

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Rund 500 Gäste, darunter 300 Mitglieder, feierten Mitte Mai die gelungene Neugestaltung der Kellerei Schreckbichl in Girlan.
Kellerei Schreckbichl setzt auf
Innovation und Nachhaltigkeit
Naturnahes Arbeiten im Weinberg, schonende Herstellungsverfahren, Klimaschutz und besondere Architektur –mit einem Konzept der Nachhaltigkeit baut die Kellerei Schreckbichl ihren Erfolg weiter aus.
Vom innovativen Gesamtkonzept konnten sich Mitte Mai rund 500 Gäste, darunter 300 Mitglieder und zahlreiche Ehrengäste, bei der Eröffnung der neugestalteten Kellerei überzeugen. Obmann Max Niedermayr verwies auf den Qualitätskurs, den die Kellerei vor 30 Jahren als eine der ersten Kellereien Südtirols eingeschlagen habe. Dieser Weg wurde bis heute um wichtige Bereiche wie naturnahes Arbeiten im Weinberg, Ökologie in der Kellerwirtschaft und Energieeffizienz vervollständigt. Architekturelemente aus Holz und Metall sowie die Grünbepflanzung des Au -
ßenbereichs spiegeln die Philosophie einer umweltschonenden und nachhaltigen Produktionsweise der Kellerei wider. Landeshauptmann Luis Durnwalder hob besonders die Leistungen des langjährigen Obmannes und Geschäftsführers Luis Raifer hervor, der den Weg der Nachhaltigkeit vor Jahrzehnten eingeschlagen habe. Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, lobte die Vorreiterrolle der Kellerei Schreckbichl und bezeichnete die Weinwirtschaft an sich als Beispiel dafür, wie man aus eigener Kraft aus einer Krise eine Chance machen kann.
Vom Weinberg bis zur Flasche
„Die Menschen trinken heute weniger, aber besseren Wein und dazu gehört auch Authentizität in der Herstellung vom Weinberg bis zur Kellerwirtschaft“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Raifer. Darauf hat die Kellerei in der zweijährigen Umbauphase besonderen Wert gelegt, denn Ziel sei es, die Qualität der Traube eins zu eins vom Weinberg in die Flasche zu bekommen. Ein wichtiger Schritt dahin wurde mit der neuen Traubenannahmestelle getan. „Diese ermöglicht es, die Trau-
vorsorge
Unfälle verhüten durch gute Information
Im Grand Hotel in Toblach fand am Ende April eine vielbeachtete Tagung statt, an der hundert Teilnehmer aus Italien, Österreich und Deutschland teilnahmen. Hintergrund der Veranstaltung war der durch einen technischen Defekt in der Termoölanlage verursachte Brand im Fernheizwerk Toblach-Innichen. Die Verantwortlichen des Fernheizwerkes hatten sich gemeinsam mit dem Südtiroler Energieverband entschlossen, den Unfall mit Fachleuten im Rahmen einer Tagung öffentlich und transparent zu diskutieren und die Ergebnisse damit sowohl allen Betreibern von Thermoölanlagen als auch allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen. Um Brände in Zukunft zu verhindern, plant der Südtiroler Energieverband einen verstärkten Informationsaustausch zwischen Anlagenbauern, Planern, Sicherheitsexperten und Fernheizwerkbetreibern.
ben allein mit Schwerkraft zu den Verarbeitungsanlagen zu befördern“, sagte Kellermeister Martin Lemayr bei der Feier. Dies schone die Beeren und spare Energie. Dazu kommt die Planung von kurzen Wegen, die möglichst schonende Weinverarbeitung gewährleisten und gleichzeitig für das Energiekonzept von Bedeutung sind.
Nachhaltiges Energiekonzept
„Wir haben ein in der Südtiroler Weinwirtschaft bisher einzigartiges Energiekonzept entwickelt“, erklärte Wolfgang Raifer nicht ohne Stolz. Dieses Energiekonzept ermöglicht nämlich für den gesamten Betrieb eine jährliche Einsparung von 177 Tonnen CO2-Ausstoß, was in etwa dem Heizvolumen von 60 Haushalten im Jahr entspricht. Möglich wird dies durch ein ausgeklügeltes System, das nicht nur die Sonnenenergie zur Strom- und Wärmeproduktion nutzt, sondern auch die Abwärme aller Produktionsanlagen im Betrieb wieder in den Energie-

Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, am Rednerpult Landeshauptmann Luis Durnwalder.
kreislauf zurückführt. Die Kellerei kann damit ein Viertel ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen und durch Wärmerückgewinnung beziehen.
Kornspeicher für eine sichere Zukunft in Äthiopien
Der Raiffeisenverband beteiligt sich an dem Projekt der Caritas und finanziert den Bau eines Getreidespeichers in Äthiopien. Damit soll dort das Genossenschaftswesen aufgebaut und gestärkt werden.
Die Diözese Meki in Äthiopien ist seit Jahren Partner der Caritas Diözese. Sie setzt sich u. a. für den Bau von Getreidespeicher ein. „Die Speicher sind das einzige gemauerte Gebäude im Umkreis. Sie verbessern die Lebenssituation der Menschen der gesamten Region“, sagte Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler. Denn dadurch können Bauern ihre Ernte einlagern und zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewinn zu verkaufen. 30 Prozent der Gewinne

Heiner Nicolussi Leck, (Obmann RVS) CaritasDirektor Heiner Schweigkofler.
behält die neu gegründete Genossenschaft ein, 70 Prozent bekommen die Bauern selbst. Bisher mussten sie ihr Korn zu Schleuderpreisen an Zwischenhändler verkaufen, um es Monate später als Nahrung überteuert zurückzukaufen. „Die äthiopischen Bauern leben heute in vergleichbaren Verhältnissen wie die Tiroler Bauern vor 150 Jahren als es bei uns noch keine Genossenschaften gab“, sagt Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, bei der Geschäftsführertagung im Raiffeisenhaus, bei der Bischof Abraham Desta aus Meki für das Projekt warb. „Sie helfen uns zur Selbsthilfe“, bedankte sich der Bischof im Voraus.
Kleinkredite wichtig
Die Genossenschaften in Meki dienen nicht nur der gemeinsamen Vermarktung. Sie stellen auch Kleinkredite zur Verfügung, die für Saatgut und Dünger, aber auch für andere Einnahmequellen wie Ziegen, Rinder, Gemüseanbau, Obstbäume oder Bienenzucht genutzt werden. Das stärkt auch die lokale Wirtschaft. Die Raiffeisenkassen und die landwirtschaftlichen Verbände werden die Finanzierung eines Getreidespeichers im Wert von 45.000 Euro übernehmen.
Im Bild (v.l.): Judith Hafner (Caritas Auslandsarbeit), Paul Gasser, (Generaldirektor RVS), Bischof Abraham Desta,
Bürger unterstützen Bauern
Der Förderverein Ethical Banking hat ein in Südtirol neuartiges Projekt gestartet. Bürger können sich aktiv bei der Finanzierung des Moserhofes im Ahrntal beteiligen und erhalten dafür Naturalien.

Der Moserhof in Steinhaus im Ahrntal wird in der fünften Generation von der Familie Oberhollenzer bewirtschaftet. Heute umfasst der Betrieb 13,5 ha Wiesen, etwas Heimweide und zwei Almen. Der Bioland-Bauer Michael Oberhollenzer und seine Familie haben in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Ethical Banking ein landwirtschaftliches Projekt mit einer neuartigen Finanzierung ins Leben gerufen: Konsumenten können ihr Spargeld in sogenannte „Genussrechte“ investieren: Private bringen bis zu 2000 Euro, Betriebe und Vereine bis zu 5000 Euro ein. Dafür erhalten sie jährlich einen Zins von 5 Prozent, der nicht in Form von Geld, sondern in Lebensmitteln ausbezahlt wird. Das können Kartoffeln, Schafskäse, Schaf- oder Kitzfleisch, Eier, Butter, aber auch Brennholz sein.
Direktvermarktung wichtig
„Damit kann der Bauernhof relativ unbürokratisch seine Projekte finanzieren, und der Anleger einen relativ hohen Zinssatz kassieren“, meinte Helmut Bachmayr, Präsident des Fördervereins Ethical Banking in Bozen, der sich seit Jahren für die Finanzierung ethisch wertvoller Projekte nicht nur in Südtirol einsetzt.
Für Michael Oberhollenzer, der im Vorjahr zum Präsidenten von Bioland Südtirol gewählt wurde, ist diese neue Form der Finanzierung richtungsweisend. „Auf diese Art und Weise wird der Zwischen-
handel ausgeschaltet und können freundschaftliche Beziehungen geknüpft werden, mit jenen Menschen, die unsere Projekte unterstützen, so dass am Ende beide voneinander lernen können“, sagt Oberhollenzer. Er will einen Zubau und Auslauf für den Schweinestall bauen, die Melkanlage erneuern, eine eigene Hofkäserei und ein Heulager errichten und seine Produkte in einem Hofladen samt Verkostungsraum anbieten. Dafür benötigt er ca. 500.000 Euro. Seit der Präsentation des Projektes im Rahmen einer Pressekonferenz in Bozen haben sich 50 Interessierte gemeldet, knapp die Hälfte der Menschen haben ihr Geld bereits investiert.

finanzprojekt
Ethical Banking jetzt auch in Österreich
Ende April wurde in Micheldorf bei Gmunden in Oberösterreich ein Spar- und Finanzprojekt vorgestellt, das gemeinsam mit dem Förderverein Ethical Banking der Raiffeisenkasse Bozen erarbeitet wurde. Mit dem „MehrWertGeld“ soll ein eigener Markt geschaffen werden, an dem sich Sparer und Kreditnehmer beteiligen. Die Kredithöhe und der Zinssatz werden unabhängig von den Geld- und Kapitalmärkten allein durch die Einlagen der Sparer bestimmt. In Südtirol bieten 22 Raiffeisenkassen ihren Kunden das Sparund Finanzmodell Ethical Banking seit 12 Jahren an. Nun soll dieses Modell auch in Österreich Schule machen.
Am Moserhof im Ahrntal können Menschen ihr Geld in Projekte investieren, die das Wirtschaften sicherstellen und erleichtern.
Michael Oberhollenzer, Präsident von Bioland Südtirol, beim Melken der Schafe.
Neuer Gesundheitsfonds entsteht in Südtirol
Die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaftsbünde Südtirols haben
Ende April ein Abkommen zur Errichtung eines territorialen, ergänzenden Gesundheitsfonds unterzeichnet.
Die Sozialpartner waren sich auf der Pressekonferenz in Bozen einig: Ein lokaler Gesundheitsfonds ist kostensparender und bürgernäher als ein gesamtstaatlicher; er könne Leistungen bieten, die besser auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmt sind und über den bereits bestehenden Standard hinausgehen. „Mit dem Gesundheitsfonds möchten wir ein starkes Signal setzen“, sagte Christof Oberrauch, Präsident des Südtiroler Wirtschaftsringes. Eine Zielsetzung des territorialen Gesundheitsfonds sei es, die von den Kollektivverträgen vorgesehenen Beitragsleistungen statt den kollektivvertraglichen Fonds auf gesamtstaatlicher Ebene einer Südtiroler Einrichtung zukommen zu lassen. Diesbezüglich begrüßen die Sozialpartner eine Zusammenarbeit mit Pensplan als operativem Partner. „Es geht auch darum, die finanziellen Ressourcen im eigenen Land zu behalten“,

Vertreter der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaftsbünde präsentierten im Raiffeisenhaus den neuen Gesundheitsfonds.
sagte Christian Tanner, Personalleiter und Vizedirektor im Raiffeisenverband. Alfred Ebner von der Gewerkschaft CGIL hob in seinem Statement den gemeinsamen Willen und Einsatz der Sozialpartner hervor.
Eine Wirtschaft des Teilens
Bei der Pressekonferenz vergangener Woche im Landhaus wurde ein Projekt vorgestellt, welches das Genossenschaftswesen im schulischen Allltag verankern will.
Jeder fünfte Südtiroler ist Mitglied einer Genossenschaft. Laut Landesrat Roberto Bizzo ist es Ziel des Projektes mit dem Titel „Schule – Bildung – Genossenschaften“, die Ausbildung von zukünftigen Managern und Managerinnen des Genossenschaftswesens zu ermöglichen, die eine Wirtschaft des Teilens vertreten. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Land, dem Schulamt, der Confcooperative und dem Raiffeisenverband zielt darauf ab, das Geschäftsmodell der Genossenschaft den Schülerinnen und Schülern nahezubringen. An den Fachoberschulen und an den landwirtschaftlichen Oberschulen sowie bei Betriebsbesichtigungen werden den
Schülern theoretische und praktische Kenntnisse im Genossenschaftswesen vermittelt, sagte Eva Maria Brunnbauer, Inspektorin für die Grund- und Sekundarschule. RVS-Obmann Heiner Nicolussi-Leck meinte, das internationale Jahr der Genossenschaften sei ideal, um die Zusammenarbeit zu institutionalisieren. „Eines der Ziele ist es, den Schülern die wesentlichen Unterschiede zwischen der Genossenschaft und anderen Gesellschaftsformen wie Kapital- und Personengesellschaften aufzuzeigen“, ergänzte er. Zu diesem Thema findet am Donnerstag, dem 24. Mai, in der Eurac in Bozen ein Symposion statt.

Vollversammlung
Der Raiffeisenverband Südtirol lädt alle Mitgliedsgenossenschaften zur ordentlichen Vollversammlung
am Freitag, 15. Juni 2012, mit Beginn um 9.30 Uhr im Raiffeisenhaus in Bozen
Programm
A) Interner Teil – Beginn 9.30 Uhr
• Vorlage der Bilanz zum 31.12.2011 und der Bilanzberichte und Beschlussfassung darüber; Vorlage der konsolidierten Bilanz
• Beauftragung einer Revisionsgesellschaft für die Durchführung der gesetzlichen Rechnungsprüfung
• Neuwahl des Verwaltungs- und Aufsichtsrates
• Festlegung der Vergütungen für den Verwaltungs- und Aufsichtsrat
• Beschlussfassung betreffend Abschluss von Versicherungspolizzen zugunsten der Verwaltungs- und Aufsichtsräte
• Ernennung des Schlichtungskollegiums lt. Art. 37 des Statuts
B) Öffentlicher Teil – Beginn 11 Uhr
• Begrüßung der Ehrengäste
• Bericht des Verbandsobmannes; Bericht des Generaldirektors
• Grußworte der Ehrengäste
• Vorführung des Films: „Der dritte Weg. Die Genossenschaft – ein Geschäftsmodell mit Zukunft“
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)