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SCHWEIZ MÄRZ 2018, CHF 3,80

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

DIESER MANN GAB ALLES AUF

WORIN ER AM BESTEN WAR. UM NOCH BESSER ZU WERDEN. DAS GEHEIMNIS DES SCHWEIZER HALFPIPE-WELTMEISTERS MARKUS KELLER


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EDITORIAL

Kletter-Kollegen verglichen seine Leistung mit der Mondlandung, die „New York Times“ schrieb von einem „Traum jenseits der Vorstellungskraft“: 2017 bezwang der Amerikaner Alex Honnold als erster Mensch die ­berüchtigte Steilwand El Capitan in Kalifornien über die Freerider-Route im Free-Solo-Stil. 1000 Höhenmeter in unter vier Stunden. Ohne Kletterpartner, ohne Seil – ungesichert. Wie Honnold mit dem Absturzrisiko umgeht und wie man Angst generell besiegt, liest du ab Seite 52.

Eine inspirierende Geschichte über Willenskraft fand unser Autor Tom Ward (re.) in Südafrika. Wie der erblindete ehemalige MMA-Champion Ronald Dlamini (li.) in den Ring zurückkehrte, liest du ab Seite 34.

Einen ruhigen Kopf bewahren müssen auch die Männer und Frauen der Rettungseinheit ICE-SAR auf Island. Wir schickten unsere Autorin gemeinsam mit MagnumFotograf Jonas Bendiksen zum Überlebenstraining. Ein Sprung ins kalte Wasser mit einer beeindruckenden Lektion in Sachen Teamwork. Ab Seite 62.

MIT AN BORD IN DIESEM HEFT

JONAS BENDIKSEN

Der preisgekrönte Fotograf aus Oslo verbrachte im Auftrag der Agentur Magnum Photos schon viel Zeit in rauen Gegenden. Für uns reiste er nach Island zur nationalen Such- und Rettungseinheit ICE-SAR. „Es war traumhaft“, sagt Bendiksen. „Die freiwilligen Helfer trotzen Kälte, Wind und Eis. Denn sie brennen für ihre Aufgabe.“ ­Unsere Reportage ab Seite 62.

GIAN PAUL LOZZA

Für sein jüngstes Projekt begab sich der Graubündner Fotograf mit dem Schweizer Ex-SnowboardWeltmeister Markus Keller ins ­Hinterland der japanischen Insel Hokkaido. Es wurde eine körper­ liche Grenzerfahrung für beide. Lozza: „Ich fotografierte hüfttief im Schnee stehend, während ­Markus unfassbare Powder-Runs hinlegte.“ Das Ergebnis: unsere Coverstory ab Seite 24. GIAN PAUL LOZZA (COVER)

WILLKOMMEN IN UNSERER WELT

Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion

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THE RED BULLETIN


RECORDING O LYM P I C D R E A M S

SEAMASTER PLANET OCEAN PYEONGCHANG 2018 EDITION

Since 1932, OMEGA has known that the Olympic Games is a stage for dedicated athletes to reach their dreams. That’s why we love our role as Official Timekeeper and why we’re so passionate about providing trusted precision in every single event. Exclusively at OMEGA Flagship Boutiques and selected retailers worldwide


INHALT März

BULLEVARD Life and Style Beyond the Ordinary

10 Wo Schauspieler Chris

Hemsworth Kraft schöpft 12 Highspeed im Eiskanal: Red Bull Crashed Ice 2018 14 Dinieren unter Wasser 16 Die feurigsten Chilis der Welt 17 Dita Von Teeses neue Rolle 18 Der F1-Bolide für die Straße 2 0 Asphalt-Surfing 2 2 Das Erfolgsgeheimnis von Hollywoodstar Margot Robbie

GUIDE

Get it. Do it. See it. 80 Highlights auf Red Bull TV 82 Silizium-Zeitmesser 84 Top-Termine des Monats 86 Ein Trainingsanzug,

der die Muskeln stimuliert

88 Die beste Outdoor-Ausrüstung 97 Impressum 98 Makes You Fly:

BMX-Dirt-Rider Mike Clark

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STREET-ART

Kunstwerke als Obstacles? „Ja“, sagt der französische Fotograf und Skater Raphaël Zarka. Eine Kunst-Neudefinition in grandiosen Bildern.

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DITA VON TEESE

Das US-Model tauscht Korsett gegen Mikro. Und freut sich schon auf ihre Hater.


34 DAVY VAN LAERE, JOHN RUSSO/GETTY IMAGES, PAUL SAMUELS

RONALD DLAMINI

Der erblindete MixedMartial-Arts-Champion: Er kämpft, er coacht, er inspiriert. Und er folgt einer globalen Vision.

FEATURES

2 4 Raus mit dir!

Snowboarder Markus Keller über das Leben außerhalb der Komfortzone.

3 4 Der blinde Fighter

Wie sich Ex-MMA-Champion Ronald Dlamini in den Ring zurückkämpfte.

4 2 Skate of the Art

Kunstobjekte auf öffentlichen Plätzen sind nicht nur zum Anschauen da.

5 0 Mut zur Verzweiflung

Der etwas andere Selbsthilfe-Ratgeber des TV-Produzenten Elan Gale.

52 Kletterndes Genie

Die erste Free-Solo-Besteigung von El Capitan machte den US-Kletterer Alex Honnold zur Legende. Begegnung mit einem, der Angst anders wahrnimmt.

6 2 Islands Lebensretter

Unterwegs mit der Such- und Rettungsorganisation ICE-SAR: freiwillige ­Helfer, tosende Eisflüsse, Gletscherspalten – und die Kraft des Teamgeists.

7 2 Awolnation will’s wissen

Echtheit statt Perfektion: über ein ganz besonderes Studiokonzert.

THE RED BULLETIN 

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Challenge the weather.

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BULLEVARD LIFE

&

STYLE

BEYOND

THE

ORDINARY

Milliarden-DollarMann: „Thor“-Star Chris Hemsworth erzählt von seiner Jugend im Outback.

JOHN RUSSO/CONTOUR BY GETTY IMAGES

CHRIS HEMSWORTH „ICH BRAUCHE ­VENTILE FÜR MEINE ENERGIE“ SEITE 10

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JOHN RUSSO/CONTOUR BY GETTY IMAGES

RÜDIGER STURM

B UL L EVA R D

Chris Hemsworth, 34, Actionheld und Hobby­ surfer: „Je größer die Welle, desto besser.“

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I

n seiner Jugend lief Chris Hemsworth am liebsten barfuß durch die Gegend, heute gehört der 34-Jährige zur Hollywood-Elite. Mit ­seinen bisher drei Filmen als Marvel-Actionheld „Thor“ spielte der Australier weltweit knapp zwei Milliarden Dollar ein. Am 8. März kommt sein Kriegsdrama „Operation: 12 Strong“ in die Kinos.

the red bulletin: Herr Hemsworth, Ihr aktueller Film handelt von einer ­Spezialeinheit und deren Einsatz in Afghanistan. Wer sind die mutigsten Menschen, denen Sie im wahren Leben je begegnet sind? chris hemsworth: Meine Mutter und mein Vater. Als ich klein war, hatte unsere Familie wenig Geld. Aber meine Eltern haben mich und meine Brüder (den Schauspielern Luke und Liam Hemsworth; Anm.) die Armut nie spüren lassen. Sie haben nonstop geschuftet, ­damit wir uns einen Urlaub leisten konnten oder das Surfboard, das wir unbedingt wollten.

Chris Hemsworth Der Superstar der „Thor“-Filmreihe wuchs im australischen Outback auf. Bis heute nutzt er die Natur als Inspirationsquelle.

„SPERRT EURE LAPTOPS WEG“ THE RED BULLETIN

Sie sind in Australiens Outback aufgewachsen … … in mehreren Abori­ginesGemeinden, ja. Ein komplett anderer Alltag, als wir ihn heute kennen. Wie sah dieser Alltag aus? Bei uns zu Hause liefen Büffel über die Straßen, in manchen Flüssen schwammen Kroko­ dile. Wir hatten zwar einen Fernseher mit zwei Kanälen, aber der war meistens kaputt. Wie haben Sie sich die Zeit vertrieben? Wir haben ganze Tage draußen verbracht und sind in die Aborigines-Kultur mit ihren Mythen und Geschichten eingetaucht.

Wovon erzählten diese Geschichten? Von Geistern, die angeblich im Outback in Höhlen wohnen. Meine Freunde und ich haben uns Waffen gebastelt und sind losgezogen, um die Höhlen zu erkunden. Tatsächlich haben wir dabei einmal sogar alte Wandmalereien entdeckt. Das alles sind Erfahrungen, die du in keiner Schule machen kannst. Sie sind bis heute großer Outdoor-Fan. Was suchen Sie in der Natur? Ich bin ein Mensch mit sehr viel Energie. Wenn ich dafür kein Ventil finde, fällt mir die Decke auf den Kopf. Das passiert mir, wenn ich länger in einer Stadt drehe. Ich will auch nicht ständig am Bildschirm kleben. Darum schließe ich meinen Laptop ab und zu in die Schublade ein. Dann geht’s raus in die Natur. Wo können Sie am besten abschalten? Beim Surfen! Je höher die Wellen sind und je weiter ich von ­meiner Komfortzone entfernt bin, desto besser. In solchen Momenten musst du voll ­präsent sein. Dieses Gefühl versuche ich dann den Rest des Tages aufrechtzuerhalten. Geisterhöhlen, Wellen­reiten – okay. Was inspiriert Sie sonst noch? Ich finde es gefährlich, wenn man immer am selben Ort lebt. Das kann deine Weltsicht sehr stark einschränken. Also raus aus deiner Blase! Ich möchte andere Menschen und Kulturen kennenlernen und verstehen, wie sie leben. Der Gewinn daraus ist beträchtlich.

„Operation: 12 Strong“ läuft ab 8. März im Kino  11


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ANDREAS SCHAAD/RED BULL CONTENT POOL, MIHAI STETCU/RED BULL CONTENT POOL WERNER JESSNER

Action im Eiskanal: der Führende Miikka Jouhkimainen (FIN), gejagt von Janis Lütolf (SUI), auf dem Red Bull Crashed Ice-Kurs 2017 in Jyväskylä-Laajis, Finnland

THE RED BULLETIN


E

Eiskalt bergab Red Bull Crashed Ice in der 17. Saison: härter, stärker und professioneller denn je.

ENDLICH ERWACHSEN! THE RED BULLETIN

s begann als eine Art Experiment: Im März 2001 trafen sich 57 Athleten aus zehn Nationen an einem ­kalten Frühlingstag in Stock­ holm, um eine neue Sportart auszuprobieren. „Ice Cross Downhill“ sollte Elemente von Eishockey und Boardercross kombinieren. In einem Eis­ kanal. Bergab. Vier Mann pro Wettlauf auf der Strecke. Das Experiment glückte. Und wie! In den nächsten Jahren ­eroberte der Sport die Winter­ sportnationen rund um den Globus. Überall, wo man mit Snowboard oder Eishockey etwas anfangen kann, boomte Red Bull Crashed Ice – die offizielle Ice-Cross-DownhillRennserie. Die Folgen: fünf­ stellige Zuschauerzahlen, übervolle Starter­felder, un­ gebremste Action auf den Strecken. Seit 2010 wird eine eigene Weltmeisterschaft aus­ getragen, und zwar für Män­ ner, Frauen und Junioren. Die Saison 2018 bringt den Fans zehn Tour-Stopps, die sich auf sechs Riders Cup Events und vier Red Bull Crashed Ice-Bewerbe ver­ teilen: Die Riders Cup-Events dienen dabei als lokale Ren­ nen von Ridern für Rider, bringen aber auch WM-Punk­ te. Die vier Red Bull Crashed Ice-Races sind der Grand Slam für die Helden des Eis­kanals. Die Locations heißen St. Paul, Minnesota (USA), Marseille (FRA), Jyväskylä-Laajis (FIN) und Edmonton (CAN). Alter und neuer Titel­ verteidiger ist der Amerikaner Cameron Naasz, der seinen ersten WM-Titel (2015/16) schon ein Jahr zuvor angekün­ digt hatte. Der Ex-Eishockey­ spieler damals selbstbewusst: „Ich gehe davon aus, dass ich der nächste Weltmeister wer­ de. Warum sollte ich sonst an Wettkämpfen teilnehmen?“ Zwei Dinge sind es, die den Mann aus St. Cloud in Minne­

Wendig wie eine Katze: Cameron Naasz, 28, USA, Titelverteidiger der Ice Cross Downhill-WM

sota im Eiskanal so besonders machen. Da ist einmal sein katzenartiger Stil, der die Un­ ebenheiten im Eis gezielt aus­ nutzt, statt sich dadurch aus der Spur bringen zu lassen. Er landet mit seinen Kufen präzise auf Rillen im Eis, die ihm das Quäntchen mehr Grip und Geschwindigkeit bringen, während andere rutschen. Seine zweite große Stärke liegt im Kopf: Cameron Naasz bringt unglaubliche Reaktions­ zeiten am Start mit, die ihn das Rennen in der Regel von vorn kontrollieren lassen. Vor allem aber lässt er sich von Unvorhergesehenem nicht aus der Ruhe bringen. Als das Finale letzte Saison wegen ­eines technischen Problems wiederholt werden musste, stellte er den bereits errungen geglaubten Pokal im Geiste wieder weg, konzentrierte sich auf den zweiten Start – und siegte erneut. Athleten wie Cameron Naasz sind es, die Red Bull Crashed Ice 2018 auf ein neu­ es Level hieven. Denn nur weil ein Sport erwachsen ist, heißt das nicht, dass er nicht noch etwas dazulernen könnte. Nächstes Rennen: Marseille, 16. / 17. 2. 2018; crashedice.redbull.com

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R

ein äußerlich er­ innert das Under in Lindesnes an Norwegens Südspitze ein wenig an Moby Dick, den alles verschlingenden weißen Wal aus den Tiefen des Ozeans. Und irgendwie ist die Analogie ja auch stimmig: Was zu nahe kommt, findet zuverlässig ­kulinarische Verwertung. Bei seiner Eröffnung im Jahr 2019 wird das Under das größte Unterwasserrestaurant der Welt sein. Serviert werden ­naheliegenderweise Fische und Krustentiere von jenseits der Panorama-Glaswand im Unterwassergeschoss, dazu Seevögel und Wildschafe, die im Umland grasen. Besonderes Feature: Durch Licht, Geräusche und Düfte wird Plankton angelockt, was wiederum Fische anzieht. Man isst also wie in einem Aquarium. Wenn auch mit vertauschten Rollen. under.no

Unterwasser­­ restaurant Fangfrisch hat einen neuen Superlativ: In diesem Restaurant in Norwegen verspeist du, was rund um dich gerade noch gezappelt hat. Auf Augenhöhe.

DINNER À LA CAPTAIN NEMO

Hinter der Panorama-Glaswand wartet die Spezialität des Tages.

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MIR/SNØHETTA/STIAN BROCH

TOM GUISE

Auf dem Teller treffen sich Fauna und Flora der nächsten Umgebung.

Das Restaurant Under, entworfen vom Architekturbüro Snø­hetta aus Oslo (und New York), ragt sechs Meter ins Meer. THE RED BULLETIN


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3,5 Mio.

Heiße Ware

max. 3,18 Millionen

Pepper X

Zu scharf? Gibt’s nicht, sagt Ed Currie. Auf seiner Farm züchtet der Amerikaner die feurigsten Chilis der Welt.

3 Mio.

EIN BISSEN LAVA GEFÄLLIG?

2,5 Mio.

max. 2,2 Millionen

2 Mio.

Carolina Reaper

2013 krönte das Guinness-Buch der Rekorde Cur­ ries Kreuzung zur schärfsten Chili­ sorte der Welt.

1,5 Mio.

1 Mio.

Du sabberst, deine Augen rinnen. Viele schreien, wälzen sich am Boden. Manche halluzinieren. Aber keine Angst: Gefährlich ist es nicht. Nach 10 bis 30 Minuten ist der Spuk vorbei.

500.000

400.000

max. 350.000

Habanero 300.000

200.000

100.000 50.000

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max. 5000

Tabasco­ sauce

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eute bezahlen mich dafür, dass ich sie zum Heulen bringe“, sagt Ed Currie mit einem Zwinkern. Den Beweis dafür liefern tausende YouTube-Videos, in denen sich Verrückte filmen, wie sie seine Kreation, den Carlina Reaper, testen – die schärfste Chilisorte der Welt. Hier spricht er über ihre heilende wie halluzinogene Wirkung. the red bulletin: Warum haben Sie mit der Chilizucht begonnen? ed currie: Ich wollte nicht sterben. In meiner Familie gibt’s viele Krebsfälle. Als ich herausfand, dass Krebs bei Bevölkerungen, die sehr scharf kochen, deutlich seltener vorkommt, fing ich damit an. Was passiert, wenn ich den Carolina Reaper koste? Nach wenigen Sekunden fängst du an zu schwitzen.

Warum tut man sich das an? Der Chili-Kick macht süchtig! Aber es gibt auch Idioten, die prahlen wollen. Die liegen oft als Erste heulend am Boden. ­ epper X, Ihre neueste P ­Kreuzung, ist schärfer als der Reaper. Merkt man da noch einen Unterschied? Klar! Nicht diejenigen, für die schon der Reaper nach Lava schmeckt. Aber als Experte ist dein Körper an die Schärfe gewohnt und will ständig mehr.

Hol dir den Chili-Kick: puckerbuttpeppercompany.com

Ed Currie, Boss der PuckerButt Pepper Company, züchtet Chilis seit den 1990ern.

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FLORIAN OBKIRCHER

Die 1912 von Wilbur L. Scoville entwickelte Skala gibt die Schärfe von Chili­sorten in Scoville-Graden an. Der Wert hängt vom ­Capsaicin-Anteil der Pflanze ab, einem ­Alkaloid, das im ­Körper die Schärfe­ empfindung auslöst.

PUCKERBUTTPEPPERCOMPANY.COM/ED CURRIE

DIE SCOVILLESKALA


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Dita Von Teese Die Burlesque-Queen greift zum Gesangsmikrofon: ein Gespräch über Verletzlichkeit und die Kraft, die im Kontrollverlust liegt.

„ICH MAG ES, WENN LEUTE MICH HASSEN“

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on der Ballerina zum Fetischmodel: In ihren frühen Zwanzigern wechselte Dita Von Teese vom Tutu ins Korsett, mit ihren ­lasziven Auftritten verdrehte sie Männern den Kopf. So auch Hugh Hefner, der sie 2002 aufs „Playboy“-Cover hievte. Seitdem gilt Von Teese als ver­ wegene Pop-Ikone, die gern für Schlagzeilen sorgt: mit ­ihren Burlesque-Shows, Mode­ linien, Büchern – und ihrer Ehe mit Schockrocker Marilyn Manson. Nun geht die Fünfundvierzigjährige neue Wege:

Unter der Leitung des Pariser Electro-Troubadours Sébastien Tellier hat sie eine Platte voll sinnlicher Synthiepop-Perlen aufgenommen. the red bulletin: Die Welt kennt und liebt Sie als Burlesque-Tänzerin. Dass Sie auch singen, war uns neu. dita von teese: Ich bin keine Sängerin. Burlesque-Shows und Unterwäsche-Design, dar­ in bin ich Profi. Aber genau da lag für mich der Reiz: mich mit meiner Verletzlichkeit auseinanderzusetzen. Inwiefern? Ich habe volle Kontrolle über mein Image. Auf der Bühne präsentiere ich mich bewusst als glanzvolle, unnahbare Diva. Im Tonstudio dagegen fühlte ich mich neben den Profimusikern sehr unsicher. Ich war in einer ganz anderen Rolle. Und das war toll.

Dita Von Teeses selbstbetiteltes Album erscheint am 18. Februar.

JOHN RUSSO/CONTOUR BY GETTY IMAGES

MARCEL ANDERS

Klingt nicht nach der an­ genehmsten Erfahrung … Um erfolgreich zu sein, musst du mit deinen Gefühlen ­experimentieren. Schwierige Emotionen zulassen. Loslassen lernen und Kontrolle abgeben. Für mich war das eine sehr ­befreiende und lohnende ­Erfahrung. Ich wusste, dass Sébastien an mich glaubt. ­Warum sollte ich also diese Möglichkeit, meine Komfort­ zone zu verlassen, auslassen? Weil Fehltritte von Stars gern besonders gehässig kommentiert werden? Aber soll ich mich aus Angst davor daheim einsperren? ­Kritik gehört zur Karriere dazu. Und ehrlich: Ich mag es, wenn Leute mich hassen. Ich nehme das als Kompliment. Weil es bedeutet, dass ich ­ihnen nicht egal bin. Wenn dich alle mögen, ist das meistens ein schlechtes Zeichen.

artoftheteese.com

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Aston Martin Valkyrie Sieht aus wie Science-Fiction, ist aber für die Straße zugelassen. Arme Straße.

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unächst gleich das Wichtigste: Nenn den Valkyrie niemals Super­ car. Denn das wäre eine Unter­ treibung an der Grenze zur Beleidigung. Wir sprechen hier von einer Koproduktion von Aston Martin und Red Bull Racing – mit dem dekla­ rierten Ziel, in Design und Performance alles Bisherige in den Windschatten zu stellen. Das Ergebnis? Kurz gesagt: ein straßentaugliches Formel‑­ 1-Geschoss. Verzichtet kom­ plett auf Stahlteile. Besteht fast ausschließlich aus Carbon. Wiegt rund 1030 Kilo (weniger

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als ein Mini Cooper) – bei 1130 PS (so viele wie zwei Porsche 911). Dank V12-­ Hybrid-Motor bretterst du mit 400 km/h über die Renn­ strecke und cruist dann ent­ spannt nach Hause. „Er ist baumstark, aber gerten­ schlank“, sagt Marek Reich­ man, Chief Creative Officer von Aston Martin. „Die Aero­ dynamik ist mehr als präzise, das Handling unglaublich – mir fällt kein anderes Wort ein.“ Gefordert ist das Vokabular auch beim Preis: drei Millionen Dollar. Doch bevor du dein Konto checkst, entspann dich

– alle 150 Exemplare sind ­reserviert. Laut Aston Martin wurden „mehr als eine Hand­ voll“ von aktuellen oder ehe­ maligen Formel-1-Fahrern ­bestellt, geliefert wird 2018. Noch ein Wort über die ­Karosserie, Mister Reichman? „Ich weiß nicht … vielleicht wie ein wunderschönes Insekt oder ein Hai, der durch den Ozean gleitet. So etwas wie das gibt es nicht. Und wird es wohl auch nie wieder geben.“ astonmartin.com

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PETER FLAX

LUST AUF F1-FEELING?


Beim Valkyrie ist jedes Teil eine Sonder­ anfertigung. Das Logo besteht aus geätztem Aluminium und ist dünner als ein menschliches Haar.

So sieht das Privatauto aus, von dem Formel-1-Fahrer träumen. THE RED BULLETIN

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Skateboard Downhill Was tust du, wenn du mit 100 km/h eine Straße runterrast – ohne Bremsen? Du ge­ nießt es. Und machst eine Show draus.

DER ASPHALTSURFER

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KONSTANTIN REYER

in Mann. Ein Skate­ board. Eine steile Stra­ ße. Von Sekunde zu Sekunde wird er schneller, 60 km/h, 70, das Rauschen des Fahrt­ windes und die Rollgeräusche auf dem Asphalt werden lauter. „Ab 90 km/h ist es verrückt – da spürst du zusätzliche Ge­ schwindigkeit gar nicht mehr“, erklärt Nicola Nührig, besagter Mann, 30 Jahre alt und pro­ fessioneller Downhill-Skate­ boarder. Am Ende der Geraden zeigt der Tacho seines Begleit­ fahrzeuges 120 km/h. Per­ sönlicher Rekord für Nührig, den zweifachen österreichi­ schen Meister im Downhill. „Die Faszination liegt im Moment. Du darfst keinen Fehler machen, bist total ­fokussiert – und dann fühlt es sich wie Fliegen an“, sagt er. Und das Spektakulärste, das Sliden, folgt erst. Um enge Kurven möglichst schnell und dennoch sicher zu meistern, verlagert er seinen Schwerpunkt, stellt das Board quer, taucht ab, stützt sich mit der Hand ab. „Es ist wie Surfen auf Asphalt“, schwärmt Nührig. Nur dass sein „Neo­ pren­anzug“ aus Leder ist. instagram: @nicolanuehrig

CHRISTIAN EBERLE ABASOLO

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Straßenmeister: Nicola Nührig, 30, fährt seit 1995 Skateboard, seit 2007 Downhill (ÖsterreichChampion 2013 und 2016). THE RED BULLETIN


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Skate-Pro Nicola Nührig beim Sliden in der Kurve. Für den Funken-E≠ekt sorgen Feuersteine im Handschuh.

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mit einem großen Studio ­abgeschlossen habe (Anm.: Robbies Produktionsfirma Lucky­Chap kooperiert seit 2017 mit Warner Brothers).

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eim wichtigsten ­Vorsprechtermin ihres Lebens verpasste Margot Robbie ­Leonardo DiCaprio einst eine Ohrfeige. Aber für ihre Kar­riere tat die australische Power­frau noch viel mehr: Sie bestahl ihren eigenen ­Bruder.

the red bulletin: Mit „The Wolf of Wall Street“ wurden Sie 2013 schlagartig bekannt. Mittlerweile gelten Sie dank „I, Tonya“* als mögliche Oscar-Kandidatin. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? margot robbie: Ich hatte immer große Träume, ver­ folgte aber auch immer einen konkreten Plan. Ich bereite mich akribisch vor, anstatt zur Arbeit anzutanzen und mir zu denken, „Das schüttle ich schon irgendwie aus dem ­Ärmel“. Und: Ich nehme nie an, dass ich schon alles weiß. Ihr Erfolgsgeheimnis lautet also Demut. Ich versuche einfach, perma­ nent zu lernen. Wenn ich zum Beispiel von einer Schauspiel­ technik höre, die ich nicht kenne, buche ich einen Kurs. Genügt es, das Handwerk sauber zu beherrschen, um im Wirtschaftsimperium Hollywood erfolgreich zu sein? Nein. Ich musste mir auch ein eigenes Team aufbauen. Außerdem bringe ich einen gesunden Geschäftssinn mit. Ich bin extrem stolz darauf, dass ich als eine der jüngsten Produzentinnen einen Deal

Woher kommt Ihr geschäftliches Talent? Das entwickelte sich schon in der Kindheit. Sobald ich sprechen konnte, stellte ich Shows auf die Beine. Ich übte Zaubertricks und spielte sie meiner Familie vor, die dafür zahlen musste. Sobald ich sie um den Finger gewickelt hatte, mussten sie noch ein­ mal zahlen, damit ich ihnen den Trick verriet. Das ist fies. Ich habe auch die Spielzeuge meines Bruders geklaut und am Straßenrand verkauft. ­Ursprünglich dachte ich gar nicht daran, Schauspielerin zu werden. Ich wollte als Zauber­ künstlerin arbeiten und Hotels besitzen. Sie sprachen vorher von ­Ihrem Lernbedürfnis. Wie äußert sich das in Ihrem Privat­leben? Ich entdecke kleine Hobbys. Vor zwei Jahren war ich von Trapezakrobatik fasziniert, also habe ich Stunden genom­ men. Dann fand ich Tattoos toll, also fing ich an, meine Freunde zu tätowieren. Und was machen Sie als ­Nächstes? Ich will Banjospielen lernen. Vielleicht wird das meine nächste Leidenschaft. Laufen Sie dabei nicht Gefahr, viele Dinge mittel­ mäßig, aber nichts davon gut zu können? Mal sehen: Auf dem Trapez war ich nicht schlecht. Im ­Tätowieren war ich furchtbar – dank mir laufen da draußen einige Leute mit grässlichen Tattoos herum. Aber darum geht es nicht. Ich tue einfach, was mir gefällt.

Ich will mich in der Film­ branche behaupten – mit Lang­lebigkeit und Qualität. Für „I, Tonya“ mussten Sie richtig gut Eislaufen lernen. Ich sage nur: Schwellungen, Blutergüsse, Blasen. Aber all das war’s wert.

instagram.com/margotrobbie * Der Film erzählt die Geschichte der Eisläuferin Tonya Harding. Die Amerikanerin wurde 1994 als „Eishexe“ weltbekannt, nachdem ihr Ehemann ein Attentat auf ­Hardings Konkurrentin Nancy ­Kerrigan beauftragt hatte. Kinostart: 22. März

Margot Robbie Sie verdrehte Leonardo DiCaprio in „The Wolf of Wall Street“ den Kopf. Nun jagt sie ihren ersten Oscar. Das Geheimnis der Australierin? Disziplin und schräge Hobbys.

„ICH TÄTOWIERTE MEINE FREUNDE“

Wenn Sie wählen müssten: Worin wollen Sie wirklich gut werden? 22  



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MARY ELLEN MATTHEWS/CPI SYNDICATION

RÜDIGER STURM

Schauspielerin, Produzentin, Banjo-Schülerin: Hollywood-Multitalent Margot Robbie, 27

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HOL DIR DEINE

FREIHEIT! MARKUS KELLER war Halfpipe-Weltmeister. Dann ­verließ der Schweizer seine K ­ omfortzone. Er gab auf, worin er am besten war – um noch besser zu werden. Text FLORIAN WÖRGÖTTER Fotos GIAN PAUL LOZZA

PLUS

Profi-Tipps für deinen Powder-Trip nach Japan

Brecher aus Schnee: Im japanischen Niseko kommt Markus Keller dem Surfen am nächsten.



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„Spring über deinen Schatten – und du landest bei dir selbst.“ Markus Keller passt sich jedem Gelände der Welt an – ob Tiefschneehang, Klippen, Wald oder Mine.

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„Wahre Bildung beginnt, wo Komfort endet.“ Tiefschneetaucher Markus Keller wandert durch die Schneemassen Nisekos.


Japan wie im Bilderbuch: Der Vulkan Yotei-zan wacht still über Niseko.

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chon während seiner Jahre als Wett­ kämpfer erkennt Markus „Mä“ Keller, dass Routine ihn wenig herausfordert: Überall auf der Welt dieselben genormten Half­ pipes. Immer wieder dieselben fünf Tricks perfektionieren. Dazu Verpflichtungen gegenüber Trainern und Verband. Da ­erscheint es geradezu konsequent, dass Keller den Halfpipe-Weltmeistertitel 2003 gewinnen kann, obwohl – oder weil? – er mit gerissenem Kreuzband antritt. Nach zehn erfolgreichen Jahren hängt Keller seine Contest-Karriere an den ­Nagel. Zeit für eine neue Challenge. Zeit für mehr Unabhängigkeit. Zeit für seine zweite große Liebe: das Freeriden abseits präparierter Pisten. Heute reist der 35-jährige Bottighofe­ ner um die Welt und erkundet mit seinem Snowboard die winterliche Natur – auf der Suche nach perfektem Powder und dem besten Bild. Er ist sein eigener Chef, organisiert Werbeprojekte, koordiniert Filmer und Fotografen, beliefert Sponso­ ren mit Content. Und: Er bestimmt eigen­ ständig, ob er spektakuläre Tricks macht oder einfach elegant durch den Tief­ schnee gleitet. „Du bist kreativer, wenn du selbst entscheiden kannst, was du wann und wo machen willst“, sagt er. Für diese Freiheit musste er erst seine Komfortzone verlassen.

Sein aktueller Foto-und-Film-Trip führt ihn nach Niseko, Japan. Nirgendwo ist der Powder feiner, nirgendwo gibt es mehr davon: Schon beim Wandern versinkt man hüfttief im Schnee. Im Interview erzählt Markus Keller, wie man abseits der Kom­ fortzone durchs Leben powdert. the red bulletin: Du hättest als Wettkämpfer noch erfolgreiche Jahre vor dir gehabt. Aber du bist ausgestiegen. Was empfiehlst du anderen, die ihr ­Leben neu ausrichten wollen? markus keller: Man darf nie Angst ­haben, seine Komfortzone zu verlassen. Erst wenn du etwas wagst, weißt du, ob es zu dir passt. Einfach mal riskieren. Und dann: durchhalten. Nicht gleich Erfolge erwarten, denn die kommen nicht sofort. Eine kleinere Challenge nach der anderen planen, sich an kleinen Siegen erfreuen. Woher kommt deine Lust, dich immer wieder neuen Aufgaben zu stellen? Nur wenn du dich jeden Tag neu forderst, bleibst du nicht stehen. Neue Challenges sind der Antrieb, der dich weiterbringt – ob im Sport, im Beruf oder privat. Früher wusstest du am Ende eines ­Tages, ob er erfolgreich war oder nicht: Du brauchtest bloß die Ergebnisliste   29


ALLES UMS FREERIDEN IN NISEKO

So findest du ein Bett, einen Rat und deinen Guide. Gute Nacht

Diese Webseite informiert über Unterkunft, Skipass und Aktivi­ täten auf und abseits der Piste. nisekoalpineaccommodation.com

Gute Gesellschaft

Im Snowboard-Shop am Rande von Niseko-Hirafu kriegst du ­Insidertipps von Experten. gentemstick.com

Gute Führung

Hier findet man Local Guides für geführte Hiking-Touren und Lift­ fahrten direkt ins Backcountry. powcom.net

Hokkaid¯ o

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Niseko

DREI PERFEKTE POWDER-TRIPS AUF HOKKAIDŌ So planst du einen Tagesausflug auf der Insel Hokkaidō.

1 Otaru Die Stadt liegt 1 ½ Stunden Fahrt nördlich von Niseko an der Küste. Höhepunkt der Tagestour: ein Powder Ride mit Meerblick. 2 Asahidake Mit 2290 Metern ist der Berg der höchste auf Hokkaid¯o. Sein Schnee ist noch trockener und leichter, weil das Meer weiter entfernt ist. 3 Rusutsu Resort Das größte Skigebiet der Insel ist bekannt für seine Skipisten, bietet aber auch Freeridern schnellen ­Zugang zum Backcountry.

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anzusehen. Wo holst du dir heute deine Erfolgserlebnisse? Wenn ich Sprünge erlerne, mit dem Carving Board im Tiefschnee experimentiere oder Berge mit bestem Powder entdecke wie in Niseko. Auch wenn ich mein altes Haus umbaue und mein Motorrad nach langem Rumschrauben wieder fährt. Bewältige ich eine Herausforderung, dann habe ich Erfolg. Wettkampfsportler genießen Heldenstatus. Fehlt dir diese Anerkennung? Nein. Auf Medienrummel und Rampenlicht konnte ich schon immer verzichten. Wäre es nicht reizvoll zu wissen, ob du die Jungen noch in die Tasche steckst? Nein. Die Sechzehnjährigen heute machen tagein, tagaus nichts anderes, als ihre Contest Runs zu perfektionieren. Ich fühlte mich schon damals schlecht, wenn ich ­einen Lauf zweimal mit den gleichen Tricks gefahren bin. Mich motiviert Abwechslung. Die Berge sind mein Spielplatz. Meine Challenge lautet, das spannendste Gelände zu finden und mich der Natur anzupassen. Du musst lernen, die Berge zu lesen, um ihre Hänge zu verstehen. Wie schafft man es, sich für seine Arbeit immer wieder neu zu begeistern? Alles eine Frage der Einstellung. Jeder ­erlebt privat oder im Job einmal mehr, einmal weniger Spaß. Wenn du das kleine Vergnügen genießt, steckst du besser weg, was weniger Spaß macht. Außerdem: Schöpfe Kraft aus einer täglichen Herausforderung. Du kannst schon bei der Gartenarbeit Aufmunterndes erleben, das dich auch im Job antreibt. Was inspiriert dich gerade? Ich koche zum ersten Mal Capuns, eine Graubündner Mangold-Spezialität. Man sagt, in Graubünden gibt es so viele ­Capuns-Rezepte, wie es Großmütter gibt.

„Erfreue dich an den kleinen Erfolgen.“


Hotspot f체r Waldl채ufer. Die Laubw채lder Nisekos lassen viel Raum f체r flauschige Tree Runs.


Bindtxt die quote about the great japan playground“

„Sushi-Powder“: Markus Keller gleitet durch den watteweichen Pulverschnee Nisekos.


Einen Snowboard-Trick kannst du ­ähnlich beliebig variieren. Beides lebt vom Freestyle. Und Freestyle kennt weder Regeln noch Grenzen. Alles ist erlaubt, du musst es nur probieren. Das ist ein ganz, ganz besonderer Reiz. Raus aus der Komfortzone zu gehen bringt Würze ins Leben, lockert auf und erfrischt. Lass dich treiben, und du lernst neue Dinge kennen. Außerhalb der Kom­ fortzone erfährst du wahre Bildung – übers Leben und dich selbst. Und eine Portion Risiko bringt dich auch immer weiter – mal mehr, mal weniger. Was hast du abseits von angestammten Bahnen gelernt? Du lernst deine Gefühle kennen, deinen Körper, deine Vorlieben, deine Stärken und Schwächen. Wenn du dich besser ein­ schätzen kannst, handelst du in Extrem­ situationen schnell und intuitiv – was beim Freeriden dein Leben retten kann, dir aber auch privat oder im Beruf hilft, wenn du neue Wege gehst. Prägende ­Erfahrungen erleichtern in heiklen ­Momenten deine Entscheidungen. Deine letzte Grenzüberschreitung? Auf japanischen Märkten solltest du jede Scheu ablegen können. Hätte ich die schleimige Meeresschnecke nicht aus ­ihrem Haus gezogen, wäre mir das beste Essen entgangen – auch wenn es mir sehr schwer fiel, das Zehn-Zentimeter-Tier in ­einem Stück in den Mund zu stecken.

redbull.tv/28winters

„Alles ist erlaubt. Du musst es nur probieren.“

Der Onsen ist die Sauna Japans. Heiße Quellen krönen jeden Powder-Tag.

HEISSE QUELLEN, COOLE PARTY

Niseko kann mehr als bloß guten Schnee. Markus Keller verrät seine besten Tipps, wie du auch im Tal genießt wie ein Ansässiger. ONSEN – RELAXEN BEI 40 GRAD Yukoro Onsen

Ein heißes Bad im Herzen des Lower Village von Hirafu entspannt die Muskeln. Bei Ansässigen wegen des Outdoor-Felsenpools sehr beliebt.

Goshiki Onsen

Der Onsen (= heiße Quelle) liegt am Fuße des Mount Annupuri. ­Somit empfiehlt sich ein Sprung ins dampfende Quellwasser im ­Anschluss an die Gipfel-Abfahrt.

Ikoino Yuyado Iroha

Im gemütlichen Onsen außerhalb von Hirafu geht es ruhiger zu. Die Kieselsäure im Quellwasser soll die Durchblutung der Haut anregen.

ESSEN – RAMEN, SUSHI & SAKE Otsukisama & Bar Moon

NIGHTLIFE – PARTY MIT JET LI Tamashii Bar

Der Name steht im Japanischen für Seele. Die zentral gelegene Bar empfiehlt sich für die erste AprèsRide-Einkehr. Für die Unterlage: ein herzhaftes Porterhouse-Steak.

Bar Barunba

Schritt zwei wartet gleich ums Eck: Die kleine Höhlenbar serviert die harten Cocktails. Nicht umhauen lassen von legendären Drinks wie „Jet Li“ und „Bruce Lee“!

Bar Gyu+

Weil eine Kühlschranktür ins Lokal führt, auch als „The Fridge Door Bar“ bekannt. Umso kuscheliger ist die kleine, liebevoll eingerichtete Bar innen. Mit Blick auf den Wald.

Die „Hell Ramen“ zeigen Westlern, wie teuflisch asiatische Schärfe ist. Oben wird Hot Pot, Sushi und Yakitori (Grill) serviert. In der Bar unten verdaut man beim Billard.

Yoteimaru Sushi Train

Die zehn Minuten Fahrt von Hirafu ins nahe Kutchan macht sich bezahlt: Sushi und Maki im einzigen Running-Sushi-Lokal der Gegend sind köstlich und preiswert.

Rin

Neben dem Yukoro Onsen im Zen­ trum Hirafus wird das japanische Essen vor den Gästen zubereitet – authentisch, geschmackvoll und heiß wie der Sake (Reiswein). 

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Der Kämpfer Mit dreißig war Ronald „The Black Mamba“ Dlamini ganz oben: Südafrikas erster schwarzer MMA-Champion, Vorbild, Star. Doch dann das Drama: Hirnhautenzündung, zehn Tage Koma. Als er erwachte, konnte er nicht mehr ­sehen. Am Tag darauf begann sein größter Fight. Text TOM WARD  Fotos PAUL SAMUELS

Inspiration: der blinde MMA-Fighter ­Ronald Dlamini

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F

ight Night im Greyville Racecourse in der südafrikanischen Millionenmetropole Durban. Draußen Blitze, Donner; Regen peitscht auf die Straßen. Drinnen grelles Neonlicht, in einer bis zum letzten Platz gefüllten Halle fiebern 2000 Fans dem Beginn der Mixed-Martial-Arts-Kämpfe entgegen. Als Erster betritt Iksaan Rahaman den Ring. Der Bantamgewichtler vom örtlichen Team „Gorgeous Boyz Hardcore“, kurz GBH, ist schlank und durchtrainiert. Vor Anspannung hüpft er nervös von ­einem Bein aufs andere. Sein Gegner, ebenso kompakt, drahtig und definiert, macht noch ein kurzes Warm-up, dann beginnt der Kampf. Haut klatscht auf Haut. Das Publikum jubelt. Zunächst scheint es, als wäre das nicht Rahamans Nacht. Aber nach einem Hagel

Dlamini beim Spaziergang in Durban

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gut abgestimmter Kicks und einem späten Takedown besiegt er seinen Gegner durch K. o. Der Referee hebt Rahamans Hand. Später wird er erzählen, dass er diesen Sieg seinem Coach verdankt, Ronald ­Dlamini, dem ersten schwarzen MMAWeltergewichts-Champion Südafrikas. Was so besonders daran ist: Dlamini ist seit fünf Jahren völlig blind. „Für jemanden, der blind ist, kann ­dieser Mann unglaubliche Dinge“, sagt Rahaman. „Nicht nur als Trainer, auch als Kämpfer. Immer noch. Er bringt uns bei, dass es gar nicht nötig ist, alles zu sehen. Manchmal genügt, dass du es fühlst.“

Blinder Ehrgeiz

Dlamini wiegt 78 Kilogramm bei einer Größe von 1,76 Metern. Sein Körper ist breit, muskulös, athletisch. Die Blumenkohlohren verraten seine Vergangenheit als Profikämpfer. Seine imposante MMABilanz bis 2012, seinem letzten Profijahr, beträgt 27:4 (zwei Niederlagen durch K. o., zwei wegen vorzeitiger Verletzungen). „Kämpfen hat mich schon immer interessiert“, sagt er ruhig. „Ich kam aus einer armen Familie, war der stille, schüchterne Typ. Weil ich einen ziemlich großen Kopf hatte, wurde ich in der Schule von den anderen immer gemobbt. Ich musste mir also einen Weg überlegen, mich zu behaupten.“ Seine Kampfkarriere außerhalb der Schule begann, als er mit elf von seiner Großmutter, bei der er aufgewachsen


Obwohl Dlamini blind ist, trainiert er wie frßher – er versteht es, seine Intuition zu verfeinern.


war, zurück zu seinen Eltern und seinem vierzehnjährigen Bruder nach Mandeni in der Township Sundumbili zog, neunzig Autominuten von Durban entfernt. Sein Bruder trainierte Kyokushin-Karate, eine harte Vollkontaktvariante des Sports. Weil Dlamini sich zu Hause langweilte, begleitete er seinen Bruder eines Tages ins Dojo. Er wurde nicht wirklich warmherzig willkommen geheißen: Gleich am ersten Tag ließ man den blutigen Anfänger gegen einen der besten Kämpfer antreten. „Die haben mich gleich beim ersten Mal mit einem Schwarzgurt sparren ­lassen!“, sagt er und lacht. „Aber das war mir egal, Mann. Ich ließ mir nichts ge­ fallen. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Danach beschloss ich, der Beste zu werden.“ Dlamini lief täglich zehn Kilometer ins Fitnesscenter, trainierte dort und lief ­wieder zurück nach Hause – zusätzlich zu seinem Sechs-Kilometer-Fußweg zur Schule. „Nach drei Monaten konnte ich erstmals einen Treffer gegen diesen Schwarzgurt landen. Nach fünf Monaten konnte er mir nichts mehr anhaben“, sagt er – immer noch sichtlich stolz. Dlamini hatte Blut geleckt. Bald hatte er genug vom Karate, mit neunzehn wechselte er zum Kickboxen, später zum Muay Thai, einer besonders harten Dis­ ziplin des Thaiboxens. Er war der einzige Schwarze unter den Kämpfern. Bei seinem ersten Thaibox-Fight schlug er seinen Gegner nieder und wartete in SpagatStellung, bis dieser wieder aufstand. Die

Zuschauer liebten es. „Alle riefen: ‚Black Mamba! Black Mamba!‘“, erzählt er ­lachend. Der Kampfname blieb ihm. Zum Mixed Martial Arts kam Dlamini durch Zufall: Er musste einspringen, weil ein Freund im letzten Moment ausgefallen war. Er gewann den Kampf, er gewann seine nächsten Kämpfe, er gewann, gewann und gewann. Doch je berühmter er wurde, desto schlimmer wurden die rassistischen Be­ leidigungen durch einen prominenten weißen Kämpfer. Dlamini blieb ruhig. Er revanchierte sich auf seine Art, im südafrikanischen Weltergewichtstitelkampf im Jahr 2010. „Ich hatte ihn am Boden, sein Trainer brüllte dauernd rein, er solle das tun und jenes. Ich grinste und sagte: ‚Das wird nicht klappen, Baby.‘“ Dlamini gewann den Kampf überlegen. Sein Trainer Rhyne Hassan wurde der ­erste schwarze Trainer eines MMA-Champions. Und Dlamini erster schwarzer ­Weltergewichtsmeister Südafrikas. Zwei Jahre später zog er sich aus dem Profikampfsport zurück. Er hatte alles erreicht. Es gab keine Herausforderungen mehr. Er war am Zenit angelangt.

Dunkle Tage

Zu dieser Zeit begannen seine hämmernden Kopfschmerzen. Im Krankenhaus wurde Meningitis diagnostiziert, allerdings eine heilbare Form. Als der Arzt sein Krankenzimmer verlassen hatte, kam eine Krankenschwester und spritzte ihm

Idol: Die MMA-Kämpfer seines Clubs hören auf die Ratschläge der Black Mamba.

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ein Mittel gegen seine Schmerzen. Er solle nur ja dem Doktor nichts davon erzählen. „Sie ging fünf Schritte zurück, und ich sah plötzlich nichts mehr“, sagt Dlamini. Es macht ihn immer noch schwermütig, sich an den Schock von damals zu erinnern. „Ich fiel ins Koma. Als ich nach zehn Tagen aufwachte, war ich wahnsinnig. Ich wollte kämpfen, war aggressiv gegen jeden – ich dachte, ich sei im Ring.“ Seine Zwillingsschwester besuchte ihn jeden Tag im Krankenhaus. Seine Freunde von GBH kamen vorbei, wann immer sie konnten. Auch wenn sie hartgesottene Kämpfer waren, es rührte sie zu Tränen, den Champ so hilflos im Bett liegen zu ­sehen. Er hatte Schmerzen, er konnte nichts essen, er magerte ab auf 49 Kilo. Aber Dlamini ließ sich nicht unter­ kriegen. Er beschloss zu kämpfen. Zog in sein Elternhaus, wo seine Schwester und seine Eltern ihn badeten und Essen für ihn kochten. In den nächsten Monaten lernte er langsam, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Jeden Tag wurde er stärker, jeden Tag wurde er selbständiger. Dlamini meisterte diese neue Aufgabe mit derselben Entschlossenheit, mit der er in seinem ersten Leben zum Champion im Ring aufgestiegen war. „Irgendwann war ich so weit, dass ich nicht mehr einfach nur zu Hause rumsitzen konnte – blind hin oder her“, sagt Dlamini. Er wollte trainieren, wieder in den Ring steigen. „Wenn du blind wirst, macht dich das mutlos, kraftlos. Und das musst du überwinden. Ich glaube heute, dass mir dieses schwere Kreuz auferlegt wurde, weil ich es tragen kann.“ Die meisten Blinden, die Dlamini in der Reha traf, waren gebrochene Menschen. Viele waren überfallen oder sogar ver­ gewaltigt worden. Von da an war Dlamini sein Weg klar: Er würde sehbehinderten Menschen Selbstverteidigung beibringen. „Könnte ich noch sehen, hätte ich von diesen Leuten nie erfahren“, sagt er. „Ich will meine Fähigkeiten weitergeben.“ Er versuchte eine neue Normalität in sein Leben zu bringen, traf sich mit Freunden im Shoppingcenter zum Essen, machte Scherze. „Ich habe das beim Sport gelernt: Wenn du einen Kampf verlierst, besprich es mit deinen Freunden und lass es dann hinter dir. Ich wusste schon von früher, wie sich eine Niederlage, wie sich eine Enttäuschung anfühlt. Aber ich wusste auch schon von früher: Du musst einfach weitermachen.“ THE RED BULLETIN


Visionär: Dlamini möchte blinde Kämpfer in aller Welt unterrichten.

„Ich wusste von früher, wie man mit einer Niederlage umgeht.“


Auch ohne sehen zu können ist Dlamini ein gefürchteter Gegner. „Ich muss dich nur spüren, dann weiß ich, was du vorhast.“


Sparring mit ­Clubkollege Iksaan Rahaman

Der Kampf zurück

Trotz der Erblindung hat der 37-Jährige seine Fähigkeiten im Ring nicht verloren. Er bewegt sich leichtfüßig, geschmeidig, blitzschnell. Dlamini trainiert heute, wie so oft, mit seinem guten Freund Hassan, einem der allerbesten Kämpfer der Gor­ geous Boyz Hardcore. „Er hat gelernt, mit seinem Handicap umzugehen“, sagt Hassan, während er seinem Kumpel beim Training am Sandsack zusieht. „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so stark ist. Er hatte ein erfülltes Leben, verlor es – und jetzt führt er ein neues erfülltes Leben. Ich fragte ihn eines Tages im Spital, was er tun würde, wenn er nur einen Wunsch frei hätte. Er sagte: ‚Ich möchte mit euch trainieren.‘ Das war sein einziges Ziel.“ Ironie des Schicksals: Drei Monate ­bevor Dlamini sein Augenlicht verlor, begannen er und Hassan, mit verbundenen Augen zu kämpfen – als Training, um sich im Dunkeln besser gegen Angreifer ver­ teidigen zu können. Beide konnten nicht ahnen, wie sehr Dlamini schon bald von diesem Experiment profitieren würde, wie sehr es ihm helfen würde, seine Sinne zu entwickeln. Dlaminis Orientierungssinn ist ver­ blüffend, er kann beim Autofahren als Beifahrer Richtungsanweisungen geben, er kann auch seinen aktuellen Aufenthaltsort exakt benennen. Aber im Ring, beim täglichen Sparring mit Blinden und Nichtblinden, wird noch THE RED BULLETIN 

„Für Black Mamba gibt es keine Grenzen.“ um einiges deutlicher, wie gut er sich entwickelt hat. „Ich muss dich nur einmal berühren und weiß, wo du bist. Ich weiß, was du machst“, sagt er. Schritte und Manöver des Gegners hat er tatsächlich als Bilder in seinem Kopf. Und der untrügliche Instinkt des Kämpfers lässt ihn spüren, wann eine Faust auf ihn zufliegt – und er weiß: Sobald der Gegner attackiert, ist dessen Körper wahrscheinlich ungeschützt. Dann reagiert Dlamini blitzschnell, attackiert seinerseits den Gegner, packt ihn. Und ­jeder seiner Gegner weiß: Sobald die Schwarze Mamba dich umklammert hat, ist der Kampf so gut wie beendet. „Der stärkste Sinn des Menschen ist das Sehen“, sagt er. „Es ist schwer, etwas zu vergessen, das man gesehen hat. Jetzt fällt es mir schwer, etwas zu vergessen, das ich berührt habe. Auch alle anderen Sinne sind schärfer geworden: Ich rieche besser, höre besser. Wenn ich dich be­ rühre, weiß ich, wie viel du wiegst. Beim Sparring höre ich auf deine Atmung und auf deine Schritte. Und greife dich dort an, wo du am verwundbarsten bist.“

Zweites Gesicht

Bei der Fight Night im Greyville Racecourse am Samstagabend schlängelt sich Dlamini durch die Zuschauermenge. Mit dabei ist Hassan, Sonnenbrille, Trainingsanzug, viel Gold. Dlamini, ganz Black Mamba, mit dicker GBH-Kette, umgedrehter Kappe und GBH-T-Shirt. Andere Kämpfer grüßen ihn voller Respekt, wenn er an ihnen vorbeigeht. Der Abend wurde von der örtlichen Martial-Arts-Legende Larry Vorstor organisiert. Er wird ehrfurchtsvoll „Shihan“ Larry genannt (Shihan heißt „Meister“ auf Japanisch). In seinem Dojo wurde Dlamini nach dem Titelgewinn zum MMA-Trainer ausgebildet. „Ich liebe und bewundere ihn“, sagt Vorstor. „Für Ronald gibt es keine Grenzen. Er ist ein wahrer Champion. Er kam von ganz unten, er musste Vor­ urteile und Rassismus ertragen, er wurde blind. Und er gab niemals auf. Er ist eine unglaubliche Inspiration für uns alle.“ In der Umkleide, wo sich Rahaman und die anderen Kämpfer aufwärmen, wird Dlamini respektvoll „Sensei“ (japanisch für „Lehrer“) genannt. Es ist den GBH-Kämpfern wichtig, dass er bei der Besprechung der Kampftaktik dabei ist. Ruhig und konzen­triert sitzt er da, ganz in seinem Element. „Ich kann den Kampf nicht sehen“, sagt er. „Aber ich habe jemanden, der ihn mir beschreibt. Dadurch habe ich den Kampf in meinem Kopf. So ‚sehe‘ ich ihn doch.“ Seine tak­tischen Ratschläge sind das eine – das a ­ ndere ist seine schiere Anwesenheit. Sie gibt den anderen Kämpfern Kraft. „Wenn sie mich sehen, spornt sie das an. Weil sie ­wissen, dass ich der Typ bin, der niemals aufgibt.“ Dlamini hat viele Pläne für die Zukunft. Nächstes Jahr wird er Seminare über das Leben als Blinder geben. Und er wird eine zweite Gruppe Blinder in einem Nobelviertel Durbans zu MMA-Kämpfern ausbilden. Sein ganz großes Ziel ist es, blinde Kämpfer auf der ganzen Welt zu trainieren. „Ich möchte, dass jeder seinen Platz in unserer Gesellschaft bekommt. Niemand soll sich diskriminiert oder ­isoliert fühlen“, sagt er. „Ich möchte die Welt bereisen. Ich möchte Licht in das ­Leben von Menschen bringen. Es hat doch keinen Sinn, rumzusitzen und sich zu beschweren, dass alles vorbei ist. Chancen kommen nicht von selbst.“ Dlamini steht auf. Der nächste Kampf wartet. „Solange du atmest“, lächelt The Black Mamba, „musst du alles versuchen.“   41


KUNST-­ ERFAHRUNG

SKULPTUR „Le Signal“ Le Havre, Frankreich Henri-Georges Adam, 1959–1960 SKATER Maxim Rosenbauer FOTOGRAF David Turakiewicz

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RAPHAËL ZARKA ist Skater. Und bildender Künstler. Nun verbindet der Franzose seine beiden Leidenschaften, indem er Kunstwerke zu Obstacles macht. Mit erstaunlichen Ergebnissen.  Text SEB CARAYOL

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SKULPTUR „Trio“ Aarau, Schweiz Andy Athanassoglou, 2002 SKATER Jan Solenthaler FOTOGRAF Alan Maag

Raphaël Zarka ist ein großer Name in der zeitgenössischen Kunst – Einzel­ ausstellun­gen im Centre Pompidou in Paris, Dauer­ausstellungen in der Villa Medici in Rom. Wichtiges Thema seiner Werke: das Skateboard als Mittel zur Darstellung des öffentlichen Raums. Und das nicht ohne Grund, denn Zarka ist seit seinem siebten Lebens­jahr begeisterter Skater. Nun veröffentlichte der Vierzigjährige aus Nîmes das Buch „Riding Modern Art“, eine Sammlung von 43 Fotografien, die (ins­gesamt 66) Skater auf (insgesamt ­weltweit 48) öffentlichen Kunstwerken ­abbilden. Das Skateboard in neuer Funk­ tion: als Mittel zur Darstellung des öffent­ lichen Raums – und zur ganz und gar ­neuen Kunst-Erfahrung. 44  



SKULPTUR „glorious arch“ Frankfurt, Deutschland Schneider + Schumacher, 2014–2016 SKATER Rémy Taveira FOTOGRAF Maxime Verret THE RED BULLETIN


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SKULPTUR „Untitled“ Rotterdam, Niederlande Gerard Walraeven, 1982 © ADAGP 2017 SKATER Christian „Muze“ Plettner FOTOGRAF Davy Van Laere


SKULPTUR „Utblick/Insikt“ Malmö, Schweden Pål Svensson, 2013 SKATER Oskar Rozenberg Hallberg FOTOGRAF Marcel Veldman

SKULPTUR „Il Grande Cretto“ Gibellina, Italien Alberto Burri, 1985–2015 © ADAGP 2017

„DER SKATER SPIELT MIT DEM KUNSTWERK WIE EIN SCHAUSPIELER AUF DER BÜHNE ODER WIE EIN MUSIKER MIT SEINEM INSTRUMENT, ER INTERPRETIERT, ER PERFORMT.“

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SKATER Mauro Caruso FOTOGRAF Sam Ashley

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JULIEN ROQUES

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„DEN BEGRIFF VON KUNST HINTERFRAGEN …“ RAPHAËL ZARKA SAGT: WENN KRITIKER KUNST INTERPRETIEREN DÜRFEN, DANN DÜRFEN DAS SKATER SCHON LANGE.

the red bulletin: Sie sind seit Ihrer Kindheit Skater. Diese erste Leidenschaft mit Ihrer künstlerischen Tätig­keit zu verbinden ist aber relativ neu. Wie kam es dann doch dazu? raphaël zarka: Ich habe lange Zeit geglaubt, die ­beiden Dinge strikt voneinander trennen zu müssen. An der Kunsthochschule, zwischen 1996 und 1999, habe ich sogar mit dem Skaten komplett aufgehört, weil ich Angst hatte, dass mich das, was mich als Jugendlicher ausgemacht hatte, auch als Künstler ausmachen würde. Diese schizophrene Trennung war natürlich unsinnig. Aufgelöst hat sie sich, als ich in meinem Büro saß – zwischen einem Stapel „Artforum“-Ausgaben auf der einen Seite und einem Berg „Thrasher“-Magazinen (der Skater„Bibel“; Anm.) auf der anderen – und als ich bemerkte,­ dass sich die Cover der beiden Magazine mühelos hätten vertauschen lassen … ich erinnere mich an eine „Thrasher“-Ausgabe, auf der ein Skater ganz klein oben im Bild abgebildet war; und mir fiel eine Ausgabe von „Artforum“ ein, in der ich das gleiche Bild gesehen hatte. Zu sehen, dass Skulpturen nicht bloß in Kunst­magazinen abgebildet werden, war für mich sehr wichtig. Und so ­begann ich, Fotos von Skatern auf Kunstwerken im öffentlichen Raum zu sammeln. Was passiert bei der „Interpretation“ eines öffentlichen Kunstwerks, wenn sie durch einen Skater erfolgt? Nun ja, es ist keine Interpretation in der herkömmlichen Form (lacht). Es geschieht also nicht mithilfe einer Art Dekodierung durch Kunstkritiker, es wird nicht versucht, den verborgenen Sinn im Werk zu deuten. Es findet keine Übersetzung, keine Dechiffrierung statt. Vielmehr spielt der Skater wie ein Schauspieler oder gar wie ein Musiker: Er interpretiert, oder – mehr noch – er performt. Wie reagiert herkömmliches Kunstpublikum auf ­Ihren Zugang? Das Wesentliche in der modernen oder zeitgenössischen Kunst ist ja, den Begriff von Kunst zu hinterfragen. Des­ halb stößt sich dieses Publikum nicht an meiner Darstellung, denn im Fokus steht ja die Frage der Kunst im öffentlichen Raum: Was ist das? Wozu dient es? Es gibt nur Fragen – und ich versuche nicht, die Antworten dar­ auf zu finden. Es gibt natürlich auch Leute, die finden SKULPTUR „Vier kolommen onder een hoek van 45 graden“ Amsterdam, Niederlande André Volten, 1972 © ADAGP 2017 SKATER Charles Giron FOTOGRAF Guillaume Périmony THE RED BULLETIN 

Zarka blieb als Künstler dem Skateboard treu, das ihn durch seine Jugend begleitete.

eine solche Haltung beleidigend oder respektlos. Und dann gibt es Leute, die vor allem an das Kunstwerk an sich denken oder der Ansicht sind, dass ein Gegenstand im öffentlichen Raum zu bewachen sei, um sicherzustellen, dass ihn niemand berührt. Ich halte es für extrem problematisch, eine Haltung einzunehmen, wie es etwa Konzeptkünstler Richard Serra tut, der ein Objekt in den öffentlichen Raum stellt und erwartet, dass der Betrachter eine Beziehung zu diesem Kunstwerk aufbaut, aber ausflippt, wenn das kleinste Plakat daran angebracht wird oder es nur den Hauch eines Graffito aufweist … solche Künstler möchten die Art und Weise der Beziehung zwischen dem ­Betrachter und dem Kunstwerk am liebsten selbst steuern. Richard Serra hat die Ver­öffent­ lichung eines Fotos von einem seiner Werke in Ihrem Buch ­abgelehnt, weil auf dem Bild ein Skater dargestellt ist. Es war sein Atelier, das meine Anfrage abgelehnt hat. Ich bin mir nicht sicher, ob er überhaupt informiert wurde. Es gibt noch weitere Künstler, die eine Ver­ öffentlichung im Buch abgelehnt haben, aber der Grund für diese Ablehnung ist eher die Angst vor einer Beschädigung des Kunstwerks. Einige Künstler haben sich allerdings gefreut, dass ihr Werk zum Skateboardfahren genutzt

wurde – Werner Pokorny hat sogar einen Druck des im Buch veröffentlichten Fotos von Hendrik Herzmann gekauft, und Christine O’Loughlin wollte uns immerhin ihre Mo­delle zeigen … Im Buch werden die Namen sämtlicher Künstler, deren ­Werke als Obstacles dienen, ­genau aufgeführt. Wie findet man die Namen heraus? Das ist häufig mühsam. Am schwierigsten war es, den Namen von Jean Ward herauszufinden – von ihm stammt jene Skulptur, auf der Jahmal Williams mit dem Skateboard gezeigt wird. Ich wusste lediglich, dass sich das Werk in Miami befindet. Glück­ licherweise war das Bild Teil einer Serie, und auf einem der Bilder gab es einen Straßennamen: 2nd Street. Ich habe ein Dutzend E-Mails an Skater in Miami geschickt – alles erfolglos. Irgendwann jedoch erkannte ich auf den Bildern ein Campusgelände und gab einen Haufen entsprechender Suchwörter bei Google ein. Nach einigen Jahren der Suche bin ich dann schließlich auf ein Posting der Uni in Miami gestoßen – und darin war die Rede von der Spende dieses Werks von Jean Ward. Ich kam mir fast vor wie Sherlock Holmes, aber es hat sich gelohnt.

„Riding Modern Art“, éditions B42 (Frankreich), € 22,–, 152 Seiten, ISBN 978-2-917855-87-4   49


„Angst und Reuegefühl sind deine Stärken“, sagt Elan Gale, 34.

Akzeptiere deine Schwä­ chen. Du bist kein Totalversager. Aber ganz so toll dann eben auch nicht.“ ELAN GALE

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TA K E F I V E

TV-Produzent Elan Gale über …

DIE POSITIVE KRAFT DER VERZWEIFLUNG Der kreative Kopf hinter US-Fernsehserien wie „The Bachelor“ gibt Tipps aus seinem neuen, etwas anderen Selbsthilfebuch „You’re Not That Great“.

1 Positives Denken macht krank

In meinem Job muss ich Personen einschätzen. Mir fällt auf, dass Leute, die ­sagen, wie gut sie drauf sind, oft nichts weiterbringen. Während Menschen, die hart arbeiten, mit Selbstzweifeln hadern. Positives Denken ist wie eine Hängematte, aus der du nicht leicht rauskommst. Was gegen Glücklichsein spricht? Nichts. Aber Achtung: Optimismus ist nur eine scheinbare Abkürzung zum Glücklichsein. Statt eine positive Einstellung zu haben, musst du selbstkritisch sein und an dir arbeiten, um Zufriedenheit und Erfolg zu erlangen.

geben dir Leute, 2 Kraft die nicht an dich glauben

Erinnerst du dich, als du mit einer Zeichnung von der Schule nach Hause kamst? Deine Eltern applaudierten und klebten den Dreck an den Kühlschrank, anstatt das Bild anzuzünden. Seien wir ehrlich: Deine Eltern haben dich zu einem ego­ manischen Monster erzogen – sodass du heute süchtig nach Lob bist, egal ob Leute es ernst meinen oder bloß höflich sind. Was mich in meinem Leben am meisten angespornt hat, war die Aussage meines Vaters, ich würde in der Unterhaltungs­ industrie nie einen Job finden. Daraufhin arbeitete ich mir den Arsch ab – vor allem, um ihm das Gegenteil zu beweisen.

3 Nutz Reue zu deinem Vorteil

Die meisten Menschen raten dir, nichts zu bereuen. Dabei ist Reue eines der elementarsten Werkzeuge, die dir im ­Leben zur Verfügung stehen. Wer nichts bereut, glaubt, keine Fehler zu machen. Und wer glaubt, keine Fehler zu machen, kann sich nicht verbessern. Ich arbeite

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ständig an vielen Projekten gleichzeitig und versuche, bei jedem mein Bestes zu geben. Warum? Weil ich in meiner Jugend ein Faulpelz war und keinen Uni-Abschluss machte, was ich extrem bereue. Und dieses Gefühl pusht mich wie kein anderes.

4 Keine Angst vorm Tiefpunkt

Mein Freund James Gunn (Regisseur der „Guardians of the Galaxy“-Filme) sagte mir einmal, die wichtigste Trieb­ feder für seinen Erfolg sei das Gefühl der Verzweiflung. Was er damit meint: Keine Wahlmöglichkeiten zu haben beflügelt die Kreativität. Verzweiflung ist der große Bruder der Angst – und Angst treibt an. Ich brauche das flaue Gefühl im Magen kurz vor einer Deadline. Du spürst das Adrenalin, du bist voll konzentriert, du musst Entscheidungen treffen. Unter ­diesen Umständen kannst du das scheinbar Unmögliche möglich machen.

5 So toll bist du nicht

Du denkst, es sei wichtig, sich selbst zu mögen. Weil positives Denken das Selbstbewusstsein stärkt. Falsch gedacht! Akzeptiere deine Schwächen und beschäftige dich mit ihnen. Gut zu sein ist wich­ tiger, als sich gut zu fühlen. Und obwohl wir uns ständig gegenseitig mit hohlen Komplimenten überhäufen, weißt du ­insgeheim dennoch genau, dass du vieles an dir verbessern könntest. Versteh mich nicht falsch: Du bist kein Totalversager. Aber ganz so toll dann eben auch nicht.

twitter.com/theyearofelan Interview FLORIAN OBKIRCHER Fotos CATIE LAFFOON   51


KEINE GROSSE SACHE Text GORDY MEGROZ

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Fotos RAINER HOSCH & JIMMY CHIN

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Wissenschaftler fanden heraus, dass das Gehirn des amerikanischen Kletter-Superstars ALEX HONNOLD keine Angst kennt.


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n „Berkeley Ironworks“, einer Kletterhalle in Kalifornien: Alex Honnold spricht vor 500 seiner Fans, die ihn über­ schwänglich ­feiern. „Die Stim­ mung hier ist ja der Wahnsinn“, ruft Honnold am Ende ins Mi­ krofon. „Ironworks weiß eben, wie man ­Partys schmeißt!“ Ein Tag im Frühling. In der höhlenartigen Halle, groß wie drei Fußballfelder, mit 13 Meter hohen Felswänden aus Kunst­ stoff, stehen Bierfässer herum. ­Bühnen­scheinwerfer, prominent wie bei einem Bruce-Springsteen-Konzert, ­tauchen den Raum in violettes, rotes und blaues Licht. Keine un­angemessene Kulisse, denn für dieses Pub­likum steht quasi Springsteen auf der Bühne. Mehr noch. Für die Klette­ rer-Community ist Honnold ein Gott. Was den 31-Jährigen von anderen ­unterscheidet, ist einfach erklärt: Er tut Dinge, die für die meisten Menschen ­unbegreiflich sind. Sogar für erfahrene Kletterer. Honnold ist spezialisiert auf Big-Wall-Free-Solo-Besteigungen. Das heißt: Er klettert auf hohe, extrem gefähr­ liche Bergwände, ohne Seile oder sonsti­ ge Sicherheitsausrüstung zu verwenden. Das Risiko, das er dabei eingeht, ist ­relativ einfach beschrieben: Macht er ­einen Fehler, ist er ziemlich sicher tot. In der Geschichte des ­Klettersports gab es weltweit bis dato nur wenige Free-­ Solo-Kletterer. Honnold ist der Beste von ihnen. Das liegt vor allem daran, dass er im Laufe der Zeit verlernt hat, Angst zu haben. Vergangenes Jahr stellten Ärzte der Medical University of South Caro­lina bei einem Scan von Honnolds Gehirn fest, dass seine Amygdala, das Angstzentrum des Gehirns, anders reagiert als die nor­ maler Menschen. Gelassener. Honnolds Unerschrockenheit brachte ihm den Spitznamen „No Big Deal“ ein, 54  



„Keine große Sache“. Weil er das Klettern so selbstverständlich, so natürlich aus­ sehen lässt. Und weil er die wahnsinnigsten Herausforderungen gern schulterzuckend mit „Keine große Sache“ kommentiert. Keine große Sache war 2008 die 760‑Meter-Wand Half Dome im YosemiteNationalpark, wegen ihrer Steilheit schon für gesicherte Kletterer brutal heraus­ fordernd. Richtig gute Kletterer hoffen, dass sie in zwei Tagen oben sind. Honnold benötigte knapp drei Stunden. Oder 2017 El Capitan, die berüchtigte Steilwand im selben Nationalpark, knapp 1000 Meter hoch. „Dies ist die Mond­ landung des Free Solo“, so Kletterkollege Tommy Caldwell gegenüber „National Geographic“. Jimmy Chin, Kletterer und Fotograf, ergänzte: „Das ultimative Solo.“ An diesem Abend fasziniert Honnold die Zuschauer aber nicht mit seinen FreeSolo-Geschichten. Er erzählt davon, wie er beinahe erfroren wäre. 2015 versuchte er in Argentinien gemeinsam mit dem US-Alpinisten Colin Haley die Fitz-Traver­ se in Patagonien zu meistern: Vier Berge, 2200 Höhenmeter, knifflige Routen und Eiskletterpassagen wollten sie in 24 Stun­ den absolvieren. Der bestehende Rekord: vier Tage. Der Aufstieg verlief gut, dann spielte zwei Seillängen vor dem letzten Gipfel das Wetter nicht mehr mit. „Es war schon seit einiger Zeit ziemlich dunkel, Wind kam auf, die Temperaturen fielen“, so Honnold. „Der Wind wurde immer heftiger, und wir froren erbärmlich.“ An ein Weiterklettern war nicht zu denken. Es galt, die vier Stunden bis zum Sonnenaufgang irgend­ wie zu überstehen. „Wir drückten uns ­aneinander und zitterten die ganze Zeit.“ Als die Sonne endlich auftauchte, war der Gipfel hinter Wolken verborgen. „Ich dachte, jetzt sind wir echt am Arsch“, er­ zählt Honnold dem Publikum. „Wir waren auf der Nordseite, weiter raufzusteigen war unmöglich, also mussten wir über den Westen absteigen, statt uns vom ­Gipfel abzuseilen. Unsere Vorräte waren verbraucht, wir mussten uns 22 Stunden lang in die nächste Siedlung durch­ kämpfen. Das war richtig scheiße!“ Eine solche Erfahrung müsste doch selbst H ­ onnold zu denken geben, oder? „Ach was“, sagt er. „Ich bin an die Natur ­gewöhnt. Keine große Sache.“ Ich treffe Honnold ein paar Stunden vor seinem Auftritt im Headquarter von The North Face im kalifornischen Alameda. Die Outdoor-Marke ist sein wichtigster Sponsor, er ist dort, um mit den Marke­ tingleuten anstehende Kletterprojekte zu besprechen.

EL CAPITAN: WARTEN AUF DEN REKORD

Am Morgen des 3. Juni 2017 beginnt Alex Honnold im Yosemite Park mit einem Aufstieg, dessen Vollendung ihn zur Legende macht: Er ­bezwingt als Erster die „Free­rider“-Route an El Capitan im Free-Solo-Stil – 1000 Meter Granit, völlig un­gesichert, in 3:56 Stunden. Seine Strategie: „Stell dir die Route vor, entwickle sie und warte dann, bis du so weit bist.“

„Wie geht’s?“, fragt mich Honnold und reicht mir seine Hand. Er ist gut eins achtzig groß, drahtig, hat erstaunlich ­große braune Augen und lange, fleischige Finger mit vom jahrelangen Felsengreifen verdickter und verhärteter Haut. Honnold die Hand zu schütteln fühlt sich an, als würde man eine Würstchenpackung ­drücken. Wir holen uns Mittagessen aus der Cafeteria und essen auf der Terrasse. Mit uns am Tisch sitzen Sportmarketing­ manager Chris Sylvia und Conrad Anker, einer der erfolgreichsten Alpinisten Ame­ rikas, dazu Boone Speed, ein Fotograf, der einst als bester Kletterer der Welt galt. „Und auf welchem Rang liegt Alex?“, frage ich in die Runde. Honnold spielt ­seine Leistungen sofort herunter: „Jeder, der in 5.12 (schwierigster Klettergrad; Anm.) klettern kann, schafft das, was ich schaffe“, sagt er. Und fügt hinzu, dass es ­ziemlich viele Kletterer gebe, die solche Strecken bewältigen wie er bei seinen Free-Solo-Touren. „Nein“, widerspricht Anker, schüttelt heftig den Kopf und springt von seinem Platz auf. Er balanciert vor uns auf einem Fuß auf einer rund einen Zentimeter brei­ ten Metallschiene. „Ich finde ziemlich toll, dass ich das kann“, sagt er. „Aber auf 300 Meter Höhe schaffe ich das nicht. Im Gegensatz zu dir, Alex. Du kannst das, weil du mental stärker bist als wir alle.“ Um derart riskante Situationen entspannt THE RED BULLETIN


IN DER ­G E S C H I C H T E DES KLETTERSPORTS GAB ES WENIGE FREE-SOLOKLETTERER. H O N N O L D G I LT ALS DER BESTE UNTER IHNEN.

Weltklassefotograf Jimmy Chin ­arbeitet regel­mäßig mit ­Honnold, wie hier an diesem Felsen im Oman.


„ICH VISUALISIERE IMMER DEN WORST CASE. WENN DU NUR AN O P T I M A L FÄ L L E D E N K S T, G E R ÄT S T D U AN AUFGABEN, FÜR DIE DU NICHT B E R E I T B I S T. “

2009 auf Borneo im Rahmen einer Asien-Expedition


überstehen zu können, setzte sich Hon­ nold während tausender Kletter­stunden konsequent immer größeren ­Gefahren aus. Er begann mit zehn Jahren zu trainieren, besuchte mit seinem Vater regelmäßig eine Kletterhalle in der ­kalifornischen Stadt Carmichael, wo er aufwuchs. Mit 15 jobbte er gelegentlich in der Halle, sicherte Kinder bei Geburtstags­ feiern, schrubbte Duschraum und Toilette. Wenn die Halle abends schloss, ließ er seinen Wischmop fallen und kletterte die Wände spaßhalber ohne Seil hoch. „Das war meine erste Free-Solo-Erfahrung“, sagt er. „Aber so gefährlich war es nicht. Du wärst höchstens sieben Meter runter­ gefallen, hättest dich vielleicht ein wenig verletzt. Gestorben wärst du nicht.“ Mit 18 war Honnold einer der besten Indoor-Kletterer der USA und ge­wann ­regelmäßig Wettbewerbe im ganzen Land. Draußen kletterte er kaum. Das änderte sich 2003, als er auf die University of ­California in Berkeley kam. Er schwänzte die Seminare, um in örtlichen Parks auf Felsbrocken herumzuturnen. Im Sommer nach dem ersten Unijahr starb sein Vater nach einer Herzattacke. Honnold beschloss, nicht mehr an die Uni zurückzukehren. Er lieh sich den Minivan seiner Familie und fuhr zu Wänden im ganzen Land, wo seine Partner und er mit Seilen kletterten. Beim Corrugation Cor­ ner in Kalifornien kletterte er zum ersten Mal free solo im Freien. Der 90-Meter-Auf­ stieg hat so viele Griffe und Tritte, dass Honnold heute praktisch hinauf­laufen würde – damals hatte er „richtig Schiss“. Trotzdem gab ihm das Erlebnis einen Kick, den er zuvor noch nie erlebt hatte. Bald darauf kletterte er immer härtere Routen free solo, bis er sich an die Steil­ heit und die winzigen Griffe und ­Tritte gewöhnt hatte. „Damals habe ich meine Amygdala gekillt“, sagt Alex Honnold, auf die erwähnte Gehirn-Studie anspielend. Am Tag vor unserem Treffen war ­Honnold eine neue Route im Yosemite-Nationalpark als Erster free solo geklettert, „Voyager“. Nach rund 100 der insgesamt 300 Meter musste er wählen: zwischen ­einer schwie­ rigen Passage und einer e­ xtrem schwieri­ gen; Honnold wählte Letztere. An ihren lächerlichen Griffen ­abzurutschen hätte bedeutet, drei Meter darunter auf einen Felsvorsprung zu ­knallen. „Aber wenn ein Griff wegbricht oder etwas anderes pas­ siert, wäre ich trotzdem noch halbwegs okay“, sagt er. Warum er nicht die etwas weniger schwierige Route wählte? Honnold erklärt es: Ein paar Tage davor war er „Voyager“ THE RED BULLETIN 

DIE ANGST BESIEGEN IN DREI SCHRITTEN So denkt Alex Honnold, der Mann, der seine Amygdala „gehackt“ hat.

1. Beurteilen

„Werde ich wirklich sterben …? Angst zu haben ist nichts Schlimmes, es zeigt dir nur den Zustand deines Körpers. Nutze diese ­Information, um die richtigen ­Entscheidungen zu treffen.“ gesichert mit einem Freund geklettert – was er zur Vorbereitung auf Free Solos oft tut. Diese etwas leichtere Route hatte ­einen erheblichen Nachteil: Hier würde er bei einem Fehler über 100 Meter in die Tiefe stürzen. Er übte diesen Abschnitt immer wieder, um auf den Free-Solo-­ Versuch perfekt vorbereitet zu sein. „Ich hatte dann trotzdem kein gutes Gefühl“, sagt er. „Ich muss absolut ­sicher sein. Das war ich in diesem Fall nicht. Ich visuali­ siere nur die schlimmsten Situationen, weil ich ehrlich zu mir sein will. Hier zum ­Beispiel, dass ich vier, fünf, sechs schreck­ liche Sekunden lang wie eine Stoffpuppe den Berg runterkollere. Nur wenn ich ­diesen Fall auch gedanklich a ­ usschließen kann, bin ich bereit. Wenn du nur an ­Optimalfälle denkst, wirst du an Aufgaben geraten, für die du nicht bereit bist.“ Honnold umging also diese weniger schwierige, aber gefährlichere Route – und entschied sich für die Alternative, die niemand zuvor geklettert war. Es dauerte eine Stunde, bis er den Gipfel erreichte. „Du versuchst immer, den sichersten Weg zu finden“, sagt er. „Aber du musst trotz­ dem aufpassen. Bist du beim Autofahren vier Sekunden nicht vorsichtig, wird aus deinem Wagen ein brennendes Wrack.

Und wenn du beim Klettern vier Sekunden nicht aufpasst, fällst du runter.“ Manchmal klettert Honnold Routen auch auf Anhieb free solo. Etwa am Rouge Berbère, einer rund 450 Meter hohen Wand in Marokko. Nach gut der Hälfte des Weges musste er sich bei einem Über­ hang an einen zehn Zentimeter breiten Spalt klammern. Sonst wäre er 230 Meter in den Tod gestürzt. Honnold absolvierte diese Route in zwei Stunden. Diese Kletteransätze – einmal mit Vor­ bereitung, einmal ohne – widersprechen einander doch, oder? „Nein, tun sie nicht“, meint Alex Honnold. „Du übst für die schwierigen Routen, für die e­ infachen brauchst du das nicht.“ Honnolds Zu­ gang zu seinem Sport mag anderen „Geh kurz alle wie Besessenheit möglichen Optionen durch, um das ­erscheinen. Manch­ mal klettert er den Risiko zu definieganzen Tag, 20 Tage ren. Welche hilft in Folge, bevor er dir am meisten sich einen Tag Pause weiter? Wähl die sicherste Variante gönnt. Er verzichtet auf Alkohol, Koffein, – und vermeide so jedes unnötige Drogen sowieso und Experiment.“ immer wieder über

2. Überlegen

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„W E N N D U I N E T WA S WIRKLICH GUT S E I N W I L L S T, DANN MUSST D U D AV O N ­B E S E S S E N SEIN.“

Free-Solo-Aufstieg an der 760-­Meter-Wand des Half Dome im YosemiteNationalpark, Kalifornien


längere Phasen auch auf Zucker. 2011 kletterten er und sein Partner James ­Lucas, mittlerweile Redakteur des Magazins „Climbing“, an einer Route an den Eurasian Eyes in der kanadischen Stadt Squamish. „Für Alex eigentlich ein Warmup“, erinnert sich Lucas. „Aber er war ­davor schon 23 Tage geklettert, hatte Haut an den Fingern verloren und zwei Monate lang keinen Zucker zu sich genommen. Er versuchte seine Finger zu verbinden, aber das Tape löste sich ständig. Er war einfach komplett erschöpft.“ An der Schlüsselstelle gab Honnold auf. Wieder unten am Fuß der Wand angelangt, war er wütend und enttäuscht. „Er ist es nicht gewohnt, zu verlieren“, erinnert sich Lucas. Honnold stieg in seinen Van, fuhr schnurstracks zu einem Laden, um ­Kekse zu kaufen, und weiter direkt nach Kalifornien. Honnolds Erfolg begeistert Menschen auf der ganzen Welt. Sein Aufstieg am Half Dome wurde 2010 in der Dokumentation „Alone on the Wall“ verewigt, im selben Jahr wurde er in der legendären CBS-­

Serie „60 Minutes“ porträtiert, 2015 brachte er das Buch „Alone on the Wall“ heraus. Sein Erfolg kommt gerade zur rechten Zeit. Seit 2014 stiegen die weltweiten Umsätze im Kletter-Business um 53 Millionen US-Dollar auf rund 176 Millionen. Honnold konnte d ­ adurch extrem gut vermarktet werden. Von seinen Sponsorendeals mit The North Face, Black Diamond, La Sportiva und Stride Health (einem Unternehmen, das ihn kostenlos krankenversichert), seinen Auftritten in Werbespots für Dewar’s und Citibank und seinen Vorträgen lebt Honnold ganz gut. „Ich verdiene ungefähr so viel wie ein wirklich guter Kiefer­ ortho­päde“, witzelt er. „Ich könnte noch mehr Geld machen, würde ich das ganze Jahr über vor anderen ­reden – aber das würde nicht zu mir passen.“ Bei The North Face ist Honnold einer der best­bezahlten Athleten. In den Büroräumen hängen übergroße Fotos von ihm an den Wänden. Und er ist in die Entwicklung neuer Produkte eingebunden. „Er klettert free solo, was beeindruckend ist und die Leute auf ihn aufmerksam

3. Handeln

„Sobald du dich entschieden hast, gib 100 Prozent. Es gibt keinen Grund für halbe Sachen. Machst du es halbherzig, wirst du lang­ samer und die Sache damit gefährlicher.“ THE RED BULLETIN 

macht“, sagt Chris Sylvia, der Sport­ marketingmanager, bei unserem Mittag­ essen. „Aber was unsere Kunden am meisten ­inspiriert, ist, dass er seine Zeit nur draußen in der Natur verbringt, in den Bergen. Also: ‚Glotzt nicht den ganzen Tag nur aufs Smartphone, geht auch raus und tut e­ twas!‘ – das ist seine Botschaft.“ Honnold verbringt vier, fünf Monate jährlich im Ausland. Und obwohl er sich kürzlich ein Haus in Las Vegas gekauft hat, um das ganze Jahr über beim Red Rock Canyon klettern zu können („und weil es in Nevada keine Einkommens­ steuer gibt“), lebt er seit zehn Jahren in ­einem Kleintransporter und verbringt eine Menge seiner Zeit in verschiedenen ­Klettergebieten der USA. In seinem neuen Dodge-Kastenwagen befinden sich ein Doppelbett, ein Waschbecken und ein Herd. Über der Schiebetür des Wagens ist ein Hangboard befestigt, an dem Kletterer gern schwierige Griffe und damit ihre Fingerkraft trainieren. Die Wände sind gepflastert mit Fotos und Zeichnungen. „Meine Freundin Sanni hat sie da hin­gehängt“, sagt Honnold. „Ich hätte das nie gemacht, aber sie wollte, dass ich mich wie zu Hause fühle.“ Für Sanni McCandless, die Honnold 2015 bei einer Signierstunde in Seattle kennengelernt hat, ist der Kastenwagen kein echtes Zuhause, sie begleitet Alex nur ab und zu. Der allerdings ist wunschlos glücklich: „Solange ich Vollzeit klet­ tere, werde ich so leben. Vielleicht noch zehn Jahre, vielleicht sogar länger. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass ich mit 47 noch in diesem Wagen lebe, aber wer weiß.“ Honnold und ich steigen in seinen Wagen und fahren vom The-North-Face-Hauptbüro zur K ­ letterhalle. Seine Ausrüstung klappert im Gepäckraum, im Radio läuft ein Song von Sum 41. An seiner Schläfe entdecke ich ein graues Haar. „Ach das“, sagt er. „Das erste Mal hat das jemand bemerkt, als wir in Borneo kletterten und ein ziemlich heftiger Sturm aufkam. Vielleicht wuchs es mir, weil wir so gestresst waren und dachten, wir würden sterben.“ Honnold sagt das im Scherz, aber der Tod beschäftigt ihn tatsächlich. „Kürzlich kam jemand um, und meine Freundin Sanni meinte: ­‚Zumindest starb er bei etwas, das er ­liebte.‘ Ich antwortete ihr: ‚Ich hasse ­diesen Spruch.‘ Niemand will bei dem sterben, das er liebt. Ich liebe Klettern, aber ich will nicht in meinen Tod stürzen. Ich will sterben, wenn ich alt bin.“

www.alexhonnold.com   59


TAK E F I V E

TANJA ERATH

DER RADPROFI AUS DEM SCHLAFZIMMER Die 28-jährige Deutsche saß in ihrer winzigen Wohnung auf dem Hometrainer und radelte sich über die Online-Plattform „Zwift“ zu einem Profi-Vertrag im echten Leben.

2 Nur Leistung zählt

Ich liebe das Konzept der Zwift Aca­ demy. Normalerweise braucht man Kon­ takte oder einen bestimmten Background, um es in ein Profiteam zu schaffen. Aber bei Zwift ist das anders: Das Team weiß nichts über dich, beurteilt wird einzig und allein deine Leistung.

3 Sprint der Avatare

Bei Zwift fährst du auf wirklichkeits­ getreuen Strecken und nimmst als Avatar an Rennen teil. Wenn andere schneller fahren, überholen sie dich. Geht es berg­ auf, macht es dir dein Smart-Trainer ent­ sprechend schwieriger. Bergab ist es dann wieder leichter. Du musst dich wie bei ­einem echten Rennen anstrengen. Hinter den anderen Avataren stecken ja auch echte Menschen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich im Schlafzimmer so sehr pushen könnte, aber es geht.

4 Sieg über 2158 andere

2017 starteten 2159 Frauen in der Academy. In der ersten Runde musste man 15 Workouts in sechs Wochen ab­ solvieren – was nur knapp 600 schafften. Von denen qualifizierten sich zehn fürs Halbfinale. Ich stalkte die anderen mit der Strava-App, um mich zu vergleichen – und merkte: Meine Zahlen sind gut! Dann kamen sieben Workouts: vier auf Zwift, drei in echt. Die drei Finalistinnen reisten zum Trainingscamp von Canyon SRAM nach Koblenz. Es war surreal.

Die Ärztin und der Avatar mit Waden aus Stahl

1 Ein Traum Ich dachte, ich würde im Krankenhaus arbeiten – aber jetzt reise ich als Radprofi durch die Welt.“ TANJA ERATH

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Ich war seit meinem elften Lebensjahr Triathletin, 15 Jahre lang. Ich war gut, aber das Me­dizinstudium war mir wich­ tiger. Nach einer Verletzung 2016 konnte ich nicht mehr schmerzfrei laufen. Also konzentrierte ich mich auf das Radfahren. Ein Freund erzählte mir von einem Con­ test auf der Online-Plattform Zwift, die Radrennen simuliert. Dort konnte man ­einen Vertrag mit Canyon SRAM Racing gewinnen – und ich gewann! Ich dachte, ich würde im Spital arbeiten, aber jetzt reise ich als Profi durch die Welt.

5 Das neue Leben

Als ich gewann, war ich wirklich über­ rascht. Es veränderte mein ganzes Leben. Ich studiere nicht mehr und bin auch keine Ärztin. Ich lebe jetzt in Girona in Spanien und bin ein Profi, der trainiert, Rennen fährt, reist. In meinem Terminkalender steht „Yorkshire, Kalifornien, Frankreich“. Und es ist nicht virtuell, sondern alles echt.

Folge Eraths Karriere auf wmncycling.com Text RUTH MORGAN Foto TINO POHLMANN THE RED BULLETIN


WINGSFORLIFEWORLDRUN.COM

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WIR LAUFEN FÜR ALLE, DIE NICHT LAUFEN KÖNNEN ZUG 6. MAI 2018 – 13:00 UHR

100% DER STARTGELDER FLIESSEN IN DIE RÜCKENMARKSFORSCHUNG


EINSATZ AN DEN GRENZEN Island hat keine Armee, aber ein schlagkräftiges Heer ehrenamtlicher ­Lebensretter: eine Reportage aus dem Inneren der nationalen Such- und Rettungsorganisation und ein Lehrstück über Selbstlosigkeit, Härte und Teamwork. Text NORA O’DONNELL Fotos JONAS BENDIKSEN

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Eiskalt: die ehren­ amtlichen Suchund Rettungshelfer Islands beim Training im Nordatlantik


Mitglieder des ICE-SAR-Teams in Selfoss beim Anmarsch zu einem Einsatzort

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or der Küste ­Islands, ein paar Kilometer südwestlich von Reykjavík, springt, rast, dreht sich ein Rettungsboot über den Nordatlantik wie ein Rallyeauto im Drift. Darinnen sitzen zwei Crewmitglieder in leuchtend karmesinroten Trockentauchanzügen. Dahinter sitze ich. Ich klammere mich an i­ hren Sitzen fest, damit ich nicht wie Popcorn durch die kleine Kabine ­geschleudert werde. „Wollt ihr, dass ich kotze?“, brülle ich gegen das Heulen des Motors an. Ich höre nicht, was sie antworten, aber ich sehe sie kichern. Es nieselt an diesem Oktobersamstag, und das Meer ist ruhiger als üblicherweise um diese Jahreszeit. Und so nutzt die Crew das für ein bisschen „Spaß“. Freilich sagen sie nicht Spaß zu ihren wilden Manövern, sondern Training: Je virtuoser sie ihr Boot auch in Extremsituationen

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beherrschen, desto besser. Wenn man Leben retten will, sagen die beiden in der ersten Reihe, könne man gar nicht gut genug vorbereitet sein. Islands wild zerklüftete, einsame Landschaft mit ihren aktiven Vulkanen, tosenden Flüssen und von Spalten durchzogenen Gletschern ist ein ­Naturparadies – und gefährlich. Wenn etwas passiert (und es passiert ziemlich viel), rücken die ehrenamtlichen Rettungsteams aus. Das Land hat zwar Polizei und Küstenwache, aber kein Militär. Es sind einfache Bürger – Tischler, Lkw-Fahrer, Studenten, Archivare –, die sich um Verunglückte kümmern. Sie lassen bei einem Notfall alles liegen und stehen, egal ob sie gerade mit den Kindern spielen oder eigentlich einen wich­tigen Termin wahrzunehmen hätten. Diese erstaunliche Gruppe von Freiwilligen nennt sich „Icelandic Search and Rescue Association“, kurz ICE-SAR (isländisch: Slysavarnafélagið Landsbjörg). Sie zählt etwa 4000 Mitglieder, in knapp 100 Teams im ganzen Land organisiert. Seit der

Gründung des ersten Teams 1928 befreiten diese Samariter zehntausende Menschen aus Schneestürmen, Hochwassern und Lawinen. Allein 2017 half ICE-SAR in über 1000 Notfällen, 150 davon lebensbedrohlich. Und nichts von alldem wird vom Staat finanziert. Die Mitglieder der ICE-SAR verkaufen Feuerwerkskörper und Schlüsselanhänger, die wie Retter aussehen – und sie verkaufen wirklich eine Menge von dem Klimbim. „In diesem Jahr verdiente unsere Abteilung 6000 Euro durch Schlüssel­ anhänger“, sagt Heimir Haraldsson, 41, ein stämmiger, sanftmütiger Schiffstechniker, Vorsitzender der ­lokalen Booteinheit nahe Reykjavík. Haraldsson ist der Veteran an Bord und damit Leiter des heutigen Trainings. Als wir über den bitter­ kalten Nordatlantik fahren, erzählt er, dass er in Hof aufwuchs, einem kleinen Dorf im Südosten Islands. Und dass er im Hafen arbeitete, weil er von den örtlichen Kapitänen lernen wollte, sein Boot sicher durch die meterhohen Wellen zu lenken. THE RED BULLETIN


„Erfrischend“, sagt einer über das lebensgefährlich kalte Wasser.

Ein Wildwasser-Spezialist springt von einem Felsblock in den tobenden Fluss Tungufljót.


Magnús Sigurdsson trainiert mit Bruder Elias die Rettung aus der Spalte des Gletschers Sólheimajökull.

Allzeit bereit: 40 bis 50 Rettungseinsätze warten pro Jahr. 66  



THE RED BULLETIN


„Aber ich wusste schon früh, ich will nicht in Hof bleiben“, überbrüllt er den Motorenlärm. „Ich kannte mein ganzes Leben lang nur Fisch, Fisch, Fisch. Vielleicht ging ich deshalb in die Stadt, nach Reykjavík. Und zum Rettungsteam.“ Haraldsson wurde als Teenager nicht Pfadfinder, sondern ging zur ICE-SAR-Jugendabteilung. „Das ist das Wichtigste bei der ICE-SAR: die Nachwuchsarbeit – dass junge Leute kommen und richtig gut ausgebildet werden“, sagt er.

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as achtköpfige Team, das heute Nachmittag auf dem offenen Meer übt, besteht aus jungen Leuten, viele von ihnen erst Anfang zwanzig. Rund die Hälfte von ihnen steckt noch in der 18-monatigen Grundausbildung, in den Kursen über die Basics: Seenotrettung, Bergsteigen, Erste Hilfe. Nach der Grundausbildung können sich die Mit­ glieder spezialisieren, zum Beispiel auf Disziplinen wie Berg- oder Wildwasserrettung. „Ich weiß noch nicht, in welche Richtung ich später gehen möchte“, sagt Dagbjört Jónsdóttir, die einzige Frau an Bord. „Ich bin Anfängerin.“ Die 31-jährige Architektin, ausdrucksvolle Augen, zwei liebevoll ­geflochtene Haarzöpfe, sitzt an Deck des Bootes, das rhythmisch über die Wellen klatscht, und wischt sich mit dem Handschuh das arktische Meerwasser vom Gesicht. Es ist erst ihr zweites Mal auf dem Boot. Bei der Diskussion, wer bei der heutigen Übung das Unglücksopfer spielen darf, wird ihr darum das Privileg zuteil, als Erste gefragt zu werden. Ob sie Lust hat, ins Wasser zu springen. Jónsdóttir schmunzelt und antwortet mit einem gedehnten Ton, der nur wenig Überzeugung erkennen lässt. Man kann ihr die Zurückhaltung nicht verdenken. Das Wasser hat ­ungefähr vier Grad, ohne Neoprenoder Trockenanzug verliert man in kaum zehn Minuten die Kontrolle über seine Muskeln und ertrinkt. Die Leute von ICE-SAR sind freilich geübt im Umgang mit natür­ lichen Gefahren – und das auch ­außerhalb ihrer Einsätze: Fast alle, mit denen ich sprach, machen in ­ihrer Freizeit Extremsportarten wie Kaltwasser-Surfen oder Eisklettern. „Ich liebe Mountainbiken“, sagt Jónsdóttir. „Die Liebe zur Bewegung,

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Heimir Haraldsson, 41, kommandiert das Boot auf dem Ozean in der Nähe von Reykjavík.

zum Sport in freier Natur ist einer der Gründe, warum ich so gern im Rettungsteam bin. Es ist der perfekte Ort, um Leute mit gleichen Interessen zu treffen. Wir haben so viel Natur hier. Und wenn das Wetter beschissen ist, gehst du trotzdem raus und hast Spaß. Solange du richtig angezogen bist, hast du nichts zu befürchten.“ Alle an Bord tragen die gleichen clownhaft knallroten Trockenanzüge, für den Fall, dass sie ins eisige Meerwasser springen müssen. Der, der heute tatsächlich springen „darf“, ist Daniel Ágústsson, 20, Fotografie-­ Student. Er soll bei der Übung einen ertrinkenden Fischer spielen. Wieder und wieder springt Ágústsson ins ­eisige Meer, damit ihn seine Kollegen wieder und wieder aufs Boot hieven können. Er bläst vor Kälte die Wangen auf wie ein Kugelfisch und kneift die Augen zusammen. Auf See arbeiten die Teams der ICE-SAR oft mit der Küstenwache ­zusammen, und die hat einen Heli­ kopter. Im besten Fall evakuiert der Heli­die Menschen, die in Gefahr geraten sind, und die Leute der ICE-SAR bringen Boote in Sicherheit oder bergen Wrackteile. „Aber der ‚beste Fall‘ ist nicht die Norm“, sagt Ha­ralds­son, „denn manchmal kann der Helikopter nicht starten oder fällt aus anderen Gründen aus. Aber wir dürfen nicht ausfallen, egal was passiert.“ Haraldsson ist keiner, der ausfällt. Der Routinier löst die extremsten

­Fälle auch unter den härtesten Bedingungen. Jónsdóttir hingegen, Rookie, wird noch oft am Stützpunkt eingesetzt. „Ich verstehe das natürlich“, sagt sie und seufzt leise. „Aber man ist natürlich ungeduldig. Gerade neulich sagte ich zu einer Freundin: ‚Wenn ich hier rumsitze, habe ich das Gefühl, ich mache nichts.‘ Sie antwortete: ‚Ach was, überhaupt nicht. Du bist eine große Hilfe.‘ Und sie hat ja auch recht. Die anderen sind nach ihren Einsätzen physisch und psychisch kaputt. Stell dir vor, sie kehren zum Stützpunkt zurück, und niemand ist da, der sich um sie kümmert. Wenn man einfach nur da ist und eine positive Ausstrahlung hat, ist das schon wichtig. Jeder hilft eben auf seine Weise.“ Neben den Rettungsaktionen gibt es immer wieder auch Sucheinsätze – wie etwa im ­Jänner 2017, als die 20-jährige Birna Brjánsdóttir verschwand. Bei der größten Suchaktion in der Geschichte Islands durchkämmten mehr als 700 Freiwillige 11.000 Quadratkilometer. Nach acht Tagen entdeckte eine HubschrauberCrew den leblosen Körper der jungen Frau an einem entlegenen Strand. Neun Monate später wurde ein Seemann aus Grönland verurteilt. Es war einer der seltenen Mordfälle in ­einem Land mit einer der niedrigsten Verbrechensraten der Welt. Pro Jahr besuchen zwei Millionen Menschen aus aller Welt die Insel,   67


„Touristen machen manchmal Dinge, bei denen ich mich frage, wo ihr gesunder Menschen­ verstand geblieben ist.“


entsprechend oft muss die ICE-SAR ortsunkundige, mangelhaft vorbe­ reitete oder leichtsinnige Touristen retten. 2015 sorgten zum Beispiel vier junge britische Abenteurer für Schlagzeilen. Sie mussten bei ihrem Versuch, Island auf Skiern zu durchqueren, gleich dreimal gerettet werden. Ein Jahr später ignorierten Dutzende Touristen Absperrketten und Warnschilder am Wasserfall Gullfoss und begingen einen vereisten Weg – mit dramatischen Folgen, Rettungsbergung inklusive. Ebendort kletterte im Jahr 2017 eine Touristin die steilen Klippen unter dem Aussichtspunkt hinunter. Sie riskierte ihr Leben – für ein Selfie. „Wenn Touristen solche waghalsigen Dinge tun, frage ich mich, wo ihr gesunder Menschenverstand geblieben ist“, sagt Ágúst Kjartansson, ein 28-jähriger ICE-SAR-Teamleiter und Ausbildner. „Aber manchmal liegt es wohl auch an Unterschieden in der Mentalität. Und für Ausländer können ­unsere Hauptstraßen wie Feldwege aussehen.“ Kjartansson erzählt, dass letztes Jahr ein Tourist mitten auf der Hauptstraße an der Südküste stand und die Polarlichter beobachtete. Er wurde von einem Auto getötet. „Wenn es nicht absolut ungefährlich aussieht, was du tust“, rät Kjartansson allen, die Island besuchen, „dann lass die Finger davon.“

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Dagbjört Jónsdóttir und Stefán Reynisson im Rettungsboot auf dem Nordatlantik

inen Tag nach der Übung im Ozean schließe ich mich Kjartansson und seinem Team an, das in Selfoss im Süden Islands stationiert ist. Wir treffen uns am Fluss Tungu­ fljót in der Nähe von Strokkur, einem aktiven Geysir und beliebten Reiseziel für Touristen. Kjartansson leitet heute ein Wildwassertraining. Unter ganz besonderen Bedingungen: Gletscherwasser hart am Gefrierpunkt, wilde Stromschnellen, Strudel und Wirbel, Felsblöcke und unter der Wasseroberfläche tausende scharfkantige Steine. „Das Wasser ist wirklich kalt“, sagt Magnús Sigurdsson, ein weiterer Ausbildner. „Richtig erfrischend.“ Es sieht weniger erfrischend aus als schlicht furchteinflößend. Das ­Tosen der Stromschnelle macht alle nervös, aber sie überspielen ihre ­Nervosität. „Normale Leute würden hier nie reinspringen“, sagt einer. „Aber wir sind keine normalen Leute“, entgegnet ein anderer.   69


„Ich bin kein Held. Ich bin nur Teil eines Teams. Held ist das Team.“ Selfoss-Teamleiter Ágúst Kjartansson evakuiert seinen Kollegen während einer Rettungsübung.

„Ágúst ist ein ziemlich guter Schwimmer“, sagt Sigurdsson, bevor sie ins Wasser springen. „Sieh ihn dir an.“ Kjartansson erinnert tatsächlich an einen Wikinger. Mit den rötlichen Wangen, seinem langen karamell­ farbenen Bart und dem eher kleinen, aber strammen, sehnigen Körper könnte er wahrscheinlich auch ein Langschiff aus dem 10. Jahrhundert allein rudern. Kjartansson, der Trockenanzug und Helm trägt, springt ins Wasser. Er lässt sich flussabwärts durch die Stromschnellen treiben, nutzt die schwächere Strömung um einen Fels­ block zur Richtungsänderung und schwimmt stromaufwärts – schnell und mit roboterhafter Präzision. Auf einem Felsblock erwarten ihn zwei Kollegen, sie beugen sich zu ihm r­ unter, strecken ihre Hände aus und ziehen ihn hoch. 70  



Jeder Einzelne muss diese Aufgabe erfüllen, wieder und wieder. Mit klammen Fingern, völlig unterkühlt, mit Eiswasser in den Lungen, wieder den Fluss runter, wieder z­ urück gegen die Stromschnellen. Zurück an Land, wendet sich einer von der Gruppe ab und erbricht vor Erschöpfung. Bei der Mittagspause wenig später in einer nahen Cafeteria sind die Strapazen kein Thema. Die Gruppe scherzt darüber, dass sie eigentlich alle miteinander verwandt sind – kein Witz, sondern Tatsache auf ­einer 330.000-Einwohner-Insel, die jahrhundertelang relativ isoliert war. Isländer können sogar mittels App in einer Genpool-Datenbank nach­ forschen, um festzustellen, ob sie mit potenziellen Partnern zu nah ver­ wandt sind. Es gilt das Motto: „Geht gemeinsam in die App, bevor ihr ge­ meinsam ins Bett geht.“

Diese große Verbundenheit, die manchmal auch eine Bürde sein kann, motiviert aber alle Helfer bei jeder großen Rettungsmission umso mehr. Es ist so, als wäre das ganze Land ein Dorf, in dem jeder jedem gern hilft. Viele Mitglieder des Selfoss-Teams sind Bergsteiger. Magnús Sigurdsson, 27, und sein jüngerer Bruder Elias, 20, brechen nach dem Essen zum Sól­ heimajökull-Gletscher auf, um eine Spaltenbergung zu üben. Vor zwei Jahren war der Weg dorthin noch nicht befestigt, aber jetzt besuchen Touristen häufig die eisige Attraktion. Ein gefährliches Unterfangen: Hier kann ein einziger falscher Schritt eine Katastrophe bedeuten. Magnús und Elias werden in eine Gletscherspalte abgeseilt. Elias spielt das Opfer. Magnús hebt seinen Bruder auf seinen Schoß, sichert ihn mit ­einem Seil und signalisiert den beiden THE RED BULLETIN


Kollegen oben, dass sie mit dem Hochziehen beginnen sollen. Die zwei ­machen das alles so mühelos, dass man sie bitten muss, innezuhalten und in die Kamera zu lächeln. Das Selfoss-Team kommt im Durch­ schnitt auf 40 bis 50 Rettungseinsätze im Jahr. Die Helfer können jederzeit angerufen werden – auch wenn sie in der Arbeit sind. Bringt das keine Probleme mit den Chefs? Nein, alle winken ab. Die Chefs sind da sehr kulant. Die Mitglieder von ICE-SAR genießen im ganzen Land hohen Respekt. Jeder hier schätzt, dass die ehrenamtlichen Retter rund um die Uhr bereitstehen für Einsätze, die viele Stunden dauern können – tagsüber, nachts, an Wochenenden oder Feiertagen. „Auch zu Weihnachten machen wir keine Pause“, sagt Elias auf der Rückfahrt nach Selfoss.

A

m 26. Dezember 2015 erhielt das Selfoss-Team um ein Uhr morgens ­einen Anruf. Ein Mann, der seinen Job verloren hatte, war in den Fluss gesprungen. Es hatte draußen minus zwölf Grad. Elias, Magnús und Kjartansson suchten mit ihrem Team 48 Stunden lang nach dem Mann – bei insgesamt gerade einmal acht Stunden Pause. „Angenehm war es nicht“, erzählt Kjartansson am nächsten Tag in ­einem Café in Reykjavík. Er pendelt

Leichtes Gepäck: Rettungen in un­ wegsamem Gelände werden oft mit mini­ maler Ausrüstung durchgeführt.

THE RED BULLETIN 

von Selfoss nach Reykjavík, wo er als Programmierer an der Uni-Klinik ­arbeitet. „Als wir im Motorboot über den Fluss fuhren, gefror das Spritzwasser sofort an unseren Trocken­ anzügen“, sagt er. „Und es war völlig dunkel. Wir hatten nur Scheinwerfer und Taschenlampen, um uns zurechtzufinden – und um nach dem ab­ gängigen Mann zu suchen.“ Jeder in Selfoss war an der Suche beteiligt, Freiwillige, Polizei, Feuerwehr, Küstenwache. Aber der Mann wurde nie gefunden. Als Freiwillige bekommen die ­Mitglieder von ICE-SAR kein Geld. So frage ich Kjartansson, ob er dieser Arbeit nicht manchmal überdrüssig ist – zum Beispiel wie vergangenes Jahr zu Weihnachten, als er völlig durchnässt durch die Nacht fuhr, der Anzug vereist, die Nase halb erfroren. „Nein“, sagt er bestimmt. „Wir helfen, weil wir es können und wollen. Ich denke nie an mich. Wenn es so weit ist, vergesse ich alles andere und konzentriere mich nur noch auf die Mission. Ich will dazu beitragen, dass alles gut ausgeht. Klar kommen Emotionen auf, wenn du wirklich müde bist oder erschöpft. Aber das gehört einfach dazu.“ Außerdem bekommt man einen ordentlichen Adrenalinrausch, wenn man es schafft, jemanden zu retten. Vor ein paar Wochen, erzählt Kjartansson, hatte er eine Teambesprechung im Stützpunkt. Plötzlich kam der Anruf, dass ein Mann von einer Brücke am Fluss gesprungen war. Das Selfoss-Team stürmte los und brachte sein Boot zu Wasser. „Ich war auf dem Boot“, erinnert sich Kjartansson. „Ich sah den Mann und sprang ins Wasser, um ihn zu beatmen.“ Gerade einmal neun Minuten waren seit dem Notruf vergangen. Kjartansson und sein Team hoben den Mann ins Boot, am Ufer warteten schon Sanitäter, die Küstenwache kam per Helikopter und brachte das Opfer ins Krankenhaus. Es ist Kjartansson wichtig, dass er nicht wie ein Held behandelt wird. „Ich hätte das Boot nie so schnell zum Fluss bringen können, wäre ich allein gewesen. Und ich hätte den Kerl nie allein hochheben können. Obwohl ich derjenige war, der ihn beatmete, war ich nur Teil einer ­langen Kette. Alles klappte, weil die ­Kette der Belastung standhielt. Der Held ist allein das Team.“

icesar.com   71


Awolnation-Livekonzert im Aufnahmestudio Supersense, Wien: Passiert der Band ein Fehler, landet der Fehler auf der Platte.

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#ohnefilter

AWOLNATION finden Echtsein wichtiger als Perfektsein. Darum nahmen die „Sail“-Stars in Wien ein analoges Live-Album auf – in einem Take und ohne die Chance, im Nachhinein das kleinste Detail zu verändern. 

Interview ALEX LISETZ  Fotos JORK WEISSMANN


spielte es auch keine Rolle, wenn nicht jede Note hundertprozentig saß, eher im Gegenteil“. Später dann, mit Awolnation, reißt er sich schmerzhaft ehrliche Texte aus dem Leib, „weil ich unsere Fans so ­berühren will, wie mich meine Lieblingsmusiker berührt haben“. Aber wie weit würde Aaron Bruno für seine Sehnsucht nach dem Echten wirklich gehen? Noch zwei Tage, dann wird er sich der ultimativen Probe stellen.

AZETAT UND SAPHIR

Konzert-Momente: Sänger Aaron Bruno (oben links mit Live-Gitarrist) während der Session in Wien.

A

wolnation-Sänger Aaron Bruno steht barfuß auf einer winzigen Bühne und hat Sorge: dass ein ­Handy läutet. Vor ihm wartet ein Raum voller Awolnation-Fans darauf, dass er mit dem ­Konzert beginnt. Aaron könnte jetzt an die 79 Wochen denken, die sein Welthit „Sail“ in den Billboard Hot 100 Charts stand. An e­ inen Morgenlauf in den Hügeln von Malibu. Oder an den Blick seiner Frau, wenn sie scharf auf ihn ist. Aber er denkt an alles, was gleich schiefgehen könnte. Als der Toningenieur das vereinbarte Zeichen gibt, legt der ­Gitarrist neben ihm los. Aaron packt das Mikro und fängt an zu singen. Jetzt geht es um alles.

AUF DER SUCHE

Zwei Tage zuvor sitzt Aaron Bruno auf ­einer braun gemusterten Couch im obersten Stockwerk des 25hours Hotel im siebten Wiener Bezirk und gibt Interviews. 74  



Aaron ist ein unkalifornischer Kalifornier, er mag Smalltalk nicht. Aber heute will er gar nicht aufhören zu reden, vor allem nicht über sein neues Awolnation-Album, das „Here Come the Runts“ heißt. „Ich ­wollte noch offener, noch schonungsloser zeigen, wer ich wirklich bin“, betont er in jedem Interview. Die Journalisten nicken höflich. Sie haben die Phrase vom „ehrlichsten, persönlichsten Album“ schon von vielen Popstars gehört. Aber dieser Mann meint das ernst. „Ich suche nach den echten Dingen“, sagt er, „weil rund um uns alles Fake ist. Unsere Nahrungsmittel sind Mogel­ packungen. Unsere Beziehungen sind ­Mogelpackungen, die Musik, die wir ­hören – alles.“ Aaron Bruno hat diese Sehnsucht, seit er denken kann. Als Jugendlichen fasziniert ihn die Straight-Edge-Bewegung: der Exzess, der ohne Alkohol und Drogen auskommt. An der Punkrock-Szene zieht ihn die rohe, unfrisierte Energie der Musik an. Und den Liedermacher Jeff Buckley liebt er für die pure Emotion seiner Stimme – „da

Am nächsten Morgen tröpfeln die Awolnation-Mitglieder Punkt neun Uhr aus ­ihrem Tourbus. Herkömmliche Rockstars gehen zu dieser Tageszeit allmählich zu Bett, doch Aaron Bruno ist hellwach. Er will endlich dieses kleine Wiener Studio sehen, von dem er schon so viel gehört hat. Es heißt Supersense, ist zugleich Café, Shop und Kuriositätenkabinett und so ­etwas wie das Mekka analoger Technik. Man kann hier zum Beispiel mit der weltgrößten Polaroidkamera die weltgrößten Polaroidfotos machen. Oder mit dem hoch­ wertigsten, bestrestaurierten OriginalEquipment der 1960er-Jahre eine Schallplatte aufnehmen. Diese Gelegenheit haben bereits Bands wie die Fantastischen Vier oder Triggerfinger wahrgenommen. Und sie ist auch der Grund, warum Aaron Bruno die lange Anreise von Los Angeles auf sich genommen hat. Florian „Doc“ Kaps ist der Gründer und Besitzer von Supersense. Er hat ­seinen Laden zur Institution von europaweitem Ruf gemacht und verpasst jetzt Aaron Bruno einen Crashkurs in Sachen analoger Aufnahmetechnik. „Jeder Ton, den eure Mikrofone einfangen, wird über das Mischpult direkt in diese Schall­ platten-Graviermaschine geleitet.“ Während er spricht, tätschelt er zärtlich ein Sammlerstück aus den 1960er-Jahren, das wie eine Mischung aus Wasch- und Zeitmaschine aussieht. „Hier oben ritzt ein Saphirstichel jede Schallschwingung direkt in die Lackfolie. Daraus entsteht eine Schallplatte, zweimal zwölf Minuten lang. Wir können die Aufnahme nicht stoppen, nicht wiederholen, und wir ­können nachher nichts mehr daran ver­ ändern. Wenn du dich versingst oder im Publikum ein Handy läutet, ist alles auf Platte.“ Aaron nickt. „Alles klar, Doc.“ Er geht ganz nah ran, schnuppert an der Folie. Seine Songs werden nach Azetatlack riechen, seine Stimme wird eine THE RED BULLETIN


Die Löcher im T-Shirt täuschen: Nach zehn Millionen verkauften Alben könnte sich ­dieser Mann durchaus ein ganzes leisten.

THE RED BULLETIN 

„Ich suche nach den echten Dingen, weil rund um uns alles Fake ist.“   75


Ein Mann mit intensivem Blick: Awolnation-Sänger Aaron Bruno will sich beim Singen tief in die Seele blicken lassen.

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„Ich glaube, wir bewundern das Perfekte, aber es ist das nicht Perfekte, was uns berührt und eine Verbindung schafft.“ THE RED BULLETIN


Rille sein, seine Energie wird eine Schicht schwarzen Lack formen. Aaron lächelt, und seine unruhigen Augen werden ganz weich.

EVA MÜHLBACHER

TAKTLOSIGKEITEN

Aaron, sagen wir, erklär uns, warum du im Jahr 2017 ein Album mit der Technik von 1960 aufnehmen willst? „Die analoge Technik holt dich aus der Komfortzone heraus“, sagt Aaron. „Wenn du eine Schallplatte live mitschneidest, zeigst du dich ohne Filter. Da ist kein Platz für Tricks.“ Aber analog aufzunehmen ist umständlich und altmodisch, wenden wir ein. „Man sollte nicht immer den kürzesten Weg nehmen“, widerspricht Aaron. „Natürlich hat digital aufzunehmen eine ­Million Vorteile. Aber kannst du zu einer Sounddatei eine Beziehung aufbauen? Ich habe eine abgegriffene John-DenverWeihnachts-LP daheim. Oder meine legendäre ‚Brothers in Arms‘-Platte von den Dire Straits. Die ist so zerkratzt, dass man sie kaum mehr anhören kann. Diese Stücke sind echte Wegbegleiter für mich.“ Guter Punkt, sagen wir. Und wenn wirklich etwas schiefgehen sollte, könnt ihr den Rohling ja wegwerfen und die Aufnahme mit einem anderen Rohling wiederholen, oder? Aaron macht jetzt ganz große Augen. „Nein, weil wir uns mitsamt unseren ­Fehlern zeigen wollen“, sagt er, „weil es wichtiger ist, echt und authentisch zu sein, als fehlerfrei zu sein.“ Und dann erzählt er die Geschichte seines Megahits „Sail“, der (nach „Radioactive“ von Imagine Dragons) länger in den Top 100 der Billboard-Charts war als ­jeder andere Song der Geschichte. „Ich habe die Vocals in zwanzig Minuten eingesungen, jede Tonspur ein Take“, sagt er, „und ich mochte die rohe Energie der Nummer.“ Dass die Aufnahme alles andere als perfekt war, merkte er erst nach der Veröffentlichung: „Beim Gesang sind ein paar Töne richtig flach, und die Percussion Drum ist von Anfang bis Ende völlig aus dem Takt.“ „Sail“ verkaufte sich trotz dieser Schönheitsfehler mehr als zehn Millionen Mal. Oder gerade deswegen? „Ich glaube, wir bewundern das Perfekte“, sagt Aaron Bruno, „aber es ist das nicht Perfekte, was uns berührt und eine Verbindung schafft. Darum sollten wir uns viel öfter trauen, uns nicht so perfekt zu zeigen, wie wir wirklich sind.“ THE RED BULLETIN 

BLANK LIEGENDE NERVEN

Das Blöde ist nur: Wir Menschen zeigen uns nur ungern von unserer unvollkommenen Seite. Darum ist zwei Stunden vor der Liveshow jedes Teammitglied merklich angespannt. Lukas Obwaller, der Cutting Engineer vor Ort, geht noch einmal alle Schritte durch: Maschine in Gang ­setzen, Einlaufrille für die Plattennadel eingraben, Startzeichen an die Band, ­In­strumente überwachen. Eric Stenman, der Producer der Band, klebt Post-its auf sein Mischpult. Er hat sich beim Soundcheck aufgeschrieben, an welcher Stelle er das Echo zurücknehmen muss, wann er ­welchen Regler hochdrehen kann. ­Seine Sorge: Wenn die Band auch nur um zehn Sekunden überzieht, ist die Platte vielleicht mitten in einem Takt zu Ende. Gar nicht elegant.

So entsteht eine ­Direktschnittplatte Digitale Aufnahmen sind seit zwei ­Musikergenerationen Industrie-Standard, weil sie billiger, e∞zienter und leichter zu bearbeiten sind. Die Songs werden nach der Aufnahme gemischt und ge­ mastert, alle Informationen komprimiert, sodass sie möglichst wenig Speicherplatz verbrauchen. Direktschnittplatten werden in einer Schallplatten-Schnittmaschine im Wortsinn „mitgeschnitten“: Ein Saphirstichel prägt eine komplexe dreidimensionale Rille in den Rohling, während ein Staubsauger den freigeschabten Span entfernt. Die Nadel des Plattenspielers übersetzt den Verlauf der Rille später in Schwingungen der Lautsprechermembranen zurück. Im Supersense-Studio lief während des Awolnation-Konzerts zusätzlich ein ana­ loges Tonband mit. Aus dieser Aufnahme wurden in den Tagen nach dem Konzert in Echtzeit und mühsamer Handarbeit 77 weitere Lackschallplatten geschnitten, die im Shop bestellt werden können: masterrecord.supersense.com/ awolnation

Dabei könnten alle ganz entspannt sein. Digital Detox hat Awolnation immerhin schon ein paarmal richtig gutgetan. Aaron Bruno schrieb das komplette zweite Awolnation-Album in einer abgelegenen Holzhütte ohne Internetanschluss. Seinen aktuellen Hit „Passion“ nahm er – so wie den Rest des neuen Albums – mit der­ selben billigen Gibson-Gitarre aus den 1950er-Jahren auf, auf der er einst Gitarre spielen gelernt hat.

EIN INTIMER MOMENT

Um 20.37 Uhr betritt Aaron Bruno die Bühne und raunt seinen Leuten beruhigend zu: „Es geht heute nur darum, Spaß zu haben.“ Dann beginnt Aaron an all das zu denken, an das er nicht denken wollte. An defekte Mikros. An Texthänger. An verpasste Einsätze. Dann startet der erste Song, „7 Sticks“. Die Band gibt von Anfang an Vollgas, und Aaron Bruno findet schnell in seine Rolle. Er singt kraftvoll und konzentriert, das Publikum geht ab, aber er fühlt den Flow noch nicht ganz. Als Nächstes kommt „Passion“, die neue Single. Die Hände ­gehen in die Höhe, Aaron surft locker über eine schwierige Stelle, und da sind die zwölf Minuten der ersten Seite schon wieder vorüber. Es gibt eine kurze Unterbrechung, dann startet die Aufnahme der zweiten Seite. Da passiert es – beim Intro von „Hollow“ bricht ein Schlagzeugpedal. Während der Saphirstichel unaufhörlich die Rille in die kreisende Lackfolie prägt, muss der Song neu angespielt werden. Das Erstaunliche dabei ist: Es macht gar nichts. Im Gegenteil, der kleine, ­augenzwinkernde Schlenker schafft auf einmal eine noch engere Verbindung zum Publikum. Und auch in Aaron Bruno scheint ein Schalter umgelegt. Jetzt singt er wie entfesselt, erst „Hollow“, dann „Sail“, in einer Version, die man so noch nicht gehört hat, energiegeladen, aber dennoch intim, nah bei sich und seinen Gefühlen und zugleich ganz nah bei jedem Zuhörer im Publikum. Dann ist die Aufnahme fertig, und ­keiner im Team versteht mehr, was Aaron zuvor so nervös gemacht hat. Weil es doch immer nur um die einfachste Sache der Welt geht: echt zu sein, aber nicht fehlerlos.

„Analog In Vienna“, der Film über die Aufnahme der Awolnation EP on demand auf redbull.tv; awolnationmusic.com   77


SO BLEIBT DIE FASNACHT AUF KURS.


guide Get it. Do it. See it.

Ausdauer und Technik vereint: Cross-CountryProfi Anton ­Sinzow (RUS)

10 BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL

März

BIKE-ACTION LIVE IM TV

Die Stars der Cross-CountrySzene starten zum Auftakt der UCI Mountainbike-Weltcupsaison im süd­afrikanischen Stellenbosch. Das Rennen: live auf redbull.tv

THE RED BULLETIN 

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GUI D E

See it Nino Schurter auf dem Weg zur WorldCup-Krone in Vallnord, Andorra, vergangenen Juli …

NEED FOR SPEED

Auf Red Bull TV erlebst du in diesem Monat unter ­anderem den größten aller Mountainbike-Wett­ kämpfe, eine eisige Rallye und die Legende unter den Snowboard-Events.

10 März   LIVE 

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine ­globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart-TV. Alle Infos: redbull.tv

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UCI XCO MOUNTAIN BIKE WORLD CUP 2018

Beim UCI MTB World Cup begeistert die inter­nationale Elite der Cross-CountryMountainbiker tausende Zuschauer. In die neue Saison starten die Stars erstmals auf den Slopes der Coetzenburg-­ Anlage in Stellenbosch, Südafrika. Kann der amtierende Champion Nino Schurter (SUI) seinen Titel gegen das starke französische Team verteidigen?

… und auf den Fersen von Stéphane Tempier (FRA) in Val di Sole, ­Italien, im August 2017

THE RED BULLETIN


Februar / März

BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL (2), JEFF BROCKMEYER/RED BULL CONTENT POOL, JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL, MIHAI STETCU/RED BULL CONTENT POOL

Ausgewählte Musik und inspirierende Künstler-Interviews. Aktuelle Empfehlung:

THE RED BULLETIN 

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bis 10. März   LIVE 

BURTON US OPEN

Der wichtigste Event im professio­nellen Snowboarding kehrt nach Vail, Colorado, heim. Auch im 36. Jahr stellen die weltbesten Rider ihre unglaublichen Skills im Slopestyle und auf der Halfpipe unter Beweis.

RISKY BUSINESS

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bis 18. Februar   LIVE 

RALLYE SCHWEDEN

Station zwei der WRC-Saison führt durch Eiswälder in Schweden und Norwegen. 200.000 Fans an der Strecke, große Tradition (Premiere: 1950!), vier Tage als extreme Challenge für die Piloten und Top-Action für dich.

Februar   LIVE 

22 Februar  ON AIR 

Gerd Janson ist Musiker, Stamm-DJ im wahrscheinlich besten Techno­club der Welt (dem Berghain) und Chef eines der einflussreichsten House-Labels der Gegenwart („Running Back“). Seinem Geschmack in puncto Dance-Musik kann man also blind vertrauen. In seiner Show auf Red Bull Radio (neu: jeden vierten Donnerstag im Monat) präsentiert er House, Disco, Techno und vieles mehr aus seiner persönlichen Sammlung.

RED BULL CRASHED ICE

Das Ice-Cross-Downhill-Spektakel ist zu Gast in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille. Auf die Athleten wartet ein selektiver Kurs mit Haarnadelkurven und Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.

AUFDREHEN: REDBULLRADIO.COM

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GUI D E

Get it

Watches

ULYSSE NARDIN MARINE TORPILLEUR MILITARY

Volle Kraft voraus

Von Taschenuhren der Schi≠s­ kapitäne des 19. Jahrhunderts ­inspiriert, segelt diese Hommage unverzagt in die Zukunft – dank ­diamantbeschichteter SiliziumHemmung und patentierter Unruh. ulysse-nardin.com

Baume & Mercier goes Silizium: vorn Zeitlosigkeit, hinten Zukunft

SILIZIUMZEIT Ein Indikator für den Fortschritt der Menschheit ist unsere Fähigkeit, Rohstoffe schlau zu nützen: Stein, Bronze und Eisen haben wir schon geschafft, jetzt ist Silizium dran. Das Element ist halbleitend und lässt sich zu reinen Kristallen „züchten“ – perfekte Eigenschaften zur Produktion jener Mikrochips, die unser Leben revolutioniert haben. Ebenfalls geeignet ist Silizium zum Aufwerten traditionellerer Technologien wie der schwingenden Spiralfeder einer mechanischen Uhr. Es ist nicht magnetisch, nicht so korrosiv wie Stahl oder Nickel, stoßfester und bleibt auch ohne Schmierung reibungsfrei. Hält also ziemlich sicher, bis das nächste Materialzeitalter kommt.

BAUME & MERCIER CLIFTON BAUMATIC

Federführend Baume & Mercier wurde 1830 von zwei Brüdern in Les Bois, einem Schweizer Dorf in den Jura-Bergen, gegründet und steht für wunderbar schnörkellose, erprobte mechanische Uhren. Die Clifton Baumatic verdankt ihre schlichte Zuverlässigkeit einer komplexen Wundererfindung: der patentierten TwinSpirSpiralfeder. Sie besteht aus zwei versetzt zueinander angeordneten Siliziumschichten, die sie temperaturstabiler und elastischer machen – und die Uhr bis zu fünf Tage lang präzis ticken lassen. Das ist so ­beeindruckend, dass Baume &  Mercier nicht nur gerne darüber spricht – man hat die Rückseite der Uhr auch noch transparent ­gestaltet, damit niemand auf die Idee komme, das technische ­Wunderding nicht zu bestaunen. baume-et-mercier.com

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TUDOR HERITAGE BLACK BAY CHRONO

Volles Programm

Motorsport- und Tauchdesign in exklusivem Materialmix. Das Edelstahlgehäuse beherbergt eine Spiralfeder aus dem thermisch stabilen Silizium „Silinvar“, das Konzernmutter Rolex mit­ entwickelte.  tudorwatch.com

ZENITH DEFY EL PRIMERO 21

Voll gehemmt

Der Titanchronometer hat patentierte Karbon-Nanofaser-Spiral­ federn und zwei Silizium-Hemmungen: eine für die Zeitanzeige, die andere für die Stoppuhr. Der Stoppzeiger, der einmal in der Sekunde umläuft, zeigt Hundertstelsekunden an.  zenith-watches.com

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P RO M OT I O N

must-haves

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1 CRAFT STRATUM

Mit der Stratum-Kollektion präsentiert Craft für die Wintersaison 2017/18 technische Bekleidung für die Loipe oder fürs Winter-Running. Die Stratum Jacke ist mit einer windabweisenden Front ausgestattet, während die ­Rückenpartie dank Lüftungsöffnungen für die nötige Ventilation bei inten­ siven Trainingseinheiten sorgt. Craft verzichtet bei der Stratum Jacke und den Pants weitgehend auf Nähte und setzt auf elegante Verklebungen. Kein Wunder, dass das schwedische und das US-amerikanische Langlauf-Nationalteam die Stratum-Kollektion in dieser Saison im Wettkampf tragen werden. www.craft-sports.de

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2 GLOBE SPROUT

Der Sprout ist ein leichter Sneaker mit cleaner Optik. Er überzeugt mit einer vulkanisierten Aussensohle, einer dämpfenden und leichten Nitrolite-Zwischensohle und einem vorgeformten Fussbett, das opti­ male Unterstützung und besten Halt ga­ran­tiert. Der Sprout kombiniert Skate mit Fashion. Features: Low-Cut-Silhouette, vulkanisierte Aussensohle, leichtgewichtige Nitrolite-Zwischensohle, herausnehm­ bares und vorgeformtes Fussbett, Fersenstabilisator; Obermaterial: Veloursleder, Textil; Futter: Textil. ww.globebrand.ch

3 ANDI VENT MOUNT CHARGER

Der kabellose andi vent mount ­charger wird mit nur einem Dreh am Lüftungsgitter Ihres Fahrzeugs montiert. Er schenkt dem Smart­ phone die ersehnte Energie, während Sie sich auf die Strasse konzentrieren und an die Orte fahren, an ­denen Sie so sehr gefragt sind. www.andi.store/ch

4 ANTELOPE.CLUB

ANTELOPE.CLUB ist die weltweit erste leistungssteigernde Sporttextilie. ­Entstanden aus einer Kombination von grosser sportlicher Leidenschaft und technischem Know-how, hilft ­ANTELOPE.CLUB Dir dabei, effektiver zu trainieren und Deine Fitnessziele mit wenig Zeitaufwand schneller zu ­erreichen. Auf dem Prinzip der Elektromuskel­stimulation (EMS) ­basierend, werden beim EMS-Training die tieferliegenden Muskeln über ­Elektroden mit Strom stimuliert. Mit ANTELOPE.CLUB holst Du aus jeder Sportart das Maximum heraus. info.antelope.club

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GUI D E

Do it

8

bis 18. März Autosalon Genf Geben wir es zu: Wir sind Neunjährige, ge­ fangen in Erwachsenenkörpern. Bei Europas größter Automesse dürfen wir aber einmal im Jahr dazu stehen. Und mit offenen Mündern den neuen Toro-Rosso-Boliden mit Honda-­ Antrieb (Bild) bestaunen, den schnellsten ­Serien-McLaren aller Zeiten begrapschen und im neuen A6, im viertürigen AMG GT oder im muskulösen T-Roc R Probe sitzen. Genf; www.gims.swiss/de

26

März

Existieren Außerirdische vielleicht doch? Das bekannteste BasketballTeam der Welt (im Bild: Hammer Harrison) stützt diese These, bricht alle Regeln von Physik und Logik, zeigt irre Pass-Kombinationen und erzielt Körbe aus absurden ­Distanzen. Darüber hinaus gibt es viel zu lachen: Slapstick-Einlagen sind seit den 1960er-­Jahren fixer Bestandteil der Show. Zürich-Oerlikon; www.harlemglobetrotters.com

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März LYRICS Festival Die Schweizer Rap-Szene war noch nie so vielfältig und erfolg­ reich wie heute. Diese erfreuliche Tatsache feiert der Zürcher Kanzlei Club mit dem zweiten LYRICS Festival. Neben vielen Live-Acts gibt es eine Award-Verleihung an die Urban Artists des Jahres 2017 – und zwar „garantiert ohne roten Teppich, Cüplis und Anzugträger“. Zürich; www.lyricsmagazin.ch

10

März La Matinale des Dames Eine Woche nach den WeltcupRennläufern messen sich auf derselben Strecke Skitouren­ läufer. Kleiner, aber schweiß­ treibender Unterschied: Dies­ mal geht es auf 2250 Meter Länge 722 Höhenmeter berg­ auf. Der Sieger wird rund 35 ­Minuten unterwegs sein, Hobbyläufer dreimal so lange. Crans-Montana; www.matinaledesdames.ch

24

und 25. März Swiss Ski Marathon Wer diese Generalprobe be­ wältigt, ist für die Patrouille des Glaciers bereit, das SaisonHighlight aller Skitourenläufer. Knackige 3600 Höhenmeter auf 38,8 Kilometern sind auch für gut trainierte Athleten eine Ansage. Zusatz-Benefit: Zwei Dreitausender (Steghorn: 3146 m; Rinderhorn: 3448 m) wollen überquert werden. Kandersteg; www.skimara.ch

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GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL, MIKE CENTIOLI, ANNE FLORE MARXER, OLAV STUBBERUD

THE HARLEM GLOBETROTTERS


Februar / März

31

März bis 8. April Xtreme Verbier Beim Showdown der Freeride World Tour müssen die Karten auf den Tisch: Schafft es Anne-Flore Marxer, ihren Vorjahressieg zu wiederholen? Holt sie am bis zu 60 Grad steilen Nordhang (siehe Bild) des Bec des Rosses gar zum zweiten Mal den ­Gesamttitel? Und reicht die Kon­­ dition der mehr als 6000 Fans, um die besten Partys des Winters bis in die Morgenstunden durchzustehen? Verbier; www.freerideworldtour.com

26

Februar The Chainsmokers „Baby, pull me closer in the backseat of your Rover“ … oder in die Zürcher Samsung Hall, und zwar am letzten ­Februarmontag. Da spielt das New Yorker Erfolgs­duo (über 9,4 Milliarden Streams weltweit) sein einziges Schweiz-Konzert. Ihre US-Tour zum aktuellen Album „Memo­ ries … Do Not Open“ haben Alexander Pall und Andrew Taggart (re.) bereits hinter sich. „Let’s show them we are better“! Zürich; www.thechainsmokers.com

THE RED BULLETIN

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GUI D E

Get it

Fitness

MAXIMALE EFFIZIENZ

Das Anzug-Zubehör für erfolgreiches Ganzkörper-Training KOMPRESSIONSSTOFF

Sorgt für perfek­ ten Sitz und regt die Durchblutung zusätzlich an.

16 ELEKTRODEN

leiten die elek­ trischen Impulse an den Körper weiter.

BASE PLATE

verbindet den Booster (den ­Impulsgeber) mit dem Anzug.

BOOSTER INTEGRIERTE ­V ERKABELUNG

Die Short ist via Stecker mit dem Shirt verbunden.

ANTELOPE.APP

HANDWÄSCHE

Wiewohl aus ­antibakteriellem Material, darf der EMS-Suit nicht in die Maschine.

Herz und Hirn zugleich: Liefert den Strom für die Elektroden und generiert die Impulse. Der Akku hält bis zu vier Stunden.

DER EMS-ANZUG IST GEEIGNET FÜR

Der Booster wird über Bluetooth mit dem Smart­ phone verbunden. Per App wählt man aus unter­ schiedlichen Trainings­ modi aus.

Wie die Elektro-Muskel­ stimulation zum Anziehen dein Training effizienter macht. Man kennt das Prinzip von der Rehabilitation, etwa nach Sportverletzungen oder Operatio­ nen: Auf die Haut geklebte Elektroden werden unter Strom gesetzt, kontrahieren und ent­ spannen die Muskeln – ähnlich wie es das ­Gehirn macht, wenn wir uns etwa den Befehl geben, zu laufen. Der ANTELOPE.SUIT kombi­

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CALF-GUARDS Perfekte Ergänzung zum Suit: Integrierte Elektroden steuern gezielt die Waden­ muskulatur an und verbessern Sprungkraft, Schnelligkeit – und Optik.

Preis: CHF 1650.–, info.antelope.club

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KURT KEINRATH & MICHAEL ZECHANY

FIT DURCH DEN EMS-ANZUG

niert den bioelektrischen Impuls mit einem ex­ternen elektrischen, was die Wirkung multi­ pliziert. Und weil unser Körper lernfähig ist, passen sich die Muskeln an die neuen Reize an – je häufiger und intensiver, desto mehr. Das ist die Grundlage jedes Trainings. Unter dem Stoff des ANTELOPE.SUIT ver­ bergen sich 16 Elektroden (an Bauch, Brust, Nacken, Rücken, Oberarmen, Beinbizeps, Quadrizeps, Gesäß), die durch den Booster – eine Kombination aus Akku und Steuergerät – mit Im­pulsen versorgt und per App über ein Smart­phone gesteuert werden. So lässt sich das Training effizienter gestalten. Zudem sind neue Bestleistungen auch für sehr gut Trainierte möglich. Bonus: Der integrierte ­Regenerationsmodus beugt Muskelkater vor.

WERNER JESSNER

Laufen, Fitness, Yoga


www.gims.swiss

#GimsSwiss


GUI D E ACTIVE STYLE

RAUS IN DIE NATUR

Der Mensch ist ein Lebewesen ohne dicke Haut, ­wärmendes Fell oder schützendes Gefieder. Doch ­diese Schwachstellen nutzt er zu seinem Vorteil, um Stoffe und Accessoires zu entwickeln, mit denen er in jeder Umgebung zurechtkommt.

District Ride In den 1970er-Jahren brachten die „Z-Boys“, eine Gruppe legendärer Wellenreiter aus Kalifornien, ihre Surftricks vom Ozean auf die Straße. Der 28 Zoll lange Mexico Bandito Cruiser von D Street, gefertigt aus sieben Lagen Hardrock-Ahorn, erinnert mit seinem klassischen Torpedo-Design an diese glorreiche Zeit – wenn auch mit modernen Einflüssen wie einem praktischen Kick Tail und weichen 80a-Rädern. dstreetlongboards.com

Taffer Kerl Die Formex Element stellt sich jeder Herausforderung. Die schwarze Lünette aus Zirkoniumoxid (die Hightech-Keramik ist siebenmal ­härter als Edelstahl) ist praktisch kratzfest und stoßfest, das robuste Gehäuse bis 100 Meter wasserdicht. formexwatch.com

Retro-Star Fila hat sich in den 1970er-Jahren mit der Unterstützung von Stars wie der Tennislegende Björn Borg einen Namen als Sportmarke gemacht. Der Low-Sneaker Riot 2.0 L huldigt diesen frühen Tage mit einem ­Retro-inspirierten Look, kombiniert mit modernster Technologie wie dem Flex-Groove-Profil. fila.de

Klassiker Das Poloshirt wurde ja nicht für den Pferdesport erfunden, sondern vom französischen Tennis-Champ René Lacoste 1926 eingeführt und später von Ralph Lauren für seine Polo-Serie übernommen. Aber egal, wofür man es trägt, ein klassisches Baumwoll-­ Polo ist die perfekte Mischung aus Komfort und Funktiona­ lität.  timezone.de

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Gradmesser In den lebensfeindlichsten Ecken der Welt werden Legenden geboren. Sir Ernest Shackleton war eine der Schlüsselfiguren des heroischen Zeitalters der Antarktisforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und die Kleidung, die seinen Namen trägt, ist die Antwort auf die gnadenlose Umwelt im ewigen Eis. Die Shackleton Endurance-Jacke wurde in der Antarktis auf minus 20 Grad Celsius getestet und beansprucht für sich, leichter, wärmer, stärker und wasserdichter als jede andere Jacke am Markt zu sein. shackletoncompany.com


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ALLES DABEI Gutes Rucksackdesign stellt normalerweise Funktion über Form­ schönheit. Doch diese Auswahl an robusten und leichten Ruck­ säcken enttäuscht in beiden Punkten nicht. Mit einem Gewicht von weniger als einem Kilo­ gramm hat jeder den Anspruch viel (leicht ­zugänglichen) Platz für Ausrüstung zu bieten – von Skiern über ­Wanderstöcke bis zu ­Wasserbeuteln. Egal ob du eine Felswand ­erklimmst oder in den Bergen wanderst … mit diesen Begleitern wirst du gut aussehen. Bloß schade, dass dort oben nicht viele Leute sind, um dich zu bewundern. SALOMON Evasion 25 salomon.com MAMMUT Trion Light mammut.com OSPREY Exos 48 ospreyeurope.com McKINLEY CRXSS 7 intersport.ch

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AUSSENSCHICHT Wenn du den Elementen trotzen willst, werden diese Jacken deine besten Freunde.

BILLABONG Leichte, atmungsaktive, wasser­ abweisende Tradewinds Rever­ sible-Jacke. eu.billabong.com

Talkmaster JACK WOLFSKIN Warme, winddichte und wasser­ abweisende Neon-Daunenjacke. jack-wolfskin.com

Wenn dein Leben abseits der ausgetretenen Pfade verläuft, wählst du ein passendes Auto. Und für das Smartphone gilt in Zukunft das Gleiche. Land Rover ist zwar eher für seine robusten O≠road-Fahrten als für Klingeltöne bekannt, das wird sich mit der Markteinführung des Outdoor-Mobiltelefons Land Rover ­Explore aber ändern. Vorteile: lange Akkulaufzeit, robustes Gehäuse, die Fähigkeit, Wasser sowie extremer Hitze und Kälte zu widerstehen. Eine großartige GPS-Funktionalität stellt sicher, dass man am Ende jeder Expedition nach Hause kommt … egal ob sie auf den Berg oder ins Einkaufszentrum führt. landrover.com

Zeitreisender Die Stiefel Wilderness AC+ von Merrell ­paaren Freude an klassischem Design mit dem Komfort moderner Technologie. Der Look mag aus den Achtzigern stammen, dafür bietet der Lederstiefel extremen Komfort: Polsterung von der Ferse bis zu den Zehenspitzen, atmungsaktives MeshFutter und eine schützende Gummi-Zehenkappe, um sicherzustellen, dass deine Füße zurück in der Zukunft bleiben.  merrell.com

HENRI DUVILLARD Männerjacke Sunset aus leichtem, funktionellem und schnell trocknendem Material.  henri-duvillard.com

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Traditions-Stoff Canvas, also Segeltuch, ist fast so alt wie die Zivilisation selbst – in China benutzte man den vielseitigen Sto≠ bereits vor über 3000 Jahren. Einst aus Hanf gewebt, wird er heute meist aus Baumwolle hergestellt, wie beim 23-Liter-Rucksack DC Crestline – ein Canvas-Tragesystem, perfekt für das moderne Leben. Externe Kompressionsriemen und Steckverschlüsse halten alles von losen Gegenständen bis hin zu Laptops in ­einem geordneten Rahmen – egal ob beim Wandern, Radfahren oder Skaten.  dcshoes-switzerland.ch

DAMENWAHL Diese Damenjacken kom­ binieren unglaublichen Schutz mit grandiosem Style.

UNDER ARMOUR Printed-Run-Laufjacke mit Stehkragen und Reflektor. underarmour.eu

HENRI DUVILLARD Toubkal-Jacke mit Kunstfell und Primaloft-Isolierung. henri-duvillard.com

Auf den ersten Blick sieht die ­Kronaby Apex wie eine klassische analoge Armbanduhr aus. Doch in ihrem robustem Edelstahlgehäuse hinter gewölbtem Saphirglas steckt viel mehr. Wenn sie mit einem Smartphone verbunden ist, wechselt sie beim Überqueren einer Zeitzone automatisch zu den korrekten Ortszeiten. Außerdem verfügt der schwedische Zeitmesser über einen Schrittzähler und meldet sich bei dir, wenn du zu lange untätig herumsitzt. Und wenn man die Uhr einmal verlegt hat, kann man sie ganz leicht mit einer App lokalisieren. kronaby.com

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HUMMEL Sirius-Allwetterjacke aus ­atmungsaktivem, wasser­ dichtem Material.  hummel.net

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CHRIS BRINLEE

Bewegte Zeit


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Aktivist Cotopaxi macht mehr als nur Kleidung, um uns vor der Umwelt zu schützen. Die amerikanische Firma schützt auch die Umwelt und verwertet Materialien wie Polyester-Ta≠eta, aus dem dieser Teca-Wind­ breaker genäht wird. cotopaxi.com


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Behütet und umhüllt

Ein Tag am Strand muss nicht immer bloß Sonnenbaden und Eiscremeschlecken bedeuten. Mit dem Buff Amby Sno/Cru Hat und Comber Wrap lässt es sich das ganze Jahr über an der Küste gut aushalten.  buff.eu

Action-Man

Cooler Anzug Bei den extremsten Bedingungen, die die Weltmeere zu bieten haben, wird der Norrøna unstad 6/5-Surfanzug mit Kapuze zum zuverlässigen Partner beim Kaltwassersurfen. Zwar kann er dich nicht vollständig vor eisigem Wasser auf der Haut schützen, aber zumindest das Erlebnis erträg­ licher machen. Die Innovationen des Anzugs sind vielfältig: Verschweißte Nähte an der Außen- und Innenseite erhöhen den wasserabweisenden ­Effekt. Unterschiedliche Materialien gewähr­ leisten maximale Flexibilität und Schutz dort, wo er am meisten benötigt wird.  norrona.com

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Smart Shorts Wenn es bei Sporthosen einen Schwachpunkt gibt, sind es oft die unbequemen Innenhosen. Die Saxx Kinetic Run 5 ZollShorts lösen dieses ­Problem, indem sie die bewährte eng anliegende Micromesh-Innenhose mit BallPark Pouch in eine lockere Außenhose integriert. saxxunderwear.com

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ANTTON MIETTINEN, MAX HOFSTÄTTER (2), JANE STOCKDALE

Die Action-Kamera Hirec Lynx 730 kommt auch ­dorthin mit, wo andere Kameras schlappmachen – etwa am sandigen, nassen Strand oder bei der Kletter­ tour in den Bergen. Eine Fernbedienung erlaubt die Steuerung aus bis zu 20 Meter Entfernung. Mit dem integrierten Wi-Fi lassen sich flott Live-Bilder streamen oder Kameraeinstellungen vom Smartphone aus ändern. Scharfe Sache: Videos nimmt die Kamera in 4K-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Das ­robuste Schutzgehäuse sorgt für eine Wasserdichte von bis zu 30 Metern.  hirecworld.com


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STILSICHER IM SATTEL Ob abgehärteter Profi oder Wochenend-­ Biker, die Kombination von Retrostyle und moderner Textiltechnologie wird deine Ausfahrten verbessern. Im Uhrzeigersinn von oben: Castellis Aero Race W-Jersey FZ für Frauen (castelli-­ cycling.com) hat eine 3D-Mesh-Rückseite, um Überhitzung zu verhindern. Chapeaus Madeleine ThermalJersey für Damen (chapeau.cc) besteht aus superwarmem Vlies-Gewebe. Raphas Souplesse Aero-Trikot für Damen (rapha.cc) hat einen windkanal­ geprüften Schnitt und strukturierte Ärmel, um Luftwiderstand zu reduzieren. Loefflers Damen-Jersey Life Fz (loeffler-shop.at) isoliert, trocknet schnell und reflektiert für ­unberechenbare Tage. Das Herren-Trikot ­Merino Alphonsine von Café du Cycliste (cafeducycliste.com) hat winddichte RipstopEinsätze an den Schultern. Und Raphas Herren-Longsleeve-Polo (rapha.cc) besteht aus atmungsaktiver, geruchs­abweisender Merinowolle.

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Check it

THE RED BULLETIN WELTWEIT

MEXIKO DEPECHE MODE

Workout-Tipps aus den USA, Erfolgs­ prinzipien einer britischen Top-Leicht­ athletin und eine der einflussreichsten Bands der Welt im Interview: die Highlights unserer Ausgaben im März.

Die Synthie-Pop-Titanen Dave Gahan und Martin­ Gore im Interview: So meisterst du die ­Prüfungen des Lebens.

The Red Bulletin als E-Paper: redbulletin.com

NEXT-LEVEL FITNESS DON’T TRAIN HARDER. TRAIN SMARTER.

Here, five world-class athletes share workout secrets and mental tips to help you get stronger, faster and leaner—and otherwise crush it this summer. Words WILL COCKRELL

Pro rugby star Carlin Isles shows off his explosive power with this modified push-up.

Photography MIKO LIM

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USA FITNESS-GUIDE Stärker, schneller, fitter. Drei Athletinnen und zwei Athleten der Weltklasse teilen ihre Workout-Geheimnisse mit dir.

THIBAULT GACHET/RED BULL CONTENT POOL

Si Vince Reffet rate son avion, il le prend en vol. Une poignée de minutes plus tôt, il s’est élancé d’un sommet suisse à 4 158 m d’altitude.

UNE PORTE DANS LE CIEL

En rentrant, le 13 octobre dernier, dans un avion à 138 km/h par une porte de 1,58 m de large sur 1,25 m de haut, les Soul Flyers FRED FUGEN et VINCE REFFET ont réalisé le projet le plus risqué et le plus flippant de toute leur carrière. Décryptage. Texte PATRICIA OUDIT

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FRANKREICH EIN TOR IM HIMMEL Per Wingsuit in ein fliegendes Flugzeug: das unglaubliche Projekt der Soul Flyers.

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„ES IST DAS UNPERFEKTE, WAS UNS BERÜHRT.“ ÖSTERREICH AWOLNATION Die US-Rocker nahmen in Wien eine Platte analog auf. Warum? Weil Echtsein einfach mehr zählt.

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März

IMPRESSUM Aiming high: Lake’s personal best stands at 1.96m – the height she jumped in Birmingham last July at Team GB’s trials for the World Championships

RAISING THE

BAR MORGAN LAKE became the first British woman ever to reach an Olympic high-jump final, thanks to a rare combination of physical power and sporting passion. Now, the 20-year-old athlete is honing her mental muscle to reach even headier heights in a season that could make hers a household name Words PAUL WILSON

Photography ALEXIS CHABALA

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GROSSBRITANNIEN MORGAN LAKE Zwischen Hochsprung und PsychologieStudium: Die Britin erklärt, wie dich mentales Training höher hinaus bringt.

SCHWEIZ MARKUS „MÄ“ KELLER Der einstige Halfpipe-Weltmeister gab auf, was er am besten konnte. Und wurde noch besser. Ein Gespräch im tiefsten Powder Japans über Selbstfindung durch das Verlassen deiner Komfortzone.

SCHWEIZ

Chefredakteur Alexander Macheck THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Arek Piatek Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Country Channel Management Melissa Stutz Anzeigenverkauf Marcel Bannwart, marcel.bannwart @ch.redbull.com Abo The Red Bulletin Leserservice, Postfach, CH-6002 Luzern, +41 41 329 22 00 abo@ch.redbulletin.com Druck Prinovis GmbH & Co. KG, Betrieb Nürnberg, 90471 Nürnberg

Stv. Chefredakteur Andreas Rottenschlager Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (Stv. CD), Miles English Head of Photography Fritz Schuster Photo Director Rudi Übelhör Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Redaktion Stefan Wagner (Textchef) Freie Mitarbeiter: Werner Jessner, Florian Wörgötter Grafik Marco Arcangeli, Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Marion Batty, Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Commercial Director Franz Renkin Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Martina Maier, Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart Country Management & Marketing Sara Varming (Ltg.), Magdalena Bonecker, Kristina Hummel Marketing Design Peter Knehtl (Ltg.), Simone Fischer, Alexandra Hundsdorfer Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Michael Menitz (Digital) Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher Office Management Kristina Krizmanic, Yvonne Tremmel

DAS ZIEL IM GRIFF

IT Systems Engineer Michael Thaler Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldaş Yarar (Abo)

ALEXANDER MEGOS ist einer der besten Kletterer der Welt. Warum? Weil er auf jeder Route seine 10 Prinzipien des Erfolgs befolgt.

FRANK KRETSCHMANN/RED BULL CONTENT POOL

Text BEN KRISCHKE

Alexander Megos, 24, Ausnahmekletterer: „Scheitern beginnt in dem Moment, in dem du dein Ziel unterschätzt.“

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DEUTSCHLAND ALEX MEGOS Auf den schwierigsten Kletterrouten der Welt eben­ so gültig wie im Büroalltag: die zehn Prinzipien des Erfolgs des deutschen Ausnahme-Kletterers.

THE RED BULLETIN 

Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien, Telefon +43 1 90221-28800, Fax +43 1 90221-28809, Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11 – 15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

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Action-Highlight

Als „Hucker“ bezeichnen BMXSportler Athleten, die mit mehr Mut als Verstand hohe Sprünge wagen. Mike Clark gehörte lange in diese Kategorie. „Ich fiel ständig auf die Schnauze“, sagt der Kalifornier, der heute zur Elite seines Sports zählt. Warum er den Spitznamen „Hucker“ noch immer trägt? „Ganz einfach: Ich bin stolz auf jede Schramme.“ redbull.com/bike

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„Wir BMX-Fahrer sind schon seltsame Typen.“ Mike „Hucker“ Clark, 30, Spezialist für lange Flugphasen

GARTH MILAN/RED BULL CONTENT POOL

Lake Forest, Kalifornien

Makes You Fly

 Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 11. März 2018 THE RED BULLETIN


Verfügbar auch als

NEUER ECOSPORT

Das Leben ist da draussen. Du auch?

AB FR. 18’400.-

Ford EcoSport Trend, 1.0 EcoBoost, 125 PS, Fahrzeugpreis Fr. 18’400.- (Katalogpreis Fr. 19’900.- abzüglich Sixty Prämie Fr. 1500.-). Abgebildetes Modell: EcoSport ST-Line, 1.0 EcoBoost, 125 PS, Katalogpreis Fr. 25’500.- plus Optionen im Wert von Fr. 1750.-. Angebot gültig bei teilnehmenden Ford Händlern bis auf Widerruf, spätestens bis 31.3.2018. Irrtum und Änderungen vorbehalten. EcoSport Trend und ST-Line, 1.0 EcoBoost, 125 PS/92 kW: Gesamtverbrauch 5.2 l/100 km, CO2-Emissionen 119 g/km, CO2-Emissionen aus der Treibstoffbereitstellung 27 g/km. Energieeffizienz-Kategorie: D. Durchschnitt aller verkauften Neuwagen: 133 g/km.

The Red Bulletin März 2018 - CHDE  
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