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des

Raiffeisen Mitteilungen

Weihnachtszeit – Zeit zum Innehalten: Das diesjährige Motiv der Weihnachtskarte zeigt das Bleiglasfenster in der Kapelle der Bozner Marienklinik.

Genossenschaft trägt Verantwortung

Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck blickt auf das Jahr 2014 zurück. Die Raiffeisenorganisation steht gut da, muss sich aber auch für die Herausforderungen einer sich rasch ändernden Zukunft rüsten.

Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende. Mit Blick auf Europa beherrschte die schwächelnde Wirtschaft, aber auch die geopolitische Lage mit der Ukraine-Krise das Geschehen. Die Leitzinssenkung auf historische 0,05 Prozent zeigt, dass das Deflationsrisiko noch nicht gebannt ist. Der wirtschaftliche Aufschwung in der Euro-Zone war schwächer als erwartet, Arbeitslosigkeit und Verschuldung sind unverändert hoch.

In Italien bleibt die Wirtschaftslage rezessiv. Die Arbeitsmarktreformen von Ministerpräsident Renzi finden Anerkennung, doch viele Strukturreformen blieben im Ansatz stecken. Die Krise schlägt sich auch auf den italienischen Bankensektor nieder, der mit

172 Mrd. Euro seine bisher höchsten Wertberichtigungen tätigen musste.

Südtirols Wirtschaft steht noch vergleichsweise gut da, die Erholung am Jahresbeginn konnte sich jedoch nicht durchsetzen, sodass das BIP gegenüber dem Vorjahr ein Nullwachstum aufweisen wird. Das Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer prognostiziert für 2015 ein Plus von 0,6 Prozent, die Lage bleibt aber insgesamt schwierig,

100.000 Südtiroler Existenzen

Von der allgemeinen Entwicklung bleibt auch die Raiffeisenorganisation nicht unberührt. Von ihrem Erfolg hängen heute direkt

oder indirekt fast 100.000 Südtiroler Existenzen ab. Die Raiffeisen-Genossenschaften tragen daher große Verantwortung. Erfreulich ist, dass sie sich auch heuer wieder übergreifend zufriedenstellend entwickeln konnten, nicht zuletzt deshalb, weil sie durch die Nähe zum Markt seit Jahren permanent in Innovation investieren. Das gilt für die landwirtschaftlichen Genossenschaften bis hin zu den E-Genossenschaften. Das gilt auch für die Raiffeisenkassen, die ihr Geschäft auf nachhaltige Kreditpolitik und ausgewogene Risikotragfähigkeit ausrichten. Eine Strategie, die sich in der Krisenzeit bezahlt macht, was – bei allen Herausforderungen – an den positiven Ergebnissen ersichtlich ist.

Weichen für die Zukunft

Um eine positive Entwicklung beizubehalten, sind auch die Genossenschaften noch mehr gefordert, die raschen Veränderungsprozesse aktiv mitzugestalten. Als Raiffeisenverband liegt es in unserer Verantwortung, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Basis dazu bildet unsere „Strategie 2014–2018“, die auf den Ergebnissen der 2013 bei den Mitgliedern durchgeführten Zufriedenheits- und Bedarfsanalyse aufbaut. Mit dieser Mehrjahresplanung wollen wir, auch angesichts schwieriger Zeiten, den Weg der Veränderung weiter fortsetzen.

Genossenschaften haben sich in ihrer über 100-jährigen Geschichte in den verschiedens-

ten Bereichen der Wirtschaft und des sozialen Lebens nachhaltig etabliert. Der Wertekontext von Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung stellt ein verbindendes Element zwischen den unterschiedlichen Genossenschaften und Mitgliedern dar. Werte bleiben beständig. Werte bedeuten auch Wertschätzung. Wertschätzung für die Menschen, mit denen wir in Beziehung stehen: Mitarbeiter, Kunden, Mitglieder und Geschäftspartner. In diesem Sinne danke ich allen Mitgliedsgenossenschaften, aber auch der Mitarbeiterschaft im Raiffeisenverband für den großartigen Einsatz im zu Ende gehenden Jahr und freue mich mit Ihnen auf neue Herausforderungen. Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr!

Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol

Strombehörde: Einschränkungen vorbeugen

Bei einer Tagung für E-Werksgenossenschaften informierte die Revisionsdirektion des Raiffeisenverbandes Anfang Dezember im Raiffeisenhaus über rechtliche Bestimmungen und Entwicklungen im Stromsektor.

Im Mittelpunkt stand die Anwendung des Ministerialdekrets vom 30. 12. 2005, das Ausnahmeregelungen bei der Berechnung der überwiegenden Mitgliederförderung bei den E-Werksgenossenschaften vorsieht. Wie der langjährige Verbandsrevisor Franz Kohler erläuterte, zählen für E-Werksgenossenschaften die Erlöse aus vertraglich verpflichtenden Stromverkäufen, wie z. B. die Belieferung von Kunden im geschützten Markt, nicht zur Grundlage für die Berechnung der überwiegenden Mitgliederförderung. Gleiches gilt für die Erlöse aus dem Verkauf von Überstrom im Rahmen jener Verträge, die auf Grund des einschlägigen Einheitstextes (sog. „TICOOP“) abgeschlossen werden. Zur Grundlage hinzugezählt werden müssen hingegen die Erlöse aus dem Stromverkauf, der nicht für die Mitglieder zur Verfügung steht (z. B. Verkauf zum sog. „prezzo omnicomprensivo“). „Dies führt dazu, dass E-Werksgenossenschaften, die sich spekulativ verhalten, die überwiegende Mitgliederförderung verlieren, was nicht Ziel einer Genossenschaft sein sollte“, erklärte Kohler.

Ausnahmeregelung erwirken

Rechtsanwalt Siegfried Brugger gab einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen der im Stromsektor aufgrund von EU-Normen notwendigen Entflechtung (sog. „Unbundling“) der verschiedenen Tätigkeiten der Stromerzeuger und -verteiler. „Sollten die

Bestrebungen der italienischen Strombehörde AEEG in die Tat umgesetzt werden, könnte dies zu unverhältnismäßig hohen, wenn nicht gar existenzbedrohenden Einschränkungen für E-Werksgenossenschaften führen“, erklärte Brugger, der im Auftrag des Raiffeisenverbandes eine Stellungnahme an die AEEG (Autorità per l’Energia Elettrica e il Gas) verfasst hat.

Gesetzgeberische Initiative

Brugger schlug zudem vor, zu prüfen, ob die Autonome Provinz Bozen in dieser Mate-

rie gesetzgeberisch tätig sein kann. Jedenfalls sollte auf Landesebene eine gesetzgeberische Initiative gestartet werden, um eine Ausnahmeregelung für die kleinen Verteiler zu erwirken. Der Raiffeisenverband wird mit dem Südtiroler Energieverband versuchen, in diese Richtung aktiv zu werden.

Bei der Tagung informierte zudem Revisionsdirektor Robert Nicolussi über die Einzahlung der unteilbaren Rücklagen bei Streichung der Mutualitätsklauseln aus dem Statut. Günther Schweigkofler (Unternehmensberatung WDL) zeigte Statistikdaten der Energiegenossenschaften auf.

Günther Schweigkofler (Unternehmensberatung WDL), Revisionsdirektor Robert Nicolussi, Rechtsanwalt Siegfried Brugger, Franz Kohler (langjähriger Verbandsrevisor)

Unternehmenskrisen erkennen und verhindern

Ende November fand in Nals der erste Revisorentag des Raiffeisenverbandes statt, zum Thema: Wie sich Unternehmenskrisen in Genossenschaften frühzeitig erkennen, verhindern und überwinden lassen.

„Wir verfügen heute über hohe Qualitätsstandards und Professionalität“, sagte Revisionsdirektor Robert Nicolussi bei der Tagung. Die Revisionsarbeit verstehe sich in erster Linie nicht als Kontrolle mit Sanktionen, sondern als unterstützende Betriebsprüfung.

Trotzdem sei der Spagat zwischen Unterstützung und Prüfung stets eine Gratwanderung. In den letzten Jahren seien Komplexität, Arbeitsbereiche und Aufwand der Revisionstätigkeit aufgrund steigender gesetzlicher Vorgaben und Herausforderungen bei den Genossenschaften deutlich gewachsen. Entsprechend würde vermehrt Augenmerk auf Genossenschaften in sichtlich schwierigen Situationen gelegt. „Damit waren wir in der Lage, eine Reihe kritischer Situationen zu bereinigen“, sagte Nicolussi. Im Einzelfall stelle sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt des Eingreifens, weil neben Imageschäden auch Existenzen auf dem Spiel stehen, wenn sich abzeichnende Krisen nicht rechtzeitig aufgezeigt und gelöst würden.

Fehlentwicklungen aufzeigen

Edgar Ohnewein, Revisionsleiter der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften, und Tomas Bauer, Revisionsleiter der Raiffeisenkassen, zeigten anhand von Erfahrungsberichten die Herausforderungen als Revisor auf. Zeichne sich eine Krisenentwicklung ab, müsse der Revisor den Prüfungsauftrag vor den Grundgedanken des Förderauftrages stellen und als Prüfer der Genossenschaft klar die reale Dimension der Krisensituation aufzeigen. „Die Möglichkeiten als Revisor sind beschränkt, trotzdem muss er der Genossenschaft rechtzeitig die Konsequenzen von Fehlentwicklungen verdeutlichen“, meinte Tomas Bauer. Es sei wichtig, in Krisenfällen früh intervenieren zu können und gemeinsam mit der Genossenschaft Maßnahmen zu setzen. Es gehe darum, großen Krisen einer Genossenschaft vorzubeugen.

Kritisches Auge

„Wir können uns durchaus mit anderen Revisionsgesellschaften messen“, lobte Gene-

In der Lichtenburg in Nals fanden sich Ende November über 30 Revisoren zum ersten Revisorentag des Raiffeisenverbandes ein.

raldirektor Paul Gasser die Arbeit der Revisionsdirektion. Aufgabe des Raiffeisenverbandes sei es, die Stabilität der Raiffeisenorganisation nachhaltig und langfristig zu sichern. Dazu gehöre auch die Stabilität jeder einzelnen Mitgliedsgenossenschaft. Trotz allgemein zufriedenstellender Entwicklung, seien auch in Genossenschaften vereinzelt Krisenansätze zu erkennen. Daher sei es wichtig, die Revisionstätigkeit mit noch kritischerem Auge anzugehen.

Runder Tisch

Bei einem „runden Tisch“ gaben Genossenschaftsvertreter aus Tirol, Bayern und Trient Einblick zum Thema Unternehmenskrise im Rahmen ihrer Revisionstätigkeit. Revisionsleiter Johann Stockinger vom Raiffeisenverband Tirol erläuterte u. a. ein Früherkennungssystem innerhalb der Raiffeisenbankengruppe Tirol und verwies auf die Einrichtung eines Betreuungsteams für Kassen mit Fehlentwicklungen. Franz Krause vom Genossenschaftsverband Bayern zeigte u. a. Überwachungssystem und Monitoringprozess im GVB auf. „Wir wollen früh eingreifen, um Fehlentwicklungen und folgende Sanierungen im Vorfeld zu vermeiden“, sagte Krause. Enri-

co Cozzio vom Genossenschaftsverband Trient zeigte u. a. die Möglichkeit auf, Genossenschaften mit gravierenden Fehlentwicklungen eine Beistandsperson an die Seite zu stellen, die vom Verband ausgewählt wird und das Vertrauen der Genossenschaft genieße. Diese Form des direkten Eingreifens habe sich in Trient bisher gut bewährt.

Der Revisorentag endete mit einer Besichtigung der Kellerei Nals-Margreid-Entiklar.

Paul Gasser, Johann Stockinger (Tirol), Franz Krause (Bayern), Enrico Cozzio (Trient), Robert Nicolussi

buchtipp

Gsessn isch

man lei ban Essn

„Damit nicht die Zeit kommt, wo niemand mehr weiß, wie es damals war ...“ Unter diesem Motto erzählen 23 Villnösserinnen und Villnösser, die zwischen 1919 und 1936 geboren sind, aus ihrem entbehrungsreichen Leben.

Die Frauen und Männer berichten von ihrer Kindheit, ihren Erlebnissen in der faschistischen Schule, der Option und dem harten Alltag in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Mit dabei sind Männer, welche die Schrecken des Krieges hautnah als Soldaten miterlebt haben, und solche, die sich trickreich vor der Einberufung gerettet haben. Frauen hingegen mussten daheim den Speck verstecken und mit widerspenstigen Gäulen die Äcker bebauen. Zum Herumsitzen und Rasten hatten die Menschen jedenfalls keine Zeit, denn „gsessn isch man lei ban Essn“.

Das Buch von Martina Mantinger (mit einem Vorwort von Reinhold Messner) gibt es bei Edition Raetia. Die Erst- bzw. Originalausgabe ist 2011 bei Athesia erschienen.

300 Seiten Alltags- und Lebensgeschichten

Nicolussi-Leck ein Siebziger

Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag. Die Führungsspitze des Raiffeisenverbandes würdigte ihn bei einer Feier.

„Ein runder Geburtstag ist immer auch ein Anlass, das eigene Leben zu reflektieren. Jenes von Heiner Nicolussi-Leck ist zweifellos ein sehr erfülltes und von Leistungen gekrönt“, meinte Vizeobmann Herbert von Leon bei der Geburtstagsfeier in Brixen. Er überbrachte im Namen des Verwaltungs- und Aufsichtsrates und des Führungskreises die Glückwünsche für den Jubilar. Von Leon würdigte die verantwortungsvolle Tätigkeit von Heiner Nicolussi-Leck für das Raiffeisen-Genossenschaftswesen und seinen persönlichen Einsatz.

Heiner Nicolussi-Leck, Rechtsanwalt aus Bruneck, wurde im Jahr 2003 zum Obmann des Raiffeisenverbandes gewählt. Er ist Präsident des Aufsichtsrates der Raiffeisenkasse Bruneck, Obmann der Sozialgenossenschaften EOS und JAI und als Aufsichtsrat in verschiedenen Gesellschaften und Gremien vertreten.

Generaldirektor Paul Gasser dankte ihm für die gute und von Respekt geprägte Zusammenarbeit und zollte ihm Anerkennung für sein vielseitiges soziales Engagement. „In der Bibel steht, der Mensch kann 120 Jahre alt werden“, meinte ein unermüdli-

cher Nicolussi-Leck schmunzelnd, „also gibt es noch viel zu tun.“

Zeugnis davon ist die neu gegründete Sozialgenossenschaft „Mutter Teresa“, die sich um soziale Härtefälle und besonders um ältere Menschen kümmert, deren Obmann – wie könnte es anders sein – Heiner Nicolussi-Leck heißt.

Genossenschaftliche Ehrung

Konrad Palla erhielt die Auszeichnung „Croce al Merito del Credito Cooperativo“.

Dem langjährigen Verbandsdirektor Konrad Palla wurde Ende November eine hohe Ehre zuteil. Bei der diesjährigen Vollversammlung des Zentralverbandes der Raiffeisenkassen Italiens, Federcasse, in Rom erhielt Palla von Federcasse-Präsident Alessandro Azzi das Verdienstkreuz „Croce al Merito del Credito Cooperativo“ überreicht. Diese hohe genossenschaftliche Auszeichnung wurde ihm in Würdigung seiner langjährigen und verdienstvollen genossenschaftlichen Arbeit zuerkannt.

„Durch seine fast 30-jährige Tätigkeit als Raiffeisenverbandsdirektor hat er nicht nur den Auf- und Ausbau des Raiffeisensystems entscheidend mitbestimmt, sondern auch die Entwicklung des Genossenschaftswesens in Südtirol maßgeblich geprägt“, meinte Präsident Azzi in seiner Laudatio. Bei der

Im Bild v. l.: Heiner Nicolussi-Leck, Konrad Palla, Paul Gasser, Walter Dallemulle

Ehrung waren auch Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck, Generaldirektor Paul Gasser und Walter Dallemulle, Verwaltungsratvizepräsident der Raiffeisen-Landesbank Südtirol, anwesend.

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84 Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni, Ingeborg Stubenruß (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)

Vizeobmann Herbert von Leon gratuliert Obmann Heiner Nicolussi-Leck zum runden Geburtstag

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