

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Der Theologe Anselm Bilgri referierte bei der Landestagung für die Raiffeisenkassen zum Thema „Impulse für den Verbund aus der Benediktsregel“.
Bilgri: „Führen heißt dienen“
Auf den ersten Blick haben wirtschaftliche Unternehmen mit Klöstern nichts gemein. Auf den zweiten lassen sich wichtige Parallelen und zeitlos gültige Werte als Grundlage der Führung ausmachen.
Was können Manager und Führungskräfte vom Benediktinerorden lernen? Wie können ethische Grundwerte der christlich-abendländischen Kultur zeitgemäß interpretiert werden? Diesen Fragen ging Theologe Anselm Bilgri auf der Landestagung für Obleute und Geschäftsführer der Raiffeisenkassen Mitte September im Raiffeisenhaus Bozen auf den Grund, welche zum Thema „Das Rollenverständnis in der Raiffeisenorganisation“ abgehalten wurde.
Benediktsregel als Richtschnur
„Die Benediktinerregel �Ora et labora� (bete und arbeite) wurde im Jahr 529 vom hl. Bene-
dikt von Nursia verfasst und ist seitdem geistiger Hintergrund des Benediktinerordens und Grundlage des klösterlichen Gemeinschaftslebens. „Die Ordensregel ist aktueller denn je und auch außerhalb eines Klosters anwendbar“, meinte Anselm Bilgri, ehemaliger Prior und Cellerar des bayrischen Klosters Andechs. Denn aus ihren drei Haupttugenden, dem Gehorchsam, der Demut und der heiteren Gelassenheit, lassen sich Impulse für die Führung von Organisationen ableiten, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, so auch für den genossenschaftlichen Verbund.
Gehorsam spielt in sozialen Gefügen eine wichtige Rolle. Gemeint sind damit der Wille des aufmerksamen Zuhörens, das Aufeinan-
derhören in der Gemeinschaft und eine offene und empathische Grundhaltung in der Begegnung mit anderen. Nur wenn achtsam mit unterschiedlichen Werten und Haltungen umgegangen wird, kann sich Vielfalt auszahlen. Der Prozess des Hörens und des Annehmens ist somit der entscheidende Erfolgsfaktor für eine vielfältige Gemeinschaft.
Wertorientierte Führung
Verantwortungsträgern legt Anselm eine „demütige“ Haltung ans Herz, die sich durch Zurückhaltung und Bodenständigkeit auszeichnet, denn „führen heißt dienen“. Bereits der hl. Benedikt sagte über den Abt: „Er wis-
veranstaltung
125 Jahre Raiffeisenkassen

Die Gründung des ersten Darlehensvereins in Welschellen-Rina durch Ortspfarrer Josef Dasser geht auf das Jahr 1889 zurück. Dieses 125-Jahr-Jubliäum nimmt der Raiffeisenverband zum Anlass, mit einer Tagung am 24. Oktober in Bozen auf die Entwicklung und wechselvolle Geschichte des Genossenschaftswesens in Südtirol zurückzublicken und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Unter dem Motto „125 Jahre Raiffeisenkassen in Südtirol – Erfolgsmodell mit Tradition und Zukunft“ werden namhafte Persönlichkeiten und Vertreter von Genossenschaftsorganisationen aus dem In- und Ausland die Idee und das Erfolgsmodell der Genossenschaften beleuchten und einen Bogen zu zukünftigen Entwicklungen spannen. Anmeldungen sind bis 17. Oktober via E-Mail: verband@raiffeisen.it möglich.
se, dass er mehr helfen als herrschen soll“, und verwendet für den Abt das Leitbild des Hirten, der seine Herde zuverlässig leiten soll. Führungskräfte sollten eine Kultur des Dienens initiieren und dienend mit gutem Beispiel vorangehen.
Anselm plädiert für ein modernes und soziales Führungsverständnis, in dem sich die Führungsautorität nicht durch Positionsmacht legitimiert, sondern die Kooperation und Vernetzung von Leistungsträgern unter einem gemeinsamen Ziel in den Mittelpunkt rücken. Führung wird auch künftig eine übergeordnete Verantwortung haben. Sie wird jedoch nur gelingen, wenn das alltägliche Mitei-
nander von einer Vertrauenskultur und Kultur der Selbstverantwortung geprägt ist und sich das Managementteam selber kritisch hinterfragt, so Anselm. Nicht fehlen sollte dabei die Tugend der heiteren Gelassenheit, die sogenannte „Hilaritas“. Sie bringt Humor in den beruflichen Alltag, wo auch Fehler und unkonventionelle Lösungen ihren Platz haben dürfen.
Der Aspekt der Nachhaltigkeit – Benedikt spricht von „Stabilitas“, spielt heutzutage eine immer wichtigere Rolle. Genossenschaften haben – im Gegensatz zu anderen Unternehmen – diesen Wert bereits früh erkannt und verinnerlicht.
Rollenverständnis im Mittelpunkt
„Das Rollenverständnis in der Raiffeisenorganisation“ war das Motto der Landestagung für Obleute und Geschäftsführer der Raiffeisenkassen in Bozen.

Vertreter der Raiffeisenorganisation, Referenten und Projektbegleiter bei der Tagung im Raiffeisenhaus.
Raiffeisenverbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck ging in seiner Eröffnung auf die Herausforderungen in der Finanz- und Wirtschaftswelt ein, die nur durch einen starken Zusammenhalt der Raiffeisengruppe und mit einem einheitlichen Agieren nach außen zu bewältigen sind.
Gemeinsames Rollenverständnis klären
„Erfahrungen der letzten Zeit haben gezeigt“, so Generaldirektor Paul Gasser, „dass es in der Raiffeisenorganisation unterschiedliche Auffassungen und Erwartungen über die Rolle der einzelnen Beteiligten gibt, was einer tiefgründigen Reflexion, Diskussion und konkreter Maßnahmen bedarf. Ziel des Projektes ist es, das gemeinsame Rollenverständnis für die Zusammenarbeit im Verbund zwischen Raiffeisenkassen und den Verbundstrukturen zu klären und auf die aktuellen und zukünftigen He-
rausforderungen abzustimmen. In diesem Zusammenhang wird auch die Legitimation der Gremien bzw. die Verbindlichkeit von deren Entscheidungen neu zu definieren sein.“
Zenone Giacomuzzi, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank, zeigte auf, dass in West- und Mitteleuropa der genossenschaftlich organisierte Bankenverbund von starken Zentralstrukturen gesteuert wird, während man in Ländern wie Spanien und Italien ausgeprägte dezentrale Verbundorganisationen vorfindet.
Der Präsident der Geschäftsführervereinigung, Anton Kosta veranschaulichte anhand eines Würfels, der aus sieben verschiedenen einheimischen Holzteilen besteht, das Wesen der Genossenschaft: Gemeinschaft kann nur gelingen, wenn jeder sich mit Verantwortung und Energie in das System einbringt und sich daraus ein geschlossenes Ganzes ergibt.
F. W. Raiffeisen
Den Lagrein ergründen
Aus welchen Bestandteilen besteht der Lagrein eigentlich? Und woher kommt die herbe Note? Forscher des Versuchszentrums Laimburg wollen es nun genau wissen und gehen der Frage nach den Ursachen nach.
Weshalb zeichnet den Lagrein dieser Hang zur Bitterkeit aus? Die Ursachen sind im Detail weder in der Forschungsanstalt San Michele noch in der Laimburg je ergründet worden. In dem Projekt mit dem programmatischen Titel „LagReIn – LAGen, REben, Inhaltsstoffe“ werden am Versuchszentrum Laimburg seit 2001 dieser und ähnlichen Fragen auf den Grund gegangen.
Detaillierte Dokumentation
Das Projekt läuft für fünf Jahre und wird von der EU gefördert. „Wir haben bestimmte Lagen ausgesucht und dort dasselbe genetische Material gepflanzt“, sagt Projektleiter Florian Haas. Eines der Projektziele des Forschungsprojekts ist die Erstellung einer detaillierten Dokumentation der agronomischen und klimatischen Daten in ausgewählten LagreinRebflächen und eine präzise chemische Beschreibung der mineralischen Bestandteile. Das sind organische Säuren, Zucker, Gerbund Aromastoffe, die für die Sorte typisch sind.

Im Projekt „LagReIn“
30 Weine degustiert
die
Vor Kurzem wurden Önologen und Kellermeister Südtirols nach Pfatten geladen, um bei einer Blindverkostung ihre Eindrücke zu Papier zu bringen und die erste Lese zu beurteilen. Im Degustationsraum wurden 30 unterschiedliche Weine der ausgesuchten Lagen
vom Jahrgang 2012 kredenzt und verkostet „Der Lagrein wird immer eine autochthone Rebsorte bleiben, wir möchten nur die positiven Noten herauskehren“, betont Haas. In einem Jahr, so hoffen die Forscher, wird das Geheimnis vielleicht gelüftet werden können, weshalb der Lagrein so schmeckt, wie er schmeckt.
Genossenschaften: Säulen des Sozialsystems
Mitte September ging in Bozen die Podiumsdiskussion „DayCoop“ über die Bühne. Es war die zweite Auflage einer Diskussionsreihe zu den Themen Gemeinwohl, Autonomie und Genossenschaftswesen.
Der Einladung zum runden Tisch von Federsolidarità Alto Adige, Legacoopbund und dem Raiffeisenverband hatten namhafte Persön -

Zahlreiche Genossenschafter kamen zum „CoopDay“ ins Raiffeisenhaus nach Bozen.
lichkeiten aus Politik, Wirtschaft und dem Genossenschaftswesen Folge geleistet. Nach der Eröffnung durch Raiffeisenverbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck wurden die Auswirkungen der im August vom Senat verabschiedeten Verfassungsreform auf die öffentliche Hand und das Genossenschaftswesen diskutiert.
Neue Aufgaben für Genossenschaften
„Über sieben Millionen Familien nehmen die Leistungen der etwa 12.000 in Italien tätigen Sozialgenossenschaften in Anspruch“, resümierte Maurizio Gardini, Präsident von Confcooperative. Er unterstrich damit die herausragende Bedeutung der Genossen-
schaften für das italienische Sozialsystem und ging auf ihre Zukunftschancen und Herausforderungen in Zeiten knapper werdender öffentlicher Haushalte ein. Gardini postulierte die Idee eines Sozialstaates, wo im Sinne des Subsidiaritätsprinzips auch private Einrichtungen mit neuen Aufgaben, beispielsweise im Gesundheitsbereich, betraut werden. Zu diesem Konzept gehöre, so Gardini, auch die Privatisierung einiger öffentlicher Dienste, zuallererst der Nahverkehr.
Weitere Diskussionsteilnehmer waren Senator Francesco Palermo, Gianclaudio Bressa, Staatssekretär für regionale Angelegenheiten, Stefano Granata, Präsident vom Gruppo Cooperativo GCM, und Dario Nardella, Bürgermeister von Florenz.
gehen
Forscher der Versuchsanstalt Laimburg dem Lagrein auf den Grund.
publikation
IGA-Tagungsband erschienen
In der Genossenschaftlichen Schriftenreihe des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum IGA ist kürzlich Band 17 erschienen. Darin finden sich die Beiträge der Referenten, die am Genossenschaf tstag 2013 in Innsbruck einen Vortrag zum Thema „Energie durch Genossenschaften“ hielten. Rudi Rienzner, Geschäftsführer des Südtiroler Energieverbandes, sprach zum Thema „Südtirolkonzept – Erneuerbare Energien“, und Franz Kohler vom Raiffeisenverband Südtirol hielt den Vortrag „Praxisbeispiel aus Südtirol – Genossenschaft und Gemeinde“, wobei er die Gemeinde Deutschnofen als Vorbild nahm. Weitere interessante Themen wie zum Beispiel die Energiewende oder Bürgerbeteiligungsgenossenschaften zur Finanzierung, wurden von den anderen Referenten aus Österreich und Bayern behandelt. Mehr dazu unter: www.iga.at

Neues „Heim“ für Raritäten
Mit einem neuen Raritätenkeller gibt die Kellerei Terlan ihren Raritätenweinen jetzt noch mehr Platz zum ruhevollen Reifen.

Botschafter der Terlaner Langlebigkeit: Blick in den neuen Raritätenkeller der Kellerei Terlan.
Der Raritätenkeller der Kellerei Terlan erstreckt sich über zwei Etagen und erfüllt modernste räumliche und logistische Anforderungen. 13 Jahrgänge unterschiedlichster Sorten lagern in den Stahlfässern, von Weißburgunder über Sauvignon Blanc zu Cuvée Terlaner, zurückreichend bis in das Jahr 1979.
„Wir wollen den Raritätenweinen einen würdigen und exklusiven Platz geben“, erklärt Kellermeister Rudi Kofler. Auf zwei Stockwerken erhalten sie jenen Raum, den sie benötigen, um sich bestmöglich entfalten zu können. Bei der Planung wurden auf eine zeitlose Formensprache geachtet und die Eingriffe in die Baustruktur aus den 1920er Jahren bedacht vorgenommen.
Raiffeisen Weiterbildungskurse
Vollendete Trinkreife
Insgesamt schafft der neue Raritätenkeller Raum für 18 Stahltanks – drei neue wurden jüngst zugekauft – mit einem Fassungsvermögen von je 2500 Litern. „Die Weine liegen darin, nach einem anfänglichen Jahr Lagerung im großen Holzfass, für ihre lange Reife zehn Jahre und mehr auf der Feinhefe, bevor sie abgefüllt werden und bis zur vollendeten Trinkreife weitere vier bis fünf Jahre in der Flasche bleiben“, erläutert Kofler die aufwändige Herstellungsmethode. Sie geht auf den Altkellermeister Sebastian Stocker zurück, der begonnen hat, die Weine sehr lange auf der Feinhefe reifen zu lassen.
Praxisworkshop Zahlungsverkehr 07.10.2014 Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn
Praxisworkshop Zahlungsverkehr 08.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
Damit aus einer Mücke kein Elefant wird 08.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
DISG-Persönlichkeitstraining: Mehr Erfolg durch mehr Verständnis! 09.10.2014
Bildungshaus Schloss Goldrain/Latsch
Haftung der Raiffeisenkasse und deren leitenden Organe 10.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
Compliance Steuern 15.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
Die Liquidität – Planen und Gestalten der Finanzierung 16.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni, Ingeborg Stubenruß (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Foto: Kellerei Terlan