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Wirtschaftsmagazin SAAR LAN D D O N N E R S TA G, 1 0 . A P R I L 2 014

NEUE ARBEIT Wenn ein großer Name lockt

Auf Augenhöhe mit dem Meister

Betriebe helfen Eltern

V&B punktet im Kampf um die besten Köpfe mit seinem Marken-Image

Bei CKS Clima Kälte Service kommt es schon in der Ausbildung aufs Team an

Zum Gesamtpaket für Arbeitnehmer gehört Kinderbetreuung häufig schon dazu


WIRTSCHAFTS

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E D I TO R I A L

I N H A LT

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Neue Arbeitswelt

mit der dritten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins stehen Fragen rund um Beruf und Arbeitsalltag im Mittelpunkt. Wie können Unternehmen familienfreundlicher werden? Was erwarten junge Menschen von ihrem Arbeitgeber? Wie lässt sich Teamarbeit verbessern? Wir stellen Ihnen aber auch einen Büchsenmacher vor, der mit 75 Jahren nicht daran denkt, sein Handwerk aufzugeben. Wir hoffen, dass auch dieses Themenangebot wieder Ihr Interesse findet. Die Berichterstattung über die Wirtschaft im Saarland ist uns besonders wichtig. Geht es dabei doch immer um die Zukunft von Unternehmen und Arbeitsplätzen. Auf den Wirtschaftsseiten der Saarbrücker Zeitung räumen wir deshalb Betrieben aus der Region besonders viel Platz ein. Doch trotz regelmäßiger Reportagen, Analysen, Hintergrundberichten und Kommentaren hat die saarländische Wirtschaft mehr zu bieten, als wir in unserem Hauptprodukt abbilden können. Diese Beilage soll deshalb wieder eine Ergänzung sein, die viele Themen jenseits der Tagesaktualität aufgreift. Wir danken für Ihr Interesse und freuen uns auf Ihre Reaktionen. Peter Stefan Herbst Chefredakteur Saarbrücker Zeitung

Wie technologische und gesellschaftliche Trends Arbeit verändern Seite 2 - 4

Der Name zieht Villeroy & Boch im Kampf um die besten Köpfe Seite 5

Das Ausbildungs-Team Lehrling und Meister auf Seite 6 - 7 Augenhöhe

Bitte familienfreundlich Damit Betriebe mehr für Mütter und Väter tun Seite 8

Der Chef als „Kümmerer“ Die Spedition Peiffer sieht in Familienfreundlichkeit Seite 9 - 10 einen Gewinn

Warum Azubis der Dillinger Hütte gerne Seite 11 Schicht arbeiten

„Arbeit ist ein ganz zentraler Aspekt des Lebens, über den sich viele Leute definieren. Das wird auch so bleiben.“

Saarstahl und die Kinder

Cornelius König, Arbeitspsychologe an der Saar-Universität

Lust auf Schichtarbeit

Bei Bewerbern punktet Saarstahl mit den „Stahlsternchen“ Seite 12 - 13

Extras versüßen den Job Steuerfreie Sonderleistung Seite 14 als Belohnung Rollentausch: Zunehmend gehen

Gegen den Arbeits-Frust IMPRESSUM SONDERVERÖFFENTLICHUNG DER SAARBRÜCKER ZEITUNG VERLAG UND DRUCKEREI GMBH VOM 10. APRIL 2014 CHEFREDAKTION Peter Stefan Herbst

ART-DIRECTION

Damit der Job nicht krank macht – Die besten Tipps Seite 15 - 16 für Gestresste

Die Chefs

Im Kampf um die Zeit

Cornelius König: Betriebe

Der fordernde Alltag eines Architekten

Seite 17

Robby Lorenz

REDAKTION Monika Kühborth, Lothar Warscheid, Joachim Wollschläger, Thomas Sponticcia, Volker Meyer zu Tittingdorf

GESCHÄFTSFÜHRUNG Dr. Joachim Meinhold (Vorsitzender) Christian Erhorn

VERLAGSGESCHÄFTSFÜHRER

Was für ein Traumjob! Das erhoffen sich junge Saarländer von ihrem künftigen Beruf Seite 18 - 19

Thomas Deicke

ANZEIGEN Alexander Grimmer, Patrick Strerath

VERLAG UND DRUCK Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH 66103 Saarbrücken Titelfotos: Fotos: Oliver Dietze (3), Grafik: Robby Lorenz

Mit 75 in der Werkstatt Büchsenmacher-Meister Horst Müller liebt seinen Beruf zu sehr, um mit 75 schon aufzuhören Seite 20

Wie kann man bei der Arbeit der Flut von E-Mails und Handy-Anrufen entrinnen? Wie lassen sich Familie und Beruf unter einen Hut bekommen? Über die vielfach belastenden Veränderungen unserer Arbeitswelt sprach SZ-Redakteur Lothar Warscheid mit Cornelius König vom Lehrstuhl für Arbeitspsychologie an der Universität des Saarlandes.

Hat sich während der vergangenen 30 Jahre der Sinn der Arbeit in der Werteskala verschoben? König: Es ist fließender geworden, auch wenn man das nicht in Zahlen abbilden kann. Was sich verändert hat, ist der klassische Arbeitsablauf.


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Mütter arbeiten und machen Karriere, und Väter wollen mehr Zeit für ihre Kinder haben.

Illustration: Catrin Raber

haben eine Fürsorgepflicht müssen auf die privaten Sorgen ihrer Mitarbeiter mehr Rücksicht nehmen Es gibt Veränderungen technologischer Art, die Auswirkungen auf die Arbeit haben. Man ist häufiger erreichbar. Ich glaube nicht, dass die Arbeit an sich an Bedeutung verloren hat. Sie ist ein ganz zentraler Aspekt des Lebens, über den sich viele Leute definieren. Das wird auch so bleiben. Wie stark haben sich die Ansprüche an ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit zu Freizeit verändert? König: Den Anspruch gab es schon immer. Früher ging es viel um die Reduktion der Wochenarbeitszeit – dafür haben ja die Gewerkschaften auch lange gekämpft. Jetzt geht es

stärker um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weil die klassischen Rollenverteilungen in der Familie an Bedeutung verloren haben, und um das Thema „ständige Erreichbarkeit“, weil wir dank Handy und Tablet unsere E-Mails jederzeit lesen können. Ist die ständige Erreichbarkeit eher positiv oder negativ zu beurteilen? König: Ich denke, sie hat eher negative Seiten. Unter anderem hat die Globalisierung dazu geführt, dass Kollegen in den USA noch Informationen benötigen, während die Europäer schon im Feierabend sind. Das macht das Abschalten zum

Teil schwierig. Trotzdem muss man Zeiten haben, in denen man abschalten kann. Doch es gibt – vor allem in der Industrie – weiterhin viele Bereiche, in denen die Trennung zwischen Freizeit und Job noch sehr viel klarer ist. Doch eine gewisse Überlappung zwischen Arbeit und Freizeit ist auch normal. Man freundet sich mit Kollegen an und geht mit ihnen ein Bier trinken oder kegeln und lästert mal über den Chef. Das gibt es sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungsbereich – und das wird wohl auch so bleiben. Sie haben zur „stillen Stunde“ geforscht. Was versteht man darunter?

König: Das ist eine gezielte Auszeit, um sich einer Sache konzentriert widmen zu können. Wichtig ist, dass man dabei nicht gestört wird. Man sollte für diese Zeit sein Telefon leise stellen, für die Kollegen nicht zu sprechen sein und das E-Mail-Postfach außer Acht lassen.

Und das ist produktiver als andere Arbeitsformen? König: Das ist auf jeden Fall produktiver. Bereits eine Stunde konzentriertes Arbeiten ohne Unterbrechungen steigert die Qualität und vor allem die Zufriedenheit mit anspruchsvollen Arbeiten deutlich. Der gesamte Arbeitstag wird als zu-


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friedenstellender und effizienter wahrgenommen. Das ist etwas, was Leute in vielen Berufen brauchen. Berücksichtigen die Unternehmen die familiäre Situation der Mitarbeiter stärker als früher? König: Vielleicht war es früher doch ein wenig anders, als wir es heute wahrnehmen. Der klassische Patriarch hat sich als Chef eines mittelständischen Unternehmen auch für die familiären Belange seiner Mitarbeiter interessiert. Doch heute müssen die Firmen, die vielleicht an nicht so attraktiven Standorten tätig sind, sich überlegen, was sie als Paket anbieten können, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherzustellen. Der wirtschaftliche Druck gebietet es teilweise – besonders wenn es darum geht, höher qualifizierte Leute zu bekommen und zu halten. Denn private Probleme schlagen sich irgendwann auch im Arbeitsalltag nieder. Und die Chefs haben auch eine Fürsorgepflicht. Für das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit hat sich der Begriff Work-Life-Balance eingebürgert. Ist das nur ein Modewort? König: Der Begriff Work-Life-Balance ist sicherlich sehr in Mode gekommen. Einerseits bedauere ich das, denn „Work-Life-Balance“ klingt so, als spielte sich das Leben außerhalb der Arbeit ab. Aber die Arbeit ist Teil des Lebens, sogar ein ganz wichtiger. Andererseits hat sich der Begriff eingebürgert, weil sich offensichtlich viele Mitmenschen mit dem Bild der Balance anfreunden können. Junge Menschen haben heute eine ungeheure Fülle von Möglichkeiten. Ist es für sie deshalb schwieriger geworden einen Kompass zu finden, um in den Beruf einzusteigen? König: Die klassischen Informationsquellen – welchen Beruf haben Papa, Mama oder andere Verwandte? – gibt es heute immer noch. Und es gab früher Berufe, an die man nie im Leben gedacht hat. Doch die sind heute durch die vielen Informationsmöglichkeiten der jungen Leute näher ins Bewusstsein gerückt. Daher haben die meisten Jugendlichen das Gefühl, dass es unglaublich viele Möglichkeiten gibt. Hier einen Kompass zu bieten – vor allem für die Leute, die nicht bis zum Abitur kommen – , ist eine Herausforderung für unser Schulsystem. In etlichen Schulen läuft da inzwischen auch viel. Welches Rezept hätten Sie? König: Die jungen Leute sollten experimentierfreudiger sein. Mal ein Praktikum machen und sich für eine kurze Zeit auf das eine oder andere einlassen. Dann erkennen sie schnell, was sie gar nicht wollen, oder entdecken in anderen Tätigkeiten, die sie anfangs nicht so stark favorisiert haben, dass sie dazu doch eine Neigung haben. Das Arbeitsleben ist lang und wird

Professor Cornelius König forscht unter anderem über Zeitmanagement und Personalauswahl.

vermutlich noch länger. Gibt es einen Tipp, den Sie geben können, um einigermaßen gut durchzukommen? König: Die Kunst im Arbeitsleben besteht sicherlich darin, ab und zu einen Schritt zurück zu machen. Man sollte den Ärger auch mal Ärger sein lassen. Oder in einer anderen Situation denken, dass es sehr schön gewesen wäre, wenn man befördert worden wäre, es aber trotzdem nicht geklappt hat. Das tut zwar weh, aber man kann viele Entwicklungen trotz großer Anstrengung nicht beeinflussen. Ein bisschen Gelassenheit ist im Arbeitsleben immer sehr hilfreich. Es gibt häufig das Phänomen der innerlichen Kündigung. Was kann ein Unternehmen denn dagegen tun? König: Als Chef muss ich in gewisser Weise auch akzeptieren, dass jemand, der seit 20 Jahren in der Firma ist und keine Aufstiegsmöglich-

keiten mehr hat, seine Arbeit gut macht, sich aber kein Bein mehr ausreißt. Wenn es in dieser Situation nichts anzubieten gibt, dann ist es halt auch so. Dass jemand unter diesen Umständen seinen Job gut macht, sollte man dann auch positiv würdigen. Das Arbeitsleben ist weiblicher geworden, weil immer mehr Frauen auch in Führungspositionen zu finden sind. Bedeutet das mehr Teamgeist und soziale Kompetenz statt männlicher Hahnenkämpfe? König: Durch die Frauen, die es bis jetzt auf Führungsebenen gibt, könnte der emotionale Faktor ein bisschen mehr in den Vordergrund gerückt sein. Aber die Effekte sind erstaunlich klein. Vielleicht liegt es daran, dass nur die Frauen für Führungspositionen vorgeschlagen werden, die eher die männlichen Stereotypen erfüllen.

Foto: Rich Serra

ZU R PERSON

Der Psychologe Professor Cornelius König ist seit dem Jahr 2010 Lehrstuhl-Inhaber für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes. Er ist Spezialist für die Auswirkungen von Arbeitsplatzunsicherheit, Zeitmanagement und Personalauswahl. Dabei interessiert ihn vor allem, mit welchen Strategien Bewerber im Auswahlgespräch versuchen, den Job zu bekommen. Auch die Reaktion der Interviewer auf das Verhalten der Bewerber ist Gegenstand seiner Forschung. Im Bereich Zeitmanagement untersucht Cornelius König, warum es vielen Menschen so schwer fällt, sich ihre Zeit richtig einlow zuteilen.


MAGAZIN Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

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chon das Panorama ist gewinnend: links das malerische Städtchen Mettlach, vorne die Saar, dahinter der Park von Schloss Saareck und auf der rechten Seite die Alte Abtei, der Hauptsitz des Keramik-Herstellers Villeroy & Boch (V&B). „Wenn wir Stellen besetzen wollen, ist es entscheidend, Kandidaten erst einmal hierher zu bekommen, zumindest für einen Besuch“, sagt Jörg Hagmaier, Personalchef bei Villeroy & Boch. Schließlich hätten die meisten keine Vorstellung vom Saarland. „Wenn sie erstmal hier sind, haben wir schon einen entscheidenden Punkt gemacht.“ Schwierig sei es für Villeroy & Boch nur, wenn gefragte Spezialisten gesucht werden. Dann konkurriert der Keramik-Konzern auch mit Firmen an attraktiven Großstadt-Standorten. Doch auch da könne das Familienunternehmen sich gut behaupten, sagt Hagmaier. „Das geht dann über die Aufgabe, die wir stellen. Das geht über den Namen und die Tradition.“ Die Marke Villeroy & Boch habe eine erhebliche Anziehungskraft. Obwohl das Saarland den demografischen Wandel im Vergleich zu anderen Regionen schneller zu spüren bekommt, schätzt Hagmaier die Auswirkungen auf den Traditionskonzern in Mettlach als gering ein: „Wir hatten hier in den vergangenen Jahren eher mit dem Thema Abbau zu tun.“ Trotz der Krise der vergangenen Jahre mit Kurzarbeit und Massenentlassung sei die Attraktivität des Unternehmens ungebrochen. Hagmaier lehnt sich zurück, als er über die Lehrstellensituation spricht. 100 Stellen besetze das Unternehmen jedes Jahr. „Dafür bekommen wir 500 bis 800 Bewerbungen. Da sind wir noch in einer sehr entspannten Lage“, sagt der Personalchef. Und auch beim akademischen Nachwuchs sei die Nachfrage nach einer Laufbahn bei V&B groß: „Wir haben hier viele Praktikanten, vor allem von den Universitäten hier aus der Region, die meist auch Interesse an einer Anschluss-Ausbildung bei uns haben.“ Wer einen Master-, Diplomoder Bachelor-Abschluss hat, wird dann in einer dreijährigen Ausbildung auf einen späteren Job im Management vorbereitet. Hagmaier weiß natürlich auch, dass die Personal-Perspektiven im Saarland nicht so bleiben werden. Schon jetzt zeigt sich der Mangel am Arbeitsmarkt: In den vergangenen zehn Jahren ist die arbeitende Bevölkerung um knapp 40 000 auf rund 645 000 zurückgegangen. Nach weiteren zehn Jahren sollen noch einmal fast 90 000 Arbeitskräfte weniger verfügbar sein. Wie sich V&B darauf vorbereitet? „Letztlich werden wir auch weiterhin das machen, was wir jetzt schon tun: eine gute Ausbildung, ständige

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Weiterbildung und Qualifizierung und Perspektiven im Unternehmen bieten“, sagt Hagmaier. Perspektiven sind ein wichtiger Faktor. Denn V&B in Mettlach ist eben – anders als viele andere Betriebe im Saarland – nicht die verlängerte Werkbank eines Konzerns aus „dem Reich“, sondern eine Zentrale, „in der die Entscheidungen getroffen werden“. Wer hier nach dem Studium die dreijährige Zusatz-Ausbildung beginnt, den erwarten auch Aufgaben außerhalb der Hauptverwaltung in der Alten Abtei. „Wir saIm Kampf um die besten Köpfe punktet gen unseren Kandidaten, dass sie erst eine Zeit in Mettlach verbrinVilleroy & Boch mit seinem Marken-Image – gen, dann aber sind eben auch Stationen weltweit, unter anderem in muss aber noch viel mehr bieten London oder New York, möglich“, sagt Vorstandschef Frank Göring. Perspektiven sind das eine, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf das andere. Hier habe sich viel bewegt, versichert Hagmaier. Auch bei Villeroy & Boch. So seien die Jobs deutlich flexibler geworden. Beispiel Home-Office (Büro zu Hause). „Wenn ich das als Arbeitgeber nicht biete, verschrecke ich die Leute, die ich haben will, aber auch die, die ich schon habe“, sagt Hagmaier. Außerdem sei Home-Office eine tolle Sache, weil die Mitarbeiter dort meist noch effizienter arbeiten würden als im Büro. Darüber hi„Wenn wir naus hat das UnternehStellen men im Kinderhort in Mettlach für seine Mitarbesetzen beiter fünf Plätze reserwollen, ist es viert. „Bisher deckt das den Bedarf“, sagt Hagentscheidend, maier. Und wenn es kurzfristig Ausfälle beispielsKandidaten weise wegen kranker Kineinmal hierher der gibt, „sind wir hier in zu bekommen, den kleinen Einheiten so flexibel, dass wir das abzumindest für fangen können“. Als Anfür Eltern mit einen Besuch.“ gebot Schulkindern hat V&B gemeinsam mit der ArJörg Hagmaier, V&B-Personalchef beiterwohlfahrt ein Sommer-Programm ins Leben gerufen: „Da finanzieren wir eine zweiwöchige Schulfreizeit für die Kinder“, sagt Hagmaier. 70 Kinder hätten im vergangenen Jahr teilgenommen. Und wenn Mitarbeiter spontan Flexibilität brauchen, weil ein Familienmitglied pflegebedürftig geworden ist, geht das Unternehmen mit einem verlängerten Altersteilzeit-Modell auch über die gesetzlichen Forderungen hinaus. „Letztlich zahlt sich bei all dem aus, dass wir ein Familienunternehmen sind, bei dem die Familie wirklich noch an der Firma interessiert ist“, sagt Hagmaier. Auch ein Grund, warum die Fluktuation gering sei. Wenn aber doch mal jemand geht? „Dann ist es wichtig, dass die Trennung gut verläuft. Schließlich sieht man sich immer zweimal.“ Und dann muss – sollte es sich um eine Personalchef Jörg Hagmaier hat bislang kaum Schwierigkeiten, freie Stel- Spezialisten-Position handeln – len zu besetzen. Eine größere Herausforderung ist es aber, gefragte Spe- wieder einmal ein Besuch im Saarland organisiert werden … Foto: Oliver Dietze zialisten zu bekommen.

Wenn ein großer Name lockt


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Azubi Leonardo Lauer mit Kälteanlagenbauer-Meister Dietwalt Eckardt an einem Sicherungskasten. Dem Lehrling ist wichtig, dass er einen Chef hat, mit dem er normal reden kann. Foto: Oliver Dietze

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

eonardo Lauer (16) aus Saarbrücken hat gerade den Sprung ins Berufsleben geschafft. Und weiß schon genau, was er will. Dreieinhalb Jahre wird seine Ausbildung dauern. Fragt man ihn nach seinen Erwartungen, kommt eine verblüffende Antwort: „Ich möchte menschlich behandelt werden und einen Vorgesetzten haben, der sich nicht als großer Chef sieht, sondern als ein Mensch, mit dem ich ganz normal reden kann.“ Paul Heinrich und Dietwalt Eckardt, Geschäftsführer des Handwerksbetriebes CKS Clima Kälte Service Saarbrücken mit 28 Mitarbeitern, erstaunt ein solcher Anspruch nicht. „Die Zeiten einer patriarchalischen Unternehmensführung, in der einer sagt, was gemacht wird und die anderen führen es aus, sind längst vorbei“, sagt Eckardt. Für junge Leute, die sich heute für einen Beruf im Handwerk interessieren, sei eine teamorientierte Führung wichtig, in der sich jeder Mitarbeiter als Teil der Mannschaft „auf Augenhöhe“ auch mit Vorschlägen einbringen kann. Der Teamgedanke schweiße zusammen und stärke die Motivation, hat Eckardt selbst festgestellt. So gehören bei der CKS auch gemeinsame Grilloder Fußballabende dazu, mal ein Wochenende für die Mitarbeiter mit

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Auf Augenhöhe mit dem Meister Geschäftsführer Dietwalt Eckardt: Im Betrieb zählt der Teamgedanke – für Lehrlinge wie für Chefs Partnerinnen und Kindern in einem Wellness-Hotel oder gemeinsame Kanu-Touren auf der Blies. „Dabei darf jeder auch einmal versuchen, den Chef zu versenken“, sagt Eckardt und lacht. Letztendlich seien gemeinsame Aktionen der Unternehmensleitung mit ihren Mitarbeitern auch eine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Zum Teamgeist kommt in modernen Handwerksbetrieben der ständige Umgang mit hochmodernen Technologien hinzu. Der Computer spielt heute in fast allen Handwerksberufen eine wesentliche Rolle, auch auf den Baustellen. „Man hat fast ständig mit Technik zu tun“, sagt Paul Heinrich. Man bediene eben nicht ein Leben lang nur eine Maschine oder übe ständig die gleiche Tätigkeit aus. Wer seine Zukunft im Handwerk sieht, sollte

aber schon gute Noten in Mathematik und Physik vorweisen können, da zahlreiche Berechnungen auszuführen sind. Motivierte Leute wie Leonardo Lauer lernen schon frühzeitig mit Hilfe des Computers, wie man elektrische Schaltpläne liest, selbstständig Messungen macht, den Materialbedarf ermittelt, die Anlagen vor Ort errichtet und dort auch ihre Funktionen überprüft. Im Handwerk bekomme man schnell Verantwortung übertragen, sagt CKS-Geschäftsführer Heinrich. Das stärke auch das Selbstbewusstsein. Und manchmal hilft schon eine kleine Formalie, um einen Beruf interessanter zu machen. Allein die Umbenennung der Berufsbezeichnung vom Kälteanlagenbauer zum „Mechatroniker für Kältetechnik“ habe zu deutlich mehr Bewerbern geführt.

Leonardo Lauer nennt noch einen weiteren Beweggrund für seine Berufswahl: „Ich sitze nicht ständig im Büro, und ich komme viel rum.“ Das kann CKS-Geschäftsführer Paul Heinrich nur bestätigen, der selbst schon bei manchem Auftrag darüber ins Staunen gekommen ist, was man in seinem Berufsleben so alles erleben kann. So installierte er gemeinsam mit seinem Team einmal eine neue Klimaanlage in einem Penthouse eines Millionärs in Paris, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Eiffelturm. Die atemberaubende Aussicht hat Heinrich bis heute nicht vergessen. Junge Leute, die im Saar-Handwerk arbeiten wollen, haben zudem generell gute Chancen, auch in Luxemburg, Frankreich oder Belgien Aufträge auszuführen. Hinzu kommt, dass sich gerade Handwerkern wie Leonardo Lauer hervorragende berufliche Perspektiven bieten, da er sich für einen Beruf entschieden hat, in dem Fachleute mittlerweile rar geworden und somit auch sehr gefragt sind. Um beim Beispiel des „Mechatronikers für Kältetechnik“ zu bleiben: Selbst Betriebe aus dem Rhein-Main-Gebiet schicken ihre Auszubildenden in die Berufsschule an die Saar. Sonst bekäme man eine Klasse mit 25 Auszubildenden nicht mehr zusammen. Umgekehrt müssen viele saarländische Junghandwerker zum Berufsschulunterricht nach Rheinland-


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Leonardo Lauer hat in seiner Lehre zum Mechatroniker für Kältetechnik Foto: Oliver Dietze viel Mathematik-Stoff zu bewältigen.

gezielt um junge Nachwuchskräfte werben zu können. Brenner verweist auf zahlreiche Aktionen, auch in der Region. So habe man regelmäßig am „Tag des Handwerks“ Gelegenheit, die Berufe kennenzulernen. Zu 14 Schulen saarlandweit unterhalte die Kammer intensive Kontakte. Auf 30 Messen werde geworben. Auch könne man Berufe innerhalb eines 14tägigen Praktikums kennenlernen. Solche Praktika vermittele die Kammer. Ein Lehrstellen-Radar als App für das Smartphone gebe jederzeit den neuesten Überblick über die

Zahl der Lehrstellen. Schließlich biete sich auch jedem, der sich für einen Beruf im Handwerk interessiert, die Chance zum Berufsabitur. Wer diesen Weg einschlagen will, kann dies durch zusätzlichen schulischen Unterricht erreichen. Weil der erfolgreiche Abschluss eines Studiums nicht garantiert ist, „bedeutet die Lehre eine zusätzliche Chance, seinen Berufsweg abzusichern“, sagt Brenner. Denn man kann dann, auch wenn es mit dem Studium nicht klappt wie erhofft, eine qualifizierte Ausbildung mit Abschluss vorweisen.

3. Auflage

Si Re und sEinfac e gi ch h si st nel ch ri l : On ere lin n e !

Pfalz oder Nordrhein-Westfalen schwierigen Zeit dauerhafte berufliche Perspektiven garantieren. Sogar pendeln. Leonardo Lauer hat Glück gehabt. der Meister ist drin. Und wer den Er bekommt die theoretischen Willen dazu hat, der kann sich auch Kenntnisse in seinem Beruf am selbstständig machen. Allerdings Technischen Berufs-Bildungszen- muss man dazu bereit sein, viel Zeit trum (TBBZ) in Sulzbach vermit- zu investieren. Ein regelmäßiges telt. Zwei Wochen ist er jeweils im Engagement in einem Verein beiBetrieb, dann folgt eine Woche in spielsweise ist da schwierig zu beder Schule. Sein Ausbilder Dietwalt wältigen. Doch auch hier zeigt sich, Eckardt räumt ein, dass die Inhalte wer kreativ ist. Leonard Lauer kann im Unterricht in einem hohen Tem- zwar nicht mehr ständig im Verein po vermittelt werden. Elektrotech- spielen, dafür hat er mittlerweile ein nische Kenntnisse gehören genauso anderes Hobby, dem er mit Leidenschaft nachgeht: Andazu wie die Wärmelehgeln. re, ein Teilgebiet der Georg Brenner, Physik. Lauer packt die „Die Zeiten Hauptgeschäftsführer Herausforderungen beeiner der Saar-Handwerksherzt an. „Man kann die verweist auf Schule schaffen“, sagt Unternehmens- kammer, sichere Stellen in zahler. „Mit Rechnen und Formeln komme ich führung, in der reichen Berufen. Alleine rund 800 Lehrstellen auch zurecht.“ Wenn einer sagt, was seien derzeit noch frei. der junge Mann die Insgesamt beschäftigt Lehre erfolgreich abgemacht wird das Saar-Handwerk schließt, wovon seine Ausbilder ausgehen, hat und die anderen rund 64 000 Männer und Frauen. Dass man er schon ein Übernahes ernst meint mit den meangebot in Aussicht. führen es aus, sicheren beruflichen Damit würde sich auch sind längst Perspektiven, zeige sich eine weitere seiner Erschon daran, dass das wartungen erfüllen: vorbei.“ deutsche Handwerk al„Ich werde später nicht Dietwalt Eckardt, leine rund 50 Millionen arbeitslos.“ Geschäftsführer Euro in die Hand geDie meisten Handbei CKS Clima Kälte nommen habe, um bunwerksberufe können Service desweit fünf Jahre lang auch in der heutigen

Großherzogtum

Luxemburg

DIE b2b Referenz-Fachmesse der Großregion ! Veranstaltungsort:

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Damit sich Chefs um private Sorgen der Mitarbeiter kümmern Ute Knerr kämpft von Berufs wegen für familienfreundliches Arbeiten (HWK) und dem Wirtschaftsministerium – hat die Stelle ein spezielles Siegel entwickelt, mit dem die Firiele Mütter und Väter, aber men zwei Jahre für sich werben könauch Kinder betagter Senio- nen. „Wer nachweisen kann, dass er ren, sehnen sich nach Entlas- sich erfolgreich als familienfreundlitung. Arbeiten gehen, Zeit für ches Unternehmen engagiert, wird die Kinder haben und womöglich für zwei Jahre mit dem Siegel zertifiAngehörige pflegen – das geht nur ziert“, sagt Knerr. 79 Unternehmen schwer zusammen. Von der Unter- haben es im vergangenen Jahr im nehmensseite könnte deutlich mehr Saarland erhalten. Doch das Siegel markiert nur den Unterstützung kommen. Davon ist Ute Knerr überzeugt. Sie ist An- Weg, ist nicht selbst das Ziel. Mit der sprechpartnerin für Firmen bei der Verleihung kommt bereits die nächsServicestelle „Arbeiten und Leben te Hürde: eine Aufgabenliste, die geim Saarland“. Und damit von Berufs meinsam mit dem Unternehmen erwegen Vorkämpferin für familien- arbeitet wird und die Meilensteine freundliches Arbeiten. „Viele Firmen für die nächste Zertifizierung bewissen gar nicht, welche Möglichkei- stimmt. Denn nichts sei so gut, dass ten es gibt, das eigene Unternehmen es nicht noch besser werden könnte, familienfreundlicher zu gestalten“, sagt Knerr. Sie und ihre Kollegin Elisagt sie. Flexible Einsatzzeiten, sabeth Hessedenz, die das Team seit 2011 verstärkt, verstehen Heim-Arbeitsplätze, Elsich deshalb auch vor alternzeit-Modelle für Välem als „Ideengeber“ für ter, Ferienbetreuung für „Das ist ein die Unternehmen. Kinder, Hilfe bei PflegeThema, für Wer sich die Auszeichbedürftigkeit von Angenung „familienfreundhörigen – das sind nur eidas man sehr lich“ anheften will, muss nige wenige Beispiele für viel Geduld sich aktiv einbringen. mehr Familienfreund„Wir klären in einem stralichkeit im Betrieb. braucht.“ tegischen AnalysegeSeit sechs Jahren ist spräch die Situation des Knerr bereits im Saarland Ute Knerr, Servicestelle Unternehmens und erarunterwegs, um Firmenin„Arbeiten und beiten dann in Workshops haber und Geschäftsführer zu überzeugen, dass Leben im Saarland“ mit den Mitarbeitern die offenen Baustellen“, er„Familienfreundlichkeit“ läutert Knerr. Daraus erkein „Klimbim-Thema“ ist, sondern dass es hierbei um Zu- geben sich die Aufgabenlisten für die kunftssicherung geht. „Unterneh- nächste Zertifizierung. Auf die Framen, die sich in Zukunft im Wettbe- ge, ob nicht irgendwann genug für werb behaupten wollen, können gar Familienfreundlichkeit getan wurde, nicht anders, als stärker auf die fami- antwortet Knerr mit einem Lächeln: liären Bedürfnisse ihrer Arbeitneh- „Uns fällt immer noch etwas ein.“ Sie sei fest überzeugt, dass auch bereits mer Rücksicht zu nehmen.“ Gegründet wurde die Servicestelle, sehr familienfreundliche Betriebe die bei der Beratungsorganisation noch zulegen können. Knerr ist keine abgehobene IdeaSaaris (früher ZPT) angesiedelt ist, in einer Zeit, als die heutige Minis- listin, die Unternehmen ohne Rückterpräsidentin Annegret Kramp- sicht auf Zahlen umkrempeln will. Karrenbauer noch Familienministe- Sie war schließlich selbst lange Jahre rin war. „Damals war das Ziel, das unternehmerisch tätig. „Im VorderSaarland familienfreundlicher zu ge- grund steht, dass die Firmen wirtstalten“, sagt Knerr. Die Aufgabe der schaftlich arbeiten müssen, aber in Servicestelle war es, die Unterneh- diesem Rahmen ist trotzdem noch vieles möglich“, sagt sie. Was Gemen auf dem Weg zu begleiten. Mehrere hundert Beratungsge- schäftsführer nicht aus den Augen spräche hat Knerr seitdem geführt, verlieren sollten: FamilienfreundWorkshops in Unternehmen veran- lichkeit und die damit verbundene staltet, individuelle Ideen für jeden Wertschätzung der eigenen MitarBetrieb entwickelt. Gemeinsam mit beiter sind ein Wettbewerbsvorteil. den Trägern der Servicestelle – der Knerr weiß von einem UnternehIndustrie- und Handelskammer men, das ausdrücklich die Einstel(IHK), der Handwerkskammer lung von Vätern begrüßt hat: „Die Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

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Unternehmen, die sich in puncto Familienfreundlichkeit anstrengen, können dafür ein Gütesiegel bekommen. Ute Knerr und ihr Team von der ServiceFoto: Dietze stelle „Arbeiten und Leben im Saarland“ haben es entwickelt.

haben ganz interessante Bewerbungen bekommen“, sagt sie. Gegenbeispiele kennt sie auch: So werde in manch rückwärtsgewandten Firmen Vätern signalisiert, dass sie nach einer Elternzeit für eine Beförderung nicht mehr infrage kämen. „Grundfalsch ist das“, sagt Knerr. Weil die Vorgesetzten durch solch rücksichtsloses Vorgehen die Loyalität der Beschäftigten zerstören. Umgekehrt sei es die beste Chance, um Arbeitnehmer langfristig zu halten, wenn die Geschäftsführung sich auch um die Belange der Mitarbeiter kümmert: „Es gibt keine bessere Bindung als die emotionale.“ Während sich das Thema Vereinbarung von Familie und Beruf in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend auf Kindererziehung beschränkt, ist das dominierende Problem heute die familiäre Pflege – und auch eine größere Herausforderung. Denn Pflegefälle kommen üblicherweise plötzlich und unerwartet auf die Familienmitglieder zu: „Hier müssen Unternehmen schon im Vor-

feld vorbereitet sein“, sagt Knerr. Gerade weil eine Pflegesituation auch emotional extrem belastend ist, sei die Unterstützung durch den Arbeitgeber wichtig. Flexibilität zählt dann besonders. „Pflege ist mit extremem Stress für die Beteiligten verbunden“, sagt Knerr. Ohne Hilfe durch die Betriebe komme es leicht zum Burnout der Mitarbeiter. Die Möglichkeiten des Engagements fallen je nach Branche oder Größe der Firma unterschiedlich aus: „Ein Industriebetrieb mit Schichtarbeit wird kein Home-Office anbieten können, und ein KleinUnternehmen keinen Betriebskindergarten“, sagt Knerr. Wichtig sei aber, immer neue Ideen zu entwickeln – und zu schauen, ob diese dann auch angenommen würden. Denn „es gibt keine Standard-Lösung“, sagt Knerr. Am Ende gehe es immer um maßgeschneiderte Angebote für die Beschäftigten. „Das ist ein Thema, das man immer neu justieren muss und für das man sehr viel Geduld braucht.“


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Für Axel Peiffer (links), Chef der Spedition Peiffer, ist Familienfreundlichkeit ein Kernstück der Firmenphilosophie. Davon profitieren zum Beispiel Foto: Oliver Dietze Bettina Meiser und Marco Nied.

Für alle ein Gewinn Wie die Spedition Peiffer auf die familiären Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingeht Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Doch nach der Geburt seiner Tochter Emma wollte Nied nicht mehr wie bisher weitermachen. Zuontagfrüh um vier Uhr nächst ging er für zwei Monate in herrscht bei der Spediti- Elternzeit. Und sein Chef Axel Peifon Peiffer in Freisen be- fer ermöglichte nicht nur diese Ausreits Hochbetrieb. Die zeit, sondern genehmigte auch Fahrer starten ihre Touren Rich- Nieds Wechsel in einen anderen Betung Leipzig, Erfurt, nach Polen reich des Unternehmens. Denn der oder Südfrankreich. „Der Beruf des wollte auch nach der Elternzeit häuLkw-Fahrers verlangt viel persönli- figer bei der Familie sein: „Mein Vater hat mir als Kind früchen Einsatz“, sagt Axel her oft gefehlt“, erzählt Peiffer, Chef des FamiliNied. Sein Vater ist ebenenunternehmens mit Sitz „Mir ist es falls Fahrer bei Peiffer. in Freisen und Saarbrüeinfach Daher kann sein Sohn cken. Die Arbeitswoche wie es ist, eines Lkw-Fahrers bewichtig, dass nachfühlen, wenn der Vater viel unginnt nicht nur früh, auch sie sich hier terwegs ist. „Das wollte die Einsatzzeiten sind exanders machen.“ Peiftrem: Mehrere Tage die wohlfühlen.“ ich fer hat nun für den junWoche sind die Fahrer gen Vater eine neue Einauf der Straße – fern von Axel Pfeiffer, Chef der satzmöglichkeit geschafdaheim. Spedition Peiffer fen und setzt ihn im LaMarco Nied ist einer ger ein. Außerdem wird von ihnen. Der 33-Jährier in der firmeneigenen ge arbeitet bereits seit elf Jahren bei der Spedition Peiffer als Werkstatt weitergebildet. Für den Unternehmer Axel PeifFahrer. Wenn er bisher auf Tour war, hatte er häufig sein Fahrrad da- fer ist dieses Entgegenkommen bei, erkundete in den Pausen die selbstverständlich. Familienfreundverschiedensten Regionen lichkeit sei ein wichtiger Aspekt in Deutschlands. Nied liebt die Straße. der Unternehmensführung, sagt er. Wenn er im Fernsehen Bilder zum „Unsere Fahrer haben einen Beruf, Beispiel vom Bodensee sieht, be- der sehr belastend für die Familie ist.“ Umso wichtiger sei es, alles zu kommt er sofort Fernweh.

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tun, damit diese sich wohlfühlen. Letztlich sei er auch davon überzeugt, dass die Auszeit bei Nied zeitlich begrenzt ist: „Ein Fahrer hat das im Blut, der drängt förmlich zurück auf die Straße.“ Und tatsächlich plant der junge Vater auch schon mal die eine oder andere Vertretungsfahrt, vielleicht ja auch gleich mit der ganzen Familie. Die Spedition Peiffer ist für ihr Engagement von der Servicestelle „Arbeiten und Leben im Saarland“ als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet worden. Wie flexibel das Unternehmen auf die Familiensituation von Mitarbeitern Rücksicht nimmt, zeigt sich an der Regelung für die Leiterin der Finanzbuchhaltung, Bettina Meiser. So hat Peiffer ihr ermöglicht, einen Nachmittag pro Woche freizuschaufeln, um sich verstärkt um die Betreuung ihrer Eltern zu kümmern. Die 44-Jährige hatte dafür ein Konzept ausgearbeitet, bei dem sie ihre Arbeitszeit reduziert und anders verteilt. So arbeitet sie einmal im Monat auch an einem Samstag. Peiffer sieht in beiden Modellen – sei es der neue Einsatzbereich für Nied, seien es die geänderten Arbeitszeiten von Meiser – nicht nur ein Entgegenkommen des Unternehmens, vielmehr profitiere auch die Spedition davon. Durch die zusätzliche Samstagsarbeit stehe Meiser an einem Tag im Monat all den Fahrern als Ansprechpartnerin zur Verfügung, die in der Woche unterwegs sind. Und auch Nied sei als Mitarbeiter der Zentrale ein Gewinn: „In einer Spedition gibt es zwei Welten, die der Fahrer und die der Zentrale. Für uns ist es immer gut, wenn ein Fahrer als Bindeglied wirkt, das die beiden Seiten stärker verzahnt.“ Nied könne nun gut als Fürsprecher die Bedürfnisse der Fahrer vertreten, gleichzeitig im Fahrerlager für die Nöte der Zentrale werben. Und er kann helfen, Prozesse zu verbessern.

Lkw-Fahrer Marco Nied arbeitet zurzeit im Innendienst. So hat er mehr Zeit Foto: Bonenberger für seine Frau Denise und Tochter Emma.

Familienfreundlichkeit zahlt sich nach Peiffers Philosophie also unmittelbar für den Betrieb aus. Und auch langfristig kann der Unternehmenschef dem Thema nur Positives abgewinnen: „Solch ein Siegel ist

natürlich auch wichtig für die Mitarbeitergewinnung“, sagt er. Es sei schon jetzt schwierig genug, Fahrer und Mitarbeiter zu finden, schon gar im wenig zentralen Freisen. Wenn diese dann aber das Gefühl

haben, im Unternehmen gut aufgehoben zu sein und in Extremsituationen gestützt zu werden, bleiben sie nicht nur, sie machen auch Werbung für das Unternehmen. Peiffer hat viele Ideen, was er noch alles tun kann, um seinen Mitarbeitern und deren Angehörigen das Berufsleben angenehmer zu gestalten. So investiert er massiv in die Bequemlichkeit der Fahrerzellen. Denn ausgeschlafene Fahrer sind auch besser gelaunt. Das fördert die Zufriedenheit in Job und Privatleben – und wirkt sich positiv aufs Geschäft aus. Denn „ein gut erholter Fahrer ist auch freundlicher zu den Kunden“, sagt Peiffer. Um die Familien einzubinden, gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die einerseits den Zusammenhalt stärken, andererseits aber auch Engagement von den Mitarbeitern fordern. Neben einer Neujahrswanderung gibt es auch ein regelmäßiges Sommerfest, das vor allem von den Familien gestaltet wird. Geplant ist jetzt zudem ein Kaffeekränzchen für Fahrerfrauen. Und wenn es Probleme beim Nachwuchs in der Schule gibt, springt der Betrieb auch mal mit Nachhilfe ein. „Übertreiben darf man es natürlich nicht“, sagt Peiffer. „Wir wollen hier keine amerikanischen ,We-are-family‘-Verhältnisse“, meint er. Das Unternehmen könne nur Angebote machen. Wer will, nimmt sie an. Letztlich sind es für Firmenchef Peiffer gerade diese Angebote, die den Unterschied zwischen einem Familienbetrieb und einem Konzern ausmachen. Peiffer ist dem Unternehmen seit seiner Kindheit verbunden, seine Eltern haben die Firma aufgebaut, der Spielplatz des Kindes Axel Peiffer war der Hof der Spedition. „Viele unserer Mitarbeiter sind schon weit über 20 Jahre bei uns“, sagt er. Einige hätten ihn schon als Jungen gekannt. „Mir ist es einfach wichtig, dass sie sich hier wohlfühlen.“

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Warum junge Leute für Schichtarbeit sind Überraschende Antworten von Auszubildenden bei der Dillinger Hütte Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

as Saarland ist ein Industrieland. Entsprechend flexibel müssen die Belegschaften aufgestellt sein, da viele dieser Betriebe die Produktion nur mit Schichtdienst aufrechterhalten können. Doch ist Schichtarbeit heute noch ein attraktives Modell, mit dem man auch junge Leute locken kann, die deutlich häufiger als in der Vergangenheit auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit achten? Fragt man beispielsweise bei der Dillinger Hütte nach, erhält man teilweise verblüffende Antworten. Die Schichtarbeit schreckt offenbar weniger, als zu vermuten ist. So hat Niclas Petry (21) aus Oppen, Anlagenmechaniker im dritten Lehrjahr, nichts gegen Wechselschichten einzuwenden. Für ihn geht es dabei keineswegs nur um Geld, von dem er durch Zuschläge in Nachtschichten noch mehr verdienen kann, als wenn er nur tagsüber arbeiten würde. Der junge Mann begeistert sich

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neben seinem Beruf auch für die freiwillige Feuerwehr. Und da fehlten besonders an Vormittagen Leute, sagt er. Zudem könne man dann auch einmal in Ruhe einkaufen und müsse nicht in langen Schlangen stehen. „Wenn man sich für ein großes Unternehmen entscheidet, dann weiß man, dass damit auch Wechselschicht verbunden ist“, sagt Petry. Auch Elena Hein (23) aus Düppenweiler, ausgebildete Mechatronikerin, kann gut mit Wechselschichten leben. „Ohne Geld hat man wenig Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten.“ Von der Wechselschicht will sie erst absehen, wenn sie später einmal ein Kind haben sollte. Das will sie dann möglichst viel bei sich haben. Auch nach Meinung von Nils Adam (19) aus Dillingen, Elektroniker für Betriebstechnik im dritten Lehrjahr, spricht vieles für Schichtarbeit, selbst in der heutigen Zeit. „Man kann sich dann auch unter der Woche um seine Kinder kümmern, weil dann auch tagsüber mal jemand zu Hause ist.“

Bei der Dillinger Hütte in Zukunftsberufen unterwegs: Philipp Truar, Philipp Weber, Steven Junker, Kevin Foto: Rolf Ruppenthal Burger (v. l.).

Philipp Truar (18) aus Lebach, Anlagenmechaniker im dritten Lehrjahr, macht ähnliche Motive geltend. „Wenn ich Frühschicht habe, dann weiß jeder: Um 15.30 Uhr ist der Philipp daheim. Da kann jeder anrufen.“ Für Philipp Weber (21) aus Tünsdorf, gelernter Anlagenmechaniker, zählt noch ein weiteres Motiv: „Wenn ich Mittagsschicht habe, dann kann ich ausschlafen.“

Elena Heim plädiert noch aus einem weiteren Grund für die Wechselschicht im großen Industriebetrieb: „Im Handwerk verdienen viele deutlich weniger als ich. Und müssen dafür auch noch länger arbeiten.“ Ausbildungsleiter Karl Stein (59) verweist darauf, dass auch die einzelnen Schichtmodelle möglichst flexibel gestaltet werden. Und auch Erholungszeiten beinhalten, da nach einigen Tagen Wechselschicht mehrere freie Tage folgen. Stein lässt aber auch durchblicken, dass Schichtarbeit, wenn man sie viele Jahre lang betreibt, körperlich sehr anstrengend ist. Je älter man werde, desto schwerer falle sie. Auszubildende bei der Dillinger Hütte würden zu Beginn ihres Berufslebens nur in der Frühschicht eingesetzt. „Sie sollen erst ihren Beruf erlernen. Erst später sollen sie dann den Arbeitsrhythmus finden, der zu ihnen passt.“ Hauptargument für die Wahl der Dillinger Hütte ist jedoch für die meisten Jugendlichen weder das Geld noch die Schichtarbeit. Sondern die Zuversicht, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben.

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Damit Eltern unbesorgt arbeiten können Immer mehr Saar-Unternehmen kümmern sich um sinnvolle Betreuungsangebote

Sebastian zeigt mit den Fingern, wie alt er ist: drei Jahre schon.

Johanna, Sebastian und Lukas (von links) spielen in der Kita „Stahlsterneiner Gruppe gewöhnt werden.

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

ebastian (drei) packt die Bauklötzchen aus. Er will unbedingt mit dem Journalisten „ein Auto machen“. Ganz toll finden das auch die anderen Kinder in der Kindertagesstätte „Stahlsternchen“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Völklingen. Sie wollen auch mitmachen. Die Kita wird von Saarstahl mitfinanziert, steht aber nicht nur Betriebs-Angehörigen offen. Eltern werden das gerne hören, denn die Wartelisten sind landesweit offenbar endlos lang. Birgit Brittnacher von der AWO, die die Kindertagesstätte „Stahlsternchen“ kommissarisch leitet, weiß sogar von Fällen zu berichten, in denen Eltern so frühzeitig reagieren, dass sie Kinder schon zur Kita anmelden, wenn diese noch gar nicht geboren sind. Eine attraktive Kinderbetreuung zu möglichst flexiblen Zeiten nennen Fachkräfte heute mit an erster Stelle, wenn sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden. Deshalb sind überall an der Saar inzwischen zahlreiche Unternehmen verschiedener Branchen dabei, maßgeschneiderte Angebote zu entwickeln. In der heutigen Zeit, in der oft beide Lebenspartner beruflich aktiv sind oder man alleinerziehend klarkommen muss, ist kein Platz mehr für überholte Vorstellungen. Solche wie die,

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Ordnung und Hygiene gehören zusammen. Die Zahnbürsten der Kinder sind säuberlich aufgereiht.

Jedes Kind hat seinen persönlichen Ordner, in dem alle Ereignisse aufgeschrieben werden.

Die Erzieherinnen nehmen sich viel Zeit für die Kinder. Jedes soll sich individuell entwickeln und früh seine Talente entdecken können.

dass eine Mutter ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn sie ihr Kind nicht ständig selbst betreut. Die Erzieherinnen in der Kita „Stahlsternchen“ und in anderen Einrichtungen dieser Art sind professionell ausgebildet und wissen, wie sie auf die Kleinen eingehen müssen, damit diese sich wohlfühlen. Als Besucher der Völklinger Kita kann man viel Zusammengehörigkeitsgefühl und auch schon so etwas wie Teamgeist zwischen den Kindern spüren. Die Kleinsten von acht Wochen bis zu drei Jahren werden in der Krippe betreut, die „Älteren“ bis sechs Jahre in der Kita. Der Plan, ein Auto zu bauen, wird nach kurzer Zeit nicht mehr weiterverfolgt. Denn eine Alternative lockt noch mehr: die Kuschelecke. Dort darf jedes Kind hin, sobald die Bauklötzchen wieder aufgeräumt sind. In der Kuschelecke singen die Kinder gemeinsam Lieder, in Deutsch und Französisch. „Salut, ça va!“ stimmt eine Erzieherin an. Alle klatschen in die Hände und machen begeistert mit. Die spielerische Vermittlung französischer Wörter ist fester Bestandteil des Konzeptes, sagt Birgit Brittnacher. Zum Team der neun Erzieherinnen gehört auch eine Französisch-Fachkraft, die in Paris aufgewachsen ist und mit den Kindern häufig Französisch spricht. Die Nachfrage der Eltern ist so groß, dass die Kita „Stahlsternchen“


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chen“ gerne zusammen. Die Kinder sollen schnell an Verhaltensweisen in Fotos: Oliver Dietze

erweitert wird. Sie soll bis Ende des Jahres Platz für 53 Kinder bieten. Jeder Neuankömmling wird an regelmäßige Tagesabläufe gewöhnt. Die Kuschelecke gehört genauso dazu wie feste Ruhe- und Essenszeiten. Viel Zeit bleibt für gemeinsame Spiele, die Vermittlung von Lerninhalten und das Herumtoben in freier Natur. Da aller Anfang schwerfällt,

ist die Bezugsperson des Kindes in der Eingewöhnungsphase von normalerweise zwei bis vier Wochen häufig noch dabei. Schnell soll ein enges Vertrauensverhältnis zu der Erzieherin aufgebaut werden. Vieles lässt sich in einer Gruppe besser erlernen: von der Kommunikation untereinander bis hin zur Körperbeherrschung.

Neben dem Lernkonzept sind nungszeiten: 6 bis 22 Uhr. Zur kurzmöglichst flexible Öffnungszeiten fristigen Notfallbetreuung kommt das häufigste Argument für die Wahl eine Regelbetreuung für Kinder bis der Kinderbetreuung. Die Kita drei Jahre hinzu. Auch Ferienpro„Stahlsternchen“ kann von 6.30 Uhr gramme für Kinder bis zwölf Jahre das „Familienhaus bis 18 Uhr beansprucht werden, bei organisiert Bedarf auch samstags. Zudem gibt es Sterntaler“. „Je flexibler solche Angebote sind, wenig Schließtage. Roman Trenz, der bei Saarstahl den Bereich Sozia- desto besser“, sagt Ute Knerr, Leiteles und Gesundheit betreut, betont: rin der Stelle „Arbeiten und Leben „Wir haben dem Träger der Kita, der im Saarland“. Diese Stelle ist bei der AWO, als Arbeitgeber die Vorgaben Saaris angesiedelt, einer Organisatigemacht, auf die es uns ankommt. on der Wirtschaft und des Landes. Viele Kindergärten machen auch Kinderbetreuung sei nicht das Kernmal zwei bis drei Wochen zu. Bei uns geschäft von Unternehmen. Deshalb gibt es das nicht.“ Ganz uneigennüt- müssten sich Betriebe und Eltern noch mehr aufeinander zig ist die finanzielle Unzubewegen, damit die Anterstützung der Kita nicht. „Wir wollen uns als „Je flexibler gebote auf die Bedürfnisse beider Seiten zugeArbeitgeber nach außen die Angebote schnitten sind. Auch die attraktiv präsentieren. Landesregierung hat reaAuch wir suchen Fachsind, desto lisiert, wie wichtig Kinkräfte. Und wir stellen besser.“ derbetreuungs-Einrichfest, dass für viele Bewertungen sind, wenn man ber heute nicht mehr die Ute Knerr, Fachkräfte an die Saar loBezahlung als wichtigstes Leiterin der Stelle cken will. Das Land unKriterium entscheidet, „Leben und terstützt finanziell Kripsondern ein GesamtpaArbeiten pen, Kindergärten und ket, zu dem auch die Kinim Saarland“ Horte. Zu den Personalderbetreuung gehört.“ kosten erhalten die KitaJe nach Branche stellen sich unterschiedliche Anforderun- Träger Zuschüsse vom Land (29 gen. Im „Familienhaus Sterntaler“ Prozent) und von den Landkreisen in unmittelbarer Nachbarschaft zu beziehungsweise dem Regionalverden SHG-Kliniken in Völklingen band Saarbrücken (36 Prozent). Der steht eine sogenannte „flexible be- Beitrag des Erziehungsberechtigten darfsorientierte Betreuung“ im Vor- zur Kita soll ein Viertel der zudergrund. Wegen der unregelmäßi- schussfähigen Personalkosten nicht gen Dienstzeiten der Klinikmitar- übersteigen. Zehn Prozent der Perbeiter ist häufig eine sehr kurzfristi- sonalkosten übernimmt der Träger. ge Kinderbetreuung erforderlich. 2013 hat das Land 66,3 Millionen Deshalb kann man noch bis 15 Uhr Euro an Zuschüssen übernommen, anrufen, um am folgenden Tag eine im Haushalt 2014 sind 67 Millionen gesicherte Betreuung zu haben. Das Euro vorgesehen. Für Sebastian und seine Freunde Konzept ist auf die Betreuung durch Tagesmütter ausgelegt, „die wir bei den „Stahlsternchen“ ist wichtig, selbst ausgebildet haben“, sagt Ra- dass sie weiter gut betreut werden. mona Kiefer, die Leiterin des „Fami- Und Mama mit guter Laune kommt, lienhauses Sterntaler“. Sieben Ta- wenn sie ihn abholt. Sebastian hat gesmütter sind im Team. Auch hier dann viel zu erzählen. In seiner Welt trifft man auf besonders flexible Öff- erlebt man jeden Tag etwas Neues.

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Teil II Fachtheorie Mai 2014 Feinwerkmechaniker, Metallbauer,

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Mai 2014 Visagistik Mai 2014 Braut-Make-up Mai 2014 Geprüfte/r Nageldesigner/in Mai 2014 Hydraulikfachkraft Mai 2014 Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten Juni 2014 Kosmetiker/in Juni 2014 SPS-Fachkraft

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Extra-Bonbons versüßen die Arbeit Viele Sonderleistungen sind sogar steuerfrei oder steuerbegünstigt

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

er hart arbeitet, erwartet eine gute Entlohnung. Aber leider hält auch Vater Staat immer fordernder die Hand auf, um über die Einkommensteuer seinen Anteil einzubehalten. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn bei einer Erhöhung des Gehalts die kalte Progression zuschlägt. Es kann dann sogar passieren, dass die Überweisung ans Finanzamt stärker steigt als das Entgelt. Manche Arbeitgeber wollen wegen der kalten Progression ihre Mitarbeiter auf andere Weise belohnen und ihnen Extra-Bonbons zukommen lassen, um sie stärker an das Unternehmen zu binden. Doch was ist hier steuerlich möglich? Erkennt das Finanzamt diese Gratifikationen außerhalb der Entlohnung auch an? Und werden darauf Sozialabgaben fällig? „Da geht vieles“, sagt Christof Kurz, Leiter Produktmanagement beim Saarbrücker Software-Haus Eurodata, das auf das rechnergestützte Verarbeiten und Speichern von Lohnund Gehaltsabrechnungen spezialisiert ist. Denn der Gesetzgeber „hat eine Menge von Möglichkeiten eingeräumt, Arbeitnehmern Zahlungen und Sachleistungen zu gewähren, die steuerbegünstigt oder sogar steuerfrei sind“, sagt Kurz. Außerdem seien sie von Sozialversicherungs-Beiträgen befreit. So können beispielsweise gesundheitsfördernde Aktivitäten von Mitarbeitern steuer- und beitragsfrei vom Arbeitgeber mit bis zu 500 Euro pro Jahr unterstützt werden. Wer seinem MitarbeiterTeam Sachleistungen (beispielsweise ein Job-Ticket) spendiert, erhöht auf diese Weise das Einkommen seiner Beschäftigten ebenfalls. Die abgabenschonende Grenze liegt in diesem Fall bei 44 Euro pro Monat. Dieser Wert gilt auch für Tankgutscheine und für die Beteiligung des Arbeitgebers an den häuslichen Stromkosten seiner Mitarbeiter. 44 Euro monatlich dürfen es auch sein, wenn ein Unternehmen seiFoto: Fotolia

W HINTE RGRUND

Der Effekt der kalten Progression, die Arbeitnehmern immer weniger Netto von ihrem Bruttoentgelt lässt, ist eine Folge des progressiven Steuertarifs, der dem deutschen Einkommensteuer-Recht zugrunde liegt. Dieser besagt, dass auf jedem Euro, der jenseits des Grundfreibetrags von 8354 Euro zusätzlich verdient wird, ein höherer (Grenz-)Steuersatz lastet, bis der Spitzensatz von 42 Prozent erreicht ist. Er greift derzeit ab einem zu versteuernden Einkommen von 52 882 Euro. Über diese Grenze hinaus wird jeder zusätzlich verdiente Betrag mit 42 Prozent Steuern belastet, bis ab einem Einkommen von 250 731 Euro die sogenannte Reichensteuer fällig wird und der Steuersatz auf 45 Prozent springt. low

nen Beschäftigten ein Zeitungs- oder Zeitschriften-Abonnent spendiert. Schon ein Klassiker, um den Mitarbeitern eine Sondervergünstigung zukommen zu lassen, ist der Belegschaftsrabatt. Wer eine Ware produziert und mit dem Verkauf Geld verdient, kann sie an die Beschäftigten mit einem Abschlag von maximal vier Prozent abgeben. Bis zu diesem Rabatt werden keine Steuern oder Abgaben fällig. Die jährliche Freigrenze liegt bei 1080 Euro. Ähnlich beliebt ist in bestimmten Branchen die Berufskleidung. Die Überlassung von Hemden oder Hosen sowie deren Reinigung und Reparatur sind steuer- und beitragsfrei, „wenn eine private Nutzung so gut wie ausgeschlossen ist“, sagt Kurz. Weiterhin ist es möglich, dass der Arbeitgeber die Kinderbetreuungskosten seines Arbeitnehmers übernimmt oder ihm die Mehrkosten für Strom, Miete, Heizung oder anderes zahlt, wenn der Kollege von zu Hause aus arbeitet. Immer häufiger kommt es zudem vor, dass Firmen ihre Beschäftigten – je nach Tätigkeit – mit Laptop, Tablet-PC oder Smartphone ausstatten, die diese privat nutzen können. „Voraussetzung ist, dass diese Geräte auch im Betrieb eingesetzt werden“, schränkt Eurodata-Experte Kurz ein. Wer hingegen sein eigenes Handy im Dienst einsetzt, kann sich dieses Entgegenkommen mit bis zu 20 Euro pro Monat entlohnen lassen, ohne dass ein Einzelkosten-Nachweis erbracht werden muss. Ein Firmen-Zuschuss für den heimischen Internet-Zugang kann bis zu einem Wert von 50 Euro monatlich pauschal besteuert werden. Christof Kurz und Eurodata-Vorstandschef Karl-Heinz Siebenpfeiffer warnen aber davor, „das Entgelt zu senken und stattdessen solche Vergünstigungen zu gewähren“. Damit würden die Arbeitgeber beim Finanzamt auf Granit beißen. „Unsere Modelle greifen nur, wenn diese Privilegien zusätzlich gewährt werden.“ Eurodata hat diese Bausteine zur Lohnkosten-Optimierung (Nettomaxx) zusammen mit der Berliner Steuerberatungs-Gesellschaft ETL-PKC ausgearbeitet. Dieser Partner des Saarbrücker Software-Unternehmens erstellt monatlich rund 50 000 Lohn- und Gehaltsabrechnungen.


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Wenn Arbeit krank macht Wie der Dreiklang von Arbeit, Familie und Freizeit harmonisch bleibt

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Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

er kennt sie nicht, jene Lustlosigkeit, die sich gelegentlich am Anfang einer Arbeitswoche breitmacht, ein gewisser Antriebsmangel, im Saarland auch die „Flemm“ genannt. Wenn Josef Schwickerath in Aktion tritt, ist die Flemm-Phase allerdings schon weit überschritten. „Dann sind die Menschen durch die Arbeit und in Verbindung mit ihrem Umfeld krank geworden.“ Burnout, Stress, Mobbing – das sind die Themen, mit denen sich der leitende Psychologe der AHG-Klinik Berus beschäftigt. Mehr als 3000 Menschen wurden seit dem Jahr 2000 in diesem Europäischen Zentrum für Psychosomatik und Verhaltensmedizin behandelt. „Probleme bei der Arbeit gab es immer schon“, sagt Schwicke-

W

Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt zu. „Und das hat auch mit unserer Arbeitswelt zu tun“, hat der Psychologe Josef Schwickerath Foto: Ruppenthal festgestellt.

Woanders wächst man nur auf. Bei uns wird man groß. Nirgends finden Jugendliche leichter einen Ausbildungsplatz. Kein Wunder: Im Land der kurzen Wege werden Suchende eben schneller fündig. willkommen.saarland.de


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rath. „Nur die Menschen nannten sie anders. Man war erschöpft, am Ende, fertig“, erinnert er. „Heute weiß man mehr über diese Art der Depression und hat Namen dafür.“ Seiner Ansicht nach nimmt die Anzahl der psychischen Erkrankungen generell zu – „und das hat auch mit unserer Arbeitswelt zu tun“. Doch die einen kommen prima mit Stress zurecht und legen bei ihrer Arbeit eine gewisse Leichtigkeit an den Tag. Andere haben zunehmend das Gefühl, „dass ihre Leistungsfähigkeit gesunken ist, dass sie im Umgang mit Kunden oder Kollegen zynisch werden und dass die Belastungen zu- und die Energiequellen abgenommen haben“, beschreibt Schwickerath die AnfangsPhänomene, die möglicherweise zum Burnout führen. Der Psychologe zeichnet das Bild vom menschlichen Wohlfühl-Haus, das aus seiner Sicht drei Säulen hat: Arbeit, Freizeit und Familie. „Kommt eine dieser Säulen unter Druck oder bricht sie gar, sind auch die beiden anderen Säulen in Gefahr. Stress in der Familie schlägt auf die Arbeit durch und umgekehrt.“ Schwickeraths Rat: „Alle drei Säulen müssen gepflegt werden.“ Doch auch die Arbeitsumgebung muss nach Ansicht des Psychologen stimmen. „Wer sich bei der Arbeit verausgabt, benötigt einen Ausgleich.“ Das kann, muss aber nicht immer Geld sein. Auch die Anerkennung der Arbeit und ein gewisser Status „können eine starke Triebfeder sein“. Zu einem zufriedenstel-

lenden Arbeitsumfeld zähle aber auch, dass die Bindungen innerhalb eines Teams in Ordnung sind und die Sicherheit vorhanden ist, „dass die Arbeit wohlwollend bewertet und kontrolliert wird, Abweichungen früh, aber auch fair besprochen werden“, sagt Schwickerath. „Wenn das alles erfüllt ist, fühlen sich die Menschen bei der Arbeit wohl.“ Eignung (Können), Motivation (Wol-

len) und Identifikation (Sollen) müssten einen harmonischen Dreiklang bilden. Dieses Schema gelte nicht nur für Büro-Berufe, sondern auch in der Produktion. „Oft reicht ein Lob des Meisters aus“, sagt Schwickerath. „Es muss aber ehrlich sein.“ Wenn diese Bedürfnisse nicht befriedigt werden, kommt es zu Konflikten. „Und dann macht die Arbeit krank.“

HI NTERG RUND

Gutes Führungsverhalten ist nach Ansicht von Josef Schwickerath, leitender Psychologe der AHG-Klinik Berus, ebenso wichtig für ein ordentliches Betriebsklima wie funktionierende Teams. Von Zielvereinbarungen als Führungsinstrument hält er nicht viel. Alternativ hat er sich zwölf Fragen einfallen lassen. Wenn Mitarbeiter diese innerhalb eines knappen Jahres mit „Ja“ beantworten, dann „kann man von einem guten Führungsverhalten ausgehen“: 쎲 Weiß ich, was bei der Arbeit von mir erwartet wird? 쎲 Habe ich die Materialien und Arbeitsmittel, um meine Arbeit richtig zu machen? 쎲 Habe ich bei der Arbeit jeden Tag die Gelegenheit, das zu tun, was ich am besten kann? 쎲 Habe ich in den vergangenen sieben Tagen für meine Arbeit Anerkennung und Lob bekommen? 쎲 Interessiert sich bei der Arbeit mein Vorgesetzter oder eine andere Person für mich als Mensch? 쎲 Gibt es bei der Arbeit jemanden, der mich in meiner Entwicklung unterstützt und fördert? 쎲 Habe ich den Eindruck, dass bei der Arbeit meine Meinungen und Vorstellungen zählen? 쎲 Geben mir die Ziele und die Unternehmensphilosophie meiner Firma das Gefühl, dass meine Arbeit wichtig ist? 쎲 Sind meine Kollegen bestrebt, Arbeit von hoher Qualität zu leisten? 쎲 Habe ich innerhalb der Firma einen sehr guten Freund? 쎲 Hat in den vergangenen sechs Monaten jemand in der Firma mit mir über meine Fortschritte gesprochen? 쎲 Hatte ich bei der Arbeit während des vergangenen Jahres Gelegenheit, Neues zu lernen und mich weiterzuentwickeln? low

Eine extreme Form des Konflikts ist nach der Erfahrung Schwickeraths das Mobbing. „Hier soll eine Person gezielt ausgegrenzt werden“, sagt der Psychologe. „Das geschieht durch Schikanen jeder Art, die regelmäßig vorkommen und über längere Zeit andauern.“ Mobbing könne grundsätzlich jeden treffen, aber es gebe bestimmte Menschentypen, die häufiger als andere zu MobbingOpfern werden. „Oft haben solche Menschen zu wenig Distanz zu ihrer Arbeit, können nicht Nein sagen, nehmen Konflikte mit nach Hause, packen Probleme falsch an und haben ein hohes Unrechtsbewusstsein.“ Wer in einem harten ArbeitsplatzKonflikt steckt und den Weg in die Abgeschiedenheit des Überherrner Ortsteils Berus findet, „muss zunächst einmal einen klaren Kopf bekommen und verstehen, was da eigentlich passiert ist“, sagt der leitende Psychologe der AHG-Klinik. „Wir öffnen den Käfig, in dem die Depression ihn gefangen hält.“ Die Mobbing- oder Burnout-Opfer müssten lernen, Entscheidungen zu treffen, sich vielleicht einen anderen Arbeitgeber suchen. „Was ist mir für diese Zeit wichtig, die mir noch bleibt, wo liegt meine persönliche Perspektive?“ Diese Frage müssten sich die Patienten am Ende der Therapie ehrlich beantworten. Rund drei Viertel der Leute würden davon profitieren – „und wenn jemand wieder Entscheidungen treffen kann, hat er auch eine gewisse Stärke zurückgewonnen“.

Wenn Mobbing-Opfer und Burnout-Kranke in die AHG-Klinik Berus kommen, geht es erst einmal darum, dass sie Abstand gewinnen vom Alltagsstress Foto: Rolf Ruppenthal und wieder einen klaren Kopf bekommen.


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„Als Architekt muss man Enthusiast sein.“ Janek Pfeufer

Der Architekt Janek Pfeufer hat viel zu tun. Gerade beugt er sich über Baupläne. Seine Auszubildende Janina Lauer schaut Foto: Becker & Bredel ihm über die Schulter.

Der tägliche Kampf um die Zeit Der Architekt Janek Pfeufer und die Herausforderung, den Beruf zu leben und für die Familie da zu sein Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

elbstständige können sich ihre Arbeitszeit frei einteilen. Mag sein. Doch sie arbeiten in der Regel mehr als Angestellte. Im Schnitt 50,4 Stunden in der Woche und damit rund zehn Stunden mehr als Arbeitnehmer, so die Zahlen des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2012. Für Janek Pfeufer wäre das wenig. Der selbstständige Architekt kommt „in der Regel auf 60 bis 70 Stunden, wenn ich die Zeiten mitrechne, die ich von zu Hause arbeite“. Derzeit sind es vielleicht sogar noch mehr Stunden. Denn die Baukonjunktur brummt und damit auch das Geschäft des Architekturbüros oben auf dem Eschberg in Saarbrücken. „Da bleibt mir wenig Zeit für die Familie, und das ist mir gar nicht recht“, sagt der 38-Jährige. Die Familie hat für ihn einen besonderen Stellenwert im Leben – als Rückhalt, Ruhepol, Quelle der Inspiration und des Glücks. Das Klischee vom Unternehmer, der nur für seine Firma lebt und sich mit Frau und Kindern nur schmückt, statt für sie da zu sein, passt auf Janek Pfeufer jedenfalls nicht. Trotzdem – die heutzutage viel beschworene Work-Life-Balance, ein

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ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit, gibt es für ihn nicht. „Ich muss mir jeden Tag die Zeit für die Familie neu erkämpfen – und dabei mit mir selber kämpfen“, sagt er selbstkritisch. Das hängt aus seiner Sicht zum Teil auch mit dem Beruf an sich zusammen. „Als Architekt muss man Enthusiast sein und den Beruf mit Passion machen“, ist der gebürtige Thüringer überzeugt. „Ich lebe meinen Beruf.“ Auch als Angestellter, bevor er im Jahr 2007 das Büro übernahm, habe er viele Überstunden angehäuft, wenn auch weniger als heute. In der Rolle als Unternehmer kommt aber noch eine besondere Schwierigkeit hinzu. „Jeden Tag muss ich mir selber sagen: Du hast jetzt dein Pensum erreicht, geh heim, da warten sie auf dich“ – seine Frau und seine beiden Töchter. Auf der einen Seite drängen „die Wünsche der Kunden“, auf der anderen Seite steht die Einsicht, dass man über den Anforderungen im Beruf und den eigenen Ansprüchen an die Arbeit „das eigene Leben nicht aus den Augen verlieren darf“. Beide Seiten auszutarieren, sei ihm so manches Mal in den letzten Jahren nicht gelungen, gibt Pfeufer zu. Aber es gibt auch die Tage, an denen er seinen „täglichen Kampf“ gewinnt und früher nach Hause

kommt und um vier oder fünf Uhr nachmittags daheim in Riegelsberg ist. „Wenn dann die Tochter kommt, mich umarmt und sagt: Schön, Papa, dass du schon da bist – das sind diese kleinen Glücksmomente, wo das Herz einen Hüpfer macht.“ Inzwischen kann sich Pfeufer kaum mehr vorstellen, wieder als Angestellter zu arbeiten. Zu viel Zeit und Mühen habe er hineingesteckt und auch schwierige Phasen durchgestanden, um das Büro aufgeben zu können. „Ich habe ein gutes Team, meine Frau steht hinter mir, die Kinder wissen, dass dieses Büro uns gehört und einen Wert hat. Das ist fast so, als wenn man sich ein Haus gebaut hat.“ Vieles wird dadurch einfacher, dass seine Frau jetzt noch mehr in der Firma mitarbeitet, inzwischen fast in Vollzeit. Sie hat eine Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte und kümmert sich um Buchhaltung, Personalwesen, Verträge und Organisatorisches. So lässt sich viel Dienstliches, was sonst vielleicht zu Hause besprochen würde, im Büro bereden – und den Kindern bleibt erspart, ständig von Problemen auf Baustellen und Diskussionen mit Bauherren zu hören. Elf Köpfe zählt das Unternehmen, inklusive des Chefs, seiner Frau und freier Mitarbeiter. Dieses Team be-

deutet ihm viel. Selbst wenn morgen ein Star-Architekt käme und ihm eine Top-Position anbieten würde, könnte er sich nicht vorstellen, das anzunehmen. Nicht zuletzt, „weil mir die Verantwortung als Chef bewusst ist. Ich kann nicht einfach sagen: Ich bin jetzt weg. Guckt, wie ihr klarkommt.“ Das Team „ist für mich auch Teil meiner Familie“. Wichtig ist ihm daher, dass sich seine Mitarbeiter wohlfühlen. Dazu gehört für Pfeufer, dass die Arbeitsbedingungen familienfreundlich sind. Er hatte es selbst erlebt, als er noch angestellt war, dass sein Chef sich kulant zeigte und ihm erlaubte, viel von daheim aus zu arbeiten. Das war eine große Hilfe, gerade als die Kinder noch klein waren. Nachdem Pfeufer das Büro übernommen hatte, wollte er darauf aufbauen und bei der „Familienfreundlichkeit eine Schippe drauflegen“. An der Tür klebt auch das Siegel „Familienfreundliches Unternehmen“. Flexible Arbeitszeiten, Elternzeit, Heimarbeit – all das ist möglich. Jetzt soll noch ein Konzept hinzukommen für den Fall, dass ein Mitarbeiter einen Angehörigen pflegen muss. Und Pfeufer passt auf, dass seine Mitarbeiter ihre Überstunden abbauen. In diesem Punkt sollen sie ihm nämlich nicht nacheifern. „Da bin ich ein schlechtes Vorbild.“


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So macht der Traumjob richtig Spaß Junge Saarländer malen sich ihre berufliche Zukunft aus – Von tollen Aufgaben, gut gelaunten Chefs und ordentlichem Gehalt

INTERVIEWS UND PORTRÄTFOTOS: ELSA MIDDEKE, FOTO: BAERENZ/ALIMDI.NET


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D O N N E R S TA G, 1 0 . A P R I L 2 014

Gianluca Pardi (22) kommt aus Saarwellingen und studiert an der Saar-Uni Jura. Nach dem Studium möchte er am liebsten in einem größeren Unternehmen arbeiten. „Das ist sicherer, und das Einkommen ist geregelter, als wenn man als freier Rechtsanwalt arbeitet.“ Und in welcher Branche? „In der Industrie“, sagt Pardi und grinst. „Ist ja naheliegend im Saarland. Denn ich fände es nicht schlecht, hier zu bleiben.“ Der ideale Chef, wie Pardi ihn sich vorstellt, sollte zwar auf seine Mitarbeiter eingehen und ihre privaten Situationen berücksichtigen. „Aber er sollte auch streng sein“, findet Pardi. „Er darf den Mitarbeitern nicht zu viel Freiraum lassen, sonst wird es nachher ausgenutzt – zum Beispiel bei der Gleitzeit.“

Özgül Temel (24) studiert

Mario Gagliardi (20) ist Azubi für Stahl- und Betonbau im ersten Jahr beim Saarbrücker Unternehmen Wolff Hoch- und Ingenieurbau. Seine Pläne für die Zeit nach der Ausbildung stehen fest: Er will sich noch einmal bei der Bundeswehr verpflichten, den Feldwebeldienstgrad erwerben und Rekruten ausbilden. In Ulm hat er bei der Bundeswehr bereits eine Ausbildung als Jäger gemacht. Ihn reizt die Aussicht darauf, als Ausbilder sein Wissen an junge Menschen weiterzugeben. Für Gagliardi müssen drei Dinge erfüllt sein, damit er gern arbeiten geht: „Nette Leute, Spaß bei der Arbeit, und der Verdienst muss stimmen.“

Max Schmidt (24) aus Neu-

Lisa-Marie Werner (17) ist

Larissa Baranowa (29), ursprünglich aus Kirgisien, kann sich vorstellen, für einen Job das Saarland zu verlassen – solange sie in Deutschland bleibt. Sie wünscht sich einen Chef, der sich in ihre private Situation hineinversetzen kann. „Zum Beispiel, wenn mein Kind krank wird“, sagt Baranowa, die seit 13 Jahren im Saarland lebt, verheiratet ist und im neunten Semester Biomedizinische Technik an der HTW studiert. „Ich kann wegen meiner Familie auch nicht so viele Überstunden machen.“ Als baldige Berufseinsteigerin befürchtet sie, dass der Übergang vom Studium zur Arbeitspraxis schwierig werden könnte. „Aber als Anfänger ist man froh, wenn man überhaupt einen Job bekommt.“ Mit mehr Berufserfahrung, glaubt sie, wird die Arbeitssuche einfacher sein.

Adrian Sander (17) macht

Andrea Hauch (27)

Marie Galimard (33) aus Westfrankreich lebt seit über zehn Jahren in Saarbrücken, zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern. Das Studium der Anglistik und Slawistik an der Uni finanziert sie mit einem Teilzeitjob als Dozentin für Deutsch, Englisch und Französisch in Firmen und Sprachschulen. Ihren Job als Privatdozentin kann sie sich als Vollzeitarbeit vorstellen. „Ich möchte die Sprache mit dem Leben der Menschen zusammenbringen.“ Viel Kontakt mit Menschen wünscht sie sich denn auch für ihr zukünftiges Berufsleben, abwechslungsreiche Aufgaben und eine gute Bezahlung. „Wenn ein Unternehmen durch mich viel gewinnt, möchte ich, dass meine Leistung entsprechend meiner Ausbildung, meinem Abschluss und meiner Erfahrung honoriert wird.“

Jakob Waiz (26) ist gebürti-

Biomedizinische Technik an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die Völklingerin freut sich auf den Berufseinstieg: „Da kann ich die Theorie aus dem Studium anwenden und praktische Erfahrungen machen.“ Ihr Leben soll aber nicht nur aus Arbeit bestehen: „Ich möchte später meine Familie nicht für eine Karriere aufs Spiel setzen. Es wäre auch gut, wenn ich nicht ständig an den Wochenenden arbeiten muss.“ Einen Job als Ingenieurin malt sich Temel aus, vielleicht als Projektleiterin. In ihrer Branche ist ihr eines besonders wichtig: „Wir Frauen müssen mit männlichen Kollegen gleichgestellt sein. Ich möchte das Gleiche verdienen und auch, dass mir mein Chef das Gleiche zutraut wie einem Mann.“

bei der Saarbrücker Firma Wolff Hoch- und Ingenieurbau eine Ausbildung zum Stahl- und Betonbauer und besucht das Technisch-Gewerbliche Berufsbildungszentrum (TGBBZ) in Saarbrücken. Er stammt „aus Molschd“, also Malstatt, sagt der Lehrling im ersten Ausbildungsjahr und grinst. Nach seiner Lehre will er noch ein Studium drauflegen: Bauingenieurwesen an der HTW in Saarbrücken. Sein Ziel: „Fester Job und Familie, das ist das Beste.“ Auch Sander will einen Vorgesetzten, der sich um seine Mitarbeiter kümmert. „Und er soll gute Laune haben“, sagt Sander.

aus Friedrichsthal-Bildstock würde gerne im Saarland bleiben, wenn sie ihr Studium der Geschichtswissenschaft an der Uni beendet hat. Dabei sieht sie aber ein Problem: „Hier bekommt man nur mit Vitamin B einen Job.“ Doch Hauch ist flexibel: Sie kann sich sowohl vorstellen, ihren Doktor zu machen und im Hochschulbereich zu bleiben, als auch, eine andere Richtung einzuschlagen. „Ich würde auch gern in einem Archiv oder in einer Bibliothek arbeiten. Bücher sind mein Leben!“, sagt sie. Deshalb antwortet sie auf die Frage nach ihren Verdienstvorstellungen einerseits augenzwinkernd: „Solange es meine Büchersucht bezahlt …“ Andererseits: „Wenn ich mal Kinder kriege, will ich sie mir leisten können.“

weiler studiert im dritten Semester Biomedizinische Technik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW). „Nach dem Studium würde ich gern in einem Labor arbeiten und richtig coole Sachen entwickeln“, stellt er sich vor. „Wie Prothesen oder künstliche Organe.“ Karriere machen ist ihm erst mal wichtiger, als eine Familie zu gründen. Bei seiner zukünftigen Arbeitsstelle legt er vor allem Wert darauf, dass die Atmosphäre stimmt und es möglichst wenig Stress gibt. „Es muss Spaß machen, dort zu schaffen“, sagt Schmidt. „Und der Job muss zu meinem Fachwissen passen.“

Spaß an der Arbeit sehr wichtig. „Gute Mitarbeiter und liebe Kunden“ wünscht sich die Bäckereifachverkäuferin, die im ersten Jahr bei der Bäckerei Zimmer in Großrosseln die Praxis lernt und für den Theorieteil zum Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum (TGBBZ) nach Saarbrücken kommt. Sorgen um ihre Zukunft macht sie sich nicht: „Bäckereien braucht doch jeder.“ Dort will sie auch in zehn Jahren noch gern arbeiten, am liebsten fest angestellt und mit einer Familie zu Hause. Es gibt aber einige Dinge, die Werner für ihren Job nie tun würde: „Ich würde auf keinen Fall meine Piercings rausnehmen oder meine Tattoos abdecken wollen.“

ger Homburger. Auch er würde am liebsten im Saarland leben und arbeiten. Er studiert im siebten Semester Bauingenieurwesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). „Ein größeres Bauunternehmen“ stellt Waiz sich als zukünftigen Arbeitgeber vor. „Ich möchte sehr gern Großprojekte oder eine Bauleitung übernehmen. Ich mag Verantwortung.“ Und natürlich freut sich der Student darauf, in seinem Job Geld zu verdienen. „Ich will nicht für einen Appel und ein Ei arbeiten“, betont er. „Auch die Arbeitszeit sollte in einem vernünftigen Limit bleiben.“ Außerdem soll das Arbeitsklima stimmen: Kooperative, nicht zu überhebliche Vorgesetzte, die nah an ihren Mitarbeitern dran sind, wären dabei für Waiz ideal.


WIRTSCHAFTSMAGAZIN

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D O N N E R S TA G, 1 0 . A P R I L 2 014

Der Ottweiler Büchsenmacher-Meister Horst Müller mit einem seiner kunstvoll gefertigten Gewehre.

Foto: Oliver Dietze

„Die Werkstatt ist mein Leben“ Büchsenmacher Horst Müller denkt auch mit 75 Jahren nicht daran, sein Handwerk aufzugeben Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

iebevoll nimmt Horst Müller ein doppelläufiges Gewehr aus dem Regal in der Werkstatt. Detailgenaue Verzierungen und Gravuren schmücken den polierten Griff ebenso wie das kunstvoll gefertigte Schloss und den Abzug. Müller hebt das Gewehr an die Schulter. Der Lauf glänzt mattschwarz. Ein Schmuckstück. Ebenso wie die anderen Gewehre in der Werkstatt des Büchsenmachers. Doch es ist nicht nur die Schönheit, die die Gewehre aus Ottweiler ausmacht. Vielmehr ist es die Präzision, mit der die Waffen gebaut sind. Darauf legt der Büchsenmacher besonderen Wert. Müller kommt schnell ins Schwärmen, wenn er von diesem traditionsreichen Handwerk erzählt. Was alles dazugehört, die Einzelteile eines Gewehrs perfekt zusammenzufügen. Ein Büchsenmacher muss viele Fähigkeiten beherrschen, Metall-Bearbeitung ebenso wie Feinmechanik. Auf zehntel Millimeter genau muss Müller arbeiten. „Wenn irgendetwas nicht stimmt, schießt das Gewehr nicht richtig“, sagt er. Wer bei Müller in der Werkstatt steht, spürt seine Begeisterung. Eigentlich könnte der Waffen-Spezialist längst seinen Ruhestand genießen. Er ist 1939 geboren – vor weni-

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gen Wochen ist er 75 Jahre alt ge- ren Handwerksberufen sei es nicht worden. Ein Alter, in dem viele an- die Industrialisierung, die dem aldere ihren Beruf längst an den Nagel ten Handwerk den Rang abläuft – es gehängt haben. Nicht so Müller: sind die strengeren Waffengesetze. „Wenn man das Arbeiten gewöhnt „Wenn ein Jäger heute stirbt, muss ist, was soll man denn den ganzen seine Witwe die Waffen verkaufen Tag machen?“, fragt er. Also arbeitet oder unbrauchbar machen“, sagt er. er. Sechs bis acht Stunden am Tag Mehrere solcher Gewehre stehen verschwindet er in der Werkstatt, bei ihm im Regal. Müller muss sie repariert Gewehre, dreht, lötet und fachmännisch entsorgen, erst dann können sie aus den Waffen-Regismontiert. „Das ist mein Leben.“ Sein Leben als Büchsenmacher tern ausgetragen werden. Während früher Wafbegann vor 60 Jahren mit fen nach dem Tod ihres einer Lehre bei der Firma Besitzers vielleicht noch Otto Lehnert in Ottwei„Wenn man ein paar Jahre im Wafler. Zehn Jahre später bedas Arbeiten fenschrank schlummerstand er die Meisterprüum dann von einem fung, Mitte der 70er Jahgewöhnt ist, ten, Familienmitglied mit re machte er sich selbstwas soll man Jagdleidenschaft überständig. „Damals waren nommen zu werden, noch goldene Zeiten“, denn den kommen sie jetzt sofort schwärmt er. Ein qualitaauf den Markt: „Dadurch tiv hochwertiges Gewehr ganzen Tag gibt es ein Überangebot war eine gewinnbringenmachen?“ an Gebraucht-Waffen – de Geldanlage. „Das ist und die Preise sind im jedes Jahr im Wert geBüchsenmacher Keller“, sagt Luise Mülstiegen.“ Neben den ersHorst Müller ler. Während ihr Mann ten maschinell gefertigdie Werkstatt betrieben ten Gewehren sei die traditionelle Handarbeit gefragt gewe- hat, war sie für den kaufmännischen sen. Und Büchsenmacher waren Bereich und den Laden zuständig, auch damals rar: „Mitte der 70er der inzwischen stark zurückgefahwar ich der einzige Büchsenmacher- ren ist. Die Müllers haben in ihrem lanmeister im Saarland“, sagt Müller. Mittlerweile hat sich der Markt gen Berufsleben zahlreiche Verängedreht. Er könne niemandem derungen bei den Jagdgewohnheimehr raten, diesen Beruf zu ergrei- ten erlebt, für die auch unterschiedfen. Und anders als bei vielen ande- liche Waffen notwendig sind. Dril-

linge beispielsweise, die für die Jagd auf Hasen und Geflügel genutzt wurden, waren früher stark gefragt. „Heute sind sie Ladenhüter“, sagt Horst Müller. Warum? Weil es durch die veränderte Bewirtschaftung der Agrarflächen kaum noch Hasen gibt. „Die Hecken und Büsche an den Feldrändern, in denen sie sich verstecken können, verschwinden.“ Und mit ihnen die Hasen, sagt Luise Müller. Stattdessen gibt es jetzt umso mehr Wildschweine. „Dafür sind jetzt Repetiergewehre sinnvoller, mit denen man mehrere Schuss zur Verfügung hat.“ Dass er seine Erzeugnisse gerne selber nutzt, daraus macht der 75Jährige keinen Hehl. Er ist leidenschaftlicher Jäger – ein doppelter Vorteil, denn so steht er in direktem Kontakt mit seiner Kundschaft. Auch heute noch. Seine Werkstatt ist besonders für Reparaturen sehr gefragt. Und als Jäger besitzt er auch einige Schmuckstücke, die er niemals verkaufen würde. Vor allem Gewehre mit ideellem Wert. Wie das seines Vaters, das er geerbt und später eigenhändig umgebaut hat. Dass er auch in den kommenden Jahren in seiner Werkstatt noch zu tun hat, darum ist Müller nicht bange. Es gebe immer wieder – auch industriell gefertigte – Gewehre, die nicht genau genug gearbeitet sind: „Den Knaub der Industrie, den bringe ich dann in Ordnung.“


Sz wirtschaftsmagazin april 2014