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RM23 vom 20.12.2013

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Raiffeisen Mitteilungen

des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Die Weihnachtszeit lädt zur Besinnung ein und zur Rückschau auf das vergangene Jahr.

Landwirtschaft stärkt Südtirol

Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes, blickt auf das zu Ende gehende Jahr 2013 zurück. Im folgenden Artikel richtet er sich an die Leserinnen und Leser und geht im Speziellen auf die Rolle der Genossenschaften ein.

Ein schwieriges Jahr 2013 geht zu Ende. Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Südtirols Wirtschaft kein Wachstum verbuchen, sondern musste eine Rezession von 0,5 Prozent hinnehmen. Die Wirtschaftszahlen belegen damit, dass die Wirtschaftskrise in abgeschwächter Form auch unser Land erfasst hat. Italien verzeichnet in diesem Jahr ein Minus von 1,8 Prozent. Die Kürzungen der öffentlichen Haushalte, das geringe verfügbare Einkommen der Privathaushalte und die schwache Investitionsbereitschaft der Unternehmen bremsen weiterhin die Nachfrage, dies vor allem im Baugewerbe. 70 Prozent der Südtiroler Unternehmen haben die

Erträge des zweiten Semesters 2013 als positiv eingestuft, fast ein Drittel ist aber mit dem Ergebnis unzufrieden. So stieg die Zahl der Arbeitslosen im Laufe des Jahres kontinuierlich an.

Gute Auszahlungspreise

Ein Wirtschaftssektor allerdings kann trotz Krise mit zufriedenstellenden Zahlen aufwarten: die Landwirtschaft. Dazu beigetragen haben vor allem die landwirtschaftlichen Genossenschaften. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut stufen die befragten Raiffeisen-Genossenschaften die Auszahlungspreise

an die Produzenten im zweiten Semester des Jahres als positiv ein. Der Obstsektor konnte den Rückgang des inländischen Konsums im vergangenen Jahr durch die Erschließung neuer Märkte auffangen. So sind Äpfel der Marke „Marlene“ in allen wichtigen Einzelhandelsketten Spaniens erhältlich. Auch die Wein- und Milchwirtschaft können mit der Entwicklung des Absatzes und der Preise in diesem Jahr zufrieden sein.

Das Kundengeschäftsvolumen der Raiffeisenkassen samt Landesbank hat im laufenden Jahr um mehr als drei Prozent zugelegt. Die Einlagen sind sogar um knapp 7,5 Prozent gestiegen. Die Kreditvergabe erreichte zum

eisacktaler kellerei

Goldene Rebschere

Die Eisacktaler Kellerei hat beim internationalen Wettbewerb des Sylvaner Forums als beste Kellerei außerhalb der deutschen Anbaugebiete die „Goldene Rebschere“ gewonnen. Kellermeister Thomas Dorfmann und Verkaufsleiter Armin Gratl nahmen in München im Rahmen eines Galaabends den Preis aus den Händen der deutschen Weinprinzessin Ramona Diegel und des Vorsitzenden des Sylvaner Forums Artur Steinmann entgegen. Der Wettbewerb zur Förderung und Profilierung der Rebsorte Sylvaner findet alle zwei Jahre statt und konnte heuer eine Rekordbeteiligung von 539 Weinen aus ganz Europa verzeichnen.

raiffeisenverband

Hauptabteilung übersiedelt

Seit Anfang Dezember befindet sich die Hauptabteilung Warenund Dienstleistungsgenossenschaften nicht mehr im Raiffeisenhaus, sondern einen Steinwurf weit entfernt im sog. Rima-Gebäude in der Crispistraße 9. Interessierte, die mit dem Gedanken spielen ein Unternehmen zu gründen, finden ab sofort dort ihren Ansprechpartner in StartUp-Angelegenheiten sowie die gesamte Abteilung Unternehmensberatung.

Stichtag 31. Oktober 2013 in etwa denselben Wert wie im Vorjahr.

Dies zeigt einmal mehr, dass die Genossenschaftsidee kein Auslaufmodell aus dem 19. Jahrhundert ist. Im Gegenteil: In Zeiten des allgemeinen Vertrauensverlustes und der Krise erfährt das Genossenschaftsmodell neuen Aufwind, dies vor allem im Energiesektor und im Dienstleistungsbereich, in dem Sozialgenossenschaften eine wachsende Bedeutung erlangen. Und die Raiffeisen-Genossenschaften haben den hohen Grad an Stabilität und Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt und damit vielen Menschen Schutz und Sicherheit geboten.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen allen für Ihren Einsatz und Ihr Verantwortungsbewusstsein danken und mich mit Ihnen auf die Herausforderungen freuen, die das kommende Jahr bereiten wird.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und 2014 viel Erfolg.

Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol

Dorfladen in Olang wiedereröffnet

Am letzten Wochenende im November wurde die neue Filiale der Nahversorgungsgenossenschaft NaveS in Niederolang eröffnet. Damit ist die Nahversorgung im Dorf gesichert.

In Niederolang leben an die 900 Menschen. Bislang führte die örtliche Bäckerei eine Filiale im Dorfzentrum neben der Kirche, die sich aber aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen hat. Nach intensiven Verhandlungen zwischen dem Pfarrgemeinderat und der Nahversorgungsgenossenschaft NaveS ist es nun gelungen, den Dorfladen wieder zu eröffnen. „Wir werden uns bemühen, unseren Kunden und Mitgliedern ein breites Sortiment mit einem guten PreisLeistungs-Verhältnis anzubieten“, sagte Raimund Ochsenreiter, Obmann der NaveS, bei der Eröffnungsfeier, zu der mehr als 300 Anrainer gekommen waren. Besonderen Wert lege man auf frische Waren und Südtiroler Produkte, meinte Ochsenreiter.

Peter Kofler, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, bedankte sich bei der NaveS und richtete gleichzei-

tig an die Bevölkerung den Appell, das Geschäft zu frequentieren. Annelies Schenck, Gemeinderätin von Olang, betonte die Wichtigkeit des Dorfladens als soziales Zentrum. Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes, meinte, man solle die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lassen. „Es ist nicht das Ziel der NaveS, anderen Geschäften Konkurrenz zu machen, sondern eben dort tätig zu werden, wo die Nahversorgung tatsächlich gefährdet ist.“ Nach der Segnung der 150 m2 großen Räumlichkeiten durch Philipp Peintner, Pfarrer von Olang, wurden bereits am Eröffnungstag vielversprechende Umsätze getätigt. Laut Geschäftsführerin Kathi Unterleitner zählt die NaveS mit den Filialen in Vahrn, Gsies und Toblach bereits über 500 Mitglieder.

Eröffnungsfeier des Geschäftes „Coop Konsum“ in Niederolang: Heiner Nicolussi-Leck (Obmann RVS), Peter Kofler (Vors. Pfarrgemeinderat), Pfarrer Philipp Peintner, Gemeinderätin Annelies Schenck, NaveS-Obmann Raimund Ochsenreiter.

Foto
unten:
Peter Kofler
Eisacktaler Sylvaner der Beste unter 539 Teilnehmern.

Das dualistische System – ein Modell für Südtirols Raiffeisenkassen?

Auf einer Tagung im Raiffeisenhaus diskutierten Genossenschaftler zusammen mit Rechtsexperten und der Spitze der Banca d’Italia über die Vorzüge des dualistischen Systems bei Genossenschaften.

Traditionell gibt es in Italiens Genossenschaftsbanken das sogenannte lateinische Verwaltungssystem. Dieses sieht als Organe die Vollversammlung, den Verwaltungsrat und den Überwachungsrat („Collegio Sindacale“) vor. Im deutschsprachigen und französischen Raum hingegen wird das sogenannte dualistische System angewandt. Hier gibt es die Vollversammlung, den Aufsichtsrat und Vorstand. Nach den guten Erfahrungen im deutschsprachigen Ausland ist man auch im Raiffeisenverband zu der Überzeugung gelangt, sich fundiert mit der Frage auseinanderzusetzen, ob dieses System auch bei Genossenschaftsbanken wie den Raiffeisenkassen Südtirols eingeführt werden könnte. Seit der Reform des Gesellschaftsrechtes im Jahre 2003 können Aktiengesellschaften und Genossenschaften dieses System auch in Italien anwenden. In deutschen Raiffeisenbanken gibt der Aufsichtsrat die Strategie vor. Die Vorstände bestehen aus hauptberuflich engagierten Bankfachleuten, die das Tagesgeschäft führen und dafür auch konkret Verantwortung tragen. Im lateinischen System ist der Verwaltungsrat für die Gesellschaft verantwortlich, de facto aber entscheidet der Direktor.

Gutachten erstellt

Emanuele Cusa, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Mailand-Bicocca, hat im Auftrag des Raiffeisenverbandes ein Gutachten erstellt, in dem er das dualistische Verwaltungssystem mit den Prinzipien der Genossenschaftsbank als durchaus vereinbar erachtet und bereits konkrete Vorschläge für den Aufbau dieses System unterbreitet hat. Daraufhin wurde im Raiffeisenverband eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die ihre Vorstellungen eingebracht und den Weg zur Erstellung eines Statutes für eine Raiffeisenkasse mit dualistischem System geebnet hat. In Abstimmung mit den Verantwortlichen der Banca d’Italia in Bozen wurde Ende November die Tagung im Raiffeisenhaus initiiert, bei der der aktuelle Stand und die Entwicklungsmöglichkeiten für die Genossenschaftsbanken erörtert wurden. Gekommen waren

Verschiedene Experten in Rechtsfragen präsentierten den Anwesenden das dualistische Genossenschaftsmodell, das vor allem in Deutschland recht erfolgreich angewandt wird.

Interessierte Teilnehmer aus den örtlichen Raiffeisenkassen sowie aus anderen Genossenschaftsbanken der Region und Oberitaliens.

neben Direktoren und Obmännern der Raiffeisenkassen Südtirols auch Rechtsexperten, Notare sowie Präsidenten und Direktoren der oberitalienischen Kassenverbände.

Rechtsexpertin Diana Capone (Banca d’Italia), skizzierte die verwaltungstechnischen und aufsichtsrechtlichen Kernpunkte des traditionellen, monistischen und dualistischen Systems. Nachdem Georg Miribung (Universität Innsbruck) die charakteristischen Merkmale der Verwaltungsmodelle in Österreich präsentiert und Michael Atzwanger, Vorstand

der Alpenbank mit Sitz in Bozen und Innsbruck, seine Erfahrungen ausgeführt hatte, erläuterte Prof. Emanuele Cusa die Eckpunkte des dualistischen Systems. Michael Obrist, Leiter der Rechtsabteilung im Raiffeisenverband, stellte das erarbeitete Statut einer Raiffeisenkasse mit dualistischen System vor. Generaldirektor Paul Gasser wies in seinen Ausführungen u. a. auf die möglichen Nachteile hin, wie die höheren Kosten, was für kleine Raiffeisenkassen eine Herausforderung bedeute.

Erhard Gschrey geht in Rente

Die Kontakte des Raiffeisenverbandes Südtirol mit dem Raiffeisenverband Tirol, aber auch mit dem Genossenschaftsverband Bayern (GVB), sind sehr gut. Dies auch dank des bisherigen stellv. Vorstandsvorsitzenden des GVB Erhard Gschrey.

Anlässlich der Pensionierung des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Genossenschaftsverbandes Bayern, Erhard Gschrey, lud der Raiffeisenverband Südtirol vor Weihnachten die Spitze des Genossenschaftsverbandes Bayern und des Raiffeisenverbandes Tirols (RVT) zu einem Erfahrungsaustausch nach Brixen ein, bei dem Themen wie die Bankenunion, Sicherungseinrichtungen und die Bilanzprüfung diskutiert wurden. Gschrey hob dabei die engen Kontakte zwischen Tirol, Südtirol und Bayern hervor, die sich im Kooperationsvertrag niederschlagen, der 1993 mit der Absicht gegründet worden war, gemeinsame Strategien zu erarbeiten, um besser auf die Herausforderungen des verstärkten europäischen Wettbewerbes reagieren zu können. Generaldirektor Paul Gasser bedankte sich im Namen von Raiffeisen Südtirol bei Erhard Gschrey für die konstruktive Zusammenarbeit. Gschrey war von 1994 bis zuletzt Mitglied des Vorstandes des Genossenschaftsverbandes Bayern und seit 2003 Bundesvorsitzender

Tiroler

RVS-Revisionsdirektor Robert Nicolussi, GVB- Vorstandsmitglied Alexander Büchel, RVS-Generaldirektor Paul Gasser, Erhard Gschrey, GVB-Präsident Stephan Götzl, RVS-Vizedirektor Christian Tanner (nicht im Bild RVT-Direktor Arnulf Perkounigg).

des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) mit Sitz in Berlin. Seit 1. Jänner ist Gschrey in Rente. Jetzt will

der Experte in Sachen Bankenaufsicht seine Zeit verstärkt dem Verfassen von Büchern widmen.

Kunst zieht immer noch

Die Veranstalter der Bozner Kunstauktionen im Raiffeisenhaus zeigen sich überrascht und sind mit dem erzielten Ergebnis durchaus zufrieden.

„Die Bozner Kunstauktionen erfuhren auch heuer wieder eine große Resonanz“, sagt Kunstkritiker und Co-Veranstalter Carl Kraus nach dem Auktionstag im Pavillon des Raiffeisenhauses. Mit 130 Sammlern und Interessenten war der Saal restlos gefüllt, dazu belebten eine Reihe von Bietern aus dem Ausland, die telefonisch teilnahmen, das Geschehen. Von den 500 Losen erhielten knapp 60 Prozent einen Zuschlag. Den Höchstpreis erzielte das Bild „Schneelandschaft“ von Max von Esterle, das um 18.000 Euro versteigert wurde. Besonderen Zuspruch fand der Nachlass Elisabeth Kronau mit Gemälden, Skulpturen, Anti-

quitäten und Objekten der Volkskunst wie Sterzinger Hornarbeiten, Hinterglasbildern und Holzspanschachteln. Das „Bildnis Josef Georg Eisenstecken“ (1840) von Friedrich Wasmann aus dieser Sammlung ging um 14.600 Euro an einen Interessenten, die „Bretonische Hochzeit“ (1906) von Carl Moser um 5.000 Euro an einen Telefonbieter. „Etwas verhaltener war das Interesse überraschenderweise bei Karl Plattner“, wundert sich Kraus.

Nächstes Jahr feiern die Bozner Kunstauktionen, deren Sponsor der Raiffeisenverband Südtirol von Beginn an ist, ihre 25. Versteigerung.

Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84

verantwortlich:

Impressum:
Presserechtlich
Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Das Bildnis „Josef Georg Eisenstecken“ (1840) von Friedrich Wasmann hat um 14.600 Euro seinen Besitzer gewechselt.

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