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STEIN TIME 2 | 2010

Architektur + Naturstein ÖSTERREICH Naturstein ist nachhaltig I das Ergebnis einer Studie Die Stadt, der Stein und das Bauen I im Gespräch mit Christoph Mäckler

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EDITORIAL

NUR FASSADE, DAS REICHT LÄNGST NICHT MEHR. Die Grundfragen des Bauens, so scheint es, rücken in den Mittelpunkt. Ab Mitte der 1990ziger-Jahre wuchsen die ersten grünen, sogenannten ökologischen und natürlich nachhaltigen Bürotürme in den Himmel: Der Commerzbank-Turm in Frankfurt am Main oder die RWE-Verwaltung in Essen seien hier als Beispiele genannt. Allen gemeinsam ist eine fast vollständige Verglasung der Außenhaut. Erste Zweifel an der Funktionstüchtigkeit dieser und ähnlicher Konzepte weckten von der VÖN in Auftrag gegebene Studien der TU Wien: Die Glashäuser heizen sich übermäßig auf, brauchen eine intensive Klimatisierung einschließlich des entsprechenden Energieverbrauchs.

VORTEIL STEIN: EINE STUDIE BRINGT DEN BEWEIS

Wer immer noch auf einen unumstößlichen Nachweis gewartet hatte, dem kann jetzt geholfen werden. Im Auftrag des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV) wurde eine Studie verfasst, die sich mit der Nachhaltigkeit von Natursteinfassaden im Vergleich zu Glasfassaden auseinandersetzt. Allein beim wichtigen Faktor Primärenergiebedarf zeigte sich die Natursteinfassade um den Faktor Vier überlegen. Und: Die betrachteten Umwelteinwirkungen der Glasfassade sind zwischen 60 Prozent und etwa 360 Prozent höher als die der Natursteinfassade. Dauerhaftigkeit und ein nachhaltiger Betrieb von Gebäuden muss in Zukunft, ganz abgesehen von einer umweltschonenden Produktion und Verarbeitung der zum Bau benötigten Produkte, noch stärker in unser aller Bewusstsein treten. Naturstein bringt dafür alle notwendigen Voraussetzungen mit.

Dr. Anton Helbich-Poschacher Vorsitzender der Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke

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INHALT

8 Der grüne Wahnsinn: Für den Architekten Hans Kollhoff ist nachhaltiges Bauen ein Phantom, das nur der kurzfristigen Umsatzentwicklung für bestimmte Produkte dient, während die gewachsene Stadt und die traditionelle moderne Architektur auf den Müllhaufen der Baugeschichte kommen. Eine Streitschrift.

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Naturstein ist cool: Die Finanzkrise hat das Thema Klimawandel zwar zunächst aus den Schlagzeilen verdrängt, das Problem bleibt aber bestehen. Eine Studie zeigt jetzt eine neue Möglichkeit auf, der globalen Erwärmung zu begegnen: bauen mit Naturstein.

Die Stadt, das Bauen und der Stein: Wohin entwickeln sich unsere Städte? Stimmen die Vorurteile über ehrgeizige Investoren, ahnungslose Politiker und hilflose Bürger? Kann man Städte planen? Und welche Rolle spielen Materialien in der zeitgemäßen Architektur? Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler gibt Antworten.

50 Glocken, Bänder, Tropfen: Mal ist Wasser kaum zu hören, tröpfelt leise von Stein zu Stein, dann plumpst es wieder laut und geräuschvoll als großer Schwall in ein Becken: Wasser klingt nach etwas, hat Melodie in sich, spuckt Töne aus. Sein und Wasser im modernen Garten: ein Thema voller Inspirationen.

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TRENDS

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Die aktuellen Seiten von STEIN TIME

ARCHITEKTUR

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Die Streitschift: der grüne Wahnsinn

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Die Studie: Bauen mit Naturstein ist nachhaltig

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Die Antworten: die Stadt, das Bauen und der Stein

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Die Möglichkeiten: Fassaden richtig montieren

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Die Details: Schönheit im Verborgenen

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Die Geschichte: Universität in Frankfur t am Main

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Die dritte Dimension: Fassade in Kopenhagen

INNEN

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Die Villa: Hang zum Naturstein

PLÄTZE

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St. Veit: ein neuer Platz für die Gemeinde

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Mödling: ein Kirchplatz als Labyrinth

GÄRTEN

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Der Gar ten: Wasser und Stein

ART

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Gottfried Höllwarth: Skulpturen, Segmente und X

STANDARDS

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VÖN intern Impressum Fotonachweis

REDAKTION Willy Hafner, Katharina Baus, Ariane Suckfüll, Richard Watzke; Streitfeldstraße 35 · D-81673 München Tel. +49 89/43 60 05-124 Fax +49 89/43 60 05-113 www.s-stein.com VERLAG Callwey Verlag Streitfeldstraße 35 · D-81673 München Tel. +49 89/43 60 05-0 Fax +49 89/43 60 05-113 www.callwey.de HERAUSGEBER Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke Scharitzerstraße 5 · A-4020 Linz

F r die Zukunft gestalten.

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TRENDS

GaLaBau 2010

Marmomacc 2010

Zurück zur klaren Linie

Design trifft auf Stein RICHARD WATZKE

MICHAEL SENN Die Messe GaLaBau gilt als eine Leitmesse der grünen Branche. Vom 15. bis 18. September 2010 informierten sich mehr als 60 000 Besucher auf dem Messegelände Nürnberg über Neuheiten für den Gartenund Landschaftsbau. Zahlrei-

Planer und Bauherren vermehrt klarere Linien und strengere Formen. Passend zu diesem Trend präsentierten die Hersteller verschiedene Systemmauerwerke aus Sandstein und Kalkstein. Die einzelnen Mauersteine sind so aufeinander

Die 45. Internationale Natursteinmesse Marmomacc in Verona schloss mit einer positiven Bilanz. 56 000 Besucher, das entspricht einem Plus von sechs Prozent gegenüber 2009, sahen Maschinen, Werkzeuge und vor allem Steine aus aller Welt. Rund 1 500 Aussteller aus 130 Ländern präsentierten sich. Die großen Produzenten Brasilien, Indien oder die Türkei zeigten zwar eine enorme Materialvielfalt, wurden aber in puncto Design und Innovation von europäischen Ausstellern auf die Plätze verwiesen. Wie in den Jahren zuvor zeigten vor allem italienische Hersteller, wie groß die Bandbreite zeitgemäßer Gestaltung mit Naturstein ist. Angesichts des rück-

Marmorhaus von Thomas Sandell: Mit ihrem Messestand beteiligte sich Marsotto edizioni an der Sonderschau Marmomacc meets design.

läufigen Marktes für Standardsorten und Bearbeitungen treten vor allem italienische Verarbeiter die Flucht nach vorn an, indem sie mit namhaften Designern und Architekten kooperieren.

Qualitätspflaster in Österreich WILLY HAFNER Der Trend beim Naturstein im Gartenbau geht wieder zu reduzierter Gestaltung mit klaren Linien und strengen Formen.

che Messestände aus der Natursteinbranche belegten, dass Naturstein im Garten in der Gunst der Bauherren und Gestalter weiterhin steigt. Den Ausstellern zufolge trafen die vorgestellten Produkte aus Naturstein den Nerv der Zeit: Vor allem Kalksteine, Travertine und Sandsteine aus dem europäischen Raum waren gefragt. Besonders beim Mauerwerk im Garten wünschen

abgestimmt, dass sie ein fugenlos versetzbares Mauerwerk mit gleichbleibenden Schichthöhen ergeben, das in der Ansichtsseite deutlich weniger Bossen besitzt. Die aktuellen Steinoberflächen reichen von getrommelt bis bossiert, zugleich steigt aber auch die Nachfrage nach geschliffenen Oberflächen. Die nächste GaLaBau-Messe findet vom 12. bis 15. September 2012 statt.

Das Forum Qualitätspflaster (FQP) ist eine Qualitätsgemeinschaft österreichischer Unternehmen und Institutionen, die sich zur Förderung der Pflasterkultur bekennen. Mitglieder sind österreichische Hersteller von Pflaster-, Fugen- und Bettungsmaterialien, geräte- und maschinenherstellende Unternehmen, Zulieferer, qualifizierte ausführende Unternehmen, Architekten und Planer, Institutionen und Bauherrn. Das FQP ist eine neutrale Informationsplattform rund um das

Thema Pflasterungen und stellt den Nutzen für Bauherren in den Mittelpunkt. Das Forum Qualitätspflaster fordert von seinen Mitgliedern die Erfüllung definierter Qualitätskriterien und Standesregeln, um damit langfristig die Reputation der Pflasterbranche zu erhalten. Mitglieder dürfen das Markenzeichen FQP führen und sind verpflichtet, das FQP-Logo gemäß Nutzungsvertrag zu verbreiten und die Marke FQP aktiv zu stärken. www.fqp.at


HTL-Natursteinpreis 2010

Schüler gestalten mit Naturstein RICHARD WATZKE Der von der Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke (VÖN) seit 2008 durchgeführte HTL-Natursteinpreis ist ein Wettbewerb für innovative, nutzerorientierte Projekte aus Naturstein im Innen- und Außenbereich. Beim Wettbewerb 2010 an der HTL1 Bau und Design in Linz nahmen 71

österreichische Quarzite und Kalkstein für den Bodenbelag und das Mobiliar. Wegen ihrer intensiven Auseinandersetzung mit den technischen und gestalterischen Eigenschaften der jeweiligen Natursteine und der grafisch überzeugenden Präsentation des Projekts kürte die Jury aus HTL-Lehrern

V. l.: VÖN-Präsident Dr. Anton Helbich-Poschacher, Abteilungsvorstand Prof. DI Christian Armbruster und Andreas Umhaller, Paul Schmidberger sowie Stefan Weihrauch, die sich mit ihrem Konzept zur Neugestaltung des Linzer Bernaschek-Platzes durchsetzten.

Schüler der 11. und 12. Schulstufe aus vier Klassen teil. In Gruppenarbeiten entstanden 38 Einreichungen, aus denen ein Beitrag von drei Schülern der 3. Klasse Bautechnik besonders hervorstach. In ihrem Projekt gestalteten sie den Linzer Bernaschekplatz neu und verwendeten dazu

und Vertretern der VÖN diesen Wettbewerbsbeitrag zum Gesamtsieger. Mittlerweile wird der Wettbewerb auf ganz Österreich ausgeweitet. Mehrere HTLs in ganz Österreich werden ab dem Herbst 2010 teilnehmen.

Natursteinpreis europaweit ausgeschrieben WILLY HAFNER Der Deutsche Naturstein-Preis, einer der renommiertesten Architekturpreise in Deutschland, wird 2011 erstmals europaweit ausgeschrieben und erhält den Untertitel »European Architecture + Stone«. Der Preis stellt Naturstein als einen Baustoff in den Vordergrund, der hinsichtlich der Rücksichtnahme auf Umwelt, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz vorbildlich ist. Es werden Baukonzepte in Europa ausgezeichnet, die beispielhaft für eine hohe architektonische Qualität, eine technisch-innovative Anwendung und eine wirtschaftliche Konstruktion aus Naturstein stehen. Prämiert wird die vorbildli-

che Gestaltung und technisch zeitgemäße Konstruktion von Projekten in Europa, unter maßgeblicher Verwendung von Naturstein aus Europa, ausgeführt von Naturstein-Fachbetrieben. Der Preis wird für realisierte Bauwerke vergeben, bei denen dem Baustoff Naturstein eine besondere architektonische Bedeutung zukommt und die beispielhafte Lösungen für die Gestaltung unserer Umwelt darstellen. Ausgelobt wird der Deutsche Naturstein-Preis vom Deutschen Naturwerkstein-Verband (DNV) in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA), Berlin. Wettbewerbsunterlagen: www.natursteinverband.de

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ARCHITEKTUR

DER GRÜNE WAHNSINN VON HANS KOLLHOFF

st nachhaltiges Bauen ein Phantom, das nur der kurzfristigen Umsatzentwicklung für bestimmte Produkte dient, während die gewachsene Stadt und die traditionelle moderne Architektur auf den Müllhaufen der Baugeschichte kommen?

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BAUEN IST IMMER EIN AKT GEWESEN, DER IN DIE NATUR EINGREIFT, sich gegen die Natur stellt als Artefakt. Der Mensch hat es sich bequem gemacht in diesen Gehäusen und darauf geachtet, dass er nicht allzu viel Brennmaterial verbraucht. Verschwendung war seit Vitruv nicht Sache der Architektur. Nun sollen Gebäude grün

Vertikalschnitt durch die Fassade der Wohnresidenz Tivoli

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werden und am liebsten Energie erzeugen. Was für ein Schwachsinn! Für wie dumm will man uns eigentlich verkaufen? Denn es geht nur ums Verkaufen, um nichts sonst. Was so moralisierend daher schreitet im Kleid diverser Zertifizierungssysteme, ist nichts anderes als das Abstecken von Claims, das Sichern von Marktanteilen im globalen Hauen und Stechen. Findige Projektentwickler haben längst begriffen, dass es profitabler ist, irgendein grünes Siegel beizubringen und bei der Grundsteinlegung einen amerikanischen Expräsidenten einzufliegen, der sich über Sustainability auslässt, anstatt ein anständiges, also nützliches, dauerhaftes, schönes Haus zu bauen. Wer kann das noch hören: nachhaltiger Kaffee, nachhaltige Armaturen (»Wasserverantwortlichkeit«), Sustainable Cleaning, Aqua Living (Wasseraufbereitung), Ressourcenschutz (Zink), nachhaltige Bildungsprozesse, nachhaltiges Informationsmanagement, nachhaltige Schönheit (Sustainable Style), grüner Fliegen (Biokraftstoff), grüne Schätze (Dow Jones Sustainability Index) und, last but not least, nachhaltiger Konsum? Die politischen Parteien übertreffen sich im Hochschrauben der Ansprüche, obwohl keiner mehr etwas von der Sache selbst versteht. Das heißt dann

KfW 70 und EnEV oder Minergie, Minergie Plus oder so ähnlich. Und: Es gibt auch keine Kredite mehr ohne die Einhaltung dieser willkürlichen Standards, weil die Menschen noch weniger davon verstehen und die Medien vereinfachen müssen, um zu überleben. Dann entsteht diese groteske Situation, dass wir nur noch Schuhkartons bauen mit 18 Zentimetern Styropor drumherum, das ist kreditwürdig, weil es die Banker verstehen und die »Verbraucher« so wollen, weil es gut für die Umwelt sein soll und angeblich Heizkosten spart. Dass es darüber hinaus aber noch eine Wohnkultur gibt und eine Urbanität, die sich an der Überlieferung misst, ist dabei in Vergessenheit geraten. Das können wir uns auch leisten, solange wir von der Substanz, die vergangene Generationen geschaffen haben, noch zehren können. Was aber droht, wo diese Substanz nicht mehr hervorgebracht wird? Man spricht ja schon von »erinnerungsfähigen Stadtbildern«, und die nächste Vermarktungswelle rollt heran. Jeder, der sich an der Natur freut, dem das Wachsen eines Grashalms etwas bedeutet, wird dem Bauen mehr Vernunft entgegenbringen als unsere Finanzjongleure, denen kein Vorwand zu schade ist, um Mist in Gold zu verwandeln. Heute eben unter der Devise

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Die Wohnresidenz Tivoli in Luzern aus dem Portfolio von Hans Kollhoff

»Green Building«. Es geht um Fortschrittsbilder – höher, weiter, schneller, und die lassen sich mit Glas und spitzen Winkeln leichter produzieren als mit dicken Wänden und solidem Bauen. Was sich heute bauen nennt, spottet jeder Beschreibung, von Hilfsarbeitern ausgeführt, mit Toleranzen, die jede Schludrigkeit gestatten, ja geradezu provozieren, dabei europäischen Normen verpflichtet, die auch wieder nur, der Lobbyarbeit entsprechend, auf Marktvorteile aus sind. Langlebigkeit statt Wegwerfarchitektur: Das müssen wir uns leisten. Wir können es uns also aussuchen, ob wir »green« bauen wollen und dabei die Erosion unserer Städte beschleunigen oder ob wir nach unseren technischen Möglichkeiten in umfassender Weise verantwortungsvoll weiterbauen. Denn technischer Fortschritt taugt nichts, solange er nicht in eine Bautradition eingebunden ist. Dann müssen wir aber bereit sein, auch mehr auszugeben. Warum so kategorisch? So wird manch einer fragen, und ich frage zurück, wie soll’s denn anders gehen? Vor 30, 40 Jahren haben sechs Zentimeter Styropor gereicht, jetzt sind es 25 Zentimeter. Ein Viertelmeter an der Grundrissperipherie, das ist natürlich ein gewaltiger Nutzflächenverlust! Wie kann der

kompensiert werden? Durch Basteln und Kleben. Ein zweischaliger Wandaufbau erscheint denn auch als purer Luxus, kommen doch noch einmal 10 bis 15 Zentimeter Mauerstärke hinzu. Das aber wäre bei Gebäuden mit mehr als drei Geschossen eine solide Bauweise, als Sichtmauerwerk oder konventionell verputzt, die den Vergleich mit historischen Fassaden nicht scheuen müsste. Ein Großteil unserer Städte, die ja durch Wachstumsschübe im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert geprägt sind, tritt uns mit einem solchen monolithischen Erscheinungsbild entgegen. Einschaliges Mauerwerk, selbst mit raffinierter Wabenkonfiguration, stößt jedoch, wenn es über das Einfamilienhaus hinausgeht, an seine Grenzen. Was bleibt, ist die sogenannte Thermohaut oder, recht euphemistisch, die Kompaktfassade. Plastikhaut auf Styropor auf Beton – oder noch abenteuerlichere Alternativen. Wenn wir heute antreten wollen, ein Haus zu bauen, das im Kontext der Überlieferung, in der Nachbarschaft von Häusern aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht schäbig aussieht, müssen wir bereit sein, 10 Prozent mehr dafür auszugeben, in der Stadt eher 20 Prozent und mehr. Das Gebäude mit monolithischer Wand aus dämmfähigem Mauerwerk mit optimiertem Fensteranteil, also das gute alte städtische Haus, wäre das energetisch sinnvollste Hausbauprinzip, es hält nicht nur einen Abschreibungszeitraum lang, also 20 bis 30 Jahre, sondern 50 bis 75 Jahre. Wenn es so lange seine Haltbarkeit unter Beweis gestellt hat, da können wir sicher sein, hält es für immer. Diese Langlebigkeit und damit verbunden ein urbanes Wohngefühl geht leider nicht in die Kalkulation der diversen Zertifikate ein, im Gegensatz zur Wegwer farchitektur, die natürlich im Interesse des Shareholder Value erstrebenswert ist. Bauen heißt bleiben. In Versuchshäusern will man nicht wohnen. Wer aber mag schon in einem Haus wohnen, von dem er weiß, dass es morgen abgeris-

sen wird? Man will doch eines Tages zurückkommen aus der großen weiten Welt und den Kindern einmal zeigen, wo man zu Hause ist. Und man möchte vielleicht von vornherein in einer Stadt wohnen, die eine Geschichte hat, und Geschichte wird nun einmal im Gebauten augenfällig. Ältere Bauweisen, Fachwerkhäuser etwa mit Weidengeflecht und Lehmausfachung, waren ohnehin dauerhafter und energetisch ausgereifter als die Errungenschaften des »Neuen Bauens«, dessen Abstraktionsdrang eine schwindsüchtige Architektur hervorgebracht hat, die zuvorderst der Profitmaximierung diente, bis die »Ölkrise« über uns hereinbrach. Seit den 1920-Jahren baut man unablässig Versuchshäuser und Forschungssiedlungen und stellt sie rechtzeitig unter Denkmalschutz, bevor die Abrissbirne anrückt. Das Weiterbauen an der vorhandenen städtischen Substanz ist offenbar nicht sexy genug für Werbefeldzüge, das Bildmaterial gibt nicht genug her, wenn der Fortschritt in kleinen Schritten er folgt. Man kann sich leicht die Stadt vorstellen, die sich aus den momentan zirkulierenden Versuchshäusern, Pilotprojekten und Highlights im Nachhaltigkeitswettbewerb ergibt. Wer möchte dort leben? Wer ist der Pate für eine normale, beständige Architektur? Wie man dagegen ein schönes altes Haus lebenswert erhält, welcher Aufwand damit verbunden ist und was es

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ARCHITEKTUR

kostet, das er fährt man nicht, weil es nicht auf den banalen Nenner einer »grünen« Architektur zu bringen ist. Wer sagt einem, dass ein schöner alter Putz unbezahlbar geworden ist, weil das entsprechende Handwerk nur noch im Denkmalpflegebereich anzutreffen ist? Wer sorgt dafür, dass darauf, bitteschön, kein Styropor geklebt werden dar f, wenngleich dafür attraktive Fördermittel zur Ver fügung stehen? Wer hindert die abgestumpften Hauseigentümer daran, ihre schönen Holzfenster gegen PVC auszutauschen? Wer macht sie aufmerksam auf den feinen Unterschied in der Profilierung, im Schattenbild, zum flachen Kunststoff- oder Aluminiumprofil, das Generationen avantgardistischer Architekten so flach gedrückt haben, dass es keinen Schatten mehr wir ft? Und wer unterstützt die Anstrengung dessen, der nicht bereit ist, ein elegantes altes gegen ein klobiges neues Fenster zu ersetzen? Wer fördert den, der den Vorwur f des Ewig gestrigen souverän von sich weist und bereit ist, für ein Sprossenfenster bei der Umrüstung auf Isolierverglasung unter Umständen das Doppelte auszugeben, weil er spürt, dass mit dem Verzicht auf Sprossen oder durch bloßes Aufkleben von Sprossenattrappen das Haus seinen Charakter verliert? Das ist ja der Reflex, dem wir ständig ausgesetzt sind: Das Alte und damit auch Bewährte wird erst einmal denunziert, um das verblüffend Neue aus dem Hut zu zaubern, das dann freilich ebenso schnell in der Versenkung verschwindet, weil es inzwischen von den nächsten Innovationen überholt wurde. Um einem fatalen Missverständnis vor-

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zubeugen: Wir reden hier nicht über Denkmalschutz und Baudenkmale, die einen marginalen Prozentsatz der Stadtsubstanz ausmachen. Wir reden über die Masse der Gebäude, die ganz und gar unspektakulären konventionellen Bauten, ja zunehmend reden wir gerade nicht über die denkmalgeschützten Objekte, denn was seit einem halben Jahrhundert unter Schutz gestellt wurde, sind ja die Solitäre, die Experimente, die künstlerischen Eskapaden, die nun sperrig in der Stadt herumstehen, keine Textur bilden oder bereichern, sondern diese als Hintergrund missbrauchen, um sich unberechtigterweise selbst in Szene zu setzen. Man muss also das Schlimmste befürchten, wenn ein Bürgermeister seine schöne alte Stadt, Tübingen zum Beispiel, »vollkommen umorganisieren« und »viermal mehr mit Styropor einpacken« will. Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass er ein Gesetz erlassen will, um alle alten Gebäude zu dämmen, wenn dies auf verantwortungsvolle Weise geschieht, das heißt mit differenzierter Betrachtung und der entsprechenden Bereitschaft, den finanziellen Aufwand nicht zu scheuen, anstatt alle Altbauten über einen Kamm zu scheren beim Grünmachen. Erfahren statt erfinden: Nur was sich bewährt, ist fortschrittlich. Das ist eine Sache der Er fahrung. Immer wenn aus der Er fahrung heraus Neues entstanden ist, ging es gut. Immer wenn bloß er funden wurde, ging es daneben. Wir leben in einer Zeit der Er findung und Er fahrungslosigkeit. Wir haben gar keine Zeit zu beobachten, wie gut oder schlecht die Dinge, die wir in die Welt setzen, sind. Schlimmer noch: Wir schauen weg, weil wir schon im Voraus ahnen oder gar wissen, wie minderwertig unsere Produkte sind. Wir müssen einfach wieder bereit sein, Er fahrungen zu machen, und das heißt, hin und wieder zurückzuschauen auf unsere Werke und sie zu vergleichen mit dem alten Kram. Gibt es eine glaubhafte Analyse der Praxisbewährung all dessen, was seit Jahren hingerechnet wurde von den Ingenieuren? Ich kenne keine.

Deshalb bin ich gegen diesen grünen Wahnsinn. Werner Sobek behauptet ja, Häuser sollen mit Anstand von der Erde verschwinden. Erinnern Sie sich an die »Metastadt« Wulfen? Eine der meistgeförderten und meistgefeierten städtebaulich-architektonischen Errungenschaften der Bundesrepublik. Es hätte alles auseinandergeschraubt werden können, nachdem man den undichten Stellen nur durch Abriss beikommen konnte. Aber es wurde einfach mit dem Bagger beiseite geschoben, ohne Materialtrennung, weil es die billigste Methode war. Warum sollte man sich gerade bei der Entsorgung den größten Luxus leisten? Ich bin gegen den Nachhaltigkeitswahn in der verlogenen Form, wie er heute betrieben wird. Wenn Recyclingfähigkeit mehr gilt als Permanenz, ist das Ende der Stadt besiegelt, und »Architektur« ist ein Freizeitspaß geworden. Dagegen sage ich, baut langlebige, großzügige Häuser, sodass Ihr nur einmal bauen müsst, was sonst kontinuierlich hergestellt, abgerissen und zermahlen werden müsste. Und baut so, dass der unverkrampfte Mensch sich damit zurechtfindet. Betrachtet also das Haus und die Stadt nicht als Wegwer fprodukte und als Konsumgüter, sondern als wertvolles Kulturgut, von dem auch zukünftige Generationen noch zehren können, und – das ist die Konsequenz – seid bereit, dafür deutlich mehr auszugeben. Ich habe nicht gesagt, baut verschwenderisch, sondern so, dass unsere große Tradition der Architektur und Stadt in Europa nicht versiegt. Für Architekten ist es riskant, diese Wahrheit auszusprechen. Ich weiß, man gibt sich lieber mit Styropor zufrieden. Wir brauchen einen Qualitätswettbewerb, der anfängt bei der Planung. Es wird nicht mehr um kurzfristigen Profit gehen, sondern um langfristige Wertschätzung. Nicht Recyclingfähigkeit, die dem modernen Ideal des Materialkreislaufs entspricht und für Konsumgüter, nicht aber für die Stadt taugen mag, wäre unser Anliegen, sondern Dauerhaftigkeit. Stadt ist Permanenz, nur so wird sie erinnerungsfähig – und nicht nur als Bild. 

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ARCHITEKTUR

NATURSTEIN? COOL! VON JÖRG STEPHAN

ie Finanzkrise hat das Thema Klimawandel zwar zunächst aus den Schlagzeilen verdrängt, das Problem bleibt aber bestehen. Eine Studie zeigt jetzt eine neue Möglichkeit auf, der globalen Erwärmung zu begegnen: bauen mit Naturstein.

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Eine Studie beweist: Steinfassaden sind um ein Vielfaches nachhaltiger als Glasfassaden.

BRAD PITT UND ANGELINA JOLIE TUN ES,George Clooney tut es, Al Gore tut es natürlich auch, und viele andere Menschen tun es ihnen gleich: Sie pflegen einen »Lifestyle of Health and Sustainability« – eine gesunde und nachhaltige Lebensweise. Man nennt sie kurz »Lohas«. Was gesund ist, wissen wir alle, auch wenn wir es im Alltag nicht immer beherzigen, der Begriff »Nachhaltigkeit« hingegen bedar f vielfach noch der Erläuterung. Wer hat den Begriff er funden? Ausnahmsweise einmal nicht die Schweizer, sondern die kursächsische Forstverwaltung, und zwar bereits im 16. Jahrhundert. Da erließ sie ein Dekret, demzufolge für die Verbauung in den kur fürstlichen Bergwerken nur so viel Holz eingesetzt werden dur fte, wie die Gehölze ertragen konnten. Ein Grundsatz, der in der Forstwirtschaft bald allgemein Anwen-

Natursteinfassaden bewirken eine geringere Aufheizung des Gebäudeinneren bei Sonneneinstrahlung.

dung fand: Die Menge des geschlagenen Holzes dar f die Menge des durch Hege und Pflege des Waldes nachwachsenden Holzes nicht überschreiten. Diese Erkenntnis setzte sich schnell international durch, und die Briten fanden dafür den Begriff »sustained yield«, also: nachhaltiger Ertrag. Im geläufigen, umfassenden Sinne wird »Nachhaltigkeit« erst seit Ende der 1980-er-Jahre verwendet. Noch im Bericht der Brundtland-Kommission, die 1987 im Auftrag der UNO ein Konzept für eine gerechte und ökologisch wie ökonomisch verantwortungsvolle Entwicklung unseres Planeten skizzierte, kam das Wort nicht vor. Aber der von der Kommission beschriebene Weg ließ sich durch keinen anderen Begriff besser auf den Punkt bringen und begründete dessen bis heute er folgreiche Karriere. Konzerne veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte, Regierungen gründen Nachhaltigkeitsausschüsse, Hersteller von Automobilen, Fernsehgeräten und Müsliriegeln schmücken sich ebenso mit dem Signum der Nachhaltigkeit wie Konzertveranstalter und Ferienclubs. Je inflationärer die Verwendung, desto größer ist die Gefahr, dass der Kern einer Aussage in Vergessenheit gerät. So verkommt ein Begriff zum Modewort. Auch in der Baubranche wurde Nachhaltigkeit bald zu einem beliebten PRArgument. Ab Mitte der 1990-er-Jahre

wuchsen grüne, ökologische und natürlich nachhaltige Bürotürme in den deutschen Himmel: Der Commerzbank-Turm in Frankfurt am Main, die RWE-Verwaltung in Essen und das ARAG-Hochhaus in Düsseldor f seien hier nur als Beispiel genannt. Allen gemeinsam ist eine fast vollständige Verglasung der Außenhaut. Transparenz war das Zauberwort. Ausgeklügelte Fassadendetails und rechnergestützte Haustechnik sollten die baulichen Riesen zu energetischen Zwergen machen, der RWEZylinder sollte gar als erstes Hochhaus vollständig natürlich zu belüften sein, bis hinauf in die 30. Etage. Erste Zweifel an der Funktionstüchtigkeit dieser und ähnlicher Konzepte weckten Studien der TU Wien sowie des Instituts für Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Das Problem war offenkundig: Die Glashäuser heizten sich übermäßig auf. Abhilfe konnte nur auf zwei Wegen geschaffen werden. Lösung eins: intensive Klimatisierung einschließlich des entsprechenden Energieverbrauchs. Oder Lösung zwei: radikale Verschattung mit dem entsprechenden Verlust an Transparenz und der widersinnigen Konsequenz, gerade an den sonnigsten Tagen die Arbeitsplätze künstlich beleuchten zu müssen. GLASFASSADEN SIND ZU TEUER Die Kritik sprach sich herum: Schon 2007 stellte der Bayerische Oberste

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ARCHITEKTUR

Die beim Bau von Natursteinfassaden verwendeten Materialien sind wesentlich langlebiger als diejenigen, die bei Glasfassaden zum Einsatz kommen.

Rechnungshof in seinem Jahresbericht fest: »Eine umfangreiche Studie hat ergeben, dass Glasfassaden in Planung, Bau und Betrieb aufwendiger und teurer sind als Fassaden in konventioneller Bauweise.« Nach Ansicht des Bayerischen Rechnungshofs sollten bei staatlichen Baumaßnahmen Glasfassaden nur in besonders begründeten Fällen zur Ausführung kommen. Wer wissen wollte, hätte es schon länger wissen können. Wer immer noch auf einen unumstößlichen Nachweis gewartet hatte, dem kann jetzt geholfen werden. Im Auftrag des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV) hat die Consulting Firma PE-International eine Studie verfasst, die sich mit der Nachhaltigkeit von Natursteinfassaden im

Fassaden aus Naturstein sind in puncto Primärenergiebedarf bezogen auf einen Lebenszyklus von 100 Jahren um das Vierfache besser als eine konventionelle Glasfassade.

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Vergleich zur Glasfassade auseinandersetzt. VORTEIL STEIN Die Studie besteht aus zwei Teilen, im ersten Teil wird ein Quadratmeter einer typischen Natursteinfassade vor einer Betontragwand und hinterlüfteter Wärmedämmung mit einem Quadratmeter einer typischen Glasfassade verglichen. Im zweiten Teil der Studie werden verschiedene Fassadenkonstruktionen an einem realisierten Bauprojekt untersucht. Verglichen wurden zunächst eine klassische hinterlüftete Natursteinbekleidung mit vier Zentimetern Steindicke und eine Betontragwand mit einer ebenso klassischen Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Wärme-

schutzverglasung, betrachtet auf einen Nutzungszeitraum von 100 Jahren. Der Materialverschleiß und die daraus folgenden Austauschzyklen wurden auf der Basis des »Leitfadens nachhaltiges Bauen« des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung berücksichtigt. Die Informationen stammen also, wie alle anderen Eckdaten, aus unparteiischer Quelle. Betrachtet wurde der gesamte »Lebenslauf« der Konstruktionen, von der Herstellung und Montage über den Betrieb und Unterhalt bis hin zur Entsorgung oder Wiederverwertung recyclingfähiger Bestandteile, in Fachkreisen LCA (= Life Cycle Assessment) genannt. EINDEUTIGES ERGEBNIS Basis der Studie waren darüber hinaus die sogenannte CML-Methode, die 1992 in den Niederlanden für die Erstellung vergleichbarer Ökobilanzen entwickelt wurde, sowie ein Normenwerk, das als zuverlässige und international gültige Grundlage von Nachhaltigkeitsstudien geschaffen wurde. Im vorliegenden Fall konnten die Ergeb-

Die Umweltbelastungen, die während der Herstellung, Nutzung und des Lebensendes einer Glasfassade entstehen, sind zwischen 60 und 360 % höher als die der Natursteinfassade.

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Auch die Kosten für Heiz- und Kühlbedarf eines Gebäudes hängen wesentlich von der Art der Fassadenkonstruktion ab.

nisse kaum deutlicher sein: Allein beim wichtigen Faktor Primärenergiebedar f zeigte sich die Natursteinfassade um den Faktor vier überlegen: Statt annähernd 6 000 Megajoule Energieeinsatz begnügte sie sich mit knapp 1 500 Megajoule. Die betrachteten Umwelteinwirkungen der Glasfassade sind zwischen 60 Prozent und rund 360 Prozent höher als die der Natursteinfassade: So beträgt das Treibhauspotenzial (CO2-Äquivalent; GWP) der Glasfassade mehr als das 2,5-Fache des Wertes der Natursteinfassade. Das Ozonabbaupotenzial (R 11; ODP), das für den Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre verantwortlich ist, ist mehr als das 1,5-Fache, das Versauerungspotenzial (SO2-Äquivalent; AP) um mehr als das Dreifache und das Eutrophierungspotenzial (PO2-Äquivalent; EP) um das 4,5-Fache höher als die Werte der Natursteinfassade. Auch das für die Bildung bodennahen Ozons verantwortliche Sommersmogpotenzial (C2H4Äquivalent; POCP) besitzt bei der Glasfassade einen mehr als viermal so hohen Wert als bei der Natursteinfassade. Die Verwendung von Naturstein schlägt sich aber nicht nur in einem reinen Umweltgewissen, sondern auch in barer Münze nieder. Ausgetauscht werden muss nämlich bei der Glasfassade: der innen liegende Sonnenschutz alle 15 Jahre, die Dichtungen alle 20 Jahre, die Verglasung alle 25 Jahre und die Aluminiumrahmen alle 50 Jahre. Das geht ins Geld. Beim Naturstein wurde ein Wechsel der Wärmedämmung alle 30 Jahre sowie ein kompletter Austausch der Fassade einschließlich Unterkonstruktion alle 80 Jahre berücksichtigt. (Dies ist den Festlegungen im »Leitfaden nachhaltiges Bauen« geschuldet, in der Baupraxis können längere Nutzungsdauern erzielt werden.) Neben den Herstellungs- und Instandsetzungskosten der Gebäudehüllen sind die Unterhaltungskosten des Gebäudes von großer

Bedeutung. Diese Kosten werden insbesondere durch den Bedar f an Heizungs- oder Kühlenergie für das Gebäude bestimmt, die wesentlich von der Fassadenkonstruktion abhängen. So ist der für den Wärmeschutz bedeutende U-Wert bei der Natursteinfassade mit 0,32 W/m2 wesentlich geringer als bei der Glasfassade mit 1,25 W/m2. Das bedeutet, dass die Transmissionswärmeverluste und damit der Wärmebedar f des Gebäudes bei der Natursteinfassade deutlich geringer sind. Die ökonomischen und ökologischen Auswirkungen der Wärmeverluste im Winter sowie des im Sommer benötigten enormen Kühlbedar fs bei großflächigen Glasflächen wurden in dieser Studie noch nicht berücksichtigt. Laut einer Untersuchung des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt liegt der Energiebedar f eines Gebäudes mit konventioneller Natursteinfassade zwischen 100 und 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, während der Primärenergieverbrauch bei Glasgebäuden zwischen 300 und 700 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr anzusiedeln ist und somit dem Niveau schlechter Altbauten entspricht. Die er forderliche regelmäßige Reinigung der Glasfassade schlägt mit durchschnittlich 1,50 Euro je Quadratmeter Fassadenfläche zu

Buche. So hat also ein Gebäude, das vollständig mit Stein verkleidet wird, beste Nachhaltigkeitswerte und geringe Betriebskosten, aber auch einen kleinen Nachteil: Man sitzt im Dunkeln. Daher wird im zweiten Teil der Studie als Anwendungsbeispiel die konkret ausgeführte Fassadenkonstruktion des Opernturms in Frankfurt am Main mit zwei theoretischen Fassadenkonstruktionen verglichen. 

DIE KOMPLETTE STUDIE Die Studie »Ökobilanz Naturstein« ist ab Dezember 2010 erhältlich. Sie enthält eine detaillierte Zusammenfassung der zweiteiligen Ökobilanzstudie über Fassadenvarianten in Naturstein und Glas. Download unter: www.pronaturstein.at Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke 4020 Linz Fon 0 76 12/8 73 36 Fax 0 76 12/8 94 33

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ARCHITEKTUR

DIE STADT, DAS BAUEN UND DER STEIN VON JÖRG STEPHAN

ohin entwickeln sich unsere Städte? Stimmen die Vorurteile über ehrgeizige Investoren, ahnungslose Politiker und hilflose Bürger? Kann man Städte planen? Und welche Rolle spielen Materialien in der zeitgemäßen Architektur? Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler gibt Antworten.

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Architekt Christoph Mäckler setzt bei seinen Bauten seit Langem auf das Material Stein. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der TU Dortmund bringt Mäckler Architekturstudenten den Umgang mit dem »Werkstoff Stein« in der zeitgemäßen Architektur nahe.

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Die Eingangszone des Opernturms in Frankfurt am Main

DAS BÜRO MÄCKLER. KEINE GRÜNDERZEITVILLA im Grüngürtel der Stadt, keine bürgerlich-klassizistischen Altbaufluchten. Immerhin ein Hochhaus, so viel Mainhattan darf es schon sein, aber eines der schlichteren, weniger spektakulären. Für alte Frankfurter ist es immer noch das Selmi-Haus, in Erinnerung an einen legendären Frankfurter Investor der Siebzigerjahre. Es herrscht eine gelöste Stimmung, das bevorstehende Wochenende verspricht sommerliche Entspannung. Christoph Mäckler möchte lieber in seinem Arbeitszimmer reden. Ein Raum, für dessen Benutzer Repräsentation erkennbar keine Priorität hat. Schmal, an der Fensterseite eine durchgehende Arbeitsplatte, gut gefüllt, aber nicht chaotisch. In der Nische gegenüber ein ebenfalls schmales Podest mit Bücherregalen, davor zwei Besuchersessel, irgendwo ein kleiner Bildschirm. Ein Hauch englischer Clubatmosphäre. Irgendwie – da sollte es ein besseres Wort geben, gibt es aber nicht – »gemütlich«. Mäckler kommt aus einer Besprechung und würde jetzt gern erstmal eine Zigarette rauchen. Dankbar nutzt der Besucher aus Bayern die Gelegenheit, Toleranz beweisen zu können, insbesondere Rauchern gegenüber. Keine Einwände also. Dann kann es losgehen. STEIN TIME: Sie sehen Bauen als Reaktion auf das Vorhandene, können Sie ein Beispiel geben? Christoph Mäckler: Nehmen Sie als Beispiel den Campus Westend hier in Frankfurt. Da habe ich die Stadt bei der Erstellung einer Gestaltungssatzung beraten. Und dabei

Der Opernturm in Frankfurt/Main im Überblick. Das Sockelbauwerk bindet das Haus in den städtischen Kontext ein.

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Wiederentdeckte Techniken: Mäcklers in den Neunzigerjahren in Berlin entstandener »Lindencorso«

stand der Ensemble-Gedanke klar im Vordergrund – ich hatte da immer das Beispiel Princeton vor Augen. Unsere Vorgaben gingen recht weit: Lochfassaden, Naturstein und ein paar andere Dinge waren zwingend gefordert. Trotzdem war das Ergebnis sehr vielfältig und abwechslungsreich, die haben ja nicht einmal den gleichen Stein benutzt. Auch die Qualität ist sehr unterschiedlich, aber das ist ja gerade einer der Vorzüge des Ensembles, dass es solche Niveauunterschiede verträgt. STEIN TIME: Wird so ein »Korsett« nicht von vielen Ihrer Kollegen als einengend empfunden? Christoph Mäckler: Man muss wissen, dass man bei einem solchen Verfahren Kritik auf sich zieht. Bewerbungen von Kollegen, die mit ihrer Architektur nur Markenzeichen setzen wollen, konnten natürlich nicht berücksichtigt werden. STEIN TIME: Was sind die Marken? Christoph Mäckler: Eine Architektur, die nur auf Wiedererkennbarkeit setzt. Wenn also jemand nur mit weißen Metallpa-

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neelen oder verknittertem Aluminium oder verdrehtem Sichtbeton bauen will oder kann, ohne erkennbar Rücksicht auf die Umgebung seines Baus zu nehmen. Da entsteht Eventarchitektur, die nur auf sich selbst bezogen dasteht und den Kontext ignoriert. Das wollten wir beim Campus Westend vermeiden. STEIN TIME: Wenn Sie Kontext sagen, ist das ja auch der historische Kontext. Da hat in Deutschland einerseits der Krieg gewaltige Verluste verursacht, andererseits steht der historische Bezug immer noch unter dem Generalverdacht der Rückwärtsgewandtheit. Wirkt da immer noch das unselige Erbe des Dritten Reiches nach? Christoph Mäckler: Der Nationalsozialismus hat unglaublich vieles besudelt, das wirkt tatsächlich bis heute spürbar nach. Und natürlich habe auch ich früher die Naziarchitektur als »faschistisch« bezeichnet. Aber diese Art des Neo-Klassizismus wurde doch damals auf der ganzen Welt gebaut, auch schon lange vor den Nazis. Die haben das nur noch monumentaler und noch

abweisender gemacht als die anderen. Aber deswegen kann man doch nicht alle Stilelemente, die damals verwendet wurden, zum Tabu erklären. Eine Debatte wie die über den möglichen Abriss des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig ist doch einfach nur lächerlich. STEIN TIME: Aber spricht denn diese Architektur nicht tatsächlich die »Sprache des Herrenmenschen«? Christoph Mäckler: Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: Als wir Ende der Achtzigerjahre die ständige Vertretung der Bundesrepublik »bei der DDR« bauten, ging ich oft zu Fuß vom Grenzkontrollpunkt zur Baustelle. Der Weg führte am Gebäude des ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums vorbei, ein großer grauer Kasten. Nachdem da mittlerweile irgendeine DDR-Behörde untergebracht war, standen natürlich auch Volkspolizisten davor – das hatte schon was Bedrohliches. Nach der Wende hingen dann irgendwann Bundesadler am Gebäude. Als ich das sah, ließ ich mich einmal durch das Gebäude führen. Und obwohl sich da seit Görings Zeiten noch nicht viel verändert hatte: Die Angst war weg. Es ist nie die Architektur, die Menschen unter-

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drückt, es sind die Menschen selber. Sie können jemanden auch im Keller eines Glashauses foltern, das Gebäude ist dafür nicht verantwortlich. STEIN TIME: Wie erklären Sie sich dann diese Berührungsangst gegenüber der Geschichte? Christoph Mäckler: Nach dem Krieg wollte man in Deutschland nur nach vorne schauen. Tradition war obsolet, man konnte nicht einmal mehr einen normalen Tisch bauen – so wurde der Nierentisch erfunden. Hier in Frankfurt hat man ernsthaft darüber nachgedacht, dem Dom ein Flachdach aufzusetzen. Hinzu kam, dass die besten Architekten das Land verlassen hatten und der Wiederaufbau zu bewältigen war. Selbstverständlich konnte man nicht erwarten, dass bei einer so immensen Aufgabe ausschließlich hervorragende Architektur entsteht, aber die Qualität insgesamt war doch recht jämmerlich. Ausnahmen wie Sep Ruf, Egon Eiermann, Helmut Hentrich in Düsseldorf gab es natürlich auch. Aber beherrschend war das Mittelmaß. Und Säulen oder Symmetrie waren völlig undenkbar, das NS-Trauma beherrschte die gesamte Debatte. Man wandte sich ab von der Geschichte und verlor darüber nach und nach den Bezug zum Bauen – Städtebau, Raumplanung, das alles wurde mehr und mehr theoretisiert und zu einer Angelegenheit der Gesellschaftswissenschaften gemacht. STEIN TIME: Aber lässt sich denn eine Stadt, oder wie in Deutschland nach dem Krieg Hunderte von Städten, wirklich planen? Die oft gerühmten toskanischen Vorbilder wie Siena oder Volterra, das sind doch über die Jahrhunderte gewachsene Strukturen. Können solche Qualitäten wirklich über Stadtplanung und Gestaltungssatzungen erreicht werden? Christoph Mäckler: Das ist ja ein weitverbreiteter Irrtum, diese Städte seien sozusagen aus sich selbst heraus entstanden. Lesen Sie mal nach bei Leuten wie Humbertz oder Braunfels, da gab es verbindliche Vorschriften zu Material, Farbe und Größe. Wenn da jemand einen halben Meter zu hoch gebaut

hatte, durfte er wieder abreißen. Das war genaue Planung, kein natürliches Wachstum! Auch auf dem Campo von Siena finden Sie mittelmäßige Architektur, aber die Qualität kommt über das Ensemble, nicht über das inszeniert Individuelle. In Frankfurt gab es im 19. Jahrhundert den Baumeister Heß, bei dem mussten sich die Bauherren Farbund Materialmuster anschauen; und wie die Dächer und Fenster und Türen auszusehen hatten, das war bis ins Detail geregelt. Da haben Menschen vom Bauen etwas gewusst und dieses Wissen basierte auf Überlieferung und Erfahrung. Daran müssen wir wieder anknüpfen. STEIN TIME: Sehen Sie die Zukunft wirklich in der Rückbesinnung, Stichwort: Stadtschloss Berlin? Christoph Mäckler: Um das ganz deutlich zu machen: Ich bin nicht für die Rekonstruktion. Bei wenigen Bauten

von wirklich überragender Bedeutung ist das sicher in Ordnung. Die Frauenkirche in Dresden, oder, wenn auch in kleinerem Maßstab, die alte Bibliothek hier in Frankfurt. Aber »alt« oder auf alt gemacht ist doch kein Gütesiegel. Schlechte Architektur und schlechte Architekten gab es schon immer, auch im Barock. Ich möchte traditionelle Elemente in zeitgemäßer Form neu interpretieren, anknüpfen an die Vormoderne oder die frühe Moderne. Die Architekturkritik meckert seit hundert Jahren über das 19. Jahrhundert, aber nie hat einer erklärt, wie es denn hätte gemacht werden sollen. STEIN TIME: Können Sie uns am Beispiel Ihres jüngsten Bauwerks, dem Opernturm in Frankfurt, erklären, wie Stadtbaukunst für Sie funktioniert? Christoph Mäckler: Der Opernturm ist einfach ein vernünftiges, zeitgemäßes Gebäude. Wir haben mit dem Sockel-

Das Torhaus am Frankfurter Westhafen mit einer Fassade aus Kirchheimer Muschelkalk

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Auch die großzügige Lobby des Opernturms prägt der Stein.

bau die Grenzen des Platzes um die alte Oper herum wiederhergestellt, dabei die bestehenden Traufhöhen aufgegriffen und uns mit der Lochfassade, den Farben und dem Material auf das vorhandene Vokabular bezogen. Dadurch tragen wir dazu bei, den Charakter des Opernplatzes zu festigen. Meine ganze Arbeit geht immer davon aus, sich nach dem Ort zu richten, nicht sich ihm zu widersetzen. STEIN TIME: Der Opernturm erhielt ja als erstes Gebäude in Europa ein Zertifikat für Nachhaltigkeit. Ist dieses Thema für Ihr Büro wichtig, wie gehen Sie in der Planungspraxis damit um? Christoph Mäckler: Eigentlich gar nicht. Überspitzt formuliert: Wir bauen seit 30 Jahren nachhaltig, ohne uns gezielt darum zu bemühen. Nachhaltigkeit ist bei intelligenter Planung fast ein Nebenprodukt. Der Opernturm hat eine zu 50 Prozent geschlossene Fassade, die Fenster werden durch die Lisenen verschattet, das bewahrt ihn vor Überhitzung. Und spart Energie, ganz ohne Solarkollektoren und Erdwärme. Außerdem verwenden wir dauerhafte, wenig

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pflegeintensive Materialien, deren Alterungsverhalten wir kennen, und verarbeiten sie handwerklich und anwendungsgerecht. Holz zum Beispiel wird nicht versiegelt oder lackiert. So sinken die Nebenkosten eines Gebäudes, und das ist für Investoren von Interesse. STEIN TIME: Naturstein spielt bei diesem Projekt auch eine Rolle. Sie sind vielleicht kein ausgesprochener SteinArchitekt, verwenden das Material aber doch immer wieder. Was ist für sie das Faszinierende am Stein? Christoph Mäckler: Da gibt es unterschiedliche Gründe. Stein muss nicht produziert werden. Glas, Stahl oder Aluminium durchlaufen komplizierte und aufwendige Herstellungsprozesse. Stein ist einfach da, man muss ihn sich nur holen. Ich schätze seine Dauerhaftigkeit und ich mag seine Haptik und das Spiel von Licht und Schatten auf den unterschiedlichen Oberflächen. Bis in die Neunzigerjahre gab es Naturstein nur als hochglanzpolierte Fassadenplatten mit Kreuzfuge. Beim Lindencorso in Berlin haben wir, als erste Architekten nach dem Krieg glaube ich, wieder eine

Fassade steinmetztechnisch bearbeiten lassen und seitdem eine Menge an Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt. Das ist auch wichtig, wenigstens ein bisschen Kenntnis sollte man da schon haben. Granit ist für Kanneluren zu hart und nicht jeder Stein kann im Wasser stehen. Im Moment haben wir ein Projekt, einen kleinen Belvedere in einem Park, den wir aus massiven Natursteinquadern errichten wollen. STEIN TIME: Mit Tishman Speyer war ja ein international ausgerichteter Investor ihr Bauherr beim Opernturm. Sind Sie nun auf dem Weg zum Global Player? Christoph Mäckler: Die Idee allein finde ich aberwitzig. Irgendwo Dinge planen mit angelesenem Hintergrundwissen? Das kann nicht gut gehen. Ich frühstücke gern mit meiner Familie und verbringe das Wochenende lieber zu Hause als im Büro, da bin ich dann an drei Tagen die Woche und weitere zwei am Institut. Global Player, das macht keinen Spaß. Wenn der Bürgermeister von Bamberg anruft und fragt, ob ich einen Vorschlag für seine Bahnhofstraße machen möchte – das macht Spaß. 

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Airtec Stone von alsecco im Einsatz: Verwaltungsgebäude in Bad Oyenhausen

BITTE FESTHALTEN VON JÖRG STEPHAN

ür Natursteinfassaden hat »Nachhaltigkeit« doppelte Bedeutung: Einmal müssen sie natürlich halten. Dafür sorgen verschiedenste Befestigungs- und Verankerungssysteme. Aber wie ist es um die Nachhaltigkeit bestellt? Eine Bestandsaufnahme.

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Eckdetail einer Fassade

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Hält dank T-Ankern: Haus am Fluss an der Weser in Bremen

DASS STEIN HART UND UNVERWÜSTLICH IST, hat schon fast sprichwörtlichen Charakter. Wenn unsere Zivilisation dereinst den Weg alles Irdischen gegangen sein sollte, werden nur zwei Zeugnisse ihres Wirkens noch Jahrhunderttausende überdauern: die ägyptischen Pyramiden und die Porträts der US-Präsidenten am Mount Rushmore. So gesehen kann an der Nachhaltigkeit des Materials Stein kein Zweifel bestehen. Aber pharaonenhafte Massivbauten kann sich ein moderner Investor ebenso wenig leisten wie den Umbau der Zugspitze zu einem Verwaltungszentrum. An den zu erwartenden Widerstand gegen so ein Projekt wollen wir gar nicht denken. Architektur muss wirtschaftlich sein und der Materialeinsatz muss dementsprechend auf ein vernünftiges Maß reduziert werden. So ist im System »Fassade« der Stein nur ein Bauteil von vielen, die im Wortsinn tragende Rolle haben andere übernommen: Anker, Schienen und Profile. Auch deren Hersteller haben das Thema »Nachhaltigkeit« entdeckt und interpretieren es auf vielfältige und zum Teil überraschende Art.

DÜNN MACHEN Die Firma alsecco hat mit dem System Airtec Stone eine spezielle NatursteinLeichtfassadenplatte entwickelt. Diese Platte besteht aus einer acht bis zehn Millimeter starken Natursteinplatte, die mit einer 19 Millimeter messenden Trägerplatte verbunden ist. Die daraus resultierende Sandwichplatte hat je nach Natursteinauswahl eine Dicke von etwa 28 bis 30 Millimetern. Diese Konstruktion ist bis zu 60 Prozent leichter als massiver Naturstein und eignet sich daher besonders für Sanierungen im Bestand. Die bauaufsichtlich zugelassenen Naturstein-Leichtfassadenplatten werden in verschiedenen Größen, Formaten und Oberflächenvarianten hergestellt. Je nach Anforderung und Anspruch von Bauherren und Planern können gemeinsam mit alsecco individuelle Lösungen erarbeitet und der spezifische Naturstein für das jeweilige Objekt bestimmt werden. Dabei können Natursteinplatten bis zu einer Größe von 4,7 Quadratmetern eingesetzt werden. Noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet ein abgestimmtes ZubehörProgramm, mit dem sich nahezu jede bauliche und architektonische Anforde-

Der T-Anker im Detail

rung systemsicher meistern lässt – von speziellen Sichtkanten bis hin zu abgestimmten, individuell vorgefertigten Formteilen. Bei der Ausbildung von Wärmedämmverbundsystemen in Natursteinoptik bietet alsecco zusätzlich die Natursteinsysteme Alprotect Stone und Alprotect Stone XL. Alprotect Stone ist eine acht bis zehn Millimeter starke Natursteintafel mit rückseitig kaschiertem Gewebe. Sie lässt sich bis auf Erdgeschosshöhe mit dem Wärmedämmverbundsystem verkleben. Formatgrößen bis zu 0,36 Quadratmetern können so verbaut werden. Bei Stärken von maximal zwölf Millimetern ermöglichen die Tafeln den Aufbau besonders

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Die Fassade des Museum of Liverpool bei Nacht

Seitlicher Einblick in eine unsichtbare HinterschnittBefestigung

schlanker Wandkonstruktionen. Der Grundaufbau der Systeme Alprotect Stone XL und Airtec Stone ist identisch. Jeweils wird eine Natursteinplatte auf eine Trägerplatte verklebt. Die maximale Plattengröße beträgt bei diesem System 0,72 Quadratmeter. Der Vorteil gegenüber Alprotect Stone liegt in einer extrem hohen Stoßfestigkeit des Sandwichelementes. Die Naturstein-Verbundplatten lassen sich einreihig bis zu einer Anwendungshöhe von 1,20 Metern auf dem Wärmedämmverbundsystem verkleben. Auch wenn es bis dato noch keine Zertifizierung gibt, wird das Thema »Green Building« bei alsecco ernst genommen. Durch die reduzierten Materialstärken wird die Ressource Naturstein geschont, und das geringere Konstruktionsgewicht ermöglicht effizientere Tragkonstruktionen, die nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile bieten. FLACH SETZEN Einen anderen Ansatz verfolgt man bei Stone Innovations. In Bremen wurde in den Jahren 2008/2009 das »Haus am Fluss« als Verwaltungssitz eines Bremer Speditionsunternehmens errichtet. Das Problem war die Lage direkt am

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Dreidimensionale Rauten: vorgehängte Kalkstein-Fassadenplatten am Museum of Liverpool

Weserufer und der auch in Bremen noch messbar hohe Salzgehalt der Luft. So machte es der Bauherr zur Bedingung, dass bei der Verankerung der 2 200-Quadratmeter-Fassade aus Jurakalkstein keine Beschädigung der Betonarmierung erfolgen durfte. Die Verankerung konnte daher lediglich in der 30 bis 40 Millimeter starken Deckschicht befestigt werden. Zum Einsatz kam der Knappe-T-Anker. Die sehr geringe Setztiefe der »T-Nut-Anker-Technologie« gewährleistet, dass der Betonstahl nicht verletzt wird, und bietet zudem den Vorteil, dass zur Befestigung für die Unterkonstruktion handelsübliche Edelstahlschrauben bzw. Aluminiumprofile verwendet werden können. Die Nuten werden mit speziell entwick-

elten Fräsmaschinen in den Beton geschnitten, sechs derartige Nuten können in nur zwei Minuten erstellt werden. Je nach Härte des zu schneidenden Materials schaffen die Einsätze dieser Maschinen bis zu 1 000 Fräsungen. Derzeit ist für eine Montage mit dem Knappe-T-Anker noch eine Zulassung im Einzelfall erforderlich. Horst Knappe, der Entwicklungschef von Stone Innovations, möchte das auch gar nicht ändern. Er zieht es vor, »ein exklusives Produkt für anspruchsvolle Bauherren« zu vertreiben. Seinem Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht es, die tragende Struktur eines Bauwerks möglichst unberührt zu lassen und somit dessen Lebensdauer zu verlängern. SCHNITTIG VERANKERN Die KEIL Befestigungstechnik GmbH in Engelskirchen bei Köln hat sich auf die Fassadenbefestigung auf der Basis der Hinterschnitttechnik spezialisiert und zählt mit mehr als 1 000 abgewickelten Projekten zu den weltweit führenden Anbietern auf diesem Gebiet. Eigene Forschungen und Patente bieten Architekten und Fassadenbauern heute neue Möglichkeiten, Fassadenplatten rückseitig zu befestigen. Damit reagiert KEIL

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Minimale Fugen dank eines Fix-Systems

Federhalter mit Steinriemen

auf veränderte Rahmenbedingungen, denn neue architektonische Anforderungen und die energetische Bewertung aller Bauteile und ihrer Komponenten fordern eine anpassungsfähige Befestigungstechnik. Denn Verankerungen in der wärmegedämmten Außenwand bilden konstruktive Wärmebrücken, die bei der Erstellung des Wärmeschutznachweises zu berücksichtigen sind. Ziel ist es daher, die Anzahl der Durchdringungen der Dämmschicht zu reduzieren. Großformatige, mit Hinterschnittankern befestigte Fassadenplatten aus Naturstein erhöhen den thermischen Widerstand einer Außenwand deutlich. KEIL hat nun diese bereits bewährte Befestigungstechnik konsequent weiterentwickelt

und mit einer Europäischen Technischen Zulassung (ETA-06/0253) für einen noch weiteren Bereich von Gesteinsgruppen verwendbar gemacht, so zum Beispiel auch für Kalk- und Sandsteine. Musste bislang für jede Steingruppe eine objekt- und steinbruchbezogene Zulassung beantragt werden, können Fassaden aus Naturwerkstein nun auf der Basis nur einer Norm und der neuen ETA nachhaltig, toleranzarm und variantenreich geplant und ausgeführt werden. Darüber hinaus bietet die Vielzahl der mit dieser Zulassung erfassten Gesteinsarten den Architekten eine deutlich erweiterte gestalterische Freiheit. MINERGETISCH GESCHICHTET Die Breitenstein AG in Zug in der Schweiz verarbeitet, produziert und handelt mit Natursteinen, Kunststeinen und Betonelementen. Die wachsenden Erwartungen von Bauherren in Bezug auf Langlebigkeit und Sicherheit sowie die steigende Nachfrage auf dem Markt nach kleinformatigen Natursteinfassaden führte zur Entwicklung des Fassadensystems StoneFix. Dabei handelt es sich um ein mechanisches, zwängungsfreies Befestigungssystem für Natursteinriemen in Höhen von sieben bis

zwölf Zentimetern und in freien Längen. Im Verbund mit einer Metallunterkonstruktion entsteht ein vorgehängtes hinterlüftetes Fassadensystem. Dank dieser neu entwickelten Befestigungstechnik und der Hinterlüftung der Natursteinriemen wird eine lange Lebensdauer bei minimalem Konstruktionsaufbau erreicht. Der in der Schweiz geforderte, sehr anspruchsvolle Minergiestandard kann eingehalten werden. Zusätzlicher Vorteil: Die Montage mit dem System StoneFix ist witterungsunabhängig. AUSBLICK Die Nachhaltigkeit ist also im Alltag der Verankerungsspezialisten angekommen. Wie immer bei neuen Entwicklungen wirft jede gefundene Antwort aber auch neue Fragen auf: Wie groß ist denn überhaupt der Einfluss einer Unterkonstruktion auf die Wärmebilanz eines Gebäudes, welcher Aufwand ist noch sinnvoll? Kann die Lebensdauer von Fassadenbekleidungen verlängert werden, z.B. durch vereinfachte Demontage und Wiedermontage? Können Material und Herstellung von Verankerungen hinsichtlich ihrer Umweltbilanz optimiert werden? Fragen, die in Zukunft zu beantworten sein werden. 

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Die stillen Stars VON RICHARD WATZKE

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auf die Details kommt es an. Sie prägen ein Bauwerk, verleihen ihm auch auf den zweiten Blick einen unverwechselbaren Charakter. Gerade im Privatbau legen Bauherren Wert auf hochwertige Werkstoffe. Wandverkleidungen, Böden und Bäder aus Naturstein spielen hier eine Hauptrolle.

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HAUS GERBER IN LERMOOS Vor dem Panorama der Zugspitze erhebt sich das Privathaus in einer Hanglage. Der Bauherr wünschte nicht zuletzt wegen der Nähe zur Zugspitze österreichischen Naturstein.

Spaltraue Riemen aus Rauriser Naturstein dienen als Böschungsmauer und umrahmen den Pool einer Villa in Tirol.

ARCHITEKT Arch. DI Sebastian Krehn 6900 Bregenz

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PAVILLON ÜBER DEM TRAUNSEE Ein Seminarpavillon in einer Hanglage am Traunsee in Oberösterreich: Das zweisschalige Mauerwerk besitzt eine 16 cm starke Wärmedämmung. ARCHITEKT Arch. DI Gerhard Fischill, Linz 4020 Linz NATURSTEINARBEITEN Casa Sasso, 4055 Pucking

Mit dem Schichtmauerwerk aus spaltrauen Kalkbruchsteinen aus St. Koloman stellt der Pavillon einen Bezug zu den bereits vorhandenen Geländeterrassen her, die ebenfalls aus diesen Kalkbruchsteinen gefügt waren. Tageslicht dringt durch die perforierte Außenwand ins Tepidarium und schafft eine intime Atmosphäre. Sitz- und Liegeflächen sind aus dem Kalkstein Giallo Dorato gefertigt. Die Duschverkleidung wurde aus großformatigem Kärntner Carat Blaugrün gefertigt.

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SHOWROOM IN AURACH Gasteiger will der Inbegriff anspruchsvoller Badarchitektur sein. Der Verkaufsraum zeigt zeitgemäße Badgestaltung und ist zugleich Schauraum für Naturstein. ARCHITEKT Stöckl Egger & Partner Architketurbüro, 6370 Kitzbühel

Hochwertige Bäder bestechen durch Naturstein. Die spiegelbildlich angeordneten und hinterleuchteten Onyxplatten bilden einen Blickfang in dem Schauraum. Die Rückwand der Duschkabine besteht aus wandhohen Streifen aus spaltrauem Quarzit.

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GARTENPAVILLON IN WIEN Ein Pavillon, wie ein Zimmer im Garten: Im Zuge der Neugestaltung eines Wiener Privatgartens erweitert ein Pavillon das Freizeitangebot des bestehenden Haupthauses in den Garten. ARCHITEKT Arch. DI Harald Vavrovsky, 1060 Wien

Im Erdgeschoss des Pavillons befindet sich der Koch- und Essbereich, im Keller ist eine Sauna mit Dusche und Ruheraum untergebracht. Der dunkle Bodenbelag aus Dolomit speichert tags체ber Sonnenw채rme und gibt sie abends allm채hlich ab. Dadurch ist die Terrasse angenehm temperiert und bis in die Nacht hinein nutzbar. In horizontalen Bahnen verlegter, anthrazitfarbener Schiefer mit dem Plattenformat 60 x 30 cm pr채gt die Nassbereiche.

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STEIN DER WEISEN VON JÖRG STEPHAN

n unseren Universitäten wird das Führungspersonal der Zukunft ausgebildet. Die Qualität dieser Zukunft hängt ab von der Qualität der Ausbildung, diese hängt wieder ab von der Qualität der Ausbildungsstätten. Der „Campus Westend“ in Frankfurt am Main könnte hier als Vorbild dienen, der Beitrag der Architekten Kleihues + Kleihues als hervorragendes Beispiel.

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Die Westfassade mit Blick zum Grüneburgpark

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Ostfassade mit Haupteingang

Das Informationszentrum Finanzen im Erdgeschoss

DIE GOETHE-UNIVERSITÄT ist alles andere als eine klassische Alma Mater. Als erste Stiftungsuniversität überhaupt wurde sie, anders als die spätmittelalterlichen Institutionen von Heidelberg, Köln oder Er furt, erst im Jahr 1914 gegründet. Politik, Wir tschaft und Bürgertum der Stadt hatten sich für die Universität stark gemacht und die notwendigen Mittel bereitgestellt. Moderne und praxisorientierte Lehrinhalte waren gefragt, die ersten wir tschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten wurden hier eingerichtet. Weltoffenheit prägte – trotz der politischen Begleitumstände der Gründungsjahre – von Anfang an das Klima. Das Lehr verzeichnis registrier te Namen wie Paul Ehrlich und Mar tin Buber, zu den Studenten zählte mit Carl Zuckmayer, Marion Dönhoff, Ludwig Erhard oder Theodor Adorno die geistige Elite der späteren Bundesrepublik Deutschland. 1933 verlor die Universität über ein

Drittel ihres Lehrkörpers und ungezählte Immatrikulierte. Die Gleichschaltung verlief reibungslos, von nennenswerten Akten des Widerstands ist nicht zu berichten, im Gegenteil: Das 1935 gegründete »Universitätsinstitut für Erbbiologie und Rassenhygiene« lieferte »wissenschaftliche« Grundlagen für die Ver folgung von Juden, Sinti und Roma. Schon im November 1934 hatte der damalige Rektor Vollzug gemeldet: »Wohl an keiner anderen Universität ist die Säuberung so radikal vorgenommen wie gerade bei uns.« Was im Umkehrschluss aber auch hieß: An keiner anderen Universität war die Grundhaltung so NS-feindlich wie in Frankfurt. An diese Haltung knüpfte man nach dem Ende der tausendjährigen Herrschaft wieder an. Die Stiftungsuniversität wandelte sich zur Staatlichen Hochschule. Namen wie Horkheimer, Adorno und Habermas, Gastprofessoren wie Günther Grass und immerhin

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Inspiriert von Raffaels »Die Schule von Athen«: der Bodenbelag des Foyers

acht Nobelpreisträger, die hier lehr ten oder studier ten, begründeten die Weltgeltung dieser Universität. Mit dem Fritz-Bauer-Institut ist seit dem Jahr 2000 eine Forschungsstätte zur Geschichte und Wirkung des Holocausts in die Unistrukturen integrier t und unterhält dor t eine Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung. HEUTE ZÄHLT DIE GOETHE-UNIVERSITÄT zu den fünf größten Universitäten Deutschlands. Konnte in den Gründungsjahren noch jeder neu Immatrikulier te mit einer persönlichen Begrüßung durch den Rektor rechnen, liegen die aktuellen Zahlen bei rund 40 000 Studenten. Ein Massenbetrieb also, für Lehre und Forschung nicht unbedingt förderlich. Der bauliche Kern der Universität im Frankfur ter Stadtteil Bockenheim war auf eine maximale Zahl von rund 2 000 Studierenden ausgelegt und wurde mit Ausnahme zweier Neubauten für die Institute für Sozialforschung und Physikalische Chemie bis 1939 nur unwesentlich er weiter t. Zusätzlichen Platz boten eine wachsende Zahl von Wohnungen und Villenetagen in der Nähe, die teilweise bis Ende der 1990-Jahre als permanente Provisorien dienten. Die Kriegsjahre schädigten die Universitätsbauten nachhaltig, der Wiederaufbau verzöger te sich aufgrund finanzieller Probleme und diverser Kompetenzstreitigkeiten. Unter der Ägide des Baudirektors Ferdinand Kramer entstanden dann zwischen 1952 und dessen Pensionierung 1964 23 Neubauten, zumeist sachlich-funktionelle Stahlbetonskelett-Konstruktionen mit Ausfachungen aus Mauer werk. Bis ins Jahr 2000 wurde der heute »Campus Bockenheim« genannte Bereich weiter verdichtet, unter anderem durch den

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116 Meter hohen AfE-Turm. Langfristig aber er wies sich die wachsende Enge als Hemmschuh. Einerseits waren die Entwicklungsmöglichkeiten stark begrenzt, andererseits erschwerten die Begehrlichkeiten der in »Mainhattan« ansässigen Global Players der Finanzbranche die Standortsuche. Die einzige Lösung: gezielte Dezentralisierung. Schon unter Ferdinand Kramer begannen Planungen, einzelne Fakultäten in andere Stadtteile umzusiedeln. Die Folgen des historischen Umschwungs Ende der 1980-Jahre aber boten der Universität eine Perspektive in völlig neuer Dimension. Die I.G. Farbenindustrie AG, seinerzeit das vier tgrößte Unternehmen der Welt, benötigte 1925 nach enormem Wachstum eine neue Zentralver waltung. Nach einem Entwur f von Hans Poelzig entstand so auf einem Teil des Grüneburgparks in den Jahren 1928 bis 1931 das IG Farben Haus. BAUHAUS-STIL WAR BEI DEN BAUHERREN AUSDRÜCKLICH unerwünscht. Das Ergebnis war ein 250 Meter langer, 35 Meter hoher Bau von gemäßigt neoklassizistischer, gleichzeitig aber unverkennbar moderner

Erscheinung. Die Außenhaut wurde vollflächig mit Travertin bekleidet, was dem Gebäude Wärme verlieh, gleichzeitig aber auch seine Monumentalität betonte. Poelzig ereilte nach 1933 ein ähnliches Schicksal wie viele Frankfurter Professoren, er starb 1935 kurz vor seiner geplanten Emigration in die Türkei. Die IG Farben er wies sich als politisch sehr viel anpassungsfähiger und konnte den neuen Herren Deutschlands in vielfacher Hinsicht hilfreich sein. Nach Kriegsende wurde der Konzern zerschlagen, lebte und lebt aber in Einzelunternehmen fort. Agfa, BASF, Bayer, Hoechst oder Wacker-Chemie sind hier die bekannten Namen. Poelzigs Gebäude diente nach dem Krieg den US-Streitkräften in Europa als Hauptquar tier, bis der Fall des Eisernen Vorhangs und der Zusammenbruch des Warschauer Pakts eine Präsenz in der bisherigen Größenordnung über flüssig machte. Die Besitzrechte gingen zunächst an die Bundesrepublik Deutschland über, im Jahre 1996 er warb das Bundesland Hessen das westlich des »Campus Bockenheim« gelegene Gelände. Die Absicht, hier die Er weiterungsbauten der Frankfurter Universität zu errich-

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Eingangsfront mit Blick auf das Poelzig-Haus

Blick ins Foyer im Erdgeschoss

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Blick in den Innenhof

ten, ging zurück auf einen Vorschlag des damaligen Universitätspräsidenten Werner Meißner. Das ehemalige IG-Farben Haus wurde bis 2001 nach Plänen der dänischen Architekten Dissing und Weitling sanier t und beherbergt nun die Fachbereiche Evangelische und Katholische Theologie, Philosophie und Geschichtswissenschaften, Sprach- und Kultur wissenschaften, Teile der Neueren Philologien sowie das er wähnte Fritz-Bauer-Institut. NÖRDLICH VON POELZIGS GEBÄUDE soll bis 2015 in drei Ausbaustufen der »Campus Westend« fer tiggestellt werden. Ausgangsbasis der Planungen ist ein städtebaulicher Wettbewerb aus dem Jahre 2002, der seinerzeit von dem Frankfur ter Architekten Ferdinand Heide gewonnen wurde. In der ersten Stufe fer tiggestellt wurde, neben den Bauten für Rechts- und Wir tschaftswissenschaften, einem Hörsaalzentrum, dem Casinoanbau sowie einem kirchlichen Studentenwohnheim auch das »House of Finance«. Die Namensgebung allein verrät internationale Ausrichtung, und unter seinem Dach sind, nach Aussage des derzeitigen geschäftsführenden Direktors »… Einheiten der Universität, die interdisziplinär Themen wie Finanzen, Geld und Währung sowie Recht der Unternehmen bearbeiten …« untergebracht. Sechs eigene und diverse assoziier te Lehrstühle sollen die Finanzkompetenz des Frankfur ter Lehrbetriebes weiter verstärken und die nahe gelegenen Niederlassungen von Boston Consulting, Morgan Stanley und Kollegen werden das Haus sicher mit wachsamen Blikken bedenken. Dass Josef Ackermann zu den Gastdozenten zählt, kann da kaum noch überraschen. Verantwor tliche Architekten sind die Berliner Jan Kleihues und Norber t Hen-

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sel. Kleihues dar f nach seinen Bauten für das Maritim- und Concorde Hotel in Berlin als Naturstein-Spezialist gelten. Bereits das Maritim Hotel in Berlin lag in direkter Nachbarschaft einer deutschen Architektur-Ikone: Emil Fahrenkamps Shellhaus. Wie Poelzig hatte auch Fahrenkamp den Traver tin als Material für seine Fassade gewählt. Schon damals sah Kleihues in dieser Nähe eher eine Gefahr als eine Inspiration. Ein Gebäude kann nur aus sich selbst heraus leben, schon der Verdacht von Imitation oder Anbiederei kann seine Wirkung infrage stellen. Doch anders als in Berlin ist das »House of Finance« Teil eines Ensembles, und dieses Ensemble wird unstreitig geprägt von Poelzigs dominantem Entwur f. Hier ist die Entscheidung für den Traver tin gleichzeitig die Entscheidung für die Geschlossenheit eines Gesamtbildes. Das Erbgut des Poelzighauses bleibt ablesbar, die Evolution ist aber fortgeschritten. Jan Kleihues und Norbert Hensel integrieren ihren Entwur f mit klaren, im Detail mit größter Akkuratesse ausgearbeiteten Mitteln. Rechteckige, versetzt angeordnete Fassadenplatten bilden einen zurückhaltenden Hintergrund, auf dem die Fassadenöffnungen mit ihren umlaufenden Risaliten eine

expressive Plastizität entwickeln. Die beinahe lapidar wirkende Sockelzone mit ihrer leicht über formatigen Verkleidung bildet nach Norden und Westen hin einen deutlichen, aber keinen monumentalen Akzent. Was den Travertin besonders auszeichnet, verriet Kleihues im Inter view: »Dass er gleichzeitig homogen und lebendig ist. Seine Einschlüsse und Poren – Eigenschaften, die ihn bei Bauherren übrigens nicht immer leicht vermittelbar machen. Vor allem aber seine sich – je nach Schnittrichtung – ändernde Struktur. Das ist seine ganz besondere Qualität.« Dass so auch Gebäude von besonderer Qualität entstehen, ist dann ja nur noch folgerichtig. 

MATERIAL Trosselfels, fein geschliffen ARCHITEKTEN Jan Kleihues und Norbert Hensel, Kleihues + Kleihues, Gesellschaft von Architekten mbH, D-Berlin/Dülmen-Rorup NATURSTEIN INNEN Lauster Steinbau GmbH, 9541 Einöde b. Villach

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STEINBRUCH IN DER FASSADE VON ANNE-MARIE RING

eitgemäß, klassisch und von solider Anmutung – so wünschten sich die Anwälte der dänischen Kanzlei Horten, Kopenhagen, ihren neuen Firmensitz am Kopenhagener Hafen Tuborg. 3XN Architekten entwarfen ein Bürogebäude, das Naturstein an der Fassade auf spielerisch irritierende Weise präsentiert.

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Nicht nur Nachts hat diese Fassade etwas Magisches …

Raum für Begegnung im lichten Foyer: Informelle Kommunikation ist ein oft unterschätzter Bestandteil erfolgreicher Tätigkeit.

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… tagsüber präsentieren sich die zunächst verwirrenden Vorsprünge bei näherem Betrachten als zeitgemäße Interpretation des klassischen Erkers.

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ERST AUF DEN ZWEITEN BLICK erkennt der aufmerksame Betrachter das dynamische Gestaltungssystem: Die zahlreichen Winkel und Schrägen schaffen Vorsprünge, hinter denen sich Fenster verbergen. Mit ihrer Ausrichtung nach Norden geben sie nicht nur den Blick auf das ehemalige Hafengelände frei, sondern gestatten auch den gleichmäßigen Einfall von Tageslicht. Zur Südseite dagegen ist die Fassade komplett geschlossen. Damit ist auch klar, dass über die oben genannten Anforderungen hinaus energiesparendes und nachhaltiges Bauen mit auf dem Programm stand. Das dreidimensionale Relief, das sich über zwei Fassaden zieht, beugt im Sommer der unerwünschten Aufheizung durch Sonnenstrahlen vor und gewährleistet so ein angenehmes Raumklima. Im Winter dagegen schützt die wärmedämmende Verbundplatte mit Naturstein vor allzu großem Wärmeverlust.

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ARCHITEKTUR Mit Travertin verbinden die Bauherren »Monumentalität und Beständigkeit«. Dehalb wählten sie explizit diesen Stein als »angemessenes« Material für ihren Neubau.

Die Entscheidung für diese außergewöhnliche Fassadengestaltung ist dem Leichtbau entlehnt: Die besondere Geometrie der Fassade wäre in konventioneller Bauweise, also als Mauerwerks- oder Stahlfassade, mit vertretbarem Aufwand kaum herstellbar gewesen. Was im Schiffsbau oder auch beim Bau von Windkraftanlagen längst gang und gäbe ist, hat Einzug in die Architektur gehalten: funktionale Verbundelemente mit Fiberglas. Weil die Erfahrung aus dem Leichtbau jedoch nur beschränkt auf das Bauen mit Naturstein übertragen werden kann, wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Verbundplatte mit Travertin konzipiert und diese in einem zweiten Schritt in die Fassadenabwicklung integriert.

Das Spiel mit den Formen setzt sich im Inneren des Gebäudes fort: hier eine neue Art »Wendeltreppe«.

Der spielerische Umgang mit Naturstein, in Verbindung mit den großen Fensteröffnungen, nimmt dem Travertin die ihm eigene Schwere.

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ENTSTANDEN IST EIN VERBUNDELEMENT aus einer hochwärmedämmenden Platte mit beidseitig verklebter Fiberglas-Kaschierung und einer 3,5 Zentimeter dicken Travertinplatte. Um die Kosten im Rahmen zu halten, sollten einerseits möglichst viele gleichartige Verbundelemente montiert werden. Andererseits galt es zu vermeiden, dass die Fassade durch die Wiederholung monoton oder gar langweilig wirkt. Tatsächlich erweist sich die Verlegung wie im »Zick-Zack«-Muster nicht nur als Aufsehen erregende Konstruktion. Sie bot, so die Architekten, trotz der komplexen Geometrie, auch effiziente und von daher kostensparende Möglichkeiten der Befestigung. Der im Ansatz neue Umgang mit Naturstein bringt ihre Vision eines zeitgemäßen Bauwerks von hohem Identifikationswert mit dem Wunsch der Bauherren nach einem soliden Äußeren auf einen gemeinsamen Nenner. 

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INNEN

VILLA MIT HANG ZUM NATURSTEIN VON ANNE-MARIE RING

m Hang des Pöstlingbergs, mit Blick auf Linz, das Donautal und die dahinter liegenden Berge, wurde die Villa A – das »A« steht für den Namen des Bauherrn – nach einem Entwurf von Najjar & Najjar, Wien, errichtet. So sehr der Bauherr auch von den Plänen der Architekten angetan war: Die großzügige Verlegung von Naturstein verlangte von diesen doch so einiges an Überzeugungsarbeit.

A

Weit auskragende Dächer charakterisieren die Villa A von außen.

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INNEN

INSPIRIERT VON DER KLASSISCHEN Moderne, von Architekten wie Mies van der Rohe, der den Barcelona Pavillon mit Wasser und Stein gestaltete und auch bei anderen Projekten gerne mit Naturstein arbeitete, verwendeten die Architekten Naturstein, um dem Wohnhaus Exklusivität und Beständigkeit zu verleihen. Aber nicht nur das: Mit Naturstein, so Karim Najjar, wolle man den Baukörper »erden«.

ist das Gebäude teilweise – mit Garage und Versorgungsräumen – in den Hang eingegraben. Ein Wasserbecken trennt Garten- und Eingangsbereich, die durch einen Steg aus Naturstein miteinander verbunden sind. Vom Entrée mit der zentralen Treppenanlage aus gelangt man über einige lang gezogene Stufen in den Essbereich mit der offenen Küche. Von dort geht es über weitere Stufen in den großzügigen Wohnbereich mit Glasfassade zur Poolterrasse. Die südseitige Fassade bietet einen einzigartigen Panoramablick über die Stadt mit dem Fluss und die dahinter liegende Berglandschaft.

Der Stein, der sich im Eingangsbereich und bei den Terrassen von außen nach innen zieht, schafft fließende Übergänge von der Natur zur Architektur und umgekehrt. Der Zugang zum Gebäude erfolgt hangseitig, ein großzügiges Vordach markiert den Haupteingang. Hier ist die mit Naturstein verkleidete Fassade geschlossen gehalten, um die Privatsphäre zur Straße hin zu gewährleisten. Der Topographie des Geländes folgend

Die gestalterische Intention der Architekten war es, die Funktionen in einem offenen Wohnbereich zu gruppieren, jedoch durch unterschiedliche Niveau sowie verschiedene Belagsmaterialien zu differenzieren, und so die funktionelle Identität der jeweiligen Bereiche. Im Wohnbereich wurde der helle Kalkstein Miramare als Bodenbelag gekonnt mit Grigio Nobile als Wandverkleidung kombiniert. Bei beiden Natursteinen ist

Schlicht und einfach schön: Wandbelag aus römischem Travertin

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die Oberfläche gebürstet; der großzügigen Architektur entsprechend wurden Großformate verarbeitet. Die Schlafräume und das Badezimmer befinden sich im Obergeschoß und sind über eine Treppe, die zu einer offenen Galerie führt, erschlossen. Im Elternbad kam Perlato Crema zur Verlegung, dessen warmer Farbton wohltuend und belebend wirkt. Wandverkleidungsplatten, Wannenumrandung und Waschtische wurden in der Oberfläche geschliffen hergestellt. Dem Außenbereich verleiht Travertin in sandgestrahlter Oberfläche italienisches Flair. Sowohl die Wand- als auch die Bodenbeläge wurden als Maßplatten verarbeitet, was die farbliche und optische Harmonie des verwendeten Materials perfekt zur Geltung bringt. Die Kombination mit den Wasserflächen betont den edlen Charakter des Natursteins, zumals das Wasserbecken, das entlang der Travertin Bodenfläche verläuft, mit geflammtem Basalt ausgekleidet wurde. Als zusätzlicher Blickfang, und bereits von weitem sichtbar, wurden die Geländestufen mit Mauersteinen aus Dietfurter Kalkstein einladend gestaltet. Alles in allem ist die Villa A ein gelungenes Beispiel für den sehr feinfühlig aufeinander abgestimmten Einsatz von Naturstein in den verschiedensten Anwendungen. 

Wandverkleidung, Wannenumrandung und Waschtische aus fein geschliffenem Perlato Crema

ARCHITEKTEN Najjar & Najjar Architekten, Wien NATURSTEINARBEITEN Casa Sasso Steinmetz GmbH, Pucking MATERIALIEN Fassade und Innenwände: römischer Travertin, sandgestrahlt Bodenbeläge: Kalkstein Miramare, gebürstet Badezimmer: Kalkstein Perlato Crema, fein geschliffen Außenbeläge: römischer Travertin, offenporig, sandgestrahlt Geländestufen und Natursteinmauern: Dittfurther Kalkstein

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PLÄTZE

er Marktplatz ist das Herz von St. Veit im Pongau. Bei der Neugestaltung mit grauem Gebhartser Syenit wurde durch verschiedene Legetechniken und unterschiedlich große Platten optische Lockerheit erzielt.

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NEUER PLATZ FÜR DIE GEMEINDE VON SUSANNE LORENZ

Höhenunterschiede werden mit Blockstufen überbrückt und von Leistensteinen flankiert.

Die Pfarrkirche bildet die westliche Platzbegrenzung, Bänke und Brunnen laden zum Aufenthalt ein.

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IM ZENTRUM DES ORTES ST. VEIT im Pongau liegt der Marktplatz – ein beliebter Treffpunkt für die Bürger. Der lang gestreckte, abschüssige Platz ist ringsum dicht umbaut, auch das Gemeindeamt befindet sich dort. Den westlichen Abschluss bildet die Pfarrkirche. Auf der Fläche findet kein Durchgangsverkehr statt, dieser wird auf der Ostseite des Platzes um das Zentrum herumgeleitet. Daher besitzt der Marktplatz eine Verbindungsfunktion und lädt die Bürger ein, sich dort aufzuhalten. Auch werden hier das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen abgehalten. DIE NEUGESTALTUNG: Nach einer öffentlichen Ausschreibung und Vergabe des Auftrages erfuhr der Marktplatz von April bis Ende Juni 2009 seine Neugestaltung: Insgesamt 3 000 Quadratmeter wurden bearbeitet, davon rund 1 500 Quadratmeter asphaltiert und 1 500 Quadratmeter mit Naturstein gestaltet. Bereits seit 1987 war der Platz gepflastert, doch hatte sich das Porphyrpflaster im Lauf der Jahre unter der Belastung des Schwerverkehrs gespalten,

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Für die Gehwegflächen kamen Pflasterplatten aus Gebhartser Syenit mit Adern und Kornwechsel, allseitig sandgestrahlt, zum Einsatz.

BAUHERR Marktgemeinde 5621 St. Veit im Pongau ARCHITEKTEN Ing. Sepp Dandler 5621 St. Veit im Pongau NATURSTEINLIEFERANT Poschacher Natursteinwerke, 4222 St. Georgen b. Linz

da es für diesen Zweck nicht geeignet war. Eine Erneuerung der Pflasterung war somit notwendig. Die Gemeinde nutzte die Neugestaltung, um sämtliche Einbauten zu erneuern: Stromleitungen, Fernwärme, Wasserleitungen und auch der Kanal wurden zeitgemäß ersetzt. Eine Anpassung oder Veränderung des Gefälles wurde nicht vorgenommen, Höhenlage und Form des Platzes blieben erhalten. DIE NATURSTEINARBEITEN: Um den Aufenthalt auf dem Platz attraktiver zu gestalten, wurden auf einem Sockelbereich unterhalb der Pfarrkirche Sitzmöbel neben einem Brunnen platziert. Mit drei Blockstufen hebt sich dieses mit Kleinsteinen gepflasterte Podest vom Platz ab, zudem erhält es optischen

Halt durch die dahinter liegende Natursteinmauer. Unterhalb der Stufen schließt sich der ringsum mit unterschiedlich starken Pflasterplatten aus Gebhartser Syenit belegte Platz an. Die Plattenbahnen sind 24, 32 und 40 Zentimeter breit. Seitlich, zur Bebauung hin, werden die helleren Pflasterplatten von mit Kleinsteinen gepflasterten Zonen aufgefangen. Die Kleinsteine sind verzahnt gelegt. Aus dieser Legetechnik resultiert eine optische Auflockerung. Beete und Grünflächen sind mit geraden, allseitig sandgestrahlten Randsteinen abgesetzt. Die breite, mittig im Platz verlaufende und teils stark abschüssige Fahrbahn ist asphaltiert, wobei quer zu ihr mehrere Rigolsteine verlaufen, die bei Regen den Wasserabfluss regulieren. Die Fläche vor dem

Gemeindeamt St. Veit am Fuße des Platzes wurde mit den dunkleren Kleinsteinen in Schuppenlegetechnik gepflastert. Dadurch hebt sie sich gegenüber den Bereichen ab, die mit größeren Pflasterplatten belegt sind. Zwischen asphaltierter Fahrbahn und gepflastertem Bürgersteig gibt es keinen Höhenunterschied, dafür eine klare optische Abgrenzung mit bündig verlegten Leistensteinen. Aufgrund der Ebenerdigkeit und der resultierenden Gehsicherheit eignet sich der neu angelegte Marktplatz gut für Veranstaltungen jeglicher Art. Durch die Verwendung unterschiedlich breiter Pflasterplatten aus Gebhartser Syenit in Kombination mit verschiedenen Legetechniken des Kleinpflasters wurde die Platzgestaltung aufgelockert und erhält eine optische Leichtigkeit. 

MATERIALIEN

Für die Gehwegflächen kamen Pflasterplatten aus Gebhartser Syenit zum Einsatz.

Gebhartser Syenit: 325 lfm gerade Randsteine, allseitig sandgestrahlt, 210 lfm Leistensteine, 133 t Kleinsteine, 420 m2 Pflasterplatten mit Adern und Kornwechsel, allseitig sandgestrahlt, Unterlager mit Gitterstreifen 12 cm stark, in Bahnen 24 cm, 32 cm und 40 cm breit, 490 m2 Pflasterplatten 8 cm stark, 30 m2 Pflasterplatten 4 cm stark, 370 lfm Blockstufen, Rigolsteine, Rigolabflusssteine und -abdeckplatten

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PLÄTZE

KIRCHENPLATZ MIT LABYRINTH FÜR MÖDLING VON SUSANNE LORENZ

Vor dem Karner befindet sich das begehbare Labyrinth aus grau-gelbem Herschenberger Granit.

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er Kirchenplatz von Mödling wurde 2007 behutsam neu gestaltet. Ein begehbares, steinernes Labyrinth nach italienischem Vorbild war eine besondere handwerkliche Herausforderung und verleiht dem Platz einen ganz individuellen Charakter.

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DER MARODE ZUSTAND DES STEINBELAGS gab 2006 die Initialzündung. Der Kirchenplatz an der St. Othmarkirche in Mödling sollte saniert und neu strukturier t werden. Leitlinien der Neugestaltung waren: Der Charakter des Platzes muss im Wesentlichen erhalten bleiben und das Gefälle ohne Stufenausbildung optimiert werden. Zudem wünschte die Gemeinde eine Vergrößerung der Grünflächen und die Integration eines Steinirrgar tens sowie eine Verbesserung der Be- und Entwässerung des Platzes, eine ausgewogene Beleuchtung der Fläche und einen barrierefreien Zugang zur Kirche. Der vorhandene Brunnen musste

erhalten bleiben, die Säulen und Statuen konnten neu platzier t werden. Der etwa 1 800 Quadratmeter große Platz ist unregelmäßig geformt, etwa 65 Meter lang, zwischen 10 und 40 Metern breit, abschüssig und liegt an der Südseite der spätgotischen St. Othmarkirche. Im südwestlichen Bereich des Platzes steht ein Karner aus romanischer Zeit. Der gesamte Platz wird auf der Südseite von einer Begrenzungsmauer umschlossen, dor t führ t auch ein Weg entlang. Die existierende Grünfläche ist vergrößert worden und der vorhandene Baumbestand wurde erhalten. In der Grünfläche wurde ein begehbares Labyrinth

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Das Verlegen der Steine für den Irrgarten war eine besondere Herausforderung. Die Farbe des Herschenberger Granits korrespondiert mit der des romanischen Karners.

angelegt. Das steinerne Labyrith nach italienischem Vorbild steht als Symbol für den Pilger weg des Menschen, der auf der Erde zurückgelegt wird. Pate für das Mödlinger Labyrinth mit sieben Umgängen stand jenes aus San Vitale in Ravenna, doch wurden hier statt Marmor 20 x 20 Zentimeter große Platten aus Herschenberger Granit ver wendet. Der Durchmesser des Labyrinths beträgt knapp zwölf Meter, der Weg schlängelt sich über insgesamt 194 Meter Granit zwischen den Rasenstreifen bis zum Zentrum. Die Natursteinplatten für die Bogensegmente des Irrgar tens sind zweireihig gelegt, was eine technische und hand-

BAUHERR Stadtgemeinde Mödling GENERALPLANER ZT-Büro Franz Paikl 2431 Kleinneusiedl NATURSTEINE 1 300 m2 Pflasterplatten aus Herschenberger Granit grau-gelb-braun gemischt farbig, 24 x 24 cm, 24 x 49 cm, 49 x 49 cm, 49 x 74 cm groß Blockstufen aus Herschenberger Granit grau-gelb-braun gemischt farbig, P-Platten aus Herschenberger Granit grau-gelb, 20 x 20 cm groß NATURSTEINLIEFERANT Poschacher Natursteinwerke GmbH 4222 St. Georgen b. Linz

Der Kirchenplatz ist unregelmäßig geformt und verbindet die Gebäude, die Grünflächen und das Labyrinth.

werkliche Herausforderung darstellt, die besondere Präzision er fordert. Verlegt wurde der Granit hier in Beton, um die dauerhafte Begehbarkeit sicherzustellen. Zudem wurde ein Bewässerungssystem für den Rasen eingebaut. Auch die rund 1 300 Quadratmeter Steinfläche wurden mit Natursteinpflaster aus Herschenberger Granit belegt. Es wurde darauf geachtet, dass die Farbnuancen des Natursteins mit dem Material der historischen Bebauung korrespondieren. Gewonnen wurde der Stein in der Nähe der Blockheide im Waldviertel. Der gesamte Platz einschließlich der Wege sowie das steinerne Labyrinth sind mit dem Material gestaltet. Die Platten haben eine raue, sandgestrahlte Ober flächenstruktur und gesägte, sandgestrahlte Kanten. In der Ober flächenstruktur und auch in der hellen, warmen Tönung ähneln sie dem vorher auf dem Platz verlegten Material. Die Granitplatten sind in drei

verschiedenen Legemustern auf Sand verlegt und mit Sand so eng wie möglich ver fugt, um eine ebene Ober fläche und damit gute Begehbarkeit zu erzielen. Die Stufen zum östlich auf dem Platz gelegenen Eingang der Kirche wurden mit mehreren Blockstufen, ebenfalls aus Herschenberger Granit, ausgebessert und behutsam in die Bausubstanz integriert. Der Zutritt zum westlichen Eingang er folgt barrierefrei ohne Stufen und Schwelle. Die Pflasterung des Bereichs vor der Kirche war Ende August 2007 abgeschlossen, die Natursteinarbeiten für den Irrgarten und das Verlegen des Rollrasens fanden bis Ende September statt. Mit der Neugestaltung des Kirchenplatzes und dem begehbaren Labyrinth aus Naturstein hat die Stadtgemeinde Mödling ihren Bürgern eine attraktive Platzgestaltung und einen besonderen Anziehungspunkt geschenkt. 

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GÄRTEN

GLOCKEN, BÄNDER UND TROPFEN VON DANIEL BÖSWIRTH

al ist Wasser kaum zu hören, tröpfelt leise von Stein zu Stein, dann plumpst es wieder laut und geräuschvoll als großer Schwall in ein Becken: Wasser klingt nach etwas, hat Melodie in sich, spuckt Töne aus. Stein und Wasser im modernen Garten: ein Thema voller Inspirationen.

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WASSER LÄSST SICH IN JEDE FORM BRINGEN. Moderne Techniken entlocken dem vielseitigen Element Erstaunliches: Mal läuft fast unsichtbar ein dünner Film über die Oberfläche und bringt Steine zum Schillern, dann wieder fällt ein transparenter Vorhang vor eine Mauer. Glocken, Geysire, Schlangen – Wasser verwandelt sich mithilfe von Tropfern selbst in Tränen. Der Klang des Wassers ist oft kaum zu hören, tröpfelt leise von Stein zu Stein, dann plumpst es wieder laut und geräuschvoll als großer Schwall in ein Becken: Wasser klingt nach etwas, hat Melodie in sich, spuckt Töne aus. Zerstäubt als feiner Niesel bleibt es stumm, doch schon in feine Tropfen gegossen hört man den leisen rhythmischen Wirbel des Regens. Geht ein Gewitter nieder, so klatschen die schweren Tropfen wie Trommelschläge auf den Boden. Fallhöhe, Gestaltung des Auslasses und Durchflussmenge im Zusammenspiel mit dem Auffangbecken bestimmen Klang und Melodie eines Wasserspiels. In der

Der Nebelstein: Düsen zerstäuben das Wasser in feinste Tröpfchen für den Nebeleffekt. Ein Wasserfall ist auch in kleinen Gärten möglich.

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Blickfang: ein Findling als Quellstein

Natur wird die Farbe des Wassers immer auch durch das Bach- oder Teichbett mitbestimmt. Die Wasseroberfläche bildet eine interessante Projektionsfläche. So scheint es dunkel, mal grün oder blau, wenn sich der Himmel darin spiegelt. Für sich allein ist Wasser glasklar. Wie könnte man das besser zeigen, als es wie einen Vorhang über eine Kante fließen zu lassen. Dafür braucht es eigentlich nicht viel: einen breiten Auslass aus Metall oder Stein, ein Auffangbecken und eine Umwälzpumpe. Sehr schön sieht ein Wasservorhang in Verbindung mit einer Natursteinmauer aus. So schimmert die Mauer weichgezeichnet durch den Wasserfall und verschwimmt wie eine Landschaft in flirrend heißer Sommerluft. Alle technischen Einbauten können wunderbar in der Mauer versteckt werden. Als Auffangbecken braucht es lediglich ein Reservoir, das sich mit einem Gitter und Dekorsteinen auch gut verstecken lässt. Ähnlich verblüffend wirken Nebelsteine. Dafür geeignet sind große, gespaltene

Steinblöcke, die eine interessante Farbe und ein imposantes Aussehen haben. In Steinbrüchen sind alle Maschinen vorhanden, die es braucht, einen quaderförmigen, großen Block in drei oder vier Platten zu spalten. Für einen Nebelstein werden sie dicht nebeneinander senkrecht aufgestellt. Der ganz besondere Nebeleffekt ergibt sich, wenn unter hohem Druck und mithilfe fein zerstäubender Düsen aus feinsten Tröpfchen künstlicher Nebel erzeugt wird, der als Wolke zwischen den Steinen zu hängen scheint. In den Spalten zwischen den Blöcken laufen am Boden verdeckt die Zuleitungsrohre mit den Düsen, die für den feinen Nieselregen sorgen. Die frische Farbe des stets feuchten Steins und der kitzelnde, abkühlende Nebel haben eine einzigartige Wirkung. Was-

ser kann auch als hauchdünner Film über Oberflächen fließen. In der Kombination mit interessanten Steinen eine gute Idee. Die sonst wegen des Staubs stumpf in der Farbe wirkenden Steine bekommen durch den Wasserfilm ein fantastisches Aussehen. Maserungen, Einsprenkelungen und Äderungen treten plötzlich deutlich hervor. Dabei muss das Wasser sich nicht wie bei Quellsteinen von oben gleichmäßig über den Stein ergießen. Raffinierte seitliche Einschnitte lassen den Film wie aus einem Riss sickern. Trockene und nasse Stellen überziehen nebeneinander die Steinoberfläche und ergeben ein interessantes Muster. Eine andere Variante einer sparsamen Verwendung mit Wasser sind Schiefersäulen. Aus dünnen Schieferplättchen lassen sich Türme auf ein Zuleitungsrohr auffädeln, der dünne Wasserfilm tröpfelt dann von Stein zu Stein. Unter den zahlreichen Effektdüsen sind die schillernden Glocken wohl am auffälligsten. Als Ausgangspunkt und Ursprung könnte sich Wasser von einem ins nächste Becken ergießen. Als eleganter Bogen fließt Wasser aus diversen Auslassrohren. In Verbindung mit einem Natursteinmauerwerk sind einfache Rohre aus poliertem Niro recht ungewöhnlich. Der raue Stein und die Mauer passen dem ersten Anschein nach nicht so recht zum modernen

Li.: Moderner Wandbrunnen Re.: Ein dünner Wasserfilm bringt die Steinsäule zum Leuchten.

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GÄRTEN

Li.: Ein Quellstein darf auch Ecken und Kanten zeigen. Re.: Ein Wasserfall bringt Leben in den Garten.

Design der Rohre. Drei Auslässe in regelmäßigen Abständen mit einem gekonnt im Bogen herausfließenden Wasser fügen sich jedoch ganz gut ins Mauerwerk ein. Eine Mauer, vielleicht am Rande eines Teiches, gewinnt durch das kleine Wasserspiel an Dynamik. Die Durchflussmenge lässt sich leicht separat und genau durch Absperrhähne dosieren. Mit Bruchsteinen lässt sich sehr einfach eine karge Trockenlandschaft bauen, wie sie in unwirtlichen Gegenden als Steinwüsten oder über der Wachstumsgrenze im Gebirge als Geröllfelder vorkommen. Nicht einzelne Steine, sondern die aus Bruchstücken zusammengesetzte Fläche erzielt hier die Wirkung. Faustgroßes, kantiges Steinmaterial verkeilt sich wunderbar ineinander. Ob flach aufgeschüttet oder mit leichten Hügeln und Tälern. Die Steinfelder sollten nicht zu groß geraten. Pflanzen werden, wenn überhaupt, nur spärlich verwendet. Eine Gabione mit dem gleichen Material schirmt die Szenerie vom restlichen Garten ab und verstärkt noch den Eindruck eines öden Geröllfeldes. Aus den Bruchsteinen wie Geysire heraussprudelnde Quellen, die langsam emporsteigen und wieder verschwinden, setzen einen verblüffenden Kontrapunkt zur staubtrockenen Steinwüste. Manche Treppen sind nicht fürs Gehen, sondern nur fürs Fließen gebaut. Nicht, dass Wasser nicht von alleine seinen Weg den Hang hinunter finden

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würde. Ohne dass aber Pflanzen oder Steine seinen Lauf begleiten, sorgt sein sichtbar gemachtes Fließen ohne jede Ablenkung und in eigens gepflasterten Bahnen für Aufsehen. Stufe für Stufe läuft das Wasser die Treppe herunter, als ob Kinder sie mit dem Gartenschlauch für ein Spiel geflutet hätten. Regelmäßige Stufen versetzen es in einen Rhythmus, der von unvermittelt eingebauten Sprüngen wieder gebrochen wird. Ob in Mustern verlegtes Kleinstein-

pflaster oder große, ebene Steinplatten: Die Art des Bettes bestimmt, wie das Wasser fließt, rieselt, sich kräuselt. Als Paarlauf mit einer Treppe ergeben sich zwei völlig verschiedene Perspektiven: Bergab im Gleichklang geht man ihm bergauf entgegen, was immer wieder neue Überraschungen birgt. Überläufe in Becken bieten sich förmlich an, Wasser nicht einfach flach über die Kante zu kippen, sondern es in Flussrichtung und Gestalt zu verändern. Fließt Wasser von Becken zu Becken, so kann der Überlauf auch aufwendiger gestaltet werden als dies bei Wassertreppen üblich ist. Nicht als klarer Fall, sondern in Form von Streifen ergießt es sich von einem Bekken zum nächsten. Einem architektonisch angelegten Wassergarten verleiht eine exakte Inszenierung Kühle und Strenge. Ob es sich nun in viele kleine Strahlen oder nur in einige wenige teilt – in einen modernen Garten passen solche Spielereien wunderbar. 

Nebeleffekt: Geysire aus Natursteinplatten

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ART Gottfried Höllwarth vor einer seiner großmaßstäblichen Arbeiten im Skulpturenpark in Hainfeld Blick in den Skulpturengarten in Hainfeld: Die Schotterflächen um die Skulpturen erinnern wie im japanischen Trockengarten an Flussläufe.

SKULPTURENPARK IN HAINFELD VON SUSANNE LORENZ

m niederösterreichischen Hainfeld gibt es den Skulpturenpark des Bildhauers Gottfried Höllwarth zu entdecken. Eingebettet in die parkähnliche Landschaft beeindrucken die riesenhaften steinernen Skulpturen durch ihre Kraft und Massivität. Ein Besuch lohnt sich auch im Herbst.

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Das herausgeschnittene Segment steht in Kontakt mit dem Mutterblock: »Cross-Series«, 1999. Schremser Feinkorn Granit, 290 x 325 x 140 cm.

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Die Steinskulpturen erinnern an alte Wegmarken: »Cross-Series«, 1999. Schremser Feinkorn Granit, 200 x 150 x 280 cm (vorne) und 160 x 130 x 190 cm (hinten). Passstücke verschoben und wieder eingesetzt.

Präzise Schnitte durch den Stein bei den »Cross-Series«, 1999. Schremser Feinkorn Granit, 160 x 130 x 190 cm. Passstücke verschoben und wieder eingesetzt.

BEREITS SEIT DEN 1970ER-JAHREN wohnt Gottfried Höllwarth zusammen mit seiner Frau, der Malerin Isolde Joham, in einer Jugendstilvilla in Hainfeld, die von dem Otto-Wagner-Schüler Franz Czada um die Wende zum 20. Jahrhundert entworfen und gebaut wurde. Der parkähnliche Garten fungiert als ein Teil des Hainfelder Skulpturenparks. Seit 2005 initiierte der Bildhauer hier das Projekt »Kulturmeile Hainfeld«, in dessen Rahmen er den Skulpturengarten plante und anlegte. Hier finden sich 18 Skulpturen, die einen Einblick in das Schaffen Gottfried Höllwarths geben. Es gibt zwei Bereiche: Der äußere Garten ist dem inneren Garten im Süden vorgelagert und

öffentlich zugänglich. Dort sind auf einem bewaldeten Grundstück sechs steinerne Großskulpturen zu sehen. Der Innere Garten ist 10 000 Quadratmeter groß und beheimatet zwölf Steinskulpturen. Hier befindet sich ein Ausstellungsgebäude und die oben beschriebene Künstlervilla. Dieser Bereich ist nur nach Voranmeldung zu besichtigen. Der Skulpturenpark in Hainfeld ist inspiriert vom Konzept des japanischen Trockenlandschaftsgartens: Horizontale Schotterflächen symbolisieren das Erscheinungsbild des ausgetrockneten Flussbetts. In den 1970ern entwarf Höllwarth Projekte von verschiebbaren Landschaftssegmenten und »aus Gebirgen ausfahrbare Skulpturen«, die er im verkleinerten Maßstab realisierte. Heute arbeitet er mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten, doch geblieben sind das Teilen des natürlichen Steins in Segmente, das Verschieben und Entnehmen von Skulpturenteilen, aber natürlich auch das Arbeiten mit »Urmaterial«, mit Stein und Landschaft. Bei der Beschäftigung mit den Naturvölkern hat Höllwarth die Urformen des plastischen Kunstwerkes entdeckt: Rohe, unbearbeitete Steine werden als Grabmäler und Wegweiser verwendet, als Geisterstätten und Objekte kultischer Verehrung. Pures Material vereint dort Geist und Inhalt in sich. Gottfried Höllwarth fühlt sich der Denkweise Asiens verbunden, darum sind Einflüsse aus der fernöstlichen Kunstauffassung in

seinen Arbeiten nachzuvollziehen: In der dortigen Philosophie entspringt alles der Natur und kehrt zum natürlichen Ursprung zurück. Rein äußerlich betrachtet sind die Steinskulpturen Gottfried Höllwarths mehr als mannshohe, massive Steinblöcke, die bisweilen an die Monolithe in Stonehenge erinnern und aus denen auf der gesamten Tiefe Segmente herausgeschnitten sind. Diese Formen sind im Mutterblock beweglich, können theoretisch herausgezogen und wieder eingeschoben werden. Praktisch ist dies so gut wie unmöglich, da das schiere Gewicht des Materials dies untersagt. Wichtiger als das mobile Moment ist die Beziehung des geschnittenen Elementes, seinerseits ja wieder Skulptur, zur ursprünglichen Materie, dem Block. So bleibt der räumliche und inhaltliche Zusammenhang zwischen Mutterblock, der »Urmaterie« und der geschaffenen Binnenskulptur bestehen. Die großmaßstäblichen Steinbilder im Skulpturenpark erinnern an alte, steinerne Wegmarken, die in früheren Zeiten verwendet wurden, um Straßenverläufe und Grenzen zu markieren. Obgleich im vergrößerten Maßstab, stehen die Hainfelder Blöcke tatsächlich zu solch alten Wegmarken in Beziehung. Der Künstler möchte mit seinen Arbeiten auch Zeichen setzen, Fragen aufwerfen. So führen die Steine durch den Park, sie markieren den Weg und sind zugleich das Ziel. Über die Aussage seiner Arbeiten möchte sich

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ART

Eindrucksvolle Großskulptur im öffentlichen Raum: »X-Series«, 1995, City Plaza Schladming. Brasilianischer Salmon Pink Granite, Gusseisenrost, Edelstahlaufständerung, Wasser, Licht. 600 x 360 x 113 cm. Block naturgespalten, Oberfläche geschliffen, schwebende unsichtbare Aufständerung, Öffnungen gesägt mit Konturseilsäge Titan, Steinwerk Mayer, Salzburg.

der Künstler nicht dezidiert äußern. Charakteristisch für die Arbeiten des Bildhauers ist das X, die Kreuzform, zwei sich kreuzende Linien, die im Stein aufeinanderprallen und aus ihm herausgelöst werden. Das Aufeinandertreffen zweier Diagonalen stellt für ihn eines der spannendsten Ereignisse in der Formensprache dar, ein unerschöpfliches Thema. Das X visualisiert für Gottfried Höllwarth den Schnittpunkt zweier elementarer Kraftlinien. Steht

ANFAHRT UND ANMELDUNG Hainfeld liegt an der B18 zwischen Traisen und Leobersdorf, rund 60 Kilometer von Wien entfernt. Anmeldungen für die Besichtigung des inneren Skulpturenparks beim Künstler: Prof. Gottfried Höllwarth Goldgrabenweg 3 3170 Hainfeld Fon (0 27 64) 22 39 MATERIAL UND BEARBEITUNG DER SKULPTUREN IM PARK Findlinge aus Gebhartser Syenit und Schremser Feinkorn Granit. Zum Teil an der Basis gesägt. Aussägungen mit Diamant-Konturseilsäge Herkules bei Poschacher.

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Die verwitterte Oberfläche lässt den Granitfindling mit seiner Umgebung verwachsen: »Hangeul-Series«, 2006. Gebhartser Syenit, 170 x 340 x 160 cm. Passstück herausgeschoben.

die eine Diagonale für Aktivität, trifft die zweite Linie als Konteraktivität auf die erste. Eine Weiterentwicklung seiner »X-Series« ist die zweiteilige Arbeit »Global Window«. Bis dato wurden die Eingriffe in den Stein in einer räumlichen Achse vollzogen, im »Global Window« sind die Eingriffe auf den drei Raumachsen durchgeführt. Hierdurch gewinnt das Werk an Komplexität: innen und außen, Masse und Leere stehen sich gegenüber. Höllwarth arbeitete bislang nicht nur mit Stein, sondern auch mit anderen Materialien, beispielsweise Metall. Die Arbeiten im Skulpturenpark sind jedoch alle aus Naturstein gearbeitet, die meisten sind Findlinge aus Granit. Generell wählt der Künstler die Steine sorgfältig selbst aus, sei es in heimischen Steinbrüchen oder auch an der Steinbörse in Rotterdam. Wichtig sei ihm, so Höllwarth, die Verbindung zwischen dem Material, also dem Urwesen der Materie, und seiner künstlerischen Empfindung. Diesen Steincharakter will er in seinen Skulpturen zeigen und bewahren. Der künstlerische Gestaltungswille manifestiert sich in der Bearbeitung, in den Schnitten durch das Material. Darin treffen Natur und Technik aufeinander: Die präzise geschnittenen, kreuzförmigen Volumina sind Zeichen des Rationalen, der Technik. Die raue Oberfläche der massiven Steine, die in ihrer schroffen Ursprünglichkeit und wilden Natürlichkeit belassen sind, kontrastiert mit den sich herausschiebenden, »bändigenden« Formen der technisch-glatten Kanten. Ein Kontrast, der die Haptik des Besuchers anspricht und den Künstler reizt. »Wer sich mit dem Granit einlässt, weiß, dass dieser Dialog sich lohnt«, so der Bildhauer. Für Granit als Arbeitsmaterial hat er sich entschieden, weil er für ihn durch seinen enormen Widerstand ein unerbittlicher Lehrmeister ist. »Es ist der Widerstand, der den Künstler formt, wenn er sich anschickt, seinen Gestaltungswillen auf das Material zu übertragen.« Dass er als Künstler bei der Bearbeitung auf Widerstand stößt, dass der Stein sich »wehrt« und bei Anwendung von Gewalt in Stücke zerspringt, das fasziniert den Bildhauer. 

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VÖN INTERN

Die VÖN wächst Mit zwei Neuzugängen im Jahr 2010 stärkt die Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke ihre Präsenz auf dem österreichischen Natursteinmarkt.

ÖSTERREICH Redaktion

SCHAURAUM IN PUCKING Die casa sasso Steinmetz GmbH wurde 1991 in Haid bei Linz gegründet. Dank des Geschäftser folges wuchs das Unternehmen rasch an. 1998 übersiedelte das Haus der Steine aus Platzgründen nach Pucking. Um Naturstein in seiner ganzen Vielfalt optimal präsentieren zu können, wurde Musterflächen im Außenbereich der casa sasso in den Folgejahren ein neuer Schauzeigen die Vielfalt von Naturstein. raum sowie ein Schaugar ten errichtet. Der Gar ten kombinier t Rasenflächen, Naturstein, Wasser und Stahl und dient als Entscheidungshilfe für die Auswahl von Naturstein für den Außenbereich. Nach der Aufstockung der Produktion er weiter te Firmengründer und Geschäftsführer Franz Füßlberger das Produktsortiment um Grabdenkmale. Mittlerweile beschäftigt die casa sasso GmbH 45 Mitarbeiter. Aktionsradius ist vorwiegend das Bundesland Oberösterreich, ausgeführt werden aber auch Projekte in ganz Österreich sowie in Süddeutschland. Schwerpunkte sind der Privatbau, Architektenbauten sowie Bauten der Öffentlichen Hand. Bekannte Referenzobjekte sind zahlreiche Spitäler im Großraum Linz und das Landesdienstleistungszentrum (LDZ) in Linz. Für die Steinarbeiten an der 2006 errichteten Kirche in Gallspach wurde die casa sasso mit dem Oberösterreichischen Handwerkspreis 2006 und dem Pilgram-Preis 2010 ausgezeichnet. Derzeit laufen die Vorarbeiten für die Natursteinfassade beim neuen Musiktheater Linz, mit der 2011 begonnen werden soll. DIE NEUEN IM NETZ www.casa-sasso.at www.rheintalstein.at

SANDSTEIN AUS VORARLBERG Als erstes Vorarlberger Unternehmen ist die Rheintalstein GmbH neues VÖN-Mitglied. Das 2008 gegründete Unternehmen hat im Schwarzachtobel nahe Alberschwende einen historischen Steinbruch neu eröffnet; der Quarzsandstein wurde seit dem 17. Jahrhunder t zu Wetzsteinen verarbeitet Die Brucharbeiten im Schwarzachtobel und weltweit expor tier t. laufen auf vollen Touren: Kleinere Nach umfangreichen Vorbereitungsmaß- Blocksteine werden im Galabau und bei nahmen im Steinbruch ist die Blockpro- der Wildbachverbauung eingesetzt. duktion bei der Rheintalstein GmbH mittler weile in vollem Gang. Mit seiner hohen Druckfestigkeit und geringen Porosität gehör t der graue Quarzsandstein zu den ganz har ten Ver tretern seiner Ar t. Das homogene Material eignet sich für Mauersteine, Blocksteine, Treppen und Bodenplatten im Innen- und Außenbereich, aber auch für Fassaden- und Ofenverkleidungen. Dank seiner hohen Dichte kann der Stein auch als Küchenarbeitsplatte und Badverkleidung sowie für Massivarbeiten wie Skulpturen und Denkmäler ver wendet werden. Möglich sind sämtliche handwerklichen und maschinellen Bearbeitungen. Wegen seines hohen Quarzgehalts lässt sich der Sandstein aus Schwarzach sogar beflammen und matt polieren.

Streitfeldstraße 35, D - 81673 München Postfach 80 04 09, D - 81604 München Fon +49 89 / 43 60 05-194, Fax +49 89 / 43 60 05-113 E-Mail: redaktion@s-stein.com Internet: www.s-stein.com Chefredaktion: Willy Hafner (verantw. für den redaktionellen Inhalt, Anschrift: Scheyerner Weg 1, D-80638 München), Fon +49 89 / 17 80 96 58 Redaktion: Katharina Baus Fon +49 89 / 43 60 05-186 Ariane Suckfüll, Fon +49 89 / 43 60 05-124 Gabriele Oldenburg (Geschäftsführende Redakteurin), Fon +49 89 / 43 60 05-194 Richard Watzke, Fon +49 86 54/67 02 03 Ständige Mitarbeiter: Jörg Stephan, München; Anne-Marie Ring, München Gestaltung: allegria | design, Oppermann, München

Abonnementservice Zu beziehen bei: Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke Scharitzerstraße 5/II, A-4020 Linz Fon +43 7 32/65 60 48 und +43 76 12/8 73 36 Fax +43 76 12/8 94 33 Erscheinungsweise: 2 x jährlich

Verlag Verlag Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG Streitfeldstraße 35, D - 81673 München Postfach 80 04 09, D - 81604 München Fon +49 89 / 43 60 05-0 Fax +49 89 / 43 60 05-113 Internet: www.callwey.de Persönlich haftende Gesellschafterin: Georg D.W. Callwey Verwaltungs-GmbH Alleiniger Gesellschafter: Helmuth Baur-Callwey, Verleger in München Kommanditisten: Helmuth Baur-Callwey und Dr. Veronika Baur-Callwey, Verleger in München; Dr. Marcella Prior-Callwey und Dominik Baur-Callwey, Geschäftsführer in München Geschäftsführer: Dr. Marcella Prior-Callwey, Fon -165 und Dominik Baur-Callwey, Fon -159 Herstellungsleitung: Alexander Stix, Fon -167, Fax -164 Druck, Bindung: Kessler Druck + Medien, Michael-Schäffer-Straße 1, D - 86399 Bobingen Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Erfüllungsort und Gerichtsstand: München

F r die Zukunft gestalten.

Fotonachweis: Adam Mørk, Kopenhagen, Titelbild, S. 38-40; Michael Senn, München, S. 6; Richard Watzke, Freilassing, S. 6, S.7, S. 57; Prof. Kollhoff GeneralplanungsGmbH, Berlin, S. 8-10; Deutscher Naturwerkstein Verband e.V., Würzburg, S. 12-15; Jörg Stephan, München, S. 16-20; Prof. Dieter Leistner, Würzburg, S. 16-20; Vincent Phillips, Engelskirchen, S. 22-25; Thomas Zimmermann, Luzern, S. 22-25; Hanno Keppel, Braunschweig, S. 22-25; Stefan Müller, Berlin, S. 22-25, S. 32-36; Gerhard Fischill, Linz, S. 26-30; Sebastian Krehn, Bregenz, S. 26-30; Harald Vavrovsky, Wien, S. 26-30; Stöckl Egger & Partner, Kitzbühel, S. 26-30; Rada Naturstein, Poysdorf, S. 26-30; Sölker Marmor GmbH, Kleinsölk, S. 26-30; Bamberger, Traiskirchen, S. 26-30; Wolf Dieter Gericke, Waiblingen S. 32-36; Manfred Seidl, Wien, S. 42-44; Silvia Reitmaier, S. 4244; Poschacher Natursteinwerk, St. Georgen, S. 46-47; ZT-Büro Paikl, Kleinneusied, S. 48-49; Poschacher Natursteinwerk, St. Georgen, S. 48-49; Daniel Böswirth, Wien, S. 50-52; casa sasso Gmbh, Pucking, S. 57

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Mitgliedsbetriebe der VÖN

Wr. Neustädter Straße 137–139, 2514 Traiskirchen, Tel. 0 22 52/80 52 10, Fax 8 53 52 www.marmorwelt.com, bamberger@naturstein.co.at

Steinmetzbetriebe Franz Bamberger GmbH

Gegründet 1953, etwa 130 Beschäftigte. Das moderne Maschinenequipment ermöglicht technisch und gestalterisch anspruchsvollste Natursteinarbeiten. Neben allen einschlägigen Steinmetzarbeiten liegt der Tätigkeitsschwerpunkt in der Ausstattung von Wohnungen und Hotels der Luxusklasse. Eigene Büros in Deutschland, Schweiz, Großbritannien und der Russischen Föderation.

Untere Landstraße 20, 4055 Pucking, Tel. 0 72 29/7 98 60, Fax 7 98 60 11 www.casa-sasso.at, office@www.casa-sasso.at

casa sasso Steinmetz GmbH

Naturstein, Marmor und Granit sind Klassiker in allen Bereichen anspruchsvoller Architektur. Aus vielerlei Gründen. Hier begeistert die Ästhetik des natürlichen Materials. Dort inspiriert die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten. Luxuriös, elegant, rustikal, modern. Was immer Ihnen zu Stein einfällt, casa sasso ist der richtige Partner zur fachmännischen Umsetzung Ihrer Ideen und Wünsche. Mit Komplettlösungskompetenz. Badener Straße 25, 2514 Traiskirchen, Tel. 0 22 52/52 22 40, Fax 52 22 47 www.ecker-stein.at, office@ecker-stein.at

Steinmetzmeisterbetrieb Wolfgang Ecker Ges.m.b.H.

Höchster Qualität und Professionalität in der Verarbeitung von Naturstein hat sich der 1965 gegründete Steinmetzmeisterbetrieb Wolfgang Ecker verschrieben. Klassische Arbeiten wie Fassadengestaltung, Bodenbeläge oder Fensterbänke sind ebenso Bestandteil der handwerklichen Palette wie Arbeiten in der Denkmalpflege.

Schulstraße 4, 2632 Grafenbach, Tel. 0 26 30/3 71 13, Fax 3 71 13-19 www.gersthofer.at, stein@gersthofer.at

Komm. Rat. Johann Gersthofer Ges.m.b.H.

Seit 1902 bürgt die Firma Gersthofer für höchste Qualität in der Natursteinverarbeitung und verbindet das traditionelle Handwerk mit modernster Technologie und Leidenschaft für Steine. Ausführungen von Steinmetz- und Kunststeinarbeiten für innen und außen (Boden- und Stufenbeläge, Fassaden, Küchenarbeitsplatten etc.).

Wiestalstraße 10, 5411 Oberalm (Salzburg), Tel. 0 62 45/8 35 04, Fax 8 35 05 33 www.marmor-kiefer.at, office@marmor-kiefer.at

Marmor-Industrie Kiefer GmbH

Mit 38 Mitarbeitern gewinnt und verarbeitet die Marmor Kiefer Marmorvorkommen aus eigenen Steinbrüchen in Adnet und am Untersberg. Verarbeitet wird auch Gollinger Konglomerat. Ein Viertel der Produktion wird exportiert. Wichtige Bereiche sind die Denkmalpflege und der hochwertige Innenausbau.

Au 17, 4710 Grieskirchen, Tel. 0 72 48/6 82 95, Fax 6 82 95-7 www.kienesberger-stein.at, info@kienesberger-stein.at

Kienesberger Steinmetzmeister GmbH & Co. KG

Seit drei Generationen bearbeiten wir Naturstein auf höchstem Niveau. Die Liebe zum Material, eine moderne Produktion und die handwerklichen Fähigkeiten der Mitarbeiter sind unsere Grundlage. Damit schaffen wir Unikate. Mit Kalkstein aus unserem eigenen Steinbruch im Salzkammergut und aus allen weltweit verfügbaren Natursteinen.

Steinweg 2, 9554 St. Urban, Tel. 0 42 77/82 41, Fax 82 41-11 www.kogler-natursteinwerk.at, kogler.naturstein@aon.at

Josef Kogler Natursteinbruch und Schotterwerk GmbH

Der Blau-Grüne Carat, ein Naturstein von hoher Qualität, abgebaut im eigenen Steinbruch in St. Urban, ist das Herzstück der Produktpalette der Firma Kogler Naturstein. Das 1954 gegründete Unternehmen bietet ein umfassendes Angebot an Naturstein-Produkten für den Innen- und Außenbereich. Moderne Technologie und erfahrene Handwerker garantieren die Produktqualität.

Krastaler Straße 28, 9541 Einöde b. Villach, Tel. 0 42 48/27 82, Fax 20 17 www.laustersteinbau.de, office@lausternaturstein.at

Lauster Naturstein GmbH Natursteinwerke

Lauster gewinnt und verarbeitet Naturstein seit über 200 Jahren. Das Unternehmen war maßgeblich an der Entwicklung der zeitgenössischen Fassadentechnik beteiligt. Zurzeit gewinnt das Unternehmen in eigenen Steinbrüchen im Krastal in Kärnten den kristallinen Marmor Krastaler Marmor und in Osttirol den Serpentinit Tauerngrün und den Chloritschiefer Dorfergrün.


Wiener Straße 65, 8605 Kapfenberg, Tel. 0 38 62/22 45 2, Fax 22 45 24 www.matschy.com, office@matschy.com.at

Matschy GmbH Stein & Design

Die Tradition sowie die speziellen Fähigkeiten in der Gestaltung und Verarbeitung von Naturstein sind über mehrere Generationen entwickelt und aufgebaut worden. Durch diesen Umstand sind wir einer der technisch modernsten Meisterbetriebe in der Steiermark. Besuchen Sie unsere Showrooms in Kapfenberg und finden Sie zu Ihren Wünschen und Ideen den passenden Stein mit seiner geforderten Gestaltung. Poschacherstraße 7, 4222 St. Georgen, Tel. 0 72 37/33 33, Fax 33 33 44 4 www.poschacher.com, office@poschacher.com

Poschacher Natursteinwerke GmbH & Co. KG

Seit 1839 steht der Name Poschacher für die perfekte Verarbeitung von Naturstein. In acht österreichischen Steinbrüchen werden die Granite Neuhauser, Herschenberger, Gebhartser, Aalfanger, Hartberger und Schremser sowie der Chloritschiefer Pannonia Grün abgebaut und von über 200 Mitarbeitern in modernsten Anlagen zu einer Vielzahl an Produkten verarbeitet.

Johannessiedlung 1, 2170 Poysdorf, Tel. 0 25 52/24 00, Fax 24 00-6 www.rada.at, office@rada.at

Rada Naturstein Ges.mbH

Das Unternehmen ist ein traditioneller Steinmetzbetrieb. Unter Einsatz moderner Bearbeitungsmaschinen und -methoden soll zeitgemäße Architektur in Stein geformt und mit handwerklichem Können sollen alte Kulturbauten erhalten werden. Die gehobene Steinmetzarbeit im Privatbereich oder Geschäftsbau sowie anspruchsvolle Renovierung und Restaurierung ist eine Stärke.

Hainsdorf 8, 8421 Wolfsberg, Tel. 0 31 84/24 08-0, Fax 24 08-24 www.stein.at, office@stein.at

Steinmetzunternehmen Reinisch GmbH

Stein Reinisch ist ein ISO-zertifizierter Betrieb – Mitarbeiter werden laufend geschult, individuelle Arbeiten werden professionell geplant und ausgeführt. Wir bieten Ihnen Komplettlösungen – alles aus einer Hand. In unseren neun Filialen und im Werk sind Sie immer herzlich willkommen. Der Betrieb wurde 1985 gegründet und zählt heute zu den größten Betrieben in der Steiermark.

Hofsteigstraße 63, 6858 Schwarzach, Tel. 0 55 72/4 12 30, Fax 4 12 30 10 www.rheintalstein.at, office@rheintalstein.at

ABSW Rheintalstein GmbH

Seit 2009 baut die ABSW Rheintalstein GmbH aus Vorarlberg im einzigen Sandsteinbruch Österreichs Schwarzachtobler Quarzsandstein ab. Eine blaugraue Färbung, Frostsicherheit, Polierfähigkeit und eine hohe Widerstandsfähigkeit sind nur ein paar Eigenschaften des Steines. Diese Materialeigenschaften prädestinieren unser Produkt für den Innen- und Außenausbau, Fassadenbau sowie im GaLaBau. Gopperding 17, 4782 Sankt Florian am Inn, Tel. 0 77 12/31 16-0, Fax 31 16-50 www.schaerdingergranit.at, info@schaerdingergranit.at

Schärdinger Granit Industrie AG

Seit über 120 Jahren stellt die Schärdinger Granit Industrie AG in ihren Betrieben in Schrems und Schärding Pflaster-, Leisten- und Randsteine sowie Platten aus Schärdinger und Schremser Granit her. Bei Steinmetzprodukten reicht die Produktpalette von der Bodenplatte bis zu Grabanlagen.

Sölker Marmor GmbH

Der Ursprung des Sölker Marmors liegt mehr als 350 Millionen Jahre zurück. Sein hohes Alter und seine spezifische Entstehungsgeschichte machen ihn zu einem der hochwertigsten Marmore der Welt. Die Firma Sölker Marmor mit ihren 40 Mitarbeitern hat sich auf den Abbau und die Veredelung des im Sölktal gewonnenen edlen Natursteins spezialisiert.

Für nähere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Büro Natursteinvereinigung: Scharitzerstraße 5/II, A-4020 Linz Tel. 07 32/65 60 48 und 0 76 12/8 73 36 Fax 0 76 12/8 94 33 voen@gmx.at www.pronaturstein.at

allegria | design – Oppermann, www.allegriadesign.de

Reith 279, 8961 Kleinsölk, Tel. 0 36 85/2 22 16-0, Fax 2 22 16-19 www.soelker.at, office@soelker.at.at

Steintime Österreich 2 2010  

Steintime Österreich 02 2009, Fachzeitschrift über Architektur mit Naturstein, herausgegeben von der Vereinigung Österreichischer Naturstein...

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