

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Experten sprachen in der Raiffeisenkasse Wipptal über Potentiale und Anwendungsmöglichkeiten der Genossenschaftsform.
Unternehmensform mit Potential
Die Genossenschaft ist eine starke und zukunftsfähige Unternehmensform. Das wurde Anfang Oktober bei einer überregionalen Tagung in der Raiffeisenkasse Wipptal in Sterzing betont.
Bei der Tagung, die unter dem Motto „Die Genossenschaften im alpinen Raum: tief verwurzelt und stabil in die Zukunft“ stand und von der Raiffeisenkasse Wipptal im Rahmen ihres 125-jährigen Gründungsjubiläums veranstaltet wurde, zeigten Experten aus Nord- und Südtirol und dem Trentino Anwendungsmöglichkeiten des Genossenschaftsmodells auf.
Aufstrebende Genossenschaften
Die Genossenschaften seien gestärkt aus den Krisenjahren hervorgegangen, betonte etwa Carlo Borzaga. Der Professor an der Universität Trient bezeichnete die Genossenschaft als auf-
strebende Unternehmensform, die in unterschiedlichsten Ausprägungen erfolgreich agiere und weltweit einen Jahresumsatz von ca. 3000 Mrd. Euro erwirtschafte. Die Genossenschaften bilden einen jener wenigen Sektoren, die in den letzten Jahren neue Arbeitsplätze geschaffen hätten. Allein in Italien seien zehn Prozent der privat Beschäftigten in Genossenschaften tätig. Neue Genossenschaften entstünden heute vor allem im Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitssektor. Borzaga trat auch dem Vorurteil entgegen, wonach Genossenschaften nur aufgrund steuerlicher Vorteile erfolgreich seien. In Summe würden sie mehr Abgaben an den Staat entrichten als andere Wirtschaftssektoren und Unternehmensformen.
Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, beleuchtete den heutigen Nutzen genossenschaftlicher Werte und betonte, dass die Genossenschaften weltweit wesentlich zur Lösung kollektiver Herausforderungen beitragen würden. In Südtirol sichern die Raiffeisen-Genossenschaften rund 100.000 Existenzen.
Regionale Kreisläufe fördern
Anton Steixner, Obmann der Milchgenossenschaft Wipptal-Stubai und langjähriger Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter, gab Einblick ins Tiroler Genossenschaftswesen, lobte die „professionell funktionierende“ ge-
nossenschaftliche Landwirtschaft in Südtirol und hob die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Milchsektor hervorhob. In Richtung Brüssel forderte er eine stärkere Unterstützung etwa für die Regionalbanken. „Entscheidend sei es, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern und dazu eignet sich das Genossenschaftsmodell“, meinte Steixner. Heinz Gstir, Obmann der 2002 gegründeten Genossenschaft Bioalpin eGen, erläuterte das Erfolgsprojekt „Bio vom Berg“. Über diese unabhängige Erzeugermarke werden nach anfänglich acht heute mittlerweile 120 Produkte von Tiroler Biobauern erfolgreich vertrieben, nicht zuletzt auch über die Lebensmittelkette MPreis. Gstir forderte angesichts der TTIP-Verhandlungen positive Rahmenbedingungen für die Genossenschaften als regionale Problemlöser und keine Propagierung der industriellen Landwirtschaft.
Als krisensicher bewährt
EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann skizzierte die Möglichkeiten der Genossenschaft als Unternehmensform aus europäischer Sicht. Die Krisenjahre hätten der rein kapitalistischen Marktwirtschaft Grenzen aufgezeigt, während sich die Unternehmensform der Genossenschaft als durchwegs krisensicher bewährt hätte. Die Genossenschaftsform berge noch Potential und verdiene sich von der Europäischen Union eine stärkere Förderung, meinte Dorfmann. Eine bessere Verankerung der

Genossenschaftsform in europäisches Recht bezeichnete Dorfmann indes als schwierig, nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Facetten, Ausprägungen und Größen der Genossenschaften in Europa.
Alberto Inas, Leiter des „Centro sulla Storia dell‘economia Cooperativa“, eine Sektion der Trentiner Museumsstiftung, beleuchtete die Ursprünge der Raiffeisen-Genossenschaften im historischen Wirtschaftsraum von Kufstein bis Ala.
In einem Expertendialog mit Obmann Günther Seidner (Raiffeisenkasse Wipptal),
Raiffeisenverband-Obmann Herbert Von Leon, Obfrau Petra Brand (Sozialgenossenschaft Betreuungsteam Wipptal) und Obmann Peter Trenkwalder (GRW Wipptal) wurde u. a. die verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit, aber auch jene zwischen den einzelnen Genossenschaften hervorgehoben. Zudem präsentierten bei der Tagung Genossenschaften ihre Produkte und Dienstleistungen, darunter die Eisacktaler Kellerei, die Wipplamb, der Milchhof Sterzing, die Bioalpin aus Innsbruck sowie die Start-UP-Beratung des Raiffeisenverbandes.
Gute Ergebnisse im ersten Halbjahr
Trotz anhaltend schwieriger Rahmenbedingungen im Bankensektor weisen die Südtiroler Raiffeisenkassen im ersten Halbjahr 2015 wieder gute Ergebnisse auf.
Bei einer Informationstagung im Raiffeisenhaus wurden Anfang Oktober die gesammelten Bilanzdaten der 47 Raiffeisenkassen und der Raiffeisen Landesbank Südtirol AG für das erste Halbjahr 2015 aufgezeigt.
Bilanzüberschuss: 48 Mio. Euro
So ist die Semesterbilanz auch im laufenden Geschäftsjahr mit einem Nettoüberschuss von 48,3 Millionen Euro weiterhin von Kontinuität und Stabilität in der Entwicklung geprägt. „Ein für die Wirtschaft Südtirols sehr positives Signal“, betonten Obmann Herbert Von Leon und Generaldirektor Paul Gasser bei der Tagung. Mit dem erzielten Halbjahresgewinn
liege man im guten Schnitt der vergangenen Jahre. Nichts destotrotz müsse aber auch die Raiffeisen Geldorganisation insgesamt noch mehr auf Effizienz und Rentabilität achten, meinte Zenone Giacomuzzi, Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank Südtirol AG.
Plus bei den Krediten
Bei den vergebenen Krediten verzeichnete Raiffeisen im ersten Halbjahr ein Plus von 1,55%; das Kreditvolumen stieg insgesamt auf 9,5 Mio. Euro, während die italienischen Banken staatsweit lediglich ein Plus von 0,3% erzielten. Zwei Drittel der Raiffeisen-Kredite sind an den Unternehmenssektor ausgereicht
und etwa ein Drittel an den Privat- und Konsumsektor. Vor allem der Konsum in den Familien habe im ersten Halbjahr kräftig angezogen, hieß es bei der Tagung.

Die Südtiroler Raiffeisenkassen können auf eine gute Halbjahresbilanz verweisen.
Expertendialog mit den Genossenschaftsvertretern (von links) Peter Trenkwalder, Petra Brand, Herbert Von Leon und Günther Seidner.
Genossenschaft expandiert
Die Energie- und Umweltbetriebe Moos in Passeier haben mit der Eröffnung einer Tankstelle und neuer Bürogebäude weitere wirtschaftliche Meilensteine gesetzt.

Die Energie- und Umweltbetriebe Moos in Passeier (EUM) stärken seit Jahren das strukturschwache Gebiet im Hinterpasseier mit Diensten und Arbeitsplätzen. Wer durch Moos in Passeier fährt, macht an der neu eröffneten Tankstelle im Ort Halt. Sie gilt als die günstigste in Südtirol. Die niedrige Preispolitik gehört zum Leitbild der Energie- und Umweltbetriebe Moos in Passeier, die seit der Übernahme vom alten Pächter mit rund zwei Millionen nun viermal so viele Liter Benzin und Diesel verkauft. „Wir können sagen, dass unsere Idee des preiswerten Tankens nicht nur bei den Einheimischen sehr gut ankommt“, meint Hubert Brunner, der wegen Pensionierung aus dem Amt scheidende Geschäftsführer der EUM.
Neuer Genossenschaftssitz
Dabei geht es der EUM nicht nur ums Tanken. Die Tankstelle samt Autowaschanlage, Reifenservice, Pannenservice und Kiosk ist seit dem 14. September auch der Sitz der Genossenschaft. In den der Tankstelle angebauten unteren Stockwerken sind die Büroräume der EUM untergebracht. So kann jeder, der tankt, sich auch gleich über die neuen Tarife und Entwicklungen in Sachen Energie- und Stromversorgung, Internetverbindung und Nahversorgung informieren – Dienste, die die EUM auch anbietet. „Durch den Umzug sind wir nochmals mitgliederbzw. kundenfreundlicher geworden. Unsere Mitglieder wissen die zentrale Informationsstelle zu schätzen“, so Brunner.
Seit der Gründung der Genossenschaft im Jahr 2002 hat sich der Tätigkeitsbereich der EUM ständig erweitert. Neben der Kerntätigkeit als Stromverteiler für 830 Haushalte über Wasserkraft versorgt die
Genossenschaft ihre Mitglieder in der Fraktion Pfelders mit Wärmenergie aus dem eigenen Fernheizwerk.
Internet & Co.
Dazu folgte die Tankstelle und zuletzt zwei weitere Tätigkeitsfelder: der Ausbau des Breitbandnetzes sowie die Nahversorgung durch die Führung der Lebensmittelgeschäfte in den Fraktionen Stuls, Platt und Pfelders, wo vor allem Psairer Produkte angeboten werden. Die Internetanbindung wird von der EMU in Eigenregie realisiert. Das KnowHow für die Verlegung der Glasfaserkabel holten sich die Techniker der Genossenschaft in Kursen und Spezialisierungen. 35 Betriebe und viele private Haushalte wurden bereits mit Breitband versorgt, im Jahr 2016 sollen rund 900 Haushalte angeschlossen sein.
Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft
Die EUM sind durch ihre Verwurzelung zu einem bedeutenden lokalen Wirtschaftsplayer im Tal geworden. 900 Mitglieder zählt die Genossenschaft, die als nicht gewinnorientiertes Unternehmen Vorzugspreise für die Mitglieder gewährt. Durch die vielfältigen Tätigkeiten entstehen Arbeitsplätze, was wiederum den Wirtschaftsstandort Hinterpasseier stärkt. Das zeigt sich auch an den Bevölkerungszahlen: während die Fraktionen rund um Moos in Passeier vor Jahren noch zu den abwanderungsgefährdetsten Gegenden in Südtirol gehörten, war der Wanderungssaldo laut Astat im Jahr 2014 gegen Null. Die Genossenschaft EUM dürfte ihren Anteil daran haben.
evme
Rienzner bleibt Vizepräsident
Bei der 7. Generalversammlung des Europäischen Verbandes Mittelständischer Energieunternehmen (EVME), die kürzlich in Bozen stattfand, wurden Fritz Schweiger als Präsident und Rudi Rienzner als Vizepräsident in ihren Ämtern bestätigt. Rienzner ist Direktor des Südtiroler Energieverbandes, der 2012 aus dem damaligen Raiffeisen Energieverband und dem Südtiroler Biomasseverband hervorging.
Rienzner ist bereits seit Gründung des EVME im Jahr 2008 dessen Vizepräsident, als sich mittelständische Energieunternehmen aus Österreich, Deutschland und Südtirol über ihre Interessenvertretungen und Kooperationsgemeinschaften zu einer europaweit tätigen Dachorganisation zusammengeschlossen hatten.
Der EVME sieht sich als Ergänzung zu den etablierten Interessenvertretungen und verfolgt das Ziel, mittelständischen Energieunternehmen bei den Entscheidungsträgern im Brüsseler Machtzentrum das entsprechende Gehör zu verschaffen.

Der EVME-Vorstand mit Präsident Fritz Schweiger und Vizepräsident Rudi Rienzner (rechts)
Der neue Sitz der EUM in Moos in Passeier samt Tankstelle ist Drehscheibe für die vielfältigen Dienste der Genossenschaft.
raiffeisen wettbewerb
Maturaball:
Sieger gekürt

Förderauftrag im Mittelpunkt
Erzielt der genossenschaftliche Förderauftrag noch Wertschöpfung? Um diese Frage dreht sich die 19. IGA-Jahrestagung am 6. November in Innsbruck.
Die Förderung der Mitglieder ist seit jeher gesetzlicher Auftrag der Genossenschaften. Muss es sich dabei aber immer um eine direkte Förderung des einzelnen Mitgliedes handeln, oder kann dies auch indirekt über eine Regionenförderung durch die Genossenschaft gehen? Muss die Förderung immer materiell sein, oder kann sie auch auf andere Art Gestalt annehmen? Bei der Jahrestagung des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA) geben Experten Antworten auf diese und viele andere Fragen:
Franz Reischl, Geschäftsführer BÄKO-Österreich e.Gen. Linz
• Können regionale Wertschöpfung und Lebensqualität Ansatzpunkte für eine moderne Umsetzung des Förderauftrages sein?
Alois Zach, Geschäftsleiter Raiffeisen Regionalbank Mödling e.Gen.
• Eine Konstante im Wandel – Überlegungen zu einem ,Förderauftrag 2.0`
Ende September kürten die Südtiroler Raiffeisenkassen in Bozen das beste Maturaball Konzept Südtirols. „Radioaktiv – Heute strahlen wir!“ lautete der Siegertitel des Maturaballkonzeptes der Klasse 5 E des Realgymnasiums „Nikolaus Cusanus“ Bruneck mit Schwerpunkt Angewandte Naturwissenschaften. Die Klasse erhielt ein Preisgeld von 1000 Euro und bekommt ein Filmteam für den Maturaballabend.
Platz zwei mit 700 Euro und einem Fotografen für den Maturaballabend ging an die 5. Klasse des Sprachengymnasiums Stern in Abtei mit ihrem Maturaball Konzept „Rock’n Ball – Girls just wanna have fun“. Das Maturaball Konzept des dritten Platzes „LA COSA NOSTRA – Unser letzter Auftrag“ der Klasse 5 D WI der Wirtschaftsfachoberschule Bruneck wurde 400 Euro und einem Fotografen für den Maturaballabend gekürt.
Insgesamt 20 Konzepte wurden eingereicht. Ziel des MaturaballWettbewerbes, der sich an alle 4. Klassen der Südtiroler Oberschulen richtet, ist es, die Jugendlichen für ein verantwortungsvolles Feiern zu sensibilisieren.
• Der genossenschaftliche Förderauftrag im Wandel der Zeit
Nadja Fabrizio, Wissenschaftliche Oberassistentin am IFU/BLI, Institut für Unternehmensrecht – Universität Luzern
• Die Auswirkungen des genossenschaftlichen Auftrages der VI.P auf die Region Vinschgau Josef Wielander, Direktor VI.P Vinschgau
• Gemeinsame Ziele erreichen, die keiner allein erreichen könnte
Raiffeisen Weiterbildungskurse
kursangebot
raiffeisen-geldorganisation (rgo) Geldwäsche im Servicebereich
Ich möchte mein eigenes Team entwickeln
Justus Reichl, Leitung Stabstelle für Genossenschaft – Strategien und Perspektiven, Österreichischer Raiffeisenverband Wien
• Publikumsdiskussion mit allen Referenten Leitung: Regina Wenninger, Bereichsleiterin Vorstandsstab und Kommunikation, Genossenschaftsverband Bayern
Die 19. IGA-Fachtagung findet am 6. November 2015 von 9.30 bis 13 Uhr im Hotel Hilton in Innsbruck statt. Infos unter www.iga.at. Anmeldung innerhalb 27. Oktober an E-Mail hans.partl@topart-media.at oder Fax 0043 (0) 5232 22 97
Basiskurs für neu gewählte Verwaltungsund Aufsichtsratsmitglieder Modul IV 27.11.2015
Ansitz Castel Kandelburg/Mühlbach
Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn
Qualitätsmanagement für Raiffeisenkassen 02.12.2015 Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn waren- und dienstleistungsgenossenschaften (wdl)
Sei innovativ, sei anders ... Erträge steigern durch Marketing 23.-24.11.2015 Bildungshaus Lichtenburg/Nals
Vom Team zum Hochleistungsteam: Aufgaben vernetzt meistern 01.-02.12.2015 Bildungshaus Schloss Goldrain/Latsch
Arbeitsschutz für Vorgesetzte 01.12.2015 RVS Raiffeisensaal rgo und wdl
Ausbildung Sicherheitsbeauftragte B-Module 17., 18. und 19.11.2015
Bildungshaus Lichtenburg/Nals
Ausbildung Sicherheitsbeauftragte, C–Modul 25.11.01.12.2015 Bildungshaus Lichtenburg/Nals
Dem Reichtum der Lebensmitte in Beruf und Alltag Gestalt geben 19.11.201518.02.2016 Zentrum Tau/Eppan
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck –Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84 Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Raiffeisen Nachrichten
Mehr Informationen aus dem Raiffeisen Genossenschaftswesen: www.raiffeisen-nachrichten.it
Vertreter der Siegerklasse, der Jury und von Raiffeisen