

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Südtirols Oberschüler werden ab dem kommenden Schuljahr im Fachunterricht auch das Genossenschaftswesen als Lehrstoff behandeln. Neue Lehrmaterialien stehen bereit.
Genossenschaft in der Schule
Was ist eine Genossenschaft? Wie funktioniert sie? Welche Vorteile bringt sie? Solche Fragen werden ab dem kommenden Schuljahr auch in Südtirols Oberschulen gestellt und beantwortet werden. Ein konkretes Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Genossenschaften und Schulamt.
Bereits seit geraumer Zeit arbeitet der Raiffeisenverband Südtirol gemeinsam mit dem Genossenschaftsverband Confcooperative Bozen, dem deutschen Schulamt und dem Amt für Genossenschaftswesen an verschiedenen Initiativen, Veranstaltungen und Unterlagen zum Thema „Schule und Genossenschaft“.
Ziel der Aktivitäten ist es, die genossenschaftlichen Grundwerte und die Genossenschaft als zukunftsträchtige Unternehmensform den Lehrern und Schülern Südtirols Oberschulen nahezubringen. In der Europäischen Akademie wurde dazu Ende Mai eine
Fachtagung durchgeführt. Roberto Bizzo, Landesrat für Innovation und Genossenschaftswesen, unterstrich dabei die Rolle der schulischen Einrichtungen als Quelle der Bildung.
Kultur der Innovation
Michl Ebner, Präsident der Handelskammer, skizzierte in seinem Referat den Wirtschaftsstandort Südtirol. Nur 0,7 Prozent der Unternehmen beschäftigen mehr als 50 Mitarbeiter, 3 Prozent sind exportfähig. Ebner meinte, die neue Generation habe an Sprachkompetenz verloren. Deshalb müsse man eine Innovati-
onskultur schaffen, in der kleine Firmen brachliegende Synergien zu nutzen wissen. Alessandro Garofalo, Vizepräsident von Trentinosviluppo, erinnerte daran, dass neue Berufe einen hohen Grad an Schnelligkeit und Flexibilität voraussetzen. „Innovation entsteht aber im Chaos und kann nicht verordnet werden“, ergänzte er. Dabei lobte er das heimische Genossenschaftswesen, das den sozialen Aspekt mit dem wirtschaftlichen Denken verbinde.
Beim runden Tisch sprachen sich die drei Schulamtsleiter Peter Höllrigl, Nicoletta Minnei und Roland Verra für eine stärkere Ver-
qualittssiegel
Südtiroler Rindfleisch gefragt

Einheimisches Rindfleisch mit Qualitätszeichen bevorzugt.
Die Nachfrage nach lokal produziertem Rindfleisch liegt im Trend – auch in Südtirol. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts der Handelskammer Bozen hat erstmals die Marktchancen von Südtiroler Qualitätsrindfleisch erhoben. Insgesamt ergibt sich ein geschätztes Marktpotential für Fleisch von Rindern in Höhe von 11 Mio. Euro. Dies entspricht rund 4.200 Rindern. Verkauft wird das Südtiroler Rindfleisch mit dem Qualitätszeichen derzeit in dreizehn Metzgereien und ihren Verkaufspunkten. Ein Betrieb liefert biologische Fleischmischpakete frei Haus. „Dieses Potential ist aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, erklärt Handelskammerpräsident Michl Ebner in einer Presseaussendung.
zahnung zwischen der Welt der Schule und der Arbeit aus, die auch mit diesem Projekt verfolgt werde. Gerhard Giuliani vom Milchhof Mila wies daraufhin, dass die Milchhöfe gut ausgebildete Facharbeiter im technischen Bereich brauchen.
Auf der Tagung wurden auch erfolgreiche Genossenschaften vorgestellt. Neben Stefania Badalotti (Sozialgenossenschaft Casabimbo Tagesmutter) präsentierte Serviceberater Michael Silginer die Aktivitäten der Raiffeisenkasse Bruneck, die seit Jahren mit den Oberschulen eine gute Zusammenarbeit pflegt.
Neue Lehrmaterialien
In enger Zusammenarbeit mit dem Raiffeisenverband haben Martin Winkler und Astrid Freienstein vom Schulamt Lehrmaterialien zum Genossenschaftswesen ausgearbeitet, die im kommenden Schuljahr den Lehrkräften zur Verfügung stehen. Dazu wurde auch eine Broschüre mit den wichtigsten Inhalten produziert.

Zum Abschluss der Tagung lobten Andrea Grata, Präsident der Confcooperative Bozen und Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol, das wegweisende Projekt, auf dass das Wissen um das Genossenschaftswesen an die kommenden Generationen weiter gegeben werde.
Bozner Weinkost im Herzen der Stadt war voller Erfolg
Dieses Jahr wurden das Merkantilmuseum und das Parkhotel Laurin als Austragungsorte für die Bozner Weinkost gewählt.

Neben der Verkostung der Südtiroler Leitsorten verschiedener Jahrgänge fand heuer erstmalig die Tischverkostung „Südtirol Anteprima“ statt. Dabei wurden dem neugierigen Besucher 120 Südtiroler Spitzenweine und Fassproben vorgestellt. Zudem gab es die freie Verkostung der Südtiroler Leitsorten Weißburgunder, Sauvignon, Gewürztraminer, Vernatsch, Lagrein und Blauburgunder. Insgesamt standen dem weinkundigen Publikum an die 180 Füllungen von 50 verschiedenen Kellereien zur Verkostung bereit. Erstmals wurden die Südtiroler
Sekte, sowie die Eisacktaler Weißweine gesondert vorgestellt. „Die qualitative Entwicklung der Südtiroler Weine ist wohl das beste Beispiel, dass Tradition, Fleiß, aber auch der Blick nach vorne die besten Attribute einer gesunden Weinwirtschaft sind“, sagte Anton Zublasing, Präsident des Konsortiums Südtiroler Wein. Die Bozner Weinkost 2012 wurde vom Konsortium Südtiroler Wein und der EOS- Export Organisation Südtirol der Handelskammer Bozen mit Raiffeisen als Sponsor durchgeführt.
Runder Tisch mit Gerhard Giuliani (Mila), den drei Schulamtsleitern Peter Höllrigl, Nicoletta Minnei, Roland Verra und Massimo Cattaruzza Dorigo
Die Bozner Weinkost: jährlicher Treffpunkt für ein weinkundiges Publikum
Wie ein Fass zur Marke wird
Der Vernatsch Faß-Nr.-9 wird heuer 50 Jahre alt. Für die Kellereigenossenschaft Girlan ein willkommener Anlass, den Markenwein bei einer Vertikalverkostung zu präsentieren.
1961 kamen die Stadtväter von Villach nach Girlan, um sich für die 950-Jahresfeier einen besonderen Wein auszusuchen. Der damalige Kellermeister Valtl Spitaler suchte deshalb bei der Ernte von den Weinbergen nur die besten Trauben der ältesten Rebstöcke aus. Diese wurden getrennt verarbeitet und der Wein im weiteren Ausbau im sogenannten „Faß Nr. 9“ der Kellerei Girlan vollendet. Eine Marke war geboren – rein zufällig.
„Der Wein hat von Beginn an durch seine Qualität überzeugt. Wir haben ihn immer schon als vollwertigen Wein gesehen“, sagte Spitaler im Rückblick, der es sich bei der kleinen Feier in der Kellereigenossenschaft Girlan nicht nehmen ließ, die Geschichte der Entwicklung des Vernatsch aufzuzeigen. Seit 1961 wurde der Qualitätswein Vernatsch FassNr.-9 nur 37 Mal abgefüllt. Ausgehend vom jüngsten Jahrgang ging die Reise in die Vergangenheit bis ins Jahr 1976. Der älteste Vernatsch überraschte sogar den derzeitigen Kellermeister Gerhard Kofler durch eine gute Balance zwischen Säure und Fruchtigkeit und einer jugendlichen Frische. „Ein Beweis mehr, dass nicht nur in Terlan langlebige Weine gedeihen“, meinte er.
Obmann Helmut Meraner nutzte die Gelegenheit, den Gästen die Kellerei zu zeigen, die in den letzten Jahren renoviert wurde. So

Die Weinbauern, die die Qualität des Faß-Nr.-9 bestimmen, waren ebenso geladen.
wurde u. a. eine neue Traubenannahme-Station, ein funktioneller Pressraum, ein neuer Gärkeller gebaut, das Flaschenlager wurde erweitert und die Fassade erneuert. „Die Verwendung erdiger Farbtöne integriert das Bauwerk in die gewachsene Dorfstruktur und

Die Kellereigenossenschaft Girlan, von der Westseite gesehen, ein gelungener Umbau nach modernen architektonischen Kriterien.
trägt zur stimmigen Einbindung in die Kulturlandschaft bei“, sagte Architekt Johann Vonmetz. Derzeit zählt die Kellerei 200 Mitglieder, mit einer Fläche von 220 Hektar, in den besten Lagen des Überetsch und Unterlands.

Valtl Spitaler, ehemaliger Kellermeister der Kellereigenossenschaft Girlan und Erfinder des Faß-Nr.-9.
„Die
Inflation wird steigen!“
Darüber waren sich die international anerkannten Finanzexperten einig, die auf Einladung der AlpenBank in die Europäische Akademie gekommen waren, um mögliche Ausstiegsszenarien Italiens aus dem Euro zu diskutieren.

„Das Besondere ist“, meinte Michael Atzwanger, Vorstand der AlpenBank, im vollbesetzten Saal, „dass wir vier Krisen gleichzeitig erleben.“ Neben der Wirtschafts- und Bankenkrise steigt die Staatsverschuldung und mit Griechenland ist der Euro in Gefahr. Phillip Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch in Köln, skizzierte ein eher düsteres Bild der Zukunft. Italien werde im Jahr 2014 keinen ausgeglichenen Haushalt präsentieren können, da die Staatsschulden nicht in den Griff gebracht werden und die italienische Volkswirtschaft nicht wettbewerbsfähig ist.
Vorndran meinte, die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs Italiens aus der Eurozone liege bei 30 Prozent. Das wahrscheinlichste Szenario liegt in der steigenden Inflation, die den immensen Schuldenberg abbauen kann.
Claudio Picozza, Experte für Volks- und Währungstransaktionen in Rom, forderte eine pragmatischere Sichtweise. Europa würde einen Austritt Griechenlands durchaus verkraften, keinesfalls jedoch das Ausscheren Italiens. Weder ein Europa der zwei Geschwindigkeiten noch eine Rückkehr zu den einzelnen Nationalwährungen sei ein gang-
Michael Atzwanger, Vorstand der AlpenBank, Claudio Picozza, Experte für Volks- und Währungstransaktionen in Rom, Phillip Vorndran, Kapitalmarktstratege in Köln
verwaltungsrat
Mila und Senni fassen Beschluss
barer Weg, meinte Picozza. Die Politik sei gefordert, konkrete Lösungen umzusetzen, um das Vertrauen in Europa als Investitionsplatz zu stärken. Picozza sprach sich in diesem Zusammenhang für die Schaffung von Eurobonds aus.
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit nach der Veranstaltung beim Buffet den Meinungsaustausch zu vertiefen.

Auf der letzten Sitzung haben die Verwaltungsräte der Milchhöfe von Bruneck (Senni) und Bozen (Mila) den Entwurf des Statutes der neuen Genossenschaft einstimmig gut geheißen. Damit steht einer Fusion der beiden Milchhöfe, die bisher ihre Kooperation im Konsortium Milkon getätigt haben, nichts mehr im Wege. Die außerordentlichen Vollversammlungen, auf denen die Mitglieder der Genossenschaften abstimmen, werden am 19. September in Bruneck und am 25. September in Terlan stattfinden. Die neue Genossenschaft soll die Bezeichnung „Bergmilch Südtirol“ und nicht wie ursprünglich geplant „Südtirol Milch“ tragen.
Fotos: AlpenBank
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
Großes Interesse von Seiten der privaten Anleger für dieses Thema.