

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Europäische Spitze: Der Anteil der erneuerbaren Energie in Südtirol liegt bei über 50 Prozent.
Energie: erneuerbar und bürgernah
Südtirols Energielandschaft durchlebt eine Zäsur. Nach SEL-Skandal und Stromhochzeit SEL – Etschwerke muss sich auch der Südtiroler Energieverband neu orientieren. Das wurde bei der Jahresvollversammlung klar.
Global denken – dezentral handeln. Unter dieses Motto stellte der Südtiroler Energieverband (SEV) seine Visionen für die Zukunft bei der heurigen Jahresvollversammlung Anfang April im Bozner Merkantilgebäude. Dabei ist das Dezentrale laut Geschäftsführer Rudi Rienzner der heimischen Energiewirtschaft ureigen.
Zu „Utilities“ entwickelt
So sorgen 77 Genossenschaften und Konsortien, 195 Betriebe und 34 Gemeinden und öffentliche Körperschaften seit vielen Jahrzehnten für ein kapillares bürgernahes Versorgungsnetz mit kundenfreundlichen Preisen und Dienstleistungen.
Die seit über 100 Jahren bestehenden Energiewerke haben sich laut Rienzner zu „Utilities“ entwickelt. Zu Versorgungsdienstleistern, die die Haushalte nicht nur mit Strom versorgen, sondern auch mit anderen Diensten, wie z. B. Wärme. So seien auch in der Peripherie so etwas wie Stadtwerke entstanden. Der SEV reagierte zuletzt mit der Aufstockung des Fachpersonals im Bereich des Stromhandels, der Fernwärmeversorgung und Elektromobilität auf eine gleichzeitig steigende Nachfrage. Denn den Vorteil der dezentralen Energielieferer spürt der Konsument laut Rienzner vor allem im Preis: 40 bis 70 Prozent liege das Angebot der integrierten Betriebe unter den gängigen Marktpreisen, so Rienzner.
Daran soll nach der beschlossenen SELEtschwerke-Fusion auch eine noch größere Landesgesellschaft nicht viel ändern, ist man beim SEV optimistisch. Dennoch blickt man noch mit etwas Bauchweh auf die Stromhochzeit: „Klar, wir hätten eine andere, sprich dezentralere Lösung bevorzugt“, meint Rienzner. Aber es gehe nun darum, den Neustart im Südtiroler Energiegeschäft gemeinsam anzupacken und die Südtiroler Konsumenten wieder in den Mittelpunkt zu stellen.
Mehr Bürgerbeteiligung
„Langfristig gelingen Energieprojekte, vor allem große wie beispielsweise die alternati-
ve abgelehnte Windnutzung am Brenner, nur mehr mit Bürgerbeteiligung. Das zeigen uns etliche Beispiele im Ausland. Wir als Vertreter des kapillaren, bürgernahen Netzwerkes können bei einem entsprechenden Sinneswandel bei den Entscheidungsträgern wesentlich mithelfen“, meint SEV-Geschäftsführer Rienzner. Laut ihm sind aus diesem Grund in ganz Europa und in den USA Energiegenossenschaften auf dem Vormarsch. Wie dort neue Kooperationsmodelle mit Energieindustrie und Zivilgesellschaft erfolgreich ausprobiert werden, überzeugte sich der SEV kürzlich bei einem „transatlantischen Meinungsaustausch“ in Brüssel, der vom Europäischen Verband der unabhängigen Strom- und Gasverteilerunternehmen (GEODE) veranstaltet wurde. Die Südtiroler waren 2014 dem Verband beigetreten. Genossenschaften mit über 160.000 Mitgliedern, wie in einem Fall in Virginia, machen dem SEV Mut. Denn Südtirol habe mit über 50 % regenerativer Energie schon von seiner Grundvoraussetzung her beste Chancen, die Herausforderungen der Zukunft im Bereich der Energiewende zu meistern.
Der Südtiroler Energieverband vertritt heute 306 Mitglieder. Damit hat sich die Mitgliederzahl in nur fünf Jahren nahezu verdoppelt. Der SEV will sich als unabhängige Dienstleis-

tungsplattform für kleine und mittlere Unternehmen, Genossenschaften und Stadtwerke positionieren.
Kleinen den Rücken stärken
Dabei setzt er auf eine kooperative Vernetzung mit seinen Partnern und will – gerade angesichts der Fusion von SEL und Etschwerke – den kleinen und mittleren Versorgern, die vor allem in der Peripherie angesiedelt sind, den Rücken stärken. „Initiativen wie die Übernahme der Stromverteilung durch einzelne Gemeinden müssen auch in Zukunft möglich sein. Ebenso die Gründung von Verteilergenossenschaften in den Gemeinden oder auf
„Tendenzen erkennen
SEV-Präsident Hanspeter Fuchs, Stephan Kohler (Präsidiumsmitglied des Weltenergierats, WEC), SEV-Geschäftsführer Rudi Rienzner
Bezirksebene. Schließlich können nur kundennah arbeitende Genossenschaften die Stromkosten für Haushalte und Betriebe spürbar senken“, sagt SEV-Präsident Hanspeter Fuchs, der bei den Vorstandswahlen ebenso bestätigt wurde wie SEV-Vize Georg Wunderer. Wie die Energielandschaft der Zukunft und auch in Südtirol aussehen soll, darüber diskutierte übrigens eine Podiumsrunde mit Energielandesrat Richard Theiner, SEL-Präsident Wolfram Sparber, Kammerabgeordneten Albrecht Plangger, Rudi Rienzner und Stephan Kohler, Präsidiumsmitglied des Weltenergierats (WEC), der auch einen Gastvortrag zum Motto „Global denken – dezentral handeln“ hielt.
und beeinflussen“
Bei der diesjährigen Weinfachmesse Vinitaly in Verona wurde Anton Zublasing, Obmann der Kellerei St. Michael, mit der Auszeichnung „Cangrande ai Benemeriti della Vitivinicultura“, geehrt.
Anton Zublasing war mehrere Jahre auch Präsident des Konsortiums Südtirol Wein und des Verbandes der Kellereigenossenschaften Südtirols und gilt als einer, der sich leidenschaftlich für den Südtiroler Wein einsetzt.
Herr Zublasing, was bedeutet für Sie diese Auszeichnung?
Anton Zublasing: Diese Auszeichnung bedeutet für mich sehr viel. Nach bald 35 Jahren in der Südtiroler Weinwirtschaft und im Genossenschaftswesen ist es eine Anerkennung der besonderen Art, zumal ja nur eine Person je Provinz und Jahr damit geehrt wird.
„Cangrande“ wird für den Einsatz zur Entwicklung im Weinbau und zur Förderung der Weinkultur vergeben. Worin sehen Sie ihren besonderen Beitrag dazu?
Als Obmann versteht man sich immer als Bindeglied zwischen den Mitgliedern und der Geschäftsleitung, und in vielen Fällen als Ansprechpartner für die zahlreichen Kunden. Ich bin der Auffassung, dass man als Obmann Richtungen und Tendenzen früh genug erkennen sollte und sie auch beeinflussen darf.
Was sind aus Ihrer Sicht heute die wichtigsten Weichenstellungen für eine Kellereigenossenschaft und deren Mitglieder, um langfristig erfolgreich zu bleiben?
Man möge der hohen Qualität der Südtiroler Weine treu bleiben, erworbene Märkte pflegen und gut betreuen, und ich wünsche mir einen qualifizierten Nachwuchs für das Südtiroler Genossenschaftswesen.

Cangrande-Träger Anton Zublasing
„Die Frische macht die Qualität“
In Terlan ist die Spargelernte voll angelaufen. Täglich werden an die 1300 Kilogramm Spargeln an die Kellerei geliefert, sagt Spargelleiter Alexander Höller.
Herr Höller, wie werden beim Terlaner Margarete Spargel Frische und Geschmack gewährleistet?
Die Frische des Spargels ist grundlegend für Qualität und Geschmack. Beides erreicht man, in dem wir den frisch gestochenen Spargel rasch wieder einer feuchten Quelle zuführen. Schon auf dem Feld wird der Spargel in den Kistchen mit nassen Tüchern abgedeckt. Alle zwei Stunden holt ein Spargeltaxi die frischen Stangen aus den Feldern ab und bringt sie direkt in die Kellerei, wo sie einer Kühlkette übergeben werden.
Eine Kühlkette, wie kann man sich das vorstellen?
Kurz erklärt, läuft das so: Nach einer Grobwäsche werden die Spargeln in einem Schockkühler unter einer kalten Brause heruntergekühlt. Auf der automatischen Sortieranlage erhalten die Spargeln einen exakten Vorschnitt, durchlaufen das Bürstgerät, werden mit Weißwasser gereinigt, nach Größen und Qualitäten sortiert und in Kistchen gereiht, mit Brucheis bedeckt und bei 1,5 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit in Kühlzellen bis zum Verkauf gelagert.
Was ist noch wichtig für eine hohe Spargelqualität?
Wichtig ist sicher auch, dass sich die Mitglieder an unser Folienmanagement halten. Das heißt, wenn die Temperaturen sehr steigen – und wir haben eine Temperaturmessstation –, dann müssen die Schutzfolien der Spargeln z. B. von der schwarzen auf die weiße Seite gedreht werden, weil dann mehr Licht reflektiert und weniger Wärme aufgenommen wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Spargel Verformungen und Verfärbungen erhält.
Wie ist es heuer mit der Qualität bestellt?
Die kalten Frostnächte in den ersten Apriltagen haben die Qualität zum Glück nicht beeinträchtigt. Die Spargeln waren unter den Schutzfolien ausreichend geschützt, weil die Sonne untertags für eine genügende Aufwärmung der Folientunnels sorgte. Die Witterung ist gut und warm – und wir haben ja sehr gute flins- und humusreiche Böden. Unsere 17 Spargelbauern bearbeiten rund 10 Hektar Fläche und wir erwarten heuer mit ca. 60.000–70.000 kg Spargeln eine etwas höhere Ernte als im Vorjahr.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln steht bei

Bilaterale Körperschaft
Obst und Wein immer mehr in der Kritik. Wie sieht es hier beim Spargelanbau aus?
Der Spargel an und für sich ist ja direkt die Sprosse, und diese gedeiht ja nur im Frühjahr. Behandelt wird aber erst nach der Ernte – und zwar nur das Spargelkraut, das dann aus dem Boden schießt und im Herbst eingehäckselt wird.
Wie kommt es eigentlich, dass die Spargelbauern ausgerechnet an die Kellerei anliefern?
Das ist so gewachsen, dass sich die Spargelbauern zusammengetan haben, aber u. a. aus bürokratischen Überlegungen nicht eine eigene Genossenschaft gründen wollten, und die Kellerei Terlan im Statut auch vorgesehen hat, dass man, sofern es nützlich ist für die Kellereigenossenschaft, die Tätigkeit auch auf andere Bereiche der Landwirtschaft ausweitet, und so konnten auch die Spargelbauern Mitglied werden wie die Weinbauern mit allen gleichen Rechten und Pflichten. interview: thomas hanni
Margarete-Spargel
Noch bis Ende Mai dreht sich im Spargeldreieck Terlan, Vilpian, Siebeneich alles um die geschützte Margarete-Spargel. Zehn Gastbetriebe laden zur 32. Terlaner Spargelzeit, die Anfang April mit dem offiziellen Spargelanstich eröffnet wurde. In der Kellerei Terlan kann frischer Spargel direkt im neu gestalteten Detailgeschäft täglich erworben werden. Mehr Infos unter: www.terlaner-spargel.com
Als Sozialpartner arbeitet der Raiffeisenverband Südtirol gemeinsam mit den Gewerkschaften an der Errichtung einer bilateralen Körperschaft. Diese soll durch zusätzliche soziale Abfederungsmaßnahmen für die Obstmagazine mehr Sicherheit für die Beschäftigten bringen. Derzeit arbeitet der Raiffeisenverband gemeinsam mit den Sozialpartnern die entsprechenden Details aus. Die bilaterale Körperschaft für die Obstmagazine soll als eine Art „Lohnausgleichskasse“ für die Beschäftigten mehr Sicherheit gewährleisten und vor allem die arbeitsfreien Zeiten überbrücken. Derzeit arbeiten rund 4.000 Beschäftigte in den Südtiroler Obstmagazinen, die von einer starken Saisonalität geprägt sind. Das Abkommen, das mit den Gewerkschaften abgestimmt wird, sieht eine Abzweigung bestimmter Prozentsätze der Bruttolohnsumme vor, die in Form von Leistungen dem Beschäftigten ausbezahlt werden.
Der Raiffeisenverband erwartet sich von der einkommensstützenden Maßnahme eine allgemeine Stärkung und Absicherung des lokalen Systems der Südtiroler Obstmagazine. Er wird die administrative Handhabe der Körperschaft übernehmen, die noch 2015 Realität werden soll.
Alexander Höller ist Spargelleiter in der Kellerei Terlan.
Paul Gasser bestätigt

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, wird weiterhin auch dem Verwaltungsrat des Südtirol Internet-Providers Raiffeisen OnLine (ROL) vorstehen. Gasser wurde Anfang April im Rahmen der Gesellschafterversammlung als Präsident bestätigt. Dabei wurden auch die Geschäftszahlen präsentiert. Im Jahr 2014 erwirtschaftete Raiffeisen OnLine, Tochtergesellschaft des Raiffeisenverbandes und der Raiffeisenkassen, einen Gewinn vor Steuern von etwas mehr als 270.000 Euro. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr geringfügig auf 7,4 Mio. Euro. Die Zahl der Kunden erhöhte sich auf über 37.000.
Die Raiffeisen OnLine GmbH sei weiterhin stark im Bereich Breitband-Internet-Anbindungen engagiert, unterstrich Direktor Peter Nagler in seinem Geschäftsbericht. Nach dem Ausbau des Südtiroler Glasfaser-Netzes sei nun endlich auch Bewegung in die Bereitstellung der letzten Meile gekommen, die ja erst die Anschlüsse für Haushalte und Unternehmen ermögliche, hieß es bei der Gesellschafterversammlung.
Grundausbildung abgeschlossen
Im Bildungshaus Kloster Neustift haben kürzlich neue Mitarbeiter der Raiffeisenkassen und des Raiffeisenverbandes eine umfassende Grundausbildung abgeschlossen.
Im Rahmen der von der Abteilung Bildungswesen organisierten Grundausbildung konnten sich die Mitarbeiter nicht nur einen Überblick über den genossenschaftlich strukturierten Raiffeisensektor und dessen Unternehmenskultur verschaffen. Im Mittelpunkt der zweiwöchigen Ausbildung stand vor allem die praxisbezogene Vermittlung von Grundkenntnissen. Experten der Raiffeisenorganisation informierten über wesentliche Bankgeschäfte und banknahe Rechts- und Wirtschaftsthemen wie Erbschaft und Datenschutz bis hin zur Vorsorge und Versicherung.
Schwerpunkt Kommunikation
Einen neuen Schwerpunkt legte die Grundausbildung auf den Bereich Kommunikation, der auch im Bankgeschäft immer wichtiger wird. Unter fachkundiger Anleitung von Managementtrainerin Ilse Egger und Kommunikationstrainerin Elisabeth Motsch wurden u. a. der professionelle Kundenempfang sowie die Kundenansprache in Italienisch in Theorie und Praxis geübt. „Beim Grundkurs habe ich viele Einblicke in unterschiedliche Bereiche erhalten, die mir in Zukunft für meine Arbeit von Nutzen sein werden“, sagt Greta Augschöll, eine der Kursteilnehmerinnen. Abgeschlossen wurde die
Raiffeisen Weiterbildungskurse
kursangebot
Praxisworkshop Steuereinhebungsdienst
Persönlichkeit stärken – Kompetenzen ausbauen Kundenberatung zeitgemäß weiterentwickeln

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Grundausbildung im Bildungshaus Kloster Neustift
Grundausbildung mit Prüfung und simuliertem Kundengespräch.
Leadership
Mit Ende März ist im Bildungshaus Schloss Goldrain hingegen ein Lehrgang für Führungskräfte und Nachwuchsführungskräfte der Raiffeisenkassen gestartet. Die sechsmodulige LeadershipAusbildung dient als Vorbereitung auf die Übernahme erweiterter Führungsverantwortung und läuft bis Februar nächsten Jahres.
28.04.2015
Bildungshaus Lichtenburg/Nals
28.–29.04.2015 Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn Excel 2010 – Training für die Praxis II 05.–06.05.2015 RIS-Schulungsraum
Ausbildung Sicherheitsbeauftragte, A–Modul
Praxisworkshop Kreditbereich – Mitarbeiter Kreditbereich
Qualifizierung Anlageberatung
Impulse für die Beweglichkeit am Arbeitsplatz
Impulse für die Beweglichkeit am Arbeitsplatz
05.–13.05.2015
Bildungshaus Lichtenburg/Nals
05.05.2015 Hotel Eberle/Bozen
06.–28.05.2015 Diverse
07.05.2015
Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn
08.05.2015 Hotel Eberle/Bozen Vom Vorhaben zum Ergebnis – Professionalisierung der Managementfähigkeiten (Zertifikation durch malik – Management Zentrum St. Gallen)
Der perfekte Tag
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
08.05.–11.09.2015 Diverse
15.05.2015 Hotel Eberle/Bozen
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
ROL-Präsident Paul Gasser