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risControl Das Nachrichtenmagazin für Versicherungs- und Finanzinformation Nr. 08 - 2020 | Heft 492 | 41. Jahrgang

„Wir wurden als Letzter beliefert“ Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich im exklusiven Interview

Lebe wohl Gesundheit ist keine Glückssache. Sie ist ein Produkt von Lebensführung und gesunder Ernährung. Und dann ist es doch wieder Glück. von Mag. Christian Sec

CareCompany „made in Austria“ Interview mit Europ Assistance CEO Besim Akinci & Kevin Radinger, Leiter des Vertriebes

Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben Schon Oscar Wilde wusste, das Gesundheit das wichtigste Gut ist. Lesen Sie in dieser Ausgabe über Gesundheit, wie man diese erhalten kann und wie man für den Ruhestand vorsorgt.


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13 EURO Was bekommt man für 13 Euro? Die Empfehlung des Taschengeldes für Jugendliche von 10 bis 12 Jahren lautet monatlich 8 bis 14 Euro, also knapp darüber. Ein Mittagssnack, die Leberkässemmel mit einem kleinen Getränk und einer süßen Nachspeise, geht sich auch knapp mit 13 Euro aus. Das Mittagsmenü beim billigen Gasthaus könnte auch noch in unserem Budget liegen. Viel weiter aber werden wir bei Speis und Trank nicht kommen. Man kann sich von 13 Euro 40 Kaffeebecher „to go“ mit Deckel und Holzstäbchen zum Umrühren kaufen, wozu man das braucht, weiß ich nicht, aber man bekommt es um dieses Geld. Eine Mund-Nasenschutz-Maske handgefertigt erhält man auch um 13 Euro. Was bekommt man noch für 13 Euro? Eine Stunde Babysitten, geht aber nur bei familiärem Hintergrund, die nette Nachbarin wird eher schon 15 Euro verlangen.

Von einer Putzhilfe, die um nur 13 Euro arbeitet, kann man träumen, da liegen die Honorarvorstellungen schon etwas höher. Ein Security-Mitarbeiter, der vor Spitälern Fieber misst und verhindern muss, dass Unbefugte das Krankenhaus betreten, erhält keinen Stundenlohn von 13 Euro, der bekommt etwas weniger. Die Kassierin erhält knapp 13 Euro brutto, ein Lagerist etwas weniger, der Handelskollektivvertrag für Berufseinsteiger im ersten Jahr lautet 10 Euro brutto in der Stunde bei einer 40-Stunden-Woche. Aber warum interessiert es mich, was man um 13 Euro erhält? Weil eine Presseaussendung der Sozialversicherung der Selbstständigen mich sehr nachdenklich gemacht hat. Die Ärztekammer und die SVS haben sich über den Teleordinationstarif geeinigt. Laut dem Vizepräsidenten und Bundeskurienobmann Johannes Steinhart unterstreicht die Einigung den Standpunkt, dass die Nutzung neuer Kommunikationsformen folgerichtig bedeutet, dass alle Grund- und Gesprächsleistungen anrechenbar sein müssen. Es klingt mit der erreichten Einigung zufrieden. 13 Euro für eine Teleordination? Die Teleordination muss ausschließlich von einem Arzt erbracht und darf keinesfalls von einer Assistentin abgewickelt werden. Eine ärztliche Beratung mittels Telekommunikation schlägt beim Arzt mit 13 Euro zu Buche. Nun meine naive Frage: Wundert sich nun wirklich jemand, wenn es immer weniger Kassenärzte gibt? Wissen Sie, wie hoch die Kosten für die Einrichtung einer ordentlichen Videokonferenzanlage sind? Und die Beratung ist nicht innerhalb von fünf Minuten wieder vorbei, versuchen Sie mit einem Ungeübten ein Gespräch zu beginnen, die ersten Minuten braucht man schon dafür, dass der Gesprächspart-

03 | EDITORIAL

ner die Kamera richtig einstellt. Die Beratung soll von Face-to-Face stattfinden und nicht mit dem Hintergrundbild der Urgroßtante. Ist es wirklich verwunderlich, wenn ein Mangel an niedergelassenen Kassenärzten herrscht, dafür aber die Wahlärzte einen regen Zuspruch zu verzeichnen haben? Wenn es in ländlichen Gebieten keine Ärzte mehr gibt, dann schiebt man die Begründung gerne in Richtung: Wer möchte sich das schon antun, die langen Anfahrten zu Patienten. Ist es vielleicht eher der sehr geringen Entlohnung geschuldet? Nur Individualisten werden Landärzte, nun, auch Individualisten müssen mit ihrem Einkommen auskommen. Ist das System gerecht – aber wo gibt es schon Gerechtigkeit? Aber nicht, dass sie glauben, ein niedergelassener Hausarzt wird an den „normalen“ Gebühren reich. Im Burgenland wird für die ersten 499 Patienten dem Arzt pro Patient 14,99 abgegolten. Ab dem 500. Patienten steigt das Honorar nicht, sondern wird verringert. Kommt ein Patient im Quartal ein zweites Mal, zahlt die Krankenkasse nur mehr 5,28 Euro für jeden weiteren Besuch. Normalerweise echauffiere ich mich für alleinerziehende Elternteile und ausgebeutete Menschen aller Art, aber das lässt mein Gerechtigkeitspendel auch ausschlagen. 13 Euro für eine Teleordination und 5,28 Euro für einen weiteren Besuch eines Patienten in der Ordination. Zum Vergleich: Wirtschaftsprüfer verlangen in einer Stunde bis zu 1.500 Euro, besonders im Burgenland soll dieser Tarif gelten. Wie soll das mit Quantität und Qualität funktionieren? Ihre Doris Wrumen


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Interview 11

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Editorial

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13 Euro

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News 06 06 06 07 08 08 09 10 10

Verstärkung Ärzteservice

Obmann

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Versicherungsagenten Salzburg

Neue Plattform Julian Teicke, wefox-Gründer

„Wir wurden als Letzter beliefert“ Erich Fenninger, Geschäftsführer Volkshilfe Österreich

Care-Company „made in Austria“ CEO Besim Akinci & Kevin Radinger, Leiter des Vertriebes, Europ Assistance

Qualitätsrisiken und Gegebenheiten des Wohnungsmarktes Dr. Roland C. Pollo, Immobilientreuhänder

Der Ruhestand kommt schneller als erwartet

Arno Slepice, Geschäftsführer von Business Point consulting & vorsorge gmbh

Analyse der neuen Kfz-Steuer durchblicker

Mitglied

Kolumne

Insurance & Reinsurance Stakeholder Group

Veränderungen im Management EFM Versicherungsmakler AG

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Manz Verlag

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D.A.S. Rechtsschutz AG

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muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit

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Deloitte Österreich

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Neuerscheinung

Pilze sammeln kann teuer werden Neue Prokuristen Studie

04 | INHALT

Weg mit den verstaubten Produkten von Mag. Christian Sec

Taumelnder Greenback von Mag. Christian Sec

Die Abrissbirnen von Mario Passini

Lebe wohl

von Mag. Christian Sec

In Acqua Veritas


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16 14 Markt 12 12 12 44 44 44 45 45 46 46 47 47 48

Akquisition genehmigt UNIQA

Neue Version Together CCA

Urlaubsbarometer 2020 Europ Assistance

Nachhaltigkeitsrisiken FMA

Smarte Haushaltsversicherung Wiener Städtische Versicherung

Neuer Rundumschutz HanseMerkur

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Vorsorge ist auch Frauensache NÜRNBERGER Versicherung

Finanzen

Digitales Tool überzeugt Continentale Assekuranz Service GmbH

Versicherungsvergleich erweitert

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durchblicker/Allianz Versicherung

When-Women-Thrive-Studie

Wohnimmobilien als Geldanlage – Darauf ist zu achten von Michael Kordovsky

Mercer (Austria) GmbH

E-Fahrzeuge gewinnen an Beliebtheit

Studie

Ketchum Publico GmbH/PwC

Schadensbilanz Munich Re

Hybride Beratung

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05 | INHALT

Zum Altersvorsorgeverhalten in Österreich und in Japan


Verstärkung Ärzteservice

Die langjährige geschäftsführende Gesellschafterin der Zieger & Triller Ärzteberatung GmbH, Dagmar Triller, schließt sich der Ärzteservice-Gruppe an. Dagmar Triller übernimmt mit Juli 2020 in der Funktion als Vertriebsleiterin das Gebiet Steiermark. In dieser Position ist sie für den Direktvertrieb verantwortlich und darüber hinaus regionale Anlaufstelle für unsere Maklerpartner. Triller arbeitete 15 Jahre in einer österreichischen Großbank mit dem Fokus auf Finanzierungen für freiberuflich Tätige, darauf folgten 16 Jahre als geschäftsführende Gesell-

schafterin einer Versicherungsagentur, in der sie sich speziell für Versicherungen und finanzielle Belange von Ärzten einsetzte. Mit ihrer langjährigen Erfahrung und Spezialisierung auf die österreichische Ärzteschaft bereichert Dagmar Triller das Ärzteservice-Team, das sich durch 30 Jahre Erfahrung in der Branche auszeichnet. Diese Kooperation unterstreicht den Expansionskurs der Ärzteservice-Gruppe und ermöglicht eine noch bessere regionale Betreuung von Medizinern und Maklern.

Dagmar Triller

Obmann

Versicherungsagenten Salzburg Nachdem Alexander Schwarzbeck bereits im März 2019 als Nachfolger von KR Engelbert Löcker zum Obmann der Salzburger Versicherungsagenten bestellt wurde, fand am 7. Juli 2020 nunmehr die offizielle konstituierende Sitzung der Versicherungsagenten in der Wirtschaftskammer Salzburg statt. Unter der Wahlleitung von Sonja Sagmeister wählte der neue Ausschuss der Salzburger Versicherungsagenten Alexander Schwarzbeck (VA-Anif OG) einstimmig als Obmann. Als ObmannStellvertreter wurden Alfred Huber (VA Salzburg GmbH) und Karl Schnell

(SWS Stuchlik Wallner Schnell GmbH & Co KG) gewählt. Darüber hinaus wurde Schwarzbeck vor Kurzem auch zum Obmann-Stellvertreter der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Salzburg ernannt. Alexander Schwarzbeck ist seit 1997 in der Versicherungsbranche und seit 2009 als Geschäftsführer der VA-Anif tätig. Im Gremium der Versicherungsagenten ist er seit 2015 tätig und durfte bereits bei der „ARGE Aus- und Weiterbildung“ in den letzten Jahren mitwirken. Er wurde auch als BÖV-Prüfer für die Versicherungs-

Analyse der neuen Kfz-Steuer durchblicker

Mit Anfang Oktober wird die Berechnungsmethode der motorbezogenen Versicherungssteuer umgestellt. Die Abgabe orientiert sich künftig nicht mehr allein

an der Leistung des Motors (angegeben in kW), sondern berücksichtigt auch die Höhe der CO2-Emissionen. Dies soll Autokäufer dazu motivieren, auf ver06 | NEWS

Alexander Schwarzbeck

agenten bestellt. Alexander Schwarzbeck ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und wohnhaft in Anif.

brauchsärmere Fahrzeuge umzusteigen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Für Neuwagen, die vor dem Stichtag 1.10.2020 zugelassen werden, gilt dagegen weiterhin die bisherige Form der Kfz-Steuer. Reinhold Baudisch, Geschäftsführer von durchblicker: „Es zeigt sich, dass eine individuelle Kalkulation


für jedes Modell sinnvoll ist, da Motorleistung und CO2-Werte in Kombination berücksichtigt werden müssen. Bei einem Ausstoß von bis zu 140 Gramm CO2 pro Kilometer fällt die Steuer nach der neuen Berechnungsmethode allerdings in jedem Fall geringer aus. Es lohnt sich hier also, mit einer Neuzulassung bis zum 1. Oktober zu warten. durchblicker hat auf diese Situation reagiert und bietet unter https://durchblicker.at/ kfz-steuer-berechnen eine eigene Landingpage mit allen Infos zur neuen Berechnungsweise. Ab September wird es dort zusätzlich einen Rechner geben, mit dem Interessierte rasch und unkompliziert die Höhe der neuen Kfz-Steuer ermitteln können. Dazu reicht es aus, die Leistungsdaten des in Frage kommen-

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Reinhold Baudisch

den Modells in kW sowie die Emissionsmenge in CO2 einzugeben.

Mitglied

Insurance & Reinsurance Stakeholder Group Die Insurance & Reinsurance Stakeholder Group (IRSG) ist eine Interessengruppe der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA), die Stellungnahmen und Ratschläge zu allen Fragen im Zusammenhang mit ihren Aufgaben an die EIOPA abgeben kann. Sie wird zu Maßnahmen im Zusammenhang mit regulatorischen und technischen Normen und deren Umsetzung sowie zu Leitlinien und Empfehlungen konsultiert, soweit diese nicht einzelne Finanzinstitute betreffen. VIGCFO Liane Hirner bleibt das einzige österreichische Mitglied dieses 30-köpfigen Gremiums. Der EIOPA-Rat der Aufseher hat Hirner für ein vierjähriges Mandat in der IRSG bestätigt. Sie vertritt als Industriemitglied die Interessen der Versi07 | NEWS

Verzicht auf die Anwendung des § 172 VersVG (§ 163 VVG) Verlängerungsoption Mehrfachleistung bei verbundenen Leben Zusatzzahlung im Pflegefall Liane Hirner

cherungsbranche bei der Mitwirkung an Entscheidungen der EIOPA bei geplanten Regulierungen und Maßnahmen zu Versicherungsthemen.

Mehr Infos auch unter www.dialog-leben.at

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Veränderungen im Management EFM Versicherungsmakler AG Josef Graf zieht sich aus der Unternehmensleitung zurück, wechselt in den Aufsichtsrat und wird dort den Vorsitz übernehmen. Franz Meingast fungiert

Josef Graf

ab sofort als Alleinvorstand. „Durch die Veränderung werden wir die Entscheidungswege in der EFM und Safe 7 deutlich verkürzen“, so EFM-Gründer Graf. „Wir haben Franz Meingast das alleinige Führungsvertrauen ausgesprochen und damit ist absolute Führungsklarheit gegeben. Die Aufgabenabgrenzung mit dem Partnerunternehmen Safe 7, der Umbau des Fachbereiches und die Auslagerung der Softwareentwicklung sind die Hauptaufgaben der kommenden Jahre. Meingast ist als Management-Profi dafür die Idealbesetzung und hat inzwischen unser Beirats- und Ausschusssystem, also unser spezielles Demokratiesystem, als wirklich einzigartig in der Branche verstehen und schätzen gelernt“, so Graf weiter. Meingast freut sich auf die Herausforde-

Franz Meingast

rung für die nächsten Jahre in der EFM. „Ich bedanke mich für das große Vertrauen, das mir als Alleinvorstand entgegengebracht wird. Zusammen mit dem Beirat, den Ausschüssen und dem gesamten Team der Servicezentrale werde ich an der Weiterentwicklung der EFM Versicherungsmakler AG arbeiten“, erklärt Meingast, der auch bei Safe 7 als Alleinvorstand fungiert.

Neuerscheinung Manz Verlag

Das Department für Rechtswissenschaften und Internationale Beziehungen der Donau-Universität Krems, Fachbereich Versicherungsrecht, organisiert unter Mitwirkung des Fachverbandes der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten der Wirtschaftskammer Österreich seit 2015 jährlich erfolgreich die Tagung „Kremser Versicherungsforum“, die nun zu einem Fixpunkt im Veranstaltungskalender der Versicherungsbranche zählt. Der Sammelband aus den Tagungsbeiträgen des 5. Kremser Versicherungsforums – ergänzt um weitere einschlägige Praxisbeiträge – ist nun im Manz Verlag erschienen. Herausgeber sind Dr. Arlinda Berisha, LL.M., Leiter des Fachbereiches Versicherungs-

recht, und Lehrgangsleiterin der versicherungsrechtlichen Zertifikats-, Master- und LL.M.-Programme am Department für Rechtswissenschaften und Internationale Beziehungen an der Donau-Universität Krems, Dr. Klaus Koban, MBA, Geschäftsführer der Koban Südvers Group GmbH, Universitätslektor für Versicherungsvertragsrecht sowie Autor zahlreicher facheinschlägiger Publikationen, und Prof. Mag. Erwin Gisch, Geschäftsführer des Fachverbandes der Versicherungsmakler, Lehrbeauftragter für Versicherungsvertragsrecht und Autor diverser facheinschlägiger Publikationen. Zum Inhalt: Themenstellungen rund um die klassischen Sparten Haftpflicht08 | NEWS

Versicherungsrecht am neuesten Stand Der Tagungsband zum 5. Kremser Versicherungsforum

shop.manz.at

und Rechtsschutzversicherung prägen das Bild der versicherungsrechtlichen Diskussionen seit vielen Jahren entscheidend mit. Aber auch „junge“ Versiche-


rungszweige, wie die Cyberversicherung, können mit vielfältigen und interessanten juristischen Fragestellungen aufwarten. Spannend sind und bleiben zudem viele der sich insbesonders aus der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) und deren innerstaatlichen Umsetzungsgesetzen resultierenden vertrieblichen Rechtsthemen der Versicherungsbranche, zu der nun erste Erfahrungen aus der Praxis vorliegen. Mit der Auseinandersetzung von ethischen Gesichtspunkten in der Versicherungswirtschaft wird zudem eine neues Themenfeld beschritten. Unterschiedliche Beiträge einschlägiger Experten aus Wissenschaft und Praxis bringen Sie dazu auf den neuesten Stand: • Dr. Walter Kath diskutierte das Spannungsverhältnis zwischen dem System der Gefahrerhöhung und der verein-

barten Prämienregulierung in der Betriebshaftpflicht- und Betriebsrechtsschutzversicherung. • Auf die Schadenbearbeitung in der Haftpflichtversicherung aus der Sicht der Berater ging Rechtsanwalt Dr. Herbert Salficky ein. • Zur Frage Best-Interest und Auswirkungen auf Haftung von Versicherern und Versicherungsvermittlern referierte Dr. Roland Weinrauch und beleuchtete die Aspekte des neuen Verhältnisses zwischen Versicherer und Versicherungsmakler und den neuen Haftungsregeln durch die Umsetzung der IDD. • Die Ausschlüsse in der Haftpflichtversicherung und damit die Problematik der Aushöhlung des Versicherungsschutzes waren Unter-

suchungsgegenstand bei Univ.-Prof. Dr. Stefan Perner. • Mit dem Thema Ethik in der Versicherungswirtschaft, die mit der IDD in den Vordergrund gerückt ist, beschäftigte sich schließlich Dipl.-Päd. Oliver Lontzen, LL.M. • Ergänzend zu den oben erwähnten Beiträgen lieferte Lukas Rother, MBA einen eigenen Fachbeitrag für den Tagungsband über das Management und die Versicherbarkeit von Cyber-Risiken. • Prof. Mag. Erwin Gisch, MBA und Dr. Klaus Koban, MBA geben in ihrem Beitrag last but not least einen fundierten Überblick über die Praxiserfahrungen im ersten Jahr der IDDUmsetzung für Versicherungsvermittler.

Pilze sammeln kann teuer werden D.A.S. Rechtsschutz AG

In den Sommermonaten bringen Wanderer regelmäßig Blumen, Pilze und Früchte von ihren Ausflügen mit. Aber ist das Sammeln in der freien Natur überhaupt erlaubt? „In Österreich ist das Sammeln von Pilzen für den Eigenbedarf bis maximal zwei Kilogramm pro Tag erlaubt. Für Beeren legt das Forstgesetz keine bestimmte Mengenangabe fest. Aber auch

hier gilt, dass das Sammeln für Erwerbszwecke ausdrücklich verboten ist. Auch der Waldeigentümer kann das Sammeln ausdrücklich untersagen, beschränken oder dafür Geld verlangen“, erklärt CEO Johannes Loinger. Ohne entsprechende Beschilderung ist davon auszugehen, dass der Waldeigentümer das Sammeln duldet und daher damit einverstanden ist. Auch das Forstgesetz schränkt das Sammeln im Wald ein. So ist die Durchführung und Teilnahme an organisierten Pilzund Beerensammelveranstaltungen sowie das unbefugte Sammeln von Früchten und Samen bestimmter Holzgewächse zu Erwerbszwecken verboten. „Eine Verwaltungsübertretung kann teuer werden. Für das unbefugte Sammeln von Pilzen fallen Kosten von 150 Euro – und bei gra09 | NEWS

Johannes Loinger

vierenden Verstößen – bis zu 730 Euro an. Es kann sogar bis zu einer Woche Freiheitsstrafe verhängt werden“, so Loinger. Ob das Sammeln von wildwachsenden Pflanzen für den Eigenbedarf gestattet ist, hängt von den jeweiligen Landesgesetzen ab. In Niederösterreich gilt beispielsweise die sogenannte „HandstraußRegel“. Diese besagt, dass das Pflücken für den persönlichen Bedarf erlaubt ist, wenn die Stängel des Straußes noch mit Daumen und Zeigefinger umfasst werden können.


Neue Prokuristen

muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit Der Aufsichtsrat des muki VVaG hat zum Monatsbeginn Dipl.-Math. Christian Clauß, Leiter der Abteilung Risikomanagement, und Stefan Boschitzko,

Leiter der Kfz-Vertragsabteilung, die Prokura erteilt. Clauß, geboren 1982 in München, hat dort Wirtschaftsmathematik (Diplom) studiert und war zuletzt

Thomas Ackerl, Dipl.-Math. Christian Clauß, Stefan Boschitzko und Mag. Dr. Niklaus Riener, MSc

als Aktuar bei einem großen Lebensversicherer tätig, bevor er bei muki ab 2012 das Risikomanagement gemäß den Vorgaben durch Solvency II aufgebaut hat. 2017 hat er die Ausbildung zum anerkannten Aktuar (AVÖ) abgeschlossen. Boschitzko, geboren 1973 in Steyr, arbeitet seit 23 Jahren in der Versicherungsbranche. Nach insgesamt 20 Jahren bei zwei Versicherern in Wien, zuletzt als Abteilungsleiter Versicherungsbetrieb, kam er 2017 ins Salzkammergut zu muki. Der muki-Vorstand gratulierte beiden Prokuristen zu ihrer neuen Aufgabe, Vorstandsvorsitzender Thomas Ackerl sagte: „Für uns als Vorstand ist es essenziell, dass die weiteren Zeichnungsberechtigten ein umfangreiches Aufgabenspektrum – wie in unserem Fall die Segmente Versicherungsmathematik und Fachabteilung – abdecken.“ Vorstandsdirektor Mag. Dr. Niklaus Riener, MSc ergänzte: „Wir planen langfristig und gehen davon aus, dass wir muki mit dem jetzt komplettierten Team noch erfolgreicher führen werden.“

Studie

Deloitte Österreich Mit der Flexible-Working-Studie analysiert Deloitte Österreich in Kooperation mit der Universität Wien und der Universität Graz regelmäßig den aktuellen Stand der Verbreitung flexibler Arbeitsmodelle in heimischen Unternehmen. Bislang wurde Homeoffice in 75 Prozent der österreichischen Unternehmen nur von wenigen Einzelpersonen oder sehr eingeschränkten Zielgruppen genutzt. Das hat sich jetzt schlagartig geändert: Insgesamt geben 90 Prozent der Befragten an, dass während der Shutdown-Phase zumindest die Hälfte der Belegschaft von zu Hause aus gearbeitet hat. In knapp 60 Prozent der Unternehmen arbeiteten sogar nahezu alle Mitarbeiter aus dem Homeoffice. 82 Prozent

der Unternehmen haben innerhalb weniger Tage die technischen Voraussetzungen für nahezu flächendeckendes Homeoffice geschaffen. Damit mobiles Arbeiten sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber zukünftig reibungslos funktioniert, braucht es Spielregeln: Erwartungen an Erreichbarkeit, ein Verständnis über geeignete Tätigkeiten oder Einschränkungen für bestimmte Zielgruppen – wie beispielsweise Neueintritte – 10 | NEWS

müssen klar kommuniziert werden. Laut über 80 Prozent der Befragten werden zukünftig sowohl die Anzahl der regelmäßig mobil arbeitenden Personen als auch das durchschnittliche Ausmaß von Homeoffice höher sein.


Neue Plattform Die wefox-Gruppe hat eine neue Dienstleistung auf den Markt gebracht. Koble, die Open-Source-Technologie, wird von wefox und one, dem digitalen Versicherer der Gruppe, bereits genutzt. Auf der Plattform Koble kann jede Versicherungsgesellschaft Produkte für den digitalen Vertrieb zur Verfügung stellen. Den Anwendern werden Programmierschnittstellen zur Verfügung gestellt. Die Plattform soll dem digitalen Vertrieb und den Versicherungsunternehmen die Möglichkeit bieten, gemeinsam rasch und unkompliziert zu agieren. Wir haben wefox-Gründer Julian Teicke kurz dazu befragt. Nur mehr digitaler Vertrieb, keine persönliche Beratung mehr? Teicke: Die Plattform soll die digitale Verbindung zwischen Versicherung und Vertrieb sein. Wir sehen die Zukunft so, dass es mehr und mehr Versicherungsprodukte gibt, welche digital ohne persönliche Beratung abgeschlossen werden können. Komplexe Themen wie Lebensund Krankenversicherung, biometrische Produkte, aber auch Schadensverarbeitung benötigen meiner Meinung nach weiterhin eine persönliche Betreuung. Es soll nicht den Menschen ersetzen, aber dem einzelnen Berater die Möglichkeit schaffen, sich den Themen zu widmen, wo eine wirkliche Wertschöpfung für sich und seinen Kunden entsteht. Was unterscheidet Koble Ihrer Meinung nach von anderen Plattformen und Dienstleistungen? Teicke: Unser Ziel ist es, den Versiche-

rungsvertrieb skalierbar zu machen. Wir wollen Netzwerkeffekte schaffen. Mit jedem Vertriebskanal, der sich auf unserer Plattform integriert, wird diese für Versicherungsgesellschaften interessanter. Mehr Interaktion bietet eine größere Auswahl. Wir sehen unseren Ansatz als

vielversprechend, wir wollen eine Plattform schaffen, die ähnlich wie der „Amadeus“ in der Reisebranche die Versicherungsindustrie verplattformt. Ein Weg zum Endkunden? Teicke: Nein, wir fokussie-

ren uns auf zwei Zielgruppen: Auf Versicherungsgesellschaften, um digitalen Vertrieb zu ermöglichen und auf den digitalen Vertrieb, der über Anwendungsschnittstellen mit der Versicherungsindustrie kommuniziert. Endkunden sind im Kontakt mit dem jeweiligen Vertriebskanal. Wir sind mit unserer Maklerlösung wefox und dem digitalen Versicherer one auf Koble vertreten. Was ist Ihr Ziel? Teicke: Wir haben mit unserem Setup wefox und one eine sehr gute Ausgangsposition, um zu verstehen, was Versicherungsgesellschaften und Versicherungsvertriebe brauchen. Wir wollen uns 11 | INTERVIEW

zukünftig nachhaltig entwickeln und unsere Kompetenz auch anderen Vertriebskanälen und Gesellschaften anbieten. Mit one wollen wir immer der sein, der am schnellsten die neuen Entwicklungen vorwärtstreibt und der am besten integriert ist. In zehn Jahren werden 80 bis 90 Prozent aller Versicherungsprodukte digital verkauft werden. Wir wollen dann die Schnittstelle zwischen den Kanälen sein. Danke für das Gespräch.


Akquisition genehmigt UNIQA

Die Akquisition der AXA-Gesellschaften in Polen, Tschechien und der Slowakei wurde von der EU-Kommission ohne Auflagen genehmigt. „Das Akquisitionsvorhaben verläuft nach Plan. Die Zustimmung der EUKommission ist nach dem erfolgreichen Abschluss der Finanzierung ein weiterer Zwischenschritt in Richtung Closing dieser für die gesamte UNIQA-Gruppe sehr wichtigen Transaktion“, so Andreas Brandstetter, UNIQA-CEO. Die Finanzierung der Akquisition wurde Anfang

Juli 2020 auch durch die Platzierung eines Senior Bonds gesichert. Für den vollständigen Vollzug der Transaktion (Closing) sind noch aufsichtsrechtliche Freigaben in den betreffenden Ländern ausständig. Plangemäß wird mit dem Closing im vierten Quartal gerechnet. Bei gelungener Akquisition wächst UNIQA um rund fünf Millionen Kunden, 2100 Mitarbeiter und 800 Millionen Euro Prämie jährlich und wird dadurch von der Nummer sieben

Neue Version Together CCA

Auf vielfachen Wunsch gibt es in der neuen Version 9.12 nun eine Schnittstelle zu Schaden-Manager.com. Das Kfz-Pflaster, ein Produkt der Dachmarke Schaden-Manager, steht ab sofort zur Verfügung und bietet im Falle eines durch einen Unfall verursachten Kfz-Schadens sofortige Unterstützung durch die Übernahme des gesamten

Schadenmanagements. Auch beim Beratungstool von riskine gibt es eine neue Version. Einmal pro Monat werden kostenlose Webinare angeboten, um Produkte noch besser kennen zu lernen. Ab sofort besteht auch die Möglichkeit, alle Dokumente aus dem Allianz Portal in CCA9 zu übernehmen. Dabei werden die Dokumente automatisch

Urlaubsbarometer 2020 Europ Assistance

Zum zwanzigsten Mal hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag von Europ Assistance Konsumenten aus elf verschiedenen Ländern zu ihrem Reiseverhalten befragt. Die Befragung fand in diesem Jahr von 16. bis 25. Juni mit einem Fokus auf die Covid-19-Pandemie statt. 84 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher planen heuer einen Urlaub – seit dem Beginn der Urlaubsstudie von Europ Assistance der höchste Wert.

Die Urlaubsplanung ist trotz der Covid19-Pandemie in fast allen befragten Ländern gestiegen. Aufgrund der Reisebeschränkungen ist es nicht verwunderlich, dass 78 Prozent angeben, zumindest einen Sommerurlaub innerhalb Österreichs zu verbringen. Ein Viertel der Befragten möchte jedoch auch in diesem Jahr nicht auf Sonne, Strand und Meer verzichten. „Die Corona-Krise trifft keine Branche so hart wie den Tourismus. Aber 12 | MARKT

Andreas Brandstetter

zur Nummer fünf in Zentral- und Osteuropa aufsteigen.

den dazugehörigen Verträgen und Personen zugeordnet. Dies funktioniert über die Anbindung an das Schnittstellenformat OMDS 3.0. Mit der neuen Version wird das OMDS-Bestandscheck-Excel durch den OMDS-Manager ersetzt. Einerseits wird dadurch die Anwendung einfacher und benutzerfreundlicher, andererseits können damit Funktionen erweitert werden. Aktuell funktioniert es mit OMDS-Verträgen, in Zukunft ist es auch für Risiken und Schäden geplant. Weiters wird aus CCA5 und CCA9 eine gemeinsame Datenbank.

nach den jüngsten Lockerungen der Reisebeschränkungen stiegen die Buchungen spürbar an. Die Tourismusbrache hat schon zahlreiche Krisen durchlebt und wird auch aus dieser Krise gestärkt herausgekommen. Es gilt, flexibel und mutig mit neuen Serviceleistungen auf die geänderten Bedürfnisse einzugehen“, erklärt Besim Akinci, Geschäftsführer von Europ Assistance. Wirtschaftliche Überlegungen waren für 38 Prozent entscheidend. Das durchschnittliche Urlaubsbudget hat im Vergleich zum letzten Jahr deutlich abgenommen: Beträgt es heuer im Mittel 2.108 Euro pro Haushalt, waren es 2019


noch 2.627 Euro. Das Minus von rund 20 Prozent schlägt sich auch im europäischen Durchschnitt nieder – von 2.020 Euro 2019 ist es in diesem Jahr auf 1.604 Euro gesunken.

Wahl der Destination Ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher zieht es aufs Land, 18 Prozent besuchen Familienmitglieder und zehn Prozent planen einen Städte-Trip. Wurde letztes Jahr deutlich mehr geflogen, schrumpft dieser Anteil auf 17 Prozent und liegt damit fast gleichauf mit der Bahn (18 %). 72 Prozent planen mit dem eigenen Pkw oder Campingwagen zu verreisen. Die Lust am Campen hat mit sieben Prozent zugenommen. Mehr als die Hälfte (55 %) der Österreicherinnen und Österreicher buchen ein Hotelzimmer, 16 Prozent ein Gästehaus und 24 Prozent entscheiden sich für Ferienapartments. Der starke Rückgang bei der Buchung von Ferienapartments im Vergleich zu 2019 (35 %) ist dem Einbruch im Städtetourismus geschuldet.

Veränderte Erwartungen Die Nachfrage an Reiseversicherungen ist in Corona-Zeiten hoch, auch wenn sich die Bedürfnisse verschoben haben: 94 Prozent der Befragten erwarten, dass Kranken- bzw. Spitalskosten gedeckt sind, im Falle einer Stornierung

möchten 88 Prozent einen finanziellen Ausgleich und fast ebenso viele (80 %) wollen das auch bei Beschädigung oder Verlust von Gepäck. Natürlich werden auch Leistungen für den Fall einer Covid-19-Erkrankung vor und während der Reise gewünscht. Darauf reagierte die Europäische Reiseversicherung AG, eine Schwestergesellschaft der Europ Assistance GmbH in Wien. Sie stuft Covid-19 derzeit nicht als Pandemie ein, auch Stornokosten und Reiseabbruch sind versichert. Das gilt, solange die Situation stabil bleibt und es nicht wieder zu einem verstärkten Auftreten und somit zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

„Denn Covid-19 sollte kein grundsätzliches Hindernis für einen Urlaub sein. Empfehlenswert ist jedenfalls die Inanspruchnahme fachkundiger Beratung in heimischen Reisebüros oder beim Reiseveranstalter“, so Mag. Wolfgang Lackner, CEO der Europäischen Reiseversicherung. Auch während der Reise besteht Deckung bei einer Erkrankung an Covid-19 – inklusive damit verbundener Behandlungskosten, Covid-19-Test und Rückreisekosten. Auch die Kosten für eventuell längere Aufenthalte bzw. zusätzliche Rückreisekosten. Krankenhauskosten von bis zu einer Million Euro sind dabei gedeckt.

Arzt

Du bist im Urlaub und fühlst dich nicht wohl? Sprich mit einem österreichischen Arzt darüber. 13 | MARKT Infos und download unter europaeische.at/reisedoc

europaeische.at


Weg mit den verstaubten Produkten Digitalisierung ist ein Megathema, jedoch vergessen die Versicherungen dabei oftmals den Kunden und seine Bedürfnisse. Produktentwicklung für das neue Jahrhundert ist gefragt. von Mag. Christian Sec

Es war ein überraschendes Ergebnis, das der World Insurance Report 2020 von Capgemini gezeigt hat. Versicherungsmanager sind noch immer überzeugt, dass es genügt, Vertriebskanäle und Service für ihre traditionellen Produkte zu digitalisieren, um weiterhin positive Kundenerfahrungen zu erzielen. Aber gerade die Produkte der etablierten Versicherungen sind es, die mittlerweile verstaubt und veraltet sind. Wenn Tesla in seinen Jobanzeigen seine Kandidaten für einen Job als Produktentwickler von Kfz-Versicherungen dazu auffordert, Versicherungen neu zu denken und Produkte für das 21. Jahrhundert bereitzustellen, dann weiß man woher der Wind bläst. Nutzenbasierte- und personalisierte Angebote werden von den Kunden gefordert, aber nur im geringen Maße von den Versicherern angeboten, lautet das niederschmetternde Fazit des Reports. „Als Versicherungswirtschaft waren wir schon immer gut im Servicieren der Kunden und im Organisieren von Hilfestellungen. Nun 14 | KOLUMNE

nehmen wir diese Kompetenzen noch stärker in die Produktgestaltung mit auf“, erklärt Hans Christian Schwarz, Chief Retail Officer der UNIQA Österreich die Verschiebung der Schwerpunkte im Entwicklungsbereich. So bezieht die

Hans Christian Schwarz, Chief Retail Officer von der UNIQA Österreich


Gregor Pilgram, CEO Generali Versicherung

UNIQA ihre Kunden immer früher in die Produktgestaltung mit ein. „Voice of the customer evenings“, und Co-Design mit Kunden, sind dabei zwei Methoden, die die UNIQA in der Produktentwicklung einsetzen, um auf die Bedürfnisse der Kunden von Anfang an besser einzugehen. Seit dem Jahr 2016 verwendet die Generali das Net Promoter System (NPS), um eine systematische Messung der Kundenerwartungen durchzuführen. „Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung unserer Produkte und Services ein“, erklärt Generali CEO Gregor Pilgram. Der NPS Score der Generali Versicherung hat sich seit dem NPS-Start hervorragend entwickelt und stieg von 47,6% im März 2017 kontinuierlich an auf aktuell 62,4%.

Kooperationen mit jungen Wilden Durch die immer kürzeren Innovationszyklen ist das Unterfangen marktgerechte nutzenbasierte- und personalisierte Produkte zu entwickeln nicht mehr zu bewerkstelligen. Die Versicherungen sind angewiesen auf die Zusammenarbeit mit Startups und externen Innovationstreibern, wie der ehemalige CTO der UNIQA, und jetzige CTO bei der Ba-

loise Group Alexander Bockelmann meint. Es ist dabei kaum verwunderlich, dass im vergangenen Jahr Insurtechs weltweit eine Rekordsumme von fast 6,4 Milliarden US-Dollar einsammeln konnten. Dieser Wert entspricht einem Drittel der Gesamtinvestments in die sogenannte Versicherungsstartups seit dem Jahr 2012, wie aus dem Insurtech-Briefing der Unternehmensberatung Willis Towers Watson hervorgeht. Einen großen Anteil der Investoren stellen die Versicherungen selbst. „Wir nutzen ganz bewusst die Innovationsszene“, erklärt dazu Prof. Elisabeth Stadler, CEO der VIG. Dabei zeigt sich eine Schwerpunktverschiebung im letzten Jahr. Während Investitionen in vertriebsorientierte Startups im letzten Jahr zurückgingen, nahm das Interesse an Unternehmen zu, die Lösungen im Bereich Advanced Analytics (Vorhersagemodelle auf Basis moderner Analyseverfahren) entwickeln. Mit dieser Verschiebung wird auch das Wachstumspotential im Bereich personalisierter Produkte deutlich. Eine Kooperation mit dem Digital Impact Lab Leipzig ermöglicht der VIG den Zugang zu einem vom Lab aufgebauten InsurTech-Netzwerk, um beispielsweise Innovationsprojekte in der Produktentwicklung und Nutzung von Big Data durchzuführen, wie Stadler erklärt. Auch intern wird die Digitalisierung nicht nur dazu verwendet, um Vertrieb und interne Abläufe zu digitalisieren, sondern man nimmt bei der VIG den Fehdehandschuh von Tesla auf. So arbeitet der Konzern im konzerneigenen Innovationscenter, an der Entwicklung einer völlig neuartigen Tarifgestaltung in der Kfz-Versicherung. Ziel ist die Schaffung einer personalisierten Versicherung, mit individuellen Preis- und Produktgestaltung in Echtzeit. Insgesamt sind die Investitionen in den Startup-Bereich beträchtlich, wie das Beispiel UNIQA zeigt. Die Corporate Venture Capital Einheit der UNIQA hat die Investitionen 15 | KOLUMNE

in junge Unternehmen 2019 auf 75 Millionen € erhöht und strebt einen Ausbau der verfügbaren Mittel, laut Geschäftsbericht, auf 150 Millionen € an.

Markteintrittsbarriere Regulierung Ein Problem, dass sich durch den Trend der personalisierten Produkte ergibt, ist das strenge Regulativ, dem die Versicherer unterliegen, und da vor allem im Bereich des Datenschutzes. „Wir erstellen bereits jetzt personalisierte Angebote, ebenso nützen wir Kundeninformationen für unser Pricing. Die dafür benötigten Daten ermitteln wir aus Datenschutzgründen nicht auf der Ebene Einzelkunde, sondern arbeiten mit Kleinsegmenten“, erklärt Stadler. Aber auch wenn viele in der Branche über die Überregulierung jammern ist diese auch ein Schutz vor branchenfremden Emporkömmlingen. „Regulierung ist gut für unsere Branche, denn sie ist eines der wesentlichen Markteintrittsbarrieren für die digitalen Riesen“. Es gäbe gewisse Prozesse, die Tech-Giganten nicht so einfach abbilden könnten, wobei die Regulierung eine große Rolle spiele“, wie Martin Hartmann, CEO der VIG Re 2019 in Alpbach referierte.

Prof. Elisabeth Stadler, CEO VIG


„Wir wurden als Letzter beliefert“ Erich Fenninger, der Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich spricht im exklusiven risControl-Interview offen über die Versäumnisse der Politik während der Corona-Krise und welche Schritte notwendig wären, um nach der Krise Armut und Pflegenotstand zu bekämpfen. von Mag. Christian Sec Wie beurteilen Sie die Arbeit der Regierung in der Corona-Krise bezüglich der benachteiligten Gruppen?

chronisch unterversorgt. Sowohl im mobilen als Ich glaube, dass offenbar auch im stationären Begeworden ist, dass wir reich haben unsere MitarFenninger: Differenziert. Wir sind de- beiterinnen und Mitarbeiuns nie wieder dem finitiv von einer Gesundheitskrise erfasst ter ihre Arbeit verrichtet neoliberalen Prinzip worden und dies hat die Bundesregie- ohne jegliche Sicherheitsausliefern sollen, dass man rung sehr schnell erkannt. Man hat die ausrüstung. Wir wurden Interessen der Gesundheit der Bürger als Letzter beliefert. Sogar immer nur dort produziert, in den Vordergrund gestellt und sich an- der Handel wurde vor uns wo es am billigsten ist. fänglich daran orientiert. Trotz der Ein- mit Masken versorgt. Der schränkung der Freiheitsrechte würde ich zweite Punkt ist, dass wir diese Tendenz als grundsätzlich positiv den Mitarbeiterinnen und bewerten. Mitarbeiter, die Systemerhalter sind, schon ganz zu Beginn der Was haben wir von der Krise gelernt? Und was lief weniger gut? Krise eine Corona-Zulage versprochen und mit den Sozialpartnern verhandelt Fenninger: Ich glaube, dass offenbar Fenninger: Die Kommunikation und haben, doch trotz Lippenbekenntnissen geworden ist, dass wir uns nie wieder die Einbeziehung unserer Expertise war der Regierung wurden diese nicht ausbe- dem neoliberalen Prinzip ausliefern solsehr gering und die notwendigen The- zahlt. Daher sind wir in Vorlage getreten len, dass man immer nur dort produziert, und haben diese wo es am billigsten ist. Was auch dazu men in der Krise trotzdem ausbe- geführt hat, dass wir existenziell wichwurden nicht durc hgesetzt. zahlt. Ich hätte tige Produkte zu spät oder gar nicht bemir gewünscht, kommen haben bzw. es einen weltweiDie Versorgung Wir wurden als dass die Bun- ten Wettkampf der Regierungen gegeben mit SchutzbeLetzter beliefert. kleidung war d e s r e g i e r u n g hat, die notwendigen Produkte zu beklar Stellung kommen. Wir müssen in Europa oder mangelhaft. ZuSogar der Handel bezieht, sodass Österreich selbst diese notwendigen Günächst wäre es wurde vor uns mit man sich wirk- ter produzieren. wichtig geweMasken versorgt. sen, diejenigen, lich darauf verdie den ganzen lassen kann, dass Wie hat sich die Krise auf die Armut Tag ganz nah die Summen be- ausgewirkt? am Menschen glichen werden. tätig sind, mit ausreichender Schutzaus- Auch bei den Einkäufen, die wir selbst Fenninger: Die Gesundheitskrise ist rüstung zu versorgen. Wir haben nicht tätigen mussten, hat es relativ lang ge- sehr schnell zu einer Sozialkrise gewornur als Volkshilfe gelitten, sondern auch dauert bis es klar war, dass die Kosten er- den, vor allem für jene Menschen, die mit die anderen Träger waren anfänglich stattet werden. wenig Einkommen auskommen müssen. 16 | INTERVIEW


Die Gesundheitskrise ist sehr schnell zu einer Sozialkrise geworden, vor allem für jene Menschen, die mit wenig Einkommen auskommen müssen.

In diesem Bereich müssen die Versicherungsleistungen ausgebaut werden. Die Bundesregierung hat den Schwerpunkt sehr stark auf Firmen und in die Kapitalstrukturen gelenkt, was auch zu einem großen Teil notwendig war. Dabei hat man jedoch auf die Bürgerinnen und Bürger vergessen. Am Beispiel der Arbeitslosenunterstützung wird das Problem der Regierungsmaßnahmen offensichtlich. Es wäre so einfach die Nettoersatzquote zu erhöhen. Wir liegen dort im Vergleich mit dem OECDDurchschnitt schlecht. Es gibt auch genügend Studien, die zeigen, dass wenn Existenzen relativ gesichert sind, die Energie voll auf die Jobsuche konzentriert werden kann. Wenn jedoch in Österreich jemand aus einem Job herausfällt, dann ist er in seiner Existenz bedroht. Daher wird die Energie nicht sofort auf die Arbeitsplatzsuche gelegt, sondern auf die Existenzerhaltung, um Mietkosten, offene Kredite usw. zu decken. Auch die grundlegende Existenzsicherung ist in Österreich nicht gut organisiert

und ideologisch aufgeladen. Meine Forderung ist dabei schon seit langem, das System komplett zu simplifizieren. Also bedingungsloses Grundeinkommen? Fenninger:

Wir beschäftigen uns mit der Frage. Es gibt so unterschiedliche Modelle, dass es momentan zu gefährlich ist zu sagen, wir sind für bedingungsloses Grundeinkommen, weil die Gefahr besteht, dass der Staat sich dann komplett aus dem sozialen Bereich zurückzieht, und zwar nach dem

17 | INTERVIEW


Prinzip: Da habt ihr eure paar hundert Euro und macht was wir wollt. Jedenfalls soll bei einer Existenzsicherung Existenz und Wohnungskosten gedeckt werden. Die Pflegeeinrichtungen wurden sehr stark von der Corona-Pandemie getroffen. Wie erging es ihren Betrieben dabei? Fenninger: Wir sind in erster Linie in

der mobilen Pflege aktiv, sind aber in der Steiermark auch der größte stationäre Pflegeanbieter. Wir haben nach dem Fall Ischgl die gesamte Logistik umstellen müssen. So wurde in der Volkshilfe Steiermark nach einem Verdachtsfall ein neues Konzept aufgesetzt, damit man die Gruppen voneinander trennt, um die Gefahr von Ansteckungen zu reduzieren. Wir haben zwar Ansteckungen, aber keine Todesfälle in unseren Einrichtungen verzeichnet. Ein großes Thema war in den stationären Einrichtungen die Isolation für die Betroffenen. Während die Bundesregierung die Arbeitsstellen für Systemerhalter ausbaute und mit Zivildienern und Bundesheer besetzte, war in der Pflege, während der Notphase, ein Arbeitskräfterückgang österreichweit festzustellen. In der mobilen Versorgung sind die geplanten Einsatzstunden bis zu 20 Prozent gesunken. Der Grund war, dass die Betroffenen selbst versucht haben, die notwendigen Tätigkeiten auf ein Mindestmaß zu reduzieren, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren. Dadurch sind die Angehörigen in dieser Zeit stärker belastet worden. Wie kann man pflegende Angehörige in Zukunft entlasten?

Nur zu glauben mit Imagekampagnen mehr Leute in die Pflege zu bekommen, wird wohl nicht genügen.

Fenninger: Die pflegenden Angehörigen

ben. Nur zu glauben mit Imagekampagleisten vieles. Ich habe einen Belastungs- nen mehr Leute in die Pflege zu bekomkompass entwickelt, wo wir zusammen men, wird wohl nicht genügen. mit Psychologen und Sozialhelfern die finanzielle, gesundheitliche, soziale und Der Pflegeregress bedeutet, die Überpsychische Belastung aus Sicht des Be- wälzung der Kosten auf die Allgetroffenen messen und in einem zwei- meinheit. Ist dies gerechtfertigt? ten Schritt den Betroffenen Vorschläge zur Entlastung geben. Das heißt, es wäre Fenninger: Der Pflegeregress war wie wichtig, dass die Belastungsfaktoren er- eine versteckte Erbschaftssteuer. Man hoben werden, um danach die richti- zahlte Erbschaftssteuer, wenn man pflegen Maßnahmen zu setzen. Aber solche gebedürftig wird, weil vieles vom Ersparten dann weg ist. Leistungen werden bislang nicht Wir wissen, dass für pflegende wir länger leben Angehörigen fiund daher PflegeDer soziale nanziert. Meine bedürftigkeit steiBereich ist Forderung wäre gen wird. Dieses Risiko ist nicht zwei Stunden pro tendenziell nicht mehr individuell Quartal als staatausreichend liche Leistung für zu tragen, sondern bezahlt. die Angehörigen, nur noch gesellwo Sozialarbeiteschaftlich. Alles rinnen und Soziandere führt nur alarbeiter die Bedazu, dass Pflegelastungen messen, Entlastungsschritte bedürftigkeit nicht nur gesundheitlich beeinleiten und Netzwerke aufbauen. Dann einträchtigt, sondern auch finanziell. Die könnten viele Menschen gesundheitlich Abschaffung des Regresses war ein guter in eine bessere Lage gebracht werden und Schritt, aber leider ungeschickt geregelt. auch Gewalt und Aggression in den Familien minimiert werden. Was meinen Sie damit? Ist es nicht notwendig auch durch mehr Angebot und Ausbildung die Angehörigen zu entlasten? Fenninger: Wir haben das Problem,

dass die letzte Regierung eine Fragmentierung des Pflegeberufs eingeleitet hat. Es gibt immer mehr Berufsgruppen, was dazu führt, dass immer die billigste Berufsgruppe zu den betroffenen Menschen geschickt wird. Es führt auch dazu, dass immer mehr unterschiedliche Berufsgruppen an einer Person arbeiten und das halte ich für falsch. Aber auch die Behaltedauer von Menschen in der Pflege ist niedrig. Darüber wird kaum gesprochen in Österreich, dabei ist dies sehr entscheidend für die zukünftige Pflegesituation. Der soziale Bereich ist tendenziell nicht ausreichend bezahlt. Die Materialisierung gehört angeho18 | INTERVIEW

Fenninger: Für die Pflege sind grund-

sätzlich die Länder verantwortlich. Daher gibt es komplett unterschiedliche Durchführungsrichtlinien, mit komplett unterschiedlichen Finanzbeiträgen pro geleisteter Stunde in der Pflege und das in so einen Micky-Maus-Land wie Österreich, was wiederum dazu führt, dass sich die Menschen in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedlich lang betreuen lassen können. Denn nicht nur die Kosten sind unterschiedlich, sondern die Stundenzahlen, die man in Anspruch nehmen darf. Und hier würde ich mir eine österreichweite Regelung wünschen. Im Regierungsprogramm steht auch die Pflegeversicherung als Zielvorstellung. Was halten sie davon? Fenninger: Pflegeversicherung ist eine

ältere Debatte. Eine Studie von der IHS


Die finanzielle Frage soll am Schluss stehen und nicht am Anfang. besagt, dass mehr für die steuerfinanzierte Sicherung der Pflege spricht, weil die Belastungen unterschiedlich sind, und es zu einer besseren und faireren Finanzierung käme. Was für die Versicherung spricht ist, dass wir in einem Staat leben, wo die Versicherung einen hohen Stellenwert und eine hohe Identifikation hat und Verständnis erzeugt. Wie muss grundsätzlich eine Pflegereform organisiert werden? Fenninger: Ich glaube, dass wir in vielen Bereichen in Österreich und

in Europa die Dinge Top-Down betrachten. Da gibt es die Politik, die Maßnahmen ideologiegetrieben von oben nach unten verordnet, was dazu führt, dass diese nie die volle Wirkung entfalten, so wie man es gerne hätte. Also was wir versuchen einzubringen ist, eine Reform von den Betroffenen heraus zu denken, das ist schwer genug, aber es ist die einzige Möglichkeit, das Thema zu objektivieren. Es müssen Pflegekategorien gebildet werden. Auf Basis der definierten Kategorien kann

Die Abschaffung des Regresses war ein guter Schritt, aber leider ungeschickt geregelt.

der Pflegebedarf bestimmt werden und erst dann der finanzielle Bedarf und damit die Aufteilung zwischen Eigenanteil und öffentlicher Finanzierung. So gehört eine Pflegereform gemacht. Die finanzielle Frage soll am Schluss stehen und nicht am Anfang. Aber ein Eigenanteil sollte in dem Konzept bleiben? Fenninger: Ja, ich glaube, dass das wich-

tig ist und leistbar. Es ist also nicht etwas, das unbedingt kostenfrei sein muss, weil es immer mehr Menschen gibt, die im hohen Alter entsprechendes Kapital aufgebaut haben und sich einen Stundenanteil leisten können. Der springende Punkt ist die Leistbarkeit für Alle. Bei armen Menschen kann daher auch der Eigenanteil bis zu Null reduziert werden. Vielen Dank für das Gespräch.

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Taumelnder Greenback Nachdem der US-Dollar in der ersten Phase der COVID-19-Krise noch einen Anstieg erfuhr, verzeichnete der Greenback im Juli sein schlechtestes Monat in den letzten zehn Jahren, was auch Debatten über die globale Rolle des Dollars und damit der USWirtschaft lostrat. von Mag. Christian Sec

Im Juli verzeichnete der Dollar gegenüber einem Währungskorb der wichtigsten Währungen einen Rückgang von fünf Prozent. Fünf Prozent in einem Monat sind für Aktienmärkte möglicherweise ein moderater Rückgang, in der Welt der Währungen ist dieser jedoch durchaus als dramatisch anzusehen. Fast könnte man sich Sorgen über die US-Hegemonie machen, dessen Flaggschiff und Seismograf seine Währung darstellt. Auf kurze Sicht reflektiert der Rückgang des Dollars die gegenwärtige Schwäche der US-Wirtschaft nachdem die Pandemie auch die südlichen Bundesstaaten mit voller Wucht getroffen hat. Dabei sollten aber die fundamentalen Probleme des Greenbacks nicht übersehen werden. Denn es ist äußerst seltsam, dass die weltweite Reservewährung gerade in Zeiten globaler Unsicherheit so stark an Wert verliert, denn gerade dann werden sichere Werte aufgesucht. Und 20 | KOLUMNE

die Unsicherheit ist allgegenwärtig. Sie spiegelt sich nicht zuletzt im steigenden Goldpreis wider, der in den letzten Wochen zu Rekordhöhen aufgestiegen ist. Während jedoch Dollar und Gold in Krisenzeiten meist im Gleichklang an Wert zulegen, scheinen die Investoren ihr Vertrauen in den Greenback eingebüßt zu haben, und setzen daher umso mehr auf Gold. Die Zweifel der Investoren betreffen dabei vor allem die US-Institutionen, die derzeit zu schwach zu sein scheinen, um den Dollar das notwendige Vertrauen zu schenken.

Der Dollar strauchelt Eine Reservewährung, die sich nicht als zuverlässig herausstellt führt am Kapitalmarkt zu seltsamen Ergebnissen. Normalerweise ist ein Wertrückgang des Dollars ein Anzeichen für globalen Wirtschaftsoptimismus und zeigt an, dass die Staaten


gute Wachstumsaussichten haben und Dollar-Investoren wieder nach attraktiveren und risikoreicheren Veranlagungen Ausschau halten können. Die Aussichten sind jedoch dieses Mal andere. Der Rückgang des Dollars hat sich beschleunigt, während die Preise von Staatsanleihen auf Rekordhöhen verblieben sind, was wiederum niedrige Wachstumserwartungen und einen Wunsch nach risikoarmen Anlagen reflektiert. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Investoren ein spezifisches amerikanisches Problem orten. Die schlechte Stimmung über das Missmanagement in der Corona-Krise wird von den Investoren nicht mehr verheimlicht und untergräbt das Vertrauen in die Finanzmärkte. Das Vertrauen in den Dollar ist so stark angeschlagen, dass sogar der gebeutelte Pfund Sterling, der vom Brexit und den unsicheren Folgen nach dem endgültigen Ausstieg Ende des Jahres stark beeinträchtigt ist, gegenüber dem US-Dollar Boden gutmachen konnte.

Die gewachsene Dominanz Der Status einer weltweiten Reservewährung hat für die US-Wirtschaft bedeutende positive wirtschaftliche Effekte. Für die Regierung bedeutet dies einerseits zusätzliches Einkommen durch Seigniorage – also Erträge aufgrund der Emission von Zentralbankgeld – und andererseits die Möglichkeit hohe Kapitalsummen zu günstigen Konditionen auszuborgen. Im Welthandel spielt der US-Dollar eine überwältigende Rolle. Ein Fünftel aller Geschäfte außerhalb der USA werden in Dollar abgewickelt. Am Währungsmarkt ist die Stellung des Dollars noch dominanter. 88 Prozent aller Währungsdeals werden gegen den Greenback geschlossen. Diese Dominanz kann nicht von heute auf morgen gebrochen werden, sind sich die Experten einig. So wären Euros von geringer Hilfe, wenn z.B. die Zentralbank eines Schwellenlandes versucht seine eigene Währung vor einem Absturz zu bewahren. Zentralbanken halten Fremdwährungsreserven, um sich

vor dysfunktionalen Märkten zu schützen. So ist es z.B. für die Währung von Indonesien, die sich am Dollar orientiert, für dessen Zentralbank auch wichtig Dollar zu halten. „Es gibt wirklich nicht genügend große Alternativen, um große Mengen weg vom Dollar zu bewegen“, erklärt der Ökonom Barry Eichengreen von der Universität California gegenüber der Financial Times. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Anteil des US-Dollars bei staatlichen Fremdwährungsreserven noch immer bei 62 Prozent liegt.

Nicht für immer Aber der Status einer Leitwährung ist nicht in Stein gemeißelt, sondern ist langfristig abhängig von der Barry Eichengreen wirtschaftlichen Stärke und Macht des emittierenden Landes. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Pfund Sterling während im gleichen Zeitraum der Euro die unumschränkte Leitwährung. Groß- von 28 Prozent auf 20 Prozent zurückbritannien mit seinen Kolonien war die ging. Gerade die politische EntscheiTriebfeder der Industrialisierung und des dungsschwäche der EU erwies sich als globalen Handels, bis das Vereinigte Kö- Hypothek für den Euro. Währungsexnigreich nach dem Zweiten Weltkrieg perten blickten auch eine Zeit lang nach in dieser Rolle von den USA abgelöst China und wähnten dort die größte Gefahr für den Greenback. Jedoch solange wurde. 2008 waren wieder die Vorzeichen ei- der Renminbi durch Restriktionen nicht ner Wachablöse gegeben. Zu dieser Zeit frei handelbar ist, wird seine Rolle für stieg der Euro gerade auf sein Allzeit- den globalen Währungsmarkt unbedeuhoch gegenüber dem Dollar und der Dol- tend bleiben. Trotzdem sollte man sich des Privilar verlor 40 Prozent seines Wertes. Eine akademische Studie der Universität Wis- legs einer Leitwährung in den USA nicht consin, die zu dieser Zeit erschien pro- zu sicher wähnen. Nicht kurzfristig, aber phezeite damals, dass der Euro bis 2022 langfristig können entscheidende Verden Dollar als führende Reservewäh- änderungen auch die Frage einer Leitrung ablösen wird. Die globale Finanz- währung neu stellen. Die neugefundene krise ein paar Monate später beendete Entscheidungsstärke der EU, die sie beim die Spekulationen eines Regimewech- Umgang mit der Finanzierung der Cosels und zeigte die Kraft des Dollars in ronakrise zeigte und die erstmalige Einigung über EU-Anleihen kann den Euro Zeiten der Krise. Während 2008 der Fremdwährungs- auf den Finanzmärkten langfristig stäranteil des US-Dollar bei 60 Prozent lag ken, zumindest solange die Vertrauensso stieg dieser bis heute auf 62 Prozent, krise in die US-Institutionen anhält. 21 | KOLUMNE


Care-Company „made in Austria“ Die Europ Assistance in Österreich unter CEO Besim Akinci hatte viel für das erste Halbjahr geplant, zum Beispiel neue Dienstleistungen und eine neue Struktur im Vertrieb. Kevin Radinger, langjähriger Mitarbeiter der Europ Assistance, wurde zum Leiter des Vertriebes bestellt. Er verantwortet mit seinem Team den kompletten Vertrieb, seine Aufgaben sind unter anderem, neue Kundensegmente zu identifizieren und bestehende sowie treue Kunden mit dem besten Service zu bedienen. Wir sprachen mit ihnen über die Corona-Krise, deren Auswirkungen und die Zukunft. Wie war Ihr Gefühl in den ersten Wochen der Corona-Krise? Akinci: Für mich war es wichtig, sowohl

unsere Mitarbeitenden zu schützen als auch unsere Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Die Umstellung auf Homeoffice war eine Herausforderung für IT und Mitarbeiter. In den ersten Tagen war eine gewisse Anspannung zu verspüren. Nach der ersten Woche konnten wir aber sehen, dass sich der unglaubliche Einsatz aller gelohnt hat und es uns möglich war, ohne Ausfälle mit unseren Kunden zu agieren. Es war uns auch ein Anliegen, unsere Netzwerkpartner zu unterstützen,

Der Kontakt zu unseren Mitarbeitern wurde immer gehalten, um ihre Fragen zu beantworten, den sozialen Kontakt zu pflegen und zu sehen, wie es ihnen geht.

was uns ebenfalls gelungen ist. Es ist wichtig, wenn die „Normalität“ wieder einkehrt, dass sie wissen, sie können sich auf uns verlassen, wie wir uns auf sie verlassen. Auch in der Schweiz waren alle Mitarbeiter im Homeoffice. Der Kontakt zu unseren Mitarbeitern wurde immer gehalten, um ihre Fragen zu beantworten, den sozialen Kontakt zu pflegen und zu sehen, wie es ihnen geht. Die Überzeugung, dass wir das schaffen, war in allen Bereichen des Unternehmens zu spüren. Bleibt Homeoffice ein Bestandteil des Unternehmens? Akinci: Homeoffice wird auf alle

Fälle ein Teil des Unternehmens bleiben, wie weit und wie stark wird gerade evaluiert. Wir haben dazu eine Umfrage unter den Mitarbeitern gemacht und die Inputs abgeholt, nun werden die vorhandenen Lösungsansätze juristisch geprüft. Für mich ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die nachhaltig ist und auf die wir aufbauen können, womit man sich als Mitarbeiter identifizieren kann, sodass auch der Kundenservice weiterhin entsprechend 22 | INTERVIEW

Es war eine herausfordernde Zeit, aber wir haben alles zur Zufriedenheit unserer Kunden sowohl in Österreich als auch in der Schweiz erledigt. gewährleistet wird. Der persönliche Austausch innerhalb des Unternehmens ist in unserer Dienstleistung sehr wichtig, hier muss gewährleistet sein, dass sich die Mitarbeiter, in welcher Form auch immer, austauschen und kontaktieren können. Es bieten sich genügend digitale Lösungen an. Wir sind gerade dabei, diese Lösungen aufzubereiten. Denn eines ist sicher: Alle digitalen Lösungen, die zum Einsatz gekommen sind, waren auch schon vor der Covid19-Krise vorhanden, wir haben sie nur nicht genügend genutzt. In der Krise haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und es hat, wie schon angesprochen, funktioniert.


erledigt. Die letzte Rückholung in Österreich fand Ende März statt, in der Schweiz dauerte es fast bis Ende April. Wie sieht es mit den Kosten bei diesen Rückholungen aus? Akinci: Wir sind der Organisator

von Rückholungen, bei medizinisch indizierten Rückholungen sind die meisten mit einer Reiseversicherung abgesichert. Im Falle der Pandemie-Rückholung kann ich Ihnen nur sagen, dass in der Schweiz die Rückholungen von der Regierung übernommen wurden, die Personen mussten nur einen kleinen Beitrag für ihre Rückholung leisten. Bei einer zweiten Welle wird dies vermutlich aber nicht mehr so sein. Ändert dieses Jahrhundertereignis die Strategie der Europ Assistance? Akinci: Grundsätzlich wird sich an

Die Europ Assistance war in den Rückholungen von Österreichern aus dem Ausland miteinbezogen, wie war die Situation in der Abwicklung? Radinger: Die medizinischen Rückholungen haben sehr gut und schnell funktioniert. Die Fälle konnten alle positiv abgeschlossen werden. Als wir alle Patienten in Betreuung zurückgebracht hatten, haben wir wirklich aufgeatmet. Akinci: Es gab bei den Rückholun-

gen Situationen, die herausfordernd wa-

ren, da es keine Linienflüge mehr gegeben hat. Mit unseren Kontakten ins auswärtige Amt und zum Innenministerium war es etwas leichter, Österreicher aus den verschiedensten Ländern zurückzuholen. Der Druck auf Ausländer in einigen Ländern wurde immer stärker, in manchen Ländern durften Ausländer nicht mehr in Spitäler hinein. Es war eine herausfordernde Zeit, aber wir haben alles zur Zufriedenheit unserer Kunden sowohl in Österreich als auch in der Schweiz 23 | INTERVIEW

der Strategie und an dem Grundgedanken der Europ Assistance nichts ändern. Wir sind eine Care-Company, das ist unsere Mission. Diese wurde durch die Corona-Krise nur noch verstärkt. Wir werden uns natürlich Gedanken machen, in welche Richtung unsere Services weiterentwickelt werden müssen. Es ist ein ausgezeichnetes Potenzial vorhanden, darauf werden wir weiter aufbauen. Die technischen Voraussetzungen ermöglichen es uns, noch viele weitere Dienstleistungen für Hilfesuchende anzubieten.

Wir sind eine CareCompany, das ist unsere Mission. Diese wurde durch die Corona-Krise nur noch verstärkt.


Innerhalb von fünf Werktagen haben wir unter Einbeziehung aller Fachbereiche die Hotline aufgeschaltet. der Pandemie und den daraus resultierenden Regierungsmaßnahmen sowie den daraus entstehenden Sorgen der Österreicher ab. Gibt es auch einen positiven Gedanken aus der Krise? Akinci: Die Krise hat uns auch

Welche Dienstleistungen wurden bzw. werden vermehrt in den letzten Monaten angenommen? Radinger: Ich denke, obwohl es bereits

teilweise bestehende Lösungen sind, waren die Menschen verblüfft, welche Möglichkeiten wir anbieten. Für uns war es eine Bestätigung, dass das, was wir tun, sinnvoll und notwendig ist. Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt. Es wurde alles abgefragt, medizinische, technische, IT & Cyber Assistance aber auch mentale und psychologische Hilfestellungen. Innerhalb kürzester Zeit wurde gemeinsam mit der Generali Versicherung eine Hotline ins Leben gerufen, wie ist Ihnen das gelungen? Radinger: Innerhalb von fünf Werkta-

gen haben wir unter Einbeziehung aller Fachbereiche die Hotline aufgeschaltet. Die Anrufzahlen innerhalb des ersten Zeitraumes waren im vierstelligen Bereich. 60 Prozent der Anrufer benötigten eine medizinische Auskunft. Vom Ein-

satz einer Maske bis hin zur Anwendung von Desinfektionsmaßnahmen. Nach jeder Regierungsmaßnahme erhöhten sich die Anrufzahlen, denn die Menschen brauchten jemanden, mit dem sie über ihre Probleme reden konnten, eine persönliche Ansprache. 30 Prozent der Anrufe waren mit einem IT- technischen Problem konfrontiert, wie zum Beispiel: Das Netzwerk oder die Software funktionierte nicht, der Drucker ließ sich nicht installieren und ähnliche Herausforderungen. Aber auch Hilfestellungen im Bereich Kombination Schulkinder, Homeoffice, Freizeit und Alltag waren gefragt. Wir haben hier mit unserem psychologischen Team eine gute Beratung anbieten können. Wird die Hotline noch genutzt? Radinger: Es ist stark abgeflacht, aber unsere Leitungen sind immer noch offen für alle Anfragen. Wie es sich über den Sommer entwickeln wird, können wir noch nicht prognostizieren, das hängt sicherlich von der weiteren Entwicklung 24 | INTERVIEW

Chancen eröffnet, denn unser Vertrieb hatte noch nie so viele Anfragen zu unseren Dienstleistungen und bestehenden Services. Unsere Leistungen hier in Österreich sind „made in Austria“ und das war und ist ein Vorteil. Wir legen besonderen Wert darauf, das auch zu promoten, dass unsere Leistungen für Hilfesuchende von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier aus Österreich kommen. Ich bin überzeugt, dass dies für viele unserer Kunden ein Entscheidungskriterium ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Chancen, die wir jetzt durch die Krise bekommen haben, zu der einen oder anderen Produktinnovation nutzen können. Wie hat die Platzierung von neuen Produkten bzw. die Kommunikation mit neuen Kunden in der letzten Zeit funktioniert? Radinger: Wir haben auch während

der Covid-19-Krise geplante Produkte eingeführt und Neukunden gewonnen. Normalerweise werden die Projekte gemeinsam bei einem Kick-Off-Event präsentiert, wir haben umgestellt auf Erklärvideos und digitale Meetings. Besonders das Thema „Cyber-Risiko“ war Inhalt von Webinaren, ein Thema, welches durch


vermehrtes Homeoffice besonders brisant ist, aber noch immer zu wenig Beachtung findet. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Akinci: Ich wünsche mir, dass

meine Mitarbeiter alle gesund bleiben und dass wir die Krise weiterhin gut überstehen. Ich wünsche mir auch, dass man schnell einen Impfstoff gegen dieses Virus findet und dass sich die ganze Weltwirtschaft wieder rasch erholen kann und wir alle nicht mehr mit dieser dumpfen Angst leben müssen. Für die Europ Assistance wünsche ich mir, dass wir uns weiterentwickeln, un-

Unsere Leistungen hier in Österreich sind „made in Austria“ und das war und ist ein Vorteil.

sere Mitarbeiter sich in einem gesicherten Umfeld sowohl ihre beruflichen als auch privaten Ambitionen erfüllen können. Selbstverständlich wünsche ich mir auch, dass wir mit unseren Kunden auch weiterhin gute Assistance Lösungen auf dem österreichischen Markt entwickeln

können, damit unsere Kunden gesund bleiben bzw. gesünder werden. Radinger: Dem kann ich mich nur anschließen. Ich wünsche mir auch, dass alle Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir die Krise überstanden haben, weiterhin mit dem Engagement jeden Tag ihren Aufgaben begegnen. Es ist schön zu sehen, dass jeder dafürsteht, was wir verkaufen. Das ist der Grund, warum wir einen sehr angenehmen Job im Vertrieb haben, weil wir eine qualitativ hochwertige Dienstleistung, sehr menschlich, made in Austria anbieten dürfen. Danke für das Gespräch.

29. 4. 2021 Innovation. Strategie. Netzwerk. So vielfältig wie die Versicherungs- und Finanzbranche selbst: Das ist die „Vertrieb im Zentrum“, die Convention am 29. 4. 2021 im Messezentrum Salzburg. Bei der „Vertrieb im Zentrum“ steht nicht nur der berufliche Aspekt, sondern auch der Mensch dahinter im Zentrum. Deshalb wird auf der Convention alles präsentiert, was das Leben einfacher und effizienter macht. Von Gruppierungen und Versicherungslösungen über Softwareanbieter, Fondsgesellschaften und Finanzberater bis hin zu den alltäglichen Dingen. Das persönliche Gespräch, der direkte Kontakt sind in der digitalisierten Welt von heute weiterhin unersetzlich.

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25 | INTERVIEW


Wohnimmobilien als Geldanlage – Darauf ist zu achten Der langjährige Wohnimmobilienboom hat sich im ersten Quartal 2020 bis dato weiter fortgesetzt. Trotzdem sollte man nicht blindlings die nächstbeste Anlegerwohnung kaufen, sondern auf Bewertungsniveau und eine Reihe nicht zu unterschätzender Risiken achten. Bezüglich Qualität und aktuellen Marktbedingungen interviewte risControl einen renommierten Immobilientreuhänder. von Michael Kordovsky Die Wohnimmobilienpreise sind in der bisherigen Phase der Corona-Krise stark gestiegen. Sinkende Zinsen, eine massive Ausweitung der Geldmenge und die Angst vor Geldentwertung treibt immer mehr Anleger in Betongold. Das zeigen die europäischen Hauspreisindizes für den Euroraum und die EU, die von der europäischen Statistikbehörde in Form einer Aggregation der nationalen Hauspreisindizes berechnet werden. Die Hauspreis-Indizes messen die Preisentwicklungen aller von Haushalten erworbenen Wohnimmobilien (Wohnungen, Einfamilienhäuser, Reihenhäuser...), sowohl Neu- als auch Altbauten, unabhängig von ihrer endgültigen Verwendung und ihren bisherigen Eigentümern. Obwohl jeder regionaler Immobilienmarkt individuell anhand von Faktoren wie Zuwanderung, vorhandenen Bauflächen, Baugenehmigungen, Arbeitsmöglichkeiten und Kaufkraftentwicklung individuell betrachtet werden sollte, gibt es europaweit einen Gesamttrend. Während der Finanzkrise 2009 und in den Euro-Krisenjahren 2012 und 2013 entwickelten sich die Hauspreise in Europa rückläufig, ehe sie mit dem neuen Aufschwung 2014 wieder leicht zu steigen begannen. Als dann die Eurokrise bald

kein Thema mehr war, beschleunigte sich der gesamte Preisauftrieb quer durch die EU: Von 2016 auf 2019 bewegte sich die jährliche Wohnimmobilienpreissteigerung um knapp über vier Prozent.

tugal (10,3%). In Österreich beschleunigte sich vom vierten Quartal 2019 auf das erste Quartal 2020 der Anstieg von 6,2 auf 7,7%.

Corona-Krise beschleunigt bis dato Immopreisanstieg

Langfristig hohe Wertsteigerungen mit Wiener Wohnungen

Dann kam Covid-19. Baustellen wurden vorübergehend eingestellt und begonnene Bauprojekte unterbrochen. Gleichzeitig war eine starke Anlegernachfrage nach Wohnungen gegeben. Die Folge war eine Beschleunigung des Preisauftriebs von jeweils 4,5 bzw. 4,9% (Euroraum und EU) im vierten Quartal 2019 auf jeweils 5,0 bzw. 5,5%. Das war gleichzeitig auch der stärkste jährliche Anstieg seit dem zweiten Quartal 2007. Der Aufschwung ist breit, denn mit Ausnahme von Ungarn stiegen auf Jahresbasis im ersten Quartal 2020 die Wohnimmobilienpreise in allen EU-Ländern und auch in Island (+4,7%), Norwegen (3,1%) und Großbritannien (2,5%). Im Vergleich zum Vorjahresquartal im Q1 20 die stärksten Preisanstiege verzeichneten Wohnimmobilien in Luxemburg (+14,0%), der Slowakei (+13,1%), in Estland (11,5%), Polen (11,3%) und Por-

Doch für Österreich selbst gibt es noch einen genaueren Preisindikator mit langer Historie, nämlich den von der Österreichischen Nationalbank (OeNB) veröffentlichten Wohnimmobilienpreisindex: Nimmt man alle Wohnimmobilien quer durch Österreich, dann beschleunigte sich vom vierten Quartal 2019 auf das erste Quartal 2020 der Preisauftrieb leicht von 3,0 auf 3,4%. In Wien lag der durchschnittliche Anstieg im ersten Quartal 2020 bei 3,9% vs. nur 2,8% außerhalb Wiens. Gleich um 10,4% verteuerten sich indessen die Preise für Einfamilienhäuser in Wien, neue Eigentumswohnungen in Wien hingegen um 5,3% (um 3,5% im verbleibenden Österreich). Mit nur 1,8% Anstieg am schwächsten stiegen gebrauchte Wohnungen außerhalb Wiens (in Wien um 2,0%). Doch die Historie geht viel weiter zurück. Seit dem Jahr 2000 mit 157%

26 | FINANZEN


am stärksten stiegen gebrauchte Eigentumswohnungen in Wien, während sich neue Wohnungen außerhalb Wiens mit 40% in den vergangenen 19,25 Jahren am schlechtesten entwickelten. Alle Wohnimmobilien quer durch Österreich gerechnet verteuerten sich indessen um 113,1% bzw. 4% p.a.. Erst ab 2009 starteten in Österreich die Wohnimmobilienpreise so richtig durch, was auf einen Zinssturz zurückzuführen ist. Von 2008 auf 2009 verbilligte sich der 3-MonatsEuribor im Schnitt um rund 3,4 Prozentpunkte und in den Jahren darauf ging es weiter nach unten. Von 2009 bis 2019 beschleunigte sich der Preisauftrieb bei heimischen Wohnimmobilien im Einklang mit der expandierenden Geldmenge und den sinkenden Zinsen auf 5,7%. Gebrauchte Eigentumswohnungen in Wien verteuerten sich im gleichen Zeitraum um 6,5% p.a.. Nun stellt sich folgende Kernfrage:

Befinden wir uns bereits in einer Wohnimmobilienblase? Die Antwort auf diese Frage kann anhand der Leistbarkeit von Wohnungen für Kreditkäufer, die zwar die Nebenkosten bezahlen, aber den Kaufpreis zur Gänze auf Kredit finanzieren, anschaulich illustriert werden. Es wird in diesem Modell ange-

nommen, dass ein Viertel des Nettoeinkommens in die Rückzahlung eines variabel verzinsten Kredites mit 25 Jahren Laufzeit fließen. Zins: 3-Monats-Euribor Anfang jeden dritten Monats im Quartal, daraus Durchschnitt pro Jahr und auf diesen ein Aufschlag von 1,50 Prozentpunkten. Dann wird das maximal leistbare Kreditvolumen in Relation zu den aktuellen Immobilienpreisen gesetzt. Als Basis der Immobilienpreise dient der Wohnimmobilienpreisindex, der von der OeNB veröffentlicht wird. Die relative Leistbarkeit von Wohneinheiten errechnet sich dabei wie folgt: (aktuell leistbares Kreditvolumen/aktuellen Wohnimmobilienpreisindex/Ausgangs-Kreditvolumen/Ausgangs-Indexwert). Der durchschnittliche 3-Monats-Euribor ging von 2000 bis 2019 von 4,49% auf minus 0,37% zurück, während das durchschnittliche Nettoeinkommen unselbständig Beschäftigter von 16.832 auf geschätzte 23.577 Euro pro Jahr (2018: laut Statistik Austria: 23.229 Euro) stieg, was einem Anstieg um 1,8 % p.a. entspricht. Damit konnte zwar mit der Preissteigerung gebrauchter Wohnungen außerhalb Wiens Schritt gehalten werden, doch in Städten wie Innsbruck und Wien wäre die Immobilienkaufkraft des Ein27 | FINANZEN

kommens gesunken. Den fremdfinanzierenden Immobilienkäufern kamen jedoch sinkende Zinsen entgegen, was die Leistbarkeit von Krediten verbesserte. Die Kombination steigender Einkommen und sinkender Kreditzinsen wirkte der Immobilienverteuerung entgegen, woraus folgende Entwicklungen resultierten: • Von 2000 bis 2009 ist die Leistbarkeit von Wohnimmobilien bundesweit auf den Höchstwert um 40% gestiegen. Beispiel: Angenommen jemand konnte im Jahr 2000 maximal um 54500 Euro eine 54,5 m2-Wohnung kaufen. Trotz Preisanstieg um 19,8% auf 1.198 Euro pro m2 dann im Jahr 2009 in der Lage, sich wesentlich mehr zu leisten, denn das erhältliche Kreditvolumen zu einer Rate von einem Viertel des Nettoeinkommens stieg auf rund 91.400 Euro. Somit sind 76,3 m2 leistbar geworden, also um 40% mehr! Achtung: Diese Berechnung dient mehr der Bewertung von Immobilien als der Darstellung des Kreditmarktes, wo in der Praxis Banken einen höheren Zins für die fiktive Rate (für den Fall steigender Zinsen) kalkulieren und auch gewisse Eigenmittel verlangen. • Nach der Finanzkrise kam der Immobilienboom. Die Wohnimmobilienpreise stiegen wesentlich stärker als die Net-


toeinkommen, während die Kreditzinsen 2011 zwischenzeitlich anstiegen ehe es nur noch langsam in marginalen Trippelschritten nach unten ging. Daher ist die Leistbarkeit von Wohnimmobilien in Österreich seit 2009 um 19,2% gesunken. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: Anstatt einer 100 m2-Wohnung im Jahr 2009 gibt es 2019 nur noch 80,8 m2. • Von 2009 bis 2019 war die Leistbarkeit gebrauchter Wohnimmobilien in Wien sogar um 25,5% rückläufig. • Im Zeitraum 2000 bis 2019 stieg zwar die Leistbarkeit von Wohnimmobilien in ganz Österreich per Saldo um 13,2%, doch seit 2010 herrscht eine kontinuierliche zunehmende relative Verteuerung. • Um fast 21% stieg von 2000 bis 2019 die Leistbarkeit von Wohnimmobilien außerhalb Wiens • Hingegen bei Wohnimmobilien in Wien war die Leistbarkeit seit 2000 um 3,2% rückläufig. Noch stärker sank von 2000 bis 2019 jene von gebrauchten Wohnungen in Wien, nämlich um 6,6%.

Fazit und persönliche Einschätzung des Autors In Spitzenlagen von Städten wie Wien, Innsbruck, Salzburg und Bregenz ist bereits für Normalverdiener die Leistbarkeit von Wohneigentum kaum mehr gegeben bzw. stark eingeschränkt. 7000 bis 10000 Euro pro m2 sind vor allem in Salzburg und Innsbruck keine Seltenheit mehr. Damit nähern wir uns dem Niveau überteuerter internationaler Metropolen wie München und Paris mit Preisen von 8.250 bzw. 12.862 Euro pro m2. Sollte es in den kommenden Jahren eine Zinswende oder Immobilienkreditklemme geben oder es zu einer zusätzlichen Immobilienbesteuerung (z.B. in Form einer Vermögenssteuer) kommen, dann droht eine kräftige Preiskorrektur bei urbanen Wohnungen. Unabhängig von möglichen Preisszenarien sollten Anlageimmobilienkäufer sich anhand folgender Checkliste mit potenziellen Risiken auseinandersetzen:

Potenzielle Risiken bei Anlageimmobilen inklusive Bauprojekten Bodenrisiken

Bei Hausbauprojekten bzw. beim Kauf von Baugrundstücken stellt sich gleich die Frage, welche Risikofaktoren unter der Erde das Bauprojekt verzögern und verteuern könnten, denn bei Liegenschaftsverkäufen wird üblicherweise die Gewährleistung ausgeschlossen. Der Erwerber trägt das Risiko. Theoretisch kann eine Übernahme des Risikos durch den Verkäufer verlangt werden, sofern sich dieser (eventuell gegen Aufzahlungen) darauf einlässt. Folgende Bodenrisiken können auftreten

• Technische Einbauten (z.B. Hochspannungsleitungen, Schächte, Kanäle, Glasfaserkabel etc.) • Historische Hinterlassenschaften: von Industrieruinen, Bomben aus den beiden Weltkriegen, Waffenlager bis hin zu archäologischen Ausgrabungen • Umweltrisiken: Sind unter der Erde gefährliche Rückstände alter Mülldeponien, Industrieanlagen, Werkstätten oder Tankstellen? Die Sanierung von Boden kann teuer werden. • Geologische und geotechnische Risiken: z.B. Hohlräume Um böse Fallen beim Liegenschaftskauf zu vermeiden sollte man sich bereits im Vorfeld von Vertragsabschlüssen und Bauarbeiten über die einzelnen Risiken erkundigen. Bezüglich Umweltrisiken gibt es beispielsweise länderspezifische Altlastenatlanten oder Verdachtsflächenkatastar, Auch Bombenfund-Risikogebiete der beiden Weltkriege sind verzeichnet. Die Risiken archäologischer Funde sind auch in Karten erfasst. Bauträger, Baufirmen, Immobilienmakler und Vertragserrichter sollten sich im Vorfeld von konkreten Handlungen mit diesen Risiken auseinanderzusetzen. Qualität der Bausubstanz und Baukostenüberschreitung

Immer mehr Plattenbauten der Nachkriegszeit sind abbruchreif, während 28 | FINANZEN

Häuser früherer Jahrhunderte wesentlich stabiler und langlebiger gebaut sind. Heute ist es ein Tauziehen zwischen billig, schnellem und effizienten Bau und technischem Fortschritt. Im Zweifelsfalle sollte man sich für die qualitativ hochwertigeren Bauweisen entscheiden. Zur Vermeidung größerer Baukostenüberschreitungen sollten klare Kostenvoranschläge eingeholt werden und Vertrauenspersonen mit Fachkenntnis die Baustelle überwachen. Steuerliche Tragfähigkeit und Zinsrisiken

Bei klassischen Anlegerwohnungen muss spätestens 20 Jahre nach Vermietungsbeginn ein steuerlicher Gesamtüberschuss erwirtschaftet sein. Gelingt dies nicht, dann hat dies die Rückzahlung der gewährten Steuervorteile zur Folge. Um das zu verhindern, sollte auf Mietrendite und Eigenmittel geachtet werden. Je höher die Mietrendite ist, desto geringer können die Eigenmittel sein und umgekehrt. Bei 3,5% Mietrendite sollten zur Sicherheit noch immer mindestens 30% Eigenmittel aufgebracht werden. Bei 3% und knapp darunter wären 40 bis 50% von Vorteil. Die Eigenmittel beziehen sich hier nur auf den Kaufpreis. Nebenkosten müssen da schon abgedeckt sein. Darüber hinaus sollte die Miete eher konservativ kalkuliert werden, da ansonsten mit längeren Leerständen zu rechnen sein könnte. Auch empfiehlt sich zumindest eine 15 jährige, besser sogar 20jährige Fixzinsbindung. Diese macht die Kreditzinsen als wichtigen Kostenfaktor kalkulierbarer. Darüber hinaus sollten für den Fall längerer Mietausfälle (seit Covid-19 ein Thema) flexible tilgungsfreie Zeiten während der Kreditlaufzeit vereinbart werden (sofern dies möglich ist). Zukünftige Umweltauflagen

Niedrigenergiehäuser wären ideal. Hingegen alte Häuser mit höherem Energieverbrauch könnten eines Tages teuer werden. Was ist, wenn plötzlich innerhalb einer bestimmten Frist thermische Sanierungen von Gebäuden mit zu schlechten Energiewerten vom Staat vorgeschrieben werden?


Auch in schwierigen Zeiten immer für Sie da. KR Gerhard Heine Leiter Partnervertrieb Österreich

wienerstaedtische.at/vertriebspartner

IHRE SORGEN MÖCHTEN WIR HABEN


Qualitätsrisiken und Gegebenheiten des Wohnungsmarktes risControl befragte den renommierten Immobilientreuhänder Dr. Roland C. Pollo (Immobilientreuhand Dr. Pollo GmbH), dessen Unternehmen neben dem Hauptsitz in Innsbruck über eigene Standorte in Wien und der Südoststeiermark verfügt. Die Häuser aus dem 19. Jahrhundert haben lange Lebensdauer, doch die heutige Architektur ist vergänglicher. In welcher Bandbreite liegt die Lebensdauer klassischer Anlegerwohnungen (Neubau) von heute? Dr. Pollo: Die Lebensdauer von heute

errichteten Gebäuden wird mit ca. 67,7 Jahren angegeben. Natürlich werden die „Standards“ der heute zu errichteten Häuser immer höher und zudem darf man nicht vergessen, dass im Normalfall jedes Gebäude je nach Anlassfall und Alter entsprechend saniert wird. Daher kann ein heute errichtetes Gebäude, das solide errichtet wurde, durchaus auch sehr lange bestehen. Um einen Vergleich mit Häusern aus dem Mittelalter anzustreben, fehlt uns die Zeit, um hier eine absolute Lebensdauer zu ermitteln. Worauf ist zu achten, dass es nach 25 bis 40 Jahren zu keinen bösen Überraschungen in Form eines erforderlichen Abrisses des Gebäudes kommt?

Die Lebensdauer von heute errichteten Gebäuden wird mit ca. 67,7 Jahren angegeben.

Dr. Pollo: Wenn die Häuser nach heu-

tigen Standards errichtet werden, immer mehr in Richtung energetischer Bauweise samt entsprechender Pflege eines Gebäudes, so muss man in keinster Weise damit rechnen, dass ein Gebäude nach 25-40 Jahren abgerissen werden muss. Natürlich gibt es immer noch einige schwarze Schafe in der Branche, die versuchen, möglichst günstig zu bauen, keine Drainagen bei Hangwasser etc. oder auch Hangsicherungen vornehmen. Da kann es dann schon vorkommen, dass aufgrund von genannten Fehlern hier es zu Teilabrissen bzw. zu teilweisen Neubauten kommen kann. Dieser Fall ist aber in der heutigen Zeit mit dieser Art und Weise von Auflagen, wie und wo und aufgrund von der heutigen Bau- und Ausstattungsbeschreibung und entsprechender Umsetzung mit Bauaufsicht fast undenkbar. Auf welche Lagemerkmale ist beim Kauf von Anlage-Wohnungen zu achten, um einen möglichst hohen Vermietungsgrad (geringen Leerstand) zu erreichen? Dr. Pollo: An erster Stelle kann man

nur das bekannte Wort 3x wiederholen: Lage, Lage und wiederum Lage. Aber nun zur eigentlichen Frage, diese sogenannten Anlegerwohnungen sollten der Lage nach über sehr gute Infrastruktur verfügen, nahe von Unis, Geschäften, 30 | INTERVIEW

Banken und letztendlich auch mit einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr ausgestattet sein. Selbstverständlich sollte aufgrund unserer Alterspyramide und demographischen Ausrichtung, sprich die Menschen werden immer älter, entsprechend barrierefrei gebaut werden. Mit welchen Leerständen ist zu rechnen? Dr. Pollo: Primär wird es in Zukunft im-

mer schwieriger, Gewerbeimmobilien zu vermieten. Die derzeitige Coronakrise ist dafür zum Großteil Schuld - Schließung von vielen kleinen Geschäften, großes Sterben des Einzelhandels. In Städten wie Innsbruck sind nahezu alle Wohnungen, die sich im guten Zustand befinden vermietbar, da Innsbruck eine große und sehr beliebte Studentenstadt ist und nahezu allen verfügbaren und gut erhaltenen Wohnungen vermietet werden können. Leerstände sehe ich nur bei überteuerten Immobilien. Ein weiterer Aspekt für die Nichtvermietung und den bewusst herbeigeführten Leerstand von Seiten der Hausoder Wohnungseigentümer (die es sich finanziell leisten können) ist der sogenannte „Richtwertmietzins“ für Häuser, die vor 1945 errichtet wurden. Ein solches Verfahren vor der Schlichtungsstelle wird immer öfter von Mietern ausgelöst, die aufgrund von überhöhten Mieten im Bereich des Altbaus ein solches in Gang setzen. Zumeist bekommen diese Mieter


Selbstverständlich sollte aufgrund unserer Alterspyramide und demographischen Ausrichtung, sprich die Menschen werden immer älter, entsprechend barrierefrei gebaut werden. Es werden jedoch auch Wohnungen gekauft, die gerade einmal 1% Rendite erwirtschaften. Hier gilt die Devise „Grundbuch statt Sparbuch“. Natürlich gibt es auch durchaus bessere Renditen, diese sind jedoch eher selten. Es kann dann schon einmal vorkommen, dass in Einzelfällen 5-7% an Rendite zu verdienen ist. Aber diese Fälle sind in der heutigen Zeit eher selten.

dann auch Recht. Der Vermieter kommt oftmals zur Erkenntnis, dass ein „Nichtvermieten“ aufgrund des für das jeweilige Bundesland veröffentlichen „Richtwertmietzinses“ pro Quadratmeter, in Tirol derzeit € 7,09 pro m2, eine „Nichtvermietung“ besser als eine Vermietung ist. Wie hoch sind die zu berücksichtigenden Instandhaltungskosten? Dr. Pollo: Die Instandhaltungskosten

bzw. „Rücklagen“ wie sie auch genannt werden, richten sich immer nach dem Alter eines Gebäudes. Prinzipiell kann man sagen, dass die Instandhaltungskosten in den ersten 10 Jahren nach Übergabe eines Gebäudes mit ca. 30 – 50

Cent pro m² anzusetzen sind. Die genaue Höhe liegt jedoch immer im Ermessen der Hausverwaltung in Absprache mit den Wohnungseigentümern. Sollten später größere Investitionen, sprich Sanierungen anstehen, so kann dann schon auch zu einer wesentlich höheren Ansparung pro m² übergegangen werden. Welche Mietrenditen sind beispielsweise in Innsbruck heute noch erzielbar? Dr. Pollo: Die Renditen auf die Stadt Innsbruck bezogen waren schon einmal wesentlich höher. Heute rechnet man im Wesentlichen mit ca. 2-3% Rendite. 31 | INTERVIEW

Wieviel Eigenmittel sind in Innsbruck für eine klassische 2-Zimmer Anlegerwohnung mit 45 m2 (Balkon u. Uninähe) erforderlich? Dr. Pollo: Eine klassische 2-Zimmer-

wohnung mit ca. 45m² kann heute im Neubau in guter Uninähe durchaus zwischen € 270 000 und € 290 000 kosten. Wird zusätzlich eine Garage noch angeschafft kann man mit Zusatzkosten von ca. € 28 000 – € 30 000 und mehr rechnen. An Eigenmittel sollte man auf alle Fälle ca. 20% bis 30% von den Gesamtanschaffungskosten haben. Hierbei sind auch die Nebenkosten gemeint, die in der Regel ca. 10% des Kaufpreises ausmachen. Vielen Dank für das Interview.


Die Abrissbirnen von Mario Passini Erste Bekanntschaft. Es begann harmlos. Eine kleine, aber feine Gruppe von Bürgern aus der Wiener Innenstadt beschloss um den Erhalt eines der schönsten und mächtigsten Bäume Wiens, der Platane am Luegerplatz, zu kämpfen. Um Mitstreiter und Unterstützung zu gewinnen, gab man (schon damals! D.Red.) ein Internetmedium heraus, dass man – blauäugig – „LuegerPost“ nannte. Naheliegend, war der Platz doch das tägliche Lebensumfeld. Doch die Bürger hatten die Rechnung ohne die Kämpfer der Political Correctness gemacht. Flugs flatterte eine Argbeschimpfungsschrift herein, in der die ahnungslosen Bürger als wüste Finsterlinge beschrieben wurden. Ursache: Der Name der Postille. Die Beschimpferin, ihr Name sei gnädig verschwiegen, war am außersichersten über die Tatsache, dass man eine Zeitung nach so einem schlimmen Finger wie Lueger benennen könne. Die Gruppe beschloss nach kurzer Schnappatmung, die Internetzeitung umzubenennen. Das ist viele Jahre her. Es ist noch zu berichten, dass die Bürger den Streit um die Platane gewannen. Der Baum steht noch heute. Und das ist gut so.

Ruhe, Sieg und Frieden sorgen. Deshalb sagte man anno dazumal: „Macht es euch bequem, heute kommt der John Wayne.“ Die Welt war in Ordnung. Man mag ja heute verstehen, dass mein John Wayne bei Gutmenschen unbeliebt ist. Denn es gehört sich einfach nicht, mit Gewehren auf Menschen zu schießen, die nur Pfeil und Bogen haben. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Dennoch regte es mich auf. Wenig Trost gaben dabei Meldungen, wonach man auch Fürst Bismarck, Sir Winston Churchill, Christoph Columbus oder den Präsidenten Theodore Roosevelt vom Sockel stürzen will. Selbst OTTO der Ostfriese bleibt nicht verschont.

Denkmalstürmer

Outing

Eigentlich wollte ich über Denkmalstürmer (Abkürzung in Folge: DSM) nicht mehr schreiben. Da lese ich, auch John Wayne steht in der Kritik. Die DSM wollen John Wayne vom Denkmal stürzen und einen nach ihm benannten Flugplatz umbenennen. Meinen John Wayne! Ohne ihn hätte ich nie vermocht, die furchtbaren Angriffe der Rothäute (auch das eine heute „verbotene“ Bezeichnung) zu ertragen. Aber man wusste, ER würde kommen und für

Am Samstag, den 12. Juli outete sich Eduard Freudmann in der Tageszeitung „Der STANDARD“. In seinem Gastkommentar rief er zu mehr „Mut zum Denkmalsturz“ auf. Das Hinterfragen von Geschichtsbildern, die sich in Denkmälern oder Straßennamen manifestierten, sei Ausdruck einer selbstbewussten, demokratischen Gesellschaft, meint er. Freudmann ist nicht irgendwer. Dozent Mag. Eduard Freudmann studierte Bildende Kunst an der Akademie der bil-

Das Luegerdenkmal Als Bürger, die um den Wiener Lueger-Platz wohnen, an einem friedlichen Morgen aufwachten, sahen sie das Denkmal Luegers mit einem Schuldeingeständnis bemalt. „SCHULD“ stand in grellroter Farbe auf dem Denkmalsockel geschmiert. Naja, dachten einige, da hat einen das Gewissen geplagt und er betreibt Buße. Falsch! Es war Anklage. Der Kulturkampf war wiedereröffnet.

32 | KOLUMNE

denden Künste in Wien und an der Bauhaus-Universität Weimar. Er ist Forscher und Lehrer für transdisziplinäre Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er ist anerkannter Künstler und bekannt für seine Projekte und Interventionen im öffentlichen Raum zum Gedenken an den Holocaust. In diesem Zusammenhang gewann er den umstrittenen Denkmalwettbewerb „From Those You Saved“ in Warschau. Die Vollendung seines Werkes scheiterte an der Wahl des Ortes für die Aufstellung. Es gibt auch Gegenstimmen. Die polnische Schriftstellerin Bożena Keff brachte ihre Ansicht zum Ausdruck, dass es bei der Lage des Denkmals weniger um die Achtung der Geschichte als vielmehr um Propaganda gehe. (Quelle: WIKIPEDIA). Ist auszuschließen, dass seine Lehre auf fruchtbaren Boden fällt? Jedenfalls haben Teile der Wiener Hochschülerschaft ein Manifest verfasst und an die Wiener Stadtverwaltung gesandt, mit der Aufforderung, das Denkmal Luegers zu schleifen. Man darf den jungen Studiosi und Studios*innen nicht gram sein. Sie realisieren wohl nur das, was gelehrt wird. Die Wiener Stadtregierung hat pragmatisch reagiert. Natürlich gibt es auch akademische Gegenstimmen zur Meinung Freudmanns. Ist alles nachzulesen. In einem Forschungs-Newsletter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften spricht sich Historiker Werner Telesko für eine Einordnung, nicht aber den Sturz ambivalenter Denkmäler aus: Historische Persönlichkeiten sind eben zumeist nicht entweder monolithisch gut oder schlecht. Man muss unterschiedliche Schichten offenlegen." Es sei deshalb sinnvoller, die entsprechenden Denkmäler zu kontextualisieren oder mit künstlerischen Interventionen zu konfrontieren.


Lueger Man muss Freudmann dankbar sein. Plötzlich steht die Statue Luegers, die im Alltag weitgehend unbemerkt bleibt, wieder im Interesse der Bürger. Und selbst jene, denen das Lueger-Denkmal bisher „wurscht“ war, fragen, wer dieser Lueger denn nun wirklich sei und welcher Verbrechen er sich schuldig gemacht habe. Da kommt Staunen auf. In ­WIKIPEDIA kann man nachlesen: In seiner Amtszeit als Wiener Bürgermeister wird Doktor Karl Lueger die Ausweitung der öffentlichen Wasserversorgung durch seine zweite Hochquellwasserleitung zugeschrieben. Er verfolgte auch die Kommunalisierung von Gas- und Elektrizitätswerken sowie den Aufbau eines öffentlichen Verkehrssystems und die Einführung von (elektrischer) Straßenbahnen und zahlreicher Sozialeinrichtungen. Er baute die Vororte ein und baute Parks, Gärten, Waisenhäuser, Krankenhäuser und Schulen. 1904 rettete er den „Wald und Wiesengürtel“-Wiens, genannt Wienerwald, der Nachwelt. Er war Führer der österreichischen Christlich-Sozialen Partei. Allerdings, so die DMS, Sozialleistungen könne man nicht aufrechnen. Er sei ein Rassist, ein Antisemit gewesen, ein rabiater noch dazu. Und er habe Hitler inspiriert.

Dazu: Gegen Ende seiner letzten Amtszeit als Bürgermeister stellte Lueger seinen Antisemitismus als politische Strategie dar, wie Alexander Spitzmüller berichtet: „Ja, wissen S’, der Antisemitismus is’ a sehr gutes Agitationsmittel, um in der Politik hinaufzukommen; wenn man aber amal oben ist, kann man ihn nimmer brauchen; denn dös is a Pöbelsport!“ Der berühmte jüdische Schriftsteller Stefan Zweig, der während Luegers Amtszeit in Wien aufgewachsen war, erinnerte daran, dass „seine Stadtverwaltung vollkommen gerecht und sogar typisch demokratisch war“. Andere Beobachter behaupten, Luegers öffentlicher Rassismus sei zum großen Teil eine Pose gewesen, um Stimmen zu erhalten, da er einer der ersten war, der den Populismus als politisches Instrument nutzte.

Totalitäre Geschichtspolitik „Geschichte endet nie“, sagt Aleida Assman, Kulturwissenschafterin, im STANDARD vom 12. Juli 2020. Wer im realen Leben wenig oder gar keine Vorstellung von gesellschaftlichen Alternativen hat, der arbeitet sich gerne an wehrlosen Bronzefiguren ab. Luegers Denkmal droht der Abriss wegen moralischer Anstößigkeit, begangen im zu Ende gehen33 | KOLUMNE

den 19. Jahrhundert, und wegen grober Verletzung unserer heutigen (!) gesellschaftlichen Werte. Dazu George Orwell in „1984“: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft, wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“

Conclusio Denkmäler, die sich aus welchem Grund auch immer im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert haben, verschwinden nicht. Selbst dann, wenn man sie abreißt. Irgendwer gräbt sie wieder aus. Der Sturz von Denkmälern ist auch keine Auseinandersetzung mit der Geschichte, sie täuscht diese nur vor. Es ist eher ein Akt der Hilflosigkeit, ein Zeichen der Schwäche, nicht der Stärke. (WIKIPEDIA). Denkmal. Das kann auch eine Aufforderung sein nachzudenken. Denk mal! Gilt für alle. Erinnerungskultur heißt auch, jeder trägt seine eigene Geschichte im Kopf. Ist doch so, oder?

Postskriptum Mancher mag in dieser trostlosen Zeit vielleicht Halt im Lied finden, das Hans Moser einst sang: „Der Doktor Lueger hat mir einmal die Hand gereicht.“


Der Ruhestand kommt schneller als erwartet Wie wird es in der Pension funktionieren? Welche Möglichkeiten zur Vorsorge gibt es und wird die staatliche Pensionleistung ausreichen, um den wohlverdienten Ruhestand genießen zu können? Wir haben mit Arno Slepice, Geschäftsführer von Business Point consulting & vorsorge gmbh, über das Thema gesprochen. Warum soll ein Unternehmen für seine Arbeitnehmer vorsorgen? Slepice: Da sprechen viele Gründe da-

für. In vielen Branchen ist es trotz der aktuellen Arbeitsmarktkrise nach wie vor schwierig engagiertes und qualifiziertes Personal zu finden und dann auch zu halten. Ein modernes Vergütungssystem in dem auch Bestandteile der betrieblichen Vorsorge integriert sind, steigert jedenfalls die Attraktivität des Arbeitgebers und schafft auch Mitarbeiterbindung.

Welche steuerlichen Vorteile gibt es für Unternehmen? Slepice: Das ist stark vom Vorsorgemo-

dell bzw. Durchführungsweg abhängig, prinzipiell kann man aber sagen, dass

sich das Unternehmen für Prämienaufwände die in betriebliche Vorsorgelösungen fließen meist die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnnebenkosten einsparen kann, daher sind solche Modelle nicht nur für Mitarbeiter sondern auch für die Unternehmen von großen Vorteil. Dabei sollte natürlich die Vorsorge für den Unternehmer selbst (z.B. für den geschäftsführenden Gesellschafter) nicht vergessen werden, denn hier sind neben Sozialversicherung und Lohnnebenkosten auch noch steuerliche Vorteile vorhanden. Was ist wichtiger – Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeitsvorsorge? Slepice: Im Idealfall natürlich ein Al-

tersvorsorgemodell und eine Berufs-

unfähigkeitsversicherung bzw. ein Altersvorsorgemodell mit integrierter Berufsunfähigkeitsversicherung. Überall dort wo der Berufsunfähigkeitsfall existenzbedrohend ist, sollte zumindest diese monatliche Summe als BU-Rente abgedeckt werden. Gerade bei jungen Familien mit hohen Verbindlichkeiten durch die Schaffung eines Eigenheims, ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zumindest für die Dauer des Finanzierungszeitraums enorm wichtig. Wenn hier der Hauptverdiener für längere Zeit aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, ist meist auch das Eigenheim nicht mehr zu halten. Bei der Altersvorsorge selbst spielt das Einstiegsalter eine enorme Rolle, daher sollte man so früh wie möglich bereits in jungen Jahren damit beginnen.

Bevölkerungsprognose 2019, Hauptvariante (Quelle: STATISTIK AUSTRIA) Gesamtbevölkerung, absolut Jahr

Gesamtbevölkerung, in Prozent

Im Ausland geboren

Insgesamt

Bis unter 20 Jahre

20 bis unter 65 Jahre

65 und mehr Jahre

Bis unter 20 Jahre

20 bis unter 65 Jahre

65 und mehr Jahre

Insgesamt

in %

2018

8.837.707

1.717.385

5.462.438

1.657.884

19,4

61,8

18,8

1.711.993

19,4

2020

8.909.037

1.723.527

5.480.491

1.705.019

19,3

61,5

19,1

1.772.264

19,4

2030

9.210.146

1.776.383

5.298.806

2.134.957

19,3

57,5

23,2

2.019.675

21,9

2040

9.434.969

1.775.141

5.175.527

2.484.301

18,8

54,9

26,3

2.224.693

23,3

2050

9.597.049

1.778.736

5.171.294

2.647.019

18,5

53,9

27,6

2.391.276

24,9

2060

9.682.207

1.812.553

5.112.749

2.756.905

18,7

52,8

28,5

2.519.430

26,0

2070

9.793.189

1.834.200

5.131.402

2.827.587

18,7

52,4

28,9

2.609.607

26,6

2080

9.928.355

1.844.683

5.171.334

2.912.338

18,6

52,1

29,3

2.667.092

26,9

34 | INTERVIEW


Niemals vorgesorgt fürs Alter – soll man seine gesetzliche Pension noch freudig erwarten? Slepice: Um die Nachhaltigkeit des ös-

terreichischen Pensionssystems war es ja bereits vor COVID-19 nicht sonderlich gut bestellt. Auch die letzten Mercer Studien haben gezeigt, dass Österreich in punkto Nachhaltigkeit ganz weit hinten im Ländervergleich liegt. Lediglich ein Land nämlich Italien schneidet hier noch schlechter ab als Österreich. Die durch COVID-19 ausgelöste aktuelle wirtschaftliche Situation und die Problematik am Arbeitsmarkt (Arbeitslose und Kurzarbeit) bringt unser angeschlagenes Pensionssystem nun noch schneller ins Schwanken und der Druck nach weiteren Pensionsreformen steigt an. Man braucht kein großer Mathematiker zu sein, sondern sich einfach nur ein paar Zahlen, Daten und Fakten anzusehen, um die Problematik zu erkennen. Eine staatliche Grundversorgung für zukünftige Pensionisten wird es sicherlich auch in Zukunft geben. Pensionshöhen wie wir sie heute kennen sind aber mehr als fragwürdig und man sollte nicht damit rechnen bzw. sich nicht darauf verlassen. Wie sieht die Bevölkerungsprognose im Jahre 2019 aus? Slepice: An der Bevölkerungsprog-

nose der Statistik Austria sieht man sehr schön, wie sich die Altersgruppe ab 65 Jahren von 2018 bis 2080 voraussichtlich entwickeln wird. Ein Anstieg von 1,66 Mio. auf 2,91 Mio. Menschen mit Alter über 65 Jahren. Wobei die Anzahl der Personen in der Altersgruppe zwischen 20 und 65 Jahren rückläufig ist. Von 5,46 Mio. auf nur noch 5,17 Mio. Die jährlichen Bundeszuschüsse in der gesetzlichen Pensionsversicherung haben mittlerweile ein beachtliches Ausmaß angenommen. Im Bundeszuschuss sind die Pensionsversicherungsbeiträge, die seitens des Arbeitsmarktservice geleistet wer-

den, noch nicht inkludiert. Diese werden im Jahr 2020 aufgrund der COVID-19 Arbeitsmarktsituation eine gigantische zusätzliche Belastung darstellen. Die Bundesmittel in der gesetzlichen Pensionsversicherung betrugen im Jahr 2018 insgesamt 7.745 Milliarden Euro. Im Bereich der Pensionsversicherung übernimmt der Bund nicht nur die Ausfallhaftung, sondern ersetzt den Pensionsversicherungsträger auch den Aufwand für Ausgeleichszahlungen.* Unsere aktuelle Bundesregierung sieht aber laut Regierungsprogramm keinerlei Problematik beim Pensionssystem, weshalb im Regierungsprogramm bezüglich Pensionssystem lediglich ein paar Überschriften ohne konkrete Details zu finden sind. Auszug Regierungsprogramm:„Das österreichische Pensionssystem zeichnet sich durch Sicherheit und Klarheit aus. Es gibt zwar immer wieder Adaptionsbedarf,

* Quelle: Jahresbericht der österreichischen Sozialversicherung 2019

35 | INTERVIEW

aber wir brauchen keine grundlegende Neuausrichtung. Was es braucht, sind Bemühungen, Lücken und Ungerechtigkeiten im Pensionssystem zu schließen und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Unser Ziel ist es, ein Altern in Würde zu ermöglichen.“ Welche Themen sind in den Bereich Vorsorge ihrer Meinung nach noch wichtig? Slepice: Der Kampf gegen die Altersar-

mut. Auch über die nachhaltige Finanzierung des Pensionssystems durch Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter sollte zu einem Diskussionspunkt werden. Das wichtigste ist aber der Erhalt der Gesundheit bis zum Eintritt ins Pensionsleben. Hier gibt es sicherlich noch einigen Handlungsbedarf. Wir danken für das Gespräch.


Lebe wohl Gesundheit ist keine Glückssache. Sie ist ein Produkt von Lebensführung und gesunder Ernährung. Und dann ist es doch wieder Glück. Denn würden wir in Italien oder Spanien leben, würden wir gesünder leben. von Mag. Christian Sec

Weder Staat noch eine gute Versicherung können uns die Verantwortung abnehmen für unser körperliches und seelisches Wohl Sorge zu tragen. Trotzdem sind es oftmals externe Kräfte, die uns unter Stress setzen und denen wir ausgeliefert sind. Laut einer Studie von Ernst & Young mit über 1.000 Arbeitnehmern, ist die Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren spürbar gestiegen. Fast zwei von drei Beschäftigen in Österreich sind demnach der Ansicht, dass der Druck, dem man im Arbeitsalltag ausgesetzt ist, in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Dieser steigende Stresspegel wirkt sich auch auf die Krankenstandsquote aus, die in den letzten Jahren wieder ansteigend ist. So verbrachten 2018 unselbstständig Beschäftigte im Jahresverlauf durchschnittlich 13,1 Kalendertage im Krankenstand. Der Stress und seine gesundheitlichen Folgen sind allgemein bekannt. Hinzu kommt, dass stressbedingt oftmals der Konsum von schädlichen Mitteln wie Nikotin oder Koffein steigt, ein Teufelskreislauf also.

Italiener und Spanier zeigen, wie es geht Ein Blick auf die Lebenserwartungsstatistik in den EU-Ländern zeigt ein fürs 36 | KOLUMNE

Erste unerwartetes Bild. Gerade Italien und Spanien, die wirtschaftlichen Sorgenkinder Europas sind ganz weit vorne zu finden. Im Schnitt leben die Spanier und Italiener rund zwei Jahre länger als der Österreicher und das kann nicht am Gesundheitssystem oder ökonomischer Überlegenheit bzw. liegen, wie nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt hat. Ab einem bestimmten ökonomischen Entwicklungsstand ist nicht mehr steigender Wohlstand, medizinischer Fortschritt, oder Hygiene entscheidend für eine hohe Lebenserwartung, sondern die Lebensweise. Gerade die Mortalität bei Herz-Kreislauferkrankungen liegt in Italien und Spanien unter dem EUSchnitt, was einen stressfreieren Lebensstil und gesündere Ernährung vermuten lässt. Tatsächlich beruht die Mittelmeerküche nicht bloß auf vielen Fischgerichten, sie enthält auch deutlich mehr Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte und Obst, wie ein Ernährungsexperte erklärt. In unseren Breiten dominieren im Vergleich dazu hingegen kalorienreiche, fetthaltige Gerichte. Die sogenannte Ernährungspyramide ausgegeben vom Bundesministerium für Gesundheit verdeutlicht in welchen Mengen wir die Lebensmittelgruppen es-


besonders viele kalorienreiche Produkte in unserem Einkaufswagen landen.

Bewegung oder Siesta

Fettes, Süßes und Salziges Süßigkeiten, Mehlspeisen, Fastfoodprodukte, Snacks, Knabbereien und Limonaden sind ernährungsphysiologisch weniger empfehlenswert und sollten selten konsumiert werden – maximal eine Portion pro Tag.

sen sollten, um uns vollwertig zu ernähren. Ein kleiner Tipp dazu: Man sollte nie mit leerem Magen einkaufen gehen. Es ist nämlich wissenschaftlich erwiesen, dass wenn wir hungrig einkaufen gehen,

Aber auch ein harmonisches Leben, das im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen steht, ist förderlich für die Gesundheit. Die berühmte Siesta gibt es noch immer in Spanien. Zu diesem Mittagsschlaf schließen in Spanien viele kleine Geschäfte in der glühenden Mittagshitze für drei oder gar vier Stunden ihren Betrieb. Die lange Pause dient dazu, nach Hause zu fahren, sowie eventuell ein Nickerchen zu halten bevor die Nachmittagsarbeit spät nachmittags wiederbeginnt. In größeren Unternehmen ist die Mittagspause auf ein bis zwei Stunden begrenzt, jedoch noch immer lang genug, um sein Mittagsmahl

Fette und Öle Täglich 1 – 2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Qualität vor Menge. Hochwertige pflanzliche Öle wie Olivenöl, Rapsöl aber auch andere pflanzliche Öle wie Walnuss-, Soja-, Lein-, Sesam-, Maiskeim-, Sonnenblumen-, Kürbiskernund Traubenkernöl sowie Nüsse und Samen enthalten wertvolle Fettsäuren und können daher in moderaten Mengen (1 – 2 Esslöffel) täglich konsumiert werden.

in Ruhe zu genießen, und es nicht wie in unseren Breiten üblich herunterschlingen

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Getreide und Erdäpfel Täglich vier Portionen Getreide (bevorzugt Vollkorn), Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel. Eine Portion entspricht: Brot/Vollkornbrot, Gebäck z. B. Weckerl, Kornweckerl, Semmel, etc. (ca. 50 – 70 g), Müsli oder Getreideflocken (ca. 50 – 60 g), Teigwaren (roh ca. 65 – 80 g, gekocht ca. 200 – 250 g), Reis oder Getreide (roh ca. 50 – 60 g, gekocht ca. 150 – 180 g), Erdäpfel (gegart ca. 200 – 250 g, 3 – 4 mittelgroße).

zu müssen oder gar hastig im Gehen zu konsumieren um nach 30 Minuten und Null Sekunden wieder frisch und munter zu funktionieren. Während also in Italien oder Spanien lange Ruhephasen konstitutiv sind, sind wir hierzulande quasi in der Stressbewältigung auf uns allein gestellt. Eine Devise gegen Stressabbau lautet Bewegung. Schon ein kurzer Spaziergang im Wald kann Stress deutlich reduzieren, wie Studien zeigen. Blätterrauschen, knospendes Grün und der Duft

Milch und Milchprodukte Drei Portionen Milch und Milchprodukte, bevorzugt fettarme Varianten. Eine Portion entspricht: Milch (200 ml), Joghurt (180 – 250 g), Topfen (200 g), Hüttenkäse (200 g), Käse (50 – 60 g). Am besten sind zwei Portionen „weiß" (z.B. Joghurt, Buttermilch, Hüttenkäse) und eine Portion „gelb" (Käse).

von Tannennadeln in der Natur. Demnach genügen 20 Minuten im Grünen, um das Level an Stresshormonen merklich zu vermindern. Pro Tag sollte man für seine Gesundheit laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10.000 Schritte gehen. Demnach hält gehen nicht nur fit, hilft Gewicht zu verlieren oder reduziert Stress, sondern lindert auch Krankheiten wie Rückenschmerzen und Depressionen steigert das Wohlbefinden und senkt das Risiko an Altersdiabetes, Krebs, Alzheimer oder Osteoporose zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Dabei hilft einfaches Gehen sogar schweißtreibende Sportarten zu ersetzen. Eine Stunde langsames Radfahren entspricht etwa 7.500 Schritte. Eine Stunde joggen bringt so viel wie 12.500 Schritte, abhängig von der Geschwindigkeit. Aber 10.000 Schritte, also rund sieben Kilometer sind auch nicht so einfach in den Tag zu integrieren. Ein paar Tricks, wären z.B., statt dem Auto oder dem öffentlichen Verkehr für den morgendlichen Weg zur Arbeit das Fahrrad zu nehmen. Im Internet gibt es Umrechnungshelfer, wie man seine Fahrradstrecke in Schritte umwandeln kann.

Fisch, Fleisch, Wurst und Eier Pro Woche mindestens 1 – 2 Portionen Fisch (à ca. 150 g) wie fettreichen Seefisch (Makrele, Lachs, Thunfisch und Hering) oder heimischen Kaltwasserfisch wie beispielsweise Saibling. Maximal 3 Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstwaren (300 – 450 g pro Woche). Rotes Fleisch (wie z.B. Rind, Schwein und Lamm) und Wurstwaren eher selten essen. Maximal drei Eier pro Woche.

Auch bieten einige Fitness-Armbänder und Smartwatches direkt eine Umrechnungsfunktion.

Lachen für die Gesundheit Aber dann wäre da noch ein ganz anderer Hinweis, der das Leben nicht nur gesünder, sondern auch lebenswerter machen könnte. Wenn wir lachen dann schüttet unser Körper Glückshormone aus. Die sogenannten Endorphine sind der größte Erzfeind unseres Stresshormons Cortisol. Lachen wir, so senken wir unseren Stresspegel. Diese kleine Methode kann immer und überall angewendet werden und funktioniert sogar dann, wenn wir unser Lachen nur vortäuschen.

Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst Ideal wären über den Tag verteilt fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen. Davon drei Portionen Gemüse und/oder Hülsenfrüchte und zwei Portionen Obst. Faustregel: Eine geballte Faust entspricht einer Portion Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte.

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In Acqua Veritas Warum Wasser so wichtig für unseren Körper ist • Wasser stellt einen kritischen Nährstoff dar, ohne welchen wir innerhalb weniger Tage nicht überleben würden. Ohne Wasser kann der Mensch nur tagelang überleben. Wasser macht 75% des Körpergewicht bei Säuglingen bis zu 55% bei älteren Menschen aus und ist für die zelluläre Homöostase und das Leben unerlässlich. • Wasser ist der Hauptbestandteil unseres Körpers, da etwa 60% unseres Körpergewichts (im Durchschnitt) aus Wasser besteht. Dieser Wassergehalt variiert je nach Körperzusammensetzung (Magermasse und Fettmasse). • Leider bekommen viele von uns nicht genug zu trinken, vor allem ältere Erwachsene. Ältere Menschen verspüren nicht mehr so viel Durst wie früher, als sie jünger waren. • Wasser kann zur Vorbeugung und Behandlung von Kopfschmerzen beitragen: Es kann manchmal helfen, Kopfschmerz-Symptome zu lindern, insbesondere bei Menschen, die dehydriert sind. • Wasser hilft bei der Maximierung der körperlichen Leistungsfähigkeit: Der Verlust von nur 2% des Wassergehalts des Körpers kann die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

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Zum Altersvorsorgeverhalten in Österreich und in Japan Ergebnisse einer vergleichenden empirischen Studie mit einer Unterscheidung nach städtischer und ländlicher Bevölkerung und Erhebungen in den jeweiligen Landessprachen (315 Probanden/-innen) ao. Univ.-Prof. Dr. Erwin Eszler und Patrik Pilsits BSc (WU) WU Wirtschaftsuniversität Wien, Institute for Finance, Banking and Insurance

Sorgen Menschen in Österreich und in Japan verschieden für ihr Alter vor? Unterscheidet sich dabei die Vorsorge der städtischen Bevölkerung von jener auf dem Land? Das wollte Patrik Pilsits – der ein kombiniertes Studium „Internationale Betriebswirtschaft (IBWL) / Japanisch“ betreibt - in seiner Bachelorarbeit1 an der Wirtschaftsuniversität Wien (Betreuer E. Eszler) herausfinden. Wesentliche Ergebnisse dieser Studie werden im Folgenden vorgestellt.2

Methodik, Datenerhebung und Strukturen der Stichproben Als Erhebungsinstrument wurde ein Fragebogen für eine Onlinebefragung mit dem Umfragetool „LimeSurvey“ erstellt und es wurden gezielt Personen in Wien („Österreich/Stadt“) bzw. in Wolfsberg und Umgebung („Österreich/Land“) um Teilnahme an der Befragung gebeten, ebenso Personen in Tokyo („Japan/Stadt“) bzw. in Chichibu und Umgebung (Saitama-Präfektur) („Japan/

Land“). Insgesamt fanden die Befragungen vom 5.7.2019 bis zum 25.8.2019 statt. Zielgruppe waren vorrangig Personen zwischen dem 16. und dem 50. Lebensjahr. Der Fragebogen wurde von insgesamt 315 Personen (143 Männern/172 Frauen) beantwortet: Österreich/gesamt: 160 Personen; Österreich/Stadt: 82 Personen (45 Männer/37 Frauen; Altersdurchschnitt 26,67 Jahre); Österreich/ Land: 78 (33/45; 25,33): Japan/gesamt: 155; Japan/Stadt: 79 (34/45; 27,7); Japan/Land 76 (31/45; 29,39).

Sicherheitsgefühl hinsichtlich der gesetzlichen Pension allein Auf die Frage: „Wie gut fühlen Sie sich allein mit Ihrer zu erwartenden gesetzlichen Pension in Bezug auf Ihre gewünschte Pensionshöhe abgesichert?“ waren Antworten von 0 % „überhaupt nicht gut“ bis 100 % „sehr gut“ möglich. Der Mittelwert der Antworten für Österreich/Stadt ist 39,32 %, für Japan/Stadt sehr viel niedriger mit 24,47 %, wobei

es dort auch einen sehr großen Unterschied zwischen männlichen (32,85 %) und weiblichen Befragten (18,13 %) gibt. Noch deutlicher ist der Unterschied hinsichtlich der Bevölkerung auf dem Land: Österreich/Land mit einem Mittelwert von 38,59 %, Japan/Land nur 19,78 %.

Informationsverhalten hinsichtlich der Schließung der Pensionslücke Bei der Frage „Haben Sie sich bereits darüber informiert, welche Vorkehrungen Sie treffen können, um eventuelle finanzielle Einbußen in Ihrer Pensionszeit gegenüber Erwerbseinkommen ausgleichen zu können?“ konnten die Probanden/-innen jeweils mit Werten von 0 % „überhaupt nicht“ bis 100 % „sehr intensiv“ antworten. Für Österreich/Stadt beträgt hier der Mittelwert 41,41 (bei sehr großer Streuung), und auch hier ist der Mittelwert für Japan/Stadt mit 30, 41 % wieder deutlich niedriger. Ähnliche Mittelwerte ergaben sich auch für Österreich/Land (40,86 %) bzw. Japan/Land (30, 41 %).

1 Pilsits, Patrik: „Zum Altersvorsorgeverhalten in der österreichischen und in der japanischen Bevölkerung. Eine vergleichende empirische Studie“, Bachelorarbeit an der Wirtschaftsuniversität Wien, Februar 2020 (374 Seiten; unveröffentlicht) 2 Die Erstellung des Textes für die vorliegende Veröffentlichung, die Auswahl, Strukturierung und formale Gestaltung hat Erwin Eszler besorgt (unter Verwendung von Daten, Abbildungen und Textteilen aus der Bachelorarbeit). Für die Richtigkeit der zugrundeliegenden Daten und Datenauswertungen ist ausschließlich Patrik Pilsits verantwortlich.

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Interesse hinsichtlich bestimmter Arten der Altersvorsorge Bei der Frage „Für welche Art von privater Altersvorsorge haben Sie sich interessiert?“ konnten für folgende Vorsorgearten Werte von 0 % „kein Interesse“ bis 100 % „sehr großes Interesse“ gegeben werden: „Sparbuch/Sparbuchguthaben“, „Lebensversicherung inklusive private Rentenversicherung“, „Immobilien“, „Aktien“, „Fonds“, „Anleihe“. Bei der Stadtbevölkerung ergab sich, dass österreichische Befragte größeres Interesse für die Vorsorgeprodukte Lebensversicherung inklusive Rentenversicherung (Mittelwert Ö/St. 53,09 %, J/ St. 41,22 %), Immobilien (Ö/St. 44,91 %, J/St.30,65 %) und Anleihen (Ö/St.17,94 %, J/St. 13,70 %) zeigten als japanische Befragte, während japanische Probanden/innen größeres Interesse für die Vorsorgeinstrumente Sparbuch/Sparguthaben (Mittelwert J/St. 52,35 %, Ö/St. 46,28 %), Aktien ( J/St. 32,03 %, Ö/St. 28,29 %) und Fonds ( J/St. 30,94 %, Ö/St. 25,63 %) zeigten als österreichische Probanden/innen. Bei der Landbevölkerung haben österreichische Befragte überall außer bei den Aktien (Mittelwert Ö/Ld. 18,59 %, J/Ld. 21,36 %) größeres Interesse gezeigt als japanische Befragte: Sparbuch/Sparguthaben (Mittelwert Ö/Ld. 47,10 %, J/Ld. 42,26 %); Lebensversicherung inklusive Rentenversicherung (Ö/Ld. 44,24 %, J/ Ld. 43,41 %); Immobilien (Ö/Ld. 38,26 %, J/Ld. 15,46 %); Fonds (Ö/Ld. 22,59 %, J/ Ld. 19,17 %); Anleihen (Ö/Ld. 14,69 %, J/Ld. 6,89 %). Sowohl in Österreich wie auch in Japan haben die Teilnehmer auf dem Land weniger Interesse gezeigt als die Teilnehmer in der Stadt.

Kaufverhalten hinsichtlich bestimmter Altersvorsorgeprodukte Auf die Frage: „Haben Sie bereits einen Vertrag/ mehrere Verträge für Ihre private Altersvorsorge abgeschlossen?“ haben Befragte in der Stadt in Österreich

zu 36,59 % mit „Ja“ geantwortet, in Japan zu 39,24 %; auf dem Land in Österreich zu 42,31 % und in Japan zu 61,84 % (ein erstaunlicher Wert im Hinblick auf das vergleichsweise niedrigere Interesse, das in der vorhergehenden Frage bekundet wurde). In der Folge-/Ergänzungsfrage „Ja, und zwar …“ konnten dann neben den oben angeführten Vorsorgearten auch sonstige angeführt werden. Obwohl die Probanden aus Österreich bei allen Vorsorgeprodukten (ausgenommen Aktien) größeres Interesse gezeigt haben als die Teilnehmer aus Japan (siehe oben), haben mehr japanische Befragte eine „Lebensversicherung inklusive Rentenversicherung“ ( J:80,85 %; Ö: 78,79 %), „Sparbuch/Sparguthaben“ ( J: 51,06 %; Ö: 45,45 %), „Aktien“ ( J: 10,64 %; Ö: 6,06 %) und „Anleihe“ ( J: 4,26 %; Ö: 3,03 %) abgeschlossen. Allerdings haben mehr österreichische Teilnehmer „Immobilien“ (Ö: 15,15 %; J: 2,13 %) und „Fonds“ (Ö: 12,12 %; J: 10,64 %) abgeschlossen. Außerdem haben 3 Teilnehmer aus Österreich unter „Sonstiges“ angegeben, eine Bauernversicherung abgeschlossen zu haben, und sowohl in Österreich als auch in Japan wurde je einmal „Kryptowährung“ und „Bitcoins“ angegeben.

Sicherheitsgefühl hinsichtlich der gesetzlichen Pension und der privaten Altersvorsorge insgesamt Zur Frage „Wie gut fühlen Sie sich mit Ihrer zu erwartenden gesetzlichen Pension und Ihrer privaten Altersvorsorge in Bezug auf Ihre gewünschte Pensionshöhe abgesichert?“ – waren Antworten von 0 % („überhaupt nicht gut“) bis 100 % („sehr gut“) möglich. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Teilnehmer aus Österreich sowohl in der Stadt (Mittelwert 50,30 %) als auch auf dem Land (42,73 %) besser abgesichert fühlen (Gesamt: 46,33 %), als die Befragten in der Stadt (37,27 %) und auf dem Land (37,85 %) in Japan (Gesamt: 36,91 %), obgleich die Steigerung des Absicherungsgefühls im Vergleich zur Absicherung durch die gesetzliche Pension

43 | STUDIE

Eine ausführliche Darstellung (378 Seiten) mit zahlreichen weiteren Auswertungen und mit Abbildungen ist auf der Publikationsplattform der WU unter https://epub.wu.ac. at/7611/ verfügbar.

allein (siehe oben) ganz klar in Japan größer war, vor allem auf dem Land (Anstieg um 18,07 Prozentpunkte). Insgesamt wird allerdings deutlich, dass sich die Teilnehmer im Großen und Ganzen nicht gut abgesichert fühlen, trotz Abschlusses eines oder mehrerer Vorsorgeprodukte.

Einstellung hinsichtlich der Sinnhaftigkeit privater Altersvorsorge Bei der abschließenden Frage „Private Altersvorsorge für die heutige Zeit finde ich …“ konnten Antworten von 0 % („überhaupt nicht sinnvoll“) bis 100 % („sehr sinnvoll“) gegeben werden. Obwohl Japan im Vergleich zu Österreich einen deutlich stärkeren demographischen Wandel erlebt, fanden dennoch die österreichischen Probanden/-innen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land die private Altersvorsorge in der heutigen Zeit in höherem Maße sinnvoll (Mittelwerte: Gesamt: 72,03 %; Stadt: 72,33 %; Land: 71,71 %) als die Teilnehmer aus Japan (Gesamt: 54,95 %; Stadt: 57,43 %; Land: 52,38 %).

Weitere Auswertungen Für eine Vielzahl genauerer bzw. weiterer Analysen (nach den Merkmalen der Probanden/-innen: Geschlecht, Alter, Erwerbsstatus, Bildungsabschluss) und über 460 graphische und tabellarische Darstellungen sei auf die im Hinweis angeführte elektronische Publikation verwiesen.


Nachhaltigkeitsrisiken FMA

Die FMA hat einen sektorübergreifenden Leitfaden zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Darunter sind Risiken aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, die sogenannten ESG-Risiken (Environment, Social, Governance), zu verstehen. Der Themenbogen reicht hier von Klimawandel über Korruption bis hin zu Kinderarbeit. Diese Risiken können – nicht nur im Fall von Klimarisiken – die Performance einzelner Vermögenswerte oder Finanzmarktteilnehmer negativ beeinflussen, sondern potenziell auch die Finanzstabilität gefährden. „Der Leitfaden

adressiert sektorübergreifend Banken, Versicherungen, Asset Manager, Pensions- und betriebliche Vorsorgekassen. Sie alle haben Nachhaltigkeitsrisiken in die bestehenden Risikokategorien, in Strategie und Unternehmensführung sowie soweit wie möglich in die bestehenden Transparenzpflichten einzubeziehen“, so der Vorstand Helmut Ettl. Der Leitfaden soll auch als Orientierungshilfe für den Umgang mit den zahlreichen Initiativen der europäischen Institutionen zur Integration der ESG-Risiken in die europäische Regulierung dienen. So hat die Europäische Kommission (EK) am 8.6.2020

Entwürfe zu Änderungen von delegierten Rechtsakten zur MiFID II , OGAW-RL, AIFMD, IDD und Solvency II veröffentlicht, die Verpflichtungen zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken (allgemeine organisatorische Anforderungen sowie Anforderungen an das Risikomanagement) enthalten. Insbesondere enthält die Disclosure-Verordnung sektorübergreifend für Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater neue Transparenzverpflichtungen: So sind künftig unter anderem Informationen über die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken auf Unternehmensebene auf der Webseite zu veröffentlichen sowie eine Beschreibung der Integration von Nachhaltigkeitsrisiken und möglichen Auswirkungen in vorvertragliche Informationen von Finanzprodukten aufzunehmen.

Smarte Haushaltsversicherung Wiener Städtische Versicherung Allein in Österreich gibt es Jahr für Jahr über eine Million Schadensfälle in den Bereichen Haushalt oder Eigenheim. Neben deutlich verbesserten Leistungen bei klassischen Schadensfällen bietet die neue Produktgeneration der Wiener Städtischen Versicherung „Mit Sicherheit Wohnen“ höhere Leistungen aus der privaten Haftpflichtversicherung (bis 6 Mio. Euro) und versichert alle im Haushalt lebenden Personen automatisch mit. Darüber hinaus zahlt die Versicherung auch bei grober Fahrlässigkeit oder nach Cyberschäden (Stichwort Bankomatbzw. Kreditkartenmissbrauch oder Phishing beim Online-Banking). Schutz gibt

es aber auch bei Einbruchsdiebstählen mittels „moderner Kriminalitätsmethoden“ – also nach Einbrüchen ohne nachweislichen mechanischen Einbruchspuren bei elektronischen Schließsystemen, wie z. B. Codekarten, Fingerprintsystemen oder Funköffnern. Immer öfter möchten sich Kunden bereits vor einem möglichen Beratungsgespräch oder Vertragsabschluss informieren. „Um diesem Bedürfnis unserer Kunden entgegenzukommen, bieten wir auf unserer Website, als neuestes Online-Service, neben den Produktinformationen einen Versicherungsrechner für unser neues

Neuer Rundumschutz HanseMerkur

Die HanseMerkur Reiseversicherung AG Österreich hat ihr Portfolio für Ur-

laubsreisende mit eigenem oder gemietetem Fahrzeug erweitert. Drei Reise44 | MARKT

Sonja Steßl

‚Mit Sicherheit Wohnen‘-Produkt an“, so Vorstandsdirektorin Sonja Steßl.

schutzprodukte bieten von der Erstattung von Stornokosten über die Reisepreiserstattung bei vorzeitigem Reiseabbruch bis hin zu Übernahme zusätzlicher Reiseoder Übernachtungskosten bei einer Panne, einem Unfall oder einem Diebstahl des Reisefahrzeuges. Der inklu-


dierte Autoreiseschutzbrief gilt zudem für alle gemieteten Fahrzeuge, also auch für Camper, Wohnwägen oder Motorräder. Für mitreisende Hunde gibt es ebenfalls ein Rundum-Paket. Für Reisen innerhalb Österreichs und Kurzaufenthalte im grenznahen Ausland besteht darüber

hinaus ein besonderer Krankenversicherungsschutz, wie zum Beispiel im Tarif „Stay at home“ hier werden stationäre Heilbehandlungen bis 300.000 Euro bei einem Kurztrip (48 Stunden) im Grenzgebiet Österreichs übernommen. Personen mit Wohnsitz in Österreich erhalten

mit den Tarifen „Stay at home“ für den Urlaub in Österreich und „Going Europe“ für den Urlaub in Europa umfangreichen Schutz. Der Tarif „Come to Austria“ ist für Personen mit Wohnsitz in der EU, die sich ihren Urlaub in Österreich absichern möchten.

Vorsorge ist auch Frauensache NÜRNBERGER Versicherung Mit 31. Juli war der Equal Pension Day, mit diesem Tage haben Männer bereits so viel Pension bezogen, wie Frauen noch bis zum Jahresende erhalten werden. In Österreich bekommen Frauen im Durchschnitt um 41,86 Prozent weniger Pension als Männer. Gründe dafür sind nicht nur die ungleichen Pensionen, sondern auch die in derselben Tätigkeit geringeren Einkommen, Erwerbsunterbrechungen und vieles mehr. Auch Pflege- und Betreuungsarbeit von Angehörigen wird vornehmlich von Frauen geleistet. Altersarmut ist vorwiegend ein Frauenthema. Auch im Bereich der Berufsunfähigkeit sind Frauen oft besonders betroffen. Kurt Molterer, Vorstandsvorsitzender der ­NÜRNBERGER Versicherung: „Frauen haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen als Männer

– dementsprechend niedriger sind auch die staatlichen Invaliditätsleistungen. Viele Frauen sind Alleinerzieherinnen oder haben aufgrund ihrer Mutterschaft und Haushaltsführung überhaupt kein Einkommen. Aus diesen Gründen empfehlen wir Frauen, sich möglichst früh mit der Idee einer Berufsunfähigkeitsversicherung auseinanderzusetzen.“ Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung „Plan B“ der NÜRNBERGER können sich ­ Frauen gegen die finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit absichern. Eine garantierte monatliche „Plan B“-Rente unterstützt sie finanziell, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. „Das auch, wenn sie nicht berufstätig sind, denn bei Plan B ist auch der Beruf

Kurt Molterer

‚Hausfrau‘ versicherbar. Durch die Zusatzversicherungen Dread-Disease-Kapital und Reha-Assistance lässt sich Plan B noch weiter ausbauen. Besonders interessant für Frauen ist der Pflegezusatz, der ebenfalls mit Plan B kombiniert werden kann“, erläutert Molterer.

Digitales Tool überzeugt

Continentale Assekuranz Service GmbH Die Ablebensversicherung der EUROPA online zu beantragen und die endgültige Prämie in der Regel sofort zu erfahren – der eGesundheitsCheck macht es möglich. „Bereits zwei Drittel der Antragsteller erhielten in den vergangenen Monaten beim Online-Antrag ein Sofortvotum", bilanziert Dr. Helmut Hofmeier, Vorstand der EUROPA Lebensversicherung, zufrieden. Während des Antragsprozesses führt der eGesund-

heitsCheck den Vermittler und seinen Kunden gemeinsam durch den Online-Antrag. Die notwendigen Gesundheits- und Risikofragen sind dabei deutlich einfacher und eindeutiger formuliert. Zudem muss der Kunde nur noch vier Gesundheitsfragen beantworten. Am Ende des Onlineabschlusses folgt in der Regel direkt eine Entscheidung über den Antrag. 45 | MARKT

Dr. Helmut Hofmeier


Versicherungsvergleich erweitert durchblicker/Allianz Versicherung Ab sofort finden sich am Tarifvergleichsportal auch Kfz-Angebote der Allianz in Österreich – vorerst für das Bundesland Wien. Damit erweitert durchblicker den Vergleichsrechner mit Angeboten eines der führenden Versicherungsunternehmen in Österreich. Mit rund 2,5 Mil-

Reinhold Baudisch

lionen Berechnungen pro Jahr ist der Kfz-Versicherungsvergleich von durchblicker das beliebteste Online-Informationsangebot für Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich. Christoph Marek, Vorstand Versicherungstechnik der Allianz in Österreich: „Wir haben im vergangenen Jahr eine neue Kfz-Versicherung auf den Markt gebracht, die auf simplen Paketlösungen basiert. Mit unserer Präsenz auf durchblicker stellen wir uns dem Marktvergleich mit einfachen und modernen Produkten und das völlig transparent. Die Allianz ist zusätzlich mit der Motorrad-, Fahrrad- und der Haustierversicherung auf der Plattform vertreten.“ Reinhold Baudisch, Geschäftsführer von durchblicker.at: „Mit der Allianz Österreich auf unserem Vergleichsportal sind wir jetzt bei KfzVersicherungen in der Lage, nach

When-Women-Thrive-Studie Mercer (Austria) GmbH

Einst als vermeintliches Nischen- oder Randthema abgetan, zeigt die globale Studie „When Women Thrive“ der Unternehmensberatung Mercer, dass Diversity & Inclusion im Bewusstsein der Unternehmen angekommen ist. Dabei beweisen immer mehr Beispiele: Wenn Frauen erfolgreich sind, sind auch die Unternehmen erfolgreich. An der diesjährigen Studie nahmen im Herbst 2019 weltweit über 7 Millionen Mitarbeitende, davon 2,8 Millionen Frauen, aus 1.157 Unternehmen teil. Nahezu zwei Drittel (64 %) der Organisationen in der DACH-Region haben sich dazu verpflichtet, Vielfalt zu fördern und eine inkludierende Unternehmenskultur anzu-

streben. 82 Prozent der Unternehmen in der DACH-Region geben an, dass Entgeltgerechtigkeit zu ihrer Vergütungsphilosophie oder -strategie gehört. Dieser Wert liegt über dem weltweiten Durchschnitt von 74 Prozent. Weniger als die Hälfte (45 %) derjenigen, die zu gleichen Teilen außerhalb des Büros arbeiten, geben an, dass sie Wertschätzung von ihren Unternehmen im gleichen Maße erhalten – was dem globalen Durchschnitt von 44 Prozent entspricht. Und in nur 9 Prozent der Unternehmen haben Teilzeitmitarbeitende die gleichen Chancen sich weiterzuentwickeln, wie Vollzeitmitarbeitende, was deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt (45 %) 46 | MARKT

Christoph Marek

Marktanteilen 95 Prozent des Marktes zu vergleichen. Etwa die Hälfte der verglichenen Anbieter stellt uns ihre verfügbaren Angebote und Rabatte aktiv zur Verfügung. Mit unserem Recherche-Team vergleichen wir aber auch jene Versicherungen, die uns ihre Angebote nicht aktiv übermitteln. Die wenigen nicht im Vergleich berechenbaren Angebote sind entweder nicht breitflächig am Markt verfügbar oder entsprechen nicht unseren Qualitätsrichtlinien.“

liegt. Um Diversity & Inclusion in der Unternehmenskultur zu verankern, sind Vereinbarungen für die Flexibilisierung der Arbeitszeit entscheidend. Insgesamt gibt es eine deutliche Diskrepanz zwischen Haltung und konsequenter Handlung. „Auch wenn Diversity & Inclusion im Bewusstsein der Unternehmen angekommen ist, hat der kulturelle Wandel innerhalb der Unternehmen noch nicht stattgefunden,“ so DeutschlandGeschäftsführer Achim Lüder. Dass Frauen in der DACH-Region in Führungspositionen weiterhin deutlich weniger als Männer vertreten sind, ist einer der Indikatoren. Mehr als jedes zweite Unternehmen (52 %) hat Bedenken, ob es möglich ist, Frauen als Mitarbeitende zu gewinnen und zu fördern, während der weltweite Vergleichsmaßstab bei 32 Prozent liegt. Diversitäts-Maßnahmen, -Programme und -Richtlinien eines Un-


ternehmens müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden, um zu einem inklusiven Umfeld beizutragen, in dem es nicht nur eine gleichberechtigte Vertretung der Geschlechter, sondern auch Gleichheit in Bezug auf Chancen, Ar-

beitsumgebung und Bezahlung auf allen Ebenen gibt. „Das Konzept Diversity & Inclusion muss sich im Mindset und den Verhaltensweisen der Mitarbeiter auf allen Ebenen eines Unternehmens verwurzeln. Dies ist ein Transformations-

prozess“, bringt Lüder es auf den Punkt. „Auf dieser letzten Meile müssen noch gezieltere und tiefergreifende Veränderungen umgesetzt werden, nicht nur innerhalb der Unternehmen, sondern auch in der Gesellschaft.

E-Fahrzeuge gewinnen an Beliebtheit Ketchum Publico GmbH/PwC Zunehmende Auslieferungen von EAutos und steigendes Kaufinteresse der Autofahrer an Elektrofahrzeugen sorgen für eine positive Entwicklung am heimischen E-Mobilitäts-Markt: So stieg die Zahl neuzugelassener Elektrofahrzeuge im April, Mai und Juni 2020 in Österreich um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge an der Gesamtzahl der Neuzulassungen erreichte hierzulande im kompletten ersten Halbjahr 2020 mit 15 Prozent einen neuen Rekord. Besonders ins Gewicht fielen im zweiten Quartal die Plug-In-Hybride mit einem massiven Zuwachs von 234 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das sind

zentrale Ergebnisse der aktuellen Ausgabe des „E-Mobility Sales Review Q3 2020“ von PwC Autofacts® und Strategy&, der Strategieberatung von PwC. „Setzt sich der Absatzerfolg elektrifizierter Fahrzeuge fort, so erreichen die europäischen Automobilhersteller voraussichtlich in diesem Jahr die neuen CO2-Grenzwerte der EU. Aktuell trifft die starke Nachfrage der Verbraucher auf ein noch begrenztes Angebot bzw. lange Lieferzeiten, weshalb die Effekte der staatlichen Förder-

maßnahmen in Österreich erst im kommenden Jahr deutlicher zu spüren sein werden“, so Günther Reiter, Automotive Leader. In Europa verzeichneten konventionelle Antriebstechnologien mit Diesel und Benzin in der Krise ein erhebliches Absatzminus von 57,9 Prozent (Q2-2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).

Häuser wurden zerstört. Die Evakuierungen wurden durch die Corona-Pandemie erschwert, da wegen der SocialDistancing-Regeln weniger Menschen in Schutzgebäude durften. Die Naturkatastrophen-Statistik des ersten Halbjahres 2020 hat zwei Dinge gezeigt: Schwere Gewitter in Nordamerika dominieren die Schadenstatistik und zeigen, wie wichtig stabilere Bauweisen sind, um Schäden zu vermindern. Zweitens: Das ist umso bedeutsamer, da der Klimawandel langfristig wahrscheinlich das Schwergewitter-

risiko in Nordamerika erhöht. „Die Welt muss endlich konsequent Treibhausgasemissionen reduzieren und Schäden vorbeugen, damit uns die Folgen nicht so unvorbereitet wie derzeit die CoronaPandemie treffen“, so Torsten Jeworrek, Member of the Board of Management. In Europa war Wintersturm Ciara die teuerste Naturkatastrophe, mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zog der Orkan Anfang Februar über große Teile Europas hinweg. Die Schadenssumme betrug 1,6 Milliarden US-Dollar, wovon 1,1 Milliarden Euro versichert waren. In der zweiten Jahreshälfte besteht die Gefahr von überdurchschnittliche starken Hurrikanereignissen besonders in Nordamerika.

Schadensbilanz Munich Re

Bis Ende Juni verursachten Naturkatastrophen weltweit einen Gesamtschaden von rund 68 Milliarden US-Dollar. Rund 40 Prozent der Schäden 27 Milliarden US-Dollar waren versichert. Der größte Schaden entstand in Indien, einer der teuersten Zyklone in der Region mit einem Schadensvolumen in der Höhe von 11,5 Milliarden US-Dollar. Der versicherte Teil steht noch nicht fest, dürfte aber nur einen geringen Anteil ausmachen. Bei der Naturkatastrophe starben 135 Menschen und tausende

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Hybride Beratung Die Corona-Krise treibt die Digitalisierung voran. So haben zahlreiche Unternehmen in Österreich eine Art digitalen Crashkurs durchgemacht – auch die EFM Versicherungsmakler. In der EFM wurde ein Projekt an welchem schon länger gearbeitet wurde, der hybride Beratungsprozess, aktiviert. Diese neue Form der Beratung soll die zukünftige Arbeit aller EFM Versicherungsmakler deutlich erleichtern und einen wegweisenden Schritt in Richtung digitaler Beratung für die Zukunft setzen.

Als hybride Beratung bezeichnet die EFM einen Beratungsprozess, der aus einem individuell gestaltbaren Mix aus persönlicher Beratung vor Ort und Online-Beratung besteht. Durch eine Teilung des Gesamtprozesses in einzelne Schritte, die zukünftig je nach Wunsch, Bedarf und der individuellen Beratungssituation sowohl persönlich als auch online stattfinden können, kann der Beratungsprozess zeitlich verkürzt und weiter individualisiert werden – wodurch ein wesentlicher Vorteil für Kunde und Versicherungsmakler entsteht. Der bedeutendste Vorteil der OnlineBeratung ist die örtliche und zeitliche Ungebundenheit. Dank Online-Tools können Beratungen jederzeit abgehalten werden – egal, ob sich der Kunde gerade in seinem Büro, zu Hause oder vielleicht sogar im Urlaub befindet. Das Tool der Wahl stellt hierbei Microsoft Teams dar, welches den Vorteil bietet, dass Kunden über kein Programm verfügen müssen, um von der virtuellen Beratung zu profitieren. Das Programm wurde von der EFM bereits firmenintern für Online-Kommunikation verwendet und ist auch für Kunden auf den verschiedensten Endgeräten, ohne extra installiert werden zu müssen, einfach zu bedienen. Während der Beratung greifen die EFM Versicherungsmakler auf die eigens programmierte Software, wie Ri-

sikoerfassung und das eingebaute Rechentool, zurück. Durch ein integriertes Unterschriften-Tool können somit alle relevanten Dokumente wie Beratungsprotokolle oder Anträge auch von zu Hause aus vom Kunden unterschrieben werden – es ist nicht mehr erforderlich, dies persönlich im Büro des Maklers zu erledigen. Gleichzeitig werden alle gesetzlichen Vorschriften bezüglich IDD und Datenschutz Franz Meingast, EFM Vorstandsvorsitzender im Zusammenhang mit der Online-Beratung eingehalten. Ein weiterer Vorteil den die hybride Einzelnen zu entscheiden bei welchen Beratung mit sich bringt ist, dass der Schritten innerhalb des Prozesses er sich neue Prozess zukünftig individuell an mit einer Online-Beratung wohlfühlt. Makler und Kunden angepasst werden Aktuell analysiert die hauseigene kann. Jeder Versicherungsmakler ist zu- EFM Akademie sämtliche Schritte im künftig in der Lage mit geringem Auf- Beratungsprozess und erstellt einen wand selbst festzulegen, welche Schritte Leitfaden, der den Versicherungsmakinnerhalb des gesamten Prozesses mittels ler bei der Durchführung von OnlineOnline-Beratung stattfinden sollen und Beratungen unterstützen wird. Darin welche Schritte weiterhin persönlich er- enthalten sind Tipps für die einzelnen folgen sollen. Aus dem MUSS wird so- Beratungsschritte, technische Anleitunmit ein KANN und es obliegt jedem gen zur idealen Verwendung der Pro48 | MARKT


EFM - MIT ÜBER 50 STANDORTEN DIE NR. 1 IN ÖSTERREICH gramme sowie Best-Practice-Videos. „Online-Beratungstermine bieten maximale Flexibilität und Effizienz – für unsere Kunden, aber natürlich auch für mich als Maklerin. Unser Büro liegt etwas außerhalb von Graz und ist nur mit dem Auto zu erreichen. Mittels Videokonferenz wird dieser Weg einfach aufgehoben. Im Vergleich zu Telefonaten ist die Online-Beratung für mich wesentlich persönlicher, man sieht sein Gegenüber, bearbeitet gemeinsam Dokumente und unterfertigt diese elektronisch zum Beispiel mittels SMS. Damit ist der Termin vollständig abgeschlossen und der Kunde optimal versichert. Das deckt für mich quasi alle Komponenten eines persönlichen Beratungsgesprächs ab. Auch die Terminvereinbarung klappt besser, weil sich Online-Beratungen einfacher in den Tag integrieren lassen – ob in der verlängerten Mittagspause im Job oder abends vom Sofa aus, wenn die Kinder bereits im Bett sind. Das Feedback der Kunden ist äußerst positiv und Microsoft Teams mittler-

weile sehr bekannt. Wir hatten auch vor Corona bereits vereinzelt Beratungstermine per Videokonferenz, aber seit März 2020 stößt dieses Thema bei uns auf enormen Anklang und wird auch von Kundenseite bereits nachgefragt. Auch ohne Ausgangsbeschränkungen halte ich noch immer ca. 90% aller Termine online ab und werde die zahlreichen Vorteile weiterhin nutzen“, so Liesa Feichtinger, EFM Versicherungsmaklerin in Graz Attendorf. Liesa Feichtinger, EFM Versicherungsmaklerin Fakt bleibt, dass die persönliche Beratung NICHT durch den digitalen Ansatz er- wohl für den Kunden als auch für den setzt wird. Die EFM ergänzt und nutzt Makler die Beratung so komfortabel wie die technischen Möglichkeiten, um so- möglich zu machen. 49 | MARKT


Vorschau

Wenn Flexibilität bei Aus-und Weiterbildung gefragt ist. Interview mit Doris Antoni g & o Brokernet Akademie

Studie: Lernschwäche-Versicherung – Produktkonzeption und Marktpotential

Interview mit Joachim Klepp, Leitung Vertrieb Makler VAV Versicherung AG

sching, UNIQA/keinrath.com, World Economic Forum/swiss-image.ch, Arman Rastegar, Ingo Folie, Christa Strobl.

oder die Meinung der Redaktion darstellen. „risControl“ identifiziert sich gemäß dem österreichischen Medienrecht nicht mit dem Inhalt angeführter Brancheninformationen und den in Interviews geäußerten Meinungen. Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher sprachformen verzichtet. Sämtliche Personen Bezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht. Abonnementbestellungen gelten auf ein Jahr, ab dem Monat der Bestellung und verlängern sich jeweils um ein Jahr, sofern das Abonnement nicht spätestens ein Monat vor Ablauf des Bestellzeitraumes gekündigt wird. Für Anzeigen sind die allgemeinen Anzeigenbedingungen des Österreichischen Zeitschriftenverbandes vom 1. Februar 1990 bindend. Es gilt der Anzeigentarif 01/2019 / (ca)

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