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Raiffeisen Mitteilungen

des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Bankenvertreter Südtirols und des Trentino informierten sich im Raiffeisenhaus über die Reformerwartungen seitens der Banca d’Italia und der Regierung.

Genossenschaftsbanken vor Reform

Über die Herausforderungen der Lokal- und Genossenschaftsbanken im Blickwinkel der europäischen Bankenaufsicht informierte Carmelo Barbagallo von der Banca d’Italia bei einer Tagung im Raiffeisenhaus.

Der Vortrag des Zentraldirektors der Bankenund Finanzaufsicht der Banca d’Italia in Rom stieß angesichts des Reformprozesses im Bankensektor bei Obleuten und Geschäftsführern der Raiffeisen Geldorganisation auf großes Interesse. Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck konnte neben den Spitzen der Banca d’Italia-Filialen von Bozen und Trient auch Spitzenvertreter des Genossenschaftsverbandes Trient, der Südtiroler Sparkasse, Südtiroler Volksbank, Alpenbank und Bank für Trient und Bozen (BTB) zur Tagung begrüßen. Nicolussi-Leck dankte Barbagallo für die Bereitschaft, die Herausforderungen für Lokal- und Genossenschaftsbanken und die entsprechenden Reformerwartungen aufzu-

zeigen. Die Einladung war vom Raiffeisenverband bereits im Vorjahr in Rom ausgesprochen worden.

Strukturelle Schwächen

Die schlechte Wirtschaftslage, strengere Normen und die einheitliche europäische Bankenaufsicht machen einen radikalen Wandel des italienischen Bankensystems notwendig, und davon seien auch die Genossenschaftsbanken nicht ausgenommen, betonte Barbagallo. Diese stellen heute rund 15% der Geschäftsstellen und 6% des Gesamtvolumens des italienischen Bankensystems. Die Zahl der Genossenschaftsbanken sei seit 2011 von

411 auf 376 gesunken. In den letzten drei Jahren seien die gefährdeten Kreditpositionen von 10 auf 17,5% des gesamten Kreditvolumens gestiegen und liegen damit über dem Durchschnitt der italienischen Banken mit 16,8%. Die operativen Kosten seien stark gestiegen, u. a. auch aufgrund verabsäumter Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen der genossenschaftlichen Netz- und Verbundstrukturen; insgesamt leiden die italienischen Genossenschaftsbanken unter strukturellen und konjunkturellen Schwächen, meinte Barbagallo.

„Für das System der Genossenschaftsbanken ist eine verstärkte Integration im Interesse der Sparer und der eigenen Stabilität

mittlerweile unumkehrbar“, betonte Barbagallo, der bei der Tagung gleichzeitig auch die Bedeutung der Lokal- und Genossenschaftsbanken für Klein- und Mittelbetriebe, Familien und die örtlichen Wirtschaftskreisläufe hervorhob und den Südtiroler Raiffeisenkassen ausdrücklich eine deutlich bessere und von Stabilität geprägte Entwicklung in sämtlichen Bereichen bescheinigte.

Regierung mahnt Reformen an

Nach der kürzlich beschlossenen Reform der Volksbanken fordert die Regierung von den Genossenschaftsbanken nun innerhalb kürzester Zeit entsprechende Reformvorschläge zum Aufbau solider und zukunftsfähiger Führungsstrukturen und zur Behebung von eigenen Systemdefiziten. „Es braucht ein straffes System, das die Nachteile der Kleindimensionierung überwindet, aber gleichzeitig die genossenschaftliche Stärke der Nähe zum Tätigkeitsgebiet erhält“, sagte Barbagallo. Das eiserne Festklammern an der eigenen Autonomie habe im System der Genossenschaftsbanken zu einem Reformstau geführt, meinte Barbagallo. Um im Wettbewerb zu bestehen, bräuchten die Genossenschaftsbanken einen einschneidenden Umbau der Organisations- und Führungsstrukturen, um u.

a. die operativen Kosten zu senken, die Rentabilität zu steigern, die Professionalität auf Führungs- und Fachebene zu erhöhen und die Leistungsbilanz zu steigern.

Auftrag weiter erfüllen

Generaldirektor Paul Gasser vermittelte Barbagallo bei der Tagung die Entwicklung der Raiffeisen Geldorganisation im Geschäftsjahr 2014, die trotz des schwierigen Umfeldes gute Gewinne und Zuwächse bei Einlagen

Stabilitätsgesetz und Job Act

und Ausleihungen erzielen konnte. Er betonte die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Raiffeisenkassen für Südtirol seit über 125 Jahren. Dabei sprach er den Wunsch aus, dass sie als Genossenschaftsbanken ihren wichtigen Auftrag für die lokale Wirtschaft und für die Menschen im Land auch weiterhin wie bisher erfüllen könnten.

Bei einer anstehenden Reform sollte den lokalen Gegebenheiten Rechnung getragen und ein eigenständiges Geschäftsmodell zugelassen werden, betonte Gasser.

Die Neuerungen des Stabilitätsgesetzes und die Ermächtigungsverordnung Job Act standen unlängst im Fokus zweier Informationstagungen im Raiffeisenhaus.

Zu den Tagungen der Hauptabteilung Personal und Arbeitsrecht waren zahlreiche Vertreter der Mitgliedsgenossenschaften gekommen. Hauptabteilungsleiter Ralf Niederstätter und die beiden Abteilungsleiter Lydia Salamon und Christof Gamper schafften einen Überblick über die kürzlich beschlossenen gesetzlichen Bestimmungen des Stabilitätsgesetzes und der Ermächtigungsverordnung Job Act, aber auch über die Neuerungen im Zusammenhang mit den befristeten Arbeitsverträgen. Thema der Informationstagung waren zudem alle unmittelbar anstehenden Termine zu verschiedenen Meldungen im Bereich des Arbeitsrechts.

Schwerpunkte der Tagung

Vor allem die Änderungen des Stabilitätsgesetzes wurden mit regem Interesse verfolgt.

Vertreter der Mitgliedsgenossenschaften informierten sich über neue gesetzliche Bestimmungen.

Christoph Gamper berichtete dabei unter anderem über den 80-Euro-Steuerbonus sowie über die neu eingeführten Beitragserleichterungen bei der Neuanstellung von unbefristeten Mitarbeitern im Jahre 2015. Hinsichtlich der Ermächtigungsverordnung Job Act wurde

vor allem über die anstehende Neuregelung zu den unbefristeten Arbeitsverträgen mit wachsender Schutzklausel berichtet. Weiters wurde ein Überblick zur Arbeitslosenunterstützung „NASPI“, gegeben. Die Tagung wurde mit einer regen Fragerunde abgerundet.

Foto
oben
links:
Franz Menghin
Paul Gasser, Heiner Nicolussi-Leck, Carmelo Barbagallo, Luigi Parisotto (Banca d’Italia, Bozen)

Polens Apfelkonkurrenz: „Macht euch keine Sorgen“

Der russische Importstopp für europäische Äpfel bereitet Südtirols Apfelbauern Unbehagen. Eberhard Makosz aus Polen versuchte bei einem Vortrag in Brixen zu beruhigen, doch zerstreuen konnte er die Sorgen nicht.

Auf Einladung der Obstgenossenschaft Melix sprach Professor Eberhard Makosz von der Naturwissenschaftlichen Universität Lublin in Polen am Sitz der Raiffeisenkasse Eisacktal in Brixen vergangenen Februar über die Bedeutung der aktuellen politischen Situation für den Obstbau in Europa und welchen Einfluss das Russland-Embargo auf die polnische Kernobstproduktion hat. Und damit auch auf den Absatz der Südtiroler Obstproduzenten.

Makosz: Falsche Sorten

Tenor seines Vortrags: „Macht euch keine Sorgen!“ Polen habe in der Tat einige Vorteile gegenüber Südtirol: Die Produktionskosten sind nur halb so hoch wie in Südtirol, eine Arbeitsstunde kostet drei bis vier Euro. Außerdem profitiert Polen vom Wechselkurs des Zloty, vom guten Klima und einer für moderne Apfelanlagen gut geeigneten Bodenbeschaffenheit.

Damit – so zumindest Makosz – sei man aber auch schon bei den Nachteilen Polens: „Was fehlt, ist die Qualität. Wir brauchen eine Qualitätssteigerung, keine Industrieware. Wir bauen außerdem die falschen Sorten an, vor allem kaum einfarbige.“ Da die Produktion stetig steige, mache man sich selbst das Leben

schwer: „Wohin sollen wir denn exportieren? Viele Tafeläpfel werden in die Verwertung gehen“, sagt Makosz. Der Absatz sei zwar trotz des Embargos gut, die Preise aber im Keller. Außerdem seien die Obstanlagen kaum vor ungünstigen Witterungsbedingungen wie Trockenheit, Spätfrost und Hagel geschützt. Die aktuelle Marktlage bedrohe Polens Obstbau grundlegend, sagt Makosz: „Viele Apfelanbauer werden vor finanzielle Probleme gestellt. Das Erwirtschaftete ist nicht ausreichend für eine normale Pflege der Anlagen im kommenden Frühjahr.“

Makosz Fazit: Aufgrund unterschiedlicher Sortenspiegel werde Polen kein Konkurrent für Südtirol sein.

Erstzunehmender Konkurrent

So entspannt sahen es aber nicht alle Teilnehmer der Tagung. Schon an jenem Abend bemerkte ein Teilnehmer, man spüre Polen sehr wohl: „Bei den Preisen.“ Das fürchtet auch Gerhard Dichgans, Direktor des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften VOG: „Wir sind der Meinung, dass Polen, welches neue Märkte suchen muss, sehr wohl ein ernst zu nehmender Konkurrent am europäischen Markt ist.“ Polen habe seit der Mitgliedschaft in der EU mehr moderne Obstanlagen und

Polen muss sich neue Apfelmärkte suchen und gilt daher als ein ernst zu nehmender Konkurrent am europäischen Markt.

sich auch sortenmäßig an die Markterfordernisse angepasst, wobei diese Sorten bereits jetzt in Märkte hinein verkauft würden, in denen Südtirol seit jeher präsent ist, zum Beispiel nach Skandinavien und England.

Konkurrenz durch Preisdruck

Dichgans stimmt Makosz zu, dass ein Teil der Apfelproduktion überholt sei, vor allem im Hinblick auf die Sorten. Sorten, die bislang nach Russland geliefert wurden, was nun nicht mehr möglich ist. „Wir merken auf unseren Exportmärkten die polnische Konkurrenz eher durch den Preisdruck, den sie auf den Markt ausübt, aber weniger konkret darin, dass sie uns Marktanteile abgenommen hätte.“ Speziell auf den Märkten Nordafrika und Arabien sei das klassische Südtiroler Sortiment gefragt: Gala, Golden und Red Delicious. „Da hat Südtirol eine starke Position, die Polen nicht von heute auf morgen erschüttern kann“, sagt Dichgans. Makosz rechnet in naher Zukunft mit einer polnischen Produktion von rund 3,5 Millionen Tonnen Äpfeln, darunter etwa 1,5 Millionen Tonnen Tafeläpfeln sowie 800.000 Tonnen für den Export. „Sollte das russische Embargo längerfristig andauern, müssen wir die Produktion um mindestens 500.000 Tonnen verringern, um alle Äpfel zu kostendeckenden Preisen verkaufen zu können und um am europäischen Apfelmarkt Störungen zu vermeiden“, sagt Makosz. ma

Eberhard Makosz, Polen: Wohin exportieren?

neuerscheinung

Gegen die Not

Am Anfang des 19. Jahrhunderts gab es ähnliche Probleme wie heute: Kredithaie, Privatinsolvenzen, Obdachlose. Zwei Männer machten sich unabhängig voneinander daran, sie zu lösen. Ihre Vision: Durch Gemeinsinn die Not lindern. In einem neuen Büchlein zeichnen die Theologen und Journalisten, Uwe Birnstein und Georg Schwikart, unterhaltsam und informativ die Lebensläufe der beiden „Genossenschaftsväter“ F. W. Raiffeisen und Hermann SchulzeDelitzsch nach. „Je tiefer wir in das Leben der beiden eingetaucht sind, umso mehr ist unser Respekt vor ihnen gewachsen. Unserer Zeit mangelt es an Pionieren, die nicht nur über das Auseinanderklaffen der Wohlstandsschere lamentieren, sondern Alternativen entwickeln, und diese umsetzen. Ermutigt hat uns, dass und wie der christliche Glaube die beiden – auf je eigene Weise – angetrieben hat.“

Das Büchlein ist im WichernVerlag erschienen.

Gewalt und die Rolle der Medien

Unter diesem Motto im Titel lud der Raiffeisenverband Herausgeber, Chefredakteure und Journalisten der Südtiroler Medien kürzlich ins Bozner Hotel Laurin.

Raiffeisenverband-Vizeobmann Herbert von Leon betonte einleitend zum 5. Presseempfang, dass die Berichterstattung über Gewaltthemen für die Medien in den letzten Jahren zu einer steigenden Herausforderung geworden sei, die lokalen Medien dabei aber entsprechendes Gespür zeigten.

Nicht instrumentalisieren lassen

Gastredner Alois Vahrner, Chefredakteur der „Tiroler Tageszeitung“, ging in seinem Referat auf den Spagat zwischen Medien-Informationspflicht und den möglichen Auswirkungen auf die Nachrichtenempfänger ein. Er betonte, dass sich Medien nicht von Gewalttätern instrumentalisieren lassen dürften, entscheidend sei das Wie der Berichterstattung. Handlungsbedarf sieht Vahrner besonders im Internet und bei sozialen Netzwerken, deren gesetzliche Schranken zum Schutz von Kindern und Jugendlichen lückenhaft seien.

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, verwies auf die Bedeutung eines gemeinsamen Wertesystems, dem sich die meisten Mitbürger moralisch und ethisch noch verpflichtet fühlten. Das sei neben wirtschaftlichem Wohlergehen eine wichtige Basis, um Gewalttaten zu verhindern und Probleme im Dialog zu lösen.

Der Presseempfang wurde von der Musikgruppe „TriOlé“ umrahmt.

In einer von der RAI-Südtirol-Journalistin Gudrun Esser geleiteten Podiumsdiskussion verwies RAIJournalist Lucio Giudiceandrea auf die ausgeprägte Berichterstattung über Gewaltthemen in den italienischen Medien. Dolomiten-Chefredakteur Toni Ebner nahm zur Sensibilisierungskampagne „Stopp der Gewalt“ in der Tageszeitung „Dolomiten“ Stellung, die aufgrund von zunehmenden Gewaltübergriffen in Südtirol vor einiger Zeit ins Leben gerufen wurde. Ebner brach eine Lanze für eine verantwortungsvolle, ethisch korrekte Berichterstattung, welche die Würde, Privatsphäre und den Schutz der Opfer und der Angehörigen wahrt. Wertesystem wichtig

Raiffeisen Weiterbildungskurse

kursangebot termin ort

Der professionelle Kundenempfang 17.03.2015 Hotel Eberle/Bozen

Das richtige Business-Styling

Als Mitarbeiter und Mitarbeiterin selbstbewusst und stilvoll auftreten 18.03.2015 Hotel Eberle/Bozen

Die Handhabung der Unternehmenskrise aus Sicht der Bank – Modul 2 19.03.2015 Hotel Eberle/Bozen

Souveräne Umgangsformen in der Führungsebene 20.03.2015 Haselburg/Bozen (Freskensaal)

Neue Medien und Schreibstile

Mit E-Mail Knigge und Kommunikationstest 24.03.2015 EURAC/Bozen

Genial einfach rechnen und visualisieren 25.-26.03.2015 Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn

Das Telefon als Kundenangel – So holen Sie Ihre Kunden in die Bank 26.03.2015 Hotel Eberle/Bozen

Qualifizierung im Kreditbereich – Modul III

Kanalübergreifende Redaktionsplanung

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84

26.03.2015 Ansitz Castel Kandelburg/ Mühlbach

27.03.2015 RVD-Schulungsraum/Bozen

Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it), Matthias Mayr

Herbert von Leon, Alois Vahrner, Toni Ebner, Gudrun Esser, Lucio Giudiceandrea, Paul Gasser

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