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des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

„Unser Wohlstand und unser intakter Lebensraum sind zu einem guten Teil dem positiven Wirken der Genossenschaften zu verdanken“, sagt Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes.
Große Herausforderungen
Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol, zieht im folgenden Artikel Bilanz über das abgelaufene Jahr aus der Sicht der Genossenschaften.
Ein wirtschaftlich schwieriges Jahr neigt sich seinem Ende zu. Der vorhergesagte Weltuntergang ist zwar ausgeblieben, die allgemeine Wirtschaftslage gibt aber wenig Anlass zum Feiern. Das Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer erwartet heuer in den 27 EU-Staaten eine Rezession von -0,3 Prozent. In Italien beträgt der Wirtschaftsabschwung mehr als 2,3 Prozent. Die jüngste Regierungskrise sorgt für zusätzliche Verunsicherung auf den Finanzmärkten.
Südtirols Wirtschaft hingegen konnte sich auch dieses Jahr behaupten. Die Arbeitslosigkeit ist zwar auf über 4 Prozent gestiegen und die öffentliche Hand muss schmerzhafte Ein-
sparungen umsetzen, aber laut Experten verzeichnen das verarbeitende Gewerbe, die Dienstleistungen, das Transportgewerbe, der Kfz-Handel und das Gastgewerbe im zweiten Halbjahr gar einen Zuwachs der Ertragsentwicklung. Weiterhin vor großen Herausforderungen stehen die Hersteller von Sport-, Hobby- und Freizeitartikeln, das Druck- und Grafikgewerbe, der Baustoffhandel und die Immobilienbranche.
Krisenfest und sicher
Die Krise erzeugt bei Unternehmern und Konsumenten gleichermaßen einen Verlust
an Vertrauen und Zuversicht. Dies hemmt die Risikobereitschaft und damit die wirtschaftliche Entwicklung. Erfreulicherweise aber haben sich die Genossenschaften als krisenfest erwiesen. Das genossenschaftliche Geschäftsmodell stellt eine bewährte Form wirtschaftlicher Tätigkeit dar und erweist sich in einer Zeit, in der das Bewusstsein für soziale Verantwortung wächst, mehr als zeitgemäß. So können Südtirols landwirtschaftliche Genossenschaften mit berechtigter Zuversicht in die Zukunft blicken. Der Obstsektor konnte den Rückgang des Konsums in den traditionellen Absatzmärkten Deutschland und Italien durch die Erschließung neuer Märkte
Zusammenlegung erleichtert
Arbeitnehmer, die in verschiedenen Rentenkassen versichert waren, können künftig die Versicherungszeiten kostenlos zusammenlegen. Das sieht eine Abänderung zum Stabilitätsgesetz vor. Durch die im Juni 2010 erfolgte Abschaffung der Zusammenlegung der Versicherungszeiten ohne finanziellen Aufwand, war letzthin nur entweder eine Zusammenlegung gegen Bezahlung oder eine sog. „Totalisierung“ der Beitragszeiten möglich. Während erstere Möglichkeit teuer war, führte die Totalisierung zu einer niedrigeren Rente. Die neue kostenlose Zusammenlegung ist eine Form der Totalisierung, bei der die Berechnung der Rente mit dem entlohnungsbezogenen System erfolgt. Letzthin gestellte Anträge auf Zusammenlegung können widerrufen werden, wenn diese neue Berechnungsart für den Arbeitnehmer vorteilhafter ist.
wie etwa in den skandinavischen und nordafrikanischen Ländern, wettmachen. Die heurige Ernte fiel um 20 Prozent geringer aus als die im Vorjahr, wodurch eine gute Preisentwicklung prognostiziert werden kann. Sowohl die Wein- als auch die Milchwirtschaft können mit der Entwicklung des Absatzes und der Preise in diesem Jahr ebenso zufrieden sein.
Die Kundeneinlagen der Raiffeisenkassen samt Landesbank haben im laufenden Jahr um mehr als 3 Prozent zugelegt. Die Kreditvergabe konnte zum Stichtag 31. Oktober 2012 eine Steigerung von knapp 2 Prozent verzeichnen, was allerdings einen deutlichen Rückgang der vergebenen Kredite um 5 Prozent zum Vorjahr bedeutet.
Jahr der Genossenschaften
Im zu Ende gehendem Jahr standen die Genossenschaften im Fokus der Vereinten Nationen, die 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen haben. Damit wollte die Staatengemeinschaft auf die weltweit tragende Rolle der Genossenschaften aufmerksam machen, ihre wirtschaftliche und soziale Bedeutung und auch den Beitrag unterstreichen, den Genossenschaften leisten, um die Armut zu verringern und Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Der Raiffeisenver-

band hat im Laufe des Jahres eine Reihe von Initiativen durchgeführt und Veranstaltungen unterstützt, mit dem Ziel, die Rolle und Bedeutung des Genossenschaftswesens in Südtirol hervorzuheben und den Mehrwert zu veranschaulichen, den die Genossenschaften für die Südtiroler Gesellschaft darstellen. Unser Wohlstand und unser intakter Lebensraum sind zu einem guten Teil dem positiven Wirken der Genossenschaften zu verdanken. Das kann fürwahr nicht oft genug gesagt werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.
Südtiroler Äpfel werden erstmals in Indien vermarktet
Die 22 Obstgenossenschaften Südtirols produzieren mehr als 11 Prozent der in Europa produzierten Apfelmenge. Exportiert wird nicht nur in die EU, sondern neuerdings auch nach Rußland und Indien.
In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Südtiroler Äpfel, die ins Ausland exportiert wurden, stetig gestiegen. Ein Teil wird über die Genossen-

Exportmanager Nicola Zanotelli
schaft „From“ vermarktet. Sie wurde 2009 von den drei Erzeugerorganisationen Südtirols (VOG, VI.P, VOG Products) und den zwei Schwesterorganisationen Melinda und La Trentina im Trentino gegründet, um den gemeinsamen Marktauftritt in Russland und Indien aufzubauen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden auf diesem Weg 31.300 Tonnen vermarktet, 550 Tonnen gingen erstmals nach Indien. „Wir glauben, dass dies der richtige Augenblick ist, in den indischen Markt zu investieren, wo wir uns im Premium-Segment positionieren möchten“, sagt der verantwortliche Exportmanager Nicola Zanotelli. 70% der Äpfel stammen aus Südtirol, 30% aus dem Trentino, davon sind der größte Anteil Golden Delicious, gefolgt con Granny Smith und Breaburn. „Langfristig möchten wir vor allem im traditionellen russischen Markt Fuß fassen“, so Zanotelli. Im Geschäftsjahr 2010/2011 konnte From einen Umsatz von 18,6 Mio. Euro erzielen.
Paul Gasser, Generaldirektor Raiffeisenverband
Vorsichtiger Optimismus ist in Südtirol angesagt
Georg Lun ist Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts der Handelskammer. Er sieht für Südtirols Landwirtschaft, im Speziellen für den Obstbau, eine trotz allem positive Entwicklung voraus.
Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession. Davon scheinen die landwirtschaftlichen Genossenschaften, im Besonderen die Obstgenossenschaften in Südtirol kaum etwas zu spüren. Weshalb?
Georg Lun: Die derzeitige Wirtschaftslage ist maßgeblich von den Finanzmärkten geprägt. Den Banken fehlt die Liquidität, weshalb es derzeit schwierig ist Investitionen über Kredite zu finanzieren. Die Südtiroler Obstgenossenschaften haben derzeit keinen überdurchschnittlichen Investitionsbedarf, deshalb sind sie weniger betroffen. Auf der Absatzseite hingegen ist die heurige Apfelernte europaweit kleiner ausgefallen als in anderen Jahren, was die Preise stützt.
Der Gewinn wird nicht als Dividende ausgeschüttet, sondern in das Unternehmen reinvestiert. Ist dies auch ein Grund für die Stabilität von Genossenschaften?
Bei Genossenschaften ist wirtschaftlicher Erfolg kein Selbstzweck, sondern steht das Wohl des Mitgliedes im Mittelpunkt. Die gesetzlichen Regelungen für Genossenschaften begünstigen natürlich die unternehmensinterne Kapitalbildung und verringern dadurch die Abhängigkeit von externen Finanzierungen. Entscheidend ist aber das auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg ausgerichtete Geschäftsmodell der Genossenschaften. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, dass solide Geschäftstätigkeit mit Augenmaß vor den Unbilden des Marktes schützen kann.
Der Entscheidungsfindungsprozeß kann bei Genossenschaften manchmal lange dauern. Wie sehen Sie diesen Umstand aus betriebswirtschaftlicher Sicht?
Natürlich sind Genossenschaften bei strategischen Entscheidungen vergleichsweise langsam. Es muss mühsam ein Konsens unter den Mitgliedern erarbeitet werden. Das kann aber auch ein Vorteil sein. Wenn Entscheidungen einmal getroffen werden, dann werden diese von den Mitgliedern auch mit getragen. Die Reibungsverluste und Schwierigkeiten bei der konkreten Umsetzung von Entscheidungen sind dann oft viel geringer. Für die Führungskräfte einer Genossenschaft bedeutet das, dass eine fundierte Vorbereitung von Entscheidungen und die

genossenschaften
Besuch aus Malaysia
Überzeugungsarbeit bei den Mitgliedern mindestens genauso wichtig sind wie das operative Management.
Die Obstgenossenschaften gelten als sehr innovativ. Werden Genossenschaften auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb überleben?
Die Globalisierung macht auch vor der Obstwirtschaft nicht halt. Langfristig wird die Konkurrenz aus dem Ausland sicher weiter zunehmen. Unsere Obstgenossenschaften haben darauf reagiert und arbeiten immer stärker zusammen. Derzeit betrifft das hauptsächlich die Vermarktung der Äpfel und die Verarbeitung des Fallobstes. Entscheidend wird aber sein den Südtiroler Apfel vom Weltmarktapfel abzuheben und das Profil als einen gesunder „Alpenapfel“ weiter zu stärken, denn auf reinen Preiswettbewerb sollten wir uns keinesfalls einlassen.
Wie wird das Vermarktungsjahr 2013 für landwirtschaftliche Produkte aus Südtirol?
Die kommende Vermarktungssaison im Obstbau sollte positiv verlaufen. Die Milchwirtschaft erwartet für 2013 keine große Veränderung, also stabile Preise. Die Weinwirtschaft schließlich hat heuer eine durchschnittliche Ernte eingefahren, sowohl was die Menge als auch was die Traubenqualität betrifft. Entsprechend sind die Erwartungen bezüglich der Vermarktungssaison 2013 etwas verhaltener.
interview: stefan nicolini
Zwei Vertreterinnen des „Cooperative College of Malaysia“ machten sich kürzlich im Raiffeisenverband über das Südtiroler Genossenschaftswesen kundig. Die 1956 gegründete Hochschule „Cooperative College of Malaysia“ (CCM) ist die einzige staatliche Bildungseinrichtung des südostasiatischen Staates mit Studiengängen zum Genossenschaftswesen. Die stellvertretende Generaldirektorin Norwatim Hj Abd Latiff und die Ausbildungsleiterin Norsyeirawani bt Shari wurden bei ihrem Besuch im Raiffeisenverband von Andreas Mair am Tinkhof, Leiter der Hauptabteilung Bankwirtschaft, herzlich empfangen. Die beiden Malaysianerinnen haben an der internationalen Genossenschaftstagung an der Eurac teilgenommen. Mit dem Besuch der Vinschgauer Erzeugerorganisation VI.P beendeten die beiden Damen ihren Südtirolaufenthalt.

Norwatim Hj Abd Latiff (stellver. Generaldir. des CCM ), Andreas Mair am Tinkhof (Leiter Hauptabteilung Bankwirtschaft), Norsyeirawani bt Shari (Ausbildungsleiterin)
Georg Lun, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts der Handelskammer
„Energie der Zukunft“
Energie der Zukunft – wo lohnt es sich zu investieren? Unter diesem Motto veranstaltete der Raiffeisen InvestmentClub zwei Vortragsabende mit Fondsmanager Hannes Loacker von Raiffeisen Capital Management Wien.
Erneuerbare Energien wie Solar, Wind und Geothermie genießen ein ausgezeichnetes Image und gelten als ethisch gut vertretbar. „Trotzdem sind Anlageinvestitionen in diese Energieträger seit einigen Jahren zumeist nicht von Erfolg gekrönt, was sich langfristig gesehen aber ändern könnte“, sagte Hannes Loacker, der als Analyst auf Öl, Gas und alternative Energien in Europa spezialisiert ist. Im Vergleich zu den herkömmlichen Energieträgern weisen die Erneuerbaren Energien zwar ein deutlich stärkeres Wachstum auf, im globalen Kontext ist ihre Bedeutung aber derzeit noch gering. Weltweit gesehen sind die herkömmlichen Energieträger Öl, Gas und Kohle
weiterhin die dominierenden Energieformen. „Sie werden auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen und sind für Anleger als Investments nach wie vor interessant“, meinte Loacker. Zu den beiden Herbstveranstaltungen des Raiffeisen InvestmentClubs, die an zwei aufeinanderfolgenden Abenden stattfanden, waren 250 Mitglieder in den Unternehmenssitz von Rotho Blaas nach Kurtatsch und zur Unternehmensgruppe Leitner nach Sterzing gekommen. Vor dem Vortrag von Hannes Loacker konnten sich die Mitglieder bei den Betriebsführungen ein Bild der beiden renommierten, international tätigen Unternehmen machen.

Raiffeisen Weiterbildungskurse
Aktuelle Situation und Zukunftstrends in der Bankenwelt für Verwaltungs- und Aufsichtsräte der Raiffeisenkassen
Ausbildung Mitarbeiter im Servicebereich – Block I – 1. Teil für Mitarbeiter, die die Grundausbildung besucht haben
Grundbuch und Kataster in Openkat für Leiter der Kreditabteilung, Kreditsachbearbeiter, Mitarbeiter der Kreditabteilung, Interessierte
Wachstum und Erfolg durch Selbstcoaching für alle Interessierten, die Lust auf Selbstentwicklung und Wachstum haben
Praktische Bilanzanalyse – Basis für Firmenkundenbetreuer und Mitarbeiter aus der Kreditabteilung
Südtirols Wirtschaft – Strukturen und Besonderheiten für Führungskräfte, Kundenberater und Kundenbetreuer, Interessierte
Stammtisch für Marktleiter I für Leiter Marktbereich

Onida.
Hannes Loacker, Fondsmanager von Raiffeisen Capital Management Wien
11.01.2013 Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn
15.01.2013 Hotel Eberle/Bozen
16.01.2013 Bildungshaus Kloster Neustift/Vahrn
17.-18.01.2013 Bildungshaus Schloss Goldrain/Goldrain
22.01.2013 Hotel Eberle/Bozen
23.01.2013 Hotel Eberle/Bozen
24.01.2013 wird noch definiert
Die Umweltminister der acht Alpenländer haben Mag. Markus Reiterer zum neuen Generalsekretär der Alpenkonvention ernannt. Der österreichische Jurist und Diplomat ersetzt den bisherigen Amtsinhaber Marco Onida, der diese Tätigkeit seit dem 2007 ausübte. „Ich gratuliere und freue mich besonders, dass erstmals ein Österreicher mit dieser Funktion betraut wird“, betont Umweltminister Nikolaus Berlakovich. Der 45-jährige Jurist und Diplomat wird in dieser Funktion die Führung des Ständigen Sekretariats übernehmen und damit einen gewichtigen Beitrag zur Umsetzung der Konvention und ihrer Protokolle leisten. Zuletzt war er Leiter des Referates für internationales Umwelt- und Wirtschaftsrecht im Völkerrechtsbüro des österreichischen Außenministeriums.
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Markus Reiterer ist Nachfolger von Marco