clubs werden von der FIS gesperrt. Man erklärt also nicht, daß, wer Geldbeträge entgegennimmt, Professional wird, sondern man disqualifiziert den Betreffenden. Dieses Vorgehen ist ja praktisch nur bei jenem Sport möglich, bei dem von vorneherein die Gelegenheit fehlt, einen Professionelismus zu schaffen, der sich von der schaulustigen Menge finanzieren läßt. Das ist, wie wir gesehen haben, beim Skisport der Fall. Alle großen bedeutenden nationalen und internationalen Rennen, seien es FIS- oder Kandaharrennen, sei es „Das weiße Band von St. Moritz", der Riesenslalom an der Marmolata, das Parsenn-Derby, das Diavolezza-Rennen, oder nicht zuletzt auch die Olympischen Spiele - die Spitzenleistungen werden für alle diese Rennen ja immer maßgebend sein -, müssen offene Rennen sein, also vor allem ein Wettkampf unter den Skifahrern der Meisterklasse. Das Olympische Komitee will nur Amat,eure kennen, und zwar Amateure, die keine finanziellen Vorteile aus dem Sport ziehen. Es liegt an uns, dem Olympischen Komitee zu erklären, daß diese Formel auf den Skisport nicht übertragbar und für uns überlebt ist. Einerseits haben sich die Zeiten gelindert und mit ihnen auch die wirtschaftlichen Verhältnisse - und damit nicht zuletzt auch der Sport - und anderseits liegen beim Skisport spezifische Verhältnisse vor. Die Olympischen Skiwettkämpfe schaufeln sich ihr eigenes Grab, wenn sie sich nicht den Verhältnissen anzupassen verstehen, die für den Skisport maßgebend sind. Aber wir wiederholen, es liegt an uns, zuerst einmal in der FIS die Frage zu lösen und dann dem Olympischen Komitee zu erklären: I m Skisport anerkennen wir aus praktischen Erwägungen weder Amateur noch Professional, sondern nur eine allgemeine- und eineMeister-Klasse. So liegt es aucli an uns, clie Auswüchse der staatlichen Förderungen und Unterstützungen des sportlichen Skiwettkampfes in gesunde Bahnen zu weisen, wenn Skirenpsport noch Erholung und nicht Kampf bis aufs Messer unter national aufgehetzten Rennställen sein soll! 8


D I E ZUKUNFT D E S S L A L O M S V o n Awlold Lunn, SAS, London. Die Vorrangstellung des Abfahrtsrennens steht heute entschieden fest, doch haben die Anhänger defi Slaloms mit Kritikern zu rechnen, welche durchaus nicht von der Zweckmäßigkeit dieser Rennform überzeugt sind. „Der Slalom", sagte mir ein bekannter Rennfahrer nach den FIS-Rennen, „kann uns - wenigstens in seiner gegenwärtigen Form - nicht begeistern. Wir werden wahrscheinlich V@suchen, ihn mit einem Abfahrtsrennen zu verbinden, indem wir einige Slalom-Tore inmitten da4 Rennstrecke ausstecken. Der Slalom scheint uns mit dem wahren Geist des Ski-Sports nicht in Einklang zu stehen.'' Mein Freund ist einer jener Typen, welche eine Sache schneller erfassen, als die meisten Leute, weshalb es mir nicht schwer fiel, ihn davon zu überzeugen, daß Redensarten wie „der Geist des Ski-Sports", welche nun einmal zum geistigen Rüstzeug unserer verworrenen Zeit gehören, eine Auseinandersetzung eigentlich umgehen. Ich kann mit jemandem diskutieren, der seine Ansicht verteidigt, daß der Slalom das technische Können und die ganzen Fähigkeiten des Skifahrers nicht in idealer Weise auf die Probe stelle; aber ich kann mich nicht in eine Diskussion mit jenem einlassen, der sich auf den Standpunkt stellt, daß der Slalom einfach seinem Begriffe vom Ski-Sport nicht entspreche. Ich kann ihm nur insofern beipflichten, als der Slalom eben seinem Begriffe vom Ski-Sport nicht entspricht. Wenn wir vom ,,Geist des Ski-Sports" sprechen, so meinen wir natürlich nichts anderes als jene Art des Ski-Sports, die uns zusagt. Was ist die Kunst - sagte SamuelButler -, daß sie ein Wesen haben soll? Was ist der Ski-Sport, daß ihm ein ,,Geist" innewohnen soll? Deshalb steht es außer jeder Diskussion, ob irgend eine besondere Art von Ski-Rennen dem Geist des, Ski-Sports entspricht oder nicht. Es gibt Leute, für die der Begriff des Ski-Sports beim Abfahrts-Rauscb1 I beginnt und endet. Solchen Leuten scheinen die Leistungen der sich mühselig über ebene und steigende Strecken schleppenden Langläufer aber auch nicht das geringste mit dem zu tun zu haben, was ihnen Ski-Sport bedeutet. Allgemein gesprochen: Der norwegische Langläufer wird dem Slalom immer mit einer gewissen Voreingenommenheit begegnen und der Langlauf wird beim alpinen Abfahrtssportler auf eine ähnliche Einstellung stoßen. Die einzige Frage, die uns wirklich berührt, ist jene, ob Slalom und Langlauf unserer Auffassung von gediegenem Sport wirklich entsprechen oder nicht. Wir wären uns, glaube ich, alle darin einig, daß der ideale Sport Mut, Ausdauer, Intelligenz, Gleichgewichtsvennögen und, wenn immer möglich, Auge auf die Probe stellen sollte. Die Slalom-Rennen sind zweifellos eine so gute Intelligenz-Prüfung und stellen das Gleichgewichtsvermögen und das Auge auf eine härtere Probe, als irgend eine andere Rennart. Der Slalomfahrer muß über ein ausgesprochenes Distanzgefühl verfügen. Slalom-Rennen werden durch ,,abtasten" von Flaggenpaaren im Eiltempo gewonnen. Es gibt verschiedene Arten von Mut. Es gibt einen todesverachtenden Mut, der auch angesichts der Todesgefahr nicht ins Wanken gerät. Da man aber beim Ski-Sport die Todesgefahr in dieser Beziehung fast außer acht lassen darf, werde ich, als einer von vielen, den Ski-Rennsport dem führerlosen Bergsteigen weit hintansetzen. Der Mut des Abfahrts-Rasenden wiederum ist grundverschieden von dem Mut, der zur Verachtung aller Müdigkeit und zum zähen Durchhalten befähigt. Manchem guten Langläufer würde es schlecht vor Angst, wenn man von ihm verlangen würde, den Kilometerlanc6Hang in St. Moritz im Schuß zu nehmen und mancher gute Abfahrtsläufer würde nie zu einem Langläufer taugen. Slalom-Rennen erfordern keinen Mut dieser Art. Die Gefahr ernster Verletzungen ist minim oder war es wenigstens bis zur Einführung fester Flaggenstangen; doch ist sie auch heute noch nicht von Belang. Man wird deshalb dem Slalom nie die gleiche Achtung entgegenbringen wie den: Abfahrtsrennen, und man ist sich allgemein darüber einig, daß die gegenwärtige Methode der Kombination von Abfahrt und Slalom aufgegeben werden soll, da es ausgefallen ist, daß der Slalom so v i d zählt wie die Abfahrt. Die allgemeine Behauptung, der Slalom stelle keinen Mut auf die Probe, ist jedoch nicht richtig; denn er bedeutet eine großartige Prüfung des psychischen Muts. Der Sieg in einem wichtigen Slalom-

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Rennen ist die Belohnung für einen Rennfahrer, der zum Beispiel seinen Hölzern in ungehemmten Tempo die Zügel schießen läßt, obschon er sich der Tatsache bewußt ist, daß ihm ein Schwung ii rascher Fahrt, bei welchem er das Tor um einige Zentimeter verfehlt, jede Hoffnung auf einen gute] Platz zuschanden macht. Sieg bedeutet die Belohnung jener, welche im Hetztempo ihre Chancen kühl abwägen und sich nicht von der über jeder großen Veranstaltung liegenden rennfiebrigen Atmosphäre packen lassen. Der Slalomfahrer darf, mit anderen Worten ausgedrückt, unter kitzligen Umständen den Kopf nicht verlieren, und es braucht Mut, um immer kühles Blut zu bewahren. Wenn Sportarten schon auf Grund der Schwierigkeiten,welche es bei ihrer Ausübung zu meistern gibt in eine Rangordnung gekleidet werden sollen, so verdient das Slalom-Rennen einen Spitzenplatz. Wenn das Slalom-Fahren nicht sehr schwierig wäre, so gäbe es unter den besten Fahrern keine großen Unterschiede, allein es erweist sich als außerordentlich schwierig, sämtliche Konkurrenten zu distanzieren. Anton Seelos gab sich monatelang damit ab, die Slalom-Technik auf das Sorgfältigste bis in ihre kleinsten Einzelheiten zu studieren. Unermüdliche Versuche und das Überwinden aufgedeckter Fehler erschlossen ihm die letzten ,,Kanten-Geheimnisse". Er weiß genau, wo er einen Schwung beginnen und wo er ihn beenden muß; er weiß genau, in welchen Fällen man mit Vorteil ungehemm drauflos schießt, um dann plötzlich abzuschwingen, und unter welchen Umständen man sich besse in flüssigem Lauf durch die Tore schlängelt. E r weiß, auf welchen Hängen und bei welchen Toren mal gescheiter zwischen den Flaggen selbst schwingt und wo man anderseits mit Vorteil schon vor der Tore zum Schwunge ansetzt. Wären die Slalom-Rennen eine so leichte Sache, so gäbe es zwischen den FIS-Kanonen nur gan. minime Unterschiede, doch beweist der mächtige Vorsprung, den sich Seelos an den F I S - R e ~ e nin Innsbruck und im FIS-Rennen von Mürren sichern konnte - wenn dieser Beweis überhaupt nötig sein sollte - daß der Slalom seine Knacknüsse und kniffligen Ränke hat, die sich nur dem Meister wirklich offenbaren, der sich ein Leben lang mit dieser verzwickten, feinen Kunst befaßt hat. Ich sage bewußt ,,feinen Kunst", weil der Anblick eines eher von Tor zu Tor schwebenden als skifahrenden Slalom-Meisterstatsächlich von einer feinen Schönheit durchdrungen ist. Wären alle guten Abfahrtsläufer auch gute Slalomläufer und würde - von Unfällen abgesehen - die Rangliste im Slalom normalerweise ungefähr das gleiche Gesicht zeigen wie jene in der Abfahrt, so hätte es keinen großen Zweck, Slalom-Rennen zu veranstalten. Dem ist nun aber bekanntlich nicht so. Es gibt viele Abfahrtskanonen, welche keine Freude am Slalom haben, und darin nie Hervorragendes leisten. Bei Sigmund Ruud handelt es sich um einen solchen Fall. Und es gibt viele Slalom-Meister, die nie ein Abfahrts-Rennen gewinnen und auch nie gewinnen werden. Kurzum, Abfahrt und Slalom stellen verschiedene Anforderungen an die Läufer. Der Slalom hat deshalb eine von der Abfahrt unabhängige Daseinsberechtigung erlangt. Er stellte uns vor ein neues Problem, das sich von den Abfahrts-Problemen unterscheidet. Der Vorschlag, eigentliche Slalom-Rennen abzuschaffen und jeweilen einen Teil der Abfahrts-Rennstrecke in eine Art Slalom zu verwandeln, scheint mir aus den folgenden Gründen sehr unangebracht zu sein: Es gibt keinen größeren Unterschied als jenen zwischen den Absichten dessen, der ein AbfahrtsRennen, und jenem, der eine Slalom-Piste aussteckt. Ein Abfahrts-Rennen ist in erster Linie eine Geschwindigkeitsprüfung auf offener Strecke. Kontrollen werden nur mit großer Zurückhaltung eingestreq und zwar weniger, um die Geschwindigkeit zu drosseln, als um es den Konkurrenten zu verunmöglichen, durch absichtliches Niedergehen Punkte zu schinden. Ein echter Streckenwart vergießt fast immer eine Träne, wenn er eine Kontrolle in die Abfahrtsstrecke pflanzt, doch jauchzt sein Herz hellauf, wenn er die Slalom-Piste um ein weiteres Tor bespickt. So werden die Kontrollen beim Abfahrts-Rennen - ganz allgemein gesprochen - derart gewählt, daß sie den draufgängerischen Schußfahrer am wenigsten in seiner flüssigen Fahrt hemmen. Im Slalom hingegen werden die Tore auf eine dem Konkurrenten möglichst unbequeme Art und Weise ausgesteckt.

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:=" . Man hat vorgeschlagen, wir sollen die Anzalil der Kontrolltore in den steilen Partien der Abfahrtsstrecke vermehren und gleichzeitig der Abfahrtsstrecke einen richtigen Slalom einverleiben, welcher die Slalom-Spezialisten auf Herz und Nieren prüfen soll. Die zwangsweise Vermehrung der unumgänglichen Schwünge auf den Steilhängen der Abfahrtsstrecke würde jedoch dem Abfahrtsrennen lediglich Abbruch tun, ohne dabei irgendwelche Vorteile zu bringen; denn die Slalom-Technik wird nicht durch große, in langen Abständen gesteckte Tore geprüft. Schlägt man anderseits vor, der Abfahrtsstrecke einen wirklichen Slalom einzuverleiben, dessen Tore so ausgesteckt werden, daß die ganze Kunst des raffinierten Slalom-Könners auf die Probe gestellt wird, so muß ich diesem Vorschlag entgegenhalten, daß er technische Schwierigkeiten übersieht und zu anderen, schwerwiegenderen Einwendungen Anlaß gibt. Nehmen wir zuerst die technischen Schwierigkeiten.

Photo: Dr. Walter Anzstutz

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Die Teilnehmer der Abfahrtsrennen s k t w in Absthden von einer oder einm halben iS%hw&<ss X"an b t e n aber die Awichten eines Teilnehmers völlig vernichtet werdm wenn er einer wichtigen Stelle d a Slalom z u m a e r h l e n eines Konkurrenten kiam~.E% noch wiegan&r Einwand liegt in der Tatsrtche begründet, daß eben viele bkifahrw geborene Abfa welche den Blalom nicht leiden können, und daß es viele ausgezeichnet+ Slalom-SpzWIs&m gibt, die die Abfahrtsrennen verabscheuen. Ich sehe nicht ein, warum dem Abfahrw sein Gbfrhrbwmeai dgspsh die Ebchiebung eines Slaloms verdorben werden soll und mgatrehrt. F&&, Mit all diesem zwangmnä,Bigen Verbinden vemhiedener Bportarten begaht man einen war, die Mmweg@rhinsichtlich Langlauf und Sprung eingesehen haben. Emt in den le$zten lJwarJ W n hat.ten geb;omne Xpringer, welche den Langlauf nicht ausstahsn korintm1 Gdqenheit, asn HwhneaIwllm mitaulgmhe~,ohne sich auemt durch Erzielen einss gewissen E r f Q a im Langlauf h M ü r & Sporn abverdienen au r n b e n . Sowohl Abfahrt wie Slalom haben sich dae Rmht auf eine umbMn&ge Anerkennung erab&. was wir brauahen, ist ein nwues Kombinations-System; denn wir sind uns alle darin ein&, W cfacsr gegenwaStige Bystem viel zu kompliziert W und dem SMom ein ungmmhtfertigt 8hrk@8l&wioht verleiht. In Zukunft wird der Slalom für die Kombnuttion zweifellos wmigar w h m r ins CbwMti fallen. Die FIS-Slaloms der Zukunft werden wahrmheinlich viel länger sein als di@ heute dar Fall kt. D* küaftige 81dam d W t e eher aus einer sehr langen Strecke, als ans zwei über kurze &reeke fuhrenden Laufen bestehen. Das heutige LeisbnpNiveau der S hoch, daß der Flaggenwart der Zukunft wohl sein Haupbugenmerk darauf verlegen wird, dh T@ sQ 5u wählen, daß da&g e r n e Hinschmeißen von aneinander gereihten schneIlen SchwÜng.en urrd b glötzlirthe Abschwingen nwh einer Geraden vor ailem geppuft werden. Der Slalom kam, um zu bleiben; aber der Slalom der Zukunft wird nach viel $rOficire Aafo M c h t l i c h hßcbtit3r 8k.i-Bebrrsghung und mcher Schwünge bei schnellem T e q o whekcbesz, als dies beim modernen Erlalom zutrifft.

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MESSUNG

VON R E N N S T R E C K E N

V o n Kapitän zur See a. D. Friedrich Kurtz, Bremen

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Das Messen einer sportlichen Leistung nach Strecke und Zeit hat vollen Wert nur bei solchen Leibesübungen, die man an verschiedenen Orten unter immer gleichen Verhältnissen wiederholen kann: bei der Leichtathletik macht es die Meßzahl möglich, die vier Jahre auseinanderliegenden Ergebnisse von Los Angeles und von Berlin wertentscheidend nebeneinanderzuhalten. J e mehr aber äußere Umstände die Einzelleistung beeinflussen, desto mehr verliert die Meßzahl der Leistung an Vergleichswert. Diese Abhängigkeit von der Umwelt ist gerade beim Skisport sehr groß, und deshalb ist hier das Vergleichen von ,,Rekorden" ziemlich wertlos. E s hat bisher gottlob noch niemand Wert gelegt auf die Feststellung, ob der 18 km Langlauf in A schneller war als in B. Man weiß eben, daß Steigung und Abfahrt, Schneezustand und vieles andere so sehr verschieden sind, daß ein Vergleich unmöglich ist - selbst wenn alle 18 km Langlaufstrecken wirklich gleich lang wären. Und auch das wird geachtet, daß man die Sprungweiten an verschiedenen Schanzen nicht nebeneinander halten kann, kaum die Sprünge an derselben Schanze zu verschiedenen Stunden eines Tages. Aber diese Vernunft, die beim Lang- und Sprunglauf herrscht, hat sich bei den Abfahrtsläufen von der Rekordsucht vertreiben lassen. Nichts ist gleich bei zwei verschiedenenAbfahrtsstrecken: Länge, Grad und Verteilung des Gefälls, Gestrecktheit oder Windung des Geläufs, Schnee und Wetter alle Dinge, die die Geschwindigkeit des Abfahrenden beeinflussen, sind ungleich. Ein Vergleich ist also unmöglich. Trotzdem ist es heute zur Übung geworden, aus jedem wichtigen Abfahrtsrenneq die Geschwindigkeit des Siegers in Kilometer je Stunde zu berechnen und zu veröffentlichen. Als Beispiel : Bestleistung beim FIS-Rennen 1934 in St. Moritz 59 km/Std. V9

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1935 in Mürren

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Wer sich nach diesen Rekordzahlen ein Urteil über die Leistungen bilden wollte, dem müßte die Mürrener erheblich schlechter erscheinen als die von St. Moritz. I n Wirklichkeit wäre ein solches Werturteil grundverkehrt. Für einen solchen Vergleich sind also diese Zahlen untauglich. Sie können aber auch nicht etwa daze , dienen, um das bei einer Abfahrt mögliche Höchsttempo zu erfahren. Hierfür haben wir da* Kilometer lanc6, das seit 1929 alljährlich in St. Moritz veranstaltet wird in der ausgesprochenen Absicht, die höchste Abfahrtsgeschwindigkeit zu ermitteln, die auf Skiern möglich ist. Die Bahn dafür ist e h t , - ' kurzer Steilhang mit der phantastischen Neigung von 35O. Die Meßstrecke, gut planiert und fest- 1 getreten, ist 200 m lang. Sie wird in knapp 9 Sekunden durchfahren. Für die letzten 50 m hat der ' '' schnellste bisherige Fahrer 1,327 Sekunden gebraucht. Das ergibt auf die Stunde umgerechnet 136,7" Kilometer. Die ausschlaggebende Vorbedingung für diese Höchstgeschwindigkeit ist der Gefällwinkel von 35O. Mit Abnahme des Gefälls nimmt auch die Geschwindigkeit ab. Sie verringert sich im Gelände weiter durch jeden Schwung, den der Fahrer einlegt, also schon durch jede Richtungsänderung. Die 1935er FIS-Strecke in Mürren hat 17O Durchschnittsgefäll. Dies ermöglicht theoretisch ein Tempo von etwa 90 km/Std. Tatsächlich geschafft hat der Beste aber nur 47 km/Std., weil das schwierige Geläuf häufige Fahrtbrechung verlangte. 1934 in St. Moritz, bei 120 Neigung, erreichte der Sieger 59 km/Std., was den theoretisch möglichen Ca. 75 km/Std. schon sehr viel näher kommt: weniger Bremsschwünge. Die aus diesen beiden Rennen errechneten Rekordzahlen sind also gar nicht miteinander zu vergleichen. Daß jede von ihnen für sich von Wert ist, wird weiter iinten besprochen werden. Die Berechnung des Stundentempos aus Rennstrecke und gelaufener Zeit ist einfach. Ist aber auch nur eins dieser beiden Elemente ungenau (also falsch), so läßt sich daraus auch nichts richtiges er% . rechnen. Gegen diese einfache Weisheit wird oft in naivster Weise verstoßen: die Zeit wird auf Zehntel?, Sekunden angegeben, aber bei der Strecke erlaubt man sich grobe, noch dazu oft viel zu hohe Schät-' -. . Zungen, auf halbe oder auch ganze Kilometer aufgerundet, um dann daraus das Stundentempo auf

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Zehntel-Kilometer ,,genauUzu errechnen. Fein mal grob gibt nicht fein, sondern grob. Also wird ein solches Ergebnis mehrfach so grob falsch, wie es das Rechenelement ,,Strecke" ist. Beispiel : richtig: 2220 m in 2 m 13 Sek. ergibt 60 km/Std.; falsch: 2.5 km in 2 m 13 Sek. ergibt 67,7 km/Std. Dies Exempel ist noch zahm. Ich könnte mit viel wilderen Fällen aus der Praxis aufwarten. Die Länge der Rennstrecke kann man aus einer guten Karte ziemlich genau ermitteln. Aber dazu gehört allerlei, zunächst mal die Fähigkeit, den Streckenverlauf nicht nur ungefähr, sondern richtig in die Karte einzuzeichnen (das ist schon schwierig), ferner der Wille zu peinlichster Genauigkeit und schließlich das Verständnis für die dabei nötigen, nicht alltäglichen Rechnungen. Diese Vorbedingungen sind offenbar nur selten bei denen zu finden, die berufen sind, die Tatsachen eines Rennens in Stundentempo umzurechnen. Die nötigen Hilfen hierfür finden sich im Augustheft 1933 des ,,Winter6'. Aber auch wenn man diese Hilfen richtig anwendet, so bleibt doch in der Streckenlähge immer noch eine Unsicherheit, die keinesfalls mit weniger als 100 m anzusetzen ist, die aber je nach den Umständen auch 300 m und mehr erreichen kann. Diese Ungenauigkeit, die sich auf das Endresultat (das Stundentempo) vervielfacht überträgt, ist ein unvermeidliches Übel, solange man die Streckenlänge aus der (im Gebirge oft wenig genauen) Karte entnehmen muß. Da liegt es doch eigentlich sehr nahe, die Rennstrecke auf dem Schnee zu messen. Das kostet auf den Kilometer schätzungsweise 20 bis 30 Minuten Zeit und ergibt bei gebührender Sorgfalt eine Genauigkeit, wie sie irgend zu wünschen ist. Es ist erstaunlich, daß dies nicht längst zum Brauch geworden ist, und daß Dr. Walter Arnstutz sich den Ruhm der Erstanwendung sichern konnte, als er 1934 das Geläuf des BIS-Abfahrtsrennens in St. Moritz messen ließ. Diese 4408 m hat David Zogg in 4 Minuten 27,2 Sekunden abgefahren, und das ergibt 59,389 km/Std. Mit dieser Genauigkeit auf den Meter sind nun wohl die kühnsten Wünsche der Wißbegierigen erfüllt.

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Aber wir wollen doch noch einmal die Zuverlässigkeit dieser wirklich vorbildlichen Strecken- und Zeitmessung unter die Lupe nehmen. a ) Die Strecke ist auf den Meter genau gemessen. Das heißt also : die gemessene Linie ist mindestens 4407 und höchstens 4409 m lang. Es ist nun aber durchaus nicht gesagt, daß Zogg auch wirklich auf dieser gemessenen Linie abgefahren ist. Die Rennstrecke läuft ja nicht schnurgerade vom Start z w Ziel, sondern sie hat neben einigen geringeren Richtungsänderungen nicht weniger als sieben von jt Ca. 90° und außerdem eine kurze, scharfe S-Kurve im Wald. Der sehr erfahrene Vermesser hat sein6 Messung so gelegt, wie er vermutet, daß der Beste die Rahn genommen hat. I n den Kurven mißt er zum Beispiel 1,5 m von der inneren Bahngrenze entlang. Aber das beste, was diese sehr exakte Messung aussagen kann, ist, daß sie die kürzeste Strecke angibt, die zu fahren denkbar ist. Ich glaube aber nicht, daß der gute Fahrer die Kurven gern nahe an der Innenseite nehmen wird: Jede Fahrtminderung set,zt das Tempo auf längere Zeit herunter, und deshalb wird er sich hüten, in den Kurven mehr als nötig an Tempo zu verlieren. Diese Sorge bringt ihn aber von dem engeren Bogen an der Innenseite auf den weiteren in der Mitte oder nahe der Außenseite der K~irve.Den in jedem Einzelfalle um wenige Meter längeren Weg kann er ruhig in Kauf nehmen. Aus dieser Erwägung heraus vermute ich also, daß Zogg einen etwas längeren Weg zurückgelegt hat, als den gemessenen. Diese Unsicherheit, die darauf beruht, daß das Geläuf keine schmale Linie, sondern ein 4-10 m breites, gewundenes Rand ist, schätze ich mit 1% der Strecke = 44 m nioht zu hoch, so daß sie auch bis zu 4452 m lang sein kann. b) Die Zeit : Zu deren Messung sind zwei Stoppuhren von bester Übereinstimmung verwendet worden. Nach der einen werden die Läufer am Start abgelassen, nach der anderen am Ziel gezeitet. Die beiden Uhren werden also während des Rennens an zwei verschiedenen Orten verwendet, wo sie verschiedenem Luftdruck (Meereshöhe)und verschiedener Temperatur unterliegen. Dadurch kann trotz allerbester Werke und gewissenhaftester Handhabung ein Unterschied zwischen beiden Uhren eintreten, der 1 Sekunde erreichen mag (bei geringeren Uhrwerken erheblich mehr). Ferner liegt im Start eine gewisse Zeitunsicherheit: der eine startet eine halbe Sekunde zu früh, der andere ebensoviel zu spät. Auf Sekunde genau ist der Start nie. Und schließlich kann die handgestoppte Zeit am Ziel auch noch i/z Sekunde falsch sein. (Beim Kilometer lanc6 1931 in St. Moritz wichen die hmdgestoppten Zeiten bis zu 0,55 Sekunden von den elektrischen Präzisionsmessungen ab.) Alles zusammen ergibt, daß die gemessenen Zeiten bis zu 2 Sekunden ungenau sein können, trotz der großen Gewissenhaftigkeit, die hier auf die Zeitmessung verwendet wurde. Es soll nicht berücksichtigt werden, daß bei allen Messungen, die auf menschlicher Aufmerksamkeit beruhen, auch grobe Meßfehler vorkommen können (zum Beispiel durch falsche Ablesung von Uhr oder Meßband). Es sollte niir gezeigt werden, daß diese so genauen Meter- und Sekundenzahlen von St. Moritz doch noch behaftet sind mit Unsicherheiten, die in der Natur der Dinge liegen, und die durch keine Sorgfalt abzuwenden sind, wenn man nicht zu Meßmitteln greift, die für diesen Zweck sinnlos kompliziert wären. Man soll sich durch diese Einsicht nun nicht etwa davon abhalten lassen, die gegebenen Meßmittel so genau wie möglich anzuwenden. Man soll also die Zehntel-Sekunden messen und angeben, schon weil man sie manchmal für die Rangordnung der Läufer braucht. Aber andrerseits soll man auch erkennen, daß sich aus den gegebenen Meßzahlen das Stundentempo nioht auf den Meter genau herleiten läßt. Zum Beweis gebe ich die aus meinen Ausführungen hergeleiteten Grenzwerte für das 1934er FIS-Rennen: für die Strecke 4408 und 4452 m, für die Zeit. 4 Min 25,2 Sek. und 4 Min. 29,2, Sekunden. Daraus errechnet sich Zogg's Durchschnittsgeschwindigkeit auf mindestens 58,9 und höchstens 60,4 km/Std., im Mittel auf 59,6. (Die ursprünglichen Meßzahlen ergeben 59,4 km/Std.) Also beträgt die Unsicherheit im Stundentempo 3/4 km, in diesem Falle der bestmöglichen Messungen! Hieraus folgt: dieBerechnung auf Zehntel-Stundenkilometer ist zulässig. Aber schon diese ZehnteL haben nioht viel mehr als Schmuckwert, und zwei oder gar drei Dezimalen irn Stundentempo s i n d , völlig sinnlos.

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Und weiter sagt diese Rechnung, daß die Streckenmessung auf dem Schnee das Stundentempo auf etwa 1/2 km genau liefert, während bei Entnahme aus der Karte eine mindestens viermal so große Unsicherheit bleibt, bei Streckenschätzung aber das Ergebnis völlig im blauen Raum der Phantasie schwebt. Auf Veranlassung von Dr. Walter Amstutz ist auch die 1935er FIS-Strecke in Mürren gemessen worden, sowie noch zwei weitere wichtige Miirrener Rennstrecken: F I S - S h k e der Herren : 2747 m lang bei 810 m Höhenunterschied. Gefällwinlxel 17,2O. Bestzeit 3 Min. 30,4 Sek. = 47 km/Std. F I S Strecke der Damen :1840mlang, 430m Höhenunterschied. Gefäll13,5O. Restzeit 3 Min. 27,2 Sek.= 32 km/Std. Schiltgratstrecke (Schiltgratgipfel-FIS-Finish; 8. Arlberg-Kandaharrennen 1935): 2492 m lang. Restzeit 2 Min. 39,2 Sek. = 56,4 km;Std. Schiltgratstrecke der Damen : 1607 m lang. Bestzeit 2 Min. 5,2 Sek. = 46,2 km/Std. Maulerl~ubd-Rtandardstrecke: 1350 m lang. Bestzeit bis Frühjahr 1935: 1 Min. 16 Sek. = 64 km/Std. Diesen guten Beispielen1) kann man die Gefolgschaft nicht unter dem Vorwand versagen, daß man den Weg des besten Fahrers doch nicht genau messen kann. Macht das ein denkender und gewissenhafter Mann sofort nach dem letzten Start, so ist die Gefahr fast ausgeschlossen, da0 man eine grob falsche Strecke mißt. Kleine Abweichungen aber sind ebenso unvermeidbar wie unbedenklich. Übcr das Technische ist zu sagen, daß es zeitraubend und unnötig ist, genaue topographische Verfahren (Meßtisch) anzuwenden. Es genügt eine 50 oder 100 m lange Meßkette oder -Leine, die vor und nach der Messung geprüft wird. Vermeidet man den naheliegenden Irrtum im Zählen der Meßbandlagen (indem man zum Beispiel statt 35 nur 34 Hundertmeterstrecken zählt), so ist dies Meßverfahren völlig genügend. -Warum wird es übrigens nicht auch bei den Langlaufstrecken allgemein angewandt? I n St. Moritz geschieht das, soviel ich weiß. Oben war gesagt, daß die Rekordzahlen verschiedener Ablaufstrecken keinen Vergleichswert untereinander haben. Aber für seine eigene Strecke hat der Streckenrekord doch einen wirklichen, wenn auch durch Schnee und Wetter eingeschränkten Wert, ähnlich dem Schanzenrekord einer Sprungschanze. Dieser Streckenrekord kann zum nützlichen Hilfsmittel werden im Kampfe gegen die Knochenbriichrennen der neuesten Zcit und gegen die bedrohliche Vielzahl der Veranstaltungen. Aus diesem Chaos können nur die Rtandardrennen auf Ptandardstrecken herausführen. Deren Anziehungskraft beruht zum Teil darauf, daß hier Rekorde zii brechen sind. Da aber auf den alten Strecken doch immer wieder neue Variant,en gefahren werden, so besagt das Unterbieten der alten Bestzeit allein noch nichts. Erst durch Bezug auf die Streckenlänge wird die Zeit vergleichbar, und nur in der Form des Stundentempos hat der Streckenrekord wirklichen Gebrauchswert. Und deshalb werden sich die Betreuer der Standardrennen nicht lange mehr gegen die jedesmalige Streckenmessung sträuben dürfen. Als U. W. erste außerschweizerische Abfahrtstrecke ist im Mai 1935 die des Marmolatarennens (nicht offiziell?) gemessen worden: 3220 m lang, 1250 m Höhenunterschied, Gefiill 22,g0. Bestzeit (Lassen-Urdahl) 2 Min. 34,4 Sek. 75 km/Std., wahrhaftig der ,,schnellste Berg der Welt!"

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1) Einige Mitglieder vom Vorstand des Skiklubs Davos haben sich kürzlich ebenfalls der Mühe unterzogen, die gesamte Rennstrecke der Parsenn vom Weißfluhgipfelbis nach Küblis hinunter mit dem Metermaß genau auszumessen. Sie verwendeten ein 50 Meter langes Band und haben ihre Arbeit unter genauer Verfolgung der von den Rennfahrern benützten praktisch kürzesten Strecke vollendet und dabei festgestellt, daß die Rennstrecke genau 11 240 m mißt, was gegenüber dem bisherigen Maß, das nach der Siegfriedkarte berechnet wurde, beträchtlich weniger ist. Mit der Verkürzung der Strecke auf Grund der neuen Messung werden naturlich auch die Durchschnittszeiten kleiner. So sinkt der bisherige Rekord Otto Furrers von 52 auf 42 Stundenkilometer. Schriftleitung.


Parsenn. Photo: Dr. Henry Hoek

T E C H N I K DER M E S S U N O VON RENNSTRECKEN 1. Die Abfahrtsstrecke wird unmittelbar nach dem Rennen gemessen, solange die Bahn noch deutlich sichtbar ist. Die Streckenchefs achten auf etwaige Abkiirzungen gegen die normale Strecke, die besonders gute Läufer erlaubterweise gewählt haben und weisen die Meßgruppe entsprechend an. Denn es soll möglichst die von den Besten gefahrene Strecke gemessen werden. 2. Meßgeräte : Ein gutes Stahlbandmaß von 10 oder 20 m Länge, eine 50 oder 100 m lange Meßkette oder dünne, aber fest gedrehte Hanfleine, 6 oder 11 ,,SchneenägelC',Notizbuch. 3. Meßgruppe: 3 Mann, im Notfall 2. 4. Länge der Meßkette (-Zeine) feststellen: Sie wird vor Beginn der Messung glattgezogen aiif dem Schnee ausgelegt und ihre Länge mit dem Randmaß möglichst genau gemessen. Ergebnis aufschreiben. Dasselbe geschieht sofort nach Beendigung der Streckenmessung. Beispiel : Länge der Meßleine rorher 100,22 m, nachher 100,48 m, Mittel 100,35 m. 5. Verlauf der Messung :2 Mann bedienen die Enden der Meßkette (-leine).Der vordere hat das Bündel mit 6 oder 11 Schneenägeln (Ca. 40 cm lange Eisenstifte, oben zum Ring umgebogen, womit sie über den Skistock gestreift werden.) Erste Meßlage : Ein Endmark der Leine auf der Startlinie. Die Leine liegt glatt, aber nicht gewaltsam gespannt auf der Rennstrecke, schmiegt sich deren Windungen an. Am unteren Ende wird ein Nagel eingesteckt. Der untere Mann faßt sein Ende, läuft knapp 100 m bergab, läßt die Leine nachschleppen. Der obere legt das Mark seines Endes an den Nagel, der untere zieht die Leine (nicht gewaltsam) glatt, steckt den zweiten Nagel ein. Dann erst zieht der obere Mann


den ersten Nagel heraus und nimmt ihn mit. Fortsetzung bis der 6. oder 11. Nagel gesteckt ist: dann hat der obere Mann 5 bezw. 10 Nägel gesammelt, und vom Start bis an diesen Nagel sind 5 bezw. 10 Leinenlagen gemessen. - Halt. - Der obere gibt seine Schneenggel an den unteren Mann ab, die Messung geht weiter. - Am Ziel mißt man das den letzten Nagel überschießende Stiick mit dem Stahlbandmaß. - Der dritte Mann achtet auf richtige Lage der Leine: stets auf der Mitte der Bahn, vor allem in den Kurven. Er hat das Notizbuch, darein er beim Herausziehen eines jeden Nagels einen Strich macht, zur Kontrolle. Ein Versehen beim Zählen der Meßlagen wiirde die ganze Messung grob vprfälschen. 6. Eryeh?~is:Anzahl der ausgezogenen Nägel mal Leinenlänge plus Endstiick ist die Streckenlänge. Zum Beispiel 33 ausgezogene Niigel mal 100,35 = 3311,5 m plus 16,3 m Endstück ergibt 3328 m (auf den vollen Meter abrunden). 7. Diese GenauZyiceit ist fiir den gegebenen Zweck völlig genügend, wenn die Anleitung beachtet und die Leine vernünftig gehandhabt wird (nicht zerren). Eine andernfalls zur Kontrolle nötige zweite Messung erübrigt sich so. Arbeitsdauer höchstens 30 Minuten auf 1000 m. Genauere Meßverfahren sind zwecklos. 8. Langlaufstrecken mißt man in gleicher Weise vor dem Rennen.


-'on Dr. Gunther Langes, Bolzano.

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-ob und Beifall kann man dem obenstehenden Aufsatz ganz beruhigt schon vor seinem Erscheinen spenden. Nirgends im Wintersport ist in den letzten Jahren so viel Schindluder getrieben worden wie bei den Angaben über die Geschwindigkeit bei Abfahrtsrennen. Bewußt und unbewußt ist dies geschehen, absichtlich und auch nicht, aus Reklamezwecken und vielleicht auch nicht, weil man neidisch war auf andere, schnellere Rennen, oder auch nur, um aus Liebe das eigene Hausrennen aufzupäppeln. Neben diesen Triebfedern für alle die unmöglichen Angaben, die man in die Welt hinausposaunte, hat man schließlich und endlich ein wenig, wenn auch schwankend, an die üblichen Messungen und Schätzungen und Abrundungen, die Kapitän Kurtz in seinem Aufsatz als vollkommen unbrauchbar verurteilt, geglaubt; auf jeden Fall kam es niemanden in den Sinn, daß sie so ungenau sein könnten, wie sie sich jetzt entpuppen. Man maß an Hand der Karte, maß da zwar sehr genau und auf guten Karten, weil das aber nur Papierentfernungen waren, die in der Plastik des Geländes und in der Spur des Rennläufers größer werden mußten, begann man mit Zuschlägen und Abrundungen und redete sich dabei immer wieder ein, man wäre damit ganz bestimmt ganz gerecht und vorsichtig vorgegangen. Als Ergebnis hatte man eine Streckenlänge und eine Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers errechnet, auf die man stolz sein konnte, wenn einem auch meistens die Haare zu Berge standen, wie fürchterlich schnell die Kerle über die Berge herunterrasten. Ich kann ein Lied von fehlerhaften Berechnungen singen, die alle einmal sehr genau sein sollten, weil ich der Betreuer und Vormund des ,,Schnellsten Berges der Welt", der Marmolata, bin. Daß ich den guten Leumund meines Mündelberges zu schützen und zu mehren bestrebt war, wird mir niemand übelnehmen; wie das aber auf Grund der von Kapitän Kurtz für immer abgetanen Meß- und Rechenmethoden zu Meinungsverschiedenheiten, Reibungen iuld Widersprüchen mit der weißen Umwelt führte, erzähle ich kurz. Als Hans Nöbl 1933 die bestechende Rekordzeit von 4' 8" für die 1250 Meter Höhenunterschied fuhr, waren noch rasendere Reporter nicht zu halten und rechneten und rundeten die Streckenlänge ganz unheimlich rasant nach oben ab. Die Rennleitung hatte auf Grund genauer Kartenmessungen und der Zuschläge, die man für die Geländehypothenuse und die mit Schwüngen gefahrene Strecke des Läufers zur Abrundung nach oben machen zu müssen glaubte, eine Länge von etwa 4,5 km angegeben. Der fixeste von allen Reportern rundete dann noch einmal nach oben ab, weil er der Ansicht war, der Zuschlag der Rennleitung für die Schwünge sei viel zu niedrig gegriffen gewesen, und nahm die Streckenlänge schlankweg mit 6 km an! Ein Zuschlag für die Verlängerung einer Strecke durch Schwünge ist eben Gefühlssache, und es gibt eben Menschen, die ganz große G e f m haben! Gefühlte Messungen können aber teuflisch trügen, das wird sich bald zeigen. Der Rechenerfolg damals war jedenfalls der, daß 6 km in 4' 8" gefahren, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 90 km ergaben! ! Wahrscheinlich erschauerte damals schon der Draht gehörig, der diese Schauernachricht der Welt drahten mußte! Viel bewundert, aber auch viel bezweifelt und bestritten schwankte dieses 90 km-Durchschnittstempo durch die nächsten zwei Jahre. Mir wurde immer kalt und heiß zugleich, wenn davon die Rede ging: Heiß vor Stolz für meinen ,,Schnellsten Berg", kalt, wenn von vielen Seiten Zweifel laut wurden, daß da doch irgendwo ein Irrtum dahinterstecken müßte. Ganz glaubte ich ja selbst nicht - %*& daran, dafür aber gerne! , * .-,:?~3&:;-.jr < l ~ Y I - ; Die Katastrophe kam denn auch wirklich rasend geritten. Beim heurigen Marmolatarennen fuhr der Sieger, der Norweger Sverre Lassen-Urdahl, 2' 34" heraus! Ein Irrtum bei den Uhren war unmöglich, weil die Kontrolle alle Fehler ausschließend gehandhabt worden war (auch radiotelegraphiscba Kontrolle der tfberein~timrnun~ wenige Minuten vor dem Start). .&


Also ein glatter Zusammenbruch aller früheren Messungen und Ergebnisse! Mit 6 km Streckenlänge wäre der Sieger 1935 nunmehr eine DurchsChnittsgeschwindigkeit von 140 km durchgestanden! Schneller als der Kilometer lancb! Hellster Unsinn! Aber auch wenn man von der Streckenlänge ganz gehörig, ja Kilometer abknabberte, blieben Phantasierasereien übrig. Und keiner der anwesenden Reporter wäre jetzt so rasend gewesen, die Welt mit diesen Ergebnissen anzudrahten. Es war also höchste Zeit für eine einwandfreie, exakte Messung der Strecke, sonst wären die Seelen meiner Mitarbeiter und besonders meine schwermütig geworden. Wenige Tage nach dem Rennen wurde die Strecke nun direkt auf der Spur vermessen. Und zwar auf der kürzesten Linie der Spuren mit einer Meßschnur, so wie sie Kapitän Kurtz systematisch in seinem Aufsatz angibt. Das Ergebnis war verblüffend, dafür aber endlich richtig! Die Rennstrecke der Marmolata betrug 3250 Meter! Von den 6 km des rasenden Reporters sind also knapp nur etwas über die Hälfte übrig geblieben! Weil aber diese geschrumpfte Strecke in einer tollkühn kurzen Zeit durchschossen worden war, blieben für mein zitterndes Vormundherz doch noch beglückende Endergebnisse übrig: Bestzeit des Marmolata-Rennens 1935 (Sverre Lassen-Urdahl, Norwegen) 2 Min. 34 Sek.; Läng der Strecke 3250 m; Durchsch.nittsgeschwindigkeit 75,9 Stundenkilometer oder 1265 Minutenmete oder 21 Sekundenmeter. Höhenunterschied der Strecke 1250 m; mittlerer Neigungswinkel der Strecke 22.53; mittlere Fallgeschwindigkeit 487 Minutenmeter oder 8.1 Sekundenmeter! Mit Dr. Walter Amstutz und dem jungen Schweizer Abfahrtsmeister Arnold Glatthard kletterte ich heuer durch die klassische Südwand der Marmolata. Es waren also zwei dabei, die in Schnelligkeit bei Skirennen gewichtig mitzureden haben. Da mußte ich mehr als einmal Fragen hören nach meinem ,,Schnellsten Berg" und ob auch der Weg zum Einstieg und die Kamine und Risse der Südwant die ,,Schnellsten" wären und noch vieles andere! Und das wiederholte sich, als wir in prächtiger Laun von den Gipfeln der Langkofelgruppe und der Pala immer wieder den thronenden Gipfel der Königin Marmolata erblickten. Noch ein Jahr früher hätte mich nur ein Bruchteil all dieser kameradschaftlichen Frozzelei wütend gemacht. So aber konnte ich alles mit dem stolzen Bewußtsein ertragen: Die Strecke ist wirklich gemessen! Es gibt keinen Irrtum mehr! Und jetzt erst kann ich mit Recht behaupten: Und sie ist doch der „Schnellste 'Berg!" Weil wir nun so weit sind, daß wir wissen, wie irreführend und ungenau auch beim besten Willen und Unterfangen alle früheren Pseudomeß- und Rechenmethoden waren, weil wir jetzt durch die Arbeiten von Kapitän Kurtz Anleitung und Behelf haben, wie man ehrlich und richtig vorgeht, sollte überall strengstens darauf gedrungen werden, daß kein Wort mehr über die Schnelligkeit eines Rennens fällt und noch weniger gedruckt wird, wenn die Strecke nicht ordnungsgemäß genau und verlicplich gemessen ist. Messen mal schätzen und raten ergibt nicht Messung, sondern Irrtum! Kapitän Kurtz hat sich das Verdienst erworben, schon längst übermorsche Zustände kräftig und am richtigen Punkt angebohrt zu haben. Bravo, Herr Kapitän!


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GESPRHCH MIT

REINHARD STRAUMANN

Von O t h r h r t n e r , SAS, Zürich. Mit 6 Tabellen irn Anhang

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Wollen Sie sich mit mir in die Nesseln setzen, lieber Straumann? Das Thema ist heikel. Die R generäle hassen jeden, der ihre großartigen Abfahrtspisten als Knochenstampfen verschreit. Aber Ihnen brauche ich darüber nichts zu erzählen, Sie sind doch auch davon überzeugt, daß die Anforderungen an unsere Rennfahrer nach und nach über das Maß ihrer Konstitution hinaus gesteige werden ? Und ob! Die Abfahrtsläufe werden immer steiler gewählt, die Steilhänge immer länger in die Pis einbezogen. Die Veranstalter und Aufsichtsbehörden vergessen dabei, daß die Abfahrhstreoken der heutigen Mode den Fahrer ganz außerordentlich gefährden. Vielleicht steht es noch schlimmer. Ich glaube, daß die Verlustlisten jedes Winters eine so deutliche Sprache reden, daß die Renngeneräle ganz genau wissen, welches Risiko der Rennfahrer zu nehmen hat. Sie würden sonst nicht unter jeden gefährlichen Hang einen Sanitätsposten mit Arzt und Transportschlitten aufpflanzen. Ist es nicht eher so, daß noch keine Skibehörde zugegriffen hat und daß darum niemand recht weiß, wie man dem Obel begegnen könnte, ohne den rennsportlichen Reiz abzutöten? Wahrscheinlich haben Sie recht. Man streitet sich über die vollständig abgeklärte Frage des Sprunglaufes und erläßt einschränkende Bestimmungen, wo sie gar nicht nötig sind. Auf richtig gebauten und kontrollierten Sprungschanzen besteht keine Gefahr für die beteiligten Fahrer. Aber mit geradezu grober Fahrlässigkeit schauen dieselben Regierungsgewaltigen untätig zu, wie sich Jahr für Jahr und Rennen für Rennen einige der besten Skiläufer die Knochen demolieren. Sie glauben also, daß man den Abfahrtsrennsport in ähnlicher Weise drosseln könnte, wie es unter Ihrer Führung mit dem Sprunglauf geschehen ist ? Natürlich könnte man das. Sie kennen meine Arbeiten über die axodynamischen Grundlagen des Sprunglaufes. Es hat lange Jahre gebraucht, bis die Praxis mir auf der ganzen Linie Recht gab, denn Photo: H . Gorny


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Photo: 0. Ruh, St. M O ~ &

allerlei Widerstände wie Unwissen und mehr noch Nichtwissenwollen haben die Durchführung meiner Vorschläge unnötig lange aufgehalten. Da der Abfahrtslauf den Gesetzen der Dynamik gehorcht, lassen sich durch Messungen und Berechnungen recht genau die Grenzen zwischen zulässiger Anforderung an den Rennfahrer und unverantwortlichem Rennwahnsinn ermitteln. Glauben Sie nicht, daß die Natur Ihrer Wissenschaft den Gegenstand etwas kompliziert, daß gerade in der Unbeliebtheit Ihrer Formeln und Thesen ein Widerstandsgrund verwurzelt liegt? Müßte man nicht gleichzeitig mit der wissenschaftlichen Arbeit dafür Soi.ge tragen, daß die gute Sache nicht von schlecht verdauenden Besserwissern beiseite geschoben werden kann? Wir sollten versuchen, eine brauchbare Basis herauszuschälen, auf der die Verbandsbehörden aufbauen können. Wenn es Ihnen gelänge, die wesentlichsten Einflüsse der Geschwindigkeiten und Kräfte in Tabellen für die Praxis zusammenzustellen, wäre viel gewonnen, denn dann brauchte sich das Skivolk nicht erst durch Ihre Formeln durchzubeißen. Lieber Gurtner, fürchten Sie sich nicht vor meinen Formeln. Im Schnee sieht alles wieder anders aus. Aber ich muß meine Überlegungen begründen, sonst werden mich die Ungläubigen als Fabulist abtun; mit unbewiesenen Behauptungen können wir nicht durchdringen. Ich habe am Kilometer lanc6 alle Messungen machen können, die wir brauchen. Die Ergebnisse sind schon 1931 und 1932 M ,,Schneehasen'' veröffentlicht worden. Durch Berechnungen kann ich wahrscheinlich alle Kräfte herausfinden, die Sie interessieren. Aber es wird am besten sein, wenn Sie einmal skizzieren, wie Sie sich die Durch* dringung des Komplexes denken. Das ist für mein Laiengehirn nicht so einfach. Ich glaube, daß die einzige Gefahr der Abfahrtsrennen in zu großen Geschwindigkeiten liegt. Natürlich ist das Maß der Geschwindigkeit relativ, denn erst die Terrainbeschaffenheit zeigt dem Fahrer, ob seine Geschwindigkeit gemeistert werden kann, oder ob sie zu groß ist. Ein Sturz aus erheblicher Geschwindigkeit muß ganz sicher Kräfte verzehren, von

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denen wir Skifahrer uns bisher wohl nie klare Vorstellungen gemacht haben. Es schiene mir deshalb am besten, wenn Sie von der Geschwindigkeit ausgehend die lebendige Kraft, die Wucht des Fahrers ermitteln würden. Wenn wir erst einmal wissen, mit welcher Wucht der Rennfahrer eine bestimmte GeIändestelle passiert, können wir sicher Schlüsse ziehen, welche unheimlichen Kräfte ein Sturz umwandeln muß. Das wird uns auch gleich ein Maß für die Verheerungen geben, die dabei angerichtet werden können. Denken Sie nicht auch, daß auf diese Weise eine Erfassung des Problems möglich wäre ? Gut - gut - das geht ja wie am Schnürchen in medias res. Wir müssen uns auf einen Fall einigen. Nehmen wir David Zogg als Karnikel; sein Gewicht habe ich mit 80 kg bereits durch alle Geschwindigkeitsformeln hinh~ch~erechnet. Warten Sie einen Augenblick - (Straumann zückt den Rechenschieber) - Gewicht durch 9,81 - m = 8,16; diese Maße multiplizieren wir mit V2 und dividieren durch 2, dann haben wir schon die Wucht, mit der David Zogg heranbraust. Gutester Straumann, die Maschine da ist fabelhaft, aber ich weiß was herauskommt. Mir hat man schon vorgerechnet, da$ ich im 60-km-Tempo einen Schweifelhag mit etwa 4 Tonnen zusammenschlage. Wenn Vitter nun im 100-km-Tempoeinen seiner beliebten Bäume anfällt, wird der Förster vermutlich gleich Kleinholz kriegen. Ich glaube, mit dem Rechnen müssen wir zuwarten, das besorgen Sie wohl am besten zu Hause. Aber Ihre Tabellen möchte ich haben! Das Entstehen der Geschwindigkeit, die Entstehung der Wucht, die im Sturz aufzuzehrende Energie und den Druck bei Richtungsoder Gefällsänderung - das möchte ich wirklich gerne zusammengestellt sehen. Gut, das mache ich Ihnen. Was fangen Sie damit an? Wir wollen die Sache im ,,Schneehasen" veröffentlichen. Sind Sie also einverstanden, daß wir selbander in die Nesseln sitzen?

* * *

Photo: 0.Rutz, St. Moritz


Ein paar Monate nach dieser Unterredung übergab mir Straumann die folgenden Unterlagen: Wir bezeichnen mit V die Geschwindigkeit, mit Vmax die an einem Hang mit gegebener Neigung erreichbare Maximaigeschwindigkeit, mit C die Neigung des Hanges, mit D die durchfahrene Distanz in

*2

Meter, mit W die Wucht -wo m

=

Masse des Fahrers = 8,16 in kg bei einem angenommenen

Gewicht von 80 kg. E ist der Bremsweg in Meter und P die Belastung des Fahrers oder der Bremsdniek in kg. Es bestehen die Beziehungen: = 370 log.

Vmax = 84,6

-

V2max VZmax -V2

fsin(c-60)

P.E.

=

W

Nach den Edahrungen am Kilometer lanc6 kann der Reibungswinkel mit 6 O eingesetzt werden.

Tafel I gibt graphisch die Geschwindigkeiten V in Funktion der gefahrenen Distanz D für Bahnneigungen von 100,2P, 30°, 40°, 50°, 60°. Wir sehen, daß schon nach 100 m bis 160 m Fahrt die Grenzgeschwindigkeit Vmax erreicht wird. - So ist zum Beispiel die Geschwindigkeit auf einem Hang von 30a Neigung 150 m nach dem Start 35 m/Sek. Diese für den Hang von 30° erreichbare Maximalgeschwindigkeit ist schon nach zirka 120 m erreicht. - Wird ein Hang zum Beispiel von 4(i0 mit einer Geschwindigkeit von 30 m/Sek. angefahren, so wird die Maximalgeschwindigkeit von 41 m/Sek. schon nach 140 - 40 = 100 m Fahrt erreicht sein. Nach erfolgtem B6art werden alle Hii.nge mit erheblichem Tempo angefahren. Die Fahrt bringt unten an den Steilhängen zwischen 30 und 40 m/Sek. Wir dürfen deshalb ohne einen großen Fehler zu begehen mit dem Vmax rechnen.

Photo : H . Gornu

'


TafelI1 gibt für die verschiedenen Gefälle C die Wucht in kgm in Funktion der durchfahrenen Distanz D. Man sieht aus dieser Tafel, wie die lebendige Energie des Fahrers zu ganz gewaltigen Werten wachsen kann bei steilem Hang. Diese Werte von W geben den Bremsdruck für 1 m Bremsweg. Tafel I I zeigt das praktisch zulässige Gebiet des Bremsdruckes in Abhängigkeit des Bremsweges. Bremsdrucke von 50-100 können als normal bezeichnet werden, solche von 100-150 sind schon groß, über 150 kg sollte unter keinen Umständen gegangen werden. Damit auch die außerhalb dem normalen Bereiches liegenden Werte sichtbar werden, haben wir auf Tafel I V logarithmische Koordinaten benützt. - Die Kurven werden so zu geraden Linien und lassen sich verfolgen bis an die Grenzwerte. - Der Raum, der praktisch nicht verlassen werden sollte, ist mit Strichpunktlinie eingerahmt. Man kann hier sehen, wie zum Beispiel bei kurzen Bremswegen von 1-2 m, wie dies vorkommen kann, wenn zum Beispiel ein Ski hängen bleibt, die den Fahrer belastenden Kräfte rasch ansteigen, so bekommt man für V = 31 m, W = 4000, für E = 2 m, P = 2500 kg. Es ist nicht verwunderlich, daß bei dieser Belastung irgend etwas brechen oder reißen muß. Tafel V gibt in Abhängigkeit der Geschwindigkeit V und der Krümmungsradien R den Druck Q bei Durchfahrt durch eine Richtungsänderung. Es ist daraus ersichtlich, wie auch hier bei kleinen Radien R die Kräfte sehr hoch ansteigen. Auch hier läßt sich auf der Tafel ein Gebiet umrahmen, das praktisch nicht verlassen werden sollte. Die Anwendung der Kurvenblätter auf Abfahrtsstrecken. Wenn wir die Tafeln und ihre Zahlen betrachten, so können wir die Frage beantworten: Wie sollen Abfahrtsprofile aussehen, wenn es für den Fahrer nicht gefährlich sein soll? Es genügt, die Grenzwerte des Druckes D oder Q festzustellen, um aus den Kurven alle Bedingungen zu lesen, die ein solches Idealprofil erfüllen sollte. Wenn wir die zulässige Dmkgrenze auf 150 kg setzen, so finden wir zum Beispiel für einen Hang von 30° Gefälle, daß die Geschwindigkeit bis 35 m/Sek. erreichen kann. -


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-

Kommt am Ende der Strecke e h Richtungsänderung oder ein Hindernis, so soll die Geschw ..'5.. .' zwccngskge so abgebremst werden, daß die betreffende Steile ohne Risiko für den Fahrer duro 11 .;, ;* $:. werden kann, das heißt es sollen Tore in die Stmcke gelegt werden, die die Ceschwindigkei bis auf die zulässige Größe von zum Beispiel 10 m herunterdrücken. - Es können auf diese kurven angelegt werden, deren Länga E aus Tabelle I11 für Maximaldruck 150 ermittelt werden kagn. ' Ratsam ist es, mit P nicht über 100 kg zu gehen. Auch für Mulden in der Abfahrtmtrecke kann zullissige Geschwindigkeit der Tafel V entnommen werden, und je nach gteilheit dtrd Lange ' -2 davorliegenden Hanges können die zur Reduktion der Geschwindigkeit auf den für die Fahrt die Mulde zulämigen Wert notwendigen Bremskurven bestimmt werden. Mit dieser Nethode wird es möglich, eine im Profil gegebene Abfahrtsstrecke zu untersuch überall dort, wo es notwendig ist, Bremskurven so vorzusehen, daß der draufgängerisoke , , zwangsweise durch die Anlage der abgesteckten Bahn seine Geschwindigkeit den durch da@?li%~@ gegebenen Verhältnissen anzupassen hat. -,<U

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Straurnauin hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Er gibt uns gleich einen Wink, wie die , Drosselung der Abfahrtsrennen durchgeführt werden könnte. Es wäre zu empfehlen, da8 seitens deF FIS eine Studienkommission eingesetzt würde, die sofort in der Praxis Profilprüfungen unter Anlsh- . nung an die Straumann'schen Tabellen durchführen würde. Wenn man sich überlegt, daß der Springer auf genormten Großschanzen Belastungen ausgesetzt ist, die höchstens 100 kg erreichen, daß b & p B e n Sprungweiten bis zum kritischen Punkt der Landungsstrecke 50 kg nicht überstiegen und daß anehdie flbergangsnuidungen so profiliert werden, daß ein Zentrifugaldruck von 50 kg nicht überschritten . n , wird, wird man zugeben, daß bei den heutigen Abfahrtsläufen an die Rennfahrer Anforderungen gestellt%werden, die mehr als das Hundertfache der Beanspruchung des Springers betragen können. Wir müssen so weit kommen, daß für wichtige Landes- oder internationale Abfahrtsrennen die Einreichung eines genauen Streckenprofils mit genügenden Vermessungsunterlagen verlangt wird, so daß durch objektive Beauftragte diejenigen Geländestellen ermittelt werden können, für deren Pistenaussteckung die Verantwortung nicht mehr allein den lokalen Rennausschüssen überlassen werden , darf. Wenn einmal alle Abfahrtsrennstrecken von oben nach unten ausgesteckt werden und wenn die im Profil als Gefahrenherde ermittelten Teilstrecken durch den Schiedsrichter auf ihre zweckmäßige Aussteckung hin geprüft werden, wird, genau wie es beim Sprunglauf von den großen SchawiWt da Fall war, eine sofortige und erhebliche Verminderung der Rennunfälle eintreten. Der Weg ist vorgezeichnet, es ist Sache der Verbandsbehörden, ihn zu betreten. & "

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Auch ezn Schneehase. Photo: H.RteiZaFRm


DER NEUE MODUS ZUR ERRECHNUNG KOMBINIERTER ABFAHRTS- U N D S L A L O M - R E S U L T A T E V o n Amold L u n n , SAS, London.

Man ist sich allgemein darin einig, daß dem Slalom-Resultat ein zu großes Gewicht für die kombinierte Note zufällt und daß der heute zur Errechnung der Resultate angewandte Modus zu große Anforderungen hinsichtlich des Registrierens der Zeiten stellt. Der Abfahrts-Rennsport ist so populär, daß es fast kein Dorf und keine Talschaft in den Alpen gibt, wo nicht Abfahrtsrennen durchgeführt würden, wobei man aber nicht immer Leute zur Verfügung hat, deren Steckenpferd Logarithmentafeln sind oder die an Hand eines so sinnreich durchdachten Systems arbeiten können, wie es zum Beispiel Herr Schuler ausdüftelte und das außerordentliche Genauigkeit und beträchtliche Fähigkeiten in der Auswertung solcher Tabellen erfordert. Wir brauchen für gewöhnliche Abfahrtsrennen ein Verfahren, das erstens sehr einfach anzuwenden ist und zweitens nicht Logarithmentafeln oder ähnliche Hilfsmittel erheischt, welche eventuell nicht zur Verfügung stehen könnten. FIS-Regeln werden leicht verlegt und unsere Methode muß sogar in einem so katastrophalen Falle angewandt werden können. Überdies steht es bei der Vierer-Kombinations-Errechnungsmethode- welche von der F I S noch nicht offiziell anerkannt wurde - sich der unsrigen anzupassen, da die Zweier-Kombination ja unvergleichlich viel häu6ger vorkommt als die Vierer-Kombination. Zufälligerweise kann das vorgeschlagene Verfahren leicht mit dem österreichischen oder schweizerischen Errechnungssystem der Dreier- oder Viererkombination in Einklang gebracht werden. Der ,,ErEnder" widmet sein neues Verfahren seinem alten Freunde Gottfried Stutz, dem gewöhnlichen Sterblichen, denn es wurde geschaffen, um das ungehaltene Verlangen des gewöhnlichen Sterblichen zu befriedigen, das nach einer Befreiung von all dem Logarithmen-Ballast schrie. Das Verfahren kann unbekümmert um die theoretische Frage, welche Bedeutung man dem Slalom und der Abfahrt in der Kombinationsnote beimessen will, angewandt werden. Das FIS-AbfahrtsKomitee wird alter Übung treu dem Kongreß vorschlagen, daß das Abfahrtsresultat 50% schwerer ins Gewicht fallen soll als jenes des Slaloms; aber auch wenn entschieden werden sollte, daß dem Abfahrts-Resultat die doppelte Bedeutung des Slalom-Resultats zukommen soll, so wird der entsprechende konstante Faktor eben der Zeit des Siegers in der Abfahrt, geteilt durch die doppelte Zeit des Siegers im Slalom, gleich sein. In Kürze geschildert, hat die vorgeschlagene Methode folgendes Gesicht : Wir notieren die SlalomZeiten auf der Grundlage, daß die Bestzeit im Slalom mit einem Faktor multipliziert werden soll, der sie auf eine Zeit bringen wird, welche zwei Drittel der Bestzeit in der Abfahrt beträgt. Das Endresultat erhalten wir, indem wir die Zeit, welche jeder Teilnehmer in der.Abfahrt benötigte, zu seiner mittels des konstanten Faktors modifizierten Zeit im Slalom hinzuzählen. Hier ein einfaches Beispiel : Angenommen, die Bestzeit im Abfahrtsrennen sei 6, jene im Slalom 2 Minuten, so multiplizieren wir sämtliche Slalom-Zeiten mit 2, was unter anderm zur Folge hat, daß die Zeit des Slalomsiegers mit 4 Minuten gerechnet wird (gleich 2 Drittel der Bestzeit in der Abfahrt). Hier ist in erster Linie zu beachten, daß wir die Abfahrtszeiten unverändert lassen, anstatt emsig Punkte für jede einzelne Abfahrtszeit auszurechnen. Bei der Bestimmung des konstanten Faktors wird den Wünschen des gewöhnlichen Sterblichen vollauf Rechnung getragen, indem wir die Abfahrts- und Slalom-Zeiten auf ganze Sekunden auf- oder abrunden und auch das Resultat nur auf eine Dezimale genau ausrechnen. Dies ist der einzige Teilungsprozeß im ganzen Verfahren. Da der konstante Faktor nur aus 2 und die Multiplikanden nur aus 3 Zahlen bestehen, so ist das ganze Rechenexempel eine höchst einfache Sache. Beiwie1 : E s sei das kombinierte Resultat eines Abfahrts- und eines Slalom-Rennens zu errechnen, in denen folgende Einzelzeiten gefahren wurden :


Sek. Slalom Min. Sek. Abfahrtsrennen Min. 20,6 1. Robinson 2 12,2 4 1. Smith 31,6 2. Brown 2 16,0 4 2. Jones 42,s 3. Black 2 18,O 4 3. Black 44,2 4. Jones 2 20,2 4. Brown 4 47,6 5. Smith 2 28,6 5. Robinson 4 Nach dem neuen Rechnungs-Verfahren bestimmen wir zuerst den K. F. (konstanten Faktor).

K. F.

=

2 X 261 = 2 x Abfahrts-Bestzeit, auf ganze Sekunden auf- oder abgerundet 3 X Slalom-Bestzeit, auf ganze Sekunden auf- oder abgerundet 3 X 132

Die Bestzeit in der Abfahrt ist 4' 20,6" oder (auf ganze Sekunden aufgerundet) 261 Sekunden und die Bestzeit im Slalom 2' 12,2'' oder, wiederum auf ganze Sekunden abgerundet, 132 Sekunden. Der

K. F. = 1,31, d. h. auf eine Dezimale genau 1,3. Jetzt multiplizieren wir alle auf ganze Sekunden auf- oder abgerundeten Slalom-Zeiten mit dem K. F. (1,3). Smiths eigentliche Slalom-Zeit ist 2' 28,6", d. h., auf ganze Sekunden aufgerundet, 149 Sekunden. Wir multiplizieren 149 Sekunden mit 1,3 und erhalten so 193,7 Sekunden. Nun m체ssen wir Smiths Abfahrtszeit (260,6") zu seiner modifizierten Slalomzeit (193,7") hinzuz채hlen, wobei wir auf ein Resultat von 454,3 Sekunden, d. h., auf ganze Sekunden abgerundet, 7' 34'' kommen.

Photo: Dr. Walter Amstutz


In gleicher Weise errechnen wir für Jones ein kombiniertes Resultat von 453,ti Sekunden, d. h., auf ganze Sekunden aufgerundet, 7' 34". Seine Zeit ist deshalb die gleiche wie jene Smiths, in welchem Falle - der einschlägigen Regel entsprechend -- die Reihenfolge irn Abfahrtsrennen den Ausschlag für den Sieg Smiths gibt. Die endgültigen kombinierten Resultate lauten:

Name

Rang in der Abfahrt

Smith Jones Robinson Brown Black

1. 2. 5. 4. 3.

Rang im KombinationsKombinierter Rang gemäp Slalom Note neuem System altem System 5. 4. 1. 2. 3.

7.34 7.34 7.39 7.41 7.42

1. 2. 3. 4. 5.

Punkte gernäß altem System

4. 2. 1. 3. 5.

94,47 95,19 95,30 94,81 93,98

Wir geben nachfolgend eine Aufstellung wieder, welche zeigt, was für Rechnungsvorgänge zu diesen Resultaten führen, Der konstante Faktor wurde bereits, wie vorstehend erwähnt, bestimmt (1,3). Jede zum Rechnungsvorgang gehörige und vorkommende Zahl ist nachtehend aufgeführt.

Abfahrt Name Smith

Jones

Min. Sek. 4

4

20,6

31,6

Slalom Sek. 260,6

271,6

Min. .Sek. 2

2

28,6

20,2

Black

4

42,s

282,s

2

18,O

Brown

4

44,2

284,2

2

16,O

Robinson

4

47,6

287,6

2

12,2

Sek. auf - oder abgerundet

149 X 1,3 = 193,7 44,7 ~193,7 140 X 1,3 = 182 42,O 182 138 X 1,3 = 179,4

136 X 1,3 = 176,s 40,s 176,s 132 X 1,3 = 171,6 39,6 171.6.

Total 260,6

+ 193,7 =

-

454,3 Min. 34 Sek.

==7

271,6

+ 182

= 453,6 =

7 Min. 34 Sek.

282,s 4- 170,4 = 462,2 = 7 Min. 42 Sek. 284,2

+ 176,s = 461,O = 7 Min. 41 Sek.

287,6

+ 171,6 = 459,2 =

7 Min. 39 Sek.

Nun lasse man uns das alte System mit dem neuen vergleichen. Bei Anwendung des alten Modus wird Robinson, der Letzter in der Abfahrt und Erster im Slalom war, Kombinationssieger. Wenden wir das neue System an, so wird er Dritter in der Kombination, welcher Rang zufällig in der Mitte zwischen seinem ersten Platz im Slalom und seinem fünften Platz in der Abfahrt liegt. Smith, der Abfahrtssieger, den das alte System nur auf den vierten Platz verweist, gewinnt auch die Kombination, was als befriedigende Lösung bezeichnet werden kann, da man bei sonst gleichwertigen Leistungen gerne sieht, daß der Sieger in der Abfahrt, die schließlich das Hauptrennen darstellt, auch den Kombinationssieg davonträgt. Jones und Blacks Rang bleibt sich gleich, währenddem Brown durch das neue System um einen Platz zurückfällt. Was das Errechnen der Resultate anbelangt, so arbeitet das neue System vier- bis fünfmal schneller. Dies einesteils weil man die Abfahrtszeiten unverändert übernimmt, währenddem beim alten System für jeden Teilnehmer die Abfahrtszeit in Punkte umgewertet werden muß, und andernteils, weil eben eine Multiplikation, bei welcher der Multiplikand nur aus einer zweistelligen Zahl besteht, eine viel einfachere Sache ist als das Suchen nach den Logarithmen zweier Zahlen, dem eine Subtraktion folgt. nach welcher man schließlich die Antilogarithmen in einer andern Tabelle nachschlagen muß.

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. . . umi flach der KoUision


D I E SKIKANTE Von Prof. D r . Hermann Altrock, Leipzig Die Materialprüfungsabteilung des Institutes für Leibesübungen der Univer+qitä' Leipzig hat sich seit einiger Zeit mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Ski kanten befaßt. Wir sind der Direktion der Prüfungsabteilung, Herrn Prof. Di Altrock zn Dank verpflichtet, daß er unserer Einladung Folge leistete und fii unser Jahrbuch eine äußerst interessante Arbeit geschrieben hat. Wir m6chten dabei gleichzeitig an die verdienstvollen Untersuchungen und Arbeiten erinnern die Herr Assistent Gerhard Rudolph in diesem Zusammenhange im Institut fii Leibesübungen in Leipzig vorgenommen hat. Schriftleihng In der jüngsten Entwicklung des Skilaufes hat die Frage der Skikante die Gemüte ebenso bewegt, wie weiland der Streit um die richtige Bindung. Die alten Ski läufer werden mit Schmunzeln sich der erbitterten Kämpfe erinnern, die un dieses Problem getobt haben, das heute kaum noch jemand berührt, aber um die Lösung des Rätsels der Skikante sind die Versuche noch nicht abgeschlosser Ihre Entstehung hat einen doppelten Grund: Die höchste Kunst des Skifahrers liegt in dem ungehemmten und flüssigen Laui wie er unter dem Namen Slalom im nordischen Winter bekannt ist. Brausend Lebensfreude, Naturverbundenheit und gesteigerte Lebenskraft sind der Gewinn des Sports gegen die Mechanisierung des Daseins. Aber als ein Kind des Zeitalters der Maschine trägt der Sport unverkennbar auch ihren Einfluß zur Schau. Dieser spiegelt sich in der Verknüpfung der meßbaren Leistung mit der körperlichen Betätigung wider, imd so wird das Naturerlebnis in eine Wettkampffonn unter diesem Gedanken gewandelt. Die natiirlichen Hindernisse werden symbolisiert, und durch Abstecken einer bestimmten Strecke wird von allen Läufern eine Leistung unter gleichen Voraussetzungen gefordert. Hierbei aber würden die ersten Läufer gegen über den späteren andere Bedingungen fiir ihre Leistung vorfinden, wenn di Bahn nicht auch von Anfang an die gleiche wäre. Darum mußte für den Slalom als Wettkampf der glattgefahrene Hügel geschaffen werden. Auf ihm aber wäre die Durchführung von Schwüngen an ganz bestimmten Stellen unmöglich, wenn die Holzkante des Gerätes sich abgeschliffen hätte und eine präzise Durchführung de Schwunges auf den Zentimeter geschehen sollte. Es mußte also eine sehr widei standsfähige und gleichzeitig den Schnee greifende Kante des Skis gefunden werder Dieses Bedürfnis aber macht sich auch für die großen Wintersportplätze geltenu, auf denen die Überfüllung mit Skiläufern die gleichen glatten Hänge schiif, wie sie für den Slalomwettkampf ein Erfordernis wurden. Andererseits aber war die Beschaffenheit der Skibahn durch Witterungsumschwünge eine derart wechselnde daß eine sichere Skiführung von der Güte der Skikante abhing. Was nu beim Wettkampf als unbedingte Voraussetzung galt, wurde häufig mit mehr oder weniger Berechtigung auf den gesamten Skilauf übernommen und damit die Frage der Verwendung von Skikanton in die weitesten Kreise getragen. Um ungetrübt von dem Kampf der Meinungen ein Bild des Problems zu gewinnen, sind von dem Assistenten des Leipziger Institutes fiir Leibesübungen an der Universität, Gerhard Rudolph, im Gebrauch befindliche Kanten zusammengestellt und auf ihren Wert sowohl in technischer wie in sportlicher Beziehung untersucht lind erprobt worden. Sicherheit der Kantenführung, auf Harsch oder für Skirennen besonders vorbereiteten Hängen, war die Ursache der ersten Versuche, widerstandsfähige und Photo: H . Corfly


dauerhafte Kanten zu schaffen.Diese Frage scheint an sich nicht so schwer lösbar zu sein, denn hierfür konnte man im Metall geeignete Hilfe finden. Die Schwierigkeit aber lag darin, daß der Elastizitätskoeffizient der beiden zur Verbindung kommenden Materialien, Holz im Ski und Metall in der Kante so grundverschieden war. Die ideale Kante muß also zweifellos jene sein, die bei höchster Widerstandsfähigkeit, Griffigkeit irn Schnee und geringstem eigenen Gewicht den möglichst gleichen Elastizitätskoeffizienten aufweist wie das Holz des Skis. Aus dieser Forderung aber ergaben sich die verschiedenen Abänderungen in der Gestaltung der Kante. Grundsätzlich mußte man dabei unterscheiden, ob es sich um eine wirkliche Kante handelte wie bei Bechler oder Forchtner oder um einen bloßen Verstärkungsschiitz der Holzkante des Skis. Zuerst versiiclite man die Frage durch Aufschraubung von Metallbändern auf die Lauffläche des Skis zu lösen. Dadurch ergab sich aber eine Verringerung der Elastizität der Ski und eine Erhöhung der Bruchgefahr durch die zur Befestigung dienenden Schrauben. Während das Metall beständiger gegen Einflüsse der Witterung und der Temperatur ist, arheitet das Holz unaufhörlich. Damit aher war der Zusammenhang zwischen der Kante und dem Ski vielfach illusorisch. Man ging deshalb dazu über, Kunstkanten zii schaffen, deren substanzielle Eigenart dem Holz wesentlich verwandter ist als die der metallischen Kanten. Sie gestatten denn auch an Stelle der Verschraubung die Verleimung. War so eine natürliche und ungefährlichere Befestigungsart gewonnen, so war sie jedoch in der Härte und Dauerhaftigkeit geringer. Desh~lbschieden die Kunstkanten für den Rennfahrer aus und eroberten sich das Gebiet des Tourenlaufes. Um nun einen Ausweg zu gewinnen, versuchte man die Widerstandsfähigkeit des Metalls mit der Refestigungsmöglichkeit der Kunstkante zu verbinden und schuf die sogenannte Kombinationskante. In ihr sind Zellstoffe und Metalle auf technischem Wege vereinigt. Die Faserverwandtschaft des Zellstoffes dient als organisches Bindemittel zur Verleimung von Holz und Metall. So entstanden die Metallkanten mit Zellstoffeinlagen, die mit der Zellstoffseite in die Führungsnute eingeleimt wurden. Man unterscheidet aldo die reine Metallkante, Kunstkante Es ist Riidolphs Verdienst,, in seinen Untersuchungen und Kombination~kant~e. über Ursprungsstoffc der Kanten und ihre Verbindung mit dem Ski, ein systemat,ischesBild der jetzt iiblichen Arten gegeben zu haben. uber den Wert und die Giite der Kante zu urteilen, sollte man vermeiden. Dem wirklichen Sportler ist sein Gerät nicht ein totes Werkzeug, sondern ein beseelter, lebendiger Begleiter, an den er gewöhnt ist, und den er liebt. Darum ist er in seinem Urteil leicht befangen, und man tut ihm weh, wenn man es ihm widerlegen wollte. So soll auch hier davon abgesehen und versucht werden, dem Leser selbst die Möglichkeit einer Urteilsbildung zu schaffen.

I . Metallkanten. Die älteste Form der Kante wurde von Lettner (Hallein-Salzburg)geschaffen. Sie ist ein 8 mrn breites Stahlband, das in Teilen von 40 cm Länge auf die Fläche des Ski aufgeschraubt wird. Der Abstand der Schrauben beträgt 4,5-5 Cm und ihre Zahl 135-150 Stiick. Sie reicht vom Ende des Ski bis zur Schaufelaufbiegung oder auch ganz in diese hinein. Ihr Vorzug ist ihre große Hlirte, Dauerhaftigkeit und Griffigkeit. Nachteilig wirkt die erhebliche Gewichtsverrnehrung durch Stahlband und Schrauben, die sich bis auf 65&700 Gramm beläuft. Durch die vielen Schraubenlöcher wird der Rand des Ski nicht unbedenklich geschwächt und eine vermehrte Bruchgefahr geschaffen. (Skizze 1)


c z l a -----

.....__._

Wird die Kante bis in die Aufbiegung des Ski hineingeführt, dann ist der Elastizitätsverlust der Spitze sehr bedeutend. Darum hat man das Stahlband fast --... Skizze 2 durchweg vor der Aufbiegung enden lassen. Aber gerade hierdurch wurde eine sehr empfindliche Stelle geschaffen,die bei Stürzen zu Skibrüchen und Beinverletzungen durch die Kante fiihrte.TJm die Kante noch sicherer zu befestigen, hat man sie mit durchgehenden Nieten angebracht. Die hierbei entstehenden Bohrlöcher trugen ebenfalls nicht zur Vermeidung der Bruchgefahr bei. Weiterhin aber war auch die größere Abnützung der unmittelbar an die Kante anstoßenden Laufflgche zwangsläufig. Hierin liegt für die meisten am Markt befindlichen Kanten dieselbe Skizze 3 Schwierigkeit. Eben infolge dieser Abnutzung und der Rillenbildung ist ein verhängnisvoller Einfluß auf die Skiführung oft unvermeidbar. (Skizze 2) Endlich aber treten infolge der großen Spannung und Zugkraft, die sich aus dem Holz der Ski ergab, Schäden auf. Dio Schrauben vermochten diesen nicht zu widerstehen und platzten aus. Durch eine Umgestaltung der Schraubenlöcher in eine ovale Form versuchte man hier Abhilfe zu schaffen. Um das Gewicht der Stahlkante möglichst herabzusetzen, brachte Lettner eine Hartaluminiumkante heraus (Fabrikat Hummel, Innsbruck), die der Stahlkante aber bedeutend an Härte nachstand. Sie ist im Gegensatz zu ihr nur 15 Cm lang und gewährt den Schrauben in ihren Löchern ausreichend Spielraum. Dadurch wird das Zugmoment auf die Schrauben, das sich beim Durchbiegen der Ski einstellt, beträchtlich herabgesetzt und ein Abplatzen ziemlich ausgeschaltet. (Skizze 3) Lettner ging bei der Verkiirzung seiner Lamellen von 40 auf 15 Cm von der richtigen Überlegung aus, daß sich bei der Biegung eines Eisenbandes die Seite des kürzeren Radius zusammenziehen muß (siehe Skizze 3) und daß sich nach beiden Seiten hin diese innere Spannung addiert, so daß die Schrauben dieser Spannung fortwährend ausgesetzt sind. J e länger also die Lamelle ist, um so größer die Kraft, die auf die Schraube wirkt. Damit scheiden Kanten aus einem Stiick vollkommen aus, während bei stark verkürzten der vorhandene Zug durch die größeren Löcher unwirksam gemacht wird. Skizze 6 Von der gleichen Überlegung ausgehend, schuf Eckel, München, eine Kante mit ovalen Schraiibenlöchem, die im übrigen aber mit der Lettner-Kante vollständig übereinstimmt. 1) (Skizze 4a und b) Auf eine ganz eigenartige Weise versuchte der Ingenieur R. Fuchs, Graz, dem Effekt der Durchbiegung zu begegnen. Seine Turner- U& Bergsteigerkante, die als Tourenund Rennkante geschaffen ist, besteht aus einem durchgehenden Stück, . . . .....-.. Skizze 7 das in Abständen von 2,5 cm kleine Kröpfungen aufweist, wodurch das 6,5 mrn breite Stahlfederband der Touren- und das 8 mm breite Federbionzeband der Rennkante in seiner Länge elastisch dehnbar wird. (Skizze 5 und 6) Man hat eine Maximaldehnung der Lauffläche bis zu 12 mm gemessen, ohne daß ein Ausreißen von Schrauben oder Niigeln beobachtet wurde. Zweifellos weist die Kante damit die größte Elastizität auf. Durch die sägeähnlichen Kröpfungen gewährt die Tourenkante im Anstieg besonders auf hartem Schnee eine fühlbare Erleichterung, vor allem da, wo die Seehundsfelle nicht zur Geltung kommen, aber auch im Abfahren ist ein seitliches Abgleiten nicht beobachtet worden, ebenso wie keine nachteiligen Fahrthemmungen im Pulverschnee. Um das Schwingen zu erleichtern, sind die Kant,en in ihrer Befestigung schräg eingelassen. (Skizze 7 ) 1)

Anmerkung der ~chriftl:itun~: Die Firma Eckel verstand es hier wie anderswo meister. haft, das geistige Eigentum von Herrn Lettner zu kopieren.


Immerhin bedeutet jede Unebenheit der Lauffläohe eine Verringerung der Fahrtgeschwindigkeit. Als solche Unebenheiten können sich die Kröpfungen auswirken. In den toten Winkeln ist der Ansatz von Pappschnee begünstigt. (Skizzen 8s und b, 9, 10)

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W-

Skizze 9

Die ersten wirklichen Kanten, die nicht wie die anfangs besprochenen nur einen Schutz der Lauffläche an der Kante bedeuten, sondern als reine Kante anzusprechen sind, wurden von Bechler und Forchtner herausgebracht. Die Forchtner-Kante ist ein 6 mm breites und 2 mm starkes einteiliges Federstahlband, das in Abständen von 4 cm mit je 2 dicht nebeneinanderstehenden Fixier- / zäpfchen versehen ist (siehe Skizze 9). Beim Einschlagen in die Nut, die den Kantenwinkel a m Ski halbieren soll, dringen die Fixierzäpfchen infolge ihrer Zah- skizze 10 nung zwangslädg nach links und rechts in das Holz ein und halten absolut fest. *< . Bei dieser Gewinnung der Kante hat das eingelassene Metallband die geringste ,I Berührung mit dem Schnee und ist darum einer Vereisung, die zwangsläufig mit allen Metallkanten verbunden ist, nicht ausgesetzt. Auch ist die Elastizität des Ski nur ganz verschwindend beeinträchtigt. Ebenfalls fällt die Schwächung fort, aber die gefährdete Stelle dieser Befestigung liegt in dem toten Winkel zwischen Kante und Lauffläche. (Skizze 11) Skizze 11

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8

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Hier splittert das Holz leicht aus und gibt die Kante frei. Damit tritt allmählich ein weiteres Ausfransen des Holzes ein und die mehr und mehr hervortretenden Kanten wirken wie Schienen und gewinnen eigene Führungskraft. Man kann diesen Schäden nicht durch Tiefersetzen der Stahlbänder begegnen. Auch lassen sie sich nicht abfeilen. (Skizze 12)

Skizze 12

Der Ski muß bei Auftreten dieser Schäden auf der ganzen Lauffläche abgezogen werden. Das ist aber eine ganz erhebliche Schwächung des Gerätes, wenn man überlegt, daß bei Abzug von 3 mm an der Lauffläche die Außenseiten auch 3 rnm verlieren, im ganzen also 6 mm verloren gehen, und die Kante selber 4 mrn an Breite dabei einbüßt. Otto Lang, St. Anton, erhebt die gleichen Einwände auch bezüglich der Kante von Becliler. Trotzdem hat sich die Kante in einer ganzen Reihe von Fällen gut bewährt und wird häufig in Verbindung mit der Attenhofsrund C e q - K a n t e auf den Markt gebracht. Die übrigen noch vorhandenen Metallkanten lassen sich unter der Bezeichnung ,,Winkelkanten"zusammenfassen. Sie sind seitlich über Lauffläohe und Seitenfläche des Ski zu befestigen, haben aber alle den Nachteil vollkommener Starrheit. Die älteste und bedeutendste ist die Attenhofer-Rubi-Kante. (Skizze 13)

skgzze 13

Sie ist aus Messing in T-Profil aus einem Stück hergestellt. Auf der 8 mm breiten und 1 mm dicken Kanten-Schiene sitzt ein niedriger Steg, der in Abständen von 6 cm kleine erhöhte Lappen aufweist, in denen 6 mm lange Horizontalschlitze angebracht worden sind. Dieser Steg paßt genau in einen mit Spezialwerkzeug in die Lauffiäche des Skis eingefrästen Schlitz, und die Befestigung erfolgt durch seitlich genau in die Mitte der Steglappen getriebene Metallstiftchen. (Skizze 14)

Skiiae 14

Mit Rücksicht auf die elastischen Schwingungen des Ski sind die Nagellöcher oval, zweifellos ist die Befestigung sehr zuverlässig. Eine Gefahr besteht nur insofern, als die Schwankungen des Feuchtigkeitsgrades des Holzes beim Eintrocknen ein Wackeln zur Folge haben körnen, das jedoch beim Aufquellen wieder von selbst verschwindet. Sie hat sich im Rennen als hervorragend zuverlässig erwiesen. Die B. Z. -Kante (Ihrig- Freiburg i. Br.) ist im Prinzip die einfachste Winkelkante. Sie besteht ays einer Winkelleiste aus Neusilber, die seitlich verschraubt ist. (Skizze 10) ' ,

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Ihr Nachteil ist ein hohes Gewicht und der Verlust der Elastizität des Ski. Die Parsenn-Kante (Hammer, Erbach b. Ulm) ist einteilig und aus Messing hergestellt. Zur Verringerung des Gewichtes ist an der seitlichen Leiste zwischen den Schrauben eine Aussparung vorgenommen. (Skizze 16) Ziemlich stark versteifend wirkt die Satans-Kante (Berger,Tirol). Sie ist schraubenlos am Ski befestigt mit Hilfe von zwei Nuten, in die sie eingeschoben wird. Bei einer Lauffläche von 9 mm hat sie eine Seitenhöhe von 5 mm. Wie aber ihr Profil erkennen läßt, ist sie bei drei Winkelversteifiingen der Skielastizität sehr abträgig. Als reine Kante hat sie auf der Lauffläche noch eine Stahlauflage, durch d h sehr scharf und griffig wird. Die bei der Durchbiegung auf Grund ihrer Einteiligkeit entstehende Längenvariante soll durch die schraubenlose, zangenartige Verkleidung$ ins~fernwirkungslos gemacht werden, als die Schiene der Länge nach spielen k a m (Skizze 17) Der Nachteil der zangenförmigen Verklemmung liegt darin, daß nur noch eine einseitig mit dem Ski verwachsene Holzleiste gebildet wird, die den Maximaldruc& aushalten muß, so da6 hier eine Bruchgefahr besteht und nur ganz erstklassig@ Holz mit dieser Kante versehen werden darf. Im Prinzip mit der Berger-Kante übereinstimmend ist die in der Schweiz u n t a dem Namen Kulm-Kante herausgebrachte Marke. Ein profilierter Stahlstreifen, der um die Holzkante herumreicht, wird in ein Nutenpaar geschoben. Die Kantie

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ist 8 mm breit und 4,8 mm hoch. Der Sonderstahl, aus dem sie besteht, besitat eine Druckfestigkeit von 75 kg/mm2, was sie auch bei stärksten Stößen Steine und dergleichen sehr wenig empfindlich macht. Das Profil, das auf dig ganze Länge verschiebbar ist, kann der Elastizität des Ski nicht hinderlich sein. Als Befestigungsmittel gegen ein Rückwärtsgleiten dient eine einzige Schraube, da ja die solide Verbundenheit mit dem Holze ohnehin besteht. (Skizze 18) An der Schweizer Skikante ,,Expreß" ist die Messingkante durch einen Kreuzzapfen befestigt, der ohne Nägel und Schrauben eine unbedingte Verbindung gtswährleistet. Die Kante beeidußt die Biegsamkeit des Ski nicht, sie kann in der Skizze I Längsrichtung unbehindert im Holz gleiten. (Skizze I) Eine eigenartige Konstruktion weist die bewegliche Frey-Doppelschutz-Kante auf. (Johannes Frey, München.) (Skizze 19) Sie besteht aus 15 cm langen Doppelwinkelschienen aus Hartaluminium. (Skizze20) Die einzelnenTeile sind mit Hilfe ganz einfacher loser Scharniergelenkeverbunden. Skizze 19 Aus dem Ski wird eine Quernut ausgefräst, in die die Kante so eingelegt wird, daß

Skizze 20

sie eine 2 mm breite Laufflächenseite und 5 mm Seitenhöhe zeigt. Die nicht vollständig ausgefüllte Nut wird mit einem Foiwnierspan unter Verwendung- voo Kaltleim ausgefüllt. (Siehe Skizze 20) Diese Leiste stellt nicht nur ein Füllmaterial dar, sondern ist zugleich das Haupfibefestigungsmittel. Wie das Profil erkennen läßt, ist die Kante vollständig steif. Selbst die Verkürzung der Teilstücke aiif 15 cm und die Verwendung von einfachen Gelenken vermögen dem Ski nicht die erforderliche Elastizität zu erhalten. Die Gelenke lassen keine Durchbiegung der Kante zu, sondern höchstens eine Schenkelschwenkung der einzelnen Stücke. Bei Durchbiegung können demnach die Kantenteile nur tangential am Ski liegen, jedoch wirkt die Leiste a (siehe Skizze 19b) dem entgegen. Es entsteht infolgedessen an beiden Enden der Teilstücke eine nicht geringe Spannung. Dieser aber ist die Leiste nicht gewachsen und kann vor allem bei der fortwährenden Abnützung oder nach willkürlichem Abziehen der Lauffläche nicht standhalten. Bei einer stärkeren Durchbiegung des Ski kaon die Leiste abplatzen und den Ski wertlos machen. Die Spannung kann

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nur noch bei größerer Verkürzung der Teile auf Ca. 5 Cm ausgeglichen werden. Damit wird aber die Kante zu labil und ihre Haltbarkeit illusorisch. Im Profil mit ihr ziemlich übereinstimmend ist die Schweizer Skikante Tell, die in ihrer Führungsnute durch einen zwischen Ski und Kante eingepreßten Hickorystreifen festgeklemmt wird. (Skizze 11)

II. Kumthnten :

Wie oben bereits angeführt wurde, liegt die Bedeutung der Kunstkante in der Artverwandtschaft zwischen Holz und Kunststoff, wodurch die einfachste Art der Befestigung, die Verleimung, möglich ist. Elastizität und Normalgewicht des Ski werden nicht beeinflußt. In Härte und Griffigkeit aber stehen sie den Metallkanten nach. Im Härtegrad am wenigsten widerstandsfähig ist die Cerny-Kante. ,,Ihre Ränder schleifen sich zwar etwas langsamer ab als die der natürlichen Holzkante, werden aber genau so rund, so daß mit der Zeit die Montage neuer Kanten nötig wird. Der Ski wird in seiner gesamten Länge einteilig besetzt, beginnend 12 cm von der Spitze entfernt und endend 5 cm vor dem Hinterende. Die Kante selbst hat eine Breite von Ca. 8 mm und besitzt die übliche Stärke von 2 bis 3 mm. Die dadurch entstehenden Gewichts- und Elastizitätsunterschiede sind so geringfügig, daß sie kaum zur Geltung kommen. Der Cerny-Kunststoff ist an sich derart biegsam, daß auch der Ski, trotzdem er einteilig in seiner Gesamtlänge bekantet wird, an Elastizität nichts einbüßt. Auch die Schnelligkeit der Cerny-Kante muß anerkannt werden. Von einer Vereisungsgefahr kann nicht gesprochen werden. Infolge der geringen Härte aber hinterlassen ungeachtet überfahrene Fremdkörper nicht unbeträchtliche Schrammen und Risse. Nicht selten geschieht es, daß die Kante stückweise ausgerissen wird, so daß sie ausgebessert werden muß. Ihre Verletzungsmöglichkeit ist also groß. Die Anforderung an die Griffigkeit auf hartem oder gefrornem Schnee bleibt bescheiden. Die Cerny-Kante kann aus diesem Grunde in keiner Weise den Anforderungen eines anspruchsvollen Fahrers genügen. Ihre Verwendungsmoglichkeit liegt auf dem Gebiet des durchschnittlichen Gebrauches beim Tourenfahren im Mittelgebirge. Ihr Hauptvorteil besteht darin, daß sie, einmal abgefahren, immer wieder erneuert werden kann und so den Brettern eine liingere Lebensdauer verliehen wird. Ein unbekanteter Ski, der mehrmals abgezogen werden muß, ist natürlich schneller verbraucht" (Rudolph). Die Weißhorn-Kante (Deutsche Sportartikelfabrik, Konstanz) besitzt einen größeren Härtegrad, ohne dabei an Elastizität einzubüßen. Sie ist jedoch gegenüber größeren Wärmegraden, wie sie bei Verwendung eines Skibüglers auftreten, sehr empfindlich und daher vorsichtig zu behandeln. Die Lorenz-Preßstoffkante(Lorenz, Berlin), besteht aus in Schichten übereinandergepreßtem Segeltuch, das mit einem Kunstharz versetzt ist und unter Verwendung von Druck und Wärme zu einer homogenen Masse verarbeitet wird. Sie gestattet eine besonders widerstandsfähige Verleimung mit dem Holz. Trotz ihrer scheinbaren Sprödigkeit ist kein erheblicher Elastizitätsverlust zu beobachten. Eine natürliche Lösung von grundsätzlicher Bedeutung ist die Lignostone-Kante. (G. Schäfer, Eßlingen.) Sie wird aus Buchenholz, das in einem besonderen Wärmeund Druckverfahren präpariert wird, hergestellt, ist einteilig und sehr sicher aufgeleimt. Sie besitzt einen hervorragenden Härtegrad, ist fünfmal &rter als Eschenholz und viermal so hart wie die Cerny-Kante. Die Gewichtszunahme durch das Pressverfahren ist unerheblich. Ihre Glätte ist hervorragend.


I I I . Kombinierte Kanten :

Skizze

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Das Bestreben, die Vorzüge der Metall- und der Kunstkanten zu vereinigen, schuf die kombinierte Kante. Bei ihr bildet das Metall die eigentliche Kante, während der mit dem Metall verbundene Zellstoff die Verbindungsbrücke zur Verleimung mit dem Ski schafft. In der Theorie ist dieser Gedanke gut, aber die praktische Verwirklichung ist noch nicht ideal. Die Schwierigkeiten liegen in der Befestigung des Kunstpriiparates an der Metallschiene und in dem ungünstigen Verhältnis zwischen der inneren Spannung der Metallschiene und der Befestigung am Skiiolz. 21 a und b Die Nansen-Metall-Zellonkante (Barta, Wien) will das Problem dadurch lösen, daß sie ein einteiliges Zellstoffband fest in der schwalbenschwanzförmigen Nut einer Messingschiene verklemmt und es unter Druck an den Ski leimt.

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Durch je zwei Paßstücke, die auf dem Ski aufgeschraubt sind (siehe Skizze 21), ' , , wird die Kante an ihren Enden nochmals verankert, damit sie an den Stellen d a naturgemiiß größten Spannung nicht abplatzt. Die Metalischiene, die eine Brei@< von 8 mm besitzt, so ist es wenigstens gedacht, soli auf dem Zellkern müheloai', , hin- und hergleiten, um die Befestigungssicherheit durch die nicht geringen spaik-'.'Ti!; nungsdifferenzen der substanziell giinzlich verschieden gearteten Stoffe weniger za beeinflussen. Wenn man bedenkt, daß der Zellkern nur eine Verleimungsfläch$ $ von 5,5 mm Breite besitzt, so ist zu befürchten - und das wird durch die Praxb .' besbiitigt - daß sich die Kante löst. Durch Zwischenlagerung von Fremdstofferr; :< kann sie verbogen und verworfen werden, so daß es unmöglich wird, sie wied* >.$:$ eben auf den Ski aufzuleimen. Im übrigen aber ist die Metall-Zellonkante schae und schnell und eignet sich für den Rennfahrer. 1.1

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„Ihr gegenüber verzichtet die Berger-Kante (Berger, Schwaz, Tirol) in ihrem alten Modell vollständig auf eine Verleimung. Sie löst die Befestigungsfragen zwischen Ski und Kante dadurch, daß auf ein einteiliges Bronzeband von 1 cm Breite (das ist übrigens eine ungewöhnliche Breite) eine im Profil schwalbenschwanzförmige Zellstoffschiene mit Kupfernieten aufgenietet wird (siehe Skizze 22 a) mit dem Zweck, in einer gleichgestalteten Nut der Skier festen Halt zu &den (siehe Skizze 22 b). Die Kante wird also unter Verzicht auf jegliche Verschraubung und Vernagelung wie eine Schiene in die passende Nut eingeschoben, W i c h der Satanskante. Sie soll dadurch gleichzeitig die nötige Spielfreiheit erhalten, um einer wellenförmigen Verwerfung vorzubeugen. Die Elastizität des Ski ist in hohem Maße erhalten, da die Kante selbst sehr elastisch ist. Die Befestigungsart ist zwar denkbar einfach, hat aber den Nachteil, daß durch die Nut an der Außenkante des Ski eine 3,5 rnm starke Leiste gebildet wird, ähnlich wie bei anderen Konstruktionen. Auf dieser ruht der ganze Druck, der auf die Kante ausgeübt wird. Sie kann infolge des noch vorhandenen geringen Verwachsungsstreifens den Anforderungen nicht genügen. Sie platzt ab, und der Ski wird unbrauchbar. Es ist nicht einmal nötig, daß äußere Kräfte wirken. Durch Verquellung der Zellstoffschiene oder des Holzes wird die Leiste ebenfalls losgedrückt. Ihre Verbreitung könnte man als Gradmesser ihrer Eignung ansprechen. Sie hat sich nicht besonders brauchbar erwiesen." (Gerhard Rudolph, Deutsche Sportartikelzeitung 1934, Nr. 5.)

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Auf den gleichen Grundsätzen beruhend, ist inÖsterreich die Glockner-Kante erschienen. (Skizze 111) Erheblich kompliziert ist die sogenannte Schacherl-Kante (Linz, Donau). Xmze: Stahl- oder Messingbänder in einer L w e von 4,5 cm werden mitHilfe von Krampen


oder Greifern an einem ebensobreiten Vulkanfiberstreifen befestigt, welcher wiederum mit dem Ski verleimt wird. (Skizze 23 a und b) Die Verwendung eines Vulkanfiberstreifens, sowie die Aufteilung des Metallbandes in kurze Stücke, erzeugen eine biegsame und nachgiebige Kante. Zugleich ist sie

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aber die wenigst haltbare. Der Vulkanfiberstreifen, der in seinem Material ein skizza besonders bearbeitetes und gepreßtes Papier darstellt, ist dem Zug des Metalls nur kurzfristig gewachsen. Die Metallstücke reißen aus. Außerdem verwirft sich Vulkanfiber in der Nässe wellenförmig. Man hat deshalb Vulkanfiber mit Zellon vertauscht, das an sich viel widerstandsfähiger gegen Wasser ist, aber dafiir auch für die Krampenbefestigung der Metallteile als ungeeignet angesprochen werden muß. Die drei kombinierten Kanten stellen durchaus keine Ideallösungen dar. Man ist noch weit davon entfernt, die ganze Problematik durch günstige Konstruktionen beheben zu können und dig Verwendungsmöglichkeit in eine Verwendungsempfeh,. lung zu verwandeln. - ' . . Es sind weniger die Materialgchwierigkeiten als vielmehr die Art und Weise einer sicheren Befestigung, welche die Frage der Skikanten so schwierig gestaltet. Darüber, daß Stahl, Bronze oder Hartaluminium wegen der Widerstandsfähigkeit und Griffigkeit auf allen harten Schneearten die geeignetsten Materialien sind, ist man sich restlos klar. Auf Grund des Modalitätskontrastes zwischen Holz und Eisen erwies sich die ursprüngliche Schraubenbefestigung als unzulänglich. Deren Vermeidung führte zu den verschiedenartigsten Konstruktionen und außerdem zur Erprobung neuer Materialien. Der erstrebte und vielleicht auch der erreichte Vorteil hatte bei den einzelnen Kantenarten wiederum Nachteile in Gefolgschaft, welche die Vorzüge zum größten Teil illusorisch werden ließen. Man ist noch nicht in der Lage, einer Kante vor allen andern den vorbehaltlosen Vorzug geben zu können. Wenn es nicht die Schwächung des Ski durch Schrauben oder Nuten ist, so ist es die beträchtliche Elastizitätsverminderung oder die Gewichtssteigerung oder die Verminderung der Fahrsicherheit durch zu feinsinnige Konstruktionen, welche eine unbedingte Empfehlung bedenklich erscheinen l a t . Nicht zuletzt spielen natürlich auch die pekuniären Fragen eine Rolle. Entstehen erhöhte Reparaturkosten oder werden durch eingetretene Kantenschäden die Ski unbrauchbar, so sind das durchaus Momente, die einer allgemeinen Verbreitung des Kantengebrauches entgegenwirken. Es muß immer wieder gesagt werden, das Einfachste bleibt das Beste und zugleich das Billigste, das wäre in diesem Falle ein kantenloses, aber ausgezeichnetes Paar Ski. Stünde die Haltbarkeitserhöhung der Ski durch Kanten in einem günstigen Verhältnis zum natürlichen Verschleiß von kantenlosen Brettern, würden also ein Paar Kantenski die doppelte Lebensdauer eines kantenlosen Pamps besitzen, dann könnte man auch dem Tourenläufer allgemein Kanten empfehlen. Anders liegen die VerhäItnisse natürlich beim Renn- und Spezialläufer. Bei ihnen sind heute Kanten unerläßlich. Sie sind gezwungen, die schärfsten und griffigsten Kanten zu bevorzugen. Es kommt weniger darauf an, daß der Ski nichts von seiner ursprünglichen Elastizität oder von seiner allgemeinen Lebensdauer einbüßt als vielmehr darauf, daß er den augenblicklichen Anforderungen des Wettkampfes genügt. Selbstverständlich aber wird auch der Rennläufer bestrebt sein, seine Ski solange wie möglich zu besitzen. Auf diese Weise wird mit der Zeit unter den vielen Kanten eine natiirliche A w a h l getroffen, die mit Bestimtheit d h Beste und Bewähteste an erste Stelle rückt.

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NORMUNG DES SOHLENWINKELS BEI SKISTIEFELN Von Prof. ~ r Hans .. Thirring, Universität Wien.

Die sportlichen ~kiläufeibevorzugen seit den letzten Jahren einteilige Aufschraubbacken nach Art der Eisbärbacken und ähnlicher Fabrikate, während die älteren Durchzugsbacken, ferner die zweiteiligen Aufschraubbacken oder gar alle komplizierten verstellbaren Mechanismen immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden. Die bisher übliche Methode der Anpassung dieser Backen an die Schuhe durch Umbiegen und Hämmern ist nun technisch unrichtig, weil es verkehrt ist, das harte Backenmaterial nachträglich der weicheren Stiefelsohle anzupctssen. Außerdem hat diese individuelle Methode noch den Nachteil, daß bei Anschaffung neuer Schuhe in der Regel ein neuerlich- VWklopfen der Backen erforderlich ist, daß man bei Leihskiern oder bei Austausch von Skiern un* Kameraden einer Mannschaft fast niemals passende Backen trifft und daß ferner bei Bestellungear , von auswärts immer erst die Schuhe zur Anpassung eingesendet werden müssen. Als radikal einfache . $ ~ Methode zur Beseitigung dieser Mängel war schon vor mehr als einem Jahrzehnt unabh einander von Max Schneider, Rostock, und Hermann Amanshauser, Salzburg, der Vorschlag worden, den Winkel zwischen den Sohlenkanten der Skischuhe und damit auch den Bac ,, '. , :a der Bindung selbst - also ein Bestimmungsstück, das von der individuellen Größe des F r >' ' unabhängig ist - ein für allemal festzulegen. Über meine Anregung wurde dieser Vorschlag k Jahre 1934 vom Normenausschuß des Hauptverbandes der Industrie Österreichs (,,ÖNA") aufgegriffeao, ' . der nach Fühlungnahme mit dem Österreichischen Skiverband sowie mit sportlichen und medi&& ' schen Fachleuten und mit den Berufsverbänden der Schuh- und Leistenerzeum lyl&&! .+*+ rüster zur Einführung folgender Normung gelangte: , >.'X Der Sohlenwinkel (das ist der Winkel zwischen den grQdlinig verlimje&e?a Sahl~&ptWrnderP Vor- ,'"f u ß e ~soll ) ein Viertel eines rechten Winkels, also 22O 30' betragen und zwar m, da@ dw W$* sm'&fi äußerer Kante und Schuhmittellinie 140 und der innere Winkel 80 30' betrÜ&. Die nachstehend irn Wortlaut abgedruckte Normungsvorschrift wurde im Juli 19%4e m W k ds Bit, wurf veröffentlicht und wurde ein Jahr später, nachdem keine sachliohea EiBv&&de g w c k t d e n " waren, zum Beschluß erhoben. Die Normung ist keine obligatorische,es können moh wie vor Bl&ehr&e mit jedem beliebigen Sohlenwinkel erzeugt werden, aber nur jene, die der Nomvomhnft genügen, . dürfen als ,,Skistiefel mit Normsohle" in den Handel gebracht werden und den ÖN-8&mpal tragan. ..% Um die gleiche Zeit haben auch die reichsdeutschen Sportbehörden begonneui, sich mit der Nornaiuiger- ' i

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frage zu beschäftigen und es besteht auch die grundsätzliche Geneigtheit, den G 8 i 4 ~ t w BQ ~d wie in Österreich mit 22O 30' zu normen. Dagegen ergaben sich Meinung~~vemahhdenheiten übm die Frage der Aufteilung zwischen äußerem und innerem Winkel und b k h r ist von dmtsoher @eite kein amtlicher Normungsvorschlag publiziert worden. Schon während der provisorischen Gültigkeitsdauer des österreichischen Entwurfes wurden von e h * zelnen fortschrittlich eingestellten Firmen Normschuhe und Normbacken (einteilige, fertig aufge-

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bogene Aufschraubbacken in fünf verschiedenen Größen) in den Handel gebracht und bewilhrtw && -: ' ausgezeichnet. Der tadellose Sitz der Normbacken und die absolute Gewähr dafür, daß ffldliff Wechsel der Schuhe oder der Skier immer wieder gleich gut passende Backen hat, sind d e jxl.& ,' Augen springende Vorteile, daß jeder, der einmal Normbacken benützt hat, keine andern@&I &- , ' wenden will. Die allgemeineDurchführung der zweifellos im Interesse der Skiläufer liegendanNa~~f&g : :-. wird leider durch die skeptische und allzu vorsichtige Haltung eines Großteils der H&dIemchaft .': zögert. Man äußerte in den Kreisen der österreichischen Sportausrüster vielfach die Befpi.chtC&@ durch die Neueinführung der Absatz der bisherigen Lagerbestände an Skischuhen und B m h fährdet sei, daß ferner das Montieren der fertig aufgebogenen Normbacken gar keine Kunst mehr sei und daher vom Verbraucher selbst vorgenommen werden könne, wodurch dieser Verdienst dem . berufsmäßigen Sportausrüster entgehe und dergleichen mehr. Einwände dieser Art, die innerhalb einer Händlergenossenschaft mit genügender Beharrlichkeit wiederholt werden, konnen eine Zeitlang die Auzjbrftitwig eines technischen Fortschrittes hemmen, selbst wens dessen Vorteile ganz L

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Photo: Dr. Walter Anastzclü ,

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Bild 1. 8pl.inge.r der Mittelklasse. Siehe Seite 184

Es würde zu umfangreich werden, wollte ich Abschnitt für Abschnitt der Lindstad'scheii Arbeit behandeln. Ich beschränke mich deshalb darauf, hier kurz meine Meßmethode in Erinnerung zu rufen und dann die letzten Winter an den Sprungschanzen gemessenen Werte mit den nach meiner Arbeit „Der Skiweitsprung und seine Mechanik" berechneten zu vergleichen. Das einzige, war^ 0.Lindstad an meiner Arbeit anerkennt, ist das ärodynamische Prinzip des Skiweitsprunges, d. h. den Gleitflug des Springers. Das ist nun allerdings die Hauptsache am ganzer1 Problem. Ich möchte voraussetzen, daß jeder Springer seine individuelle Technik springt und daß diese Technik vom Absprung bis zur Landung Flugbahn und Geschwindigkeit zum Teil stark beeinflussen kann. Ich habe deshalb meiner Arbeit den Durchschnittssprung eines guten Springers zugrunde gelegt. Das genormte Profil ist deshalb um so besser und leichter zu springen, um so besser die Sprungtechnik des Springers ist. Aber auch Sprünge der Mittelklasse können noch gut gestanden werden, weil dann das Profil einem guten Durchschnittsspringer gerecht wird.

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Die Grundlagen.meiner Arbeit waren :Messung der Luftwiderstandsfaktoren an einem Springermodeil (ca. 1/3 natürliche Größe) im Luftkanal des aerodynamischen Institutes in Göttingen. (Siehe Skijahrbuch 1927.) Das Göttinger Institut hat seit vielen Jahren Weltruf und erübrigt es sich, über die Brauchbarkeit der Messungen zu diskutieren. Eine weitere Voraussetzung besteht darin, daß ich annehme, ein guter Springer springe von der Sprungschanze in die starke Vorlage und bleibe in dieser Lage bis zur Landung. Vergrößert er diese Vorlage im Verlaufe des Fluges, so wird er weiter springen, verkleinert er die Vorlage, d. h. richtet er sich auf, so wird er kiirzer springen. Der Berechnung wurde deshalb die gleichbleibende Vorlage vorausgesetzt. Auch für die Richtigkeit dieser Voraussetzung liegen Beweise vor in Kinoaufnahmen, die ich letzten Winter zusammen mit Prof. Dr. Knoll gemacht habe. Diese Aufnahmen zeigen deutlich, wie der gute Durchsc@ittsspringer und der Spitzenspringer bei schlechten Verhältnissen oder bei Durchschnittsleistung eben so springen, daLi sie die durch den

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Absprung erreichte Vorlage bis zur Landung behalten. Dadurch ist der Beweis der Zweckmäßigkeit dieser Annahme erbracht. Eine dritte Voraussetzung ist die konstante Geschwindigkeie,von Anfang bis Ende des Fluges. Es ist klar, daß die Geschwindigkeit in der Anfangsphase des Sprunges eher etwas a,bnimmt und dann mit dem Abbiegen der Flugbahn gegen die Vertikale wieder zunimmt. Diese Variation der Geschwindigkeit ist aber klein im Verhältnis zur mittleren Geschwindigkeit, so daß diese Voraussetzung erlaubt ist. Die Messung an der Sprungschanze hat ergeben, daß die Variation von der Sprungtechnik des Springers sehr abhängig ist, und daß der durch die vereinfachende Annahme der konstanten Geschwindigkeit gemachte Fehler kleiner ist als der individuelle

Bild 2 . Birger Ruud. Siehe Seite 184

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Einfliiß auf die Variation der Geschwindigkeit. Die Vereinfachung ermöglicht die Lösung der Bewegungsgleichung auf verhältnismäßig einfachem Wege und erlaubt so die Berechnung der Flugbahnen und damit der Schanzenprofile. Ohne die Konstantsetzung der Geschwindigkeit Iäßt sich die Differenzialgleichung der Bewegung nicht integrieren (ich habe bis heute von den drei Berufsmathematikern, die ich um die Lösung der Gleichung gebeten habe, keine Lösung erhalten können und nehme deshalb an, die Integration lasse sich nicht befriedigend durchführen). Ich erachte deshalb, trotzdem 0. Lindstad das Gegenteil behauptet, auch heute noch den begangenen Weg als richtig und zuverlässig, vor allem auch deshalb, weil die letzten Winter durchgeführten Kontrollmessungen Resultate ergeben, die sich mit den berechneten sehr gut decken. Betrachten wir nun die diversen Phasen des Sprunges: 1. Der Absprung: Lindstad sagt, daß meine Auffassung, der Springer könne seine Geschwindigkeit im Absprung etwas vergrößern, falsch sei. Ich bin trotzdem heute noch der Auffassung, daß der Springer iiber ein großes, durch sein Gewicht und die langen Skier gegebenes Stabilitlltsmoment verfügt, das er dazu ausnützen kann, seinem Körper eine Rotationsbewegung nach vorne zu geben, wodurch der Schwerpunkt eine Beschleunigung erfährt. Genaue, noch durchzuführende Messungen Bild 3. Birger Ruud bei einem 53 m-Sprung. Siehe Seite 184

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sollen diesen Punkt klären. Mit Zeitlupenaufnahmen wurde mit Sicherheit festgestellt, daß der gute Springer mit vollständig gestrecktem und schon in Vorlage liegendem Körper über die Kante geht. Die Flugvorlage ist schon wenige Meter nach der Schanzenkante erreicht. Sicher ist, daß bei großen Sprüngen, d. h. bei aerodynamisch wirksamer Geschwindigkeit (iiber 20 m/sek.) der gute Springer direkt von der Kante in die große Vorlage springt (20 bis 40° gegen die Flugrichtung). 2. Der Flug: 0.Lindstad sagt, meine Flugbahngleichung sei falsch, weil ich unzulässige Vereinfachungen gemacht hätte. Ich habe schon weiter oben diese Behauptung widerlegt. Die gemessenen Werte bestätigen die Richtigkeit der Formeln. Lindstad meint, es sei richtiger, einfach als Flugbahn die Wurfparabel des Massenpunktes im luftleeren Raum anzunehmen. Es vereinfacht dies allerdings die Rechnung sehr. Die Verwendung der Wurfparabel im luftleeren Raum ist erlaubt für Sprünge mit kleinen Geschwindigkeiten (nicht aerodynamisch) oder für Sprünge, die wegen ihrer ungenügenden Vorlage nicht aerodynamisch wirksam sind. Für Sprünge an Klein- und Mittelschanzen und fiir schlecht gesprungene Flugbahnen ist die Wurfparabel als Flugbahn brauchbar. Schon vor drei Jahren hat der Sprunghügelberater des französischen Skiverbandes, Bouchard, diesen Vorschlag gemacht und er wendet für kleine Schanzen diese Methode auch an. Die aerodynamkche Flugbahn ist aber uwsentlich gestreckter als die Wurfparabel, und deshalb darf letztere auf große Sprünge nicht angewendet werden. Wie genau die herechneten Flugbahnen mit den praktisch gemessenen übereinstimmen, zeigt folgender Vergleich. Für einen 70 m Sprung habe ich im Jahrbuch 1927, Seite 60, als Beispiel auch ein Idealprofil angegeben. (Das Profil 111.) Es steht dort als Abgangsgeschwindigkeit von der Sprungschanze Vo = 23 m/sek. Die Messung an mehreren Springern ergibt entsprechend der individuell verschiedenen Sprungtechnik: Vo = 22,7, 23,3, 23,2, 23,2, 22,8, 22,7, d. h. ein Mittel von 22,9. Die Spmngweiten lagen zwischen 68 und 73 m. Diese Zahlen zeigen, da0 die 23 m/sek. Flugbahnen tatsächlich 70 m Sprünge ergebon, d. h., daß die Springer ziemlich genau die berechneten Flugbahnen springen. Die gemessenen mittleren Fluggeschwindigkeiten betragen: Vm = 23,5, 23,6, 23,6, 23,2, 23,7, 23,5, d. h. als Durchschnitt Vm = 23,5. Der Vergleich der mittleren Fluggeschwindigkeit zur Abgangsgeschwindigkeit beweist, daß die Variation der Geschwindigkeit wiihrend des Fluges klein ist und deshalb vernachlässigt werden darf, d. h. die Vereinfachung der Bewegungsgleichung durch Annahme der konstanten Fluggeschwindigkeit ist zulässig. Bild 4. Splanger bei einer Landung


Kritkcher Punkt, IdeaLprofil : Lindstad sagt: „Das Idealprofil ist eine Illusion" und der kritische Punkt existiere nicht. Ich lasse auch hier wieder die praktische Erfahrung antworten. Das Idealprofil für eine bestimmte Sprungweite besteht eben doch, und zwar dann, wenn für die Maximalsprungweite das Verhältnis besteht: Fallhöhe dividiert durch Sprungweite gleich 0,5 bis 0,52, oder als Tangente ausgedrückt nach den FIS-Normen H = 0,6. Dieses Verhältnis ist eine Erfahrungstatsache. An über < 0,6 oder 100 Sprungkonkurrenzen habe ich festgestellt, daß die Springer bis zu Punkt, wo H = 0,6 ist, die Sprünge gut gestanden haben, daß aber weiter unten, wo > 0,6 ist, alle Springer gestürzt sind. Diese Beobachtungen machte ich zwischen 1920 und 1926. Zu gleicher Zeit beobachtete C. J. Luther, München, daß diese kritische Grenze dort liegt, wo Sprunglänge L zu Fallhöhe H ist H H L = 0,52, das ist aber dasselbe wie = 0,6. Diese unabhängig voneinander gemachten Feststellungen kontrollieren sich gegenseitig. Ich habe diese kritische Stelle des Profils kritischer Punkt genannt. Dieser Punkt markiert den Anfang der Gefahrenzone (Sturz) fiir den Springer. Wie sich der kritische Punkt praktisch bemerkbar macht, zeigt folgendes Beispiel: Am Schweizerischen Skirennen in Grindelwald 1935 wurde der kritische Punkt der Mettenbergschanze bei 60 m markiert. In Wirklichkeit liegt er aber bei 57 m. So lange die Bahn sehr gut war, wurden einige Sprünge von 58 bis 61 m gestanden, nachdem die Bahn etwas schlechter geworden war, waren alle Sprünge über 57 m gestürzt, währenddem bis zu 57 m fast alle Sprünge gestanden waren. Ein eindrucksvoller Beweis für die Existenz des kritischen Punktes und die Notwendigkeit, daß er arn richtigen Ort markiert wird. Ist aber n < 0,6, so wird fiir dieselbe Sprungwcite die Fluggeschwindigkeit größer. Es ist deshalb richtig, da8 es für jede Sprungweite ein Idealprofil gibt, mit minimaler Landungsgeschwindigkeit. H Es ist nach dem Gesagten das Profil, bei dem E = 0,6 ist. Herr Lindstad scheint nicht zu wissen, daß dieses wichtigste Element der FIS-Normen eine Erfahrungstatsache ist, die sich immer und immer wieder bestätigt. Es kann sich deshalb nicht um eine Illusion handeln, wie 0. Lindstad sagt und mit ihm der Sportredaktor der ,,Aftenposten" in Fettdruck der Sportswelt bekannt gibt.


Der Auslauf : Lindstad sagt, da,ß das Normalprofil, das als Sicherheitsstrecke nach dem kritischen Punkt 115 der Maximalsprunglänge vorsieht,, gefährlich sei. E r glaubt, daß es vorlzommen könne. daß ein Springer iiber den kritischen Punkt springe. Herr Lindstad hat aber übersehen, daß mit dieser Möglichkeit gerechnet worden ist; d e m der Radius des Überganges ist in der Norm doppelt so groß vorgeschrieben, als er bezüglich des Stehvermögens des Springers sein könnte. Mit diesen größern Radien kann praktisch ohne zu g-roßen Landungsdruck bis an den Anfang der Rundung gesprungen werden. Die Praxis hat gezeigt, daß die Ventillänge von 115 Sprungweite vollkommen genügt. Von der Bretayeschanze wissen wir, daß groOe Zwischenstrecken die Fahrt beschleunigen und imübergang gefährliche Geschwindigkeiten mit schweren Stürzen geben. Gerade das Gegenteil von dem, was Lindstad glaubt. 0. Lindstad hat scheinbar nicht Gelegenheit gehabt wie wir in der Schweiz, Sprünge an großon Schanzen zu beobachten und Erfahrungen zu sammeln, sonst würde or nicht zu Konklusionen kommen, die der praktischen Erfahrung widersprechen. Der Anlauf :Aucli hier glaubt Lindstad, alles sei falsch. E r hat offenbar übersehen, daß das Problem des Anlaufes am Km.-Land in St. Moritz äußerst zuverlässig studiert worden ist. Über diese Messungen ist an dieser Stelle in den Jahrgängen 1931, 32, 33 eingehend berichtet worden. Die in den Normen gegebene Formel für die AnlauflUngen steht auf fester experimenteller Grundlage, die sicher

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nioht zu ~&%t%m ist d m h die primitive Methode des SchlitCchUE3Wep81 E s wi RerPrn L h k d empfohlen, diese Publikatiian zu shldieren, drenn wird er sicher feststden, gaß die B ~ i ~ h mit e dim Anlauf v o l b o m e n in Ordnwg ist. Wie genau der nach dw N m b e r e c h n d AnIauf pctiinmtJk m k t z, B. d h in Garmbeh. Der kritische Punkt liagt dort bei 82 m. Der anlsuf wurde h w t . Bei gutem Schnee sprangen die guten Springer &Q bis M m. B~EBW fiit d~~ kann die Phhnung mit der Erfahrung sicher nicht stimmen. Ihr Angrii? Lindstada atd die # c k e n i a o r m e n wäre damit in der H a u p h c h e b & t & b&tü b $ r ~ 8 h ~daf3 ~ , meine &hit auf sicherer experimenbU~3rGrundlage mit e Mem-n aufbaut. Er hat im weitem vergessen zu prüfen, ob eich seine Auafijh-n mit den pmkkk%keaEd-en v d h lcascgen. J% f o g m nun ehige Er@& dsr an &F an der S p r x m p h m s . Es wurde CMppiwame in Gannirirch, an der Enmbeqpoh&nae in Lengedbnrck und w i dw Jamm-~ch$s9e ab C ~ E T EB. e ICemm h f . Dr. %1l, Hambpg, uad Dr. Pfeiffer, Berlin, waren mir bei den Kime k t x b & x n $ ~ ~ b W I & . Die Auf5xaichungen nmh d.en Zeitlupen~ufmhmmhat in der Ra--& Xerf Buf. Knall bmu~gt.


Bild 5 . Flugbahn Andersen 73 ni. Siehe Seite 185

Bild 7 . Birger Ruud i m 65 ni-Sprulzg. S&he Seite 185

Bild 1 zeigt einen guten Springer der Mittelklasse wäbrend des ganzen Fluges. Man sieht hier deutlich, wie der Körper vom Absprung in die Vorlage (Ca. 40°) geht und bis zur Landung so bleibt, der Beweis fiir die Zweckmäßigkeit dieser Voraussetzung zur Entwicklung der Bewegungsgleichung. Die Kreise zeigen den Stand des Chronosko~;-Zeigers,der mit dem Springer auf dem Filmband festgehdten wurde. Bild 2 zeigt ~ino-'Rildervon Birger Ruud an derselben Schanze: a ) 4 m nach dem Absprung, b) bei 25 m und C ) bei 60 m vor der Landung. Man sieht, daß Ruud während des Fluges mehr in die Vorlage geht, wodurch er an Weite gewinnt. Bdd 3: Birger Ruud im Absprung bei einem 53 m Sprung. Schon 4 m von der Kante weg ist er in Fliigvorlage, die er dann später nach Bild 2b vergrößert. Bild 4 : Springer bei der Landung.


Bild 5 zeigt den 73 m Sprung von Andersen an der Erzenbergschanze. Es stand hier bei 30 m Sprungweite am Bahnrand eine Meßlatte. Andersen wurde genau auf der Flughöhe gegen die Meßlattc photographiert von 20 m Abstand von der Bahnmitte. Das Bild zeigt den Fuß bei 5,3 m Flughöhe. Die Totalflugzeit des Springers beträgt 3,02 Sekunden, bis 30 m 1,3 Sekunden. Die Fallhöhe bei 30 m 0-A 80-13 beträgt (Ski-Jahrbuch 1927) für Q = 80 kg, A = 13, t = 1,3, somit y = -. t' = --- .tz2m 2.8,16 Der Punkt 0 von 5,30 m an der Meßlatte entspricht 6,95 m Fajlhöhe. Bei 73 m ergibt die Rechnung der Fallhöhe für t = 3,02, Y = 37,5 m. Auch diese Fallhöhe stimmt auf dem Profil. Andersen ist somit die berechnete Flugbahn gesprungen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,5 m. Dieses Beispiel zeigt, wie sich die gesprungene Flugbahn gut mit der berechneten deckt. Bild 6 :Andersen vor der Meßlatte auf 5,3 m Flughöhe irn 73 m Sprung. Bild 7 zeigt Rirger Ruud im 65 m Sprung an der Jaman-Schanze. Die eingezeichnete Körperstellung entspricht der Kinoaufnahme. Die Abgangsgescliwindigkeit von der Schanze beträgt Vo = 22,2 mlsek. Die Flugzeit nach dem kinematographischen Zeigerstand t = 2,84 Sekunden und Vm = 22,9 m/sek. Auch hier weitgehende Übereinstimmung mit den gerechneten Werten. Die Zeitmessung an der Erzenberpchanze erfolgte auf dem Schanzentisch auf 10 m Distanz, zwischen 70 und 80 m aiif der Aufspr~tngbahnmit der Zeitmeßvorrichtung wie sie beim Km.-Land verwendet und beschrieben wurde. (Präzision & 0,001 Sek~uide.)An der Jaman-Schanze wurde die Zeit d m h den kinematographierten Zeigerstand eines Chronoskopes ermittelt. Die Distanzen und Flughöhen waren durch Stangen 1, 2, 3, 4, 5, 6 nach Bild 7 markiert.


Folgendes, an der Erzenbergschanze gemessenes Beispiel zeigt, wie individuelle Unterschiede bestehen: * .,:'-J#& Soererisrn : Anderserz : , ,. Anlauf E = 94m Anlauf E = 94 m Sprunglänge L = 72 m I, = 73 m Absprung Vo = 23,3 m/sek. Vo = 22,7 m/sek. Landung V = 24,5 m/sek. V = 26,s m/sek. Vm = 23,5 m/sek. Vm = 23,6 m/sek. t = 3,01 Sekunden t = 3,02 Sekunden 1

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Bild 8 : Andersen im 76 m-Sprung an der Erzenbergschanze. Die Messungen werden noch ergänzt werden. Als Zeugen waren bei den Messungen anwesend die Herren 0. Gurtner, Prof. Dr. Knoll, Chronom6treur Beguin, Mr. L. Dufour, R. Andersen, R. Soerensen, B. Ruud, K. Kobberstad, R. Badrutt und eine Anzahl weiterer Springer und Funktionäre. Chronographbänder und Rechnungen wurden durch genannte Zeugen nachkontrolliert. Die Auswertung der Zeitlupenaufnahmen gibt auch Klarheit über die vielumstrittene Frage, ob der Springer von der Kante weg steige oder nicht. Ich habe immer darauf hingewiesen und durch Beobachtung einwandfrei festgestellt, daß der Springer nicht steigt, sondern sofort zu fallen beginnt, allerdings um so weniger, je besser der Absprung ist und je schneller die große Vorlage erreicht wird. Abb. 3 zeigt deutlich den Weg des Schwerpunktes und der Füße. Man stellt fest, daß bei einer Neigung des Schanzentisches von 6O, wie sie bei dieser Aufnahme vorhanden ist, die Flugbahn horizontal von der Schanzenkante weggeht. Auch kann festgestellt werden, wie der Weg des Schwerpunktes vom Anlauf fließend, d. h. ohne Richtungsänderung über die Kante in den Flug führt. Fig. 3 zeigt auch sehr deutlich, daß der Schwerpunkt im Vergleich zum Fuß während des Absprunges nach vorne wandert, d. h., daß tatsächlich eine Vorwärtsrotation des Körpers um die Füße stattfindet. 0. Lindstad bestreitet dies. Der Absprung von Birger Ruud beweist aber, daß 0. Lindstad im Irrtum ist. Von Stellung 1 bis Stellung 3 (Schanzenkante) hat auf 4 m Fahrt schon eine Rotation von 11° statt- . gefunden, d. h. ea. 55O pro Sekunde. E r wird somit 1 Sekunde nach dem Absprung bei ca. 20 m Sprungweite die Maximalvorlage mit 90° - (550 110) = 24O erreicht haben. Es entspricht dies vollkommen der Abb. 4, in der die Kinobilder bei 0, 20, 35 und 50 m Sprungweite eingezeichnet sind.

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Z u Abb. 5 ist noch zu bemerken, daß die Landungsbedingungen erfahrungsgemäß zwischen 60 und 75 m am günstigsten sind (es ist bei allen Normalprofilen so). Der Neigungswinkel der Flugbahn soll nach Seite 57 des Skijahrbuches 1927 beim kritischen Punkt 49O betragen. Abb. 5 zeigt, daß auch dieses Flugbahn-Element sehr gut stimmt und damit eine weitere, aus der vereinfachten Bewegungsgleichung bestimmte Größe praktisch bestätigt ist. Von der Vmloqe: Sowohl Bild 7 (B. Ruud) als auch Bild 6 (Andersen) zeigen, daß beide Springer mit 38 bis 40° Vorlage auf der Flugbahn segeln. Abb. 2, Seite 38 des Skijahrbuches 1927 zeigt, daß bei 40° Vorlage der aerodynamische Auftrieb am größten ist, entsprechend dem Maximum der Polarkurven. Nachdem wir ja wissen und es durch die Messungen bestätigt erhalten haben, daß die bremsende Komponente des Luftwiderstandes infolge der Wirkung der Erdbeschleunigung die Fluggeschwindigkeit nicht zu reduzieren vermag, daß sie im Gegenteil leicht zunimmt, so erscheint es zweckmäßiger zu sein, mit maximalem Auftrieb zu springen, d. h. mit 30 bis 40° Vorlage. Ich habe in meiner Arbeit als günstigsten Anstellwinkel 23O bis 300 angegeben, aber gesagt, er könne bis 40° betragen, jedoch nicht mehr. Es scheint mir nach den Messungen doch so zu sein, daß 30 bis 40° Vorlqe einen giinstigen aerodynamischen Effekt gibt.

Abschließend sei festgestellt, daß die ifbereinstimmung der gemessenen Werte mit den Normen derart p t ist, daß iiber die Zweckmäßigkeit der letzteren trotz des erfolgten Angriffes kein Zweifel bestehen kann.

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offenkundig sind. I m vorliegenden Fall beginnt sich erst allmählich die Erkenntnis Bahn zu brechen, daß die Normung des Sohlenwinkels nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für die Händlerschaft Vorteile bietet. Es sei nur erwähnt, daß das Versandgeschäft in fertig montierten Skiern wesentlich erleichtert wird, wenn der Besteller nicht erst seine Schuhe zur Anpassung einsenden muß, sondern einfach Normbacken Nummer so und so vorschreiben kann. Weiter ist auch zu beachten, daß namentlich in der Großstadt ein erheblicher Teil aller Wintersporteinkäufe gerade in den letzten Wochen vor Weihnachten besorgt wird und daß gerade in dieser Periode die zeitraubende Montagearbeit eine schwere Belastung des Geschäftspersonals darstellte, während die Montage der Normbacken sich mittels der von der ÖNA in den Handel gebrachten geeigneten Lehren mit der für Serienerzeugung charakteristischen Promptheit und Exaktheit erledigen läßt. I n der Tat ist gegenwärtig der anfängliche Widerstand der Händlerschaft gegen die Backennormung allmählich im Schwinden begriffen und man wird in wenigen Jahren in Österreich vorwiegend Skistiefel mit Normsohlen benützen. Unabhängig von der österreichischen Normung ist ein analoger Versuch auch in Norwegen gemacht worden. Im Jahrbuch 1934 der Foreningen Ti11 Ski Idraettens Fremme, Seite 150-151, berichtet Major Finn Qvale über eine von den norwegischen Militärwerkstätten vorgeschriebene Normal-Skistiefelsohle (siehe Seite 175). Leider ist dort der numerische Wert des Backenwinkels nicht angegeben; der Artikel enthält bloß eine maßstäblich gezeichnete Figur des Sohlengrundrisses. Da bei diesem Militärstiefel die Seitenkanten des Sohlenvorderteils nicht vollkommen geradlinig verlaufen (was meines Erachtens ein Mangel ist), erhält man verschiedene Werte des Winkels je nach der Stelle, an welcher man die Tangente anlegt; ich maß an der Figur Winkel zwischen 23' und 24', also gerade ein wenig großer als die österreichische Norm. Es wäre sehr wünschenswert, daß die zuständigen Behörden der Länder, die intensiv Skisport betreiben, durch entsprechende Übereinkommen möglichst bald zu einer einheitlichen internationalen Norm gelangten.

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Begriffe Sohlenwinkel s ist der Winke, der von den geraden - inneren und äußeren Sohlenseitenkanten des Vorf es eingeschlossen wird (siehe Bild 1). Skibackenwinkel s ist der Winkel, der von den beiden im rechten Winkel aufgebogenen Seitenwänden der Rkibacke eingeschlossen wird (siehe Bild 2). Die Sohlenmittellinie ist die Gerade, die durch den Zehenpunkt Z und Fersenpunkt P verläuft. Der Zehenpunkt Z wird erhalten, indem M Abstand von 20 mm von der Sohlenvorderkante (Spitzkante) auf die vorläufig schätzungsweise angenommene SohlenI mittellinie eine Senkrechte errichtet und diese in zwei gleiche Hälften geteilt wird. s i l d 3

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Zweck der Normung. (Das österreichische Normenblatt Önorm S 1001 ist zum Preise von ö. S. 0,90 beim Österreichischen Normenausschuß, Wien 111, Lothringerstraße 12, erhältlich.) Durch die Normung wird ermöglicht: 1. Ein sicheres Sitzen der Skischuhe in den Skibacken. 2. Der Bezug von fertiggebogenen Skibacken (Aufschraubbacken), so daß das Aufbiegen und Anpassen der Backen an die Schuhe nicht erst beim Kauf von Skiern oder Schuhen vorgenornmea werden muß. 3. Das Benützen von passenden Leihskiern.

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Der Fersenpunkt P wird erhalten, indem im Fersenabstand f auf die schätzungsweise angenommene Sohlenmittellinie eine Senkrechte erricht* diese in zwei gleiche Hälften geteilt wird. Fersenabstand f in cm = 1/13 der Fußlänge f 1 Cm. Schuhnumrner = 1 %fache Fußlänge in Cm. Sohlenlänge I in cm r Fußltiqp f #m-a.

Schuhnummer

Fuß länge

Sohlenlänge

Fersenabstand

Schuhnummer

Fußlänge

Sohlenlänge

37 38 39

247 253

267 273 280

51 52 53

43

287

44 45

293 300

307 313 320

40 41

267 273 280

42

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Der Sohlenwiukel s wird mit 220 30t, d. i. 1/4 des rechten Winkels, festgelegt. Er verteilt sich zur Sohlenmittellinie ungleichmäßig, und zwar beträgt der Innenwinkel i 80 30' und der Außenwinkel a 14O (siehe Bild 1). Die Prüfung des Sohlenwinkels erfolgt mittels Lehrenl) (siehe Bild 3, 4 und #Z, in welche die Sohlen bzw. die fertigen Schuhe eingeschoben werden. Die Sohlenseitenflächen müssen ihrer ganzen geraden Länge und Höhe nach (Sohlenschnitt) an den ebenen Seitenwänden der Lehre anliegen. Der Fersenteil der Sohle bzw. der Absatz muß an beiden Seiten gleich weit vom Rande der Lehre abstehen. Ist dies nicht der Fall, so ist die richtige Unterteilung des gesamten Sohlenwinkels in 80 30' und 14O nicht eingehalten. Eine Abweichung von höchstens 2 rnm nach innen oder außen ist zulässig. Die Sohlenseitenfiächm müssen in einer gewissen Länge (etwa 5 bis 9 cm) eben und zu der Sohlenunterfläche senkrecht verlaufen, um ein gutes Anliegen an die Skibacken zu gewährleistlirn (siehe Bild 1). Die zum Zwecke des Sohlenschutzes allenfalls angebrachtem Messingplättchen müssen in das Leder versenkt sein und genau in den SohlenseiteniIäch8n liegen. Sie sollen so angebracht sein, daß sie mit Sicherheit auf die vorderen bzw. hinteren Enden der Skibacken zu liegen kommen. Dabei ist jedoch darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Schuhe in den Skibacken beim Gebrauch ein wenig nach vorne rücken.

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Skibacken Der Skibackenwinkels muß gleich dem Sohlenwinkel, d. i. 22O 30' sein. Festgelegt werden 5 Backengrößen, und zwar N . 1 2, 3, 4 und 6 entsprechend der vorderen lichten Weite b 70, 74, 78, 82 und 88 nma die arn Grunde der Skibacke zu messen ist (siehe Bild 2). Für dieses Maß ist eh@ Abweichung von & 0,4 mm zulässig. Die in der Richtung der Sohlenrnittellinie gemessene Länge der Skibackea nicht vorgeschrieben, um nach dieser Richtung der Entwicklung freie ahn an lassen. Die Prüfung der Skibacken erfolgt mittelst der gleichen Lehren wie die Prüfder Sohlen, und zwar in der Weise, daß die Skibacken über die (umgekehrt liege$& den) Lehren geschoben werden (Bild 6, 7 und 8). 1)

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Die Lehren können durch den Österreichischen Normenausschuß bezogen werden.

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Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein: 1. Die Seitenwände der Backen müssen ihrer ganzen Fläche nach gut anliegen. (Dadurch wird überprüft, ob der Skibackenwinkel B die richtige Größe hat und ob die Seitenwände rechtwinkelig aufgebogen sind.) 2. Die Vorderkante der Skibacken muß je nach der Backengröße in das ent- Bild sprechende Feld fallen, das durch zwei Gerade im Abstand von 2 mm begrenzt ist. (Dadurch wird überprüft, ob die vordere lichte Skibackenweite b innerhalb der Toleranz von & 0.4 mm liegt.) 3. Die Vorderkante der Skibacken muß zu diesen Begrenzungsgeraden parallel liegen. (Dadurch wird überprüft, ob Innen- und Außenwinkel die richtige Größe haben.) . Normgemäße [Jkibacken sind nur für Skischuhe mit normgemäßen Winkeln verwendbar.

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Befestigung der Slcibacken

Die Befestigung der Skibacken auf den Skiern soll so erfolgen, daß die Sohlenmittellinie über die Skimittellinie zu liegen kommt. Da der Hälftungspunkt der vorderen lichten Weite des Skibackens ungefähr unterhalb des Zehenpunktes liegt, müssen die Skibacken so befestigt werden, daß dieser Hälftungspunkt auf die Skimittellinie fällt. Dies wird mittelst einer Schablone (siehe Bild 9, 10 und 11) er- Bild 9 reicht, die in die Skibacke eingeschoben und mit ihr so auf den Ski aufgelegt wird, daß die beiden Schablonenspitzen A und B auf die Skimittellinie fallen. I n d w Lage werden die Löcher für die Befestigungsschrauben am Ski angerissen. Die richtige Lage der Skibacken in der Skilängsrichtung kann mangels einheitBild 10 licher Anschauungen noch nicht festgelegt werden. Gebräuchlich ist derzeit die Formel von Ing. Werner Salvisberg, Wien, A = 0 . 4 6 L, wobei A den Abstand der Riemenlochmitte der Skibacken vom hinteren Ende d e ~ Skis und L die gestreckte Länge des Skis bedeutet. Diese Formel gilt für gebräuchliche Skibreitenmaße,wie z. B. : Breite vorne (an der Schaufel) 95 mm, & der Mitte 75 mm, hinten 85 mm. Ungebräuchliche Breitenmaße müssen in der Wahl der Größe A berücksichtigt werden.

Grösse 1 :i

Grundriß der Normal-SkistiefelsohLe der norwegischen MiliMrmkstOWinii


ZUR ZEITMESSUNG Von Dip2.-Ing. W . W . Arnherd, London

Parallel mit der Entwicklung des Sports entwickelt sich auch ein Kttmpfgeist - nicht nur in räumlicher, sondern auch in zeitlicher Beziehung. Die Rekorde jagen sich in immer engere Schranken und die bisher verwendeten Instrumente erweisen sich als unzulänglich. Man versuchte deshalb, die gewöhnlichen Zeiger-Chronographen durch Apparate zu ersetzen, die 'aber angesichts ihres elektrischen Motors, ihres Gewichts, ihres Umfanges und ihres Preises praktisch nicht gebraucht werden können. Es sollte daher eine Lösung gefunden werden, bei welcher einerseits die Unannehmlichkeiten eines Apparats mit einem Motor und andernseits die zahlreichen Mängel des Zeiger-Chronographen ausgeschaltet werden. Diese letztern lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. Die Regulierung. Sogar bei Qualitätsuhren wird die Regulierung ständig durch zeitweise Bewegungen einiger oder aller verschiedener Zeiger beeinträchtigt. 2. Der Magnetismus übt einen großen Einfluß auf den Mechanismus des Chronographen aus und verursacht so eine Störung der Regulierung. Diese beiden Faktoren tun der Genauigkeit der Zeitmessung Abbruch, hauptsächlich wenn mehrere ~ h r e nverwendet werden. 3. Es kommt häufig vor, daß der Chronographen-Zeiger irn Augenblick der Auslösung vorwärts oder rückwärts springt. 4. Die mangelhafte Einteilung des Zifferblattes und der die Zeiger bewegenden Räder ruft gleichfalls Ungenauigkeiten im Zeitablesen. 5. Die Fünftels- oder Zehntelssekunden sind sehr schwer genau abzulesen, da die Einteilung des Zifferblattes auf dem entsprechenden Raum eine zu gedrängte ist. 6. Ein großer Nachteil liegt in der Tatsache, daß alle Spuren der Zeitmessung mit dem Augenblick, wo der Zeitmesser die Zeiger auf den Ausgangspunkt zurückstellt, verschwinden, so daß der Zeitmesser geradezu unfehlbar sein müßte. Die vorstehend erwähnten Mängel zeigen also, daß die Zeitnahme, wie sie heute mit Zeiger-Chronographen vorgenommen wird, ungenau ist. Das Problem liegt deshalb in der Schaffung eines verhältnismäßig leichten Instrumentes von kleinen Aumaßen, das leicht zu handhaben ist, das die gemessenen Zeiten registriert, zu einem annehmbaren Preise käuflich und von allen Mängeln des Zeigerchronographen frei ist. Dieses Instrument existiert heute. Der neue ,,Vacheron & Constantin"-Zeitschreib-Apparatl)kennzeichnet sich rein äußerlich durch eine niichterne Sachlichkeit, die unwillkürlich Vertrauen einflößt. Sein Mechanismus ist ganz in ein Gehäuse aus Duraluminium eingebaut. E r kann in einem Leder-Etui wie ein Photoapparat mit sich genommen werden. Er ist ungefähr 19 Zentimeter lang, 12 Zentimeter breit und (an der höchsten Stelle) 10 Zentimeter hoch. Sein Gewicht ist 2,800 Kilogramm. Dieser Apparat zeichnet sich dadurch aus, daß alle seine Funktionen sich rein mechanisch vollziehen. So braucht man sich nicht mehr vor den oxydierten oder angefressenen Kontakten, losgelösten Drähten usw. zu fürchten. Zur Elektrizität (6 Volt-Akkumulator) braucht man nur dann Zuflucht zu nehmen, wenn man l)

Hersteller: Vacheron & Constantin, Genf.


wünscht, daß der Wettläufer selbst den Messapparat .auslöst. Diese automatische Auslösung erfolgt durch eine elektro-magnetische Dose, welche die Länge des Apparates um 6 Zentimeter erhöht und 1,700 Kilogramm wiegt. Figur 1 zeigt den kompletten ,,Vacheron & Constantin"-Zeitschreib-Apparcltmit dem elektrischen Auslöser. Der mit A bezeichnete Teil stellt den von Hand auszulösenden Messapparat gebrauchsbereit dar. Der mit B bezeichnete Teil enthält das zur elektrischen Auslösung dienende elektromagnetische System. Die Teile A und B können lediglich durch Wegheben voneinander getrennt werden. Das beschriebene Meßband kommt bei C heraus und ist auf dem Tisch C-D ablesbar. I n dem Gehäuse A befkdet sich ein Präzisions-Uhrwerk, welches Zehntelssekunden genau erfaßt, die Ersatzspule und der Mechanismus, welcher das metallene Meßband einführt. Wie funktioniert nun dieser Zeitschreib-Apparat? Beim Einlaufen eines Wettläufers drückt der Zeitnehmer auf den (auf der Photographie nicht sichtbaren) Knopf hinter dem turmartigen Aufbau in der Mitte des Gehäuses A. Diese Handlung genügt, um den genauen Zeitpunkt des Einlaufens des Rennfahrers auf dem Meßband zu registrieren, wo der Aufdruck bei C sichtbar ist. Dieser Aufdruck zeigt sich reliefartig in Form eines Klischees, das man gemäß nachstehendem Schema abliest (Figur 2). Man liest oben die Stunden (H),links die Minuten (M),unten die Sekunden (S)und rechts die Zehntelssekunden ab. Beim Ablesen hat man diese konstanten Merkzeichen vor sich; die Zehntelssekunden sind auf der Bogenlinie D, zwischen den zwei großen, sich am nächsten beim Merkzeichen befkdenden Strichen abzulesen.

So liest sich z. B. das in Figur 3 dargestellte Teilstück des Meßbandes wie folgt: Klischee C = 4 Stunden 9 Minuten 20 Sekunden 6 Zehntelssekunden Klischee D = 4 Stunden 9 Minuten 25 Sekunden 7 Zehntelssekunden. Hat der Wettläufer den Zeitnehmer passiert, so vermerkt letzterer die Startnummer des betreffenden Konkurrenten in der Mitte des Klischees. Man sieht gleich, welch großen Vorteil dieser Apparat bietet, der dem Zeitnehmer ermöglicht, die Zeiten der einzelnen Wettläufer, welche sich in Abständen von weniger als 0,2 Sekunden folgen können, in aller Ruhe abzunehmen. Später kann er seine Auswertungen gemütlich vornehmen, ohne Gefahr zu Iaufen, Fehler zu begehen. Endlich sind Nachkontrollen möglich und der Original-Meßstreifen wird zu einem Archiv-Dokument. So lassen sich die in diesem neuen Zeitschreib-Apparat verwirklichten Grundsätze in wenigen Zeilen skizzieren. Der Apparat ist außerdem mit verschiedenen wohldurchdachten Mechanismen ausgerüstet,


die ihn in sehr glücklicher Weise ergänzen: z. B. einer Ables-Tafel mit zwei Empfangs-Spulen,welche zu nachträglichen Kontrollen dienen können (Figur 1, rechts) und einer Zurückstellung auf Null, welche bei sehr lange dauernden oder bei übereinstimmenden Zeitabnahrnen verwendet wird. ebrauchs-Bereitschaft des Apparates ist leichter und schneller zu bewerkstelligen als jene einer amera. Man findet die Anzahl der noch zur Verfügung stehenden Klischees auf einem besonDie deren Zifferblatt; das Meßband kann ausgelöst werden, ohne daß ein Abdruck zurückbleibt. Wenn wir beifügen, daß siimtliche Vorgänge während dem Vorrücken des Zeitmeßbandes abgeriegelt sind, welches, obschon es sich nur während dem Bruchteil einer Sekunde vollzieht, die Befürchtung einer Kollision zwischen zwei Klischees aufkommen ließe, so sehen wir, daß dem gewissenhaften Zeitnehmer in Form dieses neuen Apparates ein vielversprechendes Instrument zur Verfügung steht. Ob sich der Apparat im Zeichen eifrigster Zeitmessung oder im Ruhezustand befinde, so hält sich die Regulierung immer in den Grenzen jener eines Chronometers höchster Qualität. Der ,,Vacheron & Constant&'-Zeitschreib -Apparat eröffnet neue Perspektiven für die BreitenEntwicklung der Präzisions-Zeitnahme.

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Figur 2

Z U M ANGRIFF LINDSTAD AUF D I E FIS-NORMEN FUR SPRUNGANLAGEN

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Von Ing. R. Strawmccnn, Waldenburg, Sprung~cita~nzenexperte der FIS Im Jahrbuch 1934 des Norwegischen Skiverbandes unterzieht 0. Lindstad die FIS-Normen für Sprungschanzen und die diesen Normen zugrunde liegende Arbeit „Der Skiweitsprung und seine Mechanik" (Ski-Jahrbuch des SSV 1927) einer kritischen Betrachtung. Auf Grund eigener Anschauungen kommt Lindstad zum Schld, die nach den FIS-Normen gebauten Schanzen seien für die Springer gefährlich. 0. Lindstad lehnt ferner die Methode der Modellmessung im Windkanal als unbrauchbar ab und bezeichnet die diesen Messungen entnommenen Werte als falsch. Auch die auf den Modellmessungen im Luftkanal fußenden Formeln und die damit errechneten Flugbahnen und Geschwindigkeiten werden als falsch bezeichnet. 0. Lindstad unterläßt es auf der ganzen Linie, die Richtigkeit seiner Behaupt~mgenzu beweisen. Die in Frage kommenden Luftwiderstandsfaktoren bestimmt 0.Lindstad, indem er einen Schlittschuhläufer an einer Federwaage über Eis ziehen läßt, die Federspannung abliest und die Geschwindigkeit mit Handstoppuhr abstoppt. Es ist ganz klar, daß eine solch grobe Methode für die vorliegende Aufgabe nicht taugt, schon deshalb nicht, weil der Schlittschuhläufer sich unter ganz andern Bedingungen durch die Luft bewegt als der Skispringer und deshalb auch bei genauen Messungen falsche Luftwiderstandsfaktoren liefern muß. Ferner ist die Zeitmessung mit Handstoppuhr derart fehlerhaft (vergleiche Schneehase 1931, Seite 77), daß erhebliche Zeitfehler in die Rechnung eingebracht werden. Unter keinen Umständen sollten solch mange14 hafte Messungen als Basis gebraucht werden zu einem Angriff auf eine Arbeit, die auf mit den besten verfügbaren Mitteln durchgeführten Messungen aufbaut. ..


SKISPRINGEN Von Birger Ru&, Berlin-Garmkch-Partenkirchen Als im Jahre 1886 zum erstenmal die Telemarkinger in Os10 ein Schauspringen veranstalteten, an welchem sie Weiten von 24 Elen (Ca. 11 m) gesprungen sind, konnte noch niemand voraussehen, in welcher Weise sich das Skispringen entwickeln würde. Die Initiative der Telemarkinger wurde sofort von der Osloer Jugend aufgenommen, das Springen weiterentwickelt und so fand es seinen Weg in die entferntesten Täler und kleinsten Dörfer Norwegens. Schon um die Jahrhundertwende wurden Weiten von 30 m erzielt. Welch ein Ereignis war es, als im Jahre 1911 Xigurd Hansen in Modum auf der Iustabakken 44 m sprang! Und niemand konnte damals ahnen, daß schon im Jahre 1926 die 70-Meter-Grenzeerreicht werden würde. In gleicher Weise, in der die Sprungweiten zunahmen, hat sich auch der Stil (der Springer) im Sprunglauf verändert. Die Haltung unserer heutigen Springer weicht von der jener, die in den Jahren 1911und 1920 sprangen, ganz beträchtlich ab. Die Springer der älteren Schule kämpften gegen den Luftwiderstand. Die moderne aerodynamische Technik jedoch nützt den Luftwiderstand aus, der gerade dem Springer diese enormen Weiten vermittelt. Es ist klar, daß diese Weiten nur mit Hilfe einer total veränderten Sprungtechnik und einer wesentlich verbesserten und vergrößerten Schanzenanlage zustande kommen kbnnten. Es ist von verschiedenen Seiten versucht worden, die Weiterentwicklung des Skispringens zu hemmenl), aber auf dem internationalen Skikongreß zu Paris im Jahre 1932 wurde der aerodynamische Stil, für den der bekannte Schanzenkonstrukteur und Theoretiker Ing. Straumenn schon seit 1927 unentwegt kämpfte, endlich offiziell anerkannt. Es hat sich nämlich erwiesen, daß bei richtiger Konstruktion und Verfassung der Sprungschanzen Sprünge von 70-90 m nicht gefährlicher und schwerer durchzuführen sind als verhältnismäßig lange Sprünge an mittleren Schanzen. Theoretisch ist es berechnet worden, daß Sprungweiten bis etwa 130 m möglich sind, und wir haben schon gesehen, daß die Hundertmetergrenze überschritten worden ist2). I) Leider rühmt sich auch der Schweizerische Skiverband hier ,,fördernd" gewirkt zu haben. Schriftleitung. 2, Ponte di Legno, Mitte März 1935 : 0. Ulland, Norwegen 98 m (103 m gestürzt) ; Fritz Kainersdorfer 99 m. Planioa, März 1935: Maruszarz 91, 92, 95 m ; Andersen 91, 94, 95, 96, 99 m ; Sörensen 90, 92, 93 m. - I m Training 20 Sprünge über 90 m ohne Fall ! Anmerkung der Schriftleitung.


Was die Weite eines Sprunges in erster Linie bestimmt, sind Profil und Größe der Schanze, somit die . Ges~hwindigkeitim Moment des Absprungs. Erst in zweiter Linie kommen Kraft, Mut, Geistesgegenwart und vor allem eine vollendete Körperbeherrschung in Frage. Das Training des Skispringers sollte schon im Frühherbst beginnen, damit er bei eintretendem Schsse- , ' fall einen gut vortrainierten Körper besitzt. Es ist schwer, eine Sportart irn Sommer zu betreiben, die als Vortraining für das Springen selbst dienen kann. Meines Erachtens müßte der Springer der Gymnastik und den verschiedenen Sommersportarten das heraussuchen, was ihn schnellkräfti~& ' flink macht. Die Leichtathletik gibt dem Körper Schnelligkeit und Kraft, doch ist sie allein imstande, dem Springer ein umfassendes Sprungtraining zu vermitteln, denn Weit- und Hochspfuii-; r als auch Kugelstoßen werden ja meistens nur mit einem Fuße geübt. Als Ausgleich dient Bock- ufd Trampolinspringen. Jedoch zur vollendeten Beherrschung des Körpers müssen noch andere Spoptarten herangezogen werden, insbesondere sind es Geräte- und Bodenturnen als auch Wasserspringen, Reck und Barren geben dem Springer Geistesgegenwart und Rhythmus. Schaukelringübungm ' :, 1ci machen ihn mit der Luft vertraut. Bodenturnen vermittelt ihm Berechnung, Schnellkraft und Loch% rung des Körpers. Jedenfalls müssen all diese Übungen individuell der Körperkonstitution b Springers angepaßt werden, damit eine einseitige Ausbildung vermieden wird. Im Winter findet da= ,,L das eigentliohe Training auf der Schanze selbst statt. Anfangs kommen nur kleinere Sprunghügel in .. Frage. Die kleine Schanze gewährleistet dem Springer einen guten Absprung, einen sicheren k9f- ' > . sprung. Sprunghügel, die nur 15 bis 20 m zulassen und wo der Aufsprung erst im Knick der erfolgt, vermitteln dem Springer durch den Druck den sichersten Aufsprung. Diese Schanzen ermöglichen eine große Anzahl von Sprüngen in relativ kurzer Zeit und geben' dem Springer schneller das nötige Selbstvertrauen. Von großer Wichtigkeit ist es, auf möglichst vielen und verschieden angelegten Schanzen zu springen, damit der Springer auch auf ihm völlig fremden Sprung;anlagen gute und sichere Sprünge auszuführen imstande ist. Der Wert des Trainings beruht nicht nur in der Anzahl der ausgeführten Sprünge, sondern der Hauptgewinn liegt vielmehr darin, daß man &&h klar wird, was beim einzelnen Sprung gut und was mangelhaft ausgeführt war. Wie schon p@, vermitteln die kleinen Schanzen den kraftvollen Ab- und den sicheren Aufsprung. m e n auf großem Schanzen macht den Springer mit der Lufttechnik vertraut und etwas Training auf Riase*lschrwim . schadet auch nicht, wenn es nicht übertrieben wird. Der Anlauf bildet ein wichtiges Moment für den dprung, denn hier erzielt der Springer die notwendie Geschwindigkeit und diese ist für die Weite sehr wichtig. Nun müssen auch die Gedanken für d a Absprung konzentriert werden und dies erreicht man nur, wenn der Springer im Anlauf eine ruhig$ . und sichere Haltung einnimmt. Die höchste Geschwindigkeit erreicht man, wenn der Springer daai Körpergewicht gleichmäßig auf seine Skier verteilt. Es ist darauf zu achten, daß das Gewicht keine.. falls nach rückwärts verlegt wird. Vor dem Absprung hält der Springer seinen Oberkörper ungefäb parallel zu den Skiern, Ober- und Unterschenkel bilden einen spitzen Winkel. Kurz vor dem eigent, lichen Absprung streckt er die Oberschenkel derart, daß nun Ober- und Unterschenkel einen stumpfen Winkel bilden. In dem Augenblick, in dem die Skispitzen die Vorderkante des Schanzentisck erreichen, werden die Arme gestreckt und blitzschnell in die Hohe geworfen, so daß der Springnun mit mächtigem Schwung in die Luft springt. Viele Springer wählen auch den Absprung, der aus der tiefen Hocke mit schnellem Strecken der Arme erfolgt, ohne daß die Arme rückwärtsgeschwungen

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werden. I m ersten Teil des Fluges bleibt der Körper in gestreckter Vorlage, dann, im Moment des oberfliegens des Vorbaues, neigt sich der Körper mehr und mehr nach vorne, so daß die Skier parallel mit der Aufsprungbahn verlaufen. Die Skier werden als Höhensteuer benutzt, parallel und dicht nebeneinander geführt. Die Arme fungieren als Seitensteuer. Ist der Luftwiderstand groß genug, SO ist es möglich, daß Kopf und Füße des Springers sich auf gleicher Höhe befinden. Mit schwachem Abknicken in den Hüften können Vorlage und Balance leicht reguliert werden. Aus dieser abgeknickten Haltung richtet sich der Springer wieder auf, so daß der Körper in dem Augenblick, da die Skier die ~ b f s ~ r u n ~ b berühren, ahn mit derselben einen rechten Winkel bildet. Ein Springer, der das Abspringen gelernt hat undden Absprung mit dem ~rodynamischenLuftflug kombinieren kann, erzielt natürlich die größten Weiten und in der Regel einen schönen, wuchtigen und trotzdem ruhigen Flug. Nach dem Aufsprung nimmt der Springer eine ruhige, lockere Haltung ein. Ein Springer wird oft gefragt, was für Gefühle er in sich trage, wenn er durch die Lüfte fliege. Es ist schwer, diese Gefühle zu schildern. Aber ich glaube, daß jeder der Leser schon eine Schußfahrt durchgestanden hat oder jedenfalls probierte, sie durchzustehen. Stellen Sie sich nun vor, daß aus dieser Schußfahrt heraus sich der Springer von der Erde löst und einige Sekunden frei durch die Luft schwebt. Der Flug dauert Ewigkeiten und doch nur - - Sekunden. Aber in diesen kurzen Sekunden und diesem rasenden Flug sieht der Springer die Umgebung vorbeisausen. E r sucht sich die Stelle des Aufsprungs. Der Aufsprung, wenn er auch noch so sicher ist, wirkt wie eine Enttäuschung. Dann hat ihn die Erde wieder . . . Aber es ist ein Jubel, er hat es geschafft, er ist gestanden, der Sprung ist zu Ende! - Und eine stille Zufriedenheit kommt über ihn.


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E I N I G E BETRACHTUNGEN ABFAHRT U N D SLALOM IN NORWEGEN

Von Willy Bürgin, S A S , Zürich %

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Durch den Norwegischen Slalomclub, welcher letztes Jahr gegründet wurde, erhielten wir eine E&ladung eine Schweizerequipe an die 2. Galdhöppigenrennen an Ostern zu delegieren. Nachdem in Norwegen das Interesse für Abfahrt und Slalom riesig aufgekommen ist, so haben wir Schweizer die Pflicht, unsere nordischen Freunde durch Propaganda zu unterstützen. Vorbei sind die Kämpfe am grünen Tisch, um die internationale Anerkennung von Abfahrt und Slalom. Aus den bekehrten Gegnern sind nicht minder eifrige Anhänger geworden. Der Galdhöppigen ist der höchste Gipfel der weiten Gebirgskette von Jotunheimen, welches zirka 400 km von Os10 entfernt liegt. Das Gebirge ist Urgestein und hat etwas Imponierendes durch seine Einsamkeit und Rauheit. Spiterstulen als Ausgangspunkt für Touren und Rennen ist ein Gehöft von mehreren Blockhütten, welche noch primitiv eingerichtet sind, aber sicher in einigen Jahren mit dem Zuge der Zeit komfortabler werden. Heute wird alles noch konservativ im Bauernstil durchgeführt und es ist schade, wenn dieses gemütliche Hüttenleben am heimeligen Kaminfeuer verschwindet. Wir konnten uns bis jetzt über nordisches Abfahrtsgelände keinen rechten Begriff machen, da man bis dahin nur die Langlaufloipen durch Wald und über Seen kannte. Holmenkollen und die Umgebung von Os10 ist dieses typische Hügelgelände. Über Ostern ziehen jedoch sicher 100-150 000 Osloer in das Gebirge. Dort gibt es eine Menge sehr schöner Abfahrten von 1000 bis maximum 1500 m Höhendifferenz. Die Gegenden von Kongsberg, Findse und Spiterstulen sind bis jetzt die bekanntesten Abfahrtszentren. Wir wußten bereits, daß einige nordische Spitzenkönner auch in Abfahrt und Slalom Hervorragendes leisten, aber diese Leute waren längere Zeit in Mitteleuropa ansäßig gewesen. Uns interessierte der Standard im Lande selbst. An diesem Rennen beteiligten sich zirka 40 Fahrer, welche mit Ausnphm:,

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,,;, ;i,$$,z&A+, ,, 4:;von Per Fossum und Jakob Kielland größtenteils weniger bekannt waren.. : 5 ' - Y Wegen der schlechten Witterung wurde gemeinsam beschlossen, zuerst den Slalom durchzuführet Emil Petersen fungierte als Rennchef und steckte einen langen, zügigen Slalom mit 35 Toren und zirka 300 m Höhendifferenz aus. Ich darf ruhig behaupten, daß ich in der Schweiz noch wenige besser angelegte Slalompisten gesehen habe. Die festen Flaggenpaare waren in die natürlichen Terrainverhältnisse geschickt eingefügt und ergaben einen interessanten Parcours, welcher sich mit unseren modernen Slalomauffassungen deckt. Die lange Fahrt, welche in einer Vertikalen auf einer Gratkuppe und einem Steilcouloir ihre eigentlichen Knacknüsse hatte, wurde leider durch Schneegestöber noch erschwert. Petersen wählte absichtlich diese lange Strecke, um zu zeigen, daß auch Slalom eine große sportliche Leistung erfordere. Da in Norwegen meistens größere Abfahrtsstrecken fehlen, wollen sie dies mit einer Kombination von Abfahrt und Slalom in einem Lauf ersetzen.

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Die besten Norweger waren Per Fossum, Petersen, Sverre Kolterud und Kielland. Die übrigen Fahrt hatten noch zu wenig Slalomroutine. Ich sah jedoch mit welchem Eifer die Norske trainieren und beobachten. I n kurzer Zeit wird auch hier eine Breitenentwicklung erfolgen, wenn man bedenkt, daß dies eigentlich der erste Winter war, wo offiziell Konkurrenzen ausgetragen wurden. Unsere Spitzenfahrer demonstrierten die hohe Slalomschule, was von den Fahrern und der Presse neidlos als beste Propaganda anerkannt wurde. Ein wundervoller Sonnentag war uns für das Abfahrtsrennen vom Galdhöppigen beschieden. I n drei Stunden Aufstieg erreichten wir den Vorgipfel auf 2170 m Höhe; die meisten Norweger natürlich ohne Felle. Die Strecke zerfällt in 3 Etappen, welche sich in Steilheit im coupierten Gelände progressiv steigern. Das letzte Drittel führte durch ein Couloir zwischen Steinblöcken und Stauden vorbei über giftige Bodenwellen ins Ziel. Für die 1100 m Höhendifferenz erreichte der Sieger einen Durchschnitt

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von über 80 km. Es war nicht leicht in diesem pappigen Neuschnee bei diesem Tempo zu schwingen


und ea ge&w$rn auch keine F a h r gw41, etur~freia m Ziel. Im letzten StE& e~eig&$mECidh ein@ d w e m 8t*e, obsehn mehrem Kiontroiitore die Piste gut markierten. LW beb* &kphger Dag& Cmbm dreh% das ganze Rennen mit ehern W-Fernobjektiv flir d& norweglgcb Vwkbsn'traie. Dw Stiluntemahied zwischen dm Norwegern und &hw&etrn sei ihrn wkea von weither auf@aIlen. Wii fuhren dmhwegs in wifmhter Fahrstellu m Eir den p ß e n 8&aQ m&&chett loakere Beine zu haben, e h r e n d die Norweger mit wenigen AusnaJmmn m h z u viel die Emke hvwmgen. 8choa beim Training konnten wir fest9tsbn, da8 meistem nt wild wurde. i z n oEenen &lECnde sehen die Worweger keim Cefahr und glaflhn im ~h~ an d ~ Waldgalrimde s gewöhnt sind. n&nen 5u kiinnen, da 8i&i f a s t a-hlieBIrch Die Wwngm der W t m Norweger und Schweizer wrasen amgepiiahener als beim S L l w und Fcmmiti g e l q W, Z w um Sekunden zu dbtamieren. Die hat u m sehr gut mxl Ckrbea versicherte uns, daß err in Virada,1en, welches weitm entfernt ist, noch mindestem sa gehAbfWgal'ände. gibt. Dirn einsamen Gegenden warden durch den alpinen Skisport nmh m&r ewhlwsen mpelen. Immerhin ist dazu zu bemerken, d& zwischenhinein groBere Langlau&treoke&mtrückszil@t% sind und rEa% Skiwandern im Norden der heimische Skisport bleiben wird. I& gI&& jedoch, W in den nächsten Jahren in der Umgebung von Os10 einige WddpaFtion aus@holzt werden, um Slalom- und kleinem Abfahrtepisten i u erhalten. Eins. Anekdote bri&tet), d& ein B t m einen ganzen Waldhang 'bei Osh frillte und da wimmelt es heute v m Hundmten, mlohe auf &eser W h 8llom trainieren. Die tung ist ~inheitMer& bei 1x10.Für beide Diszipben werden dmelbe Paar Ski von d t t lerar Urige ~5rwmdat.Bei den Stahl- und Messjingkanteü wird die w e n k a n t e , welche seitlieh a&= gemhraubt i$t, bevorzugt. Als Bindung sieht man fa& awschließlich die von w m r e m I Guido Rmge konstnrie&e k e b i n d u n g in Gebrauch. In Norwegen gab es bis dato keine B k i l h r ; heute verfolgen sie eifrig wlgere Einht&shW m w i , &k&mnttstik.In den KUQwie a. B. in Fefor, wird in den Rot& SkiunQerri&&arkil*. Unsarre Ciubkameraden Jakob Kielland, Pigmund Ruud und Reidar Hoff h&bmmit iarsn Freundaa in Nomagen mhr viel für die alpinen ktkidkziphen gattrbeitet. Wir mhen die ehrlishe Bsgeirstenurg dieser dpurtskamer(MJ.m~ x freuen ~ d uns, ab miie Schweizer Skiexpedition, den Abfahrtsa- und &lahm&anken in Nmsgen gef6rdert zu h a b .


D E R S K I EROBERT D I E T ~ R K E I Von Direktor Herbert Riedel, Ankara-Leipzig Als ich 1933 von der türkischen Regierung berufen wurde, um ein Hochschulinstitut für Leibesübungen in Ankara aufzubauen, war ich mir bewußt, daß ich auf dem Gebiet des Skilaufs in Anatolien nicht viel zu erwarten hatte. Allerdings waren mir die Erfolge der Skipioniere Paulcke und Bilgeri, die sie mit den ersten Skiversuchen beim türkischen Militär in Armenien und in Egredir hatten, bekannt (,,Meister des Schneeschuhes", Paulcke. Verlag Marquardt A.-G., Heilbronn), ebenso die Berichte über die Skierstbesteigung des 4000 Meter hohen, vergletscherten Erdschias Dag bei Kaiserije und des asiatischen Olymps bei Bursa (,,Winter" 1928129, S. 33 und ,,Winter" 1932133, S. 201), und deshalb nahm ich in das sonnige Morgenland, mit dem man gar nicht den Begriff dcWinters verbinden will, die Skier mit. I n Ankara selbst wußte man vor 2 Jahren noch nichts vom Skilauf. Der Schnee ist jahrelang un sonst gefallen, viele behaupteten sogar, es gäbe gar keinen Schnee, man wußte eben nichts mit dem Winter anzufangen. Nachdem ich mir die umliegenden Höhenzüge - Ankara liegt 900 Meter hoch und das nahe Gebirge, den Elma-Dag, auf die Möglichkeit zum Skilaufen angesehen hatte, verschaffte ich mir die Aufzeichnungen des meteorologischen Instituts und studierte die Ergiebigkeit der Schneefälle. Dann wartete ich ungeduldig auf die ersten stärkeren Niederschläge, die in den ersten Tagen des Dezembers mit starken Schneefällen einsetzten. Beglückt holte ich meine Bretter 'raus und unternahm allein meine erste Skitour in Anatolien, und zwar zum Hüseyin Gazi, einem Berg, de ich von der Yüksek ziraat Enstitüsü aus täglich sehen kann und der mich immer schon gelockt hatt Es waren 4 Stunden Weg bis dahin, aber ich war so glücklich in dem Gefühl, meine Hoffnung auf genügenden Schnee entgegen allen bösen Prophezeiungen erfüllt zu sehen, daß mich der lange Anmarsch und das Spuren in dem sehr tiefen Schnee nicht störte. Hatte ich doch nun die Gewißheit, meine Bretter nicht umsonst mit in die Türkei genommen zu haben und ein dankbares Betätigungsfeld, den Skisport weitesten Kreisen der türkischen Bevölkerung nahe zu bringen, vor mir zu haben. Ich genoß die hier im allgemeinen von der Landschaft ausstrahlende Ruhe, die bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang durch ein farbenprächtiges Spiel belebt wird, und die Sonne, die trotz der starken Kälte (-25) ihre Wärme in verschwenderischer Fülle spendete. Auf meinem Marsch kam ich durch ein Weinbergdorf, das im Winter nur von einem Wächter bewohnt wird, der mich für einen Dieb hielt und die Hunde auf mich hetzen wollte, bis er von meinen friedlichen Absichten überzeugt war. Den türkischen Bauern ist es ja heute noch unverständlich, daß ein Mensch aus Begeisterung an den Schönheiten der Natur weite Strecken wandert oder gar aus reinem Vergnügen auf Berge steigt. Und dazu noch im tiefen Winter! I'. Am anderen Tag suchte ich mir Begleitung für eine Fahrt in den Elma-Dag, der 2000 ~ e t ehoikbb i ist und 26 km südlich Ankaras liegt. Zu diesem Zwecke fuhr ich mit den Skiern durch die Stadt, in der stillen Erwartung, vielleicht irgend einen etwa vorhandenen Skiläufer aufzutun. Es war aber nichts damit. Statt dessen betracliteten mich die Menschen als etwas ganz Seltsames, betasteten unter Witzen und mitleidigem Lächeln meine Bretter und Stöcke, bis ich schließlich anschnallte und, die Stöcke unter dem einen und eine Tüte Äpfel unter dem andern Arm, die vereiste Ankaraer Hauptstraße hinabbrauste, so daß der am Ende der Straße stationierte Verkehrsschutzmann erschrocken Reißaus nahm. Wenige Tage später stöberte ich dann doch zwei brave Efendis auf, die sich während ihres Studiums in Deutschland und Frankreich auch mit Skilauf beschäftigt hatten. , Es galt, ihnen das Gebirge so schmackhaft wie nur möglich zu machen und ihnen alles in den herrlichsten Farben zu preisen. Denn für viele Türken war dieses Gebirge im Winter nichts anderes als der Schlupfwinkel von Räubern, Wölfen, Bären und bissigen Schäferhunden, nichts als ein kaltes unwirtliches Gebirge, wo man vergeblich eine Lokanta sucht, um sich an Kahve oder Tschai, an Köfte und Schischkebab und Pilav zu laben. Schließlich waren die beiden auch einverstanden und der kurz darauf folgende Scheckerbayram, das mohammedanische Zuckerfest, wurde als Termin bestimmt. Fast wäre im letzten Moment das ganze Unternehmen vereitelt worden, denn plötzlich X

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bauchten Gerüchte auf, Wölfe wären auf den Hauptstraßen Ankaras. Jetzt wurden meine Begleiter schwankend und mir hielt man von allen Seiten die Gefahren so einer Fahrt eindringlich vor Augen. Ich ließ mich jedoch nicht beirren, meine Begleiter rüsteten sich mit Waffen aus und ohne jedes Hindernis drangen wir Ca. 20 km ins Gebirge, in die Nähe des Hauptgipfels vor. Von dort ging es mit Ski zum Gipfel. Prachtvolles Wetter und idealer Pulverschnee ließen uns die große Kälte (-33) bald vergessen und meine Begleiter hielten den 3 Sstündigen Anstieg überraschend gut durch. Der Blick vom Gipfel des Elma-Dag iqt lohnend, und der Eindruck, den man von der Ankaraer Steppe erhält, ist für uns Mitteleuropäer frgmdartig und unvergeßlich. Wellige, gleichförmige Höhenzüge durchziehen die ganze Landschaft, ringsherum allmählich zum Hauptgipfel des Elma-Dag ansteigend. Die Einfachheit und Gleichmäßigkeit der Linien wird durch die Kahlheit der Höhenrücken noch unterstrichen, nur der Gegensatz zwischen den weißen Flächen und den steileren, schneelosen Felspartien und der ewig blaue Himmel beleben das Bild. Die Abfahrt war bei Ca. 3 Meter ~ c h n e eeine reine Freude und meine Begleiter - gutes Zureden half - es ist keiner oben geblieben! Meine beiden braven Efendis brachten natürlich ihre Skierstbesteigung mit den nötigen Photos in die Presse. Das war der Anlaß, daß ich nun täglich einige Stunden Skiunterricht erteilte, teils in Ankara und teils am Dikmen-Paß. Gleichzeitig konnte ich Sportgeschäfte für Skikäufe interessieren. Meine täglichen Schüler waren der Uniterstaatssekretär Bay Atif und Bay Ismail Hakki, der Kornrnandant der Schutzgarde und Flügeladjutant des Staatspräsidenten. Damit waren zwei Männer gewonnen, die sich restlos für die Skibewegung iri.der Türkei mit einsetzten, vor allem bei der Armee. I n demselben Jahr führte ich irn FebTuar den ersten Hochschulskikurs am Ulu-Dag bei Bursa durch. Da die von mir für die Studenten bestellten Skier bei unserer Abreise aber noch in Istanbul im Zoll lagen, wo sie sich seit Monaten befanden, war ich genötigt, den Weg nach Bursa über Istanbul zu nehmen und die Zollformalitäten selbst zu erledigen. Alle Zollbeamten der Welt, glaube ich, bilden eine ganz besondere Kaste von Menschen, aber so schwer wie hier war es mir noch nicht gemacht worden. Von 20 oder noch mehr Unterschriften unter den Zollformularen fehlte zum Feierabend noch die des Verwaltungsdirektors, der erst am andern Tag zur gleichen Stunde wieder ins Amt kam, zu der das Schiff abfahren sollte. Verzweifelt suchte ich nun das Schiff eine halbe Stunde aufzuhalten, aber weder der Kapitän, noch die Schiffahrtsgesellschaft,noch die Hafenpolizei fanden meinen Grund,

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auf 15 Paar Skier warten zu müssen, dringend genug, um deswegen die Abfahrt derartig zu verzögern. . Da aber das nächste Schiff erst 4 Tage später fuhr und wir unmöglich so lange warten konnten, wandte .' ich mich in meiner Not an das Stadtoberhaupt, den Vali (Kreishauptmann) Bay Muhiddin tfstündag, der für uns Verständnis hatte und die Sache telephonisch regelte. Das werden wir ihm nie vergessen. 5 Wochen später kam er übrigens als Führer des von ihm neugegründeten Istanbuler Skiklubs auf . den Ulu-Dag und wurde selbst ein begeisterter Anhänger des Skilaufs. In Bursa wurden wir vom Ortskornmandanten, vom Vali und vom Oberbürgermeister freudig empfangen. Hier hatte man erkannt, daß der Skilauf eine neue Einnahmequelle wird, man hatte uns das Hotel in 2000 Meter Höhe erstmalig im Winter geöffnet und damit war der Anfang gemacht. Die Mitglieder des kurz vorher ins Leben gerufenen Bursaer Skiklubs kamen so oft als möglich mit ihren teilweise selbstgefertigten Skiern zum Ulu-Dag herauf, um an meinen Skikursen teilzunehmen. , Zum Kurbanbayram (Osterfest) erschien außerdem der gesamte Istanbuler Skiklub, und ich hatte in diesen Tagen Ca. 150 Schüler, die alle mit Ausdauer und Begeisterung bei der Sache waren. Herr Schuster (S. A. C.) aus Zürich wird sich auch noch dieses Skibayrams entsinnen - es tut mir heute noch leid, daß ich ihn damals von seiner Durchquerung des gesamten Gebirgsstocks, die er nur in Begleitung eines Franzosen unternommen hatte, im Auftrag des Ortskommandanten zurückholen mußte, weil man für derartige Privatunternehmungen noch kein Verständnis hatte. Der Ulu-Dag wird, in erster Linie dank seiner sicheren Schneelage und seiner günstigen Lage zu Istanbul - er ist von dort aus in 8 Stunden per Schiff und Auto zu erreichen - in Zukunft eine führende Rolle im türkischen Skilauf spielen, worüber ich bereits an anderer Stelle ausführlich berichtete (vergl. ,,Winter" 1933134, S. 244 und S. 621122 und ,,Reichssportblatt" 1935, S. 238). Besonders angenehm empfand ich bei der Rückkehr von dem langen Skiaufenthalt im Gebirge immer das Baden in Bursas


berühmten heißen Quellen, die eine belebende und erfrischende Wirkung auf den Orgenismus ausüben. Phrygia salutaris, das heilkräftige Phrygien, nannten die alten Römer diesen Bezirk und diesem Namen macht er heute noch Ehre. Im folgenden Jahre nahm die Entwicklung in demselben Maße weiter zu. Es wurde ein türkischer Ski- und Bergsportverband gegründet unter Führung der Bays Azis, Sükri und Halit. Diese ermöglichten es einer Reihe von Mitgliedern der Ankaraer Sportklubs, einen Skitag im Elma-Dag zu verbringen. Ich hatte die Absicht, den Elrna-Dag zu unserem ständigen Übungsgebiet zu machen, aber die Schwierigkeiten der Hin- und Rückfahrt erwiesen sich als unüberwindlich. Es führt keine eigentliche Autostraße ins Gebirge und die Wege waren durch den Schnee stellenweise so grundlos, daß wir oftmals alle aussteigen, schieben oder ziehen mußten, um das Auto wieder flott zu machen. ,,Weg6' ist eigentlich eine viel zu edle Bezeichnung für die Steige, die durch das Gebirge führen. Im Sommer gibt es ungefähr 4 verschiedene Verbindungen zwischen Ankara und Jakub aptal (d. h. der verrückte Jakob), die die Bauern mit ihren Eseln und Hammeln benützen, von denen aber nur einer eventuell für Autos fahrbar ist. Schon wenn kein Schnee liegt, sind die Wege auf den steinigen, gleichförmigen Höhenzügen kaum erkennbar; um so schwieriger ist die Orientierung, wenn alles gleichmlißig weiß aussieht. Aus diesem Grunde haben wir uns im Nebel und in der Dunkelheit fast reg~lmäßigverfahren; außerdem wurde jedesmal das Auto stark in Mitleidenschaft gezogen; wenn es nicht das Licht war, das streikte, so war es eine verstopfte Benzinzufuhr oder ein Felsen, der den nenzintank von unten durchlöcherte, oder ein Reifen platzte U. a. m. So kam es, daß bald kein Chauffeur mehr zu bewegen war, in den Elma-Dag zu fahren. Wir mußten deshalb bis zum Frühjahr mit den Hängen des Dikmen, der sich 8 km südlich von Ankara 1350 m hoch erhebt, vorlieb nehmen. Da der Dikmen auf einer guten Autostraße in kurzer Zeit mühelos zu erreichen ist, und zudem die

Photo: Dr. Il'alter Amstutz

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Übungshänge direkt an der Straße liegen, man also keinerlei Anmarsch auf Skiern hat, kamen an Sonntagen die Ankaraer in stetig wachsenden Scharen herauf. Außer den zahlreichen Zuschauern, unter denen sich auch Generäle und Minister befanden, haben wir an manchen Wintertagen weit über 300 Skiläufer gezählt. Wenn auch zum größten Teil noch der Sportverband die Beförderungskosten zur Skiwiese und die Verpflegung für sämtliche Sportler trug, so setzte sich doch allmählich der sportliche Standpunkt durch und der einzelne, der den Sinn des Wintersports bereits erfühlt hatte, brachte selbst ein Opfer, um Skilaufen zu können. Allerdings gab es auch solche ,,Skiläufer", die sich im Auto an den Übungshang bringen ließen, ausstiegen, irgendwie in die Bindung ihrer Skier, die zum Halbschuh sehr wenig paßte, hineintraten und sich photographieren ließen, um dann spornstreichs per Auto wieder heimzufahren. Überhaupt gehört das Photographieren unbedingt zum Dasein, und wenn ich mal meine Gruppe aus irgend einem Grunde beisammen haben wollte, brauchte ich nur zu rufen ,,rezim, rezim var" (es gibt eine Aufnahme), da kamen sie aus den entferntesten Winkeln herbeigeeilt, um nur ja diesen wichtigen Moment nicht zu verpassen! I m Frühjahr 1935 konnte ich dann, wie schon im Vorjahr, 2 Skikurse für die Studenten des Yüksek ziraat Enstitüsü auf dem Ulu-Dag bei Bursa abhalten. Gekrönt wurden die Skikurse dieses Jahres durch die ersten türkischen Skiwettkämpfe, die auf meine Anregung hin und unter meiner Leitung vom Bursaer Bergsportklub durchgeführt wurden. Die Skiklubs von Istanbul, Bursa, Ankara und Egredir hatten ihre Vertreter gesandt. Doch ganz ohne Schwierigkeiten ging es auch hierbei nicht ab. Anfangs wollte man die Studenten nicht mitlaufen lassen, weil sie „Schülitr" wären und als solche an öffentlichen Sportwettkämpfen nicht teilnahmeberechtigt. Endlich erwirkte ich aber doch die Starterlaubnis unter der Bedingung, daß sie in einer besonderen Klasse laufen sollten. Das Ergebnis der Läufe bewies dann die Überlegenheit der Studenten; sie stellten die 3 Ersten des Langlaufs und beim Abfahrtslauf hielten sie auch die Spitze. Im ganzen wurden recht ansprechende Leistungen gezeigt, wenn auch die Behauptung eines Läufers, die dieser auch in einem Artikel in einer türkischen Zeitung veröffentlichte, er sei, abgerechnet die Stürze, mit einem Durchschnittstempo von 80 km abgefahren, natürlich reiner Unsinn ist. Der Slalom fand wegen Zwistigkeiten nicht statt; aus demselben Grunde fiel die Siegerfeier aus. I n den Zeitungen wurde dann eine Ergebnisliste veröffentlicht, in der die Wettläufer in so viele Gruppen und Klassen eingeteilt waren, daß weit über die Hälfte aller Teilnehmer irgend einen Sieg oder Platz gelandet hatte. Diese Kinderkrankheiten wird man aber mit der Zeit überwinden; mir kam es hauptsächlich darauf an, die Türken auch mit dem Wettkampf im Skilauf bekannt zu machen und ihren Ehrgeiz zu wecken, um damit einen weiteren Schritt vorwärts in der Entwicklung des türkischen Skilaufs zu tun.

Sand!


2. T E I L

P R ~ S I D I A L - , S K I - U N D CLUBBERICHTE

S A S 1934135 Von Dr. H . Binder, Zentralp-äsident des SAS, Zürich. Die Post bringt plötzlich wieder täglich Prospekte und Empfehlungen von Wintersportplätzen, von neuen Skiwachsen und anderen Neuerungen auf dem Gebiete des Wintersportes. Mit dem Moment wird es mir zum Bewußtsein, daß auch der „Schneehase" bald wieder versandbereit sein will und der Rückblick über das vergangene Clubjahr geschrieben sein muß. Ich so11 berichten von allem, was unseren SAS während der vergangenen Wintersaison beschäftigt hat. Der SAS ist im Winter 1934135 wieder stark an die Öffentlichkeit getreten und hat seine von ihm organisierten Veranstdtungen mit Erfolg durchgeführt. Das lojährige Jubiläumsfest in Bern bildete den Auftakt zur SkiSaison 1934135, zum 11. SAS-Winter. Unsere größte Aufgabe für den vergangenen Winter bildete die Durchführung der Akademischen Weltwinterspiele in St. Moritz. Der Verband der Schweizerischen Studentenschaften hatte uns den ehrenvollen Auftrag erteilt, die Organisation der Skiwettbewerbe zu übernehmen und dazu noch die Auswahl und Bildung der Schweizerischen Studenten-Skimannschaft. Den letztem Teil dieser Aufgabe hat unser SAS-Rennchef Bürgin in vorbildlicher Weise übernommen, und ich danke ihm an dieser Stelle recht herzlich. Über die Art und Weise der Trainings usw. wird er selbst Bericht erstatten. I m Januar wird ususgemäß das Anglo-Swiss-Rennen ausgetragen. Dieses wohl schönste Rennen des SAS erhitzte dieses Jahr einige Gemüter, denn verschiedener Umstände wegen - auf die ich hier nicht eingehen will mußte der traditionelle Austragungsort Mürren verlassen werden. Die Rennen fanden dann mit ganz großem Erfolg in St. Moritz statt. Entschlüsse bei Veranstaltungen solcher Rennen müssen jeweils schnell gefaßt werden, und hier wie überall ist Kritisieren viel leichter als Bessermachen. Zur Beruhigung der Gemüter sei gesagt, daß mit den Traditionen des Anglo- Swiss voraussichtlich nicht mehr sobald gebrochen wird. Die Schwei- ' zerischen Hochschulmeistersohaften (SHM) wurden erstmals getrennt von unsern ASAL in Engelberg ausgetragen. Die Organisation hatte die Akademische Sportkommission Basel übernommen, die dann aber im entschcidenden Moment unsere Basler Sektion zu Hilfe rief, die sich dann ihrer Aufgabe glänzend erledigte. ttber die St. Moritzer-Woche wird a n besonderer Stelle berichtet. E s bleibt mir übrig, unserem Ehrenmitglied Amstutz sehr herzlich zu danken, hat er doch unsere Skidisziplinen mustergültig vorbereitet und durchgeführt. Infolge Terminschwierigkeiten war es letzten Winter unmöglich, den Länderkampf Deutschland-Schweiz um den Jungfraubahn-Preis auszutragen. Wir hoffen bestimmt, in der kommenden Saison dieses Rennen abhalten zu können. Wir wollen die freundschaftlichen Beziehungen zu unseren deutschen Kommilitonen beibehalten und jährlich auffrischen, und dafür eignet sich so ein kleiner Länderkampf vorzüglich. Die Versuche, eine SAS-Renn-Touren-Expeditionnach Norwegen zu machen -wofür sich unser Jakob Kielland stark einsetzte -scheiterten. Examen und Militärdienst sind schuld daran. Es wurde schließlich eine SchweizerSki-Expedition unter der Führung von Willy Bürgin, SAS, nach dem Norden entsandt. Die bald traditionelle Ostertour des SAS wurde infolge Verhinderung des Tourenchefs in verdankenswerter Weise von Dr. Tschamer, Basel, geführt. Das Ziel waren die Vanoises. An vielen Touren und Rennen wurden, mit und ohne Erfolg, unsere Farben vertreten. Und am Schluß der Saison kann ich feststellen, daß die SAS-ler unter den Akademikern immer noch die besten Skifahrer sind. So soll es sein und bleiben. Auch innerhalb des Clubs wurde wieder fest gearbeitet; der Zentralvorstand war bemüht, unter den einzelnen Sektionen bessern Kontakt herzustellen, und ich glaube auch, daß uns dies gelungen ist. Der kameradschaftliche Geist des SAS darf heute gelobt werden. Der Z.-V. hat sich Mühe gegeben, für das SAS-Skihaus zu werben, um die Idee ihrer Verwirklichung näher zu bringen, leider aber ohne unter den Mitgliedern das nötige Verständnis zu finden. Solange nicht mehr Interesse für unser Trainings- und Ferienhaus vorhanden ist, wird es nicht möglich, dieses Projekt zu verwirklichen. Die Mitgliederliste zeigte folgende Bewegung: Bestand 1. Mai 1934 Bestand 1. Mai 1935

EhrenAktivmitglieder mitglieder 9 9

09 88

Alte Herren

Total

137 131

215 228

Auf die einzelnen Sektionen entfallen folgende Bestände: Basel 28

Bern 47

Genf 34

St. Gallen 11

Zürich 99

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Der 2.-V. hat in verschiedenen Sitzungen die laufenden Geschäfte erledigt. Ich danke meinen Kameraden im 2.-V., die ihre Arbeit mit viel Geschick und Eifer erledigten. Infolge beruflicher Veränderung wurde anfangs Winter 1934135 das Sekretariat Dr. Hubert Weisbrod, Schweizergasse 20, Zürich, übertragen. Das Klubjahr ist zu Ende. Der SAS hat seiner Tradition gemäß neue Taten und Erfolge gebucht. Nichts Besseres kann ich ihm wünschen, als im Sinn und Geist des verflossenen Jahrzehntes weiter zu fahren und die Stellung zu behalten, die er bis heute inne hatte. Dazu braucht es immer neue Kräfte und den guten alten Kampfwiilen und vor allem den Kameradschaftsgeist. Der SAS ist heute stark und ich sehe voller Hoffnung dem neuen Winter entgegen. Ski-Heil SAS!

DAS RENNJAHR D E S SAS Von W . M . Biirgin, Rehnchef SAS, Ziirich. Mitten im Sommer platzt wie eine Bombe ein Brief des Präsidenten in mein Weekendhaus, den Rennbericht für den Schneehasen fertigzustellen. Dieses Jahr lasse ich mich nur ungern aus meiner sommerlichen Zurückgezogenheit am obern Zürichsee aufrütteln, und mit den Skisechen möchte ich mich eigentlich erst wieder im inter beschäftigen. Über den Sommer sollte jeder Skifahrer ein wenig Ausgleichsport treiben, d. h. keinen Kampfsport, welcher die Kräfte und Nerven aufzehrt, denn nach einer strengen Skisaison braucht der Rennfahrer Ruhe und Entspannung. Am 24. November, anläßlich unserer Jubiläumsversammlung in Bern, hatten wir einen Trainingskurs. Herr Prof. Hans Leutert zeigte uns vormittags gymnastische Übungen und Heimprogramme mit Trainingsanweisungen. Nachmittags referierten Herr Dr. 0.Hug über sportärztliche Beobachtungen und Willy Bürgin über skitechnische Anleitungen. Dieser Kurs war obligatorisch für Akademiker, welche in St. Moritz für die C. I. E. starten wollten. Bei Semesterbeginn wurde in Zürich mit gymnastischem Turnen unter Herrn Leutert und Waldlauftraining unter Führung von Sigmund Guttormsen begonnen, welches sehr stark besucht war. Selbst ein Fußballmatch

Photo: Dr. W@Z&Am&@


gegen den von Siux gegründeten Akademiker Fußballklub endete 6 : 6 unentschieden. i n Bern leitete mit bestem Erfolg Noldi Käch das Training. Die Trainingswochein Mürren war ein großer Erfolg, nicht nur punkto Teilnehmerzahl von ca. 50 Akademikern, sondern es wurde seriös gearbeitet. Die Trainingsleiter waren Walter Prager, Davos, und Willy Bürgin für Abfahrt und Slalom und Sigmund Guttormsen für Langlauf und Sprunglauf.Vormittagswurden 1bis 2 Stunden Skischule durchgenommen und dann zu Abfahrt- und Slalomtraining übergegangen. Die Abfahrten wurden meistens Einzeln und in Etappen gefahren, während nachmittags auf 2 Slalompisten am Allmendhubel Hochbetrieb herrschte. Der elegante, stilsichere Berner Gymnasiast Marc Hodler stellte sich uns als Vorfahrer zur Verfügung. Zwischenhinein beteiligten wir uns an mehreren Abfahrts-, Slalom- und Langlaufrennen, an welchen die SAS-ler den größten Teil der Konkurrenten stellten und gute Figur machten. Am 2. Januar startete Godi Michel einen Freundschaftsmatch zwischen S. C. Mürren, S. C. Bern und S. A. S. Das Abfahrtsrennen vom Schiltgrat mußte im hohen Neuschnee gefahren werden und stellte für viele Teilnehmer ungewohnte Anforderungen. Die Mürrener Bombenmannschaft gewann die Kombination vor S. A. S. I und I11 und S. C. Bern. Ein gemütlicher Abschiedshock unter diesen drei Clubs wird allen in guter Erinnerung bleiben. Die Anglo-SwissMannschaft trainierte nicht weniger eifrig in St. Moritz. Die SAS-lergewannen den 10. Match1). Am 12. bis 14. Januar wurden in Engelberg die Schweizerischen Hochschulmeisterschaften erstmals getrennt von den SAS-Rennen durchgeführt. Diese Rennen galten als Ausscheidungen für die C. I. E. in St. Moritz. Die vom Rennchef in Aussicht genommene Rennstrecke über das sogenannte Winteridyll mußte wegen einigen gefilhrlichen Engpassagen fallengelassen werden. Es wurde die bekannte normale Abfahrtsroute gewählt, wobei es Ren6 Jaeger gelang, den Rekord von David Zogg von 10.28 auf 9.34 zu drücken. Allerdings benützte er zwischen den Kontrolltoren eine selten gefahrene Abkürzung').

Am Sonntagvormittag bestritten 6 Akademiker-Staffeln B 5 Mann den Stafettenlauf über Trübsee und zurück. Die Uni Zürich verteidigte ihren letztjährigen Siegerbecher erfolgreich. Die Sprungkonkurrenz war ein Norwegerdueil, in welchem Guttormsen einen weiteren Sieg errang. Diese Rennen galten auch für die Zürcher Hochschulmeisterschaft; nur für die Sprungkonkurrenz wurde auf der kleinen Trainingsschanze mit dem üblichen Längenzuschlag gesprungen. Guttormsen holte sich diesen Titel in der Dreierkombination und Uni schlägt Poli im Universitätsmatch. An den Berner Hochschulmeisterschaften in Grindelwald belegten Lindlar und Käch den 2. und 3. Rang. An den Ausscheidungsregionalrennen des S. S. V. beteiligten sich nur wenige SAS-ler, da das Schweizerische Skirennen unmittelbar vor den C. I. E. stattfand. Am Zentralschweizerischen in Engelberg bestätigte Streiff seine gute Form und belegte im Abfahrts- und Slalomrennen den 2. Rang, während Vajda erster der Senioren I im Slalom wurde.

Am Schweizerischen in Grindelwald war unser Club aus oben erwähnten Gründen nur durch drei Norweger vertreten. Guttormsen belegte im Abfahrtsrennen einen guten Rang. Unsere Hoffnungen wurden jedoch durch einen verunglückten Langlauf und Slalom vernichtet; trotzdem er im Kombinations-Sprunglauf mit 2 Prachtsprüngen von 60 und 61 Metern die übrigen Konkurrenten um 20 Punkte distanzierte, reichte es nur zum 7. Rang in der Vierer-Kombination. Im Spezial-Sprunglauf versagten unsere Starhopper durch forcierte Sprünge, welche bei den schlechten Bahnverhältnissen zu Stürzen führten. I n St. Moritz wurde vor dem Rennen eine Trainingswoche eingeschaltet. Infolge Krankheit des Rennchefs übernahm der Captain der Schweizermannschaft, Victor Streiff, die Leitung. Leider waren die Witterungsverhältnisse nicht immer günstig, aber es wurde nach Möglichkeit systematisch gearbeitet. Einige Schwierigkeiten bereitete die Auswahl der definitiven Equipe für die C. I. E., an welcher pro Disziplin 6 Mann starten durften, wovon die 3 Bestklassierten zählten. Leider verletzte sich Streiff am Vorabend des Rennens bei einer Abkürzung im Walde und auch Suhner war durch eine Blutvergiftung an der Hand kampfunfähig geworden. Thut erschien mit Fieber am Start des Abfahrtsrennens, so daß eine deprimierte Stimmung den Kampfgeist lähmte und unsere guten Hoffnungen zerschlugl). Im Langlauf wurde gründlich verwachst und schon die Zwischenzeiten ließen nichts Gutes ahnen, so da& der beste Schweizer Strüby erst als 18. eintraf. Dafür revanchierten sich unsere Langläufer bei der Stafette. Obwohl es auch hier nur zum 4.Rang reichte, lieferten die Schweizer den Siegern auf den ersten 3 Staffeln einen erbitterten Kampf um die Führung. Der Skibruch von Jöhr vor der letzten Steigung der 3. tfbergabe warf unsere Leute zurück. Strüby holte im Aufstieg zur Fuorcla Schlattain etwas auf, aber Noldi Käch war von allen guten Geistern verlassen und stürzte in der Abfahrt zweimal schwer. Siux fuhr in der Hitze des Gefechtes am gut markierten Ziel vorbei und nur ein Huronengebrüll konnte ihn zur Umkehr bewegen. Der Slalomhang auf halber Corvigliahöhe, gegenüber dem Bahntrac6, gab schon die ganze Woche zu reden, An diesem Steilhang im letzten Drittel genau zu schwingen, verlangte allerhand Beherrschung der Bretter. !' Hier gab es auch viele rettungslose Rutschpartien. Im Slalom braucht es noch viel Training, um auch auf $: . einer steilen Piste die Sicherheit nicht zu verlieren (,,nicht heuen"!)

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Siehe Spezbibericht. Schriftleitung.

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Im Sprunglauf holten sich die für Norwegen startenden SAS-ler Guttormsen und Farup einen Doppelsi* Unser einziger Schweizer Springer, Walter Bußmann, stürzte im 2. Sprung schwer und verlor dadurch guten Rang. Das Faszit von St. Moritz ist nach den Resultaten zu schließen nicht besonders erfreulich; ich habe d%a gestanden mehr erwartet. Ich will nicht nur Entschuldigungen anführen, aber speziell in der Abfahrt hiltten wir mit der kompletten Mannschaft siegen können. Ebenso im Slalom war uns der Sieg im Nationenklasseme$lt bis zum 2. Lauf von Käch sicher. Immerhin darf anerkannt werden, daß wir in diesen Disziplinen annähend auf gleicher Stufe wie die Siegernationen stehen und der große Klassenunterschied wie seinerzeit in Da= verschwunden ist, denn kein Land konnte jeweils mehrere Leute unter den ersten 6 placieren. Im 2. Hochstuckli-Derby beteiligte sich eine Gruppe SAS-ler, welche recht ehrenvoll abschnitten. I n der Eliteklasse holte sich Streiff einen glänzenden Sieg mit der Tagesbestzeit, Fueter wurde 4. und Kipper 6. I n der Altersklasse belegte Bürgin den 2. Platz. An den englischen Meisterschaften in Wengen beteiligten sich Stre8, Käch und Siux Müller und belegten in der Kombination den 4. bis 6. Rang. Am Käseruckrennen war Siux in großer Form und siegte in der stark besetzten Klasse der Senioren 11.Dr. Ren6 Bühler belegte den 9. und Lindecker den 12. Rang, während in der Altersklasse Bürgin vor Dr. Stein siegte. Am Krkerli-Rennen verteidigten 2 Mannschaften den letztjährigen Wanderpreis. Leider glänzten die besten Leute durch Absenz und die Herren Doktoren Bühler und Stein zeigten der jüngern Garde wie man Slalom fährt. Die Gruppen klassierten sich im 2. und 5. Rang von 14 Equipen. Das verschobene Parsenn-Derby war diesmal schwach beschickt. Die meisten SAS-ler holten sich den bronzenen Ski mit Mittelplätzen. Ein hervorragendes Resultat erzielte unser Rennfahrer Senior Fred Brun am Abfahrtsrennen des Zürcher Regatta-Vereins in Engelberg, welches er überlegen gewann. uber Ostern folgte unser Rennchef einer Einladung des Norwegischen Slalomklubs mit einer Schweherequipe zu einem Abfahrts- und Slalomrennen nach Spiterstulen. Die Schweizer konnten sich ehrenvoll klassieren und die Rennen waren eine gute Propaganda in Norwegen. Die beteiligten SAS-ler klassierten sich wie falgt: Kielland 9. Rang, Bürgin 13. und Coebergh 22. von Ca. 40 Teilnehmern. An den Sommerskirennen waren unsere Leute dieses Jahr wenig beteiligt; die meisten interessierten sich mehr für Touren und Sommersport. Ich darf mit Genugtuung feststellen, daß wir einen guten Durchschnitt, aber wenig Spitaenkönner besitzen. Die Breitenentwicklung ist jedoch mindestens so wichtig und ich hoffe, daß wir in der nächsten Saison mit gleicher Kameradschaft weiter arbeiten. Ski-Heil!

Frdlulein KoUega

Photo: C. Schildknecht

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SAS-TOUR I N D I E ALPES VANOISES Von Dr. Paul Stein, SAS, Zürich Im Storchen in Schönenwerd wurde der Plan geschmiedet; ein Gepäckmarsch, der denjenigen des SAS in den Hohen Tauren weit in den Schatten stellen sollte, stand bevor. Es lockten keine Schnitzel, Kaiserschmarren und weichen Pritschen. Von eiskalten Hutten und beschwerlicher Selbstverpflegung war die Rede. Derartige Aussichten flößten vielen einen heiligen Respekt ein. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Unsere Gesichter wurden länger und lämger als auch über dem vielbesungenen Lac LBman schwere Wolken hingen und der Regen unaufhörlich, sintflutartig niederströmte. Aber keiner wagte über unseren Optimismus Zweifel zu äußern, jeder klammerte sich krampfhaft an den Glauben auf Besserung. Rasch noch einige EinWufe in Genf und weiter im bequemen Autobus über Annecy nach Albertville, eine herrliche Gegend, wenn man bei der eintönigen Musik der Regentropfen von Sonne und Mondscheinfahrtenauf dem See träumen kann. I n Albertville überraschte uns Angelo in tiptopem Reisetenue, wogegen nur noch unser Tourenführer, Hans V. Tscharner, mit seinem niegelnagelneuen Pepihut konkurrieren konnte. Noch eine holprige Fahrt im Zug und wir suchten Unterschlupf in Moiltiers. Nach hartnäckigem und erbittertem Kampfe mit unserer schlaftrunkenen Wirtin gelang esuns, unseren unergründlichen Durst auch nach Mitternachtsstunde zu stillen und siehe da, ein Wagen hielt vor der Türe. Gust tauchte auf, froh, nach seiner einsamen Fahrt über alle möglichen und unmöglichen Pässe von Lugano her und nach seinen anstrengenden geologischen Studien italienischer Mauern, Skifreunde zu finden. Den Nebelfetzen zum Trotz fuhr eine singende Gruppe nach Pralognan, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Das enge, lawinengefährliche Tal zur P6clet Polset-Hutte schien nicht ratsam und so entschlossen wir uns zum Aufstieg in die Felix Faure-Hütte. Schwer beladen keuchten wir aufwärts. Aber bald verwandelte ein eisiger Wind die Schweißtropfen in glitzernde Perlen. Schneetreiben setzte ein, tiefgebückt und schweigsam kämpften wir gegen die tobenden Elemente. Plötzlich standen wir vor der Hütte, die sich nun Hotel nennt und bewirtet ist. Feldbetten mit echten Leintüchern überzogen, waren für uns reserviert. Das war eine frohe Überraschung, was kümmerte uns nun der Sturm! Nur eines störte: daß die Preise schweizerisch statt österreichisch waren. Sonst fehlte nichts. Ein Skilehrer zeigte sogar staunenden Schülern seine Wachskünste. Als wir seinem 8jährigen Knirps vom Telemark erzählten, rief er mit überlegenem Stolze aus: „Ah, vous &es de l'ancienne mtjthode!" , Der Sturm dauerte mit unerbittlicher Heftigkeit an. Mit Todesverachtung gingen Männlein und Weiblein zum Skikurs, kehrten aber bald eisbewehrt und schlotternd zurück und das vor kurzem noch so leuchtende Rot der Lippen und Wangen schillerte in Lila bis Grün. Wir richteten uns zum Hüttenleben ein, aber als die Franzosen am Nachmittag wieder hinauszogen, da mußten auch wir wohl oder übel hinaus, um unsere ,,ancienne m6thode" vorzudemonstrieren und unseren Ruf zu rehabilitieren. Also auf & la pente. Gemütlich war es gerade nicht, aber so ein Sturm hat auch seine Reize, wenn man die Hütte in der Nähe weiß. Morgens 5 Uhr rief unser Tourenleiter: ,,Aufstehen, herrlichstes Wetter!" Hatte der Glüekliche geträumt oder wollte er uns zum Narren halten? Mißtrauisch bequemten wir uns dann doch, den Kopf hervorzustrecken und plötzlich wie auf Kommando stand alles auf den Beinen. Wolkenloser Himmel. Nur ein Gedanke beseelte uns. Hinauf zum DBme de Chasseforet. Es war wie ein Märchen, so unfaßbar schön war die Aussicht, die Ruhe naoh dem Sturm. I n kühnen Formen erhebt sich die Grande Casse, von weitem grul3en der Mont Blanc, die Walliser Alpen und allmählich taucht die Dauphin6 aus dem Meer der Berge auf. Der Wind hat im Schnee an den Felsen feinste Filigrankunstwerke geschaffen, die unter den Strahlen der Sonne zu leuchtenden Kleinoden werden. Mit Wehmut schauen wir zum DGme de Polset hinüber - ein rassiger Skiberg. Schwer fällt uns der Abschied von diesem herrlichen Punkt und dann geht es beschwingt und frohlockend der Tiefe zu. Eine prächtige Abfahrt. Inzwischen ist im ,,Hotel" Volk angekommen, bald schwer bepackt, bald reich bemalt. Es herrscht eine laute, aber fröhliche Stimmung. Uns zieht die kühne Erhebung der Grande Casse an, aber wir riechen einen neuen Wetterumsturz und wollen den ubergang nach Tignes nicht opfern. Wir furchen die erste Spur hinauf zum Co1 de la Grande Casse, ein in seiner Wildheit erhabener Engpaß. An den Hängegletschern und Felswänden der Grande Casse entlang, bleibt der Blick am Gletscherbruch der Grande Motte hängen und eilt hinüber zur Aiguille de la Grande Sassihe und den Grenzbergen von Frankreich und Italien und dann schweift er wieder, unserer Aufstiegspur folgend, über die sanfte Gletschermulde hinaus nach Pralognan und die Ausläufer der DauphinB. Am tiefblauen Himmel treiben leichte weiße Wolken ihr verwegenes Spiel. Durch flimmernden Pulverschnee landen wir auf einem breiten Kopf, links und rechts von herrlichen Gletscherabbrüchen umrahmt, ein unvergeßliches Bild. Vergebens suchten wir naoh der Bratpfanne und den Tulpenzwiebeln, die unser Georg Weber hier vor Jahren deponiert hatte. Wir irren dem Rande des Kopfes entlarig und spähen nach einer Abfahrt. Heftiger Wind hüllt uns in Schneewolken. Wie ein Phantom verschwindet Gust um die Ecke, der Hang hält und weiter geht es in wilder Fahrt. Gust ubt sich in Akrobatik und macht


vor Freude Purzelbäume, womit er alle Rekorde der Welt schlägt. Resultat: a w zwei Brettern sind drei geworden. Der Bruch geht unter der Bindung durch, Kopfzerbrechen und dann an die Arbeit. Ein Meisterwerk ist vollbracht, der Ski hält und jauchzend nehmen wir den Aufstieg zum Co1 du Palet in Angriff. Gemsen schauen uns zu, Schweißtropfen zeichnen unseren Weg. Das Knipsen der Photo-Apparate unterbricht unser Schweigen und Angelo wird zum ,,königlichen Sonnenabblender" erhoben. Kein Mensch weit und breit. Wir trinken die Schönheit dieser Gegend, die ihresgleichen sucht. Hinab zum Lac de Tignes. Wie in Schraubstöcken stehen wir im Bruchharsch, die Knie zittern und schon sind wir unten. Eine kieine bescheidene Hütte soll hier stehen, doch leuchtet weithin ein behäbiges Haus im Arlberger Stil, von skifahrender Eleganz umgeben. Alles besetzt, also hinunter nach Tignes. Ein herrliches Essen, noch herrlicherer Wein, aber am herrlichsten sind die MBringues, gell Gust. Wieder tobt der Südwind, schwere Wolken hängen in den Bergen. Wir verbringen den Tag in einer Sennhütte am Lac de Tignes, rösten an gewaltigen Spießen Brot und Hühnchen, brauen Tee, singen zu Ehren unseres Tourenleiters romantsohe Lieder. In Tignes feiern wir Abschied und werden jiih unterbrochen, denn Sterne stehen am Himmel. Da hieß es Kräfte sammeln zum Aufstieg auf die Grande Motte. Weil man mit leerem Magen unbeschwerter steigen kann, zogen wir ohne ,,z'Morgen" ab und erst kurz unter dem Co1 de la Leisse stürzten wir uns auf Bündner Schinken und andere Leckerbissen. Leichter Nebel verhüllte die Berggipfel.

Grande Motte vom Co1 de la Leisse aus. Photo :Dr. Hanaen

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Herrliche Skifelder wollten nicht enden. Kurz unter dem Gipfel mußten wir anhalten, wir staken in tiefstem Nebel und auf Besserung war keine Aussicht mehr. Fast 2000 m Abfahrt führten uns über den Co1 de Fresse nach La Daille, Steilhänge wechselten mit sanften Mulden, eine unserer herrlichsten Abfahrten. Durch Lawinenschneepflutsch und Wasser ging's im Langlauf nach Tignes, in einem altersschwachen Vehikel das Tal hinaus nach Bourg St. Maurice und zurück nach Mofitiers. Hier unten lachte wieder die Sonne, blühende Bäume und frischgrüne Wälder kontrastierten zu unserer Sehnsucht nach weißen Flächen. Auto und Bahn rüttelten uns heimwärts, während wir uns über die ungetrübte und echte Kameradschaft freuten und von der Schönheit der Bergwelt, von Pulverschnee, Harsch, Wind, Sonne und tollen Fahrten träumten. Ski-Heil zur näohsten Osterfahrt !

D A S 10. A N G L O - S W l S S R E N N E N 3.14. Januar 1935, St. Moritz Von Dr. Walter Amstutz, S A S , St. Moritz Schon im letzten ,,Schneehase" hat Godi Michel über das 10. Anglo-Swiss Bericht erstattet. Nun spreche ich wieder über den 10. Match. Das kommt so: Das erste England-Schweiz-Rennen wurde am 12. und 13. Januar 1924 in Mürren gelaufen. Die Zusammensetzung der Mannschaften war keine homogene, obschon gerade dies mit dazu Anlaß gegeben hat, diese Rennen ins Leben zu rufen. Es sollte ein Rennen sein unter reinen ,,Amateuren". So war auch der Berichterstatter nicht zugelassen, weil er als Student in der Ferienzeit Skistunden gegen Entgelt erteilte. Wenn man bedenkt, daß die Amateur-Professional-Frage in den seither verflossenen zwölf Jahren für den Skisport noch keine Lösung gefunden hat, so erklärt sich leicht, daß die Aufstellung der Mannschaften für diese erste ,,Amateur-Probe" eine zuflillige sein mußte. I m folgenden Jahr waren daher erst die Voraussetzungen für die England- Schweiz-Rennen gefunden : Rennen zwischen gleichen Kräften - zwischen britischen und schweizerischen Studenten. Wir haben in unserem Jahrbuch in der Berichterstattung das erste Rennen von 1934 in die Chronik einbezogen. Nun werden aber tatsächlich die Match-Resultate der beiden Mannschaften erst ab 1925 gerechnet, d. h. mit dem Rennen, a n dem sich erstmals schweizerische und englische Studenten einander gegenüberstanden. Es scheint daher der Schriftleitung richtig zu sein, den Zeiger in der Anglo-Swiss-Zählung um ein Jahr rückwärts zu drehen. j .,:.:. 4s Wir haben, um spätere Konfusionen zu vermeiden, aus diesem Grunde nachstehend eine Chronik der England<; :;;:Y'.: $ 2 Schweiz-Rennen zusammengestellt, a n die wir uns fortab halten werden. Wir haben dabei die englische Be+,?;;i, .t.h, z.,j zeichnung des Rennens angenommen, weil man tatsächlich im Sprachgebrauch auch bei uns nicht von England-" -' .. Schweiz-Rennen, sondern vom Anglo-Swiss spricht. ,

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CHRONIK DER ANQLO-SWISS RENNEN 1 9 2 4 B I S 1 9 3 5

Vorläufer der Anglo-Swiss-Rennen: 12.-13. Januar 1924. Mürren: Mannschaften mit ,,Amateureigenschaft". Kein Mannschaftsklassement. Kombinationssieger: A. Gertsch. 1. Anglo- Swiss, 11.-12. Januar 1925. Mürren: Die Schweiz siegt Kombination Abfahrt- Slalom. Kombina. -,-,:i!i:'.j.'. .?,' , X .Y>' :. : tionssieger: Walter Amstutz (SAS). 2. Anglo-Swiss, 9.-10. Januar 1926. Mürren: England siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: C. E. W. Mackintosh (BUSC). 3. Anglo-Swiss, 8.-9. Januar 1927. Mürren: Die Schweiz siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: Guido Reuge (SAS). 4. Anglo-Swiss, 7.-8. Januar 1928. Mürren: England siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: G. Weber (SAS). 5. Anglo-Swiss, 7.-8. Januar 1929. Mürren: Die Schweiz siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: Walter Amstutz (SAS). 6. Anglo-Swiss, 4. Januar 1930. Mürren: England siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: . C. E. W. Mackintosh (BUSC). 7. Anglo-Swiss, 2. Januar 1931. Mürren: England siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: W. J. Riddell (BUSC). 1932: Das Rennen flillt aus wegen der Pfundkrisis. 8. Anglo-Swiss, 14.-15. Januar 1933. Mürren: Die Schweiz siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: Robert Büchi (SAS). 9. Anglo-Swiss, 12. Januar 1934. Mürren: England siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger: V. Streiff (SAS). 10. Anglo-Swiss, 3.-4. Januar 1935. St. Moritz: Die Schweiz siegt Kombination Abfahrt-Slalom. Kombinationssieger : Arnold Kaech ( SAS). Englische Siege: 1926, 1928, 1930, 1931, 1934. Schweizer Siege: 1925, 1927, 1929, 1933, 1935. & ?. . ,F {


DER ZEHNTE KAMPFBERICHT 5 : 5! Das ist der neue Stand der Anglo-Swiss-Kombinationssiegeundder Siegesruf, mit dem die SAS-Eiimpen das friedlichste Schlachtfeld verlassen durften, das man sich bei zwei einander so ebenbürtigen und wahrlich kriegstüchtigen Gegnern denken kann. Die Schweizer errangen diesen Sieg im Abfahrtsrennen, das am 3. Januar auf der klassischen Corvigliastrecke (Start Ca. 50 m oberhalb S. C. Alpina-Hütte) mit Ziel beim FIS-Finishausgetragenwurde. Der SAS belegteden l., 3., 4., G., 8. und 10.Platz und sicherte sich damit die Kombination. Arnold Kaech blieb der Held des Tages, mit Recht - denn er hat ein wirklich sauberes Rennen gefahren1 Den zweiten Steilhang nach Alp Giop hatte Arnold Lunn - der eigens EU diesem Zwecke die Reise von Mürren nach St. Moritz unternommen hatte -zur Absteokung des vielleicht 6 bis 700 Meter langen Slaloms ausgewählt,

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Die englische Mannschaft: V m links: Paädy Ureen, Jan Mzcnro, Roger BusheU (Caplain), BCU Clyde, Brucc Maelaren. Divbv Raehrurri

der allerdings nicht nur durch 13 an diesen Hang gepflanzte Tore sondern weiter hinunter - der gewöhnlichen Abfahrtsstrecke bis zirka 40 Skilängen oberhalb des Chantarella-Suvrettawegesfolgend - führte. Nicht leicht, aber doch so, daß sämtliche Konkurrenten - allerdings teilweise unter zurückkraxeln - ohne Strafpunkte passierten, waren die Tore gesetzt, auf dem Schußhang so nah, daß von einem unbesonnenen Stürmen ~ \ d großen Fehlschwüngen nicht die Frage war. In durch seine losgelöste Eleganz schlankweg blendendem Stil flitzte der Osterreicher Hellmut Lantschner als ,,Muster ohne Zeit" den Slalom in 49 Sekunden vor, welche Zeit er in einep zweiten Lauf mit ebenso spielender Sicherheit um eine Sekunde herabminderte. Dann stob ein Engländer und darauf immer abwechselnd ein Fahrer jedes Teams los, wobei ganz besonders die Gleichwertigkeit der englischen Fahrer auffiel, deren Zeiten sich ausnahmslos zwischen 55 und 6111, Sekunden bewegten, währenddem die Schweizerresultate zwischen 53l/, - der von Arnold Kaech gefahrenen besten Tageszeit - und 67l/, Sekunden liegen. Kaech durfte einen prächtigen Erfolg buchen. Nachdem er in der Abfahrt mit bedeutendem Vorsprung führte, konnte er sich durch seine 63l/,und 5g1/,Slalomzeiten hart nach den ex-aequo zweitplaciertenClubbmeraden Streiff und Wiesinger mit nur 2a/,Sekunden mehr wie der Sieger Munro placieren, wodurch er in der Kombination überlegen an erster Stelle steht. Mit katzenhafter Geschmeidigkeit umglitt - und -sprang - Bill Clyde die Flaggen, der wie Paddy Green das Pech hatte, nach einem hervorragend guten Lauf ein kitzliges Tor vor dem Ziel nicht reibungslos zu nehmen, wodurch er trotz zwei sehr schönen Sla1omlä;ufenverhältnismäßig schlecht klassiert und in der Kombination auf den dritten Platz verwiesen wurde. Mit Stierkämpfemiene und entsprechendem Schwung ließ Bushel1 die Zügel schießen, doch brachte ihn sein Tempowillen mit Flaggen und Schneeboden verschiedentlich in bremsende Berührung. Thut hatte mit ärgerlichen, unbegründeten Stürzen am Beginn und Auslauf des Steilhanges beim Durchfahren der Tore ausgesprochenes Pech, in das sich Maclaren brüderlich mit ihm teilte. Ausgezeichnete Schnee- und Pistenverhältnisse begünstigten das Rennen ebenso sehr wie ekelhaft blendendes Licht die Sicht gewaltig beeinträchtigte, die durch den während des zweiten Laufs einsetzenden und im Laufe des Nachmittags dann immer dichter werdenden Schneefall noch verschlechtert wurde. Als Gäste des Herrn Jaeger waren BUSC und SAS zu einem Lunch nach Chantarella geladen. An dieser Stelle sei der herzliche Dank hierfür erneuert wie auch an Herrn Oberstlt. Thoma-Badrutt, der dem SAS ein Training am laufenden Band ermöglichte.


5

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Das traditionelle Anglo-Swias Dinner fehlte auch in St. Moritz nicht. Herr Hari~lBadrutt hatte es verstanden, mit meisterhaftem Geschick mit dem Abschluß der Rennen gleichzeitig auch den Höhepunkt in die gotische Engadinerstube des Palace Hotels zu tragen. Nicht nur der Schriftleiter, sondern auch die Organisatoren der letzten Rennen haben mit der Tradition gebrochen. Nach einem Vorlauf und neun darauf folgenden Rennen in Mürren fällt der zehnte Kampf auf die Hiinge von Corviglia. Wir wollen die Gründe hierfür nicht untersuchen. Der Schriftleiter möchte zu seiner moralischen Entlastung beifugen, daß er vor dem Beschlusse der Verschiebung der Rennen von Mürren nach St. Moritz seiner Meinung dahin Ausdruck gab, daß er es begrüßen würde, wenn die Rennen in Mürren blieben. D k r Standpunkt eines pflichtgetreuen Verkehrsdirektors von St. Moritz mag paradox und für Außenstehende wenig glaubwürdig klingen. Wir vertraten aber und vertreten noch heute die Auffassung, da5 von seiten eines führenden schweizerischen Kurortes nur dann ein Wettlauf um die Durchführung eines Rennens einsetzen darf, wenn dieses Rennen tatsächlich frei ist. Dies traf im vorliegenden Falle nicht zu; denn unbestreitbar gehören die Anglo-Swiss-Rennen in ihre heimatlichen Gefilde nach Mürren. Von offizieller St. Moritzer Seite aus konnte daher nur eine Beeinflussung des Austragungsortes zugunsten von Mürren in Frage kommen. Ohne Zweifel war es eine Ehre für St. Moritz, diese Rennen hier auszutragen, und wenn schon ein Wechsel sein mußte, war St. Moritz sicherlich nicht der falsche Ort, eine Stätte, wo erstmals und mehrmals internationale studentische Skiwettkämpfe vom SAS durchgeführt wurden. Die Anglo-Swiss-Rennensind eine intime Skiangelegenheit zwischen dein British University SkiClub und dem SAS. Lassen wir sie als solche weiterleben. Nur so haben sie einen Sinn, und deshalb gehören sie an ihre Geburtsstitte zurück - an den Schiltgrat. Ski-Heil, 11. Anglo-Swiss! RESULTATE 1. ABFAHRTSRENNEN vom 3 . Januar 1935 Start: Corviglia-Hütte (2541 m) - Alp Giop - FIS-Strecke zweiter Teil - Ziel: Salet (1790 m), Höhendiffe751 m.

Rangliste : Name

1. 2. 3. 4.

Club

Arnold Kaech Bill Clyde Klaus Wiesinger Max Thut 6. Digby Raeburn 6. Bertold Suhner

SAS BUSC SAS SAS BUSC SAS

SAS . BUSC

S t a r t - N T . Zeit 3 2 5 9 12 7

.. ..

Dis Schweitsr Mannschaft : Pon links: M . Thut, E . Wiesingbr, P. Streif, A. Kaech, H . Knoll, B. Suhne7

4.513/, 4.5ga/, 5.02s/s 5.15 5 . 164/s 5.24=/,

7. 8. 9. 10. 11. 12.

Name

Club

Roger Bushel1 Viktor Streiff Bruce Maclaren Heinz Knoll Paddy Green Jan Munro

BUSC SAS BUSC SAS BUSC BUSC

Totalzeit 2 5 . 57a/s 2 7 . OSa/,

S t a r t - N r . Zeit

Punkte 100 95.628

4 1 8 11 10 6

5.33"s 5.34 5.35%/5 5.40 5.44l/, 5.45

-


2. SLALOM vom 4. Januar 1935 (unterhalb Signal - Alp Giop) Rang

Name

Rang

Zeit

Club

Name

Club

Zeit I . Gang II.ffangTohZ

BUSC SAS BUSC BUSC SAS SAS

5S1/, 611/, 57l/, 5g1/, 613/, 613/,

I . Gang I I . Gang Total 1. JanMunro BUSC 2a. Viktor Streiff SAS 2b. Klaus Wiesinger SAS 4. Arnold Kaech SAS 5. Digby Raeburn BUSC 6. Paddy Green BUSC

55 57 56l/, 59'1, 57 57=/,

55 55 554/, 53l/, 56 554/,

7. Bill Clyde 8. Heinz Knoll 9. Roger Bushell 10. Bruce Maclaren 11. Max Thut 12. Bertold Suhner

110 112 112 1128/, 113 113l/,

Totelzeit BUSC SAS

56 563/, 6 60S/, 65 67l/,

114l/, 117'/, 118s/, 119q6 126*/, 1284/5

568,s Sek. 100 Punkte 580,8 Sek. 97,932 Punkte

KOMBINATION VON ABFAHRT UND SLALOM

............... ................

BUSC SAS

Abfahrt

Slalom

Totalpunktzahl

95,628 100

100 97,932

195,628 197,932

Der SAS gewinnt das 10. Anglo-Swiss-Rennen. Stand der Rennen: 5 Siege auf jeder Seite. KOMBINIERTE RESULTATE DER EINZELNEN TEILNEHMER 1. 2. 3. 4. 5. 6.

Arnold Keech SAS . Klaus Wiesinger SAS Bill Clyde BUSC . . Digby Raeburn BUSC Viktor Streiff SAS . Jan Munro BUSC

.... .... .... .... ....

.....

197,88 Punkte 194,55 Punkte 193,82 Punkte 189,38 Punkte 185,49 Punkta 184,50 Punkte

7. 8. 9. 10. 11. 12.

.... .... ...... ... ... ....

Paddy Green BUSC Roger Bushel1 BUSC Max Thut SAS Heim Knoll SAS . . Bruce Maclasen BUSC Bertold Suhner SAS

I

181,84 P u n W 180,26 P& 179,39 P 179,13 Punk& 178,71 Punkte 174,64 Punkte

R. BusheU BUSC, V . StreiffSAS mit Anglo-Swks Bechern in Silberund E21


TAGEBUCH DER 11. SKI-HOCHSCHULMEISTERSCHAFT I N ENGELBERG 11. - 13. Januar 1935 Von V i k t o ~Streiff, SAS, Zürich 8. 1. 35. Zürich ist eingeschneit, schon seit zwei Tagen wirbeln die Flocken ununterbrochen herunter, um das Schneemanko, das bis vor kurzem auf der Alpennordseite geherrscht hat, auszugleichen. So fallen wir paar SAS-ler, die mit Skis und Koffern schwer beladen dem Bahnhof zustreben, nicht aus dem winterlichen Rahmen. Auch durch die Straßen Luzerns rasseln die Autos mit Schneeketten; grau in grau ist der scheinbar uferlose Vierwaldstättersee und wir kommen uns vor wie auf hoher See, als wir im Schiff gegen Stansstad hinüberschwimmen. Gegen das Ende unserer fünfstündigen Reise nehmen die Schneemassen längs der Bahnlinie immer mehr zu und beim Aussteigen in Engelberg waten wir wollüstig in metertiefem, neuem Pulversohnee umher; alles tief verschneit. Sogar aller Betrieb scheint unter der weißen Last erstickt zu sein und es braucht schon den SAS, um Engelberg aus dem Winterschlaf zu erwecken. - Ein Quartierbureau existiert noch nicht, und so quartieren wir uns eben selber ein. Immer mehr und mehr bekannte Gesichter finden sich ein; noch nie hat Engelberg so viele SAS-Pullover gesehen. Der 9. 1. beginnt verheißungsvoll: Durch den dichten Nebel sieht man einzelne blaue Flecken, auch schneit es nur noch schwach. Also rasch hinauf nach Trübsee und hinuntergesaust. Inoffiziell tippt alles auf die Winteridyll-Abfahrt und so richten wir unsere Skispitzen in die Neuschneehänge rechts des Arnibaches, um uns weiter unten wie durch einen Kännel in der schmalen Wegspur zwischen den Tannen hindurch treiben zu lassen. Aber die Aufhellung ist nur von kurzer Dauer; beim zweiten Mal ist die Sicht wieder auf 5 m reduziert, nur am Auf und Ab der Skispitzen erkeniit man das Gelände. Mit brennenden Augen langen wir an der Talstation der Gerschnialp-Bahnan und ziehen es vor, im Caf6 Matter weiterzutrainieren. 10. 1. Der letzte Tag vor der großen Schlacht. Und noch immer ist nichts Offizielles über die Abfahrtsstreoke bekannt. Es ist nur gut, daß einzig zwei Mögliahkeiten in Betracht kommen, so können mir abwechslungsweise die eine oder die andere Route abschleifen. Am Mittag hat die Krise ihren Höhepunkt erreicht; von allen Seiten wird das Organisationskomitee mit der Frage bestürmt: Links oder rechts P Endlich entschließt sich die hohe , Rennleitung, die Strecke links bekannt zu geben und auszuflaggen. So verlegen im Laufe des Nachmittags die^ schlechtem Fahrer das Wirkungsfeld ihrer gefürchteten Badewannen auf die linke Seite und die Kanonen schießen dazwischendurch der Tiefe zu. Das Wetter hat sich Gott sei Dank der Veranstaltung würdig gezeigt; Gux und Nebel sind einem klaren, sehr kalten Winterwetter gewichen. Auch Filou bekommt diese Hundekälte zu spüren; der arme Teufel darf sich in den nächsten vierzehn Tagen seiner erfrorenen Nase wegen in kein Caf6 Zürichs wagen und sogar im geologischen Institut zeigt er sich nur ungern. 11. 1. Heute also geht es um die Wurst. Grüppchen um Gruppchen werden die Renner und Kiebitze von der Seilbahn aus dem kalten Tal an die Sonne auf Trübsee hinaufgeschaukelt, wo die Eifrigsten noch rasch alle Wachseorten ausprobieren und andere sich den nötigen Mut in Form von 1-2 Doppelgrogs einflößen. Noldi hat es sich nicht nehmen lassen, mitten in der Nacht aufzustehen, um die Hegmatt vor dem Rennen noch einmal .. . studieren zu können, und Heini hat im Traum die ganze Strecke siebzehn mal gefahren. Gegen zehn Uhr setzt sich die Menschenschlange vom Hotel in Bewegung über den See gegen die SAC-Hütte, wo Dr. Tscharner als Starter jede halbe Minute einen mehr oder weniger hoffnungsvollenHasen auf die Strecke hetzt. Nun zur Strecke selbst: Sie hat zwei Fehler. Erstens ist sie etwas zu leicht, zu glatt; jeder bessere Fahrer kann beinahe alles gerade nehmen. Immerhin ist es dem Routinier möglich, an einigen kniffigen Stellen die nötigen Sekunden herauszuschinden. Der zweite Fehler besteht in den flachen Stücken gerade nach dem Start, auf der Arnistraße und von der Hegmatt bis gegen das Ziel, wo Wachs und Stocktechnik eine allzu große Rolle spielen. Dann hat sich zu den primär bedingten Fehlern noch ein ärgerlicher ,,Druckfehler" gesellt. Bürgin hat nämlich (ausnahmsweise einmal) eine unglückliche Hand gehabt beim Ausstecken der Kontrolltore. Anstelle eines einzigen nötigen, hat er -um es ganz gut zu machen -deren fünf mehr oder weniger unnötige gepflanzt, so daß der an Einfällen reiche Sioux am Ziel erzählt, er sei sich bei seinem schnellen Tempo vorgekommen wie ' in einer blauen Allee! So kommt es, daß routinierte Einheimische eine AbkUreung von ca. 30 Sekunden fahreru .' können. Und so kommt es auch, daß Ren6 Jmger mit 9.34 die Bestzeit fährt, Streiff aber den Triumph hat, den alten Rekord auf der klassischen Strecke (Zogg am Schweizerischen Skirennen 1930 in 10.28) auf 9.43 zu drücken. Damit sei die Leistung des jungen Oxford-Studenten Jaeger gar nicht geschmälert; er muß groß gefahren sein, um sogar den außer Konkurrenz gestarteten Feierabend mit 1 Sekunde zu schlagen. Von der guten Seite zeigen sich unsere große Hoffnung Kaech, der unverwüstliche Sioux und die schußgewaltigen Norweger, ferner die beiden Nicht-SAS-ler Funk und Spörri. ftberhaupt dürfen sich die gefahrenen Zeiten sehen lassen: 4 unter dem alten Rekord, 13 unter der 11-Minutengrenze.Die 3 (!) Studentinnen stasten unten b e h -i + Alpelengraben; Beth Jaeger macht es ihrem Namensvetter gleich und siegt, indem sie die nächste Konkurrentini : I um volle 1y2 Minuten hinter sich läßt. Der Nachmittag ist dem Springen um die ZUrcher Hochschulmeisterschaft gewidmet. Rekorde fallen keine, aber Guttormsen zeigt, deß man auch auf der miesesten Bubenschtmze schön gumpen kann. Er springt dshei einen kaum einzuholenden Vorsprung in der Kombination um den Zürcher Hochschulbecher heraus. ' ,. , L

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12. 1. Engelberg scheint noch nicht genug Schnee zu haben. Nach der kurzen, aber schönen Aufhellung zugunsten des Abfahrtslaufes hat sich der Himmel wieder bedeckt und am Mittag beginnt es fein zu schneien. Nicht gerade das Wetter des feinen Mannes zum Slalomfahren. Den Langläufern ist es zwar zu gönnen, daß sie sich nicht auch noch mit der unmenschlichen Kälte der letzten zwei Tage schlagen müssen, während sich die Down-Hill-Only-Fahrerim warmen Bett auf den Slalom freuen können. Der Lauf ist auch so noch verrückt genug: Mindestens 18 km mit 500 m Steigung, also eine alpine Ruechenstrecke. Bestzeit: 1 Std. 47 Min. ! Dr. Schmid, der gerade hinter Guttormsen startet, hetzt diesen über die ganze Strecke vor sich her und erst im letzten Flachstück kann Sigmund einen kleinen Vorsprung von 9 Sekunden herauslaufen. Erfreulich für uns Schweizer ist auch das Abschneiden der zwei Näohstplacierten, Strüby und Bebi6, die mit kurzem Abstand folgen und die beiden Norweger Farup und Gloersen klar distanzieren. Es ist eine Freude, Ruedi Bebi6 in seinem leichten, flüssigen Stil dahingleiten zu sehen, und der Juraläufer S t m s muß nur noch besser abfahren. ,;;. 2 . lernen, um ganz vorne zu landen. - ,*4r -: Beim Slalom vom Nachmittag geht es um die Hochschulmeisterschaft im Fahren. Das ziemlich ,,högerigeu Steilbord der Hegmatt in Verbindung mit der miserablen Sicht (es schneit) behindert die Fahrer stark, auch finden sich viele noch nicht mit den Stangentoren ab. Als Einleitung fährt Bürgin den von ihm gesteckten Parcours vor, dann geht es ernst los. Ren6 Jaeger nimmt seine Kombinationschancen nicht wahr; er ist ein noch zu wenig routinierter Slalömler. Streiff fährt auf Safety (lies Kombination) und kommt so mit zwei ausgeglichenen Läufen von 49,s und 50 Sekunden auf den zweiten Platz hinter Kaech, der nach einer miißigen ersten Fahrt gewohnheitsgemäß in einem prächtigen zweiten Lauf die Bestzeit von 46 Sekunden und damit den Sieg herausfährt. oberraschend gut zeigen sich heute die Norweger Schlytter und Guttormsen, die beide schon den mörderischen Langlauf in den Knochen haben. Auch Bertel Suhner und die Stehsau Thut haben seit dem Anglo-Swiss wieder Slalomfahren gelernt. Von den Jungen führt sich Fueter gut ein, während de Senarolens nur irn ersten Lauf zeigt, daß er fahren kann. Bei den Studentinnen wird Frl. Jaeger im Alleingang mit einer ganz anständigen Zeit Slalomsiegerin und damit zugleich erste ,,Schweizerische Hochschulmeisterin im Skifahren". Weniger leicht haben sich die Studenten das Siegen in der Kombination Abfahrt-Slalom gemacht. Es ist, wie erwartet, zu dem spannenden Duell Streiff-Kaech gekommen, das Streiff mit 2 Punkten Vorsprung zu seinen Gunsten entschieden hat. Erst mit 8 Punkten Abstand folgt der Nächste, Arild Schlytter, der sich dank seiner mächtigen Slalomleistung noch vor den Abfahrtssieger Jaeger schiebt. Vik Streiff ist es damit als Erstem gelungen, die Hoohschulmeisterschaft dreimal zu gewinnen. (Amstutz, Reuge und Weber je zweimal.) Nach dem Nachtessen sammeln sich die SAS-ler im Hotel Heß zu einer Aussprache über das Anglo-Swiss 1935, weil es emige allzu tragisch nehmen, daß wir gewagt haben, dieses Jahr ausnahmsweise Mürren mit St. Moritz zu vertauschen. Gottlob löst sich die Geschichte in Minne auf und der Mißton sowie die zurückbleibende getrübte Atmosphäre rühren nur von dem fürchterlich stinkenden Feuerwerk her, das Oski Hug im richtigen Moment zur Erheiterung der Gemüter losläßt !

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13. 1. 35. Heute sollte eigentlich Sonntag sein, aber wir armen Teufel werden unbarmherzig schon früh aus den Federn geholt, um unserer Hochschule im Stafettenlauf Ehre zu machen. J e 4 Läufer und 1 Fahrer starten pro Universität und müssen zusammen eine Strecke von 30 km abtippeln, wobei die Route von Engelberg rsuf Umwegen bis hinauf zum Start des Abfahrtslaufes bei der SAC-Hütte Trübsee führt. Außer den Studentenmannschaften beteiligen sich noch 5 Nichtakademikerstaffeln am Rennen, deren 3 Beste auf den ersten Plätzen landen. Von den Akademikern erobert sich die letztjährige Siegerequipe der Uni Zürich wiederum den Titel eines ,,Hochschulmeister im Stafettenlauf", trotzdem zwei neue Leute im Team sind und besonders das Ausfallen des großen Ganßer aus der Wengener ,,Anti-Japan-Stafette" eine merkliche Lücke hinterläßt. Bebi6 ala erster Mann holt gegenüber den gefürchteten Bernern bereits 2 Minuten Vorsprung heraus und die Spitze wird trotz den guten Zeiten von Kaech und Spörri auf der 3. und 4. Strecke nicht mehr abgegeben.

Am Nachmittag zeigen uns die Norweger wieder einmal, was Springen ist, indem sie mit Guttormsen, Schlytter und Farup einen dreifachen Sieg landen. Der einzige Schweizer, der in dieser Konkurrenz mitkommt, ist Bußmann. Guttormsen beweist seine'große Klasse durch einen klaren Sieg über seine beiden Landsleute, von denen besonders Arild Schlytter sehr elegant und sicher hüpft. Sigmund Guttormsen hat damit den Hattrick von Streif3 wiederholt, indem er zum drittenmal Schweizerischer Hochschulmeister in der Kombination Laufen-Springen wird, vor Farup, Schlytter und Bußmann. Auch gewinnt er wieder, wie letztes Jahr an den ASAL in Wengen, überlegen die Viererkombination. Von den Nichtakademikem, die den Sprunglauf interessanter zu gestalten versuchen, sind nur Feierabend, Matter und Geri Wolfensberger sehenswert; sie reichen aber nicht an Guttormsen heran, der trotz langsamem Schnee mit seinem dritten Sprung von 44 m einen neuen Schanzenrekord aufstellt. Fabelhaft ist, wie rasch die Konkurrenz erledigt wird; nach einer knappen Stunde können die befriedigten Zuschauer ihre eingefrorenen Flossen wieder heimwärts bewegen. Die meisten Teilnehmer haben nun genug gefahren, sie ergeben sich - sei dies nun aus Freude am Erfolg, oder um den Ärger über den Mißerfolg zu ertränken - für den Rest des Tages dem mehr oder weniger stillen Suff. Das Resultat ist übrigens in beiden Fällen ziemlich das gleiche ! Nur die Unverbesserlichen müssen ihren Taten-


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Auszug der SAS-Zer !

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drang noch mit einigen Abfahrten abreagieren. Auch unser Noldi Kaech gehört wieder dazu; unermüdlich rasselt er die Bahn auf und die Strecke ab, aber diesmal gilt sein Augenmerk nicht mehr den tückischen Bodenwellen der Hegmatt, sondern einer überaus schönen und jungen Engländerin, die ihm leider jedesmal um ein Bähnchen voraus ist und die er -wie in einem bösen Traum - nie einholen kann. An der Preisverteilung werden die Läufer mit Plaketten reich gesegnet: bis zu 6 Stück regnet es pro Nase. Guttormsen und Streiff räumen überdies als definitive Gewinner unter den ,,Wanderhasen" auf. Der Chor ergeht sich dazu unter der kundigen Leitung des Rennchefs in nicht endenwollenden Ski-Heil.Rufen. Anschließend (2 m 71 !) vom Nachmittag h d e t , während ist großer Ball, bei dem Noldi endlich seine junge englische ,,VebingGL sich Mac, seinem Prinzip treu bleibend, an die Dorfälteste hält.

Riickblkk. Ich blättere in einem alten ,,Schneehasen", Bd. I, Nr. 2. Da schreibt Dr. Oskar Hug in ,,Rundschau des Jahres 1928" unter anderem: ,, Und zum Schluß wäre noch der Wettkampf um den Zürcher Hochschulbecher zwischen Universität Zürich und Polytechnikum zu erwähnen, der erfahmcngagemäß wiederum von den Polytechnikern mit 564 : 302 Punkten gewonnen wurde." Mit anderen Worten: ,,d'Unianer lehred s'skifahre numme !" Mein lieber Oski, nur nicht so voreilig den Kopf hängen lassen; der Patient ist absolut nicht so hoffnungslos. Hingegen würde ich mir einmal die andere Partei unter die Lupe nehmen! Was ist aus den ETH-Leuten geworden? Wo sind die Nachfolger der Reuge, Roch, Meißer, Weber usw. hingekommen? Ist es tatsächlich so, wie sich Sioux beklagt: ,,s'Poly nimmt eim efange verdammt vill Ziit weg!" Den Ingenieur-Lehrlingenfehlt es nicht an guten Durohschnittsfahrern, aber die Spitzenklasse ist nicht mehr da. Oder hoffen wir, noch nicht da. Demgegenüber ist die Universität Zürichs Skihochburg geworden; die Hochschulmeisterin, die beiden Hochschulmeister, sowie die Stafetten-Biegerequipesind Universitätler. Und in der Kombination um die Hochschulmeisterschaft im Skifahren sind unter den ersten 6 Rängen 4 Uni-Leute und nur ein Polyaner - der Norweger Schlytter (!), während von den Nicht-ZUrchern Kaech allein auf weiter Flur steht. Und der Match Poly-Uni wurde - erwartungsungemäß, aber deutlich - von der Universität gewonnen. Ziehen wir, rückblickend auf die Engelberger Tage, die Bilanz, so dürfen wir mit gutem Gewissen sagen: Es geht vorwärts ! Wir haben endlich wieder ein paar gute Langläufer ;in der Abfahrt und irn Slalom sind große Resultate erzielt worden, und was daswesentlichste ist: Der Durchschnitt hat sich bedeutend gehoben. Im Abfahrtslauf z. B. sind die Zeitdifferenzen so klein, daß noch der 36. unter der 13-Minutengrenze bleibt. Schlechte Zeiten sind überhaupt nicht gefahren worden; kein einziger von den 58 Konkurrenten hat die doppelte Bestzeit gebraucht.

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uaZ& W . PWo: EngWn Pm#,Sm-

Und noah etwas Erfrenliohes : Am Tage nach Abwhluß der Rennen empkgen die drei &&sch&e8 h Brief, in dem ihn- vom hektor d a P n i d t i L t Ziirich persönlich zu den Erfoigen W &SI 8. H. P. g ~ 1 W ~ t wurde. Daer iet dach ein schöner Beweis d&b, daß uns von oben VemtSndnis für wem Sport .arntgqgmgebrach6 wird und wir nicht mehr A n p t eu haben brauchen, d m h s Vordip z u iliegen, nur -3 wir haben, mit einem brsmgebrannfem h i c h t an der Prüfung m erscheinen. Es geht vamBrta!

RESULTATE DER 11. SCHWEIZERISCHEN SKI-HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN ABFAHRT KLASSE I (60 Startende) Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Name Jaeger Ren6 Streiff Viktor Kaech Arnold Müller Max Funk Hans Guttormsen Sigm. Schlytter Arild Spörri Eugen Suhner Bertel

Hochschule Zürich Uni Zürich Uni Bern Uni Zürich ETH Zürich Uni Zürich Uni Zürich ETH Bern Uni Zürich ETH

KLASSE 11 (6 Startende) 1. Glaser Max Zürich ETH 2. Cugler Eduard Zürich ETH KLASSE I11 (1 Startender) 1. Meidinger Georg Basel

Zeit 9.34 9.43 10.08 10.23 10.32 10.34 10.37 10.46 10.47

Rang 10. 11. 12. a 12. b 14. 15. 16. 1:. 18.

Name de Courfen Henri Vajda Peter Schneiter .Kar1 Heinrich Ha. Peter de Lavallaz Georg Jaeger Marc de Senarclens J. Thut Max Fueter Heini

Hochechule Lausanne 'Uni Zürich ETH Zürich Uni Basel Uni Lausanne Uni Bern Uni Genf Uni Zürich ETH Zürich Uni

Zeit 10.53 10.56 10.57 10.57 11.02 11.05 11.06 11.10 11.13

3.

de Roche Viktor

Bern Uni

12.28


E

1. 2.

9% No&.&. Photo: U. Rieba&

J w g s Eikbeth

P1~3iEIw~rk

Zjirich Uni Baael Uni

10.27 11.57

3.

Rosse1 Claire

aürich Uni

Gloersen Knut Jöhr Werner Amsler Rolf Zumstein Otto Bußmann Walter

Zürich ETH 1.51.59 Bern Uni 1.55.55 Zürich ETH 1.58.40 Basel Uni 1.59.17 Zürich ETH 2.00.58

13.50

LANGLAUF KLASSE I (20 Startende) 1. 2. 3. 4. 5.

Guttormsen Sigm. Schmid Dr. Gustav Strüby Robert Bebi6 Rudolf Farup Fritz

Zürich Uni Basel Uni Zürich ETH Zürich Uni Zürich ETH

1.47.25 1.47.34 1.49.39 1.49.54 1.51.55

6. 7. 8. 9. 10.

KLASSE I1 (3 Startende) 1. 2.

Heß Dr. Paul Zeller Dr. Albert

Bern Uni Basel Uni

3.

Abegg Dr. Alfred Basel Uni

2.26.56

SLALOM KLASSE I (38 Startende) Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. a 9. b

Name Kaech Arnold Streiff Viktor Fueter Heini Schlytter Arild Thut Max Suhner Bertel Vajda Peter Rieben Willi Jaeger Marc Guinand Andre

Hochschule Bern Uni Zürich Uni Zürich Uni Zürich ETH Zürich ETH Zürich ETH Zürich ETH Bern Uni Bern Uni NeuchLtel Uni

1. Lauf 53.0 49.4 51.0 51.8 53.0 52.0 54.8 52.0 56.2 56.0

2. Lauf 46.0 50.4 50.0 49.6 50.0 54.0 51.8 54.8 50.8 51.0

Fehler

Total 1.39.0 1.39.8 1.41.0 1.41.4 1.43.0 1.46.0 1.46.6 1.46.8 1.47.0 1.47.0

L

f:

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Rang 9. C 12. 13. 14.

Name Guttormsen Sigrn. Bracher Dr. Ren6 Tommasi Angelo Fröhlicher Max

1. Lauf

Hochschule Zürich Uni Zürich Uni Basel Uni Bern Uni

2. Lauf 52.0 56.0 55.0 57.0

55.0 51.4 54.6 53.0

Fehler -

-

Total 1.47.0 1.47.4 1.49.6 1.50.0

Sprung 111 m 44 42 42 41

PunktzaU 331.2 318.t 307.1 303.f

-

KLASSE I1 (3 Startende) 1.

2. 3.

Gugler Eduard Glaser Max de Roche Viktor

Zürich E T H Zürich E T H Bern Uni

KLASSE I11 (1 Startender) 1.

Basel Uni

Meidinger Georg

STUDENTINNEN (2 Startende) 1.

Jaeger Elisabeth

Zürich Uni

Rang Name

1. 2. 3. 4.

Guttormsen Sigmund Schlytter Arild Farup Fritz Bußmann Walter

Rang 1. 2. 3. 4. 5.

Hochschule Zürich Uni Bern Uni Basel Uni Zürich E T H I Zürich E T H I1

SPRUNGLAUF (13 Startende) Hochschule Sprung I Sprung 11 m m Zürich Uni 41 42 Zürich E T H 37 41 Zürich E T H 34 41 Zürich E T H 36 40

STAFETTENLAUF Läufer 2.29.37 Bebi6, Guttormsen, Schneiter, Funk, Streiff 2.32.15 Jöhr, Steffen, Kaech, Spörri, de Roche 2.34.53.5 Schmid, Frey, Heinzel, Tommasi, Zumstein 2.35.52 Bußmann, Gloersen, Holte, Müller, Farup 2.48.56

Zeit

AUSSER KONKURRENZ : 1. 2. 3.

Skiklub Engelberg I Skiklub Engelberg I1 Skiklub Luzern

2.19.31 2.25.55 2.27.36

4. 5. 6.

SAS Skiklub Basel I Skiklub Basel I1

2.34.U 2.39.21 2.57.5f

KOMBINATION ABFAHRT-SLALOM Rang Name 1. Streiff Viktor 2. Kaech h o l d 3. Schlytter Arild

Hochschule Zürich Uni Bern Uni Zürich E T H

Note 197.65 195.51 187.73

Zürich Uni

200.00

Rang 4. 5. 6.

Name Jaeger Ren6 Fueter Heini Guttormsen Sigm.

Hochschule Zürich Uni Zürich Uni Zürich Uni

Note 187.03 183.30 183.04

STUDENTINNEN 1.

Jaeger Elisabeth

KOMBINATION LANGLAUF-SPRUNGLAUF Guttormsen Sigm. Zürich Uni Farup Fritz Zürich ETH

458.7 426.3

3. 4.

Schlytter Arild Bußmann Walter

Zürich E T H Zürich E T H

416.6 410.3

Sieger der Viererkombination: Guttormsen Sigmund, Universitiit Zürich

Schweizerische Hochschulmeisterin 1935 im Skifahren:

E L I S A B E T H JAEGER, UNIVERSITÄT

ZURICH

Schweizerischer Hochschulmeister 1935 im Skifahren:

VIKTOR S T R E I F F , UNIVERSITÄT

ZURICH

Schweizerischer Hochschulmeister 1935 im Laufen und Springen:

S I Q M U N D G U T T O R M S E N , UNIVERSITÄT

ZURICH

Schweizerischer Hochschulmeister 1935 im Staffellauf:

UNIVERSITHT ZURICH

,

.

.

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Aufstieg zum Piz Morteratech. Photo :Swissair - W . Mittelhker

'


4. A K A D E M I Q G H E WELTWINTERQPIELE U N D 11. S A S - R E N N E N Qt, Moritz 4.-10. Fdwuar 1935 Vofz H&%% Schill&); Bt. Madts Zum vierten Male fiülrte die im Jahre

1919 pgrthdete Conf6dBration 'interna.tionale des Etudiantri (CIE), welehe hente die studentischen N&ndv@b&nde von 26 Läsdern als Mitglisdsr i~mfaBt,ihm internationalen der Iait ihrer 0%-tion betraute dtudentisoben Winter-Meistermhaften duroh. Als A ~ a g u n g s o r t*lte Verband der @chweizerbchen Studentormschaften das Winterapart~entrumSt, Moritz, dessen blo9er N s ~ ~ l s wie sbh der Prbident der CIE ausürüokte - eine hinreichende B ü q p b f t f ü r ideale Var@wm&ungenimd susgszeiohnete CTrg8niaation der @asten polysportiven WinDer-Wettkiimpfe des J&rw bot, an denen die akademische J-d von 15 Ländern vertreten war. Wtlhrend einer Woche, diFa im Zeichen au%gesprochener i3chnee-Tollwut s t a d , nahmen alle Ski-, Eis- und Bobletwettkiompfe,welche die spziWrtliche St. Maritzer Organisation in einem glhzenden Lichte zeigten, euien glatten Verlauff,so dai3 nur wenige ahnten, wdehe Risstmmbeit hinter den K u h n die pr&chtigenSahauspieIe auf der weißen Drehbiihne emöglicht8.

-

DIE S K I W E T T K A M P F E

der 4. Akademischm Weltwinter~b1-azeugtan erneut davon, d d der modernsfe und populibirite Winterspoz% auah die Rwmn der studentischen Jugend s t a r b als irgend& anderer Sport erobert hst. Von der woh&volien sahianmtiI3igen Basohiakrmg abgesehen, ~eigtendie 4. Akademischen Weltwintarspiele die Akadmnbr in d m skhportlichen Disziplinen auf einer besonders h o b Stufe, wobei uns nicht etwa aus dem Walde da- Teiinelunm vewhmlt hemrmgende Lorbesrstriaucher durch Spit.r;enieistungenblendetqn, welche ohnehin aiobt auf dem Bodm wirkliehen Studenten-Amateur-Sportesgedeihen, sondern der gute, sehr gute Durchsohnitt mit besonderer &nu@uung wahqenommen wurde. Den US-lern und engiischen Studenten bedeute% dism W&n~bmungeine Aaerke~ung ihrer unerrnWcPim Pioniemrbeit in den alpinen Ski-Dfsitiplinen, die sie e+tlich a w der Taufe hoben und durch aIle Sturm-andDrangperi0den mit überzeugte Begeisterung betreuten- eine AnwBennung, wie man sie sich whöner und ein&&voiier niDht dxmkgn könnte. D d gleichzeitig mit den 4. Abdemiechen Weltwintmspielen, an denen nur eine ba-abrinkte h a h l von ihrem Undesverband delegierter Stndenten und Btudmtinnen (Altersgrenze 28 J&) teiiaehmsn kannten, auob dia 11. SAS-Renn- durchgeführt wurden -für deren Klamement jeweilen ein und W b e Renüan macDgebnd war und die deshalb in diesem Jahrbuche niaht besonders besprochen werden -erhtihte die BBdButung der Slu.Wttkämp£e und bereicherte sie um i n t e r ~ ~ a nVergldhe te mit den Eenonen aIteren Kalibers, welehe in s;wai ategorien starteten und vor derm Leistungen im allgemeinen wir an die= Stelke, da wir sie nicht einzeln wiiPdigen kämen, d auffiohtger Hochachtung stramm stehen waiien! D E R 16 K I L O M E T E R L A N Q L A U F

b w e asi Dienstag den Aufbkt zu den Ski-Wettkämpfen.Die Ineine augwpmchene AumuheMe entlutlteede, whwere und sehr abwechslungsreiche Strecke führte vom Saiet in einsr groBen Kurve wri &. Moritz-Bad herum iibw Sta5 (1813 m) und in forschem kurzem Anstieg auf Alp Itaa;[ 1947 m). Von dort ging es über den und dem Lej Nair vorbei mun Waldbeim Swlej und in abQuebberg a m A d a u P der Olppia-Schwe~hgelndleicht wteigendem, ebenem und von kleinen Abfhhrtchen unterbmchenem h u f ssl Amlanf dm CrampfBrrn &es und der J u l i e r s c h e voriiber nurvbk nach dem Salst, womit man den Studenten ziemliah gansu die gleiche S f a w k vambte, welche anno 1928 von den Aspknten auf olympische Lorbeeren an b* wi61tfgen war. Schnaeftae erhobm die WachBfrage au einem Pmblani außerordentlichar Wichtdgkeit, in dswen Lasung unsere bestan Umeiea,r L&ufer,wie die meisten ihrer Konkurrentea, nicht vom Glücke bgeitet w$ren.


Die Tagesbestzeit des Münchner Alt-Akademikers Georg von Kaufmann (nur SAS-Rennen)verdient unter den durchschlagenden deutschen Erfolgen um so mehr wahre Bewunderung, als der haushoch überlegene Senior mit einer Kopfverletzung die weite Reise unter die Hölzer nahm. Durch vorbildiich sportlichen Geist zeichneten sich die österreichischen Langläufer aus, welche ihres ,,Prestiges" ungeachtet, trotzdem sie nach mühevollen Renntagen und fast schlaflosen Nächten zufolge Schneeverwehungen auf der Arlberg-Strecke in höchst ermüdetem Zustand erst bei Beginn des ihretwegen extra um einige Stunden verschobenen Langlaufs in st. Moritz ankamen, aus dem Eisenbahnwagen direkt an den Start gingen. DIE A B F A H R T

vom Donnerstagmorgen erfreute sich der in jeder Beziehung denkbar günstigsten Verhältnisse. Die für Studenten und Studentinnen gleich gewählte 4050 m lange Strecke führte von 2544 m - 50 m oberhalb der CorvigliaSkihütte - in einem mäßigen Schuß in die ,,gewöhnliche" Corviglia-Abfahrt und über Alp Giop nach dem Salet (1789 m). Man hatte sich mit drei Kontrolltoren begnügt, deren eines unterhalb der Corviglia-Bahnstation und zwei in der Waldpartie gesteckt wurden, die im letzten Drittel den eigentlichen Prüfstein des nicht leichten Rennens bildeten. Dass auch hinsichtlich der Abfahrt das Barometer der schweizerischen Aussichten sich nicht in die höchsten Regionen verlieren konnte, witterten wir schon am frühen Morgen aus dem besorgten Gesicht unseres MannschaftsführersWilly Bürgin, der uns das fatale Gerücht bestätigen mußte, daß der beste Schweizer und schweizerische Hochschulmeister Viktor Streif? zufolge einer sich am Vortage beim Training zugezogenen KnieQuetschung sowie der aussichtsreiche SAS-ler Suhner, den eine Blutvergiftung plagte, unter keinen Umständen starten könnten. Unter den zuerst ins Rennen gegangenen Studentinnen vertrat die Deutsche Christ1Cranz eine Klasse für sich, indem sie nicht nur ihre weiblichen Konkurrentinnen gewaltig distanzierte, sondern auch schneller als drei Viertel der männlichen CIE-Läufer fuhr. Der glatte Sieg des Italieners A. Guarnieri überraschte ebenso stark wie der deutsche Favorit und CorvigliaSpezialist Dr. Vetter enttäuschte, der offensichtlich - wie die Norweger und viele andere Konkurrenten die falsche Taste im Wachs-Registertippte. In hervorragendem Stil und mit imposanter Sicherheit und Leichtigkeit klassierte sich der Engländer Bill Clyde uberlegen an zweiter Stelle, dessen Team neben den Österreichern, Italienern und Schweizern den besten Eindruck hinterliess.

Photo : Dr. W a h r Anastutz

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D E R SLALOM

vom Samstagmorgen war 40% der in der Abfahrt Klassierten offen. Dr. Walter Amstutx hatte auf halber Höhe 1 zwischen Chantarella und Corviglia einen langen, äußerst steilen Sohräghang, der sonst wohl höchst selten eines Skibesuchs gewürdigt wird, zur Anlage der gerissensten Slalom-Piste gewehlt, von der wir wissen. Der Pariser ,,Figarou äuQerte sich darüber unter der Schlagzeile „Un slalom mod81ei1wie folgt: ,,Saint Moritz et les orga- . '' I .$, nisateurs des Jeux universitaires nous ont donn6 l'exemple de Ce que devait 6tre un slalom olympique. 11s . . *'ont fait aux Etudiants l'honneur de leur trmer un parcours extrbmement difficile, mais fort rapide, d6. montrant qu'un vrai slalom doit 6tre une Course et non pas un gymkhana." Die etwa 800 m lange und 160 m fallende, durchwegs flüssige, schnelle Piste führte vom Start weg über eine Stemmschneiae durch zwei blinde die gerade einigen der besten Fahrer, welche sie anscheinend unterTore in 'eine Gegenhang-Schneise schätzten, verhängnisvoll wurde - und durch drei weitere blinde Tore über eine sehr stotzige Vertikale und Horizontale über einen raschen, offenen Auslauf durch insgesamt 26 Flaggenpaare und erheischte nirgends Stockhilfe. Christ1 Cranz erwies sich auch im Slalom - obschon sie einige Stürze in Kauf nehmen mußte - ihren Konkurrentinnen an Tempo und Fahrteohnik gewaltig überlegen. Die englische Mannschaft glänzte erneut durch ausgezeichnete, ausgeglichene Leistungen und Bill Clyde, der sich den Kombinationssieg holte, erweckte durch sein beherrscht-elegantes Fahren eine spontane Begeisterung für den von ihm vertretenen Ski-Sport. Die Deutschen vermochten sich trotz des Erfolges ihres einen bestechend schönen Stil zeigenden Vertreters Dr. Vetter nicht durchzusetzen, während die wieder in den Besitz ihrer normalen physischen Kondition gelangten Österreicher ihre Position auf Kosten der Italiener im Vergleich zur Abfahrt verbessern konnten. Viktor Streiff, der seiner Beinverletzung ungeachtet in den Kampf ging, wurde durch einen in Anbetracht der erschwerten Umstände sehr verdienten und ehrenvollen vierten Platz belohnt - nach dem ungarischen Grafen Szapary, dessen zwei glänzende Läufe als die tfberrawhung des Slaloms bezeichnet werden mußten.

.

-

D E R STAFFELLAUF

wurde am Freitagmorgen bei ausgezeichneten Schneeverhältnissen im Corviglia-Gebiet ausgetragen. Er führte über eine Gesamtdistanz von 21,l Kilometer und enthielt 1350 m Anstieg und 1945 m Abfahrt. Staffel 1 sah Italien von der Corviglia-Skihütte über die FIS-Slalom-Strecke, Corviglia-Station, Marguns, Skihütte Saluver und zurück zur Corvigliabahn-Station (5,4 km) in Führung, welche es, von den Deutschen stets hart bedrängt, mit Ausnahme der zweiten Teilstrecke immer innehatte. Diese zweite Schleife schloß sich (Alp Marguns, Laret, Sam Ronzöl, 4,4 km) wieder bei der Corviglia-Station, so daß der ohnehin spannende Wettkampf von den Zuschauern mit größtem Interesse, ja teilweise in wahrer Ekstase der Anteilnahme, verfolgt werden konnte. Staffel 3 führte von der Corviglia-Station auf das Plateau des Piz Nair und zurück (3,s km) und Staffel 4 von der Corviglia-Station in 2,4 km Iangem Anstieg, der manchem Tieflhder-Herz schwer zu pusten gab, auf ungefähr 2800 m Höhe (unterhalb Fuorcla Schlattain). Von dieser etwas kühlen Warte beschloß ein eigentliches Abfahrtsrennen über Corviglia-Station und Alp Giop nach Oberalpina (5,l km; Höhendiffcrenz 880 m) den Staffellauf, das A. Guarnieri wieder sehr schnell und mit einer'bessern Zeit als Dr. Vetter zeigte. Die Schweizer CIE-Staffel hatte insofern Pech, als Kaech in der Abfahrt schwer stürzte und Jöhr durch Skibruch viel Zeit verlor. DER SPEZIAL-SPR UNO

vom Sonntag beschloß die 4. Akademischen Weltwinterspiele und 11. SAS-Rennenmit einem d l den Tausenden, welche an diesem wundervollen Engediner Wintertage zur Olympia-Schanze strömten, wohl unvergeßlichen Schauspiel, dessen sportlicher Erfolg durch den Rahmen der unter einem strcbhlend blauen Himmel in unbeschreiblicher Schönheit funkelnden Neuschnee-Hochgebirgslmdschaftund die dadurch gehobene festliche Stimmung in geradezu weihevoller Weise unterstrichen wurde. Rund fünf Dutzend Springer, darunter nicht-akademische Springergrößen internationalen Rufes, welche die Konkurrenz hors concours bestritten, gingen zweimal über die durch den St. Moritzer Ski-Club Alpina wie immer tadellos hergerichtete große Schanze, der sich neben den norwegischen Helden des Tages die deutschen, jugoslavischen, österreichischen, tschechischen, polnischen und ungarischen Akademiker, wie natürlich auch der SAS-ler Walter Bußmann, absolut gewachsen zeigten, so daß gerade im Springen oin enormer Fortschritt im Vergleich zu den früheren Weltwinterspielenzum Ausdruck kam. Der Kombinations-Sprung fand am Samstag auf der kleineren Julier-Schanze statt. Die nachstehenden Ranglisten sprechen ausführlich über die Leistungen der einzelnen Wettkämpfer und Mannschaften, weshalb wir den uns zur Verfügung stehenden Raum in erster Linie einer knappen Schilderung jener zur Bewertung der zahlenmäßig ausgedrückten Leistungen erforderlichen Angaben und Erläuterungen widmeten, die nicht in den Resultatlisten selbst gefunden werden können oder sich in Form der verschiedenartigsten Folgerungen und Vergleiche aus diesen Listen gewinnen lassen.


Einen umfassenden Rückblick über die 4. Akademischen Weltwinterspiele und 11. SAS-Rennen vermittel ein im Auftrage des Organisationskomitees von Dr. Walter Amstutz mit trefflichen Illustrationen in gediegene Aufmachung veröffentlichter 56seitiger Bericht, der auch sämtliche Resultate ungekürzt enthält. Als ein Fest der Zucht, der Kraft, der Schönheit, der Kameradschaft und der Freundschaft hat Bundesra G. Motta, der Ehrenpräsident des Verbandes der Schweizerischen Studentenschaften und dieser Veranstaltung die 4. Akademischen Weltwinterspiele und 11. SAS-Rennen bezeichnet, deren Kernerfolg nicht in den zum Te1 geradezu erstaunlichen sportlichen Leistungen, sondern in dem Geiste liegt, welcher die in St. Moritz ver sammelte akademische Jugend der Welt beseelte und von dem der hohe Schirmherr der Veranstaltung sage] durfte, er stemple den Sport - so verstanden und geubt - zur Schule edlen Maßes und zum Ausdruck de Lebensprograrnmes: ein gesunder Körper als Träger sittlicher Kraft. . ,, -r i

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1

.

Wanderpreis Br. M a z H . Schneebeli für den Sieger in der Viererkombination

RESULTATE

Gleichzeitig mit den 4. Akademischen Weltwinterspielen wurden die 11. SAS-Rennen durchgeführt. Währenddem sich an den Akademischen Weltwinterspielen nur eine beschränkte Anzahl von ihrem Landesverband delegierter Studenten und Studentinnen beteiligen konnen, sind die SAS-Rennenallen (männlichen)Studenten und Alt-Akademikern offen, die in drei Kategorien starten: Akademiker bis z u m zurückgelegten 26. Altersjahr, Akademiker bis zum zurückgelegten 32. Altersjahr, Akademiker uber dem 32. Altersjahr. Die nachfolgenden Ski-Resultate der Weltwinterspiele und SAS-Rennen, f ü r die ein und dasselbe Rennen maßgebend war, in%-.,_^^^ jeweilen in einer Liste angeführt - unter Angabe verschiedener Rangfolgen für die Wettkämpfer der We1tk.k-V winterspiele und SAS-Rennen. . -L,j.;J;' ,

. .

&',;.;'

ABFAHRT HERREN (7. Februar), KATEGORIE 1 (53 Teilnehmer) Rang

Rang

Name

Land

Adriano Guarnieri Bill Clyde Kurt Eggert Gerard Csik Arnold Kaech G. Parodi-Deiüno Rudolf Schmidseder J. de Senarclens Hellmuth Schmied Bruce Maclaren Xaver Kraisy Prinz Alvaro de OrlBans-Bourbon Dr. Robert Vetter Digby Raeburn Lewis Pugh

Italien Großbritannien , Österreich Ungarn Schweiz Italien Österreich Schweiz Österreich Großbritanniea" Deutschland Spanien Deutschland

We.Uwintcr8piele SAS-Rennen

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7 a. 7 b. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8 a. 8 b. 10. 11. 12. 13. 14. 15.

. i

-

>*2, i '

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,, 4

.

8

.


Rang

Rang

Name

Land

15. 16.

16. 17 a. 17 b. 19. 20. 21. . ' 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

Max Thut Hugo Leubner Norbert Staic Max Müller Ren6 Laforgue Roger Bushel1 Sigmund Guttormsen Walter Bußmann Siegfried Huber Ljublian Music Franz Maechler Hans Gansmüller Werner Miller Toni Engerisser Mario Guarnieri Fritz Dehmel

Schweiz Österreich Österreich Schweiz Frankreich Großbritannien Norwegen Schweiz Italien Yugoslavien Deutschland Österreich Österreich Österreich Italien Deutschland

Weltwinterspiele SAS-Rennen

17. 18. 19. 20.

.

21. 22. 23. 24. 25. 26. 27.

Zeit

11. PAS-RENNEN, KATEGORIE 2 ( 5 Teilnehmer)

1. 2. 3.

Richard Suitner Dr. W. Sterz Max Glaser

Österreich Österreich Schweiz

11. SAP-BENNEN, KATEGORIE 3

P

'

,

I

r

Fred Brun Vincenzo Laporta George Meidinger

1. 2. 3.

3 '

i

Schweiz Italien Schweiz

A B F A ~ R TDAMEN (7. Februar) '

llA

Rang 1.

1

'

Name Christ1 Cranz Elfriede Pembaur Herta Rosmini Elisabeth Jaeger

7 -.

- . C

3. 4.

Land Deutschland Österreich Österreich Schweiz

Zeit 4.26.6 5.56.4 5.58.8 6.28.4

SLALOM HERREN (9. Februar), KATEGORIE 1 (34 Teilnehmer)

Rang

Rang

Name

Land

Lau! I

WeU~c<a~nterspie& SAS-Rennen

1. 2. 3. 4.

12. 13. 14. 15.

.

1. 2. 3. 4.

14. 15. 16. 17.

Rudolf Schmidseder Österreich Dr. Robert Vetter Deutschland Graf Ladislaw Szapary Ungarn Victor Streiff Schweiz Kurt Eggert Österreich Bill Clyde Großbritannien Norbert Staic Österreich Adriano Guarnieri Italien Jacques de Senarclens Schweiz Digby Raeburn Großbritannien Hubert Heim Yugoslavien Bruce Maclaren Großbritannien Walter Dellekarth Österreich Hans Gansmüller Österreich Prinz Alvaro de Orleans-BourbonSpanien E.T.H. Zch. Gerardo Parodi-Delfin0 Italien Arnold Kaech Schweiz

59.8 62.2 62.6 64.1

71.7 74.2 74.8 69.7

11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 2 (4 Teilnehmer) 1. 2. 3.

Richard Suitner Dr. Walter Sterz Max Glaser

Österreich Österreich Schweiz

77.4 79.0 85.7

70.8 72.1 75.2

148.2 151.1 160.9

U*?

L ;*"'


11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 3

Rang

Name

Land

Fred Brun

1.

Schweiz

'Lauf I 84.7

Lauf 11 Zuuchl 83.8

l'otal 168.5

SLALOM DAMEN (9. Februar) ( 5 Teilnehmerinnen) Christ1 Cranz Elfriede Pembaur

1. 2.

Deutschland Österreich

KOMBINATION ABFAHRT-SLALOM HERREN, KATEGORIE 1 (29 Teilnehmer) Rang

Rang

Name

Weltwin- SASterwspiele Rennen 1. 1.

Land

Bill Clyde Adriano Guarnieri Kurt Eggert R. Schmidseder Dr. Roh. Vetter Js. Senarclens Bruce Maclaren Norbert Staic Digby Raeburn Del6no Parodi Arnold Kaech Prinz Alvaro de Orleans-Bourbon H. Schmied Hans Gansmüller Max Müller

Großbritannien Italien Österreich Östgrreich Deutschland Schweiz Großbritannien Österreich Großbritannien Italien Schweiz Spanien Österreich Österreich Schweiz

Abfahrt

Slalom

99.38

95.68

100.00 84.67

100.00 98.09 92.10

100.00 74.80

100.00 81.64

Total

11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 2 (4 Teilnehmer)

Richard Suitner Dr. Walter Sterz Max Glaser

1. 2.

3.

Österreich Österreich Schweiz

: 93.37

11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 3

Fred Brun

1.

Schweiz

KOMBINATION ABFAHRT-SLALOM DAMEN (4 Teilnehmerinnen) Christ1 Cranz Elfriede Pembaur

1. 2.

Deutschland Österreich

16-KM-LANGLAUF (5. Februar), KATEGORIE 1 (46 Teilnehmer) Rang

Rang

Name

Land

Weltwinterspiele SAS-Rennen

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.

1. 2. 3. 4.

5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.

X. Kraisy G. Schepe G. de Antoni R. Söhmisch H. Dendl K. Putterlik M. Bonicchi E. Roeßner G. Holzner H. Schmied L. Baebler V. Castelli

Deutschland Deutschland Italien Deutschland Deutschland Tschechoslowakei Italien Österreich Italien Österreich Yugoslavien Italien L

.r

-

200.00 156.44


Momenlbild aus dem Anglo-Swiss St. Morz'tz. Photo: Dr. Walter Amstul

Rang Rang Wt?UWinterspieZe SAS-Rennen 13. 14. 13. 15. 15. 16. 16. 17. * 17. 18. 19. 18. 20. 19. 21. 22 a. 20 E. 20 b. 22 b. 22. 24. 25.

Name

Land

E. di Francesco L. Müller W. Dellekarth S. Guttormsen T. Decman A. Gallina M. Gerbolini R. Strüby M. Gledkiewioz A. Kaech N. Staic A. Leubner H. Gansrnüller

Italien Deutschland Österreich Norwegen Yugoslavien Italien Italien Schweiz Polen Schweiz Deutschland Österreich Österreich

11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 2 1.

horg

V.

Kaufmann

Deutschland

;-I

1.28.08

(beste Tageszeit) Dr. Walter Sterz Richard Suitner SPEZIAL-SPRUNG (10. Februar Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

- Olympia-Schanze), KATEGORIE

Name

Land

Sigmund Guttormsen F. Farup F. Dehmel Franz Mächler L. Baebler F. Palme Werner Miller

Norwegen Norwegen Deutschland Deutschland Yugoslavien Yugoslavien Österreich

I

1 (21 Teilnehmer)

Note

$4

& -3

1.37.54 1.45.34

Österreich Österreich

1. Spmng 2. Sprung Meter Meter 55 53 51 44 44 44 40

54,5 56 56 55 54 52 45

U

<4

;-.%

.

h > d


Rang

Name B. Meier Hermann Dendel Kare1 Pokorny

8. 9. 10.

Land

Note

Österreich Deutschland Tschechoslowakei

166.10 165.00 163.30

1 . Sprung Meter 36 45 39

2. Sprung M&er 51 45 45

11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 2 (3 Teilnehmer)

G. V. Kaufmann J. Leegard

Deutschland Großbritannien

KOMBINATION LANGLAUF-SPRUNG (Sprung: Julier-Schanze, 8.Feb.), KATEGORIE 1 (20 Teilnehmer)

Rang Weltwin-

terspiek

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

240.00 232.50 208.50 220.50 208.50 215.25 213.00 208.50 204.00 184.50

Sprunglauf Note 192.00 192.00 211.10 196.90 205.50 193.60 191.90 193.30 197.16 212.80

CfesamtNote 439.00 424.50 419.60 417.40 414.00 408.85 404.90 401.80 401.16 397.30

193.50 159.00

176.10 185.20

369.60 344.20

Name

Land

Langlauf Note

G. Sohepe A. Dendel W. Dellekarth G. Holzner 8. Guttormsen H. Schmied Leo Müller T. Decman M. Glodkiewicz Fr. Farup

Deutschland Deutschland Österreich Italien Norwegen Österreich Deutschland Yugoslavien Polen Norwegen

SASRennen

11. SAS-RENNEN, KATEGORIE 2 ( 3 Teilnehmer) 1. 2.

Dr. W. Sterz R. Suitner

Österreich Österreich

STAFFELLAUF (8. Februar)

Einzelne Durchgangs- und Laufzeiten a) 1.12. Staffel 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

(Station Corviglia)

Italien Schweiz Österreich Deutschland Yugoslavien Tschechoslowakei Frankreich SAS Zürich

b) 2.13. Staffel 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. C)

s

(Station Corviglia) Deutschland Italien Schweiz Österreich Tschechoslowakei Yugoslavien SAS Ziirich Frankreich

Holzner Macheret Leubner Söhmisch Baebler Cabelka Artru Guttormsen

3.14. Staffel (Station Corviglia) 1. Italien 2. Deutschland 3. Österreich 4. Schweiz 5. Tschechoslowakei 6. Yugoslavien 7. SAS Zurich 8. Frankreich

220

Müller Bonicchi BBbi6 Gansmüller Putterlik Music Bußmann Latarjet

Castelli Schepe Schmied Jöhr Pokorny Priversek Farup Lafforgue Der JulierpaP ina Winter. Ho8piz und PaPhöhe, Flugzeugaufnahnae Dr. W a h r Amstutx:


'd) 4./$.9g~ffeE (FUDTC$Q Sd&&in) 1,

2.

3. 4. 6. 6.

IhIien Deutwhhnd dohw@in: Öahmieh Tacbwh~~ilowaktu

de Antoni Kraisy Strüby Roeßner Vanicek Decman Bourdeix Gloersen

Y~I&vien

7.

Franiwaieh

$.

SAS Z W h

Laufzeit 25.19 24.50 25.40 27.19 28.38 27.14 29.22 33.02

Guarnieri Dr. Vetter Schmidseder Kaech Chodak Heim Müller Charmot

1. 2. 3. 8,

Italien DeuBwi11wd &&adeb %hweiz

2.15.57,B 2.lß.BQ,$ 2.20,03,2 2.ZQ.16,O

5. Tychach&lowaksi 6. Yugwisvh 7. H o c b h u l e ~(SAS)Ziirich* 8. F r d a

2.23.27,4 2.%4.18,6 2.M. O@,O 2.36.50,O


.

NATIONEN-KLASSEMENT

P

1. Abfahrt 1. Großbritannien

2.

Italien

3.

Schweiz

4.

Österreich

.

Deutschland

.

Frankreich

2. Langlauf 1. Deutschland

Clyde Maclaren Raeburn Guarnieri Parodi Huber Kaech de Senarclens Thut Schmidseder Schmied Leubner Kraisy Vetter Dehmel Lafforgue Manaud

Total Kraisy Schepe Söhmisch


Std./Min./Sek. 2.

Italien

3.

Österreich

4.

Yugoslavien

5.

Tscheohoslowakei

6.

Schweiz

7.

Norwegen

3. Slalom 1. Großbritannien

2.

Österreich

3.

Schweiz

4.

Italien

5.

Deutschland

de Antoni Bonicchi Holzner Roeßner Schmied Dellekarth Baebler Decman Priversek Putterlik Vanicek Chodak Strüby Kaech B6bi6 Guttormsen Farup Holte Clyde Raeburn Maclaren Schmidseder Dellekarth Gansmüller Strei£f De Senarclens Kaech Guarnieri Parodi-Delfino Huber Dr. Vetter Mäohler Dehmel

.

Großbritannien

2.

Italien

3.

Österreich

4.

Schweiz " ? .

5.

Deutschland

5.18.37

Zeit

Total

I<

4.46.58

*,

195.06 181.74 180.10 193.83 178.70 166.03 191.91 174.61 171.50 182.61 178.07 169.83 188.48 160.24 158.66

il

*-

6.43.9

Punkte Clyde Maclaren Raeburn Guarnieri Parodi Huber Schmidseder Schmied Gansmider de Senarclens Kaech Muller Dr. Vetter Mäohler Kraisy

i

:

130.3 136.4 137.2 124.7 139.5 140.2 128.4 136.3 146.8 132.9 145.6 151.6 125.2 161.9 168.5

4. Kombination Abfahrt/Slalom 1.

Total

1.33.20 1.36.43 1.36.55 1.36.47 1.37.56 1.39.22 1.38.07 1.39.33 1.44.51 1.34.17 1.43.28 1.45.39 1.40.14 1.40.48 1.44.37 1.39.26 1.45.01 1.54.10

Total

556.90

538.56

538.02 I

J,<

530.51 '

'

507.38

5. Kombination Langlauf /Spmng 1.

2.

Deutschland Schepe Dendel Müller Österreich Dellekarth Schmied Meier

Punkte 432.00 424.50 404.90 419.60 408.85 367.10

Total Italien 1261.40 Yugoslavien 1195.55

Holzner Bonicohi de Antoni Decman Baebler Palme

Punkte 417.40 385.10 379.90 401.80 391.50 380.30

Total

1182.40

1173.60

'

V

---. j.


6. Staffel 1. Italien 2. Deutschland. 3. Österreich 4. Schweiz

Std. /Min. /Sek. 2,15.57,8 2,16.33,2 2.20.03,2 2.20.15,O

5. Tschechoslowakei 6. Yugoslavien 7. Frankreich

7. Spezial-Sprung 1.

Norwegen

2.

Deutschland

3.

Österreich

Std./Min./Sek. 2.23.27,4 2.24.18,6 2.35.50,O

Note 204.90 204.00 158.60 186.70 184.70 165.00 166.70 166.10 160.60

Guttormscn Farup Klaveneß Dehmel Mächler Dendel Miller Meier Stix

Total

NATIONEN-PUNKTKLASSEMENT HERREN AUS ALLEN SKI-DISZIPLINEN

Deutschland Italien Österreich England Schweiz Norwegen Ungarn Tschechoslowakei Yugoslavien

Staffel 10 12 8 6 --

Abfahrt

Slalom 5 1 6 2 3 -

Kornb. Abfahrt Komb.Langlauf Slalom Langlauf Sprung Sprung 14 11 7 3 5 6 3 -0 4 ..2 2 11 P

11. SAS-RENNEN VIERERKOMBINATION

KATEGORIE 1

Rang 1. 2. 3. 4. 5.

Name W . Dellekarth H. Schmid F. Dehmel W. Bußmann N. Staic

Land Österreich Österreich Deutschland Schweiz Österreich

KATEGORIE 2 1. 2.

Dr. W. Sterz R. Suitner

Österreich Österreich

Anglo-Swiss-Stimmung

Abfahrt 15.21 0 12.82 8.25 5.21

Slalom 3.68 8.18 16.64 26.55 0

Langlauf 4.39 0 31.02 32.04 8.77

Sprung 28.90 46.40 38.20 56.30 146.00

Total 52.18 54.58 98.68 123.14 159.98


WANDERPREISE DER SAS-RENNEN Wanderbecher von Dr. B. Rüfenacht,dem Sieger in der Kombination AbjahrtlSlalom :Bill Clyde (Großbritannien). Dr. Henry Hoek-Wanderbecher, dem Sieger im Langlauf: G. von Kaufmann (München). von Stockar-Wanderbecher, dem Sieger in der Abfahrt: Adriano Guarnieri (Italien). Wanderbecher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, dem Sieger im Sprung : Sigmund Guttonnsen (Norwegen). Wanderpreis der ,,Vereinigung zur Förderung des Skilaufes", dem Sieger irn Slalom :Rudolf Schmidseder (Graz). ,,Delago"-Wanderpreis, dem Sieger in der Kombination Langlccuj/Sprung : Gerhard Schepe (Deutschland). Wanderpreis von Dr. M. H. Schneebeli, dem Sieger in der Viererkombination :W. Dellekarth (Österreich). Wanderpreis von W. Bonomo, dem Sieger im Staffellauf: Italien.

AKADEMISCHE WELTMEISTER

FUR

1935136

Ski-Abfahrt :

ADRIANO GUARNlERl ITALIEN Slalom :

RUDOLF S C H M I D S E D E R ÖSTERREICH Kombination Abfahrt/Slalom :

BILL CLYDE ENGLAND Langlauf:

XAVER K R A I S Y D E U T S C H L A N D Sprung :

S I G M U N D GUTTORMSEN NORWEGEN

.

Kombination Langlauf /Sprung :

QERHARD SCHEPE DEUTSCHLAND Staffellauf:

I T A L I E N : H O L Z N E R , B O N I C C H I , CASTELLI, D E ANTONI, G U A R N l E R l

AKADEMISCHE WELTMEISTERINNEN

FUR

Ski-Abfahrt :

CHRISTL CRANZ DEUTSCHLAND Slalom :

CHRISTL CRANZ DEUTSCHLAND Kombination Abfahrt /Slalom:

CHRISTL CRANZ DEUTSCHLAND

1935136


3. W I N T E R M E I S T E R S C H A F T E N D E R

UNIVERSITHT B E R N

G R I N D E L W A L D 15,116.117. FEBRUAR 1 9 3 5 Von Werner Grob, SAH, Grindelwald

i.

B!,....

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8 .

.

Dieses Jahr mußten die Berner Studenten wegen anderweitiger Inanspruchnahme ihrer Kommilitonen aus Basel und Genf auf den üblich mit den Meisterschaften zusammen ausgetragenen Triangularmatch verzichten. Dafür entsandte die Universität Lausanne erstmals eine Vertretung ins Gletscherdorf, die sich gegen die Übermacht der Berner recht gut zur Geltung brachte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Lausanner auch nächstes Jahr wieder mitmachen werden (wobei die Umbenennung des von vier Universitäten beschickten Triangularmatchs die Sport-Philologen interessieren dürfte). Trotz ihres verhältnismäßig kurzen Bestehens sind die Bernischen Winterhochschulmeisterschaften (kurz BWHM, sprich Bewehaäm !) in Berner Studentenkreisen bereits sehr gut eingeführt und bedeuten ein richtiges Studentenfest im Schnee. Diesem Umstande trug übrigens auch der Senat der Universität Rechnung, indem er einen Vertreter an die Rennen delegierte, dessen Ansprache anläßlich der Preisverteilung lebhaften Beifall fand. Die Startliste wies gegen 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf, ein Beweis dafür, wie mit solchen Anlässen bei gutem Zusammenwirken zwischen den Akademischen Sportkommissionen und den Sektionen des SAS große propagandistische Breitenarbeit geleistet werden kann. Die Rennen begannen am Preitagnachmittag mit einem Langlauf. E r führte bei einer Länge von 12 km in aDwechslungsreichem Gelände über eine Höhendifferenz von 300 m. Auch a n der Universität Bern sind die Langläufer dünn gesät. Letztes Jahr konkurrierten 7, diesmal 9 Studenten. Dieses magere Meldungsergebnis ist eigentlich verwunderlich, wenn man weiß, daß die Berner Hochschule im Sommer über verhältnismäßig zahlreiche und qualifizierte Crosscountryläufer verfügt. Für den SAS Bern liegt hier die lockende Aufgabe vor^ diesen Athleten den Übergang zum winterlichen Querfeldein auf Skiern mundgerecht zu machen. Sieger des Langlaufes wurde Gerold Albrecht, SAS, in der Zeit von 1.07.12, mit einer knappen Minute Voi Sprung auf Werner Jöhr. Überraschenderweise vermochte der Halleriailer Jakob Wüest, Präsident der Studer tenschaft der Universität Bern, den sehr schön laufenden Willi Steffen noch auf den 4. Platz zu verweiser Bravo Herr Präsident ! Das Abfahrtmennen sah zum ersten Male zwei verschiedene Leistungsklassen am Start. Den bisher noch nicht hervorgetretenen Abfahrern wurde Gelegenheit gegeben, in einer B-Klasse über eine Strecke zu gehen, die erst unterhalb von Mac's Leap begann. Auch den Damen wurde diese einfachere Aufgabe vorgesetzt. Die A-Klasse startete auf der üblichen Tschuggenglade-Strecke bei der Bärhaghütte. Leider erlaubten es die Schneeverhältnisse nicht, den Start am normalen Punkt anzusetzen, der Schuß nach der Hütte wurde bei dem herrschenden perfiden Bruchharsch zu gefährlich. Die Strecke wurde daher etwa 100 Meter kürzer genommen, war aber unter den gegebenen Verhältnissen immer noch sehr schwer. Es spricht für die ständige Verbesserung des Leistungsstandards, daß bei Zurechnung einer Mehrzeit von zirka 15 Sekunden ein Vergleich mit dem Vorjahre, wo fast ideale Verhältnisse herrschten, für die erste Hälfte der Konkurrenten nahezu die gleichen Zeiten ergibt. Das Rennen endete mit einer großen Überraschung. Erstmals seit Austragung der BWHM stellte der SAS nicht den Sieger. Unser bester Mann, Kaech, wurde vom AACB-ler Rudolf Gallati mit 8 Sekunden knapp, aber deutlich geschlagen; auch der zweitbeste SAS-Fahrer, Herbert Lindlar, wurde mit einer halben Minute Abstand auf den Sieger erst Vierter. Der erste Lausanner, Francioli, kam in den 6. Rang. Das Rennen der B-Klasse ergab Leon Rod als Sieger, der mit 4 . 0 6 . 0 eine gute Zeit erreichte. Bei den Damen konnte nur das Resultat von Frl. Schaffner ( 4 . 1 1 . 0 )befriedigen.

Sonntagvormittag : Staffellauf. Eine durch große Schneefälle bedingte vorübergehende Betriebseinstellung der Wengernalpbahn auf der Strecke Alpiglen-Scheidegg machte es leider unmöglich, den Staffellauf über die Standardstrecke Kleine Scheidegg-Boden-Lütschinenschlucht-Oberer Gletscher-Bahnhofplatz gehen zu lassen. Das erste Teilstück führte deshalb von Alpiglen auf dem neuausgehauenen Abfahrtsweg Mettlengraben-Bidemmiider nach BobStart, von wo die zweite Staffel in kupiertem Gelände nach dem Boden führte. Von hier aus wurde das traditionelle Trassee benützt. Die Läufer der Universitätsmannschaft Bern stellten mit einer Ausnahme auf allen Teilstrecken die Bestzeit auf und brachten eine beste Tagesleistung von 1.32.25 heraus. Das Lausanner Team brauchte 3 Min. 15 Sek. mehr. Von den Verbindungsmannschaften wurde die Halleriana mit 2 Minuten Vorsprung auf die Vorkliniker Siegerin und damit Staffelmeister. Wie üblich startete der SAS im Staffellauf nicht, sondern ließ seine Mitglieder für die Universitäts- und Verbindungsmannschaften frei. I n der Aufstellung Kaech-Lüthi-Albrecht-Mischon-Steffen wäre eine SAS-Equipe für die Tagesbestzeit gut gewesen.


1

Ausoliek von der Marmolata gegen Norden: Langkofel, Stubai- und Oetataleralpen

'

Photo: G. Qhedina

I

Die Beteiligung von 10 Mannschaften mit 58 Läufern (die Hochschulmannschaften bestanden aus 5 Mann, die Verbindungen stellten je B Läufer) ist sehr erfreulich, besonders wenn berücksichtigt wird, daß es sich um Verbindungen und andere studentische Organisationen handelt, bei denen die Pflege des Skisports bis vor kurzem nicht im Tätigkeitsprogramm stand.

1 1

I

I

Der Sonntagnachmittag sah mit dem Slalom das endgültige Begräbnis von Hoffnungen auf einen dritten bernischen Hochschulmeister aus dem SAS. Kaeoh brauchte im ersten Lauf 12 Sekunden mehr als der Abfahrtssieger Gallati. Sein zweiter Lauf mit Bestzeit zeigt ihn erst wieder von der alten Seite. Aber es ist zu spät. Der AACB-Zer Rudolf Cfallati siegt auch im Slalom und wird mit 200 Punkten bernischer Hochschulmeister 1936. Lindlar rettet, was zu retten war: mit zwei ausgeglichenen und zuverlässigen Fahrten wird er Zweiter. Kaech folgt auf dem dritten und W. Lüthi auf dem fünften Platz, zwischen den beiden Lausannern Gabus und Francioli. Der Sieger der Kategorie B, Tschachtli, fährt ansprechend. Er käme in Kategorie A auf den 8. Platz. Frl. Schaffner ist einzige Studentin. Ihre Zeit von 103.4 ist gut. Für manchen SAS-ler bedeutete diese Niederlage unserer Vertreter vielleicht eine Enttäuschung. Wir diirfen aber erstens nicht vergessen, daß im Gegensatz zu den andern Sektionen die Sektion Bern nicht alle sehr guten Skifahrer der Universität als Mitglieder zählt und daß, wie schon erwähnt, die andern studentischen Organisationen sich der Pflege des Skisports in starkem Maße angenommen haben, zweitens aber wollen wir uns darüber klar sein, daß man sich von solchen Individualleistungen, seien es nun Niederlagen oder Siege, niemals zu stark beeindrucken lasse11 darf. Die Tatsache aber, daß es in Anwesenheit unserer besten Fahrer Nicht-SAS-lern gelingt, zu siegen oder doch sehr gute Plätze zu belegen, ist uns ein Beweis dafür, daß wir durch diese Rennen auf dem richtigenwege sind, den Hauptzweck unseres Klubs zu verwirklichen: die Förderung des Skifahrens unter den Studenten. Dem bernisohen Hochschulmeister 1935 und seinem Klub, dem AACB, müssen wir aber von Herzen gratulieren. Gallati ist einer jener Tourenfahrer (der Meiaterschaftsslalom war der erste Slalom seines Lebens), die zum Glück von Zeit zu Zeit auftauchen, um zu beweisen, daß das bequeme Bergbahn-Downhill-Onlynicht die alleinseligmachende Rennvorbereitung ist.

2 -

$ 5


Photo: L. Trenker

RESULTATE LANGLAUF (12 km Länge, 300 m Höhendifferenz) Rung 1. 2. 3. 4. 5.

Name Albrecht Gerold Jöhr Werner Wüst Jakob Steffen Willi Grandjean Etienne

Zeit 1.07.12 1.08.06 1.10.46 1.11.40 1.16.43

Rang 6. 7. 8. 9.

Name Rod Leon Kilcher Jul. Stähli Walter Ryser Alfred

Zeit 1.21.31 1.22.19 1.24.34 1.27.31

:

ABFAHRTSRENNEN K a t e g o r i e A (Länge der Strecke 3,9 km, Höhendifferenz 840 m, 37 Startende) Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

Name Gallati Rudolf Kaech Arnold Ludwig Luoien Lindlar Herbert Hansen Paul Francioli, Lausanne Spörri Eugen Soheidegger Erwin

Zeit 5.19.6 5.27.2 5.48.2 5.49.2 6.21.6 6.24.0 6.30.0 6.31.0

Rang 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15.

Name Steffen Willi Lüthi Walter Grandjean Etienno Baumgmtner Walter Althaus Willi Collet Albert Muriset Ren6

K a t e g o r i e B (Länge der Strecke 2,4 km, Höhendifferenz 450 m, 10 Startende) 1. 2.

Rod Leon Tsohachtli Bernharcl

4.06.0 4.43.0

Meier Hans

Zeit 6.44.4 6.45.2 6.48.0 6.55.6 7.05.6 7.08.8 7.15.0

.'


K a t e g o r i e C. D a m e n (Strecke wie Kategorie B, 4 Startende)

1.

Schaffner Hedi

4.11.0

2.

. Böhringer M. L.

6.57.0

STAFFELLAUF a ) Universitätsmannschaften

Rang Mannschccft Staffelzeit Laufzeit Endzeit 1. Universität Bern Kaech Arnold 9.14 9.14 Spörri Eugen 9.27 18.41 Jöhr Werner 21.51 40.32 Mischoii G. 16.06 Mischon G. 17.42 74.20 18.05 92.25 1.32.25 Steffen Willi

Rang Mannschaft Staf felzeit 2. UnivercGtät Lausanne Borter 10.34 Francioli 9.51 Gabus 23.41 Blötzer 15.40 Blötzer 16.39 de Courten 19.15

Laujzeit Endzeit 10.34 20.25 44.06 76.25 95,40

1.35.40.

-

b) Bernische Hochschulmeisterschaft 1.

3. 4. 5.

%irL ..>

HaWeriana, bern. Hochschulmeister Staffellauf 1935 Hansen Paul 10.45 10.45 Liechti Fritz 11.27 22.12 Burri Otto 22.22 44.34 Ryser Alfred 16.49 61.23 Wuest Jakob 16.57 78.20 Meyer Hans 21.23 99.43 1.39.43

2.

Akademischer Alpenklub Bem Singstdenten H~lvetiaI

6. 7. 8.

1.41.56 1.45.10 1.47.00

t.

a

Vorkliniker Scheidegger E. Kiegler Walter Grandjean Etienne Schaad Hans Nencki Leon Althaus Peter

'1

12.08 12.08 10.22 22.30 23.37 46.07 17.35 63.42 18.23 82.05 19.36 101.41

.I

1.41.41

Renaissance Klinikerverband HelvetM II

Gewinner des Vaucher-Wanderpreises : Halleriana SLALOM Kategorie A

Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6.

Name Gallati Rudolf Lindlar Herbert Kaech Arnold Gabus Maurice, Lausanne Lüthi Walter Francioli, Lausanne

1. Lauf 35.8 42.6 48.0 46.3 47.7 48.0

Strafpunkte P

-

2. Lauf 42.2 40.1 36.2 40.1 39.9 40.8

Strafpunkte P

-

Total 78.0 82.7 84.2 86.4 87.6 88.8

Kategorie B 1.

Tschachtli Bernhard

K a t e g o r i e C, D a m e n 1.

Schaffner Hedi

KOMBINATION ABFAHRT-SLALOM Kategorie A

Kategorie B

Rang Name Abfahrt Slalom 1. Gallati Rudolf 100.00 100.00 97.70 2. Kaech h o l d 92.64 3. Lindlar Herbert 91.54 94.32 4. Ludwig Lucien 91.81 85.35 5. Francioli, Lausanne 83.24 87.84 6. Lüthi Walter 78.89 89.40

Total 200.00 190.34 185.86 177.16 171.08 168.29

Rang Name Abfa7wt Slalom Total 1. Tschachtli Bernhard 86.94 100.00 186.94 Kategorie C, D a m e n 1. Schaffner Hedi 100.00

Bernischer Hochschul-Skimeister 1935: Rudolf Gallati

100.00

200.00

.'

'


F I S - R E P O R T A G E A U S MURREN, 22.-25.

F E B R U A R 1935

V o n Othmar Qurtner, S A H , Zürich Der Abdruck der nachstehenden FIS-Reportage aus dem ,,Sport" sei an dieser Stelle verdankt. Schriftleitung.

Prolog: I n den vier Jahren, die seit der erstmaligen Abhaltung der FIS-Rennen in Mürren verstrichen sind, hat der Skisport eine beispiellose Entwicklung durchgemacht. Zu Hunderttausenden sind die schnellen, wendigen Skifahrer aus dem Boden gewachsen, i n allen Ländern Europas hat sich das Können der besten Rennfahrer gehoben; wo damals noch mit Messing- und Stahlkanten auszukommen war, müßte man heute eigentlich Diamantkanten verwenden, wo ein Federzug genügte, um den Ski am Fuß zu halten, müßte eigentlich jetzt der Schuh aufs Holz geschraubt werden und die allgemeine Auffassung von der Harmlosigkeit jeder Strecke ist so ausgeprägt geworden, da8 sich die großen Sterne am Rennfahrerhimmel emsiger über die Abgründe jagen, als ein Kometenschwarm am Nachthimmel. Tollkühnheit grenzt heute an Todesverachtung, aus dem einstigen geliebten Favoriten ist heute eine Nummer geworden, die eigentlich nur noch für den Totalisator oder für das Nervenfutter der Öffentlichkeit taugt. Naht die Zeit, da der Staat seine künftigen FIS-Leute vom Schoß der Mutter weg in die Trainingsanstalt holt, weil im Skisieg das Heil des Volkes, der Freibrief der Heldennation erblickt zu werden h a t ? Mürren hat an diesem steilen Aufstieg zum Irrsinn brav und recht mitgewirkt, indem sein durch und durch dem Abfahrtssport hingegebenes Herz die Begeisterung der Zehntelssekunde immer und immer wieder gewaltig spürte und zu spüren gab; als Brutanstalt der härtesten Fahrtechnik und als Versuchsstation für die ausgekochtesten Slalomkniffe, hat Mürren in all den Jahren stets vorwärts gestrebt. Glücklicherweise hat die enge Einzäumung der Slalompisten, Testhänge und Säuglingswiesen den alten guten Geist nicht erwürgt, der von jeher über Wald und Port wachte und aus dem schließlich die weit über den Namen dieses kleinen Bergdorfes um sich greifende Berühmtheit des wahren Skifahrens erwuchs. Das ist der Geist der wagemutigen Entfesselung des Menschen, die Kameradschaft der Kühnen, ein Freimaurertum aus Blut und Schnee. Wohl dem Lande, das den Ursprung solcher welteroberndeu Bewegung rein zu halten weiß ; wohl dem Mürren, das immer wieder ein Fuder Schnee auf seine Rennpisten bekommt, damit die alten Gesellen ihre Waldschlüpfe und Schleichwege bisweilen wieder im Zustand der jungfräulichen Reinheit vorfinden können, die dem Skisport dieser Gegend vor einem Vierteljahrhundert Reiz und Befriedigung gab. Voller Freude bin ich nach Mürren gefahren, u m alle die erinnerungsreiclien Pörter, Gräben, Waldschueisen und Gräts wieder zu sehen und manchem alten Freunde die Hand zu schütteln. Auftakt im pfeifenden S t u r m

Mürren Palace, den 22. Februar

Da stehen wir also wieder wie vor vier Jahren auf dem windüberpfiffenen Allmendhubel. Aus vollen Backen wird hier geblasen. Die Windstöße fegen den harten Hang, wirbeln aufgedrehte Schneetiirme in der allgemeinen Schußrichtung. Wenn man oben auf dem Hügel mit einem der zahlreich eintreffenden Skikorsaren plaudern will, muß man sich in den Wind lehnen und die Ski verkanten, weil man sonst zum Segelschlitten wird. Walter Amstutz schiebt sich in die schlotternde Zuschauerreihe, lüftet sein Visier und schreit mir ins Ohr: „Hie chamu numen nidsi prichten!" So ist es, und weil die über den Bergen herumfliegenden Wolkenfetzen sich immer garstiger zu uns herab bücken, kommt keine richtige Stimmung in das kleine Heerlager der Freunde, Betreuer und Daumenhalter, die jetzt hier Spalier stehen, um das dreiunddreißigköpfige Damenfeld im Slalom zu sehen. Godi Michel hat mit hübsch gestrichenen Latten einen sehr wechselvollen Lauf ausgesteckt. Lotte Baader hat das Pech, nach einem sehr guten ersten Lauf, im zweiten Lauf ein Tor auszulassen. Helene Zingg, die an Stelle der fieberverfolgten Niny von Arx startet, ist noch nicht fit; sie karamboliert im langen Rückenschuß mit Zaunpflöcken und kann sich motz wesentlich besserem zweiten Lauf nicht für die Schweiz placieren. Christ1 Cranz gibt den ganzen Seelos heraus, der in ihr steckt; im ersten Lauf hält sie die Bestzeit, verliert im zweiten Lauf in wildem Sturmgebraus kurz vor dem Ziel durch eine augenblickliche Schwäche ein paar Sekunden, die auf Konto Rüegg dankbar gutgeschrieben werden. Der Lisa Resch passiert auf dem Rücken aus mächtigem Schuß ein zeitraubender Sturz, sie landet als Schlußperle der deutschen Kette. Turid Jespersen ist sehr gleichmäßig und erstaunlich slalomtüchtig; hübsch ist der außerhalb der Menschenpalisaden mithuschende Schatten eines Norskers, der jede Phase dieses Polarsterns erleben will. Elvira Osirnig ist sehr gut, absolut gleichmäßig, für die Schweiz das Nä11 im Spiel. Nun die immer besser fahrende Anny Rüegg: sie hat seit letztem Jahr unglaublich Stil gewonnen; diese genau geführten Skier, diese berechnet durch die Tore gedrehten Schwünge - sie fährt, abgesehen von einem kleinen Geplänkel mit einer Torlatte, ein ganz hervorragendes Rennen, das ihr irn zweiten Lauf die absolute Bestzeit einbringt und das schon besprochene Telegramm an Mutter Germania hinfällig macht. Hady Pfeiffer ist genau, wie es ihr angedrillt worden ist, doch die Trägerin der fliegenden Zöpfe, die Käte Grasegger, hat noch mehr Seelos geschluckt und ihre beiden Läufe sind von wunderbarer Gelassenheit und Präzision. Rösli Streiff erntet viel Beifall; sie fährt mit eingebundenem Knöchel trotz eines Trainingsunfalls und das noch dazu sehr sicher und auch schnell. Leider hat die holländische Raronin


Miirren - 2%- und Kandahar-Kampfplatz

ausgerechnet heute ihr Röcklein zu Hause gelassen; natürlich rächt sich das mit unvorteilhaften Stürzen, ja sogar mit einer abgesplitterten Skispitze; aber es geht auch in Knickerbockern und das ist sehr brav, daß sich die Baronin Schimmelpenninck trotzdem durch das ganze Rennen beißt. Lies1 Schwarz holt für Deutschland eine gute Mittelzeit. Marcelle Bühler und Niny Suter tun dasselbe für die Schweiz. Da haben wir nun den großen Zweikampf, der zwischen den Deutschen und den Schweizerinnen vor sich ging, beendet und melden, daß der Slalomsieg schweizerischerseits behalten wurde, während die Kombinationswertung für Deutschland ausfiel. Die beiden Parteien werden also nächstes Jahr in Gmmisch weiter hakeln müssen, um eindeutig heraus zu kommen. Ich habe die Engländerinnen und Amerikanerinnen nicht vergessen und melde, daß Evelyn Pinching die Favoritin Jeanette Keßler ausstach, daß Helen Boughton-Leigh für das USA-Team eine schöne Ehrenrettung vollbrachte, während die anderen Damen, die von Mrs. Pennington persönlich ins Rennen geführt wurden, dem Wind in der Luft und irn Schnee zum Opfer fielen. Auch die Österreicherinnenkonnten nicht sehr gute Plätze in die Rangliste einstreuen, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß wohlbestallte Hausmütter andere Tugenden besser trainieren als ausgerechnet das Slalomfahren. Mürren, 23. Februar Der Morgen des zweiten FIS-Tages weckt die SchlBfer mit Windpmen. Schon vom Hotelfenster aus erscheint die Landschaft in Schleier verhüllt; aber diese Schleier drehen sich zu turmhoch über den Halden wandernden Spiralgestalten und man sieht sogleich, daß der Tagesbefehl aller himmlischen Horden auf schärfste Bet&tigung der Wind und Schnee spendenden Wolkendüsen eingestellt ist. Der gewaltige Angriff der Natur zwingt den Skipapst entweder zur Verschiebung des heutigen Damen-Abfahrtsrennens oder aber zu einer Tieferstellung der Startlatten; droben im winddurchtosten Engpaß unter der Würzelegg sind alle Teufeleien der Windkobolde im Gang, die ,,Hell Fire"-Strecke wird vom Sturm alle Augenblicke gestrählt und wieder aufgerissen, wenn einen der Wind schon im Dorfe in die Schneekapuze zwingt, wie würden erst droben am Berg alle Furien über einen herfallen! Der Startentschluß wird gefaßt und zur festgesetzten Zeit soll das Damenfeld in Fortsetzung der gestrigen Slalom-Wettkämpfe die Skispitzen talwärts wenden, um auf der offiziellen Rennpiste vom Allmend-


hubel-Sattel die ganze untere Region bis hinab auf den Fluhrand zu durchjagen. Mit schlechter Sicht und wechselvoll verblasenem Schnee begann der Tanz um 12.30 Uhr. Wie ist es nun eigentlich zugegangen? Ich habe durch freundliche Beobachter die Augen an drei ganz verschiedenen Stellen der Piste einsetzen kbnnen. Da ist vorerst einmal der fakultative Schuß unter den Startschleifen. Sowohl die Deutschen wie die Schweizerinnen entschlossen sich für diese Wahl und beide zahlten prompt ihren Tribut. Ein Sturz im Übergang zum flachen Talboden mußte die Betroffenen zum Laufen über den ungängigen Boden verdammen, während die Steherinnen durch den enormen Schuß weit hinaus getrieben wurden und sich mit Stockarbeit in Fahrt halten konnten. Bei den Deutschen biß Lotte B a d e r in den Schwimmschnee; aus unserem wackeren Grüpplein griff die Tücke ausgerechnet Anny Rüegg heraus! Glücklicherweise gab es hier aber auch überragende Leistungen, von denen besonders vollendet die Schüsse der Marken Osirnig, Cranz, Keßler und Suter gewesen sein sollen. Die zweite Stichprobe griff das steile Streckenstück vom Wäldchen bis zum Kandahar-Finish heraus. Die Stoppuhr besitzt kein national gefärbtes Rädchen und darum ist es eine objektive Feststellung, daß die Geschwindigkeitenauf dieser von schwer schlagenden, kurzen Wellen gepfefferten Schußstrecke in folgender, abnehmender Reihenfolge lagen: Rüegg, Suter, Pinching und Schwarz, Cranz, Lettner, Keßler, Schimmelpenninck, Osirnig, Resch, Pfeiffer, Grasegger; diese Schüsse boten das wundervolle Bild absoluter Skibeherrschung und hervorragender Standsicherheit. Leider wetzten die scharfen Richtungsänderungenam Kandahar-Finish den führigen Neuschnee von den Harscl. platten und mancher mächtig und übcrzeugend durchgestandene Schuß ging darauf in die Brüche. Doch jetzt kommt das bittere Ende, der schwere Übergang auf das Gimmelwaldsträßchen und der trügerisch ungleichmäßige Schlußhang zum Ziel beim großen Ahorn. Eine fürchterliche Sturzserie raffte manche Hoffnung dahin; die Allerbesten gingen zu Boden und nur Evelyn Pinching, K&te Grasegger, Lies1 Schwarz und die Baronin Schimmelpenninck hielten stand. Leider war durch Rutsche durchfahrender Zuschauer gerade auf der von den Engländerinnen ausgeheckten Fahrlinie ein tiefer Schneewalm angelegt worden, in den die genau zielenden Töchter Albions eine nach der andern hineinschossen,wobei sich zum großen Bedauern aller in Mürren weilenden FIS-Leute Jeanette Keßler einen Fuß brach; sie soll nach inoffizieller Messung die Bestzeit in diesem unglücklichen Sturz begraben haben. Mürren-Palace, 24. Februar Der übliche Morgengruß ist diesmal lautlos. In dichten Fetzen fällt der Schnee auf das erwachende Dorf. Endlich ist der Sturm gebrochen. Nun muß alles besser werden. Der Ausschuß beschließt, an Stelle des Abfahrtsrennens den Slalom anzusetzen. Die Verhältnisse rechtfertigen diesen Beschluß, denn oben am Berg ist noch nicht alles friedlich genug, um Zuschauer und Rennfahrer in die Hänge an der Wizrzelegg hinaufkrabbeln zu lassen. Fizr die Fahrer bringt der Beschluß insofern eine Härte, als die Slalom-Startzeit auf 10.30 Uhr, also zwei Stunden friiher als für das prograrnmgem6ße Abfahrtsrennen, angesetzt ist. Dazu kommt eine VerkehrsStauung auf der Allmendhubelbahn, so daß es für einzelne Fahrer schwer ist, den Slalomhiang so zeitig zu erreichen, daß sie den Parcours in aller Ruhe studieren können. Das wetterbedingte Umdisponieren bringt die Leute immer in Aufregung, und es ist schade, daß man gestern durch Andeutung der Möglichkeit einer Streckenänderung für den Abfahrtslauf die verschiedenen Equipen zum Training auf der verrückten Strecke GrütschLauterbrunnen zwang, um ihnen dann am andern Morgen zu eröffnen, daß es jetzt ein Slalomtag werden müsse. Nun sind ja wohl diese Umstände für jedermann gleich, aber bei einem FIS-Rennen, dessen Aufregungs-Thermometer ohnehin siedeheiß wird, kann durch derartiges die Spannung der zum Reißen beanspruchten Nerven keineswegs gelindert werden. Nun gut; wir sind schließlich alle miteinander auf dem fröhlichen Gupf oben versammelt, wo sich seit Umätarzeiten alle imposanten Slalomläufe Murrens zugetragen haben. Die Hügelkuppe wimmelt von Ski-Ameisen. An den Hängen über dem Allmendhubelsattel lagern Nomadenstämme, und das Bild der im Wind fliegenden Fahnen aller Länder ist auch wieder da. Dr. Walter Amstutz ist Setter. Er setzt die Torlatten in gänzlich neuer Aufmachung in den Hang. Den langen Startschuß trifft er mit fünf weit auseinandergezogenenblinden Toren, kommt alsdann mit einer Knickschneise uber den Sattelknöpfen am Grat steil in ein blindes Tor, das, von einem weitern Blindtor gefolgt, rechts hinausdrängt, um vom Hange her Schuß für die folgenden beiden Haarnadeln zu gewinnen. An dieser Stelle ist der Hang trickig, die gefrorenen Spuren reißen an den Skiern. Es folgt nun ein Paar blinder Tore, die in eine nach rechts weisende Schneise führen, von wo mit Wendung nach links eine höchst einfach aussehende Gruppe von drei Toren zum Ziel durchschossen werden muß. Diese letzte Torgruppe ist so verblüffend gutherzig, daß sich tausend Menschen an den Kopf greifen, als das passiert, was jetzt leider berichtet werden muß: Das Megaphon kundet die Vorläufer an: Marc Hodler, Hans Hauser (durch Zingerle in der österreichischen Mannschaft ersetzt). Fritz Steuri, Ernst Feuz, Fritz von Allmen. Die Piste liegt klar und übersichtlich eingefahren da. Der Start kann beginnen. Und er beginnt mit einem sattelfesten Parcours Arthur Schlatters. Er ist sehr schnell, schmal im Abschwingen und äußerst genau im Schneiden der Tore, aber am Ende dieses hervorragenden Laufes passiert ein unverzeihlicher Fehler: Schlatter läßt das blinde Tor der letzten Dreiergruppe


glatt rmhtra liegen und pfeift mit einer f@beiha£tmZeit duroh die beiden andem Tore ins Ziel h W

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Fa-Zuschauer am Allmendhubel. Photo: DT. Walter Alnstutz

Größte Bewunderung zollte ich Frmcois Vignole und Emile Allais. Wenn ich an den verblichenen Skigeneral Dr. Sandoz denke, der früher die Fäden in der Hand hielt, so grenzt das heutige Resultat der Franzosen an ein wahres Wunder. Es ist großartig, wie die saubere Technik Land um Land erobert. Und in diesem Zusammenhang muß noch eine Einzelheit dran glauben: Birger Ruud fährt heute den ersten Slalom seines Lebens und er fährt ihn so, daß er aus dem stärksten Rennfeld, das die Welt je sah, nur sieben Spezialisten vor sich, aber 40 hinter sich zuruckläßt. Norwegen hat mächtig aufgedreht. Es scheint, die ganze Welt ist im Kommen und der einst so belächelte Slalomzauber wird immer volkstümlicher, die Bedeutung der Fahrkunst neben Laufen und Springen immer eindrücklicher unter Beweis gestellt. Mürren, den 25. Febmm Mein Beobachtungs-Standort ist großartig! Es ist die haushohe Felsklippe dicht über dem Slalomstart, auf der Höhe eines breit gesteckten Kontrolltores, das horizontal im Hange klafft und die Fahrer zwingt, dem verderblichen Felsrand fern zu bleiben. Von oben sehe ich die Fahrer auf der Felsmauer em unteren Ende des Engetals starten, in einem Rechtsbogen müssen sie darauf in den Engpaß einfahren, der wie die Mündung einer Räuberpistole aus den Abruzzen sein Projektil in vollem Schuß in den ersten Steilhang abfeuert; dieser Steilhang wird durch eine flachere Stufe beschlossen, und nun folgt sehr steil und leider äußerst trickreioh verblasen die Wand der großen und breit ausladenden Kehle, die von den Mutthornfelsen herab bis ins Ägertental abfällt. Mitten in dieser Kehle, so nahe, daß ein Schneeballm~rfhinreicht, steckt das erwähnte Kontrolltor. Die Fahrer haben in langem Linksschwung in die enger werdende Kehle hinabzuschießen und dann um den Ausläufer der Felsrippe, auf der ich höher oben stehe, nach rechts abzudrehen, um die Traverse auf den SlalomStarthang und den zum Allrnendsattel niederstreichenden Rücken zu gewinnen. Dieser Rucken selber mündet in ein sonnseitig geneigtes Riesenfeld, dessen besondere Tücke harte Altspuren und steinharter Windharsch sind; am Fuße dieses Hanges steht ein enges Kontrolltor, ein wahres Nadelohr für manchen Fahrer, ohne daß ich damit den biblischen Vergleich auf die Durchschlüpfenden angewendet wissen möchte. Darauf folgt ein Sohuß-,,BordMin den Blumentalboden hinab, auf dem die Fmhrer entschwinden,umin den Waldundzuden unteren Streckenpartien hinüber zu wechseln. Da der oberste Teil der offiziellen FIS-Strecke (Wünelegg-Engpaß) fallen gelassen wurde, stellt der von mir überblickte Streckenteil etwa zwei Drittel der Piste dar. Glücklicherweise sind die Verhältnisse im untersten Drittel, also von dem Wäldchen über dem Kandahar-Finish bis hinab zum großen Ahorn im Schwendiboden, um die Mittagsstunde besser geworden als am Morgen; die Piste ist

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::! nicht mehr so klirrend, die Kanten greifen, und dadurch wird die Gefahr des seitlichen Wediegens und der Verletzung beim Einbruch in den überkrusteten Tiefschnee wesentlich herabgemindert. Wir wollen uns für den Rennverlauf folgende Punkte merken: die Pistolenrnündungganz oben, das erste Steilstuck, die Steilwand der Kehle mit dem Kontrolltor, die trichterartig verengte Kehle zur Traverse hinab und das eisenharte Feld zum Nadelohr hinab. Es ist 12.30 Uhr geworden, der Pistolenhahn knackt, und Glatthard schießt aus der Mündung, kommt gut fort, fährt verhalten und hoch in die Kehle ein, sicher verschwindet er im Trichter und passiert alle Schikanen, bis er mir aus den Augen verschwindet. Kraisy erscheint, nimmt den Schuß in die Kehle hoch, aber schon frecher. Wolfgang schwingt am Rande der Kehlenwand, schießt mit knatternden Skiern direkt auf den Schwungplatz vor dem Kontrolltor; er ist einer der Schnellen, die das Nadelöhr gut finden! Vignole schlägt den ersten Stern in die Kehlenwand. Graf kommt sehr gut; eine gestoppte Zwischenzeit vom Kontrolltor den Trichter hinab bis auf den Gratrücken zeigt ihn als einen der Schnellsten. Seelos geht hoch in die Kehle, sticht scharf auf das Tor und hat natürlich mit seinen parallelen Skiern Leichtigkeit im Abschwingen; in dem Trichter unten holt er aber Mehl an den Ärmel, im Feld über dem Nadelöhr schwingt er schon gegen den Hang und kann in der Mudigkeit den Durchschlupf nicht erzwingen. Pfeifler fährt verhalten, unten immer schneller werdend. Schlatter wird abgeschossen, steht den ersten Hang bravourös, fliegt aber hoch am Kehlenrand, kann sich rasch aufrappeln, ohne groß Zeit zu verlieren. Konningen fiihrt richtig in die Kehle, schneidet aber etwas zu früh und wird durch eine Harschplatte auf den Rücken geworfen, daß es kracht. Das Nadelöhr verfehlt er. Zogg setzt nicht alles auf eine Karte; er hält seine Skier fest in der Gewalt, fährt die Kehlenrundung schön aus und kommt gut durch den Trichter; unten vor dem Nadelöhr haut er ein Riesenloch in die Schneekruste. Birger Ruud geht aus dem ersten Schuß sehr hoch hinüber an die Kehlenwand, schwingt sich tiefer, stürzt aber, ohne sich dadurch irgendwie aus der Fassung bringen zu lassen. Gleich erscheint nun Sigmund Ruud, dem das Glück heute nicht lächelt: der kleine Sturz in der Kehle ist harmlos, aber unten verliert er einen Stock, muß wie ein Einarmiger das Rennen fortsetzen und kommt deshalb nur zu leicht in Versuchung, den ihm verbliebenen Stock beidhändig zu verwenden. Das bedeutet aber einen Verstoß gegen die Wettlaufordnung, und logischerweise ist Ruud denn auch disqualifiziert worden. Man fragt sich nicht zu Unrecht, ob Stockgebrauch f ü r Einstöckige, die ohnehin handicapiert sind, nicht übersehen werden diirfte. Nun kommt einer der großen österreichischen Schußfahrer: Nöbl will auf der flacheren Stelle zwischen dem oberen und unteren Hang etwas tiefer als alle andern in die untere Kehlenwand eindringen; dabei geriit er auf

Photo: Dr. WaZter Amstutz

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einer Welle in die Luft, wird ein paar Meter hinab auf den Rücken geworfen, überschlägt sich noch einmal und bleibt mit tief eingebohrten Skienden im Schnee hocken. Man schaut hin, bedauert den harten Sturz und denkt: „Na, der Hansi wird gleich schieben"; aber der Hansi schiebt nicht, er stöhnt vielmehr und ruft die herbeistapfenden Sanitätler zu schneller Hilfe. Gut eingeschient wird der Bedauernswerte auf den gerade hier verfügbaren Transportschlitten verladen und abgeschleppt. Der Fuß ist gebrochen, verschiedene Bänder sind verzerrt; ein wirklich bedauerlicher Unfall, der einen der besten Draufgänger aus dem Rennen geworfen hat. Allais läßt sich am Kehlenrand sehr rationell absetzen, ist gleich wieder auf den Beinen und schwingt mit Seelosscher Pracht durch das Kontrolltor. Nun pfeift Furrer oben aus der Pistole; er kommt schön geschlossen über den flachen Zwischenboden, erwischt aber die Kehleneinfahrt etwas tief, so daß ihn die harschgepanzerteWelle aufwirft und mit dumpfem Dröhnen tief hinab auf den Rücken wirft; beide Stöcke sind abgeflogen. Furrer muß ihnen nachklettern und verliert Zeit. Nun Wörndle, bis vor das Tor gut, hier aber mit einem durch Kantenbiß verursachten Kopfsturz durch das Tor verschwindend. Jetzt klirrt der Harschpanzer der Kehlenwand wieder: Willy Steuri fährt sozusagen in Furrers Spur, erhält auch prompt den Schlag in die Latten und fliegt, kann aber den gewaltigen Druck in einem raschen Ausfall aufschlucken und pfeilgerade in das Tor hinabsausen; drunten im Harschfeld vor dem Nadelohr macht er ein winziges Stürzlein, ist aber gleich ohne Tempoverlust weg. P f n h ist sehr schnell durch die Kehle, erwischt aber unten im Trichter eins und muß beim Nadelöhr nochmals in den Schnee beißen. Zingerle fliegt gleichfalls in die Kehlenwand, ist aber unten hervorragend, wie er aus der Traverse in das offene Feld abschwenkt und Zuck um Zuck durchs Nadelöhr fädelt! Müller opfert ein paar Sekunden in einem Sternloch, ist aber rasch weiter. Gut meistert Sörensen diese Sache; er läßt sich nicht zum Schuß verlocken und zeigt große Sicherheit im Schwingen; dem Nadelöhr widmet er einen Sturz. Mittlerweile ist der Abtransport Nöbls ans untere Ende des Trichters gelangt. Wie jetzt Gasperl in blendendem Stil durch das Kontrolltor geht und unten im Trichter einen fürchterlichen Sturz über die Piste hinaus tut, fügt es der Zufall, daß der mit einem sitzen gebliebenen Ski langsam aus der Atemnot zur Klarheit erwachende Gasperl dicht neben sich den Schlitten sieht, auf dem der arme Hansi hockt; ich verstehe, wenn er an den Untergang des Abendlandes glaubt und das Rennen aufgibt. Riddell meistert die Kehle großartig; er geht ganz hoch hinein und zieht einen langen Abrutscher bis vor das Tor. Maclaren dagegen wird von der tückischen Welle aufgeworfen, fällt aber sehr rationell auf die Pfoten und

Die höchste Katze Europas auf der Zugspitle. Photo: 8. Blumenlhal

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kommt gleich weg. Einen ganz großen Eindruck hinterläßt Beckert, der besonders auf dem harten Schußfeld gegen das Nadelöhr hinab schnell und sehr genau operiert. Kemser fährt verhalten, scheint bald müde zu werden und opfert dem Nadelöhr. Kleisel zeigt uns einen jener kleinen Stürze, die einen von selber wieder auf die Beine stellen. Ganz großartig ist Peter Lunn; er fährt die Kehlenwand in sauber hingezwickten Wischern ab, geht blendend durch den Trichter und behält seine Skier auch weiter unten schön beisammen. Heim hinterlrlßt einen guten Eindruck. Alvaro d'orleans-Bourbon schlägt zwei Sterne und verbeugt sich vor dem Nadelöhr. Tournier ist gleich den übrigen Franzosen sehr gut! Pracek markiert den Schwungplatz vor dem Tor mit zwei Stürzen; er ist sichtlich müde. Bright ist gut; ebenso Lafforgue und Robinson, während Fossum oben am Kehlenrand stürzt und schließlich auch im Nadelöhr ein Mißgeschick erleidet. Alonso d'orleans-Bourbon stemmt vorsichtig, steht gut und wehrt sich drunten im Harsch sehr energisch gegen die Zangen, die aus den Altspuren nach seinen Skiern greifen. Ascher stürzt durchs Tor, ist müde, und Lexen ist sein Ebenbild. Boon wird von der Welle geworfen, kommt aber gut weg. Szapary ist sicher, Page hat einen Sturz, und Dabney und Wakeman gehen mit einer Spitzkehre durch das Tor! Gardner wird der Schuß aus der Pistolenmündung zum Verhängnis; er tut einen Sturz, der ihn aus dem Rennen wirft. Fearing ist langsam, aber Gignoux verrät zum Schluß nochmals die große Klasse der Franzosen. Nun ist der mit Spannung erwartete Hosenlupf der unerschrockensten Skifahrer der Welt zu Ende. Gottlob! Es ist alles ganz anders gekommen, als man vorausgesehen hat. Aber auch hier erfüllen mich die Franzosen mit größter Hochachtung, weil sie so gleichmäßig und in hoher Form durch das Rennen gingen. Ganz hervorragend haben sich unsere Schweizer Fahrer gehalten und durch Belegung ausgezeichneter R h g e das Länderklassement in der Abfahrt gewonnen. Die Wertung der Einzelleistungen ergibt sich aus der Resultatliste, wobei noch in Betracht zu ziehen ist, daß die gefahrenen Zeiten ganz einfach verrückt schnell sind! Was soll man nun für einen Unterschied machen zwischen fünf Männern, die nur der Zeitraum eines tiefen Atemzuges trennt, nachdem sie diese Höllenfahrt vOm Engetal zum Schwendiboden durchgestanden haben? Einer ist natürlich der Erste, weil wir in Gottes Namen mit Zahlen zu operieren gewohnt sind. Aber in Wirklichkeit ist das Bild der Zahlen falsch: die Imponderabilien sind so groß, da5 mbn füglich annehmen darf, die paar ersten R h g e werden von durchaus gleichwertigen Fahrern gehalten.

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RESULTATE DAMEN-SLALOM 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20.

1. Lauf

2. Lauf

Total

Anny Rüegg, Schweiz Christ1 Cranz, Deutschland Käte Grasegger, Deutschland Elvira Osirnig, Schweiz Evelyn Pinching, Großbritannien Rösli Streiff, Schweiz Turid Jespersen, Norwegen Hady Pfeiffer, Deutschland Jeanette Keßler, Großbritannien Esme Mackinnon, Großbritannien Lies1 Schwarz, Deutschland Helen Boughton-Leigh, U. S. A. Betty Macfie, Großbritannien Lois Butler, Großbritannien Grete Weickert, Österreich B. Duthie, Großbritannien Elly Löri-Stiller, Österreich Niny Suter, Schweiz Marcelle Bühler, Schweiz Käte Lettner, Österreich

Länder-Klassement

1. 2. 3.

Deutschland Schweiz Großbritannien

Zeit

Punkte

13.27,l 13.36,2 13.37.2

100,OO 98,88 98.77

Zeit 4.

5.

Österreich U. S.A.

Punkte

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5.

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DAMEN-ABFAHRTSRENNEN Niny Suter, Schweiz Lotte Baader, Deutschland Elly Löri-Stiller, Österreich Liesl Schwarz, Deutschhd Elizabeth Woolsey, U. 8. A. Anny Hort-Hiestand, Schweiz Käte Lettner, Österreich Marcelle Bühler, Schweiz B. Duthie, Großbritannien Esme Mackinnon, Großbritannien

Christl Cranz, Deutsohland Hady Pfeiffer, Deutschland Annie Rüegg, Schweiz Evelyn Pinching, Großbritannien Käte Grasegger, Deutsohland Baronin G. M. M. Schimmelpennincl< van der Oyen, Holland Elvira Osirnig, Schweiz Lisa Resch, Deutschland Lois Butler, Großbritannien Helen Boughton-Leigh, U. S. A. Länder - Klassement 1. 2. 3.

4. 5.

Deutschland Schweiz Großbritannien

Österreich U. S. A.

KOMBINATION DAMEN-ABFAHRT UND -SLALOM 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20.

Christ1 Cranz, Deutschland Annie Rüegg, Schweiz Käte Grasegger, Deutschland Evelyn Pinching, Großbritannien Hady Pfeiffer, Deutschland Elvira, Osirnig, Schweiz Helen Boughton-Leigh, U. S. A. Lois Butler, Großbritannien Lies1 Schwarz, Deutschland Elly Löri-Stiller, Österreich Niny Suter, Schweiz Lisa Resch, Deutschland Esme Mackinnon, Großbritannien Turid Jespersen, Norwegen B. Duthie, Großbritannien Rösli Streiff, Schweiz Grete Weickert, Österreich Käte Lettner, Österreich Marcelle Bühler, Schweiz Baronin G. M. M. Schimmelpenninck van der Oyen, Holland

Länder-Klassement Abfahrt 1. Deutschland 100,OO 2. Schweiz 92,37 3. Großbritannien 85,80

Slalom 100,OO 98,88 98,77

HERREN- SLALOM Seelos Anton, Österreich Zogg David, Schweiz Vignole Francois, Frankreich Pfeiffer Friedl, Österreich Pfnür Johann, Deutschland Furrer Otto, Schweiz Allais Emile, Frankreich Ruud Birger, Norwegen Kemser Hans, Deutschland Gasperl Leo, Österreich

Total 200,oo 191,25 184,57

Abfahrt 100,OO 98,09 95,91 96,53 99,59 90,32 87,86 88,92 83,95 86,54 87,48 89,99 77,12 71,09 77,82 66,66 74,90 81,49 79,61

Total 198,43 l98,09 193,53 191.74 189,56 185,91 172,29 172,09 170,12 167,31 166,33 165,57 164,97 161,97 160,64 159,lO 158,Ol 157,19 156,31

Slalom 98,43 ~00,OO 97,62 95,21 89,97 95,59 84,43 83,17 86,17 80,77 78,85 75,58 87,85 90,88 82,82 92,33 83,ll 75,70 76,70

90,46

4. Österreich 5. U. 8. A.

Abfahrt 81,67 80,42

Slalom 87,25 78,38

1. Lauf

2. Lauf

Total

52,l 54,4 56,6 56,6 56,9 57,5 57,5 58,3 5c0 59,3

54,O 56,7 56,4 56,4 57,O 56,5 56,6 56,s 57,9 56,s

1.46,1 1.51,l 1.53,O 1.53,O 1.53,9 1.54,O 1.54,l 1.55,l 1.55,9 1.56,l


I

11. 12. 13. 14. 15 a. 15 b. 17 a. 17 b. 19. 20. 2 22. 23. 24. 25.

Wolfgang Friedl, Österreich Gadner Jimmy, GroBbritannien Riddell James, Großbritmnien WörndIe Romand, Deutschland Xraisy Xaver, Deutschland Graf Karl, Schweiz Nöbl Hans,C)sterreich Müller Alfred, Deutschland Fossum Per, Norwegen Cfraf Szapary Laszlo, Ungarn Machen B m e , Großbritannien Bright Alex., U. S. A. d'Qrleans-Bourbon Al., Spanien Limn Peter, GroLibritmien Ruud Sigmund, Norwegen

Seelos Anton PfeBer Friedl Gwperl Leo Wolfgang Friedl Nöbl Harn 2. Deukddamd Pfniir Johann Kemser Hans Wörndle Ramand Kraisy Xaver MüIIer Alfred

3. Pranlcreich Vignole Franpois Allais Emile Tournier Andre Lafforgue Maurice Beckert Ren6 4 . Schweiz Zogg David Furrer Otto Graf Karl Steuri Willy 2 X beste Mannschaftszeit


6. Norwegen

6. U . S.A. /

Ruud Birger Fossum Per Ruud Sigmund Sörensen Randmond 2 X beste Mannschaftszeit

1.55,l 2.04,5 2.08,5 2.16,5 3.50,2

12.14,s

Bright Alex. Page George Fearing George Dabney Thomas Wakemann Samuel

2.06,9 2.09,9 2.36,6 2.52,3 3.45,l

HERREN-ABFAHRTSRENNEN Zingerle Franz, Österreich Allais Ernile, Frankreich Steuri Willy, Schweiz Ruud Birger, Norwegen Graf Karl, Schweiz Pfeiffer Friedl, Österreich Wolfgang Friedl, Österreich Kraisy Xaver, Deutschland Seelos Anton, Österreich Lunn Peter, Großbritannien Fossum Per, Norwegen Furrer Otto, Schweiz Schlatter Arthur, Schweiz

14. 15 a. 15 b. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23 a. 23 b. 25.

Lafforgue Maurice, Frankreich Beckert R e d , Frankreich Pfnür Johann, Deutschland Sörensen Randmond, Norwegen Konningen Alf, Norwegen Vignole Francois, Frankreich Zogg David, Schweiz Riddell James, Großbritannien Tournier Andre, Frankreich d'orleans-Bourbon Alonso, Spanien Wörndle Romand, Deutschland Glatthard Arnold, Schweiz

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13.30,s


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Länder-Klassement

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4. Österreich

1. Schweiz

Steuri Willy Graf Karl Furrer Otto Schlatter Arthur Zogg David

Zingerle Franz Pfeiffer Friedl Wolfgang Friedl Seelos Anton 2 X beste Mannschaftszeit

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3.30,4 3.38,2 3.40,2 3.45,6 7.00,s

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21.35,2 4'

2. Franhreich

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5. Norwegen

Allais Emile Laorgue Maurice Beckert Ren6 Vignole Franpois Toimier Andre

3.30,s 3.50,6 3.52,6 3.55,6 4.00,6

Ruud Birger Fossum Per Sörensen Randmond Konningen Alf 2 X beste Mannschaftszeit

19.10,2

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3.32,2 3.49,2 3.54,6 3.55,4 7.04,4

3. Deutschland 3.44,4 3.52,6 4.02,s 4.07,O 4.12,2

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Bright Alex. Page George H. Dabney Thomas Wakemann Samuel Fearing George

4.31,2 4.32,4 4.58,2 5.47,6 7.17,4

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KOMBINATION HERREN-ABFAHRT UND -SLALOM Seelos Anton, Österreich Allais Emile, Frankreich Ruud Birger, Norwegen Pfeiffer Friedl, Österreich Graf Karl, Schweiz Wolfgang Friedl, Österreich Furrer Otto, Schweiz Zogg David, Schweiz Pfnür Johann, Deutschland Kraisy Xaver, Deutschland Vignole Franpois, Frankreich Riddell James, Großbritannien Steuri Willy, Schweiz Fossum Per, Norwegen Wörndle Romand, Deutschland Lunn Peter, Großbritannien Kemser Hans, Deutschland Müller Alfred, Deutschland Graf Szapary Laszlo, Ungarn d'orleans-Bourbon Al., Spanien Lafforgue Maurice, Frankreich Tournier Andre, Frankreich Beckert Rene, Frankreich Sörensen Randmond, Norwegen Maclaren Bruce, Großbritannien

Slalom

Abfahrt

Total

100,oo 92,95 92,17 93,89 89,60 91,04 93,05 95,46 93,15 89,60 93,89 90,52 77,71 85,20 90,20 83,08 91,51 88,48 85,08 83,39 78,16 81,58 77,30 77,71 84,39

93,27 99,82 99,15 96,42 99,06 95,55 91,73 88,85 90,45 93,77 89,30 88,78 99,63 91,80 86,65 92,77 83,44 85,18 85,74 86,65 91,25 87,45 90,45 89,69 82,07

193,27 192,77 191,32 . 190,31 188,66 186,59 184,78 184,31 183,60 183,37 183,19 179,30 177,34 177,OO 176,85 175,85 174,95 173,66 17032 170,04 169,41

, I -

1.

Deutschland

, , ,

I ,

,<:i;( J

,

..

'f

Total 190,9 188,O 186,4

4. 5. 6.

Schweiz Norwegen U. S. A.

Slalom 81,4 77,s 74,O

Abfahrt 100,O 83,s 68,s

Total

:

'

'U

i\," ! ii

-.

-

,

-1: $ .

,;j-',r: -L

Abfahrt 93,4 97,3 86,4

.

;.$-Y ,,:itr; Fr

I

Slalom 97,5 90,7 100,O

L

.,

167,40 166,46

Lander-Klassement ;

:

.-r

,


8. ARLBERG-KANDAHAR RENNEN I N

MURREN.

9./10.

MHRZ 1935

Von Fritz Ringgenberg, Meiringen Flink hebt uns das Bähnlein aus dem engen Talgrunde. Gespickt volle Wagen. Was da nicht alles auf geschwellten Brüsten prangt: Adler und Gemsen, Murmeltiere, Steinböcke, Hasen, goldene, silberne und wer weiß, auch blecherne Skier. Unmöglich, sich noch in dem Wirrwarr auszukennen. Ist übrigens gar nicht nötig. Es geht andern auch so. Ein vielfach Gezeichneter tippt fragend auf mein einsames S. A. C.-Zeichen: Was ist denn das - Also wäre der Schweizer Alpen-Club beim Jungvolk bereits Museumsstück geworden. Immerhin, de Frager errötet leise: Ach ja, natürlich . Aber da ist das Dorf. A.-K. leuchtets von überall her. Flaggen. Vor dem Kurhaus ein riesiger Schneemann, de Petrus nach der Schöpfung noch in einen Extrapelz hüllte. Raucht Eiszigarre. in den Gassen ist's sohon recht lebendig. Man mutmaßt nach allen Seiten hin. Vorab sucht man den Abfahrtssieger ausfindig zu machen, stößt auf Matt, spricht vonAllais, vonvignole. Daneben stochert man emsig in der Wunde herum, die die letzten FIS dem Schweizer Nationalgefühl ganz offensichtlich geschlagen. Wenn's di Sache wert wäre, so könnte man rechtschaffen zornig werden, wie heute die ins Auge stechende, nach Minute und Sekunden gemessene Einzelleistung und nicht der Mann und Mensch gewertet werden. Glücklicherweise überwiegt die Festfreude alle Kritik. Sonst könnte man über all den sportlichen oder besser gesagt unsportlichen Spitzfindigkeiten selber spitzfindig werden. Godi Michel ist natürlich schon nicht mehr im Dorfe zu treffen. Mit zwei extra angefertigten Kanonenschlägen im Rucksack schiebt er sich schon der Gratlehne zu, dieweil Mr. Lunn mit der ihm eigenen Tatkraft bereits di Bahn frei zu machen sucht. Wieder sind die prickelnden Minuten allgemeiner Spannung da. Pumm! drohnts dumpf kriegerisch vom Grat her und eine sich im Gegensatz zur Augenblicksstimrnung recht lässig empor hebende Pulverdampfwolk kündet den Beginn des verbissenen Kampfes. Verbissen ist nicht zu viel gesagt. Aber . . . Da ist schon der Erste: White Peter - standsicher, englische Schule. Zwei Gstaader, Scheidegger und Ludi folgen. Gleim flitzt schneidig vorüber. Doch finden wir ihn nicht auf der Rangliste. Pech. Gleiches ereilt Deandia, der sichtlich müde. Pieren, Adelboden, fährt forsch. Nach Unterbruch erscheint bereits Nummer 12, Langlois, der seinen Vormann schon überholt hat. Moillon stürzt bei der Beton Kurve. Ebenso Müller. Huggler meistert vorzüglich sein Tempo. I n Lews spürt man wieder England. Knapl und schön zieht Hvalsoe seine Schwünge. Nach kurzer Pause fliegt Polens Hoffnung Czech vorüber. Wo bleib Graf Karl? Wo Furrer? Erst später vernimmt man, daß sie das Mißgeschick in Form des verfehlten Kontroll tors schon droben am Grat ereilte. Und - was sich zweiet, tut sich dreien: Auch Elias Julen gesellt sich zi ihnen. Da ist sohon der aktive Schweizer Skimeister. Die ganz große Schau hat begonnen: Steuri Hermann unc Prager folgen, jeder auf seine, nur ihm eigene Art. Harrer tut einen gewaltigen Sturz, während Pfeiffer ingan großer Fahrt durch die tückischen Bodenwellen fliegt. Hoppla: Steuri Willy. Oben hat er sich einen Geländesprung von mehr als einemDutzend Meter geleistet und durchgestanden. II rasantem Schusse fliegt er vorüber. Stoppuhrenmänner tupfen schon begeistert auf ihn. Wie man sah, nich mit Unrecht. Dr. Vetter hat keinen guten Tag. Bei der Beton-Kurve hebt er sich flink aus einem Sturze. Knapp vor dem Ziele tut er noch einen ganz bösen, fahrt aber mühsam, trotz einer Gehirnerschütterung, durch. Sehr scharf sausen Sciilatter und Wehrle vorüber. Sie treffen sioh beide auf gutem Platz im 6. Rang. Jetzt aber ' geraten die Stoppuhrenmänner in erwägende Zweifel : Steuri ? Allais ? Wunderbar, mit welcher Eleganz derFranzose die Schwierigkeiten nimmt. Auch Vignole fährt gut. Doch bringen ihn die Bodenwellen zum Stürze& '> Eng1 beschäftigt zum drittenmal ernstlich die Scharfzeitenmesser. Dann folgt M-arz - in flottem Tempc der junge Lunn. Matt muß aus prächtiger Fahrt in den Schnee, währenddem der als Pechvogel verschrien1 Glatthard die ganze Strecke in schärfstem Tempo durchsteht. Mit dem guten Platze, den er sich damit erobert ermöglicht er sich den Kombinationssieg. Zogg hat weniger Glück. Den Zeitverlust schwerer Stiine weiß er auch mit allem Draufgängertum nicht ganz gut zu machen. Bei Ren6 und Maurice Lafforgue sieht man wiedefranzösische Eleganz, die sioh noch fast erhöht, da der letztere einen Stock einbüßte. Ernst von Allmen fähr gut, kommt aber doch nicht sturzfrei durch. Prächtig fängt Fahrner alle Unebenheiten mit federnden Knien auf Szapary stürzt in den Wellen. Walch fährt auf ganz hohen Touren, wogegen Alonso de Orleans-Bourbonaufgibt. Fopp glänzt mit keckem Geländesprung. I n ungebremstem Tempo fährt Beckert in daa Wellengelände und kommt (schier unglaublich) durch. Mit draufgängerischem Schneid erledigen Schlunegger und Rubi Adolf ihre Fahrten. Pause. - Hier und dort ein flüchtig Picknick in praller Sonne.

..

Dann folgen: Die Damen. Wenn ihre Strecke auch um den obersten Gratbitz und das verhängnisvolle Kontrolltor gekürzt, die schwere1 Hindernisse müssen auch sie überwinden. Sie tuns auch. Mit wenig Ausnahmen sind sie der Aufgabe vol gewachsen. Photo: Dr. Walter Amstua


Schon sieht man den blonden Scheitel von Miß Sale-Barkerhinter der nahen Krete auftauchen -verschwinden gleich drüberher vorüber zu schießen. Baronin Schimmelpenninck st,ürzt zweimal in Sichtweite. Ihr fast auf dem Fuß folgt die erste Schweizerin Fräulein Annie Rüegg. Im Urteil über das, was sie zeigt, sind die Zuschauer einig : Sie fährt wie ein Mann ! Sie siegt denn auch überlegen. Daneben trifft man auch sonst fast durchwegs individuelle, durchbildete Fahrtechnik, seien es die scharfen Bremszüge von Mrs. Butler, der flüssige, leichte Stil von Frl. Osirnig, die sichern Rutscher von Miß Pinching oder die leichten Schwünge von Frl. Streiff. In schneidigem Tempo sichert sich Miß Macfie den 3. Platz. Miß Dobson folgt als 6. vor Mme. Galtier. Hinter der Letzten schwärmen bereits die Starter selber den Hang herunter. Sie reißen die Zuschauer mit sich. Im Sturm wird das Dorf von ein paar Hundert Heißhungrigen genommen. Dort weiß man bereits um die Namen der Sieger. Sie durchschwirren die Sä12. An den reich besetzten Tischen zieht man Bilanz und Schlüsse für den kommenden Tag. Die Nacht bleibt sternklar. In Nachbartälern ist aber der Föhn aufgesprungen. Er schickt Morgengräue, Schleierwolken. Beinhart ist die gleichmäßig gestampfte Piste der Nursery-Strecke. Nur Stahl beißt hier scharf genug. Die durch die Abfahrt bestimmte Startliste für den Slalom weist 17 Schweizer, 8 Österreicher, 7 Franzosen, 4 Engländer, 2 Polen, 1 Deutschen und 1 Ungarn auf. Eine ausgesprochene,,Kanonenliste"möchte man sagen, wenn man ganz zufällig vom 12. Rang weg liest: Prager, Vignole, Lunn, Rubi, von Allmen Fritz, Matt, Steuri Der Zeitunterschied zwischen dem 1. und 20. Rang mißt in der Abfahrt Hermann, Zogg, Steuri Fritz, Fopp genau 28.4 Sekunden. In vorsichtiger Fahrt eröffnet der Vortagssieger den Reigen. Allais folgt, hat aber gleich in der Abfahrt eine Zeitversäumnis. In überaus schneidigen Fahrten erledigen Pfeiffer undWalch die Tore. Ihre Resultate werden aber durch Schlatter gleichgestellt und dann durch den schweizerischen Slalom-Meister Glatthard um 3 Sekunden verbessert. In seiner schlanken Wendigkeit liegt wirkliche Meisterschaft. Auch Prager fährt gut und von von Allmen Fritz hört man, daß er an Seelos mahne. Ganz hervorragend bringt Hermann Steuri die Strecke hinter sich. Zogg hat neuerdings Pech, während Steuri Fritz und von Allmen Ernst sehr gute Zeiten fahren. Der zweite Lauf bringt die Entscheidung. Eine bleiche Sonne hat inzwischen die Piste etwas freundlicher gemacht. Sie kann umgesteckt werden und bietet nun Gelegenheit zu schärferen Schüssen. Steuri Willy zeigt gleich, daß dies möglich. Allais, Pfeiffer und Schlatter verbessern ihre Zeiten beträchtlich. Dann legt Glatthard zum zweitenmal eine Fahrt in die Bahn, die spontanem Beifall ruft. Steuri Hermann hält ihm aber in technisch hervorragendem Stile die Stange. So teilen sich die Be5den in Slalom- und Kombinationssieg.

- um

...

Die Damen. Neuerdings sind ein paar tückische Tore ausgemerzt. Dennoch bleiben Stürze und ganz große Rutschpartien keine Seltenheit. Annie Rüegg bestätigt allerdings das Urteil, das man am Vortag über sie fällte. Sturzfrei erledigt sie beide Läufe fix und sauber. Sie siegt damit dreifach überlegen mit einem Vorsprung von 30.49 Punkten. Auch Miß Pinching fährt gut, bringt aber nicht gleiches Tempo fertig. Frl. Osirnig stürzt leider im zweiten Lauf und fällt damit in den dritten Rang vor Miß Sale-Barker, die durch einen Abrutsch viel Zeit verliert. Ein knapper Rückblick. Das Ganze: Großzügig. Daß eine Rangliste nach Nationen ausgeschaltet ist, wirkt sehr syrnpatisch. Nirgends günstiger als hier hat die werdende ,,Kanone" Gelegenheit, sich am ,,Schwergewicht'' zu messen. Die Konkurrenz war schärfer als vor zwei Jahren. Dem Publikum ins Stammbuch: Verlanget von unsern Fahrern nicht das, was die Römer einst von ihren Gladiatoren verlangten.

RESULTATE ABFAHRT HERREN (40 Klassierte) 1. 2. 3. 4. 5. 6 a. 6 b. 8. 9. 10 a.

Willy Steuri, Schweiz Emile Allais, Frankreich Friedl Pfeiffer, Österreich Willy Walch, Österreich Ren6 Beckert, Frankreich Arthur Schlatter, Schweiz Richard Wehfle, Österreich Arnold Glatthard, Schweiz Joseph Fahrner, Österreich Siegfried Engl, Österreich

M i n . Sek. 2.39,2 2.40,O 2.41,8 2.45,2 2.46,2 2.46,4 2.46,4 2.47,O 2.47,6 2.51,6

Min. Sek. 10 b. 12 a. 12 b. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20.

Hans Schlunegger, Schweiz Walter Prager, Schweiz Francois Vignole, Frankreich Peter Lunn, Großbritannien Adolf Rubi, Schweiz Fritz von Allmen, Schweiz Rudi Matt, Österreich Hermann Steuri, Schweiz David Zogg, Schweiz Fritz Steuri, Schweiz

2.51,6 2.54,2 2.54,2 2.56,6 2.59,6 3.01,4 3.03,2 3.04,s 3.05,6 3.07,6


21. 22. 23. 24.

Martin Fopp, Schweiz Bronislaw Czech, Polen Bruce Maclaren, Großbritannien Stanislaw Marusarz, Polen

3.13,8 3.15,2 3.15,4 3.15,6

25. 26. 27. 28.

Ernst von Allmen, Schwei Eric Hvalsoe, Schweiz Hermann Tschol, Österreich Ren6 Laffornue. Frankreich

3.15,s 3.18,8 3.25,s 3.26,2

Evelyn Pinching, Großbritannien Elvira Osirnig, Schweiz Elisabeth Dobson, Großbritannien

2.37,4 2.42,4 2.48,8

Fritz Steuri, Schweiz E. von Allmen, Schweiz Ren6 Beckert, Frankreich F. Vignole, Frankreich Willy Steuri, Schweiz W. Walch, Österreich R. Lafforgue, Frankreich

1.29,O 1.29,7 1.30,3 1.30,7 ' .30,7 .32,6 .34,0

ABFAHRT DAMEN (14 Klassierte)

1. 2. 3.

Annie Rüegg, Schweiz Durell Sale-Barker, Großbritannien Betty Macfie, Großbritannien

2.05,2 2.34,6 2.36,2

4. 5. 6.

SLALOM HERREN (20 Klassierte)

1. 2. 3. 4. 5 a. 5 b. 7. 8.

Hermann Steuri, Schweiz Arnold Glatthard, Schweiz Fritz von Allmen, Schweiz A. Rubi, Schweiz Walter Prager, Schweiz S. Engl, Österreich F. Pfeiffer, Österreich Arthur Schlatter, Schweiz

9. 10. 11. 12 a. 12 b. 14. 15.

SLALOM DAMEN (6 Klassierte) 1. 2.

Annie Rüegg, Schweiz Evelyn Pinching, Großbritannien

1.23,3 1.32,6

3.

Elvirlt Osirnig, Sohweiz

KOMBINATION ABFAHRTISLALOM HERREN (9 Klassierte)

Punkte

Punkte 1. 2. 3. 4. 5.

Arnold Glatthard, Schweiz Friedl Pfeiffer, Österreich Willy Steuri, Schweiz A. Sohlatter, Schweiz S. Engl, Österreich

97,36 96,19 95,30 94,05 93,71

6. 7. 8. 9.

R. Beckert, Frankreich Hermann Steuri, Schweiz E. Allais, Frankreich Walter Prager, Schweiz

93,39 93,06 93,03 93,02

KOMBINATION ABFAHRTISLALOM DAMEN (7 Klassierte) 1. 2. 3. C.

Annie Rüegg, Schweiz Evelyn Pinching, Großbritannien Elvira Osirnig, Schweiz Durell Sale-Barker, Großbritannien

100,OO 84,75 76,71 75,06

5. 6. 7.

Duthie Birnie, Großbritannien Baronin Schimrnelpenninck van der Oyen, Hoiland Rosa Streiff, Schweiz

t;g

72960, *, 70,55 RO ~1


-

Daa Abfahrt-Slalom-Komitee - kurz gemmat das „AB-Komitm" - waiide vom Intemmtio1ul1en I 1QSZin Pmis in# Leban garden. Es (xtellt einen teohniswhen AwschuD für @e al-hhea SE-b dar. Seine Mitglieder sind: Dr. I i a m M e , I)stekch, Vorsitzender; Anidd L w z G r o ß i b m t a ; W Aldo Bonacosscl, Ihiien; Baron P* le Fort, Deutmhland; M. de la Obpelle, Frmk8iCa und 231.. WQIW &n&utz, Schweiz. Des Al-Eomitse arbeitet nach folgenden Satzwgen, die dem FIS-K-B 1536 h Gm*eh BUS unterbreitet werden: S T A T U T F O R D A S P I S - K O M I T E E FOR A B F A H R T UlYD S L A L O M

1. Dw PI"IBKamiteefür Abfahrt und Slalom wird vom FIS-Vorstmd &jährlich &gw3iEut, und zwar möglichst: a w den Vorstandsmitgliedern; es wird dsm E i s - V o r s t d als Subkomitee beugeordnet. Der FIS-Voratad bePlteUt aw dem Sublaomitee &$n Obmann, der die W h t l f t e des Subkodtebs zu l& hat; er muß MitgLisd des FIS-Vorshndes sein. Daa FIS-K-laomitee für Abfahrt und Slalom ist berechtigt, dem FIS-Vom%nd eiüaedne Pera)oibßn %WWahl in das Komitee vorzuschlagen; tibsr solohe M g e hab der FIS-Vorstandsofort eine AbstUnmnag d ~ ~ e 8. DatJ Subkomitee SOU in jedem Winter am Ort der FIS-Abfeh&s- und -Slalomrennen rmeiwmentreffen; so oft dies erforderlich ist. aubrdena soll es zu Sit"ungen zutramm-en, Eine Sides Bsbkomitees wird von seinem Obmmn einbeden und ibdet, daan s b t t , wem ~ ~W e n zwei Drittel der Mitglieder mit Ort und Zeit dieser Sitzung einveratanben sind, die vom O b m i & wurde; dime Sitzung ist ddann ahne Rtkksicht auf die Zahl der aulweeemden Wtgleder bemhM3f$hig. 3. Auf@& des Subkomitees ist es, die,Entwicklung der Abfahrts- und Slalomramen @WU rni beobeehten, Ubr Abihdenmgm und Ergkmungen der Wettkampfregein rm beraten und Vorsolrl&ge hieriiber dem FISKongreß durch den FIS-Vorstand zu unterbreiten, unter Eiahaltung der für AntriQe vorgeschriebenen AnmeIdebi9t. . P. Das @ubhmiteewird die sonstigen Arbeiten dufehführen, die ihm vom FIB-VorstCrnde oder w m FISKangreß Ü W r q p n werden.

b l d Ltinn hat die in den letzten Jahren sich notwendig eMesenenErg&mgen und die von der IZamnimion ten Verlsmwungen und Erweiterungen in eine neue Fawsung m-en gatmgm. Dieses neu netU

n

.


geordnete Slalom-Abfahrt-Statut dürfte bei den kommenden FIS-Rennen 1936 in Innsbruck erstmals zur praktischen Anwendung gelangen. Abfahrt und Slalom werden nicht mehr wie bisher im Verhältnis 1 : 1, sondern ungefähr 3 : 2 zugunsten der Abfahrt einander gegenuber stehen. Die Logarithmen verschwinden, und die Berechnung der Rangfolge der Sieger wird zum Kinderspiel. Die nationalen.Skiverbände, die in den meisten Fällen nicht so beweglich wie das AS-Komitee sein können, dürften künftig ihre eigene Wettlaufordnung ablegen, und sich immer an die Internationale Wettlaufordnung halten.

W I R E R F A H R E N VON D E R FIS Die FIS-Abfahrts- und Slalomrennen 1936 finden am 21. und 22. Febrwcr i n Innsbruck, Tirol, statt, unter der Voraussetzung, daß diese Rennen vom Ski-Kongreß in Garmisch-Partenkirchen genehmigt werden. Veranstalter : Österreichischer Ski-Bund. Durchführung: Österreichischer Ski-Verband. SPRUNGH~~GELBERATUNG DER F I S :

Einheitliches Schema fiir Geländeaufnahme und Zeichnung der Sprunghiigel Um den Sprunghügelberatern der FIS und der FIS-Leitung Arbeit zu ersparen, werden die Lanaeaveroanae dringend aufgefordert, die Profile der internationalen Sprunghügel nach einem einheitlichen Schema zeichnen zu lassen. Ein solches Schema lassen wir in der Abbildung folgen: NORMUNG DER SCHANZENPROFILE

a b

C

P M

.

FIS

Neigung des Schanzentisches. Inclinaison du plateau du tremplin. = Neigung der Aufspringbahn im kritischen Punkt P. Inclinaison de la piste d'atterrissage au point critique P. = Neigung der Anlaufbahn. Inclinaison de la piste d'elan. = Der kritische Punkt. Le point critique. = Geradliniger Abstand vom kritischen Punkt bis zum Anfang des tfberganges. Intervalle en droite ligne entre le point critique et le commencement de la courbe du rtlccorwmw~~~ qui 2 condyit & la sortie. =


RENNKALENDER DER F I S 1935 Jan. 22.-26. 24.-26. 26.

XVII. Polnische Internationale Skimeisterschaften. H. D. W.-Meisterschaft in Rochlitz/Riesengebir4e. Meisterschaft der Tschechoslowakischen Republik - 50 km-Dauerlauf. IV. Olympische Winterspiele. FIS-Abfahrts- und Slalomrennen in Innsbruck (Tirol). Französische Internationale Meisterschaft in Chamonix. Meisterschaft der Tschechoslowakisohen Republik. 10. Schweizerischer 50 km-Dauerlauf und 4. Schweizerischer Staffellauf.

März 26. 2.-1. 3. 28. 2.-1. 3. 1. ev. 15. 8.-9. 14.-15. I

Die Holmenkoll-Rennen bei Oslo. 30. Schweizerisches Skirennen. Großer Preis der Tschechoslowakei in Abfahrt und Slalom. Internationale Skiwettläufe ,,Salpausselän Hiidot" in Lahti, Finnland. Arlberg- und Kandaharrennen, St. Anton am Arlberg.

MITTEILUNGEN D E S ZENTRAL-VORSTANDES D E S S A S Präsident: Dr. H. Binder, Bolleystraße 48, Zürich. Telephon Privat 45.408, Geschäft 37.337. Vizepräsident und Tourenchef: Dr. Oskar Hug, BahnhofstraBe 7, Zürich. Telephon Geschäft 52.252, Privat 914.188. Kassier: Dr. E. Coppetti, Etzelstraße 31, Zürich. Telephon Privat 54.618, Geschäft 38.670. Sekretär: Dr. H. Weisbrod, Schweizergasse 20. Telephon 58.580. Rennchef: M. Bürgin, Nüschelerstraße 30, Zürich. Telephon 58.110 oder 927.010. Material: Dr. B. Bracher, Gerbergasse 8, Zürich. Telephon 72.905. Beisitzer: Dr. 0.Schurch, Oberarzt, Kantonsspital Zürich. Telephon 27.000.

Das .ist @&kt d e C ~ w t w n- s@&m der JuliarpaB aal 400 IddW Hdk.Pkugceug~wiIIalU>elDP.W W d m w


An der Generalversammlung des SAS vom 31. Mai 1935 wurden folgende Statutenbderungen beschlossen: 8 10 Der sAS besteht aus: a) Ehrenmitgliedern, b ) Aktiv-Mitgliedern, C ) Alten Herren, d) Junioren. 814bis Junioren k h n e n nur Bchiilar einer schweizerischen Mittelschule sein, die das Minimalalter des SSV erreicht haben. Die Mitgliedschaft erlischt mit A b s c h l ~des Mittelschulstudiums. Die definitive Aufnehme erfolgt auf Grund von 5 16. 16 Alle Mitglieder mit Ausnahme der Junioren sind stimmberechtigt. 5 40 Neu eintretende Aktiv-Mitglieder bezahlen ein Eintrittsgeld von Fr. 10.-, Junioren bezahlen kein Eintrittsgeld. 8 41 Der Jahresbeitrag für die Aktivmitglieder an die Zentrdkasse ist durch die General~ersammlungzu bestimmetx. Für den Betrag erhßlt jedes Mitglied den Schneehwen, da^ Jahrbuch des SSV und die Mitgliederkarte des SSV. Außerdem ist jede Sektion berechtigt, einen angemessenen jahrlichen Sektionsbeitrag von ihren Aktivmitgliedern zu verlangen. Dieser soll ordentlicherweise Fr. Ei.- für Aktivmitglieder und F*. 7,für die alten Hbrren nicht überschreiten. Junioren bezahlen die gleichen Jahresbeiträge wie die AktivMitglieder. 8 44 Mitglieder, die mindestens drei Jahre dem SAS angehören, können frühestens als dte H m e n durch eine emmalige Einzahlung von Fr. 300.- die lebenslängliche Mitgliedschaft erwerben. Dieser Betrag geht in den Hüttenbaufonds. Die lebe&gli~hen Mitglieder sind verpflichtet, alle drei Jahre dem Zentralvorstand auf dssmtx Umfrage zu melden, daß die Mitgliedschaft weiter bestehen soll. Der Zentralvorstand k&nn lebensl&ngliche Mitglieder, die dieser Obliegenheit nicht nachkommen, w>n der Mitgliederliste streichen, anderseits kann er Mitglieder, die auf Grund der vorstehenden Bestimmmg gestrichen wurden, wieder in die Lishen aufnehmen. .X. Die Schweieerischen Hochschulmeisterschaften und die 12. SAS-Rennen &den vom 17. bis 18. Januar 1936 in Mürren statt, whhrend zum Angle-Swiss anfanga Januar in Mürren gestartet wird.

Alle Beitrßge dieses Jahrbuches sind Eigentum des SAS. Ohne Genehmigung und QueIiennachweis dürfen keine Artikel nachgedruckt werden.

*

Alle Korrespondenzen bezüglich des Jahrbuches 1936 sind bis spätestens 1. Juni 1936 ttn Dr. Walter Amstutz, Am Laretweg (Tel. 149 Bureau, 110 d e r Bureau), St. Moritz, zu riohten. Rw F W & g naht nbit Bwwen! Photo :Q t 1 w WPtnttr


WALTER BUSSMANN

FR ITZ STEURI

ELlAS JULEN

1935

1930

S aqfeinanderfolg ende schwei~erischeSkimeistm Der neue schweizerische Skimeister, Fritz Steuri, Grindelwald, schreibt : «Durch Herrn Dr. Paul Martin ist mir Ihre O v o m a l t i n e für meinTraining auf das schweizer. Skirennen hin empfohlen worden. Ich habe regelmässig zum Frühstück und zum Abendessen O v o m a l t i n e genommen und habe damit die allerbesten Erfahrungen gemacht. Ich fühlte mich nach dem regelmässigen Genuss von Ovomaltine so-

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wohl körperlich wie geistig in erstklassiger Verfassung, was nebst den technischen Fähie keiten für Höchstleistungen unerlässlich ist. Ich empfehle allen, die sich für Skirennen vorbereiten, speziell auf eine richtige Ernährung und Stärkung des Körpers zu achten, wozu sich Ovomaltine vorzüglich eignet.»

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