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Raiffeisen Mitteilungen

des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Genossenschaften meistern die Krise besser als andere Unternehmensformen. Dies ist eine Erkenntnis aus der Bilanz 2012.

Weiter krisenfest und stabil

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen erwiesen sich die Raiffeisen-Genossenschaften im Geschäftsjahr 2012 als krisenfest und haben wieder zur Stärkung des Wirtschaftsgefüges in Südtirol beigetragen.

Südtirol weist heute mit 1,58 Genossenschaften auf 1000 Einwohner italienweit die höchste Dichte an Genossenschaften auf. Von den 956 eingetragenen Genossenschaften in Südtirol gehörten Ende 2012 365 Genossenschaften (38 %) dem Raiffeisenverband an, und von den südtirolweit 163.000 Einzelmitgliedern waren 120.403 (73 %) Mitglied einer RaiffeisenGenossenschaft.

Hohe Wertschöpfung

„Der Verband kann zusammenfassend auf ein erfolgreiches Arbeitsjahr zurückblicken“, sagte Obmann Heiner Nicolussi-Leck, der auf der Jahresvollversammlung die Wirtschafts-

daten präsentierte. Insgesamt erzielten die Raiffeisen-Genossenschaften eine Bruttowertschöpfung von 611 Mio. Euro – auf jeden Südtiroler Haushalt umgerechnet rund 2900 Euro. Die Gesamtbilanzsumme lag bei 15,1 Mrd. Euro, das Eigenkapital bei 2,6 Mrd. Euro. „Trotz Abschwung ist die Zahl der Beschäftigten im Genossenschaftssektor um 10 Prozent gestiegen“, sagte Generaldirektor Paul Gasser.

Leichtes Plus

Die 47 Raiffeisenkassen weisen eine zufriedenstellende Geschäftstätigkeit auf. Die direkten Kundeneinlagen sind um knapp

4 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro und das Kreditvolumen um knapp 2,5% auf 9,3 Mrd. Euro angestiegen. Zusammen mit der RaiffeisenLandesbank betrug der Rechnungsüberschuss 86,41 Mio. Euro. Ein Spitzenergebnis im Vergleich mit den in Südtirol tätigen Banken, die insgesamt einen Gewinn von 115 Mio. Euro erzielen konnten. Die Bilanzsumme stieg um knapp 9% auf 13,7 Mrd. Euro an. Das Kundengeschäftsvolumen erreichte knapp 20,5 Mrd. Euro.

Neben den Vertretern der Mitgliedsgenossenschaften waren zur Vollversammlung zahlreiche Ehrengäste gekommen, u. a. Europaparlamentarier Herbert Dorfmann, Senator Francesco Palermo, Kammerabgeordneter

jubilum

40 Jahre Raiffeisenkasse Eisacktal

Mit einem traditionellen Umtrunk in all ihren Filialen feierte die Raiffeisenkasse Eisacktal unlängst den 40. Geburtstag. Genau vier Jahrzehnte. Sie ist das Ergebnis einer Fusion der damals bereits etablierten Raiffeisenkassen NatzSchabs (1899), St. Andrä-Afers (1902) und Rodeneck (1954). Aus einer Kleinstbank mit sechs Mitarbeitern, 363 Mitgliedern und 17 Mio. Euro Kundengeschäftsvolumen hat sie sich zu einem modernen mittelständischen Finanzinstitut mit 76 Mitarbeitern, knapp 3000 Mitgliedern und rund 850 Mio. Euro Kundengeschäftsvolumen entwickelt. „Wir haben noch viel vor“, meinte Präsident Rudi Rienzner.

Alle Filialen der Raiffeisenkasse Eisacktal feierten das Jubiläum.

EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann: „4200 Mrd. Euro haben Mitgliedsstaaten für Finanzkrise aufgewendet.“

Albrecht Plangger, Luigi Parisotto, Direktor der Filiale Bozen der Banca d’Italia, Maurizio Gardini, Präsident des italienischen Genossenschaftsverbandes Confcooperative, und Federico Cornelli, Direktor des Zentralverbandes der Raiffeisenkassen Italiens (Federcasse).

Herbert Dorfmann berichtete von seiner aktuellen Tätigkeit als EU-Parlamentarier. Seit Beginn der Finanzkrise hätten die EU-Mitgliedsstaaten 4.200 Mrd. Euro an Steuergeldern aufgewendet, um das Bankensystem zu stützen. Bei der geplanten Bankenunion müsste darauf geachtet werden, dass

Confcooperative-Präsident Maurizio Gardini sieht in der Jugendarbeitslosigkeit das größte Problem.

Genossenschaftsbanken durch eine auf die Großbanken zugeschnittene Neuregelung nicht Schaden nehmen. Confcooperative-Präsident Maurizio Gardini sprach von einem Ausnahmezustand, in dem sich der Staat mittlerweile befinde. Alarmzeichen Nummer eins sei die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Federcasse-Direktor Federico Cornelli lobte den Raiffeisenverband Südtirol mit seinen 47 Raiffeisenkassen als einen der besten in Italien. Arnulf Perkounigg, Direktor des Raiffeisenverbandes Tirol, unterstrich die Bedeutung der engen Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südtirol.

Projektpartner der Lebenshilfe

Im Rahmen von Ethical Banking haben die Südtiroler Raiffeisenkassen und die Lebenshilfe eine Projektpartnerschaft geschlossen, die Menschen mit Beeinträchtigung zugutekommt.

Das Geschäftsfeld Ethical Banking der Südtiroler Raiffeisenkassen ist eine nicht-gewinnorientierte Initiative von sozialer Nützlichkeit. Der Leitgedanke ist klar: Solidarität zeigen, Selbstverantwortung fördern und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Jene der insgesamt sechs Ethical-Banking-Linien, auf der die neue Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe erfolgt, nennt sich „Weniger Handicap“. „Durch diese Zusammenarbeit wird es uns gelingen, die von den Sparern der Linie ‚Weniger Handicap‘ anvertrauten Spargelder zweckgebunden als Förderkredite an direkt betroffene Mitmenschen weiterzugeben“, sagte Roland Furgler, Projektverantwortlicher für Ethical Banking. Wenn Sparer sich entscheiden, unter teilweisem Verzicht auf ihre Rendite in dieser Linie Geld anzulegen, unterstützen sie Menschen mit Beeinträchtigung. Sie können in der Folge einen Kredit zu sehr niedrigen Zinssätzen aufnehmen, um sich eine Anschaffung zu leisten, die sie aufgrund ihrer Beeinträchtigung dringend brauchen. „Wir

beraten alle Menschen mit Beeinträchtigung, auch was die Voraussetzungen für einen Förderkredit anbelangt“, sagte Wolfgang Obwexer, Geschäftsleiter der Lebenshilfe.

R. Furgler (Ethical Banking), H. Riegler (Obmann Raika Bozen), P. Amort (Präsidentin Lebenshilfe), W. Obwexer (Geschäftsleiter Lebenshilfe), H. Widmann

Ehrennadel in Gold für Luis Durnwalder

Im Rahmen der Jahresvollversammlung des Raiffeisenverbandes erhielt Landeshauptmann Luis Durnwalder die Raiffeisen-Ehrennadel in Gold. Eine Anerkennung für seine Verdienste um das Genossenschaftswesen.

„Südtirol hat sich unter der politischen Führung von Landeshauptmann Durnwalder in den letzten 25 Jahren grundlegend erneuert. Er war bzw. ist ein Glücksfall für unser Land, besonders für das Genossenschaftswesen“, sagte Obmann Heiner Nicolussi-Leck in seiner Laudatio. „Eines seiner Ziele war es, die genossenschaftlich geführten Unternehmen zu fördern, zu unterstützen, weiter auszubauen und nach vorne zu bringen“, ergänzte er. In einer Tonbildschau wurden die Höhepunkte der politischen Laufbahn Durnwalders nachgezeichnet, der u. a. von 1973 bis 1982 Verwaltungsrat der Raiffeisenkasse Bruneck war und sich dem Genossenschaftswesen stets verbunden fühlte. Mit 26 Jahren wurde er Bauernbunddirektor mit Sitz im Raiffeisenhaus, mit 28 Jahren Bürgermeister von Pfalzen und mit 32 Jahren in den Südtiroler Landtag gewählt, fünf Jahre später wurde er Landesrat für Landwirtschaft und mit 47 Jahren Landeshauptmann von Südtirol als Nachfolger

von Silvius Magnago. Durnwalder zeigt sich überrascht. „Ich habe in meinem politischen Leben nichts anderes getan als meine Pflicht“, sagte Landeshauptmann Luis Durnwalder, der sich für die hohe Auszeichnung bedankte. Es sei in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, die Kompetenzen, welche die „Autonomieväter“ hart errungen haben, mit Leben zu füllen. Durnwalder unterstrich auch die

Höhepunkt der Vollversammlung des Raiffeisenverbandes bildete die Ehrung des Landeshauptmannes durch Obmann Heiner Nicolussi-Leck und Generaldirektor Paul Gasser.

Bedeutung des Genossenschaftswesens für die Entwicklung Südtirols. „Das Genossenschaftswesen hat großen Anteil an der Entwicklung im Land“, meinte Durnwalder. Die vielen Genossenschaften und Raiffeisenkassen böten den Menschen vor Ort noch einen wichtigen Bezugspunkt. „In den Kassen und Genossenschaften ist der Mensch noch ein Mensch“, sagte Durnwalder.

Neue Kellerei in Marling eröffnet

Keine zwei Jahre sind seit dem Beginn der Arbeiten vergangen. Anfang Juni wurden die neuen Räumlichkeiten der Kellerei Meran Burggräfler in Marling offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Vor knapp drei Jahren haben sich die beiden traditionsreichen Kellereigenossenschaften des Burggrafenamtes, die Burggräfler Kellerei und die Weinkellerei Meran, zusammengeschlossen. Daraus ist die Kellerei Meran Burggräfler hervorgegangen, die 380 Mitglieder zählt und 260 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Dieser historische Schritt bildete den Grundstein für die Renovierung der Kellerei in Marling, die nach eineinhalb Jahren Bauzeit fristgerecht Anfang Juni eingeweiht wurde. „Jetzt sind wir für die Zukunft gerüstet“, meinte Obmann Kaspar Platzer in seiner Festansprache. Für den gelungenen Umbau verantwortlich zeichnet der Architekt Werner Tscholl, der das historische Gebäude in die neue Fassade integrierte und sich für eine Glas-Holz-Konstruktion entschied, die einen 360-Grad-Panorama-Blick eröffnet.

Landeshauptmann Luis Durnwalder und Senator Hans Berger lobten die Verantwort-

lichen der Kellerei ob ihrer Weitsicht und wünschten den Mitarbeitern und Mitgliedern alles Gute für die Zukunft. Die Kellerei kann nun auf einen neuen Verwaltungstrakt ver-

weisen; auch das Verkaufslokal, das Abfüllareal wurden neu errichtet und den modernen Bedürfnissen angepasst. Die Kosten belaufen sich auf 11 Mio. Euro.

Landeshauptmann Luis Durnwalder und Senator Hans Berger beim Durchschneiden des traditionellen Bandes sowie in Tracht Obmann Kaspar Platzer und Bürgermeister Walter Mairhofer (r.).

Treffsichere Sprache

Ex Libris, so heißt die Genossenschaft, die eine Marktnische gefunden hat und Mitglied des Raiffeisenverbandes ist. Ihre Spezialität ist die Sprache.

Geboren ist das Unternehmen bereits 2010, operativ wurde es ein halbes Jahr später, nun steht es auf sicherem Fundament – und expandiert. Die Zahl der Aufträge ist in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen. „Darüber freuen wir uns“, sagt Obmann Thomas Kager. Die Gründungsmitglieder Katja Solderer, Thomas Hanifle und Thomas Kager arbeiten bereits seit Jahren im Raetia-Verlag zusammen und editieren Bücher und mehr. „Wir haben erkannt, dass es eine Marktnische gibt, die niemand so recht füllen kann, deshalb haben wir uns entschlossen, die Genossenschaft zu gründen“, sagt Thomas Kager, der auch Programmleiter der Edition Raetia ist.

Die Genossenschaft Ex Libris hat sich auf die Arbeit mit Texten spezialisiert. Ex Libris redigiert, korrigiert, übersetzt. „Unser Fokus liegt darauf, qualitativ hochwertige Texte zu erstellen“, so Kager. Die Liste der Referenzen wird immer länger. Körperschaften des Landes und Organisationen mit Format wie die Business Location Südtirol und die Südtiroler Marketing Gesellschaft zählen bereits zu

ihren Kunden. Dabei arbeitet Ex Libris mit Genossenschaftern und freien Mitarbeitern zusammen, die ihre fachspezifischen Kompetenzen einbringen und ein Netzwerk bilden. „Auf diese Weise können wir flexibel auf unsere Kunden reagieren und Kundenwünsche auch rasch befriedigen“, sagt Mitarbeiterin Silvia Oberrauch, die am Sitz der Genossenschaft beim Raetia-Verlag in Bozen arbeitet.

Gesundheit wird Privatsache

Der Wechselseitige Krankenbeistandsverein (WKV) der Raiffeisen Geldorganisation hat Bilanz gezogen. Dabei wird klar: Seine Rolle wird immer bedeutender.

„Die Bestrebungen, einen Landesgesundheitsfonds aus der Taufe zu heben, dauern mittlerweile zwar bereits seit mehr als eineinhalb Jahren an, doch scheint es der feste politische Wille zu sein, das Projekt umzusetzen.“ Mit diesen Worten begann Christian Tanner, Vorsitzender des WKV, seine Ausführungen. Tanner verteidigte die Entscheidung, gemeinsam mit Kaufleuten und Handwerkern einen eigenen Fonds gegründet zu haben, der Synergien stärken und die Interessenvertretung wahrnehmen soll, um die Herausforderungen gemeinsam zu meistern.

Der Vorstand des WKV hat Mitte des Jahres 2012 die Selbstbeteiligungsgrenzen bei gewissen Leistungen angehoben, um sicherzustellen, dass bei wirklich gravierenden gesundheitlichen Problemen den Mitgliedern und deren Familienmitgliedern

entsprechende finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Auf das Leistungspaket des WKV konnten im Jahr 2012 insgesamt 4,712 Personen zurückgreifen

Der Vorstand des WKV setzt sich sozialpartnerschaftlich aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen.

landesbank Konkrete Hilfe für Unternehmen

Die Raiffeisen-Landesbank und die Europäische Investitionsbank (EIB) haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Er ermöglicht es kleinen Unternehmen, Darlehen zu besonders günstigen Konditionen zu erhalten. Insgesamt stehen 30 Mio. Euro an Finanzierungen zur Verfügung. Die EIB finanziert eine Palette von Projekten in den EU-Ländern. Raiffeisen gibt die mit der E.I.BFinanzierung verbundenen Vorteile an die Unternehmen weiter. Diese kommen somit in den Genuss eines begünstigten Zinssatzes, der unter den üblichen Marktbedingungen liegt, und sind von der Ersatzsteuer befreit.

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13. 4. 1984, Nr. 13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, Tel. 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Silvia Oberrauch und Thomas Kager bei der Arbeit am Computer
Johann Schmiedhofer, Vizedirektor Raiffeisen-Landesbank, Marguerite McMahon (E.I.B.)

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