Page 1

238

die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

DIE 35 WELTBESTEN SPA-KREUZFAHRTSCHIFFE Der informative RELAX-Guide-Kompass für Ihre nächste Seereise Die Idee klingt wie ein Traum: ein schwimmendes Hotel. Man wacht morgens auf, öffnet die Tür, atmet frische Seeluft und ist schon wieder in einem anderen Land. Reisen ohne Umpacken und ohne Beschwerlichkeit, dafür aber mit vollem Genuss: gut essen, Spaß haben, schwimmen, neue Gegenden kennenlernen und sogar einen Wellnessurlaub auf hoher See erleben. 22 Millionen Menschen pro Jahr, davon 6,4 Millionen Europäer, gönnten sich zuletzt diesen Traum vom schwimmenden Hotel. Ein Traum, aus dem eine riesige Industrie geworden ist. Weltweit operieren etwa 75 Reedereien in diesem Metier und lassen rund 350 Kreuzfahrtliner auf allen Weltmeeren fahren. Dazu kommen noch an die 1.000 Flussschiffe für Touristen. Kein Bereich im Tourismus kann mit solchen Umsatzzuwächsen glänzen wie der Urlaub auf See. Allein in Europa hat sich die Zahl der Schiffsurlauber in den letzten 10 Jahren verdoppelt, und man schätzt, dass die Passagierzahlen bis 2020 jährlich um 7,1 Prozent steigen werden. Einer der Gründe für dieses Phänomen ist, dass sich die Passagierschifffahrt in den letzten Jahrzehnten komplett neu erfunden hat. Noch Anfang der 1960er Jahre gab es mehr als 100 Reedereien, die Fernlinien übers Meer mit regelmäßigem Fahrplan durchführten und allein über den Atlantik eine Million Passagiere pro Jahr beförderten. Heute existiert nur mehr ein einziges Schiff, das im Sommer einen Liniendienst von Europa nach Amerika anbietet, die Queen Mary 2 in einer Luxusversion. Die Konkurrenz des Flugzeuges ließ der Branche nur eine Wahl: die Vergnügungsdampfer. Die gab es zwar auch schon früher, aber eine Kreuzfahrt auf hoher See war einem kleinen, elitären und zahlungskräftigen Publikum vorbehalten. Das hat sich dramatisch geändert. Aus einem Luxusprodukt wurde ein Massenartikel. Möglich wurde dies mit immer größeren Schiffen und familiengerechten Angeboten, mit bombastischen Attraktionen und neuen Sitten wie etwa der Abkehr von strengen Kleidervorschriften.

Die 35 besten von allen 350 Kreuzfahrtschiffen weltweit Doch auch der alte Luxus und die eleganten, sehr formellen Kreuzfahrttraditionen haben überlebt. Kreuzfahrt ist daher heute nicht gleich Kreuzfahrt. Der Unterschied zwischen einem Megaschiff wie der Oasis of the Seas mit 8.000 Menschen an Bord, mit Surfsimulatoren, einer Eislaufbahn, Rockkonzerten, 464 Spielautomaten, 24 Restaurants und 160 Trainingsgeräten einerseits und einem Luxusschiff wie der MS Europa 2 andererseits ist in etwa so wie der zwischen einem preiswerten 5.000-Zimmer-Resort in Las Vegas und einem elitären Luxushotel an der Côte d’Azur. Der RELAX Guide möchte Ihnen helfen, das richtige Schiff zu finden, ohne dabei Geschmäcker und Bedürfnisse zu bewerten. Ob man lieber Fun und Action sucht oder Ruhe und Erholung, einen lustigen und preiswerten Familienurlaub oder eine kontemplative Nordlandfahrt, ob Luxus oder Budget, das bleibt jedem selbst überlassen. Entscheidend ist, das richtige Angebot zu finden. Wir haben nach gründlicher Recherche aus 350 Kreuzfahrtschiffen die besten 35 ausgewählt und sie mit Lilien bewertet. Dabei wurden sowohl die Größe der Liner berücksichtigt als auch die mit dem Preis verbundene Qualität (drei Klassen: Budget, Premium, Luxus). Zwingende Voraussetzung für die RELAX-GuideSelektion war allerdings auch ein gutes Wellnessangebot an Bord. Nicht zu finden in unserer Auswahl


www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

die weltbesten kreuzfahrtschiffe

und in unseren Rankings sind daher Schiffe, die über kein solches Angebot verfügen, wie etwa Segler, Expeditionsschiffe oder ältere Cruiseliner.

Wie das Schiffs-Business funktioniert Die moderne Kreuzfahrtindustrie arbeitet nach demselben Grundprinzip wie Ikea, H & M, Zara oder Tchibo: Billige Arbeitskräfte aus der Dritten Welt produzieren eine auf den europäischen oder amerikanischen Geschmack ausgerichtete Ware, in diesem Fall eine Dienstleistung. Das Gros der Mannschaft auf jedem Kreuzfahrtschiff kommt aus „armen“ Ländern, ganz besonders viele zum Beispiel von den Philippinen. Nur Premium- und Luxusschiffe leisten sich im Service einen höheren Anteil an teureren europäischen Mitarbeitern. Will man als Österreicher, Schweizer oder Deutscher lieber deutschsprachiges Personal, dann muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen. Obwohl die USA nie eine große Seefahrernation waren, wird das Kreuzfahrtgeschäft heute von amerikanischen Konzernen dominiert, insbesondere von den Großreedereien Carnival und Royal Caribbean, zu denen viele europäische Reedereien gehören, von Costa bis Cunard. Der amerikanische Einfluss ist für europäische Urlauber oft ein Ärgernis. So kann man heute kaum noch bei einem Kreuzfahrtschiff die Klimaanlage abschalten, weil US-Touristen nicht ohne Dauergebläse urlauben möchten und weil die amerikanischen Reedereien Angst davor haben, dass sich irgendwo Schimmel oder Ähnliches bilden könnte. Auch die Zwangstrinkgelder, die Ausbreitung von Spielcasinos auf hoher See und unwürdig kitschiges Schiffsdesign sind auf den US-Einfluss zurückzuführen. Aber kommen wir zu einem weiteren Kreuzfahrtprinzip. Es heißt: „Economies of Scale“. Ein Begriff aus der Betriebswirtschaft, der bedeutet, je mehr man produziert, umso billiger wird es. Und so ist es auch bei den Schiffen: Je größer der Kahn, umso effizienter und profitabler kann er betrieben werden. Das Positive daran ist, dass Kreuzfahrten so „demokratisiert“ wurden. Was einst nur einer reichen Oberschicht möglich war, ist jetzt ein für jedermann leistbares Vergnügen geworden. Billige Kreuzfahrten sind daher solche auf großen Schiffen, wo die Passagiere in relativ kleinen Kabinen untergebracht sind, während es bei den meisten Luxuslinern mit Ausnahme von Seglern genau umgekehrt ist: Das Schiff ist klein, die Kabinen groß. Es gilt außerdem die Regel: Billig ist teurer, als es zunächst scheinen mag. Das beginnt mit den auf vielen europäischen und allen amerikanischen Budgetklasse-Schiffen üblichen Zwangstrinkgeldern, die pro Tag und Person abgezogen werden und auf US-Schiffen auch automatisch auf andere Leistungen wie ein Getränk an der Bar oder eine Massage im Spa aufgeschlagen werden (bis zu 18 Prozent). Tatsächlich ist obligatorisch abgebuchtes Trinkgeld eine arglistige Täuschung: Die Kundschaft wird mit niedrigen Preisen gelockt, um ihr dann nach der Buchung die Personalkosten hinterrücks aufzubürden. Ein weiterer Nachteil von Schiffen der Budgetklasse ist, dass sie oft relativ weit von einer Destination entfernt anlegen (oft in hässlichen Industriehäfen) und die nötigen Bustransfers extra verrechnen. Doch es gibt noch weitere Nebenkosten bei vermeintlich billigen Jakoben. Wer etwa Abwechslung beim Essen sucht, kann in der Budget- und Premiumklasse in der Regel nur gegen Aufpreis in feineren Spezialitätenrestaurants speisen. Auch der Zutritt zum Wellnessbereich ist in der Budgetklasse meist kostenpflichtig. Die Fitnessgeräte hingegen darf man fast immer gratis benützen. Was man ebenfalls bedenken sollte, ist das Verhältnis Raum zu Passagier (Kabine und öffentliche Bereiche): Größere Kabinen und weitläufige Decks sind sehr angenehm und schön, haben aber ihren Preis.

239


240

die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

Sollte man große Schiffe meiden? Nein, keineswegs. Wenn Sie sich für ein großes Schiff entscheiden, hat dies eine Reihe von Vorteilen. Megaliner, sofern es sich um neuere Schiffe mit modernen Antriebssystemen und ausgefeilten Stabilisatoren handelt, gleiten wesentlich ruhiger über das Meer als ihre kleinen Konkurrenten. Die Showprogramme sind ungleich größer und professioneller. Es macht eben einen Unterschied, ob 30 oder 1.500 Passagiere bei einer Vorstellung zuschauen. Wer Spaß und Attraktionen aller Art sucht, für den gilt: Big is beautiful. Auch Familien mit Kindern sind auf diesen Schiffen besser bedient: Hier findet man Dinge, die Kids und Teens begeistern, mitunter sogar einen ganzen Aquapark. Es gibt Kidsclubs und vor allem viele andere Kinder. Wenn Sie allerdings auf Gourmetküche, hohe Servicequalität, viel Platz und Ruhe Wert legen, sollten Sie zumindest auf Premiumschiffe ausweichen. Und wer wirklich Luxus ohne Wenn und Aber sucht, wird wahrscheinlich auf einem kleinen Schiff einchecken.

Das Klassensystem kehrt zurück Auf der Titanic gab es noch drei Klassen. Für die ärmeren Passagiere der dritten Klasse waren damals nicht einmal Rettungsboote vorgesehen. Das hat sich seither geändert. Natürlich gibt es auf jedem Schiff unterschiedliche Preiskategorien, auf großen Oceanlinern sind das mitunter mehr als 30, aber das Klassensystem verschwand. Man zahlt je nach Kabinengröße, Ausstattung, Lage oder Allinclusive-Umfang einen unterschiedlichen Preis, angefangen von den billigen Innenkabinen bis zur teuersten Variante, die man Ownersuite nennt. In den letzten Jahren gibt es allerdings einen starken Trend zur Einführung einer „Business-Class“ auf Kreuzfahrtschiffen. Häufig bewacht von einem Concierge-Tisch und meist ganz oben auf großen Massenschiffen findet man dann „ein Schiff auf einem Schiff“. Eine Zone, die Kunden anlocken soll, die ansonsten ein Luxusschiff gebucht hätten. Dort steht den Passagieren ein eigenes exklusives Restaurant „abseits der Massen“ zur Verfügung, und es werden – je nach Schiff unterschiedlich – diverse Zusatzleistungen geboten wie Butler-Service, eigene Lounges, eigener Check-in und so fort. So hat zum Beispiel die Norwegian Breakaway, eine Ozeanriesin mit 4.000 Passagieren und 1.600 Mann Besatzung, einen Bereich mit 42 Suiten, der sich „The Haven“, Oase also, nennt. Sieben von 15 Costa-Schiffen verfügen über eine eigene „Samsara-Klasse“ mit exklusivem Restaurant nur für diese „Business-Class“, kostenlosem Spa-Eintritt etc. Ein ganz ähnliches Konzept nennt sich bei MSC „Yacht-Club“. Manche Reedereien reden nicht so gerne darüber, um nicht das Gros ihrer „Economy“Kunden zu vergraulen. Die neue Mein Schiff 3 etwa von Tui Cruises offeriert ohne spezielle Bezeichnung den Buchern von Suiten und Juniorsuiten einen eigenen Concierge-Service, separaten Checkin, Minibars und vor allem den exklusiven Zugang zur X-Lounge (mit Innen- und Außenbereich), wo man jederzeit kostenlosen Champagner und Kaviar bekommt.

Wie man richtig bucht Ob im Reisebüro oder per Internet, wer eine Kreuzfahrt besonders günstig buchen will, muss entweder besonders früh oder besonders spät zuschlagen und dabei flexibel sein. Grundsätzlich gilt: Wer eine ganz bestimmte Kreuzfahrt zu einem ganz bestimmten Termin und mit einer speziellen Route machen möchte, sollte sich den von vielen Reedereien gewährten Frühbucherbonus sichern. Weitaus größere Schnäppchen mit Preisreduktionen von bis zu 50 Prozent sind allerdings für flexible Last-Minute-Entscheider möglich, denn leere Kabinen kosten die Reedereien Geld. Allerdings kann es


www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

die weltbesten kreuzfahrtschiffe

dann leicht passieren, dass die gewünschte Kreuzfahrt ausgebucht ist. Dies gilt in besonderem Maße für Arktis- und Antarktis-Kreuzfahrten, aber auch für bestimme Klassen auf Budgetschiffen während der Ferienzeiten. Eine interessante Möglichkeit sind auch sogenannte Garantiekabinen, die manche Reedereien anbieten. Gesichert ist dann zwar die Mitfahrt, aber nicht die Kabinenklasse. Diese preiswerte Möglichkeit gibt es sogar auf Luxusschiffen wie etwa der MS Europa 2.

Die RELAX-Guide-Lilien für Schiffe Erstmals in seiner 16-jährigen Geschichte vergibt der RELAX Guide Lilien nicht nur für Wellness- und Kurhotels, sondern auch für Kreuzfahrtschiffe. Auf den folgenden Seiten finden Sie 35 Schiffe mit genauen Beschreibungen und Bewertungen, wobei baugleiche Schiffe zusammengefasst wurden. Neben dem Schiffsnamen sind die maximale Passagieranzahl (bei Vollbelegung einschließlich Zusatzbetten) und das Preissegment (Budget/Premium/Luxus) angegeben. Unsere Rankings listen die jeweils fünf besten in vier Kategorien auf: Luxus, Premium, Budget und die besten Spas auf hoher See. Wir wünschen Ihnen informative Unterhaltung mit unserem diesjährigen Sonderteil und einen schönen Urlaub. „Schiff ahoi!“

DIE TOP-5-RANKINGS NACH KLASSEN TOP 5 BUDGET Costa Diadema 16 MSC Preziosa 16 Costa Neoromantica 16 Aida Stella 15 Oasis of the Seas 14 TOP 5 PREMIUM Mein Schiff 3 18 Crystal Symphony 18 MS Riviera 17 Queen Elizabeth 17 MS Deutschland 17 TOP 5 LUXUS MS Europa 2 20 MS Europa 20 Le Soléal 19 Silver Spirit 19 Seadream I und II 19 TOP 5 SPA MS Europa 20 Mein Schiff 3 17 Costa Diadema 16 Costa Neoromantica 16 Aida Luna 14

241


242

Aida Stella

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

Budget|2.500 Passagiere

14

Aida Luna

Der schwimmende Club mit Kussmund

N

Immer noch scheint für die meisten Passagiere von Aida-Schiffen die größte Gefahr etwas zu sein, das andere Kreuzfahrer lieben: die Stille. Das gilt auch für die 2009 in Dienst gestellte Aida Luna, ein 315 Millionen Euro teures Schiff, das keine Stelle zu haben scheint, wo man nicht irgendeine Art von Musik hört. Aber das gehört freilich zum Konzept. Die ursprünglich aus einer DDR-Reederei hervorgegangenen und heute dem USKonzern Carnival gehörenden Aida Cruises waren die Ersten, die 1993 ein deutsches Fun-Ship aufs Wasser setzten. Gäste sollten sich fühlen wie in einem deutschen Robinson-Club mit allem, was dazugehört: Animateuren, Tanzshows, Akrobaten. Und alles ganz, ganz locker. Auf dem allerersten Aida-Schiff, der heutigen Aida Cara, wurde das Konzept erprobt. Es gilt bis heute. Die Luna ist deutlich größer als die vorher gebauten „Aidas“ und vermittelt schon farblich gute Laune: Grün, Gelb, Orange dominieren. Kleidervorschriften gibt es keine, formelle Abende schon gar nicht. Ohne Aufpreis stehen drei Selbstbedienungsbuffets zur Verfügung, kein Service, keine Tischtücher. Die Küche gibt sich gern bodenständig, und so isst auch das Publikum: Schweinsbraten schlägt Hummer. Wer höhere Ansprüche hat, muss reservieren und zahlen.

O

Im gehobenen Rossini-Restaurant werden dafür schon mal sechsgängige Menüs serviert, und im beliebten Buffalo-Steakhouse kann man sich gegen einen ambitionierten Aufpreis an ausgezeichneten Steaks erfreuen. Herz des Schiffes ist das drei Deck hohe Theatrium, eine Mischung aus Marktplatz und Amphitheater für 1.000 Zuschauer, wo während der Vorstellung praktischerweise auch konsumiert werden darf. Die Shows, in der Regel mit einer 12-köpfigen Truppe, werden von Aida übrigens selbst produziert, und zwar in Kooperation mit Schmidts Tivoli Theater aus Hamburg. Das Spa ist mit 2.300 m2 relativ groß und verfügt über 14 Behandlungsräume. Außer dem Üblichen wie mehreren Saunen, Dampfbädern und einem Fitnessstudio gibt es auch einen „tropischen“ Garten mit Plastikpalmen als Relaxzone. Stolz ist man auf indische Ayurvedatherapeuten aus Kerala und ausgebildete Yogameister. Unser Resümee: ein Schiff, das sich für Familien und jüngere Leute eignet, die Spaß und Action suchen und auch gern ein wenig animiert werden möchten. Das Club-Image ist den Aida-Machern inzwischen ein wenig zu einschränkend geworden, neuerdings wirbt man nicht mehr damit. Geselligkeit ist dennoch gefragt. Symbol dafür ist ja auch der riesige, von dem sächsischen Künstler Feliks Büttner entworfene Kussmund auf dem Bug jedes Aida-Schiffes. Kann keiner sagen, er hätte nicht gewusst, was ihn erwartet.


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe Außenwhirlpool, Innenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Aida Cruises www.aida.de 10001

Budget|2.600 Passagiere

243

W

15

Aida Stella

Neuer Unterhaltungsdampfer mit Brauerei

Ein Glanzstück deutscher Werftarbeit: Sie ist 253 m lang, bietet auf 14 Decks Platz für 3.500 Menschen (inklusive Crew) und verströmt inwendig neuwertige, stets saubere Anmutung. Kein Wunder, lief doch die Stella erst im Vorjahr vom Stapel. Die Meyer-Werft in Papenburg hat dabei gezeigt, dass Schweißnähte auch über viele Meter hinweg hochexakt geführt werden können – was natürlich nur bei näherem Hinsehen und beim Vergleich mit Cruisern aus anderen Werften auffällt. Gebucht werden kann in vier Hauptkategorien; die Innenkabinen haben anstatt eines Fensters einen Bildschirm, auf dem der jeweilige Ausblick eingespielt wird. Richtig schön hat man es aber wohl erst mit einer Balkonkabine (die haben wunderbare Schiebetüren, da atmet man Seeluft auch beim Schlafen), mehr als das Doppelte müsste man dann für eine Suite mit Balkon berappen. Essen kann man, von kurzen Pausen abgesehen, praktisch von sechs Uhr früh bis Mitternacht, die Küchencrew versteht sich auf anregende Präsentation der Buffets, insgesamt stehen acht Restaurants zur Auswahl, das Spektrum reicht vom Burgergrill (u. a. mit Pizza Hawaii) über Sushi-Bar bis hin zum Brauhaus mit Biergartenflair – Leberkäse, Stelze und Rotkraut inklusive. Drei Lokalitäten sind (aufpreispflichtige) À-la-carte-Tempel mit gehobenen Interieurs und beschränkter Sitzanzahl. Daneben gibt es eine Vinothek, 12 Bars (auch Bier aus der Bordbrauerei), Diskotheken sowie mehrere große Terrassen, auf denen man Essen und Trinken im Freien genießen kann. Getränke außerhalb der Öffnungszeiten eines Hauptrestaurants (ca. siebeneinhalb Stunden täglich) muss man zahlen. Tagsüber gibt es zahlreiche Veranstaltungen, abends Livemusik und Shows – Langeweile kommt jedenfalls bei niemandem auf. Am Oberdeck findet man die Badezone: mit Pools und Whirlpools. Das Spa zählt zu den größten auf Kreuzfahrtschiffen, es bietet unter anderem Saunen mit Ausblick aufs Meer, ein FKK-Sonnendeck sowie einen aufpreispflichtigen Bereich: mit Ruheliegen und Erlebnisdusche in einer Plastikgrotte, bei entsprechender Witterung kann das Dach abgenommen werden (25 Euro pro Tag, dafür ist dann der Zutritt limitiert; sehr fein!). Aus dem bestens ausgestatteten Fitnessstudio hat man zumindest teilweise Ausblick aufs Meer, ein umfangreiches tägliches Aktivprogramm bietet vieles,

darunter Zumba, Pilates und Wirbelsäulentraining. Kleine Wermutstropfen: keine Amenities im Badezimmer, keine Minibar, Trinkwasser gegen saftigen Aufpreis, ungenügende Beschriftung der Speisen am Buffet. Da heißt es etwa „Leber“ oder „Fisch“, aber um welches Tier es sich handelt, das muss man erfragen – um dann oft widersprüchliche Antworten zu erhalten. Weiters: Es gibt kaum Zonen ohne Hintergrundmusikberieselung, nicht selten hört man gleichzeitig Beschallung aus unterschiedlichen Richtungen. Unterm Strich ist’s aber eine runde Sache, die Standards sind hoch, und wer nicht allzu feinsinnig ist, kann hier glücklich werden. Viele sind es übrigens schon: Alle Mitreisenden, mit denen wir gesprochen haben, waren im Schnitt bereits siebenmal an Bord gewesen – nicht immer mit der Stella, aber mit den baugleichen Schwestern Aida Blu und Aida Sol. Außenwhirlpool, Innenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Aida Cruises www.aida.de 10002

Premium|780 Passagiere

16

Azamara Journey & Quest

Ein Hauch von amerikanischem Luxus

Es war ein ruppiger Start ins Kreuzfahrtleben: Bald nach der Indienststellung der in der französischen Werft Chantier de l’Atlantique in Saint Nazaire im Jahr 2000 gebauten Kreuzfahrtschönheiten ging die Reederei, die sie bestellt hatte, in Konkurs. Es sind eben nicht nur des Meeres, sondern auch der Bilanzen Wellen gefährlich. Heute fahren die 2012 renovierten, baugleichen Schiffe Journey und Quest für den US-Anbieter Azamara und bieten Komfort der obersten Mittelklasse. Es sind ideale Schiffe für alle, die kein Gedränge wollen und das Feeling eines Luxusliners erleben möchten, ohne dafür sündhaft hohe Tarife berappen zu müssen. Mit höchstens 777 Passagieren und 350 Besatzungsmitgliedern fühlt man sich auf diesen mittelgroßen Schiffen wie in einem Country-Club, wozu auch das gediegene Interieur und die Bordsprache Englisch beitragen. Kein Druck, kein Stress: Weder gibt es feste Essenszeiten noch fixe Tische noch zwingende Dresscodes. Neben dem Hauptrestaurant dürfen die Passagiere gegen Aufpreis auch in zwei Spezialitätenrestaurants speisen, zum Beispiel für 25 Dollar extra im „Prime C“ köstliche Steaks. Ein schönes Refugium ist die gediegene Bibliothek mit Kamin. Auch die Landarrangements können sich sehen lassen: Seit kurzem ist im Reisepreis fix eine Abendveranstaltung an Land inkludiert. Wo gegenüber einem Luxusschiff gespart wird? Vor allem bei der Außendeckfläche und der Kabinengröße. Balkonkabinen haben nur rund 20, die kleinsten In-

S


244

Celebrity Reflection

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe 10003

N

nenkabinen gar nur 14 m2. Auch die Bäder folgen dem Motto: Small is beautiful. Bei längeren Reisen kann es da schon ein bisserl eng werden. In so einem Fall hilft nur eines, nämlich Wellness. Das Spa entspricht amerikanischem Geschmack: Man kann sich die Zähne bleichen lassen, eine Akupunktur probieren und auf Fitnessgeräten Kilos abspecken. Die Relaxzone und den Thalasso-Pool gibt es nur gegen Aufpreis, kostenfrei sind hingegen diverse Kurse von Yoga bis Pilates. Die Treatments werden in mehreren Räumen sehr professionell durchgeführt. Das Spa wird von der Schweizer Firma Steiner Leisure betrieben, einem Spezialisten, der auf vielen Schiffen vertreten ist. Außer dem Thalasso-Pool im Spa steht noch das Hauptschwimmbecken zur Verfügung, das aber nicht allzu groß ist. Dennoch ist hier alles viel entspannter als auf einem großen Schiff. Dazu kommt, dass die 180 m Länge kurz genug sind, um schöne Häfen anzulaufen, was Ozeanriesen stets verwehrt bleibt. Die Azamara Journey ist – wie die Azamara Quest – nicht ideal für Familien, doch sie bietet, abgesehen von der Kabinengröße, ein Gefühl wie auf einem Luxusliner. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Azamara Club Cruises www.azamaraclubcruises.de

O

Premium|3.600 Passagiere

16

Celebrity Reflection

Rauchende Cocktails und Gras auf dem Dach

Barfuß durchs Gras laufen und frische Seeluft einatmen, nachts in der Wiese liegen und die Sterne beobachten, und das auf einem Kreuzfahrtschiff? Unmöglich? Die Kreuzfahrtindustrie, stets nach immer neuen Attraktionen suchend, bietet inzwischen vieles, was staunen macht. Auf dem Flaggschiff der amerikanischen Reederei Celebrity Cruises, der zwei Jahre alten Reflection, findet man hinter den beiden riesigen Schornsteinen viel Grün. Man steht dann etwas verblüfft vor dem 2.000 m2 großen Lawn Club, einer frei zugänglichen Fläche mit echtem Bermudagras. Doch das ist nicht das einzige Wunder auf diesem Ozeanriesen für mehr als 3.600 Passagiere. Eine der teuersten Kabinen, die 147 m2 große Reflection Suite, lockt mit einer über die Bordwand hinausragenden, voll verglasten Duschkabine (im Hafen muss man dann wohl einen Vorhang vorziehen). Ansonsten bietet dieses Familienschiff viele Außenkabinen (90 Prozent, davon 85 Prozent mit Balkon) und allerlei angenehme Einrichtungen, vom großen Kinderbereich (oft sind bis zu 400 Kinder an Bord) bis zu einem großzügigen Spa – Akupunkturbehandlungen und Persian Garden mit Thermalliegen inklusive. Man findet an Bord 24 Restaurants, Cafés


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe und Bars, darunter zum Beispiel die Martini-Bar mit über 100 verschiedenen Wodkas. Eine Besonderheit ist die Molekular-Bar auf Deck 5, in der die Barkeeper eindrucksvolle rauchende „Nitrogen-Cocktails“ komponieren. Der Stickstoff schwimmt dabei ganz oben auf dem Getränk, bildet Eiskristalle und hält es kalt. Die Spezialitätenrestaurants sind allerdings bei so vielen Passagieren häufig ausgebucht, zudem beträgt der Aufpreis mindestens 35 Dollar. Ein Restaurant, das Blu, steht nur den Gästen der 24 Spa-Kabinen und der zwei Spa-Suiten zur Verfügung: Das ist die „BusinessClass“ auf der Celebrity Reflection. Im Hauptrestaurant Opus kann man im unteren Deck kostenfrei zu fixen Zeiten dinieren (zwei Sitzungen) oder gegen Aufpreis ohne Terminzwang auf dem Upperdeck. Trinkgelder werden übrigens automatisch abgebucht. Sie betragen 11,50 bis 15 Dollar pro Tag je nach Kategorie. So amerikanisch war die Reederei nicht immer. Die Wurzeln von Celebrity sind griechisch und gehen zurück bis ins Jahr 1915. Mitte der 1970er Jahre besaß die reiche Reederfamilie Chandris die größte Kreuzfahrtflotte der Welt. 1989 gründete der ChandrisClan Celebrity Cruises und verkaufte sie später an den US-Konzern Royal Caribbean Cruises. Heute erinnert fast nichts mehr an die Familie Chandris, außer dem großen X im Logo und auf den Schornsteinen, das für

245

W

den griechischen Buchstaben Chi steht. Chi für Chandris. Alles fließt, hat der griechische Philosoph Heraklit gesagt. Hier übrigens auch Glas: Am obersten Deck neben der grünen Wiese demonstrieren Glasbläser aus Murano, wie Vasen entstehen. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Celebrity Cruises www.celebritycruises.de 10004

Budget|3.800 Passagiere

16

Costa Diadema

Die neue Super-Costa: das größte Schiff Italiens

Die neue Super-Costa: So jedenfalls bewirbt die Reederei das jüngste Kind ihrer Flotte, die von der Fincantieri-Werft bei Venedig gebaute Costa Diadema. Sie hat mehr als eine halbe Milliarde Euro gekostet, fährt unter italienischer Flagge und ist mit fast 4.000 Passagieren und 1.250 Besatzungsmitgliedern das größte Kreuzfahrtschiff Italiens. Die neue Meeresschönheit hat alles, was typisch für Costa-Schiffe ist: Angebote für die ganze Familie, vom Kindergarten bis zum Country Rock Club, vom Pooldeck mit ausfahrbarem Glasdach bis zum Rennwagensimulator, vom Shoppingcenter bis zur Bibliothek – nur alles größer halt. Es gibt sieben Restaurants an Bord und 11 Bars, darunter auch eine gut bestückte Vinothek.

Costa Diadema

S


246

S

die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

O

Das neue Schiff öffnet sich weitaus stärker zum Meer als die bisherigen Costa-Schiffe. Interessant ist der konsequente Kurs der Reederei auf Wellness. Die neue Diadema verfügt über das spektakulärste Spa der Flotte: Wellness und Fitness auf 7.800 m2, vier Decks hoch, und dazu gleich 130 sogenannte Samsara-Kabinen, eine Art „Business-Class“ mit direktem und kostenlosem Zugang zum Spa und zum exklusiven SamsaraRestaurant. Auf sieben von 15 Schiffen hat Costa bereits SamsaraSpas eingerichtet, das eleganteste findet sich auf der Costa Neoromantica. Die – nach dem riesigen Diadema-Spa – größten Wellnessanlagen sind auf der Costa Fascinosa und der Costa Favolosa zu finden. Alle werden von der Schweizer Firma Steiner Leisure gemanagt, und überall sind die Eintrittsregeln gleich: Strampeln ist gratis, Relaxen kostet. Das heißt: Der Fitnessbereich ist allen Passagieren frei zugänglich, Saunen, Ruhezonen etc. sind kostenpflichtig, es sei denn, man ist Gast der Samsara-Klasse. Als „Economy“-Passagier kann man einen Spa-Pass kaufen (Tag: 38 Euro, Cruise: 199 Euro), um zum Wellnessglück zu gelangen (Behandlungen sind natürlich extra). Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit eines 420-Euro-Upgrades in die Samsara-Klasse, das dann auch die Türen des feinen Samsara-Restaurants öffnet. Auf der Diadema wird Wellnessfreunden viel geboten. Neben einem erstklassigen Fitnesscenter bietet das Spa auf 6.200 m2 einschließlich eines exklusiven Außendecks alles, was das Herz begehrt: Saunen, Türkisches Bad, Thalassotherapie-Pool, Solarien, acht Whirlpools und vieles mehr. Mit dem Samsara-Konzept – Wellness plus „Business-Class“ – will die Genueser Reederei, Tochter des US-Konzerns Carnival, auf ein und demselben Schiff gleichzeitig den Massenmarkt bedienen, aber auch im Segment der anspruchsvollen Luxuskreuzfahrer fischen. Dass eines Tages über 300 m lange Schiffsriesen mit 15 Decks und über 6.000 Menschen an Bord übers Mittelmeer fahren und seinen Namen tragen würden, hätte sich Giacomo Costa wohl nicht vorstellen können, als er 1860 in Genua eine Manufaktur für Olivenöl gründete. Als das Geschäft wuchs, erwarben seine Söhne 1924 den Frachter Ravenna, um damit einerseits Oliven aus Sardinien in die Genueser Fabrik zu bringen und um andererseits die Öle zu europäischen Abnehmern zu verfrachten. 1948 startete die damals kleine Reederei mit einem ersten Kreuzfahrtschiff. Es hieß „Anna C“, und die erste Reise führte von Genua nach Buenos Aires. Im Jahr 2000 wurde die Costa-Reederei dann eine US-Konzerntochter. Ob der weiße Riese mit dem blauen C am gelben Schornstein auch den europäischen Geschmack trifft, das wird man erst sehen, seine Indienststellung er-

folgt erst vier Wochen nach Erscheinen dieser Ausgabe. Die Voraussetzungen sind aber sehr gut. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Costa Crociere www.costakreuzfahrten.de 10005

Budget|1.800 Passagiere

16

Costa Neoromantica

Mit neuem Konzept: Kurs auf Wellness

Costa Crociere ist die größte Kreuzfahrtreederei Europas. Einschließlich der ganz neuen, im November 2014 in Dienst gestellten Costa Diadema fahren für die in Genua beheimatete Gesellschaft 15 Schiffe, alle unter italienischer Flagge und hauptsächlich im Mittelmeer. Dabei ist Costa neben Aida Cruises und Ibero Cruceros nur eine der drei Töchter des Weltmarktführers für Kreuzfahrten, des US-Konzerns Carnival. Costa steht eigentlich für große, bunte, mitunter schrille Megaliner für Familien und viele Kinder, für Spaß, Action und jede Menge Bordunterhaltung. Der Fokus liegt weniger stark auf Kulinarik oder Ruhe. Costa steht auch für italienisches Flair, das man durchaus findet, obwohl das Servicepersonal zum Großteil aus Filippinos besteht. Mit der 2012 völlig neugeborenen Costa Neoromantica ging die Reederei innovative Wege für ein anderes Zielpublikum. Der Kurs führte in Richtung Wellness, höhere Komfort- und Designstandards sowie Adults only. Es gibt zwar einen Kinderclub, aber anders als auf den meisten Costa-Cruisern muss für Kinder voll gezahlt werden. Das Schiff selbst, als Costa Romantica bereits 1993 in Dienst gestellt, wurde 2011 für 90 Millionen Euro radikal umgebaut. Im vorderen Bereich wurden drei Decks neu aufgesetzt, 111 zusätzliche Kabinen kamen dazu. Aus einem Liner ohne Balkone entstand ein Schiff mit 160 Veranden. Das frühere große Theater wich einem großzügigen 4.400 m2 großen Wellnessbereich. Und um im Teich der Luxuskreuzfahrer zu fischen, kam eine Art „Business-Class“ dazu: 56 sogenannte Samsara-Kabinen, sechs davon Suiten, die sich alle ganz oben auf Deck 14 befinden. Diese Spa-Kabinen sind zwar nicht übermäßig groß, aber sie vermitteln doch ein völlig anderes Kreuzfahrtgefühl, sie sind quasi ein Schiff auf dem Schiff. Den Samsara-Gästen steht ein exklusives eigenes Restaurant mit aufmerksamer Bedienung und hochwertiger Küche zur Verfügung, der Eintritt in das SamsaraSpa ist kostenlos, Behandlungen sind natürlich extra zu bezahlen. Die übrigen Passagiere können allerdings für 420 Euro pro Reise ein Samsara-Package erwerben, das neben zwei Behandlungen und anderen Goodies ebenfalls den kostenfreien Eintritt in die Wellnessoase und das Samsara-Restaurant ermöglicht. Der sehr große, lichtdurchflutete Fitnessbereich mit direktem Ausblick aufs Meer steht allen Gästen kosten-


10006

Premium|1.000/1.200 Passagiere

18

Crystal Symphony & Serenity

Helikopterausflüge und Afternoon-Tea mit Mozart

Alles außer gewöhnlich: eine amerikanische Reederei,

die auf ihren beiden sehr ähnlichen, mittelgroßen Schiffen alte Kreuzfahrttraditionen zelebriert. Ein Unternehmen mit Sitz in Kalifornien, das seinen Gästen unaufdringliche Unterhaltung, erstklassiges Service und wirkliche Gourmetküche bietet. So gut, dass es immer wieder Preise und Bestnoten erhält. Und das die Besatzungsmitglieder überdurchschnittlich gut bezahlt. Die Begründung liegt vielleicht bei den japanischen Eigentümern, die es gerne perfekt haben. So ist die 1995 in Finnland gebaute Crystal Symphony in den letzten Jahren in drei Schritten für 65 Millionen Dollar in Hamburg renoviert worden – von den Kabinen bis zur Schiffsschraube, vom schönen, ruhigen Aussichtsdeck Palm Court mit Blick auf den Bug über die Penthouse-Suiten mit Swarovski-Kristalllustern und eigenem Philippe-Starck-Whirlpool bis zum Artdéco-Bordkino namens Hollywood Theatre und einer schönen Bibliothek mit 3.000 Büchern. Die Crystal Symphony und ihre zum Verwechseln ähnliche Schwester Crystal Serenity haben viele Stärken: hervorragende Restaurants wie zum Beispiel das italienische Prego, das Silk Road mit asiatischkalifornischer Fusion-Küche oder die Sushi-Bar mit japanischen Köchen. Seit 2012 werden die beiden Crystal-Schiffe nach dem All-inclusive-Konzept geführt (Getränke, Trinkgelder etc.). Das ist oft der Beginn einer Talfahrt in Sachen Qualität und Service. Doch nein,

N

frei zur Verfügung. Das Spa selbst, das von der Firma Steiner Leisure gemanagt wird, die auf vielen Kreuzfahrtschiffen zu finden ist, besticht durch ein sehr elegantes Design und einige besondere Highlights wie etwa eine riesige Thalasso-Wanne und einen ruhigen, zweistufigen Pool mit Meerblick in der Mitte. Für ein breites Spektrum an Massagen stehen 11 Räume zur Verfügung, es gibt ein Dampfbad, drei Saunen, mehrere Solarien und einen „Eisraum“. Insgesamt ist die Costa Neoromantica, ein mittelgroßes Schiff mit maximal 1.800 Passagieren, ideal für Ehepaare, die ohne Kinder eine preiswerte und ruhigere Mittelmeerkreuzfahrt mit weniger Trubel machen wollen. Für anspruchsvollere Kulinarik gibt es das sehr gute Samsara-Restaurant für maximal 56 Gäste, ein Clubrestaurant (gegen Aufpreis) und die sehr gelungene Enoteca Verona mit mehr als 100 Weinen und 80 Käsesorten aus aller Welt. Außenwhirlpool, Innenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Costa Crociere www.costakreuzfahrten.de

247

O

Crystal Symphony

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe


248

Le Boréal

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe 10007

N

hier stößt man auf gut ausgebildetes, langjähriges Personal, staunt über ungewöhnliche Landausflüge (etwa Helikopterflüge über Neuseeland oder eine Fahrt mit einem Lamborghini durch Monte Carlo) und bildet sich bei außergewöhnlich fundierten Vorträgen über die Destinationen der Reise weiter (Bordsprache: Englisch). Die Kabinen, von denen die Hälfte Balkone haben, punkten mit erstklassigen Marmorbädern und viel Stauraum für das Gepäck. Dazu kommt das wirklich großzügige Passagier-Raum-Verhältnis dieser Oceanliner, Billigschiffe würden auf der Deckfläche gleich doppelt so viele Passagiere unterbringen! Das Ergebnis ist Entspannung pur: keine Warteschlangen, nirgendwo Gedränge. Das Spa wird als einziges Feng-Shui-inspiriertes auf hoher See beworben und hat schon einige Preise eingeheimst. Man kann sich freilich genauso gut beim Afternoon-Tea am Palm-Court-Deck erholen und überraschen lassen. Auf dem im Sommer im Mittelmeer kreuzenden Schiff mit überwiegend amerikanischem Publikum wird die Mozart-Tea-Time zelebriert: mit klassischer Musik und Kellnern in historischen Kostümen. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Crystal Cruises www.crystalcruises.com

O

Luxus|260 Passagiere

19

Le Soléal, L’Austral & Le Boréal

Expeditionen mit französischem Savoir-vivre

Wenn Sie Franzosen nicht mögen, blättern Sie weiter. Ansonsten geht es hier um nicht mehr und nicht weniger als um die Verbindung zweier Welten: der Welt des luxuriösen Reisens und jener von Expeditionen in phantastische, aber unwirtliche Gegenden. Die drei baugleichen Schiffe Le Soléal, L’Austral und Le Boréal, die zwischen 2011 und 2013 vom Stapel liefen, sind für die Arktis und die Antarktis tauglich, sie verfügen über verstärkte Schiffsrümpfe (Klasse 1C – bis 0,4 m Eisdicke). Die Soléal durchfuhr beispielsweise 2013 als erstes französisches Schiff die berühmte Nordwestpassage, die neuerdings wegen des Klimawandels in den Sommermonaten für spezielle Schiffe passierbar ist. Der Expeditionscharakter ist freilich nur die eine Seite dieser wirklich großartigen Schiffe. Die anderen sind Design und Komfort. Die Soléal ist wie ihre Schwestern eigentlich eine Megayacht für maximal 264 Passagiere (bei Eisfahrten maximal 199) und verdient die Bezeichnung Boutiqueschiff. Elegante Formgebung, dezente Farben, wo immer man auch hinsieht, kein Kitsch irgendwo, Fenster sogar im Bad und natürlich eine erstklassige französische Küche. Auf Deck 5 findet man – für ein Expeditionsschiff sensationell – ein feines, von Carita Paris betriebenes Spa: mit Hamam,


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe Fitnessraum mit Panoramafenstern und einem kleinen Außenbereich. Und weil das so ist, fahren die drei baugleichen Luxusexpeditionsyachten im Sommer durch warme Gefilde wie etwa von Venedig aus entlang der kroatischen Küste bis nach Dubrovnik. Das beschert den Passagieren Erlebnisse, wie sie auf „normalen“ Mittelmeerkreuzfahrten nicht denkbar sind: das Anlaufen kleiner Häfen ohne Industrieanmutung und ohne Touristenmassen, das Antendern mit den 12 Zodiacs oder einfach das Baden im Meer, wenn die Heckplattform abgesenkt wird. Gegründet wurde die Compagnie du Ponant 1991 von drei Offizieren der französischen Handelsmarine, und zwar mit einem schönen Dreimaster namens Ponant, der auch heute noch segelt. Inzwischen gehört das Unternehmen freilich Haien, genauer: Finanzhaien. Der britische Private Equity Fonds Bridgepoint Capital, der unter anderem auch die Fastfoodkette Pret a Manger und den Münchener Brillenhersteller Rodenstock gekauft hat, betreibt jetzt die einzige französische Kreuzfahrtreederei. 2015 wird ein weiteres Schiff der gleichen Bauserie namens Le Lyrial die Flotte aufstocken. Unser Resümee: ein auch für ein jüngeres, abenteuerlustiges Publikum und Alleinreisende geeignetes, sehr stylishes Schiff mit französischer Küche, auf dem man bisweilen den Eindruck hat, man reiste auf der eigenen Luxusyacht in unentdeckte Gefilde. Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte. • Reederei: Compagnie du Ponant de.ponant.com 10008

Premium|2.700 Passagiere

249

W

17

Mein Schiff 1 & 2

Mit Fisch von Gosch: Manche mögen’s richtig deutsch

Auf Sylt, der Lieblingsinsel der Hamburger Upper Class, gibt es zwei bekannte gastronomische Institutionen: die Sansibar und die Gosch-Fischlokale. Ein bisschen Sylt finden Urlauber auch auf den beiden Tui-Schiffen 1 und 2: Als Alternative zum Hauptrestau­ rant kredenzt der Sylter Fischwirt ohne Aufpreis seine maritimen Spezialitäten. Es ist ein Indiz für die Idee von Mein Schiff: Premiumkreuzfahrten, die sich am deutschen Geschmack orientieren. Das beginnt mit der Ausstattung der Schiffe und dem gastronomischen Angebot und geht bis zu Dingen, die Deutsche auf amerikanischen Schiffen hassen, wie zum Beispiel den Trinkgeldzwang. Jenes automatische Abbuchen eines „Tips“, unabhängig davon, ob die erbrachte Leistung gut oder grottenschlecht war. Tui Cruises ist eine gemeinsame Firma des größten Reiseveranstalters Europas, Tui, und der zweitgrößten Kreuzfahrtreederei der Welt, des US-Konzerns Royal Caribbean. Mein Schiff 1 und Mein Schiff 2 wiederum sind großzügig umgebaute ältere Schiffe, die früher

US-Touristen durch die Karibik schipperten. Der ungewöhnliche Name Mein Schiff wurde durch einen Ideenwettbewerb der Illustrierten Bunte gefunden. Die erst 2008 gegründete neue Kreuzfahrtmarke ist so erfolgreich, dass zwei echte Schiffsneubauten folgten. Mein Schiff 3 lief im Juni 2014 vom Stapel, Mein Schiff 4 wird 2015 mit Champagner getauft. Was macht den Erfolg der Tui-Liner aus? Die Qualität des gastronomischen Angebots ist deutlich höher als bei den Budgetschiffen. Das Inklusivkonzept umfasst 140 Getränke, darunter auch viele bekannte Marken. Animation à la Aida ist hier verpönt. Die Farbgebung ist dezent gehalten, Farbfestspiele wie etwa auf italienischen Schiffen wird man nicht finden. In jeder Kabine steht ein Nespresso-Automat – so verwöhnt wird man anderswo nicht, die MS Europa 2, die ebenfalls in jeder Kabine mit Nespresso-Automat aufwartet, einmal ausgenommen. Auf den Balkonen gibt es – auf diese einfache Idee muss man erst einmal kommen! – Hängematten. Die Schiffe haben ruhige, lauschige Ecken, in denen man das Meer genießen kann, zum Beispiel Strandkörbe auf Deck 7 (Mein Schiff 1). Bei maximal 2.725 (Mein Schiff 1) und 2.681 (Mein Schiff 2) Passagieren braucht man das schon ab und an. Deswegen gibt es auch ein ansehnliches Spa, das sich auf der 2 über zwei Decks erstreckt (1.700 m2) und größer ist als auf der 1. Diese kann wiederum mit der größten finnischen Sauna auf See punkten – mit Meerblick natürlich. Unser Resümee: sowohl für Familien mit Kindern als auch eher ruhebedürftigere Passagiere geeignet, die ein deutsches Schiff der oberen Mittelklasse genießen wollen. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Tui Cruises www.tuicruises.com 10009

Premium|2.800 Passagiere

17

Mein Schiff 3

Auf der neuen deutschen Wohlfühlwelle

Bordsprache Deutsch. Essen deutsch. Fernsehkanäle deutsch. Die Armaturen kommen von Grohe, und die Shoppingzone ist nach der Hamburger Luxuseinkaufsmeile Baumwall benannt. Die brandneue Mein Schiff 3 ist ein Dampfer zum Wohlfühlen geworden, mit dezentem, sehr gelungenem Design und starken Details. Es gibt zum Beispiel zwei große Pools am Oberdeck. Na und? Ja, aber der eine verfügt über ein ausfahrbares Dach für kühle Wetterbedingungen, und der andere ist mit 25 m mit großem Abstand der weltweit längste. Bislang galt ein derart großes Becken als technisch nicht machbar, weil die Wassermasse bei schwerem Seegang für ein Schiff gefährlich wäre. Das Problem wurde mit einem simplen, aber wirkungsvollen Trick

S


250

N

Mein Schiff 3

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

gelöst: Bei Bedarf teilt eine ausklappbare Zwischenwand den Pool in zwei Teile. Weitere Stärken des neuen Tui-Liners: Dank modernster Technik verbraucht er um fast ein Drittel weniger Energie als vergleichbare Schiffe, der Schwefeldioxid­ ausstoß wurde sogar um rund 90 Prozent gesenkt. Jede Kabine, auch die preisgünstigste, verfügt über eine Nespresso-Maschine. Der Stauraum für Kleidung, die Anzahl der Steckdosen und die Fernsehbildschirme sind großzügig bemessen. Aber das ist es nicht, was dieses Schiff zu einem Top-Produkt der Premiumklasse macht. Vielmehr sind es Dinge wie der erste echte Konzertsaal auf See – mit erstklassiger Akustik ein Novum in der Branche – oder wie das erste maritime Museum auf einem Schiff. Es entstand in Kooperation mit dem Meeresmuseum Hamburg auf 300 m2 Fläche. Zu sehen sind dort unter anderem echte Tiefsee-„Rauchschlote“: Vulkane aus mehreren 1.000 m Tiefe. Richtig einnehmend ist das besonders qualitätsbewusste All-inclusive-Verständnis auf dem dritten TuiDampfer (die Mein Schiff 4 wird erst im Frühjahr 2015 in Dienst gestellt). So sind 140 Getränke inkludiert, vom Cappuccino bis zum Cocktail, darunter viele bekannte Marken von Gordon’s Gin bis zu Beck’s Bier und Havanna Club Rum. Kostenfrei sind auch eine Reihe von Gerichten bei einem der Spezialitätenrestaurants. Bei Gosch, dem bekannten Sylter Fischgastronomen,

O

der auch auf den beiden anderen Tui-Schiffen an Bord ist, sind nur teure Spezialitäten aufpreispflichtig, etwa ein ganzer Hummer (23 Euro). Zu den Highlights zählt der sogenannte Diamant auf Deck 4 und 5: eine kühne, aus 88 Facetten bestehende Glasfassade, die den Blick aufs Meer freimacht und gleichzeitig kulinarischer Treffpunkt für höhere Ansprüche ist. Hier kostet zwar alles extra, aber es ist das Geld wert: ein feines, modernes Kaffeehaus, Surf & Turf, ein Steakrestaurant und der Feinschmeckertempel Richards sowie der beliebte Champagnertreff. Insgesamt stehen den Passagieren 11 Restaurants, Cafés und Bars zur Verfügung, ein Theater für 1.000 Menschen, eine Aussichtsplattform mit Glasboden in 37 m Höhe und natürlich auch ein größeres Spa (1.700 m2) mit 16 Behandlungsräumen, Dampfbad und mehreren Saunen mit wunderbarem Ausblick aufs Meer. Optischer Hingucker ist eine Wand aus echten Pflanzen, die in 14.000 versteckten Blumentöpfen unter einer Tageslichtkuppel wachsen. Unter Leitung von Spa-Managerin Jenny Steffen (vormals Adlon Kempinski Berlin) stehen 28 Mitarbeiter bereit. Eine Spezialität sind Ayurvedabehandlungen – großartig etwa „Der Weg zur totalen Entspannung“ (100 min). Hat Mein Schiff 3 auch Schwächen? Aber ja. Die größte: Man kann die Klimaanlagen nicht abschalten, hier wirkt sich der Einfluss des amerikanischen Miteigen-


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

251

W

tümers aus (es gibt kein US-Schiff, auf dem das anders wäre). Eine Minibar sucht man vergeblich, weiters fehlen die originellen Balkonhängematten, wie sie auf Mein Schiff 1 und 2 das Publikum erfreuen. Und die Kabinen sind zwar überdurchschnittlich schön eingerichtet, und 82 Prozent haben sogar einen eigenen Balkon, dies ändert aber nichts an der bescheidenen Größe von 17 m2. Dennoch ist dies das derzeit beste Kreuzfahrtschiff im Premiumsegment. Sehr angenehm, sehr vielseitig. Geeignet sowohl für Familien als auch für Paare mit Kurs auf Entspannung. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Tui Cruises www.tuicruises.com 10010

Seereisen erzählen oder von legendären Oceanlinern träumen. Auch ein richtiges Kapitäns-Galadinner wird zelebriert. Mit neun Gängen. Wermutstropfen: Das Schwimmbecken ist so, wie man es vor 25 Jahren baute: sehr klein. Doch die Amadea geht auch mit der Zeit. So steht den Passagieren ein großzügiges Spa zur Verfügung, das mit großen Fenstern zum Meer punktet und ansonsten auch recht gut ist. Die Führung des Schiffes ist deutsch, die Servicemannschaft kommt fast zur Gänze von den Philippinen. Insgesamt ein sehr angenehmes, nicht zu großes Schiff der oberen Mittelklasse. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte, Jogging-Parcours. • Reederei: Phoenix-Reisen www.phoenixreisen.com 10011

Premium|600 Passagiere

16

MS Amadea

Premium|520 Passagiere

Im Foyer über der Rezeption der MS Amadea hängt ein riesiges fernöstliches Bild in Rot- und Rosatönen, das sich über vier Stockwerke zieht. Es heißt „Das Lied der Jahreszeiten“ und ist ein Werk des japanischen Künstlers Noriko Tamura, das man eher nicht auf einem richtig deutschen Kreuzfahrtschiff erwarten würde. Es ist – so wie die Hightechtoiletten in den Kabinen der Amadea – ein Hinweis zur Herkunft dieses Schiffes, das heute praktisch ausschließlich deutschsprachige Gäste an Bord hat. Das liegt daran, dass die Amadea ursprünglich für ein ganz anderes Publikum gedacht war: Sie war das erste Kreuzfahrtschiff, das speziell für den japanischen Markt gebaut wurde. Als MS Asuka lief sie 1991 in Nagasaki vom Stapel und kreuzte fortan mit Japanern über die Meere, ehe sie 2006 vom deutschen Cruise-Veranstalter Phoenix-Reisen gechartert wurde, der im Übrigen noch fast drei Dutzend Flussschiffe und zwei weitere Meereskreuzer unter seinen Fittichen hat. 2013 renoviert, ist die MS Amadea heute das Flaggschiff der Phoenix-Flotte und wird als First-Class-Liner beworben. Nicht ganz zu Unrecht. Maximal 600 Gäste auf einem 193 m langen und 25 m breiten Schiff bedeutet viel Platz an Deck, großzügige Restaurants und Salons wie zum Beispiel Harrys Bar, eine Lounge im Stil eines Gentlemen Clubs mit holzgetäfelten Wänden und Lederfauteuils. Für die Passagiere gibt es nur Außenkabinen, insgesamt 314, davon 116 mit Balkon. Die recht kleinen Bäder verfügen fast alle auch über Wannen, die Schallisolierung ist hervorragend. Die vielen Stammgäste lieben die Amadea, weil hier die klassischen Kreuzfahrttraditionen hochgehalten werden. Der Dresscode ist nicht so locker wie anderswo: Abends wird schon Krawatte erwartet, die Amadea-Kundschaft mag das. Man findet dank der fixen Sitzordnung am Abendtisch Gleichgesinnte und kann von eigenen

Das Schiff der längsten TV-Werbung der Welt

Deutsch-japanisches Seeverhältnis

17

MS Deutschland

Auf diesem Cruiser der Reederei Peter Deilmann waren wir vermutlich alle schon einmal. Zumindest als Zuschauer. Willkommen auf dem Fernseh-Traumschiff! Wolfgang Rademanns Erfolgskopie des US-Vorbilds „Love Boat“ flimmert schon seit sage und schreibe 30 Jahren über die Bildschirme; seit 16 Jahren werden die Folgen auf der MS Deutschland gedreht, seit deren Stapellauf also. In den TV-Folgen geht am Ende immer alles gut aus. Im wirklichen Leben hingegen schlitterte der Familienbetrieb 2009 in die Pleite. Peter Deilmann hatte einst mit sogenannten Butterfahrten begonnen – Tagesfahrten für norddeutsche Hausfrauen ins nahe Dänemark, wo damals vieles, darunter Butter, billiger war. 2003 starb der Reeder und vermachte das Unternehmen, für das in seinen besten Tagen 10 Schiffe fuhren, seinen Töchtern. In deren Händchen musste die Reederei dann Insolvenz anmelden. Jetzt gehört die MS Deutschland Finanzinvestoren aus München, die das inzwischen veraltete Schiff wieder aufmöbeln. Peter Deilmann hatte es einst so konzipiert, dass es traditionellen Ozeandampfern der 1920er Jahre nacheiferte. Und so bescherte die MS Deutschland ihren Gästen elegante, holzgetäfelte öffentliche Räume, einen 70.000 Euro teuren Steinway-Flügel, viel Platz an Deck in windgeschützten Teakholzstühlen, drei erstklassige Restaurants und vieles mehr. Die Passagiere sollten sich nicht in ihren Kabinen verkrümeln müssen. Doch auf der anderen Seite gerieten die Kabinen sehr klein (ab 12 m2) und bislang gab es überhaupt nur drei Balkone am ganzen Schiff. Dennoch wurde es wunderschön, dazu noch mit einem ganz besonderen Luxusmerkmal, einer nur geringen Anzahl von Passagieren: 280 Crewmitglieder kümmern sich um maximal 520 Gäste. Doch

S


252

N

MS Deutschland

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

ein Publikum, das Fünfsternpreise zahlt, möchte auch ein Fünfsternprodukt bekommen. Die Turbulenzen der Reederei führten zu einem Investitionsstau und allerlei Einsparungen. Das einzige unter deutscher Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff, Deutschlands berühmtes Traumschiff, begann für alle sichtbar zu schwächeln, Stammgäste blieben aus. Doch wie beim FernsehTraumschiff soll es ein Happy End geben. Mit frischem Geld wird jetzt gegengesteuert. 140 Kabinen wurden schon teilrenoviert, im Herbst 2014 erhalten 60 Kabinen französische Balkone. Die MS Deutschland ist ein klassisches Schiff auf Fünf­ sternniveau, ein 175 m langes Grandhotel auf hoher See, konzipiert für ein vorwiegend reiferes Publikum – das Durchschnittsalter liegt bei 63 Jahren – und es will sehr deutsch sein. In der Bar Zum alten Fritz kann man Frikadellen und Schmalzbrote bekommen. Im Salon Lili Marleen gibt es Fünf-Uhr-Tee mit Harfenbegleitung, in den Restaurants Berlin und Vierjahreszeiten serviert der Sommelier hauptsächlich Weine aus Deutschland und Österreich. Und das Spa heißt natürlich „Deutschland“ und entzückt mit einer herrlichen Holzsauna mit Meerblick und einer Kupferwanne, wo man wie Kleopatra in Milch und Rosenblüten relaxen kann. Und immer wieder erklingt an Bord die Melodie des TV-Traumschiffs – die MS Deutschland hat zweifelsohne die längste Fernsehwerbung der Welt.

O

Hallenbad, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte, Jogging-Parcours. • Reederei: Deilmann www.deilmann-kreuzfahrten.de 10012

Luxus|450 Passagiere

20

MS Europa

Liebling der Kritiker: Deutschlands Opulenzklassiker

Seit 15 Jahren fährt sie nun schon betuchtes deutsches Publikum über die Meere, ein Jahrzehnt lang wurde sie von dem renommierten Kreuzfahrtkritiker Douglas Ward als bestes Schiff der Welt bejubelt. Entthront hat sie nun ausgerechnet ihre Schwester, die unwiderstehliche MS Europa 2. Doch für die meisten ihrer Stammgäste bleibt die MS Europa nach wie vor das Feinste, was man als Kreuzfahrer auf hoher See finden kann. Es gibt Fans, die Jahre ihres Lebens auf diesem in der Tat wunderbaren Schiff verbracht haben – zu Tarifen von mindestens 500 Euro pro Tag. Zu ihren Gästen zählt die Creme der deutschen Wirtschaft und Politik genauso wie Promis aus Kunst und Showbiz. Harald Schmidt etwa war 2014 als Wiederholungstäter Gast auf der Europa in der Südsee, vielleicht auf der Suche nach Trost als abgesetzter Fernseh-Talker. Schmidt, der im TV-Traumschiff den Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle gibt, ist übrigens der Ansicht, ein wahrer Kreuzfahrer habe schon mindestens 1.500 Tage an Bord verbracht


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe und sechs Reihenhäuser verkauft, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können. Wenn schon unglücklich, dann am besten auf dieser feinen Luxusyacht mit ihren maximal 450 Passagieren. Was ist so toll an diesem Schiff? Fangen wir mit den Kabinen an. Die sind mindestens 27 m2 groß und blicken allesamt nach außen. Nach dem Einchecken warten schon die Champagnerflasche und der Obstkorb. Und für das kleine Schwarze gibt es gleich eine ganze begehbare Garderobe. Schon das normale kulinarische Angebot und das Service im Hauptrestaurant und in den Spezialitätenlokalen liegen weit über dem Branchendurchschnitt, aber was im Gourmettempel des Herdvirtuosen Dieter Müller (drei Sterne im Guide Michelin) serviert wird, ist das Beste, was es auf hoher See zu genießen gibt. Müller ist selbst an 70 Tagen pro Jahr auf der MS Europa. Ein Luxus, den echte Schiffsfans lieben, ist das Speisen unter freiem Himmel im Lido Café auf Deck 8. Ein Deck weiter findet sich der legendäre Ableger von Deutschlands wahrscheinlich berühmtesten Lokal, der Sylter Sansibar. Beliebt auch bei den Europagästen: der kostenlose Afternoon-Tea (es gibt selbstverständlich lose Teesorten) mit Kuchen und Klavierbegleitung in der Belvedere-Lounge. Oder der bayrische Frühschoppen, der einmal auf jeder Kreuzfahrt am Lido-Deck zelebriert wird. Alles übrigens unter österreichischer Lei-

W

tung. Der langjährige Hoteldirektor heißt Josef Gruber und kommt aus Admont (Ennstal, Steiermark). Auch bei Wellness und Sport lässt die Europa keine Wünsche offen. Beim Trainieren auf Top-Geräten hat man einen herrlichen Blick aufs Meer. Oder man macht allerlei Kurse von Yoga bis Qi Gong, und wenn das nicht mehr geht, vielleicht das Rücken-fit-Programm. Natürlich werden auch zahlreiche Massagen offeriert, Kosmetik der Ligne St Barth, eine finnische Sauna und ein Dampfbad. Obwohl sich das Schiff selbst – nicht zuletzt wegen der geringen Passagierzahl – außerordentlich entspannend anfühlt, kommen bei der Europa auch noch besonders schöne Routen hinzu. Mit ihrer Länge von 198 m und wendigen Zodiac-Beibooten kann dieser Luxusliner nicht nur kleine Häfen (also die schönen!) anlaufen, sondern auch einfach mal in Ufernähe ankern, um Gäste auf einem herrlichen Strand abzusetzen. Fazit: ein hochpreisiges, aber hervorragendes Top-Schiff für ein anspruchsvolles, meist älteres Publikum, das auf große Kabinen, feines Essen und das Hochhalten alter Kreuzfahrttraditionen Wert legt, einschließlich formeller Abendkleidung, Galaabend und Kapitänsdinner. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte, Jogging-Parcours. • Reederei: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten www.hl-kreuzfahrten.de 10013

MS Europa 2 (Seite 216)

253

S


254

die weltbesten kreuzfahrtschiffe Luxus|520 Passagiere

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe 20

MS Europa 2

Das beste Schiff der Welt in Neuauflage

N

Sie ist 225 m lang und 27 m breit, sie hat Platz für höchstens 516 Passagiere, die von 370 Crewmitgliedern umsorgt werden. Und sie ist ein in vielerlei Hinsicht unmögliches Schiff. Die 2013 vom Stapel gelaufene, im französischen Saint Nazaire gebaute MS Europa 2 überwältigt Neuankömmlinge mit einem Gefühl, das man auf den allermeisten Kreuzfahrtschiffen niemals spürt: ein Gefühl der Großzügigkeit, ein Gefühl, in einem Sechs-Sterne-Boutiquehotel angekommen zu sein, ein Gefühl, dass hier jedes Detail stimmt. Tatsächlich bietet kein einziges anderes Kreuzfahrtschiff so viel Platz wie die Europa 2 – sowohl in den öffentlichen Bereichen als auch bei der Unterbringung. Es gibt keine einzige schlechte Kabine! Sondern nur Suiten, von denen die kleinste 28 m2 misst – doppelt so viel wie die billigsten Innenkabinen auf Megalinern. Jede einzelne Suite, egal in welcher der sieben Kategorien, verfügt über eine Veranda. Und man muss keine Owner­suite (so heißen die teuersten Quadratmeter auf jedem Schiff) buchen, um fabelhaften Luxus zu erleben. In den 16 Spa-Suiten etwa, die in „Ocean-Suiten“ umbenannt wurden, warten Whirlpool, Regendusche, private Dampfsauna und großartige 42 m2 Wohnfläche. Tageslicht durchflutet das Schiff, und die Lobby ist nicht eine Kitschorgie wie anderswo, sondern ein eleganter, minimalistisch gestalteter, cooler Ort mit einer Bar und einem Steinway-Flügel. Eigentlich war schon die Idee für dieses Schiff unmöglich. Die Hamburger Reederei, deren Frachtschiffsparte über 150 Containerschiffe zählt, bietet seit 1999 ihr einziges Kreuzfahrtschiff, die MS Europa, an, das unter Kritikern bislang als bestes weltweit galt. Seit dem Vorjahr gibt es nun also noch ein zweites Flaggschiff mit einer simplen, aber kühnen Idee: legerer Luxus, Kaviar statt Kapitänsdinner, Caipirinha statt Krawatte, kürzere Reisen statt kein Ende in Sicht. Alles für ein jüngeres Publikum, das gut verdient, vielleicht auch vermögend ist, aber eigentlich keine Zeit hat, weil man noch heftig und erfolgreich im Beruf steht statt in der Rente. Stichwort Großzügigkeit: Viele Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende kostenoptimierte Maschinen, die mit niedrigen Preisen locken, aber dafür ein Gefühl der Knausrigkeit an allen Ecken und Enden vermitteln. Nicht so auf der Europa 2. Kaviar? So viel Sie möchten! Aufpreis in den sieben Spezialitätenrestaurants (besonders schön übrigens Tarragon, die französische Abteilung)? Keinesfalls! Frische Blumen überall? Selbstverständlich. Die Minibar? Natürlich gratis. Ein Butler? Aber ja! Es sind viele Kleinigkeiten, die etwas perfekt machen.

O

Zum Beispiel die Ruhe: Dank modernster Antriebs- und Stabilisatorentechnik sind praktisch keine Vibrationen und Motorengeräusche zu vernehmen. Zum Beispiel lange Liegezeiten in den Häfen: 12 Zodiacs, flinke Beiboote, mit denen die Passagiere ohne Stress an schönen Plätzen angelandet werden können, wie etwa auf der Belle-Île vor den Küsten der Bretagne oder auf der winzigen, autolosen Kanalinsel Sark. Oder die Raumhöhe: 3,50 m in allen Suiten. Dann das Service: deutschsprachig und extrem freundlich im gesamten Restaurantbereich. Weiters die Möglichkeit, im Freien mit Blick auf den Ozean zu frühstücken, zu lunchen oder zu dinieren: ein Genuss auf dem Außendeck des Yachtclubs. Und überhaupt: kein Stress mit Essenszeiten oder Sitzplatzierungen. Angenehm auch: saubere Böden in den Suiten, auf denen man, ohne sich zu ekeln, barfuß gehen kann. Und so weiter und so fort. Warum übrigens der Restaurant- und Hotelbereich der Europa 2 so gut läuft, hat natürlich einen simplen Grund: Chef ist ein Österreicher, der Steirer Johann Schrempf. Der Wellnessbereich ist 1.000 m2 groß, mehr gibt es auf einem Schiff dieser Größe nicht. Der Meerwasserpool ist 15 m lang und wird bei schlechtem Wetter von einem ausfahrbaren Glashimmel überdeckt. Acht helle, freundliche Behandlungsräume gibt es da; man kann von der Dampfsauna aus aufs Meer blicken und als Ruhezone ein eigenes Außendeck mit Whirlpool genießen. Und wieder das Gefühl der Großzügigkeit: „Bei großen Schiffen muss man halt immer auf die Uhr schauen“, sagt Johanna Peters, die Spa-Managerin. „Hier hingegen haben wir die Zeit, uns wirklich um den Gast zu kümmern.“ (Foto siehe vorige Seite.) Außenwhirlpool, Innenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten www.hl-kreuzfahrten.de 10014

Premium|1.300 Passagiere

17

MS Riviera

Amerikanische Schönheit aus italienischer Werft

Dieses erst zwei Jahre alte Schiff bietet anspruchsvolleren Kreuzfahrern, die Wert auf Geräumigkeit, Design, gutes Essen und ebensolches Service legen, aber keine Luxustarife bezahlen wollen, Value for Money. Das beginnt bei den Kabinengrößen – schon die Standard-Außenkabine misst 26 m2 – und endet bei vielen Details: Die Bibliothek zählt 2.000 Bücher, und man kann dort feinen italienischen Illy-Kaffee beim Ober bestellen. An Bord der MS Riviera, des Flaggschiffs der kleinen Premium-Reederei Oceania Cruises, findet man RalphLauren-Interieurs, Versace-Geschirr und echte Picassos und Mirós an den Wänden öffentlicher Bereiche. Der Stiegenaufgang im Atrium ist mit mehr als zwei Tonnen


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

W

Lalique-Kristallen bestückt. Lalique, nur zur Erinnerung, ist die französische Glasmanufaktur, die schon vor 100 Jahren den Orient-Express ausgestattet hat. Man kann in neun unterschiedlichen Restaurants und Cafés speisen, die Qualität ist überdurchschnittlich gut, egal ob es in asiatische, italienische oder französische Gefilde geht. Das liegt auch an den Ingredienzien: Die Steaks etwa stammen von eigenen Farmen der Reederei. Das Mehl kommt, ebenso wie die Butter, aus Frankreich. Die Kundschaft der Riviera ist fordernd, aber nicht knausrig. Sehr beliebt ist etwa Food and Wine­pairing im Restaurant La Réserve, wo siebengängige Menüs mit Weinbegleitung gegen 100 Dollar Aufpreis serviert werden. Wer möchte, darf übrigens auch selber in die Küche: In der bordeigenen Kochschule gibt es Kurse zu Gerichten der gerade angesteuerten Destinationen (69 Dollar pro Kocheinheit). Service wird auf der MS Riviera tatsächlich großgeschrieben, sogar im Buffetrestaurant, wo man auf Wunsch seinen Teller befüllt und serviert bekommt. Das Gäste-Mitarbeiter-Verhältnis ist angenehm: 800 Crewmitglieder kümmern sich um maximal 1.258 Passagiere. Selbstverständlich gibt es auch ein Spa, das hier Canyon Ranch Spa Club heißt. Insgesamt wird also viel geboten bei einem Preisniveau, das unter dem der Luxusklasse liegt. Der Schein trügt freilich ein wenig, denn bei Trinkgeldern wird – typisch amerikanisch – ordentlich abgeräumt. Im Spa werden automatisch 18 Prozent „Gratuities“ aufgeschlagen, in der Bar 15 Prozent. Die großzügigen Kabinen, von denen fast alle über einen Teakholzbalkon verfügen, sind fein, benötigen aber viel von der Schiffsfläche, weshalb die Außendecks ziemlich klein anmuten. Auch über ein großes Spielkasino wird nicht jeder europäische Premiumgast frohlocken. Doch in Summe verspricht dieses in der italienischen Fincantieri-Werft bei Venedig gebaute und von norwegischen Innenarchitekten verfeinerte US-Schiff sehr angenehme Kreuzfahrten auf hohem Niveau. Für Kinder nicht geeignet. Thalasso-Pool, Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessraum, Jogging-Parcours. • Reederei: Oceania Cruises www.oceaniakreuzfahrten.com 10015

Budget, 4.350 Passagiere

16

MSC Preziosa

Die Riesin mit der längsten Wasserrutsche

Das Flaggschiff der MSC-Flotte ist 333 m lang, wiegt 140.000 Tonnen, kostete mehr als eine halbe Milliarde Euro und bietet fast 6.000 Personen (inklusive Crew) Platz. Auf ihrem Oberdeck findet sich ein ganzer Wasserpark für Kids, Teens und aktive Erwachsene namens „Doremi Castle“. Die Hauptattraktion dort ist

die längste und wildeste Rutsche auf hoher See: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Badehosengleiter auf der 120 m langen Strecke in die Tiefe beträgt sechs Meter pro Sekunde. Und haben wir schon die große italienische Piazza erwähnt, echt steingepflastert, auf der man flanieren kann? Die MSC Preziosa ist nicht nur ein europäisches Schiff für Familien, sie ist auch ein deutlich italienisches Schiff. Das hängt übrigens mit dem Arabischen Frühling zusammen. Denn ursprünglich bestellt hat die Riesin ein gewisser Hannibal Muammar Gaddafi, der fünfte Sohn des gefallenen libyschen Diktators Muammar Gaddafi. Die staatliche libysche Reederei wollte damit ins Geschäft einsteigen. Es kam anders und die italienische Reederei MSC (Mediterranean Shipping Company) kaufte den halbfertigen Megaliner. Die MSC-Reederei wurde übrigens von einem ehemaligen Kapitän gegründet, zu ihr gehörte auch die berühmte Achille Lauro, das einzige große Kreuzfahrtschiff, das jemals entführt wurde (1985). Das 2013 vom Stapel gelaufene neue Megaschiff der MSC-Flotte ist ein Familiendampfer mit einem Füllhorn an Wunderdingen, wie einer Treppe aus SwarovskiSteinen, einem magischen, unendlich scheinenden Pool oder der Galaxy-Lounge, einem Disco-Restaurant mit Panoramablick, wo man zum Beispiel bei Musik brunchen und abends nach dem Essen die Nacht durchtanzen kann. Alle 18 Decks sind übrigens nach Edelsteinen benannt. Wer gerne gut italienisch isst, findet ausgerechnet auf diesem schwimmenden Rummelplatz das erste Slow-Food-Restaurant auf hoher See: Eataly, hier kann man in einer ruhigen Atmosphäre aus 18 italienischen Gerichten wählen, aber auch Produkte kaufen sowie erlernen, was italienische Küche ausmacht. Kein Zufall auch, dass das aufpreispflichtige Top-Restaurant des Schiffes Ristorante Italia heißt. Es hat nur 24 Plätze und verwendet erstklassige Produkte kleiner Hersteller, die aus der Liste der italienischen Slow Food Foundation stammen. Auch das 1.700 m2 große balinesische Spa wirkt gelungen: sehr stylish mit vielen Blautönen, sehr angenehm. Dem schwierigen Spagat zwischen Remmidemmi für Jüngere auf der einen Seite und den Wünschen eines ruhebewussteren und auch anspruchsvolleren Publikums auf der anderen Seite versucht die Reederei mit der Einführung einer Art „Business-Class“ zu begegnen, die es übrigens auch auf der Fantasia gibt. Die Oberklasse nennt sich MSC Yacht Club und besteht aus 70 relativ kleinen Suiten auf Deck 15 und 16. Die Suite mit der Nummer 16007 ist übrigens nach Sophia Loren benannt, die bislang alle MSC-Schiffe taufte. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Stills der italienischen

255

S


256

Norwegian Breakaway

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

Kultmimin, in den Suiten findet man Nachbauten ihres Schminktisches. Der Club ist „ein Schiff auf dem Schiff“, mit Butler-Service, einer eigenen ConciergeRezeption, mit einem reservierten Bereich beim Schwimmbecken und einem Gourmetrestaurant nur für Yacht-Club-Gäste. Unser Resümee: ein gelungenes Megaschiff für Familien. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: MSC Crociere www.msc-kreuzfahrten.de 10016

Premium|2.700 Passagiere

15

Nieuw Amsterdam

Für Familienurlaub unter Amerikanern

N

Sie ist auf dem deutschsprachigen Markt noch immer ein Geheimtipp, obwohl sie den Sommer über das Mittelmeer durchkreuzt (im Winter die Karibik). Dabei ist sie mit ihrem eleganten, dunkelblauen Rumpf unter den Schiffen ihrer Größe eine echte Schönheit, die an alte Ozeanklassiker erinnert. Sie wiegt 86.000 Tonnen, kostete 400 Millionen US-Dollar, ist aber eine Italienerin: Im Juli 2010 lief sie von der Fincantieri-Werft in Marghera bei Venedig vom Stapel: die Nieuw Amsterdam (der frühere Name von New York). Die Holland America Line war einmal eine niederländische Reederei, die sich mehr als 100 Jahre lang dem

O

transatlantischen Personenverkehr widmete. Heute ist sie die Premiummarke des US-Konzerns Carnival. Die Nieuw Amsterdam ist schon das vierte Schiff mit diesem Namen. Das erste lief 1906 vom Stapel und war schon mit Dampfmaschinen, aber zugleich noch vollständig mit Segeln ausgerüstet, da man nicht sicher war, ob man sich auf Maschinen auch verlassen konnte. Die zweite Nieuw Amsterdam beförderte ab 1938, also während des Zweiten Weltkriegs, über 400.000 Menschen übers Meer, darunter viele Soldaten, aber auch Stars wie Katharine Hepburn oder Rita Hayworth. Die moderne Version setzt, jedenfalls in den öffentlichen Bereichen, auf viel Platz und Geräumigkeit. Trotz der mehr als 3.500 Menschen an Bord (inklusive Crew) tritt man sich nicht auf die Füße – im Gegensatz zu anderen Großschiffen, deren Aufbauten oft an sozialen Wohnbau erinnern. Man kann auf großzügigen Außendecks flanieren, es gibt einen Promenadenweg mit echtem Teakboden rund ums Schiff, und am Lido-Pool werden 14 sogenannte Cabanas vermietet, schattige Hütten, die inklusive Champagner, Mineralwasser und geladenen iPods (ab 30 Dollar Aufpreis) buchbar sind. Zum Schwimmen stehen drei Pools zur Verfügung, darunter einer, der bei schlechtem Wetter überdacht werden kann. Dazu kommen fünf Whirlpools und eine große Wellnesszone direkt über der Kapitänsbrücke. Sie erstreckt sich über zwei Decks, verfügt über 11 Be-


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe handlungsräume, einen Hydrothermalpool, ein Lakonium, einen Hamam und eine Kamillen-Dampfsauna. Das großzügige Fitnessstudio wartet mit Riesenfenstern nach drei Seiten auf, wobei man in Kursrichtung blickt. Ein beliebter Treffpunkt ist das Exploration-Café, ein Mittelding aus Bibliothek und einem von der New York Times gesponserten Internet-Café. Die Nieuw Amsterdam will ein Schiff für Familien sein, auf dem sich auch Kinder wohlfühlen, setzt aber dennoch auf eine gewisse Bewahrung alter Kreuzfahrttraditionen und ist mit Sicherheit kein „Fun & Action“Dampfer. Der Komfortstandard ist in der oberen Mittelklasse angesiedelt und vergleichbar mit Linern der Celebrity oder Princess Cruises. Die Innenkabinen sind recht eng (ab 13 m2), wir raten zu Kategorien ab Balkonkabine (24 m2) sowie zu Englischkenntnissen. Im Schnitt spricht nur ein Zehntel der Passagiere Deutsch. Außenwhirlpool, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Holland America Line www.hollandamerica.com 10017

Budget|4.000 Passagiere

257

W

13

Norwegian Breakaway

Freestyle Cruising mit Action und Salzgrotte

Dieses Schiff polarisiert: Die einen werden es sensationell und unglaublich cool finden, andere werden es einfach nur hassen. Die Norwegian Breakaway ist das jüngste Baby der aus 11 Schiffen bestehenden Flotte der Norwegian Cruise Line und zugleich deren Flaggschiff. Es fasst 3.998 Passagiere und mehr als 1.000 Besatzungsmitglieder, ist sehr amerikanisch, sehr bombastisch, voller Unterhaltungsmöglichkeiten (allein 29 Restaurants, fünf Riesenrutschen, ein Spa auf 2.136 m2) und sehr unecht. Das beginnt schon mit dem Namen, denn mit Norwegen hat dieses Schiff rein gar nichts zu tun. Die Reederei hat ihren Sitz keineswegs in nordischen Gefilden, sondern in Miami und gehört mehrheitlich HongkongChinesen. Der Name „Norwegian Breakaway“ wurde von den Lesern der US-Boulevardzeitung USA Today gewählt, nachdem 230.000 Vorschläge eingegangen waren. Das 2013 in Dienst gestellte Schiff stammt wiederum weder aus den USA noch aus Norwegen oder Hongkong, sondern wurde solide in der Meyer-Werft im Emsland gebaut, es war damals das größte je in Deutschland gefertigte Schiff. Alles ist perfekt organisiert wie in Disneyland, versprochen wird „Freestyle Cruising“ ohne lästige Zwänge wie Dresscode oder fixe Essenszeiten. Und wirklich: Man kann jeden Tag unter unzähligen Restaurants wählen. Theoretisch jedenfalls. In der Wirklichkeit geht ohne elektronische Reservierung gar nichts, und die sollte man für die beliebtesten Restaurants schon lange vor

der Abfahrt erledigen. Man kann natürlich auch an Bord noch reservieren, über Touchscreen-Bildschirme – so im gewünschten Restaurant noch etwas frei ist. Aber: Wer hat dafür Zeit bei so viel Action? Es warten allein fünf riesige Wasserrutschen, darunter Freefallund Twisterrutschen, ein Hochseilgarten und anderer Nervenkitzel. Zum Beispiel die kühne Plattform „The Plank“, die 2,5 m über die Bordwand hinausragt. Und dann das Abendprogramm: Pop- und Rockkonzerte, Broadway-Shows sowie Akrobatik- und Zaubervorführungen. Selbstverständlich kann man auch, typisch für amerikanische Schiffe, im bordeigenen riesigen Spielcasino Geld verlieren. Das Spa erstreckt sich über zwei Decks und ist 2.100 m2 groß. Hier findet man die erste Salzgrotte auf einem Kreuzfahrtschiff, ein Fitnessstudio nach New Yorker Standards, 13 warme Liegen mit Blick aufs Meer (bei 4.000 Passagieren) und 22 Behandlungsräume, in denen man unter 50 Treatments wählen kann, darunter auch ein 24-Karat-Gold-Facial, Akupunktur, Zähnebleichen oder die „Fatgirlslim“-Behandlung. Bei so vielen Zerstreuungsmöglichkeiten an Bord werden Kabinen und Routen zweitrangig: Die 2.000 Kabinen sind vergleichsweise klein und niemals ein Grund, dieses Schiff zu buchen, das Reiseprogramm ist mehr als bescheiden: Es gibt nur zwei Ziele, zu denen das Riesenschiff von seinem Heimathafen New York aufbricht. Im Frühling und Sommer geht es immer zu den Bermudas, im Winter in die Karibik. Die Norwegian Breakaway ist eine typische New Yorkerin, was man übrigens schon an der auf dem Vorderbug aufgemalten Freiheitsstatue erkennen kann. Sie ist so wie der Big Apple: ein Schiff, das niemals schläft, ein faszinierender, aber für Europäer durchaus gewöhnungsbedürftiger Ort. Sehenswert für jüngeres Publikum, das Spaß und Action sucht und mit alten Kreuzfahrttraditionen nichts am Hut hat. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Norwegian Cruise Line www.ncl.de 10018

Budget|6.400 Passagiere

14

Oasis of the Seas & Allure of the Seas Das weltgrößte Kreuzfahrtschiff hat einen Park!

Auf alle Fälle ein Schiff zum Staunen. Das beginnt schon bei seiner Entstehung. Ein US-Konzern in Miami mit Namen Royal Caribbean erteilt 2006 einer finnischen Werft in Turku den Auftrag, für 800 Millionen Euro ein Wunderding zu bauen: eine Mischung aus Disneyland und Las Vegas, die schwimmen können muss. Herausgekommen ist die Oasis of the Seas, eine Riesin von unfasslicher Größe – fünfmal größer als die Titanic von ehedem. Für maximal 8.680 Personen (inklusive

S


258

N

Oasis of the Seas

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

Crew), mit mehr als 200.000 Tonnen Gewicht. Ein paar Jahre später folgte ein fast baugleicher Klon, die Allure of the Seas, das bislang größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Sie ist zwar nur um fünf Zentimeter länger, aber noch dichter bebaut als ihre Schwester. Die Oasis of the Seas, die uns besser gefällt, ist ein faszinierendes Schiff voller Superlative geworden, das die meisten seiner eher jüngeren Gäste – Kinder, Jugendliche, Familien – begeistert. Es ist in vielerlei Hinsicht ein unmögliches Kreuzfahrtschiff – oder kennen Sie eines mit einer Starbucks-Filiale? Oder mit einem echten, 100 m langen Park, in dem 27 echte Bäume und 12.000 Pflanzen wachsen? Er nennt sich, wie könnte es auf einem US-amerikanischen Schiff anders sein, Central Park. Der Unterhaltung sind keine Grenzen gesetzt: Es gibt zwei Surfsimulatoren mit der perfekten Welle, eine Eislaufbahn, eine Kletterwand, das erste Open-Air-Amphitheater auf See mit 750 Plätzen, und zwar zusätzlich zum Haupttheater mit 1.380 Plätzen. Man findet ein echtes Karussell, nicht weniger als 24 Restaurants und natürlich auch ein riesiges Spa- und Fitnesscenter mit 158 Trainingsgeräten. Die Gäste können, so sie Platz finden, in vier Pools und in 10 Whirlpools planschen, wobei zwei sogar schwindelerregend über die Bordwand ragen. Wie in Disneyland werden richtige Paraden geboten, und wie in Las Vegas gibt es ein Spielcasino: Auf

O

1.700 m2 stehen 464 Spielautomaten und 27 Spieltische. Und es werden große professionelle Shows gezeigt wie zum Beispiel das Musical Cats. Aber natürlich dreht sich auch alles um das Moneymaking – gratis gibt es nichts, schließlich heißt es ja: There is no such thing as a free lunch: Wer länger als 10 Minuten in einer Sauna sitzt, muss extra zahlen. Wer eine Show sehen will, hat entweder schon lange vor Antritt der Reise online gebucht oder muss sich in langen Schlangen für eine Reservierung anstellen. Das gilt auch für die Restaurants, von denen 10 nur gegen Aufpreis ihre Tore öffnen. Gutes Service darf man erst ab der Suiten-Kategorie erwarten. Es gibt übrigens für die 2.700 Kabinen 37 unterschiedliche Preiskategorien. In den fast 400 Innenkabinen muss man mit beängstigend wenig Platz auskommen (14 m2), andererseits: Auf diesem Schiff gibt es Rambazamba rund um die Uhr und bis zum Abwinken, zum Ausschlafen reicht auch eine kleine Kabine. Unser Fazit: Absolut nichts für Ruhesuchende. Ein Schiff für Familien und jüngeres Publikum, das die Vielfalt der gebotenen Attraktionen einfach großartig finden wird. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Royal Caribbean Lines www.royalcaribbean.de


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

W

10019

Premium|2.200 Passagiere

17

Queen Elizabeth

Very british: junge Königin mit altem Klassenbewusstsein

Der Rumpf mitternachtsblau, die Aufbauten schneeweiß, die Schornsteine rot: So sehen Cunard-Schiffe aus, seit der britisch-kanadische Kaufmann Samuel Cunard 1839 von der Britischen Admiralität den Auftrag zur regelmäßigen transatlantischen Postbeförderung erhielt und sein erstes Schiff, die Britannia, von Liverpool nach Boston ablegte. Cunard gibt es allen wirtschaftlichen Stürmen zum Trotz immer noch, wenngleich die Reederei jetzt dem US-Konzern Carnival gehört. Die jüngste der drei Cunard-Queens ist die 2010 vom Stapel gelaufene Queen Elizabeth, die natürlich standesgemäß von der englischen Königin getauft wurde. Sie ist für 2.172 Passagiere ausgelegt – bei rund 1.000 Crewmitgliedern –, gibt sich traditionell und sehr britisch. Man legt Wert auf formelle Abendkleidung und pflegt den Afternoon-Tea, der stets mit weißen Handschuhen serviert wird. Überall an Bord stößt man auf Art-déco-Design, das an zwei Königinnen aus jener Vergangenheit erinnern soll, als Britannien noch die Meere regierte: die in den 1930er Jahren gebauten Schiffe Queen Elizabeth und Queen Mary. Bei so viel Britishness überrascht es auch nicht, dass es an Bord einen Ableger des Londoner Nobelkaufhauses Fortnum

& Mason gibt und dass man in der Royal Arcade auf bekannte britische Marken wie Hackett, Penhaligon’s und Aspinal stößt. Die Bibliothek mit 6.000 Büchern und einem eigenen Bibliothekar ist eine der schönsten, die man auf den Weltmeeren finden kann; ein eigener Buchladen lädt ebenfalls zum Stöbern ein. Gemeinsam mit Experten der Royal Astronomical Society kann man sich mit einem Teleskop die Sterne vom Himmel holen oder sich im Classic Film Club große Werke der Filmgeschichte auf Kinoleinwand ansehen. Was die Kabinen betrifft, so sind jedenfalls die billigeren relativ klein und ohne jegliche Premiumanmutung, einfache Außenkabinen messen nur 17 bis 19 m2. Es gibt 31 verschiedene Preisstufen für Kabinen und Suiten, aber wie auf allen Cunard-Schiffen herrscht ein klares Zwei-Klassen-System: die feine Grill-Klasse und die billigere Britannia-Klasse. Auf Klassenunterschiede wird auf einem britischen Schiff Wert gelegt: Die Masse der Passagiere speist im Britannia-Restaurant, das sich achtern liegend über zwei Decks erstreckt, die feineren Herrschaften haben den Queens und den Princess Grill. Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Restaurants und Cafés, darunter witzigerweise auch eine Kärntner Konditorei, das Café Carinthia, und ein französisches À-la-carte-Restaurant namens Verandah (Aufpreis 20 Dollar für das Mittagessen, 35 für ein

Queen Elizabeth

259

S


260

Queen Mary 2

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

dreigängiges Dinner). Das Britische endet beim Geld: Bordwährung sind US-Dollar. So will es der amerikanische Eigentümer. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio. • Reederei: Cunard Line www.cunard.de 10020

Budget bis Luxus|3.100 Passagiere

17

Queen Mary 2

Die Einzigartige steht auf strenge Klassentrennung

N

Sie ist die Letzte ihrer Art und eines der großartigsten Schiffe, das je gebaut wurde. Während der Sommermonate fährt sie – als einziger Transatlantik-Liner noch im Liniendienst – Woche für Woche von Southampton nach New York. Die QM2, wie sie von Fans liebevoll genannt wird, ist das viertlängste Personenschiff der Welt, zu breit für den Panamakanal. Sie hat aber nur etwa halb so viele Kabinen wie schwimmende Massenquartiere à la Oasis of the Seas, und sie verströmt Grandezza und Großzügigkeit. Hier findet man 4 m breite Gänge und fabelhafte Raumhöhen: Zwei Decks von ihr entsprechen drei Decks heute üblicher Kreuzfahrtschiffe. Dieser ganz besondere Oceanliner gehört der traditionsreichen britischen Reederei Cunard, die demnächst 175 Jahre alt wird und ihren Sitz nach wie vor in der Beatles-Stadt Liverpool hat. Nichtsdesto-

O

trotz ist auch Cunard inzwischen die Tochter des USKonzerns Carnival, der mehr als 100 Kreuzfahrtschiffe betreibt. Technisch brilliert der 2004 vom Stapel gelaufene Ozeanriese mit Superlativen. Jeder einzelne der vier Dieselmotoren wiegt 270 Tonnen – mehr als ein leerer Jumbo-Jet! So viel Kraft bedeutet, dass die QM2 sogar rückwärts schneller fahren kann als die meisten Konkurrenten vorwärts, gleichzeitig aber auch Souveränität selbst in den stärksten Stürmen. Zudem eine gewisse Ruhe, läuft sie doch extrem leise, Vibrationen spürt man kaum. Die QM2 ist aber vor allem sehr, sehr britisch. Das beginnt schon bei den Namen. So sind etwa die vier Tender-Stationen nach Londoner Nobelbezirken (Belgravia, Chelsea, Kensington und Knightsbridge) benannt. Selbstverständlich gibt es Afternoon-Tea, zu dem Kellner mit weißen Handschuhen Scones und Sandwiches servieren. Service ist auf dem ganzen Schiff wichtig: Eine 1.250-köpfige Crew betreut maximal 3.090 Passagiere. Und es wäre kein britisches Schiff, besäße es nicht einen richtigen Ballsaal, sogar eine der größten Tanzflächen auf See, mit glitzernden Kristalllustern und Gentleman-Hosts, die alleinreisenden Damen den Kavalier machen. Die Bibliothek ist ein wunderbarer Ort mit mehr als 8.000 Büchern in mehreren Sprachen und richtigen


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe Bibliothekaren. Im Royal Court Theatre kann man übrigens nicht nur erstklassige Unterhaltungsshows sehen, sondern regelmäßig auch Shakespeare-Aufführungen. Auf Deck 7 findet man einen schönen Wintergarten im Kolonialstil, eine Oase der Ruhe und Muße. Und man kann sogar nach den Sternen greifen. Dafür sorgt ein riesiges Planetarium mit 150 Sitzen. Very british bedeutet aber auch: An Bord herrscht eine strenge Klassengesellschaft. Zwar gibt es von der billigsten Innenkabine bis zur Ownersuite 25 Preisstufen, aber entscheidend ist, ob man in der luxuriösen Grill-Klasse (Queens Grill, Princess Grill) residiert oder in der einfachen Britannia-Klasse. Davon hängt auch ab, in welchen der 10 Restaurants man essen darf. Und sogar, welches Frühstück man bekommt. Das Spa erstreckt sich auf 1.850 m2 über zwei Decks, der Eintritt (ohne Treatment) ist gebührenpflichtig. Die outgesourcte Fitness- und Wellnesszone nennt sich ein wenig unpassend Canyon Ranch Spa Club und beschäftigt immerhin 50 Mitarbeiter. Unser Resümee: Die Queen Mary 2 ist ein einzigartiges Schiff und ideal für alle, die traditionelle Kreuzfahrten und die britische Lebensart lieben. Sie sprengt zudem auch ein wenig unser Bewertungssystem, denn in der Britannia-Klasse ist sie ein normales Budgetschiff, in der Grill-Klasse steigt sie je nach Preisstufe von der Premium- bis zur echten Luxusklasse auf. Daher sollte, wer ihren Zauber voll erleben möchte, unbedingt die feine Grill-Klasse buchen. Ein Tipp für Nostalgiker: Am 4. Juli 2015 wird die Queen Mary 2 die Originalroute der Britannia befahren, des ersten Schiffs der Reederei, das dann vor exakt 175 Jahren zum ersten Mal von Liverpool nach Amerika fuhr. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Cunard Line www.queen-mary-2.de 10021

Budget|3.600 Passagiere

261

W

15

Royal Princess

Ohne Prinzessinen-Flair: Amerikas Love-Boat

Das jüngste Kind der US-Reederei Princess ist ein hochseetaugliches Hotel, das Familien einen leistbaren Kreuzfahrturlaub mit viel Unterhaltung ermöglicht. Inklusive der Besatzung sind nahezu 6.000 Personen an Bord dieses Ozeanriesen. Das hat Vor- und Nachteile und ist natürlich auch eine Geschmacksfrage. Nehmen wir das Theater: Während auf kleinen Schiffen mitunter nur eine Handvoll Künstler und Artisten auftreten, gibt es hier richtig große Shows für 1.000 Zuschauer und auch sonst eine Menge Attraktionen wie zum Beispiel einen Glasboden-Steg, der 8,5 m über den Bordrand hinausragt – in schwindelnder Höhe über dem Meer. Spektakulär auch die

Seaview-Bar, deren gläserner Boden ebenfalls über das Schiff hinausragt. Dafür sucht man ein offenes Deck, von dem aus man nach vorne in Kursrichtung schauen kann, vergeblich. Auf dem Pooldeck gibt es einen großen Springbrunnen, der abends beleuchtet wird. Wenn es dunkel geworden ist, kann man ein Kino unter Sternen genießen. Das ist gut, denn die Kabinen sind recht klein, kleiner jedenfalls als bei vergleichbaren Schiffen, die Innenkabinen sind auf 15, die Außenkabinen auf 20 m2 angelegt. Erst mit einer Deluxe-Balkonkabine erhält man etwas mehr, nämlich 26 m2. Aber die Musik spielt eben auf der Royal Princess nicht in der Kabine, sondern in den öffentlichen Bereichen, im Atrium mit seinen Shops oder an den drei Pools und sechs Whirlpools, vielleicht auch im Kinderbereich, vielleicht im eigenen Outdoor-Deckbereich für Teens, vielleicht an einer Bar. Zwei Vorgängerinnen des neuen Schiffs, die Pacific Princess und die Island Princess, waren in den 1970er Jahren Kulisse für das amerikanische „Traumschiff“Vorbild „Love Boat“. Lange warb die Reederei auch mit dem Spruch „It’s more than a cruise, it’s the Love Boat“. Wer Ruhe sucht und vor dem Dauertrubel flüchten will, kann dies tun: in der kostenpflichtigen Wellnessoase. Dort gibt es auch einen Pool nur für Erwachsene und Cabanas, die man gegen 50 Dollar für einen halben Tag mieten kann, in der Luxusversion mit Getränken und Snacks zahlt man 80 Dollar. Man findet an Bord auch ein großes Angebot an Bars, Cafés und Lounges, darunter auch eine Wein- und eine Kaviarbar. In allen Spezialitätenrestaurants zahlt man saftige Aufpreise von 20 bis zu 115 Dollar pro Person (Letzteres im Chef’s Table Lumiere). In der Ocean Terrace bewegen sich Aufpreise von 4,50 für Sushi bis zu 70 Dollar für ein Kaviarhäppchen. Die Royal Princess ist zwar nicht wirklich eine Prinzessin und schon gar keine, die eine geruhsame, entspannte Seereise verspricht: Bei 3.600 Passagieren kann man das auch nicht erwarten. Aber sie ist topmodern (Baujahr 2013) und kann Familien und einem jüngeren Publikum viel Spaß und Unterhaltung bieten, dies zu attraktiven Preisen. Dass dieses Konzept wirkt, beweist die Princess-Flotte, die bereits auf 18 Schiffe angewachsen ist. Außenwhirlpool, Innenwhirlpool, Sauna, Massagen, Kosmetik, Fitnessstudio, Jogging-Parcours. • Reederei: Princess Cruises www.princesscruises.de 10022

Luxus|460 Passagiere

Seabourn Quest, Sojourn & Odyssey

Drei elegante Italo-Amerikanerinnen mit viel Platz

Mit 198 m Länge und acht Decks gehört die in einer

19

S


262

N

Seabourn Quest

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

genuesischen Werft gefertigte Seabourn Quest zu den kleineren Cruisern. Äußerlich empfängt sie mit einer Art von marinisierter Italianità, sie präsentiert sich nicht, wie so oft anderswo, als kastenförmig schwimmende Variation sozialen Wohnbaus, sondern elegant und so richtig „schiffig“, dass schon der Anblick Freude macht. Inwendig herrschen hochwertige Anmutung und edle Interieurs, allerdings eher in einem Stil, über den man im Mittleren Westen der USA frohlockt. Was nicht weiter verwundert, handelt es sich doch um ein amerikanisches Schiff, das auch vorwiegend US-Gäste über die Weltmeere bewegt. Die Suiten sind wunderbar geräumig, haben begehbare Garderoben, Veranden mit feinen Holzdecks, Bäder aus grauem und braunem Marmor (zumeist mit Badewanne, immer mit vielen Amenities) und ein TV-System mit mehr als 700 Spielfilmen (freilich: Hollywood dominiert). Eine freundliche Stewardess kümmert sich um die Sauberkeit und um In-Suite-Dining-Wünsche sowie Getränke rund um die Uhr. Und sie bringt beim Turndown-Service (kleine) Süßigkeiten. Wer nicht in seiner Suite oder auf deren Balkon speisen möchte, kann dies in vier verschiedenen Restaurants tun, eines, The Restaurant, ist elegant, ein anderes, The Colonade, deutlich mehr casual, wobei das Essen auf der herrlichen, achtern liegenden Terrasse stets ein Erlebnis wird. Fein ist die Tischkultur (Silberbe-

O

steck, blitzsaubere Gläser, feine Tischtücher und Stoffservietten, wobei: dass die aus Polyestermischfaser sein müssen! Na ja, Amerika halt). Außerdem: In tropischen Gewässern gibt es regelmäßig auch Steak- und Seafood-Grillpartys am Strand. Angenehm ist hier jedenfalls, dass das Essen serviert wird, wohltuend das All-inclusive-Prinzip, das nur durch Aufpreise auf spezielle Premiumgetränke (besondere Jahrgänge etc.) durchbrochen wird. Die Crewmitglieder kommen aus vielen unterschiedlichen Ländern, sie sind einnehmend freundlich und aufmerksam, nicht selten niveauvoll und erfrischend heiter; die Küche punktet mit „Sehr gut“. Das nicht allzu weitläufige Spa bietet unter anderem Friseur, Personal Trainer sowie auch Yoga und Pilates, im Vorschiff sowie achtern findet man insgesamt drei Außenwhirlpools, die zwei Schwimmbecken haben naturgemäß bescheidene Grundrisse. Zwei Wermutstropfen: Die Klimaanlage lässt sich nicht abschalten, die Internetverbindung ist unwürdig langsam – aber das ist nirgendwo anders besser. Die Seabourn Quest wurde 2011 in Dienst gestellt und ist mit den SeabournSchiffen Sojourn und Odyssey baugleich. Allerdings: Die Tage der drei Schwestern könnten gezählt sein, die Reederei hat bereits die Sirenengesänge der kaufmännischen Vernunft im Ohr. Und will in Zukunft größere Schiffe anbieten. Leider.


die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte. • Reederei: Seabourn Cruise Line de.seabourn.com 10023

Luxus|110 Passagiere

263

W

19

Seadream I & Seadream II

Schwimmen im Meer und täglich Kaviar

Stellen Sie sich vor: Blauer Himmel, ein wunderbarer Tag auf See, das Wasser glitzert verführerisch. Sie möchten gerne schwimmen, aber nicht im gechlorten Pool, sondern im Meer. Unvorstellbar auf einem großen Kreuzfahrtschiff! Dank einer ausklappbaren Heckplattform kein Problem – auf den beiden bau­ gleichen Luxus-Schwesterschiffen Seadream I und II. Hier ist es tatsächlich möglich, wie die Superreichen zu cruisen, wahrscheinlich sogar besser. Um die maximal 112 Passagiere kümmert sich eine 95-köpfige Crew. Die Küche versucht, stets Haubenqualität zu halten. Kaviar (Zucht-Sevruga) steht ebenso wie guter Champagner täglich zur Verfügung, im Preis inkludiert, versteht sich. Individuelle Speisewünsche werden gerne erfüllt, das Service ist vorzüglich. Entspannen kann man am holzgetäfelten Pooldeck (der Pool ist aber winzig) oder auch im kleinen bordeigenen Spa mit drei Behandlungsräumen. Oder man zieht sich in die Bibliothek zurück mit mehr als 1.000 Büchern.

Hat so eine Luxusyacht außer dem Preis auch Nachteile? Doch, schon. Die Kabinen sind im Vergleich zu großen Kreuzfahrtschiffen unwürdig eng (18 m2), im Vergleich zu Privatyachten allerdings eher groß. Es gibt keine Balkone – die würden zu tief am Wasser liegen – und die Schallisolierung der Kabinen ist nicht perfekt, was jedoch durch die durchwegs guten Manieren der Klientel abgefedert wird. Gebaut wurden die beiden Schiffe 2002 in der WärtsiläWerft in Finnland. Als Sea Goddess I und II gingen sie damals für 800 Investoren, die das Projekt finanzierten, an den Start. 2001 wurden die beiden Mega­ yachten an den Seadream Yacht Club verkauft und befördern seither vorwiegend betuchte Amerikaner. Die herrlichen zwei Schiffe sind ideal für anspruchsvolle Menschen, die keine großen Kreuzfahrtschiffe mögen und Fünfsternluxus ohne Animationsrummel erwarten. Ungeeignet für Kinder. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte. • Reederei: Seadream Yacht Club www.seadream.de 10024

Premium bis Luxus|750 Passagiere

18

Seven Seas Voyager

Das feine Ultra-inklusive-Schiff

Jede Reederei sucht sich beim Gästefang ihr Plätz-

Seadream II

S


264

S

die weltbesten kreuzfahrtschiffe

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

O

chen, das heißt ihre jeweilige Zielgruppe, und zwar im weiten Feld zwischen Massen­animationsrambazamba und beschaulich-romantischem Urlaub auf einen Dreimastsegler, von ganz billig bis substanzvoll und ultraluxuriös. Die kleine US-Premiumreederei Regent Seven Seas, die drei Schiffe betreibt und 2008 gemeinsam mit Crystal und Oceania Lines vom Investmentfonds Apollo Global Management um eine Milliarde Dollar gekauft wurde, hat sich auf „Ultra inclusive“ im obersten Bereich der Mittelklasse positioniert. Das Flaggschiff von Regent Seven Seas ist die Voyager: schön, 11 Jahre alt, mit sehr großzügigen Kabinen (Mindestgröße 28 m2), von denen die meisten über einen Balkon verfügen und in denen man hochwertige Amenities von L’Occitane bis zu Hermès (in den höheren Kategorien) findet. Die Voyager hat auch eine angenehme Größe – maximal 752 Gäste werden von rund 450 Crewmitgliedern betreut. Es gibt vier Restaurants (Essenszeiten und Plätze sind frei wählbar), von denen man für die besseren beiden – das Steakrestaurant Prime 7 und den französischen Gourmettempel Signatures – reservieren muss. Der eigentliche Pluspunkt der Voyager ist aber das Ultra-inklusive-Versprechen: Trinkgelder, Gebühren, alle Getränke einschließlich Champagner in unbegrenzter Menge, keine Aufpreise in den Top-Restaurants und selbst beim Rund-um-die-Uhr-Zimmerservice, eine

Seven Seas Voyager

Nacht in einem Luxushotel vor der Abreise gratis, ja und selbst die ansonsten stets teuren Landausflüge sind unbegrenzt im Gesamtpreis inkludiert. In der höheren Concierge-Klasse ist bei vielen Seereisen sogar auch kostenloses Internet (500 min) eingeschlossen, ab der Kategorie Penthouse-Suite gibt es ButlerService. Im Prinzip ist alles, außer Spa-Behandlungen (mit automatisch aufgeschlagenen 18 Prozent Trinkgeld!), Wäsche, Internet und so fort, im Preis eingeschlossen, sehr einnehmend, das. Allerdings, wie immer, wenn alles inklusive ist, leiden freilich sowohl die Produktqualität als auch das Service darunter. Kellner offerieren gelegentlich auch lieber billigen Prosecco als den teureren, aber eigentlich inkludierten Champagner. Aber insgesamt ist’s ein gutes Schiff für Paare, die auf hohem Niveau und mit genau kalkulierbarem Urlaubsbudget verreisen wollen. Für Kinder jedoch ist die Voyager nicht geeignet. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte, Jogging-Parcours. • Reederei: Regent Seven Seas Cruises de.rssc.com 10025

Luxus|600 Passagiere

19

Silver Spirit

Fast wie ein Rolls Royce, aber mit Butler-Service

Wünschen Sie heute Ihren Afternoon-Tea in der Kabi-


kümmern sich um maximal 608 Gäste. Es gibt nur Außensuiten, fast alle haben einen Balkon. Das Spa wurde für ein so kleines Schiff mit 770 m2 relativ groß angelegt und ist eine Oase der Entspannung. Angenehme Ruhe herrscht auch in den Suiten, weil alle öffentlichen Bereiche achtern liegen, während sich die Kabinen im vorderen Teil befinden. Wein wird in Riedel-Gläsern serviert, Cocktails in den Bars, Standardweine und alkoholfreie Getränke im Hauptrestaurant sind kostenlos. Nur für den Besuch der beiden Oberliga-Restaurants an Bord wird ein Aufpreis verlangt: im asiatischen Restaurant Seishin und im Le Champagne, das unter anderem ein sechsgängiges Degustationsmenü offeriert. Die Außendecks sind wegen der großzügigen Kabinen (Minimumgröße: 29 m2) und der Balkone nicht allzu groß; es gibt auch keinen Rundweg ums Schiff und keine schattigen Plätzchen am Pool. Die Butler sind meist sehr bemüht, aber bisweilen ein wenig überfordert, weil jeder von ihnen 15 Kabinen betreuen muss. Unterm Strich ist die Silver Spirit dennoch höchst angenehm: ideal für Anspruchsvolle, die ohne Kinder verreisen. Außenwhirlpool, Sauna, Dampfbad, Massagen, Kosmetik, Fitnessgeräte. • Reederei: Silversea Cruises www.silversea.de 10026

N

ne? Ein Gläschen vom besten Roten auf dem Balkon? Kein Problem. Ihr Butler kümmert sich darum, gerne auch mit einer Flasche alten Portweines oder mit Champagner, alles ohne Aufpreis, versteht sich. Reiseveranstalter nennen so etwas häufig „Ultra inclusive“. Genau dieses Konzept ist das Erfolgsrezept einer italienischen Reederei namens Silversea, die auf ihren Schiffen den All-inclusive-Gedanken in das Luxussegment verfrachtet hat. Aber vielleicht sollten wir noch ganz kurz die erstaunliche Geschichte dieser Reederei erzählen. Sie beginnt mit einem gewissen Antonio Lefebvre d’Ovidio, einem jungen Professor für Seerecht in Rom mit einem Namen wie aus einem Roman, der eines Tages mit sehr viel Fremdkapital den Sprung ins Unternehmertum wagt und einen Frachtkahn erwirbt. Er wird ein steinreicher Reeder werden, mit 98 sterben und die Firma seinem Sohn Manfredi überlassen, der sie heute als Luxuskreuzfahrtflotte führt. Eine Reederei, die noch keinem großen Konzern gehört, sondern sich nach wie vor in Familienhand befindet, ist heute eine Rarität. Vielleicht liegt darin auch der Erfolg der Silversea-Flotte, zu der mittlerweile bereits acht Schiffe zählen. Die Silver Spirit, benannt nach der legendären RollsRoyce-Limousine, ist ihr Flaggschiff. Sie ist ein kleines, feines schwimmendes Luxushotel. 376 Crewmitglieder

265

O

Silver Spirit

www.relax-guide.com/special-kreuzfahrtschiffe

Rg extra 2015  
Rg extra 2015