

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes
Südtirol Genossenschaft

Mit den Eisacktaler Weinen in der obersten Liga der Südtiroler Spitzenweine mitspielen: dazu wurde im Frühjahr die neue Genossenschaft „EisacktalWein“ ins Leben gerufen.
Gemeinsam an die Spitze
Mit der neu gegründeten Genossenschaft „EisacktalWein“ wollen die Eisacktaler Winzer, Touristiker und Gastwirte den Durchbruch in die Eliteliga der Weine in Südtirol und international schaffen. Ihre Trümpfe: Exklusivität und viel Emotion.
Spätestens seit der Gambero Rosso in der Ausgabe „I vini d’Italia 2015“ gleich vier Eisacktaler Weine mit der begehrten Auszeichnung „Tre bicchieri“ prämierte, war italienweit ein Begriff geboren: die Weißweingegend Eisacktal. Bei den Winzern selbst kam der Erfolg wenig überraschend. Die kleinen Hofschanken und Produzenten in der Region um Brixen und Klausen wussten seit Jahren, was sie an ihrem Wein haben. Dessen eigene Spritzigkeit und exklusive Frische aus den höchstgelegenen Reben Italiens musste nur richtig kommuniziert und sichtbar gemacht werden.
Breiter Schulterschluss
Aus diesem Grund hatten verschiedene Weißwein-Produzenten schon vor 10 Jahren den Verein „Eisacktaler“ gegründet – mit dem Ziel, die Gegend besser zu lancieren. Nun geht es um mehr: die Eisacktaler Weine wollen nach den jüngsten Erfolgen in der obersten Liga der Südtiroler Spitzenweine mitspielen. Für dieses Ziel wurde im Frühjahr die Genossenschaft „EisacktalWein“ ins Leben gerufen – ein breiter Schulterschluss zwischen Produzenten, Gastbetrieben, Tourismusvereinen, und Kellereien. Laut Obmann Manni Nössing,
Weinbauer und Produzent vom Hoandlhof, will man die Gunst der Stunde nutzen.
„Wir haben jetzt die einmalige Chance, dieses Eisacktal als Weißweingebiet in Europa oder in der Welt einfach besser zu positionieren. Das ist unser großes Ziel, uns einfach sichtbarer zu machen. Wir haben ziemlich Erfolg gehabt mit unseren Sorten und unserem Weinstil. Wir wollen, dass jetzt dieses Weingefühl, diese Weinkultur, diese Trinkkultur und alles, was noch damit zusammenhängt, diese große Emotion, die durch Wein entstehen kann, einfach noch besser und begeisternder vom Volk aufgenommen wird.“
kellerei schreckbichl
Vier Sterne von Falstaff
Vor kurzem ist der renommierte österreichische Weinführer „Falstaff 2015/16“ erschienen. Die Kellerei Schreckbichl wurde dabei mit vier Sternen als „Erzeuger von konstant herausragender Qualität“ ausgezeichnet.
Eine hohe Punktezahl konnten der Chardonnay Formigar 2013 und der Cabernet Sauvignon Lafóa 2012 erreichen. Beide Weine wurden mit je 93 Punkten bewertet. Der Falstaff Wein Guide gehört zu den bekanntesten Weinführern im deutschsprachigen Raum. „Dass wir mit vier Sternen ausgezeichnet wurden, ist für uns eine Bestätigung unserer Qualitätsarbeit. Unser Ziel ist es, hochklassige Weine zu produzieren, die auch auf dem internationalen Parkett hervorragend bestehen können“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Raifer von der Kellerei Schreckbichl.
Der deutschsprachige Raum gehört seit Jahren zu den Hauptmärkten von Schreckbichl.

Vinea Wachau als Vorbild
Man legt Wert darauf, dass nicht die Vermarktung sprich der Verkauf der Weine im Vordergrund steht, sondern die generelle Sensibilisierung für den Wein, meint Gründungsmitglied Thomas Dorfmann, Kellermeister der Eisacktaler Kellerei und Mitglied des Gründungsverwaltungsrat von „EisacktalWein“: „Unsere Vorbilder sind bekannte Weinmarken wie Vinea Wachau oder wein.kaltern. Beide haben es geschafft zu einem über die jeweilige Region hinaus reichenden Begriff für eine tief gehende Weinkultur zu werden. Erreichen wir dies, kommt die natürlich auch angestrebte bessere Vermarktung wie von selbst.“
Bunt
und jung
Dieses Ziel haben sich die Gründungsmitglieder auch in die Statuten der neuen Genossenschaft Eisacktal Wein geschrieben. Sie selbst sind eine bunte und junge Gruppe und repräsentieren damit die noch junge Weinbaugeschichte im Eisacktal, bei der viele Winzer oft in der ersten Generation Weißwein produzieren. Daneben wollen Gastbetriebe,

Thomas Dorfmann, Kellermeister der Kellerei Eisacktal: „Über die Region hinaus.“
Sommeliers und Touristiker der Region mit einem regen Austausch und Vernetzung agieren. Kulinarik, Musik und Kunst sollen dabei eine ebenso wichtige Rolle spielen wie Werbeinitiativen, Lehrgänge und Vorträge. Bald soll ein eigener Internetauftritt sowie ein eigenes Büro mit einem „Weinbotschafter“ oder einer „Weinbotschafterin“ folgen. Nach einer Anlaufzeit in den ersten Monaten, will „EisacktalWein“ im Jahr 2016 dann der Erfolgsgeschichte „Eisacktaler Wein“ weitere Kapitel hinzufügen.
Neuer Kollektivvertrag
Nach intensiven Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern steht nun seit kurzem ein neuer provinzialer Kollektivvertrag für die Sozialgenossenschaften.
Das entsprechende Dokument wurde Mitte Juni am Sitz des Raiffeisenverbandes zwischen den Genossenschaftsverbänden Raiffeisenverband Südtirol, Legacoopbund, Confcooperative Bozen/Federsolidarietà und A.G.C.I Alto Adige Südtirol sowie den Gewerkschaftsorganisationen ASGB, SGBCISL, CGILAGB und UIL-SGK unterzeichnet.
Zwei wesentliche Neuerungen
Zentraler Bestandteil dieses ersten provinzialen Kollektivvertrages für die Angestellten der Sozialgenossenschaften in der Provinz Bozen ist ein Ergänzungsbetrag in Form eines „territoriales Lohnelements“. Dieses wird aufgrund von bestimmten vorgegebenen Kriterien und Ergebnissen der sich im Territorium befindlichen Unternehmen berechnet. Für das Jahr 2014 wurde aufgrund der erhobenen Daten ein territoriales Lohnelement von 150 Euro brutto erhoben, das mit dem Novembergehalt 2015 ausbezahlt wird.
Als zweite wesentliche Neuerung im Kollektivvertrag gilt die Regelung bei „saisonalen Tätigkeiten“, die nur zu bestimmten Jahresperioden durchgeführt werden, beispielsweise Schneeräumungen, War-
tungsarbeiten oder die Ferienkinderbetreuung. Künftig können für diese Tätigkeiten von den Genossenschaften befristete Verträge vergeben werden, auch wenn die Obergrenze bei der Ausstellung von allgemeinen befristeten Verträgen bereits erreicht wurde.
Der provinziale Kollektivvertrag gilt bis zum 31. Dezember 2017.

Die Sozialpartner unterzeichneten im Raiffeisenverband den Kollektivvertrag für Sozialgenossenschaften.
Das Gebäude der Kellerei Schreckbichl
„Soziale Landwirtschaft vorantreiben“
Susanne Elsen, Professorin an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Freien Universität Bozen, über die Herausforderungen der Genossenschaften in Südtirol und wie Urlaub auf dem Bauernhof künftig aussehen könnte.
Frau Prof. Elsen, seit mehr als 150 Jahren gibt es Genossenschaften wie wir sie heute kennen. Im Moment trotzen sie breiten ökonomischen und sozialen Krisen in Europa. Sind Genossenschaften aktueller denn je?
Susanne Elsen: Ja, das kann man so sagen. Wir erleben ja etwas, was über bisher gekannte „Krisen“ hinausgeht. Es ist eine „Zeitenwende“, in der so viele Probleme gleichzeitig und vielschichtig zusammenkommen: Finanzkrise, soziale Armut und vor allem auch ökologische Krisen. Jetzt sieht man, dass das „höher, schneller, weiter“, also der Grundsatz des ewigen Wirtschaftswachstums nicht mehr funktioniert und es neue Konzepte braucht. Wenn wir hier auf die Ideen der Genossenschaften zurückgreifen, dann finden wir den Kern dessen, was die ökosoziale Wende in Wirtschaft und Gesellschaft ausmacht: eine klarere Re-Lokalisierung, eine Bündelung der Kräfte in der Region und einen nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt.
Dabei spricht man immer davon, dass zu kleine „Wirtschaftseinheiten“ in der großen globalisierten Welt nicht mehr mithalten können…
Genossenschaften können das sehr wohl, und das genau deswegen weil sie klein sind. Das „Kirchturmprinzip“ bedeutet, dass man in einem regionalen Kreis, den man überbli-
susanne elsen
Zur Person
Die Professorin aus Trier lehrt und forscht an der Universität Bozen in den Bereichen Solidarökonomie und zukunftsfähige Entwicklung des Gemeinwesens. Susanne Elsen ist GründungsMitglied von Genossenschaften im europäischen und internationalen Raum und wissenschaftliche Beirätin verschiedener regionaler Netzwerke der Kooperativökonomie und sozialen Entwicklung.

cken kann, guten Kontakt zu den Personen halten kann. Das kann sehr positiv und vor allem wirtschaftlich erfolgreich für das Gebiet sein. Darüber hinaus zeigen Beispiele wie die in den 50er Jahren gegründete spanische Genossenschaft „Mondragon“ mit heute tausenden Mitarbeitern bzw. Mitgliedern, dass Genossenschaften aus dem Kleinen auch sehr groß werden können.
Wo sehen sie noch Entwicklungspotenzial für die Genossenschaften weltweit?
Genossenschaften haben ein erhebliches Potenzial wirtschaftliche und soziale Probleme zu lösen, unter der Beteiligung der Menschen selber. Der Volkswirt und Post-Wachstumstheoretiker Nico Paech geht etwa davon aus, dass weltweit künftig 60 Prozent der Wirtschaft über Genossenschaften abgewickelt werden wird.
Und in Südtirol?
Südtirol verfügt ja bereits über eine nahezu beispielhafte Genossenschafts-Welt. Trotzdem gibt es noch ein erhebliches Entwicklungspotenzial auch in der Landwirtschaft. Viele kleine innovative Landwirte haben Schwierigkeiten, auch natürlich wegen der öffentlichen Förderungen. Hier könnten Genossenschaftsverbünde die soziale Landwirtschaft vorantreiben. Also die Idee, dass behinderte aber
Sozialforscherin
auch ältere Menschen nicht nur Urlaub am Bauernhof machen, sondern auch Daueraufenthalt in bäuerlichen Familien haben und dort richtig mithelfen. Das ist ein Modell, das sich bereits vielerorts in Europa finden lässt und das wir weiter entwickeln sollten.
Stichwort ältere Menschen: Ist die Altenpflege auch DAS Zukunftsthema bei Sozialgenossenschaften?
Die genossenschaftliche Organisation der Senioren- und Altenpflege gehört sicher zu den vorrangigsten Aufgaben der modernen Gesellschaft in Europa. Es kann nicht sein, dass wir in einer rasant alternden Gesellschaft immer mehr Menschen, die sich nicht mehr selbst helfen können, zu horrenden Kosten in ghetto-ähnliche Strukturen stecken. Mit den genossenschaftlichen Prinzipien könnte man hier dem Profit und der Lobby der aktuellen Einrichtungen absagen und die Dienste preiswerter und lebenswerter organisieren. interview: hannes peintner

Prof. Susanne Elsen sieht viel Entwicklungspotenzial bei den heimischen Genossenschaften. Mehr Infos Ausführliches Interview auf www.raiffeisennachrichten.it

weiterbildung
Gemeinsam wachsen
„Gemeinsam wachsen - unterwegs in der Vielfalt des Lebens“ lautet der Leitspruch der Volkshochschule. So begleitete sie im Jahr 2014 über 17.000 Menschen der Weiterbildung. Mit unterwegs ist auch der Raiffeisenverband mit den Raiffeisenkassen, welche die Tätigkeit seit mehr als 12 Jahren unterstützen. Kürzlich wurde der Sponsorvertrag für 2015 erneuert. Bereits seit Jahren unterstützt Raiffeisen die Volkshochschule. „Wir glauben, dass gerade die Erwachsenenbildung einen wichtigen Beitrag für die gesellschaftliche Entwicklung leistet. Dass die Arbeit der vielen Ortsstellen auch ehrenamtlich ist, kommt dem Raiffeisengedanken sehr nahe“, sagt Herbert von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes. Oswald Rogger, Präsident der Volkshochschule Südtirol, bedankte sich für die finanzielle Unterstützung. „In Zeiten immer knapper werdender Finanzmittel der öffentlichen Hand sind wir verstärkt auf private Sponsoren angewiesen“.

Milch-Vitamine für ein gesundes Herz
Der Milchhof Sterzing unterstützt die Erforschung von kardiovaskulären Erkrankungen im Projekt VASCage. Ein zukunftsweisendes Projekt.
Seit Oktober 2014 arbeitet die Medizinische Universität Innsbruck mit zwölf Partnern am neuen Kompetenzzentrum VASCage, welches die Alterung des Gefäßsystems im Visier hat. Herzinfarkt und Schlaganfall sind Todesursache Nummer eins und auch die häufigste Ursache für Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Im Rahmen von VASCage werden nicht nur die Forschungsaktivitäten von Nord- und Südtirol intensiviert und ausgebaut, sondern auch die Verbindung zwischen Wirtschaft und Forschung enger.
Milch und Forschung
Die Schwerpunkte innerhalb des VASCage-Programms spannen einen Bogen von der Erforschung früher Gefäßwandveränderungen bei Jugendlichen bis zur Erforschung von Inhaltsstoffen der Milch und die Auswirkungen von Probiotika auf die Gefäße. Durch die Kooperation mit dem Milchhof Sterzing will man den bisher wenig erforschten Inhaltsstoffen der Milch wie Vitamin K2 oder Polyamine mehr Beachtung schenken. Vor allem Vitamin K2 spielt bei der Hemmung von Gefäßverkalkung eine Rolle. Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der Universitäten und den Firmen soll eine rasche Umsetzung der neuen Erkenntnis-

se in Richtung Anwendung ermöglichen und damit den Wirtschaftsstandort Nord- und Südtirol stärken.
Milchprodukte und Gefäße
Langfristiges Ziel der Zusammenarbeit zwischen dem Milchhof Sterzing und dem Forschungsteam soll die Entwicklung von Milchprodukten mit nützlichen Effekten auf die menschlichen Gefäße sein. Kurzfristig nimmt der Milchhof Sterzing mit seinen Produkten an diversen Präventionsprojekten mit Kindern und Jugendlichen teil, um deren Bewusstsein für gesunde Ernährung zu erhöhen.
Landesbank mit Note Baa1
Die Raiffeisen Landesbank Südtirol AG zählt zu den am besten bewerteten Banken Italiens
Die Ratingagentur Moody‘s hat der Raiffeisen Landesbank kürzlich eine solide Geschäftsgebarung bescheinigt und die Bonität des Zentralinstituts der Südtiroler Raiffeisenkassen mit der sehr guten Note Baa1 mit stabilem Ausblick bewertet. Die Raiffeisen Landesbank zählt damit zu den am besten bewerteten Banken Italiens.
„Ausschlaggebend für die Bewertung war die gute Qualität der von uns vergebenen Kredite, unsere
starke Kapitalkraft, die gute Liquiditätssituation und unsere zentrale Rolle als Landesbank im gut funktionierenden Netzwerk der Raiffeisen Geldorganisation“, sagt Generaldirektor Zenone Giacomuzzi. Mit dem aktuellen Rating (Deposit LT/ST, Senior Unsecured & Issuer LT/ST) von Baa1 mit stabilem Ausblick liegt die Raiffeisen Landesbank gleichauf mit den Großbanken Intesa Sanpaolo und Unicredit.
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Die beiden Leiter des Kompetenzzentrums VASCage: Prof. Stefan Kiechl und Prof. Johann Willeit
Herbert von Leon, Oswald Rogger