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179 Das Standortmagazin der Region Stuttgart Ausgabe 1/ 2011

Evolution Innovative Firmen aus der Region Stuttgart lernen von der Natur

Zur端ck in die elektrische Zukunft Bilderbuchmonster als Oscar-nominierter Filmstar Die dunkle Seite der Informationstechnologie


Mannschaftsspieler

Nasse Füße statt Brandbekämpfung: Dauerregen und heftiges Tauwetter haben Mitte Januar die Neckarzuflüsse Rems und Murr urplötzlich so stark anschwellen lassen, dass viele Orte im Nordosten der Region „Land unter“ meldeten. Backnang war besonders betroffen, die Freiwillige Feuerwehr befreite Anwohner mit Booten aus ihren Häusern der gefluteten Innenstadt. Dank des perfekten Zusammenspiels der rund 550 Helfer von Feuerwehr, Polizei, DRK, THW und anderen Organisationen ist es trotz der gewaltigen Wassermassen weitgehend bei Sachschäden geblieben.


Inhalt

Matthias Hangst

Editorial

willkommen

Die Südwest-Industrie meldet Rekorde: Fast 24 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr, 10.000 neue Beschäftigte, insbesondere der Maschinenbau glänzt mit einem Auftragsplus von 45 Prozent. Die Zahlen sprechen Bände. Mit großem Mut, Selbstbewusstsein und im Vertrauen auf ihr Können haben sich die Firmen unserer Region mitten in der Krise für den Aufschwung gewappnet. Die auftragsarmen Zeiten für Weiterbildung und Innovationen nutzen, Forschung und Entwicklung vorantreiben, das eigene Geschäftsmodell nachjustieren – die im Konjunkturtal ausgebrachte Saat ist aufgegangen, jetzt fährt die Branche die Ernte ein.

Zur Weiterentwicklung ihrer Produkte setzt die Industrie auch auf ein äußerst erfolgreiches Vorbild: die Evolution. Über Jahrmillionen hat die Natur an den besten Lösungen gefeilt. Wer hier genau hinschaut und es versteht, die Sprache der Natur in die der Technik zu übersetzen, gehört zu den Gewinnern. Ob Kofferfisch-Design, Geckofuß-Haftstreifen, Elefantenrüssel-Greifer oder StrelitzienMarkise: Gerade in der Region Stuttgart finden sich viele Firmen, die mit den Bauplänen der Natur regelrechte Geniestreiche vollbringen. Die aus den Ideen der Tierund Pflanzenwelt entwickelte Technik besticht zudem durch Material- und Energieeffizienz und trägt so entscheidend zur Nachhaltigkeit unserer erfolgreichen Wirtschaftsregion bei.

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Neu in der Region Zurück in die elektrische Zukunft

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Branchenfokus UID verwandelt Technikfrust in Techniklust / Bilderbuchmonster als Oscar-nominierter Filmstar / Amann gehört zu den größten Herstellern von Garnen

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Titelthema: Bionik Evolution Innovative Firmen aus der Region Stuttgart lernen von der Natur

Erfolgreiches Vorbild

Ergänzend zu hochentwickelter Technik versprechen dabei produktbegleitende Dienstleistungen ein ertragreiches Zusatzgeschäft. Denn wer Hightech-Maschinen entwickelt, der kann auch hochspezialisierte Technologie-Services bieten. So beginnen immer mehr Unternehmen, neben greifbaren Produkten auch ihr über Jahrzehnte gewachsenes Know-how gewinnbringend zu verkaufen. Sie bieten Entwicklungsdienstleistungen, organisieren effiziente Produktionsabläufe, planen und rüsten ganze Maschinenparks auf und halten sie technisch auf dem neuesten Stand. Unterstützung beim systematischen Aufbau eines solchen Angebots finden sie auch in den Netzwerken der regionalen Wirtschaftsförderung.

Aktuell Neuigkeiten aus der Region Stuttgart / Wussten Sie schon, …?

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Im Gespräch: Eberhard Veit

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Querdenker in der Oase Michael Ohnewald porträtiert Tobias Wallisser und sein „Labor für visionäre Architektur“

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Wissenschaft Rechnen mit Diamanten / Der Stein der Schwaben / Körpereigene Waffe im Kampf gegen Keime

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Innovation Beton aus Bauschutt / Wer hat‘s erfunden?!

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Existenzgründung Aus heiß mach kalt

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Fachkräfte Transparenz, Wertschätzung, Disziplin – und Leidenschaft für Technik / Weltweiter Wissenstransfer per E-Learning

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Freizeit Die singende Stadt / Kalender / Tipps

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Wirtschaftsförderung Region Stuttgart Aktuell Die dunkle Seite der Informationstechnologie / Termine / Meldungen

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Impressum / nächste Ausgabe

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179 Kommunen – ein Standort. Ludwigsburg Rems-Murr Stuttgart

raumzeit3 | Judith Schenten

Böblingen

Esslingen

Göppingen

Dr. Walter Rogg Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS)

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Die Region Stuttgart liegt im Standortwettbewerb der 13 wichtigsten deutschen Wirtschaftszentren auf einem Spitzenplatz. Sie ist der führende Industrie- und Innovationsstandort Deutschlands und lässt bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie bei den Patentanmeldungen die Region München als zweitplatzierte weit hinter sich. Das ergab ein aktueller Metropolenvergleich der IHK Region Stuttgart. „Dass die Region so gut dasteht, ist vor allem dem Engagement, der Kreativität und dem Expansionswillen der Unternehmen und ihren Mitarbeitern zu verdanken“, sagte IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. Auch das zumeist gute Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft sowie Regionalpolitik hätten zu diesem Ergebnis beigetragen. stuttgart.ihk24.de

Stuttgarter Ballettwunder Das Stuttgarter Ballett feiert 50-jähriges Jubiläum. Zwar kann es auf eine Tradition blicken, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die Blütezeit aber begann 1961, als der nur 32-jährige Choreograf John Cranko ans Württembergische Staatstheater berufen wurde. Cranko, der mit Inszenierungen wie „Romeo und Julia“ als Erneuerer des abendfüllenden Handlungsballetts gilt, setzte in Stuttgart eine zweite Kompanie durch, die sich dem reinen Tanzen widmete. Zuvor tanzten Ballettkompanien vor allem in Opern mit. Das erste USA-Gastspiel machte das Stuttgarter Ballett 1969 mit einem Paukenschlag weltbekannt, amerikanische Kritiker prägten angesichts des frischen Auftritts den Begriff des „Stuttgarter Ballettwunders“. Nach dem plötzlichen Tod Crankos 1973 übernahm dessen Schülerin Marcia Haydée die künstlerische Leitung. Seit 1996 ist der Kanadier Reid Anderson Intendant der Kompanie, der er von 1969 an als Tänzer angehörte. Die 1971 gegründete John-Cranko-Schule gilt als eine der weltbesten Nachwuchsschmieden.

Daimler

kompakt

Bester Innovationsstandort

Stuttgarter Ballett

Aktuell

Brennstoffzellen auf großer Tour Zum 125. Geburtstag des Automobils hat die Daimler AG im Januar den Startschuss zur ersten Weltumrundung von in Serie produzierten Brennstoffzellenautos gegeben. Drei Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell sind von Stuttgart aus zu einer 125-tägigen Fahrt über vier Kontinente gestartet. Daimler will damit die Alltagstauglichkeit der Brennstoffzellentechnologie demonstrieren und für ein flächendeckendes Wasserstoff-Tankstellennetz werben. Die Route führt über Paris nach Lissabon, von Miami über Los Angeles nach Vancouver, dann quer durch Australien, von Shanghai nach Moskau und schließlich über Oslo wieder zurück nach Stuttgart, wo die Fahrzeuge Anfang Juni eintreffen sollen. Unterwegs gibt es an verschiedenen Stationen lokale Aktivitäten zur Elektromobilität. fcellworlddrive.posterous.com

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… dass ein Stuttgarter der beste Treppenläufer der Welt ist? Thomas Dold hat Anfang Februar zum sechsten Mal in Folge den Lauf auf das Empire State Building in New York gewonnen. Der 23-Jährige bewältigte die 1.576 Stufen ins 86. Stockwerk des ehrwürdigen Wolkenkratzers in 10 Minuten und 10 Sekunden. Zu Hause verfügt der Extremsportler über Trainingsmöglichkeiten en masse, weist Stuttgart doch den größten Höhenunterschied aller deutschen Großstädte auf. Mit einer Gesamtlänge von mehr als 30 Kilometern „Stäffele“ kann man in der Landeshauptstadt zudem wohl deutschlandweit die meisten Treppen hochsteigen.

Zwölf Häuser der kleinen Forscher Zwölf Kindertagesstätten in der Region Stuttgart sind im Januar als „Haus der kleinen Forscher“ ausgezeichnet worden, darunter der Göppinger Kindergarten „Kleine Berggeister“ und der Kindergarten Linsenhofen in Frickenhausen. Die bundesweit aktive Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ verleiht den Titel an Betreuungseinrichtungen, die sich besonders in der naturwissenschaftlichen Frühbildung engagieren. Bundesweit beteiligen sich über 16.000 Kindertagesstätten an der Initiative. Davon tragen rund 1.000 die Auszeichnungsplakette „Haus der kleinen Forscher“, etwa 30 davon in der Region Stuttgart. haus-der-kleinen-forscher.de

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Windreich

wussten Sie schon,...

Tobias Schiller

staatstheater.stuttgart.de

19 gute Ideen 19 der 365 Preisträger des Bundeswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ kommen in diesem Jahr aus der Region Stuttgart. Die Jury wählte aus 2.600 Bewerbungen unter anderem das patentierte Vogelschutzglas der Glaswerke Arnold aus Remshalden, ein Stipendien- und Mentorenprogramm des Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart e.V. und den Elektromotorsegler „Windreich Arcus E“ (Foto) aus Wolfschlugen aus. Die Preisträger des Wettbewerbs unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten erhalten ihre Auszeichnungen bei individuellen Preisverleihungen ab März. land-der-ideen.de


Neu in der Region

Zurück in die elektrische Zukunft

Fast lautlos und ganz ohne Auspuff surren seit Februar rein elektrisch angetriebene Testautos von Porsche durch die Region. Mit dem ersten von drei „Boxster E“ hat der Zuffenhauser Sportwagenbauer einen großen Praxistest auf den Straßen der Modellregion Elektromobilität zwischen Bönnigheim und Böhmenkirch gestartet. Die Versuchsfahrzeuge demonstrieren, dass Elektromobilität und sportlicher Fahrspaß keine Widersprüche sind. E-Motoren mit fast 250 PS bringen die orangesilbernen Flitzer zügig vom Fleck. Dank des hohen Drehmoments von Elektromotoren fällt der Ampelstart sogar noch sportlicher aus als beim vergleichbaren Benziner. Und wem’s gefällt, der muss auch auf das Porschetypische „Wruuuum“ nicht verzichten: Per Knopfdruck lässt simulierte Sportwagen-Akustik den Adrenalinspiegel steigen und Fußgänger beiseite springen.

Echtes Neuland befahren die Porsche-Ingenieure aus Weissach indes nicht, denn bereits 1896 patentierte Firmengründer Ferdinand Porsche das Prinzip des elektrischen Radnabenmotors. Das ist aufgrund seiner Effizienz bis heute hochaktuell. Mit dem elektrischen „LohnerPorsche“ stahl er drei Jahre später auf der Pariser Weltausstellung fast dem Eiffelturm die Show. Elektroantriebe waren in der automobilen Frühzeit schwer en vogue. Angesichts der Batterien, die seinerzeit wie Blei im Wagen lagen, konnten sie sich gegen den knatternden Verbrennungsmotor aber zunächst nicht durchsetzen.

Mit neuester Steuerungstechnik und modernen HightechBatterien kehrt die Zuffenhauser Sportwagenschmiede nun zu ihren Wurzeln zurück. Bis die vollelektrischen Porsche allerdings in Serie vom Fließband rollen, werden noch einige Jahre ins Land gehen, da ist sich die Fachwelt einig. Bis dahin bleibt es ausgewählten Testfahrern vorbehalten, im Elektro-Porsche des 21. Jahrhunderts einen leisen Reifen zu riskieren. Tobias Schiller

Porsche Porsche

„Die Elektromobilität ist eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre“, sagte Porsche-Chef Matthias Müller bei der Präsentation des Autos. „Die Boxster E werden uns als fahrende Labore dabei helfen, die praktischen Probleme der Elektromobilität zu lösen.“ Mit den drei Elektro-Boxstern möchte Porsche die Alltags-

tauglichkeit und das Nutzerverhalten studieren und so mehr über die Anforderungen an künftige Elektrofahrzeuge und die notwendige Infrastruktur erfahren.

abgefahren

Porsche schickt drei Elektro-Sportwagen ins Rennen um den grünen Antrieb – und kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück

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Branchenfokus

Nutzererlebnis schlägt Technikfrust Fahrkartenautomaten und Videorekorder haben einen fast schon legendären Ruf, ihre ahnungslosen Nutzer in kürzester Zeit an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Die User Interface Design GmbH (UID) aus Ludwigsburg verwandelt solchen Technikfrust in Techniklust. Das Unternehmen gehört zu den Marktführern für die Gestaltung von Benutzeroberflächen. Aktuell arbeiten mehr als 75 Experten – vom Designer über Psychologen bis zu Informatikern und Ingenieuren – daran, die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine zu verbessern.

1997 wurde das Ludwigsburger Unternehmen als deutsche Tochter der schwedischen UID AB gegründet, machte sich aber schon im Folgejahr als User Interface Design GmbH selbstständig. Zum schnell wachsenden Standort in der Region Stuttgart kamen im Lauf der Jahre weitere Geschäftsstellen in München, Mannheim und Dortmund. Als Gründungsmitglied eines weltweiten Netzwerks aus Usability-Unternehmen untersucht UID auch interkulturelle Unterschiede bei der Bedienung von MultitouchOberflächen, wie man sie in Tablet-PCs oder in Industrieanlagen findet. Welche Gesten eignen sich im weltweiten Vergleich, um Computer zu Aktionen wie Blättern, Löschen oder Vergrößern zu veranlassen? Um ein Objekt zu löschen, malen Chinesen ein X auf die Oberfläche, während Europäer es aus dem Bildschirm ziehen.

UID

Ein weiteres laufendes Forschungsprojekt, bei dem UID mit dem Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und einem Altenpflegeheim zusammenarbeitet, soll älteren Menschen länger ein unabhängiges Leben ermöglichen. Dazu übernimmt ein Serviceroboter einfache Transportdienste, trägt beispielsweise einen Wäschekorb oder erinnert ans Trinken und bringt auch gleich Wasser und Glas.

Die Bandbreite der Kunden reicht dabei vom Automobilbau über Unterhaltungselektronik, Medizin und Pharma bis hin zu Banken und Versicherungen. UID hat Navigationssysteme mitentwickelt, genauso wie Bedienpanels für Werkzeugmaschinen oder für medizinische Geräte, Plattformen für digitales Fernsehen, Bedienoberflächen für Mobiltelefone, Online-Shops oder ein Warenwirtschaftssystem für Apotheken. Damit der Anwender seine Aufgaben möglichst effizient erfüllen kann, kommt es vor allem darauf an, dass er sich schnell zurechtfindet und die Steuerung soweit wie möglich selbsterklärend ist. Aus diesem Grund stehen bei UID die Nutzer im Zentrum – und das schon während der Entwicklungsphase. Neben der Nutzerfreundlichkeit gewinnt das Nutzererlebnis dabei zunehmend an Bedeutung. „Bei vielen Produkten geht es nicht mehr nur darum, Aufgaben möglichst gut und schnell zu erledigen. Immer wichtiger sind auch attraktives Design, Spaß bei der Handhabung und das Wecken des natürlichen Spieltriebs“, beschreibt UID-Geschäftsführer Franz Koller die veränderte Erwartungshaltung.

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Für den Erfolg von UID sprechen neben bekannten Kunden wie Daimler, HP, Miele, Trumpf oder Vodafone auch die Auszeichnungen der letzten Jahre, darunter „Deutschlands bekanntestes Usability Unternehmen 2010“. Entsprechend optimistisch beurteilt Koller die wirtschaftliche Entwicklung: „Nach einem leichten Umsatzrückgang im Krisenjahr 2009 haben wir 2010 wieder eine deutliche Belebung gespürt und konnten unseren Umsatz von 5,4 auf 6,8 Millionen Euro steigern.“ Das spiegelt sich auch im kontinuierlichen Anstieg der Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren wider. Zu den aktuell 75 Fachleuten kommen neben Verwaltungsmitarbeitern rund ein Dutzend Azubis, Praktikanten, Werkstudenten und Trainees, um den Fachkräftenachwuchs frühzeitig zu sichern. Denise Nüssle

User Interface Design GmbH Gründungsjahr: 1997 Sitz: Ludwigsburg Experten: 75 Umsatz: 6,8 Mio. Euro (2010) uid.com

informationstechnologie

Die User Interface Design GmbH sorgt dafür, dass sich Mensch und Computer besser verstehen


Branchenfokus

Studio Soi aus Ludwigsburg hat den Oscar-nominierten Trickfilm „Grüffelo“ in Szene gesetzt

als der englische Animationsfilmproduzent Michael Rose („Wallace und Gromit“) anklopfte, ob sie dem Grüffelo das Laufen beibringen könnten. Das Soi-Team krempelte die Ärmel hoch und stellte mehr Leute ein.

Was tut eine Maus, die durch einen dunklen Wald voller gefräßiger Feinde muss? Sie zeigt sich gewitzt und gaukelt einen starken Freund vor – den Grüffelo. Viele Kinder kennen das Bilderbuch von Julia Donaldson und Axel Scheffler. An der filmischen Umsetzung feilte das Ludwigsburger Trickfilmstudio Soi zwei Jahre lang. Die Mühe hat sich gelohnt: Zehn Millionen Zuschauer hatte die Erstausstrahlung in der BBC, auch die deutsche Fassung im ZDF war ein großer Erfolg. Und obendrein gab’s eine faustdicke Überraschung: eine Nominierung für den Oscar 2011.

Studio Soi

Unternehmen wie McKinsey oder die Deutsche Bahn bestellten schon Spots bei dem 2002 von sieben Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie gegründeten Studio, ZDF und Arte gaben Kurzfilme für ihre Kinderprogramme in Auftrag. Eine Zeitenwende aber erlebten die Trickfilmer,

Die besten fanden sich gleich um die Ecke, in der benachbarten Filmakademie. „Deshalb ist Ludwigsburg der beste Standort für uns“, sagt Carsten Bunte, einer der Geschäftsführer. Für den Grüffelo bauten sie reale Filmsets, die Figuren hingegen wurden am Computer zum Leben erweckt. „Animatoren führen ihre Figuren wie Marionetten. Der Computer ersetzt die Fäden“, erläutern die Macher. Die Kunst sei es, der einzelnen Figur eine Seele zu geben. Derzeit wird in Ludwigsburg bereits an einer Fortsetzung des Grüffelos gearbeitet. (asm)

kreativwirtschaft

Bilderbuchmonster als Filmstar

studiosoi.de

Zusammenhalt bis 370 Grad Was haben Autositze und Abendkleider, Markisen und Mokassins, Feuerwehrbekleidung und Fallschirme gemeinsam? Ohne den entsprechenden Faden halten sie nicht zusammen. Mit haushaltsüblichem Nähgarn haben viele der hochspezialisierten Garne der Amann GmbH aus Bönnigheim allerdings nur am Rande zu tun. Ihre Spezialgarne müssen eine Menge aushalten und haben sich zu wahren Hightech-Produkten entwickelt. Das global agierende Unternehmen mit 1.350 Mitarbeitern gehört zu den weltgrößten Herstellern von Näh- und Stickgarnen. Über eine Million Kilometer Faden produziert die 1854 gegründete Traditionsfirma jeden Tag. Das Sortiment ist breit gefächert, da die Eigenschaften des Garns von der Funktion des Produkts abhängig sind, bei dem es eingesetzt wird. Spezialfäden für Hitzeschutzbekleidung etwa halten Temperaturen bis zu 370 Grad aus. Garne für Reinraumkleidung

im Bereich Mikroelektronik müssen elektrische Ladung ableiten, Nähte an Planen stark belastbar sein. Für gestickte Logos textiler Markenprodukte wiederum braucht es feinste Garne, die kleine Schriften ermöglichen und ein breites Farbenspektrum bieten. „Wir haben sehr viele große Markenkonfektionäre als langjährige Kunden“, berichtet Geschäftsleiter Bodo Th. Bölzle. „Allein mit der Firma Hugo Boss arbeiten wir seit 60 Jahren zusammen.“ Auch das wachsende Umweltbewusstsein spielt bei Amann eine Rolle. So wurde im vergangenen Jahr Nähgarn aus wiederverwertetem Polyester und biologisch angebauter Baumwolle eingeführt. Wer sein Mineralwasser aus Pfandflaschen trinkt, trägt den Behälter womöglich bald wieder bei sich: Auch aus geschredderten PET-Flaschen werden bei Amann neue Fäden gewonnen. (asm) amann.com

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Amann

textilindustrie

Amann aus Bönnigheim gehört zu den weltweit größten Herstellern von Näh-, Stick- und Spezialgarnen

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Titelthema: Überschrift des Titelthemas

Aqua Jelly ist ein selbststeuernder Schwarm künstlicher Quallen. Um die Existenz eines möglichst großen Schwarms im Wasserbecken zu sichern, müssen der verfügbare Raum und die begrenzte Anzahl der Ladestationen optimal genutzt werden. Jedes Individuum entscheidet autonom, welche Aktion es ausführt: Muss es ein Ausweichmanöver einleiten? Ist es Zeit zum Andocken an der Ladestation? Die Kommunikation zwischen den einzelnen Quallen über Infrarot-Leuchtdioden ermöglicht es, dass sie als Gesamtheit agieren, die sich wie ein höher entwickeltes System verhält.


Titelthema: Bionik

Innovative Firmen aus der Region Stuttgart lernen von der Natur

Evolution

Heute beschäftigt die Firma rund 200 Mitarbeiter und gehört zu den Marktführern bei Haft- und Befestigungssystemen für Industrie, Fahrzeuge, Medizin und Sport. Sie hat ihre bionische Tradition nie aus den Augen verloren und ist jetzt erneut fündig geworden – diesmal im Tierreich: Gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart hat Binder in mehrjähriger Arbeit nach dem Vorbild des Geckofußes ein Band entwickelt, das rückstandsfrei auf glatten und rutschigen Oberflächen wie Glas oder Teflon haftet, selbst wenn diese feucht sind. „Das ist wie ein sehr leistungsfähiger Klebestreifen, nur ohne Rückstände“, sagt Binder-Geschäftsführer Jan Tuma. Seit 2010 ist die mikrostrukturierte Silikonfolie unter dem Namen Nanoplast auf dem Markt. „Man kann sie zum Greifen, zum Bewegen und Ablegen von Gegenständen verwenden, vor allem in der Reinraum-Produktion, in der Medizintechnik und im Hightech-Bereich. Das Produkt ermöglicht Pick and Play mit höchster Reinheit“, beschreibt Tuma die Vorteile dieser Innovation.

Die Natur kapieren, nicht kopieren „Lösungsprinzipien aus der Natur haben eine extrem lange Entwicklungsgeschichte. Sie mussten sich im Wettbewerb der Evolution bewähren, deshalb trifft man häufig auf sehr optimierte Lösungen mit hoher Energieund Materialeffizienz“, beschreibt der Wissenschaftler Ralf Becker vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) das Erfolgsprinzip Natur. Dabei baut Bionik nicht einfach nach. „Man muss die Natur nicht kopieren, sondern verstehen und ihre Lösungsprinzipien auf die eigenen Anforderungen übertragen. Je weiter die Materialwissenschaft und die Fertigungstechnik sind, desto näher kann man an das natürliche Vorbild rücken.“

Nirgends ist dies so eindrucksvoll zu beobachten, wie bei den zahlreichen bionischen Anwendungen der Esslinger Firma Festo. Seit vielen Jahren ist sie für schwebende Rochen, fliegende Quallen und schwimmende Pinguine weltberühmt. Im New Yorker Museum of Modern Art waren im Jahr 2008 die Bionikexponate Airacuda, ein pneumatisch angetriebener Fisch, sowie die dem Mantarochen nachempfundenen ferngesteuerten Konstruktionen Aqua Ray und Air Ray umjubelte Ausstellungsstücke.

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titelthema

Holzgerlingen, eine Kleinstadt mit rund 13.000 Einwohnern, liegt idyllisch am Rande des Schönbuchs, südwestlich von Stuttgart. Im Jahr 1956 stand dort eines Tages der Schweizer Ingenieur Georges de Mestral unangemeldet in den Büros der Firma Gottlieb Binder und wollte den Chef sprechen. Im Gepäck hatte er eine Erfindung, die als eines der ersten bionischen Produkte in die Industriegeschichte eingehen sollte. Nach jedem Waldspaziergang, so erzählte der Eidgenosse, hänge das Fell seines Hundes voller Kletten, die nur mühsam zu entfernen seien. Unter dem Vergrößerungsglas entdeckte er, dass für die hartnäckige Haftung winzige Widerhaken verantwortlich waren. Die Basis für den Klettverschluss war gelegt. Die Holzgerlinger Firma, 1798 als Bandweberei gegründet, erwarb vom Schweizer die Lizenz für Deutschland, entwickelte das Prinzip zur Serienreife und brachte Anfang der 1960er-Jahre den ersten Klettverschluss auf den deutschen Markt. Seither investiert das Unternehmen kontinuierlich in Forschung und Entwicklung sowie in moderne Fertigungstechnologien und hat zahlreiche Patente angemeldet.

Irina Vorontsova / Fotolia.com

Lotuseffekt, Geckofuß, Elefantenrüssel: Das Abschauen bei Tieren und Pflanzen hat in der Technikgeschichte eine lange Tradition. Schon der Universalgelehrte Leonardo da Vinci hat sich bei seinen Konstruktionszeichnungen für Flugapparate von der Vogelwelt inspirieren lassen. Denn die Natur ist der beste Baumeister. Zahlreiche Firmen in der Region Stuttgart nutzen in der Natur bewährte Prinzipien für die Konstruktion. Bionik ist spätestens seit der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2010 an die Esslinger Firma Festo ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit geraten.

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Titelthema: Bionik

179: Die Festo AG gehört in der Bionik weltweit zu den führenden Unternehmen. Hat ein Festo-Entwicklungsingenieur zur Ideenfindung eine Jahreskarte für die Wilhelma oder lässt sich Inspiration besser strukturieren? Veit: Unsere Forscher lassen sich tatsächlich direkt von der Natur inspirieren. Nehmen Sie die Schwanzflosse eines Fisches. Übertragen wir diese dynamische Bewegung in die Technik, so können wir zum Beispiel Teile effizienter sortieren und sparen dabei Energie. Die energieeffiziente, das heißt grüne Produktion ist dabei im Fokus. Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um den Nutzen von Bionik möglichst systematisch zu erschließen? Entscheidend ist es, die zentralen Zukunftsthemen der eigenen Branche mit Hilfe von Future Radars zu erkennen und mit einzubeziehen. Daraus leiten sich dann mögliche Themen für konkrete Projekte ab. Ganz wichtig ist auch die Zusammenstellung der Forscherteams und die enge Verzahnung zwischen interner

Forschung und Entwicklung und den richtigen externen Partnern. Hier arbeiten wir auch in großen Netzwerken zusammen. Gerade der Südwesten Deutschlands ist stark durch Zusammenarbeit in Clustern geprägt. Ein weiterer Trend ist die überregionale Zusammenarbeit beispielsweise in europäischen Projekten. Welche strategische Bedeutung hat Bionik bei Festo heute und in der Zukunft? Wir sind ein technologiegetriebenes Unternehmen. Daher setzen wir auf unser Bionic Learning Network und Future Concepts als eine Plattform, um neue Produkte oder Produktideen aufzuspüren und im Dialog mit unseren Kunden deren Marktrelevanz zu testen. Mit unseren Future Concepts sichern wir nachhaltig unseren Vorsprung im globalen Wettbewerb und erproben Zukunftstechnologien mit einem Ziel: unseren Kunden einen Mehrwert zu bieten.

Bionic Learning Network hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einem festen Bestandteil unserer Innovationsprozesse etabliert. Damit ist Festo in der Automatisierungstechnik Vorreiter in der Bionik. Bionik ist seit vielen Jahren vor allem in der Wissenschaft ein Thema, in der Serienfertigung ist sie erst vereinzelt angekommen. Wird sich das in naher Zukunft ändern? Mit dem Bionischen Handling-Assistenten, der mit dem Deutschen Zukunftspreis 2010 ausgezeichnet wurde, ist uns in dieser Hinsicht ein echter Durchbruch gelungen. Die Idee, einen Elefantenrüssel als HightechHelfer zu konstruieren, war das eine. Aber erst mit der innovativen Technologie der generativen Fertigung konnten wir solche komplexen Strukturen aus der Natur beinahe eins zu eins nachbilden. Hier sehen wir ein großes Potenzial für die Zukunft.

Welche Funktion erfüllt in diesem Zusammenhang das Bionic Learning Network, das Ihre Firma ins Leben gerufen hat?

Festo hat durch zahlreiche spektakuläre bionische Anwendungen wie den Aqua Jelly, den Air Penguin oder den Aqua Ray viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Setzen Sie das Thema Bionik auch bewusst für das Marketing ein?

Das Bionic Learning Network ist ein Verbund von Festo mit namhaften Hochschulen, Instituten und Entwicklungsfirmen. Ziel ist es, mit Hilfe der Bionik neue Technologien aufzuspüren und in die Automation umzusetzen. Das Festo

Das Bionic Learning Network hat viele Aufgaben: Wir übertragen Lösungen aus der Natur in die Technik, spüren neue Technologien auf. Die Future Concepts sind Ausdruck unserer Lösungskompetenz. Darüber hinaus wollen wir damit aber auch

Obwohl selbst ein Global Player, zeigt das Beispiel Festo, dass Bionik nicht nur ein Thema für Unternehmen mit großen Forschungsabteilungen ist. Auch für Mittelständ10

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Recaro

Die neueste Errungenschaft, der„Bionische HandlingAssistent“, brachte Festo gemeinsam mit dem Fraunhofer IPA gar den Deutschen Zukunftspreis 2010 ein. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein Assistenzsystem, das optisch wie funktional einem Elefantenrüssel nachempfunden ist. „Erstmals können Mensch und Maschine gefahrlos und effizient in einem Team zusammenarbeiten. Im Falle einer Kollision kommt die natürliche Nachgiebigkeit des Rüssels zum Tragen: Zum einen, weil er aus leichtgewichtigem Kunststoff und nicht aus Metall besteht, und zum anderen, weil er über Druckluft betrieben und von einer intelligenten Steuerung geregelt wird“, erläutert Festo-Forschungsleiter Dr. Peter Post das Neuartige des Systems. Dass ausgerechnet der Esslinger Automatisierungsspezialist den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation erhalten hat, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis des strategischen Einsatzes von Forschung und Entwicklung über viele Jahre hinweg. Vor allem die Möglichkeiten der Bionik werden bei Festo seit Langem systematisch eingesetzt (Interview oben).

titelthema

Festo

im gespräch

Eberhard Veit


Titelthema: Bionik junge Menschen für Technik begeistern und junge Talente für Festo gewinnen. Sind weitere Aufsehen erregende Entwicklungen aus Ihrem Hause zu erwarten, vergleichbar mit dem Elefantenrüssel?

Auf jeden Fall. Im April zeigen wir wieder spektakuläre neue Projekte auf der Hannover Messe. Das Thema „Smart Efficiency“ und die Bionik passen da bestens zusammen.

Dr. Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender der Festo AG in Esslingen Dr. Eberhard Veit, 1962 in Göppingen geboren, schloss sein Studium an der Universität Stuttgart mit der Prüfung zum Dipl.-Ing. ab. Für seine anschließende Dissertation an der Universität in München hat er den Deutschen Innovationspreis 2000 erhalten. Nach Stationen bei den Traditionsunternehmen Märklin und Kärcher gehört er seit 1997 dem Vorstand von Festo an, zunächst als Verantwortlicher für den Bereich Produkt- und Technologie-Management, seit 2008 als Vorstandsvorsitzender. Veit ist zudem Vorstandsmitglied des Innovationsrats Baden-Württemberg.

Die Fragen stellte Helmuth Haag

Festo ist ein weltweit führender Anbieter in der pneumatischen, servopneumatischen und elektrischen Automatisierungstechnik sowie in der technischen Aus- und Weiterbildung. In 59 eigenständigen Landesgesellschaften und weiteren Niederlassungen beschäftigt das Technologieunternehmen 14.000 Mitarbeiter. Der Geschäftsbereich Didactic bietet ein breites Bildungsangebot für die industrielle Praxis mit industrienahen Qualifizierungslösungen, Lernfabriken, LernSoftware, Seminaren, Workshops sowie Industrieconsulting. Fast zehn Prozent der 1,3 Milliarden Euro Umsatz (2009) investiert das Unternehmen in Forschung und Entwicklung.

ler und für kleine, aber innovative Firmen ergeben sich zunehmend Geschäftschancen. Viele Projekte des Festo Bionic Learning Network sind in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Instituten weltweit, aber auch mit kleineren Entwicklungsfirmen entstanden, häufig aus der Region Stuttgart. „Dynamische, flexible Firmen mit Innovationstradition haben günstige Voraussetzungen für die Nutzung bionischer Verfahren. Durch eine gute Idee kann sich eine Firma positionieren und mit den heutigen fertigungstechnischen Möglichkeiten mutig herangehen“, ermuntert der Fraunhofer-Wissenschaftler Ralf Becker den Mittelstand.

Neue Chancen für den Mittelstand Dr. Klaus Schamel, Chef der Firma Rampf Giessharze in Grafenberg, ist auf dem besten Wege dazu. In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg will er die Selbstheilungskraft von Lianen auf einen Kunststoffschaum übertragen und etwa beim Bau von Veranstaltungshallen, Behelfsbrücken oder gar bei der Reparatur eines Lochs im Schlauchboot einsetzen. Bislang funktioniert das zwar nur im Labor, doch in drei Jahren soll der Wunderschaum auf den Markt kommen.

Nur wenige Autominuten weiter, in Kirchheim unter Teck, hat sich der Sitzhersteller Recaro für die Autositzstudie „Pure Seating“ gleich bei mehreren Tieren bedient, um einen besonders leichten Sitz für Elektroautos zu entwickeln. Die Gestalt von Reptilienpanzern sorgte für eine leichte, Platz sparende und gleichzeitig stabile Form. Vogelknochen standen für den Hohlkammeraufbau des Sitzes Pate. Kiemenartige Öffnungen an der Sitzfläche schließlich verbesserten die Durchlüftung und sorgen für ein angenehmes Sitzgefühl. „Bei Pure Seating handelt es sich um eine Sitzstudie, die Leichtbau und Simplizität in optisch leichtem Design verbindet“, sagt RecaroEntwicklungsleiter Max Riedel. Ob und wann die Studie in Serie geht, will der Sitzbauer vom Feedback der Kunden abhängig machen. Gleich ein ganzes Fahrzeug hat die Daimler AG nach bionischen Gesichtspunkten konzipiert. Für die Fortbewegung ist ein aerodynamisch günstig geformter Körper ein Wettbewerbsvorteil, für Tiere ebenso wie für Fahrzeuge. Wo neben Strömungsverhalten auch Raumvolumen gefragt ist, kommt die gewohnte schlanke Form nicht in Frage. Bei der Suche nach einem natürlichen Erfolgsmodell, das beide Anforderungen verbindet, ist

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Titelthema: Bionik

der Autohersteller in den Tropenmeeren fündig geworden: „Der Kofferfisch verfügt trotz seines würfelförmigen Rumpfs über hervorragende Strömungseigenschaften und ist ein Musterbeispiel für Steifigkeit und Leichtbau. Seine Außenhaut aus sechseckigen Knochenplatten bietet bei minimalem Gewicht ein Höchstmaß an Festigkeit und schützt optimal vor Verletzungen. Dieses Verfahren haben wir auch auf unser Mercedes-Benz bionic car übertragen. Das Ergebnis: Gewichtsreduktion um rund ein Drittel bei unveränderter Mercedes-typischer Stabilität und Crashsicherheit“, sagt Prof. Dr. Herbert Kohler, Leiter E-Drive & Future Mobility in der Forschung und Vorentwicklung bei Daimler.

Geformt wie ein Kasten und trotzdem aerodynamisch Das Konzeptauto bietet Platz für vier Personen plus Gepäck, nimmt es in puncto Sicherheit, Komfort und Alltagstauglichkeit mit jedem Serienfahrzeug auf und spart wegen der Leichtbauweise und seiner günstigen Strömungseigenschaften rund 20 Prozent Sprit. „Bionik ist ein Kreativwerkzeug für unsere Ingenieure“, betont Kohler. „So haben wir die SKO-Methode entwickelt, die durch simuliertes Knochenwachstum zu lastgerechten Strukturen ohne überflüssigen Materialeinsatz führt. Diese Methode wird heute standardmäßig bei unseren Neuprojekten eingesetzt.“

Leicht und gleichzeitig stabil, das ist für Ingenieure aller Fachrichtungen der klassische Zielkonflikt. Leichtbau ist branchenübergreifend relevant – im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Luft- und Raumfahrt wie in der Architektur. Hier gehört die Universität Stuttgart zu den Pionieren, weltberühmte Namen wie Fritz Leonhardt, Jörg Schlaich und Frei Otto sind untrennbar damit verbunden. Leichte Seiltragwerke wurden plötzlich Realität, die noch kurz zuvor als utopisch bezeichnet worden wären: der deutsche Zeltpavillon auf der Weltausstellung 1967 in Montreal oder das gigantische Zeltdach für das Münchner Olympiastadion 1972. Frei Otto initiierte 1985 den Sonderforschungsbereich „Natürliche Konstruktionen“, der bis 1994 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wurde. Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen nahmen Libellenflügel unter die Lupe, untersuchten Muschelschalen, testeten Gräser im Windkanal, erkundeten die Bruchmechanik von Holz, berechneten Membrandächer und Seilnetzkonstruktionen. Dieses bionische Erbe wird in Stuttgart weitergeführt, an der Kunstakademie (Porträt S. 14) ebenso wie an der Universität. Dort untersuchen etwa Architekten am Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen elastische Pflanzenbewegungen mit dem Ziel, bewegliche Folien- und Membrankonstruktionen zu entwickeln, beispielsweise für Fassaden und Verschattungsanlagen.

Neun Millionen Ideen Wenn der Biologe in der englischen Fachsprache das Verb „cultivate“ benutzt, versteht der Ingenieur nur Bahnhof. Denn er würde dazu „preserve“ sagen. Solch unterschiedliche Bezeichnungen für vergleichbare Sachverhalte machen für Ingenieure die Recherche in biologischen Datenbanken äußerst zeitraubend. Abhilfe schafft die Datenbank BIOPS vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Sie systematisiert die Suche nach bionischen Lösungen.

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BIOPS steht für BIOlogy inspired Problem Solving, auf Deutsch: Biologie-inspiriertes Problemlösen. Kern des Werkzeugs ist ein Technik-Biologie-Wörterbuch mit rund neun Millionen Einträgen. Die Software arbeitet mit Prinzipien der Computerlinguistik. Sie bestimmt Wortzusammenhänge halbautomatisch und übersetzt technische Fragestellungen in die biologische Fachsprache. So gelingt es leichter, passende Strukturen in der Natur zu ermitteln.

Die Datenbank ist aber nur ein Baustein der Bionik-Potenzialanalyse des IAOTeams. Problemanalyse, ein biologischer Lösungspool und Vorschläge für die Umsetzung der Fundstellen in technische Anwendungen ergänzen das Angebot. Nächster Schritt wird eine Expertendatenbank sein: Wenn die Suchmaschine passende Phänomene gefunden hat, soll sie die Kontaktdaten der entsprechenden Bionik-Experten gleich mitliefern. (hel) nature4innovation.com


Titelthema: Bionik

titelthema

Daimler

Bewegung ohne Gelenke Diese Suche hat die Wissenschaftler auf die Spur der Paradiesvogelblume oder Königs-Strelitzie gebracht, die in Südafrika wild bis zu zwei Meter hoch wächst. Kleinere Varianten sind bei uns als Zierpflanzen bekannt. Zur Bestäubung ist sie darauf angewiesen, dass sich Vögel auf ihren Blütenblättern niederlassen. Durch das Gewicht des Tieres biegen sich diese nach unten und legen durch einen Klappenmechanismus die Sexualorgane der Pflanze frei. Dabei kommt die Pflanze komplett ohne Gelenke aus und setzt stattdessen auf Elastizität – was sie für eine technische Nutzung interessant macht. Denn Gelenke sind potenzielle Schwachstellen: Sie sind Abnutzungserscheinungen unterworfen, im technischen Einsatz müssen sie regelmäßig gewartet und schließlich ersetzt werden. Den Mechanismus der Strelitzie hat die Firma Clauss Markisen aus Bissingen an der Teck aufgegriffen und für die Entwicklung stufenlos beweglicher Lamellen eingesetzt. An dem Entwicklungsprojekt war neben der Universität Stuttgart unter anderem das Institut für Textilund Verfahrenstechnik (ITV) Denkendorf beteiligt. Das ITV gehört beim Thema Bionik zu den führenden wissenschaftlichen Instituten und engagiert sich in Forschungsprojekten mit erstaunlicher thematischer Vielfalt: Selbstreinigende Textilien, die den Effekt der Lotus-Pflanze nutzen, besonders leichte und stabile Faserverbundmaterialien, die Gräsern und Schachtelhalmen nachempfunden sind, lichtdurchlässige flexible Wärmedämmstoffe nach dem Eisbär-Prinzip oder Badekleidung, die nicht nass wird nach dem natürlichen Vorbild der Wasserinsekten. Das letzte Beispiel zeigt, wie auch in der Bionik verschiedene Wege zum Erfolg führen können: Denn während das ITV bei der Suche nach trockener Badekleidung auf Insekten setzt, erreichen die Hohensteiner Institute in Bönnigheim dieses Ziel, indem sie Pinguinen aufs Federkleid schauen.

Bionik braucht Forschungsnetzwerke

Sunnydays / Fotolia.com

Charakteristisch für solche Projekte ist, dass sie im Forschungsverbund abgewickelt werden – kein Einzelner verfügt allein über die notwendige Expertise. „Bionik ist ein typisches Netzwerkthema, das durch fortschreitende Technik immer mehr Einsatzmöglichkeiten erhält. Unsere technologisch führenden Unternehmen haben beste

Blick hinter die Kulissen der Evolution Die Stuttgarter Wilhelma ist der einzige zoologischbotanische Garten in Deutschland und einer der artenreichsten Zoos der Welt. Mit über 8.000 Tieren und etwa 6.000 Pflanzenarten aus allen Klimazonen der Erde bietet sie reichlich Anschauungsmaterial für den Blick hinter die Kulissen der Evolution. Welche gehobenen und noch zu hebenden Schätze die Natur als Vorbild der Technik zu bieten hat, zeigt die diesjährige Bionik-Ausstellung der Wilhelma im Wechselschauhaus vom 8. Juni bis zum 18. September. wihelma.de

Voraussetzungen, um in Kooperation mit Forschungseinrichtungen inner- und außerhalb der Region die enormen Fortschritte in der Fertigungstechnik und in der Materialwissenschaft zu nutzen“, sagt Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), die zahlreiche Technologie-orientierte Netzwerke ins Leben gerufen hat. „Für die Klette reichte ein Lupe, aber für den Geckofuß benötigt man ein Rasterelektronenmikroskop“, bringt es Binder-Geschäftsführer Jan Tuma auf den Punkt, und Ralf Becker vom Fraunhofer IPA ergänzt: „Die Innovationsgeschwindigkeit bei Materialien ist vergleichbar mit der von Smartphones.“ Bei der Bionikforschung sind Institute in der Region Stuttgart an führender Stelle beteiligt. Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat die Datenbank BIOPS entwickelt, die das Ideenreservoir der Natur systematisch nach möglichen technischen Lösungen untersucht (Kasten S. 12). Zudem bietet das Fraunhofer-Team Firmen seine Expertise zur systematisierten Nutzung bionischer Verfahren an. Im Bionic Learning Network arbeitet die Firma Festo mit namhaften Hochschulen, Instituten und Entwicklungsfirmen zusammen. Der Verbund ist fester Bestandteil der Innovationsprozesse sowie der technischen Aus- und Weiterbildung im Unternehmen. Das DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte wendet bionische Ansätze in den Simulationstools für neue Fahrzeugkarosserien und -strukturen an. Am MaxPlanck-Institut für Metallforschung nutzen Wissenschaftler die Struktur des Mottenauges für die Entspiegelung von Glas. Auch die öffentliche Hand hat das Innovationspotenzial der Bionik erkannt und leistet entsprechende Unterstützung. So hat das Land Baden-Württemberg das Kompetenznetz Biomimetik ins Leben gerufen, das Wissenschaftler und Industriefirmen berät, Industrieseminare, Workshops und Kongresse organisiert und den Einzug bionischer Themen in die akademische Lehre sowie in die Aus- und Weiterbildung fördert. All dies sind beste Voraussetzungen dafür, dass die Region Stuttgart die Potenziale bionischer Verfahren optimal nutzt. Und die sind riesig, wie IPAWissenschaftler Ralf Becker betont: „Die Bionik hat ihre große Zeit noch vor sich.“ Helmuth Haag

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Titelthema: Bionik

Querdenker in der Oase „Zukunft passiert nicht, Zukunft wird gemacht“, sagt Tobias Wallisser. Mit Chris Bosse und Alexander Rieck betreibt er in Sydney und Stuttgart ein von Ideen der Natur inspiriertes „Labor für visionäre Architektur“. Von Michael Ohnewald

Wenn zwei Männer von ihrem Schlag an einem Tisch sitzen, reicht ein Stichwort. Man hält es ihnen hin wie ein Streichholz und in Bruchteilen von Sekunden lodern die Flammen. Alexander Rieck und Tobias Wallisser sind von dieser Art. Zwei Architekten, die für ihren Job brennen. Grenzgänger sind sie in ihrer Branche und Querdenker, die kein Büro für Architektur betreiben, sondern ein Labor. Das ist ein feiner Unterschied. Die Crew vom „Laboratory for Visionary Architecture“, kurz LAVA, lebt sich vor allem in Saudi-Arabien und China aus, dort, wo kühne Fragen gestellt werden. Manches von dem, was die unkonventionellen Planer mit digitalen Werkzeugen erschaffen, weckt Erinnerungen an Jules Verne, der in Romanen wie „20.000 Meilen unter dem Meer“ die Welt von morgen vorweggenommen hat. „Die Menschen sind in ihrem friedlichen Zusammenleben auf elementare ethische Werte, auf Maßstäbe und Haltungen angewiesen.“ Wobei Tobias Wallisser rein äußerlich nichts von Kapitän Nemo hat. Ein lässiger Typ, um den Hals ein Modeschal, an den Füßen knallige Turnschuhe. Keiner, der abhebt, es sei denn, es geht um die Architektur von übermorgen, bei der für ihn wie in der Natur das eine mit dem anderen verwoben ist. „Die Zeit der einfachen Wahrheit ist vorbei“, sagt Wallisser. Erprobte Lösungen aus dem Labor der Fauna und Flora sind für hungrige Architekten ein gefundenes Fressen. Es gibt dort viel zu entdecken. Kraken haben kräftige Saugnäpfe wie man sie sich für Wandbefestigungen im Bad wünscht. Giftstachel von Bienen sind effektive Spritzen. Termiten haben in ihren Bauten ausgeklügelte Lüftungssysteme. Riffe wachsen dem Plankton entgegen, und vielleicht gibt es eines Tages Biohüllen für Gebäude, die sich vom Dreck in der Luft ernähren. Für Tobias Wallisser ist das mehr als bloße Spinnerei. Er hat gerade eine Studienarbeit für ein Projekt in der Stuttgarter Neckarstraße betreut, dessen Fassaden die Umwelt entgiften. Erschaffen wurde das Bauwerk von morgen am Computer von heute durch einen Bauplan von gestern, gespeist aus dem Reich der Korallen.

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„Die Natur ist eine der größten Inspirationsquellen“, sagt Wallisser und deutet auf ein Poster, welches die Zukunft der urbanen Räume vorwegnimmt. Die Projektion einer Stadt, die bereits Gestalt annimmt. Sie liegt unweit von Abu Dhabi und heißt Masdar City. Seit 2008 entsteht dort die erste CO2-neutrale Solarstadt. Masdar soll 22 Milliarden Dollar kosten und 47.000 Menschen beherbergen. Das Team von LAVA hat den Wettbewerb für den zentralen Masdar Plaza gewonnen. Die schwäbischen Exportplaner verwirklichen in der Wüste von Abu Dhabi nicht nur ein Hotel mit Konferenzzentrum, wie es in der Ausschreibung vorsehen war. Gestalten ist bei den Stuttgartern ein dynamischer Prozess und so ist zwischen den Bauten in Computermodellen ein kühner Platz entstanden, der auch realisiert wird. Elektronisch gesteuerte Sonnenschirme im XXL-Format kühlen ihn tagsüber und nutzen die Kraft der Sonne durch integrierte Fotovoltaikzellen. Das Prinzip der Schirme ist ähnlich wie bei Sonnenblumen, die sich zum Licht hin öffnen. Bionik lässt grüßen. Regenwasser fließt an den Schirmen ab und wird in Zisternen gesammelt. Nachts können die Schattenspender eingeklappt werden, um die Auskühlung des öffentlichen Raums zu beschleunigen. Die geistigen Väter preisen ihr Baby als „Oase der Zukunft“. Was nach einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht klingt, ist die reale Kunst einer neuen Generation digital ausgebildeter Architekten, für die Entwerfen nahe bei Erfinden liegt. „Normalerweise sind Architekten darauf spezialisiert, Antworten zu geben“, sagt Alexander Rieck. „Wir sind auch Spezialisten darin, die richtigen Fragen zu stellen.“ Lustvoll verschieben sie Grenzen in ihrem Labor am Stuttgarter Hauptbahnhof. Dort stehen experimentelle Köche an digitalen Herdplatten. Ihre Zutaten sind Utopien, und wenn es gut läuft, servieren sie am Ende ein Menü, das sich abhebt von dem, was in ihrer Branche sonst auf den Tisch kommt. „Wenn Ingenieure so kochen würden, wie sie planen“, sagt Tobias Wallisser, „müssten sie furchtbare Sachen essen.“ Man könne sich das vorstellen wie bei der Spaghettipackung, auf der steht, dass die Teigwaren nach acht Minuten im Wasser fertig sind. Wer sich strikt daran hält, hat oft schwer zu kauen. Wallisser nennt das „Legitimation durch Prozess“. Acht Minuten und basta! „Das ist die Krankheit der Planung“, sagt der Professor. „Die Natur macht das besser.“


Reiner Pfisterer

porträt

Titelthema: Bionik

Nicht jeder kann sich solche Freiheiten im Denken unternehmerisch gönnen. Tobias Wallisser, 40, und sein Partner Alexander Rieck, 43, können es. Beide haben einen zweiten Job, der sie finanziell und intellektuell speist. Wallisser ist Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Rieck kümmert sich bei der Fraunhofer-Gesellschaft, in der 17.000 Wissenschaftler vernetzt sind, um Märkte von morgen. Die Partner kennen sich vom Studium an der Universität Stuttgart. Eine Zeitlang hatten sie sich aus den Augen verloren. Wallisser ging mit dem Diplom in der Tasche an die Columbia University in New York und heuerte 1997 im renommierten Architekturbüro von Ben van Berkel und Caroline Bos in Amsterdam an. Als Projektleiter für das Mercedes-Benz-Museum kam er zurück in die Stadt, in der Rieck lebt und arbeitet. Vor vier Jahren fanden sie zusammen und machten sich selbstständig. Ein kleines Büro, ein internationales Netzwerk von Spezialisten. Rieck und Wallisser führen das Unternehmen in Stuttgart, Bosse hält in Sydney die Stellung.

Fortschritts sprach. Da erzählte ihm der Mann, dass er sich die Frage gestellt habe, warum die Menschen nicht mit viel größeren Raketen in den Weltraum aufbrechen, um dort nach neuen Räumen zu suchen. Fachleute sagten ihm, das liege an den Tunnelröhren, die Grenzen setzten für die Größe von Bauteilen. Da fragte der Scheich, wer die Tunnelgröße festgelegt habe und bekam zur Antwort, dass man ihre Größe einst an den Zügen ausgerichtet habe. Die Züge wiederum hingen von den Spurweiten ab, die sich an der Größe der Kutschen orientierten, welche so gebaut seien, dass gerade zwei Pferde nebeneinander passen. „Der Lauf der Welt hängt also von zwei Pferdehintern ab“, sagt Tobias Wallisser und grinst. Neben ihm piepst ein orangenes Multifunktionshandy. Der Architekt muss weiter. Die Zukunft zementieren. Quer denken. Spaß haben.

Für seine Reportagen und Porträts ist Michael Ohnewald mit den renommiertesten Preisen ausgezeichnet worden, die im deutschen Journalismus vergeben werden. Für 179 porträtiert der Ludwigsburger Autor herausragende Unternehmer aus der Region.

Wissenschaftlich auf dem neuesten Stand ist das Trio, inspiriert von der Selbstregulierung der Natur, in größeren Zusammenhängen denkend. „Alles was ich mache, hat einen Einfluss auf alles andere“, sagt Alexander Rieck. Das ist ihm neulich bewusst geworden, als er in SaudiArabien mit einem Scheich über die Grenzen des

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Wissenschaft

Rasend schnell rechnen mit Diamanten

Professor Tilman Pfau (Foto) verfolgt einen Ansatz, der auf atomaren Gasen basiert. Für seine grundlegenden Untersuchungen nutzt der Physiker eine ganze Reihe spezialisierter Lasersysteme und ultrakalte Atomwolken nahe dem absoluten Nullpunkt. Aber auch Diaman-

ten können rechnen: Ihr Material kann Informationen besonders schnell verarbeiten und übertragen. Professor Jörg Wrachtrup schleust dazu gezielt fremde Atome in einen Diamanten ein und legt damit das Fundament für deren Nutzung in der Quantentechnologie. (tos)

Der Stein der Schwaben in Frankreich Vor ziemlich genau 200 Millionen Jahren soll ein gewaltiger Meteoriteneinschlag Westeuropa erschüttert und dabei ein gigantisches Erdbeben und einen zerstörerischen Tsunami ausgelöst haben. Dies

Martin Schmieder

erforschen

Quantencomputer könnten somit weitaus mehr Informationen verarbeiten als heutige Computer. Auf dem Weg dahin gelten die Grundlagenforschungen

zweier Physiker der Universität Stuttgart als außerordentlich vielversprechend. Beide sind deshalb jetzt mit dem mit je 2,4 Millionen Euro dotierten ERC Advanced Investigator Grant ausgezeichnet worden, einem der renommiertesten Forschungspreise weltweit.

Uni Stuttgart

Quantencomputer könnten künftig die Informationstechnologie revolutionieren. Anstatt der Bits im klassischen Digitalrechner nutzen sie sogenannte Quantenbits, also kleinste Einheiten aus der Natur wie isolierte Ionen oder Lichtteilchen. Diese können gleichzeitig mehrere Zustände annehmen, während Bits nur einen von zwei Zuständen (1 oder 0) besitzen können.

legen Studien eines deutsch-französischen Teams von Geowissenschaftlern nahe, darunter Dr. Martin Schmieder und Dr. Elmar Buchner vom Institut für Planetologie der Universität Stuttgart. Rekonstruktionen zeigen, dass im Westen Frankreichs ein rund ein Kilometer großer, mehrere Milliarden Tonnen schwerer Meteorit direkt an der Küste oder im Wasser des Tethys-Meers eingeschlagen hat, einem Vorläufer des Mittelmeeres. Das ausgelöste Erdbeben dürfte mit Stärke 11 die vielfache Energie des größten jemals von Menschen registrierten Erdbebens freigesetzt haben. Enge Meeresstraßen begünstigten vermutlich die Ausbreitung einer Tsunami-Welle in verschiedene Richtungen. Dieses Katastrophen-Szenario könnte nun erstmals auch mächtige, bisher aber rätselhaft gebliebene Abla-

gerungen in weiten Teilen der Britischen Inseln und in Südfrankreich erklären. Spuren des kosmischen Einschlags sind noch heute unweit der Stadt Limoges zu erkennen. Dort liegt der ursprünglich bis zu 50 Kilometer große Impaktkrater von Rochechouart, in dem Gesteine auftreten, die von der unvorstellbar hohen Druckund Hitzewelle während des Einschlags erzählen. Unter anderem findet sich dort das Einschlagsgestein Suevit (Foto), das erstmals im Meteoritenkrater Nördlinger Ries entdeckt wurde und dessen Name auf das lateinische „Suevia“ für „Schwaben“ zurückgeht. Wie im schwäbischen Nördlingen sind auch in der Gegend des Rochechouart-Einschlags viele historische Gebäude aus den exotischen Kratergesteinen erbaut. (tos)

Körpereigene Waffe im Kampf gegen Keime Forschern am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) und am Dr. Margarete FischerBosch-Institut für Klinische Pharmakologie (IKP) in Stuttgart ist es gelungen, einen neuen Mechanismus des menschlichen Immunsystems gegen Darmbakterien und krankheitserregende Hefepilze zu identifizieren. Kern der Entdeckung ist die Wirkung von bestimmten körpereigenen Antibiotika, sogenannten Defensinen. Weil ihre Abwehrkraft bisher als beschei-

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den galt, wurde ihnen von den meisten Forschern nur wenig Beachtung geschenkt. Die Forschungen in Stuttgart haben jetzt gezeigt, dass Defensine bislang grob unterschätzt wurden. Der Knackpunkt: Die Forscher haben herausgefunden, dass ein bestimmtes Defensin ungeahnte Fähigkeiten im Kampf gegen Pilze und Bakterien nur unter sauerstoffarmen Bedingungen entwickelt.

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Zuvor waren die körpereigenen Antibiotika vor allem in sauerstoffreicher Umgebung getestet worden, obwohl zum Beispiel im menschlichen Darm kaum welcher vorhanden ist. Das Forscherteam geht davon aus, dass sich der jetzt identifizierte Mechanismus in Zukunft zur Therapie von verschiedenen infektiösen und entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa nutzen lässt. (tos)


Innovation

Beton aus Bauschutt

Die H. Feess GmbH & Co. KG, ein Familienunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern, verwertet bereits 80 Prozent der mineralischen Abbruchmaterialien wieder. Aktuell fallen allein in Baden-Württemberg jährlich rund 30 Millionen Tonnen Bauschutt an. „Dieses Volumen wird voraussichtlich weiter zunehmen, da künftig bevorzugt

baufällige Gebäude abgerissen werden, um Baulücken zu nutzen, anstatt neue Flächen zu versiegeln. Recycling-Beton hat eine große Zukunft vor sich“, ist sich Feess sicher. Baustoff-Recycling leistet einen großen Beitrag zur Einhaltung der EU-Klimaschutzziele, weil natürliche Rohstoffe geschont und vollwertige Baustoffe durch die Wiederaufbereitung geschaffen werden. Auch durch erhöhte Entsorgungskosten für Bauschutt ist es mittlerweile wirtschaftlich geworden, Abbruchmaterial wieder zu verwenden. Kurze Wege zur Baustelle sparen darüber hinaus lange Transporte – ein weiteres Plus für den Klimaschutz. (asm) rc-beton.de

Die Klarsichtfolie Was Johannes Langheck 1880 der Welt vorstellte, muss den Menschen wie ein Hauch von Nichts vorgekommen sein: die erste durchsichtige Folie der Welt – hergestellt aus Gelatine. Verwendungsmöglichkeiten für das neue Material musste er noch suchen, wurde aber vielfach fündig: Verpackungen für Tabletten stellte seine 1887 gegründete Firma her, Radierschablonen für Schreibmaschinen, Leuchtbecher, Filter oder auch Aufnahmeplatten für Diktiergeräte. Knisternde Lebensmittelverpackungen hingegen spielten anfangs noch keine Rolle, Tante Emma wickelte ihre Waren

weiter in Wachspapier. Das änderte sich in den 1930er-Jahren, als die Esslinger Firma auf Zellglas umstellte, besser bekannt als Cellophan. Daraus machte Langheck Verpackungen für Lebensmittel, Seifen, Textilien und Ähnliches. Heute konzentriert sich die älteste Transparentfolienfabrik der Welt auf Kunststoffartikel für Büro und Werbung: Ausweishüllen, edle Schnellhefter, Präsentationsmappen und vieles mehr. Neben den modernen Schweiß-, Druckund Konfektionsmaschinen steht in der Esslinger Fabrik noch heute die 140 Meter lange Trockenstraße für Gelatinefolie

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Langheck

wer hat‘s erfunden?!

In vielen Bereichen am Bau ist der Einsatz von bereits verwendeten Materialien Standard. Baustahl wird wieder eingeschmolzen und Fenster aus Kunststoff werden neu verwertet. Bei Bauschutt aber fiel die Bilanz bislang mager aus. Einfach recycelter Beton lässt sich nur im Straßenbau oder bei der unterirdischen Einbettung von Leitungen einsetzen. Bei Gebäuden sind die Anforderungen an das aufbereitete Material und die Gesteinskörnung deutlich höher.

„So einfach es sich anhört, aus aufbereitetem Abbruchmaterial neuen Beton herzustellen, so wichtig ist es, dass der Baustoff, kurz RC-Beton genannt, entsprechende Qualitäten vorweist. Bei Abbrucharbeiten erfolgt erst einmal eine grobe Trennung der Materialien, danach muss nochmals feiner sortiert werden“, erklärt Walter Feess. Er betont: „Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, Ressourcen zu schonen und Botschafter von Qualitätsrecycling sein.“

entwickeln

Das Bauvorhaben wird vom Umweltministerium des Landes unterstützt, die wissenschaftliche Begleitung liegt in den Händen des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg sowie der Fakultät für Bauingenieurwesen der Stuttgarter Hochschule für Technik. „Wir haben uns dafür entschieden, um ökologisch mit gutem Beispiel voranzugehen“, erklärt Bauvereinsvorstand Thomas Wolf. „Dafür haben wir kompetente Partner im Boot.“

Der Recycling-Beton für das Stuttgarter Projekt wird in der Region hergestellt. Die Firma Feess aus Kirchheim unter Teck liefert den Betonzuschlag. Die TBWTransportbeton aus Waiblingen hat die Betonrezeptur entwickelt und stellt mit den recycelten Grundstoffen neuen Qualitätsbeton her, der alle strengen DIN-Normen des Hochbaus erfüllt. Die Qualität der Gesteinsmischung wurde zuvor vom Kornwestheimer Ingenieurbüro Haag überprüft.

Kurt Michel / pixelio.de

Bei einem Bauprojekt des Stuttgarter Bau- und Wohnungsvereins wird erstmals in Baden-Württemberg Recycling-Beton bei einem Hochbau eingesetzt. Es handelt sich um das zweite Projekt überhaupt in Deutschland. In Stuttgart-Ostheim werden in den nächsten vier Jahren 108 neue Wohnungen entstehen. Die Rezeptur dafür kommt aus der Region Stuttgart.

Stihl024 / pixelio.de

Erstmals in Baden-Württemberg werden Wohnungen mit Recycling-Beton gebaut

nebst Kupferkessel. Angesichts schwindender Erdölressourcen hat die vielleicht bald wieder Hochkonjunktur. (tos)

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Existenzgründung

Makatec aus Bondorf macht Absorptionsanlagen für mittlere und kleine Anwender nutzbar

gründen

Aus heiß mach kalt Der nächste Sommer kommt bestimmt – und mit ihm der Wunsch, der Hitze mittels Klimaanlage zu entfliehen. Hohe Temperaturen machen jedoch nicht nur wärmeempfindlichen Menschen zu schaffen: Kälte ist für viele Produktions- und Lagerprozesse eine absolute Notwendigkeit. Vorhandene Wärme nutzen, um Kälte zu erzeugen, das ist die Grundidee der Makatec GmbH aus Bondorf. Angesichts steigender Energiekosten hat die Firma aus der Region Stuttgart eine ökonomisch und ökologisch attraktive Alternative zu herkömmlichen Kühlprozessen entwickelt und damit ein riesiges Marktpotenzial entdeckt. „Ob Abwärme von großen Industrieanlagen, Motoren, Solaranlagen oder Blockheizkraftwerken – oft kann man mit vorhandener Wärme nichts anfangen und hat stattdessen Kältebedarf. Mit Hilfe unserer Anlagen lässt sich diese sonst vergeudete Energie sinnvoll nutzen“, erklärt der Makatec-Geschäftsführer Dr. Thomas Weimer.

„Das weltweite Marktpotenzial für Absorptionsanlagen geht in die Milliarden.“ Bisher kamen derartige Absorptionsanlagen nur in der Großindustrie zum Einsatz. Denn sie sind extrem teuer, groß und schwer sowie empfindlich gegenüber Erschütterungen. „Deshalb haben wir uns überlegt, wie man die Anlagen weiterentwickeln kann, um sie einem wesentlich breiteren Anwenderkreis zugänglich zu machen“, beschreibt Weimer die zentrale Herausforderung und gleichzeitig die Geschäftsidee seiner Gründung. Um dieses Ziel zu erreichen, modifiziert Makatec als weltweit erstes Unternehmen herkömmliche Absorptionsanlagen durch einen neuartigen Aufbau und speziell entwickelte Membrankomponenten aus Edelstahl und Kunststoff. Das Ergebnis ist international patentiert und kann sich sehen lassen: Die Makatec-Anlagen sind bis zu 80 Prozent kleiner, entsprechend leichter, robuster und in der Anschaffung wesentlich günstiger. „Wir konzentrieren uns zunächst auf die mittlere Leistungsklasse, also Anlagen zum Beispiel für Hotels, kleinere gewerbliche Betriebe oder größere Häuser“, so Weimer. Universitäten und Institute in Stuttgart, Freiburg und Duisburg testen bereits erfolgreich Prototypen.

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Der Start einer Kleinserie ist noch für dieses Jahr geplant. „Wir haben gezeigt, dass unsere Idee funktioniert und werden schon jetzt mit Anfragen überhäuft.“ Prinzipiell kann in jeder Kühlanlage der herkömmliche Kompressor durch eine Absorptionsanlage ersetzt werden – immer vorausgesetzt, es steht eine kostengünstige Wärmequelle zur Verfügung. Die gewonnene Kälte kann genutzt werden zur Produktion von Kaltwasser, als Nutzkälte für Lagerräume oder zur Klimatisierung von Gebäuden. Weimer: „Vor allem für die Länder rund ums Mittelmeer und im arabischen Raum stellen unsere Absorptionsanlagen kombiniert mit Solarthermie eine ökologische und gleichzeitig günstige Alternative dar.“ Absorptionsanlagen für einzelne Räume oder für den mobilen Einsatz in Autos sind Zukunftsvisionen, bis zu deren Realisierung noch einige Zeit vergehen wird. Denn der Entwicklungsaufwand ist hoch. Im letzten Jahr hat Makatec zum ersten Mal schwarze Zahlen geschrieben, vor allem durch den Verkauf von Pilotanlagen für den gewerblichen Betrieb. Für das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen war es deshalb existenziell wichtig, Investoren zu finden, die an das Marktpotenzial der Anlagen glaubten. Jemanden wie Berthold Mast, der über den Verein Business Angels Region Stuttgart auf die Gründerfirma aufmerksam wurde, in sie investierte und die kaufmännische Leitung übernahm. „Das weltweite Marktpotenzial für Absorptionsanlagen ist riesig und geht in die Milliarden“, erläutert Weimer. Folglich expandiert das derzeit zehn Mitarbeiter zählende Unternehmen kräftig. „In unserem sehr speziellen Bereich ist es nicht einfach, geeignete Mitarbeiter zu finden. Aus diesem Grund sind wir auf dem Gebiet der Nachwuchsförderung sehr aktiv und haben über Praktika und Abschlussarbeiten bereits einen großen Teil unserer jetzigen Mitarbeiter gewonnen.“ An spannenden Projekten mangelt es auch in Zukunft nicht: So forscht das Makatec-Team gemeinsam mit der Universität Stuttgart daran, wie man Biomasse zur Kältegewinnung nutzen, oder zusammen mit der Universität Duisburg, wie durch Vereisung von Meerwasser gleichzeitig Süßwasser und Nutzkälte gewonnen werden kann. Denise Nüssle


Makatec

Existenzgr端ndung

Makatec GmbH Gr端ndungsjahr: 2005 Sitz: Bondorf Mitarbeiter: 10 Umsatz: 425.000 Euro (2010) makatec.eu

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Fachkräfte

Transparenz, Wertschätzung, Disziplin – und Leidenschaft für Technik Miriam Fischer von der Mercedes-AMG GmbH aus Affalterbach über die Bedeutung von Werten im Personalmarketing

arbeiten

Fischer: Seit einigen Jahren spüren auch wir die Auswirkungen des viel beschriebenen Ingenieurmangels – so dauert es beispielsweise immer länger, offene Stellen adäquat zu besetzen. Deshalb haben wir bereits 2008 damit begonnen, uns als Arbeitgebermarke aktiv zu positionieren. Mit welchen Botschaften sprechen Sie Ihre Zielgruppen an? Bei AMG suchen wir Menschen mit Herzblut und Enthusiasmus für technische Themen. Wir legen bei unserer Arbeit außerdem Wert auf Transparenz, Leidenschaft, Wertschätzung und Disziplin. Dabei geht es jedoch nicht nur darum, die passenden Botschaften in Text und Bild zu

kommunizieren, sondern viel wichtiger ist es, diese im persönlichen Umgang mit den Bewerbern auch tatsächlich vorzuleben. Daimler

179: Frau Fischer, AMG ist den meisten automobilbegeisterten Menschen ein Begriff. Warum brauchen Sie trotzdem Arbeitgebermarketing, um geeignete Fachkräfte für Ihr Unternehmen zu rekrutieren?

Employer Branding hat viele Berührungspunkte mit der klassischen Personalarbeit, mit dem Produktmarketing und der Imagewerbung. Wie haben Sie das Arbeitgebermarketing bei AMG organisatorisch aufgestellt?

AMG verfügt bereits über mehrere Jahre Erfahrung im Personalmarketing. Wie würden Sie die Erfolgsfaktoren zusammenfassen?

Als Verantwortliche für das Personalmarketing bin ich dem Personalleiter unterstellt. Ich sitze mit Kollegen aus der operativen Personalarbeit im gleichen Raum und arbeite entsprechend eng mit ihnen zusammen. Genauso wichtig ist allerdings die Abstimmung mit dem klassischen Marketing und den Fachabteilungen. In enger Zusammenarbeit mit den Entwicklungsbereichen wiederum formulieren wir die Anforderungen, die wir an künftige Mitarbeiter stellen. Die Kollegen der Fachabteilungen überprüfen außerdem kritisch, ob wir mit unseren Werbeinhalten auch tatsächlich die Personen erreichen, die wir suchen.

Am Anfang steht immer das Benennen der eigenen Stärken und Schwächen. Außerdem ist es wichtig, ein klares Anforderungsprofil an die Bewerber zu formulieren. Der entscheidende Ball wird jedoch im persönlichen Umgang mit den Bewerbern gespielt. Hier muss es gelingen, die theoretisch formulierten Werbebotschaften mit Leben zu füllen und durch eine positive, transparente und bewerberfreundliche Kommunikation zu bestätigen. Die Fragen stellte Monika Nill mercedes-amg.com

Weltweiter Wissenstransfer per E-Learning Wissen und Know-how sind mit das wichtigste Kapital eines Unternehmens. Wenn ein Großteil dieses Kapitals in den Köpfen erfahrener Mitarbeiter steckt, werden interne Weiterbildung und Wissenstransfer zu Prüfsteinen für die Wettbewerbsfähigkeit. So auch beim Stuttgarter Ingenieurdienstleister Drees & Sommer, wo rund 1.120 Mitarbeiter an 31 Standorten weltweit Bau- und Immobilienprojekte betreuen.

Mit einem zusätzlichen Programm der hausinternen Weiterbildungsakademie geht Drees & Sommer jetzt neue Wege im Wissenstransfer: Mittels einer E-LearningPlattform auf Basis einer speziell auf die Bedürfnisse des Unternehmens angepassten Software wird das Know-how der erfahrenen Mitarbeiter an Nachwuchskräfte vermittelt – egal ob sie in Stuttgart, Mailand oder in Moskau sitzen. Rund 150 Experten aus dem gesamten Unternehmen haben dafür neben ihrer täglichen Arbeit insgesamt 290 Lerneinheiten verfasst, die auf je 15 Seiten das Wesentliche aus ihrem Fachgebiet enthalten.

auremar / Fotolia.com

In Einheiten von rund einer halben Stunde Lesedauer erlernen die Projektmanager auf sie zugeschnittene Inhalte und können das erworbene Wissen anhand von Fragen überprüfen. Sie befassen sich mit Projektmanagement, Immobilienberatung und Engineering, aber auch mit Firmen- und Führungswissen. Das E-Learning ist somit eine systematische Ergänzung zum tägli-

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chen „Learning by doing“ und zu weiteren Fortbildungsangeboten. An dem neuen Programm schätzen die Teilnehmer vor allem die Erfahrungswerte der Kollegen: „Es enthält geballtes Knowhow und unternehmensspezifische Tipps und Tricks aus der Praxis. Das ist nicht mit einem Lehrbuch zu vergleichen“, sagt Nadja Pröwer, eine der ersten Teilnehmerinnen und Projektpartnerin bei Drees & Sommer in Wien. Das E-Learning-System fügt sich nahtlos in die interne Weiterbildungsakademie ein. Die Anpassung des Systems und die Erstellung des Lehrstoffs haben insgesamt zwei Jahre in Anspruch genommen. Wertvoll ist das dabei zusammengetragene Wissen aber nicht nur für die Weiterbildung: Die Lerneinheiten sind auch als Nachschlagewerk zugänglich und konservieren das Know-how für die Zukunft. (red) dreso.com


Freizeit

Ein Dokumentarfilm über die Stuttgarter Parsifal-Inszenierung lockt in die Oper Wie entsteht eine Oper? Bei näherer Betrachtung entpuppt sich ein Theaterbetrieb als eigener und äußerst quirliger Mikrokosmos. In der Staatsoper Stuttgart, einem der erfolgreichsten und größten Opernhäuser Deutschlands, bringen 1.300 Mitarbeiter in 95 verschiedenen Berufen jedes Jahr 350 Vorstellungen und zehn Neuinszenierungen auf die Bühne.

Hier kämpfen Visionen mit den Realitäten des Machbaren. Jede Inszenierung gleicht einer babylonischen Anstrengung. Dies zeigt der neue Dokumentarfilm „Die singende Stadt“, der die Zuschauer aus dem Kinosessel auch ins Opernhaus lockt. Ein Jahr lang tauchte Regisseur Vadim Jendreyko in das komplexe Universum der Stuttgarter Oper ein und beobachtete die Menschen bei ihrer täglichen Arbeit.

Der Film gewährt intensive, zuweilen witzige Einblicke in sämtliche Arbeitsbereiche eines Theaterbetriebs. In den Werkstätten wird über unmöglich erscheinende Bühnenbilder geflucht, die schlussendlich doch umgesetzt werden. Die Technik verhandelt mit der Feuerwehr wegen Feuerstellen auf der Bühne. Kostümfärber und Rüstmeister haben ihren Auftritt, Sänger feilen mit Sprachtrainern an ihrer deutschen Aussprache.

erleben

Die singende Stadt

Staatsoper Stuttgart / Lothar Heinrich

Abseits der Epizentren der Geschehnisse finden sich Momente der Ruhe beim konzentrierten Arbeiten, während Opernregisseur Calixto Bieito versucht, mitten im quirligen Betrieb andere für die eigenen Ideen zu begeistern. Der Film wurde von der Filmtank Stuttgart GmbH in Zusammenarbeit mit der Staatsoper Stuttgart produziert, von ZDF/3sat koproduziert und von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg maßgeblich unterstützt. (asm)

16. April 2011 Lange Kunstnacht in Leonberg Zahlreiche Ateliers öffnen von 19 bis 1 Uhr ihre Türen. Bei einem Bummel durch die malerischen Gassen der Altstadt können die Besucher alles mühelos zu Fuß erreichen. leonberg.de

bis 22. Mai 2011 Kosmos Rudolf Steiner Eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart zeigt die Welt der Anthroposophie und ihre Bezüge zur Kunst. Ihr Begründer Rudolf Steiner war mit Stuttgart eng verbunden. kunstmuseum-stuttgart.de

5. bis 8. Mai 2011 Hoch in der Luft Ballon-Alarm: Die dritten Stuttgart Linde Open lassen wieder bunte Ballone in den Himmel steigen. Vier Tage dauert die internationale Wettfahrt für Gasballone. ballon-stuttgart.de

26. Mai bis 4. Juni 2011 Lautlos gleiten Ein Klassiker: der Internationale Segelflug-Hahnweide-Wettbewerb in Kirchheim/Teck. Die Alb und die Segler im Blick – auch Zuschauen ist schön. wolf-hirth.de

7. bis 8. Mai 2011 Automobilsommer 2011 Automobilbegeisterte aus aller Welt treffen sich rund um den Stuttgarter Schlossplatz: Autokorso mit spektakulären Wagen aus der Vergangenheit, prominenten Fahrern am Steuer, Open-Air Fahrzeug-Show „S-City mobil“ und eine Technologie- und Innovationsausstellung. automobiljahr-stuttgart.de

9. bis 13. Juni 2011 Zeitreise im Remstal Historische Mobilität zum Miterleben und Anfassen. In Schorndorf, Winterbach, Remshalden, Weinstadt, Kernen und Waiblingen werden eindrucksvoll verschiedene historische Etappen und der Zeitgeist der Automobilgeschichte inszeniert. remstotal.de

tipps

filmtank.de staatstheater-stuttgart.de

Freda für Technikfreaks Hier warten technische Leckerbissen auf ihre Bewunderer: In einer alten Fabrikhalle sammelt Backnang Maschinen aus repräsentativen Wirtschaftszweigen. Zu den unangefochtenen Stars gehört die Richtfunkanlage „Freda“, mit der 1952 die erste Fernsehübertragung in Deutschland stattfand. Ferner gibt es Spinnerei-, Straßenbaumaschinen und Motoren zu bestaunen, dazu den kompletten Ablauf der Lederverarbeitung. Dass die Maschinen in Aktion gezeigt werden können, verleiht der Ausstellung ihren besonderen Reiz. backnang.de Schatzsuche im Schloss Das Landesmuseum Württemberg hat jetzt ein eigenes Kindermuseum. Bei der „Schatzsuche im Jungen Schloss“ erleben kleine Besucher Kulturgeschichte als Eiszeitjäger, Ritter oder römischer Händler hautnah. Mitmachen heißt hier, auch Originalobjekte wie einen Mammut-Backenzahn anzufassen. Die Maskottchen des Kindermuseums – Schlossgespenst Hugo und Eule Trixi – sind überall dabei, wo Spaß angesagt ist. junges-schloss.de

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Die dunkle Seite der Informationstechnologie „IT-Crime Night“ informiert über Risiken in der Computer-Branche

WRS

Computerkriminalität ist die dunkle Seite der Informationstechnologie. Bei der zweiten „IT-Crime Night“ tauschten sich rund 70 Teilnehmer des IT-Stammtischs Region Stuttgart über die Gefahren in ihrer Branche aus. Bei dem Abend, den die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) gemeinsam mit dem regionalen IT-Netzwerk organisiert hatte, beleuchteten zwei hochkarätige Referenten das Thema auf teils ungewöhnliche Weise.

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Aus Sicht des Ermittlers gewährte zunächst Frank Eißmann vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg Einblicke in die aktuellen Aktivitäten der „Underground Economy“. Er berichtete, was Computerganoven derzeit treiben, und öffnete die Augen für Bedrohungen. Deutlich wurde, dass hinter den meisten Computerattacken nicht harmlose Jungs beim elektronischen Kräftemessen stecken, sondern handfeste Täter der Organisierten Kriminalität – von digitalen Dieben über elektronische Erpresser bis zu Online-Geldwäschern. „Die Hackerehre von früher gibt es nicht mehr, heute geht es ums Geld“, so Eißmann. Zur Verdeutlichung hatte der CyberCrime-Beamte viele Beispiele mitgebracht. So berichtete er von einem Fall von Überweisungsbetrug mittels per E-Mail eingeschleuster Trojaner-Schadprogramme. Eißmann: „Es gibt leider immer noch genügend Leute, die draufklicken.“ Sechs Beamte der Inspektion Cyber-Crime waren ein Jahr lang beschäftigt, bevor ein internationales Netzwerk aus mehreren Hundert Kriminellen zerschlagen werden konnte.

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Neben dem „Skimming“, also dem Abgreifen von Kontendaten am Geldautomaten, beleuchtete Eißmann einen weiteren aktuellen digitalen Kriminalitätsschwerpunkt: Geldwäsche. Dazu würden heute oft virtuelle Zahlungssysteme genutzt, deren Zahlkarten frei verkauft werden. Der Bezahlcode werde in Deutschland erworben, etwa an Tankstellen, in andere Länder gemailt und dort eingelöst. Auch virtuelle Welten wie „Second Life“ oder „World of Warcraft“ seien nicht mehr vor Geldwäsche gefeit: Dort können für echtes Geld virtuelle Güter gekauft werden, die dann im Ausland gegen reales Geld wieder verkauft werden. Beim „Live Hacking“ demonstrierte Sebastian Schreiber vom IT-Sicherheitsdienstleister SySS GmbH im zweiten Teil des Abends die akuten Gefahren für IT-Systeme. Die Tübinger Firma sucht im Auftrag von Unternehmen nach Sicherheitslücken in deren IT-Systemen. Zur Demonstration schleuste Schreiber unter anderem in ein Smartphone eine Schadsoftware ein, die die Überwachung des Geräts ermöglichte. Beim „Google Hacking“ verdeutlichte er, wie über einfache Suchanfragen Passwörter ungesicherter Websites abgefangen werden können und betonte damit, wie wichtig die Vergabe sicherer Passwörter und deren verschlüsselte Übertragung ist. Unsicher sind bis heute auch viele Internetshops. Mit einer manuellen Preisänderung in einem Warenkorb führte Schreiber die vergleichsweise einfache Manipulation eines solchen Shops vor – und schärfte den Zuhörern ein: „Glauben Sie den Prüfsiegeln nicht, die Methode funktioniert bei mehreren mit Label versehenen Websites!“ Zu einem ähnlich desillusionierenden Urteil kam er auch mit der Manipulation eines verschlüsselten USB-Sticks, dessen Passwortschutz er in wenigen Augenblicken geknackt hatte. „Hinterfragen Sie die Systeme, hinterfragen Sie insbesondere Marketingaussagen“, gab er den Teilnehmern des IT-Stammtischs auf den Weg. Tobias Schiller

Das Standortmagazin der Region Stuttgart 1/2011

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Wirtschaftsförderung Region Stuttgart Aktuell

der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart 5. bis 6. April 2011 7. Deutsches CSR-Forum Kongress und Messe zu nachhaltiger Unternehmensführung. Die von der WRS unterstützte Veranstaltung richtet sich besonders an mittelständische Unternehmen. Ort: Stuttgart, Haus der Wirtschaft csrforum.eu 19. April 2011, 9 bis 13 Uhr Talente-Forum 01‘11 Veranstaltungsreihe für Personaler kleiner und mittelständischer Unternehmen. Der Termin im April befasst sich mit der Frage, wie man sich bei Nachwuchskräften mittels Employer Branding und Hochschulmarketing einen Namen macht. Ort: Stuttgart, GENO-Haus fachkraefte.region-stuttgart.de 20. April 2011, ab 15:30 Uhr 2. Investorenforum Landkreis Esslingen Die Veranstaltung bietet Vorträge zu Entwicklungen und Investitionsmöglichkeiten im Landkreis Esslingen, eine Diskussionsrunde mit Vertretern japanischer Konzerne, warum sie sich für den Landkreis entschieden haben, und eine Ausstellung zu Gewerbegebieten und innerörtlichen Entwicklungsflächen. Ort: Landratsamt Esslingen wrs.region-stuttgart.de 2. Mai 2011, 9 bis 17 Uhr 2. Stuttgarter Medienkongress Parallel zum 18. Internationalen TrickfilmFestival und der 16. Konferenz für Animation und interaktive Medien fmx in der ersten Maiwoche diskutiert der LfK-Medienkongress das Thema „Communities – das digitale Lagerfeuer“. Die WRS ist Veranstaltungspartner. Ort: Stuttgart, GENO-Haus stuttgarter-medienkongress.de 18. bis 19. Mai 2011 Mittelstands-Messe b2d Industrie, Handwerk und unternehmensnahe Dienstleister präsentieren bei dieser von der WRS unterstützen Messe ihre Angebote und bauen neue regionale Kunden- und Lieferantenkontakte auf. Ort: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle dialogmesse.de 12. und 13. Juli 2011 Open Forum Stuttgart Das Open Forum der WRS-Initiative CARS-IT bringt zwei herausragende Events zum Thema „Softwareentwicklung im Wandel“ zusammen. Experten tauschen sich zu Technologien und Prozessen für die Softwareentwicklung aus, insbesondere in der Automobilindustrie. Ort: Stuttgart, Haus der Wirtschaft www.open-forum.net


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Verband Region Stuttgart

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medien.region-stuttgart.de Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) Friedrichstraße 10 70174 Stuttgart

Die nächste Ausgabe von 179 erscheint im Juni 2011.

Kronenstraße 25 70174 Stuttgart

Netzwerk für Austausch auf hohem Niveau Mit dem Ziel, neue Märkte im Dienstleistungsbereich zu erschließen, haben sich auf Initiative der WRS führende Maschinenbaufirmen aus der Region Stuttgart zum Netzwerk „Regionaler Industriezirkel“ zusammengeschlossen. Dort treffen sich Führungskräfte von Unternehmen, die auf dem Gebiet produktbegleitender Dienstleistungen Vorreiter sind. In einem geschützten Rahmen können sie durch Dialog auf fachlich hohem Niveau ihre Exzellenz auf dem Feld der produktbezogenen Dienstleistungen weiterentwickeln. Bei der Auftaktveranstaltung bei Schnaithmann Maschinenbau in Remshalden waren 23 Firmen vertreten, darunter Bosch, Festo, Siemens, Paal, Harro Höfliger, Dürr Systems, Gebr. Heller, Eisenmann und Schuler. Das nächste Treffen findet im Mai statt.

impressum

Mit über 400 Unternehmen hat das Verlagscluster der Region Stuttgart eine bundesweite Ausstrahlung. Eine von der WRS zusammen mit dem Institut für Kreativwirtschaft an der Hochschule der Medien herausgegebene Studie mit dem Titel „Zukunft der Verlagsbranche“ beleuchtet die Folgen des gesellschaftlichen Wandels für diesen Wirtschaftszweig. Die Studie zeigt zudem, wie Wirtschaftsförderung zur Bewältigung des Strukturwandels beitragen kann. Sie ist im Rahmen des Strategieprozesses „Region im Wandel – nachhaltig erneuern!“ entstanden und kann jetzt im Buchhandel und bei der WRS bestellt werden.

Mit einer Eröffnungstagung im ungarischen Debrecen ist das Projekt AFRESH (Activity and Food for Regional Economies Supporting Health) gestartet. Unter Führung der WRS tauschen acht europäische Partnerregionen ihre Erfahrungen aus, die sie bei der Vorbeugung und bei Therapiemöglichkeiten von ernährungsbedingten Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten machen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung innovativer Strategien der Förderung von Bewegung und sportlichen Aktivitäten. Das Konsortium erhält von der EU-Kommission für drei Jahre einen Betrag von drei Millionen Euro, davon fließt eine halbe Million in die Region Stuttgart. Partner der Gesundheitsregion sind unter anderem der Gesundheitspark Albtrauf, das Klinikum Stuttgart, die Universität Stuttgart und die Daimler AG.

Autoren dieser Ausgabe Helmuth Haag (hel), Monika Nill (nil), Denise Nüssle (nüs), Michael Ohnewald (moh), Tobias Schiller (tos), Astrid Schlupp-Melchinger (asm) Gestaltung Projektgruppe Visuelle Kommunikation, Ludwigsburg

Fachbeiträge Informationen

Kontakte

WRS

Neue Studie zur Zukunft der Verlage

Die Region Stuttgart hebt ab: In der Hightech-Branche Luft- und Raumfahrt beweist sie ihre Stärke in Forschung und Entwicklung. Vier von fünf Raumfahrtingenieuren Deutschlands werden hier ausgebildet, die Forschungseinrichtungen des DLR und der Universität Stuttgart sorgen weltweit für Aufsehen. Um diesen forschungsstarken Clusterkern hat sich eine Reihe hoch innovativer Unternehmen angesiedelt.

Europäisches Gesundheitsnetzwerk AFRESH gestartet

Fachbeiträge – Informationen – Kontakte

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Luft- und Raumfahrt

Europa in der Region Stuttgart

Auf Initiative der Landesregierung soll die Region Stuttgart zur „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ werden. Ziel des Vorhabens ist es, mit neuen Konzepten Mobilität für Menschen und Güter zu optimieren und dabei wirtschaftliche und ökologische Belange in Einklang zu bringen. Dazu sollen verschiedene Projekte gestartet werden, etwa zur besseren Verknüpfung der Verkehrsträger durch schnellere und umfassendere Informationen auf mobilen Endgeräten. Zudem soll ein Leitbild „Nachhaltige Region Stuttgart“ entwickelt werden, das auch als Modell für andere Regionen dienen kann. Das Land stellt sieben Millionen Euro für das Vorhaben bereit.

nächste ausgabe

Wirtschaftsförderung Region Stuttgart Aktuell

Modellregion für nachhaltige Mobilität

Europa in der Region Stuttgart

EU-Kompetenzatlas der Region Stuttgart Zweite überarbeitete und erweiterte Ausgabe

Der jetzt vom Verband Region Stuttgart und der WRS neu aufgelegte und erweiterte „Regionale Kompetenzatlas Europa“ zeigt, wie sich Kommunen, Firmen, Forschungseinrichtungen und Verbände gewinnbringend auf europäischer Ebene engagieren können. Dazu liefert das Nachschlagewerk übersichtliches Basiswissen zur europäischen Politik, zu Förderprojekten und zum Europarecht, gibt praxisnahe Tipps für die Beantragung von Fördergeldern und listet Anlaufstellen zum Thema Europa in der Region Stuttgart auf. Zudem informiert der Atlas über das Engagement der Region Stuttgart in Europa. Die Publikation kann bei der WRS bestellt werden. eu.region-stuttgart.de

179

Erscheinungsweise Quartalsweise Abonnement/Abbestellung 179@region-stuttgart.de 179.region-stuttgart.de Zur besseren Lesbarkeit wird teilweise auf die weibliche Form verzichtet. Gedruckt auf Papier mit FSC-Zertifizierungssiegel fsc.org

12.10.10 14:55

Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH ist eine Tochter des Verband Region Stuttgart. Das Infomagazin „Region Stuttgart aktuell” können Sie auf der Website des Verbandes einsehen und bestellen: region-stuttgart.org region-stuttgart.de

Das Standortmagazin der Region Stuttgart 1/2011

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179 – Das Standortmagazin der Region Stuttgart (Ausgabe 1/2011)  

179 ist das Standortmagazin für die Region Stuttgart. Alle drei Monate berichtet 179 von starken Unternehmen, von neuesten Entwicklungen in...

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