Dorf-Blitz
12/2011
Alltag im Dorf
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Bassersdorfer Ehepaar über Stock und Stein unterwegs
In drei Etappen vom Atlantik bis ans Mittelmeer Den Start im französischen Hendaye über das spanische San Sebastian nahmen Ursula Kümmerli und Roger Hardmeier im August 2007 unter die Füsse. Die mittlere Etappe, zwei Jahre später, nahm ihren Anfang in Gaverine, dem Schluss der ersten Etappe. Den Abschluss vom katalonischen La Seu Urgell nach Banyles sur Mer machten sie dieses Jahr zwischen Mitte August bis Mitte September.
lich gewesen, sich in einer derartigen Konstellation gemeinsam friedlich an einem Tisch zu unterhalten.
von Susanne Beck Mit etwa 18 Jahren trat Roger Hardmeier den Naturfreunden der Sektion Kloten bei. Und dort begegnete das Paar sich zum ersten Mal. Als Skitourenleiter für Anfänger und Wiedereinsteiger durfte er die gleichaltrige attraktive Akupressur-Therapeutin Ursula Kümmerli näher kennenlernen. Die Liebe für die Bergwelt hat die beiden ganz einfach zueinander finden lassen. Die Pyrenäen, welche Frankreich und Spanien auf so bemerkenswerte Weise trennen, haben den 59-Jährigen schon seit seiner Schulzeit fasziniert. Nun galt es, eine Verbindung aus drei Durchgangsrouten zu planen. Die bekannteste und etwas bequemere ist die Grand Randonnes GR10, die auf der französischen Seite der Pyrenäen verläuft. Auf der spanischen Seite ist es der GR11 und schliesslich die dritte und anspruchsvollste: Diese führt durch das Hochgebirge über die Gipfel mit sehr vielen Felsen, die zum Teil schwierig zu passieren sind und heisst Haute Route der Pyrenäen.
Wetterfest und leicht Im Vorfeld liefen die Vorbereitungen wohlüberlegt und praktisch. Hardmeier lacht und erinnert sich: «Ursula hat mich angerufen, dass sie sich eine leichte Hose gekauft habe, welche nur wenig mehr als 100 Gramm wiege.» Das Gepäck hatten die beiden genau kalkuliert, so mussten zum Beispiel drei T-Shirts reichen, wie auch drei Garnituren Unterwäsche. Da die Temperaturen in den oberen Regionen der Dreitausender merklich kühler
Die beiden Naturfreunde vor den Wanderkarten, welche ihnen die drei Reisen treue Führer waren. (sb)
sind, musste zwingend auch warme wind- und regenabweisende Kleidung eingepackt werden. Die medizinische Erstversorgung mit Schmerzmitteln wurde für 48 Stunden einberechnet, wobei eine Schiene zur Fixierung eines allfälligen Bruches ebenfalls Platz im Gepäck fand. Kümmerli als gelernte Arztgehilfin konnte ihr Wissen dazu gut einbringen. Hardmeier, als Leiter der Verkehrszentrale der Kantonspolizei Zürich, kümmerte sich mehrheitlich um das Kartenwerk, das ihnen die Suche für die ausgesuchten Routen erleichtern sollte.
Steinig und moosig 27 Gipfel hat das Paar zusammen auf den drei Etappen erklommen. Einzigartig war im Ordesa-Nationalpark der spanischen «Grand Canyon». Der Taillon, ein Gipfel des berühmten Cirque de Gavarine, war mit 3144 Metern das höchste Ziel, das Kümmerli und Hardmeier bestiegen. Bergseen, die an Klarheit nicht zu übertreffen waren, zogen sie magisch an. Das Wasser jeder Quelle, jedes Baches und jedes Sees schmeckte den beiden unterschiedlich. Zu beobachten gab es Gänsegeier, Adler, Pyrenäengämse, Murmeltiere, Eidechsen, Mufflons und viele Schmetterlingsarten. Durch Wälder zu streifen mit Bäumen, die bis zu 200 Jahre alt sind, den dicken moosigen Boden unter den Füssen, sind unvergessliche Erinnerungen für die beiden Bassersdorfer.
Begegnungen Die Übernachtungen waren beinahe so verschieden wie die Gebiete, welche die beiden durchquerten. Die Vielfalt reichte von privaten Unterkünften, sogenannten Chambres d’Hôtes, über kleine Hotels, Pensionen und bewirtschaftete Hütten, Refuges genannt, welche ungefähr einer schweizerischen SAC-Hütte entsprechen. Variantenreich waren auch die Mahlzeiten, welche die beiden zusammen mit fremden Menschen einnehmen konnten. Eines der eindrücklicheren Erlebnisse war ein Abendessen gemeinsam mit einer Russin, einem Israeli, einem Franzosen und einem Deutschen. Noch lange nach dem zweiten Weltkrieg wäre es nicht mög-
In der ersten Etappe waren die beiden Bassersdorfer einmal zwölf Tage hintereinander auf den Wanderpfaden. Das Bibelzitat, dass man am siebten Tag ruhen solle, ist seit damals den beiden zur Regel geworden. Unterwegs waren Begegnungen selten, oft trafen sie während einer Woche auf nur zwei bis drei Wanderer. Insgesamt sind Kümmerli und Hardmeier 79 Tage gewandert und waren täglich sechs bis neun Stunden unterwegs. Als die zwei Wandervögel endlich mal einen kurzen «Vierstünder» einplanten, verliefen sie sich, und so wurde dadurch eben doch wieder zu einem «Siebenstünder». Zu Beginn der Reise gab es in den Unterkünften am Abend oft sehr spärliches Essen. «In diesem Moment verspürte ich so etwas wie Futterneid, ein für mich bis anhin ganz unbekanntes Gefühl», analysiert die Bassersdorferin nachträglich. Die zahlreichen Herausforderungen, die Schärfung aller Sinne, die Ruhe in der prachtvollen Natur mit ihren tollen Eindrücken haben Kümmerli und Hardmeier sehr genossen. Sie planen, voraussichtlich wieder ein neues gemeinsames Projekt zu starten. Unmittelbar jeweils nach der Tour verbrachte das Pärchen jedes Mal ein paar erholsame Tage am Meer, um die Kräfte wieder aufzutanken und ihre Eindrücke austauschen.
Auf dem Taillon konnten Ursula Kümmerli und Roger Hardmeier das tolle Panorama geniessen. (zvg)