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FILME

wetterfest° TRAILER Michel Klöfkorn, DV, 2007


MITTWOCH 20.6.2007 ERÖFFNUNG wetterfest° 19 Uhr Begrüßung: Karola Gramann, Künstlerische Leitung, Gunter Deller, Mal Seh’n Kino Reden: Prof. Dr. Gerhard Adrian, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Dr. Gunther Tiersch, Wetterredaktion ZDF KURZE FILME UND SURPRISEN: 1896 - 2007 BATAILLE DE BOULES DE NEIGE (Schneeballschlacht) Frankreich 1896, R: Auguste und Louis Lumière, 16mm (von 35mm), schwarzweiß, 1 Min., stumm, Musik Michael Holy, Fagott In einer französischen Stadt im Winter 1896 liefern sich Mädchen und Buben, Frauen und Männer eine ausgelassene Schneeballschacht. Ein Fahhradfahrer taucht auf der Szene auf und wird von allen Seiten mit Schneebällen bombardiert. Da ergreift er die Flucht. 100-JAHR-FEIER DER WETTERFORSCHER WIEN · AUSTRIA WOCHENSCHAU Österreich 1973, 59 Sek.


A YEAR ALONG THE ABANDONED ROAD Norwegen 1991, R: Morten Skallerud, Farbe, 35mm Cinemascope, 12 Min. Eine Zeitreise entlang der Straße eines spärlich bevölkerten Fischerei-Gebietes in Finnmark (Norwegen). In einer einzigen, durchgängigen Fahrt zieht das Jahr mit 50.000-facher Geschwindigkeit vorüber. SCHGAGULER D 1988, R: Martin Kirchberger, 16mm, schwarzweiß, 12 Min. Schgaguler, ein alter Einsiedlerhofbauer, ist einer der wenigen, der noch die Kunst des Gurkensteckens beherrscht. »Gurkenanbau ist Sache der Frau, aber stecken muss sie der Mann.« Kirchberger zieht mit ihm und einem Filmteam bei Morgendämmerung auf einem Pferdeschlitten los. Nur an ganz bestimmten Stellen dürfen die mitgebrachten Salatgurken in den Schnee gesteckt werden, damit sie Unheil abwehren oder ein fruchtbares Erntejahr bringen. SNOW CRYSTALS Japan 1990, R: Dr. Ukichiro Nakaya, 35mm (Transfer auf DVD) schwarzweiß, 17 Min., englische Zwischentitel Musik Klaus Walter, Plattenspieler Ukichiro Nakaya was the first person to perform a true systematic study of snow crystals, which resulted in a giant leap in our understanding of how snow crystals form. Trained as a nuclear physicist, Nakaya was appointed to a professorship in Hokkaido, the North Island of Japan, in 1932, where there were no facilities for nuclear research. Undaunted, Nakaya turned his attention to snow crystals, which were


locally very abundant. He then made a superb series of very detailed observations of all types of frozen precipitation, clearly identifying and cataloguing all the major snow crystal types. Unlike Bentley, Nakaya photographed the great variety of snow crystal types, not just those that were the most beautiful and symmetric. Nakaya's real triumph, however, came from growing artificial snow crystals in the laboratory under controlled conditions. From the study of these artificial snow crystals Nakaya was able to describe the crystal morphology under different environmental conditions, which provides an extremely important clue for understanding the physics of snow crystal formation. Mit freundlicher Unterstützung von Japan Foundation MAGNETIC NORTH Großbritannien 2003. R: Miranda Pennell, Beta SP, Farbe, 9 Min. Kopie aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen In der Winterlandschaft Nordfinnlands spielen sich Rituale der Heranwachsenden ab: Mädchen laufen auf zugefrorenen Straßen und Seen kunstvoll Schlittschuh, während Jungs in ihren Zimmern oder Proberäumen elektrische Gitarre spielen. Die Londoner Filmemacherin Miranda Pennell wirft einen eigenwilligen Blick auf menschliche Bewegungen und Choreografien in vermeintlich alltäglichen Situationen.


THE SERENDIP STADIUM Deutschland 2003/04, R: Astrid Nippoldt, DV, Farbe, 5,5 Min. The Serendip Stadium shows striking, highly concentrated images of the start of a horse race. The scene is accompanied by an ominous sound that evolves into the rustling of snow on the microphone, is layered over by a polka, and then flows back into empyrean sounds and the patter of the snow. The horses run chaotically, pulling the drivers' carts, the so-called ‘sulkies‘, into the whirling snow. This creates an effect like the crackling of very old film material and produces thereby mysterious images of an irrational world. The close-up of the back of one of the horses creates an almost tactile sensation, one further supported by the obtrusiveness of the microphone sounds, which are normally perceived as distracting and filtered out. The snowflakes appear to be sharp, long lines; they bounce from the bodies of the horses and take shape as dots. The video ends once again in white, this time the white of the spotlights. A voice is heard announcing the start of the race. But it remains caught in a bizarre world of images that originates again in whiteness. LOVE IS ALL Großbritannien 1999, R: Oliver Harrison, 35mm, schwarzweiß, 3 Min. Es ist Winter. Eine Schneekönigin träumt von der Liebe und dem blühenden Frühling. Eingerahmt in Rokoko singt sie von der Tugend der wahren Liebe: Deanna Durbin in einer Aufnahme von 1940.


SCHNEEBALLSCHLACHT Deutschland 1969, R: Klaus Hartung, Super 8, Farbe, 2 Min., stumm Familien-Spaziergang durch den verschneiten Wald mit Schneeballschlacht. DER SCHNEEMANN Deutschland 1969, R: Klaus Hartung, Super 8, Farbe, 1,5 Min., stumm 3 Kinder mit Zipfelmützen bauen einen Schneemann, der allerdings keine Chance erhält, zu schmelzen… ARKTIS Deutschland 2004, R: Jürgen Reble, Beta SP, Farbe, 30 Min. Das Werk versteht sich als poetische Annäherung an die bizarre Landschaft aus Eis, Gestein und Wasser; eine Reise mit Bildern und Tönen ins Nordpolarmeer und Umgebung. Als Vorlage dienten etwa 70 Szenen in Sekundenlänge aus biologischen und geografischen Filmen über die Arktis. Durch extreme Bearbeitung von Textur, Zeitverlauf und Farb-/Lichtwerten gewinnt das Material eine an Landschaftsmalerei erinnernde Qualität. Für die Toncollage dienten kurze Fragmente aus Naturklängen und Samples aus einem Stück für Streicher und Gesang, die einer ähnlichen Prozedur unterworfen wurden, wie die Bilder. EINIGE FILME DES ERÖFNUNGSABENDS LAUFEN ALS VORFILME ZU ANDEREN PROGRAMMEN.


DONNERSTAG 21.6.2007 15 Uhr – KINDERPROGRAMM DER WEISSE PLANET F 2005, R: Thierry Ragobert, Thierry Piantanida, 35mm, Farbe, 86 Min. Der weiße Planet ist eine »Oper der Wildnis« die sich mit einer Welt beschäftigt, die durch die drohende globale Erwärmung vor der Vernichtung steht, noch bevor sie vollständig erkundet, erforscht und verstanden werden konnte. Die Arktis ist feindlich und unzugänglich, aber sie ist gleichzeitig in den wärmeren Monaten ein immenser natürlicher Schatz und Nährboden für Millionen von Tieren. Zum ersten Mal bringt ein Film für die große Kinoleinwand jetzt alle wichtigen Bewohner der Nordpolarregion quasi auf einer Bühne zusammen, wie für eine einzige, gewaltige Aufführung. Ein Schauspiel über das Leben zwischen Schnee, Schneestürmen und ewigem Eis. Die Polarregion präsentiert sich hier in allen ihren unterschiedlichen Phasen. Die Fauna der Arktis zeigt ihr gesamtes Können, von der fast schon unheimlichen Fähigkeit zum Überleben, zum Springen, Tauchen, Kämpfen und Suchen nach Nahrung...


18 Uhr DAS ENDE DER GLETSCHER – PINGUINE UND ROBBEN IN GEFAHR Deutschland 2004/05, R: Uwe Müller, Beta SP, Farbe, 52 Min. Das Eis der Polkappen taut. In der Antarktis driften Eisberge, größer als das Saarland, durchs Meer und schmelzen. Gletscher ziehen sich in noch nie da gewesener Geschwindigkeit zurück. Wissenschaftler prognostizieren, dass unsere Welt in wenigen Jahrzehnten kaum wiederzuerkennen sein wird. Ob in den Alpen, Südamerika oder in den Polarregionen, überall wird es wärmer... Noch bedeckt das Eis weite Teile der Erde. Die auf den ersten Blick lebensfeindliche Welt der Antarktis ist die Heimat von Robben, Pinguinen und See-Elefanten – sie alle sind wahre Kältespezialisten, die bestens an die eisigen Bedingungen angepasst sind. Menschen haben in der eisigen Region kaum eine Chance, und doch haben die Eismassen auch für uns große Bedeutung: Das Gebiet der Antarktis hält die großen Meeresströmungen der Welt in Gang, versorgt uns mit Fisch und über den Golfstrom sogar mit Wärme. Der argentinische Geologe Jorge Strelin untersucht auf seinen Forschungsreisen, wie sich die Erwärmung auf die riesigen Eismassen auswirkt. Was passiert, wenn sich die Gletscher weiter rasant zurückziehen? ALARM IN DER ARKTIS D 2004/05, R: Adam Schmedes, Beta SP, Farbe, 40 Min. Die Arktis: Das sind unberührte Weiten nördlich des Polarkreises, Heimat der Inuit und Lebensraum von Tieren wie Eisbären, Robben und Alkenvögel: Dieses scheinbare Idyll des hohen Nordens ist in großer


Gefahr. Bei Untersuchungen der Bewohner eines 500-Seelen-Dorfes an der Ostküste Grönlands wurden die bisher höchsten Werte des Umweltgiftes PCB festgestellt. Und das paradoxerweise tausende von Kilometern von den großen Industrieregionen entfernt. Die Menschen dort werden von Chemikalien vergiftet, die hier niemals angewendet wurden. Wie gelangen die giftigen Stoffe aus der industrialisierten Welt in die Arktis? Hier lassen sich neben dem bereits in den 70er Jahren verbotenen PCB auch die unterschiedlichsten Pflanzengifte und Insektizide sowie Dioxin aus Müllverbrennungsanlagen und Quecksilber aus Kraftwerken nachweisen. Die Dokumentation des bekannten dänischen Naturfilmers Adam Schmedes spürt den Folgen dieser unsichtbaren Vergiftung bei Mensch und Tier nach. [ …] Die Suche nach den schrecklichen Folgen der Umweltgifte führt ins arktische Kanada, nach Grönland, Spitzbergen und auf die subarktischen Färöer-Inseln. 20 Uhr THE LITTLE MATCHSELLER (Das Mädchen mit den Schwefelhölzern) Großbritannien ca. 1912, R: Anonym, 16mm (von 35mm), Farbe, 9,25 Min., stumm Der Film gestaltet seine Szenen wie Tableaux, die an Laterna Magica-Bilder erinnern. Draußen: eine Kleinstadtstraße im Schnee, Kälte, Unbarmherzigkeit der Passanten. Zuhause: Armut, Elend, das seine Zuflucht im Alkohol sucht, Verrohung. Aber das Mädchen mit den Schwefelhölzern, die es vergebens zum Verkauf anbietet, findet einen anderen Ausweg: die Lichtprojektion. Die kleine Streichholzflamme


wärmt für einen Augenblick, aber mehr noch läßt sie köstliche Phantasien erblühen, die der Film uns trickreich sichtbar macht. Das Kino erzählt hier auch über sich und davon, was es armen Leuten bedeuten kann. Musik Esther Frankenberger, Piano, Tobias Fandl, Violine SCOTT’S LAST JOURNEY GB 1962, R: John Read, 16mm, Farbe, 60 Min., englische OF Die Geschichte der britischen Antarktik-Expedition von 1910 – 1913 wird dargestellt anhand der großartigen Aufnahmen und Filme von Herbert Pointing, dem Fotografen der Expedition, sowie der Zeichnungen Edward Wilsons, Scotts wissenschaftlichem Leiter. Als einer der letzten zur Enstehungszeit des Films noch lebenden Teilnehmer der Expedition wird Professor Frank Debenham interviewt. 22 Uhr DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (The Thing) USA 1982, R: John Carpenter, 35mm, Farbe, 109 Min., deutsche Fassung, D: Kurt Russell, William Lancaster Vorgestellt von Peter Müller Eine amerikanische Forschungsstation in der Antarktis erhält überraschenden Besuch von einer Gruppe panischer und schießwütiger Norweger, die mit allen Mitteln versuchen, einen entlaufenen Schlittenhund


zu töten. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf die Norweger ums Leben kommen. Eine Untersuchung der zerstörten norwegischen Forschungsstation deckt auf, dass die Forscher ein im Eis verborgenes Raumschiff freigelegt hatten. Der Schlittenhund, der sich nun bei den Amerikanern befindet, entpuppt sich als Wirt einer außerirdischen Lebensform, die in drastisch dargestellten Metamorphosen die äußere Gestalt des infizierten Wirtes annimmt, und sich auch teilen kann. Es entsteht wachsende Panik unter den Amerikanern da niemand sicher sein kann, nicht infiziert zu sein. Es folgt ein unerbittlicher Kampf ums Überleben. Der Künstler Peter Müller zeigte Ende 2004 im Rahmen des 4. Plateaux Festivals des Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main seine Installation und zugleich Diplomarbeit U.S. Research Station John Dwyer. In einem museumsartigen Schaukasten nahm er auf das Set-Design, die Filmmusik und Dreharbeiten von The Thing Bezug, um u.a. eine hollywoodeske Wissenschaftlichkeits-Stimmung zu rearrangieren und wird in seiner Einführung insbesondere über die Produktion und die Rezeption des Films sprechen.


FREITAG 22.6.2007 10 Uhr – KINDERFILM DER SCHNEEMANN GB 1988, R: Dianne Jackson, DVD, Farbe, 28 Min., (ohne Sprache) Zeichentrickfilm. Nach dem Buch von Raymond Briggs. Ein kleiner Junge baut einen Schneemann. Nachts entdeckt er zu seinem Erstaunen, dass dieser lebendig wird. Der kleine Junge lädt ihn ein und zeigt ihm sein Daheim. Der Schneemann nimmt den Jungen daraufhin mit auf eine Reise durch die Lüfte und zeigt ihm die Welt von oben. Doch am anderen Morgen... Wetterquiz und Spiele mit Dorothea Paetzold, Deutscher Wetterdienst 15 Uhr – KINDERFILM IKINGUT – DIE KRAFT DER FREUNDSCHAFT Island/Norwegen/Dänemark 2000, R: Gisli Snaer Erlingsson, DVD, Farbe, 85 Min. Der elfjährige Boas lebt in der Eis- und Schneewelt Islands im Jahre 1689. Ikingut, ein kleiner Eskimojunge, der eines Tages auf einer Eisscholle an den Strand getrieben wird, gerät in große Gefahr, weil die abergläubischen Dorfbewohner Jagd auf ihn machen. Sie halten das fremde Wesen in seinem weißen Pelz für einen bösen Geist, der verantwortlich für ihre schlimme Lage ist. Ikingut rettet Boas das Leben,


als eine Lawine über das Dorf hereinbricht, Boas befreit und Ikingut aus dem Gefängnis und flieht mit seinem neuen Freund aufs Eis vor der Küste. Die Freundschaft der beiden überwindet schließlich alle Vorurteile gegen den Fremden. Wetterquiz und Experimente mit Dorothea Paetzold, Deutscher Wetterdienst 18 Uhr MILAK DER GRÖNLANDJÄGER Deutschland 1927, R: Georg Asagaroff, (Spielszenen), Bernhard Villinger, 35mm schwarzweiß, 80 Min. D: Ruth Weyher, Nils Focksen, Iris Arlan, Helmer Hanssen, Robby Robert, Sepp Allgeier, Albert Benitz, Richard Angst, Waldemar Coste, Harry Bellinghausen Kopie und Rechte Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung Einführung Dr. Frank Berger, Historisches Museum Frankfurt am Main Die deutsche Antwort auf Nanook, der Eskimo: Im Wettlauf mit amerikanischen Konkurrenten begeben sich die Polarforscher Larsen, Svendsen und Eriksen auf eine gefahrvolle Expedition in die Arktis. Auf Grönland werben sie den Eskimo Milak als Hundeführer an. Während Svendsen mit dem Schiff die Küste entlang fährt, machen sich Larsen, Eriksen und Milak per Schlitten auf zum Nordkap. Beide Gruppen bestehen zwischen Gletscherspalten, Schneestürmen und Eisbären zahlreiche Abenteuer und Gefahren. Schließlich geht der Proviant zuende. In der endlose Schneewüste brechen die erschöpften Männer zusammen. Aber ein Hund rettet sie. Zugespielte Musik


20 Uhr THE DAY AFTER TOMORROW USA 2002, R: Roland Emmerich, 35mm Cinemascope, Farbe, 124 Min., englische OF mit dt. Untertiteln D: Dennis Quaid, Jake Gyllenhal Alle Zutaten des Emmerich’schen Destruktionsuniversums sind beigemengt: Gigantische, atemberaubende Spezial-Effekte, der unvermeidliche US-Patriotismus, eine zackige Heldenmoral […] Die größten bzw. fast einzigen Trümpfe, die The Day After Tomorrow interessant machen, sind ohne Zweifel diese größtenteils grandios konstruierten Bilder der globalen Zerstörung vor dem Hintergrund weltbekannter Monumente und Kulissen: Hagelkörner, so groß wie Baseball-Bälle prasseln auf Tokio nieder, Los Angeles wird von einer Tornado-Serie dem Erdboden gleichgemacht und eine monströse Flutwelle überschwemmt die Straßen von New York, das anschließend einer neuen Eiszeit entgegen gehen zu scheint und dem gigantischsten Wettertief aller Zeit trotzen muss. In diesen Szenen entfaltet der Film seine brutale, mitreißende Wucht. Der Zuschauer kann sich genüsslich an der Katastrophe weiden und seinem Voyerismus, der wohl in jedem steckt, nach Herzenslust frönen. Hurra, es ist Weltuntergang und du bist dabei...


22:30 Uhr DIE WEISSE HÖLLE: ANTARKTIS Deutschland 2007, R: Joachim Bublath, Beta SP, Farbe, 40 Min. Antarktika: Der Südkontinent vereint einige unangenehme Superlative auf sich: Er ist der kälteste, trokkenste und windigste Erdteil unseres Planeten. Die mächtige Eisschicht macht eine Erforschung des darunter liegenden Kontinents fast unmöglich, doch manchmal machen Wissenschaftler dennoch verblüffende Entdeckungen: Anhand von Radardaten wurde 1995 weit unter dem Eis ein riesiger See aus flüssigem Wasser entdeckt. Zunächst war Lake Vostok nicht mehr als eine Kuriosität. Dann entdeckte man aber auf dem Jupitermond Europa eine unter dem Eispanzer verborgene Schicht flüssigen Wassers. Die Aussicht, dort könnte sich, ohne Atmosphäre und Sonnenlicht, Leben entwickelt haben, weckte das Interesse der NASA für den Lake Vostok. Gibt es im antarktischen See Leben, finden die Forscher unbekannte Lebewesen dort? Mit speziellen sterilen Sonden sollen jetzt Proben aus dem urzeitlichen Wasser genommen werden. Hier, wo die Naturgewalten ungezähmt aufeinander prallen, wo astronomische High-Tech ebenso im Eis verborgen liegt wie der Schlüssel zur Klimahistorie unserer Erde, gibt es noch unzählige Geheimnisse zu lüften.


SAMSTAG 23.6.2007 15 Uhr ATANARJUAT Kanda 2000, R: Zacharias Kunuk, 35mm, Farbe, 172 Min., OF mit dt. Untertiteln, B: Paul Apak Angilirq Ein Nomadenstamm, der vor Jahrhunderten am nördlichen Polarkreis in der kanadischen Arktis lebt, wird durch einen fremden Schamanen mit einem Fluch belegt. Rivalität, Hass und Machtgier zerstören das friedliche Zusammenleben der Inuit: Der alte Stammeshäuptling wird das erste Opfer des aufkeimenden Hasses. Auch Amaqjuaq und Atanarjuat, die wegen ihrer Geschicklichkeit im ganzen Stamm beliebten Söhne Tulimaqs, bekommen den Hass Sauris zu spüren. Jahre später sind Amaqjuaq, der Starke, und Atanarjuat, der schnelle Läufer, die besten Jäger ihres Stammes. Als Atanarjuat das Herz von Atuat gewinnt, die Oki, Saris Sohn, versprochen war, spitzt sich die Situation zu. Atanarjuat besiegt Oki in einem rituellen Kampf und darf Atuat heiraten. Doch die Familie findet keinen Frieden. [… ] Schließlich ist für Atanarjuat die Zeit gekommen, sich dem Fluch zu stellen und den Kreislauf von Rache und Hass endgültig zu brechen.


18 Uhr »SCHNEE, DER AUF FILM FÄLLT« Kuratiert und vorgestellt von Philippe-Alain Michaud, Centre Pompidou, Paris PATINEURS SUR LE LAC D‘ENGHIEN Frankreich 1901, Produktion: Gaumont, 35mm, schwarzweiß, 1 Min., stumm ALGONQUIN PARK, EARLY MARCH Kanda 2002, R: Mark Lewis, 35mm, Transfer auf Video (DVD), 4 Min. stumm LAND ART (DENNIS OPPENHEIM DRAWING ON THE SNOW WITH A SKIDO) Deutschland/USA 1968/69, R: Gerry Schum, 16mm, Transfer auf Video (Beta num), schwarzweiß, 5 Min. 172 ZENTIMETER Deutschland 2006, R: Lukas Kindermann, Beta SP, schwarzweiß, 20 Min., stumm A LA CONQUÊTE DES CIMES (CONQUEST OF THE PEAKS) Frankreich 1925, R: René Moreau, 35mm, Farbe, 42 Min., stumm Der Film wurde restauriert von Archives françaises du film du Centre National de la Cinématographie auf der Grundlage des Materials der Cinémathèque Robert Lynen und im Rahmen eines mehrjährigen Restaurierungsprojektes von frühen Filmen durch das französische Kulturministerium. Mit freundlicher Unterstützung von Institut français Frankfurt und Hessen


20 Uhr EISGRUB R: Gunter Deller, Deutschland 2004, 16mm, schwarzweiß, 8 Min. Die Stadt Frankfurt am Main von oben, gesehen wie in einer Schneekugel. SOUTH – SIR ERNEST SHACKLETON'S GLORIOUS EPIC OF THE ANTARCTIC Großbritannien 1919, R: Frank Hurley, 35mm, viragiert, 80 Min., englische Zwischentitel, stumm Ein einzigartiges Filmdokument aus der Frühzeit der Polarforschung. Nachdem Amundsen 1911 den Südpol erreicht hatte, suchte der britische Polarforscher Sir Ernest Shackleton eine weitere Herausforderung: die Durchquerung der Antarktis über den Südpol. Am 1. August 1914 sticht er als Expeditionsleiter mit seinem Schiff, der Endurance, mit 27 Männern in See. Mit an Bord ist der Kameramann Frank Hurley, der den Expeditionsalltag filmisch und fotografisch dokumentiert: Die bejubelte Ausfahrt, die ersten Eisberge, den täglichen Kampf gegen das Packeis, den langsamen Untergang der Endurance nach monatelanger Drift, die Flucht nach vorn in drei kleinen Beibooten über eines der rauesten Meere der Welt… Musik Elvira Plenar, Piano u. Elektronik


22 Uhr SCHNEE VON GESTERN Deutschland 1999, R & B: Daniel Nocke, Eva Sütterlin, 35mm, Farbe, 2 Min. In Schnee von gestern rezitiert eine Schneemann-Gruppe mit einem Schneemann-Lehrer ein Gedicht, dessen Quintessenz nur der kleine Jürgen erkennt: Beckenbauer war wichtig für den Titelgewinn bei der Fußball-WM 1974, aber Schwarzenbeck hatte mindestens den gleichen Anteil. LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (Il grande Silenzio) Italien/Frankreich 1998, R: Sergio Corbucci, 35mm, Farbe, 100 Min., deutsche Fassung D: Klaus Kinski, Jean-Louis Trintignant Vorgestellt von Jörg Ritter Winter 1896. In dem kleinen Dorf Snowhill in Utah sorgt das raue Wetter für Hunger und Not. Mangels eines anderen Auswegs, beginnen die Ärmsten zu stehlen und Überfälle zu verüben. Nachdem ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt wird, müssen sie sich in den Bergen verstecken. Während die Menschen leiden, wird das Dorf zu einem Paradies für Kopfgeldjäger, denen die als gesetzlos geltenden Armen kaum etwas entgegenzusetzen haben. Als der Ehemann von Pauline dem skrupellosen Kopfgeldjäger Loco zum Opfer fällt, heuert sie den stummen Silence an, um Loco zu töten. Seit Silence als Kind mit ansehen mussten, wie seine Eltern von Kopfgeldjägern getötet wurden, zieht er durch das Land, auf der


Jagd nach jenen, die unter dem Deckmantel des Gesetzes Menschen für Geld töten. Um nicht gegen das Gesetz zu verstoßen und so selbst auf die Abschussliste der Kopfgeldjäger zu geraten, provoziert er diese so lange, bis sie zuerst die Waffen ziehen. SONNTAG 24.6.2007 13 Uhr MAGISCHE LICHTSPIELE VON EIS UND SCHNEE Laterna magica-Projektion und Präsentation von Illuminago, Karin Bienek und Ludwig Maria Vogl, Musik Rozana Weidmann, Piano Faszinierende Bildverwandlungen vom Sommer in den Winter oder die Freude am Schnee auf projizierten Panoramabildern für Kinder: Karin Bienek und Ludwig Maria Vogl haben für wetterfest° das Repertoire von Illuminago nach winterlichen Szenen durchsucht und ihr Archiv nach Bildern von Eis und Schnee durchforstet. In einer Laterna magica-Vorstellung werden daraus Lichtspiele gestaltet, die aus den Zeiten von Industrialisierung und Romantik kommen. Neben die poetische Darstellung winterlicher Motive tritt die Neugier nach fernen Ländern und Expeditionsberichten von mutigen Forschern, die in die weiße Hölle der Polarregionen gezogen sind. Ein Beispiel aus dem Illuminago-Programm Lichtspiele im Schatten der Armut, die Eis und Schnee als Metaphern der im 19. Jahrhundert heftig umstrittenen »sozialen Frage« verwenden, ist das anrührende Ora pro nobis.


15 Uhr CHEYENNE AUTUMN (CEYENNE) USA 1963, R: John Ford, 35mm Super-Panavision, Farbe, 151 Min., englische OF D: Richard Widmark, Caroll Baker, Karl Malden, James Stewart, Edward G. Robinson Vorgestellt von Heide Schlüpmann Inspired by Mari Sandoz's book about the heroic flight in 1878 of three hundred Northern Cheyenne from a reservation in Oklahoma back to their ancestral lands near the Yellostone River, Cheyenne Autumn was Ford's final Western. Based on a true story, it portrayed a tragic people at the mercy of a heartless majority – a theme in harmony with the rising Native American rights movement. »I've long wanted to do a story that tells the truth about them (the Indians),« said Ford, »and not just a picture in which they're chased by the cavalry« [... ] In that regard it was a forerunner of New West history. The Cheyenne faced starvation, disease, and death on the fifteen-hundred-mile return to their homeland, pursued along the way by the cavalry, with only eight of them surviving. »I've killed more Indiands than Custer,« said Ford. »This is their side.«


18 Uhr HELGA FANDERL. WINTERFILME Super 8-Programm, Farbe und schwarzweiß*, ca. 50 Minuten, ohne Ton In Anwesenheit von Helga Fanderl Gletscher Eisschollen Eisbach Schlittschuhläufer Schnee im Jardin de Luxembourg Züge im Winter New Hope im Schnee Warrior's Market Louis Le Dernier Giana im Schnee* Winter* Aus dem Empire State Building* New Hope II* Selbstbild im Blizzard


Züge im Schnee Möwen auf Eis Museumsinsel Hund im Schnee Osterglocken im Schnee Helga Fanderl begegnet der sie umgebenden Welt mit der Kamera auf direkte und konzentrierte Weise. Ihre kurzen Filme entstehen beim Filmen selbst – ohne nachträglichen Schnitt – in der Super 8-Kamera. Sie evoziert alltägliche Gegenstände und Situationen und verwandelt sie mit filmischen Gestaltungsmitteln in rein visuelle und rhythmische Ereignisse, die ein anderes Sehen des scheinbar Vertrauten ermöglichen. Helga Fanderl stellt ihre Filme selbst zu Programmen zusammen, die von Vorführung zu Vorführung unterschiedlich sind. Motive, Stil und Rhythmen korrespondieren oder kontrastieren. So formt sie ein dichtes filmisches Gewebe und einen eigenen filmischen Kosmos.


20 Uhr »AUFGEHEIZTES KLIMA« – Diskussion Mit Dr. Gunther Tiersch, ZDF Wetterredaktion, Gerhard Müller-Westermeier, Klimaexperte des DWD, Martina Feldmayer, umweltpolitische Sprecherin Die Grünen, Frankfurt am Main, Moderation Michael Hack, Radio X Im Anschluss läuft AN INCONVENIENT TRUTH (Eine unbequeme Wahrheit) USA 2006, R: Davis Guggenheim, 35mm, Farbe, 100 Min., englische OF mit dt. Untertiteln (Oscar 2007) D: Al Gore Die Menschheit sitzt auf einer Zeitbombe. Wenn die große Mehrheit der internationalen Wissenschaftler recht hat, bleiben uns nur noch zehn Jahre, um eine große Katastrophe abzuwenden, die das Klima unseres Planeten zerstören wird. Die Folge werden extreme Wetterveränderungen sein, Fluten, Dürren, Epidemien und tödliche Hitzewellen von ungekanntem Ausmaß - eine Katastrophe, die wir selbst verschulden. Al Gore und seine »traveling global warming show«.


wetterfest° 2007 Karola Gramann, Künstlerische Leitung Sabine Hartung, Kunst und Gestaltung Dennis Göttel, Presse- und Öffentlichkeistarbeit Holger Ziegler Kopienrecherche und -beschaffung Anna Scherbening, Kinderfilmprogramm Sarah Günter, Assistenz Miriam Hilker, Assistenz Mal Seh n Kino Organisation: Gunter Deller, Ariane Hofmann, Beatrix Loew, Martin Loew Projektion: Ariane Hofmann, Martin Berghofer, Gunter Deller Programm Karola Gramann in Zusammenarbeit mit Gunter Deller


Besonderer Dank an Michel Klöfkorn, Heide Schlüpmann, Opak, Jörg Ritter, Peter Müller, Ernst Kieninger, Filmarchiv Austria, Dorothea Paetzold, Yuko Shimizu, Angela Ziegenbein, Japanisches Kulturinstitut Köln; für die musikalische Begleitung der Filme Michael Holy, Klaus Walter, Esther Frankenberger, Tobias Fandl, Elvira Plenar. Wir bedanken uns bei allen Filmemacher/innen, Archiven und Institutionen, die uns ihre Kopien zur Verfügung stellen.


wetterfest° wird gefördert aus Mitteln der Hessischen Filmförderung, Kinothek Asta Nielsen e.V. wird gefördert vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main. Mit freundlicher Unterstützung von Institut français Frankfurt und Hessen, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M., Filmhaus Frankfurt, Medienzentrum Frankfurt e.V., Japan Foundation


wetterfest°

Der Schneemann, D 1969, Foto: Klaus Hartung

Š Karola Gramann und Sabine Hartung


wetterfest° 2007  

Internationales WetterFilmFestival, Eis & Schnee, Programmheft. Konzept: Karola Gramann und Sabine Hartung