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DAS BUCH DER ABFAHRT

Der Schneehase ist ein Aristokrat im ursprünglichsten und schönsten Sinn des Wortes - denn dieses Jahrbuch des Schweizerischen Akademischen Ski-Clubs verdeiikt seine hervorragende Stellung im Buchstabonwaldenur seinem einzigartigen Inhalt in Wort und Bild. Aus dem Jahrbuch oines zahlenmäßig unbedeutenden Elite-Ski-Clubs hat Dr. Walter Amstutz einer der Gründer des Schwei~erischen Akademischen Ski-Clubs und prominentesten Förderer alpinen Skisportas --oine Publikation wachsen lassen, deren Wert und Bedeutimg alle Veröffentlichungen dieses Charakters unstreitbar überragt. I n neuem Gewande von einwandfreiem Schnitt erscheint der Schneehase 1934 als Jubiläums-Ausgabe des seit zehn Jahren den modernen Skisport entscheidend beeinflussenden Schweizerischen Akademischen Ski-Clubs. Berufone Federn halten nicht nur das vergangene Skijahr mit dem scharf beobachtenden Auge des sportlichen Kenners fest. Seine bekanntester Pioniere vermitteln einen interessant,e~l Querschnitt durch die jüngere Entwiüklung dieses siegreichsten aller Wintersport,e. Grundlegende Probleme werden von Meistern Ihres Gebietes in fesselnder Art und Weise beleuchtet und alte, mit allem Schnee ,,gewaschene" Ski-Füchse, wie Dr. Henry Hoek lassen die jungen Schneehasen vom Schatze lebenslanger Erfahrungen naschen. Luis Trenker erzählt über Filmarbeit in den winterlichen Bergen, Walter Mittelholzer über die Luftphotographie, der britische Ski-Erzvater Arnold Lunn über die brennende Amateurfrage und Othmar Gurtner weiß mit beißender Ironie den Auswüchsen im heutigen Kampfsport zu begegnen und allerlei Interessantes über Schneezement und die Schweizer Skischule zu berichten. Dr. Langes erzählt vom größten Slalom in der Geschichte des Abfahrtsportes, C. J. Luther von der Jugend auf Ski, Dr. Gurtner und der Schriftleiter von der Geschichte des SAS, Kielland vom Abfahrtssport im Norden und Dr. 0. A. Hug über den Clubgeist. Die geradezu unübertroffene Bildbegleitung schmeichelt dem Auge ebenso sehr, wie der Kunst der Photographen und den1 anspruchsvollen Geschmack der Schriftleitung. Eine Jura-Skikarte 1 : 50 000 ist außerdem diesem neuen Schneehasen beigelegt.


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ZEHN J A H R E S A S Der SAS ist ein junger Club - denn zehn Jahre sind nur ein winziger Zahn im Getriebe der Zeiten. Trotzdem aber hat der SAS sioh in diesen kurzen Jahren in der Geschichte des Skifahrens einen Namen gemacht: Abfahrt und Slalom sind bei uns und auch international anerkannt - und dazu haben die 220 SAS'ler auch einen Teil beigetragen. Mit der Anerkennung dieser Disziplinen sind wir bei Abschluß unseres zehnten Clubjahres um einen der Hauptpunkte in unserem Programm gekommen; es ist daher heute an der Zeit, daß unser Club sich nach einem neuen Wirkungskreis umsieht. Wir meinen so etwas wie die Aufstellung eines neuen Fünf- oder Zehnjahresplanes, denn die Entwicklung des akademischen Skisportes allein kann für einen Club, wie ihn der SAS darstellt, wohl kaum ein genügendes Tätigkeitsfeld sein, wenn er nicht auf die Stufe eines gewöhnlichen Vereins herabsinken will. Akademiker sind von Haus aus dazu bestimmt, gewisse Führerrollen zu übernehmen, und daher harren dem SAS neue Probleme, die auf dem Wunschzettel des jungen Jubilaren stehen sollten: in eigener Sache dürfte man jetzt an die tatkräftige Finanzierung und zum Bau von ein bis zwei Clubheimen schreiten. Nichts ist unmöglich, wenn man lange genug hinter einer guten Sache steht. Dann wartet die vielumstrittene Amateur- und Professionalfrage im Skisport auf ihre Lösung. Dieses heikle Problem muß früher oder später irgendwie gelöst werden. Es handelt sioh dabei nicht um die Unterteilung in zwei Klassen Menschen, in mehr- und minderwertige, sondern um die gerechte Verteidigung der Interessen der Berufsskifahrer und die richtige Beurteilung der ganz anderen Interessen der Weekend- und Stadtskifahrer. Der SAS kann hier unserem Landesskiverband wieder wertvolle Vorarbeit leisten, der sich von jeher bei neuen Bewegungen, solange sie im Flusse sind, Zurückhaltung auferlegen muß. Der SAS rnuß mit seinen Auffassungen immer jung bleiben und darf mit seinen Leistungen nie zufrieden sein. Aus diesem Grunde haben wir auch an der Verbesserung unseres Jahrbuches gearbeitet, damit. der Schneehase im zehnten Clubjahr im Sonntagskleid erscheinen kann. Noch ist es bei weitem nicht das beste, was geschnitten werden kann, und die nachfolgenden Bände müssen noch besser sitzen. Wir freuen uns aber trotzdem über dieses achte Buch, nachdem wir dem Schweizerischen Skiverband schon früher Vorbild sein durften. Die guten, aber auch die schlechten Kritiken, die die sieben Vorgänger erhalten haben, waren unsere besten Mitarbeiter. Und nun möge unser junge Sprößling freudig in den Winter springen! Heil zehn Jahre SAS! TValter Amstutz

St. Moritz, im November 1934.


HEIL S A S ! I 1914-1924

VOLDr. H. A. Gurtner, SAX, Goldswil „So wei mer ne doch gründe!" entschied Hans Wendling unsere Unterhandlung irn Vorschieben der Skier über den Windharst an der Lötschenlücke. Es war vom Ungenügen der akademischen Skij i i i r die Rede gewesen und ich hatte mit Begeisterung berichtet, wie in den bayrischen Bergen die Münchner Studenten an stadtnahen Schanzen sich im Sprunglauf übten, wie Männlein und Weiblein notabene in langer Skihose - vom Kreuzeck abfuhren und München noch im Februar in skibewehrten Harsthaufen in den kalten Wintermorgen hinauszuziehen. Der Bündner Capaul hatte das Abfahrtsrenne in den deutschen Meisterschaften gewonnen, ein Edler von der Planitz war 42 Meter vom Schan entisch gesprungen, während Norwegen den Langlauf für sich entschied. Wir ~chweizerstudentledhatten entdeckt, daß unsere Abfahrtstechnik eine Disziplin wäre, die unsern Farben Erfolgsaussichten eröffnen könnte, und mit Bedauern dachten wir zurück an unsere schönen Schneeberge, WQ unsere Berner Komilitonen in mutziger Gemächlichkeit ,,tourenfuhren". Beim Rückblick in die Gletschermulde des skiungewohnter Kameraden, und die Idee fahrens unter Studenten war irgendwoher, worden. ,,So wei mer ne doch gründe!" In den schüssigen Mulden des Langgletschers hatte manche damalige Skispitze „den Geige1 ghstützt" und noch hinter dem Stiegenfäßler beim Posthalter von Kippe1 haben wir uns gewundert über'die Unvernunft, ohne genügende Fahrkunst Gefahr und Mühe einer Hochgebirgsfahrt auf sich zu nehmen. Bei Goppenstein streckte der verdatterte Bahnhofvorstand den „Herren von Bern" ein Extrablatt des ,,Bund" hin: Mord in Sarajevo! Wir alle steckten bald darauf für lange Zeit im Bundestuch. Zwischendurch Hochschule und wzederurn Grenzdienst, Uni-Grenzdienst-Examen-Grenzdienst. . . ein ständiger Wechsel bis zur Grippeerkrankung 1918. Ohne den fanatischen Studenten Princip könnten wir heute den zwanzigsten Geburtstag dies SAS feiern. Im Februar 1924 stieg ich mit Walter Amstutz am Schiltgrat bergan, unser Schiltgrat! Während der ersten Nachkriegsjahre hatten wir unsere Jagdgründe in Mürren. Bevor die Briten hier kolonisierten, fuhren wir ,,über die Schulter am Schiltgrat polzgredi ahi zum Wäldli am Mirrenbach" in knapp drei Minuten; heute Kandaharhang. Oder, wir stiegen über Oberberg und links zu hinterst Siebenbrünnen steil hinauf zum Kummetboden, um die Abfahrt über Jochli nach Prast zu durchsausen; heute: Hidden-Valley-Halfway. Trotz dem Tauffanatismus schätzten wir diese Briten als ehrliche sportliche Freunde. Besonders Arnold Lunn liebten wir in seinem unbeugsamen, verbissenen Skifanatismus. Ich hatte kurz vorher auf Lunn's Anregung hin einige Berner Studenten alarmiert, um gegen ein englisches Team ein Abfahrtsrennen zu starten. Ich schlug die Abfahrt ,,durch den Brand" und Lunn die Hänge von ,,Tschuggen-Glade" vor. Die Nachprüfung auf der Karte ergab, daß sowohl die englische, wie schweizerische Strecke durch dieselben Waldschneisen hinschossen und diesem g1üc;klichen Umstand war es zu verdanken, daß eine Einigung ohne den üblichen „Krach" erzielt wurde. Mit I diesem Rennen war der Grundstein zur Tradition des Anglo-Swiss gelegt. Walter Amstutz und ich ratschlagten über die Notwendigkeit einer Organisation, um den britischen Freunden die Stange zu halten, und nach einer schönen Talfahrt über den Frühlingsschnee epogen wir in weichen Sesseln im „Des Alpes'' erneut die Gründung eines akademischen Skiklubs, die denn auch am darauffolgenden Tag bei neuem Aufstieg nach dem Schiltgrat ausgemacht wurde.

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sich in Langlquf und Sprunglauf erschöpfte, gegen uns hatten. Wir wußten, daß die Skispitzen von 1924 nicht skifahren konnten, d. h.: daß wir zwei in der Abfahrt alle schlugen, und doch kannten wir viele Könner der Abfahrt, die an den offiziellen Rennen niemals als Skigröße in Erscheinung treten konnten, da ihre Kunst des Fahrens im schwierigen Berggelände nicht unter Probe gestellt wurde. Als wir dann am 26. November 1924 mit Willy Richardet zusammen zu dreien hoch den SAS aus der Taufe hoben und eine erste bescheidene Notiz im ,,Sport" erscheinen ließen, zeigte sich sogleich die Opposition. Mein Bruder Othmar zog mit spitziger Feder gegen uns zu Felde und im ,,Bärenstübli" in Bern hatte ich eine scharfe Auseinandersetzung mit dem allgewaltigen Ren6 von Graffenried,wobei keiner dem andern ein Wort schuldig blieb. Thorleif Björnstad suchte zu vermitteln und in einer spittern Unterredung mit dem prächtigen nordischen Freund fiel das Wort: ,,Aber los, Manz, tue doch dä Klub bim SSV amälde, ig will de es Wort ilege, daß dä ech lat la mache, wie Dir weit!" I n der Gründungsversammlung hatten wir Statuten im Umfange von 13 Paragraphen genehmigt, tmd der Klub von drei Mitgliedern schrieb sogleich sein „I. Akademisches Skirennen der Schweiz" für den 14./15. Februar 1925 in Mürren aus. ,,Kommilitonen, In dem Bestreben, den Skilauf an den schweizerischen Universitäten zu heben, hat sich der Schweizerische Akademische Skiklub (SA-S)gebildet. Dieser hat sich als nächste Aufgabe die Organisation einer Schweizerischen Hochschul-Skimewterschaftgestellt, die er am 14./15. Februar 1925 in Mürren im Rahmen eines Abfahrtsrennens und eines auf hartem und weichem Schnee auszufahrenden Slalomlaufs durchzuführen gedenkt. Es ist dem SAS gelungen, für eine beschränkte Anzahl der Teilnehmer in guten Hotels Freiquartiere zu beschaffen. Sollten die Anmeldungen diese übersteigen, so erhalten die zuerst Angemeldeten den Vorzug. Diese HochschuIskimeisterschaft ist offen für alle an einer schweizerischen Hochschule immatrikulierten Studierenden, ohne Rücksicht auf deren Nationalität. Die Anmeldungen sind bis zum 12. Februar 1925 zu richten an Herrn W. H. Amstutz, cand. rer. pol., Ägertenstraße 13 in Bern, der auch für jede weitere Auskunft zur Verfügung steht. Für den Schweizerischen Akademischen Skiklub, Der Präsident : Dr. H. Gurtner. Der Sekretär: W. H. Amtutz." Am 29. Dezember 1924 schrieb mir Walter Amstutz: „Ich habe einen wichtigen Vorschlag. Meiner Ansicht nach bricht sich der SAS an den Tests das Genick. Wir sollten unbedingt den Paragraphen in unseren Statuten streichen. Ich schlage als Aufnahmeparagraphen folgenden vor : Es können nur Mitglieder aufgenommen werden, die über eine gewisse Technik und Sicherheit im Skilaufe verfügen. Der Vorstand beschließt iiber die Aufnahme. Die Tests können wir gleichwohl beibehalten. Sende mir auch die Statuten, damit ich Mitglieder werben kann. Nicht vergessen. Erwarte umgehenden Bericht, verständige Dich noch mit Richardet. Heila Walter Amtutz."

Als Nachsatz : „Als Mitglieder schlage ich vor: Jordi, Salvisberg, Kümmerli, Escher, Lunn. Am 12. Januar 1925 schrieb ich an Amstutz: ,,Mein Lieber ! Der SAS ist über Nacht bekannt geworden durch Deinen flotten Sieg im Anglo-Swiss und Othmars Kritikartikel im ,,Sportu. Das Erstere hat mir sehr wohl getan und das Zweitere stärkte mich in der Auffassung, trotz SSV nicht von den ursprünglichen Plänen abzuweichen. Ich danke Dir!. . . Ich bin nicht damit einverstanden, die Prüfungsbedingungen für die Aufnahme in den Klub aufzu-


geben. Es liegt mir herzlich wenig daran, einen Klub von Legion Mitgliedern zu kreieren. Bleiben wir ruhig bei kleinen Zahlen. . ." In einer Vorstandssitzung - man hätte mit drei Mitgliedern auch Generalversammlung sagen können hatten wir am 4. Februar 1925 das ,,Programm" für die Ersten Akademischen Rennen, die ,,Fahrvorschriften" und eine Liste von Preisen genehmigt. Am 5. Februar 1925 schrieb ich an Werner Salvisberg eine Epistel, die so recht den Geist unserer Improvisation widerspiegelt : ,,Mein Lieber ! Wir haben ausgemacht, daß das Rennkomitee für die Durchführung des ,,I. Akademischen Skirennens der Schweiz'' aus Dir, Arnold Lunn und mir als Präs. gebildet wird. Ich sende Dir nun ui der Beilage die Rennvorschriften, bei uns ,,Fahworschriften" benannt. Bitte gib ein Doppel an Mr. Lunn weiter. Zugleich findest Du, im Doppel beigefügt, eine Zusammenstellung der Preise. Willst Du bitte diese Sachen durchgehen und wenn irgend was daran falsch sein sollte, so berichte mir noch. Ich werde voraussichtlich am Donnerstag in Mürren eintreffen. Das Abstecken der Abfahrt möchte ich gerne mit Dir besorgen, indem wir am Samstag früh aufbrechen, damit sich die zum Start ansteigenden Fahrer genau über die Markierungen orientieren können. Stelle bitte fest, wieviele Stoppuhren uns in Mürren zur Verfügung stehen. Allfällig werde ich fehlende auftreiben. Bitte iibernimrn die Vorsorge für Fähnchen und Nummern. Für die Abfahrt brauchen wir meiner Abschätzung nach acht Kontrollposten, die zwar mehr für Ordnungszwecke als zur Kontrolle der Fahrlinie notwendig sind, da die Markierung möglichst die kürzeste Linie wählen wird. Für Samstag haben wir noch ein Fahren am Zweierseil ins Programm gesetzt und Du solltest Dich dann nach Seilen umsehen. Nun genug des ,,Sollens". Du darfst nun auch ein Tröpfelein Wein trinken, da Du und ich ja nicht starten. Beste Gfüße an die ganze Miirrenerskigemeinde. Dein

Für dieses erste offizielle Rennen des SAX gingen 21 Meldungen ein und mit Vergnügen und Prahlsucht knobelten wir heraus, daß sich neben den Schweizern auch Engländer und Franzosen, ein Schwede und gar ein Russe gemeldet hatten. Die Rangliste der Sieger zeigt, wem wir den guten Namen unseres Klubs in den ersten Jahren des SAS zu verdanken haben. R a n g l i s t e d e r I. Schweiz. Hochschulskimeistersohaft : 1. 1. 2. 3. 4. 5. 6.

Abfahrtsrennen. W. Amstutz W. Jordi W. Richardet W. Kümmerli A. Escher L'Ora

Min. Universität Bern I+

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Poly Zürich Universität Zürich >,

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Slalom auf Harhchnee. Zweimaliger Start. W. Amstutz Universität Bern W. Kümmerli 77 A. Escher , Zürich W, Jordi ex aequo Bern 5. W. Richardet B. W. Steinegger Zürich 2. 1. 2. 3.

6.53,4 7.5.5,2 8.35,4 9.41,8 9.50,4 9.57,8

Note 1.000 1.150 1.247 1.406 1.429 1.445


3. Slalom auf Weichschrzee.

Mim.

1. W. Amstutz W. Richardet ex aequo 3. 4. 5. 6.

67,O 76,2 77,s 81,4 103,s

L'Ora A. Escher W. Kümmerli W. Jordi

Note 1.000 1.136 1.161 1.215 1.550

4. Schweizerischer Akademischer Hochchul-Skimeister 1925

Note

1. W. Amstutz 2. W. Richardet 3. W. Jordi

1.000 1.153 1.231

Ich beeile mich, diesen Namen diejenigen von Pierre de Schumacher, Guido Reuge und Andre Roch beizufügen, mit denen die Entwicklung eines gesunden und frohen Sportgeistes in? SAS verbunden war. Die Durchführung dieses I. Akademischen Skiwettkampfes hat den SAS mit einem Schlage bekannt gemacht. Sie leitete zu einem Freundeskreise über, der sich vorerst auf Bern konzentrierte und seine Eskapaden in die Berge meist auf zwei Bignan-Wagen von zweifelhafter Technik wagte. Die größte Förderung verdankte der junge SAS der Gilde des Akademischen Alpenklubs in Bern, dessen aktive Mitglieder i m Winter bald in unsern Klub eintraten. Durch die jährliche Veranstaltung der Rennen wurde die Propaganda für die Verbreitung unserer Ideen und die Ausweitung des Wirkungsfeldes des SAX auf die übrigen schweizerischen Universitätsstädte belebt. Schon im ersten Jahr haben wir ein bescheidenes Blättchen, „Der Schneehase", herausgegeben, dessen Auflage noch die Schreibmaschine bewältigen konnte. Doch schon bald hat Walter Amstutz die Redaktion eines Jahrbuches unternommen, das durch seine Qualität unserer Bewegung die Achtung verschaffte, die denn auch in verhältnismäßig kurzer Zeit zur erstrebten Gleichberechtigung der Fahrtechnik mit Lauf- und Sprungtechnik geführt hat. Während des gleichwohl jahrelangen Kampfes um die Geltung des SAS habe ich oft die leichtfertigen Federfuchser verwünscht. Mein Zorn galt den überheblichen Zeitungsschreibern, die ja wohl Berichtigungen erscheinen lassen, wenn die falsche Meldung oder Beurteilung erschienen ist, die aber doch oft Verhältnisse trüben und Entwicklungen zurückhalten und erschweren. Ehre den geistigen Leistungen wie sie uns in den Jahrbüchern von A. Lunn „The British Ski-Year-Book" und von Walter Amstutz „Der Schneehase" vorgelegt werden. Schiltgrat bei Miirren. &burtsslätte des SAS. Photo Dr. W . Antslutz

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Von u r . WaLter Arnstulz, SAX, St. Moritz Die täglichen privaten Abfahrtsrennen am Schiltgrat bei Mürren, im Februar 1924, zwischen Manz Gurtner und mir, waren die ersten Vorbereitungen zur Gründung unseres Clubs - der SAS entstand also nicht am grünen Tisch! Am Schiltgrat hatten auch die Engländer unter der Leitung ihres Renngenerals Arnold Lunn Abfahrt und Slalom großgezogen und wiesen uns den Weg zum alpenländischen Skifahren, in einem Gelände, das nebenbei gesagt, aus topographischen Gründen dem Langlauf keine großen Chancen einräumen konnte. Zu Beginn des Wintersemesters konnten wir für unsere Sache noch unseren Freund Willy Richardet gewinnen; so erfolgte am 26. November 1924 der formelle Gründungsakt im Restaurant du Theatre in Bern, mit anschließender Freinacht (polizeilich bewilligt!) in der Aarbergergasse. Als Kuriosum sei hier angemerkt, daß die drei Gründer des Schweizerischen Akademischen Ski-Clubs in den ersten zwei Monaten nach der Gründung die einzigen blieben. Wir hatten natürlich auf diese Art die Rollen durch Selbstwahl schnell verteilt und es war für uns eine Kleinigkeit, von Fall zu Fall eine statutarische notwendige Generalversammlung einzuberufen. Wir blieben dabei beweglich und konnten unsere improvisierten Statuten immer nach Wunsch ändern, was denn auch des öftern der Fall war. Die ersten Statuten seien hier trotzdem mit unseren ersten ,,Fahrvorschriften" wörtlich wiedergegeben, gleichsam als Testament der Gründer, damit unser SAS im zweiten und folgenden Dezennium den Weg nie verfehle. In den Anfangstagen vom Januar 1925 folgten unsere Freunde W. Jordi, P. V. Schumacher, die Brüder W. und H. Salvisberg, Kümmerly, Escher und Lunn. Der SAS hat zwar nie auf Massenmitgliedschaft Wert gelegt; wir zählen auch heute nur 220 Mitglieder. Wir waren uns im klaren, daß wir anfänglich auf den Begriff ,,SkiL'mehr Akzent legen mußten, als auf den Begriff „Akademischu, denn der Hauptzweck der Gründung des Clubs war von Anfang an Abfahrt und Slalom als dem heiligsten Punkt der Satzungen zum Durchbruch zu verhelfen. Es war uns klar, daß es mit einem neugegründeten Club, dessen Statuten wir selber schufen, viel leichter war, diese Disziplinen in schweizerischen Kreisen populär zu machen. Es lag uns daran, das Interesse für die echte alpine Skifahrsache im SSV zu wecken. Dabei den akademischen Skisport zu heben ging in einem - also fingen wir gewissermaßen zwei Fliegen auf einen Schlag! Wenn der Alpinismus in der Schweiz bei den Akademikern die Pioniere suchte, so sagten wir uns, daß auch der Skisport durch die Akademiker entwickelt werden kann. So hieß unser Schlachtruf: „Bahnfrei dem Abfahrtund Slalomlauf !", nach der einen Seite und ,,Burschen heraus, weg vom Biertisch, an das Steilbord", auf der anderen Seite. Dem Stockreiten hatten wir den Krieg erklärt, obschon dieses Thema zu verschiedenen internen Meinungsverschiedenheiten Anlaß gab. So waren die Mitglieder der damaligen Sektion Zürich über das Stockreiten und Trennung von reiner Abfahrt und Langlauf nicht der gleichen Ansicht wie wir und in einer ersten „formellen Generalversammlung", die im Frühjahr 1926 in Bern stattfand, kam es zu großen Wortgefechten. Die Zürcher Sektion überstimmte uns glatt - Resultat: Stockreiten an unseren Rennen und Gegensteigung während dem Sommer 1925 gestattet. In einer Vorstandssitzung vom 25. Juli mußte auf Druck der Zürcher Opposition hin folgender Passus ins Protokoll aufgenommen werden: ,,Letztjährige Reglemente gelten. Die Rennstrecke soll sich folgendermaßen zusammensetzten: 415 Abfahrt, 115 Flachlauf und kurze steile Gegensteigung." Doch gegen die Neige des Sommers beschloß die Minderheit, in Abwesenheit von Zürichs ausschlaggebenden Stimmen, das Protokoll vom 25. Juli zu revidieren. Es heißt im Protokoll vom 7. September: ,,Es wird entgegen dem Beschluß vom 25. Juni 1925 nur eine reine Abfahrt ausgetragen. Stockreiter werden in allen Konkurrenzen disqualifiziert. Unter ,,Abfahrtc'versteht der SAS eine reine Abfahrt ohne Aufstieg."


Von Zürich erfolgte keine neue Opposition, die ,,Mehrheitc'war offenbar auf Urlaub und damit hatten wir wenigstens in unseren Reihen über diesen Punkt endgültig Ruhe, was wichtig genug war, denn die Auffassung im Schweizerischen Skiverband und in der Sportpresse war eine andere und gab uns genügend zu schaffen. Wir aber hielten uns immer an unser Ziel, das Dr. Gurtner in unserem ersten vervielfältigten Schneehasen vom Dezember 1925 in die folgenden treffenden Worte faßte: „Der Schweizerische Skiverband hat uns seine jährlichen großen Skirennen und ganz besonders durch die schöne Institution der Abgabe von Gratis-Ski an die Schuljugend die nordischen Geräte in unsere Bergtäler eingeführt. Unsere Generation hat den Kampf um die Fahrtechnik erlebt und viele von uns haben sich vom Stockreiten zum Skifahren durchgerungen. Doch lange konnte sich die Mähr erhalten, daß eine gute Fahrtechnik eine äußerst heikle und schwer zu erlernende Fähigkeit sei. Mancher hat sich dann auch mit einem Minimum an Können begnügt und in Selbstgefälligkeit mit vielen Stürzen auf langer Wanderung gebrüstet. Der Ski gehört zum Alpinisten im Schnee, wie der Pickel im Eis und der Kletterschuh im Fels und wer die Sportgeräte im Fels und Eis und Schnee gut zu benutzen weiß, erschließt sich damit die Pracht der Alpenwelt. Oberstes Ziel unserer Vereinigung ist die Entwicklung einer zuverlässigen Fahrtechnik. Jedes junge Mitglied tritt als ,HaseGin den Club. Wenn es sich dann als guter, zuverlässiger Fahrer ausweist, wird es durch Vorstandsbeschluß in den Stand der ,Schneehasen' erhoben." Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, die Presse für unsere Sache zu gewinnen. Ein ausgezeichnetes Mittel zur Propagierung unserer Ziele waren daher unsere Skirennen: Die Anglo-SwissRennen, die Ski Hochschul-Meisterschaften und die Internationalen Universitäts Ski-Wettkämpfe. Es gab da natürlich noch manche schwere Nuß zu knacken. Da der Verband Schweizerischer Studentenschaften - der für den Hochschul-Sport zuständig ist - sich der Skisache überhaupt nicht angenommen hatte, so schrieben wir kurzerhand und ohne diese zu begrüßen, die Akademischen Skimeisterschaften aus. Das Sportamt genehmigte später diese Hochschul-Ski-Meisterschaften und es kam zwischen uns und dem Sportamt zu einer freundschaftlichen Vereinigung. Etwas mehr Schwierigkeiten bereitet uns der Schweizerische Skiverband. Der damalige Zentralvorstand stand noch auf dem Standpunkt, daß es nur eine einzige Schweizerische Skimeisterschaft geben dürfe, und daß alle anderen Meisterschaften daher zu verbieten seien. Wir haben, obschon wir allerdings Mitglied des Skiverbandes wurden, diese Vorschrift nie ernst genommen. Im Lande der Verbottafeln wird man abgehärtet. Es war nicht einzusehen, warum die Student. in allen Sportarten ihre Meisterschaft austragen dürfen, nur just irn Skilauf nicht. Die Gemüter haben sich dann beruhigt und der S W hat unsere Skimeisterschaft stillschweigend sanktioniert. Weniger reibungslos ging es mit den ,,Internationalen Universitätsskiwettkämpfen",deren Ausschreibung wir den Statuten des Schweizerischen Skiverbandes und der FBd6ration Internationale de Ski anzupassen hatten. Doch auch hier gab es einen Ausweg. Berni Rüfenacht erfand die ASAL: ,,Akademische Skiwettkämpfe aller Länder." Die ersten Schweizerischen Ski-Hochschul-Meisterschaften im Februar 1925 in Mürren waren ein durchschlagender Erfolg des SAS. Dadurch gestärkt, beschlossen wir, schon im folgenden Winter akademische Rennen über Abfahrt und Slalom international auszuschreiben. Als Ort der Durchführung wählten wir St. Moritz, wo wir am ehesten mit einer internationalen Beschickung rechnen konnten; und wirklich hatten wir Glück: Die Deutschen kamen in Kohorden und gaben damit der Veranstaltung wirklich einen internationalen Ton. Es waren durchtrainierte Langläufer und Springer von Format, die alle samt und sonders in dem Geiste: „Sie kamen, sahen und siegten", von der Münchner Yaximilians Universität nach St. Moritz delegiert wurden. Als Schiedsrichter sicherten wir uns Dr. Henry Hoek, die internationale Skigröße, von dem wir wußten, daß er unseren Ideen schon seit Jahren sympathisch gegenüberstand. Das erste Intermezzo gab es beim Abfahrtsrennen von Corviglia. Der Schiedsrichter erklärte am Start: ,,Stockreiter werden disqualifiziert." Es wurde ihm dann seine Aufgabe dadurch erleichtert, daß die deutschen Teilnehmer trotz Stockreiten - oder vielleicht wegen Stockreiten - in die letzten Ränge fielen. Und so berichtete dann Anglo-Swiss Rennen in Mtirren. Photo: B. A. Michel


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die r r e m : Frankfurter Zeitung vom 25. Januar: „Die Hoffnungen der Deutschen erfüllten sich nicht, sie fanden sich auf keiner einzigen Strecke zurecht. Vor allem lag ihnen das wirklich schwere alpine Abfahrtsrennen offenbar gar nicht." Die Mibmhener Neuesten Nachrichten vom 29. Januar : „Bei den internationalen Skiwettkllmpfen in St. Moritz, über die kurz gefaßt schon berichtet wurde, hat die Universität München samt der deutschen Studentenmannschaft kein Glück gehabt, da sie unter vollständig ungewohnten, nach englischen Regeln durchgeführten Bedingungen, kiimpfen m a t e . Gerade die deutschen Wettlaufarten: Langlauf und Sprunglauf spielten bei diesem Wettbewerb keine Rolle. Ein Langlauf wurde nicht durchgeführt, dem Sprunglauf keine enbcheidende Rolle zugeteilt. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Münchener Maximilian Universitiit die best trainierten Mannschaften an den Start brachte. Wenn sie im Endklassement nicht an der Spitze rangierten, so hat das keine besonderen Gründe. Jedenfalls hinterließen die Münchner bei dem 16 km Langlauf, der am Sonntag vom Skiclub Alpina durchgeführt worden war, einen derart guten Eindruck - Schneider kam außer Konkurrenz mit ganzen 4 Minuten Vorsprung vor dem Sieger an - daß am Sonntag jedermann mit einem kiaren Sieg der Deutschen rechnete." Für uns waren diese Kommentare ein neuer Beweis dafür, daß Lang- und Sprungläufer nicht auch Abfahrer sind. Ein neues Intermezzo erfolgte am zweiten Renntag, wo uns der damalige Kurdirektor von St. Moritz zeigen wollte, wie man einen Slalom aussteckt. Es fehlte wenig, und unser offizieller Fhggenwart Arnold Lunn wäre in eine Rauferei geraten. Doch Lunn erwies auch auf dem weißen Felde, daß er nicht nur ein ausgezeichneter Verteidiger, sondern auch ein guter Angreifer ist. Der Führer dar deutschen Delegation, unser heutiges Ehrenmitglied Dr. K. Roesen, hat es damals verstanden, mit außerordentlichem Geschick die zwei Lager der deutschen und schweizerischen Studenten zusammenzuführen. Wir anerkannten und freuten uns über die großen athletischen Fllhigkeiten der Münchner Studenten und sie anerkannten unsere tfberlegenheit im Fahren. Wir beschlossen, in unseren internationalen Rennen fortab Lmg- und Sprunglauf der Abfahrt und dem Slalom gleichzusetzen und im folgenden Winter wurde auf Anregung von Dr. Roesen in Bayern der 1. offizielle Slalom im D. S.V. organisiert. Unsere akademische Ski-Meisterschaftwurde als Folge der St. Moritzer Rennen in den kommenden drei Wintern (Wengen, Engelberg, Mürren) in Form einer Viererkombination ausgetragen. Wir sahen allerdings bald ein, daß dies zu unbefriedigenden Resultaten führte und nwh vielen Sitzungen, Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten konnten wir uns endlich auf die einzig richtige Formel einigen, auf eine Zweiteilung der Meisterschaft in Akademische Skimeisterschaff im Laufen und Springen und Akademische Skimeisterschaft im Fahren (Abfahrt - Slalom). Damit hatten wir bewiesen, daß wir bereit waren, alle Formen des Skilaufes gleichmäßig zu behandeln und auf unserem Postulate stand nun, vom Schweizerischen Skiverband und vom Internationalen Skiverband ein gleiches zu verlangen. Unsere Rennen verschafften unseren Ideen die größte Publizitllt. Im Frühjahr 1928 platzte plötzlich die Bombe. Am 30. März erschien ein unswierter Leitartikel im ,,Sportc', unter der Schlagzeile ,,Vor der Abschaffung des Langlaufs", von unserem Freunde Fritz Erb. Gleich darauf erfolgte unsere Erwiderung und es kam zu einem Federkrieg, der für den SAS entschieden wurde, weil, um es gleich vorwegzunehmen, wir einen fairen und sportlichen Gegner vor uns hatten. Aus diesem Federzwist müssen wir unsere nachstehenden Abschnitte zitieren (Sport 18. 4. 1928), da sie das Programm des SAS in seinen ersten Jahren wiedergeben: . . . ,,1. D i e Bewegung zur Einführung von Slalom- und Abfahrtslauf in das Internationale Rennprogramm ist keineswegs von heute; bei den schweizerischen Akademikern datiert sie offiziell seit der Gründung des SAS, d. h. seit 1924. Die ,Niederlagecder schweizerischen Mannschaft in St. Moritz,l) ( m e h r persönlichen Ansicht nach übrigens nicht im geringsten eine Niederlage) hat also mit unserem Wunsche der internationalen Anerkennung von Abfahrts- und Slalomlauf nichts zu tun. Der Grund, warum wir erst seit kurzem an die Öffentlichkeit treten, ist der, daß wir uns erst heute stark genug fühlen, unser Programm mit Erfolg zu verteidigen. Zudem fehlten uns vor vier Jah1)

gemeint war die Olympiade, Schriftleitung 11


Dr. W ü l y Rkhardet f MetgrUnder des SAS

Walter Jordi t Erster Zentralkasaier des SAS

vv%wy B o n m o Ein vielverdienter Zentraiaek?r&r

DT. P . von Sehunaaciier Erster Beisitzer i n den Anfangsjahren

ren noch die finanziellen Mittel, wie auch die Erfahrungen, ohne die wir nie einen erfolgreichen Abfahrts- und Slalomlauf-Feidzug hätten durchführen können. Selbst wenn - und das darf sich der Herr Einsender merken - die schweizerische Olympiamannschaft in allen Wettkämpfen in St. Moritz die ersten 10 Plätze belegt hätte, wären wir mit genau gleicher Hartnäckigkeit an die Propagierung unseres Programms gegangen. 2. Der Einsender spricht von Abschaffung des Langlaufes und verquickt damit unseren Namen. Ich möchte den betreffenden Herrn ersuchen, unsere Wettkampfordnung zu studieren und unsere Rennen zu verfolgen. Er wird sich leicht überzeugen können, daß wir nicht nur den Slalom- und Abfahrtslauf, sondern auch den Lang- und Sprunglauf in unser Programm aufgenommen haben und betreiben. Wir verlangen keine Abschaffung des Langlaufes, sondern wir verlangen eine BZeiahstellung von Abfahrts- und Slalomlauf gegenüber Sprung- und Langlauf bei internationalen Rennen. Soweit die offizielle Berichtigung. Es sei mir erlaubt, den Ansichten des Herrn Einsenders noch persönlich zu erwidern: Ich möchte fragen: ,Wenn der wahre Sportsmann vom Kampfgeist erfüllt istcund auch wenn er ,an billigen Erfolgen keine Freude hat', darf er dann nicht einmal den Spieß umkehren und den Nordliinder einladen, sich neben den traditionellen Wettkämpfen mit uns in unseren Laufarten zu messen? Ist das unsportlich? So selbstverständlich es nämlich für den Einsender ist, daf3 die Schweizer gute Abfahrer sind, so selbstverstlndlich ist es für mich, daß die Nordländer gute Langläufer sind. Wenn daher in einem Falle ein Wettkampf gepflogen wird, warum SOU er im andern Falle nicht toleriert werden? Ich weiß nicht, ob der Herr Einsender aktiver Läufer ist; sonst würde ich ihn einladen, einmal bei unsern ,hübschen schweizerischen Ski-Spezialitäten' mitzumachen. Er soll sich dann überzeugen können, ob er bei einem Abfahrts- oder Slalomlauf Zeit findet, sich lang zu besinnen, einen ,schönen Schwungczu machen. Braucht etwa der Abfahrtslauf nicht mehr geistige Beweglichkeit und plötz-


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mts~hlußfiihigkeitals der Langlauf? Hat die Erziehung zum raschen Handeln nicht ebensoW ! t , wie im ,gehetzten Tempo bergauf zu rennencund - sagen wir es offen - sich in vielen l; und Lunge auf Lebtag zu ruinieren? &- Herrn Einsenrhr versichern, daß gerade der Schweizerische Akademische Skiclub

he? Ist es vielleicht nicht auch ein Zeichen von Jugendkraft und Energie,

das &&$$ b d e s t e n s so viel Aufwand wie ein Langlauftraining? W m . @ r Einsender frägt: ,Was ist ein Slalomlauf, der ein paar Sekunden dauert, gegen einen & -M?', I möchte ich ihm entgegnen: ,Was ist ein 100-Meterlauf in der Leichtathletik (der cheint Leichtathlet zu sein), der in noch bedeutend kürzerer Zeit als im Slalomlauf ge&m Marathonlauf ? ' Vertreter des Abfahrts- und Slalomlaufes je behauptet, die Langläufer en kann man behaupten-und hier kann ich mit reichlichem Zahlen. m e n - d& eine Menge hervorragender Springer und Langläufer mittelmäßige Abfahrer

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$pielt Glück beim Abfahrts- und Slalomlauf eine Rolle. Der Engländer sagt: ,No luck, no Aber spielen vielleicht Glück und Pech beim Langlauf nicht auch eine Rolle? Kann das ,VerGeht auch Pech sein? Kann ein Temperatursturz während eines 50 km-Laufes nicht auch jenen entscheiden, der glücklich ,verwachstchat? Ist das nicht auch Zufall und Glück? Training anbelangt, da möchte ich fragen: Ist es richtig, daß man sich neben seinem e als Amateur) auf irgend einen sportlichen Wettkampf Monate, ja unter Umständen voraus vorbereiten muß ? Wird dadurch das sportliche Messen nicht zu einem Pri-

Dr. Bernhard &-,.. lacht Dritt& ZtratraEprdlsPdent

~ n i g e n die , Zeit und Geld haben (oder sich geben lassen)? Kann denn eine ,riesige orbereitung, um in stundenlangem, zähem Ringen gegen die Schwierigkeiten des Gen Hunger, Durst, Miidigkeit und Erschlaffungc zu kämpfen, die Grundlage zu einem t bilden? Treibt der Amateur nicht Sport zur Erholung? schweizerischen Skikreisen ist man sich heute voll bewußt, daß die internationale V- Abfahrts- und Slalomlauf nur noch eine Frage der Zeit sein kann. Herr Dr. hat in weitblickender Weise dem englischen Vorschlag in St. Moritz beigestimmt. In eise anerkennt Herr Zentralpräsident Dr. Danegger in seiner Entgegnung in

13


Dr. Heinrich Binder

Vierter Zentralprdlsident

der ,N. Z. Z.' vom 23. März die Notwendigkeit der Revision unseres Rennprogrammes. Und diese Frage der Änderung der Wettkampfordnung wird nicht nur bei uns erwogen. Bei weitem nicht! So schreiben die ,Münchener Neuesten NachrichtenGvom 27. März 1928 anläßlich des ersten Slalomlaufes des Bayrischen Skiverbandes unt,er anderem: ,Der Slalom liegt augenblicklich in der Luft. Unsere Münchner Studentenschaften haben bei internationalen Skirennen im Slalom (St. Moritz 1926, Wengen 1927, organisiert vom SAS) eine Wettlaufart mit stärkerer erzieherischer Wirkung erkannt.. . . Der erste Versuch an der Bodenschneid ist geglückt und er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen.. . Zurück blieb bei den Leitern des Laufes, den Teilnehmern und den Zuschauern der erfreuliche Eindruck, einen Weg betreten zu haben, der allerlei Fortschritt mit sich führen wird. . .' Herr Ingenieur Gomperz, gewesener Präsident des österreichischen und mitteleuropäischen Skiverbandes, schreibt im ,Tyroler Anzeiger' vom 5. März 1928 bei der Besprechung des ersten großen Tyroler Abfahrts- und Slalomlaufes am Arlberg, bei dem die besten Vertreter Österreichs anwesend waren: Der erste Versuch, im Sportbereich des Deutschen Ski-Verbandesdie Slalomläufeund Abfahrtsrennen i m englischen Stil durchzuführen, ist ein voller Erfolg gewesen. . . . Sie (die alpine Technik) wird keine englische Domäne bleiben, das haben die beiden frohen Arlberger Tage gezeigt. Schlußendlich eine Stimme aus dem Norden: Der Sekretär des Internationalen Skiverbandes, der anschließend an die Olympiade mit Mitgliedern des SAS in Mürren Ski gefahren ist und Abfahrtsund Slalomläufen beigewohnt hat, schreibt mir: ,.. .Mürren war für mich sozusagen das Interessanteste, das ich kürzlich im Skilauf gesehen habe. . .' und vor seiner Abreise sagte er zu mir am Ende einer Abfahrt voll Begeisterung: ,Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich Skifahren lernen!' So lautet es aus der nördliehen Windrichtung und dazu ausgerechnet anschließend an die Olympiade ! ! Sind das ,tendenziöse Lockrufe einer sehr lokal orientierten Gruppe von Skiliiufern', wie der Einsender behauptet? Mit ähnlichen Stimmen aus allen möglichen Gauen kann das Archiv des SAS jederzeit dienen." Fritz Erb folgte dem Rufe. Er kam im folgenden Winter an unsere Rennen nach Mürren. Er wurde unser Freund und hat ab diesen Tagen auf unserer Seite viele wertvolle Arbeit geleistet. Was unsere Sache weiter förderte, war der ,,SchneehaseG. Wir brauchten nun einmal Publizität und deshalb brauchten wir auch ein Jahrbuch, und zwar ein Jahrbuch, daß das Prestige des SAS in würdiger Weise verankerte. Dem Protokoll vom 7. September 1925 entnehmen wir: ,,Es wird beschlossen, ein Organ, ,Der Schneehase' herauszugeben. Der Druck so11 durch die Inserate gedeckt werden." Gesagt, getan - der Schneehase erschien - und springt seither jedes Jahr von neuem aus seinem Nest. Der junge SAS hatte von Jahr zu Jahr Erfolg und fand immer mehr Anhänger für seine Ideen. Noch vor seinem lojährigen Bestehen haben SSV und FIS ihre Wettlaufbestimmungen abgeändert und damit hat der SAS für sein zweites Dezennium sich nach einem neuen Arbeitsprogramrn umzusehen.


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SAS h@&@inen Anfang in Bern genommen. Hier haben also einmal die Berner die Initiative t&riien. ZÜ?Yc.h, St. Gallen, Basel, Genf und Lausanne folgten zwar nach, und Zürich war es bald && leichtes, den ganzen SAS zu überstimmen; doch allein, wir hielten nicht so oft Versammlungen igstens in den Anfangstagen das Formale eher abging. Der gute kameradschaftliche g an in unserem Club wehte, war unser Leitstern und hat uns über alle Schwieriger hinweggeholfen. Wir waren nie ein Verein, waren allen föderativen Neigungen abhold, Club sein. In diesem Geiste wurde der SAS, als unser erster Zentralpräsident &,;&;qurtner das Prbidium an Dr. 0.Hug nach Zürich übergab, mit seinem Sekretär Willy Bovielverdienten SAS'ler , auch weiter geleitet, und sein Nachfolger Dr. B. Rüfenacht, & @ c& % m e'$ itte Zentralpräsident hat das Schalein im gleichen Fahrwasser weitergesteuert. Unser vierter ent, Dr. H. Binder, kann daher einen Club von Freunden über die Schwelle des ersten D a SAS führen. e h l u ß e noch etwas aus unseren ersten Clubtagen. Der SAS entstammt einem Freundes, dem msi ,,Clubwagen" zur Verfügung standen, mit zwei ebenso vorzüglichen CYhauffeuren: , &. T. von ~ohumacher,ein Aß am Volant und Dr. H. A. Gurtner, der nicht minder waghalsig &Steuerrad führte. So zogen wir am Wochenende aus mit dem Programm: Ski-kjöring hinter Auto (Achtung Anhänger!) ab Bern bis Lauterbrunnen oder Grindelwald. Durchschnittsgeschwindigkeit 0 km! In diesen Tagen war der SAS nur ein Bund von Freunden und wenn wir an unsere und insbesondere an unsere ersten England-Schweiz-Rennen denken, dann erinnern die für uns nie wiederkehren werden. Da ging es oft hoch her eh& , wer die zerbrochenen Scherben und Fensterscheiben zu bezahlen ch nicht im SAS. Es gab auch einen Clubkantus, den die meisten ~ielleich&~wrgeesen haben und den wir nachstehend jenen unter uns in Erinnerung rufen, die von Anglo-Swiss vergessen haben sollten.

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Är ischt e rare Ma,

Där isch im Jäs. Är arrangiert druf los

Där's no darf nitsig la Däm's niemals z'gleitig geit Bis daß ne leit.

bt nie es Protokoll D'r Arni Lunn Kennt jede Schwung,

W w isch ächt das? pröbelet äbeswägs flügt uf de Podex steit I r wieder uf U tuet e Schuf. De lat är d7Schila stah U dänkt jetz mues is la Süsch bin i z'gli Schneehas

Är machts' auf dem Papier Rüeft jedem : Come look here So macht's d'r Mackintotsch Jetz mach wie d'wotsch! D&P. D. lifted stemm Seid gärn wie, wo und wenn U meint numen är heig rächt, Das isch nid schlächt ! D'm S. A. S. Geit's geng no bas !

r ächt Schneehas ! Macht nie e Telemark Mit Scheiche-n-eichestark Stemmt är's im tiefschte Schnee Das mues me gseh !

Är ladt all Länder i

U meint äs müs's so si Är dänkt :s'isch cheibe scheen

Euch all hie z'gsehn.


D I E SCHWEIZERISCHEN HOCHSCHUL-SKIMEISTER I M ,,FAHRENLLUND „LAUFEN U N D SPRINGEN" VON 1927-1934

Guido Reuge, E T H Zürich 1927 (Wengen) und 1928 (Engelberg) ,, Viererkombination"

G. Weber, E T H Zürich 1929 (Mürren) „Viererkombinationi' und 1930 (Davos) ,,Fahren"

Jan Loopuyt, E T H Zürich 1930 (Davos) „Laufen und Springen"

Uustav Schmied, Univ. Basel 1932 (Grindelwald) ,,Laufen und Springen"

Herbert L%nUar,Unzv. Ziirich 1931 (Ustaad) ,,Fahrenu

Rooerc aucni, Univ. Bern 1933 (St. Moritz) ,,Fahren"

Vietw Streiff,E T B Zürich

Sig. Guttormsen, Univ. Zürich 1933 ( S t . Moritz) .,Laufen und Springen" 1934 (Wengen) „Laufen , n d Springen"

Jakob Kielland, E T H Z ü k h 1931 (Ustaad) „Laufen und Springen"

1932 (Urindelwald) ,,Fahren" 1934 (Wengen) ,,FahrenM

Da waren noch Willy Richardet, Walter Jordi und Lord Knebworth (genannt Knebel) dabei und unsere Freunde P. V. Schumacher, Manz Gurtner, Werner und Hermann Salvisberg, L'Orsa, Mackintosh, Andre Roch, Walter Kümmerly und Guido Reuge und wie sie alle hießen. Zwai Clubkameraden und manchen Freund hat uns der Tod entrissen: Unser lieber Freund Willy Richardet wurde am 11. August 1925 vom Steinschlag an der Aiguille Blanche-de Peuterey erschlagen. Fels, Eis und Schnee haben seinem jungen Leben ein frühes Ende gesetzt. Willy Richardet, ein großer Bergsteiger, ein gewandter Skifahrer, war ein treuer, lieber und bescheidener Kamerad. Wir ver-


binden mit i2lm die Worte eines andern großen Bergsteigers, Capt. J. P. Farrark: „A great cornrade never dies, he only goes before." Ein gutes Jahr darauf, tim 27. Oktober 1926 folgte ihm umer zweiter Freund Waltez Jordi, ein viellieber und guter Gesell, ein B~rgsteiger,ein Skifahmr von Format, der im ersten Jahr des SAS große Arbeit für unseren Club geleistet hat. Liebe Freunde Willy Richardet und W a h r Jordi, wir haben Euch nicht vergessen und erinnern uns Eurer bei der Feier unseres zehnjährigen Geburtstages und denken an die schönen Tage, in welchen Ihr noch unter uns sein durfte-t. Auch bei unseren verstorbenen Clubkameraden Dr. Constant Noyer und Andre W y a wollen wir verweilan, und wenn wir uns dereinst wieder zu Euch gesellen, dann werden wir an das Lied denken, da8 uns Walter Jordi noch kurz vor s e i m Tode geschmkt hatte: Bruder, geht es dann Euimal zum letzten Steiß, So nimm den Pickel fest zur Hand Damit der Petrus weiß : Der da kommt ist einer Von der alten Sor%e, Geh' zur Himmelspforte Frisch und frählich ein ! Clubkameraden, bleiben wir Frcxuide von d e alten ~ Sorte; das SAS-Zeichen bleibe mehr als ein bloßes aubzugehörigkeitszeichm; schließen wir nach zehn Jahren den Freundßchaftskreis noch enger denn das ist mehr wert als alle unsere &derenErfolge. Der SAS entstand aus einem Freundeskreis er bleibe ein Freundeskreis.


F A K S I M I L E D E R ERSTEN STATUTEN U N D FAHRVORSCHRIFTEN DES SAS

S T A T U T E N

i

des

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SCHWEIZERISCHEN AKADEMISCHEN SKICLUBS (S.A.S. )

S.1.Der SAS ist ein Verein nach Art. 60 des Z.G.B. 8.2.Der SAS bezweckt die Förderung des Skisportes unter Akademikern. S.3.Der SAS hat seinen Sitz im Domizil des jeweiligen Sekretärs. S.4.Der SAS unterscheidet Ehrenmitglieder, aktive und passive Mitglieder und Kandidaten. a. Zu Ehrenmitgliedern können von der Vereinsversammlung Persönlichkeiten ernannt werden, die sich um den Skisport verdient gemacht haben, oder erheblich die Interessen des SAS fördern. b. -

Als aktive Mitglieder können Akademiker vom Vorstand einstimmig aufgenommen werden, wenn sie Walter Prager um Urimse2slalom. Photo: Wiirgler, Meiringen


von zwei Clubmitgliedern empfohlen sind und gute Fähigkeiten im Skifahren aufweisen. C. -

Als passive Mitglieder können Akademiker vom Vorstand einstimmig aufgenommen werden, wenn sie von zwei Clubmitgliedern empfohlen sind. d. Als Kandidaten können Mittelschüler vom Vorstand angenommen werden. e. Ausnahmsweise können auch Nichtakademiker als aktive oder passive Mitglieder aufgenommen werden, unter den Voraussetzungen in 8.4a. f. Aktive und passive glieder zahlen ein

MitEin-

trittsgeld von Fr. 5 . - und einen Jahresbeitrag von Fr. 10.--. Kandidaten bezahlen jährlich Fr. 4.--. 8.5.Die ordentl. Generalversammlung des SAS wird jährlich einmal auf das WinterSemester vom Präsidenten unter Innehaltung einer 14 tägigen Einladungsfrist durch Ausschreibung im „Sportu einberufen. Ausserordentliche Mitgliederversammlungen werden auf Beschluss des Vorstandes hin unter Innehaltung der gleichen Formalitäten einberufen, wenn es die Geschäfte erfordern. Die Mitgliederversammlung hat die folgenden ausschliesslichen Kompetenzen: a. Beschlussfassung über - Jahresrechnung, Budget, Jahresbericht und TätigkeitsProgramm, die vor der Generalversammlung durch Publikation bekannt gemacht worden sind.


b. -

Beschlussfassung über alle Geschäfte, die vom Vorstand vorgelegt werden oder durch die Versammlung erheblich erklärt worden sind. Beschlussfassung über Ausschliessung von Mitgliedern. Wahl des Vorstandes unter Bezeichnung des Präsidenten auf 1 Jahr. e. Wahl von Kommissionen und Delegationen auf Vorschlag des Vorstandes.

C. d. -

8.6.Der Vorstand besteht aus 5 bis 7 Mitgliedern und organisiert sich selbst. Er setzt sich abwechslungsweise aus Mitgliedern der gleichen Universitätsstadt zusammen. Der Vorstand ist wiederwählbar, doch soll wenn möglich jede Universitätsstadt in einem Turnus berücksichtigt werden. Er besorgt die Geschäfte des SAS und hat das Recht, Kommissionen und Delegationen einzusetzen. Er kann auch auf dem Zirkulationsweg Beschlüsse fassen. Die rechtsgültige Unterschrift des SAS führt der Präsident kollektiv mit einem weitern Vorstandsmitglied. g . 7 . E ~können nur Akademiker in den Vorstand gewählt werden, der Präsident muss ein Schweizerbürger sein. 8.8.Der SAS sucht seinen Zweck im Besonderen zu erreichen durch: a. - Abhaltung von 6echnischen Kursen. b. Durchführung von Fähigkeits- prüfungen (I.1I.u.1II.Kl.) C. Abhaltung vonfkämpfen.Wett* d. Durchführung von Touren, Vorträgen U. gesellschaftl. Anlässen. Durchführung einer akademischen Skimeisterschaft.


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8.

9.Für die Durchführung der in 8.7 erwähnten Aufgaben stellt

der Vorstand besondere Reglemente auf und ernennt die notwendigen Kommissionen. 8.1O.Die Beschlussfassung in den Organen des SAS geschieht mit 213 Mehrheit, ordentli cher Weise in öffentlicher Abstimmung, wenn nicht aus der Versammlung geheime Abstimmung verlangt wird. Der Präsident stimmt mit. Stimmberechtigt sind EhrenAktiv- und Passivmitglieder. 8.11.Der SAS führt ein Abzeichen, mit Unterscheidung der Schneehasen und Hasen, das an Ehrenmitglieder gratis und an die übrigen Mitglieder zu einem vom Vorstand bestimmten Preis abgegeben wird. Das Abzeichen bleibt Eigentum des SAS. 8.12.Bei einer allfälligen Liquidation des SAS vorhandenes Vermögen des Clubs wird zu Gunsten des Gratisskifonds des SSV verwendet.

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S.13.Für alle sich ausRechtsverden Statuten ergebenden hältnisse sind Z.G.B. und O.R. massgebend. Also beschlossen in der Gründungsversammlung in B E R N, am 26. November tausendneunhundertundvierundzwanzig. Der Präsident:

Der Sekretär:

Dr.H.A.GURTNER WALTER H.AMSTUTZ


F A H R V O R S C H R I F T E N für das I. Akadem. Skirennen der Schweiz 1925. 1,Abfahrt: a) Die Fahrer starten einzeln in Zeitabständen von 1 Minute. b) Abbremsen mit Stockhilfe zieht Disqualifikation nach sich. C)

Die Markierung der Strecke erfolgt nur in ihrer allgemeinen Richtung. Jede Marke besteht aus 2 Flaggen, zwischen denen der Fahrer durchzufahren hat.

d) Die Reihenfolge der Startenden wird durch Auslosung bestimmt. 2.Slalom: a) Der Slalom zerfällt in zwei Fahrprüfungen,von denen die eine auf Hartschnee, die andere im Weichschnee abgefahren wird. b) Die Fahrer starten einzeln in Zeitabständen. C)

wie 1.b).

d) Jede Marke besteht aus 1 Flagge, die umfahren werden muss. e) Die Einlaufzeiten der Abfahrt bestimmen die Startfolge beim Slalom auf Hartschnee, die Zeiten des Hartschneeslaloms bestimmen die Reihenfolge im Weichschneeslalom; dabei steht dem Sieger auf HartSchnee die Auswahl auf den l., 2. oder 3. Platz in der Startfolge im Weichschnee zu. f) Für den Slalom auf Hartschnee wird zweimal gestartet. Die erzielten Zeiten werden addiert. 3.Berech- Die Zeit des Siegers wird mit 1.00 nungs gewertet. Die foTgenden Rangnoten art: werden nach der Formel: Siegerzeit : 100 = Konkurrenz : X ausgerechnet.

--


F端r die Abfahrt wird eine Note berechnet; f端r den Slalom wird aus den Abfahrten auf Hartschnee und im Weichschnee eine Durchschnittsnote ermittelt; die Kombination der Noten von Abfahrt und Slalom nach der Formel A + S = X ergibt die Schlussnote f端r die Meisterschaft. Genehmigt in der Sitzung des Vorstandes vom 4.Febr.25 SCHWEIZ.AKADEM.SKICLUB der Pr辰sident: Dr. H. A. Gurtner


LUFTPHOTOGRAPHIE Von Walter Mittelholzer, Zürich

Die Luftphotographie ist ein jüngerer Zweig der Lichtbildkunst, der sich erst zu Beginn des Weltkrieges entwickelte. Wohl hat man aus den Freiballons schon damals Aufnahmen gemacht, wobei ich speziell an die hervorragenden Hochgebirgsbilder unserer Ballonpioniere Spelterini, Beauclair und Guyer erinnern möchte, doch waren diese immer ein Produkt des jeweilen zufälligen Standortes des Ballons. Erst mit der Entwicklung der Motorluftfahrt wurde der Luftphotographie die Aufgabe zugewiesen, durch welche sie heute zur unentbehrlichen Darstellungsmethode überflogener Gebiete wurde. Von den militärischen Zwecken, die allein ein großes Kapitel für sich beanspruchen würden, will ich hier absehen. Es liegt mir daran, dem Bergsteiger, Skifahrer und Naturforscher zu zeigen, welche Nutzanwendungen er aus den Luftbildern ziehen kann. Vorerst einige praktische Winke zur Herstellung von Luftbildern, kann doch heute jedermann aus den Kabinenflugzeugen der Fluggesellschaften selbst mühelos Photos herstellen. Als Kamera ist jeder moderne Film- oder Plattenapparat mit einer Verschlußgeschwindigkeit von mindestens 11200 Sekunde verwendbar. Infolge der relativ kurzen Belichtungszeiten, die für Flugaufnahmen aus dem sich rasch bewegenden Flugzeug nötig sind, ergibt sich die Forderung nach lichtstarken Objektiven. Für die Alpenphotographie, wo gewöhnlich durch die Reflexion von Wolken und Gletschern genügend helles Licht vorhanden ist, reichen jedoch oft lichtschwächere Apparate älterer Bauart aus. Das heutige Lichtbildgerät des Bergsteigers, wie Contax, Leica, Rolleiflex, ist für die Luftbildphotographie hervorragend geeignet. Photographische Aufnahmen aus der Luft erfordern wesentlich andere Vorkehrungen als gewöhnliche Bodenaufnahmen. Bei den letzteren haben wir es mit abzubildenden Gegenständen zu tun, die von Natur aus eine große Skala von Helligkeitswerten aufweisen. Es ist oft schwer, diese gewaltigen Lichtunterschiede auf einer Platte zu vereinigen. Beim Photographieren aus der Luft ist nun die Aufgabe gerade umgekehrt -mit Ausnahme der Hochgebirgsphotographie, wo infolge der klaren und reinen Höhenluft die Lichtkontraste genügend groß sind. Todi V . S.aus 4000 m . Gliemsgletscher, Bifertengletscher. Spätsommeraufnahme. Photo :W . Mittelholzer, Swissair


Normalerweise aber weisen die der Erdoberfläche benachbarten Luftschichten Staub- und Dampfpartikelchen auf, welche die notwendigen Kontraste verwischen. Sind diese trübenden Teilchen genügend klein, so wirken sie selektiv durch Beugung auf die hindurchgehenden Lichtstrahlen. Dabei werden besonders die kurzwelligen Strahlen des Spektrums berücksichtigt. Aus diesem Grunde erscheint uns die Ferne blau. Betrachten wir sie durch eine gelbe Schutzbrille, so beobachten wir eine merkliche Zunahme der Tonwertskala am fernen Objekt. Wir sehen die Ferne viel detailreicher, viel klarer und dadurch scheinbar näher. Dies gilt nun noch in vermehrtem Maße für die photographische Platte, welche bekanntlich für die chemisch wirksameren blauen Strahlen viel empfindlicher ist als für gelbes und rotes Licht. Selbst für die sogenannten orthochromatischen Platten, die durch Farblösungen auch für gelbe Strahlen empfindlicher gemacht sind, ist die Blaudämpfung nicht hinreichend genug. Um die Wiedergabe der Tonwertunterschiede in Schneeflächen und ihre Unterschiede gegenüber den dunkleren Felsen richtig herauszubringen, ist die Gelbscheibe unentbehrlich. Hand in Hand mit den optischen Maßnahmen, die Kontraste der photographischen Platte nach Möglichkeit zu vergrößern, müssen selbstverständlich auch photochemische Mittel gehen, damit das größtmögliche Maß an Details aus einer Luftphotographie herausgelesen werden kann. Die Luftaufnahmen sollen uns ja nicht in erster Linie ästhetisch schöne Bilder geben, sondern sie sollen uns vor allem sämtliche Unterlagen verschaffen, um aus ihnen jede gewünschte Einzelheit zu entnehmen, besonders dann, wenn die Bilder zur Vermessung oder zu wissenschaftlichen Arbeiten herangezogen werden. In den letzten Jahren hat die Photochemie außerordentliche Fortschritte in der Herstellung von feinkö~nigemund dazu für alle Tonwerte empfindlichem Emulsionsmaterial gemacht. J e nach dsr Verwendung von schwächeren und stärkeren Gelbfiltern, ist es in Verbindung mit diesem panchromatischen, hochempfindlichen Filmmaterial - am meisten schätze ich den Finopan-Film der Agfa - heute für den Lichtbildner ein Leichtes, klare und detailreiche Luftaufnahmen herzustellen. Liegt ein starker, blauer Schleier über der zu photographierenden Landschaft, so kann derselbe mit einem Rotfilter fast ganz eliminiert werden, so daß nachher die Luftphotographie klarer und detailreicher erscheint, als in Wirklichkeit. Qr. Qriinhom -Finsteraarhorn (Berner Oberland) von W . auu 4500 m. Photo :W . Mittelholzer, Su;issair


Dachstein-Sildwand aus 3200 m. Photo :W . Mittelholzer, SwiBsair

Durch die Einführung der infrarot empfindlichen Filme und Platten ist es heute möglich, weit entfernte und ganz schwach erkennbare Berge am fernen Horizont deutlich photographisch darzustellen. Man verwendet dazu den Infrarot-Film „R" der Agfa in Verbindung mit einem Rotfilter, der allerdings eine ca. zwanzigfache Verlängerung der Expositionszeiten bedingt- - Ich habe bereits sehr gute Auf nahmen mit Blende 4,5 und 1/50 Sekunde aus einem ruhig fliegenden Kabinenflugzeugerhalten, wobei das Mont Blanc-Massivaus einer Distanz von über 100 km in allen Details so nah und klar hervortritt, als ob es nur einige wenige Kilometer vom Beschauer entfernt gewesen wäre. - Für die Bestimmung von Fernpunkten eines Panoramas wird somit die Infrarot-Photographie ein sehr wertvolles und unentbehrliches Hilfsmittel werden. Um vollwertige Resultate zu erzielen, ist eine richtige Belichtungszeit außerordentlich wichtig. Trotz sämtlichen modernen Belichtungsmessern, kann sie ohne praktische Versuche nie ganz einwandfrei ermittelt werden. I Meine in diesem Jahrbuche reproduzierten Fliegeraufnahmen sind alle ungefähr mit folgenden Belichtungszeiten aufgenommen worden : Verschlußgeschwindigkeit 1/100-1 1500 (je nach Nähe des vorbeifliegenden Objektes). BlendenÖffnung: F : 2,8-F : 9 mit Gelbfiltern, vom hellen über den mittelstarken Gelbfilter bis zum leichten Rotfilter. Neben der richtigen Wahl der Belichtungszeit ist es nun vor allem sehr wichtig, daß der Photographierende in der Lage ist, trotz der Vibration der Maschine und der durch Luftböen unruhigen Flugbahn, scharfe, nicht verwackelte Bilder zu knipsen. Um dies zu erreichen, muß man sich vor allem hüten, die Kamera auf irgendeinen Apparatenteil des Flugzeuges zu stützen, wie dies bei Bodenaufnahmen mit Vorteil getan wird. Man soll im Gegenteil darauf bedacht sein, die Kamera absolut freihändig nach dem gewünschten Objekt zu richten. Dies hat zur Folge, daß man alle auftretenden Vibrationen und Schwankungen mit dem eigenen Körper aufnimmt, so daß sich dieser gleichsam als Stoßfänger auswirkt. Ist das Wetter ruhig und die Flughöhe groß, so können bei genügender Übung mit 1/50 Sekunde noch scharfe Bilder erzielt werden, speziell dann, wenn in der Flugrichtung aufgenommen


Cengdo-B&*k Nardk&e

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Bsgehu.ng die SAgld* RooA und LL"OrsaauaflahfteW. PlMto: W .NGkliroiw

wird. Diese Aufnahmemethode hat den Vorzug, auch bei schwacher Lichtintensität noch ausexponierte Luftaufnahmen zu ergeben, oder aber durch Anwendung von Gelb- oder Rotfilter den blauen Luftschleier um so besser absorbieren zu können. Gegenüber den offenen, nur wenig Raum bietenden Flugzeugen, wo die Ausübung der Fliegerphotographie noch eine große physische Anstrengung bedeutet, ist die photographische Tätigkeit durch die Fenster des behaglich warmen und geräumigen Kabinenflugzeuges ein reines Vergnügen geworden. Ich erinnere mich noch lebhaft an meinen ersten Alpenflug mit Quendet über die Urner- und Glarneralpen im Jahre 1915, anläßlich dessen ich aus dem kleinen Bleriot-Eindecker die ersten Flugaufnahmen herstellte. Zwei Drittel meines Körpers waren dem freien Luftmeer, den Winden preisgegeben, und außerdem sah ich mich gezwungen, während der ganzen Dauer des Fluges auf dem Boden des Apparates zu knien, so daß mir nach dem Fluge die schmerzenden Beinmuskeln für einige Tage kaum das Gehen ermöglichten. Um das Charakteristische einer Landschaft aus der Luft aufzunehmen, braucht es ein geübtes und geschultes Auge. Genau wie der Photograph zur Erreichung der größtmöglichen Bildwirkung auf dem Boden seinen günstigsten Aufnahmestandort aussucht, genau so ist es uns Fliegern möglich, jeden Ort im freien Luftmeer zu bestimmen, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Wir sind nicht wie bei der Ballon-Photographie auf Zufallsstandorte angewiesen, sondern können bewußt daraiif ausgehen, von dem günstigsten Punkte aus das betreffende Gebirge oder die Landschaft in ihrer besten Beleuchtung und schönsten Form photographisch festzuhalten. Dadurch hat sich die Flugphotographie von dem Zufallmornent freigemacht und kann neben der Erfüllung vermessungstechnischer Aufgaben - deren Technik nicht in den Rahmen dieser Abhandlung fällt - dazu dienen, die überflogene Landschaft so darzustellen, daß das so erhaltene Bild die großten Verwertungsmöglichkeiten bietet. Die in diesem Jahrbuch vereinigten Luftphotographien sind auf die geschilderte Art und Weise zustande gekommen. Sie sollen in erster Linie dem Bergsteiger und Alpenfreund, aber auch dem G o graphen und Geologen die Unterlagen für das genauere Studium des betreffenden Gebietes geben.


Pwmn@~h Caoamqaes, ~ S a - h m M . Photo: FhmaffmpE&IhDabendorf

Der Bergsteiger und Skifahrer k a m aus guten Fliegerbildeni aderordentlicb vial Wissefür seine Touren entnehmen, die günstigsten ~ t s c h e r r o u t e nohne Elchwierigktlitan auf Grund des Luftbildes hermxdbden. fiegerbild~rzeigen nicht nur klar und Üübersiehi5Kch das offene Spaltensystem 6inw Gletschers, sondern auch auf Gnind der helleren oder dunkleren Tönung die nur leicht vemcbneltm~und eben gerade deshalb trügerischen, gefährlichen Schneebrücken. Ich habe oft ver gr613eren Gletsoherfahrten das betreffende Gebiet kurz vorher überflogen und photographierf, um nachher auf Grund der erhaltenen Bilder mit grbßtem Genuß und angmehanm Sieherheitsgefühi die richtige Route über einen Glebcher von Anfang an herauszufhden. Allerdings darf man von den Fliegerbildern nicht d e s erwarten. So ist der Grad der Steilheit eines Hangw nur dann ganau ersichtlich, wenn die Aufkahmen aus glsicher Höhe, abo mit horizonw gehsltener Kamera, vorgenommen worden sind. Sobald wir jedoch den Apparat nach unten neigen, sa esgeben sich stürzende Linien, die das Gelände viel steiler und schwi~figerersaheinen lassen, a b tts in WirWicbkeit is*. Die hier reproduziesten Aufnahmen der Monte Rosa-Ostwhnd, &ufgenommena m 6. Juli 1933, zeigen dain ganzan Aufstieg über die gräßta Eiswand Europa~,ungeflihr von der H6he der Marinellihiitte bis hinauf zum Bilberaattd und Gipfd. Die Detaib, wie offene und verschneite Spalten, dann blankes Eis, sind auf den Originalphotos deutlich erkennbar. Gerade bei solch langen Cletschertouren, wo es sich für die führerlose Partie darum handelt, möglichst rasch den richtigen Durohstieg h e r a u s ~ d e i n , sind Fliegmphotos ein willkommenes Hilfsmittel (siehe Seite 38 und gegenüber Seite 68). Die 6wissair-Photia-A.-G. besitzt heute eine Sammlung von über 8600 Luftbildern d e ~ Schwek und i h r Alpn, die ic-h in bald zwanzigjahriger T&tigkeitauf Hundelrtenvon Flügen nach und nach aum e n g e s t e l l t habe. Es liegt am Bergsteiger, von diesen Bildern fur seine Touren f30breuch zu machen, die hier reproduzierten Aufnahmen sollen nur eine kurze Wegleitung .sein.


EIN EWIGER ZANKAPFEL Von Arnold Lunn, SAS, London I. Das Herannahen der Olympischeh Winterspiele bringt ein ständiges Problem in ein akutes Stadium, denn es machen sich starke Bestrebungen geltend, die Skilehrer von der Teilnahme an den Winterspielen auszuschließen. Eine sachlich einwandfreie Begriffsbestimmung bildet die unbedingt notwendige Grundlage zu einer vernünftigen Auseinandersetzung. Allein in dieser speziellen Frage finden sich eine zweckmäßige Definition des Diskussionsgegenstandes und die Vernunft selten gepaart. In der guten viktorianischen Zeit, als jedermann, der gut Whist spielte und über angenehme Umgangsformen verfügte, einer schön bezahlten Anstellung sicher sein konnte, war es üblich, die Sportsleute in zwei Kategorien einzuteilen: solche mit und solche ohne Gesellschaftsanzug. Die erstern waren Amateure, die letztem Professionals. Gewisse Sportarten wurden ,,ausschließlich für Gentlemen" reserviert. Gentlemen hatten nichts dagegen, in der gleichen Cricket-Mannschaft mit einem Proletarier zu spielen (vorausgesetzt, daß dieser sich auf einem separaten Zugangsweg zum Spiel einfand), aber sie liebten es gar nicht, den Proletarier auch beim Rudern zu treffen, weshalb strenge Regeln aufgestellt wurden, um die Teilnahme an Regatten nur auf ,,Gentlemen" zu beschränken. Hätten unsere viktorianischen Vorfahren Gewicht auf logisches Definieren gelegt, so hätten sie die ,,Amateur Rowing Association" nicht einfach als solche, sondern genauer als ,,The Rowing Association for Gentlemanly Amateurs" bezeichnet, nachdem nur Amateure in ihr aufgenommen wurden, die außerdem Gentlemen waren. Unsere viktorianischen Vorfahren lebten in einer verworrenen, bewegten Zeit. So schufen sie, statt frank und frei zu sagen, daß Proletarier von der Teilnahme an Regatten ausgeschlossen seien, einen heute noch geltenden Paragraphen, nach dem keine Person als Amateur-Ruderer betrachtet werden darf, die „von Berufs wegen" oder gegenBezahlung als Handwerker, Handarbeiter, Handlanger oder sonst in irgendeiner untergeordneten, dienenden Stellung arbeitet l). Mit andern Worten: verdient sich ein Mann seinen Lebensunterhalt als Spengler, so nimmt man an, daß er sein Brot durch Rudern verdient. Das falsche Argumentieren wird noch augenfälliger, wenn man aus dieser Begründung den förmlichen logischen Schluß zieht. Ruder-Professionals müssen von Regatten ausgeschlossen werden. Spengler müssen von Regatten ausgeschlossen werden. Folglich ist ein Spengler ein Ruder-Professional ! Nichts könnte weniger übereinstimmend sein als die Haltung, die der britische Sport in der Professionalfrage einnimmt. Ein Rugbyspieler wird zum Professional, wenn er gegen eine Mannschaft spielt, in der ein Professional mitmacht. I n den Test- und County-Cricket-Mannschaften spielen Amateure und Professionals. „Das blaue Band des Golfs" ist die offene Meisterschaft, zu der Professionals und Amateure zugelassen sind. Professionals dürfen in Wimbledon nicht mitmachen und ein Amateur-Schlittschuhläufer, der mit einem Professional konkurriert, verliert dadurch seine Amateureigenschaft. Der Inhaber des Professional Squash Rackets Meisterschaftstitels, der kürzlich von einem Amateur in der offenen Squash Rackets Meisterschaft geschlagen wurde, behält gleichwohl seinen Titel als Professional-Meister. Fast genau der gleiche Wirrwar herrscht heute im Skisport. Gemäß den Satzungen eines führenden kontinentalen Ski-Clubswird ein Rennfahrer zum Professional, wenn er sich verschiedene Ski-,,Frevelu zuschulden kommen läßt, zum Beispiel während des gleichen Winters für zwei verschiedene Clubs startet. Mit andern Worten: gerade so wie unsere viktorianischen Vorfahren den Proletarier mit dem Professionalidentifizierten, stellt der moderne Skifahrer des Kontinents den Professional dem ,,Frevlerc' gleich. Wieder würde die entsprechende logische Folgerung lauten: Alle Professionals müssen von den Skiwettkämpfen ausgeschlossen werden. l)

Aus dem Rowing Almanack (Ruder-Kalender)1934.


,,Ski-Frevler", welche die Regeln ihrer Clubs mißachten, müssen von Ski-Wettkämpfen ausgeschlossen werden. Folglich ist ein Frevler ein Professional. Eine andere Bestimmung definiert den Professional als einen Skilehrer, der Skifahren lehrt ohne eine Prüfung zwecks Erwerb des Skilehrerpatentes bestanden zu haben. Die allgemeine Anwendung dieser Anschauung hätte zur Folge, daß ein Medizinstudent, der seine Examina nicht bestanden hätte, richtigerweise als Professional-Arzt bezeichnet werden müßte, ein Dr. med. hingegen als Amateur-Arzt.

I I . Wer ist Professional ? Beginnen wir mit der Definition unserer Begriffe und bestehen wir darauf, daß diese logisch und soweit dies menschenmöglich ist - auch unzweideutig sei. Mein Freund, der gewöhnliche Sterbliche, nachstehend kurz G. St. (Gottfried Stutz) genannt, der bis dahin fast aufs Unerträgliche gereizt wurde, platzt nun mit derbem Gelächter in die Diekussion. G. St. : Was zum Teufel gibt's denn da schon den Kopf zu zerbrechen? Jedermann weiß, was und wer ein Professional ist. Ein Professional ist ein Mensch, der finanziellen Nutzen aus einem Sporte zieht. Ich: Schauen wir uns deine Definition mal etwas an. Du erinnerst dich Bischof Hartys, jenes bedeutenden Prälaten, der letzte Woche verschied? Die ,,Times" widmete ihm eine ganze Spalte, in der zu drei Vierteln seiner großartigen Leistungen im Rudersport mit wirklich herzlicher Anerkennung gedacht wurde - er war der beste Ruderer seiner Zeit -, währenddem man im letzten Viertel seine Verdienste um die Kirche in etwas weniger schwungvollem Tone erwähnte. An jeder Stufe seiner Laufbahn ließ ihn sein Name als Ruderer aus der großen Masse der Unbekannten hervortreten. Seine erste Anstellung verdankte er beispielsweise dem Umstand, daß er seine Universität ehrenvoll vertreten und sich eine Auszeichnung als Ruderer errungen hatte (Rowing-Blue).Nun, G. St., hast du Bischof Harty als Professional angesehen? War er in deinen Augen einer jener Bischöfe, die eigentlich, wie die Spengler, von der Henley-Regatta hätten ausgeschlossen werden sollen? G. St.: Mach keine faulen Witze! Ich: Aber hör doch, G. St., der Bischof zog zweifelsohne finanziellen Vorteil aus dem Sport. Und dann, was machst du mit unserem Freund X, dem bekannten Cricketspieler ? Es geht ihm ausgezeichnet, denn obschon er kein Geld hatte, wurde er Partner eines blühenden Maklergeschäfts, dessen Inhaber wohl wußten, daß er ihnen eine große Anzahl neuer Kunden zuführen würde, die sich dachten, der erfolgreiche Cricketer werde auch das Spiel der Börse meistern. Sieh nur, du mußt einfach zugeben. daß sein Ruf als Cricketspieler von großem finanziellen Vorteil für seine Tätigkeit als Makler war. Und was sagst du zum Cricketmeister, der als Lehrer angestellt wird, angeblich um kleine Jungens Latein zu lehren, tatsächlich aber um großen Jungens Unterricht im Cricket zu erteilen? Ist einer Professional, der an Hand von Büchern in Sport unterrichtet? Ist ein Bergsteiger ein Professional, 'weil er Vorträge gegen Entgelt hält, wie es beispielsweise Whymper t a t ? Die Norweger sind sehr schlecht auf Skiprofessionals zu sprechen, die in Norwegen kein Betätigungsfeld &den können, aber sie betrachten einen gewissen Holrnenkollenmeister nicht als Professional, der Skis herstellt und verkauft, obschon bei andern Sportsarten Herstellung und Vertrieb der Sportartikel den Amateuren untersagt sind. G. St.: Aber es handelt sich hier um Beispiele, die wirklich zu absurd und extrem sind, um von Tragweite in dieser Auseinandersetzung zu sein. Ich: Wieso? Du scheinst zu vergessen, daß es die Ausnahme ist, welche die Regel bestätigt - ein Satz, der nicht sagen will, was du aus ihm liest, sondern der so zu verstehen ist, daß der Ausnahmefall die Triftigkeit einer Regel gewissermaßen auf die Probe stellt. Die genannten Ausnahmefälle aber bewiesen die Unhaltbarkeit deiner Begriffsbestimmung. Tatsache ist, mein lieber G. St., da5 es hier keinen scharf abgegrenzten Begriff gibt, den wir einfach anwenden können. Jede Definition des Professionals muß bis zu einem gewissen Grade willkürlich sein. ,,La v6rit6 consiste dans les nuances", wie Renan sagt. G. St. : Aber wie lautet denn deine Definition? Ich: Ich glaube, wir müssen, um zu beginnen, die Frage des finanziellen Vorteils aus dem Spiele lassen.


M„.„,~orn, Dent d'Hten8, Dent Blanohe, Grand Cornier. Ballanaufnahme Spelterini 12. V I I I . 1910

Wir leben in einer Zeit und Welt, in der jeder finanziellen Nutzen aus allem ziehen wird, das ihn über den Rahmen des Gewöhnlichen hebt. Jede Art von Ruhm kann finanziellen Wert haben. Aber niemand würde behaupten, daß zum Beispiel Leslie Stephen oder Douglas Freshfield, jene hervorragenden Bergsteiger, Professionals waren, nur weil ihr alpinistischer Ruhm ihren Büchern verschiedene Auflagen sicherte. Nach meiner Ansicht besteht eine grundsätzliche Verschiedenheit zwischen demjenigen, der Sport als einzigen Haupt- oder einen seiner Hauptberufe betreibt und dem, der gelegentlich beiIgufig Nutzen aus seinen sportlichen Fähigkeiten zieht. So zeichnen sich denn auch die Aufrichtigen, welche ausrufen: ,,Stehen wir dazu, unsere eigenen Leute, die Hotel- oder Fahrpreisermäßigungen annehmen, sind gemiiß Paragraph 17 Professionals", mehr durch Aufrichtigkeit als klare Denkweise aus. Wenn Worte einen Sinn haben sollen, so steht das Wort Professional in Zusammenhang mit dem Worte Profession, das mit Recht auf einen Skifahrer angewendet wird, dessen einziger, Hauptoder Nebenberuf das Skifahren ist. Zu Unrecht kann es auf einen Skifahrer angewendet werden, der nur z u m Vergnügen fahren kann und bereit ist, während eines Teils seiner Winterferien mit einer Stoppuhr bewaffnet umherzustehen, um dadurch ein Entgegenkommen seitens der Hotels und Bahnen zu erwirken. Irn ersten Fall ist eines der Hauptmotive für das Skifahren das ehrliche Bestreben, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Im zwaiten Fall übernimmt der Skifahrer gewisse Pflichten, nicht um Geld zu machen, sondern um Skifahren zu können. G. St. : Was alles darauf hinauszulaufen scheint, daß man jeglichen Unterschied zwischen Amateur und Professional besser fallen läßt. Ich: Dem pflichte ich nicht bei. Grenzfälle verursachen immer Schwierigkeiten auf der Suche nach einer Definition und obschon es schwer halten dürfte zu sagen, ob X ein Amateur ist, ist es anderseits klar, daß Y ein Professional, Z aber ein Amateur ist. Die Abgrenzung muß etwas willkürlich sein, aber wir werden nicht weit fehlgehen, wenn wir darauf bestehen, daß ein Mann, dessen Haupt- oder Nebenberuf das Skifahren ist, als Professional angesehen wird. G. St.: Und doch scheint es Leute zu geben, die der Ansicht sind, daß Skilehrer gegenüber Amateuren keine Vorteile haben.


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Ich: Dennoch wäre dies kein Grund, Professionals Amateure zu nennen, denn kein Argument kann einen offenkundigen Stumpfsinn rechtfertigen. Die ganze Verwirrung in dieser Frage beruht auf der Tatsache, daß wir zwei verschiedene Fragen vermengen: 1. Ist ein Skilehrer ein Professional? 2. Sollen die Skilehrer von allen großen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen sein? Vor einigen Wochen erklärte mir ein prominenter Skifahrer, der sich meiner Ansicht nicht anschließen konnte, daß Skilehrer als Professionals bezeichnet werden und daß die FIS-Rennen auch den Professionals zugänglich sein sollten, es sei höchst unwünschbar, daß die Teilnahme an großen Skiwettkämpfen auch jenen gestattet m d e , die Geld für ihr Mitwirken annahmen. ,,Wir wollen keine bezahlten Leute laufen sehen und wir wollen keine großen Geldpreise." Nun denn, so schaffe man einen FIS-Paragraphen, der bestimmt, daß ein Skifahrer, der um Geldpreise konkurriert oder eine Entschädigung annimmt, von allen Wettkämpfen ausgeschlossen wird. Ein für Professionals offenes Rennen muß nicht gleichzeitig auch für diejenigen offen sein, welche die Rennbestimmungen misachten. In diesem Falle sollten drei bestimmte Klassen geschaffen werden: a ) Amateure, die zu allen Wettkämpfen zugelassen sind, b) Professionals, die zu offenen Wettkämpfen zugelassen sind und C) solche, die den Skiwettkampfgesetzen zuwider handelten und von allen internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen sind. Ob Skilehrern die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen versagt werden soll oder nicht, ist eine Frage. Ob Skilehrer Professionals sind, ist eine andere, grundverschiedene Frage. Und auf diese umstrittene Frage gibt es doch sicherlich nur eine logische Antwort. Es kann nicht bestritten werden, daß diejenigen, welche Schlittschuh-, Box-, Cricket-, Golf -, Tennis-, Fecht-, Schwimm-, Ruder- oder Unterricht in irgendeinem Sport mit Ausnahme des Skisports gegen Entgelt erteilen, Professionals sind, währenddem jemand sich für Skiunterricht bezahlen lassen kann und trotzdem Amateur bleiben soll. Der Standpunkt des britischen Ski-Clubs ist klar. Wir gehen darin mit den Norwegern einig, daß Skilehrer als Professionals anzusehen sind, wir werden aber anläßlich des nächsten Kongresses der Diskussion dieses Problems vorgängig die Streichung jener Bestimmung beantragen, die den Amateuren verbietet, sich mit den Professionals im Wettkampfe zu messen, und die darauf besteht, daß die Professionals von allen internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen werden. III. Sollen Amateure mit Professionals konkurrieren? Nun sind wir auf dem dritten Punkte angelangt. Die gegenwärtigen FIS-Regeln bestimmen, daß ein Amateur seine Amateureigenschaft verliert, wenn er gegen Professionals konkurriert. Diese Bestimmung muß verschwinden. Das Wort Professional hat im Skisport sicher nur darum seine ursprüngliche Bedeutung eingebüßt - es wird heute deshalb von vielen als Schimpfname empfunden -, weil der Professional als Paria behandelt wird, der von den internationalen Skiwettkämpfen ausgeschlossen sein soll. „Wir werden niemals zugeben, daß unsere tapferen Läufer Professionals genannt werden1)", schreibt mir ein Freund aus dem Ausland; ,,nein, nein und nochmals nein!" Die in Frage stehenden tapferen Läufer betrachten das Skifahren zweifellos als ihren Beruf; sie aber als Professionals zu bezeichnen, scheint jedoch darauf hinauszulaufen, daß man sie in nicht mißzuverstehender Weise als Ski-Frevler besonders schlimmer Sorte brandmarken will. So fragt der ,,Sport", vor Entrüstung zitternd, in einer mit Ausrufszeichen geschmückten Schlagzeile, „sind denn Elias Julen, Walter Prager, Otto Furrer, David Zogg und Fritz Steuri Professionals?" Natürlich sind sie es. Und warum sollten sie es auch nicht sein? Auch nicht ein Schatten von Unehrbarkeit haftet dem Skiunterricht gegen Entgelt an. Entfernen wir aus den FIS-Regeln die letzten Spuren jenes überlebten Snobismus, der den Professional als Glied einer andern sozialen Kaste betrachtet. Anerkennen wir den Beruf des Skilehrers als ehrlichen Beruf und säubern wir die FIS-Regeln von dem fadenscheinigen Licht, das sie auf einen Schlag prächtiger junger Leute werfen. .l) Vergleiche hierzu: Der Hase, Bd. 1, No. 4, 1933, S. 35, Dr. 0.Hug: ,,Sehen wir von den Skikanonen aus der Gruppe der Berufsskifahrer (Typ: Zogg, Prager, Furrer, Steuri, Craf etc.) ab, so sind unsere SAS-ler, wo sie auftreten, doch vorwiegend in den vordersten Reihen"! Schriftleitung.


Es ist wirklich absurd, daß die FIS-Amateurbestirnmungen, die in anderen Beziehungen so wenig straff sind, gerade in diesem Punkte viel strenger sein sollen als die Cricket- oder Golf-Regeln. 1V. Sollen P r o f e s s i o d an internationalen Wettkämpfen mitmachen diirfen? Für den Fall, daß die Skilehrer als Professionals bezeichnet und als solche von allen wichtigen interna-

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tionalen Wettkämpfen ausgeschlossen werden, können wir mit tödlicher Sicherheit eine Revolte unter den britischen Rennfahrern voraussagen. Die rapide Entwicklung im britischen Skisport der vergangenen Jahre ist größtenteils darauf zurückzuführen, daß unsere besten Rennfahrer das Vergnügen hatten und den Vorteil genossen, sich mit Furrer, Zogg, Prager, Matt und Gasperl - um nur einige wenige der führenden Berufs-Rennfahrer zu nennen - im Wettkampfe messen zu können. Unsere Rennfahrer würden sich gegen jeden Versuch empören, diese Fahrer von Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Arlberg-Kandahar-Rennen, auszuschließen. Nicht nur weil gerade durch ständiges Wettlaufen mit den besten Berufsfahrern die größten Fortschritte bei unseren Amateuren erzielt werden, sondern auch darum, weil unsere Leute ihre freundschaftlichen persönlichen Beziehungen zu den führenden Rennfahrern des Kontinents sehr hoch zu schlitzen wissen. Es besteht ein starkes Freimaurertum unter den Rennfahrern, und der leiseste Vorschlag, so populäre Sportsleute wie die oben genannten Skilehrer von Rennen wie dem Arlberg-Kandahar auszuschließen, würde eine ehrliche Entrüstung unter unseren eigenen Rennfahrern heraufbeschwören. Die Rennfahrer sind auch nicht verantwortlich für jene Neuerung, die man im kommenden Winter versuchsweise einführt : eine offene britische Meisterschaft, an der sioh Skilehrer nicht beteiligen diirfen. Wir sind überzeugt, daß die Skilehrer selbst die letzten sind, welche sioh durch dieses Experiment - das kein Präzedenzfall für Veranstaltungen wie die FIS-Rennen sein soll - vor den Kopf gestoßen fühlen werden. Wenn wir iins über die Einstellung der führenden Berufsfahrer nicht gewaltig täuschen, so werden diese nicht so unedel gesinnt sein, daß sie sioh gegen eine internationale Amateurmeisterschaft auflehnen, vorausgesetzt, daß die Konkurrenzen, die ihnen bisher offen stunden, wie die FIS- und Arlberg-KandaharRennen, ihnen auch künftig offen stehen werden. Es ist erwähnenswert, daß die Schweizer selbst das Beispiel für die Einführung einer separaten Skiführer-Klasse gaben, denn im Rahmen der früheren Schweizer Meisterschaften trugen die Führer eine Meisterschaft unter sich aus. Cr. Combin, M t . V d a n V. N. Oberes zerklüftetes Gletseherplateau aus 4400 m. Photo :W . Mittelholzer, Swissair


Und dies bringt mich auf einen weitern Punkt: Hat der Professional - da dieser Begriff nun einmal in unseren Satzungen existiert - Vorteile gegenüber dem Amateur?

V . Ist der Professional im Vorteil? J a , der Professional genießt einen unleugbaren Vorteil. Ich stelle dies mit einigem Zögern fest, denn früher verfocht ich die gleiche Ansicht, die ich heute bekämpfe. Allein ich bin immer bereit, meine Ansichten unter dem Drucke unwiderlegbarer Tatsachen zu ändern. Und in diesem Ball handelt es sich wirklich um solche. Nehmen wir zum Beispiel die letzten FIS-Abfahrtsrennen zu St. Moritz. Ich glaube, ich behaupte mit Recht, daß jedes Glied der Schweizer Mannschaft Skilehrer von Beruf war, oder diesen Beruf in der jüngsten Vergangenheit ausübte. Man braucht nur die Resultatlisten der FIS- und Arlberg-Kandahar-Rennen zu durchgehen, um zu sehen, daß die Skilehrer den Löwenanteil der ersten Preise davontragen. Dies kann kein reiner Zufall sein. Ich überlasse es denen, die ihre Behauptung ernstlich aufrechterhalten, Skilehrer seien nicht im Vorteil, diese augenfällige und meines Erachtens überzeugende Tatsache wegzuerklären. Es stimmt, daß während der winterlichen Hochsaison der Professional ziemlich stark ans Übungsfeld gebunden ist; aber in den Hochtälern der Alpen fällt der Schnee oft schon anfangs November und er dauert oft bis Ende April. Viele Wochen stehen also vor und nach der eigentlichen Saison dem Skilehrer zur Verfügung, um sein eigenes Können zu fördern. Und selbst während der Hochsaison wird es den an Sportplätzen mit Drahtseilbahnen tätigen Skilehrern gewöhnlich möglich sein, am frühen Morgen oder gegen Abend eine Abfahrt zu machen. Viele Skilehrer sind im Sommer Bergführer und es gibt kein besseres stfindiges Training für den Skilauf als die Beinmuskeln im Winter durch Skifahren, im Sommer durch Bergsteigen zu trainieren. Die Skilehrer wenden gelegentlich ein, daß Skifahrer Professionals werden, weil sie eben gute Fahrer sind, und daß sie nicht gut fahren, weil sie Professionals sind. Das heißt mit andern Worten, daß die besten Skifahrer irgendeines Alpentales Professionals werden. Dieser Einwand ist eher plausibel als stichhaltig. Unter den besten Skifahrern eines Alpentales werden einige wohl Professionals werden, andere aber werden ihre Heimat verlassen und in die Städte gehen, werden Bankstellen annehmen, in Hotels arbeiten oder sich in andern Stellungen betätigen, die ihnen nur beschränkte Möglichkeiten zur Ausübung des Skisportes gewähren. Die erstern, welche das Skifahren zum Beruf machen, werden weiterhin große Erfolge erzielen - die letztern aber verschwinden von der Bildfläche als Renner. Viele Ski-Rennfahrer würden heute den Furrern und Pragern schwer zu schaffen geben, wenn sie das Skifahren auch zu ihrem Berufe gemacht hätten. So wirkte zum Beispiel Guido Reuge, als er seinerzeit für den SAS lief, auf mich als eine der besten und hoffnungsvollsten Rennkanonen, die ich je sah. Nach Abschluß seiner Studien schlug er eine Laufbahn ein, die ihm nur spärlich Zeit zur Ausübung des Skisports ließ, und so hörte er dann auch auf, sich an Rennen zu beteiligen. Tatsachen sind hartnäckige Dinger und Tatsachen beweisen, ohne die leiseste Möglichkeit für Zweifel offen zu lassen, daß die Skilehrer gegenüber den Amateuren stark bevorteilt sind. Ob die FIS-Rennen nun auf Amateure beschränkt werden sollen oder nicht, eines steht fest: Es ist lächerlich und zugleich ungerecht, die FIS-Rennen in ihrer heutigen Form als Amateur-Wettkämpfe zu bezeichnen und die Skilehrer daran teilnehmen zu lassen. Dies ist gegenüber den wirklichen Amateuren nicht fair. Wenn man sich zum Beispiel allgemein darüber im Klaren gewesen wäre, daß unsere eigene Amateurmannschaft sich mit den Professionals der Welt maß, so wäre ihre prächtige Leistung auch richtig anerkannt worden. Da man aber annimmt, daß sie mit andern Amateuren u m die Wette läuft, so werden viele falsch orientierte kritische Stimmen laut, die darüber brummen, daß unsere Leute nicht besser abschneiden. Das ist für die Mannschaft und alle, die mit ihr in irgendeiner Beziehung stehen, bemühend. Man dient keinem guten Zweck, wenn man den Anschein erweckt, die FISRennen seien Amateur-Wettkämpfe. Man kann natürlich einwenden, daß die Unterscheidung zwischen Professionals und Amateuren keinen eigentlichen Unterschied erfasse. Der grundlegende Unterschied liegt zwischen Leuten, die das Skifahren als Feriensport während drei oder vier Wochen im Jahre betreiben, und solchen, welche das Skifahren zu ihrem Beruf machen. Der reiche Amateur, der


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Mischabel. Riedergletscher. Ballonaufnahme Spelterini 8. V I I I . 1909

keinen Beruf hat und jedes Jahr drei oder vier Monate auf den Brettern verbringen kann, genießt selbstverständlich die gleichen Vorteile wie der Professional. Am vernünftigsten wäre es vielleicht. zwischen Einwohnern und Gästen zu unterscheiden. Ein Skifahrer würde dann in die Gästeklasse eingeteilt, wenn er im Flachland seinen ständigen Wohnsitz hätte (diw wäre eine Sache der Begriffsbestimmung) und wenn der ihn meldende Club dafür bürgen würde, daß er im Verlaufe der drei letzten Winter nicht mehr als sagen wir mal 50 Tage auf den Brettern verbracht hätte. Ein Skifahrer, der entweder in den Bergen lebt oder den größten Teil des Winters im Gebirge verbringt, würde als Einwohner klassiert. Natürlich würde eine solche Zweiteilung Schwierigkeiten hervorrufen, welche jedoch kaum schärfer sein dürften als jene eines Versuches, die Skifahrer in Amateure und Professionals zu scheiden. Zweifellos würden unehrliche Leute diese zeitliche Limite nicht strikte innehalten, aber die Marge für solche Schummeleien wäre verhältnismäßig klein. Ein Skifahrer, der 55 Tage auf den Brettern verbracht hätte, könnte mit der Behauptung, es seien dies nur 50 Tage gewesen, davonkommen. Der Skifahrer aber, von dem man wüßte, daß er den ganzen Winter auf den Brettern verbrachte, hätte keine Aussichten, in der Gästeklasse mitmachen zu können.

V I . Sport oder Krieg? Eng verbunden mit der ganzen Professionalfrage ist das Problem der finanziellen Zuschüsse an die verschiedenen Mannschaften seitens ihrer Nationen und das drohende Verhängnis, das in dem tragischen Ernste liegt, mit dem heute die internationalen sportlichen Wettkämpfe von der ganzen Welt genommen werden. Mein Freund, Walter Amstutz, lud mich kürzlich ein, das Wort im Namen der auswärtigen Gäste anläßlich des FIS-Banketts zu ergreifen, welches nach dem FIS-Abfahrtsrennen in St. Moritz - das ausgezeichnet organisiert und ohne ,,Protestec' durchgeführt wurde - stattfand. Nichtsdestoweniger stiegen in Amstutz und mir fast wehmütige Erinnerungen auf an die weniger formelle und viel fröhlichere, freundschaftlichere Atmosphäre der ersten aller internationalen Abfahrtsrennen, der AngloSwiss Akademiker-Rennen, die wir zusammen organisierten.


Deil Gedanke des Kontrasts zwischen jenen fröhlichen Rennen und der feierlichen Steifheit der FISRennen ermutigte mich, in St. Moritz einige Bemerkungen zu machen, deren Inhalt ungefähr der folgende war. Sie werden zweifellos erwarten, so begann ich, daß ich den Reigen jener frommen Sprüche über das Kapitel Sport eröffne, die bei solchen Anlässen an der Tagesordnung sind. Sie werden von mir erwarten, daß ich mich über den guten Einfluß des Sports im allgemeinen auslasse, und Sie werden gelassen und zuversichtlich des unvermeidlichen rhetorischen Knalleffekts harren, der in einer Aufforderung an die Diplomaten und Politiker aller Welt gipfeln würde, ihre Taktik gegenseitiger Anschuldigungen fallen zu lassen und die kameradschaftliche Ritterlichkeit nachzuahmen, welche die Welt des internationalen Sports beherrsche. ,,Wenn nur die Politiker" - so heißt die Geschichte dann gewöhnlich - ,,dazu gebracht werden könnten, ihre Methoden unserem Beispiel anzupassen, dann gäbe es keinen Grund zum Aufrüsten und keine Furcht vor dem Krieg." Allein wenn wir die Bedeutung jener politischen Streitfragen, die zum Kriege führen, mit den Vorfällen, welche Sportsleute in zwei Lager spalten, vergleichen, so glaube ich nicht, daß die Sportsleute berechtigt sind, sich gegenüber den Politikern so erhaben ZU fühlen. In Anbetracht unserer begrenzten Möglichkeiten zum Streit zanken wir uns gerade genug. Meine eigenen nicht geringen Erfahrungen zeigten mir, daß die Mannschaftsrennen und Wettkämpfe die freundschaftlichen Bande zwischen jenen fördern, denen von Natur aus ein kameradschaftliches Wesen eigen ist, und die gegenseitigen Beziehungen derer verbittern, deren Wesen ein unkameradschaftliches ist. Internationale Wettkämpfe und Mannschaftsrennen verstärken stets den Charakter der bereits vorhandenen Atmosphäre. Da nun einmal das moderne Europa nicht gerade als eine Schar sich liebender Brüder angesprochen werden kann, so überrascht es nicht, daß die Olympischen Spiele - wie dies jeder nüchtern Sehende zugibt - sioh in raschem Tempo zu einer Hauptprobe für den nächsten Krieg entwickeln. Die meisten aktiven Teilnehmer haben wirklich Freude arn Arlberg-Kandahar-Rennen; kein Wettläufer hat aufrichtige Freude an den FIS-Rennen, die zum Kampfplatz der Nationen geworden sind; nicht mehr Sport, sondern Krieg bedeuten. Viele Regierungen unterstützen ihre Nationalmannschaften und die Politiker, welche Geld für den Sport ausgeben, erwarten einen gewissen Lohn hierfür. So werden diese jungen Leute ins Treffen geschickt, als ob sie in den Kampf ziehende Truppen wären. Man hämmert ihnen ein, daß man das Prestige der Nation in ihre Hände, respektive Füße legt. Ihre Erfolge werden zur Propaganda für ihre Regierung ausgewertet, währenddem ihr Mißgeschick von den regierungsfeindlichen Kreisen mit Frohlocken begrüßt wird. Der moderne Skisport stellt gewiß genügend große Anforderungen an die Wettläufer, als daß man noch einen kriegerischen Geist im internationalen Skisport züchten müßte. Man mutet diesen jungen Leuten gerade genug zu, wenn man von ihnen verlangt, daß sie sich mit einer gelegentlich ans 60-Meilen-Tempogrenzenden Geschwindigkeit die eisigen Hänge hinunterstürzen, ohne daß inan sie nooh in den Glauben versetzt, daß ihr Vaterland in seinen Grundfesten schwanken werde, wenn es ihnen nicht gelinge, Ehre einzulegen. Kurz vor den FIS-Rennen rief ich unsere Leute zusammen um ihnen zu sagen: ,,Denkt daran, auch wenn ihr alle schon in den ersten fünf Metern gehörig fliegt und am Schluß die sechs letzten sein werdet, so wird sich niemand in einer Woche ernstlich darum scheren", was vielleicht ein bißchen übertrieben war. Die ideale Einstellung wäre vielleicht, daß man das Skifahren während des kurzen Trainings auf die FIS-Rennen äußerst ernst betriebe, es während der Rennen selbst aber auf die leichtere Achsel nähme, ein Ideal, dem nicht so leicht und nur von jenen nachgelebt werden kann, die den Sport-Fimmel, der das moderne Europa erfaßt hat, von ganzem Herzen verachten. Man darf den Sport nicht als bedeutungslos betrachten. Ich habe aus diesem Grunde bei früherer Gelegenheit schon gegen jene akademische Gepflogenheit protestiert, die nur die altertümlichen Olympischen Spiele der Beachtung seitens der Historiker würdig findet, eine Gepflogenheit, die darauf zurückzuführen ist, daß nur wenige Historiker sioh für den Sport interessierten und nooh viel wenigere sportlich etwas leisteten. Ich erinnere mich, eine Schweizergeschichte gelesen zu haben, in der das Wort Bergsteigen nirgends vorkam; eine Geschichte, in der das Wort ,,mountaineerU lediglich zur Bezeichnung eines rechten


,,Berglers", des Bergbauern, diente. Und doch verbinden wir den Begriff ,,Schweizu unwillkürlich nicht mit dem, was dieser spezielle Historiker als wichtig erachtete, wie die Bildung einer zentralen Regierungsmacht, ein politisches Experiment wie das Referendum oder sogar nicht mit dem Völkerbund. Die Schweiz ist 'ein Land, dessen Name bei den meisten Nichtschweizern unwillkürlich und in erster Linie Gedanken an alpine Sporte, Klettern und Skifahren erregt. Allein, was den Sport anbelangt, so wird man über die einzelnen Nationen weniger auf Grund der Leistungen einiger weniger auserlesener Spezialisten urteilen, als nach dem Maße, in dem sie dazu beitrugen, der Menschheit vergnügliche Unterhaltung zu bieten. Die Engländer werden für die vielen schonen Spiele, die sie erfanden und für den Gaist, mit dem sie diese Spiele spielten, vom Historiker lobend beurteilt werden. Man wird sie - hoffe ich - nicht auf Grund desMatch-Crickets (und des damit zusammenhangenden ,,Komplexes"), sondern des Crickets, wie es in den einzelnen Dörfern gespielt wird, beurteilen. Es war unser traditionelles Los, die Welt zu lehren, uns in Spielen zu schlagen, die wir erfanden. Größtenteils unter unserem Einfluß begannen die Alpenvölker ihre Berge zu erklettern und auf den Brettern von ihnen zu Tale zu sausen,-statt, wie ehedem, in den Tälern um die Wette zu laufen. In beiden Sporten sind uns unsere Schüler über den Kopf gewachsen, was jedoch nichts zu sagen hat, denn die Geschichte wird festhalten, daß wir, die wir das Meer zu überqueren hatten, um auf die Berge zu steigen und Ski zu fahren, in weitgehendem Maße zur Entwicklung dieser beiden wichtigen Sportarten beitrugen. Niemand wird in Zukunft darnach fragen, ob wir oder irgend ein anderes Land in den FIS-Rennen oder Olympischen Winterspielen siegten - gerade so wie heute auch niemand darnach frägt, ob die Athleten von Athen die Spartaner in den Olympischen Spielen schlugen. Als Nicias den Alicibades in der Versammlung angriff, da antwortete ihm dieser - gerade so wie eine moderne olympische Größe vielleicht antworten würde -, daß er für Athen große Ehre eingelegt hätte, indem er an den Olympischen Spielen einen fabelhaften Rekord aufgestellt habe. Von sieben seiner Streitwagen belegten drei die ersten Plätze. Gleichwohl steht Athen wegen dieses oder irgendwelcher anderer olympischer Siege


in unserer Achtung keinen Pfifferling höher. Wen kümmert es, wie schnell die Athleten rannten, welche Pindar zu seiner Ode inspirierten? Sie sind uns bekannt, weil Pindar fortlebt. Wen kümmert es, wie weit der junge Mann den Diskus warf, an dessen Leistung Myron Gefallen fand? Er lebt und lebt nur als künstlerisches Motiv. Die Glorie des Sports ist vergänglich, die ~lorie'derKunst aber unvergänglich. Ladas, der Nurmi seiner Zeit, kam um seine einzige Hoffnung auf Unsterblichkeit, als seine durch Myron geschaffene Statue verschwand. Der Ruhm des Athleten im alten Griechenland war so kurzlebig wie im modernen Europa. Eine Stelle aus Euripides weist darauf hin, daß auf den berühmten Athleten die gleichen Versuchungen und Gefahren lauerten wie heute. Die großen Athleten - so erzählt er uns - waren viel zu berühmt, um sich darum zu bemühen, einen Beruf zu meistern; aber in ihrem spätern Leben taugten sie zu nichts, als in den Kneipen von vergangenen Heldentaten zii prahlen und vergeblich zu hoffen, daß sie jemand beschäftigen würde. Doch ich moralisiere hier vielleicht vergeblich. Jeder Sport macht seinen schicksalmäßigen Kreislauf. Und wir, die wir das Glück hatten, die Geburt und erste Entwicklung des Abfehrtssportes mitzuerleben, sollten keine Krokodilstränen über eine unaufhaltsame Entwicklung vergeuden, sondern uns dessen freuen, daß wenigstens wir noch mit dem internationalen Ski-Rennsport verbunden waren, als diesem noch etwas Natürliches, Unverfälschtes eigen war. I n jenen Tagen war das Skifahren noch ein Sport, keine Vorbereitung auf den Krieg. Aber jene Tage sind für ewig vorbei. ,,Wenn je der Tag kommt, wo unser Volk an die Grenzen gerufen wird, um Herd und Heim zu verteidigen, dann werden wir uns - und dies nicht vergeblich - an unsere tapferen Skifahrer wenden, die in den friedlichen Wettkämpfen dieses großen Sports Dinge lernten, welche ihnen in jener schicksalschweren Stunde sehr zustatten kommen werden." Und der Kopf fällt mir langsam auf die Brust. Die Stimme des kriegerischen Herrn, für den ein ,,Schuß" der passende Ersatz fürs Schießen ist, verklingt. Erinnerungen werden lebendig. Ich wähne mich wieder an einem Anglo-Swiss Dinner und sehe Deggers und Werner mit seiner Handorgel, und ich höre wie Tony Knebworth zu jodeln versucht und Christopher ein klaftertiefes Lied auf Berndeiitsch singt.


D I E ERSTE SKI-FAHRT

UBER

PARSENN

Von Dr. H. Hoek, SAS, Frankfurt a. M. Bis Anfang des Winters 1933134 war ich - und mit mir waren es wohl alle Kenner der Parsenn, die sich ihrer „GeschichtecL angenommen - der Ansicht, daß Oscar Schuster und der Führer Johann Engi die ersten gewesen seien, die mit Ski das heute Parsenn genannte Gebiet, von Davos nach Küblis gequert hätten. Sie sind nun zwar wohl die ersten, die die eigentliche Parsennfurka überschritten haben - die erste. ,,ParsenntourUaber liegt eine ganze Reihe von Jahren weiter zurück. Ein alter Parsennläufer, Brigadegeneral Wroughton, machte mich im Dezember aufmerksam auf einen Aufsatz, den er ganz durch Zufall entdeckt hatte. Die Erzählung ist zu finden in einer längst eingegangenen Zeitung, die den schön langen Namen hatte: "The Courier for Ragaz, Prättigau, Davos and the Engadin". In der Nummer 26 des ersten Bandes (vom 23. März 1895) steht also zu lesen: ,,A brief account of a climb up the Dorfli Berg on Skis, and of the continuation of the expedition to Kiiblis". Diesen merkwürdigen und erheiternden Bericht will ich, gekürzt, übersetzt und mit Bemerkungen versehen, hier bringen. E r lautet also : ,,Eine Partie von vier Herren - Baron Hermann, Mr. Graham, Mr. Steele und Mr. Danday - verließ am Dienstag, den 12. März, das Hotel Buol um 7 Uhr morgens. Die Absicht war, den Dörfliberg zu besteigen. Nach 5 '/2 Stunden waren Hermann, Steele und Danday auf dem Gipfel. (Bemerkung: Graham war also schon im Beginn der Tour umgekehrt. Der Dörfliberg ist das ,,Salezerhorn", das auch heute noch gelegentlich ,,Dorfberg" genannt wird. Man würde heute fiir die Besteigung vielleicht 3 Stunden rechnen. Als ,,Skiberg" ist er ganz ungeeignet.) Der weiche und unsichere Schnee machte den Aufstieg ein wenig schwierig. Immerhin konnte man auf einigen aperen Stellen Fuß fassen. Da es ganz klar war, so hatte man eine ganz ausgezeichnete Aussicht vom Gipfel. Oben entschied sich Baron Hermann, nicht weiter zu gehen und kehrte nach Davos zurück. Steele und Danday beschlossen, die Expedition fortzusetzen und hatten im Sinn, nach Arosa zu gehen. Da sie aber weder Karte noch Kompaß hatten und auch nur eine ganz vage Ahnung in ihnen schlummerte, wo Arosa läge, so fanden sie sich am Mittwoch morgen etwas nach 9 Uhr im Dorfe Küblis; dort erregte ihr ramponiertes Aussehen und die Richtung ihres Weges beträchtliches Aufsehen. Die Ski gingen von Hand zu Hand, wurden von jedermann neugierig betrachtet und begutachtet. Es sammelte sich eine große Volksmenge an, die ihnen das Geleit zum Bahnhof gab. (Bemerkung:Man bewundert den Mut, die Leichtfertigkeit und die vollendete Harmlosigkeit, mit der diese Tour unternommen wurde. In der Tat: Über das Salezerhorn weg nach Arosa zu gehen - dazu gehört eine verblüffende Unkenntnis der Geographie dieses Gebietes.) Jetzt wollen wir aber zum Gipfel des Dörfliberges zurückkehren und hen Abenteurern folgen. Vom Gipfel weg wurde das Gelände schwieriger. Bald mußten sie die Ski ausziehen und zu Fuß gehen. An einer Stelle war es unmöglich, weiter zu kriechen - ,to creep forward' - sie warfen also die Ski einen Abbruch hinunter und folgten ihnen auf dem Rücken rutschend. So kamen sie in ein Tal, dessen andere Seite sie wieder emporsteigen mußten bis zu einer Höhe, die der des Dörfliberges gleich war. (Bemerkung:das ,,Tal" ist zweifellos das Meierhoftäli, oberer Teil. Die beiden sind nicht „die andere Seite" hinaufgestiegen, sondern sind das Tal ausgegangen. So kamen sie auf den kleinen Sattel, der uns als ,,untere Wasserscheide" bekannt ist. Seine Höhe entspricht tatsächlich der des Salezerhornes.) Auf der andern Seite ging es wieder bergab und sie setzten ihre Reise fort, in der schwachen Hoffnung, noch vor Einfallen der Nacht ein Dorf zu erreichen. Es war ein aufregender und nicht ungefährlicher Weg; es gab sehr steile Stellen, die man hinabgleiten mußte; sie kletterten über jähe Bergrücken und schossen wieder in die Tiefe. Als es dunkel wurde, begannen sie angstvoll zu suchen nach einer Unterkunft, die ihnen Schutz geben könnte. Schon hatten sie die Hoffnung beinahe aufgegeben, als sie in der Ferne die Dächer von drei Hütten sahen, unglücklicherweise hoch am Berghang. Nach drei Viertelstunden Steigens - was ihnen in ihrem erschopften Zustand sehr schwer ankam - erreichten sie die Hütten, dic sie voll Schnee fanden. In eine konnten sie sich den Eingang erzwingen.


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(Bemerkung: Es ist sehr schwer, den weiteren Weg der zwei Skiläufer festzulegen. Da späfer gesagt wird, daß sie als ,,erstesc'Dorf Küblis erreichten, so haben sie also Conters nicht berührt. Damit fällt die Conterser-Schwendi als Nachtquartier aus. Auch das Hirtendorf Duranna muß ausgeschaltet werden, da es viel mehr als ,,drei" Hütten hat. Es ist wohl nur eine Möglichkeit, daß die Conterser Alp Duranna erreicht wurde. Der Weg hätte sie dann über den Casannapaß, am Grünsee vorbei, über den Durannapaß und über die Schulter des Kistensteins geführt. Das würde auch einigermaßen der aufgewandten Zeit entsprechen.) Sie säuberten ein Stück des Bodens vom Schnee, fanden in einer Ecke ein paar Scheite Holz und entfachten ein Feuer. Dann machten es sich die Reisenden so bequem, wie es möglich war unter diesen traurigen Verhältnissen. Aber, ach, ein unerwartetes Unglück erhob sich alsbald - oder genauer gesagt, fiel über die Szene. Die Wärme des Feuers schmolz den Schnee auf dem Dachboden, so daß die ganze Nacht hindurch ein ausgiebiger Regen niederging. Und da die zeitweiligen Bewohner dieser primitiven Behausung keine Regenschirme mitgebracht hatten, so waren sie bald ganz durchnäßt. Dieser Regen einerseits und der dicke Rauch anderseits (einen Schornstein hatte die Hütte nicht), brachte sie beinahe zur ifberzeugung, daß es besser gewesen wäre, draußen in der Kälte zu bleiben. Trotz diesen Mißhelligkeiten versuchten die Reisenden, sich eine Tasse Tee zu bereiten. Denn sie litten sehr unter Durst, den der erstickende Rauch nicht gerade verminderte. Sie fanden eine leere Blechbüchse, schmolzen Schnee und stellten ein Gebräu her, das Tee sein &lte„ & schmeckte aber so scheußlich, daß sie es wegschütten mußten. Die Nacht verging mit Rauchen und Erzählen. Und um 5 Uhr morgens -nach 9 Stunden - verließen die Helden sehr durchnäßt ihre Unterkunft. Sie schieden ohne Bedauern. Im schwachen Morgenlicht ging es zuerst nur langsam voran. Nach anderthalb Stunden erfreute sie der Anblick von Häusern in der Ferne. Aber die Schwierigkeiten waren noch lange nicht vorbei, denn ihr Weg führte sie durch einen dichten Wald, der das Skilaufen sehr unangenehm machte. Sie kämpften sich aber wacker durch und fanden einen Pfad. der offenbar zu einem Dorfe führte. Das tat er auch wirklich, und sie kamen in ein Dorf. Man sagte ihnen, es sei Küblis. Dies war um 9 Uhr und 15 Minuten. Ihre Ankunft erregte - wie schon erzählt - großes Erstaunen. Man gab ihnen ein tüchtiges Frühstück und sie kehrten mit dem 4-Uhr-Zug nach Davos zurück. Bis zum Bahnhof wurden sie von einer interessierten Gruppe begleitet. So endete diese Reise, die nach Arosa hätte gehen sollen und die in Küblis aufhörte." Dies ist wohl ohne Zweifel die erste Skitour von Davos über Parsenn in das Prättigau. Daß sie nicht beabsichtigt war, das ändert nichts an der Tatsache, daß Steele und Danday die ,,Pioniere der Parsenn" sind . . .


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Cel&nd, ,...es Frilhiingsrennens. Start i r . - . ~ ~ iiber der Oletschermulde. Ziel auf der mit einem Ereuz bezeichneten Schneepletsehe. Beim oberen Pfeil ( I ) ist die zusammengesetzte Aufnahme der drei Fahrer a b Streckendetail unterzubringen. Beim unteren Pfeil (2) ist die Einbruch8tel.k eines Rennfahrer8 aufgenommen worden.

Im allgemeinen werden in unserem Lande die wichtigeren Skirennen auf Schnee ausgetragen. Dieser Schnee hat die Eigenschaft, das Gelände mit einer mehr oder weniger zusammenhängenden Schicht zu bedecken; gemeinhin schmilzt er im Frühling, im Tale früher als auf den Höhen, Runsen und schattige Stellen halten ihn etwas länger, an den Sonnpörtern weicht er zuerst. Soviel über den Schnee; das könnte im Lexikon stehen; es entspricht ungefähr der Auffassung, die man sich früher von den Voraussetzungen des Rennsportes bildete. Früher: das heißt vor zehn Jahren. Um diese Zeit begann unter unserem und britischem Einfluß eine Umwälzung, deren Merkmal die Anerkennung der Abfahrtsund Slalomrennen im internationalen Rennkampfsport darstellte. Rennkampfsport ist eine Abart des Geländesportes, wie ihn die Hitlerjugend betreibt, um das kriegerische Gehörn der germanischen Rasse abzustoßen. Wir wissen alle, daß die großen internationalen Abfahrts- und Slalomrennen zu Vorspielen eines n uen großen Krieges entwickelt worden sind; mit staatlicher Unterstützung, Ovomaltine als Hafer d die Ehre des Vaterlandes als Sporn, so werden unsere zweibeinigen Rennpferde an den Start gebracht; ,,England expects every man to do his duty !" - „Ein deutscher Sieg auf der ganzen Linie!" - ,,Heil dir Helvetia, hast noch der Söhne ja!" Wie es das gute Recht der in Baden

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D 4 %ehmaleFaärbalin ist acritep. e i w n Rennfßlirer etn~&reche~.R d t a t : B~il~bmeh

versammelten Gichtbrüchigen ist, am 1.August in diesen martialischen Gesang einzustimmen, so darf ich skifahrendes Hinkebein mir erlauben, ein offenes Wort an die Adresse der Renngeneräle zu richten: Vor einigen Jahren hat der ausgezeichnete Kartenleser Arnold Lunn herausgefunden, daß der Höhenunterschied vom Gipfel des SchiIthorns bis nach Lauterbrunnen gemessen 2175 m beträgt. Wenn man den höchsten Punkt als Start bezeichnet und dem tiefsten Punkt den Namen Ziel gibt, entsteht aus dieser Höhenstufe eine prachtvolle Rennstrecke; Arnold Lunn war immerhin so ehrlich, eine Dantesche Vision mit dem Fest zu verbinden, indem er den Namen Infernorennen gebar. Bei Anlaß der schneegesegneten FIS-Rennen von Mürren, wurde auf dem untersten Teil der Infernostrecke ein offenes Abfahrtsrennen ausgetragen. Obwohl kurz vor dem Ziel ein Leichenzug die Rennstrecke überquerte und die Fertigkeit der Zeitnehmer auf eine harte Probe stellte, verlief das Rennen ausgezeichnet; das heißt, die wirklichen Könner teilten sich in die ersten Ränge, die unterwegs Fallierten verschwanden von selber aus dem Gesichtskreisder Öffentlichkeit und C. J. Luther und ich trafen nach beschwerlicher Fahrt über die Hohlwege, Wurzeln und Steine schließlich auch zum Bier ein. Wir haben unterwegs bisweilen die Köpfe geschüttelt und uns darüber aufgehalten, daß auf dieser Strecke ein Rennen gefahren werde. Natürlich maßen wir die Schwierigkeiten mit einer falschen Elle: nicht unser Fahrvermögen, sondern das der Kanonen wurde unter Beweis gestellt; also konnten ein paar Steine und vereiste Wegkehlen mit in Kauf genommen werden. VergIichen mit diesem halsbrecherischen Rennen beiderseits der Drahtseilbahn LauterbrunnenGrütsch erscheinen mir die meisten Abfahrtsstrecken, auf denen in den letzten Jahren Rennen gefahren wurden, als durchaus zulässig; man darf ja nicht vergessen, daß Material und Können der Rennfahrer gewaltig verbessert worden sind, so daß ein kleinlicher Muckerstandpunkt seitens der Kritikaster als unpassend empfunden werden müßte. Ich will ja gerne zugeben, daß manche dieser Rennstrecken von mir mit öfterem Pausieren befahren wurde, einesteils, um die Atmung im Takt behalten zu können, anderenteils, um die glatten und harten Hänge sturzlos befahren zu können. Die Leistungen der Fahrer und Fahrerinnen, die in diesem Gelände hemmungslos auf höchste Geschwindigkeit gingen, nötigten mir immer wieder größte Bewunderung ab. Allein nach und nach erschienen mir trotz des Unterschiedes zwischen meinem herabgeminderten Können und den Glanzleistungen der Fahrer einzelne Stellen der Rennstrecken doch näherer Betrachtung wert: es fiel mir auf, daß die guten Steher meist ungeschoren durchkamen, während bei einem Sturz allerhand Schäden zu verzeichnen waren; eine verhältnismäßig schmale Schneise kann dem Steher nichts anhaben,


der Stürzende aber kann sich verletzen, weil es oft nicht mehr in seiner Macht liegt, die schneebedeckte Bahn einzuhalten. Ich habe namentlich im Frühjahr beobachten können, daß der nasse Zustand des Schnees die Stürzenden in unberechenbaren Richtungen entführte, es sah oft aus, als tanze ein flach geworfener Stein übers Wasser; leider h d e n die Frühlingsrennen nicht immer auf weichem Alpgelände statt, fast immer führt die Rennstrecke aus großer Höhe durch steinige Halden nieder und es erschien mir mehr als einmal die Gefahr zu bestehen, daß ein Gestürzter durch den unkontrollierbaren Auslauf seines Sturzes in gefährliche Nachbarschaft mit herausragenden Felskanten gerate. Als eines der tolhten Beispiele, unter welchen Verhältnissen heutzutage Abfahrtsrennen durchgeführt werden, möchte ich die beigegebenen Bilder sprechen lassen, ohne den Ort und die Namen der Verantwortlichen zu nennen. Es kann nicht geleugnet werden, daß diese vom Gelände ausgehende Betrachtungsweise einen mit Schrecken erfüllt. Es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, daß der im Rennen stehende Fahrer sich darauf verläßt, daß ihm von der Rennleitung eine einwandfreie Strecke vorgesteckt worden ist. Wenn man die besten Könner unter dem Vorwande auf einer Strecke abfahren läßt, ihre gefahrenen Zeiten vergleichen zu wollen, so nimmt man diesen Wettkämpfern alle Vernunft aus dem Kopf; kein guter Rennfahrer denkt an sein Geschäft, an seine mehr oder weniger hohe Versicherung, an seine Angehörigen - er denkt nur an seinen Weg zum Ziel, das er unter Einsatz aller Energie und in großer Fahrt zu erreichen hat. Aber auch von einem anderen Gesichtspunkte aus drängt sich einem das Bedenkliche der heutigen Anforderung an die Rennfahrer auf: Es wird nicht mehr lange dauern, bis in der Sportpresse wöchentliche Verlustlisten eingeführt werden müssen. Wir haben im letzten Winter die allerbesten Rennfahrer der Schweiz einen nach dem andern in den Gipsverband liegen sehen; es ging fast kein gut besetztes Abfahrtsrennen vorbei, ohne daß im Training auf der Strecke oder während des Rennens selber irgend ein Fahrer oder eine Fahrerin zu Schaden kam. Mit dieser Feststellung komme ich zu einer Frage, die allen Ernstes an die verantwortlichen Renngeneräle zu stellen ist: Haben wir die Grenze zwischen Ertüchtigungssport und Sensationsveranstaltung überschritten ? Ich antworte mit ja. Ihr Renngeneräle müßt euch besinnen und Hand bieten, daß aus dem Rennsport, wie er heute vielfach betrieben wird, wieder ein friedlicher Wettkampf werde. Es wird viel dazu beitragen, wenn ihr die Rennstrecken von oben herab, statt von unten herauf aussteckt; wenn ihr euch bei jeder gefährlichen Stelle als Verantwortliche fühlt und nicht denkt: ,,Der Fahrer als Könner wird es schon machen!" Laßt euch beim Ausstecken nicht vom germanischen Kriegsgeist übermannen, denkt weniger an die Ungeschorenen als an die Geschorenen und legt im Zweifelsfalle die Strecke so an, daß ihr sie selber fahren könnt. Freilich müßt ihr in diesem Falle ein Gummiseil mitnehmen und euch h la Segelflieger starten lassen, denn mit dem bloßen Hineinstehen in eine Rennstrecke erhält man noch nicht den aus Aufregung und Tempo gemischten Schwung des Rennfahrers.


Wir müssen mit gleicher Klugheit und Gewissenhaftigkeit, wie sie die Besten unter uns für die Anerkennung des Abfahrtssportes aufgewendet haben, nun auch dafür sorgen, daß die Auswüchse rücksichtslos beseitigt werden. Wir sind es unserem prachtvollen Sport schuldig, daß er nicht zu einer Sensationsveranstaltung erniedrigt wird. Weniger Rennen, sorgfiiltigere Strecken, und alles in allein etwas weniger wichtige Mienen werden uns wieder frohe und von echtem Kameradschaftsgeist erfüllte Winterwochen bringen. Photo :Gaetano de Luca


KOSMETISCH-MEDIZINISCHE KLEINIGKEITEN Von Dr. Henry Hoek, SAS, Franlcjurt a. M. Wahrscheinlich darf ich den ein bißchen melancholischen Ruhm für mich beanspruchen, derjenige im SAS zu sein, der die meisten Jahre auf Ski gestanden. So sehr lange dauert es nicht mehr, dann werden es ihrer vierzig sein. . . Das nennt der Optimist dann eine lange ,,praktische Erfahrung". Tatsächlich haben meine Freunde und ich in all diesen Jahren manches versucht und manches gelernt. Einiges davon, das sich unter den Titel dieses kleinen Aufsatzes bringen läßt, möchte ich den Schneehasen verraten - in der Hoffnung, daß das, was wir fiir gut und nützlich befunden haben, auch andern gut bekommen möge. Lippengletsoherbrand (Lippenherpes): Fast jeder leidet bei langen Spätwintertouren daran. ZU beschreiben brauche ich das Leiden nicht. Es kann einem manchmal den ganzen schönen Skilauf verekeln. Es gibt nur ein brauchbares Mittel dagegen, das, nach der Gebrauchsanweisung angewandt, wirklich verhiitend und bei aufgetretener Erkrankung schnell heilend wirkt. Es ist dies eine Karbol (in Fett gelöst) -Schwefel-Salbe. Der Lippenherpes ist eine Infektion! Und nur dies in die Tiefe wirkende Mittel hat Sinn. Es kommt in Deutschland in den Handel als Lippen-Gletscherbrandsalbe nach Dr. Knoop (Henselwerke Cannstadt) und wird in der Schweiz von der Langschen Apotheke in Davos unter dem Handelsnamen ,,Herpessan" vertrieben.

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Sonnen- oder Gletscherbrand: Die besten Erfahrungen zur Kräftigung der Haut habe ich gemacht mit dem in der Schweiz hergestellten ,,Melanol". Als Deckschutz verwende ich seit Jahren nichts anderes mehr als die gänzlich wasserfreie officinelle Zinksalbe. Bei einmal eingetretener Verbrennung und Wundwerden der Haut hat nichts (wenigstens bei mir) eine derartige Heilwirkung wie die ,,Fissansalbe" der Deutschen Milchwerke in Zwingenberg (Hessen). Für Wunden, namentlich für die gewöhnlich sehr schlecht und langsam heilenden Schiirfwunden, ist dieses eben genannte ,,Fissan" ein ganz famoses Heilmittel. Wolf und kleine Wunden zwischen den Zehen empfehle ich das Fissanpulver, oder das (recht Pulver. -voä Wunden aller Art: Sowohl das Lenicet-Pulver wie ganz besonders die HerpessanC Desinficiens fiir Wunden aller Art. Hat man sie nicht bei sich und auch sonst keine ,,medizinischen Hilfsniittel", so kann man auf Hütten usw. eine sehr gute und tief wirkende Desinfektion erzielen mit Zuckerstaub. Dieses Mittel ist natürlich auch in der Hand des unvernünftigsten Laien gänzlich gefahrlos. Es ist seltsam, daß es so wenig bekannt ist - denn namentlich die französische Medizin hat lange damit gearbeitet! Rcmieren: Diese Prozedur gehört nun leider einmal zum gepflegten Menschen. Besonders der sonnengeschädigten Haut bekommt sie aber selten gut. Man wird also versuchen, sie so harmlos wie möglich zu gestalten. Und man kann sich das Rasieren bedeutend weniger schmerzhaft machen, indem man auf die Anwendung von Seife verzichtet! Das geht, sobald „Rasiercreme" oder ,,Rasiersahne" angewandt wird. Mit diesen fettigen, nicht schäumenden Pasten rasiert es sich viel angenehmer. Es gibt eine Reihe von Fabrikaten. Ich persönlich habe weitaus die besten Erfahrungen gemacht mit der ,,Monte"Rasier-Sahne von Dr. Eßlen & Co. Mühlenbeck bei Berlin). Aber alles, was die Haut betrifft, ist bekanntlich sehr individuell. . . Erfrierungen: Immer wieder, von Zeit zu Zeit kommt man in die Lage, Erfrierungen behandeln zu müssen, eigene und die anderer. In fast allen populären Anleitungen wird man lesen, daß Erfrierungen ersten und zweiten Grades zunächst durch Reiben mit Schnee zu behandeln wären. Dieser -man muß schon sagen -Unfug, ist offenbar unausrottbar. Reiben, das heißt massieren, ist zweifel,fda~''zungchst anzuwendende Heilmittel. Und zwar muß man mit einem Fett reiben, um die gpschitdigte Haut nicht mechanisch noch mehr zu schädigen. Ein durch Kälte krank gewordenes @ied aber auch noch mit kaltem Schnee rücksichtslos in Berührung zu bringen, ist ein Wahnsinn 45


- wie aller Wahnsinn, so ist auch dieser, wenn zum System erhoben, gewissermaßen sakrosankt. Schnupfen: Praktisch ist uns ganz klar, was er ist. Theoretisch und wissenschaftlich ist er nicht so

ganz geklärt. Gleichgültig,wie er entsteht und was er ist, eines ist gewiß: Meist merken wir stundenlang vorher, daß er uns überfallen wird. ES gibt ein Gegenmittel, das beizeiten angewandt, fast jeden Schnupfen im Keime erstickt: Das sind die ,,Guttajod"-Pillen, die man in jeder Apotheke bekommt. Die minimalenMengen Jod dieses Mittels schaden auch dem nicht, der eine Idiosynkrasie gegen Jod hat. Magenverstimmung : Auf welcher Ursache auch beruhend, immer ist ,,Carbo medicinalis" (Ligninkohle mit Schwefelkali, von Merck) ein ausgezeichnetes Mittel, das fast immer hilft und das selbst in den unsinnigsten Mengen genommen, niemals schaden kann. Schließlich noch eine kurze Bemerkung über Training. Gleich im Anfang des Winters mit Freude Skifahrten zu machen, dazu gehört eine gute Körperverfassung, oder ein gutes Allgemeintraining. Das ist selbstverständlioh. Dieses allgemeine Training ermöglicht aber durchaus nicht, lange und anstrengende Abfahrten ,,durchzustehen" -- wenigstens nicht ohne erhebliche Schmerzen. Es gibt nun ein ganz einfaches, fast lächerliches Mittel, um gerade die Gleichgewichtsmixskeln der Beine ständig im ,,Training" zu erhalten und zu kräftigen, sogar ohne darauf irgend welche Zeit zu verwenden. Man tue nur folgendes: Beim Anziehen, Waschen, Abtrocknen, Rasieren usw. stehe man den einen Tag nur auf dem einen, den andern nur auf dem andern Bein. Es klingt beinahe komisch, so komisch, daß es schon aus diesem Grunde nicht gemacht wird. Wer aber mit Energie dieses einfache ,,Rezeptu befolgt, der wird staunen, wie wenig er auf seiner ersten großen Winterabfahrt ermüdet. . Skilaufen soll ein Vergnügen sein. Ich hoffe, durch dieses bunte Sammelsurium von kleinen Ratschlägen zum Vergnügen manches Skiläufers ein klein wenig beigetragen zu haben.

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Schnappschuss am Fis-Slalom. Photo :Luis Trenker


FILMARBEIT I N DEN WINTERLICHEN BERGEN Von LuZs Trenker, Berlin

F& kein Winter verging, in dem ich nicht mit einer singenden und fröhlichen Gesellschaft von Skikanonen in die Berge fuhr. Allerdings war nicht jeder Winter ganz in Ordnung, wegen des Schnees meine ich, denn manchesmal fehlte es sehr an guten Pulverfilmschneemengen und nachher im Frühjahr verkroch sich die Sonne nicht ungern hinter graue Nebelfetzen und ließ sich gleich tagelang nicht mehr sehen. Für Filmaufnahmen mit beschränkter Zeit sind dies bittere Erkenntnisse und ich fluchte oft laut und deutlich auf alles, was Schnee ist und Ski und Wintersport. Doch ist aber das Arbeiten draußen im Schnee und im Eis an und für sich eine ganz wunderschöne Sache. Karneredsehaft und Humor, sportlicher Ehrgeiz und Freude an Luft und Lauf schmieden die Leute schon in wenigen Tagen fest zusammen, so daß es einem im Herzen weh tut, wenn man nach kurxen Monaten wieder scheiden muß. Einige kurze Episoden aus meiner Arbeit in den Zermattep- und Berninabergen will ich hier für den Schneehasen erzählen, denn viele von seinen Lesern haben uns sicherlich schon filmend irgendwo gesehen. Frühmorgens geht's mit Krach und Gerufe los und damit die schlafenden Gesellen leichter ihr flottes Handwerk angehen, wird mit einer Ziehharmonika und Gitarrebegleitung geweckt. Wer dann nicht erscheint, wird mit Skistiefeln und Schneeballen aus dem Bett geholt. Dann kommt die wichtigste Bernhliftigung des Tages: das Frühstück. Kübel von Marmelade verschwinden in den Mägen. Die Innsbrucker sorgen dafür, daß auch kein Löffel ,,Confiture" im Napf bleibt. Unter dem üblichen Duroheinander, ohne das es beim Film nun mal nicht geht, werden die vielen Traglasten verteilt. Wir haben meist drei Negative zu drehen. Eines für die deutsche, eines für die französische und eines für die stumme Fassung. Also schleppen wir drei komplette Apparaturen überall mit. Jede Apparatur braucht drei Träger, die abwechseln müssen, weil wir große und weite Märsche machen. Und während einige vempatete Burschen noch mitten in der Marmelade sind, haben die Zermatter Führer schon fertig gepckt und wir ziehen, zirka 35 Mann stark, los.

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Wir waadern hoch hinauf bis unter die Matterhorngletscher und hinüber aufs Theoduljoch. Auch auf dem roten Boden im strahlenden Grund des Monte Rosa, Lyßkamm und Breithorn arbeiteten wir und auf den Gletschern des Strahlhorns, wo es irn Winter noch schöner ist als im Sommer. Bei den Massenfahrten geht es fast immer aufgeregt her. Das Tempo ist groß, jeder Sturz kann durch die enge Aufeinanderfolge der Läufer zu einem Ungliick werden. Vor den großen Fahrten geht daher immer eine augenscheinliche Nervosität durch unsere Reihsn. Da ich beim ganzen Rennen Regie führen und selbst mitlaufen muß, ist die Arbeit für mich nicht ganz leicht. Einmal, oben knapp unter dem Maebrhorn, wäre es beinahe schief gegangen und ein Krieg zwischen Tirol und Wallis schien unabwendbar. Das kam so: Dreißig Litufer sollten möglichst geschlossen und knapp am Apparat vorbeiflitzen. Die Abfahrt war groß und steil. Ich fuhr mit der deutschen Mannschaft voran, dann kamen die Norweger, Österreicher und Schweizer und so weiter. ,,AIlis fertig?" ,,Ja&8&&.. . „L0008 !'& Und dahin geht's. Man hört irn Knirschen und Gleiten der Bretter einzelne Rufe und Flüche „geh weg", ,picht so stauben", ,,Herrgott i sieh nix", Luggi rechts, rechts", ,,Stöckeweg", ,,,Platz",,,druck nit so" --jedes ist mit aller Energie darauf bedacht, nur um Gottes Willennicht zu stürzen. Er fürchtet, die ~iienhakender hinterher pfeifenden Skier an den Kopf zu bekommen. Alles ist in weißen Schneestaub gehüllt, der in die Augen fliegt, man sieht nichts, knapp hinter einem die ganze Meute, neben mir holen diehlberger auf, kommen vor. Wir haben eine Geschwindigkeit von mindestens 80 kmt als wir in den Schlußhang kommen, der uns unwiderstehlich gegen die Apparatengruppe drückt. Knapp um Haaresbreite schnelle ich an der Kamera vorbei, hinter uns höre ich plötzlich wüstes Ge47


Dir!Trenker ,,Stoßtruppe" in Aktion. Photo: Luis Trenker

schrei und im selben Moment das Krachen und Klappen von zerbrechenden Hölzern. Unheil ahnend, schwinge ich ab und sehe zurück. Das ganze Feld ist in einen Massensturz geraten. Ein junger Innsbrucker war knapp fünf Meter vor der Kamera gestürzt. Um nicht iiber seinen Kopf zu fahren, bremst Lehner sofort ab, kommt zu Fall, einen dritten wirft es direkt mit dem Brustkasten auf die Kamera, zwei stürzen auf den Operateur. Die Zermatter sind außer sich vor Wut und brüllen die Innsbrucker an. Die schreien, daß ihnen der Hals anschwillt. Alle haben rote Köpfe und merken im ersten Moment gar nicht, daß zwei am Boden liegen und stöhnen, einer seine zerrissene Hose betrachtet, ein anderer am Arm blutet, daß die Kamera eingedrückt ist und wie eine alte Konservenbüchse am Boden liegt und nur mehr ein Stativbein als zerkrachte Holzbürste im Schnee steckt. Bald ist Frieden gestiftet, die Rippenbrüche werden heilen und die zerrissenen Hosen auch. Die geschwollene Nase des Operateurs, der den ganzen Kasten ins Gesicht bekam, ist mir geradezu ein Trost, denn das hätte viel, viel schlimmer ausgehen können. Unten in der Confiserie erholten wir uns bei Gesang und Musik bald vom Schrecken. Sogar die Oberrivalen Julen und Lantschner wurden wieder gute Freunde. Wie schön haben wir oft zusammen gesungen. Das hätte ich tonfilrnen sollen! Die schönen Lieder vom Höttinger Vogelfänger, das von den dreiunddreißig Jahren Knechtschaft und der Revolution, dann das Arlberger Skilied: ,,Zwoa Bretteln a gführiger Schnee, juchhee - - -." Singen konnten zwar meine Schweizer nicht so gut wie die Innsbrucker, aber wenn es darauf ankam, mit den schweren Filmmaschinen im Rucksack vom Berg ins Tal hinunter zu setzen, da waren sie mindestens gleich gut, vielleicht auch besser! Disziplinierter auf jeden Fall durch den Führerberuf und den Milizdienst, auch klarer und knapper in der Auffassung der Arbeit. Aber Humor ist auch etwas wert und so ergänzten sich die Leute gut. Wenn das Wetter ganz miserabel war, wurde gewattet. Watten ist ein ganz herrliches tirolisches Kartenspiel. Je zwei spielen gegeneinander. Die beiden Partner dürfen sich ihr Blatt deuten. Schwindeln ist erlaubt, wenn man dabei nicht erwischt wird. Die Herren Film-Operateure lernten bald das herrliche Spiel. Sie spielten zusammen gegen Lehner und mich, deuteten sich gegenseitig zu, daß ihnen die Augen beinahe auf den Tisch fielen und verzogen dabei die Gesichter, daß man hätte glauben können, sie hätten Schuhnägel im Magen. Natürlich hatten sie dabei keine Zeit, auf uns aufzupassen und so schwindelten wir, daß es zum Himmel schrie. Sie haben wochenlang immer verloren und es fiel ihnen nichts auf. Sie glaubten immer, daß halt wir Schuas! Photo :A. Klopfenstein, Adedboden


das Deuten besser verstünden. Ich aber hatte das Spielen von meinem Vater und das Schwindeln vom Hugo Lehner gelernt. Später, gegen Ende März, kampierten wir meist auf hohen Schutzhütten, einmal auch auf der Riffelalp. Die Verantwortung über dreißig Menschenleben verlangt in der lawinengefährlichen Zeit Vorsicht und tlberlegung, trotz des begreiflichen Wunsches, jede verfiigbare Stunde auszunutzen. So stand ich eines Morgens mit meinem Freund Lehner draußen vor der Hütte des Riffelalphotels und überlegte, was zu tun sei. Schließlich beschlossen wir, an dem Tag nicht auszurücken, weil uns die Wetterlage nicht gefiel. Es war ein Sonntag. Wir saßen in der großen Halle, die uns als Schlaf- und Eßraum diente, auf unseren Strohsiicken und vertrieben uns die Zeit mit Rauchen und Plaudern. Lautlos ging plötzlioh die Türe auf und eine fahlgelbe rothaarige Gestalt tauchte darin auf. Starren Blickes stammelte sie etwas von ,,Lawinec' und ,,dort, dort" in den Saal. Es verging keine Minute und die Leute waren schon mit Hilfsmaterial unterwegs. Von der Alpe aus sah man gut den breiten Bruch der Lawine, die geräuschlos vom Riffelberg heruntergebrochen war. Oben angelangt, fanden wir einen französischen Führer, der den noch lebenden Grafen aus dem Schnee grub. Dieser war zirka 300 Meter über Felsen und durch Schluchten heruntergerissen und unten weit in die Mulde hinausgeworfen worden, ohne die geringste Verletzung erlitten zu haben. E r schluchzte. Mir zog es das Herz zusammen. Der andere, jüngere, lag regungslos und wachsgelb im Schnee. Er war als Träger mitgegangen und hätte dreißig Franken verdient. Statt des kargen Lohnes bringen sie den fündundzwanzigjährigen Führer nun selber in einem Sack heim zur Frau und zum zweijährigen Kind. Es schneite. Die Natur war weit und still. Ich fürchte sie in dieser Gleichgültigkeit, die so groß ist wie die Ewigkeit. Lehner, der nicht gewußt hatte, um wen es sich handelte, war ahnungslos auf den 3%-Rennen St. Moritz. Photo :Lu& Tfenker


Toten zugelaufen. Als er den Führer erkannte, hatte es ihn fast umgerissen. Perren war sein bester Freund aus Zermatt gewzsen. Später, als die Aufnahmen für jenen Film beendet waren, zog ich mit der ganzen Schar in das Berninagebiet, wo ich Nachtaufnahmen in den Gletscherspalten drehte. Da war dann der ganze Sankt Moritzer Skiclub Alpina mit auf die Bovalhütte gekommen. Die Nater und Bernasconis, die Testas und Badrutts und wie sie alle heißen mögen. Fünfzig Mann arbeiteten bis dreiUhr morgens im Spaltengewirr des Persbruches und nachher gab es Tee und Musik, Ski- und Berglieder, Tabak und heiße Öfen. ES war eine Freude und eine unvergeßliche Aufnahmezeit gewesen! In1 Laufe der Jahre hat sich ein sogenanntes Kollektiv unter uns gebildet. Die Operateure Sepp Allgeier und Albert Benitz, die Tiroler Bergführer Luis Gerold, Albert Emmerich und Hans Jarnnig, die Zermatter Eisgeher und Skiläufer Hugo Lehner, Elias Perren, Josef Peter Aufdenblatten und sogar die Skikanone Otto Furrer waren fast immer dabei und viele andere Engadiner und Tiroler. Jeder arbeitete stets mit ganzer Seele und vollem Herzen mit. Es ist ein großer Unterschied zwischen ,,Filmgesellschaft", wie sich mancher dies so schön vorstellen mag und ,,Filmgesellschaft", wie wir sie auffassen. Uns schwebt während der ganzen Arbeitszeit nur immer das Ziel, der Film, die Photographie, der Aufbau und die Wirkung vorAugen.Bei der praktischen Arbeit draußen scheuen wir es nie, auch nur wegen eines einzigen Bildes, stundenlang und tagelang, ja wochenlang auf den richtigen Schnee und das beste Licht zu warten oder mit allen Lasten stundenlang bergauf und bergab zu gehen und zu suchen. Bei meinem letzten Film fuhr ich wegen eines nachzuholenden Gipfelbildes von Berlin nach Maloja und stieg von der Fornohütte auf den Gipfel der Cima de1 Largo. Natürlich hätte man das Bild wegen der einen Aufnahme auch irgendwo vor Berlin improvisieren können, aber das mag ich nicht. Disziplin ist die Grundlage aller unserer Arbeit, trotz allen Humors, trotz aller Freude und aller Kameradschaft, die uns der Sport und die Arbeit in der Natur in so reichem Maße bescheren, jetzt und immerdar! Wie hart aber manchesmal auch unser Beruf sein k a m , weiß nur der, der so wie wir nun jahrelang in schwerer Arbeit sich durch alle Winde und Wetter, durch alle Nebel und Wolken, durch allen Pappschnee und Regen und durch alle Manuskripte und Stürme in ehrlichem, der Sache treu dienendem Kampfe zu ein bißchen Sonnenschein und Licht durchgeschlagen hat!


SCHNEEZEMENT Von Othmar Gurtner, SAS, Zürich

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Drei Buben spucken am Utoquai um die Wette in den See; eine leere Streichholzschachtel ist das Ziel der tfbung. ,,Warum gibst du dem Kopf diesen Ruck?" - frage ich den rechts außen. ,,Weil's mir sonst den Speuz verträgt.'' - Unter der Quaibrücke hervor gehe ein Lüftlein, man müsse von seinem Standort aus ein bißchen zugeben, ,,so mit dem Kopfsohlungg - dann sitzt er gerade richtig!" Die beiden Flügelmänner behaupten übrigens, daß der Knirps der Mitte im Vorteil sei; wirklich kann er die Beinchen im Geländer verklemmen, so daß die Gesclioße aus seiner Röhre fliegen, wie die Kugel aus dem Matchstutzer. Also ein Handicap der beiden Flügel, die den ,,Kopfschlungg" brauchen, um gegen den mittleren Matcheur aufzukommen. UngleicheVoraussetzungenbehindern jeden sportlichenwettkampf. Vor zehn Jahren hat man in Mürren den ungerechten Slalom am ungespurten Hang in zwei Läufe geteilt: in einen Weichschneeslalom und in einen Hartsohneeslalom. Damals gab es noch keine Metallkanten und nicht einmal Amstutzfedern. Die Steigerung der Slslomtechnik strich den Weichschneeslalom gänzlich aus und seither haben wir den Streckenwart, der gleich seinen älteren Halbbrüdern. auf Loipe und Sprungschanze ein Bekämpfer des Schneesegens geworden ist. Nur harte Pisten vermögen gleichbleibende Voraussetzungen für alle Wettkämpfer zu schaffen. Die Bändigung des Schnees ist und bleibt die Hauptsorge des Streckenwartes. Er mag Paulcke oder Seligman studieren, so viel er will, immer wieder wird ihn der temperaturempfindliohe Schnee vor Schwierigkeiten stellen. Wir wissen alle, daß tiefer kalter Pulverschnee zuerst seine Wandlungen durchmachen muß, bevor er sich genügend pressen Iäßt; wir wissen aber auch, daß ein endlich unter stundenlangem Stampfen und Treten oberflächlich hart gewordener Hang keineswegs sicher ist: es braucht nur ein Föhnwölklein aufzuziehen und schon ist die Herrlichkeit kaputt. Noch schlimmer ist es uns allen an Rennen ergangen, bei denen das Föhnwölklein sich entleerte : Regen oder nasser Schnee geben eine trügerische Piste, man kann die Oberfläche wohl glätten, doch neigt der schwere Teig zur Furchenbildung, ja zum Einbrechen ganzer Schollen in tiefere, noch nicht sierfirnte Schneelagen. Es gibt namentlich gegen das Frühjahr hin aufgetauten Sulzschnee, der in der Nacht eisenhart wird, den aber am Tag keine Mühe und kein Mannschaftsaufwand zu härten vermag. Leider sind einige unserer leicht erreichbaren, meist niedrig gelegenen Wintersportplätze im Dezember und besonders auch im Frühjahr derartigen Störungen stark ausgesetzt. Aber auch auf großer Höhe kann unser westlich beeinflußtes Klima überraschende Hindernisse bereiten; wie hat sich doch bei den Olympischen Winterspielen das Oberengadin bis auf über 2000 m hinauf in Sumpf und hgernis verwandelt, ausgerechnet im schneestarrenden Februar! Bei den diesjährigen Fisrennen ist ein wundervoller Slalomhang hergerichtet worden; 00 Mann haben zehn Tage lang gearbeitet, um jene viel bestaunte Arena auf Corviglia herzurichten; rechnet man für diese Arbeit Fr. 7.- Taglohn, so ergibt sich ein Aufwand von Fr. 4200.- für die Bereitung dieser Slalompiste. Ein Wetterumschlag hätte die ganze Herrlichkeit in Frage stellen können. Wer oft mit der Herrichtung groBer Konkurrenzschanzen zu tun hat, weiß ein Liedlein zu singen. Man macht sich außerhalb der mit diesen Arbeiten vertrauten Kreise oft ein falsches Bild über die Mühe und die Kosten, die an große, einwandfrei hergerichtete Anlagen aufgewendet werden miissen. Wer diese Risiken kennt, wird aufhorchen, wenn ihm plötzlich die Möglichkeit zur Sicherung der Anlagen geboten wird. S i p u n d Ruud kam Ende März aus Jugoslavien herauf und berichtete über die gewaltige Springerei von Planica. Man habe, so erzählte uns Sigmund, die regenweiche Aufsprungbahn mit Salz bestreut und auq Rebenspritzen Salmiakgeist darüber gerieselt; unter dieser Behandlung sei der Schnee gleich körnig und hart geworden und die langen, bis 95 m hinab tragenden Sprünge seien sehr gut zu stehen gewesen, ohne daß man in dem Schnee eingebrochen wäre; neben der Aufsprungbahn freilich wäre alles ein Sumpf gewesen. Stadtbaumeister Rozman von Ljubljana, dessen Adresse ich Ingenieur Straumann verdanke, schrieb mir über diese erstaunlichen Vorkehren was folgt: „Die Withrungsverhältnisse in Planica eine Woche vor dem 25. März, an welchem Tage die Konkur-


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renz stattfand, waren folgende: Die Temperatur schwankte fast tagtäglich von 8O bis 14O C. Auch während der Nacht fiel die Temperatur nur einmal auf - 3O, sonst war sie immer über dem Gefrierpunkt. Jeden Tag regnete es auch. Freitag, den 23. März, nachmittags, wurde die Schanze nach dem Training mit Füßen und Skiern gestampft und nach dem Stampfen mit einer Mischung von einem Teil Salmiak und zwei Teilen Kochsalz in Mehlform bespritzt. Samstag nachmittags und sonntags in der Frühe wurde die Schanze nochmals gestampft und mit derselben Lösung bespritzt. Zu diesem Zwecke wurde eine Vitriolspritze verwendet, die sich aber nicht gut bewährt hat, weil sie zu sehr zerstäubt und Salz in der Spritze zurückbleibt. Besser wäre eine Spritze, welche ganz dünne und dichte Strahlen gibt. Auch wäre zu versuchen, ob es nicht besser ist, daß man erst eine kleine Fläche mit Sah bestreut und dann gleich mit Salmiak spritzt. Auf 1 ma verbraucht man beiläufig 10 dkg Salmiak in fliissiger Form für zweimaliges Bespritzen. Dieses Verfahren hat bei 14O C noch beiläufig zwei Stunden merklich gewirkt. Bei höheren Temperaturen müßte man erst Versuche machen,

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eventuell auf 1 ma Fläche mehr Salmiak und Salz verwenden." Ich habe mir an den Kopf gegriffen. Ausgerechnet in Jugoslavien muß die Schneechemie diesen Triumph feiern! Nun bekommen wir zu der Schmierungswissenschaft,zu den Panzerkanten und Bindungstricken noch eine Schneebehandlung! Nun gut, - es sei darum. Die Spritzerei leuchtete mir freilich nicht ganz ein. Ich fand, daß dieses Bestreuen und Bespritzen im Gelände erheblichen Schwierigkeiten begegnen müsse und besprach die Frage mit dem Seniorchef der chemischen Fabrik Tobler & Co., der zusammen mit seinem Sohn das Skigliß und neuerdings das Skimont herausgebracht hatte und demnach über die erforderliche Findigkeit in der Skichemie zix verfügen schien. Tobler Senior und Junior haben die Sache sofort aufgegriffen und in umfangreichen Laborversuchen schließlich ein Gemisch herausgebracht, das den Anforderungen zu genügen schien, die ich im Hinblick auf Verwendung am Sommerskirennen Jungfraujoch stellte. Wie gründlich die Chemiker dabei zu Werke gingen, ist daraus zu ersehen, daß sie am 11. und 12. Mai 1934 in der Nähe der Par~ennhüt~te unter Zuziehung von Jacques Ettinger aus Davos sorgfältig überwachte Versuche anstellten. Dem mir zur Einsicht überlassenen Protokoll entnehme ich folgende Stellen : ,,Höhenlage 2230 m. Tiefer, fauler Schnee. Sonnenhell, warm, Lufttemperatur

+ 15O C.

Versuch 1 :Es wird ein Feld von ca. 1 m Breite und 5 m Länge ausgesteckt, mit Skiern festgestampft und mit dem pulvrigen Härtemittel in dünner Saat bestreut. Quantum für diese 5 mz: 1,5 kg Härtemittel. - R w l t a t : Der faule, O0 C messende Schnee sinkt auf - 150 C, es entsteht sofort eine 8 Cm dicke, harte Schicht. Nach einer Stunde erreicht diese Schicht 17 cm Tiefe bei gleichen Kältegraden. Diese so erzielte Piste macht einen äußerst günstigen Eindruck. Versuch 2 : 1 mZ Schnee wird ohne zu stampfen mit 220 g Härtemittel bestreut. R w l t a t : Sofortige Wirkung auf den Schnee - 15O C. Nach 5 Minuten 5 cm tief feste Schicht. Nach 15 Minuten 5 cm tief feste Schicht. Nach 60 Minuten 13 cm tief feste Schicht. Versuch3 :1 maungestampften Schnee mit 470 g Härtemittel bestreut, Schneetiefe Ca. 60 Cm. Resultat : Nach 1 Minute - 100 C. Nach 5 Minuten - 15O C. Gehärtete Schneeschicht nach 10 Minuten Ca. 10 Cm. Nicht haltbar, bricht bei festem Auftreten durch Mannsgewicht ein. Versuche 3a und 3 b : Wiederholung der Versuche 2 und 3 in etwas vergrößerter Form und mit vermehrtem Material um festzustellen, ob die gegebene tiefe Schneeschicht ohne irgendwelche Bearbeitung, also Stampfen usw. genügend zu härten sei. Resultat: Negativ. Folgerung: Das Schneefeld muß also durch Stampfen oder dergleichen bearbeitet werden, um gute, brauchbare Resultate zu erzielen. Versuch 4 :Es soll eine Sprunglaufpiste bereitet werden. Eine Fläche von Ca. 2 m Breite und 4 m 50 Länge wird von beiden Seiten der Länge nach je durch einen Mann mit dem Härtemittel bestreut. Sofort anschließend an das Streuen des Pulvers wird durch drei Mann mit Skiern der bestreute Schnee gestampft und so gut wie möglich geglättet. Verbrauch an Material 3 kg, also per ma Ca. 330 g. Resultat : Temperatur nach 1 Minute - 5O C, nach 5 Minuten - 15O C. Dicke der gehärteten Schicht: nach 1 Minute 8 Cm; nach 5 Minuten 15 Cm; nach 60 Minuten 19 Cm. Dauerhaftigkeit der gehärteten Schicht nach zwei Stunden noch vollstiindig, nach 14 Stunden noch ziemlich fest. Morgens 8 Uhr, klarer Sonnenschein. Höhe 2250 m, Lufttemperatur 15O C.

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VBTMLC~ 5 :Ettinger steckt an einem steilen Sonnenhang mit etwa 60 cm tiefem faulem Schnee eine Slalomstrecke aus. Die Kurven werden zum Teil nach Versuch 1 und zum andern Teil nach Versuch 4 bearbeitet. Die erstere Arbeitsweise, also Stampfen des Schnees und nachheriges Streuen des Härtemittels hat sich unzweideutig als der richtige Weg erwiesen. Sämtliche Kurven der Slalomstrecke werden nun in dieser .Weise bearbeitet und nach Beendigung der Zubereitung ist eine Slalompiste geschaffen, wie man eine solche nach Aussagen Ettingers nicht idealer wünschen könnte. Diese Arbeit hat etwa eine Stunde in Anspruch genommen." Es galt nun, die Schneehärtung rennmäßig auszuprobieren. Der große Kessel der Firma Tobler ließ sich gerade in Bonomos Autokoffer hineinbugsieren; am Vorabend des Grimselrennens lockte ich Brügger Otti in die Hospizgarage, zeigte ihm das Hengstenpulver und fand in einem breiten Grinsen Zustimmung zum Versuch am Grimselslalom. Der 3. Juni war neblig und regnerisch. Wir wählten als Versuchsstrecke ein etwa 60 m langes Stück der Slalompiste, hoch oben am Siedelhornhang. Der Schnee war krank; man sank bis über die Knöchel ein; die getretene Slalompiste wich unter jedem Schwung und staute Runzeln auf. Es zeigte sich, daß einmaliges leichtes Treten die Schneelage genügend glättete, um die Piste herzurichten. Mit dem Zehnkilokessel vor dem Bauch begannen wir nun unsere Teiistrecke zu vergletschern. Wir streuten in weitem Bogen mit der Hand, die leicht bläuliche Färbung des Pulvers zeigte uns genau, wie die Bestreuung lag und es brauchte wirklich sehr wenig Mühe, um zu zweit in einer Viertelstunde 60 m Slalomstrecke aus tiefem, ungetretenem Matsch in eine einwandfreie, klingende Piste zu verwandeln. Brügger Otti und Godi Michel hatten uns eine kurze Stelle besonders empfohlen : zwischen zwei Granitplatten war ein Steinloch mit einer fußtiefen Schneeschicht zugedeckt worden; nach drei oder vier Fahrten durch dieses Loch hätte der blanke Fels hervortreten müssen; die Härtung mit unserem famosen Pulver ließ den Schnee bis auf 'die Felsplatten hinab erstarren und die schwache Stelle hielt den ganzen Slalomlauf aus ! Ich war besonders gespannt auf die Kritik der Rennfahrer. Unser Biichi bezeichnete die Härte als ,,grauenhaftu; die Osirnig rief: ,,Hui! - wie's da hart isch!" - Sigmund Ruud lobte: „Ja, es ist ganz hart genug." Und Vitter fand, daß er mit seinen Messingkanten lackiert sei. Das Rennen bewies allerdings dann, daß die Spitzenklasse mit Dr. Vetter, Zogg, Fritz Steuri, von Allmen und Glatthard auf der gehärteten Piste tadellos durch die Tore ging. Ein weiterer Versuch mit dem Schneehärtemittel wurde anläßlich des 2. Auto-Ski-Meetings auf der Furka angestellt. Leider hatten übereifrige Komitierte die Kessel erbrochen und den Vorrat des Pulvers mit allerhand Pröblereien stark vermindert. Immerhin gelang es trotzdem, die Slalompiste sehr schön zu härten. Mit Ca. 15 kg Pidver wurde eine Strecke von rund 300 m behandelt. Otto Furrer und Hans Zogg beschnupperten das Ding mit viel Verständnis. Ich war nun so weit, um den Streckenwart des Jungfraujoch-Slaloms für die Idee gewinnen zu können. Ernst Gertsch war sogleich Feuer und Flamme. Wir einigten uns auf den Slalomhang hinter dem Ostabsturz des Sphinxfelsens. Zusammen mit dem neuen Rennchef Büchi und dem NSKZ-Präsidenten Rüegg legten wir den Slalom bei Bruthitze vom Firngrat herab über den Bergschrund und den Steilhang zum Hundeschlittenweg hinab fest. Mit vier Zehnkilobüchsen wurde die ganze Piste einwandfrei gehärtet. Wir gingen so vor, daß durch leichtes Antreten der Piste und Glattstreichen die Schneeoberfläche hergerichtet wurde, dann streuten wir unser blaues Pulver aus und schon nach wenigen Minuten trug die Kruste ganz gut. I n einer Stunde priiparierten wir zu viert einen Slalomhang, den unter gewöhnlichen Verhältnissen zehn bis zwanzig Mann in mehreren Stunden nicht hätten hart kriegen können. Der 14. Juli stach uns mit Sonne in die Gesichter, um uns während des Slalomlaufes in Regen und Riese1 einzuhüllen. Für die Beobachtung der Piste war diese Nässe und der Wechsel von Regen zu beißendem Schneegestöber sehr interessant. Nachdem ich mit eigenen Augen gesehen habe, wie man mit einer Hand voll bläulichem Pulver eine weiche Schneefläche sofort zum Erstarren und in wenigen Minuten zu völliger Härte bringen kann, nachdem die eigenhändig hergerichteten Pisten sich im Rennen tadellos bewährten (Dr. Vetter fuhr an der Grimsel, auf der Furka und am Jungfraujoch gleichmäßig den Slalomsieg heraus!), freue ich mich, diese Erfahrungen zur Kenntnis der Wegknechte ältester und jüngster Ordonnanz bringen zu


dürfen. Ich bin überzeugt, daß manche schlechte oder sumpfige Stelle in Rennpisten, daß trotz Föhnwetter oder Regen jede Sprungschanze und vor allem jede Slalompiste mit wenig Arbeit und verhältnismäßig billigem Materialaufwand hart gemacht werden kann. Die erzeugende Firma Tobler in Altstätten nennt das Härtemittel jetzt ,,Schneezement". Wir wollen uns daran gewöhnen und im Notfall den durchweichten Schnee einfach ,,zementieren".

ABFAHRT U N D SLALOM I N NORWEGEN V o n Jakob Kielland, SAS, Os10

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Es ist nicht meine Absicht, über Abfahrt und Slalom eine Entwicklungsgeschichte zu schreiben, meistens sind diese totlangweilig und übrigens hat es schon genug Geschichtsschreiber. Ich will vielmehr versuchen, über verschiedene Begebenheiten vom letzten Winter und über die Abfahrts- und Slalombewegung in Norwegen etwas zu erzählen. Noch vor einem Jahr war das Interesse für diese Skidisziplinen minim. An dem internationalen Abfahrt- und Slalomrennen in Kongsberg haben sich nur je 12 und 16 Teilnehmer gemeldet, wovon fast die Hälfte Ausländer waren, die umhin für den gleichzeitig abgehaltenen Sprunglauf sich eingefunden hatten. Halb aus Neugierde, halb als Resultat der Propaganda von wenigen abfahrtsbegeisterten Leuten in Norwegen, hatten sich etwa 500 Zuschauer eingefunden. Um so überraschender war das einstimmige Urteil über die Rennen: ,,Großartig - wirklich sportliche Leistungen - die ausländischen Fahrer zeigen großes Können und gute Skitechnik." Mit diesem Rennen wurde der Grundstein zu der Abfahrt- und Slalombewegung in Norwegen gelegt1). Der weitere Impuls zeigte sich bereits deutlich im letzten Winter: es wurden fünf Slalom- und zwei Abfahrtsrennen abgehalten. Bei sämtlichen Slaloms mußte die Teilnehmerzahl beschränkt werden. Das erneute Abfahrtsrennen in Kongsberg war, was sowohl Zahl der Zuschauer als Fahrer anbelangt, ein Rekord: 130 Teilnehmer, 2500 Zuschauer! An jedem Rennen werden neue Anhänger für Slalom und Abfahrt gewonnen und meistens sind die früheren Gegner heute die wärmsten Anhänger der Bewegung geworden. Der einzige Übungshügel für Slalom in der Nähe von Os10 ist durch die Natur vor einigen Jahren geschaffen worden. Der Nordhang eines kleinen Berges wurde durch einen Orkan abgeholzt. An diesem Hang hat man früher immer den schönsten Weichschnee gefunden, heute aber ist bereits an dem einem Schneefall folgenden Tag der Hang vollständig abgefahren und wer keine Schlittschuhe bei sich hat, der treibt ein gefährliches Spiel mit Leben und Tod. Nach dem letzten Slalomrennen vom verflossenen Winter führte ich ein Gespräch mit dem Präsidenten des Norwegischen Skiverbandes. E r hatte mit mehreren Mitgliedern des Vorstandes die über sieben Stunden lange Reise ins Gebirge angetreten, um die Rennen anzuschauen. Er äußerte sich unter anderem dahin, daß er es für wahrscheinlich halte, daß die Abfahrt- und Slalombewegunginnert drei Jahren volle Anerkennung im norwegischen Skiverband finden und ins Arbeitsprogramm aufgenommenwerde. E r gab auch der Hoffnung Ausdruck, daß Norwegen bereits bei der nächsten Olympiade auch eine Skimannschaft für diese Disziplinen stellen werde. Die Teilnehmer an den bisherigen Abfahrt- und Slalomrennen waren teils Tourenfahrer, teils Langläufer und Springer. Es zeigte sich, daß die neuentstandenen ,,Kanonen" aus den drei Kategorien l)

Vergleiche: „Mit Jan Loopuyt in Norwegen", Schneehase Bd. 2, No. 7, 1933, S. 287 ff. Schriftleitung.


sich etwa gleichmäßig rekrutierten. Es sind Langläufer, wie etwa Reidar Karlsen, Sverre Kolterud, Hans Vinjaringen, Einar Bergsland oder Springer wie Sigmund Ruud, Hans Beck, Kristian Johansson, Henning Tönsberg, Arne B. Christiansen, die man unter den Siegern findet. Natürlich sind die Trainingsmöglichkeiten in Os10 beschränkte. Es gibt, wie bereits oben erwähnt wurde, nur einen Übungshügel in der Nähe der Stadt. Es wird aber für neue Möglichkeiten gesorgt werden und mit Hilfe der Behörden wird es wohl möglich sein, mit der Zeit an geeigneten Stellen den Wald zu räumen. I m Hochgebirge aber, speziell in der Gegend von Jotunheimen, sind wahre Eldorados für den Abfahrtsläufer zu finden. Die untere Grenze für das Hochgebirge liegt auf Ca. 1000 m, das entspricht dem Klima und der Vegetation von etwa 2500 m Meereshöhe in der Schweiz. Hier findet man schneesichere Gegenden mit zahllosen Abfahrten, wo man mit Leichtigkeit Abfahrtsrennen bis zu 1500 m Höhendifferenz austragen kann. Allerdings ist dieses Gelände so weit von Os10 entfernt, daß es nicht für Week-end und Trainingsfahrten in Frage kommt. Gewöhnlich besucht man diese Gebiete zu Ostern, da das Wetter zu dieser Zeit am stabilsten ist. Das größte Abfahrtsrennen vom verflossenen Winter wurde auch hier ausgetragen, nämlich in Jotunheimen, unterhalb des Gipfels Galdhöppigen (2468 m), bis Spiterstulen (1100 m). Das diesen Aufsatz begleitende Bild illustriert diese Gegend. Im großen und ganzen bin ich überzeugt davon, daß die Voraussetzungen für eine verhältnismäßig rasche Entwicklung von Abfahrt und Slalom in Norwegen heute vorhanden sind. Daß sich der Slalom noch eher rascher verbreiten wird als die Abfahrt, ist wahrscheinlich aus geographischen Gründen da es im Tiefland meistens schwer ist, gute Abfahrtsstrecken zu finden, die genügend Höhendifferenz aufweisen oder nicht zu dicht bewaldet sind. Ich freue mich für den SAS, dank dessen Einfluß die Entwicklung in Norwegen rasch von Stapel geht. Die norwegischen SAS-ler werden als Apostel dafür besorgt sein, daß die gute Sache auf fruchtbaren Boden fällt.

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In der Gegend von Jotunh8hm, Norwegen. Photo :W Enent


JAGD M I T SCHWARZ AUF W E l S S Von Hanns Hubmann, München

Ich bin ein Jäger eigner Art und schieße ohne Blei, ich bringe viele Beute heim, doch all mein Wild bleibt frei! (Frei nach großen Dichtern I)

Ja, meine sehr verehrten Schneehasen, ich habe schon viele von Euch und Euren Artgenossen mit meinem schwarzen Gewehr beschossen, und keiner wird behaupten, daß ich ihm je wehgetan habe. Ihr spüret nichts davon, daß Ihr erlegt wurdet, aber Ihr wurdet ein Opfer meiner schwarzen Kunst und meine Schneehasen-Jagdtrophäensammlung nimmt mit jedem Winter an Größe und an Pracht der weißen Felle zu. Ihr seid ein schwere$ Wild, weil Ihr mit Euren ,,LiiufenC'vorbeiflitzt wie ein Wind und Ihr seid schwer zu treffen, doch pirscht man sich heran, wenn Ihr im Kreise steht und über die andern Schneehasen Eure Witze reißt oder wenn Ihr ihnen mit freudig pendelnden Löffeln, lustig zwinkernden Lichtern und zitterndem Schnurrbart Beifall zollt für ihre Sprünge und Purzelbäume, dann kann man Euch schießen nach Herzenslust! Mein Auge nimmt Euch auf mit lebenswahrer Treue, Ihr seid in Schönheit gestorben, in der ganzen Pracht Eurer bunten Kleider über dem weißen Fell und Eure Bewegungen sind für ewig festgehalten. Man kann Euch hoch in der Luft im Sprunge erschossen sehen, festgehalten an einer Klippe Eurer Fahrt, die Ihr im Augenblick meines Schusses mit mehr oder weniger inniger Berührung passiert. Ihr seid erstarrt in sausender Abfahrt, mit Euch der aufgewirbelte glitzernde Schnee. Mein schwarzes Gewehr - ist meine Kamera und mein Weidwerk besteht aus der Jagd nach dem Bild. Ich reise als Bildberichterstatter durch die Ltinder und photographiere für die illustrierten Zeitungen, was mir Interessantes unter die Finger kommt. Im Winter bin ich oft bei Euch bei den großen Ski-Konkurrenzen, und ,,schießeu bei Tag und Nacht, was die ,,Schneehasen" Gutes und Nettes zu sehen geben. Oft habe ich auf meinem ,,Gewehrc'ein langes, schwarzes Rohr, das Teleobjektiv, das bei den Skiläufern den Spitznamen ,,Kanone" erhalten hat. Aber gerade diese ,,Kanone" ist mein bestes Mittel auf der Jagd nach dem Bild. Ich photographiere mit der Kleinkamera, einer technisch vollkommenen kleinen Kamera, mit 36 Aufnahmen auf Normalfilm. Sie besitzt einen Schlitzverschluß mit Belichtungszeiten von 111-1 1500 Sekunde, auswechselbare Objektive von 3,5 cm (Weitwinkel)bis 13,s cm (Teleobjektiv, genannt die ,,Kanone!"), deren Lichtstärken zwischen 1 : 1,9 bis 1 : 4,5 schwanken, mit der man also bei Tag und bei Nacht, auf Nah und Fern photographieren kann. Nichts ist zu schwer für die Kamera, aber sie und ich, wir haben es nicht leicht. Da gibt es viele Leute die, wenn sie eine Kamera sehen, schon ein Gesicht aufsetzen - so unnatürlich, daß man keinem Leser der Zeitung zumuten möchte, es zu betrachten; also müssen sie erwischt werden, ohne daß sie es wissen.

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Photo8 :Hanns Hubnaann


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n a s mache ich leicht mit meiner ,,Kanonew.Ich stehe ziemlich weit von dem ,,Opfer" entfernt und hole mit der langen Brennweite auf beispielsweise 12 m genau soviel aufs Bild wie ohne Teleobjektiv auf 3 m! Das „Opfer" ist vollkommen ahnungslos, weil es, auch wenn es den Apparat sieht, nicht annehmen kann, daß ganz allein seine Schönheit und nicht etwa die der großen Landschaft drumhemm geknipst wird. Man kann aber auch mit den kurzen Brennweiten wundervoll unbeobachtete Aufnahmen machen, wenn man zum Beispiel einen sogenannten Winkelsucher auf den Apparat setzt. Der Photograph steht dann in einer ganz anderen Richtung als sein Apparat schaut, und es kommt dann vor, daß hierdurch der sonst Posensiichtigste mit einem derart natürlichen Ausdruck photographiert wird, daß man in das Innerste seiner Seele sieht; denn er überlegt natürlich, wenn er den Photographen scheinbar in ganz anderer Richtung knipsen sieht, was der Kerl wohl wieder Uninteressantes bei den anderen Leuten da drüben zu entdecken suche. Will ich aber ein besonders unbeobachtetes Bild von einem Bekannten machen, dann stelle ich mir meinen Apparat mit einem kurz brennweitigen Objektiv auf einen Meter ein, gehe, die Kamera vor dem Bauche, ganz harmlos auf den Bekannten zu und fange mit ihm ein Gespräch über das schöne Wetter, über einen letzten Sprungsieg oder über wer weiß was alles an. Er schaut mir lachend ins Gesicht, während ich von unten das Auge meiner Kamera auf ihn richte, nur so ungefahr, ohne durch irgend einen Sucher zu schauen. Bei einiger Übung ist es ein Leichtes, dabei genaue Richtung zu bekommen ! ,,KlickNmacht es, ,,klickU,er merkt es gar nicht im Gespräch und ist schon zweimal geknipst! Dieses Verfahren wende ich auch bei meinem schwierigsten Wild an, bei den Leuten, die richtig böse werden, wenn man sie photographiert. Dann gibt's noch solche, die es nur darauf anlegen, möglichst oft photographiert zu werden. Es sind Hartnäckige unter ihnen, die den Photographen direkt verfolgen und in scheinbar harmloser Weise stets da schon stehen, wo gleich bestimmt ein Bild gemacht wird. Sie sind oft eine böse Plage für uns arme Bildberichterstatter, denn sie lassen es nicht dabei, auf dem Bild zu sein, sie müssen auch noch in die Kamera schauen und das ist uns allen verhaßt, den Photographen wie den Redakteuren der Zeitungen. Ich bekämpfe das, indem ich solche Leute einmal aus großer Nahe so photographiere, daß sie bestimmt die Betätigung des Verschlusses gehört haben, also felsenfest wissen, daß sie auf diesem Bilde sind. Gleich hinterher nehme ich sie noch ein paar Mal von etwas weiterher aufs Korn, denke aber gar nicht mehr daran, noch einmal aufs Knöpfchen meines Apparats zu drücken. Sie aber sind hoch zufrieden, so oft geknipst zu sein uhd - suchen sich einen anderen Photographen! Am liebsten sind mir aber die ,,Schneehasen", die scheinbar gar nicht wissen, daß es Photoapparate gibt. Man kann sie knipsen wie man will, sie merken es gar nicht und geben die schönsten Bilder. Und diese Spezies ist Gott sei Dank in der Überzahl. Kinder im Schnee sind ein besonders beliebtes Wild, sie sind da so herzig und oft so unbeholfen, daß man nur die Kamera hinzuhalten braucht, um zu knipsen - (natürlich muß man im richtigen Licht stehen, am besten fast im Gegenlicht) - und man hat gleich einen ganzen Film der allerschönsten Bilder I Dankbar sind auch junge Damen, die auf den glatt gebügelten Übungshängen die edle Kunst des Skilaufs noch erlernen. Da mit der ,,Kanone" hineingeschossen: Zwerchfellerschütternd sind die Resultate ! Schwer haben wir beide es auch, meine Kamera und ich, wenn wir unsere ,,Schneehasenc' in ihren Wettkäsnpfen ,,erlegenu wollen. Wie die da an uns vorbeisausen ! Da langt manchmal kaum noch die 1/600 Sekunde. Dabei kann man aber Bilder von unerhörter Wirkung erzielen : Man stellt sich in die Nähe der Stelle, an der der Läufer gleich vorbei kommen muß, und knipst ihn dann, wenn er vorbei schießt, indem man mit der Kamera mitgeht, d. h. schon vorher seine Bewegung mit dem Sucher am Auge verfolgt; ist er dann an der vorgemerkten Stelle, wird schnell der Verschluß gelöst, doch keinesPhoto: H . Gomy (erste zwei B i l d 0 links). Photo: Hubmann


falls in der Bewegung der Kamera innegehalten! So entsteht das Bild des Vorbeiflitzenden ganz scharf auf einem verwischten Hintergrund, der deutlich die unerhörte Geschwindigkeit zum Ausdruck bringt. Beim Kilometer-lanc6 oder auf dem Sprungtisch im Moment des Absprungs läßt sich dadurch, wenn man dann noch, um möglichst nahe heran zu kommen, ein Teleobjektiv benutzt, die ganze Spannung im Körper des Fahrers so deutlich herausbringen, wie sie das menschliche Auge selbst nicht sieht. Auch bei Nacht ruht meine Kamera nicht. Meistens genügt ein lichtstarkes Objektiv, um bei dem vorhandenen elektrischen Licht brauchbare Bilder zu erzielen. Die heute allgemein übliche Lichtstärke 1 : 2, die vor ein paar Jahren noch als Wunder galt, bringt alle die lustigen Szenen der langen Winterabende lebenswahr auf den Film. Da steht einer bei der Preisverteilung vor dem Tisch mit den ausgestellten Preisen, er weiß nicht, welches der schönen Stücke er sich nehmen soll, von denen er eines aussuchen darf. Er zuckt mit der Hand nach dem Likörservice und zieht sie wieder zurück, er will sich das Zigarettenetui nehmen und läßt es gleich wieder, der sonst so entschlossene Sportsmann steckt die Hände in die Tasche und lacht hilflos den Preisrichter an. Hinter der Säule nebenan aber steht der Photograph und macht ,,klickU!- Dort dreht sich im Tanz der Sprungmeister von heute nachmittag auf dem Ball, der ihm und den anderen Siegern zur Ehre gegeben wird. Seine Füße, am Tage trotz der langen Hölzer so geschickt, sind hier auf dem glatten Parkett oft mit harter Sohle ein Feind der zierlichen Damenfüße. ,,Klick" macht es und ein Bild ist geboren von drastischer Wirkung. - Dunkel ist es unten in der Bar, verdeckt sind die Lampen und Guzzi feiert seinen Sieg. Das Sektglas läuft über in seinen Fingern und seine Kameraden bauen eine Pyramide, auf deren Spitze plötzlich der kleine Guzzi sitzt, von der Decke herab stimmt er einen wilden Gesang an, in den die anderen lachend einfallen. ,,KlickCL macht es, ein Blitz erhellt den Raum und der Photograph lacht aus der Ecke über ein selten schönes Stück für seine Trophäensamrnlung. Bunt ist das Leben in meinem Beruf, überall rnuß ich sein, denn nur das gilt, was eine Kamera aufgezeichnet hat. Ich rnuß am Start sein eines Rennens, dann auf der Strecke und am Ziel, rnuß die Renngrößen erwischen, die anderen Größen und die Zuschauer, ich rnuß Absperrungen und Polizei ein Schnippchen schlagen, ich rnuß auf dem Bauche liegen oder auf eine Tanne hinaufsteigen, und rnuß beim Schneetreiben wie bei dunkelster Nacht meine Bilder genau so erhaschen, wie beim schönsten Sonnenschein..Bitter ist die Kälte oft für meine Hände und die kalte Kamera in den klammen Fingern ein unbequemes Möbel! Und wenn ich daran denke, wie oft ich schon auf eiliger Fahrt vom Start zum Ziel in weitem Bogen in den Schnee flog und unter dem Gelächter der Zuschauer meine weißbestäubten Glieder und die weitverstreuten Apparate samt Brille wieder zusammensuchte, dann kann's mir ganz schwummerig werden! Aber wenn ich dann später die fertigen Bilder betrachte und die Veröffentlichungen in der Presse, wenn ich bemerke, daß meine Bilder gefallen und den Beschauern mehr geben als viele, viele Worte, wenn ich dann an einer ganz anderen Aufgabe bin, meist schon wieder weitentfernt von dem Inhalt und dem Ort der alten, dann weiß ich, daß mein Beruf einer der schönsten ist, den es gibt!


D E R R I E S E N - S L A L O M AUF D E R MARMOLATA V& DT.Ounther Langes, Baen I

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Eine späte Entwicklung des Skilaufs in den Dolomiten hatte zur Folge, daß auch ihr höchster Berg, die Marmolata, 3344 m und 3309 m erst seit wenigen Jahren zu einem beliebten und bewunderten Skiberg geworden ist. Die Marmolata ist der Berg in den Dolomiten, der die größte Bedeutung für den Skisport hat und zugleich ihr schönster. Der Berg ist wie mit spitzfindigster Zweckmäßigkeit für Sommer und Winter modelliert und damit zu einem Idealberg des Kletterers und Skiläufers geworden. Der Stock der Marmolata ist von Norden ein gleichmäßig steil und wellig ansteigender, einige Kilometer breiter Berghang, der vom Gipfelgrat südwärts wie geschnitten mit einer der größten und eindruckvollsten Wandfluchten gemeinhin fast senkrecht abbricht. Der Nordhang, der in der obern Hälfte einen Gletscherfirn trägt, ist die ideale Seite des Skiläufers, die Südwände das herrlichste Gebiet des Kletterers mit Durchstiegen, die auch im Verlauf aller Entwicklung des Bergsteigens klassische Bergtouren bleiben werden. Man muß es sich heute wohl überlegen, einen Berg zu einem der schönsten Skiberge der Alpen zu erklgren. Es ist notwendig, daß ihm dieses Prädikat unter allen Gesichtspunkten mit Recht zukommt. Dies ist bei der Marmolata bisher von allen Beurteilern einstimmig der Fall gewesen. Die reinen Höhengrenzen des Berges in seinem Nordhang für den Skiläufer liegen zwischen 3260 m und 2000 m. Der Skigipfel der Marrnolata di Rocca, 3309 m, ist bis genau 50 m unter den höchsten Punkt mit Ski fahrbar, der Fuß des Berges steht auf dem mehr als 2 km langen Fedaja-Sattel, Ca. 2000 m, auf. Auch die Talfahrten vom Sattel nach Canazei, 1460 m und nach Malga Ciapela, 1440 m und Caprile, 1050 m, sind sehr gut mit Ski zu befahren, zählen aber in ihrer Gliederung nicht mehr zur Einheit des Bergmassivs. Schon die Höhenlage des Skigebiets der Marmolata ist also ideal in die günstigsten Grenzen für gute Verhältnisse über eine möglichst lange Dauer der Skisaison im Jahre eingegliedert. Die obere ~öhen~renze'wird auch im Hochwinter nicht zu einem schwierig zugänglichen Gebiet und der Fuß des Berges steht noch bis Anfang Juni in gutem Firnschnee. Hierzu kommt, daß auf dem Gipfelgrat, auf 3280 m eine Skihütte steht, die sowohl eine Besteigung des Gipfels bei jedem Wetter gut ermöglicht, als auch den guten Start bei Rennen jederzeit gewährleistet.

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Marmolata, 3344 m und 3309 m mit ihren großen Abfahrts~outen Haupt-Abfahrtsrouten, jene ganz rechts mit den h i d e n mittleren Schleifen auch Standardstrecke (Rekord: Helmuth Lantsdner, 1934, 3 Min. 29 Sek.) Rennstrecke des groben Marmolata-Rennens (Rekord :Hans NÖb1, 1933, 4 Min. 8 Sek.). Photo : Oe. L. P. D.


Die Skiabdachung des Marmolatastockes ist rein nach Norden gewendet. Schon auf dem Gipfelgrat beginnt sie in einer Breite von einigen hundert Metern und schnellt dann, kaum 200 m tiefer, auf ihre volle Breite von 2 km und mehr auseinander. Durch die gesamte Breite liegen Abfahrtsrouten, die an nur sehr wenigen Punkten wegen der harmlosen Spalten und Brüche einen geringen Zwang in ihrer Linienführung erleiden. Zu den günstigen Höhengrenzen und der selten schönen Breitenentwicklung tritt eine Geländeformung in der Fallinie, die das schöne Bild der Marmolata. als schnellen Skiberg machtvoll ergänzt. I n ununterbrochenen Geländewellen, die i m kleinen eine überaus reiche Gliederung aufweisen, fällt der Berg in seiner ganzen Breite gleichmäßig und stetig bis zum Fedaja-Sattel ab. Es wird wenige Abfahrten geben, wo der Ski an keinem einzigen Punkte zur Einleitung der Abfahrt auch nur einen Meter geschoben werden müßte, wie dies auf der Marmolata der Fall ist. Die durchschnittliche Neigung des ganzen Berghanges beträgt 23 Grad. Wenn man in Betracht zieht, daß bei einer stärkeren Neigung auf längere Strecken das Gelände schon in die Gefahrzone der Lawinen eintritt und aus der Erfahrung heraus, daß gerade bei dieser Neigung bei normal guten Schneeverhältnissen längere Schußfahrten noch in der Spitzenleistung des Skifahrers liegen, dann kommt man zur Feststellung, daß die Neigung ideal für eine Abfahrtsstrecke ist. Das Bild einer solchen Abfahrtsstrecke mußte notwendigerweise ganz hohe Geschwindigkeiten bei einem Abfahrtsrennen bringen. Dies trat auch ein. Das große Marmolata-Rennen am 30. April 1933 gab die schon erwartete Überraschung. Der Sieger Hans Nöbl, Österreich, legte die Rennstrecke ' 8 ' zurück. Welcher Durchschnittsgeschwindigkeit mit dem Höhenunterschied von 1260 m in 4 dies entspricht, kann mit absoluter Genauigkeit noch nicht angegeben werden, weil die genaue Länge der Rennstrecke auf Grund einer einwandfreien Messung nicht feststeht. Doch berechtigen bereits die feststehenden Daten zur Annahme, daß das Marmolata-Rennen der Schnelligkeit nach mit an der Spitze der schnellsten Abfahrtsrennen liegt, ja sehr möglicherweise überhaupt der ,,schnellste Skiberg" ist. Hierzu muß bemerkt werden, daß kurze Rennen, die nur über einen ausgesuchten, kurzen Teil eines Berges abgehalten werden, nicht in Betracht gezogen werden, weil diese Spezialrennen mehr den Charakter eines ausgesuchten Bahnrennens haben und bei ihnen nicht von einer Abfahrt über den ganzen Berg gesprochen werden kann. Unzweifelhaft steht jedoch fest, daß der Sieger des Marmolata-Rennens die größte Höhe in der Minute durchfallen hat, nämlich 303 Meter, was einzig und allein beim Kilometer lanc6 übertroffen wurde. Mit großer Spannung wurden die Ergebnisse des Rennens im Jahre 1934 erwartet, die nach Ansicht aller Beteiligten staunenswerte Ergebnisse bringen mußten. Überaus eifriges und systematisches Training der Konkurrenten ließ diese Vermutung sehr wahrscheinlich erscheinen. Unter fast hundert Teihehmern startete ein Gutteil der Spitzenklasse Europas, neben dem Sieger im Vorjahre Hans Nöbl, Österreich, eine große Anzahl Österreicher mit Leo Gasperl, Friedl Pfeiffer, Eng1 U. a., die beste italienische Klasse, für Deutschland Helmuth Lantschner und als zu gewärtigende, große Überraschung der Weltrekordspringer Birger Ruud. Leider war die Schweiz nicht vertreten, weil Otto Furrer aus dem nahen Ortlergebiet, wo er Ski-Hochtouren unternahm, nicht abkommen konnte. Doch wurde die Spannung, die das Rennen in dieser Hinsicht ergab, enttäuscht, denn ein böser Schneesturm um den Gipfel veranlaßte die Startleitung übervorsichtig den Start etwa 250 m tiefer zu legen, so daß die gefahrenen Zeiten, die an sich ganz hervorragend waren, keine Vergleichsmoglichkeit mit dem Vorjahe zuließen. Der Sieger Hannes Schroll, Österreich, benötigte fiir die Teilstrecke mit etwa 1000 m Höhenunterschied 2/27", der zweite, Hans Nobl, Österreich, 2'29".

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Mußten nunmehr alle Erwartungen auf eine Unterbietung des Rekordes im Rennen auf das Jahr 1935 verschoben werden, so hatte der letzte Winter bei den Standardprüfungen interessante Ergebnisse gebracht, die das Schnelligkeitsbild der Marmolata in ein noch helleres Bild rücken.

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Es gelang Helmuth Lantschner, den Standardrekord auf 3 Min. 29 Sek. und damit erheblich unter den Rekord des Rennens von 1933 zu drücken. Die durchfallene Höhe beim Rekord Lantschners beträgt nunmehr 364 Meter in der Minute, eine fast unwahrscheinlich anmutende Leistung. Lantschner stand die gesamte Strecke mit dem Höhenunterschied von 1260 m in einem einzigen Riesenschuß, in


Der Marmolata-Riesenslalom 1935. Aufnahme vom gegeniiberliegenden Padon-Kamm aus 2400 m Hรถhe. Photo: Oe. L. P . D.


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' ' - den nur geringe Richtungsänderungen, jedoch kein einziger Schwung eingeflochten waren, durch. Der ganze Berg ein ungeheurer, steiler Schuß! Dies war zum Ende des letzten Winters das zusammenfassende Urteil aus Rennen und Standardläufen. In ihrer Art eine äußerst hochgezüchtete Leistung, wenn auch einseitig in der Richtung des hemmungslosen Schußfahrens. Um nun das so ideal weite Gelände mit seiner wunderbaren Steilheit und dem Reichtum an schönen Geländefeinheiten nicht einseitig mit Abfahrtsrennen verkümmern zu lassen, die nur auf einen tollkühnen Schuß vom Start bis zum Ziel angelegt sind, reifte der Entschluß, bei einem Rennen durch das Ausstecken von Toren die Strecke mehr mit dem Gelände zu verweben. Jedoch nicht nur in der Art, daß die Strecke durch einige Zwangstore lediglich etwas verzackt würde, sondern gleich durchwegs in der Anlage eines Slaloms, eines Slaloms vom Gipfel bis zum Fuß des Berges, eines Riesenslaloms über 1260 m Höhenunterschied. Da alle näheren Erfahrungen über ein Rennen dieser Art noch fehlen, kann man vorläufig die Organisation nur aus dem Normalslalom heraus in die Größenmaße dieses Slaloms entwickeln. Die Tore werden mit einer Breite von mindestens 5 m gesteckt werden, bei Toren, die mit besonders hoher Geschwindigkeit durchfahren werden, wird die Breite auf 7 m erweitert werden. Als Flaggenstangen können nur mindestens 2-3 m über die Bahn herausragende starke Stangen Verwendung finden, die ein reines Durchfahren der Tore erzwingen und auch ein Streifen und einen kleinen Anprall noch aushalten können, so wie sie Werner Salvisberg bereits auch für den normalen Slalom in Vorschlag und Verwendung gebracht hat.

. . Die Bahn bleibt naturrein, weil eine Herrichtung natürlich ein Übermaß an Arbeit bedeuten würde. !

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Hingegen wird ein zweitägiges Training auf der Strecke erlaubt sein, weil nicht anzunehmen ist, daß die Bahn darunter leidet, da eine Vertrautheit mit den schwierig zu orientierenden Größenausmaßen unbedingt notwendig erscheint, falls schlechte Sicht oder Nebel am Tage der Austragung hinderlich sein sollten. Für den Fall von Nebel werden die Verbindungen von einem Tor zum andern auf der kürzesten Strecke durch reichbesetzte Flaggenreihen markiert sein. Auf der Gesamtstrecke, die beiläufig eine Länge von 4 - 5 km haben wird mit einem Höhenunterschied von 1260 m, werden etwa 50 bis 60 Tore gesteckt werden. Es ist interessant zu beobachten, wie wenig im Verhältnis zu einem normalen Slalom von etwa 150 m, Tore in die Strecke dieses Riesenslaloms eingebaut werden. Während auf der ersten Teilstrecke von 260 m Höhenunterschied 8 Tore erscheinen, tragen die anderen Teilstrecken von 300 m, 375 m und 325 m Höhenunterschied entsprechend

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'. 10, 16 und 18 Tore. So verbleiben zwischen den einzelnen Toranlagen Schuß- und Anlaufstrecken, die den Fahrer in die höchste Geschwindigkeit steigern. Der weite Abstand der Tore wird vor allem die Erscheinung bringen, daß diese von den guten Fahrern nicht kurzwendig wie bei einem Normalslalom, sondern mit einem ungleich höheren Radius, der ein Verbleiben auf der größtmöglichsten Geschwindigkeit gestattet, genommen werden. Im übrigen werden die üblichen Bestimmungen wie beim Slalom eingehalten werden. Die Flaggenwarte erhalten zur Ausrüstung schrill tönende Pfeifen, um den LLiufer bei Auslassen eines Tores aus seiner schnellen Fahrt zurückrufen zu können. Die Startzwischenzeit wird auf 2-3 Minuten festgesetzt werden, wodurch Gewähr geleistet ist, daß keine hindernde Anhäufung von Läufern auf der Strecke entsteht. Die Erwiigungen, die zur Abhaltung dieses Riesenslaloms führten, waren jedoch auch noch anderer Natur, als lediglich die, einem Rennen mit reiner Schußnatur etwas mehr Schwingen zu geben. Man kann erwarten, ein sehr interessantes und in vielem neuartiges Skirennen zu erleben. Das äußerst schnelle Abfahrtsrennen dürfte in Verbindung mit der weitmaschigen Toranlage die neue Art eines Slalomrennens bringen, das in gewisser Hinsicht die höchste Vollendung aus dem nur auf Schnelligkeit gestellten Abfahrtsrennen imd der langsamen Schwunggebundenheit des normalen Slaloms ergeben müßte. Besonders die Neuheit, Slalomtore aus einer ganz ungewohnten, sehr großen Geschwindigkeit zu nehmen, dürfte eine starke Fortbildung des weit gezogenen Temposchwunges ergeben. Die LLinge der Strecke, der weite Abstand eines Tores vom andern und schließlich die Vielfältigkeit des Geliindes ermöglichen es, Slalomfiguren zu schaffen, wie sie beim Normalslalom nicht ausführbar sind. So wird zum Beispiel in dem großen Marmolata-Slalom eine Scheiße über einen 35 Grad


geneigten Hang mit einem Höhenunterschied von über 100 m führen; zweimal werden Tore hoch in steile Gegenhänge gesteckt sein, die aus großer Schußfahrt mit starkem Kehrschwung genommen werden müssen; und schließlich erlaubt das Gelände die Anlage von Toren, bei derem bestmöglichstem Durchfahren Geländesprünge von 10 bis 15 Meter gemacht werden müssen. Der große Slalom auf der Marmolata wird seine erste Auflage im März 1935 erleben. Veranstalter ist der Ski-Club Marmolata, zu dessem Direktorium auch Dr. Walter Arnstutz gehört. Gerne wird der Club (Anschrift: Bolzano, Italien, Via Giovane Italia 9) nähere Auskünfte über die Ausschreibung geben. Photo :DP.Bunthe~Langes


Von C . J . Luther, München

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Ein Wintersportbuch, das ich - ,,fiir die Jugend" - schrieb, beginnt mit den Worten: „Mit ganz besonderer Freude und mit einem Gefühl von Dankbarkeit, da Kinder mich in die ersten Geheimnisse des Wintersportes eingeweiht haben, übernahm ich diese Bearbeitung." Denn ich war Schullehrer dieser Kinder, die im Schnee der Berge aufgewachsen und mir im Ski-ABC iiber und deshalb meine Skilehrer waren. Wir haben unsere Sache zusammen, wie ich glaube, recht ordentlich gemacht. Der eine der Buben wurde Inhaber eines Wintersporthotels und der andere, Josi Dahinden, Skilehrer und Skilehrbuchverfasser. Und ich - nun ich habe wohl auch ein bißchen Skilaufen gelernt. Auf die Aufnahme meiner ersten Skitour und meines ersten Skisprunges sind wir alle zusammen gekommen, und diese Bilder sind meine liebsten Andenken an eine glückliche Zeit. Aus jener Zeit weiß ich denn auch und bewahre es als hochwertiges Erkenntnisgut, daß die herrliche Unbekümmertheit der Jugend des Skilehrers, wie wir ihn heute kennen und wie er für die Großen notwendig geworden ist, nicht bedarf. Es geht im Sport, d. h. noch allgemeiner gesagt: bei Bewegungen des Körpers und der Glieder, nichts über das Vorbild. Die Jugend braucht überhaupt nur das Vorbild. „Das beste Spiel heißt Siehezu", sagt ein altes Sprichwort. J a , immer schauen und die guten Vorbilder nachahmen, das ist alles und wäre es auch für uns Erwachsene, wenn wir uns die Begabung zur Nachahmung unverfälscht bewahren könnten. Wohl zielt die moderne Gymnastik dahin, diese verloren gegangene Gabe wieder zurückzuholen, oder ihr doch wenigstens wieder näher zu kommen, doch wird's ihr kaum gelingen die Altweibermühle dieses Vejüngungswunsches in Gang zu bringen. Was dahin ist, ist dahin. Alle Jahre schmilzt der Skischnee der Buben- und Mädchenbehendigkeit und kommt nicht wieder. Nur eines vermag uns ein wenig Bindung mit ihr aufrechtzuerhalten: Die Bewegungen und das Spiel der Jugend nachzuahmen, so, wie sie uns einst abguckte, was wir an Erfahrung schon voraus hatten. Es ist ja eine Binsenweisheit - doch muß man sich solcher von Zeit zu Zeit erinnern daß das Kind zum Stehen- und Gehenlernen schließlich nur das Stuhlbein braucht, an dem es sich aufrichten und für eine kurze Weile halten kann. Von diesem Stuhlbein aber ist unsere Skijugend der Berge heute nur wenige Jahre entfernt, ja, ganz glückliche Kinder halten sich rechts am Stuhlbein, indes sie links bereits zum Skistock greifen und so benötigt solch glückliche, im Dauerschnee der hohen Lagen aufwachsende Jugend schließlich auch nicht mehr als eben den Ski, kaum dazu auch den Stock. Und was uns Erwachsene anfangs als Bewegungsstörung, als Verärgerung iiber Unbeholfenheit und als Verletzung unserer Eitelkeit so aus dem Konzept bringt, der Sturz, das gehört bei der Jugend einfach zum Spiel und bringt ihr nicht Rückschläge, sondern eher mehr Ansporn zur Vermeidung als uns. Das Kind wächst eben auf ganz natürliche Weise aus dem Schnee heraus in die skiläuferische Schneebeherrschung hinein, es spielt sich ein, da es mit Ski und Schnee spielt, indes der Erwachsene über Ski und Schnee unterrichtet wird, oder sich selbst darüber zu unterrichten sucht, und da trennen sich nun einmal Weg und Erfolg. Jedenfalls aber gilt längst für die Bewohner der begünstigten Gebiete Mitteleuropas Nansens geflügelt gewordenes Wort von den norwegischen Kindern, die sozusagen mit den Schneeschuhen zur Welt kommen. Auch die Unseren wachsen nun mit ihren Skiern auf und stehen nicht mehr ausgewachsen dem ausgewachsenen Ski hilflos gegenüber. Der Skiblick, der Ski-Instinkt ist in den Alpentälern bereits allgegenwärtig. Photos: Brandt, Hubmann, Meerkdmper, Nhdecken


Wie scharf die Jugend beobachtet, mag folgendes Erlebnis belegen: Kleine Buben, Knaben zwischen vier und acht Jahren, standen neben der Schlußstrecke eines Abfahrtslaufes. Wenn ein Läufer seine Fahrt am Ziel besonders gut mit Schwung oder Quersprung beendete, ging eine Ruckwelle der Erregung durch die Knirpse. ,,Hesch etz g'seh, wie's där g'macht hed? Ganz tief ischt er abeg'hockt ! Lueg her, eso!" Und schon wurde nachgeübt, was da zu sehen und was uns Großen nicht aufgefallen war. Ich fragte: ,,Könnt ihr auch schon springen ?" „Natürli, d'r Housi da, dä cha's am beschte. Dä hed scho e feini Vorlag. Lueg, eso." Und dann bauten sich die Buben vor uns auf. Schlugen die Hinterenden tief in den Schnee, daß die Skier vorne hoch standen und beugten sich nun nach vorne ab. Ein andermal wieder, und das ist schon so lange her, daß die betreffenden Buben indes berühmte Springer werden konnten, sah ich, wie sie neben dem Schanzentisch unbewußt, mitgerissen vom instinktiven Nachahmungstrieb, am Ort alles mitmachten, was sie am vorüberhuschenden Springer sahen: das Niederhocken in die Anfahrtsstellung, das Zurück- und wieder Vorschleudern der Arme und den blitzschnellen Satz. ilrbungen solcher Art werden den Erwachsenen im Skiunterricht kommandiert; die Knaben machen sie irn Eifer ohne weiteres, dazu der Altersunterschied: der Erfolg liegt auf der Hand. Dann wäre Skiunterricht im Gebirgsdorf also bereits überflüssig? Streng genommen muß man die Frage mit ja beantworten, d. h. der Skiunterricht der Jugend durch Erwachsene muß nicht Elementarunterricht sein, sondern Ordnungsübung und Führung. Was z. B. so unendlich schwer ist, die Totalität der Skibewegiing vorzuzeigen und zu lehren, das fällt aus diesem Unterricht auf alle Fälle heraus. Was übrig bleibt, ist das gute Vorbild, die aneifernde höhere Leistung des Führers und so etwas wie Schulhofaufsicht dos Lehrers. Alles andere kommt als tiefer Sinn von ganz selber aus dem kindlichen Spiel. Als ich mich von meinen jungen Skilehrern und Skilehrerinnen trennen mußte, kam eine Zeit, die mich in Gegenden verschlug, wo Kinder das Skilaufen noch nicht kannten und der Erwachsene auf Skiern noch ein Frotzelobjekt der Einheimischen oder mindestens eine komische Figur war. Herrlichste Skihänge lagen unverspurt und Kinder flohen vor dem merkwürdigen Fremdling verlegen unter die Haustür. Und wenn auch da und dort ein an die frostigen Scheiben gepreßtes Rotznäslein wißbegierig ihm nachschaute, so sagten die zugehorigen Äuglein doch noch immer: Das ist nichts für mich. Dann wollte es der Zufall, daß ich in solche skischeuen Gegenden erst wieder kam, alles sich alles, alles von Grund auf geändert hatte. Da lehnte sich nun an die Schulhauswand.ein ganzer Zaun von Skiern oder Faßdauben. Vater und Mutter sind stolz auf die Kinder, die sich jubelnd am Hang tollen und nicht mehr stubenbleich, sondern gebräunt und gesund aussehen. Es gibt nun im Winter ein Schulfest, den Skijugendtag, und der wäre nichts, wenn man nicht


wie die größeren Brüder und Schwestern eine große Renn-Nummer tragen könnte. Alles muß an diesem Tag sein wie bei den Großen, bis auf eine Ausnahme: Nicht allein einige wenige dürfen Preise bekommen, die alte gemiitliche Sitte des Trostpreises für den zuletzt Einkommenden muß für alle angewandt werden. Und das „Ski Heil", das dann aus jungen und alten Kehlen erklingt, das kommt, wie man so sagt, von guten Eltern, von Eltern, die unter dem Einfluß der Jugend mit dem alten Brauch der verklebten Fenster und der Winterstubenhockerei gebrochen haben und nun durch die Skispur an die regere und größere Welt der Brennpunkte der Kultur angeschlossen sind. Das Leben in den Winterschlafgebirgen von ehedem ist lebendiger geworden, so lebendig, wie die Jugend wurde auf dem flinken Ski. Und das ist Jugendwerk. Die Stadtkinder allerdings, schon ein wenig angekränkelt vom tibungswahn der Großen und nur ab und zu in der glücklichen Lage, sich im Schnee herumtreiben zu können, die sind über das Spiel schon etwas hinaus und auch schon etwas wißbegieriger. Doch ein Skibücherl wird ihnen wenig frommen. Bitter, das als Skibuchautor sagen zu müssen. Fiir die Schulkinder der Stadt gibt es bestimmt nichts Vorteilhafteres als Skiturrien und Trockenkurs. Darüber habe ich seinerzeit besondere Erfahrungen sammeln können. Es war ZU der Zeit, da durch Zarn und Barblan in der Schweiz und durch meine Arbeit inMünchen Skiturnen und Trockenskikurs aufkamen. Die Photos aus jener Zeit zeigen deutlich, daß diese Ideen dem Militärdienst und militärischenVorunterricht entstammen. Schuljugend bedarf ähnlicher Aufsichtsführung. Ich brachte damals einer Hundertschaft irn Trockenkurs den Umgang mit Skiern und Stöcken bei, soweit es ohne Schnee möglich ist. Daß man tatsächlich viel damit erreichen kann, haben inzwischen ja auch städtische Ski-Clubs der Schweiz zur Genüge erfahren. Während jener Trockenkilrszeit gingen die Begünstigten meiner Schüler vor die Stadt ~ m dab und zu auch ins Gebirge, um im Schnee die Probe aufs Exempel zu machen. Dabei und bei unserem mehrtägigen Abschluß-Schneekurs im Gebirge ereignete sich nicht ein einziger nennenswerter Unfall, und der Erfolg des ganzen Unternehmens war für alle Eifrigen und Geeigneten ein wirkliches Skilaufenlernen. Viele von jenen Knaben habe ich im Laufe der Zeit als Männer wieder gesehen, auf der Tour, in der Wettlaufspur und auch an der Schanze. Und alle erinnerten sich mit Vergnügen jener Zeit und ihres Lehrers, obwohl der bei so vielen wahrlich keinen Einzelunterricht geben und also zu keinen in besondpre Beziehungen treten konnte. Es genügte die Ordnungsführung und das Aufsteigenlassen der Begabteren zu Unterlehrern. Ungefilhr nach diesem System vollzieht sich auch oben in Schweden die großziigige Schüler-Skireisenorgctnisation des Voreins zur Förderung des Skilaufes in Schweden. Jahr für Jahr haben dort Tausende von Knaben und Mädchen der Stadtschulen nur solchen Vorunterricht und die gelegentliche Schneeübung vor der Stadt. Zu Ostern reisen sie in Sonderzügen bis in die Lappmark und bis zum Polarkreis hinauf und kommen als Skiläufer gesund und braun zurück. Und so, denke ich mir, wird sich nach und nach iiberall der Weg aus der Stadt heraus zum Skifahrer bahnen. Photo: Hanns Hubmann

Photo : C . Schildkneeht


V O M CLUBGEIST (Eine Plauderei)

Von Dr. 0.A. Hug,SAS, Zürich Fast scheint es müßig, über dieses Thema die Feder zu erheben, denn Clubgeist ist etwas Selbstverständliches, etwas, das man hat oder nicht hat. Im ersteren Fall ist man Mitglied des Clubs mit allen inneren und äußeren Rechten und Pflichten, im anderen Fall ist man Clubparasit, also ein Individuum, das seinen Club als Schild für irgend etwas anderes, meist durchaus Selbstsüchtiges benützt. sei er nun neugeborenes Häslein, oder bereits ergrauter und zottiger Ja, SO denkt der Club-Idealist, Schneehase, wird mancher mir sagen. Die nackte Realität sieht anders drein, speziell in den heutigen Zeiten, wo so viele Werte umgewertet werden. Der Clubrealist läßt sich von anderen Motiven leiten, er wird mehr den Methoden des politischen Denkens folgen, und mit diesen Methoden seinem Club nützlich sein. Ganz richtig und durchaus einverstanden! Clubidealist und Clubrealist sind einander gleichwertige Brüder und können bei strikter Einhaltung der gemeinsamen Linie dem Club von gleichwertigem Nutzen sein. Clubrealist und Clubparasit sind demnach grundverschiedene Sachen. Aber die Gefahren, daß der Clubrealist auf mehr persönlich orientierte Abwege gerate, sind viel größer, als dies beim Clubidealisten der Fall ist. Warum das? Weil der Clubrealist naturgemäß mehr im Sinne des äußeren Erfolges, also durch Taten, für seinen Club wirkt, der Clubidealist dagegen durch seine Gesinnung, seine konstante Haltung und eine mehr gefühlsmäßige Betonung, die nicht ponderabel ist, aber dafür um so ansteckender sein kann, hervorsticht. Die Großzahl der Menschen von heute sind, wohl vielfach notgedrungen, Realisten. Das entspricht durchaus der Gedankenarmut, besser gesagt Gedankenerschöpfung des jetzigen Zeitalters. Idealisten sind viel dünner gesät, treten auch weniger hervor. Der wahre Idealist behalt heute seine Gedanken eben für sich, oder gibt sie nur einem kleinen Kreise bekannt, weil der Nährboden zur Ausbreitung derselben nicht gerade günstig ist. Clubidealisten sind aber so notwendig wie das Salz im Brot. Sie bilden das innerste Gerippe für einen Club, das stetig und in gewissem Sinn formkonstant bleiben muß. Viele primäre Clubidealisten werden mit den Jahren zu Clubrealisten.Das ist sehr vorteilhaft für den Club, sofern ein entsprechender Nachwuchs von Idealisten im Club vorhanden ist. Anderenfalls zerfällt der Club durch zunehmende Veräußerlichung. Wir haben hier ein Beispiel eines durchaus normalen Lebensvorganges. Doch zur Frage : Was ist eigentlich Clubgeist ? Durch die Analyse der zwei das Wort zusammensetzenden Begriffe ,,Club" und ,,Geistc'wird uns das ohne weiteres klar. Club bedeutet eine bestimmte Form des Kollektiven, also die Bindung von Verschiedenem zu einem Einheitlichen, Gemeinsamen. Was Geist ist, benötige ich wohl kaum hier auseinanderzusetzen. Die Leserschaft unseres Jahrbuches, die fast durchgängig der Klasse der Intellektuellen angehört, weiß das - oder empfindet es - ebensogut wie ich, doch jeder nach seiner eigenen Eigenart. Damit ist bereits das Hauptcharakteristikum des Geistigen hervorgehoben. Es ist in erster Linie individuell, absolut variabel und demnach unendlich vielseitig. Clubgeist bedeutet also die Synthese von einander - notgedrungen - sehr ähnlichen, jedoch sich nie voll deckenden Gedanken und Sinnesrichtungen zu einer gemeinsamen Denkungsart und Zielstrebigkeit, die den Geist des Clubs ausmacht. Dieser gemeinsame geistige Impuls wirkt sich dann im Leben zu Taten aus, welche die sichtbare Leistung des Clubs ausmachen. Das Beispiel der Entwicklung - das Wort Geschichte wäre hier wegen der doch noch recht kurzen Clubbeständigkeit kaum am Platz -unseres Clubs beleuchtet das Gesagte ohne weiteres. Die wenigen Gründer des Clubs hatten zweifellos aus vorwiegend ideellen Gründen und dank spezieller persönlicher Eignung und Übung, den Vorsatz gefaßt, die bis dahin eigentlich noch recht unbekannten alpinen Rennformen (alpine im Gegensatz nim nordischen - Slalom und Abfahrt) in unserem Heimatland zur Gelhung zu bringen. Um diese primäse, von Wenigen ausgehende, und durch aktive Taten bekräftigte Zielstrebigkeit formierte sich dann eine breitere Vereinigung Gleichgesinnter, die sich zu einem Club zusammenfügte. Warum das ein Club ist, und nicht ein Verein, werden wir weiter unten sehen. Die Logik des primären Gedankens (,,alpinex Rennformen) schlug in der Öffentlichkeit rasch ein, breitete sich aus und faßte


weiten Boden. Der Schwerpunkt des Körperlichen, die sportliche Leistung fiel - dank besserer Auslese - bald aus dem Rahmen des Clubs heraus. Das primär Geistige, der Kampf um die Erlangung der Gleichberechtigung mit den nordischen Rennformen, blieb dagegen restlos im Club, dessen Initianten nicht locker ließen bis zum endgültigen dauernden Erfolg. Hiebei spielte die konsequente Unterstützung der Initianten durch ihre Clubkameraden in der Form von ebenbürtigen Leistungen und ihre kollektive moralische Haltung eine nicht unwesentliche Rolle. Demnach bedeutet Clubgeist: die restlose und möglichst uneigennützige geistige und körperliche Unterstützung des Gedankens und Willens eines Einzigen oder Weniger durch eine Gruppe Gleichgesinnter. Ich habe weiter oben die Unterschiedlichkeit zwischen Club und Verein angetönt. Zweifellos existiert dieselbe, und zwar in recht ausgiebigem Maß. Der Club ist durchaus angelsächsischen Ursprungs, ermangelt also nicht einer ausgesprochen eigenartigen Formung. Der Unterschied zwischen Club und Verein - im ursprünglichen Sinn - ist etwa der gleiche wie zwischen Gentleman und Herr. Der ,,Club" besitzt gewisse Eigenschaften des Begriffs ,,Partei" - jedoch ohne dessen geistig zu enge Gebundenheit; er hat selbst etwas von einem ,,Bunda, nämlich den leicht fanatisch geformten Anstrich und die Anwendung der Exklusivität und des Ausleseprinzips. Eine gewisse Anlehnung an die Form des deutschen Corps, im Sinne der Straffheit und Disziplin, jedoch unter völliger Ausschaltung der gesellschaftlichen Engstirnigkeit und Borniertheit würde dem Club nicht von Schaden sein. Mit dem ,,VereinNhat er nur das Kollektive gemeinsam. Der Verein tendiert vorwiegend nach materiellen Vorteilen für seine Mitglieder; je zahlreicher der Verein ist, desto größer sind die Zugeständnisse der Gesamtheit dem Verein gegenüber und desto sicherer der Erfolg. Der Verein bezweckt daher Breitenentwicklung, möglichst viele Mitglieder. Er verlangt relativ wenig von ihnen und bietet ihnen dafür viel. Dieses Viel ist aber oberflächlicher Art und kurzdauernd. Dank dieser Oberflächenformierung besitzt das Wechseln des Vereins keine Bedeutung. Der ,,Clubu (sensu strictu) ist ein Gebilde mit in erster Linie gedanklicher oder t,endenzhafter Wurzel. Er kommt gewissermaßen aus der Tiefeund will diese Lage innehalten. Er tendiert daher nach Qualität (Auslese),nicht nach Quantität. Er fordert stets mehr als er gibt. Was er aber gibt, bleibt wertbeständig. Er rechnet nach Lebensdauern, nicht nach ,,saisons". Clubwechsel ist wenig häufig; er wird reichlich abgewogen und zählt. Der Club verpflichtet seine Mitglieder zu Haltung, nicht von Gesetzes wegen, aber aus moralischer Selbstverständlichkeit. Der Club ist ein demokratisches Gebilde mit natürlich aristokratischer Tendenz. Der Club ist ein weltmännisches Gebilde mit fester aber nicht bornierter Weltanschauung. Zum Club gehoren Gentlemen! Zum Club gehört eine Devise. Ich schlage vor: ,,Citius in certamine, stabile in principiis". Immer schneller und leistungsreicher im Wettkampf, aber gleichmäßig und nicht wankend in unseren Grundsätzen.

Monta Rosa Ostwand. Photo: W . Mgttelhdzer, Swisaair


S C H W E I Z E R S K I S C H U L E N ALS V E R K E H R S I N S T R U M E N T Von Othmar Gurtner, SAS, Zürich.

Die darniederliegende Verkehrswirtschaft ist längst dazu übergegangen, jeden Sport als Vorspann anzusprechen; nennt mir einen Sport, der nicht in irgend einer Beziehung verkehrsfördernd sich auswirkt? So ist auch die Skischule als methodischer Kollektivismus seit vielen Jahren in ihren Menschen akkumulierenden Eigenschaften durchschaut und in den Dienst der Verkehrsförderung gestellt worden. Ich gebe zu, daß jede Skischule einen Doppelzweck verfolgt: auf der einen Seite will sie dem Jünger der weißen Kunst das richtige Konnen beibringen, ja dieses wird immer ihre wohlverstandene Hauptaufgabe bleiben; auf der andern Seite aber beschäftigt sie einen Menschenschwarm und zwingt ihn, sich der vorhandenen Lehrkräfte zu bedienen und die am Orte gebotenen Unterkünfte zu benutzen; sogar das Ergebnis der Skischularbeit ist doppelsinnig: einerseits fördert erhohtes Können die sportliche Bedeutung des Skilaufes überhaupt; andererseits bedeutet jeder tourenreif gewordene Skifahrer einen neuen Soldaten in der stetig wachsenden Armee der Bretterzunft, die während des ganzen Winters und Frühlings große Kontingente für die verkehrswirtschaftlichen Betriebe stellt, handle es sich nun um das rollende Rad oder die Suppenkelle. Wir alle haben in dreißigjähriger Entwicklung des Skisportes immer wieder gesehen, daß der Sport mit der durch ihn geförderten Wirtschaft in einer Wechselbeziehung steht, 'die gegenseitig befruchtend wirkt. Darum hilft das Kopfschütteln der NurSpörtler wenig; Sport und Verkehr werden immer Hand in Hand marschieren. Der Schweizer Hotelier-Verein hat es ermöglicht, daß in drei arbeitsreichen Konferenzen unter Leitung der Organe des Schweizerischen Skiverbandes die heute im ganzen Lande anerkannte schweizerische Einheits-Skitechnik niedergelegt werden konnte. In Zusammenarbeit mit weiteren Verkehrskreisen wurde daraufhin während des letzten Winters ein großangelegter Versuch in Szene gesetzt, um in zahlreichen Wintersportplätzen Skischulen zur Verfügung der lernbegierigen Gäste zu halten. Diese erste Zusammenfassung der schon bestehenden und der neu gegründeten Skischulen unter eine gesamtschweizerische Idee war als eines der hauptsächlichsten Wirkungselemente der schweizerischen Winterverkehrs-Propaganda gedacht. Aus dem in kürzester Zeit aufgebauten Experiment ist glücklicherweise auf Anhieb ein großer Erfolg geworden: In 54 Schweizer Skischulen wurden über 140 000 Lektionen erteilt, während der Hochsaison fanden täglich über 200 Skilehrer ihr Auskommen und als erfreulich praktische Bergbevolkerungshilfe darf gebucht werden, daß über Fr. 200 000.- in Gestalt von Skilehrer-Löhnen ausbezahlt werden konnten, was bedeutend mehr wert ist als ein Denkmal oder eine schöne Bankettrede. Es ist verständlich, daß in den Wintersportplätzen nach diesem ersten Schritt auf gutem Wege der Wunsch erwachte, den Zusammenhalt der über das ganze Land verteilten Schweizer Skischulen zu festigen, nach und nach einen Ausgleich der bisher noch sehr abweichenden Leistungen und Bedingungen herbeizuführen und eine hoch entwickelte Methode des Skiunterrichtes als Verkehrsinstrument für alle Zukunft gefestigt zu wissen. Vor kurzem ist zur Festhaltung des Bestehenden und zur Wahrung der Stetigkeit in der Entwicklung der Schweizerische Skischulverband gegründet worden. Dieser Zusammenschluß der Schweizerischen Bundesbahnen, der Generaldirektion PTT, des Schweizer Hotelier-Vereins, des Schweizerischen Fremdenverkehrs-Verbandes und der Schweizerischen Verkehrs-Zentrale mit den regionalen Verkehrs-Organisationen der Kantone Waadt, Wallis, Bern, Obwalden, Uri, Schwyz, Glarus, St. Gallen, und einem halben Hundert örtlicher Wintersportplatz-Organisationen bekundet recht eindringlich, welche großen Hoffnungen die schweizerische Verkehrswirtschaft an das Gedeihen der Sikschulidee knüpft. I n der Schweizer Skischule h d e t der schweizerische Berufs-Skilehrer sein Tätigkeitsfeld. Er untersteht in den Kantonen Bern, Graubünden, Wallis und Uri seit vielen Jahren gesetzlichen Vorschriften. Die fibernahme der schweizerischen Einheitstechnik in die kantonalen Skilehrerkurse und die Vereinheitlichung der Leistungsprüfung, von deren Ergebnis die Patentierung abhängt, ist in diesen vier Patentkantonen schon eingeleitet. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich nach und nach auch St. Gallen, Glarus, Obwalden, Schwyz und Waadt dazu verstehen müssen, für ihre


Territorien Skilehrergesetze aufzustellen ; selbstverständlich werden derartige Regelungen unter Anpassung an den Standard der bisherigen Patentkantone erfolgen müssen, so daß einem Konkordat und damit der Freizügigkeit des Berufs-Skilehrers zugesteuert werden kann. Im Hinblick auf die ausgesprochen wirtschaftlichen Interessen, die sich im Schweizerischen Skischulverband niederschlagen, erscheint es verstandlieh, daß sich das Skischulwesen außerhalb der Sphären der nationalen Sportverbande organisiert. Die Sorge um Verkehr und Broterwerb zwingt die Förderer des BerufsSkilehrerwesens zu durchgreifenden Maßnahmen, die von Verbandsvorständen nicht geleistet werden könnten, die im kurzfristigen Turnus von ihren Parlamenten gewählt werden. Aus dieser Einstellung heraus hat sich in der Schweiz eine deutlich betonte Unterschiedlichkeit zwischen dem aus BerufsSkilehrern bestehenden Lehrkörper der Schweizer Skischulen und den Kurs- oder Lehrwarten (SkiInstruktoren) der Sportverbände herausgebildet. Diese zwei Sondergebiete berühren sich nur im Angelpunkt: auf dem Boden der schweizerischen Einheitstechnik. Während die Skilehrerausbildung gesetzgeberisch geordnet ist oder geordnet werden soll, haben sich die Sportverbände im Interverband für Skilauf ihre eigene gesetzgeberische Körperschaft geschaffen, die in kurzen Einführungskwsen mit strenger Abschlußprüfung schweizerische Ski-Instruktoren heranzieht, die den Sportverbänden und ihren Klubs als Kursleiter und Lehrwarte zur Verfügung stehen. Es gibt zahlreiche Fragen, die in allen Skischulen erhoben werden, auf die es aber keine allgemein gültige Antwort gibt. Die örtlichen Verhältnisse sind überall verschieden; .die Menschen, denen die Leitung der Skischulen anvertraut sind, können trotz ihres Schwures auf die Einheitstechnik keineswegs als Serienfabrikate angesprochen werden; schließlich sind auch die Bedürfnisse der Skischüler nicht überall dieselben, so daß es eine Notwendigkeit zur Gleichschaltungnicht gibt. Das einzige Ohr, an das die Wünsche der Wintersportgäste unverblümt vordringen, ist die Hotellerie; deshalb gewinnt die Arbeit des Schweizerischen Skischulverbandes ihre Richtlinien stetsfort aufs neue von dort her, wohin sie zielt. Damit ist schließlich auch auf dem Gebiete des Skiunterrichtes dafür gesorgt, daß sich das Angebot nach der Nachfrage richtet. Diese Nachfrage verlangt keine Skiunterrichtsmaschine, sondern ein Lebewesen, das dank seiner Eigengesetzlichkeit sich immer wieder selbst aufbauen und dadurch leistungsfähig erhalten kann, wo die Maschine in sturem Lauf längst unbrauchbar geworden sein müßte.

OOC78Ut. Ban@Bm, B r a t clar &dm8:iaw&ahn$W ao~uluwbanclar. Photo: 0. Chc?tner


SCHWARZWALD-ABFAH R T S L A U F Von 0.Roegner, Preiburg i. Br.

Wer die bisher erschienenen ,,Schneehasen" erneut aufmerksam durchsieht, wird immer wieder über dieses prächtige und wirkungsvollst für den Abfahrtslaufgedanken werbende Jahrbuch der Schweizer Akademiker sich freuen und erstaunt sein, welche Fülle von Behandlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten der Abfahrtslaufgedanken bietet. Trotzdem die Idee an sich in ihrer ganzen Zielstrebigkeit bisher doch immer wieder nur von einer relativ kleinen Zahl diesen Gedanken energischst verfolgenden Gruppen in den benachbarten Ländern gefördert wurde, ist doch bereits die hohe Bedeutung des Abfahrtslaufes durch seine internationale Anerkennung bewiesen worden und die allseitig starke Beachtung und Angliederung bei allen modernen Skisportveranstaltungen zeigt am schlagendsten die Werbekraft der Abfahrtsidee im Kreise der Skisportler, die eine organische und gesunde Weiterentwicklung des Skilaufgedankens überhaupt anstreben. Der folgende Abschnitt soil nun einem kleinen Rückblick über die Entwicklung des Abfahrtslaufes im Schwarzwald gewidmet sein, gleichzeitig auch einer Feststellung über den heutigen Stand der Bewegung in dem Gebiet, von dem aus bekanntlich der Skilaufgedanke in Deutschland überhaupt am systematischsten mit vollem Erfolg in die umliegenden Gebiete hinein getragen wurde. Es soll mit dieser Feststellung früherer Ereignisse keineswegs den Bestrebungen der einzelnen Pioniere in der Schweiz, wie in Österreich, Nord- und Süddeutschland Abtrag getan werden, die zur gleichen Zeit, teils sogar noch etwas früher als jene bekannte Todtnauer Erstgründung, sich um Propagierung des Skilaufes in ihrem engsten Heimatgebiet bemüht haben. Wenn jenen Einzelwerbern damals rascher Erfolg versagt blieb, so lag das wohl mehr daran, daß die Zeit hierfür noch nicht reif war, die Umgebung unserer ganzen Skifrage viel zu wenig Verständnis zeigte, wenn nicht direkt ablehnend sich dieser damals unerhörten Neuerung gegenüber verhielt. Daß für die ganze kontinentale Skilaufbewegung PauIckes zähe Propaganda-Arbeit - fußend auf nachweisbaren großartigen Erfolgen im Hochgebirge - den Hauptanstoß gegeben hat, ist unumstößliche Tatsache, die jeder objektiv Denkende anerkennen wird. Unberührt hiervon bleibt dann die zwangsläu6g hieraus sich ergebende großartige Entwicklung des Skilaufs in der Schweiz sowohl wie in Österreich und dem benachbarten Süddeutschland, eine Tstsache, über die wir uns wohl insgesamt nur freuen und den hierfür sich einsetzenden Verbänden dankbar sein können. Es ist nicht ganz unrnüßig, immer wieder darauf zu verweisen, daß die machtvolle Weiterentwicklung des Skilaufs,vor allem auch des Abfahrtsgedankens, doch immer wieder erst auf dem Untergrund der soliden Vorbereitungen unserer Altvordern sich ergeben hat - daß die Erfahrungen der rückliegenden Jahre erst die gesunde Basis gaben, von der ausgehend die Jünger unserer Kunst heute so staunenswerte Leistungen vollbringen. Das war nicht immer so! Es ist deshalb vielleicht ganz gut, ein wenig zurückzublicken, wenn auch diese skihistorischen Erinnerungen heute im allgemeinen verflucht wenig geschätzt werden und man es vorzieht, nur das momentan Gegebene zu achten oder kritisch zu werten, ohne dabei eingedenk zu bleiben, daß ein Haus nur auf einem soliden Unterbau errichtet werden kann. Wenn letzterer auch äußerlich nicht in Erscheinung tritt, ist er doch zum mindesten ebenso wesentlich für Aufbau wie Bestand des Hauses selbst. So mag daher die Rolle des Schwarzwaldes im Sinne des Abfahrtsläufers betrachtet, hier kurz gestreift werden. Wenn in einem früheren Schneehasen Baron Le Fort die Entwicklung des Abfahrtslaufes in Deutschland behandelte, ist er immerhin, was schließlich verständlich bleibt, mehr für Bayern eingetreten. Die Gerechtigkeit gebietet aber, auch die Tätigkeit der Schwarzwälder zu erwähnen, die in früheren Jahren bereits hierfür sich eingesetzt hatten, wenn es auch längst wieder vergessen schien. Hier wird kurz zu streifen sein, daß der Skilauf um die Jahrhundertwende, als noch keine oder nur kümmerliche Technik den Aiisübenden bekannt war, aus reinen, an heutigen Leistungen gemessen, recht zahmen Abfahrten bestand. Dann kam der Bindungsstreit Lilienfeldporwegen auf, in dem Meister Zdarsky mit seinem System eine größere Wendigkeit am Steilhang nachwies, allerdings mit Mitteln,


die heute ganz überholt sind. Das aber gab uns den Anlaß zum Nachhandeln, denn unsere norwegischen Lehrmeister, s. Z. übrigens zum Wettkampf mit Lilienfeld aufgefordert, wollten nicht hintenan stehen. So kam's, daß wir schon um 1902/03 herum sog. Slalomfahrten und Abfahrten durchführten, die man damals als ,,Kunstlauf" bezeichnete, von Norwegen beraten und von Dr. K. Gruber usw. in Systeme gebracht, die irn Prinzip denselben Gedankengang verfolgten, wie er jetzt im Abfahrtslauf gepflegt wird. Prof. Liefmann hat vor einigen Jahren mit Recht darauf verwiesen, daß der neuzeitliche Abfahrtsgedanke nur eine Fortsetzung unserer früheren gleichlaufenden Bestrebungen ist. Nur ist die ganze Idee wieder versandet (das Warum ist heute nicht mehr recht ersichtlich) und die zwischenliegende Kriegsperiode hat natürlich auch einen stark nachhaltigen Einfluß hierauf ausgeiibt. Es ist mir aber wohl erinnerlich, daß auch vor allem die schweizerischen Skivereine selbst in Nachkriegszeiten noch immer bei sportlichen Veranstaltungen sogenannte Slalomfahrten durchführen ließen, die allerdings ein ganz anderes Bild und Ergebnis zeitigten, als es wohl anfänglich beabsichtigt war, kurz eine gewisse Verflachung dieser Bewegung festzustellen war. So ist es denn zu begrüßen, daß ganz besonders durch die Engländer hier eine Vertiefung der Idee hereingebracht wurde, die den eigentlichen Untergrund für die sprunghafte Aufwärtsentwickliing des heutigen Abfahrtslaufes überhaupt gegeben hat. Diese Feststellung soll für die heutige Betrachtung der Hauptausgangspunkt sein.

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I m Schwarzwald war wie erwähnt die Idee des Slalomfahrens (Meisterung von steilen, walddurchsetzten Hängen oder stark toupiertem Gelände in flüssiger Rogenfahrt) tatsächlich sanft eingeschlafen. Durch ein Jahrbuch der Britenskigemeinde auf deren neuartige, wirklich praktische Art der Schulung ihrer Leute durch Tests und die damit verbundenen Geschicklichkeitsprüfuqen, die in der Folge ja den eigentlichen Abfahrtslauf ergaben, verwiesen, hatte unser Dr. 0.Tauern rasch erkannt, welchen Wert, auf unsere Schwarzwaldverhältnisse umgesetzt, dies für eine Neubeleb~ing des etwas zurückgetretenen Schwarzwaldskilaufes haben müßte und es ist eigentlich nur der zähen Tätigkeit einiger weniger alter Tourenläufer zu verdanken, die ja am besten den Wert solcher raschen Umstellung, blitzschnelles Erfassen aller Situationen und sinngemäßes Darnachhandeln erkannten, wenn nun auch die Abfahrt im Schwarzwald an unseren Steilhängen mehr gepflegt und vor allem unsere Jungwelt damit wieder vertraut gemacht wurde. Viel dazu beigetragen hat Hannes Schneider am Arlberg, der ja, mit unserem Freund Tauern damals oft eng zusammenarbeitete und dessen seinerzeitige, neuartige Theorie eine wiederholte Restäti,oung der Wichtigkeit, den Skilauf wendig in jeder Beziehung zu gestalten, ergab. Dieses stille, zunächst in den Auswirkungen auf unsere kleine Jungmannschaft nach außen hin noch kaum sich bemerkbar machende Arbeiten am modernen Schwarzwald-Abfahrtslauf, den wir somit eigentlich den wertvollen Anregungen unseres Freundes Lunn, vom S. C. G. B., zu verdanken haben, fällt zusammen mit der zielbewußten Unterstützung, die den Briten in Mürren von dem SAS wurde. Daß diese so prachtvoll sich bewährende Arbeitsgemeinschaft eine neuerliche Bereicherung der ganzen Idee durch die Zusammenarbeit, resp. den Austausch mit der Arl'berggruppe erfuhr, ist insofern wichtig zu erwähnen, als es vielleicht angebracht ist, hier gewisse Gedankengänge mit zu verfolgen, die in der Eigenart des Alemannentums begründet sind und die später unbewußt das Ganze gefördert haben. Wir wissen heute, daß trotz staatlicher Scheidungen die Starnrnesverbundenheit zwischen dem Schwarzwälder (den Südelsäßer nicht zu vergessen) und dem Schweizer ebenso weiter besteht, wie mit den gleichstämmigen Vorarlbergern und angrenzenden Allgäuern. So ist es wohl kein Zufall, daß gerade dieses Gebiet das Zentrum des Abfahrtsgedankens geworden ist, wo diese Idee ernstlich gepflegt und weiter entwickelt wurde. Dies mögen unsere Freunde von Bayern und Tirol uns nicht verübeln, wo es sich ja schließlich sinngemäß um wesensverwandte Volksteile handelt. Wenn in den letzten Jahren hauptsächlich München und Innsbruck hier als stärkste Konkurrenten beim Abfahrtslauf in Erscheinung traten, so ist das bessere Abschneiden auf andere Gründe zurückzuführen, auf günstigere Lage und stete Trainingsmöglichkeit, größeres Verständnis, das man in maßgebenden Kreisen hierfür hatte und wohl letzten Endes auch auf größere finanzielle Bewegungsfreiheit. Der Alemanne dagegen ist schwerer veranlagt. Er wird aber mit seiner angeborenen Zähig-


keif sich nicht abschrecken lassen, wenn er z. Zt. auch noch nicht sonderlich in Erscheinung tritt. Jedenfalls haben die Schwarzwälder in den letzten Jahren zunächst noch in kleineren, aber gut geführten Gruppen fleißig weiter geübt und wo die Möglichkeit sich bot, an guten Vorbildern, vor allem bei internationalen Rennen sich zu schulen, diese nicht vorübergehen lassen. Bei der starken Konkurrenz der anderen Länder ist es naturgemäß kein Wunder, daß der Schwarzwald bisher kaum in den Endlisten in Erscheinung trat. Wer aber aufmerksam die Ergebnisse der letzten Jahre verfolgte und verglich, wird zugeben müssen, daß langsam aber sicher auch hier unsere Schwarzwälder miihlich aufrücken und bei gleich zielbewußtem Handeln und Schleifen der eigenen Leistungen, nicht beeinflußt vom lokalen, billigen Lob, sicher in der Zukunft noch mehr in Erscheinung treten werden. Der Wille, eine unbeugsame Energie, auch hier sich wieder durchzusetzen, ist da und wird gepflegt, was wohl am besten in den Damen-Abfahrts- und Slalomläufen der letzten Jahre erkenntlich wird, in denen - gleichviel ob St. Anton, Corviglia, Parsenn, Mürren oder andere gleichwertige Veranstaltungen in Frage kommen, der Schwarzwaldskilauf jedenfalls recht gut reprhentiert war, wie das z. B. auch bei den internationalen Hochschulmeisterschaften in St. Moritz bei der beteiligten Herrengruppe sich erwies. Leider sind unsere Jünger stark im Nachteil, den nicht nur mit Steiigelände aller Art begünstigten Schweizer- und Tiroler- oder bayerischen Kameraden gegenüber. Es bedarf hier einer harten Selbstschulung, denn die Steilhänge irn Schwarzwaid, die ununterbrochene flüssige Steil-Abfahrten von &800 m Höhendifferenz zulassen, sind relativ entlegen. Dort fährt keine Seilbahn, den Übenden rasch und ohne Kraftverlust wieder zur Höhe bringend, dort gibt's auch keine äuß~rlicheAnregung durch schaulustiges Publikum usw., aber gerade hierdurch wird die Spreu vom Weizen geschieden. Der ernsthafte, an sich und seinem Können arbeitende Schwarzwälder wird imbeeinflußt durch moderne Bequemlichkeiten immer wieder an sich und seinen Leistungen feilen, um mit größerem Erfolg als bisher an den großen Konkurrenzen in der Schweiz und Voralberg-Tirol teilnehmen zu können, die so verblüffende Leistungen jetzt wiederum gezeitigt haben. Daß wir mit einer Sonderbehandlung des Abfahrts- und Slalomgedankens auf den richtigen Weg gewiesen sind, beweisen die großartigen Ergebnisse der Spezialveranstaltungen letzter Jahre. Für uns Schwarzwälder haben sie damit erneut die Bestätigung gebracht, daß wir mit unserer Mühe, in kleinerem Kreise nachzustreben, auf bestem Wege sind und wir den Nachbarn in der Schweiz wie drüben am Arlberg dankbar für die vielfach uns in internationalen Abfahrts- und Slalomläufen gegebenen Anregungen sein dürfen.


E I N E L E I S T U N G VON 1 2 M I L L I O N E N m/kg ODER DER S A S I N D E N TAUERN Von A. Gansse~,SAS, Lugano

Lederriemen braucht man in ausländischen Eisenbahnwagen zur Fensterbewegung. Doch wird man gelegentlich erfinderisch . . . und schimpfend schieben sich einsteigende Leute an dicken Skibündeln durch, die, unter den Fenstern baumelnd, den schon schmalen Gang versperren. - Daß französische DrittMaßwagen Lederpolster führen, berührt einen Daraufliegenden äußerst angenehm. Die Lebensgefahr, welche der im Gepäcknetz Schlafende empfindet, kommt erst bei Start und Stop so richtig zur Geltung, besonders wenn eine gewisse Bewegungsträgheit auf verführerisch blinkende Steigeisen und Pickelspitzen aufmerksam macht. Daß sämtliche Kampfutensilien, die leichtsinnig die auf den Coupeboden stehenden Säcke zieren, vor einer derartigen Expedition alle frisch gespitzt worden sind, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Innsbruck! kurzer Aufenthalt. Teils rasche Besichtigung der nächtlichen Bahnhofgegend, teils simulierte Coupefüllung, um die Nächstenliebe einsteigender Pfarrer etwas vom besetzten Gebiete abzuhalten. - Bei Tagesgrauen stieren ein paar Schlafgesichter auf düstere, nebelverhängte Hügelzüge. Staunen, daß man Kitzhübel von allen Seiten betrachten kann. Wunderliche Bahnanlagen, wahrscheinlich, da die Lokomotiven auf geraden Strecken einschlafen könnten. - Und dann kommt ein See. Lieblich grüne Wiesen beufern eine eisstrotzende Wasserfläche, und bald zeugt ein Perron mit Rucksackberg und Skiwald, daß man die Landung in Zell am See gut überstanden hat. - Die geniale Einrichtung, daß der Pinzgauexpreß ausfährt, wenn ein anderer Zug einfährt, daß das Rasieren der während der rasenden Fahrt wachsenden Bärte nicht ohne Blutvergießen gehen kann, zwingt uns zur Requirierung zweier Autos. So geht es durch das Tal ohn' Ende. Liebliche Schweine zwingen zur Abnützung der Schaltanlage, hübsche weibliche Trachten zeigen den Zylinder als dernier cri. Leider sind Maultiemege dem Auto feindlich gesinnt, und bald zeugen nur noch tiefe Fußabdrücke, weiß auskristallisiertes Schweißtropfensalz, daß sich schwere Lasten bei dumpfer Föhnhitze durch das Sulzbachtal schleppen. Sogar die Seehundsfelle verlieren ihre Wirkung. Ein mäßiger Kaiserschmarren, eine noch mäßigere, aber dafür um so voluminösere Wirtstochter läßt den gewünschten Erfolg einer Zwischenlandung nicht recht aufkommen. Daß der Umfang der Post-Alm-Wirtschaftsdame jedoch alles in den Schatten stellt, heitert düstere Gemüter wieder auf. Gelt, Oschki? Tagwacht! Der große Geiger schaut als elegante, leicht besonnte Pyramide dem Aufbruch zu. E r sieht eine verwegene Kolonne durch Eisbrüche einen neuen Winterweg suchen, er sieht einen ganz Kühnen den Somrnerweg emporsteigen, mit Pickel und Steigeisen die Lebenssicherheit erhöhend. Doch spielt ein leises Lächeln um die Züge des großen Geigers, als er am Abend die Köchin der Kürsingerhütte entdeckt, die mit gewöhnlichen Schuhen und Gemüsemarktschritt den Sommerweg emporwandert. Scheinbar ist er uns dadurch nicht besonders gewogen, denn ein Angriff über den NE-Grat scheitert kurz unterhalb des Gipfels. Sein sonnenumspieltes Haupt hüllt sich in dichten Nebel, die Finger kleben an den Steigeisen, die Felsen sind mit Neuschnee beladen, und die fortgeschrittene Zeit zwingt uns, wenn auch sehr widerstrebend, zur Umkehr. Ein Kaiserschmarren par excellence besänftigt die Gemüter, besonders als auch die geringe finanzielle Inanspruchnahme so eines Gerichtes offensichtlich wird. Zwölf schwarze Punkte wandern über den Sulzbach-Kees. Eine strahlende Sonne zeichnet zwölf Schatten im flimmernden Schnee. Krimmler Törl, Krimmler Kees, umrahmt von trotzigen Gipfeln. Dreiherrenspitze zeigt sich nicht von der schlechtesten Seite. Zum Simonispitz, zu den Maurer-KeesKöpfen ziehen spaltige Gletscher. Die schwarzen Punkte wandern weiter, queren steile Hänge, fallsüchtige Eisbrüche lauern darüber. Eine Zickzackspur verschönert einen steilen Gletscher. Der Schnee ist tief, der Spurmann schnauft. Rast und Kriegsrat: viele Wege führen nach Rom, aber nicht alle auf den Simonispitz. Daß unser Expeditionsleiter natürlich als Sieger hervorgeht, steht ja außer Zweifel; daß aber die durch Wetten verlorenen Himbeerwasser doch noch durch den Sieger finanziert werden, läßt die geniale Weglösung doch als Zufallsglück erscheinen.


Viel Neuschnee in den Felsen, und da dieser meist hinderlich, muß er natürlich weggeschafft werden. Unser Kaukasusmann ist in Tätigkeit. Eine Julierpaßschneeschleudermaschine hätte vor lauter Neid grünes Benzin geheult . . . Schneefahnen wirbeln auf, ein lieblicher Westwind bestäubt unsere schon schlotternden Gestalten. Langsam läuft das Seil durch erstarrte Hände, um eine Felskante herum, verliert sich in wirbelndem, stäubendem Schnee . . . Eine schwarze Punktkolonne zieht über die Maurer-Kees-Köpfe, über das Törl, eine Reihe gerader Schußspuren weisen den Sulzbach-Kees hinunter, . . . und hungrige, dürstende Mäuler kauen Wienerschnitzel und sürgeln Himbeerwasser, letzteres natürlich gratis. Bei Wohnungswechsel wird traditionsgemäß die ganze Habe mitgeschleppt. Möbelwagen wären auf den Venedigergletschern der dünnen Luft wegen nicht ratsam, Rucksäcke scheinen sich leider als das einzig Brauchbare herauszustellen. Ein Gletscherplateau nach dem Obersulzbachtörl nimmt sich liebevoll unserer Lasten an: leichtbeschwingte Himmelssöhne lustwandeln dem Großen Venediger entgegen. Gipfelrast, Frühlingssonne, ein unendliches Meer von Gipfeln. Ausgedehnter als in unseren Alpen, von keinen größeren Formen in ihrer Weite unterbrochen. Von unbekannten östlichen Gebirgen, über einem Chaos von Dolomitengipfeln, über Adamello und Ortlergebiet : der Berninh, ein Stückchen Heimat. - - Seil, Steigeisen, Pickel, alles herrliche Instrumente, so man sie bei der Hand hat. Liegen sie aber 600 m weiter unten, und vertieft sich ein allzuwißbegieriges Expeditionsmitglied ausgerechnet wenige Meter unter dem Venedigergipfel in interne Glacialstudien, so ist ein Langlauftraining auch für menschliche Nächstenliebe anwendbar. Daß sich eine Spalte in 6 m Tiefe zufällig etwas verschmälert, um die schwarze Unergründlichkeit nicht ins volle Licht zu setzen, daß eine große Portion „Schwein" bei so Spässen nicht außer Acht gelassen werden darf, läßt das Intermezzo in einer knappen Stunde beenden. 2300 m Höhendifferenz, 18 km Horizontaldistanz treiben uns zum Aufbruch . . . Und das

Dreihcrrenspitze vom Krimmler Kees. Photo: Dr. 0.Bug


Tauerntal ist lang. Der Mond scheint, der Schnee glitzert. Dunkle Gestalten jagen sich durch düstere Waldwege, huschen über mondbeschienene Ebenen, ziehen durch das T d ohn' Ende. Noch immer keine Landecksäge in Sicht . . . und einmal kommt sie doch, bewirtet uns fürstlich, weiße Betten, Gugelhupf (home-made), stiirken uns zur kommenden Strapaze: . . . - Endlose Hänge, steil, heiß, weiß. Mächtige Säcke, schwer und immer schwerer. Das Beresinalied summt einem in den Ohren, wenn auch mit etwas äquatorialafrikanischer Klangfarbe. Schweißbäche erodieren verbissene Schmerzensgesichter, und der große, steile, weiße, heiße Hang wächst. Das Purgatorium der Granatscharte ... ,,E pur si muovono", und sie bewegen sich doch, und ziehen über die Granatscharte, jagen den Sonnblick-Kees hinunter, und politisieren sogar in der Rudolfshütte. Der Eindruck frontistischer Ideen auf nazidürstende Ö~terreicherju~end ist überwältigend, wenigstens in den Augen unseres bejahrringtesten, aber noch ganz junggrün frontistischen Mitgliedes der Expedition. 'Unsere Rucksäcke wandern weiter, über den düsteren, kalten Oedenwinkel-Kees, greifen die steilen Hänge zwischen Hohe Riff 1 und Johannisberg an. Die Skier auf dem Sack, tritt einer in die Stapfen des anderen, stiert auf die Absätze des Vordermannes, bleibt stehen, wenn der andere steht, geht weiter, wenn der andere geht, und begreift, warum eine Maschine das Denken nicht benötigt. Eine Rast kurz unterhalb der Scharte. Man wird wieder Mensch. Wogende Nebelmassen drängen über Scharten und Gräte, fallen gierig in nördliche Täler. Neue Gipfel tauchen auf. Der Johannisberg schaut aus einem Nebelloch auf uns hinunter und zieht den Vorhang wieder zu, entblößt eine andere Stelle seiner schwarzen Wand. - Oedenwinkelscharte. Ein mächtiges Plateau verliert sich im Nebel, Sonnenflecken spielen über die Gletscher, weit unten ein paar Punkte, Menschen, noch weiter ein einzelner Punkt, die Oberwalderhütte. Der hohe Riffl, - eine Anlaufbahn zur besseren Traversierung des oberen Pasterzenbodens - tut sein möglichstes, und erst weit unten hört unsere Fahrt auf. Eine breite Spur deutet auf Hüttennähe. Da teilt sich der Nebel, hoch oben ein Grat, ein Nebelloch wandert dem Grat entlang nach Norden. Zackig schwingt er sich in die Höhe, der Nebel teilt sich weiter: hoch oben eine Spitze, von einer steilen Rinne zweigeteilt, der Groß-Glockner. Oberwalderhütte: einige Tage unser Standlager. Außen nicht sehr schön, ein Kasten, von Drahtseilen gehalten. Aber unsere Buden, fabelhaft. Abend: der Nebel hat sich verzogen, nur über dem unteren Pasterzenboden braut es noch. Ein mächtiger Vollmond über der ganzen Pracht. Schräg fällt das Licht auf das blanke Eis der Palavicinirinne, lange spitze Schatten tasten über die steilen Glocknerwände,brechen sich in den magisch beleuchteten SBracs. Die Eiswand des Fuscherkarkopfes glitzert, wie eisiger Flaum lagert der Nebel im unteren Pasterzengletscher . . . Heimeliger Lichtschein in fast allen Fenstern. Rötliche Lichtstreifen wollen mit dem Monde konkurrieren, müssen es nach wenigen Metern aufgeben, und können ihm das Hereinblinzeln nicht verwehren. Er sieht einen langen Tisch, beladen mit Kaiserschmarren und Preiselbeeren, mit Sirupgläsern, mit Tellern, auf denen entfleischte Ripljli von dagewesenen Schnitzeln erzählen, auf denen eventuelle Brotkrümchen an paniert oder nicht paniert erinnern. Und er sieht den Tisch umrahmt von einer lärmenden Bande, sieht braunverbrannte Gesichter, teils auch nicht gerade kußfähige Lippen, sieht struppige Haare, unter denen jaßwütende Blicke hervorschießen. ,,Oschki," tönt es, ,,du chasch jo gar ned jasse!" . . . Das sind ja die Schweizer, und weil es die Schweizer sind, machen sie Lärm, und feine nette Österreicher staunen nur so . . . Der Mond wandert weiter . . . Der Lärm ist verstummt. Unten sind die Lichter gelöscht, oben flackern Kerzen. Vier Mann in einem Zimmer, zwei auf den obern, zwei auf den untern Matratzen. Decken werden ausgebreitet, noch wird gelacht, geflucht, dann murmelt noch jemand, die Kerzen lassen nach langem vergeblichem Blasen doch endlich ihr Licht in Form eines stinkenden Räuchleins fahren, man wälzt sich noch einige Male und . . . schläft . . . und träumt von Bergbahnen, von federleichten Rucksäcken, die immer leichter werden, bis mit ihnen auch der Traum entschwebt . . . Und der Mond wandert weiter, die Palavicinirinne liegt längst im Schatten, und um den Glocknergipfel spielt ein silberner Nebel. Und dieser Nebelfetzen wächst . . . Tagwacht. Wetterkundige rümpfen etwas die Nase, macht aber nichts . . . Der Aufstieg über den Teufelskamp-Kees fällt wegen allzu dichtem Nebel in den Schnee.

I


Soh~~dchla<uler in Fdlte'gM. A m J~llP:er. Photo: PedW

Am Simmisp62. Photo : A . Galesse~

Der Hoffmans-Kees ist ja auch nicht zu verachten, und können wir den im Aufstieg begangenen Gletscher dann ohne Seil abfahren. Nebel verschleiern die Adlersruhe, erst kurz davor werden die Umrisse dieses nicht gerade schönen Hüttenkomplexes sichtbar. Der Winterraum zeigt Platzmangel, Teile des Lagers sind mit Schnee gefüllt. Also nicht gerade rosige ifbernachtungsaussichten in 3500 m. Wir lagern vor der Hütte, Südseite, und schauen gegen den benebelten Glocknergipfel. Es sind Leute oben .. Hört, sie singen . . Horst Wessel! Der Nebel verzieht sioh, der Gipfel! Etwas Rotes scheint am Gipfelkreuz zu hangen. Mit Steigeisen geht es los. Stifte und Drahtseile verunstalten die Gegend. Und siehe . . . am Glocknerkreuz flattert ein Ehkenkreuz !! Ein junger Österreicher kommt eben herauf. ,,Ibin koa Nozi, i bin koa Heimwehrn, däs ghörf aber net da naufi, dös schmeiß i nunter." Daß wir dieser Aktion nicht hindernd im Wege stehen, ist ja klar. Politik hat hier oben nichts zu suchen, sei es was es wolle, und als ein rot umhüllter Eiaklutz über die Siidwestwand in die Tiefe saust, fühlen wir uns ziemlich befriedigt. Dunkel braut es heran, bleigraue Wolken ballen sich, und es riecht nach Schnee. Eingeschneit in der A d i e r d e , sicher ein Spezialvergnügen,und dem wird vorgebeugt. Eine ideale Abfahrt den HoffmansKees hinunter, nicht gerade im Renntempo, denn einige Löcher, sowie das allmähliche Dunkelwerden laden nicht gerade dazu ein. Nacht ist es, als der untere Pasterzengletscher gequert wird, und es schneit. Eine unangenehme Fsuchtigkeit dringt durch die Kleider, schon liegt Neuschnee. Die Zeit &leicht langsam, keine Hütte will erscheinen . .., es schneit immer heftiger. Fatamorganaartige &im~s&marren mit Preiselbeeren, Himbeerwasser, Schnitzeldüfte leiten ein nachtwandlerisches Shdium ein . . Da bleibt der erste Mann in einer Gwächte stecken, eine dunkle Felsrnasse taucht auf, ein Gespenst entpuppt sich als Regenmesser, und da . . . ein dunkler Schatten, die Hütte. Oh Schmarren, oh Schnitzel . . . gut' Nacht. In drei Zirnmerriwachen je vier Mann auf, immer zwei oben, zwei unten. In jedem Zimmer schauen vier Mann zum Fenster hinaus, schauen in dicken Nebel, auf vielen Neuschnee. In jedem Zimmer

.

.

.


drehen sich vier Mann auf die andere Seite, denken ,,Ruhetag", und schlafen weiter . . . HüttenWanzen? Nein, sowas kommt bei uns nicht vor! Zum Aperitif ein Bummel über die Keilscharte auf den mittleren Bärenkopf. Nebel, imaginäre Sonne, und wieder Nebel, aber ein Schneelein, prima (,,hasenschlägig" nennen wir ihn, da man mit dem Skistock hasenartige Gebilde schlagen kann, deren Hasenähnlichkeit mit der Güte des Schnees proportional geht.) Es ist ja Ruhetag, also vor dem Nachtfraß ein Schüßlein vom Johannisberg. Und so geht auch dieser Ruhetag zur Neige, reichlich bis zuletzt ausgefüllt, ein hohles Wort, praktisch nie dagewesen. - Die Hüttenfacies ist immer noch die gleiche. Meist nette Leute, wenn auch etwas allzuviel politischer Fanatismus aus manchem sympathischen Studentengesicht leuchtet. Wünscht jemand in der Beseehundung seiner Bretter eine gewisse Fertigkeit zu erlangen, so ist eine Tour auf das Wießbachhorn dazu sehr ratsam. Wünscht jemand mit einer Besteigung verschiedene Gipfel zu kombinieren, so sei er ebenfalls auf das löbliche Horn aufmerksam gemacht. - Ein Prachtstag, dann kalter Wind, jagender Nebel, hinauf und hinunter. Ein steiler Gipfelgrat, der sich verflacht, der anderseitig wieder absteigt, deutet auf gipflige Region. Plötzlich windstill, eine Bruthitze dringt durch den blendenden Nebel, selten ein Loch, schnell einen Blick hinunter, Gletscher, Wände, die Anlagen der neuen Glocknerstraße, dann wieder Nebel. Und so bleibt es auch über den Bratschenkopf, über die Klockerin, über die Gruberscharte und über die Keilscharte, bis plötzlich die Hütte vor uns steht. Und diese Hütte wird heute immer kleiner, der Glocknergipfel grüßt wie bei unserer Ankunft von Nebel umrahmt. Wir sind am Riffl-Tor, seilen uns an. Weit hinten ein kleiner Punkt, die Oberwalderhütte. - Seilabfahrt mit allen ihren Freuden und Tücken, ein letzter Steilhang, dann über die Ebene des Moserbodens. Es wird heiß durch den Sulzschnee des Kapruner Tales. Warme trockene Buchenblätter strömen Frühling aus, Tannenharzduft säuselt uns u m die Nasenlöcher, jedes Stückchen Grün wird ganz speziell empfunden. Hotel Kesselfall, eine kleine Stärkung, noch ein paar Schritte weiter, und ein großes Auto, mit Menschen, Säcken und Skis überladen, fährt durch das frühlingshafte Tal. Kaprun, Zell am See. Eine leichte Zivilisierung, und langsam bummelt man zum Bahnhof. Daß einem das ,,Melkstuhlbocciaspiel" restlos begeistert, ist ja klar, so was muß man gesehen haben. Es ist ja Ostern, und auf manchem freien Platz fliegen diese Gebilde durch die Luft. ffberall stolzieren begamsbartete Gestalten, ihren Privatmelkstuhl unter dem Arm, und mit Mienen, die einen alten, mit Privatstein wandelnden Curling-Engländer charakterlos machen würden. - Der Bahnhof, noch 20 Minuten. Um nichts zu tun, kann man auch eine österreichische Lokomotive bewundern, besonders wenn durch langsames Anfahren alles ächzt und stöhnt. Und diese Lokomotive zieht lange Wagen, und auf diesen Wagen steht . . . Basel, Paris! ! ! - - - Daß wir den nun eisfreien Zeller-See zweimal per Motorboot durchqueren, daß wir den netten Ort von außen und innen kennen lernen, daß wir von schwer bewaffneten Heimwehrlern mißtrauisch verfolgt werden (SAS), verdanken wir nur der Nichtbeachtung sogenannter Fahrpläne, da der nächste Zug erst 7 Stunden später starten wird. Wieder ist es Nacht. Wieder baumeln unter den Fenstern des französischen Eisenbahnwagens große Skibündel, aber leider ist der Zug zu dicht bevölkert. Auf den Gepäcknetzen liegt nur Gepäck, auf den Lederpolstern kann man nur sitzen. Und trotzdem nickt man ein, hört das Rattern des Zuges immer dumpfer . .., die engen Coupewände weiten sich . . ., es wird heller . . ., weite Schneeflächen, unendliche Gipfelmeer~. . . , man träumt, man träumt von schweren Säcken, von heißen, steilen Aufstiegen, aber auch von prächtigen Abfahrten, von rassigen Gipfeln, von Sonne, von blauen Eisbrüchen, man träumt von froher, echter Kameradschaft . . . und . . . von einem warmen heimatlichen Bad.


UBER

DIE NOTENBERECHNUNG

FUR

ABFAHRTS-

U N D SLALOMRENNEN Von G . Grieehaber, St. Morilz Anläßlich der FIS-Rennen 1934 in St. Moritz wurde ich mit der Organisation und Leitung des Rechnungsbureau beauftragt. Unsere Aufgabe bestand in der Ermittlung der Rennzeiten für Abfahrt und Slalom aus den Angaben der Zeitmesser, der Erstellung der diesbezüglichen Ranglisten, sowie der Berechnung der Noten für die Aufstellung der Rangliste des kombinierten Rennens. Ich habe vor allem andern zwei Hauptforderungen zu erfüllen versucht: 1. Die Rennresultate und damit auch die Noten für das kombinierte Rennen mit höchster Genauigkeit, letztere entsprechend der internationalen Wettlaufordnung (I.W. 0.)auf Hundertstelpunkte (0,01), zu berechnen und 2. Die Resultate und Noten so rasch wie möglich zu ermitteln, um diese in kürzester Zeit, der Wichtigkeit des Anlasses entsprechend, der Rennleitung zuhanden der Fahrer, der Presse und des Rundfunks bekanntgeben zu können.

Die Aufstellung der Ranglisten für Abfahrt und Slalom gestaltete sich sehr einfach, dank der hiefür geeigneten Karten der technischen Leitung. Auf diesen waren jeweils die Fahrzeiten schon ausgerechnet. Unsere Aufgabe bestand lediglich in der Nachkontrolle dieser Resultate und der Einreihung derselben in die Rangliste. Anders, weniger einfach, verhielt es sich mit der Berechnung der Noten für das kombinierte Rennen, wofür die I. W. 0. eine eingehende Anleitung mit den hiefür notwendigen Zeit- und LogarithmenTabellen liefert (Seite 60 U. f.). Ich war mir von Anfang an bewußt, und diesbezügliche Versuche haben es mir bestätigt, daß diese Art der Notenberechnung viel zu zeitraubend ist. Ich selbst bin infolge meines Berufes mit der Verwendung von Logarithmen vertraut, aus dem gleichen Grunde aber auch mit andern Rechnungsarten, so daß ich sofort einsehen mußte, daß ich bei Verwendung von Logarithmen-Tabellen viel zu langsam zum Ziele kommen mußte. Zudem, es sei dies an dieser Stelle beigefügt, genügen die Tabellen der I. W. 0. nicht für eine einwandfreie Berechnung der Noten auf Hundertstelpunkte. Eine eingehende Untersuchung hat bewiesen, daß die Zeiturnrechnungstabelle (Umrechnung der in Minuten und Sekunden gemessenen Zeit in Dezimalbrüche von Minuten) mit nur drei Stellen nach dem Komma ungenügend ist, so daß mit deren Verwendung in der Notenberechnung Fehler bis 0,l Punkte vorkommen. Um die Noten auf die verlangte Genauigkeit, d. h. auf Hundertstelpunkte genau berechnen zu können, hat die Umrechnung der Zeit auf vier Dezimalstellen nach dem Komma zu erfolgen. Dementsprechend sind auch die der I. W. 0. beigegebenen Logarithmentafeln ungenügend. Sollen wirklich, in Ermangelung von Rechenmaschinen, für die Notenberechnung Logarithmen in Frage kommen, so sind fünf- bis sechsstellige Tafeln, wie solche im Handel für wenig Kosten zu erhalten sind, zu verwenden. Wie ioh aber schon früher bemerkt habe, ist das Rechnen mit Logarithmen zu zeitraubend. Nach der I. W. 0.ermitteln sich die Noten nach folgender Formel: Note (X) =

Bestzeit (T) Zeit (6)

.

100,

vorausgesetzt, daß die Zeiten in Dezimalbrüchen von Minuten umgerechnet sind. Die Note X kann nun auf verschiedene Arten berechnet werden. Die erste Art ist in der I. W. 0 . beschrieben. Es wird der log X bestimmt, und nach diesem die Note X aus der Antilogarithmen-Tabelle abgelesen. Es ist: log X = log 100 log T -log t. Daneben stehen uns aber noch zwei andere Rechnungswege offen, sofern wir über gute Rechenmaachinen verfügen, und diese beiden Wege sind dem Rechnen mit Logarithmentafeln vorzuziehen.

+


Entweder bestimmen wir die Note X mit einer Divisionsmaschine, indem wir vermittelst einer einfachen Operation den Wert lOOB durch t dividieren, oder wir berechnen X mit einer Multiplikations1 maschine, indem wir den Wert -mit der Bestzeit T multiplizieren. Für den letetern Fall ist allerdings

t

1

noch der Wert -, d. h. der reziproke Wert der Zeit zu bestimmen. Es gibt nun verschiedene Tabellen,

t

die diese reziproken Werte für alle Zahlen ohne weiteres angeben, so da5 die rechnerische oder mal schinelle Bestimmung des Wertes - überflüssig wird.

t

Eine für unsere Zwecke brauchbare Tabelle ist z. B. nachfolgendes Werk: Cotsworth's Reziprocals for all numbers from 1 to 10 000 000 im Verlag Mc. Corquodale & Co. Limited, London. Da aber diese Tabelle in bezug auf Lesbarkeit und Übersichtlichkeit etwas schwerfällig ist und zudem einen allzu großen Ballast von Zahlen mit sich führt, welche für unsere Zwecke überflüssig sind, habe ich mir für die Notenberechnung eine eigene Tabelle angelegt, die alle hundertfachen reziproken Werte der Zeiten von 0-20 Minuten, von je 1/10 zu 1/10 Sekunde (schiefe Zahlen der Tabelle I)

Tabelle I. Zeitumrechnungs- und Reziprokentabelle.*)

*) Aussohnitt aue der Originaltabelle, welche die Zeiten von 30 Sekunden bis 20 Minuten enthält.

NB. Senkrechte Zahlen

= Zeiten in Dezimalbrüchen von Minuten. Schiefe Zahlen = hundertfacher reziproker Wert der Zeit.

Oeländesprung. Photo : C . Brandt, Arosa


I

tathält, Die gleiche Tabelle enthält aber auc für alle Zeiten innerhalb des genannten Zeitraumes die

Teilnehmer

Notenbere~hnun~ 2 eit

Rang

Start No. Name, Vorname Min.

100 T

I

-

206,87

T

Sek.

t in Min.

Note

-

t

2,0867

I

Note

1

5.

X. X.

2

05,2

2,0867

100,OO

47,923

100,OO

2

7

P. P.

2

09,3

2,1550

96,83

46,404

96,83

3

19

N. N.

2

10,5

2,1750

95,94

45,977

95,94

a

g

a

B

Jr

g steht, werden

J e nach der Rechenmaschine, die zur Verfüg

1. alle in Dezimalbrüche umgerechneten ~ b i t e naus der Tabelle entnommen, in das Formular eingetragen und mit der Divisionsmaschin die hundertfache Bestzeit durch diese dividiert, oder

b

I

2. für den besten Fahrer die als Dezimalbruch umgerechnete Zeit, also die Besizeit herausgeschrieben, für alle andern Fahrer direkt den hundert achen reziproken Wert ihrer Zeit aus der Tabelle entnommen und diese mit Hilfe der einfachen Multiplikationsmaschine mit der Bestzeit multipliziert.

Divisionsmaschine maschine die Rechnung

der Presse und der Rechnenden selbst.


U N S E R 9. E H R E N M I T G L I E D

DY. &W Ew. Phto :D?. W.All~e&ta

Es sind, wie ich diese Zeilen schreibe, auf den Tag genau zehn Jahre her, als wir unsere Bekanntschaft machten. Es war am Nachmittag vom 13. September 1924 auf dem Höheweg in Interlaken. Nicht wahr, Hug - ich habe ein gutes Gedächtnis! Willi Richardet und ich waren damals unterwegs zum Wetterhorn-Nordgrat und Du, bärtig, mit Lodenhut und AACB-Zeichen geschmückt, an dem wir dich entdeckten, bist uns unverhofft über den Weg gekommen. Ich freue mich daher heute bei Deiner Eintragung in die Chronik der Ehrenmitglieder des SAS anläßlich seines zehnjährigen Bestehen~,auch eine persönliche zehnjährige Erinnerung an unsere Kameradschaft verbinden zu dürfen. Dr. Oskar Hug war natürlich schon damals der berühmte Berggänger und Skifahrer. Ich kannte ihn dem Namen nach und auch als Clubkamerad des Akademischen Alpen-Clubs Bern von seinen langen Briefen her, die er uns schrieb und in denen er uns auf unsere Pflichten aufmerksam machte - Briefe, die endlose Diskussionen im Club hervorriefen und dem Präsidenten bei der Leitung der Sitzung viel Kopfzerbrechen bereiteten. Aber es war immer etwas Gesundes, Unverbrauchtes und Wahres in diesen ,,Steißerbriefen", wie wir sie nannten. Und ebenso unverbraucht und frisch ist Oskar Hug's ski-alpine Vergangenheit. So hat die Generalversammlung des SAS vom 11. Mai 1934 in richtiger Erkenntnis seiner Verdienste Oskar Hug einstimmig auf ihren Ehrenschild erhoben. Wir freuen uns dessen, denn keiner von uns hätte es je mehr verdient. Als eines der ersten Mitglieder des Ski-ClubsLuzern beginnt er 1901 als Gymnasiast seine Skilaufbahn (mit Baliata-Bindung und einem großen Stock!). Touren bringen ihn auf Trübsee, Brisen, Pilatus und Stoos. Er wird Schüler von Leif Berg und Thorleif Björnstad. 1 9 0 6 1 1 Lausanne. Rennläufer mit norwegischer Technik. Klassiert sich in vielen Langläufen und Sprungkonkurrenzen als erster. Erster im Sprunglauf und zweiter im Langlauf bei den französischen Meisterschaften 1908 in Chamonix (Iselin, Schweiz. Ski-Meister, belegt den zweiten bzw. den ersten Platz in den gleichen Rennen). Erster im Langlauf in den großen Skirennen in den Pyrenäen (28 km mit 1600 m Steigung!), zweiter im Sprunglauf. Zu gleicher Zeit Skitouren auf Wildhorn, Diablerets, Muveran, Aiguille du Tour usw. Von 1911 bis 1918 beruflich tätig als Assistent und im Krieg (Serbien und Frankreich). Seit 1918 in Zürich. Zuerst Mitglied des Ski-ClubZürich; drei Jahre Präsident. Drei Jahre Zentralpräsidentdes SAS. Mitglied des NSKZ, des Alpine Ski-Clubs und des Alpine Club, Ehrenmitglied des BUSC. Viele alpine Skitouren: Titlis, Cristaliina, Blindenhorn, Ofenhorn, Sustenhorn, Flüelaweißhorn, Suvi-ettahorn, Tambohorn, Piz Bernina, Mönch, Ebnefluh, Oberaarhorn, Großglockner, Qroßvenediger, Piz d'Err, Piz Sarsura, Piz Kesch usw.


1

IJie 'rouren werden ergänzt durch literarisc Arbeit in den verschiedenen Skijahrbüchern und dem Führer des Blindenhorn-Ofenhorn-Gebietes. Hug ist Alpinist seit Ende der 90er Jahre. M' glied des SAC seit 1910, des Akademischen Alpen-Clubs Bern seit 1906und der Groupe de HauteMont gne seit 1930. Jahrelanger alpin-literarischer Mitarbeiter von Jahrbüchern und Zeitschriften und Mita beiter des Berner Alpenführers Band 3, 4 und 5. Von den 400 bis 500 bestiegenen Gipfeln wollen wir n die wichtigsten erwähnen und besonders hervorheben, daß etwa 50 Neutouren und Erstbesteigun en von Format zu verzeichnen sind: Verstanklahorn,

1

, Fußhörner (drei erste Begehungen), Gelmerhörner,

(erste Begehung von Süden), Blürnlisalp, Ne

Mont Velan. Im Mont-Blanc:Aiguilles Dor tit Clocher de Planereuse (S-Wand, erster), Aiguille d'hgentidre, Aiguille du Chardonnet, Aigui e Verte, Courtes, Droites, Grandes Jorasses, Aiguille du Geant, Mont Maudit, Mont-Blanc du Tac 1, Mont-Blanc (Brenvaflanke). Im Dauphin6: Mont Pelvoux, Ecrains, Meije, Monte Viso. Im Kauka us : Zalmiag Tau (S-W, erster), Dolra Tau (erster),totale Überschreitung der ganzen Dongusoren-Kett , Schoheldü Tau (Westgipfel,erster), Uschba Nordgipfel beiden Elbrus-Gipfel, Mazeri Tau (erster), N a h Tau (Versuch bis 4300 m). Erste Überschreitung (erster) usw. füllt Bände, und ist jahrzehntelang A. H. - er besitzt richtige Vitalität

i

Borri

- still going strong!

W. A .


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ALBERT I KÖNIG DER BELGIER

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Ton Ame haute se plaisait aux altitudes Et captait l'id6al au cceur des solitudes. May de Rudder

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'

Die Welt trauert um einen großen Aristokraten. König Albert, ein Soldat von Format, in dem sich persönlicher Mut, Entschlossenheit und Bescheidenheit in seltener Weise paarten, ein Souverän, der sein Volk liebte und den alle, die das Glück und die Ehre hatten, ihn persönlich zu kennen, tief verehrten, ist fast genau 59jährig am 17. Februar 1934 an den Marche les Dames (Maßtal) den Tod des Bergsteigers gestorben. Zahlreiche Berg- und Skifahrten in der Schweiz und im Tirol verbanden mich mit diesem edlen und großen Menschen, an dessen Bahre ich mit großem Schmerze trauere. Fünf Jahre Seilkameradschaft durften wir mit König Albert teilen, der unsere Berge und die Schweiz im besondern leidenschaftlich liebte. Nie war ihm die Reise von Brüssel zu lang, auch wenn es sich nur darum handelte, sich einen oder zwei Tage von seinen Staatsgeschäften loszuknüpfen, um bergwärts zu ziehen. Durch einen Vortrag des Herrn LefBbure, des Sekretärs des großen Ernst Solvay, des Stifters der Solvayhütte am Matterhorn, wurde der damals 3ljährige Prinz Albert als Bergsteiger gewonnen. In dem darauffolgenden Sommer 1906 wurden die ersten Bergfahrten unternommen, die dann Jahr für Jahr bis 1913 sich wiederholten. Bei Kriegsausbruch zerstörte der König sein Tourenbuch. Er erklärte, daß in dieser großen schicksalschweren Zeit, wo sein Vaterland vor dem Untergange stand, alles Frühere vergessen werden müßte - auch seine Bergtouren, die für ihn immer eine wahre Schule von Mut und Entschlußkraft bedeuteten. Die ersten Touren nach dem Kriege fielen in den Sommer 1920. In einem Wagen, den er selber steuerte, fuhr er von Belgien nach Chamonix und bestieg den Gr6pon und Moine, traversierte die beiden D m und kehrte innerhalb einer Woche nach Brüssel zurück ! Von seinem schönen Sitz am Viemaldstättersee, wo er seine Sommerferien zu verbringen pflegte, unternahm er jeden Sommer zahlreiche kleinere Klettertouren, vielfach ohne Begleitung. König Albert war mit dem SAS wohl bekannt. Am sechsten Anglo-Swiss-Rennenin Mürren machte er mit unserem Club seine persönliche Bekanntschaft und hat seither mit verschiedenen SAS-lern Jahr für Jahr Berg- und Skitouren unternommen. Mit unserer Sache war der König vertraut - wir erinnern nur an seine Rede, die er als Ehrengast am damaligen Anglo-Swiss-Dinner gehalten hat und


die er für unseren Club nachher zu Papier gebracht hat, wie sie in diesem Jahrbuch umstehend in Faksimile wiedergegeben ist. damals 58 Jahre alt - endlich sei er als je zuvor längere Touren machen können. Wir haben damals die ~ b e r s c h r e i t ddes ~ Biancogrates geplant - eine Tour, die wir schon - leider auch wieder letztes Jahr - für immer! gemacht und viele schwierige von Gipfel unbedingt bestieg, sondern und exponiertesten Stellen war er hätte wenigstens die Genugtuung,

b.

seinen letzten Jahren, ohne daß man viel dav n gehört hat und ohne daß er dabei sich einbildete, er sei ein großer Bergsteiger. Die Schwierigkeit d Gefahr hatten für ihn einen besonderen Reiz, einen Reh, dem dieser mutige, entschlossene und escheidene König zum Opfer fiel.

wie ich sie noch selten bei einem Bergsteiger gisehen habe, und auf der Tour erkannte er alles, was die Literatur zu beschreiben vermochte. einen König-Albert-Fonds zu Zum Gedäohtnis an den gefallenen König von verunfallten Bergsteigern innerhalb gründen, dessen Erträgnisse an mittellose auch nicht endgültig König ein Erinnerungsstein für seine Liebe an die geäufnet worden und wird dem b la montagne," hat er bei einer schweren Kletterei einmal zu uns esagt, ,,c'est le sort de tous les alpinistes!"

t

Walter Anwtutz.


CBERSETZUNG OBENSTEHENDER REDE VON ALBERT I KÖNIG DER BELGIER gehalten anläßlich der 6. Anglo-Swiß Rennen am 8. Januar 1929 im Palace Hotel Mürren. Ich möchte vorerst d e m Vorsitzenden für seine freundlichen W o r t e danken u n d I h n e n allen meine Dankbarkeit bezeugen für die herzliche A r t , i n der S i e seinen Toast aufgenommen haben. W i e jedermann weiß, ist M r . Arnold L u n n eine große Persönlichkeit auf dem Gebiete des Skifahrens u n d viel hat m a n m i r davon erzählt, was er alles getan hat, u m diesen schönen Sport durch seine Bücher und seine große Hilfe - u n d ich möchte beifügen auch L a d y Mabel L u n n - die sie immer allen Anfängern leisten, z u heben und z u fördern. Die jährlichen VVettkämpfe zwischen den schweizerischen und britischen Universitäten, die, wie m a n m i r gesagt hat, M r . L u n n vor vier Jahren ins Leben gerufen hat, sind ein Beispiel von guter Kameradschaft und schönem Sport. I c h habe m i t großem Interesse diese Rennen verfolgt u n d habe m i t Bewunderung das technische Geschick i m Slalom u n d den M u t und das Draufgängertum, das i m Abfahrtsrennen gezeigt wurde, verfolgt. E i n e kleine Enttäuschung k a n n ich nicht vorenthalten: I m britischen Skijahrbuch habe ich eine Photographie


von A4r. Guido Reuge gesehen, wie er i m Begriffe war, i n einem Universitäts-Skirennen über einen hohen Z a z ~ n zu springen, und ich habe gehofft, daß dies eine gewöhnliche Begebenheit in einem Slalom darstellt. E s waren viele Zäune bei der heutigen Strecke, aber niemand hat sie übersprungen. Der Vorsitzende hat zwischen diesen Rennen und dem Bergsteigen die Verbindung gezogen. Ich lese immer das Alpine Journal und ich kenne alle die schönen Bergtouren von Amstutz, L'Orsa, Schumacher und Richardet, die alle a m heutigen Rennen teilgenommen haben. Ich selber bin mehr Bergsteiger als Skifahrer, doch anerkenne ich die Schuld, welche die Bergsteiger den Skifahrern zollen, die die Hochalpen i m Winter und i m Frühjahr erschlossen und die der Wissenschaft über den Schnee viele Entdeckungen geschenkt haben. Die Universitäten sind die Erziehungsstätten von jenen, die i m nationalen Leben dazu bestimmt sind, dieFührung zu übernehmen. Die jungen Studenten, die sich in freundschaftliclzem Wettkampfe i m Sporte messen, t u n damit eine große Arbeit für die internationale Freundschaft. Ich wünsche E ~ ~ r ebeiden n Clubs, dem britischen und dem schweizerischen, ungeteilten Erfolg. Albert.


In den m t e n schwachen Strahlen der Frühlingssanne leuahtm w w r e Berge in ihrem r&m WeiB

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klmm TCbmel M l b t $ich darüber. Nicht lange dauert dieses herrliche Leu&bn. Sahon früh am Abmd ÜbriirfLllt eisige Kdte und Totenstille die Berge. - Das Leuchten erliwht. D k m F&ihh@euchten der Befge hat AndrB Wyß nicht mehr mit iuls erlebt. An einem dberid ist mit digroaen, stillen Leuchten auch sein Leben erlasehan. h d r 6 Wyß wuchs in Solothurn auf. ;Vor zwei JahPen bestand er tbn der dortigen ed@ % % & .tnaK die Mrturität, welche ihm den Weg aum Hocbt+chuIatudium öf3Enete. Er kam nach Züriah an die Universitct. Neben strengem, zielbewußtem Schaffen fand er noeh oft Zeit nun Sport. Als begeiis~tmtarSkifitthPer wurde er bald Mitglied des SAS. In der leider so Inirzm Zeit, da er mit una m m m e n lebte, war er uns ein guter Kamerad. Nach einem Semwter in Zürich zog er zu weiterern gtudium n d i Bern. Jbn hielt es nicht lange an einem Orte fest, er wollte min Vatigpld und die Wslt kennen lernen. %in Wille und das Streben nach GroGem bereIchtigtm KU d a is~ah*SnatenHo&ungm. Den Hampf im Leb hätte AndrB Wy13 bestanden. Wie bewies er doch seinan Nut zuletzt noch an den ASAL in Wengm - und nun hat eine kurze, sahwere Xi.&eit alh diem Hoffnungen jiih vernichtet, h p f e Schwere lagert über uns. Der Föhn 8trsicht dmch die Taler und schmilzt den latzten Schaee. Schmutzig braun sind die wiesen. Dctrüber schreitet mhmütQ und traurig ein hager Lehhennig hinaus auf den Friedhof von Solothurn, still ge1egarn am F&e des Jura. D& s&&ft~ AnW Wyß den großen Schlaf. Wir we~denihn nie vergessen. R. S-by


2.

T E I L

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R E N N B E R I C H T E

Von Dr. H . Binder, Zentralpräsident des SAS, Zürich Es ist Sommer, die Generalversammlung de SAS ist vorüber, und schon heißt es sich wieder für den nächsten Winter zu rüsten. Der ,,Sohne hase" muß anfangs Winter erscheinen und deshalb ist für den Zentralpräsidenten die erste Somm rarbeit, den Jahresbericht zu schreiben. Die Sektionspräsidenten haben mir ihre Sektionsberichte zugestellt und so hoffe ich, ein Bild vom Leben und Arbeiten des SAS geben zu können. Im vergangenen Vereinsjahr ist nicht nur der Zentralvorstand nach Zürich übergesiedelt, sondern der Schneehase kam mit uns. Für die nächsten sechs Jahre erscheint unser Jahrbuch beim Art. Institut Orell Füßli. Der Zürcher Zentralvorstand hat versucht, den SAS weiterhin auszubauen und zu stärken, und ich glaube sagen zu können, daß das uns gelungen ist. Mein Vorgänger, Dr. B. Rüfenacht, Bern, hat da uns die Bahn vorgezeichnet, so daß wir vor keine allzuschwere Aufgabe gestellt wurden. Da ja der SAS im November 1934 sein lojähriges Bestehen feiern kann, so ist sicher interessant, die Verdienste und Errungenschaften des SAS zu skizzieren. Der SAS ist heute ein Ski-Club, der weit über die Landesgrenzen hinaus volle Anerkennung gefunden hat. Mit einem gewissen Stolz dürfen wir feststellen, daß die von uns stets propagierten Abfahrtsund Slalomläufe, nicht nur in den Alpenländern zu den beliebtesten und besten Skikonkurrenzen geworden sind, sondern sie haben bereits auch in Norwegen große Erfolge gezeigt. Unser Mitglied Sigmund Ruud und die andern SAS-Norweger sind für unsere Sache eingetreten und haben nach letzten Meldungen mit Abfahrts- und Slalomrennen viel erreicht. In Kongsberg (Heimatort von Ruud und Guttormsen) fand dieses Frühjahr ein großes Abfahrtsrennen statt, das von der großen Zuschauerschar begeistert aufgenommen wurde, und viele Norweger zu Freunden für das Skifahren bekehrt hat. Für unsere Pionierarbeit für Abfahrt und Slalom ist das eine neue, schöne Belohnung. Die SAS-Expedition nach Garmisch (s. Spezialbericht) hat uns gezeigt, wie groß das Ansehen unseres Clubs ist. Wir müssen und wollen auch weiterhin großes Gewicht darauf legen, daß der gute Namen und das Ansehen des SAS gewahrt und gesteigert werden. Noch mehrere Tatsachen beweisen mir, daß der SAS im internationalen Skisport als Skiklub mit einer Führerrolle betrachtet wird. Darauf können wir stolz sein, uns aber damit nicht zufrieden stellen, sondern weiter schreiten in dieser Richtung. Auch in Bezug auf das schweizerische Skiwesen hat sich der SAS in den ersten zehn Jahren seines Bestehens voll und ganz entwickelt. Die Tatsache, daß der SAS heute im Berner Zentralvorstand des SSV gerade mit vier Mitgliedern vertreten ist, spricht für das Ansehen unseres Clubs. Dr. B. Rüfenacht, der während drei Jahren unseren SAS vorbildlich geführt hat, ist Vizepräsident, und die Rennkanone Büchi wurde Rennchef des SSV, während Kümrnerly Tourenchef ist, und Godi Michel als Beisitzer amtet. Daß der SAS auch aus den Kinderschuhen hinausgewachsen ist, zeigt deutlich die Zusammensetzung des Mitgliederbestandes. Die Kategorie der alten Herren wird immer stärker, ohne daß es dabei an Aktiven fehlt. Dieser Tatsache ist auoh in der Zusammensetzung des Zentralvorstandes Rechnung getragen worden, indem das Tourenwesen ausgebaut wurde. Der Tourenchef Dr. 0. Hug ist ein vortrefflicher Obmann. Die diesjährige Ostertour in die Tauern bewies das (s. Spezialbericht). Die eifrige Renntätigkeit während der vergangenen Saison wird am besten durch die nachfolgenden Zahlen illustriert. (Da ich eben großer Liebhaber von Statistiken bin, wird auoh der Jahresbericht mit einer kleinen Statistik gespickt.) SAS-ler sind im gesamten -die Zahlen sind dem ,,Sportuentnommen - an 29 Skianlässen gestartet, und haben 145 Preise für unsere Farben errungen.


Auch dieses Jahr haben wir wieder die SHM und ASAL durchgeführt. Dank der großzügigen Unterstützung durch den Kurverein und Ski-Club Wengen konnten diese Skiwettkämpfe mit vollem Erfolg abgewickelt werden. Ich möchte hier gerade noch erwähnen, daß die ASAL-1935 zusammen mit den CIE-Spielen in St. Moritz durchgeführt, während die SHM i n Engelberg, zugleich als Ausscheidungswettkämpfe, abgehalten werden. Über den Mitgliederbestand kann ich folgendes berichten: Bestand 1. Mai 1933: 189 Mitglieder (65 Aktive, 116 alte Herren, 8 Ehrenmitglieder) Bestand 1. Mai 1934: 215 Mitglieder (71 Aktive, 135 alte Herren, 9 Ehrenmitglieder) Als besonders erfreuliche Tatsache ist auch die Sektion Genf zu erwähnen, welche heute mit Schneid und Erfolg für ;unsere Sache eintritt. Der Zentralvorstand h a t i n verschiedenen Sitzungen die laufenden Geschäfte erledigt und h a t versucht, organisatorisch einige Änderungen einzuführen, und immer und immer wieder den Sektionen gegenüber betonen müssen, daß der SAS ein Club ist, und kein Verband, die einzelnen Sektionen sind nur Verwaltungsapparate i n unserer Organisation. An dieser Stelle möchte ich meinen Clubkameraden i m Zentralvorstand für ihre Mitarbeit herzlich danken, und ich hoffe mit ihnen zusammen, den SAS im Sinne der Gründer weiterzuführen, ihn auszubauen und als exklusiven Ski-Club weiter zu erhalten. Ich hoffe auch, daß die Rennerfolge wieder da sind, und daß jeder sein Bestes beitrage für das Ansehen unseres SAS. Ski Heil SAS!

DAS ERSTE JAHR RENN-CHEF I M SAS Von

W. M. Bürgin, SAS, Zürich

In der kalten Herberge erfolgte letzten Sommer die Krönung des neuen Zentralpräsidenten Dr. H. Binder mit Sitz in Zürich. Mit ihm wurde ein ganzer Stab Mitarbeiter in Amt und Würde eingesetzt. Schon im Laufe des Sommers konnte der Rennchef seine Tätigkeit entfalten: Derweil die hohen Klubfunktionäre im Eigergletscher ,,tagtenu, rüsteten sich die Hasen bei Schneesturm zum Kampfe um die Stafette. In Zürich übergaben unsere Läufer als Erste das Stafettentuch, aber die Rechenkunst brachte uns auf den 2. und 3. Platz. Der Jungfrau-Adler flog nach Bern, denn Rechenfehler müssen bis zum Schluß der Stafette schriftlich eingereicht werden, ansonst dieselben gemäß Reglement nicht mehr korrigiert werden! Die 11. Mannschaft harrt heute noch auf eine Antwort, für die als ,,moralische Sieger" gewünschten Goldmedaillen ! In Zürich wurde mit dem Trockentraining sofort nach Semesteranfang begonnen. Herr Prof. Leutert hatte das Hallentraining unter seiner bewährten Leitung und Guttormsen sorgte für rassige Waldläufe im schönen Doldergebiet. Um die alte Liebe zum F d b a l l aufzufrischen, wurde die tote Saison mit 2 Match gegen den S. C. Davos ausgefüllt. Dieses ,,Fußballvorgeplänkel" beginnt allmählich zur Tradition zu werden. Der Saisonauftakt begann auf der Rigi. Unser Seppl Loopuyt begann vielversprechend mit einem einwandfreien Siege über die Asse Kaufmann, Alstad, Prager. Die Langläufer landeten einheitlich im Mittelfeld. Unser Trainingslager in Mürren zwischen Weihnachten und Neujahr war gut besucht, speziell die Sektionen Genf und Bern waren fast vollzählig vertreten. Ernst Feuz zog mit dem ersten Harst Frühaufsteher schon um 8 Uhr gegen den Schiltgrat. Mit mächtigen Schneefahnen schoß das Rudel wie toll über die steilen Halden hinunter. Nachmittags wurde auf dem Allmendhubel meistens ,,gslalömlet". Es war ein intensiver, seriöser Skibetrieb allenthalben, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Den Neujahrsslalom in Wengen begannen viele etwas unglücklich. Die Beine hatten von der Sylvesternacht zu wenig rasche Reaktionsfähigkeit! Einzig Vik Streiff war voll auf demDamm und placierte sich unter den Kanonen im 7. Rang. Guttormsen, Schlytter, Mustad weilten über die Feiertage im Bündnerland und klassierten sich an mehreren Sprungkonkurrenzen auf den Ehrenplätzen. Leider verletzte sich Loopuyt bei einer Traversierung von Davos nach Arosa am Knie, und konnte bis zum Antritt seiner Stellung in Holland nicht mehr aktiv eingreifen. Am 12.113. Januar folgte nach einjährigem Unterbruch der Anglo-Swiss-Universitätsmatchin Mürren. Zuversichtlich zogen unsere gut trainierten Leute in das schwere Rennen. I n der Abfahrt erkämpften wir einen knappen Vorsprung, welcher uns jedoch durch Slalompech wieder verloren ging. Streiff bewies seine glänzende Form durch beide Einzelsiege. Leider erlitt Max Glaser einen Beckenbruch und mußte auf einer Leiter zur Einweihung des neuen Chalets von Dr. Mosca abtransportiert werden.


Nach dem schweren Kampfe und feudalen Diner erwartete der Rennchef die Kanonen vergeblich in Einsiedeln. Das Interklubmannschaftsrennen wurde trot,zdem überlegen gewonnen, und unsere Norweger bewiesen, daß sie abfahren gelernt haben. Beinahe hätte die improvisierte Staffelmannschaft den schweren Lauf siegreich beendet, aber Hoff hatte das Pech, die geliehenen Ski mehrmals zu verlieren. Mit nur zwei Minuten Rückstand beendete er als Dritter den Lauf. An der Sprungkonkurrenz dominierten die SAS-ler in beiden Kategorien als Sieger.

Abstand als dritte und vierte. gloffä, aber prima Mannä, öpe he!"

chlächt gfahre, no schlächter

den Wert dieses Rennens. Trotz Fehlens nend und von einer flotten Kameradschaft beg Losung: ,,Europa gegen Japan." Daß es gleich Kampfgeist, welche die Läufer beseelte. Dies ten blicken lassen, denn es ist Breitenentwic

n Österreich und Italien waren die Kämpfe spanHöhepunkt war wie immer der Staffellauf mit der schaften gelang, Japan zu schlagen, zeugt von dem d es ging wieder einen Schritt vorw&rts.

Punkte aufholten. Der Berner Hochschulmeister p h war unser bester Mann, er stellte sich in der Kombination in den zweiten Rang hinter Stober. Im Sta ellauf konnten sich die SAS-ler infolge Unfall eines Mannes nur a1~1Dritte hinter Deutschland und Japan assieren. Gegen Ende Feuer erwachte auch unser ,,Siux", In Engelberg ,,rißUer es nacheinander den Zürchern und Baslern an den Hochschulmeisterschaften in del Kombination Abfahrt-Slalom auf. Auch auf dem Kräzerli wurde er Zweiter und verhalf mit seiner guten Kpmbination der Equipe zum ehrenvollen Siege über 15 Mannschaften. Noch an mehreren Rennen schnitten unsere Spr' ger und Abfahrer vorzüglich ab und festigten den guten Ruf des SAS. Leider fehlt es uns an guten Langlä ern. Strüby kann nur im Jura gute Erfolge buchen und Gansser hat außer den ASAL und Garmisch ni ht konkurriert. Den Lauf diirfen wir nicht vernachlässigen, denn er ist das beste Training für sämtliche Sportarten. An Ostern zog eine längere Kolonne in Armeegep ckmarschen über die hohen Tauern mit dem Japaner General ." Oski Hug. Es gab solche, welche Abfahrten mit S eigeisen unter den Ski ausprobierten, leider ist mir das nähere Resultat dieser Anwendungsmöglichkeit nicht bekannt. An der Skichilbi auf Trüebsee gab es Schlachte am laufenden Band, ich glaube die harmloseste war noch die Faßdaubenschlacht; obschon es auch hier erletzte gab. Internationalen Springern sind zu VorlagenÜbung Faßdauben nicht zu empfehlen, hingege für die Pfaffenwandabfahrt eignen sie sich vorzüglich. Am 2. Schweiz. Auto-Ski-Meeting in Gletsch be iesen unsere Skifahrer, daß sie auch am Volant zu Hause sind. Bürgin und Dr. ~ e i s b r o hholten sich mit urchschnittsresultaten die Kombinationen Auto-Ski in Elite und Allgemeiner Klasse.

I

I 4.

I:

1. der SAS marschiert vorwärts,

DAS 10. RENNEN ENGLANDSCHWEIZ, 12. JANUAR 1934 IN Von B. A. Michel, SAS, Murren

Das traditionelle Skigefecht der englischen Male. Seit 1925 treffen sich die BUSC (British University Ski

~

MURREN

schweizerischen Studenten jährte sich heuer zum zehnten Länder regelmäßig in Mürren, vertreten durch den Sie treffen sich traditionell, aber nicht der Tradi-


tion zuliebe. Auch nicht des Gabentisches wegen, weil es keinen solchen gibt. Als sauberer Amateur-Wettkampf, zum sich messen unter sich, dient das Anglo-Swiss dem Auffrischen alter und Knüpfen neuer Freundschaften. Es ist ,,a friendly meeting, nothing of that warlike atmosphere"! Gute Freundschaft ist dlen Ernstes wert und sportlich ist das ,,Angle-Swiss“ vom Reinsten, was uns der Skiwinter bietet. Die Abfahrt wurde am Schiltgrat ausgetragen. Ein schöner Tag, kalt, die Sonne schien nur so zum Schein. Hauchdünner Pulverschnee deckte die klassische Piste. Der Schnee war gut, doch mehr davon wäre besser gewesen. Der Schweizer Mannschaft fehlte es nicht an Kühnheit. Viktor Streiff hatte einen seiner besten Tage. Er flog förmlich über den holperigen Berg und hielt sich glänzend auf den Ski. Seine Zeit ,,am Schiltgrat dieses Tages" war eine vorzügliche Leistung. Auch die andern Eidgenossen zeigten vorab Mut und ihr Bestes. Bei den Briten steht der blutjunge I. K. Munro an der Spitze. Er ist in Mürren kein Neuer und fährt den Steilhang mit rentablem Verstand. Wie überhaupt die Engländer mit Ausnahme von W. H. Earle mehr auf Sturzfreiheit hielten, womit sie das Game an die Schweizer verloren. Pech, kohlrabenschwarzes Pech, hatte Max Glaser, ein währschafter Vertreter unserer Farben. Nach dem Durchschießen der Zielpfosten stürzte er mächtig und schlug beim Landen auf einen unter keuschem Schnee verborgenen Marchpfosten. Das gemeine Grenzpfählchen knackte ihm das Becken und die obligatorische Skiversicherung hatte das Gluck, glatt auszuschlüpfen. Eine halbe Stunde später lag der Verletzte auf Claudio Mosca's Röntgentisch. Das nenne ich Sanitätsdienst, der besser klappt als die Presse. Wie wäre es auch, wenn man statt des umständlichen Lizenzen-Rodels eine ,,grüne Versicherungskarte 1933134" gehabt hätte? Ein Billett wie für aufs Rößlispiel. Dann wüßte der Starter, der Mann ist versichert. I m Slalom sehen wir wiederum Streiff an der Spitze, unstreitbar der ,,Siech". Dann aber kommen zwei Engländer und flicken den Riß im britischen Wappen. Slalom ist ihnen Kulturteil des Skifahrens und ihre Stärke. Sie bringen es fertig, mit 703.2 gegen 738.8 Sekunden zu siegen. Am Abend bildete das berühmte Anglo-Swiss Dinner im Palace-Hotel den Abschluß. Max Glaser, der arme Teufel, er lag erbärmlich bei Dr. Mosca im Bett. Wir aber warelt hellauf und wünschten ihm gute Besserung. Dann wurde getoastet, wie's Sitte und Brauch geworden, auf den Bundespräsidenten und King George. Der Bernermarsch oder das ,,Dunkle-Bier-Lied", ich weiss nicht welches, sangen dem Abend das Gutenacht. RESULTATE

Abfahrtsrennen: BUSC

I. K. Munro Bill Clyde W. D. Raeburn R. C. Dunn C. P. Green W. H. Emle Totai BUSC Slalom: SAS V. Streiff A. K ~ e c h B. Suhner E. Thommen B. de Tscharner H. Knoll BUS0 W . D. Raeburn I. K. Munro R. C. Dunn W. H. Earle C. P. Green Bill Clyde

3.45.0 3.51.6 4.00.4 4.18.4 4.37.4 4 . 4 8 . 4 zählt nicht

S,4S V. Streiff H . Knoll B. Suhiier M. Glaser B. de Tscharner E. Thommen Total

20.32.8 97.15 Punkte.

3.31.0 3.57.8 4.02.4 4.11.4 4.15.2 6 . 2 7 . 0 verlor Ski, zählt nicht

SA S

64.0 70.8 69.8 72.6 80.8 71.4

100 Punkte.

+ 2mal6Sek. Total Punktzahl

64.6 64.6 72.2 74.0 78.0 62.6

19.57.8

+ 1 mal 12 Sek.

125.6 143.0 146.8 155.4 168.0 171 . 6 zählt nicht 738.8 Sek. 95.23 129.2 131.0 146.6 147.4 149.0 159.6 zählt nicht

Total 703.2 Sek. Punktzahl 100.0 SAS Abfahrtsrennen 100.00 Punkte, Slalom 95.23 Punkte = 195.23 Punkte : 2 = 97.615 Punkte BUSC Abfahrtsrennen 97.15 Punkte, Slalom 100.00 Punkte = 197.15 Punkte : 2 = 98.575 Punkte BUSC gewinnt das Rennen mit 0.96 Punkten. Matchreszcltat 5 gegem 4 zugunsten BUSC.


UNIVERSITHT B E R N U N D 2. T R I A N G U L A R M A T C H D E R UNIVERSITHTEN B A S E L , B E R N 2. WINTERMEISTERSCHAFTEN D E R U N D GENF.

2.13.14. F E B R U A R 1 9 3 4 I N G R I N D E L W A L D

Die erstmalige Wiederholung dieser Wettkämpfe sah über 100 Teilnehmer und konnte bei glänzenden Schneeund Witterungsbedin Für den Abfahrtslauf Ile der letztes Jahr von Verschiedenen als zu leicht befundenen Spionskop-

1. Bern I 2. Genf 3. Basel

.

(

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

3 Punkte 2 Punkte 1 Punkt.

sich elf Universitäts- und Korporationsmannschaften, sowie Equipe eingeschrieben. Wie üblich war diesem sportlich wertden. Mit größter Spannung wurde die von Strecke zu Strecke verfolgt; auf den Ablöseposten und zu beiden Seiten des durch das Dorf ins Ziel wechselnde Führun sich viel Volk angesammelt. Als Erster erschien der Einheimische Arnold Gesamtzeit von 1.34.30.8 totalisierend, die die besteLeistung des Tages blieb. Knapp zwei Minuten sp&terbeendet Bern I das Rennen und gewinnt damit für den Triangularmatch weitere wichtige drei Punkte. Das zweite Berner Team folgt in respektvollem Abstande (11 Minuten), immerhin noch vor den Equipen von Basel und Genf. Erste Korporationsmannschaft werden die Singstudenten, die 16 Sekunden nach dem Basler und knapp vor dem Genfer Schlußl'äufer ihr Staffeltuch übergeben können. Sie werden Staffelmeister der Universität Bern und gewinnen den schönen Vaucher-Wanderpreis. Früh am Nachmittag begann auf dem Schlußhange der Miinnlichen-Tschuggenabfahrtder iShlom. Sehr zügig ausgesteckt und nur wenige, dafür aber um so tückisahere Schwierigkeiten aufweisend, konnte dieser Lauf auch von Nichtspezialisten ohne zu große Schwierigkeiten gefahren werden. Erfolg hatten aber nur diejenigen Konkurrenten, die neben dem technischen auch über das taktische Rüstzeug verfügten. Den weitaus besten Eindruck hinterließen Käch-Bern und Müller-Genf. Mit seiner an Willy Steuri gemahnenden aufrechten und geschlossenen Fahrweise stellte Kaech in beiden Läufen die Bestzeit auf, Müller folgt mit 4 Sekunden Mehrzeit auf dem zweiten Platz. Der Sieger der Abfahrt und damit erste Anwärter auf die Hochschulmeisterschaft, Eric Bühlmann, erhält im zweiten Laufe einen Strafpunkt und verliert damit seine Aussichten. Die Genfer Vertreter rehabilitieren sich für ihre Niederlage in der Abfahrt: Mit einer Totalzeit von 10.16.0 siegen sie im Slalom, die erste Berner Mannschaft mit 2,5 Sekunden auf den zweiten und Basel auf den dritten Platz verweisend. Der SAS-Zer Arnold Kaech wird mit 197.97 Punkten Bernischer Hochschulmeister für 1934 und kann vielumjubelt an seinem 20. (resp. 21.) Geburtstage den Wanderpreis des Kurvereins Grindelwald in Empfang nehmen. Die Universitiit Barn als Siegerin von Abfahrt und Staffel und Zweite im Slalom gewinnt mit 8 Punkten den 2. T&nguZamnatch. Am Montagvormittag wurde bei einer Beteiligung von neun Studenten und zwei Einheimischen der Langhuf ausgetragen, der leider einige der im Staffellauf des Vortages hervorgetretenen besten Studenten nicht am Start, sah, aber dennoch in Studentenkreisen wertvolle Propaganda für diese Wettkampf-Disziplin machte.


ABFAHRT

RESULTATE :

Bernische Hochschulmeisterschaft. (40 Startende).

a ) Studierende. Name

Rang

Bühlmann Eric Kaech Arnold Lindlar Herbert Kottmann Ubald Wyß Andd Kaeser Helmuth Lüthy W. Schneider Hans Collet Albert Markwalder H., I Kiegler Walter Eggler Albert Geiger Fred Glarner Hans 15. Althaus Peter 16. Stamm Walter 17. Liechti Fritz 18. Steffen Willy 19. Boßhard Kurt 20. Müller Adolf b) Altakademiker. 1. 2. 3. 4. 5.

1. 2. 3. 4.

Universität

Zeit

Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern Bern

5.35.8 5.42.8 5.55.0 6.07.4 6.37.4 6.40.0 6.46.8 6.47.4 6.50.0 6.59.8 7.10.0 7.14.4 7.16.8 7.34.4 7.48.2 7.54.2 8.00.6 8.01.0 8.04.4 8.06.4

Bern Bern Bern Bern

Glatthard Adolf Dr. Wenger Schönholzer Gottfried Meyer Albert

T r i a n g u l a r m a t c h der Universitiiten Basel, B e r n u n d Genf. (23 Startende).

Rang 1. 2. 3.

Mannschaft Bern I Genf Bern I Basel I Bern I Bern I Basel Genf Bern I1 Genf Bern I1 Genf

Name Biihlmann Eric Müller H. Kaeoh A. Tommasi Angelo Lindlar Herbert Kottmann Ubald Heinrich H. P. Wiesinger K. Kaeser Heinrich Blanopain C. Lüthy W. de Tscharner B.

Zeit 5.35.8 5.40.6 5.42.8 5.46.4 5.55.0 6.07.4 6.13.8 6.14.4 6.40.0 6.41.8 6.48.8 7.02.8

Mannschaftsklassement (Totalzeit der fünf b e s t e n Fahrer). 30.37.8 1. Bern I 33.54.4 2. Genf 34.20.6 3. Basel 38.11.2 4. Bern I1 STAFFELLAUF Bernische Hochschulmeisterschaft. Rang 1. 2. 3.

Verband Singstudenten Freistudenten Helvetia

Laufzeit 1.48.56.4 1.50.13.4 1.50.27.4

Rang 4. 5. 6.

Verband Vorkliniker Hdlerhna Zofingia

Laufzeit 1.50.58.6 1.51.50 1.52.21.4


SLALOM Triangularmatch. Name/Mannachuft Rang Kaech Arnold, Bern I 1. 2. Müller H., Genf 3. Wiesinger K., Genf 4. de Tscharner, Genf 5. Bühlmann E., Bern I 6. Tornmasi A., Basel 7. Kaeser, Bern I1 Lindlar H., Bern I 8. Heinrich H. P., Basel 9. 10. Lüthy W., Bern I1

1. Lauf 54.0 56.4 54.0 59.2 56.6 56.6 58.8 55.4 1.01.8 59.8

Strafpunkte -

2. Lauf 52.4 53.0 59.6 59.8 57.0 67.4 1.01.0 1.04.6 1.03.8 1.01.0

Strafpunkte -

5,5 575

Mannsohaftsklassement T r i a n g u l a r m a t c h . Slalom (Total der fünf besten Zeiten): 1. Genf 10.16.0; 2. Bern I 10.18.5; 3. Basel 11.30.3. SCHLUSSKLASSEMENT Abfahrt Slalom 3 2 1. Bern 2 3 2. Genf Die Universität Bern gewinnt den zweiten Triangularmatch.

Staffel 3

BERNISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFT Abfahrt 1. Kaech Arnold 97.97 2. Bühlmann Eric 100.00 Arnold Kaech Bernischer Hochschulmeister i m Skijahrcn.

Slalom 100.00 89.32

Total 8 Punkte 6 ,,

1

Total 197.97 189.32

LANGLAUF

a) Bernische Hochschulmeister8chaft. 1. 2. 3. 4.

Macheret A. Steffen Willy Lindemann Olaf Tugendreich G.

b) Aufier Konkurrenz. 1.07.04 1.08.42 1.11.54 1.34.22

Studenten : 1. Grimm Hans, Basel 2. Tommasi G., Basel 3. Haubensak G., Basel

Total 1.46.4 1.48.4 1.53.6 1.59.0 1.59.1 1.59.5 1.59.8 2.00.0 2.05.6 2.11.8


A S A L U N D S H M 1934 I N W E N G E N 9.111. F E B R U A R Von Dr. H . Binder, SAS, Zürich

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Die Wahl von Wengen als Austragungsort fur unsere akademischen Skiwettkämpfe aller Länder und für die Schweizerischen Hochschulmeisterschaften war für den SAS ein besonders glücklicher Zug. Die Wengener hielten nicht nur, was sie versprochen hatten, sondern Skiklub und Kurort leisteten noch vieles mehr. Vor allem machten sie mit dem heiligen Petrus einen ganz erstklassigen Vertrag, der uns das herrlichste Winterwetter beschied. Was die Herren des Skiklubs Wengen hinter den Kulissen leisteten, war ganze Arbeit, ein spezielles Kränzlein gehört auch der Direktion der Wengernalpbahn, die uns in allen Teilen entgegenkam. Auch die gesamte Organisation klappte vorzüglich, das Verdienst der großen Vorarbeit, die uns Mitglied Dr. Zahnd geleistet hat. Leider wurden auf Wunsch des Sportsamtes der Schweizerischen Studentenschaft die Wettkämpfe, fünf an der Zahl, in drei Tagen abgewickelt. Dabei entstand nicht nur für das Organisationskomitee Schwerarbeit, aber vor allem wurden dadurch die Skiläufer überlastet. Die große Zahl der Startausfälle ist ohne Zweifel auf dieses Zusammendrängen der verschiedenen Disziplinen zurückzuführen. Es wäre ratsam, wenn in Zukunft die Wettkämpfe wieder auf vier Tage verteilt werden könnten. Wenn schon die Teilnehmer-Rekordzahl von St. Moritz nicht erreicht wurde, so traf sich in Wengen doch wieder eine große Zahl studentischer Wettkämpfer. Zu bedauern war es, daß die Teilnahme Österreichs und Italiens ausfiel. Als geschlossene Mannschaften erschienen die Deutschen und Japaner, die fur ihre Nationen großte Ehre einlegten. Wir hoffen sehr, unsere deutschen Kommilitonen an den ASAL wieder regelmßßig zu treffen, und den SAS würde es sehr freuen auch die Japaner nächstes Jahr wieder begrüßen zu konnen. Das schonste Zeichen des Gelingens der ASAL und SHM war aber der gute Geist, der unter den Wettkämpfern herrschte. Es war ein Geist, der als wahrhafte Sportlichkeit zu bezeichnen ist und den man an keinem akademischen Sportanlaß mehr missen möchte. ttber der ganzen Veranstaltung stand ein guter Stern und der SAS kann stolz sein, als Veranstalter dieser Skiwettk&mpfezu zeichnen. Von den Rennen selbst wäre folgendes zu berichten. Ich werde sie aufführen, wie sie chronologisch zur Abwicklung kamen.

1. Langlauf (9. Februar 1934): Bei den bisherigen ASAL und SHM bildete der Abfahrtslauf immer die Eroffnung der Rennen. Die Zusammendrcingung der Konkurrenzen brachte es aber mit sich, daß der Langlauf dieses Jahr den Auftakt bilden mußte. Die Langlaufstrecke bildete eine große Schleife rund um Wengen, Start und Ziel am gleichen Ort. Christian Rubi hatte damit eine vorbildliche Piste angelegt, 16 km lang mit viel Abwechslung in Steigung und Flachlauf. Die Strecke war a b sehr schwer zu bezeichnen. Da die Japaner schon im Training überraschend gute Resultate gezeigt hatten, war die Spannung auf die Endresultate allgemein sehr groß. Wie vorauszusehen war, siegten die Japaner überlegen. Ganz groß war aber auch, was unser SAS-ler Ganßer geleistet hat, der von einer anstrengenden Fahrt direkt vom Eisenbahnzug zum Start gehen mußte. Seine zweitbeste Tageszeit muß sehr hoch gewertet werden. Von allen aber wurde harte Arbeit geleistet. Schade, daß die vielen Ausfalle am Start das Bild etwas trübten. Es scheint leider bei einer gewissen Klasse Studenten ein gegebenes Wort nicht immer zu gelten. Für viele Leute scheinen die ASAL ein Mittel zu sein, um billige Winterferien zu erreichen. Hoffen wir, daß es bald eine Möglichkeit geben wird, um solche Elemente von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

2. Abfahrtsrennen ( 9 . Februar 1934): Ernst Gertsch hatte für unsere Akademiker eine Strecke gewählt, die für eine FIS-Mannschaft nicht leicht, aber für diese Rennen jedenfalls zu schwer war. Die Fahrt vom Gürmsch' . spühl bis Staubbachbänkli war sehr hart und verlangte viel Stehvermögen und Schwingen, so daß nur wirklich gute Fahrer sich klassieren konnten. Hier fiel der Sieg deutlich zugunsten der Deutschen aus. Aber auch unsere alte Kanone Streiff und der junge Kaech konnten sich mit den FIS-Kandidaten Kraisy und Vetter messen. Kraisy gewann überlegen und holte sich verdient den Titel ,,ASAL-Sieger" in Abfahrt. Auch die alten Herren (vor allem Brun) konnten sich mit ihren guten Zeiten zeigen lassen.

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3. Staffellauf (10. Februar 1934): Der Staffellauf vom Samstagvormittag bildete aber ohne Zweifel den Sportlichen Höhepunkt der ASAL-Rennen. Besonders für uns Schweizer war es ein großes sportliches Ereignis. Von Anfang an war es ein Kampf Europa-Asien, der diesmal noch zugunsten der weißen Rasse ausgefallen ist. Vor den Rennen waren - nach dem erfolgreichen Langlauf besonders - die Japaner stark favorisiert. Dies zeigte sich besonders darin, daß beim Ziel eine große japanische Delegation mit vielen Fahnen erschien, die bestimmt auf einen japanischen Sieg zählte. Winterrnorgen. Photo : Schmer-Zogg


ZUM ERSTETIMAL JAPLNER BEI DEN S m RENNEN IN WEWBEN


Der Lauf bestand aus fünf Teilstrecken, die ersten drei gemischt, die vierte, Biglenalp-Fallboden, reine Steigung, die fünfte reine Abfahrt von Fallboden über Scheidegg nach Wengen. Bis zur dritten Ablösung schien es als ob sich das Rennen zwischen München und Tokio entscheiden würde. Die beiden Mannschaften hatten Ca. 9 Minuten Vorsprung auf unsere beste Schweizer Staffel (Uni Zürich). Aber unser unverwüstlicher Ganßer konnte auf der vierten Strecke 4 % Minuten auf die deutsche und 7 Minuten auf die japanische Mannschaft aufholen. Es ist dies eine ganz großartige Leistung und es war herrlich zu sehen, wie ,,Güstu den Berg hinauf stürmte. Für die Deutschen selbst stand auf Fallboden der Sieg nicht mehr in Frage, und Höfflin erreichte dann auch als Erster Wengen. Die japanischen Fahnen wurden da bereits gesenkt. Und nun zeigte auch Streiff, der nach dem Japaner Fallboden verließ, sein ganzes Können, und konnte als Schlußmann der Zürcher Mannschaft im Zielhang den Japaner Yotsuya überholen und fuhr mit 6/10 Sekunden Vorsprung als Zweiter über die Ziellinie. Das war großartig und löste unter allen Zuschauern eine große Begeisterung aus. Die japanischen Fahnen waren von der Bildfläche verschwunden. ,,Güst" und ,,Vik" schafften auf ihren Strecken die Bestzeiten und haben damit den Zürchern, den Schweizern den zweiten Rang vor den Japanern erkämpft. 4 . Der Slalom (10. Februar 1934): Der herrliche Wintertag brachte eine große Menge Zuschauer zur Slalompiste, die unser Rennchef M. Bürgin wieder einmal mit großer Kunst ausgesteckt hatte. Der deutsche FISVertreter Dr. Vetter siegte vor Streiff und errang damit wieder einen ehrenvollen Sieg für Deutschland. Bei den ,,Alten Herren" gewann Dr. Bühler überlegen und hätte auch bei den Jungen einen sehr guten Platz erobert.

5. S p n g l a u f (11. Februar 1934): Auch diese letzte Konkurrenz war dank dem andauernd schönen Wetter ein großer Publikumserfolg. Guttormsen holte sich mit drei prächtigen Sprüngen den Meistertitel, während der favorisierte Jepaner Yotsuya zweimal stürzte. Unser neuer SAS-Springer Bußmann konnte seinen dritten Sprung nicht mehr stehen und verlor damit seinen guten Platz. Gegenüber andern Jahren war unter den Studenten-Springern ein erfreulicher Fortschritt festzustellen. Als Abschluß der herrlichen Veranstaltungen, die ohne den geringsten Unfall verliefen und auch nicht durch die kleinste Mißstirnmung getrübt wurden, fand im schön geschmückten Palace Hotel die Preisverteilung statt. Nach verschiedenen Reden führten die japanischen Kommilitonen zur großen Freude aller Anwesenden Nationaltänze auf. Dieselben fanden so großen Anklang, daß bald darauf unter Sioux Führung der halbe SAS japanisch tanzte, begleitet von dem herrlichen Kriegsruf ,,Du mir au". Unsere deutschen Freunde leisteten dabei ebenfalls Großes. Die fröhliche Stimmung dauerte sehr lange, und eigenartiger Weise wuchsen andern Tags auf den Wengeuer Bäumen die schönsten Tische. Woher das kommt, wissen alle Eingeweihten. Die Tage von Wengen, die hinter uns liegen, werden zu unsern schönsten Erinnerungen zählen. Nochmals allen Mitarbeitern und Wettkämpfern unsern Dank.

Schueiz. Hochschul-Staffelmeister, Universität Zürich Von links nach rechts: R. Bdbid, H . Knoll, S. @wttormsen, A. Gansser, P . Streiff


RESULTATE 10. SCHWEIZERISCHE SKI-HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

LANGLAUF KLASSE I (17 Startende) Rang Start-NT. Name 1. 47 Ganßer Augusto 2. 5 Guttormsen Sigmund 3. 32 Strüby Robert 4. 50 Macheret Andre 5. 7 Hitz Pista 6. 6 Steffen Willi 7. 8 Klaveneß Dag 8. 3 Losinger Hans 10. AKADEMISCHE

Land Schweiz Norwegen Sohweiz Schweiz Schweiz Schweiz Norwegen Schweiz

Hochschule Zürich Uni Zürich Uni Zürich ETH Bern Uni Zürich ETH Bern Uni Neiienburg Uni Ztirich ETH

Zeit 1.16.55.6 1.17.01.0 1.19.12.0 1.23.04.0 1.23.16.0 1.26.39.2 1.27.13.2 1.28.25.6

Zeit 1.15.47.2 1.16.55.6 1.17.01.0 1.17.07.8 1.17.23.2 1.17.39.2 1.18.36.2 1.19.12.0 1.19.39.6 1.19.47.8 1.20.14.2 1.20.24.8

SKIWETTKÄMPFE ALLER LÄNDER

KLASSE I (26 Startende) Rang Start-Nr. 1. 46 2. 47 3. 5 4. 11 5. 36 6. 30 7. 1 8. 32 9. 44 10. 31 11. 33 12. 18

Name Kigoshi Sadahiko Ganßer Augusto Guttormsen Sigmund Shimizu Rinichi Stütz1 Heinz Henmi Tokuta Pohorny Oldrich Strüby Robert Dehmel Fritz Kuriyama Tadashi Büchl Eduard Ziegler, Dr. Hans

Land Japan Schweiz Norwegen Japan Deutschland Japan Tschechoslowakei Schweiz Deutschland Japan Deutschland Deutschland

Hochschule Meiji Tokio Zürich Uni Zürich Uni Vaseda Tokio München TH Meiji Tokio Brno Uni Zürioh ETH München Uni Vaseda Tokio München Uni München Uni

Grünewald Heinz (Skibruch)

Deutschland

München Uni

KLASSE I1 1.

27

10. AKADEMISCHE SKIWETTKÄMPFE ALLER LÄNDER

ABFAHRT KLASSE I (42 Rang Start-Nr. 1. 80 2. 96 3. 24 4. 66 5. 94 6. 73 7. 75 8. 69 9. 58 10. 35 11. 39 12. 14 13. 104 14. 50 15. 23 16. 37 17. 102 18. 47 19. 25 20. 55 21. 79

Startende) Name Kraisy Xaver Vetter, Dr. Robert Streiff Viktor Stober Fredy Mächler Franz Wiesinger Klaus Käch Arnold Thommen Ernst Müller Henri Suhner Berthold Scheeser Horst Knoll Heinz Höfflin ltobert Hitz Pista Thut Max Kottmam Ubald Pahl, Dr. Max Blancpain Claude Lührmann Heinrich Käser Helmut Guttormsen Sigmund

Land Deutschland Deutschland Schweiz Deutschland Deutschland Schweiz Schweiz Sohweiz Deutschland Schweiz Rumänien Schweiz Deutschland Schweiz Schwsiz Schweiz Deutschland Schweiz Deutschland Schweiz Norwegen

Hochschule München Uni Freiburg i. Br. Zürich Uni Freiburg i. Br. München Uni Genf Bern Zürich ETH Genf Zürich ETH Zürich Uni Zürich Uni München TH Zürich ETH Zürich ETH Bern Freiburg i. Br. Genf München Uni Bern Zürich Uni

Zeit 5.28.4 6.09.8 6.13.8 6.20.8 6.31.2 6.32.8 6.47.0 6.47.2 6.54.6 7.04.6 7.23.8 7.24.8 7.39.2 7.39.6 7.42.8 7.43.6 7.51.4 7.51.6 8.01.4 8.08.2 8.09.0

99


, KLASSE 1. 17 -.

3.

I1 (5 Startende) 42 Brun Fred 1 Grimewald Heinz 4 Stein, Dr. Paul

Schweiz Deutschland Schweiz

Zürich ETH München Uni St. Gallen

SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN ABFAHRTSLAUF KLASSE I (33 Rang Start-Nr. 1. 24 2. 73 3. 75 4. 69 5. 58 6. 35 7. 39 8. 14 9. 50 10. 23 11. 37 12. 47 13. 55 14. 79 KLASSE I1 1. 42 2. 4 3. 93

Startende) Name Streifl Viktor Wiesinger Klaus Kaech Arnold Thommen Ernst Müller Henry Suhner Bertl Scheeser Horst Knoll Heinz Hitz Pista Thut Max Kottmann Ubald Blancpain Claude Käser Helmuth Guttormsen Sigrnund Brun Fred G. Stein, Dr. Paul Bühler, Dr. Ren6

, 10. AKADEMISCHE SKIWETTKÄMPFE ' ,

,

,

.,

.

<'

'r.'

Land Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Deutschland Schweiz Rumänien Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Norwegen

Hochschule Zürich Uni Genf Bern Zürich E T H Genf Zürich E T H Zürich Uni Zürich Uni Zürich E T H Zürich E T H Bern Genf Bern Zürich Uni

Schweiz Schweiz Schweiz

Zürich E T H St. Gallen

Zeit 6.13.8 6.32.8 6.47.0 6.47.2 6.54.6 7.04.6 7.23.8 7.24.8 7.39.6 7.42.8 7.43.6 7.51.6 8.08.2 8.09.0

ALLER LÄNDER

SLALOM (28 Startende) Rang St.-Nr. Name 1. 2 Vetter, Dr. R. 2. 3 Streiff V. 3. 4 Stober Fredy . 4. 9 Müller Henri 5. 19 Lührmann H. 6. 5 Mächler F. 7. 14 Hitz Pista 8. 1 Kraisy Xaver 9. 8 Thommen Ernst 10. 10 Suhner B. 11. 13 Höfflin R. 12. 18 Blancpain Cl.

Land Deutschland Schweiz Deutschland Deutschland Deutschland Deutschland Schweiz Deutschland Schweiz Schweiz Deutschland Schweiz

Hochschule Freiburg i. Br. Zürich Uni Freiburg i. Br. Genf München München Zürich ETH München Zürich E T H Zürich E T H München Genf

KLASSE I1 1. 34 Bühler, Dr. R. 2. 31 BrunF. 3. 33 Stein, Dr. P.

Sohweiz Schweiz Schweiz

Zürich E T H Zürich E T H St. Gallen

Lauf 11 56.8 60.4 60.0+6 61.4 64.8 61.2+6 68.2 61.2 70.6 65.8 64.2+6 70.0+6

Endzeit 117.6 125.0 125.2 130.6 131.4 135.0 137.0 138.8 139.6 141.2 141.8 144.0

Lauf 11 60.4 61.4 68.2 70.6 65.8 70.0+6

Endzeit 125.0 130.6 137.0 139.6 141.2 144.0

SCHWEIZERISCHE SKIHOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN SLALOM (19 Startende)

Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6.

St.-Nr. Name 3 StreiffV. 9 Müller H. 14 Hitz Pista 8 Tfiommen E. 10 SuhnerB. 18 Blancpain C.

Land Schweiz Deutschland Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz

Rochschule Zürich Uni Genf Zürich E T H Ziirich E T H Zürich E T H Genf

Lauf I 64.6 63.2+6 68.8 69.0 69.4+6 68.0


KLASSE I1 1. 34 Bühler, Dr. R. 2. 3 Brun F. 3. 33 Stein, Dr. P.

Schweiz Schweiz Schweiz

Zürich E T H Zürich E T H St. Gallen

65.8 72.2 68.0+6

69.2 78.2 71.0+6

SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN KOMBINATION ABFAHRT - SLALOM Rang 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

Name Streiff Viktor Müller Henri Thommen Ernst Wiesinger K l a u Suhner B. Käch Arnold Hitz Pista Scheeser Horst

KLASSE I1 1. Brun Fred 2. Bühler, Dr. Ren6 3. Stein, Dr. Paul

Land Schweiz Deutschland Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Rumänien

Hochschule Zürich Uni Genf Zurich E T H Genf Zürich ETH Bern Zürich ETH Zurich Uni

Schweiz Schweiz Schweiz

Zürich Uni Zurich St. Gallen

Abjahrtsnote 360.0 340.3 343.9 350.8 335.5 344.0 318.7 326.2

Slalomnote 360.0 354.7 346.1 338.4 344.6 324.0 348.6 336.1

Total 720.0 695.0 690.0 689.2 680.1 668.0 667.3 662.3

AKADEMISCHE SK~WETTKÄMPFE ALLER LANDER KOMBINATION LANGLAUF-SPRUNGLAUF Rang 1. 2. 3. 4.

Name Guttormson Sigmund Dehmel Fritz Pokorny Oldrich Kuriyama Tadashi

Rang Name 1. Guttormsen 2. Klavaness Dag 3. Hitz Pista

Land Norwegen Deutschland Tschechoslowakei Japan

Hochschule Zürich Uni München Uni Brno Uni Waseda Tokio

Langlauf 352.8 337.0 343.3 336.2

Sprung 328.0 309.6 273.7 276.5

Total 880.8 646.6 617.0 612.7

Land Norwegen Norwegen Schweiz

Hochschule Zürich Uni Neuenburg Uni Zürich E T H

Langlauf 352.8 292.2 315.7

Sprung 328.0 277.6 212.6

Total 880.8 569.8 528.3

10. AKADEMISCHE SKIWETTKÄMPFE

ALLER LÄNDER

SPRUNGLAUF (13 Startende) lang

Name

Land

Guttormsen S. Mächler F. Takeuchi M. Dehmel F. Klaveness D. Kuriyama T.

Norwegen Deutschland Japan Deutschland Norwegen Japan

Sprung I rn Zürich Uni 46 München 39,5 Tokio 41,5 München 42,5 Neuenburg 38 Tokio 36,5

KLASSE I1 1. Grünewald H.

Deutschland

München

1. 2. 3. 4. 5. 6.

Sprung 11 Sprung 111 Punktm rn zahl 48,5 48 328.0 46 47,5 318.9 45 44,5 310.3 45 45 309.6 39 41,5 277.6 39 38,5 276.5

10. SCHWEIZERISCHE HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN

SPRUNGLAUF Rang 1. 2. 3.

Name

Guttormsen S. Klaveness Dag Bußmann Walter

Hochschule

Zürich Uni Neuenburg Zürich E T H

Punktzahl

Rang

Name

328.0 277.6 246.1

4. 5. 6.

Mustad C. Hitz Pista Losinger Ir

Hochschule

Zürich ETH Zürich E T H Zürich E T H

Punktzahl 224.7 212.6 199.0


10. AKADEMISCHE SKIWETTKÄMPFE ALLER LÄNDER 10. SCHWEIZERISCHE SKI-HOCHSCHULMEISTERSCHAFTEN, WENGEN (9.-11.

Februar 1934)

STAFFELLAUF (7 startende Staffeln) II.

I . Hochschulen München : Rang 1. 2. 3. 4. 5.

Läufer Dr. Ziegler Kraisy Buechl Stütz1 Höfflin

Zeit 19.15.4 45.44.6 29.27.4 29.03.6 17.02.4

Total

Rang 1 2 1 5 i

Shimizu Henmi Kigoshi Kuriyama Yotsuya

Zeit 21.13.0 52.27.0 29.50.2 24.34.8 15.44.6

Total

Rang 5 4 3 1 I

2.23.49.6

I V . Universität Born I : 1. Albrecht 2. Steffen 3. Lindemann 4. Macheret 5. Kaech

19.45.6 45.06.4 29.34.4 31.19.6 18.04.2

Total

Läufer B6bi6 Knoll Guttormsen Ganßer Streiff

2.20.33.4

I I I . Hochschulen Tokio : 1. 2. 3. 4. 5.

Rang 1. 2. 3. 4. 5.

Universität Zürich :

21.12.6 50.27.4 31.20.0 26.52.0 16.53.4

Total

2.23.50.2

4 3 4 2 ?

2.26.45.4

MATCH DEUTSCHLAND-SCHWEIZ UM DEN P R E I S DER JUNGFRAUBAHN ABFAHRTSNOTEN FUR KOMBINATION

Deutschland : Name Kraisy Xaver Vetter, Dr. Robert Stober Fredy

Schweiz : Zeit 5.28.4 6.09.8 6.20.8

Note 360.0 337.3 331.2

1028.5

Name Streiff Viktor Kaech Arnold Suhner Berthold

Zeit 6.13.8 6.47.0 7.04.6

Note 335.1 316.8 307.1

959.0

Zeit 352.4 335.9 330.8

1019.1

SLALOM-NOTEN FÜR KOMBINATION

1. Deutschland :

2. Schweiz: Zeit 360.0 352.2 338.3

Name Dr. Vetter Stober Fredy Kraisy Xaver

1050.5

Name Streiff V . Suhner B. Thut Max

1. Deutschland :

2. Schweiz:

Abfahrt Slalom

Abfahrt Slalom

Anmerkung: Wir schlagen vor unsere Hauptrennen des Clubs, die ASAL, in Zukunft SAS-Rennen zu bezeichnen. Schriftleitung.

Sieger der Viererkombination und Gewinner des Preises der Jungfraubahn: Guttormsen Sigmund, Zürich Uni Schweizerischer Hochschulmeister im Fahren:

VIKTOR

STREIFF

UNIVERSITHT Z Ü R I C H

Schweizerischer Hochschulmeister im Laufen und Springen:

S. G U T T O R M S E N

UNIVERSITHTZ U R I C H

Schweizerischer Hochschulmeister im Staffellauf:

UNIVERSITHT ZURICH


Der Start am Slalom. Photo: H . Hubmann

D I E F I S - R E N N E N I N ST. M O R I T Z

15./17. F E B R U A R 1934

Von Heinz Schiller, St. Moritz Mürren - Cortina -Innsbruck; Schnee-tfberfluß- Schnee-Mangel- Regen; immer waren die FIS-Rennen von einem Schatten begleitet. Die St. Moritzer Sonne, das Wahrzeichen der FIS-Rennen 1934, hat auch diesen bezwungen und hat ein Fest beleuchtet und vergoldet, wie man es sich schöner nicht wünschen darf - so beginnt die technische Leitung des Schweizerischen Skiverbandes ihren offiziellen Bericht über die FIS-Rennen 1934 zu St. Moritz, den sie mit den Worten schließt: „St. Moritz hat mit der Durchführung der Rennen sich und unserem Lande Ehre gemacht, so daß jeder Teilnehmer mit den besten Eindrücken nach Hause zurückkehren konnte." Nach diesen Zitaten brauchen wir nicht umständlich zu erzählen, daß s t . Yoritz und sein Himmel alles daransetzten, um das Vertrauen zu rechtfertigen, mit dem der SSV die Durchführung der FIS-Abfahrts- und Slalom-Rennen1934 in die Hände des Ski-ClubAlpina St. Moritz, also des in der Organisation sportlicher Großveranstaltungen erfahrenen Kurortes St. Moritz legte. Ein gedruckt vorliegender Bericht des Organisations-Ausschusses der FIS- und S. C. Alpina-Rennen 1934 in St. Moritz vermittelt ein anschauliches Bild all der wichtigen Einzelheiten, deren harmonisches Zusammenspiel diese Rennen zu jenem Erfolg gestaltete, wie er in der Fach- und Tagespresse aller Lander gewürdigt wurde und in die Annalen des Skisports und des Sportzentrums St. Moritz eingegangen ist. 17 der 22 dem Internationalen Skiverband angeschlossenen Nationen hatten ihre Teilnahme an den inoffiziellenWeltmeisterschaftsläufen in der Abfahrt und irn Slalom zugesichert, von denen die folgenden 15 starteten: Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, Ungarn und die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Daß Ö~iterreichseine Meldung zufolge innerpolitischer Schwierigkeiten im letzten Augenblick zurückziehen mußte, wurde ehrlich bedauert und nicht nur von den St. Moritz ferngebliebenen Österreichern, sondern von der ganzen internationalen Skigemeinde als wirklich betrüblicher Zwischenfall empfunden. 44 Herren und 25 Damen stellten sich dem Starter, wobei Deutschland, England, Italien und die Schweiz mit vollzähligen Mannschaften (je 6 Herren und 6 Damen pro Land) anrückten und Frankreich eine sechsköpfige Herrenmannschaft stellte. Daß Norwegen und Schweden sich an den 1934er FIS-Abfahrts- und SlalomRennen - diesen von den Skandinaviern lange als illegitime Kinder nordischen Skilaufs verpönten modernen Ski-Disziplinen - aktiv vertreten ließen, freut uns, die wir uns die Förderung von Abfahrt und Slalom als eines unserer Hauptziele setzten, ganz besonders.

Das Abfahrtwennen. Nun hat St. Moritz auch seine „FIS-Strecke". Von dem mit jedem Stein und jeder Mulde des Corviglia-Skigebiets vertrauten Gemeindeprhsidenten C. Nater wurde sie angelegt - den größten Kanonen vielleicht eher zu wenig technische Schwierigkeiten bietend, aber von allen als raffiniert ausgeheckt und sehr schnell beurteilt. Wenn man bedenkt, daß die FIS-Abfahrtsstrecke auch für die Damen bestimmt war und zugibt, daß viele Konkurrenten dieser Kämpfe der Nationen niemals gleichwertige Trainingsmöglichkeiten in den von ihnen


C

4..

vertrzenen Ländern finden wie die Fahrer der Alpenländer, so scheint uns die Strecke trgfflia gewahlt worden zu sein, die gerade wegen ihres schussigen obern Teils in ihrem letzten, durch den Wald führenden Stück große Anforderungen an das durch lange Schußfahrten uber Schnee wechselnden Charakters bereits hinreichend geprüfte Standvermögen der Läufer stellte. Sie führte mit Start unterhalb des Gipfels Piz Nair Pitschen (2720m) über Alp GiopOber-Alpina nach Salet (St. Moritz Bad, 1789 m) über eine Distanz von 4408 m mit 73 Prozent maximalem und 21 Prozent durchschnittlichem Gefälle und 931 m Höhendifferenz. Eine mathematisch genau vorgenommene Ausmessung der Streckenlänge gestattete, erstmals bei einem Rennen solchen Ausmaßes die Durchschnittsgeschwindigkeit der Wettläufer mit peinlicher Exaktheit zu bestimmen, nachdem man sie sonst nur schätzungsweise ermitteln konnte. David Zogg durchraste die 4% Kilometer im Durchschnittstempo von 59.992 Stundenkilometern. Die Siegerin der Damen, Anny Rüegg, erreichte die immer noch höchst eindrucksvolle mittlere Geschwindigkeit von 46,872 Stundenkilometern, die jedoch von nicht weniger als zwei Dutzend männlichen Konkurrenten ,,untersaust" wurde. Beispiele, die uns erübrigen, von den erzielten Leistungen mit Bezug auf die erreichten Geschwindigkeiten zu sprechen. Doch vermochten die meisten Teilnehmer der diesjährigen FIS-Rennen auch von einer weitern Verbesserung der Fahrtechnik zu uberzengen, welchem Kriterium wir die primiire und größte Bedeutung beimessen müssen. Durch noch intensivere, systematische Schulung wird es der Zukunft bestimmt vorbehalten sein, dem Draufgängergeist mit vollendet ausgefeilter Technik verbindendem Schnee-Strategen noch größere Möglichkeiten zu g e w h e n als dies heute, angesichts der oft fast unglaublichen Spitzemesultate, geglaubt wird. Die ruckartigen Änderungen im Rangverhältnis der einzelnen Nationalmannschaften dürften diese Anschauung zur Genuge stützen. Prächtig war der Erfolg der Schweizer im Abfahrtsrennen, das vom ,,Ski-Klassiker" David Zogg - trotz einer sich während des Trainings zugezogenen Knieverletzung, die ihn zwang, fast während des ganzen Rennens sein Körpergewicht auf ein Bein zu verlegen - unter wahrlich erschwerten Umständen gewonnen wurde. Fünf der acht Erstplacierten fuhren im Zeichen des weißen Kreuzes im roten Feld! Den Schatten, den wir angesichts der Abwesenheit der österreichischen Abfahrtsspezialisten auf diesem großartigen Schweizer Erfolg zu sehen geneigt sind, darf sich wieder verflüchtigen, wenn wir uns daran erinnern, daß auch die Schweiz vier ihrer Besten nicht ins Feld schicken konnte: Walter Prager, Otto Furrer, Fritz Steuri und Nini von Arx-Zogg sind Namen, die wir im Ringen der Skivölker auf einer internationalen Nennungsliste nicht leicht ersetzen können. Wäre nicht Nini von Arx-Zogg im Verlaufe ihres St. Moritzer Trainings von noch größerem Pech verfolgt gewesen als ihr Bruder David, so hätte die Schweiz - nach Frau von Arxens Erfolgen am kurz vor den FIS-Rennen in Andermatt durchgeführten Schweizerischen Skirennen zu schließen -aller Wahrscheinlichkeit nach im Abfahrtsrennen nicht nur die Einzel-Sieger der Herren- und Damenklasse und die siegreiche Herren-Mannschaft gestellt, sondern auch im Mannschaftswettbewerb der Damen im Nationenklassement obenauf geschwungen.

Die moderne Sports-Arena: der vielbewndarte Pis-Slalom in St. Moritz. Photo: H . Hubnaann


'WBAaa&ndtsi z&gtW zum Teil ganz großartige Leistungen. Die merraschung des Tagw bildete der 19jhhrige

'

Deutggher Pwnz PfnUr? der weitaus beste Mann der vom &&terreicherAnfon Seelm auf &e hervorragend hohe Stufe gefiihrtsb. d e u h h m M-haft, die alrs solche wohl den stärkste^ Eindruck hinterließ und, wie andere ~~111h&heTeams, Zeugnis einer eingehenden Galändekenntnis ablegte. Wir dürfen hervorheben, daB die Schuveiz-haft in diwr Beziehung keineswegs bevorteilt war, da sie nur einem kurzen Training auf dem C o m ~ l l i oblag, n ~ mit denen außer Arthur Schlatter keiner unserer Fahrer (untef denen sich kein En@;adinwBefand) besonders v&raut war. ~ e r r ~ c h e ngut d schnitten die Italiener ab, die nicht weniger alra drei unter den vierzsh erstan Plätzen im Hwmnabfahrtsrennen belegten (Großbritannien zwei), whls um ao miahP h d h n will, BaEl die Eisglgnder bineewege enttausohten, wie unberuf- ' ~ f r ~ t izu h rurteilmmUssen glaubten. Alierdulg&ist zu bemerken, daB der erfolgreiche drittplacierte Italiener Ido Oattaneo in St. Moritz ~uIwn&, wo er h e n b noch Sklehrer wirkt.Auch die Franzwen fuhren gut und zeigten eine selten gleichmW%$e DAamiscBafWht~(25., 26., 27., 28. und 36. %). Eh Vergleioh der E m e n - und Da~aenrasultatespricht deutlir?h dafür, da0 man im Zeitalter des Eiportes von eidam ,,dwachen6*fhschlsoht nicht mehr reden darf, denn Schneid und Technik der weiblichen Teilnehmer wmea rneanliahen Leistungen relativ genommen zum mindesten ebenbürtig. Die deutschen und schwei@&~<Ihetl Damen fielen durch iare besonders hoch entwickelte Technik auf. I n der gleiahfalls erst 19jibhrigen Ghri&el HNlaa hat DeutsohLaad eine Vertraterin, die berufen ist, im Damenskiqort der kommenden Jahre eine fiihende Bellung ejnrmnshnaen. Der zweckmilßigen Anlage w d ,,Zubereitung" der mit fW Kon~olltorenbesetzten Abfahrtsstreoke (einige Bchnaebrette~ im alleroberstenTeil wurden gestampft und 200 Bäume a;uf der durch den Wald führenden Streoks @Ut)ist wwohlmverbken, daB al1eKonkurrent-m trotz teilweisephantastisch@Schnelligkeitendie 4 4/2 Kilometer durohjagtan,ohne daß die Hebel des vmbildlioh arganiaiertenSanitätsdiensksinBewegungzuwtzenwaren.

D* &wo%. W ~ n nsehon bei der Anlage der FII-Abfahrtaetrecke anes getan wurde, um sämtliohen T e h h m e r n eine gleich @mt+ weiße UiiMrlage zu bieten, so stampfte man für dgn Slalom eine ,,silbernea*Arena, wie siewohl noch k&um e h B i a l o ~ a n k u f i ~ nsah. z Zehn Tage lang waren Dutzende von Arbeitern damit beschäftigtt dieses @ c h n e e ~ k e zu t t putten, desi sich in unmittelbarar Nähe von Oorvigliahütte und -Bahn-Bergstation befmd und mit einer mehrere Fuß hohen Schneemauer umzäunt war, durch die eine mustergüitige Absperrung er&eh$ W & kannte. Zwei verschiedene Lilufe wurden durch denselben h o l d Lunn abg&eckt, der es 1928 mW&h der Olympisahed Wint@rr4]3iBle in St. Moritz vefstund, den Disziplinen Abfahrt und Slalom auch im R h e n der FIB.Wettk&mpie Geltung 5u versohaffen. Dm Damen-Slalom fühpts durch 16 Tore und bat fint&e&i wtaügsr Bchwierigkeiten ds der sich durch 20 lietig aweklügelte Tore windende Herren-Sldom die Spur eines mit allen Schlichen vertrauten Ski-Fuchses!

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Prächtig wirkte sioh Anton Seelos' technische Erziehung der deutschen Mannschaft im Slalom aus, wo sich besonders die Damen durch gleichmäßige, äußerst ansprechende Leistungen auszeichneten. I n wenigen Jahren schwangen sich die vor kurzem in internationalen Skiwettkämpfen noch gar keine besondere Figur machenden deutschen Fahrerinnen an die Spitze der Abfahrts- und Slalomläuferinnen.Vier der fünf ersten Damen Deutsche, die erste Engländerin an siebter Stelle sind Resultate, in denen sioh eine fast unglaubliche Entwicklung der deutschen Lauferinnen widerspiegelt. Mit fieberhafter Spannung sah man dem Ausgang des Herren-Slaloms entgegen, den Anton Seelos - außer Konkurrenz - in der Zeit von 53,5 Sekunden in klassischem Stil vorlief. Als erster Konkurrent - es wurde in der Reihenfolge des Abfahrts-Klassements gestartet - durchflitzte David Zogg in 55 Sekunden die Strecke, gefolgt von seinem aussichtsreichen Rivalen Franz Pfnür, der im ersten Lauf, wie Zogg, eine gewisse Vorsicht beobachtete, denn beide waren sich voll bewußt, was auf dem Spiele stand. Er brauchte noch eine ZehntelsSekunde mehr wie unser ,,Vitter". I n Zeiten, die Zoggs Resultate um eine Sekunde uberschritten, folgten Willi Steuri (Schweiz),Dr. Vetter (Deutschland), C. S. Hudson (Großbritannien), Heinz von Allmen (Schweiz)und Arthur Schlatter (Schweiz). Ein Mannschaftssieg der Schweizer schien sicher zu sein, doch steigerte sich die Spannung auf das beste Einzelresultat ins Unbeschreibliche. Wieder schoß Zogg los. Noch sicherer absolvierte er den Parcours, aber auch 7 kostbare Zehntelssekunden mehr benotigte er im Vergleich zum ersten Lauf. Dann kam Pfnür. Mit augenfällig höherer Geschwindigkeit fegte er dahin - ein rasender Schatten seines Lehrmeisters Anton Seelos - nicht eine halbe Sekunde hinter dessen hors concours-Resultat zurückstehend und David Zogg um beinahe 2 Sekunden uberflügelnd. Schnell genug, um im Slalom glänzend zu siegen, aber doch noch zu langsam, um Zogg auch die Siegespalme in der Kombination Abfahrt-Slalom zu entreißen. Neben der siegreichen Schweizer- und zweitplacierten deutschen Mannschaft, deren im Abfahrtsrennen nicht vom Gluck begünstigter Favorit Dr. Vetter im Slalom einen seinem Können entsprechenden Erfolg erzielte, zeichneten sich auch die britischen Läufer durch einen ausgeprägten Team-Stil aus. Im großen ganzen vermochten die 1934er FIS-Rennen von einem hohen Stand des alpinen Skisportes zu überzeugen, dessen Spitzenleistungen um so größere Bedeutung haben, als es sich nicht um außergewohnliche, einmalige Erfolge, sondern um Gradmesser der allgemeinen Evolution im Skisport handelt, was ein Blick auf die dichte Rangfolge zur Genuge beweist. Aber auch, daß man sportliche Erfolge - wenn man sportlich, d. h. fair urteilen will - nie absolut werten, sondern stets relativ, unter eingehender Berücksichtigung der verschiedenen Umstände und Verhältnisse, mit denen die einzelnen Konkurrenten rechnen miissen, beurteilen soll, ist uns im Verlauf dieser Wettkämpfe wieder einmal eindringlich zum Bewußtsein gekommen, zur Ehre aller nicht im Alpenland lebenden Teilnehmer und hoffentlich auch zur Lehre fur Kritiker, welche sioh durch Urteile bloßstellten, die sie vielleicht ein nächstes Mal bei gleicher Sachkenntnis - wir meinen Ignoranz nicht mehr fällen werden. Daß St. Moritz den mehr gesellschaftlichen Teil der Rennen mit derselben auf reichen Erfahrungen beruhenden Routine organisierte wie den eigentlich renn-technischeil, versteht sich von selbst. Ein offizieller Empfang aller Teilnehmer und Pressevertreter fand, nach glücklich überstandenen Rennstrapazen, im Grandhotel statt, währenddem das Bankett die Offiziellen und Pressevertreter im Palace-Hotel zu Stunden angeregten Beisammenseins vereinigte. Die Preisverteilung auf dem Olympischen Stadion im herrlichen blau-weiß-goldenen Rahmen eines wolkenlosen Engadiner Wintertages - bildete den eindrucksvollen Abschluß dieser wirklich restlos gelungenen FIS-Rennen in St. Moritz.

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Bkss 8 & - C M At@m St. Xw%tz, 116. bak 10. F e b r w 1934.

mit den FIS-Rennen wurden vam 16. bis 20. Februar vom St. Moritzer Ski-Club dpina - zuErtammen mit dmn SAS - das I& durohpfuhrt. Der van Gemeindepräsident C. Nater und Wal& Bußmann mhr 8 Kilometer Langbuf der Senioren wurde vom Lausanner Max &ueiwirth vor dem wie sehe g e i h (%ef&hTten einen bemerkemwert guten Lmglaufstid zeigenden Japanec Riniohi Shirnizu gewoqaa, &W eeisimeeite den Schweden E& Hedberg über 7 Minuten hinter sich liegen lie9! Den Si% im oren erlief sich Willy B e m t h (La Chau-&-Fonds) überlegen. dsnkbw besten Wittmmga- und Schneeverhkiltnissen auf der mustergültig statt und bmhte dem St. Moritzer Reto Badrutt einaui p n a gr~ß~brtigBn Ig, dar arioh At drai wundervoll geehndenen Sprüngen vor den Norwegern Sigmund Ruud, & n d ~ n d und $ i g m d G u t t o an ~ der Spitze einer aneehnlichen Schar international b e h t i e r Springer 8n he0nn.t~. X&&&&n P p o die ~ k~ l h Japaner auch M Springen, deten wster* Takeuohi, E$& pi.omulmtm 8pingergrOBen den 6. Platz errang. %W 5 E.ibm&m-laai& starteten neben vier Engläindern und elf Bchweizezn auch die den FIB-Rennen fernf;& Ö~eemeicher,dia in der Kheie mit Spezialaus~stungihre letztjghrigs ttberlegenheit zu behaupten warl3trrn; doch pimg 6s ninht, den 1032 von Leo Gaq6rl aufgesteiiten Rekord von 136,3 Stunden$iiometern igl untan d0 m Tdet4rok zu brechen. Den Bewejs verblüffender Standsichmheit erbrachte der St. Moritzer ohen Touremkis den steilen H a g hinuntercilohoß. BwondePaAnsrkennung crhns d e geübte Springer mit soloh stotzigen stemeichern endlich GelegeIlkmt, ihr h e m r -

e h Imigkuf, eine B m h m e n z , ein offenea Abftxhr@renngnund

so kommen wk zum SchluQ,daß die Schneeden EFfolg so@w Veranstaltungen d 0 d e n rtucisohlaggebend sind, &B ihr dork min sollte, wo die gröBtsn naturlichen Y m u ~ ~ h u n g einer e n ge.o*isrcen wo man - nicht mifWigerw& auch über jahrzehntealte Erfahrung &hm4&hrq sportlidxw C k o I J v e r ~ ~ t u n g everfügt. n

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RESULTATE D E R F I S - R E N N E N vom 15.117. Febmw 1Bik4 Herren-Abfahrt

Rang Zogg Damid 1. Pfnür Franz 2. 3 a. von Allmen Heinz 3 b. Cattaneao Ido 4, Lacedelli knrico Schlatter Arthur 6. Graf Kar1 7. Führer Beni 8. Wörndle Roman 9. 10. Clyde Bill Steury Willy 11. 12. Robinson Peter B. Lunn Peter 13. Menardi Severino 14. 15. Dbuber Friedl. 16. Bader Anton Kraisy Xaver 17. Meckintosh C. E. W. 18. Ruud Sigmund 19. Hudßon, C. S. 20. Vetter, Dr. Robert 21. Riddell James 22. Prinz de OrlSam-Bourbon Alvaro 23. Bushel1 R. J. 24. 25. Vignoles Francois Tournier Andre 26. All& EmiIe 27. Jamet Andre 28. 29. Read Normann 30. Dimai Renato

Load Schweiz Deutschlad Schweiz Italien Italien Schweiz Schweiz Sohwein Deutschland Großbritannien Schweiz Canada Großbritannien Italj, Deutschland Deutschland Deutsahlaad Großbritannien Norwegen GraBbritanni~n Deirtsohland Großbritannien Spanien Großbritannien Frankreich Frankreich Frankreich Frankmich Ameriga Italien

Damen-Abfahrt

Ras$ 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Anny Ruegg Chnstel Enmz L* Reeoh Durell Sde-Barkm Jeannette Reßler Rösli Streiff Ruth Grumdlm

Land Schweiz Deutschland Deutschland Großbritamieti Großbritamien Schweiz DeutScWd

Start-Nr. 28 41 18 26 40 36 5 42 27 24 47 10 32 34 46 17 35 44 9 13

Y, 49 29 38 21 37 48 31 7 1


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Prinz Alvaro de OrUans-Bourbon, Spanien. Photo: Dr. W . Alrastutz

Deubchhnd Bohweiz EMaw~iz Deu~chla;nd Italien Grolabri~Bn Deutmhland 0%Schweiz Behweia. c k Holland

&faansohrtftswettbewerb d e r H e r r e n in der A b f a h r t

2. Deutmhirind

F. Pfniir R. Wรถrndle F. Dsuher A. Bader X, Kraiay

8. GmBbritsmaien B. Ciyde P. Lunn C. E. W. M~ckmtosh C. B, H u h n J. Riddell

I

M a n n & o h e f t ~ w e t t b e w e x bd e r Damen i n d e r A b f a h r t

1. Deutschland

2. Schweiz

Chs. Clt2.w L. Reaaa B. Gnieridlsr L. Be;&& X. r

A. Ruegg R. StreifT E. Maillart R. Rominger M. Bertsch 4. Italien

P. Wiesinger 7.00.0 0. Gadda 9.05.4 L. Gadda 9.26.3 L. Bortolini 11.22.4 E. Schott (nicht durchs Ziel) 14.00.0

50.54.1


L ?:':-.'

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D a m e n - Slalom Rang 1. Christel Kranz 2. Lisa Resch 3. Rösli Rominger 4. Ilse Adolph 5 a. Kathe Grasegger 5 b. Paola Wiesinger 7. D. Sale-Barker 8. Rosli Streiff 9. Jeannette Keßler 10. Di Crewdson 11. Ella Maillart 12. Lois Butler 13. Ruth Gruendler 14. Elvira Osirnig 15. Lotte Baader

Land Deutschland Deutschland Schweiz Deutschland Deutschland Italien Großbritannien Schweiz Großbritannien Großbritannien Schweiz Großbritannien Deutschland Schweiz Deutschland

Start-Nr. 2 3 10 14 11 12 4 6 5 20 9 13 7 17 8

LaufI 58.5 59.3 58.6 61.6 61.5 61.8 60.3 63.8 60.4 63.6 64.9 64.7 66.3 65.4 67.0

Lauf I 1 58.5 58.2 61.0 58.7 60.4 60.1 61.8 59.7 65.1 62.2 61.3 62.7 62.1 64.3 65.7

R E S U L T A T E d e r S k i - C l u b A l p i n a - R e n n e n vom 16.120. F e b r u a r 1 9 3 4 Langlauf : 18 km Senioren - 634 km Junioren Rang 1. Bernath Willy 2. Martinucci Renzo 3. Paterlini Wilhelm 1 Startender: Senioren I1 1. Sandhafer Ricco 7 Startende: Senioren I 1. Hauswirth Max 2. Shimizu Rinichi 3. Hedberg Einar

-

7 Startende: Junioren Start-Nr. La Chaux-de-Fonds St. Moritz 3 Lenzerheide 4

Zeit 36.02 40.59 42.55

NSC Zürich Lausanne Japan Schweden

K o m b i n a t i o n des A b f a h r t s - u n d Slalomrennens, Damen Rang

Fahrerin Christel Kranz Lisa Rech Anny Ruegg Durell Sale-Barker Janette Keßler Rösli Rominger Rösli Streiff Käthe Grasegger Ruth Gruendler Ella Maillart Paola Wiesinger Ilse Adolph

Land Deutschland Deutschland Schweiz Großbritannien Großbritannien Schweiz Schweiz Deutschland Deutschland Schweiz Italien Deutschland

Abfahrt 99.24 98.08 100.00 89.65 89.46 83.79 86.58 83.74 85.60 83.95 80.48 79.12

iVoten : Slalom 100.00 99.58 85.65 95.82 93.23 97.83 94.74 95.98 91.12 92.71 95.98 97.26

Käthe &cssegger, DeutseUand. Photo :B. Rkbioke

Komb. 199.24 197.66 185.65 185.47 182.69 181.62 181.32 179.72 176.72 176.66 176.46 176.38


Chrietel Crana, Deutschland. Photo: H . Gwny Die Kombinationsshger

David Zogg, Schweiz

H e r r e n - Slalom

Rang

15.

Pfnür Franz Zogg David Steuri Willi Vetter, Dr. Robert Hudson C. S. von Allmen Heinz Schlatter Arthur Führer Beni Lunn Peter Bader Anton Bushel1 R. J. Riddell James Clyde Bill Däuber Friedl

Deutschland Schweiz Schweiz Deutschland Großbritannien Schweiz Schweiz Schweiz Großbritannien Deutschland Großbritannien Großbritannien Großbritannien Deutschland

Tournier Andre

Frankreich

E W Gras Au%h Gruenidlar

55.8 56.8

0 5%

Einzelzeit Lauf I Lauf 11 55.1 55.0 56.0 56.0 55.9 55.9 55.6 58.8 58.0 59.4 58.1 59.1 57.5 55.8 69.2

2. Schweiz

1. Deuttrahlmd Chfistel KrLiss Resch Ilse Adalph

Strafpunkte

Zeit

Fahrer

1.57.0 1.57.5 2.00.3 2.01.B 2.08.4

'

10.05.1

Rösli Rominger Riisli Streiff Ella Maillart Elvira OsIrnig Margrit Bertsch

53.9 55.7 54.9 56.1 57.1 57.3 57.9 55.5 56.6 55.3 57.7 57.0 59.2 1.02.3 59.4

Totalmit 1.49.0 1.60.7 1.50.9 1.52.1 1.53.0 1.63.2 1.53.6 1.54.3 1.54.6 1.54.7 1.55.8 1.56.1 1.56.7


K o m b i n a t i o n des A b f a h r t s - u n d Slalomrennens -

Rang

Fahrer

Land Komb.

Liinderklassement H e r r e n

-

Slalom

2. Deutschland

1. Schweiz: Zogg David Steury Willy von Allmen Heinz Schlatter Arthur Führer Beni

1.50.7 1.50.9 1.53.2 1.53.5 1.54.3

9.22.6

Pfnür Franz Vetter,, Dr. Robert Baader Anton Däuber Friedl Kraisy Xaver

1.49.0 1.52.1 1.54.7 1.58.1 2.01.6

9.35.5

4. Frankreich

3. Großbritannien Hudson C. S. Lunn Peter Bushel1 R. J. Riddell James 7lyde Bill

198.47 197.23 187.61 186.19 186.13 184.55 182.35 181.99 180.53 180.34 179.86 177.83 177.79 176.51 175.94

Schweiz Deutschland Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Großbritannien Großbritannien Deutschland Deutschland Großbritannien Deutschland Schweiz Großbritannien Großbritannien

Zogg David Pfnür Franz von Allmen Heinz Schlatter Arthur Steury Willy Führer Beni Clyde Bill Lunn Peter Dr. Vetter Robert Baader Anton Hudson C. S. Däuber Friedl Graf Kar1 Riddell James Bushell R. J.

1.53.0 1.51.6 1.55.8 1.56.1 1.56.7

9.36.2

Tournier Andre Vignoles Francois Jamet Andre Allais Emile Beckert Ren6

1.58.6 2.01.1 . 2.13.7 2.15.3 2.22.9

10.51.6

i. Italien

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Photo: ~ i e b i c k eund ~ i e d e c k e n

Der Slalotfiler. Photo: C . Brandt, Arosa


I

L. GasperZ 6m Kilometer-laned mit Stromlinienski. Photo : L. Riibelt

Sprung Junioren :

1. Wilhelm Paterlini 2. Weber Karl 3. Pargätzi Jakob

S. C. Lenzerheide S. C. Alpina St. Moritz S. C. Ebnat-Kappe1

Spunglänge

Note

54, 61, 62 45, 52, 52 52, 60, 66

319.70 278.60 266.60

Senioren 11:

1. 2. 3.

Bußmann Walter Rominger E. Baggenstoß Jakob

SAS Zürich S. C. Biel S. C. Einsiedeln

Senioren I :

.

1. Badrutt Reto S. C. Alpina St. Moritz 2. Ruud Sigmund Norwegen 3. Sörenaen Randrnond Norwegen 4. Guttormsen Sigmund SAS Zürich Spezialpreis für den schönsten Sprung Sigmund Ruud, Note 116.60 Außer Konkurrenz: Sigmund Ruud 72 m, neuer Rekord der Olympiaschanze

5. K i l o m e t e r - l a n c 6 1. Klasse mit Spezicckcusrüstung 1.

Gasperl Leo Österreich Gmperl Leo (ohne Stromlinienkörper) Österreich 2. Kiingler Joseph Östereich 3. Huber Fritz 2. Klasse mit S p u n g s k i

Vuiltiar P. Ruud Siglaund 3. Reymond Franqis 4. Nöbl Hans 5. Schlumpf Karl 1.

2.

Schweiz Norwegen Schweiz Österreich Schweiz

Kilometer Rennstrecke

Stunde Maximal

129.263 (128.801) 127.659 126.715

135.849 (134.228) 134.932 132.743


TAGEBUCH DER F I S R E N N E N 1934 I N SOLLEFTEA --

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'-. Von Baron P . Le Fort, Garmisch-Partenkirchen

S o l l e f t e a , d e n 21. F e b r u a r 1934. Da war man nun in der Schweiz, in St. Moritz, wo sich eben gerade der erste Abschnitt der Fisrennen in Abfahrt und Slalom reibungslos mit viel Sonne und ebenso viel Schnee abgewickelt hat. Dann hieß es, fast 3000 km nach Norden reisen, um der Spiele zweiten Teil mitzuerleben; denn Solleftea liegt mehr als eine ganze Tagesfahrt nördlich von Stockholm. Und die tfberraschung des Ganzen: I n der Schweiz und in Deutschlands hohen Bergen hat es viel Schnee, genug überall, um jede skisportliche Konkurrenz mit Anstand durchzuführen und hier ist alles blank und rauh. Die vielen Seen sind zugefroren, so daß der Nationalsport der Schweden, das Bandy frisch gespielt werden kann. Aber skilaufen? Unsere Gesichter wurden immer länger, als wir gen Norden brausten, in eifrige Debatten verstrickt mit Arnold Lunn über Slalom und Abfahrt und seine Rechenmethoden. Wenn es unterwegs auch hin und wieder einmal leicht schneite, eine zusammenhängende weiße Decke sah man nirgends. Auch in Solleftea fielen erst gestern und heute Nacht noch einmal in letzter Minute wenige Flocken, um das Ganze zu überzuckern und dem Fest den richtigen Anstrich zu geben. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die Spur des 18 km Langlaufes, mit dem heute begonnen wird, verlegt werden mußte. Alle Teilnehmer wurden mit Sonderzug nach Graningen gebracht, wo Start und Ziel liegen. ,,Eisig und blank" sagten unsere Läufer, die gestern früh mit dem Autobus dorthin fuhren, um die Verhältnisse einigermaßen kennen zu lernen. Nachdem die Nordländer sämtlich dicht beim Ort und in der Nähe der Sprungschanze untergebracht sind, liegt das Quartier der Deutschen und Österreicher weit außerhalb des Ortes. Etwas sonderbar! Man hat sich allmählich an die primitiven Verhältnisse hier gewöhnt. Solleftea ist ja kein Winter., sportort in unserem Sinn. Doch die Verpflegung ist ausgezeichnet und alles andere klappt gut. " 2 , . . Gestern wurde zur Abwechslung gesprungen. Nur schade, daß kein weiterer Trainingshügel in der Wä%e ist:": Alles muß immer a n der großen Konkurrenz-Schanze, dem wunderschönen ,,Hallstadbakken" springen, der durch die Verhältnisse der letzten Wochen auch nicht besser wurde. Die Norweger sind mit einem stattlichen Aufgebot von 35 Mann hier. Leider stürzte ihr ausgezeichneter junger Springer Beck gestern ziemlich schwer, so daß es fraglich ist, ob er am Sonntag wird mitmachen können. Die Tschechen fehlen ganz, ebenso die Italiener und die gemeldeten Japaner. Dagegen sind außerdem selbstverständlich zahlreich vertreten Schweden, die Deutschen, die Schweizer, die Österreicher und Polen am Platz.

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S o l l e f t e a , d e n 22. F e b r u a r 1934. Wahrlich eine phantastische, ganz gewaltige Leistung - ein „Volltreffer", wie gestern nachmittag die schwedischen Zeitungen in großen Schlagzeilen schrieben: Die gesamte Elite Skandinaviens so überlegen in dem 18 km Langlauf, mit dem gestern die großen FIS-Rennen hier begonnen wurden, abzuhängen! Drei Finnen a n der Spitze: Nurmela, Saarinen, Lappalainen - nein, noch mehr: unter den ersten zehn Placierten, gleich sechs dieser urkräftigen Burschen. Sechs Finnen, drei Schweden und ein Norweger, nur ein einziger Norweger! Da weiß jeder, nicht nur der Eingeweihte, was das bedeutet für einen Schweden oder Norweger, die mit den Besten ihres Landes am Start erschienen waren. Mehr als 60 blonde, große Schweden, in ihren weißen Anzügen und fast 50 Norweger, die unter allen Umständen gewinnen wollten, die siegesgewiß und stolz in dieses große, schwere Rennen gingen, und - so vernichtend geschlagen wurden! Da wurden die Gesichter der Tausende, die am Ziol in Grannings standen, und steif und fest auf einen Erfolg der Ihrigengehofft hatten, immer länger, da wurde die kleine norwegische Gemeinde immer stiller, die ,,Heijas, Heijas", mit denen zu Anfang am Start und dann über die ganze Strecke fast jeder aufgemuntert wurde, blieben fast ganz aus und alles starrte nur unentwegt auf die Zeittafel, auf der nicht mehr auslöschbar die drei Finnen standen mit ihren fabelhaften Zeiten. Finnlands größter Skisieg seit Jahrzehnten ist, wurde gestern im Angermanland gewonnen. Es sei zugegeben, daß die Loipe, die als Ersatz für den ursprünglich geplanten, aber wegen der Schneelosigkeit nicht durchführbaren Lauf gewählt worden war, für die Finnen in ihrer grundsätzlichen Anlage sozusagen ein gefundenes Fressen war. Denn flach und zackig, aber ohne nennenswerte Steigung und Gefälle hatte man eine Spur zusammengestellt, die alles andere als ideal war. Es ist auch Tatsache, daß sich die Norweger sämtlich verwachst hatten. Ihre Skier waren zu glatt und für das viele Eis und mehr noch, für den körnigen, groben Schnee nicht geeignet präpariert,. Daß vielleicht auch die finnischen Jungens in ihrer Auslosung Glück gehabt haben, mag zugegeben werden, als Nurmela, Saarinen, Lappalainen und Liikanen nur mit kurzen Abständen hintereinander starteten und sich dann jagen und treiben durften. Doch die Tatsache bleibt immer bestehen: Finnland siegte ganz groß. Und diesen Erfolg soll man den bescheidener1 Burschen gönnen, die still und harmlos, als ob gar nichts geschehen sei, nach dem Lauf verschwanden, die sich nicht mehr sehen ließen, deren ausgezeichneter Führer Palmros dann nachmittags ruhig beim 13. Skikongreß saß, als ob alles die größte Selbstverständlichkeit der Welt sei. Die mitteleuropäischen Läufer haben tapfer gekämpft. Sie standen auf verlorenem Posten gegen diese Macht, gegen diese Tradition, die gestern so klar und deutlich allen Mitteleuropäern bewies, daß es noch ein weiter


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Weg ist bis . Deutschland hatte neun Mann im Rennen, in der Hauptsache Nachwuchs, der lernen und sehen, der erst einmal feststellen und am eigenen Leibe in der Höhle des Löwen verspüren sollte, was Laufen überhaupt heißt; daß das alles, was wir zuhause Bestleistung nennen, ein Pappenstiel ist gegen das, was diese Norweger und Schweden und vor allem die Finnen können. Da riß beispielsweise der junge Schreiner Augen und Ohren auf, als er mit ganz guter Zeit im Ziel eintraf und feststellen mußte, wie niedrig die Bestzeit Nurmelas war. In seiner kurzen Laufbahn als Langläufer war er bisher noch nie überholt worden, und gestern, da mußte er wiederholt ails der Spur, wenn ein Vestad oder sonst wer von diesen flinken Kerls dahergeflitzt kam. Trotzdem darf ich als Führer der deutsohen Mannschaft zufrieden sein. Ich brauche nicht zu klagen, Deutschlands Läufer sind doch immer noch die besten Mitteleuropäer. Aber immerhin darf man nicht übersehen: Der beste Mitteleuropäer, ein Deutscher, liegt auf dem 54. Platz in der allgemeinen Reihung! Wenn man die Ergebnisliste noch genauer studiert, so kann man feststellen, daß unter den ersten 50 nur etwa 8 Kombinierte liegen, und diese 8 Jungens stammen sämtlich aus Norwegen, wodurch einwandfrei bewiesen ist, daß die Vormachtstellung Norwegens trotz dem gestrigen großen Finnensieg keineswegs vernichtet ist. Denn trotz der fortlaufenden Spezialisierung im Laufen und Springen bleibt die Krone immer noch in der Kombination. Und hier ist Norwegen ganz groß und stark. Gegen diese 8 Kerle aus Oslo, aus Lillehammer usw. scheint es, werden auch die Schweden nicht viel ausrichten können. Solleftea, den 2 3 . F e b r u a r 1 9 3 4 . Als man gestern zum Hallstad-Bakken hinauspilgerte, hatten das Schneetreiben und der kalte Wind fast vollkommen aufgehört. Mächtig und imposant stand der Sprunghügel da, der eigens für die Ski-Wettbewerbe der FIS 1934 mit ungeheuren Mitteln erbaut worden ist. Interessant dies besonders deshalb, weil tags zuvor in der Sitzung des Ski-Kongresseseine sogenannte kleine Anfrage sich mit dem Bau von Großschanzen befaßt hatte und hier besonders von den Nordländern die Meinung vertreten wurde, daß man unter allen Umständen sparsani sein müsw in der Anlage von Schanzen, die größere Weiten zulassen. Nun - in diesem Fall ist man auch in Schweden wenig sparsam gewesen, denn ungeheuer wuchtig reckt sich hier am Berghang ein Sprungstadion auf, wunderbar in seiner Gestaltung und - gar nicht so klein, wenn man bedenkt, daß Weitentafeln bis auf 80 m ausgesteckt waren! Diese Weiten scheinen wohl selbst den Eingeborenen etwas illusorisch gewesen zu sein. Aber immerhin, es wurden fast 70 m bei der Konkurrenz erreicht. Man sieht also, auch in den Nordländern wird daa, was am grünen Tisch beschlossen wird, nicht immer in der Praxis so genau genommen. Als dann pünktlich um 13 Uhr die Konkurrenz begann, um den Kombinationssieger festzustellen, also den inoffiziellen Weltmeister im zusammengesetztenLauf von Sprung- und Langlauf, war fernerhin die Feststellung interessant, daß das Springen in Schweden viel weniger Volkssache ist als das Laufen. Der Besuch war längst nicht so stark wie beim Langlauf über 18 km, wo auf der ganzen Spur die Zuschauer verteilt standen und die ,,HeijasN aus jedem Busch und Winkel ertönten. Warm wurden die über die ganze Anlage verteilten etwa 6000 Zuschauer nur, wenn ein Schwede sprang. Erwartungsgemäß setzten sich die Norweger wieder durch und holten ein, nachdem tags zuvor viel verloren gegangen war von ihrem Nimbus. Die Vberraschung des Tages waren die Finnen. Die jungen Springer aus Suomi waren vorbildlich, fabelhaft im Absprung und Aufsprung. Noch etwas Routine und Norwegens Vormachtstellung wird auch im Kombinationslauf ernstlich bedroht sein. Die jungen Finnen springen noch ohne Kopf, aber so schön, daß man ehrlioh begeistert sein kann.Und doch letzten Endes verfügen die Norweger noch immer über das gewaltigste und beste Material in dieser Richtung, wenn auch im vorliegenden Fall zu beachten ist, daß Hagen, Vinjarengen, Stenen und Kolterud, alte Kanonen sind. Und doch gibt es deren viele und immer wieder schieben sich neue nach, so daß getrost einmal der eine oder andere ausfallen kann. Vorläufig wird Norwegen noch triumphieren. Von den Mitteleuropäerri gefielen außer den Spezialspringern, die außer Konkurrenz vorausspringen durften (Kar1Dietl, Marcel Reymond und Alf Andersen) um den Anlauf zu bestimmen, der Partenkirohener Eisgruber, der ruhig und gut 54 m sprang. I n der Wertung steht er an 9. Stelle. Der beste deutsche Läufer Willi Bogner verdarb sich jede Chance durch Sturz, ebenso Alfred Stoll, der in alte Fehler verfiel, dann aber beim zweiten Mal als Ausgleich mit 64 m einen der weitesten Sprünge sehr gut stand. Ganz ausgezeichnet die Polen, von denen St. Marusarz und Czech gut gefielen. Solleftea, den 2 4 . F e b r u a r 1 9 3 4 . Das hätte niemand von Deutschland erwartet, daß es beim Staffellauf über 4 X 10 km den zweiten Platz belegen würde, hinter Finnland und vor Schweden, Norwegen und Polen. Man konnte es gar nicht fassen und begreifen, und immer wieder sah man sich den Schlußmann der deutschen Staffel, den langen Herbert Leupold an, als er im Ziel stand und keine der anderen Nationen bisher eingetroffen war. Wie es kam? Des Rätsels Lösung: Hagen und Haegblad haben sich wie die Teufel gejagt, sind sturm und blind in eine falsohe Spur geraten, bis sie nach etwa drei Kilometern den Fehler bemerkten, wieder umkehrten und dann den richtigen, ausgeflaggten Weg weitergingen. Währenddessenhatte der Deutsche passiert. Beinahe wäre auch ihm ein Fehler unterlaufen, als in sportlich vorbildlicher Weise ihn ein auf der Strecke stehender Norweger Arne Hovde, wieder auf die Spur wies.


Solleftea, den 2 5 . F e b r u a r 1 9 3 4 . Es war sehr schade, daß der Spezialsprunglauf dem großen und schönen Hallstad-Bakkeii,mit den1 die FISRennen des Jahres 1934 heute ihren Höhepunkt erreichten, bei der Bombenbesetzung nicht unter den Bedingungen und Voraussetzungen durchgeführt wurde, wie man es erwartet und erhofft hatte und wie es hätte verlangt werden können. Die Organisation klappte nur mangelhaft. Einmal war zunächst unbegreiflicherweise in letzter Minute der Schanzentisch um beinahe 15 cm niedriger gemacht worden, was den meisten Springern gar nicht behagte; dann streute man zu allem Überfluß auf den tags zuvor noch eisigen Ablauf Salz, um aufzutauen, wes bei dem eingetretenen warmen Wetter ebenso falsch war. Dem nun erfolgte der Anlauf durch eine vollkommen verwässerte Spur, die jegliche Sicherheit nahm. Es wurde später auch nicht besser, als man wieder nassen Schnee hineinwarf, ohne ihn irgendwie festzutreten. Planlos tanzten die Skier auf den letzten Metern vor dem Absprung nach rechts und links und nahmen jegliche Sicherheit. Unerklärlich blieb, warum das Kampfgericht heute nicht den vollen Anlauf gegeben hatte, nachdem Hellmuth Lantschner bei seinen drei Probesprüngen bewies, daß es ging. So fing die ganze Geschichte recht trostlos an. Birger Ruud, der mit Nr. 3 sprang, glückten nur 42 m, dem Schweizer Kaufmann gleichfalls, Reidar Andersen 46 m, trotz seines enorm wuchtigen Satzes. Der ausgezeichnete Schwede Erikson flog auch nicht weiter. Erst der Deutsche Hanns Ostler roch den Braten. Er fuhr links eine neue Spur und schaffte mit diesem Trick schon 47 m. Es wurde jetzt etwas besser, als die anderen ihm dies nachmachten. Der Norweger Johanson erreichte dann 51 m. Auch Stoll-Deutschland und die beiden Norweger Hovde und Vinjarengen sprangen über die 50 m Tafeln. Aber die anderen - und unter ihnen wohl das Beste, was die Welt an Springern aufweist - hoppelten in den Vierzigern herum, also Weiten, die für diesen großen Hugel durchaus unbefriedigend sind und keineswegs das richtige Können zum Ausdruck brachten. Beim zweiten Mal wurde dann der volle Anlauf freigegeben. Jetzt sah schon alles erheblich besser aus. Doch die Stimmung war einmal genommen, den Springern wie den Zuschauern, die in riesiger Menge das Stadion rings umsäumten. Es mögen sicherlich mehr als 20 000 gewesen sein, die aus allen Teilen Schwedens in Sonderzügen herbeigeeilt waren. Das kleine Solleftea wirkte wie ein riesengroßes Heerlager schon seit den friihen Morgenstunden. Kein Platz war in den Lokalen zu haben, die die Gelegenheit ausnutzten und das Geld scheffelweise eingenommen haben müssen. Das Erfreuliche für uns Mitteleuropäer: Zwei Deutsche, die sich unter die besten der Welt einreihen konnten, Hans Ostler und Alfred Stoll. Besonders der Partenkirchener gefiel durch zwei vorbildliche Sprünge, sicher in der Luft und noch besser im Aufsprung. Stoll war wie immer sehr weit und wuchtig, weiter als Ostler, aber nicht ganz so gut, hauptsächlich beim zweitenmal, wo ihn der miserable Zustand der Schanze hätte beinahe stürzen lassen. Doch der Berchtesgadener riß sich zusammen und es ging noch gut ab. Überhaupt waren alle Deutschen erheblich sicherer als früher. Kein gestkrzter Sprung in beiden Gängen, was man bislang nicht gewöhnt war. Das Training unter Rolf Kaarby trägt ganz gewiß seine Früchte. Wenn es bei den anderen, wie Eisgruber, Dietl oder dem jungen Hechenberger diesesmal nicht dazu reichte, weiter vorn zu landen, waren sie vielleicht im ersten Gang nicht ganz auf der Höhe, aber dann packte sie der Ehrgeiz ganz mächtig, und auch ihre Sprünge in Weiten von mehr als 50 m fanden Beifall. Von den Schweizern gingen Marcel Reymond und Fritz Kaufmann an den Start. Ihre Weiten mit 45 und 54 m sowie 42 und 51 m reichten nicht, um unter dem ersten Dutzend zu stehen. Man hatte die beiden Schweizer Klasseapringer schon viel besser gesehen. Die anderen mitteleuropäischen Nationen, Polen und Österreich, hatten am heutigen Tage nicht viel zu bestellen. Solleftea, den 2 7 . F e b r u a r 1 9 3 4 . Die Hoffnungen der Schweden, bei den in ihrem Lande veranstalteten Internationalen Skirenneri der FIS doch noch einen Sieger zu stellen, gingen am letzten Tage in Erfullung. Der gestern die mehrtägigen Wettkämpfe beschließende 50 km Dauerlauf wurde zu einem Triumph für die ausrichtende Nation. Groß war die Begeisterung der fast 3000 Zuschauer, die längs der 25 km Rundstrecke mit großem Interesse den Verlauf des schweren Rennens verfolgten, als in der harten Prüfung des Skimaraton die blau-gelben Farben in Front lagen. E. Wikluud gewann fur Schweden vor seinem Landsmann Nils Englund und dem Finnen 0. Reenen. Die Schneeverhältnisse hatten sich noch weiter verschlechtert, denn der in der Nacht gefallene Neuschnee war weich und wässerig. Die 54 Bewerber hatten daher auf keineswegs leichtem Kurs eine gewaltige Probe an Kraft und Ausdauer zu bestehen. Als einziger Mitteleuropäer nahm der Schweizer Kilian Ogi den Kampf mit der schwedischen, norwegischen und finnischen Spitzenklasse auf. Einsam, aber eisern lief der brave Eidgenosse seine 50 km herunter, doch reichte seine Zeit mit 4 . 2 5 . 2 8 nur zum 37. Platz. Im Kampf der Vertreter der drei nordischen Staaten kam den Schweden die gute Kenntnis der Strecke zugute. Finnlands Langlaufsieger Sulho Nurmela gab schon nach der ersten Runde auf. Bereits zu dieser Zeit lag Wiklund knapp in Front, und unter dem vieltausendstimmigen Jubel seiner Landsleute ging er später als Sieger vor dem großen Englund durch das Ziel. Feierlich, wie sie begonnen hatten, klangen auch die FIS-Rennen mit der Preisverteilung auf dem Marktplatz von Solleftea aus, WO dem glückstrahlenden Sieger der Ehrenpreis des schwedischen Königs überreicht wurde.

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RESULTATE 1 8 k m Langlauf des 21. F e b r u a r (Liste der Nur-Läufer)

R. Björklund, Sver.-Fin. L. Bergendal, Nor. S. Vestad, Nor. 0.Remes, Fin. T. Brodahl, Nor. N. Huupponen, Fin. H. Bergström, Sver. M. Matsbo, Sver. A. Rustadstuen, Nor. A. Karlsson, Sver.

S. Nurmela, Fin. V. Saarinen, Fin. M. Lappalahen, Fin. A. Hiiggblad, Sver. K. Karppinen, Fin. Th. Jonsson, Sver. V. Liikanen, Fin. N. Englund, Sver. A. Riivaro, Fin. K. Heikkinen, Fin. 18 k m Langlauf (Liste der Kombination)

8. Söderberg, Sver. A. Busterud, Nor. S. Marusarz, Pol. 0. Gjöslien, Nor. L. Valonen, Fin. B. Österklöft, Nor. B. Ezech, Pol. W. Bogner, Tysk. ' S. Salamonsen, Nor. A. Hovde, Nor.

0. Hagen, Nor. 0. Stenen, Nor. M. Oestbu, Nor. 0.Lian, Nor. 0. Hoffsbakken, Nor. S. Kolterud, Nor. H. Vinjarengen, Nor. H. Hedjerson, Sver. J. Westman, Sver. 0. Hultberg, Sver.

Ergebnisse des kombinierten Sprunglaufs vom 22. Februar Weite : Note : 7. J. Lusczek, Pol. 222 1. S. Kolterud, Nor. 63 und 63 m 8. B. Österklöft, Nor. 210.10 2.L.Valonen,Fin. 56,5und59,5m 9. A. Eisgruber, Tysk. 56 und 60 m 206.60 3. 8. Marusarz, Pol. 10. S. Stenen, Nor. 206.20 4. Vinjarengen, Nor. 59 und 59 m 11. J. Westman, Sver. 58,5 und 58 m 201.90 5. 0.Hagen, Nor. 12. A. Haall, Sver. 198.20 B. A. Bustrud, Nor. 55,5 und 57,5 m

50,5 55,5 54 56 55 52,5

Weite : und 57 und 56 und 58 und 58 und 57,5 und 55

m m m m m m

Note : 197.20 196.00 195.80 195.70 195.40 195.20

K o m b i n i e r t e r Lauf 1. 2. 3. 4.

5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15.

0. Hagen, Nor. S. Kolterud, Nor. H. Vinjarengen, Nor. S. Stenen, Nor. L. Valonen, Fin. 0.Hoffsbakken, Nor. S. Manisarz, Pol. J. Westman, Sver. A. Bustrud, Nor. H. Hedverson, Sver. B. Österklöft, Nor. 0. Hultberg, Sver. B. Ezech, Pol. S. Salamonsen, Nor. G.Müller, Tysk.

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Langlauf-Note 240.00 205.50 205.50 214.50 190.50 206.15 190.00 197.25 192.00 205.70 189.45 195.65 185.65 181.50 175.50

Gesamt-Note 441.90 427.50 411.70 410.20 400.60 397.15 396.60 392.65 390.20 385.97 385.45 379.45 378.25 373.40 367.80

'

25. F e b r u a r : ~ a u ~ t s ~ r u n g l a u f 1. K. Johanssen, Nor. 2. H. Hovde, Nor.

51 50

Weite : und 59 m und 57 m

Haltungsnote 19.420 18.750

Schlußnote 228.50 225.00

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5. Eriksson, Sver. L. Valonen, Fin. 0. Wiken, Sver. T. Edin, Nor. H. Vinjarengen, Nor. S. Kolterud, Nor. R. Anderssen, Nor. R. Kaarby, Nor. K. Bull, Nor. H. Ostler, Tysk. R. Ruud, Nor. K. Wahlberg, Nor. A. Stoll, Tysk. M. Reymond, Schweiz F. Kaufmann, Schweiz 25-Kilometer Dauerlauf 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 37.

E. Wiklund, Sver. N. Englund, Sver. Reenen, Fin. Häggblad, Sver. J. Wikström, Sver. H. Wikström, Sver. 0.Stenen, Nor. K. Lindberg, Sver. H. Bergström, Sver. K. Heikkinen, Fin. K. Ogi, Schweiz

46 48,5 48,5 49,5 50 48 46 47,5 48,5 47 42 48 50 45 42

Weite : und 57,5 und 57,5 und 57 und 55,5 und 55,5 und 56 und 55 und 56 und 56 und 54 und 55,5 und 56 und 56 und 54,5 und 51

25 km Zeit : 2.03.20 1.58.51 2.07.18 2.06.30 2.00.08 2.00.17 2.04.00 2.01.13 2.06.13 2.09.37

. m m m m m m m m m m m m m m m

Haltungsnote 18.592 18.567 18.417 18.350 18.333 18.317 18.217 18.142 18.920 17.983 17.967 17.917 17.842 17.208 16.850

38 km Zeit : 3.10.20 3.07.50 3.12.05 3.15.40 3.12.00 3.17.40 3.13.35 3.13.40 3.15.45 3.18.30

Schlußnote 223.10 222.80 221.00 220.20 220.00 219.80 217.70 217.70 217.10 215.80 215.60 215.00 214.10 206.50 202.20 50 km Zeit : 4.06.43 4.07.41 4.08.05 4.12.56 4.12.59 4.14.20 4.14.25 4.14.35 4.14.39 4.16.34 4.51.28

in Engelberg, 24.125. Februar 1934 Von W. M. Bürgin, SAS, Zurich Zwei vollbesetzte Auto-Cars brachten am Samstag vormittag neben vielen Privat-Autos die Skistudenten nach dem zentral gelegenen Engelberg. Die Austragung des Zürcher Hochschulbechers findet jedes Jahr mehr Anklang, so daß die Teilnehmerzahl über 100 gestiegen war. Leider mußte der SAS auf seine besten Kämpen verzichten, da ein starkes Team an die deutschen Hochschul-Meisterschaftennach Garmisch delegiert werden mußte. Der Kampf um den Meister in der traditionellen Dreierkombination: Sprunglauf, Abfahrt und Slalom war offen und Überraschungen von den unbekannten Größen der B-Klasse waren nicht ausgeschlossen. Der Sprunglauf an der ,,kleinen" Titlisschanze brachte gegen 40 Springer an den Start. I n die tiefernste Angelegenheit brachte unser ,,Siux" als fertig ausgerüsteter Springer eine humoristische Note. Die Leistungen der alten Herren waren bis zum letzten Sprung ausgeglichen, bis Lindecker 18 m in die Bahn setzte. Nun begann ein Langlauf in den Wald und der Starter mußte die Leute aus dem Gebüsch und zwischen den Bäumen hervorrufen. Leider verunfallte sich bei dieser ,,Rekord-Springerei" Lindlar, und auch die ubrigen, mit Ausnahme Guglers, konnten ihre größere Weite mit Stürzen quittieren. Leider hatten diesmal die Weitenmesser versagt, indem sie den üblichen Längenzuschlag von 30 m nicht meldeten. Nach dem Sprunglauf wurde die Abfahrtsstrecke inspiziert und als gut befunden. Die am Morgen gefrorene Piste stellte an die Fahrer ordentliche Anforderungen, denn die Skier hatten keine Führung und die vielen schief ausgefahrenen Spuren waren auch nicht von Vorteil. Die Rekordzeit von 6.30 des Siegers Prinz Alvaro de OrlBans-Bourbon ist glänzend, und darf auf das seriöse FIS-Training zurückgeführt werden. Ganz hervorragend hielt sich Max Müller, welcher über die Unfallserie den Mut und das Können nicht verloren hat. Mit Abstand folgte ein weiterer FIS-Mann, der Rumäne Scheeser, vor BebiB und Kipper. Besonders letzteren hatten wir nach den Leistungen dieses Winters noch weiter vorn erwartet.


.:-Die gefürchtete C-Klasse registrierte erstmals in Engelberg nicht die Tages-Bestzeit.Bürgin verlor am letzten Bteilhang einen Ski und erreichte demzufolge das Ziel mit mehreren Stiirzen. Dr. Bracher war zu vorsichtig und Dr. Campe11 fuhr im obern Teil in einen Graben und erlitt Skibruch. Die tfberraschung brachten die Renn-Neulinge der B-Kategorie. Hier zeigten sich Ren6 Jäger und Hans Schmid, ein gebürtiger Aroser, den Besten ebenbürtig. Kollbrunner und Deucher erreichten durch ihr Draufgängertum gute Zeiten. Der Durchschnitt dieser Klasse ist gegenüber andern Jahren bedeutend besser, so daß man mit gutem Nachwuchs rechnen darf. Bei den Akademikern über 32 Jahre, holte in Abwesenheit des verunfallten ASAL-Siegers Brun, Dr. B. Wettstein in sämtlichen Konkurrenzen einwandfreie Siege. Für die Damen hatte der Rennchef die gleiche Strecke ausgewählt, damit sie diesmal sicher seien, ein Ziel zu finden. Immerhin war er nicht so hart, nach dem Arniweg ein erstes Ziel zu stecken. Fräulein Jäger und Miß Venabeles lieferten sich unter Aufmunterung der Herren einen schönen Schlußkampf. Bei den SDS-Damen holte sich die energische Frl. Odermatt den Sieg. Den Slalom steckte Bürgin an der letzten Partie des Jochpasses aus. Bei diesem Slalom mußte man allen Konkurrenten gerecht werden und durfte keine zu schwierigen Parcours wählen. Leider war der Hang nicht präpariert wie bei den FIS und auch die Fahrer legten ihre Visitenkarten zu oft in den Schnee, so daß genügend Knacknüsse zu überwinden waren. Hier bemerkte man,welche Fahrer vom Slalom eine Ahnung und einiges Training hatten. Zwei ausgezeichnete flüssige Läufe absolvierten Müller und Scheeser mit den Bestzeiten. Die meisten übrigen Konkurrenten fuhren zu zerhackt mit zu wenig vorgedrückten Knien und Vorlage, Nur wehmütig denken die ältem Teilnehmer an die ersten Zürcher Hochschulbecher auf dem Stoos und in den Flumserbergen zurück. Die E twicklung ist mächtig, aber gemütlicher und nicht weniger sportlich war ES früher, ohne die heutige ,,H+".

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S ~ u n g h u f . Klasse A: 1. Scheeser Horst (SAS Uni); 2. Kipper Fritz (Poly); 3. Niggli F. (Poly);4. Schwendener (Uni). Klasse B: 1. Rocco Alfons (Arosa); 2. Wyß Hans (Poly); 3. Buche Florian. Klasae C: 1. Gugler Eduard (SAS); 2. Lindecker Werner (SAS). AbfahrtsEauf.Klasse A: 1. Orl6ans Alvaro (Poly)6 :30; 2. Müller Max (Poly) 7 :12; 3. Scheeser Georg (Uni) 7:38; 4. BBbi6 Rud. (Uni) 7 : 40; 5. Kipper Fritz (Poly) 7 : 41; 6. Funk Hans (Uni) 7 : 45. Klassa B : 1. Jäger Ren6 (Uni) 7 : 13; 2. Schrnid Hans (Uni) 7 : 28 ; 3. Kollbrmer Felix (Uni) 7 : 39 ; 4. Deucher Konrad (Uni) 7 : 42; 5. Eadie Hugh (Poly) 7 : 48; 6. Gauthier A. (Poly) 7 : 59. Klasse C: 1. Dr. R. Bracher (SAS) 7 : 39; 2. Willy Bürgin (SAS) 7 : 45. Klasse D: 1. Dr. Wettstein (SAS) 9 : 05. Shlom. Klasse A: 1. Müller Max (SAS)42.4; 2. Scheeser Horst (SAS) 42.6; 3. Looser E. 48.2; 4. Alvaro d'Orl6ans (SAS) 48.4. Klasse B: 1. Hans Schmid 48; 2. h o l d Hirtz (Uni) 50.4. Klasse C: 1. Bürgin Willy (SAS) 47.6; 2. Gugler Edw. (SAS) 48.0. Klasse D: 1. Dr. B. Wettatein (SAS) 1 : 07.5.

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Kombina$iona-Rmltata. Zürcher Hochschulmeister pro 1934: Scheeser (SAS), Zürich, 642 Punkte. Kombinationssieger Abfahrt/Slalom/Sprung1auf,Klasse B: Schmid Hans 570.3 Punkte. Klasse C: Gugler Edw. 584.2 Punkte. sieger Abfahrt/Slalom: Mülier Max (SAS), Kategorie A, 456.8 Punkte. Kategorie B, Schmid. Kategorie C, Bürgin. Gewinner des Wanderpreises der Trübsee-Engelberg-Bahnfür die beste Tageszeit der Abfahrt: Alvaro d'Orl6ans. Den Universitätsmatch Uni-Poly gewinnen die Vertreter der ETH mit 1869.8 : 1833.2 Punkten. 3 C a d a i n a M e $ e r Abfdut/SlaLom, StudenWen: B. Jitger (uni) 182.4 Punkte.


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~ I ~ $ ~ ~ ~ E U T S C H L A N D - S C H IW NEGARMISCH-PARTENKIRCHEN IZ 4 & 1 . +%*EI . ' 24.126. Februar 1934 Von Victor Streiff, S A S , Zürich Für das alljährlich wiederkehrende klassische Rennen gegen unsere englischen Studien- oder doch Sportskollegen haben wir den guten Namen Anglo-Swiss geprägt. Ich finde nun die Bezeichnung unseres Rennens gegen die deutschen Kommilitonen als Deutschland-Schweiz etwas prosaisch; es tönt so nach ~ußbal'l-~ändermatch. Deshalb möchte ich einen neuen Namen vorschlagen; wie wäre z. B. Aro-Swiss? Nun, die Begegnung, von der ich hier erzähle, war nicht das offizielle Rennen; jenes stieg anläßlich der ASAL in Wengen und wurde von uns mit Glanz verloren. Die Deutschen siegten dort mit ihren Kanonen KraisyDr. Vetter-Stober usw. auf der ganzen Linie. Die Rennen in Garmisch-Partenkirchen trugen vielmehr den Charakter eines Revanche-Kampfes, zu dem uns die Deutschen freundschaftlich eingeladen hatten. Daß wir gerne gingen, versteht sich von selbst, waren doch nur die wenigsten von uns schon in Deutschland zum Skifahren gewesen. Unsere Expedition war, wenigstens zahlenmäßig, groß: Als Offizielle unser Zentralpräsident Dr. Heiri Binder mit seiner, von Wengen her bestens bekannten Frau, und Dr. Weisbrod, ohne Frau, aber dafür mit einem Wagen. Als Läufer resp. Fahrer machten die berühmten Steißer Ganßer und Strüby, sowie Kaech, Suhner, Knoll, Wiesinger, Thut und Streiff die Reise mit. Diese elf Stück wurden mehr oder weniger bequem in drei Autos verstaut, wobei Heiris alter Ford wieder einmal seine Tüchtigkeit bewies, indem ihm nebst fünf Personen mit Gepäck noch vierzehn Paar Skis aufgebuckelt wurden. Bis Friedrichshafen ging alles glatt, doch dort hatten wir wäh;.end zwei Stunden Gelegenheit, im Zollhaus Aufrufe des Führers an sein deutsches Volk zu studieren, weil Güsts Balilla-Tryptik nicht stimmte. Die Fahrt über Füssen-Reutte-Ehrwald nach GarmischPartenkirchen war wundervoll, wenn Ganssers Balilla auch manchmal mehr einem Motorboot glich als einem Auto. Die tief im Schnee eingeschnittenen Fahrrinnen waren nämlich voll Schmelzwasser, das sich bei raschem Fahren in wahren Sturzwellen über die Autos ergoß, was sich besonders in den offenen Wagen unangenehm bemerkbar machte. Trotz allen Verleumdungen Güsts, der alle paar Kilometer zu uns aufschloß, um mit seinen Mitfahrern im Chor: ,,Ja i glaub, wir sind falsch. . ", nach der Melodie „Bei der blonden Kathrein. " zu gröhlen, erreichten wir noch am selben Abend glücklich unser Ziel Garmisch-Partenkirchen. Dort trafen wir zu unserer Freude alte Wengener Bekannte: Deutsche und Japaner. Schon weniger gut gefiel uns der offizielle Empfang durch . den Bürgermeister mit S. A.-Reden und Sieg-Heil-Rufen en gros. .,Y .Der nächste Vormittag war dem Training auf der Abfahrtsstrecke gewidmet, die wir leider nur einmal fahren ..., ,?,.'. ' :i.. ,konnten, da wir zu Fuß an den Start in der Nähe des Eckbauers zu gehen hatten. Währenddessen starteten ,L ,.:.!G.,,$;< '-<Y. . unsere Steißer Ganßer und Strüby hors concours im Langlauf, wo sie sich ganz gut klassierten. Besonders Güst hatte die Genugtuung, mit der achtbesten Zeit nur von einem Japaner, nämlich von Rinichi Shimizu geschlagen worden zu sein, während er seinen Bezwinger von Wengen, Kigoshi Sadahiko (mit dem Teller im Gesicht) schon nach wenigen Kilometern überholte. Dabei hatten die Schweizer das Handicap, die schwere, mit etlichen Hindernissen gespickte Piste nicht zu kennen. Am Nachmittag stieg dann unsere Abfahrt. Die Strecke war für unseren Geschmack etwas kurz und stark auf Ortskenntnis zugeschnitten. Kraisy fügte seinen Erfolgen einen neuen Sieg hinzu, auch einige andere Deutsche fuhren sehr gut, während von uns einzig Kaech als Vierter groß fuhr. Die übrigen landeten im Mittelfeld, immerhin noch unter den ersten zwanzig (von ca. 150 Teilnehmern). Einige Japaner starteten ebenfalls, man sah die großen Fortschritte, die sie im Fahren gemacht hatten; dem Springer Yotsuya Isamu gelang es sogar, unsern Knoll zu schlagen. Mit erheblichem Punktvorsprung f h t e nach diesem Rennen Deutschland vor uns. Der Sonntag war Ruhetag, da sämtliche Organisatoren, Abfahrts- und Slalomstrecken, sowie Sprunghügel besetzt waren von der Hitler-Jugend Münchens, die, 1100 an der Zahl, ein großes Skimeeting durchführten. Von diesen Konkurrenzen sahen wir nichts, da wir den freien Tag zu einer fabelhaften Tour auf die Zugspitze benützten, jedoch bemitleideten wir die Kleinen bis Kleinsten am Samstagabend bei der Ankunft von München: eng gepfercht in Camions stehend, das Horst-Wessel-Lied singend. Nach dem Aussteigen Sammlung, gewehrgriffartiges Schultern der Skis und dann marschierten sie in streng militärischer Ordnung durch das Dorf zu ihren Kantonnementen. Von der Zugspitze-Tour, auf der uns unser SAS-Ehrenmitglied Dr. Roesen begleitete, waren alle restlos begeistert. Die oberen Nordhänge prachtvolle Pulver-Schußhänge, im untern Teil nach einer Gegensteigung am Gatter1 eine Fahrt durch idealen Sulz über die Südhalden hinunter. Auf dieser Tour erhielten wir übrigens von österreichischen Touristen den ehrenvollen Zunamen: die ,,blauen Teufel", im Unterschied zu den roten Innsbruckern. Weiter unten, als wir hinter Dr. Roesen her im Schuß durch die Laatschenhänge gegen das österreichische Dorf Ehrwald hinunter sausten, wurden wir weniger schmeichelhaft empfangen, indem eine Frau beim Anblick unseres Rudels erschreckt ausrief: ,,Jessas, die Nazis kommen!" ,>!s:' Der Montag war wieder Renntag, am Vormittag Stafette, am Nachmittag Slalom. Bei der Vierer-Stafette ">' I hatte Ganßer die erste Strecke, natürlich Aufstieg, Strüby und Kaech die zwei Langlaufstrecken und Streiff -{;* .,,,TT, .,

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Diawolezza ( S t . Moritz). Photo: H . Gorny


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Lie Abfahrt. Wir starteten -gegen eine deutsche und eine japanische Studentenmannschaft, ferner liefen noch . &ei Reichswehr-Staffeln außer Konkurrenz mit. Die erste Etappe war hochdramatisch. Am Start geht der Japaner Shimizu los wie ein Verrückter, der Deutsche Stützl gleich hinter ihm her, Ganßer mit stumpfgewachsten Skis sofort 200 m abnehmend. Aber Güst läßt sich nicht entmutigen, sondern schließt schon lm ersten Steilstück zum Deutschen auf, der Shimizu nicht halten konnte. Die beiden machen gemeinsam Jagd auf den Japaner, Güst lauft immer besser und als ihm Stützl zu langsam geht, laßt er ihn einfach stehen, um Shimizu einzuholen und in einem bäumigen Endspurt um 30 Sekunden zu schlagen. Auch von den -teichawehrIeuten, die ihre besten Kräfte auf dieser Strecke hatten, kam keiner an Güst heran, es wurmt sie, $aube ich, heute noch, von einem schweizerischen Leutnant geschlagen worden zu sein. Doch unsere Freude re, denn Strüby, der am Samstag beim Langlauf einen Arm verteufelt hatte, konnte diesen nicht &ten im Lauf nicht mehr gebrauchen. Es war traurig, zusehen zu müssen, wie der arme Struns sich Ca. #%m weit einarmig abmühte. Kaech als Nicht-Langläufer konnte von dem verlorenen Terrain natürlich nichts $;utmaohen und auch die Bestzeit in der Abfahrtsstrecke half nicht über das Debakel hinweg. Am Nachmittag folgte aL letzte Konkurrenz der Slalom Deutschland-Schweiz, am Hang neben der neuen ' großen Olympiade-Schanze. Diese Riesenschanze mit ihrem phantastischen Anlaufturm ist wohl einer der Eindrücke, die wir von Garmisch mitgenommen haben. h ach so kl&glichen - Erfahrungen im Anglo-Swiss race 1934, sank unsere Hoffnung auf ein gutes ~lalomm~ultat auf Null. Doch es kam gottlob anders. Die Deutschen waren vom Pech verfolgt, wiihrend unsere ,Nannschaft wirklich gut fuhr. Besonders Kaech hatte einen glänzenden Tag und gewann den Slalom vor zwei .Dentsohen, auf die wieder vier Schweizer folgten. Es gelang uns so, im Slalom einen so großen Punktvorsprung au erringen, daß wir auch die Kombination Abfahrt-Slalom und somit den Länderwettkampf vor den Deutchen gewannen. Der Abend nach der Preisverteilung wurde von einem Teil der Mannschaft noch im angeregten Wortwechsel mit Hotelportiers, Nachtwächtern und deutschen Baronen verbracht. Auch andere Abenteuer sollen sich 1~ h h r e n dder Nacht abgespielt haben. Der nbhste Tag sah uns mit unserem großen, gewonnenen Kübel den heimatlichen Gestaden des Zürichsees - sufahren, wo wir nach einem kurzen, aber sehr netten Abstecher in Uzwil, auch glücklich anlangten. : . ,Zum Schluß möchte ich der Ho£fnung Ausdruck geben, daß diese Begegnungen zwischen den deutschen und ichweizerhhen Studenten nun definitiv jedes Jahr ins Rennprogram aufgenommen werden und ich schließe mit einem dreifachen, kräftigen Sioux'schen Dumirauau und einem Masakatsu Takeuchi'schen ui-ui-ui auf . ,. $W Aro-Swiss 1935. RESTnTATE ,~$&a~gLawf: 16 h. .'" k 9. Grünewald H., München 1.08.13 :' 1. V. XaUnmann G., München 1.04.40 ", 10. Reyer W., Stuttgart 1.08.26 r 2. Shirni%u, Tokio 1.04.50 20. Strüby, Zürich 1.16.00 3. Dr. Ziegler, München 1.06.12 ?: . 4. Stüal H &, München 1.06.25 Stafette : ' 7 --,5. Büchel E., München 1.06.52 1. Deutschland , ; 6. Krsisy X., München 1.06.53 2. Japan 7. nehme1 Fritz, München 1.07.26 3. Schweiz 1.08.10

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Slalom : 1. Krcliriy X., München Stober, Freiburg 3. Bail, München "P-. " . i 4. Käch A., Bern I 5. Wörner, München 5, 8, von Wech, München : 7. Honigrnann, München 'i , 8. Btrein V., Zürich k , 1 9. Höfflin, Freiburg ,

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1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

Kitch, Bern Stober, Freiburg V. Wech, München Streiff, Zürich Wiesinger, Genf Thut, Zürich Knoll, Zürich Suhner, Zürich Höfflin, Freiburg Bail, München

89.4 Sek. 91.4 „ 95.3 7, 96.0 ,, 96.5 ., 9 8 . 2 ,, 103.1 „ 105.8 „ 106.3 „ 112.7 „

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Slalom :

Total :

403.95 P. 463.50 P.

880.45 P. 890.20 P.


CLUBNACHRICHTEN UND MITTEILUNGEN DER SCHRIFTLEITUNG Das Rennprogramm für die 4. Akademischen Weltwinterspiele und die 11. Akademischen Ski-Wettkämpfe aller Länder vom 4. bis 10. Februar 1935 in St. Moritz lautet wie nachstehend (Programmänderungvorbehalten) :

I

SPIELPROGRAMM Datum und Zeit : Montag,

Dienstag,

Ski :

Freitag,

Sanastag,

Sonntag,

Eishockey :

Bobsleigh :

4. Februar. 9.15 Uhr: Besammlung der Teilnehmer auf dem Schulhausplatz. Abmarsch und Umzug durch das Dorf. 10.15 Uhr: Eröffnungsfeier auf dem Eisstadion. (Einmarsch, Eröffnungsansprache) 11.15 Uhr: ErÖffnungsspiel 14.00 Uhr: 1. Serie: 1. und 2. Fahrt 5. Februar 9.00 Uhr: Langlauf

11.00 Uhr: 14.00 Uhr: MI:th~>ot!h, 6. Februar. 8.45 Uhr: 11.45 Uhr: 14.30 Uhr:

Donnerstag,

Eislauf:

7. Februar. 9.00 Uhr:

Schnellauf 500 und 1000 Meter 2. Hockeyspiel 2. Serie: 3. und 4. Fahrt

Damen-Pflichtlaufen Herren-Pflichtlaufen 3. Hockeyspiel

Kürlaufen für Damen, Herren und Paare Schnellauf 1500 und 5000 Meter

10.00 Uhr: Abfahrt 14.30 Uhr:

4. Hockeyspiel

8. Februar. 10.00 Uhr: Stafette 15.00 Uhr: Kombinierter Sprung 9. Februar. 10.00 Uhr: Slalom 14.30 Uhr:

5. Hockeyspiel

10. Februar. 10.45 Uhr:

6. Hockeyspiel, international

14.00 Uhr: Spezial-Sprung 21.00 Uhr: Preisverteilung.

Rennprogramme können vom Sekretariat der 4. Akademischen Welt-Winterspiele St. Moritz unentgeltlich in deutscher, französischer, englischer, italienischer oder tschechischer Sprache einverlangt werden.

Abänderungen der internationalen Wettlauf-Ordnung (I.W. 0.). (beschlossen in Zürich am 22. April 1934). Die Kommission für Änderungen der IWO (Abfahrt und Slalom) hat folgende Abänderungen vorgeschlagen, die von der FIS gutgeheißen wurden und für kommenden Winter fakultativ und probeweise in Kraft treten.

$ 5: ART DER KONKURRENZEN. (Der bisherige Wortlaut bleibt unverändert.) Als letzter Absatz ist anzufügen: Wenn bei zusammengesetzten Rennen entweder Abfahrtsrennen oder Slalomrennen oder beide, gemeinsam mit Sprunglauf oder mit Langlauf oder mit beiden ausgetragen werden, so sollen die Ergebnisse dieser zusammengesetzten Rennen unter Anwendung der vom Österreichischen Skiverband herausgegebenen Vorschriften berechnet werden1). Diese Vorschriften samt Rechnungsbehelfen sind zu bestellen beim Österreichischen Skiverband in Wien 1, Postgasse 9, gegen Voreinsendung von österr. S. 5 pro Stück.

1)

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S A S - G E N E R A L V E R S A M M L U N G 11. M A I 1934 I M HUGUENIN I W

Dr. Walter Heitz

Angelo Toommasi

Walter Bürgin

Chude Blancpain

Dr. R . Büchi, Dr. B. Rüfenacht

Fred Brun

Dr. H . von ~ ' s o m r n e r

DT. W . Huge18hofer

Fritz von i7oumo6m

ZURICH

Photo8 : Dr. Walter Amstutz

$ 38: FLAGGEN. a ) Unverändert wie bisher. b) Bei Slalomrennen wird die Strecke durch Flaggenpaare in gleicher Farbe ausgesteckt; es sollen womöglich nur zwei Farben (z. B. rot und blau) für die Flaggentore abwechselnd verwendet werden. Die Stangen der Flaggen sollen mindestens einen Durchmesser von 2 cm haben; sie mussen uber dem Schnee 1,5 m hoch sein und sollen womöglich in gleicher Farbe angestrichen sein, wie ihre Flaggen. C) Das Zieltor muß mit einem auffallenden Stoffzeichen als Verbindungsstreifen zwischen den Zielpfosten kenntlich gemacht werden. Wenn bei elektrischer Zeitmessung der Fahrer einen Draht zu durchreissen hat, so darf dieser nicht höher als 35 cm über dem Schnee gespannt werden.


5 39: TEILNEHMER. Die Teilnehmer müssen über 16 Jahre alt sein.

Bei kombiniertenRennen rnuß der Fahrer im Abfahrtsrennen und im Slalornrennen ein und dasselbe Paar Ski benützen; diese Ski müssen vor dem Rennen vom Kampfgericht mit einer Marke bezeichnet werden. Gebrochene Ski können ersetzt werden. Die Fahrer dürfen ihre sonstige Ausrüstung (Stöcke, Riemen usw.) nur mit Reparaturwerkzeugen instandsetzen oder mit Ersatzteilen auswechseln, die sie selbst, oder bei Mannschaftsrennen die übrigen Mitglieder der Mannschaft, wi%hrend des Rennens bei sich tragen. Kein Fahrer darf irgendeinen Teil der Ausrüstung von Zuschauern borgen. Diese Regel gilt für jene Rennen nicht, die in zwei Teilen gefahren werden (siehe 5 5 47 und 49d); Austausch und Ersatz der Ausrüstung -mit Ausnahme der ungebrochenen Ski - ist hier gestattet. $ 42: UNERLAUBTE FAHRWEISEN. Jeder Fahrer, der einen oder beide Stöcke mit beiden Hiinden faßt oder auf irgendeine andere Art die Absicht dieser Vorschrift umgeht, die jede Stockhilfe zum Zwecke des Abbremse- verbietet, wird disqualifiziert. Das Kampfgericht kann einen Fahrer disqualifizieren, der nach uberzeugung des Kampfgerichtes in der Abfahrt mit seinem Körper auf dem Ski oder auf dem Schnee gesessen ist (rodelt). Ein Fahrer, der nach der tfberzeugung des Kampfgerichtes von einem Nichtteilnehmer im Rennen geführt wurde, muß disqualSziert werden.

$ 43: BEKANNTGABE DER RENNSTRECKE. Bei internationalen Abfahrtsrennen muß die Rennstrecke drei Tage vor dem Rennen bekanntgegeben und vollständig - mit Ausnahme von Kontrolltoren - mit Flaggen markiert sein. Die ausgesteckte Rennstrecke darf zu Vbungszwecken befahren werden. Das Kampfgericht ist berechtigt, die Rennstrecke zu sperren. Jene Fahrer, welche auf gesperrten Rennstrecken abfahren, werden disqualifiziert. Kontrollflaggen müssen nicht vor dem Renntag aufgestellt werden. Jeder Fahrer rnuß Gelegenheit haben, die aufgestellten Kontrollfiaggen beim Aufstieg vor dem Rennen zu sehen. Ausgesteckte Slalomstrecken dürfen nicht befahren werden. Ein Verstoß gegen diese Bestimmung zieht Disquali6kation nach sich.

5 47 : ABFAHRTS-STRECKE. Die Rennstrecke ist derart zu wählen - allenfalls durch Aufstellen von Kontrolltoren - da5 die Fahrer gezwungen sind, das Rennen in sportlich einwandfreier Weise zu absolvieren und daß in erster Linie die Fahrtechnik zur Geltung kommt. Abfahrtsrennen sollen keine Flachlauf- und Anstiegstrecken enthalten, ausgenommen in Fällen, wo kleine, flache Stellen und kurze Anatiegsabschnitte eine sonst geeignete Abfahrtsstrecke ausschalten würden. Die Abfehrtsstrecke mll einen möglichst großen Höhenunterschied (800 m) aufweisen; bei FIS-Rennen muß dieser für Herren mindestens 700 m und für Damen mindestens 500 m betragen. Mit Rücksicht auf Schneeverhältnisse und Gelände kann vom Kampfgericht verfügt werden, daß das ~"bfih"rtsrennen in zwei Teile zerlegt wird, beide Teile sollen womöglich von verschiedener Geländehn~chaffenhni~ anin . < , I

$ 49: START.

a) Gemeinsamer Start - die bisherige Vorschrift bleibt unverändert. b) Einzelstart die Punkte 1 und 2 bleiben unverändert neu wird hinzugefügt: 3. Bei FIS-Abfahrtsrennen muß folgende Einteilung der Fahrer durch das Kampfgericht vorgenommen werden: Zuerst startet eine Gruppe von Fahrern, in welche alle jene Fahrer eingereiht werden, welche bei einem FIS-Abfahrtsrennen oder bei einem Arlberg-Kandahar-Abfahrtsrennenunter den ersten 15 gewesen sind: hernach startet eine Gruppe von Fahrern, welche bei einem dieser beiden Rennen im Abfahrtslauf unter den ersten 50 gewesen sind, schließlich alle übrigen Fahrer. Innerhalb jeder Gruppe wird die Startreihenfolge durch das Los bestimmt.

-

-

$ 50: UNTERBRECHUNG.

Ein Abfahrtsrennen darf nur dann unterbrochen werden, wenn durch schlechte Sicht oder Schneetreiben, Sturm oder Lawinengefahr die Durchführung unmöglich wird. Soferne nicht sämtliche Fahrer gestartet sind, haben die Ergebnisse keine Gültigkeit.


J . Lu-, SAS, wmähtt sich Photo: t3aiger

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Ige sind beim Abfahrtsrennen nur die erzielten Zeiten, beim Slalomennen die erzielten Zeiten, aU.enfd@wrmehrt um StrafiirecHäge, maßgebend. - Wenn e h i4ibftlhrtmmnen oder ein Slalomrennen in zwei Teilen gefahren wird, so wird die Rangfolge der Fahrer p durch Addition der erzielten Zeiten (ailenfalkizuzüglich Strafzusohliigen beim Slalomrennen) der beiden Teile ,' bestimmt. '1' Die Er@b&& von zw3amengewtzLen Rennan werden wie folgt berechnet: i E"ür jeden F h e r werden die von ihm erzielten Zeiten im Abfahrtarennen und im Slalomrennen addiert; vor< * her wird für jsdea Fahrer die von ihm erzielte Zeit im sldomrennen mit einem Faktor1) multipliziert, der mit - ' Hilfe folgender Formel aufgestellt wird und für alle Rechnungen gleich bleibt: = 2 X Bestzeit im Abfahrtsrennen Multiplihf5ons-Faktor = 3 X Bestzeit im Slalomrennen. ' Haben die Teilnehmer an zusammengesetzten Rennen das gleiche Gesamtergebnis erzielt, so bestimmt die a 7 &s+aalbwiim Abfahrtslauf auch die Rangfolge im zw&nimengesetzten Lauf. ,II L'

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1 ' 9 M: BEWERTUNG.

.; A b b z

1 bleibt unvmhdert. A b t 5 2 wird gestrichen und lautet künftig wie folgt: ngwt%tenRennen von Mannschaften werden die von den einzelnen Mitgliedern der Nanbschsft 'i erzielten Zeiten im Abf&&lauf einesteils und im Slalomlauf andernteils addiert und diese beiden Geaamtzeiten ~ d d i e r tvorher ; aber wird jede Mannschafts-Geeamtzeit im Slalomrennen mit einem miD Hilfe folgender Forme1 ermittelt wird und für alle Ma~nsohafts-Slalomeit~m

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= 2 X Gesrtmtzeit der besten Ma~nsehaftim Abfahrtsrennen MultipWioili-Fdctor = 3 X Gesamtzeit der besten Mannschaft im Slalomrennen.

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bleibt mveri%ndart. Dr. F. MARTIN, Österreich. ARNOLD LUNN, England. Conte A. BONACOSSA, Italien. Baron P. LE FORT, Deutschland.

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Dr. WALTER AMSTUTZ, Schweiz.

*:

.. ein Renüea für verschiedene Gruppen ( K ~ L E s svon ~ ) Fahrern zu gleicher Zeit und auf der &recke dil~cbgefuhrtwirdS so muß für jede Gruppe dieser Fahrer (Wettlauferklasse) ein eigener &gestellt werden, aleo E. B. f ü r Diwneq für Junioren, für Altersklme usw.

9 Die ia Fußnote Y,, L-

zu

8

58 ~ufgestellteVorschrift ist hier ebenfalls anzuwenden.


Wir freuen uns, die Vermählung unseres Mitgliedes Herrn J. Luymes mit Fräulein Buol zur Kenntnis zu bringen und die Verlobung unseres Mitgliedes Herrn Hermann Rüfenacht mit FrMein Hodler anzuzeigen. Der SAS gratuliert ! ;Y-

Die 11. Schweizerischen Skihochschul-Meistersohaftenwerden vom 18. -20. führt. %

Januar in Engelberg durchge-

„Der Schneehase" Band 1 Heft 1 wird zum Rückkauf gesucht. Man bittet Offerten an die Schriftleitung zu richten. % Druck und Verlag des Schneehasen geht mit diesem Hefte an das Art. Institut Orell Füßli in Zürich über, nach freundschaftlicher Liquidation unseres Vertrages mit der Imprimerie Populaire in Lausanne. Gleichzeitig geht auch Druck und Verlag des Hasen an das Art. Institut Orell Füßli in Zürich über. Wir nehmen Anlaß, bei dieser Gelegenheit der Imprimerie Populaire und im besonderen Herrn A. S. Crausaz für die uns zahlreich geleisteten Dienste unsern Dank auszusprechen. In Herrn Wirthensohn haben wir beim Art. Institut Orell Füßli einen glücklichen Ersatz gefunden, und in Herrn Walter Herdeg, London, einen unersetzlichen Mitarbeiter für die graphische Arbeit in diesem Buche. ;Y-

Mit dem vorliegenden Heft Nr. 8 beginnen wir Band 3 des Schneehasen. Das Inhaltsverzeichnis von Band 2 für die Nummern 5, 6 und 7 (1931-1933) können Mitglieder des SAS vom Zentralvorstand in Zürich, Dr. H. Binder, BHhnhofplatz 1, Zürich, zu Fr. 0.60 beziehen. Nichtmitglieder können gegen Einsendung von Fr. 1.das Inhaltsverzeichnis bei der gleichen Adresse beziehen.

Dieser Ausgabe liegt eine Skikarte vom Chasseral-Gebietbei, gedruckt von Kümmerly & Frey, Bern und herausgegeben vom Verkehrsverein Biel und Umgebung.

Alle Beitrbe dieses Jahrbuches sind Eigentum des SAS. Ohne Genehmigung und Quellennachweis dürfen keine Artikel nachgedruckt werden. ;Y-

Alle Korrespondenzen bezüglich des Jahrbuches 1935 sind bis spittestens 1. Juni 1935 an Dr. Walter Amstutz, Am Laretweg (Tel. 149 Bureau, 110 außer Bureau), St. Moritz, zu richten.

Abschluß der Generalversamm2ung mit Sternbräa bei Dr. Bug!

Photo: Dr. W . Amstutz


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Ein Verbindungsweg Weißfluhjoch-Strela

Die Davos-Parsennbahn, die das weite Skigebiet von Parsenn bis zu den verschiedenen Orten im Prättigau (Klosters, Serneus, Küblis, Fideris, Jenaz) von Davos aus bequem erschlossen hat, erweitert nun ihren Radius für den Skifahrer nach der Seite des Davoser Tales hin durch einen Verbindungsweg vom Weißfluhjoch, der Endstation der Parsennbahn, nach der Paßhöhe des Strela. Bis dahin mußten sämtliche Abfahrten des Strela- und Körbshorngebietes, die zu den dankbarsten der Davoser Skiregion gehören, von der Schatzalp aus ,,erstiegen" werden, wodurch dieses Gebiet weit weniger befahren wurde als das Parsenngebiet, das überdies den Skifahrer auch von Davos wegführte und durch die Rückfahrt mit der Rhät,ischen Bahn eine Verteuerung seiner Touren brachte. Nun wird es möglich sein, auf diesem Wege die Strelapaßhöhe durch die Parsennbahn zu erreichen und von dort aus die verschiedenen Abfahrten nach Davos, Frauenkirch und Glaris zu machen, sei es direkt über den Strela und die Schatzalp hinunter oder durch einen weitern Aufstieg auf das Körbshorn um die Abfahrt nach Frauenkiroh und Glaris auszudehnen. Durch diesen Weg, der das Werk der Parsennbahn erst vollendet, ist das Davoser Skigebiet in vorbildlicher Weise durchorganisiert und die Abfahrtsmarkierungen ermöglichen auch dem im ganzen Gebiet noch unbekannten Skifahrer eine leichte Orientierung und eine gefahrlose Abfahrt. Es ist zu erwarten, daß von den nahezu 100 000 Winterbesuchern der Parsennbahn eine große Zahl diese neuen Abfahrten benützen wird, wodurch zugleich die Skifelder oberhalb Davos belebt und die Standardrouten von Parsenn entlastet werden, was jeder Skifahrer begrüßen wird, der in den letzten Jahren etwa über das Wochenende die oft überbevölkerten Parsennrouten befuhr. Walter Iiern

Le doveloppement des Ecoles de Ski en Suisse a donnA naissance a toute Une floraison d'insignes mßtalliques. De forme elegante, souvent originale, finement ciseles, relevAs de taches d'email aux couleurs vives, ils constituent pour les partioipants, soit de simples souvenirs ou signes de reconnaissance, soit de veritables diplomes attestant que les eleves ont subi avec succhs les Apreuves prescrites par le rhglement des Ecoles de Ski. Ces jolis iiisignes participent, avec les medailles et plaquettes pour prix, L ce mouvement artistique qu'inspire le beau sport du Ski. I1 est heureux de constater l'effort r6el qu'on a accompli en Suisse, pour mettre a la disposition des organisateurs de manifestations de sport d'hiver et des dirigeants des Ecoles de Ski de bons modeles. Nous en donnons un exemple ci-devant dans l'annonce des Ateliers d'Art HUGUENIN F R ~ ~ R E & ~CIE., S LE LOCLE.


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