

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Der renovierte Thalhofer-Hof bietet nun Seminarräume in seinen urigen Gemäuern sowie in naher Zukunft einen Gastronomiebetrieb.
Neues Leben im Thalhofer
Der Thalhofer-Hof oberhalb des Südtiroler Kinderdorfes in Brixen wurde im Frühling fertig saniert. Schon länger stellte sich die Kinderdorf-Genossenschaft die Frage, wie das historische Gebäude verwendet werden sollte. Nun hat der Hof seine neue Bestimmung gefunden.
Seit Anfang September wird der Thalhofer als Seminarzentrum genutzt. Im ersten Stock wurden mehrere Seminarräume zu Weiterbildungszwecken eingerichtet. Das Kinderdorf hat bereits Kontakte mit verschiedenen Verbänden und Organisationen geknüpft. Bei der Buchung von Seminarräumen oder deren Bezahlung gibt es die Wahl zwischen einem Normalpreis oder einem Förderpreis sowie einem Sozialpreis, der jedoch Sozialgenossenschaften vorbehalten ist.
Schon seit längerer Zeit wird der Sozialgenossenschaft EFEU ein Teil des Gebäudes vermietet, welche eine Tagesstätte für Jugendliche mit autistischer Störung mit acht Be-
treuungsplätzen im Thalhofer einrichtet. „Die bereits über Jahre gepflegte gute Zusammenarbeit kann so durch verschiedene weitere Projekte weiter intensiviert werden“, sagt Heinz Senoner, Direktor des Kinderdorfes. Zudem wurde eine Wohnung für den Projektleiter des Thalhofers eingerichtet, der sich um das Gebäude und die Landwirtschaft kümmert, aber auch für die Integration der Kinder und Jugendlichen am Hof verantwortlich ist. Die Integration der Betreuten ist dem Kinderdorf sehr wichtig. Das zeigt auch die Tatsache, dass sich der Thalhofer im Laufe der Jahre einen bescheidenen Tierbestand aufgebaut hatte und sich dafür entschieden hat, ein Projekt
der tiergestützten Pädagogik nach einem niederösterreichischen Vorbild einzuführen. Soziales Restaurant
Im Keller, dem eigentlichen Erdgeschoss des Thalhofers, war anfangs eine Werkstätte für Jugendliche geplant. Im Laufe der Umbauten stellte sich das Kellergewölbe als geeignetes Lokal für einen Gastronomiebetrieb heraus. Eine derartige Nutzung böte den betreuten Jugendlichen im Kinderdorf die Möglichkeit der sozialen Einbindung in diesen Arbeitsbereich. „Dieses Projekt muss jedoch finanziell und sozial tragbar sein und als
literatur & musik
Ein RossiniAbend in Nals

Die eindrucksvolle Kulisse gab der Aufführung eine besondere Note.
Zu einem besonderen Abend hat kürzlich die Kellerei Nals-Margreid in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Gemeinde Nals eingeladen. Im Innenhof des neu gestalteten Kellereigebäudes boten Schauspieler Alexander Mitterer und das Bläsernonett „Philomusía“ einen in dieser Form wohl einzigartigen Querschnitt durch die Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Gioacchino Rossini. Die Darbietung erreichte ein hohes künstlerisches Niveau. Das Ensemble wurde von Othmar Trenner geleitet. Anschließend zum Konzert lud die Kellerei NalsMargreid zur Verkostung einiger ihrer Spitzenweine ein.
Gesamtmodell zum Kinderdorf passen“, betont Direktor Senoner. Das Kinderdorf ist im Moment auf der Suche nach Kooperationspartnern, welche dieses Projekt übernehmen würden. „Wir haben bereits Kontakt mit verschiedenen Sozialgenossenschaften, die schon ähnliche Projekte betreuen“, erklärt Senoner zuversichtlich.
Ästhetischer Blickfang
Heute zeigt sich der Thalhofer-Hof als ein ästhetischer Blickfang. Anders als vor einigen Jahren. Auf Initiative von Obmann Walter Mitterrutzner wurde eine Nutzbarkeitsanalyse durchgeführt, und 2008 begann man mit der Sanierung des damals baufälligen Hofes. Im Zuge der aufwendigen Sanierung des historischen Gebäudes unter Begleitung des Denkmalamtes wurde das Wirtschaftsgebäude ausgelagert und nebenan neu errichtet. Zudem begann man, die Felder zu bebauen und Obst und Gemüse anzupflanzen, mit dem der Eigenbedarf des Kinderdorfes abgedeckt wird. 2013 begann man auch, betreute Kinder und Jugendliche vermehrt in Arbeiten der Landwirtschaft und Tierpflege zu integrieren.

„Die Integration der Jugendlichen spielt für das Kinderdorf eine zentrale Rolle“, sagt Heinz Senoner.
Beim Thalhofer-Hof, den die Kinderdorf-Genossenschaft vor 20 Jahren von der Kurie erworben hat, handelt es sich um einen geschlossenen Hof. Zum historischen Gebäude gehören knapp zehn Hektar landwirtschaftlicher Grund, der sich aus Wald, Weide und Weinbergen zusammensetzt.
Eingliederung in die Arbeitswelt
Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten und in die Berufswelt eingliedern: Dieser Herausforderung stellen sich viele soziale Organisationen und Unternehmen in Europa – auch in Südtirol.
Für zwei Jahre lief das EU-Programm mit dem Titel „Grundtvig – Lifelong Lerning“. Dabei wurden Instrumente ausgearbeitet, die die Eingliederung von

Menschen mit physischen oder psychischen Problemen zum Ziele haben. Abgeschlossen wurde das Projekt Anfang Juli in Bozen. „30 Teilnehmer aus allen acht teilnehmenden Ländern haben sich bei der Schlusspräsentation eingefunden“, sagte Mario Marcone, Obmann der Sozialgenossenschaft Promos, die auch Mitglied des Raiffeisenverbandes ist. Neben Exponenten aus Südtirol waren auch Vertreter aus Österreich, Rumänien, Portugal, England, Griechenland, Litauen und der Türkei der Einladung gefolgt. Dabei wurden Strukturen und Arbeitsweisen vorgestellt und gut funktionierende Modelle besprochen. Laut Marcone sei wichtig zu analysieren, wie Organisationen andernorts das Thema angehen. „Da das öffentliche Geld immer knapper wird, braucht es umso dringlicher neue Ideen und Geschäftsfelder, die eine Aufwertung und mehr Lebensqualität für Menschen mit Beeinträchtigung oder Suchtkranke bringen“, so Marcone.
Beim Besuch von bestehenden Einrichtungen wie den Verein Hands für Alkoholkranke konnten die Besucher wertvolle Erfahrungen mit nach Hause nehmen. An einem Handbuch wird gearbeitet, in dem Erfahrungen, Initiativen und Vorzeigemodelle beschrieben sind.
Salvatore Raimo (Obmann-Stv.), Mario Marcone (Obmann Promos), Karin Lunger (RVS Bankwirtschaft)
„Südtirol ist Anbaugebiet mit Potenzial“
Weißburgunder, quo vadis? – unter diesem Motto stand eine interessante Podiumsdiskussion Ende August im Rahmen der Weißburgundertagung „Spatium Pinot Blanc“ in Eppan.
„Master of Wine“ Frank Smulders meinte, der Weißburgunder sei einerseits immer noch unterbewertet, andererseits fehle es oft noch an der Spitzenqualität. Auch verbinde längst nicht jeder Konsument den Weißburgunder mit Pinot Blanc. Die Marktchancen des Weißburgunders bewertete Smulders weltweit indes als groß.
Gianni Fabrizio, Kurator des Gambero Rosso, bezeichnete Südtirol als das Anbaugebiet mit dem größten Potenzial beim Weißburgunder in Italien. Allerdings sei der Weißburgunder noch immer ein großer Unbekannter, und es gebe ein Marketingdefizit. Der Weinsachverständige Otto Geisel, Mitglied der „Grand Jury Européen“, betonte, dass Südtirol nicht zuletzt aufgrund seiner ausgezeichneten Gastronomie beste Chancen habe, den Nischenmarkt Weißburgunder gut zu besetzen. Der Weißburgunder passe sehr gut zu den sich ändernden Trends in der Gastronomie: weg von starken Aromen, hin zu feinen, dezenten Speisen.
Andrea Fenoglio vom Michelin-Restaurant „Sissi“ in Meran ergänzte, dass für den Weißburgunder eine klassische Speisenkombination noch fehle. Klaus Gasser, Verkaufsleiter

zur Trendsorte
der Kellerei Terlan, betonte, dass Südtirol in der Lage sei, aus dem Weißburgunder die stärkste Leitsorte des Landes zu entwickeln und international in der gehobenen Weinklasse mitzumischen. Allerdings müsse man dafür noch einiges im Anbau überdenken. Ulrich Pedri, Leiter der Sektion Kellerwirtschaft am Versuchszentrum Laimburg, verwies auf die notwendige Forschungsarbeit unter anderem beim Klonmaterial, bei den Biomar-
kern und Inhaltsstoffen. Eigenproduzent Ignaz Niedrist aus Girlan verwies auf die Bedeutung der Authentizität des Südtiroler Weißburgunders und auf die gezielte Lagenauswahl. In diese Kerbe schlug auch Kellermeister Hans Terzer, Präsident der Südtiroler Kellermeister, und betonte abschließend, dass die Weißburgunderproduzenten in Südtirol noch stärker einen gemeinsamen Weg einschlagen müssten, um erfolgreich zu sein.
Die Innovationskraft des Internets
„Das Internet verändert unsere Gesellschaft, die größten Veränderungen stehen aber noch an“, sagte Alexander Wallnöfer, Referent der Sommerveranstaltung des Raiffeisen-InvestmentClubs in der Kellerei Meran Burggräfler.
Unter dem Motto „Alles digital! Die Innovationskraft des Internet ist ungebrochen und manchmal auch beängstigend“ beleuchtete Wallnöfer, Vizedirektor von Raiffeisen Online und gelernter Netzwerktechniker, den Einfluss des Internets auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Immer mehr Menschen sind ständig online und geben ihre Privatsphäre de facto freiwillig auf“, sagte Wallnöfer unter anderem. Internetnutzer seien sich oft nicht bewusst, dass sie mit einer „besonderen Währung“ bezahlen: ihren persönlichen Daten. Die Entwicklung im Internet habe zudem neuen Geschäftsmodellen die Tür geöffnet, aber auch zu Machtverschiebungen in Wirtschaft und Gesellschaft geführt. Einerseits könnten sich Massen heute viel leichter und
Zenone Giacomuzzi, Kaspar Platzer, Alexander Wallnöfer weltweit organisieren. Andererseits neige das Internet aber dazu, Oligopole zu erzeugen, also eine Marktform, der Millionen Nachfragern nur wenige große Anbieter gegenüberstehen wie etwa Amazon.
Im Anschluss an den Vortrag führten Kaspar Platzer, Obmann der Kellerei Meran Burggräfler, und Helmut Deflorian, die Mitglieder des Raiffeisen-InvestmentClubs durch das 2011 neu gestaltete Kellereigebäude und präsentierte die wichtigsten Kennzahlen und Eckdaten der Kellerei. Die Teilnehmer konnten bei einer Weinverkostung im „Grafkeller“ einige Weine der Kellerei probieren. Ein Abendessen bildete den Abschluss der Veranstaltung. Zenone Giacomuzzi, Obmann des Raiffeisen-InvestmentClubs, konnte zum Vortrag 120 Clubmit-

glieder begrüßen. Er verwies auf das Anliegen des Raiffeisen-InvestmentClubs, seinen Mitgliedern Informationen und Denkanstöße zu aktuellen Entwicklungen zu geben.
Podiumsdiskussion über den Weißburgunder: Potenzial
„Social Media Marketing“
Social Media und das Web 2.0 haben auch in mittelständischen Unternehmen und Genossenschaften längst Einzug gehalten. Mit einem ansprechenden SocialMedia-Profil kann sich ein Unternehmen wirkungsvoll präsentieren und die Zielgruppen interaktiv involvieren. Oft fehlt jedoch ein fundiertes Wissen über die Eigenheiten des Web 2.0 und der Instrumente wie Blogs, Xing, Facebook und Twitter. Der Raiffeisenverband bietet für Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften am 2. Oktober das Seminar „Social Media Marketing“ an, in dem die einzelnen Werkzeuge vorgestellt und anhand von Praxisbeispielen erörtert werden. Anmeldungen unter: rvs.bildungswesen@ raiffeisen.it; weitere Infos im Bildungsprogramm für Warenund Dienstleistungsgenossenschaften.
Radicchio vom Nonsberg
Die Deutschnonsberger und Ultentaler Erzeugergenossenschaft (DELEG) wurde 1995 gegründet. Heute ist sie aus dem regionalen Wirtschaftskreislauf nicht mehr wegzudenken.
Bauern am Deutschnonsberg und im Ultental haben Anfang der 1990er Jahre die Marktlücke erkannt und sich auf den Anbau von Radicchio spezialisiert. Abnehmer sind nach wie vor die traditionellen Radicchio-Produzenten in der Poebene um Padua. „Unser Winter-Radicchio erzielt einen guten Preis, da er früher als anderswo geerntet wird“, sagt Geschäftsführer Hubert Ungerer. Noch ist es nicht so weit, doch die Pflanzen sind trotz ungünstiger Witterung gut gediehen.
Bei der Ernte werden sie samt Wurzeln zu den Abnehmern transportiert, wo sie im Wasserbad bei 15 Grad Celsius veredelt werden und das weiße Herz erhalten, was Kunden mögen.
Auf sechs Hektar Fläche werden am Deutschnonsberg und im Ultental Radicchio tardivo, aber auch Beeren und andere Gemüsesorten angebaut. In den letzten Jahren hat die Genossenschaft neue Geschäftsfelder eröffnet. So werden jährlich an die 120 Laugenrinder mit Qualitätssiegel geschlachtet und das Qualitätsfleisch an Metzgereien in Südtirol vertrieben.
Des Weiteren führt die Genossenschaft den Schlachthof der Gemeinde in St. Felix und vermittelt Waren an ihre 160 Mitgliedsbetriebe. „Die Genossenschaft stand als Unternehmensform nie zur Diskussion“, bestätigt Ungerer. „Wenn man etwas gemeinsam auf die Beine stellen will, dann ist die Genossenschaft wohl die beste Unternehmensform“, unterstreicht er. Die Zahlen geben ihm recht: die
Raiffeisen-Weiterbildungskurse
Excel 2010 – Training für die Praxis II
Nationale Buchhaltungsrichtlinien OIC für Kellerei- und Molkereigenossenschaften
Praxisworkshop Wucher
Ich rede – und du verstehst mich
Falschgeld

Hubert Ungerer, Geschäftsführer der Deutschnonsberger und Ultentaler Erzeugergenossenschaft, auf dem Radicchiofeld des Untergampenhofes in Proveis
Genossenschaft fährt einen jährlichen Umsatz von 600.000 Euro ein und bietet sechs Menschen einen attraktiven Arbeitsplatz – ein Beitrag gegen die drohende Abwanderung vom Berg. Ab dem 21. September lädt die DELEG zusammen mit dem Tourismusverein und der örtlichen Gastronomie zu den Radicchio-Tagen ein; mehr dazu unter: www.ultental-deutschnonsberg.info/ de.
24./25.09.2014
29.09.2014 Hotel Eberle/Bozen
30.09.2014 Hotel Eberle/Bozen
01.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
02.10.2014 17.00–19.00 Uhr Raiffeisenverband Südtirol, Bozen
Social Media Marketing 02.10.2014 09.00–13.00 Uhr Hotel Eberle/Bozen
Vom Bankprodukt zum Kundennutzen – aktiv verkaufen am Schalter 03.10.2014 Hotel Eberle/Bozen
Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Impressum:
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni, Alex Demattio (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Schulungsraum St. Lorenzen (Filiale RK Bruneck)