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RM20 vom 07. November 2014

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Raiffeisen Mitteilungen

des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Internationale Tagung: Vertreter des Raiffeisenverbandes mit den Referenten aus Südtirol, Tirol, Trentino, Bayern, Italien und Österreich

125 Jahre Südtiroler Raiffeisenkassen

Die Raiffeisenkassen feiern heuer ihr 125-jähriges Bestehen. Mit einer hochkarätigen Tagung unter dem Motto „Erfolgsmodell mit Tradition und Zukunft“ wurde das Jubiläum im Raiffeisenhaus Bozen gefeiert.

1889 wurde in Welschellen im Gadertal die erste Raiffeisenkasse Südtirols gegründet. Was damals als „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Form eines Spar- und Darlehenskassen-Vereins begann, bildet heute die stärkste Bankengruppe Südtirols. Die 47 Raiffeisenkassen (mit 196 Geschäftsstellen) sind mit einem Marktanteil von jeweils 47% im Einlagen- und Kreditgeschäft unangefochtene Marktführer am lokalen Bankenmarkt und eine tragende Säule für die Südtiroler Wirtschaft. Sie stellen für die Menschen im Lande die finanzielle Nahversorgung sicher, sind verlässliche und kompetente Partner und attraktive Arbeitgeber für engagierte Mitarbeiter. „Das ist sicher kein

Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten, überzeugten und verantwortungsbewussten Arbeit über Jahrzehnte hinweg“, betonte Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck in seiner Eröffnungsrede und zeigte sich überzeugt, dass sich die Genossenschaftsbanken noch stärker durchsetzen werden.

Solidarität und Subsidiarität

Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Wirtschaft sowie namhafte Vertreter des Genossenschaftssektors aus dem In- und Ausland hatten der Einladung des Raiffeisenverbandes zur Jubiläumsveranstaltung Folge geleistet.

Bischof Ivo Muser würdigte in seiner Festrede die Bedeutung der Raiffeisen-Prinzipien – Solidarität und Subsidiarität – und brach eine Lanze für ein sozialeres Wirtschaftsverständnis mit christlichen Werten.

Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte, dass es den Raiffeisenkassen gelungen sei, sich flexibel den Erfordernissen der Zeit anzupassen, ohne ihre Grundprinzipien außer Acht zu lassen. Er lobte die Raiffeisenkassen für ihre verantwortungsvolle Geschäftspolitik für das Land. „Institutionen, die das Vertrauen der Menschen besitzen, haben heute einen großen Vorteil“, sagte Kompatscher, der auch die Bedeutung der Genossenschaften für das

Grundprinzipien

„Die Würde des Menschen steht vor jeder Form der Produktivität. Das Kapital muss im Dienste des Menschen stehen und nicht umgekehrt. Solidarität und Subsidiarität mögen die verbindlichen Leitlinien des Genossenschaftswesens bleiben.“

Ivo Muser, Bischof

Verbundsystem

„Die Bedeutung der Zusammenarbeit im Raiffeisen-Verbundsystem ist existentiell. Ohne sie haben die Raiffeisenkassen in einer Bankenwelt die nur mehr vom Kapital beherrscht ist, keine Zukunft.“

Konrad Palla, ehem. Direktor Raiffeisenverband

Identität

„Genossenschaftsbanken stehen für lokale Verankerung und Wirtschaftsstärke und erfüllen in der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Es gilt ihre Identität in Zeiten mit zunehmenden Nivellierungstendenzen mutig zu verteidigen.“

Land unterstrich: „Genossenschaften sind in erster Linie Wertegemeinschaften und Organisationen der Mitbestimmung.“

Auf die ereignisreiche und wechselvolle Geschichte der Raiffeisenkassen in Südtirol blickte AltVerbandsdirektor Konrad Palla zurück.

Werte und Vertrauen

Maurizio Gardini, Präsident der Confederazione Cooperative Italiane, reflektierte die Herausforderungen für Genossenschaftsbanken vor dem Hintergrund der europäischen Bankenunion. Er ermutigte die Raiffeisenkassen, ihre Identität und Werte zu verteidigen und ihre wichtige Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft weiter auszubauen.

Der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, Paul Gasser, zog aus der 125-jährigen Geschichte die Erkenntnis, dass die Raiffeisenkassen ihr Kerngeschäft – die Einlagensammlung und die Kreditvergabe – und das Vertrauen der Mitglieder und Kunden nie aus den Augen verloren haben.

In Gesprächsrunden diskutierten namhafte Persönlichkeiten aus dem Genossenschaftssektor wie Alessandro Azzi (Präsident Federcasse), Diego Schelfi (Präsident Trentiner Genossenschaftsverband),

Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Grundprinzipien nie außer Acht gelassen.“

Andreas Pangl (Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes) und Alexander Büchel (Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbandes Bayern) über aktuelle Entwicklungen und Zukunftschancen der Raiffeisenkassen.

Bündelung der Kräfte

Die Geschichte der Südtiroler Raiffeisenkassen gründet auf den Ideen von F. W. Raiffeisen. Seine Prinzipien sind der Grundstein für eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele. Diese Überzeugung des Gründervaters Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Kernidee des Genossenschaftsmodells teilen die Südtiroler Raiffeisenkassen seit 125 Jahren.

Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes, unterstrich in seiner Jubiläumsrede die Bündelung der Kräfte als das Erfolgsgeheimnis genossenschaftlicher Arbeit: „Genossenschaften entstehen nicht als Selbstzweck, sondern immer aus einer wirtschaftlichen oder sozialen Notwendigkeit heraus.“ Und weiter: „Das Genossenschaftsmodell wird sich auch deshalb weiter und stärker durchsetzen, weil Menschen in Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden und den Bedürfnissen lokaler Wirtschaftskreisläufe Rechnung getragen wird.“

Maurizio Gardini, Präsident von Confcooperative (v.l.) Generaldirektor Paul Gasser, Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck.

Großes Potential für neue Betätigungsfelder sieht Nicolussi-Leck vor allem im Bereich der Für- und Vorsorge, aber auch im Senioren- und Jugendbereich.

Die Stärke der Gemeinschaft

Für Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, beruht der Erfolg der Raiffeisenkassen nicht in erster Linie auf ihrer ökonomischen Schlagkraft, sondern resultiert vor allem aus der Nähe zu den Mitgliedern und Kunden und der Stärke der Gemeinschaft. „Dies garantiert Stabilität und Sicherheit und ist Grundlage für den über die Zeit hinweg gewachsenen, starken Vertrauenszuspruch – ein unschätzbarer Wert, der gleichzeitig Auftrag für die Zukunft ist“, resümierte Gasser.

„Wein

von außergewöhnlicher Typizität“

Der „Stoan“ der Kellerei Tramin wurde kürzlich von Mundus Vini zum besten Weißwein Italiens gekürt. Kellermeister Willi Stürz erklärt die Besonderheit des Weines.

Der Große Internationale Weinpreis Mundus Vini zählt zu den weltweit größten Weinwettbewerben. Der „Stoan 2013“ wurde als „Bester Weißwein Italiens“ und als einziger Südtiroler neben acht italienischen Weinen auch mit dem „Großen Gold“ ausgezeichnet.

Herr Stürz, was bedeutet die Auszeichnung für die Kellerei Tramin?

Willi Stürz: Das komplexe Zusammenspiel von Höhe, Boden und Klima lässt in Tramin sehr eigenständige Weine entstehen. Oft steht unser Gewürztraminer im Rampenlicht und erreicht hochdotierte Auszeichnungen. Sehr erfreulich, dass immer öfters auch die weiteren Weißweine, wie nun der „Stoan“, das Potential unseres Gebietes für großartige Weißweine unterstreichen.

Der „Stoan“ ist eine Weißwein-Assemblage aus vier Rebsorten …

Willi Stürz: Diese vier Rebsorten – Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon, Gewürztra-

miner – zählen zu den elegantesten unseres Gebiets. Jede Sorte schenkt dem Stoan ihre besondere Aromatik, ihre Eigenheit und vereint dies zu einem großen, harmonischen Ganzen.

Was zeichnet den “Stoan” besonders aus?

Willi Stürz: Der Name verrät die Beschaffenheit des Bodens. Das besonders schotterhaltige Kalk-Lehm-Gemisch schafft einen sehr mineralischen und komplexen Wein. Unmittelbar ober den Weinbergen türmen sich die wichtigsten Erhebungen der Mendelkette auf, sie bewirken ein extremes Zusammenspiel von Wärme und Kälte. Aus dieser Kombination entsteht ein Wein von außergewöhnlicher Typizität, feinem Charakter und großer Persönlichkeit.

In welcher Menge wird der “Stoan” eingekellert?

Willi Stürz: Im Schnitt füllen wir 40.000 Flaschen, die gesamte Flaschenproduktion unserer Kellerei liegt bei 1,8 Millionen.

Kellermeister Willi Stürz: erfreuliche Auszeichnung für den Weißwein „Stoan“

Zu welchen Speisen eignet sich Stoan besonders?

Willi Stürz: Stoan ist ein sehr vielseitiger Speisenbegleiter. Er passt besonders gut zu den klassischen Südtiroler Vorspeisen wie auch zu Fischgerichten oder leicht gewürztem weißen Fleisch.

Saatbaugenossenschaft zieht Bilanz

Die Pustertaler Saatbaugenossenschaft zog Ende Oktober in Dietenheim eine positive Bilanz über das Geschäftsjahr 2013/14. Schwieriger wird hingegen wohl die neue Verkaufssaison.

Direktor Hanspeter Felder sprach von einem der bisher besten Geschäftsjahre. Auf einer Anbaufläche von 135 Hektar konnten 5.117 Tonnen Kartoffeln geerntet werden. Dafür erhielten die Bauern einen durchschnittlichen Kilopreis von 0,3617 Euro ausbezahlt, ein Plus von 8%. Der Hektarertrag lag im Schnitt bei 37,8 Tonnen Kartoffeln, der Hektarerlös bei 12.760 Euro. Rohnen wurden auf einer Fläche von 30 Hektar angebaut. Pro Kilo gab es für die Bauern im Schnitt 0,1350 Euro (+12,3%), der Hektarerlös lag im Schnitt bei 8.495 Euro.

Schwierige Verkaufssaison

Mitte Oktober wurde auch die Ernte 2014 abgeschlossen. Die Mengen fielen heuer mit 5.700 Tonnen Kartoffeln bzw. rund 2.500

Tonnen Rohnen deutlich höher aus als noch 2013. „Der viele Regen während der Ernte hat die Lagerfähigkeit der Früchte etwas beeinträchtigt“, erklärte Direktor Hanspeter Felder Auch das im Rahmen des Projektes „Regiokorn“ angebaute Getreide, Roggen und Dinkel, entsprach aufrund der schlechten Witterung nur zum Teil den hohen Qualitätskriterien. Zu den Preisen: Die sind in der neuen Verkaufssaison derzeit nicht rosig; sie liegen unter der Hälfte des Vorjahresniveaus. Grund ist u. a. die europaweit hohe Erntemenge, die erweiterte Anbaufläche und das russische Embargo. Eine Preiserholung auf dem Markt sei aus heutiger Sicht kaum zu erwarten, hieß es bei der Vollversammlung, bei der Obmann Anton Kronbichler und der gesamte Vorstand und Aufsichtsrat in ihren Ämtern bestätigt wurden.

Die anhaltenden Regenfälle während der Erntezeit bildeten für die Kartoffeln keine idealen Bedingungen.

kellerei schreckbichl

Weinprämiere

Die Kellerei Schreckbichl präsentierte kürzlich in Bozen die Weißwein-Cuvée „LR“, Jahrgang 2011, den Geschäftsführer Wolfgang Raifer gemeinsam mit Kellermeister Martin Lemayr kreiert und komponiert hat. Idee und Anstoß dazu hatte der Südtiroler Weinpionier Luis Raifer gegeben. Luis Raifer trug selbst viele Jahrzehnte lang Verantwortung in der Kellerei Schreckbichl und setzte mit innovativen Ideen und dem Beschreiten neuer Wege Maßstäbe im Südtiroler Weinbau insgesamt. So lag es nahe, dass die Kellerei diesen besonderen neuen Wein nach dessen Ideengeber Luis Raifer – LR – benannte.

Jahrelange Arbeit und viele Versuche hätten zu diesem besonderen Wein geführt, hieß es bei der Vorstellung. Besonders ist auch das „Packaging“ des Künstlers Manfred Alois Mayr und von „Studio Granit“.

Weißwein-Cuvée „LR“ der Kellerei Schreckbichl

Raiffeisenkassen in Bayern

Der Raiffeisenverband organisierte Mitte Oktober eine Lehrfahrt für Obmänner, Geschäftsführer und Marketingverantwortliche zum Genossenschaftsverband Bayern.

Obmänner und Geschäftsführer der Raiffeisenkassen und Vertreter des Raiffeisenverbandes am Sitz des Genossenschaftsverbandes Bayern in München

Jürgen Gros, Generalbevollmächtigter und Bereichsdirektor Vorstandsstab und Kommunikation, hieß gemeinsam mit Regina Wenninger, Abteilungsleiterin Kommunikation, 50 Obmänner und Geschäftsführer sowie Vertreter des Raiffeisenverbandes Südtirol am Sitz des Genossenschaftsverbandes Bayern in München willkommen. Groß drückte seine Freude aus, dass im 125. Gründungsjahr der ersten Südtiroler Raiffeisenkasse der Genossenschaftsverband Bayern als Ziel einer Lehrfahrt ausgewählt wurde. Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck dankte für den herzlichen Empfang und verwies auf die langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zum Genossenschaftsverband Bayern.

Historischer Verein

Nach einer beeindruckenden Präsentation des Genossenschaftsverbandes gab Silvia Lolli Gallowsky Einblick in die vielseitige Tätigkeit des 1996 gegründeten Historischen Vereins bayerischer Genossenschaften e.V., dessen Aufgabe es ist, Tradition und Identität der Genossenschaften in Bayern zu dokumentieren. Bisher wurden 700 Laufmeter historisches Material in den Archiven gesammelt. Im Sinne der Bewahrung genossenschaftlicher Tradition betreut der Verein u. a. ein Projekt zur

Erhaltung der historischen Quellen vor Ort in den Genossenschaften. Dabei leistet der Verein Unterstützung und Beratung beim Aufbau von Genossenschaftsarchiven. Bisher wurden bei den Mitgliedsgenossenschaften insgesamt 7.000 Archiveinheiten, also einzelne historische Dokumente, Filme, Fotos usw. behandelt und archiviert. „Auf diese Weise lebt die Geschichte der Genossenschaft weiter“, sagte die Geschäftsführerin Lolli Gallowsky. Mehr zum Historischen Verein unter www.gv-bayern.de/historischer-verein

Zu Besuch im Kloster Andechs

Im Vorfeld des Besuchs im Genossenschaftsverband Bayern kehrte die Reisegruppe im Kloster Andechs ein. Das 1455 gegründete Benediktinerkloster, von weither sichtbar auf dem Heiligen Berg über dem Ostufer des Ammersees gelegen, ist der älteste Wallfahrtsort Bayerns und seit 1850 Wirtschaftsgut der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München. Die Reisegruppe besichtigte die Andechser Wallfahrtskirche. Das Kloster birgt eine Reliquiensammlung der Andechser Grafen, dessen Anfänge bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen, darunter ein Reliquiar mit einem Zweig der Dornenkrone Christi, das „Siegeskreuz Karls des Großen“ sowie das Brautkleid der heiligen Elisabeth.

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84

Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni, Ingeborg Stubenruß (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)

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