

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Eine neue Sozialanalyse des genossenschaftlichen Versicherers Assimoco zeigt ein steigendes Bedürfnis nach Absicherung großer Risiken wie etwa Krankheit, Unfall, Pflege.
Neo-Welfare
2.0: mehr Absicherung
Eine kürzlich von Assimoco präsentierte soziologische Analyse zu den Bedürfnissen der italienischen Familien verweist auf ein überholtes Sozialsystem und einen gestiegenen Absicherungsbedarf der Haushalte.
Die interessante soziologische Studie mit dem Titel „Un Neo-Welfare per la famiglia 2.0 –Cooperare e proteggere i bisogni della società reale“ wurde Ende Mai von einer Delegation der genossenschaftlichen Versicherungsgesellschaft Assimoco – darunter auch Raiffeisenverbands-Obmann Heiner Nicolussi-Leck und Generaldirektor Paul Gasser – in der römischen Abgeordnetenkammer im Beisein von Vertretern der Institutionen, der Zivilgesellschaft und der Wirtschaftswelt präsentiert. Gekommen waren u. a. auch der Minister für Arbeit und Sozialpolitik, Giuliano Poletti, und der Präsident des italienischen Genossenschaftsverbandes Confcooperative,
Maurizio Giardini. „Wir haben beschlossen, uns in der zweiten Ausgabe des Berichts auf die Familien zu konzentrieren“, sagte Ruggero Frecchiami, Generaldirektor von Assimoco. „Die Grundprinzipien des diesjährigen Berichts sind dieselben wie im letzten Jahr: Wir wollen einen Beitrag zum Aufbau eines sozialen Schutzsystems leisten, das die öffentliche und individuelle private bzw. die wechselseitige Versicherung umfasst.“
Wahrnehmung großer Risiken
Im Bericht wurden insgesamt 21 verschiedene Typen von italienischen Familien aus-
gemacht. Dafür wurden 1500 Familien befragt. Laut dem Bericht hat die positive Bewältigung der Krise zu einer verstärkten Wahrnehmung großer Risiken für die Familie geführt, sodass der Schutz, den das öffentliche System und die Solidarität in der Familie geben, nicht mehr ausreicht. Demnach geht laut Studie das Bedürfnis nach einer umfassenderen Absicherung gegen große Risiken aus mehr als 50 Prozent der Interviews klar hervor. 55 Prozent würden sich gegen eine schwere Erkrankung, 53,9 Prozent gegen Unfälle und 53,3 Prozent gegen Invalidität/langfristige Pflegebedürftigkeit des Familienoberhauptes absichern.
ezb-liquidit tsflut
An Realwirtschaft vorbei

Theresia Theurl: Sparer wird „enteignet“.
In einem Vortrag im Rahmen der Jahresvollversammlung der Raiffeisenkasse Überetsch beleuchtete Prof. Dr. Theresia Theurl von der Universität Münster die Auswirkungen der Liquiditätsflut durch die EZB auf die Realwirtschaft Europas und Italiens. Dabei betonte Theurl, dass das „frische Geld“ entgegen den Erwartungen nur zu einem geringen Maß auch tatsächlich in der Realwirtschaft ankomme, sondern mehr in Vermögenswerte wie Aktien oder Unternehmensanleihen fließe, was zu steigenden Finanzmarktpreisen führe. Geld, das sich der Kontrolle der Zentralbank entziehe und eine Gefahr für die Realwirtschaft darstelle. Derzeit sei die Liquiditätsflut der EZB in den Augen der Referentin unwirksam und berge die Gefahr von Vermögenspreisblasen, neuer Bankkrisen und Abwertungswettläufen. Die einfachen Sparer würden durch die massive Liquidität der EZB „enteignet“, eine gerechte Verteilung sei nicht gegeben. Ein Ausstieg aus dem aktuellen geldpolitischen Krisenmodus sei derzeit nicht absehbar. In Bezug auf Italien betonte Theurl, dass die aktuell günstige Zinssituation zwar der Haushaltskonsolidierung nütze, aber leider nicht ausreichend für dringend nötige Strukturreformen genützt würde.
Dänemark als Vorbild
Assimoco verwies bei der Vorstellung des Berichtes darauf, dass dieser wie im vergangenen Jahr nicht nur die in Italien erhobenen Daten analysiert, sondern einen konkreten Beitrag zur Entwicklung eines neuen Sozialsystems leisten will. Dabei blickt man auch über die italienischen Grenzen hinaus. Laut Neo-Welfare 2.0 gehört Dänemark zu den glücklichsten Ländern der Welt. Die Dänen stehen laut dem aktuellen „World Happiness Report“ an dritter Stelle, gleich nach der Schweiz und Island. Italien liegt auf dem 50. Rang. Ausschlaggebend für das Gefühl des Glücks im Staate Dänemark ist laut dem Happiness-Report das Gefühl der Sicherheit. Leistungen wie der kostenlose öffentliche Gesundheitsdienst und die (ebenfalls öffentliche) Arbeitslosenunterstützung wirken Unsicherheiten und Sorgen entgegen. Für einen Erfahrungsaustausch in Sachen Planung ausgewogener und wohlstandsfördernder Sozialhilfesysteme hat die Versiche-

rungsgruppe Assimoco deshalb den Leiter des Happiness Research Institute Copenhagen, Meik Wiking, für die Zusammenarbeit bei der Erstellung des Berichts 2015 gewinnen können.
Vermögenswerte im Ausland
Voluntary Disclosure: Steuervergehen aus der jüngeren Vergangenheit müssen mit einem neuen Verfahren der Selbstanzeige richtiggestellt werden.

Handelskammerpräsident Michl Ebner, Raiffeisenverband-Vizedirektor Christian Tanner, die Kammerabgeordneten Renate Gebhard und Manfred Schullian mit den Rechtsexperten
Mit Gesetz Nr. 186 von 2014 ist zur Feststellung und Rückführung von Auslandsvermögen sowie zur Eigengeldwäsche die sogenannte „Voluntary Disclosure“ eingeführt worden. Diese Selbstanzeige ist ein freiwilliges Verfahren, um widerrechtlich im Ausland gehaltene Vermögenswerte offenzulegen und andere Steuervergehen mitzuteilen.
Anwendung innerhalb 30. September
Das neue Verfahren betrifft Steuervergehen bis zum 30. September 2014 und muss innerhalb 30. September 2015 angewandt werden. Welche
konkreten Regelungen bis dahin zu befolgen sind und an wen man sich wenden kann, stand im Mittelpunkt einer von den Kammerabgeordneten Manfred Schullian und Renate Gebhard initiierten und vom Raiffeisenverband Südtirol und der Handelskammer Bozen organisierten Tagung im Raiffeisenhaus. Dabei erläuterten Experten wie Giovanni Sanga (Parlamentsabgeordneter und Experte zum Gesetz „Voluntary disclosure“), Aldo Polito und Antonio Martino (Agentur für Einnahmen) sowie Valerio Vallefuoco (Rechtsanwalt und Vertragsprofessor an der Universität Lum Jean Monnet) die vielfältigen Details des neuen Verfahrens.
Paul Gasser, Heiner Nicolussi-Leck, Maurizio Gardini und Assimoco-Vertreter im Präsentationsraum der Abgeordnetenkammer
„Die Zukunft proaktiv gestalten“
Der Raiffeisenverband hat Mitte Mai das neue Bildungsprogramm 2015/16 für die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften herausgebracht – mit einem vielfältigen und hochwertigen Angebot.
Frau Wess, was hat es mit dem Motto des neuen Bildungsprogrammes „Neuland erforschen“ auf sich?
Sandra Wess: „Neuland erobern“ war das Motto der Erstausgabe unseres Bildungsprogramms im letzten Jahr. Mit „Neuland erforschen“ setzen wir den nächsten Schritt und möchten unsere Mitglieder im Erkennen und Erforschen neuer Wege begleiten und unterstützen. Es geht nicht darum, Veränderung um der Veränderung willen zu betreiben, sondern die Zukunft proaktiv zu gestalten. Der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung liegt im Ausbau unserer Potenziale.
Warum ist es wichtig, das Aus- und Weiterbildungsangebot zu verstärken?
Das genossenschaftliche System hat sich in der Vergangenheit stets bewährt. Der zunehmende Wettbewerb, die heimische Absatzkrise, die regulativen Anforderungen des Staates, die Chancen und Herausforderungen des globalen Marktes stellen die Genossenschaften vor neue Herausforderungen. Es gilt, die Zukunftsfähigkeit der Genossenschaften sicherzustellen, damit sie sich behaupten und rasch anpassen können. Hierbei spielt eine kontinuierliche und nachhaltige Aus- und Weiterbildung eine strategische Rolle. Wir sehen hier viel Bedarf, auch im strategischen Bereich.
Welche speziellen Weiterbildungen gibt es im neuen Bildungsprogramm?
Wir sind beispielsweise die ersten in Südtirol, die das Thema „Corporate Grassroots Management“ aufgreifen! Es geht darum, die einzelne Genossenschaft unverwechselbar zu machen und Mitglieder und Kunden als Unterstützer zu gewinnen. Auch hier gilt es, neue Wege zu gehen! Und es gibt noch viele andere Neuigkeiten im Bildungsprogramm (siehe Kasten rechts)
» Die kontinuierliche Weiterbildung spielt eine strategische Rolle. «
sandra wess

Sandra Wess, Leiterin der Abteilung Bildungswesen im Raiffeisenverband
An wen richten sich die Weiterbildungskurse?
Das Bildungsangebot richtet sich gleichermaßen an die Mitarbeiter unserer Mitglieder sowie an Führungskräfte und an die Verwaltungs- und Kontrollausschussmitglieder.
Beinhaltet das Angebot auch Weiterbildungen für einfache Genossenschaftsmitglieder?
Wir haben uns bemüht, durch die starke Einbeziehung der Kollegen aus den Genossenschaften ein praxisorientiertes, pragmatisches Bildungsangebot zusammenzustellen. Jeder kann zwischen normativen oder fachspezifischen Angeboten wählen, z. B. für Mitarbeiter aus Qualitätswesen, Produktion, Lager, Distribution, Verkauf. Wir haben aber auch interessante Themen im Bereich der Kommunikation, EDV oder für Sprachen im Angebot. interview: thomas hanni

Mehr Infos
Zum neuen
Bildungsprogramm für Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften:

bildungsprogramm 2015/16
Neuland erforschen

Das neue Bildungsprogramm für Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften bietet auch einige spezielle Schwerpunkte.
• Für neu gewählte Mandatare und Jungunternehmer gibt es einen kompakten Praxislehrgang, der die grundlegenden Prinzipien des Modells Genossenschaft vermittelt. Obmänner aus den Genossenschaften geben vor Ort Einblick über genossenschaftsspezifische Zusammenhänge.
• Ein Highlight ist die Lehrfahrt zu einem der wichtigsten internationalen Agrarkonzerne, der BayWa AG in München. Dabei wird auch über die Chancen und Risiken globaler Märkte und den Wandel in der Landwirtschaft diskutiert, den u. a. die Digitalisierung mit sich bringt.
• Neu im Angebot ist das Seminar „Corporate Grassroots Management“ (siehe Interview).
• Wie kommuniziert man als Vertreter eines Verbandes oder einer Genossenschaft in einer Krise, und welche Stolpersteine gilt es zu vermeiden? Um diese Frage geht es in einem Spezialseminar mit einer erfahrenen Krisenexpertin.
• Einen besonderen Schwerpunkt bildet der normative Bereich mit neuen Ausbildungsmöglichkeiten zum HACCP, Lebensmittelrecht, GVD 231, Arbeits- und Steuerrecht und zur Arbeitssicherheit.
• Ein eigenes Kapitel ist der Ausbildung für Führungskräfte und Mandatare gewidmet.
Mitarbeiter verabschieden „ihren“ Obmann
Die Mitarbeiter-Infotagung, bei der Ende Mai traditionell über den Geschäftsverlauf des Raiffeisenverbandes informiert wird, stand heuer ganz im Zeichen des scheidenden Obmannes Heiner Nicolussi-Leck.
In einer herzlichen Rede am Ende der InfoVeranstaltung im Raiffeisen-Pavillon dankte der Generaldirektor Paul Gasser dem Verbandsobmann für seine Verdienste und sein nachhaltiges Wirken. Nicolussi-Leck war und ist mit seinem Charisma und seinem Einsatz stets ein „greifbarer und sichtbarer Obmann“, der sich als Humanist für soziale Belange eingesetzt und genossenschaftliche Prinzipien vorgelebt und vorangebracht habe.
Netzwerker und Diplomat
Gasser nannte Nicolussi-Leck einen „Netzwerker“ und „Diplomaten“, der es nicht zuletzt mit seinem Einsatz im Rahmen der Reform der italienischen Genossenschaftsbanken geschafft habe, das Südtiroler Genossenschaftswesen und insbesondere die Raiffeisen-Werte zu erhalten und zu fördern. Obmann Nicolussi-Leck bedankte sich ausdrücklich bei der Verbandsführung und der Mitarbeiterschaft: „In den zwölf Jahren meiner Obmannschaft wusste ich stets, dass die Mitarbeiter für den

scheidenden
Erfolg des Raiffeisenverbandes mit ausschlaggebend sind. Ich war immer stolz auf ein Team, das engagiert und professionell vollen Einsatz leistet.“ Heiner Nicolussi-Leck wird bei der Vollversammlung des Raiffeisenverbandes am 19. Juni offiziell aus dem Amt scheiden. Generaldirektor Paul Gasser verwies darauf, dass der
Obmann dann einen Raiffeisenverband hinterlassen wird, der auch nach dem abgeschlossenen Geschäftsjahr 2014 gut dasteht, und nannte die Bilanzzahlen aus den verschiedenen Bereichen. Vizedirektor Christian Tanner gab einen Zahlenüberblick über die Mitarbeiterentwicklung im vergangenen Jahr.
Maturaklassen besuchen Raiffeisenverband
Mehrere Maturaklassen waren letzthin zu Besuch im Raiffeisenverband und informierten sich über Aufgaben und Leistungen des Raiffeisen-Informationssystems.
Bereits seit Jahren besuchen die Maturaklassen der WFO Heinrich Kunter in Bozen das Raiffeisen-Informationssystem. Heuer verschafften sich auch mehrere Maturaklassen der WFO Meran Einblick in die komplexen Aufgabenfelder der Raiffeisen-IT. Dabei präsentierten Mitarbeiter der verschiedenen Abteilungen ihre Arbeitsfelder, die Leistungen und verschiedenen Projekte.
Wertvolle Einblicke in die IT-Welt
Die Schüler erhielten wertvolle Einblicke in technische Details, in aktuelle Software-
anforderungen und in sicherheitsrelevante Themen. Den Höhepunkt bildete die Führung durch den Kernsystemraum, in dem sich das technische Herzstück des Raiffeisen-Informationssystems, der Großrechner IBM z12, befindet. Die Schüler zeigten sich von der Ausstattung des Raiffeisen-Informationssystems beeindruckt.
Die Hauptabteilung Raiffeisen-Informationssystem (RIS) ist verantwortlich für die Planung, Gestaltung und Führung einer leistungsfähigen IT-Struktur für die Raiffeisenorganisation und darüber hinaus und liefert dafür maßgeschneiderte Lösungen.

Schülerinnen und Schüler der Maturaklasse 5A-WI der WFO Heinrich Kunter vor dem Raiffeisenhaus
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Standing Ovations seitens der Mitarbeiterschaft des Raiffeisenverbandes für den
Obmann Heiner Nicolussi-Leck