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Raiffeisen Nachrichten 16/2017

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Raiffeisen Mitteilungen

des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Irene Tomedi von der neu gegründeten Genossenschaft Europäische Textilakademie bei der Konservierung einer historischen Bozner Fahne

Kompetenzzentrum für Textilien

Stoffe, Tücher und Gewebe sind heute so selbstverständlich, dass sich kaum jemand mehr Gedanken darüber macht. Zu Unrecht, meinen Irene Tomedi und Richard Vill von der neuen Genossenschaft Europäische Textilakademie. von irene schlechtleitner

Richard Vill und Irene Tomedi haben vor rund einem Jahr zusammen mit anderen Experten aus der Textilbranche die Genossenschaft Europäische Textilakademie gegründet und es sich zum Ziel gemacht, das Bewusstsein für das Textilwesen zu schärfen.

Die Welt der Textilien spannt sich von der handwerklichen Produktion von Stoffen aus Naturfasern zu industriell gefertigten Materialien über die Konservierung von historischen Textilien bis hin zur Erforschung von neuen Geweben und deren Verwendung. All diese Bereiche sind in der Europäischen Textilakademie vertreten. „Uns geht es um die Förderung des textilen Handwerks und Ge-

werbes im weitesten Sinne“, betont Irene Tomedi, international anerkannte Koryphäe für historische Textilien und Verwaltungsrätin der neu gegründeten Genossenschaft. Richard Vill, Südtiroler Modedesigner, ist der Präsident. Beiden war es wichtig, auch jene ins Boot zu holen, die über textiles Handwerk schreiben, publizieren oder Forschungen betreiben, also „geistige Güter im Bereich Textilien produzieren“, wie Vill sagt.

Internationales Netzwerk

Mit der Gründung der Europäischen Textilakademie ist ein internationales Netzwerk

entstanden, das eine Vielfalt an Kompetenzen im Textilbereich zusammenschließt. Das macht diese Genossenschaft einzigartig in ganz Europa. Dass der Sitz der Genossenschaft in Bozen liegt, ist kein Zufall. Die Herstellung und Verarbeitung von Textilien haben in Südtirol eine lange Tradition. Besonders eindrücklich wird das in der von Tomedi und Vill kuratierten Ausstellung „Samt und Seide 1000–1914“ gezeigt. Die Ausstellung läuft noch bis Oktober und gibt an zehn Ausstellungsplätzen in Südtirol, Tirol und Trentino Einblick in die lokale Textilgeschichte: „Für fast 180 Jahre war die Samt- und Seidenproduktion im Gebiet zwischen Trentino,

Süd- und Nordtirol nahezu der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Seidenraupenzucht und Seidenverarbeitung kam gleich nach dem Viehhandel und noch vor dem Handel mit Holz“, erklärt Vill.

Über die Organisation von Aus- und Weiterbildungen und entsprechende Veranstaltungen soll das Bewusstsein für das textile Handwerk und Gewerbe gefördert werden, und zwar nicht nur in Südtirol. Künftig möchte die Genossenschaft auch Ausstellungen im Ausland organisieren und enger mit ausländischen Netzwerkpartnern zusammenarbeiten. Vill zufolge war die Entscheidung, den Sitz der Akademie nach Bozen zu verlegen, naheliegend: „Wir haben uns für Bozen entschieden, da wir bereits zwei Sprachen sprechen und auch die Standortmöglichkeiten sensationell sind“. Zahlreiche Kompetenzen im internationalen Textil-Netzwerk stammen aus Südtirol: die Konservierung von historischen Geweben, das Wissen über Naturtextilien wie Hanf und Leinen. „Diese Textilien kamen schon immer in der Region vor und werden derzeit intensiv erforscht“, betont Vill, selbst Experte für Leinenstoffe. Die Expertise zu Trachtenhistorie und den daraus resultierenden Nebensparten, wie beispielsweise die Federkielstickerei, kommen ebenfalls aus Südtirol.

Zukunftsfeld Textilarchitektur

Die Textilarchitektur hingegen ist ein relativ neuer Zweig im Textilbereich. Ihr Ursprung geht auf die Entwicklung des Olympiadaches von München im Jahr 1972 zurück. Das aus mineralischen Fasern hergestellte

geschwungene Dach war das erste Projekt seiner Art. Mittlerweile hat sich die Textilarchitektur, vor allem in den nördlichen Ländern wie Schweden, Norwegen und Russland, aber auch in Frankreich, Belgien, Deutschland und Österreich weiterentwickelt. Der große Vorteil von textilen Konstruktionen ist ihre Nachhaltigkeit: Sie können jederzeit auf- und abgebaut und weiter verwendet werden. „In Italien ist dieser Zweig jedoch noch kaum ausgeprägt“, erklärt Irene Tomedi. Mit der Integration der Textilarchitektur hat die Genossenschaft ihre Möglichkeiten beträchtlich erweitert.

Transparente Zertifizierung

Ein wichtiges Ziel der Europäischen Textilakademie ist die Entwicklung eines transparenten, europäischen Zertifizierungssystems für Textilien. „Derzeit gibt es eine Vielzahl von Zertifizierungen, die jedoch alle etwas ausblenden. Viele Dinge bleiben für Konsumenten nicht nachvollziehbar“, ist Vill über-

Richard Vill, Südtiroler Modedesigner und der Präsident der Genossenschaft Europäische Textilakademie

zeugt. So fehlten meist die Angaben über die Art der verwendeten Fasern, der Stoffbehandlung und -produktion, Informationen über verwendete Herbizide, Pestizide, Färbemittel oder Angaben zum Ursprung des Rohmaterials, den Transportwegen oder Hinweise zu Kinderarbeit. Außerdem gäbe es bisher noch keine Zertifizierung, die den CO2-Ausstoß mitberücksichtigt. Genau das möchte die Europäische Textilakademie auf europäischer Ebene erreichen und damit einen wesentlichen Betrag zur Textilökologie leisten. „Wir müssen endlich unterscheiden lernen zwischen Kostenwirklichkeit und Kostenwahrheit“, betont Vill.

Das Textilwesen ist komplex, auch die Erforschung neuer Textilien und Fasern ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Genossenschaft zufolge werden derzeit lediglich fünf Prozent der möglichen Naturfasern genützt. Dies macht die Arbeit der Europäischen Textilakademie spannend, denn an neuen Tätigkeitsfeldern wird es auch in Zukunft nicht fehlen.

Tolle Angebote für Kinder und Jugendliche

Die GRW Wipptal-Eisacktal hat im Sommer zwei erfolgreiche Projekte für Kinder und Jugendliche organisiert.

Bereits zum siebten Mal hat die Genossenschaft für Regionalentwicklung und Weiterbildung GRW Wipptal-Eisacktal heuer das Projekt „Heute beginnt meine Zukunft 2017 –Berufsfindung für Mittelschüler“ organisiert. Primäres Ziel war es, den Mittelschülern Einblick in die Berufswelt zu geben. Dabei hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich zwischen verschiedenen Themenwochen zu entscheiden. Das Berufsfindungsprojekt soll den Mittelschülern die Chance geben, sich rechtzeitig Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Insgesamt haben 80 Schüler an den

Berufsfindungswochen teilgenommen. Ebenfalls rund 80 Kinder – zwischen 6 und 15 Jahren – haben hingegen an den Sommererlebniswochen teilgenommen. Geboten wurden neben einer „Sportwoche“, auch eine „Action & Fun – Naturerlebniswoche“, eine „Holzwoche – Schnitzen mit dem Taschenmesser“, ein „Wildniscamp – wilde Zeiten im Wald“ und ein „Wildniscamp für alte Hasen“.

Das Angebot wurde auf Kinder und Jugendliche im Grund- und Mittelschulalter abgestimmt und das Hauptaugenmerk auf die Natur und deren Möglichkeiten gelegt. Voll dabei: Teilnehmer an den Erlebniswochen

Obstverarbeitungsbetrieb VOG Products feiert 50 Jahre

Unter dem Motto „Herkunft trifft Zukunft“ feierte VOG Products am 1. September das

50. Gründungsjubiläum – mit Mitarbeitern, Mitgliedern, Ehrengästen und Kunden.

Nach der Besichtigung eines neuen Tanklagers für Apfelfrischsaft ließ Obmann Franz Varesco bei der Feier am Sitz in Leifers die Geschichte des 1967 von über 30 Obstgenossenschaften gegründeten Obstverarbeitungsbetriebes Revue passieren. Er erinnerte u. a. an seine Vorgänger Willy Visintin, Gründungsobmann, und Josef Gamper Krautsamer.

Exportquote von 90 Prozent

Wurden anfangs noch 3500 Tonnen Äpfel verarbeitet, sind es heute über 350.000 Tonnen Äpfel aus Südtirol und dem Trentino. „VOG Products ist heute ein stabiles, innovatives und internationales Unternehmen mit einer Exportquote von über 90 Prozent“, sagte Varesco, der sich beim Vorstand und Aufsichtsrat, bei der Mitarbeiterschaft, bei den Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie bei den angereisten Kunden für die gute Zusammenarbeit bedankte. Einen Dank richtete Varesco an die Vertreter von VOG, Vi.P, Melinda und La Trentina. Die vier Erzeugerorganisationen bilden mit den Obstproduzenten aus Südtirol und dem Trentino die Grundlage des Obstverarbeitungsbetriebes. Varescos Dank galt ebenso dem Verband der italienischen Apfelproduzenten Assomela.

Technisch auf hohem Niveau

Geschäftsführer Klaus Gasser erläuterte die technische Entwicklung des Betriebes von der ersten Apfelschälmaschine bis hin zu den Investitionen in Produktsicherheit und Automatisierung. „Wir

VOG-Obmann Franz Varesco, Moderator Pietro Polidori und Geschäftsführer Klaus Gasser mit den Geehrten Matthias Josef Gamper, Erwin Bologna, Gottfried Raffeiner, Renato Riddo und Karl Ungerer

sind technisch auf hohem Niveau“, sagte Gasser und zeigte anhand einer 3-D-Brille, wie sich VOG Products heute die Möglichkeiten der „Virtual reality“ zunutze macht. Die hohe Innovationsfähigkeit des Betriebes lobte auch Landesrat Arnold Schuler, während Altlandeshauptmann Luis Durnwalder die Bedeutung des Betriebes für das Südtiroler Image im Ausland hervorhob, der Bürgermeister von Leifers, Christian Bianchi, VOG Products als einen der wichtigsten Leiferer Betriebe bezeichnete und Raiffeisenverband-Obmann Herbert Von Leon auf die genossenschaftliche Unternehmensform des Betriebes als einen der Erfolgsfaktoren verwies.

Am Erfolg von VOG Products mitgearbeitet haben auch der ehemalige Aufsichtsrat und langjährige Aufsichtsratsobmann Erwin Bologna, die ehemaligen Verwaltungsräte Gottfried Raffeiner und Karl Ungerer und das ehemalige Kontrollausschussmitglied Renato Riddo. Obmann Varesco zeichnete sie bei der Feier ebenso wie den langjährigen Obmann des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften, Matthias Josef Gamper, mit einer Ehrenurkunde und Ehrennadel aus.

Der ehemalige Chefredakteur der Südtiroler Wirtschaftszeitung, Robert Weissensteiner, stellte bei der Feier die von ihm verfasste Broschüre zum 50. Geburtstag von VOG Products vor, in der Geschichte, Entwicklung und Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden.

Der Dekan von Leifers und Branzoll, Walter Visintainer, segnete den Betrieb, der heute ein rund sieben Hektar großes Werksgelände umfasst.

kellerei kurtatsch

Merlot und Cabernet

Der Klimawandel beschäftigt die Weinwirtschaft immer mehr. „Wir setzen uns seit Jahren im Rahmen einer Sorten-Lagen-Analyse intensiv damit auseinander“, betont Andreas Kofler, Obmann der Kellerei Kurtatsch. Entsprechend setzt die Kellerei in ihren tieferen Lagen vermehrt auf wärmeliebende Bordeauxsorten wie Merlot und Cabernet. Bordeauxsorten laufen bei Wärme zu Höchstform auf. „Die nach Südosten ausgerichteten, steilen und wärmsten Lagen in Kurtatsch eignen sich ideal für die internationalen Edelsorten“, sagt Kofler. Zudem weisen die Böden eine ähnliche Beschaffenheit wie jene in den berühmten Bordeauxanbaugebieten von Pomerol und Medoc auf. Bis 2027 will die Kellerei die Anbaufläche der Bordeauxsorten Merlot und Cabernet um ein Drittel – von derzeit 14,5 Hektar auf rund 20 Hektar – und die jährliche Produktion von 110.000 auf 145.000 Flaschen erhöhen. Gleichzeitig soll der Export ausgebaut werden. Strategie der Kellerei ist es, sich international als Spitzenproduzent im Rotweinbereich zu positionieren.

Die Kellerei Kurtatsch setzt auf Bordeauxsorten.

20 Jahre gelebte Sozialpartnerschaft

Vor genau 20 Jahren wurde der Wechselseitige Krankenbeistandsverein (WKV) der Raiffeisen-Geldorganisation gegründet. Zum Jubiläum gab es eine Feier auf Schloss Sigmundskron.

Zur 20-Jahr-Feier waren rund 250 Mitglieder nach Schloss Sigmundskron gekommen. Dort konnte WKV-Vorsitzender Christian Tanner auf die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins zurückblicken und hob dabei unter anderem die große Bedeutung der Sozialpartnerschaft einmal mehr hervor.

Die Gründung des WKV ist im Nationalen Kollektivvertrag der Raiffeisenkassen verankert. Ein spezifisches Abkommen vom 21. Dezember 1993 sieht vor, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam einen Sanitätsfonds bilden und diesen jährlich mit entsprechenden Mitteln ausstatten sollen. Am 23. Dezember 1997 setzten die Vertreter der Gewerkschaften, des Raiffeisenverbandes und der Raiffeisen-Landesbank die Vorgaben um und gründeten in Bozen den Wechselseitigen Krankenbeistandsverein (WKV). Seit damals können alle Raiffeisen-Mitarbeiter Mitglied im WKV werden und die gebotenen Leistungen ergänzend zur öffentlichen Gesundheitsvorsorge nutzen.

In Zahlen ausgedrückt sind das über 1,5 Mio. Euro an direkter Schadensvergütung und Versicherungsleistungen für alle stationären Behandlungen und privaten Kliniken, an die mittlerweile knapp 2400 Mitglieder und ebenso viele leistungsberechtigte Familienmitglieder. Im Jahr 2016

wurden erstmals auch Auszahlungen für die Pflegeversicherung (Long Term Care) getätigt.

Das Besondere am Wechselseitigen Krankenbeistandsverein der Raiffeisen-Geldorganisation ist, dass dessen Leistungen autonom in Südtirol verwaltet werden.

Markterkundung trägt erste Früchte

Die Exportgenossenschaft CCS Intersales aus Bozen hat die Absatzchancen für Äpfel aus Südtirol in einigen lateinamerikanischen Märkten untersucht.

Die Markterkundung wurde im Auftrag des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften VOG gemacht. Nachdem in Kolumbien einige Kunden ihr Interesse bekundet hatten, wurden im Frühjahr erste Container mit Südtiroler Äpfeln versendet. Die Aussichten auf regelmäßige Lieferungen mit Beginn der neuen Saison im September seien vielversprechend, heißt es in einer Presseaussendung der Genossenschaft. Mit einer Durchschnittsmenge von rund 100.000 Tonnen ist Kolumbien nach Brasilien das zweitgrößte Apfel-Importland in Südameri-

ka. Äpfel werden kaum angebaut, dafür gilt Kolumbien neben Äthiopien als Herkunftsland für einige der besten Kaffee der Welt.

CCS Intersales mit Sitz in Bozen bietet Unternehmen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen auch im Ausland vermarkten möchten, tatkräftige Unterstützung bei der Erschließung der Weltmärkte. Die Genossenschaft CCS Intersales, die Mitglied im Raiffeisenverband ist, verfügt in ganz Lateinamerika über sehr gute Kontakte zu Importeuren und Einzelhandelsketten.

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck

Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13. 4. 1984, Nr. 13/84

Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni

(Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs.unternehmenskommunikation@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)

CCS Intersales unterstützt Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte.

Raiffeisen Nachrichten Mehr Informationen aus dem Raiffeisen Genossenschaftswesen:
WKV-Vorsitzender Christian Tanner (Mitte) mit einigen der Vorstandsmitglieder bei der Feier auf Schloss Sigmundskron

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