

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Bei einer Audienz mit über 7000 Genossenschaftern Italiens betonte Papst Franziskus die zentrale Rolle der Genossenschaften für die Menschen.
„Genossenschaften als Triebkraft“
Im Rahmen einer Lehrfahrt nach Rom besuchten die Obleute der Raiffeisenkassen kürzlich die genossenschaftlichen Zentralstrukturen. Höhepunkt bildete eine Papstaudienz für Vertreter des Genossenschaftssektors.
An der Papstaudienz zum 70. Jahrestag der Wiedergründung des italienischen Genossenschaftsverbandes Confcooperative hatten über 7000 Genossenschafter teilgenommen. Papst Franziskus erinnerte dabei an die Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ von Papst Leo XIII, welche die Bedeutung der katholischen Genossenschaften betont, an die Enzyklika „Caritas in veritate“ Papst Benedikts, die an die Solidarität und Humanität in der Wirtschaft appelliert, und an die Soziallehre von Papst Paul VI.
Mensch im Mittelpunkt
Franziskus lobte die Verdienste des Genossenschaftswesens, forderte aber auf, den Blick
nach vorne zu richten. Es gelte u. a. neue Formen der Zusammenarbeit zu ergreifen, etwa gegen Arbeitslosigkeit und Sozialabbau. „Habt den Mut, das Genossenschaftswesen bis in die Randgebiete zu bringen, wo das gegenwärtige sozialpolitische System jede Hoffnung zu ersticken scheint“, sagte der Papst, der auch das Prinzip der Solidarität betonte, um die Würde des Menschen wieder in den Mittelpunkt des Wirtschaftslebens zu stellen.
Netzwerke der Solidarität
Der Papst forderte dazu auf, sich noch stärker im Sozialbereich zu engagieren und neue sozialstaatliche Lösungen umzusetzen, etwa im Bereich der Gesundheitsfürsorge, wo heute viele Menschen keine angemessenen Antworten mehr auf ihre Bedürfnisse finden. Es brauche effiziente Netzwerke des Beistands und der Solidarität für Familien, alte, kranke
Die Genossenschaften müssten weiterhin Triebkräfte in der Gesellschaft bleiben. Auch um den schwächeren Teil der Ortsgemeinden und der Zivilgesellschaft zu fördern. Es brauche die Gründung neuer und die Weiterentwicklung bestehender Genossenschaften, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen und Frauen wieder verstärkt in die Arbeitswelt einzugliedern.
und benachteiligte Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen in Schwierigkeiten befinden. „Eure Aufgabe ist es, praktische Lösungen zu finden und diese Netzwerke in den konkreten Situationen eurer Ortsgemeinden zu verwirklichen“, sagte der Papst.
Nicht zuletzt unterstrich Franziskus die Verdienste der Genossenschaftsbewegung bei der Vereinbarung von Beruf und Familie. Hier bieten die Genossenschaften hilfreiche Strukturen etwa durch Sozialgenossenschaften, Kindertagesstätten bis hin zur häuslichen Pflege.
Geld nicht als Götze
Genossenschaften müssten neben ihrer sozialen Funktion auch transparente Ziele verfolgen und authentisch bleiben. Sie müssten im heutigen globalisierten Markt ein aufrichtiges Wirtschaften betreiben, dem besonders das Gemeinwohl zugrunde liegt. In echten Genossenschaften gebiete nicht das Kapital über die Menschen, sondern die Menschen über das Kapital. „Wird das Geld hingegen zum Götzen, zerstört es den Menschen und macht ihn zum Sklaven“, sagte der Papst. Der Papst erinnerte schließlich an die starke internationale Vernetzung des Genossenschaftswesens und an die große Verantwortung auch für die Genossenschaften, welche sich aus der fortschreitenden Globalisierung und

Die Obleute der Raiffeisenkassen besichtigten die genossenschaftlichen Zentralstrukturen in Rom.
der dadurch entstehenden wirtschaftlichen und sozialen Ungleichgewichte ergeben.
Wertschätzung erfahren
Im Rahmen der Lehrfahrt besichtigten die Obleute der Südtiroler Raiffeisenkassen den Sitz der Beteiligungsgesellschaft Iccrea Holding, den Zentralverband der Raiffeisenkassen Italiens, Federcasse und den Sitz der Confcooperative. Dabei erläuterten führende Exponenten, darunter Confcooperative-Präsident Maurizio Gardini, Aufgaben und Funktionen der jeweiligen Zentralstrukturen. „Wir konnten in Rom eine hohe Wertschätzung für die Südtiroler Raiffeisenorganisation erfahren“,
sagt Obmann Heiner Nicolussi-Leck. Auf dem Programm der vom Raiffeisenverband organisierten Lehrfahrt stand auch die Besichtigung des Quirinalpalastes, der Vati-kanischen Museen und der Sixtinischen Kapelle. Mehr Infos Video der Papstaudienz für die Genossenschaften

Weibliches Unternehmertum stärken
Ein neues Abkommen erleichtert Unternehmerinnen den Zugang zu bedarfsgerechten Finanzierungen und Begünstigungen. Damit soll das weibliche Unternehmertum dauerhaft gestärkt werden.
Die Frauen in der Südtiroler Wirtschaft stärken, sie vermehrt in Führungspositionen bringen und die Gründung von Unternehmen durch Frauen forcieren. Dafür setzt sich seit 2011 der „Beirat zur Förderung des weiblichen Unternehmertums“ der Handelskammer Bozen ein. Laut der Vorsitzenden des Beirates, Paulina Schwarz – sie ist u. a. auch Verwaltungsrätin im Raiffeisenverband –, gab es besonders bei Unternehmensneugründungen bislang auch finanzielle Hürden für Unternehmerinnen, etwa bei Kreditvergaben.
Dieses Hindernis soll nun mit einer Vereinbarung fallen, die Ende März zwischen der Handelskammer Bozen, den Garantiegenossenschaften Confidi, Garfidi und CreditAgri sowie der Raiffeisen Landesbank Südtirol AG geschlossen wurde. Damit sollen
speziell auf Frauenunternehmen abgestimmte Begünstigungen bereitgestellt werden.
Fonds von 20 Mio. Euro
Aus einem von der RLB und den Raiffeisenkassen zur Verfügung gestellten Fonds im Ausmaß von 20 Mio. Euro können so Unternehmen mit mehrheitlich weiblicher Beteiligung oder Führung Kredite zur Verfügung gestellt werden. Hierbei sieht das Abkommen neben einer bedarfsgerechten Bonitätsprüfung etwa auch die Möglichkeit einer Aussetzung der Rückzahlung im Fall einer Mutterschaft der Unternehmerin oder einer schweren Erkrankung vor.
Auf lange Sicht erhofft sich der Beirat mit dem Abkommen das weibliche Unternehmer-
tum in Südtirol dauerhaft zu stärken. Aktuell verzeichnet die Handelskammer Bozen rund 12.000 „weibliche“ Betriebe – rund ein Fünftel der heimischen Unternehmen.

Handelskammer, Garantiegenossenschaften und Raiffeisen Landesbank fördern das weibliche Unternehmertum.
Auszahlungspreise knapp gehalten
Während die Traubenmenge, die verkaufte Weinmenge und die Gesamtauszahlung höher ausgefallen sind, konnte der durchschnittliche Auszahlungspreis an die Mitglieder und Produzenten knapp gehalten werden.
Das sind die Kernaussagen der vom Raiffeisenverband kürzlich veröffentlichten Weinstatistik über die Lese 2013 und das Geschäftsjahr 2013/14. Die 15 angeschlossenen Kellereigenossenschaften haben 2013 eine Traubenmenge von 353.832 Dezitonnen (dt) übernommen – 10,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil der Weißweinsorten betrug 61,1 Prozent, die Rotweine 38,9 Prozent und dabei der Vernatsch im Schnitt 18 Prozent. Die Weinproduktion der Kellereigenossenschaften an der gesamten Südtiroler Weinproduktion erhöhte sich auf 72 Prozent. Der durchschnittliche Hektarertrag lag mit 105,4 dt Trauben um 12,5 Prozent über dem Vorjahr.
Leichter Rückgang um 0,8 Prozent
Die Kellereigenossenschaften haben im Geschäftsjahr 2013/14 insgesamt 256.170 hl Wein verkauft – 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Bruttoverkaufserlöse konnten dabei um 6,5 Prozent auf 134 Mio. Euro erhöht werden und erreichten im Schnitt pro Liter Wein 5,24 Euro“, erklärt Karl Heinz Weger, Leiter der Hauptabteilung Waren und Dienstleistungsgenossenschaften. Der Auszahlungsbetrag an die Traubenproduzenten lag mit 66,6 Mio. Euro, in erster Linie wegen der höheren Erntemenge, zwar um 9,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Der durchschnittliche Auszahlungspreis an Mitglieder und Produzenten ist aber um 0,8 Prozent auf 188,34 Euro/dt leicht gesunken; bei den Weißweinen belief er sich im Schnitt auf 199,90 Euro (-3%), bei den Rotweinen auf 171,26 Euro (+1,2%).
Vernatsch bleibt Schlusslicht
Für sechs der 15 Weinsorten wurden höhere, für neun Sorten geringere Auszahlungspreise erreicht. Die Rangliste der Auszahlungspreise führen Sauvignon, Gewürztraminer und Blauburgunder an. Gleichzeitig verzeichnen neben Chardonnay (-6,9%) und Müller Thurgau (-5,0%) die Sorten Blauburgunder (-5,4%) und Sauvignon (-4,6%) die höchsten Rückgänge bei der Auszahlung. Der Vernatsch bildet mit 113,92 Euro/dt.
Die durchschnittlichen Hektarerlöse sind mit 19.844 Euro gegenüber dem Vorjahr um 11,4 Prozent gestiegen, wobei ab der Ernte 2013 nicht mehr die gesamte Weinbau-

15 Kellereigenossenschaften sind dem Raiffeisenverband angeschlossen und stellen rund 72 Prozent der gesamten Südtiroler Weinproduktion.
Traubenlese 2013
Auszahlungspreise einiger Sorten an die Mitglieder
Bei sechs von 15 Weinsorten konnten im Geschäftsjahr 2013/14 die Auszahlungspreise an die Mitglieder leicht gesteigert werden.
fläche, sondern nur mehr die produktiv genutzte Fläche als Basis für die Ertragsberechnung verwendet wird. Die höchsten Erlöszuwächse pro Hektar erzielten Gewürztraminer (+19,2%) und Weißburgunder (+17,9%). Den höchsten durchschnittlichen Hektarerlös erzielte Sauvignon mit 24.142 Euro und lag damit um 66% über dem Vernatsch mit 14.532 Euro, der den geringsten Hektarerlös aufweist.
Mit der Ertragsleistung aus dem Obstbau konnte die genossenschaftliche Weinwirtschaft auch im Geschäftsjahr 2013/14 nicht mithalten. So lag der durchschnittliche Hektarertrag beim Weinbau um 5370 Euro bzw. 27 Prozent unter jenem im Obstbau.
kellerei kaltern
Neues Corporate Design

Eigene Weinflasche für Kellerei
Unter dem Motto „pleasure.reshaped“ präsentierte die Kellerei Kaltern Ende März im winecenter ihr neues Corporate Design. Ab dem Jahrgang 2014 werden alle Weine in eine eigens für die Kellerei Kaltern entwickelte Flasche gefüllt – eine Kombination aus dem Körper einer Burgunder- mit dem langen Hals einer Schlegelflasche. Auf ihrer Brust prangt das Logo der Kellerei. „Die Form soll den eleganten Stil unserer Weine unterstreichen und sie auf den ersten Blick von anderen Produzenten abheben“, sagt Obmann Helmuth Hafner. Auch die Etiketten wurden komplett überarbeitet und unterstreichen den neuen Auftritt der Kellerei.
Der Änderung ist ein zweijähriger Prozess der Strategiefindung vorausgegangen. Im Zentrum der Überlegungen stand der Kalterer See. Der neue Claim der Kellerei Kaltern heißt „Weine vom See“.
Zum Thema
Ein Video zum neuen Corporate Design gibt es online unter www.pleasurereshaped.com
Fast ein Viertel weiblich
In Italien gibt es fast 80.000 eingetragene Genossenschaften. Über 7000 wurden im Vorjahr gegründet. Knapp ein Viertel wird von Frauen geführt.
In Italien gab es zum Jahresende 2014 insgesamt 78.298 eingetragene Genossenschaften. Das sind 1,6 Prozent weniger als noch vor fünf Jahren. Von den 20 Regionen verzeichneten nur sechs Regionen eine steigende Zahl an Genossenschaften, den größten Zuwachs gab es in den Regionen Latium (+ 17,7%), Sizilien (+10,4%) und Trentino-Südtirol (+10,2%). Den größten Rückgang verzeichneten Kampanien (-18%), Kalabrien (-12%) und die Lombardei (-10,5%).
Im Jahr 2014 wurden in Italien 7622 neue Genossenschaften gegründet, das waren 162 weniger als 2013, aber um 38 Genossenschaften mehr als noch 2009. Seit 2009 liegt die Zahl der jährlichen Neugründungen stets über der Zahl der gelöschten Genossenschaften, im Vorjahr um 2,1 Prozent darüber.
Genossenschaften in Italien
Frauen: Sardinien vorne
Weiter erhöht hat sich bis Ende 2014 der Anteil der von Frauen geführten Genossenschaften (17.991 bzw. 23 Prozent). So ist etwa auf Sardinien mit 32 Prozent fast jede dritte Genossenschaft „weiblich“, gefolgt vom Latium mit 26 Prozent und Sizilien mit 25 Prozent. Jede zehnte italienische Genossenschaft gilt als junge Genossenschaft und wird von Personen unter 35 Jahren geleitet. In Südtirol gibt es heute über 1000 eingetragene Genossenschaften. Davon gehören 370 Genossenschaften und Körperschaften ohne Revisionspflicht dem Raiffeisenverband an; im Vorjahr sind 12 neue Genossenschaften beigetreten und drei Genossenschaften ausgetreten.
Sizilien hat am meisten, Aosta am wenigsten Genossenschaften; im Vergleich: Trentino Südtirol.
Raiffeisen Weiterbildungskurse
Praxisworkshop Wertpapiere
14.04.2015
Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn
Meine 4-Generationen-Kunden – BEST AGER 50+ 16.04.2015 Hotel Eberle/Bozen
Kreativer Umgang mit schwierigen und reizenden Mitmenschen Gelassen und souverän mit schwierigen Gesprächspartnern umgehen
Die glorreichen 7 – Diese Produkte sollte jeder Kunde haben
22.04.2015 Ansitz Kematen/Ritten
22.04.201511.06.2015 Diverse
Unsere jungen Kunden – DIGITAL NATIVES – traditioneller als gedacht! 23.04.2015 Hotel Eberle/Bozen
Glück – Selbstverantwortung übernehmen und Selbstvertrauen entwickeln 23.04.2015
Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn Willkommen im Ideenreich!
Nachhaltiges Unternehmenswachstum durch systematisches Innovationsmanagement 23.04.201524.04.2015 Ansitz Kematen/Ritten
Arbeitsrechtliche Aspekte in der Praxis 23.04.2015 Hotel Eberle/Bozen
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84 Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Quelle: Unioncamere/Alleanza delle Cooperative italiane