Elektro Guzzi
Wie Maschinen, bloß besser
Lupenreiner Techno, handgespielt mit Bass, Gitarre und Schlagzeug, immer live, nie mit Synthesizer. Und, klar: Das neue Album erscheint auf Audio kassette. Interview mit der spannendsten Elektronikband der Stunde. Text: Florian Obkircher, Bild: Dan Wilton jakob schneidewind: Außerdem arbeiten wir mit Gitarren-Effektgeräten wie Filter und Delays. Wir sammeln diese musikalischen Tretminen seit Jahren. Jeder von uns hat im Studio ein Regal voll. Ihr verwendet Effektgeräte, aber keine Computer. Wo zieht ihr die Grenze? bh: Wir verwenden auf der Bühne keinen Sequenzer. Das heißt: Wir haben keine Geräte, die uns das Tempo oder Abläufe vorgeben. Wir wollen nicht unter der Fuchtel von Maschinen stehen.
the red bulletin: Wie kommt man auf die Idee, Techno mit RockInstrumenten zu spielen? bernhard breuer: Als wir vor zehn Jahren mit Elektro Guzzi anfingen, waren wir Techno-Fans, konnten aber nicht mit dem Computer umgehen. Und DJs waren wir auch keine. DesHandgespielter Techno, live on stage: Elektro Guzzi halb spielten wir unsere Lieblings musik mit den Instrumenten, die wir js: Unser Anspruch ist: Jeder Sound, der beherrschten: Gitarre, Bass, Schlagzeug. beim Konzert zu hören ist, wird von uns Aber warum besorgt man sich keinen live auf der Bühne gespielt. Ohne ZuspieSynthesizer, wenn man Techno mag? lungen oder zusätzliche Klangquellen. bb: Wir kommen alle aus der experimenSeid ihr eurem Konzept auch im Tontellen Musikszene. Da besteht die Herausstudio treu? forderung darin, seinem Instrument inter js: Klar. Wir spielen auf Platte alles live essante Klänge zu entlocken. ein. Es gibt keine zusätzlichen Spuren Wie erzeugt man Sounds mit der oder Instrumente. Gitarre? Ist das nicht ein Problem, weil euch bernhard hammer: Ich klemme kleine der Hörer ja nicht sieht? Er weiß nicht, Metallklammern auf die Saiten. Dadurch welche Instrumente ihr verwendet. verändert sich die Obertonstruktur, das bb: Genau darin besteht die Heraus erzeugt glockenartige Klänge. Oder ich forderung: Wie kreiert man mit nur drei stecke eine Metallplatte zwischen die SaiInstrumenten Klänge, die möglichst vielten, die das Magnetfeld der Tonabnehmer stimmig klingen? Das erfordert langes stört. Das klingt auch ziemlich arg. 42
Soundforschen. Der Trick: Es geht darum, wie die Parts zueinanderstehen und ineinandergreifen. js: Im Prinzip sind wir ein Drumcomputer und zwei Synthesizer. Nicht mehr. bb: Oder ein Synthie mit drei Modulen. Techno gibt’s seit fast dreißig Jahren. Ist es nicht komisch, dass vor euch noch niemand auf die Idee gekommen ist, ihn von Hand zu spielen? bb: Was Krautrock-Bands wie Can und Neu! um 1970 gemacht haben, kam der Idee von handgespieltem Techno schon recht nahe. Der monotone Beat von Schlagzeuger Jaki Liebezeit ist legendär. Einer seiner Mitmusiker sagte damals: „Jaki spielt wie eine Maschine. Bloß besser.“ Euer neues Album erscheint auf Audiokassette, nicht auf CD. Ist das die logische Fortführung eurer Computerskepsis? bb: Der Grund dafür ist sehr banal: Das Album erscheint bei einem Label namens The Tapeworm, das nur Kassetten veröffentlicht. Für uns war das eine Herausforderung: Weil man Stücke von der Länge und vom Spannungsbogen her anders aufbaut, wenn sie auf Kassette gehört werden. Besitzt ihr denn selbst noch Kassettenrekorder? alle drei: Ja. bh: Meiner spielt die Kassetten aber leider etwas zu langsam ab. bb: Was bei Techno ja kein Problem ist. Techno ist eh immer zu schnell (lacht). „Circling Above“ (The Tapeworm) erscheint im August; www.elektroguzzi.net
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zusatzbild: kipC.at
Wer Elektro Guzzi auf der Bühne erlebt, denkt zuerst einmal an Sehstörungen. Das Auge sieht: Bass, Gitarre, Schlagzeug – klassische Rockbesetzung. Das Ohr hört: hypnotischen Techno. Das Wiener Trio spielt elektronische Musik ohne elektronische Klangerzeuger. Gitarrist Bernhard Hammer klemmt Metallklammern auf die Saiten, um seltsame Sounds zu kreieren. Red Bull Music Academy-Absolvent Jakob Schneidewind schleift seine Bassgitarre durch Effektgeräte, Schlagzeuger Bernhard Breuer ergänzt seine Trommeln um Kochtöpfe. Nach ihrem Konzert am renommierten Sónar Festival in Barcelona sprach die Band mit dem Red Bulletin.