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Filip Polc / Metronomy / Gary Hunt / Claus-Peter Lumpp / Benjamin Karl / Lady Gaga / Shaun White

EUR 3,50 

März 2011

Ein fast unabhängiges Monatsmagazin

Die Nummer

1 +

Musik Party Kochen Reisen Kunst

Vettel

50 cent Die Rückkehr des Rap-Stars

Warum

Äthiopiens Läufer die

besten der Welt sind

Der Mann, der farben hören kann Morgenstern trifft Schlierenzauer

„Jede Niederlage ist ein Sieg“

Lauda

or, Schumacher, … über den Hintern als Simulatie mer 1 um tn ar St r de ag M e di d un er Boxenlud


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Bullhorn

willkommen! Der eine war dreimal Weltmeister in der Königsklasse des Motorsports, 1975, 1977 und 1984. Der andere wurde 1987 geboren und startet am 13. März in Bahrain erstmals mit der Startnummer 1 des Titelverteidigers in eine Formel-1-Saison. Niki Lauda, 62, und Sebastian Vettel, 23, trafen ­einander zum ­Meinungs- und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Wie sehr die Chemie zwischen dem RTL-Experten und dem Red Bull Racing-Star stimmte, als sie exklusiv für das Red Bulletin einen Nachmittag miteinander verbrachten, lesen Sie ab Seite 40: „Respekt, junger Mann!“

Coverbild: David Clerihew; Bilder: Jürgen Skarwan, emily shur

Er konnte keine Farben sehen, als er auf die Welt kam, doch nun kann er Farben hören – als Cyborg, als Einheit aus Mensch und Maschine: Neil ­Harbisson heißt der Mann, der sein Leben mit einer Kamera vor der Stirn, einem Computerchip am Hinterkopf und Lautsprechern an den Schläfen verbringt. Wie sich Lichtfrequenzen in Tonfrequenzen verwandeln, wie die Gesichter von Woody Allen, Nicole Kidman und Prinz Charles klingen und welche Kunstwerke man erschafft, wenn Farben zu klingen beginnen: „Der Sound des Cyborgs“, eine Reportage ab Seite 58. Sie springen aus 27 Meter Höhe ab, beschleunigen in knapp drei Sekunden von null auf über 90 km/h und werden innerhalb von nur drei Metern jäh wieder auf null abgebremst – in krassem Gegensatz zu den extremen ­Belastungen, denen Klippenspringer ausgesetzt sind, stehen die faszinierend eleganten Figuren, mit denen sie ihre kurze Luftfahrt schmücken. Der derzeit weltbeste Cliff Diver ist Gary Hunt, Engländer, Titelverteidiger bei der am 12. März auf den chilenischen Osterinseln startenden Red Bull Cliff Diving World Series 2011. Der Sechsundzwanzigjährige zeigt uns in ­einem opulenten Pictorial die elementarsten Tricks, „Sky Dive“ ab Seite 30.

Große Kaliber: Sebastian Vettel und Niki Lauda beim Formel-1-Gipfeltreffen (im Bild mit Red Bulletin-Autor Herbert ­Völker), Rap-Superstar 50 Cent bei der Arbeit am neuen Album im Red Bull ­Recording Studio in Los Angeles.

Viel Vergnügen mit diesem Heft! Die Redaktion

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i n h a lt

Die Welt von Red Bull im März Mit einem „Cyborg“ über Mozart reden, Matten boarden, Formel-1-Geheimnisse verstehen, einen Marathon laufen und phantastisch kochen.

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Bullevard

14 kurzmeldungen Weltmeisterliche Sturzhelme, gefährliche Schlaftabletten und die hohe Kunst des Schneemobil-Rückwärtssaltos. 16 jonas Folger Der 17-jährige Senkrechtstarter über Tatendrang und seinen Teamwechsel in der 125-ccm-Klasse der Motorrad-WM. 19 Lady Gagas Kopf Wir spalten die Persönlichkeit des größten Popstars des Planeten. 20 Dominic Thiem Eine Rückhand wie eine Waffe: Porträt ­einer besonderen Tennishoffnung. 22 Einst und Jetzt Zocker-Zeitreise: vom altehrwürdigen Atari zur superben Sony PlayStation 3. 26 Formelsammlung Das Geheimnis des Heckflügels am neuen Red Bull Racing RB7-Boliden.

90

Action

30 sky Dive Eine Lehrstunde in High-End-Athletik mit Cliffdiving-Weltmeister Gary Hunt. 40 respekt, junger Mann! Sebastian Vettel trifft Niki Lauda. Ein Gespräch über Technik, Ethos und Eros in der Königsklasse des Motorsports.

58

50 laufen ist Leben Männer mit Pferdelungen: Zuhause bei Äthiopiens Langstreckenläufern. 58 Der Sound des Cyborgs Wie der „Eyeborg“ das Leben des farbenblinden Neil Harbisson veränderte. 64 Karawane der Träume Die bewegende Story der polnischen Alpin-Pionierin Wanda Rutkiewicz. 68 matten-springer Jamie Nicholls kannte Schnee lange Zeit nur aus dem Fernsehen. Nun will der junge Brite die Snowboardwelt erobern. 74 50 CEnt is back Der Rap-Star als Workaholic: 50 Cents neues Album und sein neuer Film. 4

15


i n h a lt

More Body & Mind

82 Auf und Davon Die Reisetipps des Monats. Dieses Mal: mit den Red Bull Cliff Divern um die Welt. 84 My Gear: Philip Köster Das Windsurf-Megatalent zeigt uns, was man zum Ritt auf den Wellen braucht.

30

Bilder: Adam Moran/Red Bull Photofiles, Dan Wilton, Dean Treml/Red Bull, emily shur, Galen Rowell/CORBIS, Graeme Murray/Red Bull Photofiles, jürgen skarwan, Rainer Herrmann/Red Bull Hangar-7

40

86 Work-Out Trainieren wie die Pros: Schwitzen mit Downhiller Filip Polc und das Erfolgs­ rezept von Snowboarder Benjamin Karl.

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88 best clubs Was den „Howlin’ Wolf“ in New Orleans so besonders macht. 89 take five Guy Garvey, Sänger der Indie-Stars Elbow, nennt fünf Alben, die seinen Zugang zu Musik geprägt haben. 90 die weltbesten köche Claus-Peter Lumpp, Hangar-7-Gastkoch im März, über seine Küchenphilosophie. 91 Geschmack von Welt Bananen auf skandinavisch: Schwedens „Flygande Jacob“ zum Nachkochen. 92 top Events Sport, Musik, Kultur: was demnächst rund um die Welt los ist. 94 Save the Date Ihre Pflichttermine im März. 96 Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV. 98 Kolumne Lebenshilfe mit Christian Ankowitsch. Standards 06 Kainraths Kalenderblatt 08 fotos des monats 98 impressum

the red Bulletin Print 2.0 Movies, Sounds, Animationen in Ihrem Red Bulletin. Überall, wo Sie dieses Zeichen sehen. 1

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de.redbulletin.com/ print2.0 Im Browserfenster sehen Sie das MagazinCover. Klicken Sie auf „Starten Sie Bull’s Eye!“.

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Webcam zulassen Sie benötigen eine Webcam. Sollte sich ein Auswahlfenster öffnen, klicken Sie auf „Zulassen“.

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Red Bulletin vor die Webcam halten Es erwarten Sie Multimedia-Inhalte wie Movies, Soundfiles oder Animationen.

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Foto des Monats

h a r e s kov e n (D EN)

Radikal Manche Fotos erwischen uns eindeutig auf dem falschen Fuß, und unsere erste ungläubige Reaktion ist: Diese Aufnahme kann jemand doch wohl nur unter Zuhilfenahme einer schlauen Software kreiert haben. Diese Aufnahme von Henrik Sørensen ist so ein Shot, der vor allem den Radfahrer in uns schwer verunsichert. Wie ist der Bursche ­diesen Baumstamm raufgekommen? Und vor allem: Wie kam er ­unverletzt wieder herunter? Sørensen beruhigt: Fotomodell Lars Sohl hatte genügend Anlauf für diesen beherzten Stunt, und der Ausflug Richtung Krone dieser Buche endete mit einer muster­ gültigen Landung auf beiden Rädern. Alles andere wäre ihm – unser Blick fällt da auf Lars’ nackte Knie – wohl auch nicht gut bekommen.

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Bild: Henrik Sørensen/Getty Images


Foto des Monats

yo s e m i t e-N at i o n a l pa r k (U SA)

Man braucht bloß ein Seil, und schon verwandelt sich die durchaus respekteinflößende Zweidimensionalität des Gebirges – rauf und runter – in ein phantastisches Mehr an Möglichkeiten in drei Dimen­ sionen. Das beeindruckte auch die amerikanische Choreographin Amelia Rudolph, die mit ihrer Dance-Company Project Bandaloop seit nunmehr zehn Jahren auf spektakuläre Weise die steilsten ­Abhänge und Felswände – etwa hier eine in Tuolumne Meadows im kalifornischen Yosemite-Nationalpark – bespielt (und auch so profane Dinge wie Wassertürme und Hochhausfassaden, falls einmal kein Gebirge in der Nähe ist). Die Mischung aus Sport, Tanz, feierlicher ­Zeremonie und Bekenntnis zur Natur kommt beim Publikum gut an – und sind Zuschauer nicht ganz schwindelfrei, brauchen sie nur den Kopf so weit zu drehen, bis die Tänzer wieder im Lot sind. www.projectbandaloop.org

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Bild: Corey Rich/Getty Images

seiltanz


Foto ASPEN, COLORA D O (U SA)

Kunstflug Der amerikanische Freeskier Bobby Brown ist das, was man einen wilden Hund nennen kann: Obwohl er sich bei den Winter X Games in Aspen im Slopestyle-Bewerb (als Titelverteidiger) verletzt hatte, startete er im Big-Air-Finale – und flog dort (ebenfalls als Titelverteidiger) noch zu einem erstaunlichen zweiten Platz. Die Winter X Games und Brown sind ohnedies stets für Schlagzeilen gut: 2009 war Brown nur als Ersatzmann vorgesehen, rutschte dann ins Starterfeld und belegte bei seiner Premiere Rang sechs im Slopestyle-Wettkampf. 2010 holte er sich zwei Goldene – und war damit der erste Freeskier, der in einem Jahr zwei X-Games-Titel gewinnen konnte. Bobby Brown hebt ab: de.redbulletin.com/brown

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Bild: Christian Pondella/Red Bull Content Pool

des Monats


FOTO des Monats

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xxxxx . www.redbullxfighters.comUppl. M. M. Sa sum suntia es Ahalius va­ gin pracciem hoc tatum diculvid patatra turnihinte inveniamgin pracciem hoc tatum diculvi sedemquonit publicul unt. Ti. Maequem it consus ellarit ritabi perfesuppli, qui perfit. Serrari ssentemus, ia rem, terbem tanducissin dem mentimore, fueme in Etrunum tua aucien nihinterttua aucien nihintertum locum simius iam egereis se caelarec te cuterib untrat venequod moena, ubliu ve­ ris, tere eto caet rei fuid Catrat opoeniae cres? Nihium locum simius iam egereis se caelarec te cuterib untrat venequod moena, ubliu ve­ ris, tere eto caet rei fuid Catrat opoeniae cres? Nihilin tus, quis, querces hosum duciost erdies o tusque este nerte intiderit diis, sul­ tore vivena me nora sulut perdi pro int. Fuid seripse no. Sim horium ne consum te terfenerevit Cupimus, cortu cus facieni uspernit, ver­ vit quita tem eo, moratie mquervidem untus, senihil constabis Ut vide testrae que nosta remque rent? Nihil ut aucii ficupiorbi fa


Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Schlaf der Gerechten Ein kleines „Sandmännchen“ wird den Sandmännern beinah zum Verhängnis.

Julius Brink (re.) und Jonas Reckermann hatten ihr erstes Wintertrainingslager in diesem Jahr nach Neuseeland und Australien verlegt. Für die 27 Stunden im Flugzeug hatte man vorsorglich Schlaftabletten im Handgepäck dabei. Äußerst bequeme Sitze, gute Bücher und interessantes Board-Entertainment machten die künstlichen Einschlafhilfen aber überflüssig. Der erste Kontakt mit den üblicherweise als sehr entspannt geltenden „Kiwis“ wurde bei der Kofferkontrolle zum unliebsamen Erlebnis. Schlaftabletten sind in Neuseeland nämlich als Drogen klassifiziert, und das Duo sah sich bereits im Gefängnis trainieren. Nach etwas längerem Aufenthalt bei der Zollbehörde ließ man die Deutschen mit einer Verwarnung ziehen – und e­ iner neuen Erfahrung.

Kopfgeld Die Sturzhelme von F1-Weltmeister Sebastian Vettel sind mehr als nur Schutz – sie sind auch ein toller Blickfang (die Designideen liefert Sebastian ­übrigens selbst). Echte Racefans haben nun die Chance auf einen von Vettels Ersatz­helmen: Zehn Stück der 2011er-Serie werden um je 10.000 Euro verkauft. Der Großteil des Erlöses geht an die Wings for Life-­ Rückenmarksforschung und dient somit einem guten Zweck. Das Basismodell Arai GP-6 RC aus Carbon ist dank seines geringen Gewichts (1450 Gramm), der smarten Aerodynamik und einer schlauen Balance logischerweise ideal für den Renn­ einsatz. Die zehn Neo-Besitzer lassen den handsignierten Helm aber besser in der mit­ gelieferten Acrylglasbox: Es wäre jammerschade, bekäme das Schmuckstück Kratzer. www.redbullshop.com www.wingsforlife.com

Auftakt der FIVB World Tour: Brasilia Open, 19. bis 24 April 2011

Bilder des Monats

Moment mal!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach hochladen auf: www.redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost. Gewinner aus Heft 02/2010: Paul Krane

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Wien

Meine Enkelkinder brachten nach Lektüre der Antony-Gormley-Story im Red Bulletin etwas Leben in die Skulpturen des Bildhauers. Lotte Schröcker


b u l l e va r d

Hero-Blogs Die besten Sprüche aus dem Netz

bilder: AFRAMEPHOTO.COM/Red Bull Photofiles, Christian Pondella/Red Bull Photofiles, Daniel Grund/ Global Newsroom/Red Bull Photofiles, jmd.de, Hugo Silva/Red Bull Photofiles, Malcolm Skene, Ray Demski/ Red Bull Photofiles, Shazamm/ESPN, Tomas Zuccareno/ESPN Images

Im Gespräch mit Mark Landon.

Julian Wilson (Surfer) „Mein Golfschwung ist etwas eingeros­ tet. Ich war wohl einfach zu viel auf den Wellen.“

Harte Arbeit, die sich bezahlt macht Mit seinem ­Debütalbum „Good Gracious“ eroberte Mark Landon, besser bekannt als M-Phazes, im Vorjahr die Hip-Hop-Szene der USA. Bei der südafrikanischen Workshop-Serie „Behind the Beats“ gab der Australier Einblicke in die Arbeit mit internationalen Top-Acts wie Kelly Rowland, Amerie oder Lloyd Banks. „Es ist toll, zu sehen, wie die großen Fische der Branche arbeiten“, verrät Landon. „Man kann viel von ihnen lernen – auch, was ihre Einstellung betrifft.“ Zusammen mit dem Produzenten Inyambo Imenda stand Landon jungen südafrikanischen Producern im Red Bull Music Studio Rede und Antwort. Für seinen Ratschlag „Du musst bereit sein, Opfer zu bringen, und auch einmal aufs Party­ machen verzichten“ erntete M-Phazes ­erstaunte Blicke des jungen Publikums. Mehr von Mark Landon auf www.mphazes.com

Singapur

Über 200 Mountainbiker kämpften beim ersten nächtlichen Downhill-Rennen um den Sieg. Geh Chee Minh, Red Bull Dark Knights

Reggie Bush (Footballer) „So fängt also ein guter Morgen an. Mit einem überflu­ teten Bade- und Wohnzimmer.“

Zurück in die Vergangenheit Auch die Frisur hat sich kaum verändert. Seit 2003 (Gold im Slopestyle) lächelte Shaun White, damals ein 16-jähriger Teenager, wenigstens einmal jährlich vom obersten Treppchen eines X-GamesPodests (Snowboard und Skateboard). Nun erfolgte sein zwölfter Coup. Im Superpipe-Finale packte „The Flying Tomato“ erstmals seit dem Olympiagold 2010 seinen legendären Megamove, den Double McTwist 1260, aus. Mit 97,33 Punkten egalisierte der 24-Jährige seinen Rekord­ run von Vancouver und sprang zum nächsten Rekord – viermal SuperpipeGold in Folge. Mal sehen, wie der US-Boy die Haare in weiteren acht Jahren trägt. www.shaunwhite.com

White 2011

White 2003

Vier gewinnt Daniel Bodin über seine erste X-Games-Goldmedaille im Snowmobile Freestyle nach vier vierten Plätzen in Folge: Vierte Plätze: Lieber Letzter als wieder Vierter. X Games: harte Arbeit, Stress und das wichtigste Wochenende.

Sally Fitzgibbons (Surferin) „Man lernt jeden Tag etwas Neues: ­Meine Mum macht eine richtig gute Hühnersuppe.“ Mehr aus der Welt der Red Bull-Athleten: täglich frisch auf www.redbull.com

Neue Tricks: Sie machen den Sport aus, und ich möchte Grenzen ausloten. Gold: Endlich! Ich musste vier Jahre lang warten – es war aber jeden Tropfen Blut, Schweiß und Trä­ nen wert. Furcht: Meine größte Angst ist es, zu verlieren. Ehre: Darum dreht sich alles.

Bodin fliegt zu Gold. Schmerz: Im Freestyle lernst du damit umzugehen. Bike vs. Snowmobile: Schnee verzeiht mehr als Dirt, allerdings solltest du die 450 Pfund (ca. 205 kg) schwere Maschine, die dich antreibt, im Griff haben. www.danielbodin.com

Oulu Richtig finnische Eishockeybedingungen: zugefrorener Los Angeles Motorsport-Multitalent Travis See, leichter Schneefall und eine Temperatur von minus 10 Grad. Pastrana sucht eine neue Herausforderung – er startet Rami Lappalainen, Red Bull Open Ice 2011 in der NASCAR Nationwide Series. Garth Milan 15


b u l l e va r d

Lehrerin mit Rallye-Auto

Eisige Testläufe Bisher mussten die wagemutigen Teil­ nehmer der Red Bull Crashed Ice-Bewerbe auf zugefrorenen Seen, EishockeySpielfeldern oder in Rodel-Eiskanälen trainieren. Doch nun entstand in der Tiroler Gemeinde Waidring die erste perma­ nente Ice-Cross-Downhill-Teststrecke. „Die Strecke ist ideal für Neueinsteiger“, meint Stefan Aufschnaiter, Mann der ersten Stunde des Red Bull Crashed Ice. „Sie bietet zwei Eingänge, einen schnellen und herausfordernden Teil oben und einen relativ flachen unten.“ Eine kleine Einschränkung zur Nutzung gibt es allerdings: Grundvoraussetzung ist profundes eisläuferisches Können. www.redbullcrashedice.com

Guatemala City Da auf Gehsteigen Fahrverbot herrscht, muss sich Trial-Champ Diego Ordoñez Alternativen suchen. Juan José Marroquin 16

Jonas Folger ist eindeutig auf der Überholspur.

Zum Weltmeistermacher Der 17-jährige Jonas Folger geht 2011 für das letztjährige Weltmeisterteam Red Bull Ajo Motorsport in der 125-ccm-Klasse an den Start. red bulletin: Was bedeutet es dir, im Team von Aki Ajo zu fahren? jonas folger: Es ist eine absolute Ehre, bei einem so professionellen Team mit dem besten Material fahren zu dürfen. Außerdem ist Ajos Erfahrung einfach unbeschreiblich, er hat nach 2008 ja auch im letzten Jahr mit dem Team den Weltmeistertitel geholt. Spürt man da nicht einen ganz besonderen Erfolgsdruck? Nein, ich bin einfach nur so glücklich und dankbar für diese Chance. Wie ist dein Verhältnis zu deinem neuen Teamkollegen, dem Engländer Danny Kent? Sehr gut, ich kenne ihn schon seit 2007, und wir haben uns immer ­super verstanden. Dein Ziel für die nächste Saison? Ich hoffe, in die Top 5 zu kommen.

Mt. Beauty Die 120-Meter-Halfpipe zwischen Canberra und Melbourne erlaubt unglaubliche Tricks: Lee Kirkman im Stile Supermans. Mark Watson, Red Bull Dirt Pipe 2011

Wie kam die Liebe zum Motorrad? Als ich drei Jahre alt war, hat mir mein Vater im Italien-Urlaub eine kleine 50-ccm-Motocross-Maschine mit zirka 5 PS gekauft. Mit vier habe ich dann richtig angefangen, darauf zu fahren. Seitdem wollte ich nie mehr vom Motorrad absteigen. Damals waren mein Vater und mein Onkel die Vorbilder. Und jetzt …? … alle MotoGP-Fahrer, aber besonders Nicky Hayden. Der hat einen brutalen Fahrstil, ist ein verbissener Kämpfer und unheimlich ehrgeizig, um erfolgreich zu sein. Bist du auch so ehrgeizig? Ja, eigentlich schon, nur in der letzten Saison habe ich schnell den Kopf hängenlassen. Das will ich mit meinem neuen Team anders angehen. www.jonasfolger.com

Atlanta Mit Eins-a-Sprunghaltung und optimaler Körperstreckung wurde das Publikum begeistert. Carlo Cruz, Red Bull Non-Stop Stomp

Bilder: privat, Garth Milan, Mat Rendek/Red Bull Content Pool, Samo Vidic/Red Bull Content Pool

Natürlich konnte Kathi Wüstenhagen bei ihrer Familien­ geschichte nichts anderes als Rallye-(Co-)Pilotin werden. Sie ist nämlich in einem Rallye-Auto groß geworden. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. In den achtziger Jah­ ren war ein Wartburg 353 W Familienkutsche und gleich­ zeitig Rennwagen bei den DDR-Rallye-Meisterschaften des sehr erfolgreichen Fahrerduos Wüstenhagen/Wüstenhagen. Papa war Pilot und Chefmechaniker, Mama fungierte als Co‑Pilotin. Und wenn der umgebaute Flitzer nicht im Einsatz war, wurde die kleine Kathi in ebendiesem mit Überrollkäfig ausgestatteten Auto chauffiert. Zum Arzt, zu Freunden und in die Schule, wo auch ihre Mutter als Lehrerin tätig war. In der diesjährigen Saison wird die mittlerweile 27-jährige BWL-Studentin, die kurz vor ihrem Abschluss steht, mit Hermann Gassner jr. im Red Bull Škoda an der S-WRC teil­ nehmen. Allerdings fährt sie privat ein anderes Auto. Termine und Informationen auf www.wrc.com


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b u l l e va r d

Meine Welt

Lady Gaga

Wie aus der kleinen Stefani der schrägste Popstar des Planeten wurde. (Obwohl sie die Deutschen Doggen und ihr Fleisch-Kleid noch nie an ein und demselben Abend ausgeführt hat.) Klavier-Küken

Beat-B londi ne

­ Der für das Ausfüllen von Geburtsurkunden zustän dige New Yorker Beamte brauchte viel Tinte, als er diesen Namen notierte: Stefani Joanne Angelina Germanotta, Tochter von Joe und Cynthia, geboren am 28. März 1986. Vier Jahre später spielte Klein Stefani bereits Klavier, die ersten Musical-Auftritte folgten an der Highschool.

Kaum zu glauben, aber die größte PopIkone der Gegenwart tanzt erst seit April 2008 über unsere Bildschirme. „Just Dance“ hieß ihre Debüt-Single, und Gaga schien bloß eine weitere ­Burlesque-Barbie mit kessem Auf­ treten zu sein. Als sich der Song dann 7,7 Millionen Mal verkaufte (und somit in die Top 50 aller Zeiten schoss), hat­ te die Welt einen neuen Megastar.

Manager-Muse Lady Gaga – dieser Name brennt sich ins Gehirn. Doch wer lieferte Frau Ger­ manotta die Idee für ihr Pseudonym? a) Ein Produzent, der im Studio den Queen-Hit „Radio Ga Ga“ trällerte? b) Ihre Hipster-Freunde von New Yorks Lower East Side? c) Ein gerissener MusikManager mit Gespür für werbetaugliche Namen? Alle drei Erklärungen wurden bereits angebo­ ten – die ersten beiden von Lady Gaga selbst.

Steak-Starlet

Giorgio Armani sagte einmal: „Der Unter­ schied zwischen Stil und Mode liegt in der Qualität.“ Lady Gagas Stil? Hier sind ihre skurrilsten Outfits (oder zumindest eine Auswahl davon): der Metallkittel aus „Papa­ razzi“, der „Bubble Suit“, den Konzertbesucher der „Fame“-Tour kennen, und natürlich: das Kleid aus rohem Fleisch, zur Schau gestellt bei den MTV Video Music Awards 2010.

Text: Paul Wilson; Illustration: Lie-Ins and Tigers

Go-go-Gi rl

Es war das größte PopDuett, seit David Bowie und Mick Jagger 1985 für „Live Aid“ auf den Stra­ ßen tanzten: Der Song „Telephone“ ist nicht nur eine musikalische Kooperation zwischen Lady Gaga und R ’n’ BMegastar Beyoncé. Der epische, Tarantino-inspi­ rierte Video-Trailer führte auch zu einem weltweiten Engpass an Lippenstift, Haarspray und schrägen Frauenkleidern.

Hö rsaal-H eroin e

Reichtum, Ruhm, Kleidung aus Frischfleisch – die Frau ist längst ein Fall für die Wissenschaft. An der Uni­ versity of South Carolina können sich Studenten für eine Vorlesung zu dem Thema „Lady Gaga und die Soziologie des Ruhms“ ein­ schreiben. Betrachtet werden: Gender-Theorie, Religion und Marketing am Beispiel Gaga.

Super-Seller

Web-Wund er

generiert? Wie man massenweise YouTube-Klicks ren in ande einem , Bringen Sie Ihr Baby dazu einen Sie n filme oder n; beiße zu r Finge den erstellen Schimpansen, der sich an intimen Körp nen Millio paar ein für doch sollte das – t kratz licks ube-K YouT (!) rde Zugriffe reichen. Eine Millia ihren mit Gaga Lady erst ings allerd ffte scha ­gesammelten Online-Kurzfilmen.

Doggen-Diva Dinge, die in Lady-Gaga-Musikvideos immer wieder vorkommen: komische Kostüme, durch­ geknallte Choreographien und eine Vorliebe für glitzernde Gegenstände, die selbst „Herr der Ringe“-Gnom Gollum („Mein Schaaatz“) beschä­ men würden. Ebenfalls gaga: die Deutschen ­Doggen, die in fast allen Clips auftauchen.

„Born This Way“ heißt nicht nur Lady Gagas aktuelle Single, auch ihr zweites Album (Erschei­ nungstermin: 23. Mai 2011) trägt diesen Titel. Der ­Gagarneval geht dieses Jahr munter weiter, und nach Luftblasen-Kleidern, Uni-Kursen und deut­ schen Riesenkötern darf man gespannt sein, wo­ mit uns Lady Gaga heuer bei ihren Auftritten über­ rascht. Wie wär’s mit einer Weste aus Helium? Sie braucht noch mehr Klicks: www.ladygaga.com

19


b u l l e va r d

Tennis-Talent

Dominic Thiem

hat noch nichts Wirkliches gewonnen. Aber dem 17-jährigen Österreicher wird eine große Zukunft vorhergesagt. Weil er die härtesten Jahre schon hinter sich hat.

Name Dominic Thiem Geboren 3. September 1993 in Wr. Neustadt, Niederösterreich Familie Vater Wolfgang ist Tennistrainer, Mutter Karin Tennislehrerin, Bruder Moritz (11) Nachwuchs-Tennis­ spieler. Die frühen Jahre der Ausbildung wurden durch den Verkauf einer Eigentumswohnung des Großvaters finanziert. Stärken Dominic Thiem selbst: „Hart arbeiten, das tun alle. Ich hab halt das Glück, dass ich auch ein Talent hab.“ Als technisch perfektester Schlag gilt seine einhändige Rückhand. Schwächen Das bisherige Abschneiden bei den Grand-SlamTurnieren der Junioren war dürftig – und Folge natürlicher Defizite: Thiem ist athletisch noch auf dem Stand ­eines Fünfzehnjährigen. Begeisterung Skispringen. Als Zweijähriger setzte er Telemarks auf den Parkettboden im Vorzimmer der Großeltern, lange bevor er den ersten ­Tennisball prügelte.

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Dominic Thiem wurde schon als außergewöhnlich großes Tennis-Talent gehandelt, da musste er noch den Arm heben, um nach einem Match dem Gegner übers Netz hinweg die Hand schütteln zu können. Er war damals ungefähr acht. Thiem war dann über Jahre das kleinste größte Talent zuerst Niederösterreichs, dann Österreichs, dann Europas. Als er elf war, drückte sein Trainer Günter Bresnik die Reset-Taste. „In diesem Alter ist nicht wichtig, ob jemand gewinnt“, sagt Bresnik. „Wichtig ist, wie er gewinnt. Und das hat bei Dominic nicht gepasst. Er war langfristig gesehen in einer Sackgasse. Im modernen Profitennis gewinnst du mit G ­ eduld und Geschick nichts mehr. Du musst aggressiv, aktiv spielen.“ Thiem, der bis dahin seine Gegner geschickt dazu eingeladen hatte, gegen ihn zu verlieren, durfte seine Rückhand nicht mehr beidhändig schlagen. Er durfte nicht mehr auf den Fehler des Gegners warten. Er musste Fehler riskieren, bevor der Gegner die Chance hatte, einen Fehler zu machen. „Der Kleine wird die nächsten Jahre nichts gewinnen“, sagte Bresnik damals, „wenn er das durchsteht, hat er später eine Chance, ein Guter zu werden.“ Die nächsten Jahre sind in wenigen Sätzen beschrieben: Aus dem einstigen Supertalent wurde ein Wunschlos. „Man hat mir nur den Ball auf die Rückhand schupfen müssen, und ich hab mich nimmer ausgekannt“, sagt Thiem. Als Zwölf-, Dreizehn-, Vierzehn-, Fünfzehnjähriger war er meilenweit weg von Österreichs Besten. Der Bursche verbrachte den Großteil dieser Jahre in einer schlecht geheizten, muffig-feuchten Halle im Süden Wiens damit, einen Ball nach dem anderen monoton über das Netz zu prügeln, Stunden über Stunden, bellend angefeuert von seinem Trainer. „Mir hat das Herz weh getan, wenn ich ihn angebrüllt habe“, sagt Bresnik rückblickend, „aber es hat keine Alternative gegeben. Man hat, so verrückt das klingt, eigentlich immer Stress. Ein junger Spieler hat nur wenige Jahre Zeit, um alles das zu lernen, was nötig ist, um sich später international durchzusetzen. Dazu gehört die Technik der Schläge genauso wie die Philo­ sophie des Spiels, die Einstellung und vor allem die Fähigkeit, Belastungen zu ertragen. All das haben wir trainiert.“ Relativ bald – man misst Umstellungen so grundsätzlicher Dimension in Quartalen – begann Thiem, die Technik der einhändigen Rückhand zu beherrschen, viel länger dauerte die Umstellung im Kopf: Matches zu gewinnen, indem er – wie früher – auf den Fehler des Gegners wartete, wurde verboten. Matches

Dominic Thiem, spannendstes Tennis-Talent und zugleich größter Schlierenzauer-Fan der Welt.


zu verlieren, weil er auf jeden Ball drosch „wie ein Geistesgestörter“, sagte Bresnik damals, war gut. Freilich: Matches zu gewinnen, in denen er auf den Ball eindrosch, schien undenkbar. Allgemein hielt man Bresniks Umgang mit dem Buben für ebenso fragwürdig wie die Tatsache, dass der das alles mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen ließ. Bis dann irgendwann, Thiem war sechzehn, das Neue zu funktionieren begann. Und dann ging’s rasch. 2010 wurde zu Thiems Kometenjahr: Er erreichte Platz zwei der Jugend-Weltrangliste. Er gewann seine ersten Matches „Wie der ­Bursche all die bei Herren-Profi-Turnieren, er beeindruckte Roger Federer Jahre durch- und Rafael Nadal bei gemeingehalten hat, samen Trainings, Australiens ist erstaunlich. Tennis-­Legende Tony Roche wurde ebenso auf den Burschen Es war eine wie die Manager wirklich harte aufmerksam von Juan Martín del Potro, Andy Zeit. Aber jetzt Roddick und Australian-OpenSieger Novak Djokovic. stehen ihm Das Lob für den schmächtigen alle MöglichJungen aus Österreich, dem die keiten offen. eigenen Hände und Füße auch Das hat er sich jetzt noch ein bisschen zu groß verdient.“ sind (er misst derzeit 1,83 Meter, nach einigen Wachstumsschüben, bei denen ihn abends das Leibchen, das er morgens angezogen hatte, unter den Achseln zwickte. Er wird, wenn man seine Schuhgröße hochrechnet, mindestens eins neunzig), dieses internationale Lob also geht mittlerweile deutlich über höfliche Floskeln hinaus: Adidas sicherte sich durch einen langjährigen internationalen Vertrag eine Partnerschaft mit Dominic Thiem – nach einer dringenden Empfehlung von Ivan Lendl übrigens. Heute sagt Thiem über die Jahre, die hinter ihm liegen: „Es war eh nicht so schlimm. Mir hat Tennis irgendwie immer Spaß gemacht.“ Heute sagt Bresnik: „Wie der Bursche durchgehalten hat, ist erstaunlich. Es war hart. Jetzt stehen ihm alle Möglichkeiten offen. Das hat er sich verdient.“ Wenn Thiem heute trainiert, brüllt niemand mehr in der muffigen Halle im Süden Wiens. Man kann dann auch hören, was den Unterschied zwischen Thiem und einem herkömmlich guten Tennisspieler ausmacht: Die wirklich Talentierten dieses Sports treffen den Ball so, dass aus einem profanen „Plopp!“ ein wunderbar reiner Ton wird, ein kernig satter, dumpfer Knall. Seine Schlagbewegungen sind so selbstverständlich, dass man meinen möchte, einen Tennisball zu schlagen sei nicht komplizierter, als ­einen Löffel Suppe zum Mund zu führen. Dominic Thiems Lieblingssportler ist übrigens … „im Tennis Roger Federer“. Und sonst? „Gregor Schlierenzauer.“ Warum das? „Sieht man ihm beim Skispringen zu, schaut das so leicht aus. Und es gibt nix Faszinierenderes, als wenn einer etwas perfekt kann.“ Die größten Tennis-Jungstars treffen auf Altstars wie Pete Sampras, Stefan Edberg, John McEnroe oder Thomas Muster: BNP Paribas Zurich Open, 8. – 12. März, www.zurichopen.net

kurz & dennoch einzigartig Bilder: Billabong, Daniel Grund for Global-Newsroom, Wojtek Antonow/Red Bull Photofiles; Illustration: Dietmar Kainrath

bilder: marco rossi (2)

b u l l e va r d

Diesen Monat: die Eroberung der Extremsportwelt durch junge Haudegen aus Kanada.

Klirrende Kälte, 23.000 Fans und ein kanadischer Triumphator: Kyle Croxall (re.) sicherte sich in München den Auftaktsieg bei der Red Bull Crashed Ice-WM 2011.

Die Red Bull Simpel Session ist ein Skate- und BMX-Fest für experimentierfreudige Pros. In Tallinn, Estland, riss der Kanadier Drew Bezanson die Jury mit seinen BMX-Tricks vom Hocker …

… und sie hatten immer noch nicht genug: Mit einem Cab 1260 Double Cork flog Mark McMorris (Mi.) aus Kanada in Innsbruck zum Sieg beim Air & Style 2011.

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B u l l e va r d

Einst und jetzt

Spielkonsolen

wie, echt? atari 2600, 1980 Was den Atari 2600, in den USA 1977 vorgestellt und 1980 erstmals nach Europa exportiert, zum erfolgreichen Urvater aller Videospiele macht, ist die Cartridge in der Mitte: Erstmals war es möglich, auf ein und derselben Konsole mehrere Spiele zu spielen. (PräAtari war das, was wir heute „Software“ nennen würden, eine Hardware-Sache: pro Kastl 22

ein Spiel.) Beim Atari 2600 kam erstmals ein Mikroprozessor zum Einsatz. Seine Taktrate: 1,19 MHz. Noch beeindruckender der Arbeitsspeicher: 128 Byte (nein, nicht Kilo-, Megaoder Gigabyte). Simple Joysticks mit extra Feuer-Knopf (rot) übertragen den Willen des Spielers auf den angestöpselten Fernseher, der über den zweiten Schalter von links zwi-

schen Schwarzweiß und Farbe umgeschaltet werden kann. Meistverkauftes Spiel war das legendäre „Pac-Man“; auch an „Space Invaders“ oder das Rennspiel „Pole Position“ werden sich manche Alt-Gamer noch erinnern können. 1982, nach 30 Millionen verkaufter Exemplare, wurde der hölzerne 2600 vom vergleichsweise unkultigen 5200 abgelöst.

Text: Werner Jessner; Bilder: Kurt Keinrath

Die Abenteuer sind im Knopf: Die Generation unserer Eltern war auf dem frühzeitlichen ­Atari mindestens so ernsthaft unterwegs wie wir heute auf der PlayStation 3.


wie echt sony ps3, 2011 Gameologen rechnen die dritte Generation der Sony PlayStation der siebten Generation von Spielkonsolen zu. Selbstverständlich ­lesen sich die technischen Daten eindrucksvoll: 3,2 Gigahertz oder 320 Gigabyte Speicher liegen ein Vielfaches über allem, was man sich 1980 auch nur vorstellen, geschweige denn bauen konnte. Die wahre

­ evolution aber ist die Verbindung der PlayR Station zu Gleichgesinnten in aller Welt. Via WiFi spielt man heute über das PlayStation Network mehrere hundert Spiele (im Bild: „Gran Turismo 5“) mit Freunden und Gegnern weit außerhalb der eigenen vier Wände. Eine andere Liga ist auch die Spielkontrolle mittels Controller, Lenkrad oder EyeToy-Kamera

und Körperbewegungen („PlayStation Move“). Weder Zubehör noch technische Brillanz oder gar die praktischen Zusatzfeatures (jede PS3 ist gleichzeitig ein CD-, DVDund Blu-ray-Player) allein können den Erfolg ­erklären: Die PlayStation konnte nur zum „household name“ werden, weil sie so viel Spaß macht. www.playstation.com 23


b u l l e va r d

In profile

Metronomy

Die britische Band zwischen Disco und Dance-Pop wirft aus Anlass ihres neuen Albums „The English Riviera“ den Tourbus an. Red Bulletin war beim Auftakt in Manchester dabei.

„Weißt du, was das Tourleben wirklich revolutioniert hat? Die Salate der Imbisskette Simply Food von Marks & Spencer. Am Morgen nach einer Show genau das Richtige.“

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Der erste Vollmond des Jahres erhebt sich über Man­ chester. Joseph Mount sitzt im Tourbus seiner Band Metronomy, geparkt vor dem Hintereingang des Clubs The Deaf Institute. Er denkt nach. Über die kommen­ den zwei Wochen, die er zum Gutteil in diesem Van verbringen wird. Über die England-Tour, die das Quar­ tett an diesem Abend startet. „Tankstellen-Snacks sind okay“, sagt der 28-Jährige. „Aber weißt du, was das Tourleben wirklich revolutioniert hat? Die Salate der Imbisskette Simply Food von Marks & Spencer. Am Morgen nach einer Show genau das Richtige.“ Es ist offensichtlich, Metronomy sind keine Rock ’n’ Roll-Säue, nächtliche Exzesse nicht ihr Ding. Gepflegter Art-Rock mit Disco-Einschlag anstelle von drogengeschwängertem Metal. Mit ihren Synth-PopHymnen wie „My Heart Rate Rapid“ oder „A Thing for Me“ haben sich Metronomy über die letzten fünf Jahre eine große Fangemeinde erspielt, mit ihrem ­eigenwilligen Humor sind sie Lieblinge auf Festivals. Mount ist der Kopf von Metronomy, Songschreiber und Produzent seit der Bandgründung vor zehn Jah­ ren in Devon im Südwesten Englands. 2006 erschien das Debütalbum „Pip Paine (Pay the £5,000 You Owe)“, Live-Gigs waren damals aber noch kein The­ ma. „Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass wir überhaupt Konzerte spielen würden. Ich hatte auch kein Interesse daran, auf einer Bühne zu stehen“, sagt der Studiotüftler. Aber ohne geht’s heu­

Metronomy: „The English Riviera“ (Because Music) erscheint am 11. April 2011; Tourdaten, Videos und Soundproben gibt’s auf www.metronomy.co.uk

Alles ist erleuchtet: Lichtscheiben auf den Shirts der Band.

Text: Piers Martin; bilder: James Pearson-Howes (2)

Metronomy, das sind Gbenga Adelekan, Joseph Mount, Anna Prior und Oscar Cash (v. li.).

te im Musikgeschäft eben nicht. Deshalb hat er drei gute Freunde als Bandmitglieder rekrutiert: Mount selbst singt, spielt Gitarre und Keyboard, Anna Prior sitzt am Schlagzeug, Gbenga Adelekan ist Bassist, und Mounts Cousin Oscar Cash übernimmt Keyboard und Saxophon. Durch den großen Erfolg des 2009er-Albums „Nights Out“, eines Meisterwerks zwischen süßem Pop und aufbrausenden Disco-Reminiszenzen, hatte Mount letztes Jahr zum ersten Mal die Chance, in einem großen Tonstudio aufzunehmen. Im Smoke­ house Studio in Ostlondoner Wapping hat er an einer Verherrlichung der Sommer seiner Jugendzeit gebas­ telt. An einer Verklärung sonniger Tage am Strand von Küstenstädten wie Torquay, Paignton und Brix­ ham. Obwohl die Band Muse aus dem benachbarten Teignmouth stammt, ist die Küstengegend im Süden nicht gerade für ihre jungen, aufstrebenden Rock-Acts bekannt. Maximal für Rock-Opas, die sich dort gerne zur Ruhe setzen. „Ich habe mir vorgestellt, in einer richtig coolen Küstenstadt zu sein. Mit popkultureller Tradition. So wie Los Angeles“, sagt Mount. „Deshalb klingen die Stücke so entspannt und groovy.“ Gegen 22 Uhr legt die Band los und empfängt das gesteckt volle Deaf Institute mit „Love Underlined“. Obwohl es die erste Show der Tour ist, wirken Metro­ nomy entspannt, ja enthemmt. „Holiday“ und „Not Made for Love“ folgen, zwei frühere Hits und Lieblinge des Publikums, das ausflippt, als weiße Scheiben auf den Shirts der Band plötzlich zur gleichen Zeit auf­ leuchten. Ein simpler Effekt, aber sehr wirkungsvoll. Ähnlich wie die Songs von Metronomy selbst. Nach der Show, Backstage-Raum. Die Stimmung ist ausgelassen. „Ich war echt nervös“, sagt Mount und nippt an einem Glas Bier. Und Bassist Adelekan ergänzt schmunzelnd: „Es war wie ein Daft-PunkKonzert, gespielt von den Eagles.“ Energetisch wie gediegen. Dance-Music handgespielt. Wenig später werden die Instrumente in den Bus gepackt, es geht Richtung Hotel, morgen wartet eine neue Stadt auf die Band. Bis Ende des Jahres geht’s dann so weiter. Quer durch Europa, von Club zu Club. Höchste Zeit für Tankstellen also, ihr SalatSortiment aufzustocken.


e! ll a r ü f n e s is W – . .M P n Die Welt vo in.de www.pm-magaz


Der neue Red Bull Racing RB7 f端r die Formel-1-Saison 2011. Hinter dem Lenkrad: Weltmeister Sebastian Vettel. Hinten am Auto sehen wir den neuen, verstellbaren Heckfl端gel, der den Boliden (noch) schneller macht.


b u l l e va r d

Formelsammlung

Flügelkraft In der Formel-1-Saison 2011 wird das Verstellen der Heckflügel erlaubt sein. Welchen Effekt das hat, erklärt uns der Physiker*. Arbeit (W) ist ganz allgemein Kraft (F) mal Weg (s), also W = Fs. Leistung (P) ist Arbeit pro Zeit, also P = W/t. Und die Geschwindigkeit (v) ist Weg pro Zeit, also v = s/t. Wenn wir alle drei Formeln in einen Topf werfen, erhalten wir F = P/v. Wie schnell kann, ganz allgemein gesagt, ein Auto werden? Beim Beschleunigen wächst der Luftwiderstand und somit die bremsende Kraft. Diese Kraft zeigt gegen die Fahrtrichtung: Fw = ½ ρ cw Av². ρ ist dabei die Luftdichte, cw der Luftwiderstandsbeiwert und A die Anströmfläche oder, plakativer, die Schattenfläche. Die Maximalgeschwindigkeit ist erreicht, wenn Fw genau gleich groß wird wie die Antriebskraft. Setzen wir die beiden Formeln gleich und lösen sie nach v auf, erhalten wir die Maximalgeschwindigkeit, bei der sich ­beschleunigende und bremsende Kräfte die Waage halten:

bild: Getty Images/Red Bull Content Pool; illustration: mandy Fischer

vmax =

³

√ ρ2Pc A w

Nun können wir vmax abschätzen. Die Leistung der F1-Boliden ist bekannt und liegt bei etwa 800 PS (589 kW). Das Energierück­ gewinnungssystem KERS bringt weitere 60 PS (44 kW). Auch die Luftdichte ist kein Mysterium und beträgt 1,2 kg/m³. Schwierig wird es beim cw-Wert und der Schattenfläche. Diese werden, ähnlich Staatsgeheimnissen, gut gehütet. Daher müssen wir vernünftige Schätzungen treffen. Ich schätze den cw-Wert mit 1 ab. Das ist erstaunlich hoch, hat ein aerodynamisches Straßenauto doch ­unter 0,3. Wie das? Ein Grund sind die frei stehenden Räder und die daraus resultierenden Luftwirbel. Ein zweiter Grund ist, dass die Heckflügel, die im Prinzip verkehrt montierte Tragflächen sind, eine Menge Abtrieb erzeugen müssen, damit die Autos in der Kurve am Boden kleben bleiben. Der hohe Abtrieb hat aber den Preis, dass auch der cw-Wert steigt. Die Anströmfläche schätze ich mit 1,3 m² ab. Setze ich alle Werte in die Formel ein, er­halte ich eine Maximalgeschwindigkeit von 93 m/s (335 km/h). Jetzt können wir mit der Formel herumspielen. Würde man es etwa schaffen, zehn PS mehr aus dem Motor herauszukitzeln, würde sich die Maximalgeschwindigkeit trotzdem nur um etwa 1,3 km/h erhöhen. Was extrem wenig ist. Warum? Weil die Leistung unter der dritten Wurzel steht! Viel schlauer ist es, wenn man auf der Geraden den Heckflügel zum Überholen flacher stellen kann. Dadurch verändert sich der cw-Wert. Wir nehmen vereinfacht an, dass sich die Anströmfläche nicht verändert. Wenn man es schafft, den cw-Wert von 1 auf 0,95 zu reduzieren, liegt die Höchstgeschwindigkeit immerhin um etwa 5,8 km/h höher. Der Effekt ist immer noch nicht groß, aber doch viereinhalbmal so hoch wie infolge einer Erhöhung der Leistung. Der Heckflügel soll laut Reglement dann flacher gemacht werden dürfen, wenn man sich weniger als eine Sekunde hinter dem Konkurrenten befindet. Dadurch soll es mehr Überhol­ manöver geben – möglich macht’s wieder einmal die Physik! * Mag. DDr. Martin Apolin, 45, promovierter Physiker und Sportwissenschafter, a­ rbeitet als AHS-Lehrer (Physik, Sportkunde) und Lektor an der Fakultät für   Physik in Wien und ist mehrfacher Buchautor. www.redbullracing.com, www.scuderiatororosso.com

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B u l l e va r d

Zahlen des Monats

Verrückte Trends Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, heißt es ja bekanntlich. Ein paar besondere Ideen und die dazugehörigen Zeiten im Rückblick.

Im Jahr 1960 veröffentlichte der wenig bekannte Sänger Chubby Checker eine Coverversion von „The Twist“ (ursprünglich von Hank Ballard and The Midnighters – ebenfalls eher unbekannt). Auch die Beatles sowie Sam Cooke schrieben Songs über den Modetanz im Viervierteltakt, der wohl jeden in einer Partynacht schon mal mit den Hüften wackeln ließ. 1988, 28 Jahre später, brachte Checker „The Twist“ gemeinsam mit den Fat Boys heraus – und es wurde abermals ein Hit.

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Zwischen Weihnachten 2009 und Neujahr 2010 war die ganze Welt verrückt nach blauhäutigen Außerirdischen, die sich gegen eine ausbeuterische Menschheit zur Wehr setzten. Die 3-D-Produktion „Avatar“ avancierte mit einem Einspielergebnis von über 2,775 Milliarden US-Dollar zum größten Kassenschlager aller Zeiten. In Südkorea ging man noch einen Schritt weiter und strahlte den Film in „4-D“ samt Wind- und Raucheffekten, Gerüchen und mit beweglichen Sitzen in den Kinosälen aus.

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Als skandalös und respektlos galt der von der britischen Designerin Mary Quant in die Modewelt eingeführte Minirock, als er 1962 erstmals in der Zeitschrift „Vogue“ abgebildet wurde. Drei Jahre später hatte sich der Trend weltweit durchgesetzt. Ein Minirock endet mindestens zehn Zentimeter oberhalb des Knies (das britische Königshaus akzeptiert sieben Zentimeter). Ist er länger, bewegt man sich in Midi- oder Maxi-Territorium. Als Mary Quant für ihre bahnbrechenden Kreationen 1966 der Order of the British Empire verliehen wurde, erschien sie – klar! – im Minirock zur Zeremonie.

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2733

Ein Grund für die Entwicklung des Sony Walkman: Ein Vorstandsmitglied wollte während seiner häufigen Flüge gerne Opernmusik hören. Bei der japanischen Markteinführung am 1. Juli 1979 kostete der tragbare Kassettenspieler 33.000 Yen. Unter Berücksichtigung der Inflation könnte man heute um dasselbe Geld einen iPod classic und zwei iPod shuffles bekommen. Auf eine C60-Kassette passten rund 15 Songs, die oben genannten digitalen Media-Player bieten rund 41.000 Musiktiteln Platz. So betrachtet, ist die Welt heute rund 2733-mal besser als vor 31 Jahren.

6,65

Sekunden benötigte der Weltrekordhalter zur Lösung des 3×3×3-Rubrik-Würfels. Erdacht 1974, verkaufte sich das Spielzeug des Jahres 1980 bislang über 350 Millionen Mal und ist somit das meistverkaufte der Geschichte. Im Januar 2011 stellte der 15-jährige Feliks Zemdegs in Melbourne einen seiner aktuell elf Speedrekorde auf. Der Name des Burschen würde übrigens auch bei „Scrabble“, das es in 121 Ländern und in 29 Sprachen gibt, eine ­beachtliche Punkteanzahl einbringen.

Die vielleicht nächsten bahnbrechenden Ideen finden Sie auf www.ted.com

text: Paul Wilson; bilder: getty images (2), rex features (1), corbis (2)

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Eine massive Überbewertung von Handelsgütern oder Vermögensgegenständen führte in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder zu Spekulationsblasen. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie platzen irgendwann. Die erste aufgezeichnete Blase datiert zurück auf die 1630er Jahre, als die für die Niederlande neuartigen Tulpen so hoch bewertet wurden, dass man bis zu zwölf Morgen Land (rund 10 Hektar) als Gegenwert für eine einzige Tulpenzwiebel handelte. An alle Hippies: Das war also echte Flower-Power!


Red Bull Creative

www.carpediem.com

Des Trinkens reicher sinn. entdecken sie, was ein Getränk wirklich sinnvoll macht: Das Geheimnis von carpe Diem kombucha liegt in der Fermentation erlesener kräutertees mit rein natürlichen Zutaten. Durch uraltes Wissen um die kraft der kombucha-kulturen entsteht ein Getränk mit ungeahnter Aromenfülle sowie einer bekömmlichen Wirkung. All das macht carpe Diem kombucha zu einem genussvollen und alkoholfreien Begleiter zu jedem guten essen. Das macht sinn.


de.redbulletin.com/print2.0 Gary Hunt in Slow Motion.

Print 2.0

Text: Ruth Morgan, Bilder: Alan Mahon

Klippenspringen, die 채lteste Extremsportart der Welt, vereint Eleganz, Kraft und Mut auf einzigartige Weise. Gary Hunt, Red Bull Cliff Diving World Series Champion 2010, erkl채rt die vier wichtigsten Figuren.

Action

Sky Dive 12 Weltklasse-Cliff-Diver


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7 loCations auf Der ganzen Welt

1 sieger


„Bei dieser figur geht es nicht so sehr um technische schwierigkeit, als vielmehr um style. Brust heraus, die arme weit ausgebreitet, körper angespannt – das macht einen gelungenen straight aus. Manche springer drücken ihren rücken auch durch, besonders bei rückwärtsrotationen, wenn man den kopf in den nacken legt, um zum Wasser zu blicken. Beim springen gibt es zwei arten von figuren: die actionreichen mit hohem schwierigkeitsgrad, die im sprung meist kurz aufeinanderfolgen und viel konzentration erfordern. und die eleganten, die dem springer zeit verschaffen, um jedes kleinste Detail der körperspannung zu kontrollieren. figuren wie der straight werden von der Jury als ‚einfacher‘ eingeschätzt und bewertet, deshalb zeigen viele springer diese figuren bei Wettkämpfen zuerst, danach steigern sie die schwierigkeit. ich versuche allerdings, in der luft immer aktiv zu sein, und mag viele twists und Überschläge. so riskiere ich weniger fehler, weil mir dazu einfach die zeit fehlt. und durch die hohe aktivität im sprung kann ich mir bei der Ästhetik kleine abstriche erlauben. Perfektion lässt sich aber nichtsdestotrotz definieren: Die füße zeigen spitz nach unten, die Beine liegen eng aneinander, genau wie die finger. Die Hände werden flach gehalten.“

Nº 1 STRAIGHT

SPEED: 80—100 km/h


„Der twist wird immer gleich ausgeführt. Du startest in der t-Position mit seitlich abgestreckten armen. um die schraubenbewegung zu beginnen, werden beide arme eng um den körper gelegt, der rechte arm an die Brust, der linke an den Hinterkopf, so wird die Drehung ausgelöst. Die arme bleiben so lange in dieser Position, wie die Drehung anhalten soll. Will der springer in eine neue figur überleiten, breitet er die arme wieder aus und hält so die Drehbewegung an. Der schwierigkeitsgrad eines sprungs wird daran gemessen, wie viele twists und salti man eingebaut hat. es geht immer um diesen Mix, nie darum, nur eine figur möglichst oft zu wiederholen. Bei twists erfolgt die Drehung relativ langsam, weil der körper dabei gestreckt ist und somit mehr energie braucht, um sich um seine längsachse zu bewegen. Der momentan schwierigste sprung – der Back Quad twisting triple – besteht aus vier twists und drei salti. Das sind eine Menge twists – deshalb springe ich sie immer zuerst und hänge einen Pike an, um mich danach auf die salti konzentrieren zu können.“

Nº 2 TWIST


35 FREIER FALL: 3 sekunDen


„Den Pike brauchen wir häufig bei unseren sprüngen. er verbindet twist mit salto und umgekehrt. Man könnte sagen, der springer faltet seinen körper zusammen und legt die arme um die Beine. Die Beine sind dabei absolut gerade, sonst werden Punkte abgezogen. Manche sportler halten die unterschenkel fest und ziehen sie näher zum oberkörper, ich kreuze die arme hinter den Beinen. Mit dem Back Quad twisting triple halte ich den rekord für den schwierigsten sprung im klippenspringen, drei salti und vier twists. und der wäre ohne den Pike nicht möglich. Die vier twists brauchen am anfang viel energie und verlangsamen die rotation enorm. Wenn ich dann direkt die salti anschließe, geht sich nur ein einziger aus. also springe ich die twists, schalte einen Pike dazwischen und ziehe meine Beine an meinen oberkörper, was meine vorwärtsbewegung beschleunigt. so kann ich die salto-Phase früher beginnen und bringe mehr figuren in derselben zeit unter. Beim ersten training hat sich diese abfolge absolut verrückt angefühlt, ich hatte in der luft so viel zu tun. Mittlerweile funktioniert es aber ganz automatisch.“

Nº 3 PIKE


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FALLHÖHE: 27 Meter


„Diese figur bezeichnet einen vorwärtssalto mit einer halben schraube. seinen namen hat der Barani vom italienischen artisten alfonso Barani, der diesen trick 1881 zum ersten Mal bei einer akrobatiknummer im zirkus aufgeführt hat. Was den Barani für uns zu einer wichtigen figur macht? er hilft uns bei der orientierung, weil er uns rechtzeitig vor dem eintauchen den Blick aufs Wasser erlaubt. klippenspringer beschleunigen in nur 2,5 sekunden auf gut 90 kilometer pro stunde, das Wasser fühlt sich bei diesen geschwindigkeiten wie Beton an. Deshalb tauchen auch fast alle von uns mit den füßen voran ins Wasser – die verletzungsgefahr für den kopf wäre sonst zu groß. ohne Barani riskiert der springer einen blind entry: er sieht das Wasser vor dem eintauchen einen halben salto lang nicht und kann nur raten, wann der aufprall kommen wird … sehr unangenehm. ich beende jeden meiner sprünge mit dieser figur, denn wenn beim klip-

Nº 4 BARANI

penspringen etwas schiefgeht, tut das höllisch weh. 2010 habe ich das beim tourstopp in Polignano a Mare erfahren. ich hatte einen neuen, wirklich schwierigen sprung trainiert – für den absprung musste ich sogar einige Meter anlauf nehmen, um genug schwung für alle figuren zu bekommen. Das hatte davor noch kein klippenspringer gemacht. allerdings bin ich entweder nicht schnell genug angelaufen, oder mein absprung war nicht hoch genug. Jedenfalls konnte ich den Barani nicht vollständig ausführen und bin mit dem oberkörper flach auf dem Wasser aufgeprallt. es hat sich angefühlt, als hätte mich ein auto gerammt: ich konnte nicht atmen und trug vom aufschlag ein schleudertrauma davon. kurz gesagt: es hat nicht funktioniert. also muss ich es dieses Jahr wieder probieren.“ Start der Red Bull Cliff Diving World Series 2011: 12. März, Rapa Nui, Chile. Mehr Infos zu den Locations auf Seite 82.

AUFPRALL: 95—0 km/h in 1 sekunDe unD 3 Meter Wasser


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Grenzgänger gary Hunt hält den rekord für den schwierigsten sprung des sports: er setzt den Back Quad twisting triple nicht nur als trumpf-ass bei den Contests ein, sondern hat ihn auch erfunden. 2010 wagte er, als erster klippenspringer überhaupt, einen sprung mit anlauf.

Große Taten 2010: red Bull Cliff Diving World series Champion, nachdem er bei allen sechs stopps auf das Podium gesprungen war, darunter viermal auf den ersten Platz. 2009: zweiter Platz bei den red Bull Cliff Diving World series, nur haarscharf hinter der legende orlando Duque. 2008: Dritter Platz im High Diving World Cup in Bardonecchia, italien. 2006: Dritter Platz bei den Commonwealth games im synchronspringen vom 10-Meter-Brett.

wurde am 11. Juni 1984 geboren, ist 1,75 Meter groß, wiegt 66 kilogramm.

GARY HUNT


Action

Champ Talk

Respekt, junger Mann! Niki Lauda mit Sebastian Vettel über die Magie der Nummer 1, die Tests zur Steinzeit und im Simulator, den Irrwitz der frühen Jahre und die dünne Luft vor der frischen Saison. Und sag mal, übrigens: Boxenluder, hat’s die wirklich gegeben? Moderation: Herbert Völker, Bilder: Jürgen Skarwan

Unsere Champs: Niki Lauda, 62, war F1-Weltmeister 1975 und 1977 (jeweils Ferrari) sowie 1984 (McLaren). Er startete in 171 Rennen und gewann 25. Sebastian Vettel, 23, fuhr bisher 62 Rennen, gewann zehn und holte die WM 2010.

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Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Das Video zum Weltmeister-Talk.


Action

R

Champ Talk

ed bulletin: Niki, wie viele Einträge findet man, wenn man dich im Internet sucht? niki lauda: Keine Ahnung, ich habe noch nie gegoogelt. red bulletin: Schätze einmal. lauda: Ich kann’s nicht sagen. Vielleicht fünftausend? red bulletin: Ziemlich falsch. Drei Millionen. Und, Sebastian, was schätzt du für dich selber? sebastian vettel: Na ja, wenn er drei ­Millionen hat, dann sollte ich vier Millio­ nen haben. (Lacht.) red bulletin: Bis zu 18 Millionen, aber man muss sagen, dass die Such­ maschinen ganz schöne Formschwan­ kungen haben und beim nächsten Mal wieder ein paar Millionen weniger ausspucken … vettel: … viel entscheidender ist, was bei der Frage nach den WM-Titeln raus­ kommt. Da steht’s 3:1 für den Niki, aber ich hab ja noch ein bissl Zeit … lauda: … wo war ich im jetzigen Alter von Sebastian? (Schaut zum allwissenden Moderator.) red bulletin: Mit 23 warst du bei March, eine Gurke, null Punkte. Dann BRM, eine noch ärgere Gurke, Platz 17 in der WM. Aber du bist immerhin dem Herrn Enzo Ferrari so erfreulich auf­ gefallen, dass er dich fürs nächste Jahr engagiert hat. Und dann ging’s ja flugs dahin … vettel: Niki, du warst drei Jahre mit der Startnummer 1 unterwegs, für mich ist es eine Premiere. Hast du den Einser eher als Guthaben oder als Bürde empfunden? lauda: Einen besseren Anfang einer ­Saison gibt es doch gar nicht. Sebastian, du kommst als Nummer 1, und jeder sieht: Hier kommt der Beste. Alle anderen ­müssen dich jetzt jagen, um dir das wieder wegzunehmen. Ich kann Startnummer 1 nur positiv sehen. Warum hast du über­ haupt Zweifel? vettel: Ich hab keine Zweifel, ich will bloß nicht das Gefühl aufkommen lassen: 42

„Ich hab immer noch dran geglaubt, aber es war Nikis gutes Recht, anderer Meinung zu sein.“ Sebastian Vettel

„Wenn es letztes Jahr geklappt hat, wird es diesmal ja wieder klappen“ Dafür will ich die Nummer 1 nicht als Symbol sehen. Wenn ich es bloß so mache wie in der ­abgelaufenen Saison, dann geht es schief. Alles, was letztes Jahr war, war letztes Jahr. Das ist abgehakt. Beim ersten Rennen geht es bei null los, egal ob ich die Num­ mer 1 am Auto habe oder die 24 oder 25 – alle haben am Anfang gleich viel Punkte. Es sind mittlerweile 20 Rennen, es ist ein sehr, sehr langes Jahr. Es wird also wieder extrem hart. Ich muss besser werden, um sicherzugehen, dass mir die Nr. 1 bleibt. lauda: Das mag schon richtig sein. Aber diese „#1“ gibt dir zumindest im Unter­ bewusstsein einen Vorteil gegenüber deinem Stallkollegen. Ich glaube, dass es für Mark Webber schwer werden wird, jetzt wieder frisch anzufangen und sich von der Nummer 2 nach vor zu kämpfen, ­irgendwie nimmt man die Ziffern ja doch als Symbole wahr. red bulletin: Übrigens, Sebastian, hast du dem Niki übelgenommen, dass er voriges Jahr vor Saisonende nicht mehr an dich geglaubt hat? „Er hat ­keine Chance mehr. Wie soll das funk­ tionieren? Selbst wenn Vettel gewinnen sollte, lösen sich die anderen ja nicht in Luft auf.“ lauda: … davor muss ich aber schon sagen, dass ich die ganze Saison sehr wohl an Sebastian geglaubt habe. Nur wie sich das am Ende ausgehen sollte, das hab ich nicht kapiert. Ich hatte die ­tapferen Renaults nicht auf meiner L ­ iste und natür­ lich auch nicht, dass Ferrari es vergeigen könnte. Insofern falsche Einschätzung von mir, klar.

Das Album

Zum Interview:

Lauda, Teamchef Ecclestone (Brabham, 1978/ 79): „Urlaub mit Bernie – klingt spannend …“

Vettel über Schumacher: „Michael muss ­keinem mehr was beweisen.“

Vettels Simulator bei Red Bull Racing: auch ohne GP in den Rennrhythmus kommen.


action

McLaren-Teamkollegen Alain Prost und Lauda, 1984: Schutzmauer statt Freundschaft.

Lauda, Renningenieur Ermanno Cuoghi: Nur Tests brachten Daten.

bilder: Getty Images (2), Getty Images/Red Bull Content Pool (2), imago (1), Schlegelmilch Photography (3)

Niki Lauda zum Thema Sturzräume (Vettel in Bahrain, 2009, oben) vs. Bäume (Lauda am Nürburgring, 1976, li.): Es galt an die Grenzen zu ­gehen, aber noch jene paar ­Zentimeter Platz lassen, „damit wir am Leben bleiben“. Die erhöhte Risiko­ bereitschaft der frühen Jahre suchte sich ihr Ausgleichsventil: Frauenliebling James Hunt, Weltmeister 1976, mit ­seiner späteren ersten Frau Suzy (u.).

vettel: Ich hab das ja damals gar nicht mitgekriegt, dass du anscheinend die Hoffnung aufgegeben hattest. Ich hab immer noch dran geglaubt, aber es war Nikis gutes Recht, anderer Meinung zu sein. Er ist ja dafür bekannt, dass er seine Meinung hat und sie vertritt, die Leute schätzen das auch. red bulletin: Lasst uns über Tech­ nik reden. Niki, du giltst ja als erster Formel-1-Fahrer, der sich wirklich ernsthaft mit den technischen Möglich­ keiten des Autos auseinandergesetzt hat. Eigentlich war’s Steinzeit, wenn man die Tiefe der Ressourcen mit heu­ te vergleicht. lauda: Unser Problem war, dass es vom Auto selbst keine Daten gegeben hat, ­keine Art von Datenaufzeichnung. Daher kamen alle unsere „Testergebnisse“ nur von meinem Hintern oder vom Gefühl, was meist dasselbe bedeutet hat. Es gab genügend Verstellmöglichkeiten am Auto, an den Aufhängungen und an den Flügeln, aber man musste erst einmal System in die Sache bringen und unzählige Test­ runden fahren, bis es an der Stoppuhr eine halbwegs verlässliche Auswertung der „Gefühle“ gab. vettel: Einen Simulator hättest du dir ­damals nicht einmal vorstellen können, oder? lauda: Das wäre pure Science-Fiction gewesen. Sebastian, wie sehr bist du ­eigentlich auf den Simulator angewiesen? Ich höre, dass manchen Fahrern schlecht wird, aber das geht manchen Piloten im Flugsimulator genauso. vettel: Im Simulator sitzt man ja wie in einem Auto drin und hat einen r­iesigen Bildschirm vor sich, dazu ­ruckelt das Auto, um die Bewegungen zu simulieren, und wenn die nicht hundertprozentig so pas­ sen, wie sie in echt sind, oder wenn das einfach hie und da verzögert ist oder sich ein bisschen zu viel oder falsch bewegt oder neigt, dann wird einem mulmig. Was mich betrifft, ich hab mich dran gewöhnt. lauda: Wie hoch ist der Stellenwert des Simulators für die Fahrtechnik? vettel: Gerade vor Saisonbeginn nützt man die Zeit, weil die echten Tests ja so beschränkt sind. Es ist für uns die einzige Möglichkeit, schon in den Rhythmus zu kommen, was die Bewegungsabläufe angeht, wir haben jetzt wieder ein paar Knöpfe mehr auf dem Lenkrad. Ander­ seits kann man damit auch tatsächlich trainieren. Der Ablauf kommt dem auf der Strecke schon sehr nah. Gerade um neue Strecken kennenzulernen, ist der ­Simulator heute unersetzbar. Man kommt dann auf die echte Strecke und weiß genau, was zu tun ist. Man braucht dann 43


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„Einen Simulator hättest du dir damals nicht einmal vorstellen können, Niki, oder?“ Sebastian Vettel

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„Das wäre pure Science Fiction gewesen … Unsere Test­ ergebnisse kamen nur von meinem Hintern!“ Niki Lauda


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bloß noch zwei oder drei Runden, um die Feinheiten auszumachen. lauda: Was bringt’s für die Abstimmung? vettel: Das ist eben die Frage, wie gut dann der Simulator wirklich ist. Es hängt von so vielen Faktoren ab, allein wie man die Strecke in den Simulator packt, ob jede Bodenwelle stimmt, das Gefälle und so weiter, ob das Auto dann ebenso ­reagiert wie in echt. Wenn man dann wirklich sagt: Stabi rauf und Stabi runter, ein bisschen härter, ein bisschen weicher, oder die Flü­ geleinstellung ein bisschen verändert … das trifft dann meistens schon den Punkt. Man kann vom Set-up her manche Dinge von vornherein aussortieren. lauda: Aber der beste Simulator kann nicht die Kräfte darstellen, die dann tatsächlich auf dich einwirken werden. Und Fitnesstrainer ist er natürlich auch keiner … vettel: Das Fehlen der Kräfte ist ein ­wesentlicher Unterschied zum richtigen Leben … Na ja, vielleicht ist es gut so, sonst könnten wir gleich auf Simulatoren gegeneinander fahren. red bulletin: Trotz technischem Fort­ schritt, Medienhype und Geldexplosion – der größte Unterschied in der Formel 1 zwischen heute und der Lauda-Zeit, vor gut einem Vierteljahrhundert, liegt aber doch in der Sicherheit, oder? lauda: Ich bin zu einer Zeit aufgewach­ sen, als die Autos auch schon 300 km/h fuhren, manchmal aber drei Meter neben den Bäumen. Man musste damit rechnen, dass am Ende einer Saison zwei aus dem engeren Kreis der Formel 1 nicht mehr am Leben sein würden. Jeder, der diesen Sport betrieb, kannte die Voraussetzun­ gen. Will ich das Risiko eingehen – ja oder nein? Klar, wir hatten Freude an der Be­

„Mir wäre der Gedanke unerträglich, bei jeder Fahrer­ besprechung das Gefühl zu haben, am Ende der Saison könnten es zwei weniger sein.“ Sebastian Vettel

herrschung des Autos und wollten daraus einen Job machen, trotz allem. So haben wir versucht, an die Grenzen zu gehen, dabei aber noch jene paar Zentimeter Platz zu lassen, damit wir am Leben blei­ ben. Vettel ist ganz anders aufgewachsen. Gott sei Dank hat sich die Formel 1 dort­ hin entwickelt, wo sie heute ist. vettel: Es ist normal, dass sich jeder Sport entwickelt. So gefährlich zum Bei­

spiel der Skisport heute noch immer ist – aber vor vierzig Jahren hatten sie nicht einmal einen Fangzaun. Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass Motorsport noch immer gefährlich ist und dass immer etwas passieren kann – aber wir müssen die latente Lebensgefahr nicht dauernd einplanen. Mir wäre der Gedanke un­ erträglich, bei einer Fahrerbesprechung das Gefühl zu haben, am Ende der Sai­ son könnten es zwei weniger sein. Das gemeinsame Wissen um die Gefahr hat die damalige Zeit geprägt und die Fahrer viel stärker zusammengeschweißt, als es heute der Fall ist. Aber niemand vermisst das Gefühl, dass ein simpler technischer Defekt ein Menschenleben auslöschen könnte, ich denke da zum Beispiel an den Unfall von Jochen Rindt 1970. Bei heutigen Sicherheitsstandards wäre er nach einem solchen unverschuldeten Crash bloß verärgert an die Box zurück­ marschiert. Auch wenn die Formel 1 heute manch­ mal steril wirken mag und wenn es un­ denkbar ist, dass ein paar Fahrer am Abend vor dem Start bei einem Bier zu­ sammensitzen – an der Essenz des Sports hat sich nichts geändert: ein Auto an der Grenze zu bewegen. Wenn uns heute die paar Zentimeter Luft ausgehen, von de­ nen Niki gesprochen hat, und es trotzdem keine fatalen Folgen gibt, Gott sei Dank. Aber zu oft darf man diese Gnade ohne­ dies nicht in Anspruch nehmen: Wer öfter mal anstreift, ist in der Endabrechnung ­sowieso nicht vorn dabei. red bulletin: Gibt es noch Freund­ schaften in der Formel 1, wie es seiner­ zeit angeblich der Fall war? vettel: Wir sind eine Gruppe von rund 25 Fahrern. Es ist im Prinzip wie eine

Auch wenn es für die Formel-1-Saison 2011 reglementbedingt Änderungen gibt (der Doppeldiffusor am Heck wurde verboten, ein verstellbarer Heckflügel ist erlaubt, Pirelli ist neuer, exklusiver Reifenausstatter für alle Teams): Der RB7, mit dem Sebastian Vettel und Mark Webber am 13. März in Bahrain in die neue Saison gehen, ist gegenüber dem Weltmeisterauto des Vorjahres keine Revolution, so Konstrukteur Adrian Newey, sondern eine Evolution: „Die DNA des Autos ist dieselbe.“

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bild: Getty Images/Red Bull Content Pool

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Schulklasse. Es gibt welche, mit denen man sich von Haus aus gut versteht, die einem sympathisch sind. Dann gibt es wieder welche, die einem gar nicht in den Kram passen, mit denen man dann logi­ scherweise weniger zu tun hat. Aber dass man sich jetzt abseits der Rennstrecke privat trifft, etwas unternimmt, vielleicht zusammen in den Urlaub fährt, wie es damals hie und da der Fall war, das gibt es heute nicht mehr. Man hat keine Luft, keine Zeit dafür, hat schon zu wenig Zeit für sich selber. Man ist in seinem Team auf sich konzentriert und kriegt dann gar nicht viel anderes mit. red bulletin: Niki, hattest du noch ­einen echten Freund in der Formel 1? lauda: Was ist ein Freund? Das muss man definieren. Es wird immer kritisiert, dass ich keine Freunde habe. Warum? Weil man eine Schutzmauer um sich her­ um aufbaut, weil man ununterbrochen in der Öffentlichkeit so quasi Semifreunde hat. Jeder will dein Freund sein. Dann ist man schon mal misstrauisch. Um das gleich einmal abzuschirmen, sage ich: „Ich habe keine Freunde“, damit das soge­ nannte Freund-Spielen aufhört. Der Typ, der mir in meiner aktiven Zeit am nächsten war, war James Hunt. Er war richtig cool, mit dem konnte man es lustig haben und auch gern mal ein Bier trinken. Das muss ja nicht gleich in einen gemeinsamen Urlaub ausarten … red bulletin: … wie wir es aus der Stewart-Ära schon noch gehört haben. ­Jackie, Jochen Rindt, Piers Courage, die trafen sich auch mal auf einer ­fernen Insel, und Bernie Ecclestone war auch gern dabei. lauda: Urlaub mit Bernie, klingt auf­ regend. Aber vielleicht sollten wir doch über die Zukunft reden, da kommt ja Schu­ macher gerade recht. Ich habe gelesen, dass Alonso sagt, am meisten fürchte er Michael, vorausgesetzt, das Auto passt. Wie kommt er auf solche Ideen? Viel­ leicht aus der Vergangenheit, aus dieser Konsequenz des Vorfahren-Wollens und -Könnens, bei entsprechendem Speed? Ich meine allerdings, dass du das mittler­ weile genauso draufhast. vettel: Das spielt natürlich mit rein, ­dieser Erfahrungsschatz des Michael und diese Sicherheit. Ich sehe das nur aus mei­ ner Perspektive. Die Leute können r­ eden, was sie wollen, wenn der Michael an den Start geht, muss er niemandem etwas ­beweisen. Er hat Spaß daran und den Biss, ganz vorne zu fahren und sich nicht von den anderen, egal ob jünger oder älter, in den Hintern treten zu lassen. Auch wenn die Luft dünn wird, ist er einer der wenigen mit der Statur eines Siegers. 48

„Wenn die Luft dünn wird, ist Michael Schumacher einer der wenigen mit der Statur eines Siegers.“ Sebastian Vettel

red bulletin: Unvermeidliche Pflicht­ frage: Wer ist für dich der größte Geg­ ner in diesem Jahr? vettel: Ich kann und mag keinen Namen nennen. Da sind zu viele Unsicherheiten auf der Strecke, von KERS über die neuen Reifen und wie gut es Ferrari gehen mag. Dass ich selber ganz gut drauf bin, hab ich ja schon gesagt. red bulletin: Vettel und Red Bull, seid ihr „unzertrennlich“, wie man es jetzt manchmal hört? vettel: Ich fühle mich sehr, sehr wohl bei Red Bull. Es ist ja mehr, als dass ich in diesem Formel-1-Team bin und das Auto fahren darf. Ich bin schon lange ein Teil der Red Bull-Familie. Und es ist wirklich eine Familie, man fühlt sich wie zu Hause. Wenn das Ganze noch getoppt wird mit ­einem Auto, mit dem ich Rennen gewin­ nen und um die WM kämpfen kann, dann gibt es für mich keinen Grund, irgend­ etwas zu verändern. red bulletin: Meine Herren, ich danke ganz herzlich, dass ich euch zuhören durfte … vettel: … halt, halt! Ich hätte da noch eine Frage an den Niki. Man hört doch öfter, da gibt’s so viele Boxenluder in der Formel 1, da geht die Post ab. Ich glaube, das trifft doch eher auf die frühere Zeit zu. Aber die Früchte hängen immer noch am Baum und werden teilweise noch immer geerntet – diese Sprüche gibt es ja. Die müssen ja irgendwoher stammen. Stimmt es, dass die Fahrer früher zum Teil wirklich so wilde Hunde waren, wie man sagt?

lauda: Ich könnte dir die Wahrheit sa­ gen, weil sie ist eh schon einmal gesagt worden. Wir haben natürlich durch die Risikobereitschaft, auf die wir uns grund­ sätzlich eingestellt haben, unser Leben gelebt, bei dem wir nicht immer alles so genau genommen haben. Man ist auch mit dem Stress anders umgegangen, und da wollte man die fixen Partnerinnen ja nicht unbedingt mit hineinziehen. Das beste Beispiel, das mir einfällt, liegt lang genug zurück, 1984, Grand Prix von Portugal, entscheidend für die WM zwischen Prost und mir. Mein Fitness-­Guru Willi Dungl sagte zu mir, weil der hat schon gewusst, worauf ich aus war: „Du, da unten rennt eine herum, eine blonde Italienerin, die sucht dich dauernd.“ Dann kam noch der Piquet zu mir, der hat auch immer geschaut, wo es was Neues gibt, und sagte: „Du, die sucht dich.“ Sie war unten, hübsch. Ich ging gleich hin und fragte, wie es ihr geht. Gut. Ich habe sie dann am Freitag zum Abendessen geführt, weil ich ein höflicher Mensch bin. Dann hat sie mich gefragt, ob sie am Samstag wieder mit mir essen gehen kann. Da habe ich ihr gesagt, dass sie nicht mit mir essen gehen kann, aber sie kann von acht bis zehn am Abend zu mir ins Zimmer kommen. Wieso? Ich hab gesagt, dass ich um zehn schlafen muss, weil ich am Tag darauf Weltmeister werden will. Sie hat okay gesagt, kam aufs Zimmer und ist um zehn Minuten vor zehn verschwunden. Ich hab geschlafen wie ein Gott, aber beim Aufwachen in der Früh hab ich mir gesagt, wenn es da oben einen lieben Gott gibt, habe ich die WM heute verloren. Ich hatte das schlechteste Gewissen, das du dir vorstellen kannst. Mein lieber Kollege Prost, der immer Nägel gebissen hat und immer sehr nervös war, stand in der Früh in der Box und grinste vor sich hin. Ich fragte ihn, warum grinst du so blöd? Er sagte, stell dir vor, gestern Abend habe ich die Stéphanie von Monaco erwischt. Ich war unglaublich er­ leichtert, jetzt steht es 1:1 vor dem lieben Gott, so geht’s jetzt ins Rennen. Ein paar Stunden später war ich zum dritten Mal Weltmeister. Zur Verteidigung der alten Garde kann ich sagen, dass die Formel 1 mittlerweile viel mehr zu einem Familiensport gewor­ den ist. Jetzt kommen die Frauen und Kin­ der mit, weil ja wirklich zum Glück weni­ ger oder nichts passiert, damit hat sich auch die ganze Formel 1 etwas mehr zum normalen Leben zurückreduziert. Heute ist es mit der Moral vielleicht besser. Aber ich kann es nicht so beurteilen. Start der 62. FIA-Formel-1-Weltmeisterschaft: 13. März 2011, Bahrain, V.A.E.; www.formula1.com redbullracing.com, scuderiatororosso.com


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Leben ist Laufen, Laufen ist Leben Ein Besuch in Äthiopien: Bei Haile Gebrselassie, dem Marathon-Weltstar. Bei Haile Gebrselassie, dem Nachwuchsläufer aus den Slums. Beim besten Lauftrainer der Welt. Und bei dem Mann, der 1960 beinahe weltberühmt geworden wäre. Text: Tobias Haberl Bilder: Olaf Unverzart

Meskel Square, Addis Abeba.

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de.redbulletin.com/print2.0 Die besten Bilder der Marathon-Elite.


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Haile Gebrselassie, 37

Zweifacher Olympiasieger, vierfacher Weltmeister, 26facher Weltrekordhalter

„Ich und Präsident? Erst möchte ich noch ein bisschen laufen.“ 52

er Äthiopien verstehen will, muss früh aufstehen. Wer den Willen und die Eleganz seiner Menschen erleben will, muss vor Sonnenaufgang auf den Straßen sein, am besten warm angezogen. Es ist kalt, morgens zwischen vier und fünf Uhr in Addis Abeba, 2400 Meter über dem Meeresspiegel. Die Straßen sind grau und leer, ein Muezzin ruft, ab und zu knattert ein Taxi vorbei, ein paar Laternen brennen, Äthiopien hat zu wenig Geld, um seine Straßen nachts leuchten zu lassen. Dafür leuchten die Menschen. Einer nach dem anderen taucht aus dem Dunkel auf, gelbe, rote, grüne Punkte, T-Shirts in leuchtenden Farben, Trikots, Trainings­ hosen, erst wenn sie ganz nah sind, erkennt man ihre dunklen Gesichter und die wilden, entschlossenen Augen. Die einen verstauen ein T-Shirt zum Wechseln unter einer der Zedern, andere laufen einfach los, manche haben keine Schuhe an. Selbstverständlich wie Tiere laufen sie durch die Stadt, lautlos und ohne Anzeichen von Erschöpfung, Richtung Meskel Square, vorbei am Hilton Hotel und dem Palast des Premierministers, sogar auf der Stadtautobahn Richtung Norden laufen sie, stundenlang, kilometerweit, jeden Morgen, bis die Sonne aufgeht und die blauen Taxis sich die staubigen Straßen von Addis zurückerobern. In Europa und den USA joggen die Menschen, sie quälen sich auf Laufbändern und beim Rundenlaufen im Park, ein bisschen schwitzen, fit bleiben, den Körper spüren, dann ein Kaffee zum Mitnehmen, bevor man im Büro den Computer hochfährt. Beim Sportmachen wirken die Menschen in New York und Berlin frei und gelöst, im Alltag sind sie konzentriert und angestrengt. In Addis Abeba ist es umgekehrt. Laufen ist hier eine ernste Sache, der Rest ist Spiel, Müßiggang, Langeweile. Jeden Morgen laufen in Addis Tausende von jungen Männern und Frauen, dann gehen sie nach Hause und ruhen sich aus, am Abend laufen sie wieder. Ihr Land zählt zu den ärmsten der Welt, jeder Zweite hier ist arbeitslos, der Durchschnittsäthiopier stirbt mit fünfzig. Laufen ist in Äthiopien mehr als ein Aus-

gleich, auch mehr als ein Sport, es ist eine Art unbezahlter Beruf, aber auch eine Chance. Eigentlich wollen die Menschen ihrem Schicksal davonlaufen. Sie wissen, dass das möglich ist. Haile hat es ihnen vorgemacht, dafür verehren sie ihn. Zehn Uhr morgens. Haile Gebrselassie kommt gerade vom Training in Sululta, den Eukalyptuswäldern im Norden der Stadt, weicher, moosiger Boden, Höhen­ luft. Unten parkt sein Mercedes, er selbst sitzt in einem cremefarbenen Ledersessel im achten Stock eines Bürogebäudes. Das Hochhaus gehört ihm. Ein paar hundert Meter weiter besitzt er ein zweites. Er trägt noch seinen schwarzen Trainingsanzug und seine Laufschuhe. Er ist schmächtig, 1,64 Meter groß, 53 Kilogramm schwer, sein Gesicht ist zerknittert. In einem Regal hinter seinem Schreibtisch stehen Bücher über Management und Unter­ nehmensführung. Jeder Tag in Haile Gebrselassies Leben ist in drei Teile gegliedert: morgens Training, tagsüber Büro, abends Training. „Früher habe ich zwischen den Trainingseinheiten geschlafen“, sagt er, „das geht heute nicht mehr.“ Seine Immobilienfirma Haile & Alem International beschäftigt 400 Menschen, Haile Gebrselassie hat es zum Weltmann gebracht, er fragt, ob jemand was trinken möchte, geht zum Schreibtisch, telefoniert kurz, zwei Minuten später serviert eine Sekretärin frisch gepressten Mangosaft. Haile Gebrselassie hat die Strecken über 5000 und 10.000 Meter dominiert, war zweimal Olympiasieger und viermal Weltmeister, hat 26 Weltrekorde aufgestellt, in den Neunzigern hat er acht Jahre hintereinander kein Rennen verloren. Gerade ist in einer äthiopischen Illustrierten eine Homestory über ihn erschienen: Haile lebt mit seiner Familie in einer Villa mit Pool, zwei Köche, zwei Haushalts­ hilfen und zwei Leibwächter arbeiten für ihn, er sammelt Kunst und Antiquitäten. In Äthiopien ist er eine nationale Identifikationsfigur: der Bauernsohn aus Bekoji, der erst Sportler, dann Geschäftsmann wurde. Viele Äthiopier sehen in dem


Meskel Square, Addis Abeba.

Siebenunddreißigjährigen den nächsten Präsidenten. „Ich und Präsident?“ Haile Gebrselassie lacht. „Erst möchte ich noch ein bisschen laufen.“ Mit 2:03:59 Stunden hält er den Marathon-Weltrekord (aufgestellt 2008 in Berlin). Er hält eine Zeit unter zwei Stunden für möglich. „Ich spüre keine Grenze“, sagt er, „ich laufe jede Woche 200 bis 300 Kilometer.“ Im letzten Jahr konnte Haile Gebrselassie den New-York-Marathon nicht beenden und erklärte seine Karriere daraufhin für beendet. Eine Woche später nahm er die Pressemeldung zurück. Inzwischen heißt es, Haile Gebrselassie werde beim Tokio-Marathon starten. Vor allem aber spricht und denkt Gebr­ selassie über die Ziellinie hinaus. Er weiß, dass er Verantwortung trägt, er weiß, dass Probleme leichter gelöst werden können, wenn sie jemand anspricht, den die Menschen kennen. Sport und Politik verzahnen sich immer mehr, Leute wie Gebrselassie, die diplomatisch denken können, werden immer wichtiger. Äthiopien hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten, von der Welt wahrgenommen

zu werden: wenn Millionen von Menschen verhungern – wie bei der Dürrekatastrophe 1984 – oder wenn seine Läufer Medaillen nach Hause bringen. Es sind Haile Gebrselassie, Kenenisa Bekele, Sileshi Sihine, Tsegaye Kebede oder Gete Wami und Aselefech Mergia, die ihren Landsleuten eine Identität geben. Als wären ihre Medaillen eine Art Brücke ins Bewusstsein der Welt. Sie zeigen den jungen Äthiopiern, wie wichtig der eiserne Wille ist, wie wichtig es ist, weiterzulaufen, auch wenn die Füße weh tun, auch wenn man eigentlich weinen möchte. Wie 2005, als Kenenisa Bekele Weltmeister über 10.000 Meter wurde, wenige Wochen nachdem seine 17-jährige Freundin beim Training tot umgefallen war. Oder neulich, als er bei der Cross-Weltmeisterschaft in Edinburgh trotz eines verlorenen Schuhs die Goldmedaille holte. Es gibt noch einen zweiten Haile Gebrselassie in der Stadt. Er ist achtzehn, sein Blick ist schüchtern. Wie der Olympia­ sieger trägt er ein Bärtchen über der Oberlippe. Wenn ihn jemand nach dem Namen fragt, sagt er: „Ich heiße Haile, Haile Gebr­

selassie, genau wie der Champion“, und seine Stimme klingt stolz. Zusammen mit seinem Vater und seinen fünf Geschwistern wohnt er in einer Wellblechhütte im Nordwesten der Stadt, in der Nähe des Merkato, des größten Marktes in Afrika. Mit dem Taxi kommt man hier nur schwer voran, die Gassen sind verwinkelt, überall Felsbrocken und tiefe Schlaglöcher. Ein Chaos aus Eseln und Ochsen, falschen Rolex-Uhren, Bettlern, Straßenkindern und Krüppeln, die sich mit zerschlissenen Plastiksandalen an den Händen über die staubigen Straßen ziehen. Er ist einer der vielen tausend Nachwuchssportler, die sofort hellhörig werden und stolz von ihren Bestzeiten erzählen, wenn sie einem Weißen begegnen. Sie wittern Kontakte, ein weißer Mann steht für Sponsoren und Geld und Zukunft. Haile ist einer von denen, die in Deutschland in Hochleistungszentren trainieren würden. In Addis trainiert er jeden Tag zweimal, essen kann er meistens erst am Abend, injera, äthiopisches Fladenbrot, Fleisch gibt es selten. Seine Paradediszi­ plin ist der 3000-Meter-Hindernislauf, 53


„Wenn man

eine Sache wirklich leidenschaftlich betreibt, soll man sie machen, bis man stirbt.“

Bir atu Wami, ca. 91

Abebe Bikila begründete 1960 als Marathon-Olympiasieger den großen Ruf der Laufnation Äthiopien. Im Ziel sprach er über den verletzt fehlenden Biratu Wami: „Er ist der wahre Champion. Er läuft viel schneller als ich.“

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Athleten und Schüler beim Training auf einem Acker in Addis Abeba.

seine Zeit: 8:52 Minuten; der deutsche Rekord liegt bei 8:09. Haile trainiert allein, ohne Anleitung, ohne Hürden. Die gibt es nur im Stadion, doch dort dürfen nur Mitglieder der Nationalmannschaft trainieren. In Äthiopien gibt es nur eine Tartanbahn, eine Bahn für 70 Millionen Menschen, eine Bahn für die erfolgreichste Langstreckennation aller Zeiten. Ein paar Mal hat er sich nachts schon an den Wächtern vorbei ins Stadion geschlichen, aber es war so dunkel, dass er immer wieder gestolpert ist und sich das Bein verletzt hat, jetzt trainiert er wieder auf der Straße und im Wald. Dort gibt es Hyänen, aber die haben mehr Angst vor ihm als er vor ihnen. Vor einem Loch in der Lehmwand zerstampft eine Frau Knoblauch in einem hölzernen Bottich. Seine Tante, erklärt Haile, seine Mutter sei vor ein paar Jahren gestorben. Drinnen gibt es keine Dusche, nur eine Schüssel mit Wasser, keine Küche, nur ein paar Säcke mit Getreide, eine Sitzecke, insgesamt 30 Quadratmeter für sechs Personen. Über eine hölzerne Leiter kommt man in eine Schlafkammer, Haile muss sich bücken, um nicht an der Decke anzustoßen. Hier schläft er, in einem Bett

mit seinen vier Brüdern. Daneben liegt alles, was er besitzt, auf einer Holzleiste: eine Zweithose, drei T-Shirts, ein Paar Sandalen, ein Paar Laufschuhe von New Balance, drei Bücher. Das Wichtigste: ein Wörterbuch Amharisch-Englisch. Damit lernt er, wenn er im Bett liegt, damit versucht er auch seinen kleinen Brüdern ein paar englische Vokabeln beizubringen. Haile hat Addis noch nie verlassen, noch nie einen Kinofilm gesehen, noch nie ein Mädchen geküsst. „Eine Freundin will ich erst, wenn ich Erfolg habe“, sagt er, „vorher muss ich mich auf das Laufen konzentrieren.“ Er kennt die Biografie seines gleichnamigen Vorbildes, des Mannes, der am anderen Ende der Stadt zwischen Villa und Bürotürmen hin- und herdüst. Gebrselassies Leben motiviert ihn, es spornt ihn an, aber es kann auch gefährlich sein, so einem Leben nachzueifern: Am Anfang sind die Hoffnung und der Eifer, ein unglaublicher Wille, der den Menschen hier zu eigen sein scheint. „I run fast“, „I improve“, „I am eager to win“, das sind die Sätze, die Haile immer wieder sagt. Es sind die Sätze, die alle hier sagen. Es sind wahre Sätze, und

doch werden die meisten von ihnen nie auf einem Podest stehen und die Natio­ nalhymne hören. Trotzdem glauben sie alle so fest an ihren Traum, dass sie die Möglichkeit des Scheiterns nicht auf der Rechnung haben. Sie versuchen, in einen der Klubs zu kommen oder bei regionalen Meisterschaften auf sich aufmerksam zu machen. Sie gehen nicht zur Schule, sie arbeiten nicht, sie suchen nicht mal Arbeit. Sie laufen, sie beten, sie schlafen. Viele kommen aus den Bergen nach Addis, verlassen ihre Familien und versprechen, reich und berühmt zurückzukommen. Ihre Eltern sitzen zu Hause, beten ebenfalls und schicken Briefe und ein bisschen Hirse, Tee oder Getreide in die Hauptstadt. Irgendwann zwischen 20 und 25 merken die meisten, dass es nicht reicht. Die Zeiten sind gut, aber nicht gut genug, die Agenten kommen nicht, das Geld kommt nicht. Und was dann? „Man muss sie machen lassen“, sagt Haile, der Champion. „Ich kenne viele junge Athleten, die werden nie ganz oben stehen“, sagt er, „aber ich würde ihnen nie den Rat geben, aufzugeben. Aufgeben? Im Sport ist das verboten.“ Sie müssten etwas anderes lernen: sich selbst 55


Nachwuchsläufer Haile Gebrselassie beim Training.

„Eine Freundin will ich erst, wenn ich Erfolg habe.  Vorher muss ich mich auf das Laufen konzentrieren.“

Haile Gebrselassie, 18

Er träumt davon, im Stadion trainieren zu dürfen. Und von einer großen Karriere.

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zu helfen. Nicht nur zu laufen, sondern parallel noch zu arbeiten oder zur Schule zu gehen. „Ich mache es doch auch nicht anders. Meine Kinder werden sicher keine erfolgreichen Läufer“, sagt er, „die gehen keinen Meter zu Fuß. Die lassen sich sogar mit dem Auto vor die Schule fahren.“ Luxus mache faul, und wenn jemand ein großer Läufer werden will, müsse er „professionell besessen“ sein. Er sei als Junge immer zehn Kilometer von Bekoji nach Asela zur Schule gelaufen, exakt die Distanz, auf der er jahrelang nicht zu schlagen war. Noch heute hält er den rechten Arm beim Laufen so, als würde er seine Schultasche mit sich tragen. Der junge Haile weiß, dass er ein zweites Standbein braucht. Jeden Abend geht er auf eine Abendschule, wenn er sie ab-

geschlossen hat, darf er als Sportlehrer arbeiten. Die Schule kostet 100 Dollar im Monat, alle Verwandten werfen das Geld in einen Topf, irgendwie kratzen sie das Geld immer wieder zusammen. Warum er sich jeden Morgen quält? Warum er oft ohne Frühstück aus dem Haus geht, um 20 Kilometer zu laufen? Darauf weiß er sofort eine Antwort: „Erstens, weil ich ­berühmt werden will. Zweitens, weil ich viel Geld verdienen will. Drittens, weil ich mit diesem Geld meiner Familie helfen will.“ Von einem ist er überzeugt: Wenn man seiner Familie nicht helfen kann, kann man auch seinem Land nicht helfen. Die Erfolge der äthiopischen Läufer haben viel mit einem Mann zu tun: Dr. Woldemeskel Kostre, der in den vergangenen zwanzig Jahren praktisch jeden Tag


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„Respekt vor den Mitmenschen, Respekt vor dem Trainer, Respekt vor dem Land, Respekt vor der Regierung.“ im Stadion war. Er ist 66 Jahre alt, sieht aber viel älter aus. Vor acht Jahren hatte er einen schweren Autounfall, seitdem geht er am Stock. Nach den Olympischen Spielen in Peking nahm er ein Angebot aus Katar an, vorher aber hatte er jahrelang mit eisernen Prinzipien die besten Langstreckenläufer der Welt geformt. Jeder äthiopische Champion ist durch seine Schule gegangen. Die beruht auf zwei Wörtern: Disziplin und Respekt. „Sportler und Soldaten brauchen Disziplin und Respekt“, sagt er, „Respekt vor den Mitmenschen, Respekt vor dem Trainer, Respekt vor dem Land, Respekt vor der Regierung.“ Er hält nicht viel von Managern, von Sponsoren, von schnellem Reichtum. „Zu viel Demokratie schadet den Sportlern nur“, sagt er, „mit der Demokratie kommt der Müßiggang.“ Die Läufer folgten ihm, weil sie wussten, dass es das Beste für sie ist. 2007 wurde er vom Inter­nationalen Leichtathletik-Verband zum besten Trainer der Welt gewählt. Den Willen, der seine Landsleute auszeichnet, erklärt er sich so: „Äthiopier geben sich nicht geschlagen“, sagt er, „das hat mit unserer Geschichte zu tun.“ Äthiopien sei das einzige Land Afrikas, das seinen Kolonialherrn, nämlich Italien, aus dem Land getrieben habe. Zweimal habe man die Italiener vernichtend geschlagen, praktisch ohne Waffen. Im Laufen wiederhole sich dieses Wunder. Äthiopier laufen nicht gegeneinander, sie laufen für ihr Land, für den Ruhm ihrer Heimat, Gebrselassie laufe nicht gegen Bekele, sie laufen gegen die Uhr, gegen die Bequemlichkeit. Ganz egal, wie viel Geld sie verdient haben, beim nächsten Mal wollen sie schneller sein. Und dann noch schneller. Und dann erzählt er die Geschichte des Mannes, mit dem alles angefangen hat: Abebe Bikila. Abebe Bikila hat 1960 in Rom als erster Schwarzafrikaner olympisches Gold geholt. Beim Marathonlauf hatte er nach zehn Kilometern seine Schuhe weggeworfen und war barfuß, in neuer Weltrekordzeit, über die Ziellinie gelaufen. Als er anschließend gefragt wurde, wie er sich fühle als „erster schwarzafrikanischer Champion“, soll er geantwortet haben: „Ich bin Olympiasieger geworden, aber

Dr. Woldemeskel Kostre, 66

Er hat alle äthiopischen Weltklasseläufer trainiert, mit eiserner Hand: „Äthiopier geben sich nicht geschlagen.“ zu Hause in Äthiopien gibt es einen, der läuft noch besser als ich, der ist der wahre Champion.“ Er meinte Biratu Wami, der wegen einer Verletzung nicht an den Spielen hatte teilnehmen können. Wami wohnt in den Hügeln über Addis. Ein kleines weißes Haus, ein kleiner, quadratischer Garten, über der Wäscheleine hängen ein Teppich und eine Socke. Er glaubt, dass er 91 Jahre alt ist, genau weiß er es nicht. Auf dem Land werden die Geburten nicht registriert. Ein paar seiner acht Kinder und einige Enkel kümmern sich um ihn. Wami trägt einen gelbgrünen Jogginganzug von Adidas, sein Körper, seine Hände und Füße sind riesig, seine Stimme tief, sein Gesicht faltig und zerfurcht. Als er erfährt, dass ein Journalist aus Deutschland gekommen ist, um mit ihm zu sprechen, wird er sichtlich lebendig, springt auf und macht zehn Kniebeugen, um zu zeigen, wie fit er noch ist. „Bikila und ich“, sagt er, „wir haben den Stein ins Rollen gebracht. Damals hatten wir keine Gegner, wir sind gegen Füchse und Pferde gelaufen, und wenn kein Tier in der Nähe war, sind wir gegen unseren eigenen Schatten angetreten.“ Wami geht ins Nebenzimmer, man hört es klappern und klimpern, und dann kommt er wieder, mit zwanzig Medaillen um den Hals. Ein Foto ohne Medaillen, das ergebe keinen Sinn, findet er. Ein

alter Mann, der zu kurz gekommen ist, der sein Leben lang darunter gelitten hat, dass nicht er, sondern Bikila damals die Goldmedaille nach Hause gebracht hat. Aber Wami will auch eine Legende sein, er will, dass die jungen Läufer seinen Namen kennen, dass er in Erinnerung bleibt, also hat er irgendwann ein Versprechen, eigentlich einen Eid abgelegt: zu laufen bis zu dem Tag, an dem er stirbt. Seitdem ist er jeden Tag damit beschäftigt, den Eid einzulösen, sein Versprechen zu halten. Wami läuft jeden Tag, manchmal fünf, manchmal zehn Kilometer, und jedes Jahr nimmt er am Great Ethiopian Run, einem landesweit bekannten Charity-Lauf, teil. „Ich habe es meinem Land versprochen“, sagt er, „also laufe ich weiter. Wenn man eine Sache wirklich leidenschaftlich betreibt, soll man sie machen, bis man stirbt.“ Und deshalb kennen ihn die Menschen in der Stadt, die Nachwuchsläufer, die Straßenkinder vom Meskel Square. Fragt man sie nach ihm, erzählen sie eine kleine Geschichte: Vor vielen Jahren soll ein Taxifahrer Wami auf der Straße aufgehalten und gefragt haben, ob er ihn ein Stück mitnehmen könne, er sei doch Biratu Wami, der bekannte Läufer. Da soll Wami geantwortet haben: „Danke, aber ich laufe lieber, ich habe es eilig.“ 115. Boston-Marathon: Montag (!), 15. April 2011 www.bostonmarathon.org

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Der Sound des Cyborgs

Neil Harbisson kann keine Farben sehen. Doch ein Gerät auf seinem Kopf lässt ihn Farben hören. Eine Geschichte über das Leben in einem Feuerwerk der Frequenzen. Text: Andreas Rottenschlager, Bilder: Dan Wilton

Wer dem Gesamtkunstwerk Neil Harbisson gegenübersteht, muss zu­ nächst seine eigenen Sinne ordnen. Am besten nimmt man sich einen Moment Zeit und mustert den jungen Mann von unten nach oben. Da sind Neils schwarze Lackschuhe, mutig kombiniert mit azur­ blauen Jeans, die zwei dünne Beine umspannen. Über den knallroten Wollpullover schweift der Blick weiter nach oben: ein schmales Gesicht mit hypnotisierend blauen Augen, die Stirn verdeckt von dunkelblonden Strähnen einer Pilzkopf-Frisur. Aus dem Hinterkopf des Katalanen wächst dann noch diese biegsame schwarze Metallantenne, an deren Ende die Kamera befestigt ist – im Gegensatz zu seiner Garderobe wirkt das Ding geradezu dezent. Neil zieht die Kamera über sein linkes Auge: „Das ist der ‚Eyeborg‘. Damit höre ich Farben.“ Dann zieht er die Hose hoch und gibt den Blick frei auf seine gelben Socken. „Ich trage nur Kleidung, die sich gut anhört.“

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de.redbulletin.com/print2.0 Der Sound des Cyborgs.

Neil Harbisson lädt seinen „Eyeborg“ auf. Das Gerät spielt 360 Farbtöne in den Kopf des Pianisten.


„Hi, ich bin Neil. Ich bin farbenblind. Können Sie mir etwas bauen, um Farben zu erkennen?“


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Neil Harbisson ist 28 Jahre alt, ausgebildeter seine Fähigkeiten nicht limitiert. Neil hat ein aus­ Pianist und farbenblind seit seiner Geburt. „Eine gezeichnetes Gehör. Er spielt Klavier, seit er sieben Art Softwarefehler“, sagt er. „Meine Augen sind in ist. Die ersten Stücke komponiert er mit elf – sie Ordnung, aber mein Gehirn kann die Farbinforma­ handeln vom Hass auf Farben. tionen nicht verwerten.“ Die Meereswellen vor sei­ Am 31. Oktober hält Adam Montandon eine nem Heimatort Mataró, rund 30 Kilometer nordöstlich Vorlesung in Dartington. Der damals 23-jährige Univon Barcelona, sind für Neil grau. Genauso wie die saftig Absolvent aus Plymouth gilt als Technikgenie und wurde grünen Bäume vor der Basílica de Santa Maria, die er eingeladen, um über Kybernetik zu sprechen. Neil sitzt so liebt, oder die Dämmerung am Abend, wenn die im Publikum. Es ist Montandons erster Auftritt als Sonne die Umgebung in ein sanftes Orange taucht. Lektor, aber der junge Technikspezialist zieht die Achromatopsie ist der medizinische Fachausdruck Zuhörer völlig in seinen Bann. Montandon präsen­ für Neils totale Farbenblindheit – er sieht nur das tiert eine selbstgefertigte Jacke mit einem Bewe­ graue Abbild einer bunten Welt. gungssensor am Rücken. Er spricht über Cyborgs. Aber Neil kann Farben hören. Er steht am Podium und sagt: „Moderne Technik Der „Eyeborg“, den er am Kopf trägt, verwan­ kann unsere Sinne erweitern.“ delt Farben für ihn in Töne. Die Antennen-Kamera Neil sitzt im Publikum und denkt sich: „Wow!“ ist dabei nur der sichtbare Teil des Apparats, der Teil, Nach dem Vortrag spricht er Montandon an: „Hi, auf den Passanten mit dem Finger zeigen und der Sicher­ ich bin Neil. Ich bin farbenblind. Können Sie mir etwas heitsleute am Flughafen hektisch werden lässt. bauen, um Farben zu erkennen?“ Die eigentliche Schaltzentrale verbirgt sich unter Montandon überlegt kurz: „Sicher.“ Neils Beatles-Frisur. Neil trägt einen Plastikring Am nächsten Tag hat Neil eine Mail im Post­ um den Kopf. An der Hinterseite des Rings ist fach: Es ist die Grundidee zum Eyeborg. ein streichholzschachtelgroßer Chip mit einem Der Tag, an dem Neil Harbisson zum ersten Mal 60-Megahertz-ARM7-Prozessor befestigt. Die Farb­ Farben hört, ist der 22. März 2004. Neil und Adam informationen der Kamera verwandelt der Chip stehen wieder im Music Studio 1, Dartington Col­ in Töne, indem er die Lichtfrequenzen der Farben lege – dieses Mal beide am Podium. Die Urversion in Schallfrequenzen übersetzt (Neils empfangbares des Eyeborgs wird vor Studenten getestet. Spektrum von 360 Mikrotönen reicht von 349,23 bis Neil hat Kopfhörer aufgesetzt, Adam hält die Kamera 697,11 Hertz, was annähernd einer Oktave von F in der Hand. Er richtet die Linse auf einen bedruck­ Cyborg-Kunst [f 1] bis beinah F [f ²] am Notenblatt entspricht). ten Zettel: Es ist das Logo des Betriebssystems Win­ Neil Harbisson visualisiert Richtet Neil die Kamera etwa auf eine rote Rose, hört Klavierstücke (oben: Rachmani- dows. Die erste Farbe, die Neil hört, ist Rot. Dann er die Note F (= 349,23 Hertz), schaut er hinunter nows 3. Klavierkonzert, falls Sie Gelb, Blau und Grün. es nicht erkannt haben) und auf seine gelben Socken, spielt der Eyeborg ein G. Als die Vorlesung vorbei ist, schnappt sich Neil scannt Gesichter berühmter Die Übertragung der Tonsignale funktioniert Kamera und Kopfhörer. Er läuft den Gang entlang. Künstler (Mitte: Mikroton-Gra- Vor einer Anschlagtafel hört er einen vertrauten über zwei Mini-Lautsprecher, die sich über Neils fik von Nicole Kidmans Lippen). Schläfen befinden und an seiner Kopfhaut auf­ Ton. Er bleibt stehen. „Diese Tafel ist rot“, sagt er. liegen. Sie spielen die Töne per Knochenleitung „Es war verrückt und aufregend“, erinnert sich ­direkt in den Kopf. (Schlagen Sie eine Stimmgabel an und pressen Neil. „Der Eyeborg hat mir einen neuen Wahrnehmungssinn Sie den Griff an Ihre Schädeldecke – so hört Neil die Welt.) gegeben. Nach 15 Minuten konnte ich bereits vier Farben unter­ Die Töne hört Neil permanent, die Farb-Ton-Wahrnehmung scheiden. Ich bin mit dem Eyeborg herumgelaufen, bis der Akku interagiert dabei mit seinen restlichen Sinnen. Zwölf bis achtzehn leer war. Durch die Gänge, über den Campus, durch die Stadt. Stunden geht das so, je nach Intensität der wahrgenommenen Ich wollte mir die Häuserwände anhören. Sie waren bunt.“ Farben. Dann muss der Akku aufgeladen werden. Der Eyeborg Neil beschließt, den Eyeborg permanent an seinen Kopf zu hat dafür einen USB-Anschluss. Wenn Neil unterwegs ist und die ­installieren. Das erste Modell sieht aus wie ein Paar Kopfhörer Töne leiser werden, geht er zu McDonald’s, bestellt einen Kaffee mit aufgeklebter Billig-Webcam. „Die Leute haben mich aus­ und steckt sich an. Er trägt den Eyeborg 24 Stunden am Tag. gelacht, als sie mich mit diesem Ding am Kopf sahen. Aber mit „Er ist wie ein Ehering, ich spüre ihn gar nicht mehr“, sagt der Zeit habe ich das Gefühl, lächerlich zu sein, verloren. Heute Neil. Beim Duschen bedeckt er den Chip mit Plastikfolie, und ist es mir egal, was andere über mich denken.“ in der Nacht sendet der Eyeborg sowieso keine Signale, da er Schwarz nicht empfängt. „Seit ich Farben hören und unterschei­ Besorgt zeigt sich auch der Pfarrer von Mataró, der eines Tages den kann, fühle ich mich nicht mehr ausgeschlossen. Zu Beginn bei Neil vorstellig wird. Gott habe in seinem Plan keine Men­ hatte ich fünf Wochen lang Kopfweh wegen der Töne. Dann hat schen mit Eyeborgs vorgesehen, so sein theologischer Einwand. sich mein Gehirn daran gewöhnt.“ Neil solle das Gerät wieder abdrehen und seine Farbenblindheit akzeptieren. Die Wahrnehmung der Welt ändert sich für Neil im Oktober Doch für Neil ist der Eyeborg Teil seines Körpers, ein Extra­ 2003. Zu dieser Zeit studiert er Komposition am Dartington Col­ sinn, der seine natürliche Schwäche ausgleicht. Da Neil gern lege of Arts im Südwesten Englands. Im Bereich der Töne sind reist, ergibt sich bald ein Problem: Im Post-9/11-Zeitalter sind 61


Kidman: „Filmen Sie mich etwa?“ Harbisson: „Nein, ich höre die Farben in Ihrem Gesicht.“ Kidman: „Soll das ein Scherz sein?“


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am Kopf installierte technische Geräte verdäch­ tig. Vor allem auf Flughäfen. Und ganz besonders dann, wenn sie komische Geräusche von sich geben. Als Neil 2004 seinen britischen Pass verlängern lassen will (er ist Doppelstaatsbürger), schickt er ein Foto, auf dem er den Eyeborg trägt: Neil mit schulter­ langem Haar, einen schwarzen, kaum erkennbaren Appa­rat am Kopf. Die Passbehörde akzeptiert das Bild nicht. „Kein elektronisches Equipment“ sei am Foto erlaubt, so die Begründung. Neil schreibt an seinen Arzt. Und er schreibt an Adam. Adam und der Arzt schreiben Briefe an die Passbehörde. Neils Arzt argumentiert, sein Patient fühle sich körperlich unwohl ohne den Eyeborg, er sei wichtig für seine Gesundheit, Adam erklärt die technischen Hintergründe. Neil gewinnt den Kampf. Auf seinem aktuellen Pass­ foto trägt er den Eyeborg am Kopf, als Teil seines Körpers. Das Dokument beweist Neils Status als Cyborg, als Mensch, der kybernetische Techno­ logie benutzt, um seine körperlichen Sinne zu erweitern.

Harbisson: „Nein, ich höre die Farben in Ihrem Gesicht.“ Kidman: „Soll das ein Scherz sein?“ Harbisson: „Nein, ich will die Klangfrequenzen in Ihrem Gesicht erkunden.“ Kidman: „Na gut, wie klinge ich denn?“ Harbisson: „… rot.“ Kidman: umwerfendes Lächeln. Um Woody Allen zu erwischen, muss sich Neil im März 2010 am Hinterausgang des Palau de la Música in Barcelona an zwei Bodyguards vorbei­ drängen. Allen hat seine geliebte Klarinette dabei, als Neil ihn anspricht: Er wolle ein Tonporträt von Allens Gesicht anfertigen. Der Regie-Altmeister antwortet mit unverständlichem Gemurmel. „Ich musste ihm die Sache erst genauer erklären“, sagt Neil. „Dann hat er sein Gesicht zu mir gedreht. Er sah ein wenig beunruhigt aus, als ich ihn mit dem Eyeborg untersuchte.“ Vor allem Woody Allens schrill klingende Lippen seien außergewöhnlich, meint Neil. Sie lägen im Bereich der Note F. Neils gesammelte Soundporträts von Prinz Die Farb-Ton-Wahrnehmung hat Neils Hirn zu Charles und Nicole Kidman, Woody Allen und einem Experimentierlabor für kybernetische Kunst Montserrat Caballé oder Leonardo DiCaprio kann gemacht. man sich auf YouTube anhören („Sound Portraits by Dank seines musikalischen Gehörs kann Neil nicht Neil Harbisson“). Was man gleich beim ersten Anhören nur Farben anhand von Tönen erkennen, sondern merkt: Nicole Kidmans Gesichts-Akkord klingt har­ Cyborg-Technik auch Töne in Farben zurückübersetzen. Im Trep­ monischer als der von Prinz Charles. Der Ur-Eyeborg aus dem Jahr penaufgang seines Elternhauses in Mataró hängen 2004 (o., am Styroporkopf), das Neil meint, das liege an ihren türkisen Augen. visualisierte Sinfonien, die Neil gemalt hat: Die 2011er-Modell (Mi., auf Neils Kopf) und der „Sonochromati- „To be or not to be a Cyborg“, steht auf der Lein­ hundert ersten Noten von Mozarts „Kleiner Nacht­ sche Farbkreis“ (u., Ausschnitt), wand im Konferenzsaal des Museu Marítim in musik“, dargestellt in bunten Rechtecken, begin­ der 360 Farbnuancen 360 Ton- Barcelona. Neil Harbisson, der Cyborg-Künstler, nend in der Mitte mit dem ersten Ton. Es ist ein frequenzen zuordnet. schrilles Abbild klassischer Musik. der sich wie ein Dandy kleidet, hält einen Vortrag „Mozarts Hauptfarbe ist Gelb“, erklärt Neil, über sein Leben – 28 Jahre in 18 Minuten. „Einem „Lady Gaga klingt nach sattem Pink.“ Farbenblinden nutzt es nichts, wenn man ihm erklärt, dass sich Wie spannend das Kunstverständnis eines Cyborgs sein kann, die Rotkreuzstation hinter dem gelben Haus befindet“, sagt Neil. zeigen Neils Soundporträts berühmter Menschen. Seit 2005 Bunte Folien flitzen über die Leinwand: Farbskalen, Neil als scannt er deren Augen-, Lippen-, Haar- und Hautfarbe und fügt ­Comicfigur, das Foto mit Woody Allen. die Töne zu einem Akkord zusammen. Erste Versuchsperson ist Dann erscheint die nächste Grafik: „Cyborg Foundation“, der englische Thronfolger Prinz Charles, als er 2005 Dartington steht da, Neils großes Projekt für 2011. College besucht. „Wir wollen Menschen, die ihre Sinne mit kybernetischen „Er hat mein elektronisches Auge bemerkt. Ich habe ihn höf­ Mitteln erweitern möchten, unser Know-how zur Verfügung lich gefragt, ob ich mir sein Gesicht anhören kann“, erzählt Neil. stellen“, sagt Neil. Die Cyborg Foundation, ein kleines Büro am Der Thronfolger zeigt sich interessiert und hält still. Neil tastet TecnoCampus in Mataró, soll eine Art Beratungsstelle werden. dessen Gesicht mit der Kamera ab. Als die Prozedur vorbei ist, Der TecnoCampus, ein weitläufiger Forschungspark mit Meeres­ schütteln der Cyborg und der Prinz einander die Hand: „Wahn­ blick, beinhaltet Computerlabore und wissenschaftliche Einrich­ sinn, was man heutzutage alles anstellen kann“, sagt Prinz tungen. Neil und seine Kollegin Moon Ribas fungieren dort als Charles und geht wieder. Kontaktpersonen. „Blinde können den Eyeborg nutzen oder Neil analysiert: „Charles’ Lippen klingen wie ein hohes E. Leute mit Achromatopsie“, sagt Neil. „Wir helfen bei der Planung Aber sein Haar konnte man fast nicht hören.“ und Herstellung neuer Eyeborg-Geräte.“ 2007 läuft Nicole Kidman Neil in London vor die Linse, als Ob er sein Projekt unter ein Motto stellen möchte? sie Autogramme am Leicester Square schreibt. Auch sie bemerkt „Ja, die Welt braucht mehr Cyborgs – rufen Sie uns an.“ Neils Eyeborg sofort: Der Cyborg-Künstler in der digitalen Welt: www.neilharbisson.com Cyborg-Technik für neugierige Menschen: www.cyborgfoundation.com Kidman: „Filmen Sie mich etwa?“ 63


Karawane der Träume

Der große Weg der alpinistischen Pionierin Wanda Rutkiewicz. Text: Gertrude Reinisch*, Bilder: Frieder Blickle/laif

Wanda Rutkiewicz auf einem Porträt aus dem Jahr 1988, 45-jährig. Seit 1992 ist sie verschollen.


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In den letzten Jahren ist zwischen den besten Berg­ steigerinnen der Welt ein erbarmungslos geführter Wettkampf um die Erstbesteigung sämtlicher vierzehn Achttausender-Gipfel entbrannt. Am 27. April 2010 stand die 44-jährige Südkoreanerin Oh Eun Sun auf der 8091 Meter hohen Annapurna und hatte damit den Wettlauf für sich entschieden. Ihre Leistung ist allerdings umstritten. Die heute 37-jährige Baskin Edurne Pasaban konnte am 17. Mai 2010 durch die Besteigung des Shishapangma (8027 m) mit Sun gleichziehen. Der 40-jährigen Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner fehlt nur noch der K2 im Karakorum, an ihm ist sie bereits mehrmals gescheitert. Kaltenbrunner lehnt die Idee eines Wettrennens der besten Bergsteigerinnen der Welt ab – und befin­ det sich damit wohl am ehesten in der Nachfolge der ­ersten Extrem-Alpinistin der Neuzeit, der Polin Wanda Rutkiewicz. Am 12. Mai 1992 brach Wanda Rutkiewicz gemein­ sam mit dem Mexikaner Carlos Carsolio zum Gipfel des Kangchendzönga auf, des mit 8586 Metern dritt­ höchsten Berges der Welt. Carlos gelang der Gipfel­ sieg noch am selben Tag, Wanda war nicht ganz gesund und daher langsamer unterwegs. Sie musste unter dem Gipfel biwakieren. Seither gilt sie als vermisst. Nach 22-jähriger Expeditionserfahrung, die sie bei mehr als zwanzig Expeditionen gesammelt hatte, verlor sich ihre Spur auf 8300 Meter Höhe beim Ver­ such, ihren neunten Achttausender zu erklimmen. Eine kleine Gedenktafel im Basislager trägt ein Zitat der großen Pionierin des weiblichen Extrembergstei­ gens: „Meine Furcht verschwand, und ich verspürte eine große Freiheit!“

Auf neuen Wegen. „Ich stamme aus einer polnischen Familie in Litauen“, sagte Wanda Rutkiewicz in ihrer Biografie*, „und bin am 4. Februar 1943 in Płungiany (litauisch: Plungė; Anm.) als zweites von vier Kindern geboren, im Sternzeichen des Wassermanns und im tibetischen Jahr des Wasserschafs.“ Wandas Familie war von den Russen enteignet worden und zog in der Nachkriegszeit nach Breslau in ein Reihenhaus, das einer Ruine glich. 1948 verlor sie ihren älteren Bruder, als er gemeinsam mit Nachbars­ buben eine Mine fand und versehentlich zur Detona­ tion brachte. Keines der spielenden Kinder überlebte die Explosion: „Ich bin nur am Leben, weil siebenjäh­ rige Buben nicht mit fünfjährigen Mädchen spielen.“ Wanda zog sich in ihre eigene Welt zurück, lernte, während andere spielten. Als Sechzehnjährige matu­ rierte sie und begann ein Studium an der Technischen Hochschule. „Wie andere sich in Schauspieler ver­ lieben, faszinierten mich die großen Wissenschaftler, die Physiker, Mathematiker und Chemiker. Die Mathe­ matik schien mir als Schlüssel zur Welt.“ Wanda war achtzehn, als sie eine neue Leiden­ schaft entdeckte: das Klettern. „Die Kursleiter der Szkoła taternictwa, einer Bergsteigerschule in der Hohen Tatra, hielten wenig davon, Frauen im Berg­ steigen auszubilden. Bergsteigen galt als Männer­ sport. Aber ich war auf Anhieb fasziniert und erlebte dieses Ereignis als innerliche Explosion. Die Berge waren für mich Orte des Friedens und der Freiheit, in den Bergen fühlte ich mich zu Hause. Bald bedeuteten sie alles für mich, weil ich dort glücklich war.“ 1964 hatte die Einundzwanzigjährige erstmals Gelegenheit, in den Westen zu reisen, nach Öster­ reich, um in den Alpen zu klettern. Bei sich hatte sie einen Rucksack voll Verpflegung, 20 US-Dollar für sechs Wochen und – für Notfälle – die Bernsteinkette ihrer Mutter. 1966 kam Wanda zum Mont Blanc. Sie bestieg ihn mehrmals, beladen mit schweren Ruck­ säcken, die gesamte Strecke vom Fuß bis zum Gipfel, weil das Geld nicht für Liftkarten reichte. Frauen spielten in der männlich dominierten Extrembergsteigerszene Mitte der 1960er Jahre de facto keine Rolle. Wanda wollte diese Dominanz durchbrechen, „ich wollte mit Frauen bergsteigen, selbst Verantwortung übernehmen, statt mich von Männern auf Gipfel führen lassen“. Ihr war der Ge­ danke unerträglich, als Frau lediglich Aufputz einer Männer-Expedition zu sein. „Für mich zählt vor allem, wie ich hinaufgekommen bin, ob es mir aus ­eigener Kraft gelungen ist und meine Entscheidungen richtig waren.“ 1968 durchstieg Wanda mit Landsfrau Halina Krüger-Syrokomska als erste Frauenseilschaft die Riesenwand des Trollryggen-Ostpfeilers in Norwegen, auch die Eiger-Nordwand (Nordpfeiler-Route, 1973) und die Winterbesteigung der Matterhorn-Nordwand gelangen ihren Frauenteams, nachdem berühmte Männerseilschaften davor gescheitert waren. Am 7. März 1978 stiegen drei Polinnen unter Wanda Rutkiewicz’ Leitung in die gigantische Nord­ wand des Matterhorns ein, nachdem es fünf Tage lang geschneit hatte. Die Frauen bewältigten seilfrei die unteren Eisfelder und kamen zügig voran. Den schwierigsten Teil der Wand bildeten mit lockerem 65


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Reise wollte Wanda in einer gemischten Expedition auf neuer, schwieriger Route auf den Gasherbrum II (8034 m). Wanda war das erste Mal Expeditions­ leiterin. Ihr größter Gegner war das Misstrauen der anderen Teilnehmer, denn niemand traute ihr zu, den Gipfel zu erreichen, und schon gar nicht, die Expedition zu leiten. Doch Wanda ließ sich nicht beirren. „Beide Gipfel gelangen, und es war vielleicht eine der erfolgreichsten Expeditionen, die Polen je durchgeführt hat.“

Schnee bedeckte Felspassagen. Hier banden sich die Bergsteigerinnen ins Seil und kamen nur langsam voran. Für die Nacht hackten sie eine schmale Platt­ form aus dem Eis und krochen in zwei Biwaksäcke. „Unsere Ausrüstung war völlig ungeeignet für so eine Unternehmung, aber in Polen gab es zu dieser Zeit nichts Besseres.“ Der Wind wurde immer heftiger, die Kälte unerträglich, aber es gab kein Zurück mehr. Am vierten Tag erreichten die Polinnen den Zmuttgrat am Ende der Wand. Der Sturm wurde immer stärker. Irena Kesa war bereits völlig apathisch und litt unter Gleichgewichtsstörungen. Sie mussten nochmals biwakieren, Wanda versuchte über Funk Hilfe zu holen, erhielt aber keine Antwort, weil das Gerät defekt war. Ihr Hilferuf war – was Wanda nicht wissen konnte – dennoch gehört worden, und die schwierige Bergung mit dem Rettungshubschrauber wurde noch in der Nacht eingeleitet. Sie wurden geborgen. Wanda wollte trotzdem selbst absteigen, um die Tour zu voll­ enden. „Es hätte nur noch einen Tag gedauert, aber man kann nicht mit einem Bergretter streiten, wenn der Pilot bei diesen Witterungsverhältnissen sein ­Leben für uns riskiert hat.“ Nach dieser Tour waren Wandas Füße schwarz und geschwollen aufgrund der Erfrierungen, die sie sich ­zugezogen hatte. „Da man mich 1975 nicht zur polnischen LhotseExpedition mitgenommen hatte, beschloss ich, selbst eine zu organisieren.“ Mit diesem Satz begann die Geschichte der ersten polnischen Frauen-Expedition. Sie setzte sich den Gasherbrum III (7952 m) im Kara­ korum in Pakistan zum Ziel, den höchsten bis dahin unbestiegenen Gipfel der Erde. Im Rahmen derselben

”In Panik schrie ich nach den rasch verschwindenden Berg­ steigern. Jetzt durfte ich nicht mehr aufgeben. Ich mobilisierte meine ­innersten Reserven.“ 66

Am Gipfel. „Die anderen stiegen einfach weiter, ließen mich stehen, als ich verzweifelt im Schnee nach meiner Sauerstoffflasche suchte. Meine Knie zitterten, ich war an einem emotionalen Tiefpunkt angelangt. War es der Gipfel überhaupt noch wert, darum zu kämpfen? In Panik schrie ich nach den rasch verschwindenden Bergsteigern. Sherpa Mingma antwortete, dass er meine Flasche habe. Jetzt durfte ich nicht mehr aufgeben. Ich mobilisierte meine ­innersten Reserven.“ Wanda folgte den Spuren der Männer im tiefen Schnee und balancierte seilfrei über die eisverkrustete Kante zwischen Südgipfel und Hillary Step. Schnee und Eis rutschten zu beiden Seiten in die Tiefe. ­Tausend Meter Abgrund lagen unter ihr. „Mir wurde ganz eigenartig in der Magengrube. Ich hatte Angst, abzustürzen und kein Mensch würde es bemerken. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr. Ich riss die Sauerstoffmaske vom Gesicht und sah die anderen am Gipfel. In diesem Moment konnte mich nichts mehr aufhalten. Man kann viel mehr leisten, als man glaubt. Um 14 Uhr stand ich auf dem höchsten Punkt der Erde. Ich war so glücklich. Als ich mich umsah, meinte ich die Wölbung der Erdkugel zu erkennen … Am meisten bedeutet mir, dass ich als erste Person aus Polen den Everest besteigen hatte, und zwar am selben Tag, an dem Karol Wojtyła zum Papst gewählt wurde. Aber nicht nur ich, jeder hat in seinem Leben irgendwo einen Everest zu besteigen. Mein Erfolg war der Beweis, dass jedem gelingen kann, was man sich vornimmt.“ Mit der Gage für die Mitwirkung an einem ­Dokumentarfilm über Frauen im Himalaya kaufte sich Wanda ein zweites Auto. Sie hatte die Rallye­Lizenz geschafft und tunte ihren Polonez für Auto­ rennen. „Ich bin keine bescheidene Frau, sondern liebe gute Autos, elegante Sachen, schöne Kleider …“ Wanda arbeitete zu dieser Zeit in der Computer­ systementwicklung in Warschau und ließ sich dort als erstes Solidarność-Mitglied eintragen. Aufgrund ihrer Erfolge sowie jener anderer polnischer Expeditionen erreichten Bergsteiger in Polen eine Popularität wie Olympiamedaillengewinner. 1986 setzte sie als erste Frau der Welt ihren Fuß auf den Gipfel des K2 (8616 m), eine unglaubliche Leistung, die jedoch von tragischen Unfällen über­ schattet wurde: Siebzehn Tote blieben auf dem K2


zurück. „Ich habe viele Freunde am Berg verloren, aber von einer Leidenschaft wie dem Bergsteigen kommt man nicht weg, auch wenn man dabei dem Tod begegnet. Den Geschmack des Lebens erkennt man am besten, wenn man es verlieren kann.“ Wanda hatte damals längst bewiesen, dass Frauen imstande waren, am Berg ebensolche Leistungen zu erbringen wie Männer. Sie war zu einem Symbol der Emanzipation geworden. „Wanda Rutkiewicz lebt die Emanzipation in der Tat und braucht nicht mehr dar­ über zu reden. Ihre Leistungen sind keine Argumente, sondern Beweise“, sagte Reinhold Messner voller An­ erkennung über die größte Bergsteigerin ihrer Zeit. Alleingang. „Bergsteiger sind anders als andere Menschen, deshalb finden sie nur schwer einen Part­ ner, der wie sie denkt. Eigentlich bewundere ich die Frauen berühmter Alpinisten mehr als diese selbst, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Mann mit so einem Leben einverstanden wäre“, sagte Wanda Rutkiewicz einmal. Wandas erste Ehe mit Wojtek Rutkiewicz, dem Sohn des damaligen stellvertretenden polnischen Gesundheitsministers, scheiterte 1973 nach drei Jahren am Unverständnis des jungen Ehemannes für Wandas fanatische Bergbegeisterung. Ihre angestreb­ ten Ziele entsprachen nicht dem herkömmlichen Bild einer Ehefrau. Ihre zweite Ehe mit dem Innsbrucker Arzt Dr. Helmut Scharfetter war aus einer jahrelangen tiefen Freundschaft erwachsen, doch auch dieser Traum vom häuslichen Glück mit zwei Stiefsöhnen war 1984 nach drei Ehejahren ausgeträumt: „Wenn man verliebt ist, zählt nichts anderes. Man akzeptiert sich gegenseitig mit allen Fehlern. Bis man mit der Wirklichkeit konfrontiert wird und feststellen muss, dass man sich gegenseitig nur noch weh tut. Ich hatte geheiratet, weil ich glaubte, dass Ehe und Kinder zu meinen Lebensaufgaben gehören. Als mir bewusst wurde, dass mich familiäre Pflichten nicht zufrieden­ stellen, und ich keine Rolle spielen konnte, die zu mir passte, sah ich keinen anderen Ausweg als die Trennung.“ Mit dem deutschen Expeditionsbergsteiger Kurt Lyncke schien Wanda Rutkiewicz endlich einen pas­ senden Partner gefunden zu haben, als es mit einem Schlag auch schon wieder zu Ende war: Am 24. Juli 1990 stürzte Lyncke, nur wenige Meter hinter Wanda, vom Broad Peak 400 Meter tief zu Tode. Diesen tragi­ schen Verlust hat sie nie überwunden. „Ich bewun­ derte ihn für alles, konnte bei ihm aufblühen. Er wirk­ te stimulierend auf mich. Als er verunglückte, hasste ich zum ersten Mal in meinem Leben die Berge.“ Wandas Lebensphasen daheim verliefen immer chaotischer: Ihr blieb immer zu wenig Zeit zwischen Ankunft und Aufbruch. Stets nahm sie sich zu viel vor, hetzte von einem Termin zum nächsten, hatte kaum noch Zeit zum Schlafen oder für ihr Privat­ leben. Wanda erledigte private oder berufliche Ter­ mine im Eiltempo, meist Stunden oder sogar Tage später als angekündigt, immer völlig erschöpft nach nächtelangen Autofahrten. Aber die Umstände waren nebensächlich, Freunde, Fans und Medien zeigten sich ausnahmslos von der Persönlichkeit Wandas ver­ zaubert – und sie waren zunehmend besorgt. Wanda

”Bergsteiger sind anders als andere Menschen, deshalb finden sie nur schwer einen Partner, der wie sie denkt.“ war die Unvernunft in Person, attraktiv, charisma­ tisch, faszinierend und völlig unberechenbar. Erst wenn sie die Zivilisation wieder hinter sich lassen und sich der nächsten Expedition stellen konnte, fand sie zur Ruhe und damit auch zu sich selbst. 1990 hatte die 47-jährige Wanda Rutkiewicz bereits sechs der vierzehn Achttausender bestiegen. Noch acht weitere Gipfel, und sie wäre nach Rein­ hold Messner und dem ein Jahr zuvor am Lhotse ver­ unglückten polnischen Landsmann Jerzy Kukuczka der dritte Mensch gewesen, der alle Achttausender bewältigt hätte. Doch Wanda wollte noch mehr: „Ich strebe an, diese acht Gipfel in etwas mehr als einem Jahr zu besteigen. Ich nenne meinen Plan ‚Karawane der Träume‘, da ich versuche, etwas durchzuführen, das nur im Traum möglich zu sein scheint. Ich wer­ de einfach losziehen von Berg zu Berg, wie es die Karawanen schon immer getan haben.“ Mit dieser unglaublichen Tour hätte sich Wanda sowohl die kostspieligen Anreisen als auch die langwierigen ­Akklimatisationszeiten erspart. Die immense Lang­ zeitbelastung ohne Erholungspausen wollte sie mit mentaler Kraft, eiserner Kondition und jahrzehnte­ langer Bergerfahrung wettmachen. Anfangs ging auch alles gut. Nach zwei erfolg­ reichen Besteigungen im Alleingang (1991: Cho Oyu, 8201 m, und Annapurna-Südwand, 8091 m) wollte Wanda Rutkiewicz auf den Kangchendzönga (8586 m), den dritthöchsten Berg der Welt. Am 12. Mai 1992 war ihr Bergkamerad Carlos Car­ solio der letzte Mensch, der Wanda Rutkiewicz sah. Ihr Leichnam wurde bis heute nicht gefunden. *Die Autorin: Gertrude Reinisch, geboren 1952 in Piesting (Niederösterreich), Journalistin und Buchautorin, Filmemacherin, staatlich geprüfter Lehrwart Hochalpin, lebte mehr als drei Jahre in verschiedenen Himalaya-Ländern und bestieg dort viele Gipfel bis 7800 Meter. Sie begegnete Wanda Rutkiewicz erstmals im Jahr 1986, war 1990 Teilnehmerin von Wanda Rutkiewicz’ polnischer Expedition auf den Hidden Peak (bis 6600 m). Reinisch ist die Verfasserin der Biografie „Wanda Rutkiewicz – Karawane der Träume“ (Bergverlag Rother), die auch auf Englisch, Italienisch und Lettisch erschien.

Mehr starke Frauen in den Bergen: edurnepasaban.net oes.chosun.com www.gerlindekaltenbrunner.at

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Mattenspringer Ein Teenager schickt sich an, die Snowboardwelt zu erobern. Das Besondere daran: Er kommt aus England. Und Schnee kannte er die l채ngste Zeit nur aus dem Fernsehen. Text: Ruth Morgan, Bilder: Richie Hopson


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So sieht das heut­ zutage aus, wenn ­Jamie Nicholls abhebt. Der Winter findet für den britischen Teenager mittlerweile zwischen Österreich, Norwegen und der Schweiz statt.


Falls Sie zufällig in der ­ egend sind: Das ist das G Halifax Ski & Snowboard ­Centre, der Ort, an dem Jamie seine Liebe und sein Talent für den Sport entdeckt hat.

bilder: Christian Brecheis

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erdammt, ist das lang her, dass ich zum letzten Mal da war“, grinst der britische Snowboard-Freestyle-Champion Jamie Nicholls über seine Schulter, wobei der blonde Haarschopf nur notdürftig von einer großen Haube gebändigt wird. Erst gestern ist er aus dem tief verschneiten Mayrhofen in Tirol zurückgekommen, Welten weg von jener Dry-Slope-Anlage im heimischen West Yorkshire, die so lang seine Heimat war. Dry Slope: In schneeverwöhnten Alpenregionen kennt man dieses Substitut nicht, das in anderen Weltgegenden eine Ahnung vom endlosen Gleiten vermitteln soll. Der Dry-SlopeConnaisseur hingegen unterscheidet Dendix (entspricht etwa einer riesengroßen Drahtbürste, Jamie hat auf diesem eher unbarmherzigen Material begonnen) und Snowflex, das man hierzulande von den TV-Übertragungen sommerlicher MattenSkispringen kennt und das an überdimensionierte Fußabstreifer erinnert. Die Plastikborsten müssen, damit sich vernünftige Gleiteigenschaften einstellen, bewässert werden, was jetzt die Frage aufwirft,

­ arum der Engländer in diesem Fall ausw gerechnet von Dry Slope spricht. Sei’s drum. Genau hier, auf den Matten in den Yorkshire Pennines, mit Blick auf das Grün und Braun der umliegenden Äcker, hat eine Karriere begonnen, die unseren Mann in die unendlichen Powder-Weiten der Welt geführt hat. In Mayrhofen hat Jamie heuer schon Filmaufnahmen gemacht, sich in Laax mit der Weltelite ein Apartment geteilt und beim wichtigsten Event der Ticket To Ride (TTR) World Tour, dem Burton Open, seinen Mann gestanden. Zuvor hatte Sponsor Nike 6.0 ihn und den Rest des Teams auf den Folgefonna-Gletscher in Norwegen geflogen, den feuchten Traum jedes Boarders. Ziel: gefälliges Spielen auf 8-Meter-Kickern in einem unwirklichen Winterwunderland. Spätestens hier hätte man einen Jungen aus der näheren Umgebung von Leeds endgültig nicht mehr vermutet. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist einerseits zu bizarr, andererseits zu logisch und konsequent gelebt, als dass man sie hier verschweigen könnte.

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ls Nicholls erstmals mit Dry Slope in Kontakt kam, war er sieben, die Schuhe waren drei Nummern zu groß, und das Board ließ ihn noch kleiner aussehen, als er ohnehin war. Seine Familie hatte ein Hobby für alle gesucht, und Halifax war vom Heimatort Queensbury (wo sie noch heute wohnen) keine halbe Autostunde entfernt. So einfach war das

damals. „Dass es Menschen gab, die vom Snowboarden leben, habe ich nicht einmal gewusst. Ich wusste nur, dass es Spaß macht, und ich wollte boarden, wann immer es ging.“ Mit acht Jahren zog der Knirps schon seinen ersten Sponsor an Land, den er mit einem perfekten Backside 360 bei einer Competition in Hillend, Schottland, überzeugte. Jamie hatte das Glück, genau am richtigen Fleck zu sein – so richtig ein Boarder in England eben sein kann. Wayne Taylor, 36-jähriger Snowboard­ lehrer und Shop-Besitzer aus Halifax, dem Zentrum der Szene, erinnert sich: „Jamie war von Anfang an anders als die übrigen Kids. Sehr bald nachdem er den Idiotenhügel hinter sich hatte, wurde er zu meinem Schatten. Er war immer der Jüngste der Bande, aber wann immer du ihm gesagt hast, er soll dies oder jenes machen, hat er es gemacht, ohne sich groß was zu pfeifen. Weil er nicht nur der Jüngste war, sondern auch der Kleinste und Leichteste, war es einfacher, den Zwerg zu schnappen und ihn mit dem Board an den Füßen den Hügel raufzutragen, anstatt ihn abschnallen und zu Fuß gehen zu lassen. Oben haben wir ihn dann abgestellt, Richtung Kicker gedreht, und schon war er wieder unten.“ Bald schon gewann Jamie Nicholls ­Junior Contests, mit vierzehn schlug er erstmals die besten Erwachsenen in England, und im Vorjahr, mit sechzehn, hätte er bei den Staatsmeisterschaften beinahe alles abgeräumt: Nur Silber im 71


„Völlig egal, wie der Untergrund heißt: Ich will mich immer verbessern und das Limit suchen.“


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Big Air brachte etwas Farbe in die ansonsten uniform goldene Trophäensammlung (Halfpipe und Slopestyle). In seiner ersten Pro-Season holte er mit einem TopTen-Resultat beim FIS Big Air World Cup in London das beste Ergebnis eines Briten in der Geschichte, und das als Rider, dessen Stärken eindeutig im Slopestyle mit seinen Hindernissen, Rails und Boxen liegen. Platz 13 beim Burton European Open in Laax bescherte ihm einen der begehrten Fixplätze für den nächstjährigen Event und hob ihn endgültig über den Status eines bloßen Talents empor. Ed Blomfield, Redakteur des britischen Snowboard-Magazins „Whitelines“, dessen Coverboy Nicholls jüngst war, sagt auf Nachfrage: „Er hat absolut inter­ nationales Niveau. Für sein Alter ist er extrem weit. Praktisch seine gesamte Karriere liegt noch vor ihm. Er hat das Potential, bei den ganz großen Contests aufs Podium zu fahren oder sie überhaupt zu gewinnen.“

bilder: Gavin Hope/afterbang.co.uk

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nternationale Auguren und Kiebitze haben den Jungen von der Insel frei­ lich schon seit 2006 auf der Rechnung: Damals hatte es der nicht einmal Vierzehnjährige in den Streifen „In Short“ der deutschen Boarder-Legende David Benedek geschafft. Der wollte eine DrySlope-Sektion in seinen Film einbauen, und über Vermittlung von Sponsor Salo­ mon wurde Benedek auf Halifax und somit Jamie Nicholls aufmerksam. Journalist Blomfield: „Als Benedek den Film in Japan und Kalifornien zeigte, hat die Halifax-Session den meisten Applaus gekriegt. Vor allem Jamies 900er auf Plastik hat es geschafft, die Jungs aus den Schuhen zu kicken. Die meisten konnten den damals nicht einmal auf Schnee stehen.“ Endlich, das S-Wort: „Als ich nach ein paar Jahren zum ersten Mal tatsächlich auf Schnee gefahren bin, wollte ich sofort wieder auf mein geliebtes Plastik zurück“, erinnert sich Jamie an seine Zeit zwischen Halifax und den später frisch eröffneten Snow Dome mit seinen Rails und Boxen gleich ums Eck in Castleford. „An den Moment, als ich den Kicker in Halifax zum ersten Mal gesprungen bin, erinnere ich mich bis heute. Wenn ich heute einen neuen Trick lerne, fühlt es sich genauso an wie damals.“

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aum ein Rider hat so viele Sprünge auf dem Buckel wie der junge ­Jamie. Sieben Tage pro Woche auf dem Board. Raufgehen, Sprung, raufgehen, Sprung, immer und immer wieder. Aus der steti­gen Wiederholung, so sind seine Trainer überzeugt, kommt Nicholls’

Konstante Bedingungen: Hier hat Jamie seine Tricks geübt. Mitunter an sieben Tagen pro Woche.

größte Stärke: Konstanz. Hamish Mc­ Knight, Freestyle-Trainer des britischen Freestyle-Teams, dem Nicholls seit drei Jahren angehört, präzisiert: „Das Training auf der Dry Slope wäre ein Nachteil für Jamie gewesen, wenn er sich auf dem dort üblichen Niveau eingependelt hätte. Seine 30 oder 40 Sprünge täglich haben ihn aber so sicher und konstant gemacht wie keinen anderen da draußen, der unter den veränderlichen Bedingungen von echtem Schnee auf echten Bergen trainiert. Heute hat er die Beständigkeit. Nun liegt es an uns, ihm die perfekten ­Bedingungen zu bieten, die es braucht, um in der Welt­spitze weiterzukommen.“ Nun hat zwar das Britische Olympische Komitee sämtliches Geld aus dem Skiund Snowboard-Sport abgezogen, daran wird auch der (wahrscheinliche) olympische Status von Jamies Paradedisziplin Slopestyle nicht viel ändern, selbst wenn sein Trainer McKnight die Hoffnung nicht aufgibt: „Mit Vancouver-Teilnehmer Ben Kilner und der zweifachen X-Games-Siegerin Jenny Jones hätten wir ein starkes Snowboard-Team. Wenn es mit öffentlicher Kohle nicht klappt, müssen wir eben doppelt so hart arbeiten.“

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as wahre Leben spielt sich ohnehin längst anderswo ab: Seit zwei Jahren, seit er die Schule verlassen hat, lebt Jamie einen Teenager-Traum. Reist um die Welt, hängt mit den besten Boardern der Welt wie Sebastien Toutant und Peetu Piiroinen ab, trainiert mit ihnen, gehört dazu, bestreitet Contests und wird beständig besser. Backside 1080 Cork, 10er- und bald 12er-Cabs: Der Junge von der Plastikmatte hat sich seinen Platz in der Nähe (manche sagen: inmitten) der internationalen Boarder-Spitze erarbeitet. Es ist schwer, Jamies Alter zu schätzen (er ist siebzehneinhalb). Wenn er sich unbeachtet und sicher fühlt wie gerade jetzt in der elterlichen Küche, sieht er noch aus wie ein Kind: große Augen unter einer Wollmütze, die der Mutter zuschauen, wie sie ihm ein Jausenbrot zubereitet. Aber sobald er dann den Mund aufmacht, wird klar, dass dieser junge Mann längst flügge ist und in seine Heimat mit ihrem Nebel, den Hügeln und bewässerten Kunststoffmatten bloß noch zu Besuch kommt: Die große, weite Welt hat bereits erste Spuren in seinem Yorkshire-Dialekt hinterlassen.

Mehr über Jamie Nicholls auf: www.jamienichollsuk.com

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50 cent

is back Text: Drew Tewksbury, Bilder: Emily Shur

h l zu erzä e i v t a h k. U n d

len.

ist zurüc r a t s r e up Der Rap-S lm, wie man 25 Kilo Fi n ue ne n de , m bu Al ue Über das ne d obert Redfor R n ih o s ie w d r zunimmt un ab- und wiede fast bewusstlos machte.

Früher wurden hier Kampfflugzeuge für den Einsatz gegen Nazideutschland gebaut, heute werden Filme gedreht und Songs aufgenommen. Doch bei genauerer Betrachtung hat sich in den weitläufigen Lagerhallen Santa Monicas seit dem Zwei­ ten Weltkrieg nicht viel geändert. Auch heute ist das Budget nicht unerheblich an Erfolg oder Misserfolg beteiligt. Und auch heute hat der­jenige das Sagen, der die Rechnung begleicht. Wer die Rechnung für die beiden schwarz glänzenden Cadil­ lac Escalade bezahlt hat, die vor dem Red Bull Recording Studio stehen, weiß man nicht genau. Aber den pumpenden Bässen nach zu urteilen, die gedämpft aus dem Inneren des Studios wummern, dürfte der rechtmäßige Besitzer ohnehin nicht weit entfernt sein. Wir folgen dem Sound in den Kon­ trollraum des Studios. Eine acht Meter 74

lange Glasscheibe gibt den Blick in den komfortablen Aufnahmebereich frei. Das analoge 48-Kanal-Mischpult in Blau und Rot steht majestätisch im Raum, und dass die vier 18-Zoll-Subwoofer in der Wand ordentlich Druck haben, hört und fühlt man gleichermaßen. Hinter den Reglern sitzen James Curtis Jackson III, besser bekannt unter dem Namen 50 Cent, sei­ ne Manager und seine Songwriter. Seit bald einem Jahrzehnt arbeitet 50 Cent an einer beispiellosen Karriere, die ihn zu einem der prägenden Hip-Hop-Stars der Geschichte machte. Fifty ist heute allerdings nicht im Stu­ dio, um Musik zu produzieren. Vielmehr sollen die bisher geschriebenen Songs für das fünfte Album dem Artist Manager ­vorgestellt werden. Dieser Artist Manager sitzt etwas ab­ seits alleine auf der Couch, mit verkniffe­

nem Gesicht, was Teil seines Jobs ist. Denn er hat zu entscheiden, ob das Ma­ terial in der jetzigen Form für Aftermath Records interessant ist, jenes Label, das bisher alle Alben von 50 Cent veröffent­ licht hat. Curtis Jackson steht, man muss das wohl so sagen, unter Beobachtung. Das hat damit zu tun, dass er aus Sicht der Plattenfirma kein Erfolgsgarant mehr ist. Seine letzte CD „Before I Self-Destruct“ aus dem Jahr 2009 wurde zunächst mit einem halben Jahr Verspätung veröffent­ licht und blieb dann schmerzhaft deutlich hinter den erwarteten Verkaufszahlen zurück. Man könnte also meinen, dass Jackson vor den kritischen Ohren des Artist Manager entsprechend nervös sein müsste. Doch das Gegenteil ist der Fall: Entspannt und fokussiert lässt Fifty die massiven Soundkonstrukte nach und


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Auf Platte Diese vier Alben haben sich weltweit über 22 Millionen Mal verkauft.

Get Rich or Die Tryin’ (2003) Das erste Lebenszeichen des New Yorker Rappers verkauft sich in den ersten vier Tagen über 872.000 Mal.

The Massacre (2005) 50 Cent bricht seinen eigenen ­Rekord – der Silberling geht in nur vier Tagen 1,14 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single „Candy Shop“ schießt auf Platz 1 der US-Billboard-Charts.

Curtis (2007) Immerhin 691.000 Stück in vier Tagen; s­ olide Tracks ohne Hit­ verdacht und repetitives Storytelling machen dieses Album zur grauen Maus seiner Releases.

Before I Self-Destruct (2009) Die Platte verkauft sich in derselben Zeitspanne nur 114.000 Mal, obwohl sie von der Kritik positiv aufgenommen wird. Die Zeit für neue I­ nspiration ist gekommen.

nach in den Raum donnern. Beim vier­ ten Track steht er auf, beginnt langsam durch den Raum zu gehen, während sein Kopfnicken jeden Schlag der Bassdrum absegnet. Um zu verstehen, wieso 50 Cent so gar keine Nervosität zeigt, lohnt ein Blick zurück in die Geschichte, mitten hinein in die Crack-Epidemie amerikanischer Groß­ städte in den achtziger Jahren. Curtis Jackson wächst im New Yorker Stadtteil Queens auf. Er kennt seinen Vater nicht, seine Mutter ist eine Drogendealerin, die ermordet wird, als Jackson acht Jahre alt ist. Seither kämpft er – und hat es damit weit gebracht: Mittlerweile verdient er mehr Geld im Jahr als sein Entdecker Eminem und der Hip-Hop-Pionier Dr. Dre (dem das Label Aftermath Records gehört). 50 Cents aggressiver Stil hat Rap geprägt, seine leicht singende Sprech­ stimme macht ihn unverwechselbar. Er ist vom Protegé zum Star geworden. In den letzten Jahren hat 50 Cent ein herausragendes Talent dafür gezeigt, neue Trends blitzschnell zu erkennen und sie in seine Musik einfließen zu lassen. Der momentane Trend der Rapszene geht back to the roots: Die Kids in Inglewood – der Geburtsstätte des West Coast Gangsta Rap – tragen heute Neon und hautenge Jeans. Sie huldigen damit den Anfängen des Rap, als elektronische Musik mit Hip-Hop vereint wurde, als die N.W.A., Arabian Prince und J.J. Fad die Charts ­dominierten. Diese Wiederent­deckung alter Werte ist eine Gegenbewegung zum allzu kommerziellen Hip-Hop, der immer mehr Popcharakter annimmt, fahrig in Up­ beat-Korsetts gesteckt und mit AutotuneSoftware glatt gebügelt wird. Und seinen Underdog-Status längst verloren hat. Der Mix von elektronischer Musik und Rap ist ein Statement gegen den Kom­ merz, Fifty hat diesen neuen Trend früh erkannt. Anfang 2010 kündigte er etwas „absolut Neues“ an, produzierte sein von der Clubszene Europas inspiriertes Album „Black Magic“ – und schloss es weg. „Ich hatte Angst, dass sich ‚Black Ma­ gic‘ nicht genug nach mir anhört und es den Leuten deshalb nicht gefallen könnte. Es war mehr ein Album für mich als für die Leute und die Charts. Deshalb habe ich es im Safe eingeschlossen. Aber ich habe die besten Ideen davon ins neue Album einfließen lassen. Besonders die

Das neue Album kommt im Spätso Aggressivitä t

House-lastigen Parts will ich wieder verwenden, ‚Black Magic‘ wird im neuen Album weiterleben.“ Das neue Album hat zwar noch keinen Titel – manche Quellen nennen es weiter­ hin „Black Magic“ –, wird aber laut Fifty im späten Sommer 2011 rauskommen. Fifty erklärt auch, wie er an die alten Erfolge anknüpfen will: „Beim ersten Album hat man meine Aggressivität am stärksten gespürt. Genau diese Energie will ich ins neue Album einbringen und habe deshalb auch Songs in die Auswahl genommen, die 2003 für ‚Get Rich or Die Tryin’‘ geschrieben wurden. Natürlich habe ich sie ausgebaut und verändert. Aber ich will den Spirit von damals wieder in meinen Tracks haben. Dafür arbeite ich mit den besten Producern überhaupt, Dre ist natürlich dabei, aber auch Swizz Beatz und Alex Da Kid. Und Eminem ist bei ei­ nem Song mit von der Partie, wie bisher auf jedem meiner Alben.“ Wir stehen auf der Veranda des Red Bull Recording Studio, die kalifornische Sonne sinkt langsam Richtung Horizont, und die angenehme Brise trägt den Duft des Meeres zu uns. Fiftys Entourage ist im Studio mit Einpacken beschäftigt. Heute Abend fliegen 50 Cent und seine Leute wieder zurück nach New York und beenden damit einen einmonatigen Auf­ enthalt in Kalifornien. Unter anderem hat Fifty dabei den Song „Like a G6“ des koreanisch-amerikanischen Quartetts Far East Movement remixt. Wie es dazu kam? Er grinst. „Das ist eine völlig andere Schiene als alles, was ich bisher gemacht habe. Die Jungs hauen fast nur Up-tempo-Nummern mit DanceCharakter raus. Und ihre Beats sind viel schneller als meine. Aber es hat mir gut­ getan, mit den vier Homies zu arbeiten. Dadurch habe ich gespürt, dass mein Stil­ mix auf ‚Black Magic‘ doch nicht verkehrt ist, und wage es deshalb, vieles davon auf mein neues Album zu packen.“ Neben Zuspruch hat Fifty in Kalifornien aber auch die Zeit gefunden, um über seine Zukunft nachzudenken. „Mir ist klar geworden, dass ich meine Karriere anders organisieren muss. Ich will nicht mehr so viel reisen, und große Welttourneen wird es bis auf weiteres nicht mehr geben. Ge­ rade habe ich so viele Eisen im Feuer, dass ich meine Zeit genau einteilen muss, um

mmer 2011: Mit der

des frühen 50

Cent gegen d ie Pop-Kommerzialisierung des Hip-Hop.

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On the big screen Seit seinem Filmdebüt „Get Rich or Die Tryin’“ im Jahr 2005 wird Curtis Jackson nicht mehr oft zu Awardverleihungen eingeladen. Das mag damit zusammenhängen, dass seine Filme oft von Drogenhandel und exzessivem Waffengebrauch handeln. Doch mit dem Sportdrama „Things Fall Apart“ bricht er mit dem bisherigen Stil seines Storytellings und wagt sich an ein neues Genre heran. In welchen Filmen er bis jetzt mitgespielt hat, zeigt ­diese kleine Auswahl.

Get Rich or Die Tryin’ (2005) Mit diesem Film hat alles begonnen. Fifty eifert Eminems „8 Mile“ nach.

Twelve (2010) Reiche Kids und Drogen: Der Film kommt von Joel Schumacher. Das Crack liefert 50 Cent.

Bilder: Kobal Collection, rex features

13 (2010) Fifty hilft Sam Riley und Mickey Rourke, sich möglichst kreativ das Hirn aus dem Schädel zu pusten.

Gun (2010) Fifty schrieb am Drehbuch mit und spielt als Drogenbaron auch gleich Val Kilmers Albtraum.

überall erfolgreich sein zu können.“ Was sich über die Jahre am stärksten geändert hat? „Hm, der Fokus, könnte man sagen: Früher habe ich mir überlegt, was den zehn Blocks meiner Hood gefallen könnte. Heute muss ich mir überlegen, was sich Leute in aller Welt von mir erwarten.“ 50 Cent übertreibt kein bisschen, wenn er von „vielen Eisen im Feuer“ spricht. Bereits 2005 hat er mit der Schauspielerei begonnen, mit der Hauptrolle im autobio­ graphischen Film „Get Rich or Die Tryin’“. Schon früh ging er dazu über, bei Werbe­ drehs oder Kooperationen mit Firmen keine Gage, sondern Aktienanteile zu for­ dern. So ist mittlerweile ein ansehnliches Portfolio zusammengekommen – 50 Cent hält etwa Anteile an einer Importfirma, einer Platinmine in Südafrika und am Getränkehersteller Glacéau. Allein damit hat er 2008 über 100 Millionen Dollar verdient, weil die Firma kurz zuvor über­ nommen worden war, mit entsprechen­ den Auswirkungen auf den Aktienkurs. Daneben hat er sich auf MerchandisingArtikel spezialisiert. Fifty ist Eigentümer der Bekleidungsfirma G-Unit Clothing, bringt Uhren und Sneakers heraus und stand für zwei Third-Person-Shooter für PlayStation Pate. „Ich bin stolz darauf, dass ich so viele Branchen von mir überzeugen konnte. In den nächsten Wochen konzen­ triere ich mich allerdings ganz auf mein neues Album, damit es so schnell wie mög­ lich auf den Markt kommen kann. Das hat jetzt Priorität. Und wenn die Tracks drau­ ßen sind, ist wieder Zeit für anderes.“ Ein Grund für den Erfolg von Curtis James Jackson III ist sein eiserner Wille durchzuhalten. Er hat es aus der Armut und dem Drogenelend hinauf geschafft in ein Leben als globaler Star – trotz aller Rückschläge. Etwa jenen im Jahr 2000, als er überfallen und von neun Kugeln getroffen wurde und dadurch seinen ­damaligen Plattendeal verlor. Er hat nie aufgegeben, im Gegenteil, er hat immer neue Heraus­forderungen gesucht, etwa im Filmbusiness, nicht nur als Schauspieler, sondern mittlerweile sogar mit einer eige­ nen Produktionsfirma namens Cheetah Vision. Die erst im Oktober 2010 mit ver­ schiedenen Investoren einen Vertrag über 200 Millionen Dollar abgeschlossen hat, um neue Filme zu produzieren, wie uns 50 Cent erzählt, und man kann ihm an­ sehen, wie stolz er darauf ist.

Der neue Film „Things Fall Apart“ als krebskra

Während die Sonne hinter den riesigen Lagerhallen von Santa Monica verschwin­ det, wollen wir von ihm noch etwas aus­ führlichere Details über sein momentanes Lieblingsprojekt hören, den Film „Things Fall Apart“. Schließlich gingen im Mai letzten Jahres schockierende Fotos um die Welt, die ihn ausgemergelt zeigten, mit hohlen Wangen und müdem Blick – Folgen einer strengen Diät, mit der er 25 Kilo­ gramm abnahm. Fifty spielte die Hauptfigur in „Things Fall Apart“, einen lebenslustigen FootballStar, bis bei ihm Krebs diagnostiziert wird. Um die Rolle so authentisch wie möglich zu verkörpern, kämpfte sich 50 Cent durch die gefährliche Diät – und wieder zurück. „Der Film wird Anfang März am Miami Film Festival seine Premiere fei­ ern. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, denn dieses Projekt hat mir viel abverlangt, nicht nur körperlich, und ich hoffe, dass die Zuschauer merken, wie sehr ich mich reingekniet habe. Die Story ist wahnsin­ nig tiefgründig, denn keiner will mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert wer­ den. Doch die Hauptfigur ist ein Kämpfer, genau wie ich.“ Fifty hat noch weitere Pläne mit dem Film. Er zeigt uns ein Foto, das er wäh­ rend seines Besuchs bei der Creative Artists Agency (CAA) hier in Kalifornien gemacht hat – einer der weltweit größten Künstleragenturen. Auf diesem Bild steht er neben Robert Redford und hat einen Arm um dessen Schulter gelegt. „Seit dem Beginn der Arbeiten an ‚Things Fall Apart‘ wollte ich, dass der Film am Sundance Film Festival gezeigt wird. Ich kam gerade aus dem Meeting, wo ich über die Zusammenarbeit mit Filmstars aus der Kartei von CAA ver­ handelt habe, und da stand auf einmal Robert Redford, der Vorsitzende des Sundance Film Festival, vor mir im Flur. Und das Beste war: Er hatte bereits vom Film gehört. Ich bin vor Begeisterung fast ohnmächtig geworden, als er mich darauf angesprochen hat.“ Einer von Fiftys Managern drängt zum Aufbruch. Fifty verabschiedet sich freundlich, kurz darauf schließen sich die schweren Türen der Escalades hinter ihm und seiner Entourage. Der Kämpfer, der vom Drogendealer zum Multimillionär wurde, ist wieder unterwegs. Miami International Film Festival: 4. – 13. März 2011 www.miamifilmfestival.com, www.50cent.com

zeigt 50 Cent

nken Footba

ll-Star: „Doch er ist ein Kämpfer, genau wie ich .“

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Einfach mal abtauchen: Die Stationen der Red Bull Cliff Diving World Series 2011 eignen sich auch als Urlaubsziele.


Inhalt 82 REISE-TIPP Cliff Diving 84 Get THE GEAR Philip Köster 86 TRAINING Filip Polc, Benjamin Karl 88 CLUB & CD 89 TAKE 5 Guy Garvey 90/91 KULINARIK Claus-Peter Lumpp, „Fliegender Jakob“ 92 TOP-SPOTS 94 SAVE THE DATE 96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV

bild: Ray Demski/Red Bull Cliff Diving

98 KOLUMNE mit Christian Ankowitsch


Der Reise-Tipp des Monats

Schöner ausfliegen Red Bull Cliff Diving World Series.

Wasser, Klippen, Sonne – und sonst nichts: Die Serie ent­ führt auch in ihrer dritten ­Saison wieder an traumhaft schöne Plätze in aller Welt. 82

Sport, Abenteuer und Natur in ziemlich konkurrenzloser Kombination: hier in Polignano a Mare.

Die sieben Stationen der Red Bull Cliff Diving World Series 2011 lohnen nicht nur für die teilnehmenden Ath­ leten eine Reise (wenngleich sie aus gut 27 Meter Höhe eine besondere Aussicht genießen). Man kann die traumhaften Locations und spannen­ den Events auch ganz entspannt genießen – aus der Perspektive des Zusehers. Sollten Sie Ihre Urlaubs­ planung noch nicht abgeschlossen haben, legen wir Ihnen folgende Orte wärmstens ans Herz – um außer­ gewöhnlichen Sport zu erleben und um ganz besondere Plätze dieser Erde kennenzulernen. www.redbullcliffdiving.com

1. Stopp / 12. März Rapa Nui (Osterinsel), Chile In mystischer Abgeschiedenheit Vom Festland Chiles sind es über 3500 Kilometer auf die karge Osterinsel mit ihren geheimnisvollen Steinskulpturen, den Moais (Bild). Seit 1995 ist der Nationalpark Rapa Nui Teil des UNESCO-Welterbes.

Text: UlRicH Corazza. Bilder: Manfred Gottschalk/Getty Images, Damiano Levati/Red Bull Content Pool

Auf und davon


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Locations

profile

Eine Kulturreise für Vielflieger

Blick auf die Sprungplattform

Bilder: Greater Boston CVB (1), Steven L. Raymer/Getty Images (1), Red Bull Content Pool (9)

Gary Hunt Brillant und progressiv  Der 26-Jährige gewann im Vorjahr vier Bewerbe, war nie schlechter als Dritter und holte den Titel. „The Brilliant Brit“ gilt als progressivster Diver, stets auf der Suche nach neuen Sprungfiguren. Hunt war der erste Athlet, der einen Sprung mit Anlauf wagte, um mehr Speed für die Salti zu erreichen.

2. Stopp / 10. April Yucatán, Mexiko

3. Stopp / 22. Mai Athen, Griechenland

Sprung in die spirituelle Grotte Der Cenote Ik-Kil liegt nur drei Kilometer von der MayaStadt Chichén Itzá entfernt. Der Anziehungspunkt für unzählige Touristen bietet kristallklares Wasser und ist zum Äquinoktium Schauplatz religiöser Zeremonien.

Die Kraft des Wassers Viele Mythen ranken sich um den Vouliagmeni-See und sein noch nicht restlos erforschtes Höhlensystem. Dem Wasser, dessen Temperatur ganzjährig bei 24 Grad liegt, werden heilende Kräfte nachgesagt.

4. Stopp / 18. Juni La Rochelle, Frankreich

5. Stopp / 24. Juli Malcesine, Italien

Eintauchen in das Menschenmeer Die malerische, geschichtsträchtige Hafenstadt besticht durch ihre Architektur. 2010 tauchten die Athleten vor der beeindruckenden Kulisse von über 50.000 Zuschauern aus 27,5 Meter Höhe in den Atlantik ein.

Reise in die Vergangenheit Schon Goethe war von der landschaftlichen Schönheit der Region um den Gardasee fasziniert. Die Sprungplattform wird über den Mauern des Palazzo dei Capitani am Fuße des Monte Baldo errichtet.

6. Stopp / 20. August Boston, USA

7. Stopp / 4. September Jalta, Ukraine

In der Wiege der amerikanischen Geschichte Die britisch geprägte Metropole an der Ostküste gilt mit erfolgreichen NHL-, NBA- oder MLB-Teams als die US-Sportstadt schlechthin. Mit Cliff Diving betritt die auch kulturell vielseitige Neuengland-Stadt Neuland.

Hoch über dem Schwarzen Meer Erhaben thront das „Burg der Liebe“-Schwalbennest auf den Klippen der Halbinsel Krim. Das beliebte Touristenziel und Filmobjekt bildet den imposanten Abschluss der Red Bull Cliff Diving World Series 2011.

Orlando Duque Routiniert und ausgeglichen Der 36-Jährige lebt auf Hawaii und war die dominierende Erscheinung im Klippenspringen der letzten Dekade – neun WM-Titel, zwei Weltrekordeinträge. Im Vorjahr stand der Kolumbianer bei allen sechs Bewerben auf dem Podest. Für 2011 verspricht der „Duke“ noch härter zu trainieren – auch wieder im Gym. Artem Silchenko Ausgewandert und selbstbewusst Seine Mutter unterstützte seine Idee, Klippenspringer zu werden. Der bald 27-Jährige lebt seit sechs Jahren in China, wo er seine Karriere startete. 2006 wurde der Russe Weltmeister. Nach zwei Saisonen auf Gesamtrang drei hat Silchenko Lust auf mehr: „Ich kann gewinnen, und ich muss gewinnen.“ Kent De Mond Beständig und flugbegeistert Der 28-jährige Amerikaner kommt aus dem Turmspringen. Seine Lieblingssprünge sind Frontflips, „da sich diese am meisten wie Fliegen anfühlen“. Der Hobby-Stuntman ist ein konstanter Cliff Diver, der sich aber bei den Schwierigkeitsgraden seiner Sprünge noch steigern kann. Michal Navrátil Jung und lernfähig Der 25-jährige Tscheche sicherte sich sein Ticket mit dem Sieg beim Qualifikationsbewerb in Aus­tralien. Da die Trainingsmöglichkeiten in seiner Heimat spärlich gesät waren, hatte „Supratil“ alle CliffDiving-Fernsehübertragungen in sich aufgesaugt, um sich weiterzu­entwickeln.

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1 Segel von Neil Pryde Je mehr Wind, desto kleiner die Segel. Ich habe meist vier oder fünf Atlas-Segel an Land aufgebaut, Größe zwischen 3,5 und 5,4 m² für Wave-Wettkämpfe, Evo 3 zwischen 5,5 und 8,6 für Slalom. 2 Boards Das Minimum sind Waveboards mit 71, 76, 81 und 86 Litern, dazu für den Slalom Isonics mit 86, 92 und 109 Litern. 3 Rucksack von DaKine Groß, übersichtlich und sieht gut aus. 4 Videokamera Panasonic Kleine Filme helfen im Training Fehler zu korrigieren. Das Modell heißt HDCSDT 750.

5 Surfboard Firewire Beim Wellenreiten trainiere ich Schnelligkeit und Oberarme. 6 Fußmanschette McDavid Ich fahre sehr radikal, und nicht jede Landung verläuft optimal. Hie und da knickt man einfach um. Um den Wettkampf dennoch beenden zu können, dabei hilft diese Fußmanschette. 7 Neopren-Schutz NPX „Life is a beach?“ Ja, aber manchmal ein verdammt kalter. Die Red Bull Big Days fanden bei 3 °C Außentemperatur statt, seither habe ich einen NeoprenMantel (ähem, nicht im Bild), NeoprenHaube, Neopren-Schuhe und NeoprenHandschuhe. Nie mehr frieren!

8 Ersatztampen von Neil Pryde Falls ein Trapeztampen reißt, muss sofort Ersatz da sein. Früher bin ich ohne Trapez gesurft – die Zeiten sind vorbei. 9 Sneaker von DC Da ich viel reise, brauche ich bequeme Schuhe. Diesbezüglich sind meine alten DC unschlagbar. 10 Race-Uhr Optimum Time OS Groß genug, um gut ablesbar zu sein, mit Timer-Funktion. Ich fahre all meine Slalom-Heats damit. An Land trage ich übrigens eine supercoole Chris Benz Depthmeter Digital.

11 Oxbow-Boardsshort Ich habe einen ganzen Berg Board­ shorts, aber die da ist mein Lieblings­ exemplar. Genau meine Farben, superangenehm zu tragen. 12 Neoprenanzug NPX 3,2 mm, wenn’s warm ist, Zealot 5,3, wenn es kalt ist. Freiwillig gehe ich bei Kälte nicht ins Wasser, und ohne Anzug schon gar nicht! 13 Schraubenset Startboard Alles drin für einen schnellen Finnenoder Fußschlaufenwechsel, passende Schraubenzieher inklusive. www.philip-koester.de

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get the gear Die Ausrüstung der Profis

Philip Köster. Der 17-jährige Windsurf-Pro aus Deutschland ist auf Gran Canaria unter denkbar idealen Bedingungen aufgewachsen. Mit seinem Equipment ist er für alle ­Verhältnisse auf der ganzen Welt gerüstet.

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text: werner jessner; bilder: Philipp horak

Hart am Wind


… und niemals ohne: 4 12 Pinzette Um Seeigel-Stachel aus den Füßen zu pulen. Den Rest der Kalkstacheln löse ich mit Zitrone auf.

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Antibiotika-Creme aus Maui. Für kleine Kratzer, Schnitte und alles, was sich sonst ­entzünden kann.

Gummibärchen Ein Albtraum: Es gibt nichts Süßes (wie zuletzt auf den Kapverden). Schokolade geht auch.

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Montag Vormittag

Nachmittag

Laufen 10 Min. locker 10 Min. mittel 10 Min. schnell n 5 Min. Cooldow

Dienstag trainingsfrei Büro- und Werkstatt-Tag: E-Mails beantworten, planen , und organisieren mit Freunden Spaß haben. Bikes und anderes Equipment servicieren

Ergometer 10 Min. niedrige, 10 Min. mittlere Herzfrequenz s, 2 × 3 Min. Vollga 2 Min. Erholung 3 × 2 Min. voll, 2 Min. Erholung 4 × 1 Min. voll, 1 Min. Erholung 10 Min. ausfahren

, Sauna, Whirlpool Dampfbad

Mittwoch Ergometer 10 Min. locker 10 Min. mittel Kraftkammer Bauchmuskeln, Beinpresse, Kniebeugen, Langhantel, . Latissimus-Züge 60 % der Maximalkraft, 4 Sätze à 15 Wieder­ . holungen, 1 Min Pause zwischen den Sätzen

Donnerstag

Freitag

Laufen Cross Country 10 Min. locker , 30 Min. leichte 10 Min. mittel 15 Min. mittlere Kraftkammer Belastung Bauchmuskeln, t, rin Sp k. Se 4 × 90 Liegestütz, use Pa k. Se 90 Schultergürtel, 3 × 120 Sek. Rudern, Rücken, Sprint, Latissimus-Züge use Pa k. 120 Se 60 % der Maxit, 4 × 90 Sek. Sprin malkraft, 4 Sätze 90 Pause à 15 Wiederhoren fah 15 Min. aus lungen, 1 Min. er: ett htw Schlec Pause zwischen Ergometer, gleiden Sätzen che Intervalle

Je nach Lust und Wetter: Snowboard, Snowscoot oder MX

Sonntag

Samstag Ergometer 10 Min. locker 10 Min. mittel Kraftkammer Bauchmuskeln, Beinpresse, Kniebeugen, Langhantel, Latissimus-Züge 60 % der Maximalkraft, 4 Sätze à 15 Wieder­ . holungen, 1 Min Pause zwischen n den Sätze 30 Min. schwimmen, Massage + Relax

90 Min. BMX 20 Min. aufwärmen und , Techniktraining keine Jumps 40 Min. Sprung­ training 3 Serien von 5 Starts und erste Gerade, 90 Sek. Pause zwischen den Läufen, 5 Min. zwischen den Serien

Downhill kurze Strecke 2 Warm-up-Runs 5 bis 6 Runs gegen die Uhr

Filip Polc, 28, Slowakei: Das ist der winterli­che Vorbereitungskalender des Weltklasse-Downhillers und 4Crossers von MS Evil Racing.

15 Min. ausfahren

Trainieren wie die Profis

Weit voraus

Das Erfolgsgeheimnis von …

Benjamin Karl 3facher Snowboard-Weltmeister Zusammenhalt Ich beziehe viel Kraft und innere Balance aus meiner Familie. Glückli­ cherweise habe ich auch viele gute Freunde, die ebenfalls aus dem Spit­ zensport kommen. Die ­holen mich ganz schnell aus möglichen Motiva­ tionslöchern. Schwerarbeit Im Sommer verbringe ich bis zu 30 Stunden in der Woche auf dem Ergo­ meter oder Mountain­ bike. Diese harte körper­

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liche und konditionelle Vorbereitung macht sich vor allem gegen Ende ­einer langen Saison so richtig bezahlt. Kühne Ansage Ich provoziere gerne mit Prognosen, indem ich ­Siege vorhersage. Dies mache ich aber nur, wenn ich eine realisti­ sche Chance sehe, die Ziele zu erreichen. Ande­ re Sportler würden dies als Druck empfinden. Mir dient es als Ansporn und Fokussierung.

Eingespielt Ausrüstung und MaterialSet-up sind ausgereift und perfekt auf mich ab­ gestimmt. Das von mir verwendete Bindungs­ plattensystem fährt sonst keiner im Weltcup. Lesestoff Empfehlenswert: das Buch „Ein Tag in meinem Leben“ von Olympiasie­ ger Felix Gottwald. Ich las es während der Olympischen Spiele in Vancouver, wo ich die Silbermedaille holte.

Filip Polc. Den Grundstein zu einer erfolgreichen Saison legt man im Winter.

Mountainbike-Downhill zählt, ähnlich wie Motocross, zu jenen Sportarten, die den gesamten Körper fordern. Erschwerend kommt hinzu, dass der Downhiller sein 18-Kilo-Bike auch noch selber treten muss. Fährt man wie der mehrfache Medaillengewinner Filip Polc außerdem 4Cross auf Weltklasseniveau, wird die Rennsaison zwischen April und Oktober doppelt lang. Wer im Winter nicht genug Grundlagenausdauer bunkert, wird im Sommer müde. Wer zu wenig Kraft trainiert, ist zu langsam. Wer eintönig trainiert, brennt aus. Und dann ist da noch das Fahrtechniktraining … Kein Wunder, dass Polc’ Wintertrainingsplan schon aus der Distanz nach Schweiß riecht. FiPos Team: www.ms-racing.at

Text: Uli Corazza, Werner Jessner. bilder: Ray Demski/Red Bull Content Pool (2), Sergio Urday/Red Bull Content Pool (2)

workout


kunde


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Beatsteaks: „Boombox“ Seit ihrem Album „Smack Smash“ (2004) spielen die Beatsteaks in der Champions League des Rock ’n’ Roll. Räudige Gitarren­ riffs treffen euphorisierende Melodien, ver­ wegener Punkrock trifft massen­ kompatiblen Pop. Ein gewagter Spagat, der schon vielen Bands den Vorwurf des Aus­ verkaufs eingebracht hat. Doch das Berliner Quintett umschifft die­ sen erneut. Mit Charme und Witz, stets so treffsicher wie der FC Barcelona. „Boom­ box“ (Warner Music) ist ein Feuerwerk. Kraftvoll, atemberaubend, kein Kracher gleicht dem anderen. Wüste Punk-Ausbrü­ che wie „Bullets from Another Dimension“ stehen neben leichtfüßigen Ska-SommerHymnen („Automatic“) oder der himmel­ hochjauchzenden Single „Milk & Honey“. Ein großes Werk. So eingängig wie rau, ebenso packend wie ein Elfmeterschießen in der Königsklasse.

Dorian Concept Her Tears Taste Like Pears (Ninja Tune) It was four years ago: British music con­ noisseur Gilles Peterson played a track from Dorian Concept for the first time on his BBC radio programme Worldwide. The back-announcement had listeners pricking up their ears: “I call him the new Joe Zawi­ nul of Austria!” The piece appeared shortly after on Concept’s debut album When Planets Explode, which confirmed the Vienne­ se keyboard maestro’s breakthrough with extra­ terrestrial jazz, both futu­ ristic and playful. Now Concept is blowing up another planet: on his first EP for renowned British label Ninja Tune, laser synths twitter over warm jazz chords, and the beats bumble and stumble, solid bass sounds skipping bet­ ween them. So good it could be Sun Ra conducting a Gameboy orchestra.

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Die heissesten Locations der Szene The Stooges Brass Band (li. u.); Mannie Fresh (re. u.).

Der Ruf des Wolfs

Der Mardi Gras macht aus New Orleans eine einzige Straßenparty. Doch auch in den Clubs geht’s ab, sagt Howie Kaplan, Betreiber des Howlin’ Wolf.

Adresse

907 South Peters Street, New Orleans, Louisiana 701301723, United States of America www.howlin-wolf.com

Wir betreiben unseren Club in New Orleans, weil … … die Stadt Musik atmet. Eine gute Party musst du hier nicht suchen, sie findet dich! Zum Beispiel, wenn du die Straße runterspazierst und du dich plötzlich inmitten einer Menge von Tänzern wiederfindest, die einer Brass Band zujubeln. Wo sonst gibt es so etwas? Der Name Howlin’ Wolf ist eine Anspielung auf … … den gleichnamigen Bluesmusiker. Wenn du den Club betrittst, siehst du als Erstes … … unsere 14 Meter lange Bar, handgeschnitzt. Die stand früher im Lexington Hotel in Chicago, das ab 1928 Al Capones Hauptquartier gewesen war. Unsere Musiker sind … … hauptsächlich aus New Orleans, wir unterstützen vor allem die lokale Szene. Von Brass- bis Funk-Bands. Los geht’s gegen … … gegen 21 Uhr. Die meisten Leute trudeln gegen 23 Uhr ein, wenn die Bands auf die Bühne gehen. Um am Türsteher vorbeizukommen, brauchst du … … ein Ticket. Wir sind kein Roter-TeppichClub, jeder, der reinwill, muss zahlen. Denn das Eintrittsgeld bekommen schließlich die Musiker. Leute, die eine VIP-Behandlung erwarten, sind bei uns eindeutig fehl am Platz.

bilder: Erika Goldring/Red Bull Content Pool (2), Courtesy of Scott Lopker (2)

Album des Monats

BESt CLUBs


m o re b o d y & m i n d

Take Five Stars zeigen uns, was sie hören

Led Zeppelin – IV Als ich Led Zeppelin zum ersten Mal gehört habe, war ich sechs. Es war das erste RockAlbum meines Lebens – und es hat mich verwirrt. Bis zu diesem Zeitpunkt wollte ich Soldat oder Superheld werden. Danach habe ich meinen Berufswunsch in Schlagzeuger geändert. „IV“ erzeugt bei mir noch immer tolle Gefühle. Robert Plants Songtexte sind zwar Mist, aber die unglaub­ liche Power der Platte macht dieses Manko wett.

bild: Gary Calton/interTOPICS

Santana – Abraxas Meine Highschool-Freundin hat mir dieses Album in unserem Musikgeschäft in Bury (bei Manchester; Anm.) auf Kassette gekauft. Komischerweise hat „Abraxas“ den frühen Elbow-Sound beeinflusst, auch wenn man sich das heute nicht mehr vorstellen kann. Unsere ersten Auftritte dauerten oft mehrere Stunden, es gab viele Solos und wenig Text. Das war Musik zum Grooven – unsere Santana-Phase.

„Das ist Musik am Rande der Explosion“

Englands Indie-Veteranen Elbow melden sich diesen Monat mit ihrem vierten Studio-Album „Build a Rocket Boys!“ zurück. Sänger Guy Garvey nahm eine kurze Auszeit von den Proben zur anstehenden Live-Tour, um uns fünf Alben vorzustellen, die seine musikalische Identität entscheidend geprägt haben.

Joni Mitchell – For the Roses Dieses Album hat mich zum Songwriter gemacht: Vom Hinkritzeln ausfälliger Reime über meine Lehrer hin zu Texten über die Komplexität unserer Emotionen. Joni zeigt das auf „For the Roses“ deutlich: Sie hasst den Mann, und gleichzeitig liebt sie ihn. Das Album ist ehrlich, selbstlos und umwerfend offen. Es hat mich dazu gebracht, Dinge anders zu erzählen.

Talk Talk – Spirit of Eden Das würde heutzutage nicht mehr funktionieren: nach ­einem Album voller Hits eine derart mutige, so karge wie persönliche Platte zu machen. Das ist pure Kunst. ­Musik und Produktion sind exzellent. Wenn ich mir „Spirit of Eden“ mit geschlossenen Augen anhöre, fühle ich mich, als würde ich mich bewegen. Es bringt dich an einen anderen Ort. Diese Aufnahme hatte einen großen Effekt auf die ganze Band. Ich würde furchtbar gern ein Album wie dieses schreiben können.

Smashing Pumpkins – Siamese Dream Wir bei Elbow lieben ein klein wenig das Drama, und dieses Album ist eine ganze Serie dramatischer Events. Ein Rock-Album wie dieses hat es schon lange nicht mehr ge­ geben. „Siamese Dream“ hat mich sofort angesprochen. Es hat diese Theatralik, die wir auch bei Elbow erzeugen wollen, gleichzeitig ist es sehr kontrolliert: die punktgenauen Drums, die gesteuerten Rückkopplungen. Ein Album knapp am Rande der Explo­ sion. Dabei ist „Siamese Dream“ nicht mal meine Lieblingsplatte der Pumpkins, aber wenn es um den Einfluss geht, sicher die wichtigste.

Elbow: „Build a Rocket Boys!“ (Fiction/Polydor) erscheint am 7. März www.elbow.co.uk

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Die besten Köche der Welt Zu Gast im Hangar-7

Die Faszination des Einfachen

Deutsche Tugenden auf Weltklasse-Niveau, ausgezeichnet mit drei Michelin-Sternen.

Claus-Peter Lumpp.

„Man kocht dann gut, wenn man einfach kocht. Alles, was man dazu braucht, sind ein paar gute Pfannen, ein Ofen und ein Herd“, erklärt Claus-Peter Lumpp. Dass einfach aber bei weitem nicht gewöhnlich bedeutet, beweist der Spitzenkoch mit seinen Gerichten: Kalbsbries, glaciert mit Vanille und Balsamico, auf Bohnenpüree oder Rehrücken und Keule aus der Bareiss-Jagd mit Steinpilzen und Rosmarinblini. Kochen gelernt hat er genau hier, im Hotel Bareiss, das damals noch als „Kurhotel Mitteltal“ geführt wurde. Seine Ausbildung begann er 1985, anschließend zog es ihn hinaus in die Welt. Lumpp lernte bei StarKöchen wie Heinz Winkler, Alain Ducasse oder dem Ikarus-Patron Eckart Witzigmann, bis er 1992 wieder an den Ausgangspunkt seiner kulinarischen Reise ­zurückkehrte und die Leitung des Bareiss übernahm. „Der schönste Tag in meiner bisherigen Karriere war der 13. November 2007“, erinnert sich Lumpp. An diesem Tag wurde dem Bareiss der dritte MichelinStern verliehen – die höchste kulinarische Auszeichnung, die ein Restaurant erreichen kann.

Mein Restaurant Hotel Bareiss im Schwarzwald Restaurant Bareiss Gärtenbühlweg 14 72270 Baiersbronn-Mitteltal www.bareiss.com „Das Restaurant war schon lange vor mir da, und es gehört zu den schönsten, in denen ich jemals gewesen bin“, sagt Lumpp. Neben dem edlen Gastraum kann sich auch die Weinkarte sehen lassen: Bei tausend verschiedenen Positionen findet sich für jeden der passende Tropfen.

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Saucen. „Jedes Gericht braucht vor allem die richtige Grundlage, und das ist meist eine gute Sauce.“ Fett. Für Lumpp wird eine richtig gute Sauce mit Fett und Mayonnaise zubereitet, da macht er kein Geheimnis draus. „Fett ist nun mal ein Geschmacksträger. Man kann es nicht einfach weglassen, auch wenn das viele anders sehen.“ Der rote Faden. Genauso wichtig wie die Basis der Gerichte sind Lumpp vor allem die Gemeinsamkeiten von Hauptgang und Bei­lage. „Die beiden Gerichte müssen sich ähnlich sein. Zum Beispiel mit ähnlichen Gewürzen oder Saucen.“ Harmonie. „Am Ende müssen natürlich alle Zutaten perfekt zusammenpassen, und das Resultat muss vor allem eines sein: lecker.“

Die Gastköche im Hangar-7 Monat für Monat gastiert ein anderer Spitzenkoch im „Restaurant Ikarus“ des Salzburger Hangar-7 und kreiert gemeinsam mit dem Küchenteam zwei Menüs. Gastkoch im März 2011 ist der 47-jährige Deutsche Claus-Peter Lumpp, Küchenchef des 3-SterneRestaurants Bareiss im Hotel Bareiss in Baiersbronn. Mehr Information zu Lumpps Menüs im „Ikarus“ finden Sie unter www. hangar-7.com, Reservierungen sind sowohl telefonisch (+43 662 2197-77) als auch via E‑Mail möglich: ikarus@hangar-7.com

Text: Lisa Blazek. Bilder: Rainer Herrmann/Red Bull Hangar-7

Meine Philosophie


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Geschmack von Welt Nationalgerichte zum Nachkochen

Flygande Jacob

Die Adoption der Banane als kulinarisches Kulturgut Skandinaviens.

Text: Klaus Kamolz. Bild: Fotostudio Eisenhut & Mayer

Schweden.

Huhn, Banane und Erdnüsse? Das riecht nach Karibik oder Afrika, hat aber mit tropischer Kulinarik gar nichts zu tun. Erfunden wurde der Fliegende Jakob in Schweden, und er ist nicht mal ein überliefertes Rezept, sondern kam schlagartig über die Nation – an jenem Tag, als im Jahr 1974 Ausgabe Nr. 13 der Kochzeitschrift „Allt om Mat“ (Alles über Essen) erschien – mit einem Rezept, das ein gewisser Ove Jacobsson, Mitarbeiter eines Luftfracht­ unternehmens, eingesandt hatte. Vermutlich hatte er einmal das Essen für die Kinder zubereiten müssen und war auch noch stolz darauf. Dann geschah, was niemand erwarten konnte: „Flygande Jacob“, was sich übrigens auf den Job des Erfinders bezieht, eroberte Schwedens Küchen, ganz ohne Facebook und Twitter, im Sturm. Die endgültige Kanonisierung als Nationalgericht erfuhr das Huhn mit Banane, als es auf den Speiseplänen schwedischer Schulen landete – von wo es bis heute nicht fortgeflattert ist.

Das Rezept Zutaten für 4 Personen: 1 Kilo Hühnerbrust (ohne Haut und Knochen) 150 Gramm Speck 200 Gramm Champignons 1 kleine Zwiebel 0,2 Liter Schlagobers 0,1 Liter Crème fraîche

0,25 Liter Hühnersuppe 3 EL süße Chilisauce 2 Bananen 50 Gramm gesalzene Erdnüsse 1 TL Garam Masala (optional) Pflanzenöl Salz Pfeffer

Backrohr auf 220 Grad vorheizen. Die Hühnerbrüste in mund­ gerechte Stücke schneiden, salzen und in einer Pfanne mit Pflanzen­ öl anbraten, bis sie goldbraune Farbe annehmen. Dann Speck und Zwiebel, in feine Streifen geschnitten, kurz mitrösten und mit der Hühnersuppe ablöschen. Hitze reduzieren und Obers sowie Crème fraîche einrühren. Mit Garam Masala, Chilisauce, Salz und Pfeffer ab­ schmecken. Die Champignons in etwas dickere Scheiben schneiden, in wenig Öl anbraten und die dabei austretende Flüssigkeit verdamp­ fen lassen. Anschließend in die Pfanne mit dem Huhn rühren und alles in eine feuerfeste Backform gießen. Die Bananen in 0,5 Zenti­ meter dicke Scheiben schneiden und auf der Backform verteilen. Dann 20 Minuten lang im Rohr überbacken und nach der Hälfte der Zeit die Erdnüsse auf dem Gericht verstreuen. Mit Reis servieren.


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In Quebec geht es um die WM-Krone.

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Wintersport Biathlon-Weltmeisterschaften RUSSLAND (1) Chanty-Mansijsk, 3. – 13. 3. 2011 Der Österreicher Dominik Landertinger hat gute Erinnerungen an die Stadt im Ural. Bei der WM-Generalprobe im Vorjahr holte sich der Massenstart-Weltmeister von 2009 den Sieg in seiner Lieblingsdisziplin.

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Red Bull Cold Rush USA (2) Silverton Mountain, 14. – 18. 3. 2011 Top-Freeskier wie Sean Pettit, Dash Longe, Grete Eliassen oder Suzanne Graham nehmen an dem Big-Mountain- und Big-Air-FreeskiingBewerben teil. Eine Jury? Braucht man nicht. Nach alter Tradition wählen die Fahrer die Sieger selbst. FIS Ski-Weltcup-finale SCHWEIZ (3) Lenzerheide, 16. – 20. 3. 2011 Jetzt geht es nicht um Edelmetall, sondern um Kristall. Pro Disziplin steht noch ein Rennen auf dem Programm, danach werden die kon­stantesten Skirennläufer mit den Weltcup­kugeln ausgezeichnet. FIS Skiflug-Weltcup SLOWENIEN (4) Planica, 18. – 20. 3. 2011 Bei den letzten Saisonflügen wird noch einmal alles aus dem Körper herausgeholt. Wackelt der Schanzenrekord (239 Meter) von Bjørn Einar Romøren (NOR) aus dem Jahr 2005?

Red Bull Crashed Ice KANADA (5) Quebec, 19. 3. 2011 Im Mutterland des Eishockeys geht es in den knallharten Mann-gegen-Mann-Duellen im Eiskanal um den Sieg und den Titel der Red Bull Crashed Ice World Championship. Red Bull Nordix SCHWEIZ (6) Bolgen, Davos, 1./2.4.2011 Steile Anstiege, rasante Abfahrten – die besten nordischen Athleten aus unterschiedlichsten Disziplinen wie Langlauf oder Biathlon treten hier in einem einzigartigen Nordic-SkicrossEvent an.

Top Events März 2011

Der Winter geht langsam zu Ende, der Motorsport kommt so richtig in Fahrt, und Musik hat immer Saison. Diese Veranstaltungen sollten Sie nicht verpassen. 92

Motorsport WRC Rallye Mexiko (7) León, 3. – 6. 3. 2011 Nach Eis und Schnee in Schweden folgt beim zweiten Stopp eine reine Schotter-Rallye. Das Maß der Dinge im hochgelegenen Guanajuato ist mit vier Siegen in Serie Sébastien Loeb. Night of the Jumps DEUTSCHLAND (8) Berlin, 5./6. 3. 2011 Die Freestyle-MotoX-Profis werden bei den Bewerben Race&Style, Highest Air, Whipcontest und Freestyle den Zuschauern den Atem stocken lassen. Formel-1-GP von Bahrain (9) Bahrain International Circuit, 13. 3.2011 WM-Titelverteidiger Sebastian Vettel und Teamkollege Mark Webber nehmen mit neuem Arbeitsgerät – dem RB7 – die mit 20 Rennen längste Formel-1-Saison aller Zeiten in Angriff. MotoGP von Qatar (10) Losail, 20.3.2010 Die 63. Motorrad-WM-Saison startet mit einem Nightrace im arabischen Emirat Qatar. Die Weltmeister des Vorjahres sprechen jedoch ­allesamt spanisch – Jorge Lorenzo siegte in der Moto-GP-, Toni Elías in der Moto2- und Marc Márquez in der 125-ccm-Klasse.


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Festival 5 Days Off NIEDERLANDE (18) Melkweg, Paradiso, NIMk, Amsterdam, 2. – 6. 3. 2011 Fünf Tage frei – was tun mit all der Freizeit? Richtung Süden fahren? Die Großeltern besuchen? Ach was, besser tanzen. So zumindest will es dieses Amsterdamer Festival. Und angesichts des elektronischen wie eklektischen Menüplans ist die Versuchung groß: Dubstep von DMZ, Freistil-Rave von 2ManyDJs oder Disco-Nektar von Hercules & Love Affair.

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RAMFest SÜDAFRIKA (19) NEKKIES HOLIDAY REDORT, WORCESTER 4. – 6. 3. 2011 Die Antwoord, Südafrikas Rap-Version der Familie Flodder, teilen sich beim RAMFest mit anderen Lokalhelden wie Gazelle die Open-Air-Bühne.

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Drum-Ikone Tony Allen hat den Groove.

Jimi Tenor & Tony Allen POLEN (13) Klub Kultowa, Wrocław, 13. 3. 2011 Zwischen Jazz und Science-Fiction: Der durchgeknallte Finne Jimi Tenor trifft live auf die Schlagzeug-Legende des Afro-Beat.

bilder: Action Images (1), Getty Images (1), Jörg Mitter/Red Bull Content Pool (1), picturedesk.com (1)

Musik Interpol & Matthew Dear DEUTSCHLAND (11) Docks, Hamburg, 3. 3. 2011 Eine Paarung, so schön wie „Harold and ­Maude“, so gewaltig wie „King Kong vs. Godzilla“: Interpol, Joy-Division-Erben und Könige des elegischen Indie-Rock, treffen live auf Matthew Dear, Dance-Tausendsassa und ­Meister des melancholischen Pop-Techno. Ein Konzert, besser als jeder Kinoabend! Red Bull Music Armada BRASILIEN (12) Jurerê Internacional, Florianópolis, 7. 3. 2011 Red Bull Music Academy Radio auf Reisen: Im März ist der mobile Sender in Brasilien unterwegs und lädt lokale wie internationale Musiker zum Äther-Jam.

Beatsteaks ÖSTERREICH (14) Gasometer, Wien, 4./5. 3. 2011 Die Berliner Punkrock-Helden sind eine der besten Live-Bands des Planeten. Punkt. Jeder, der einen ihrer gefühlten 5000 Gigs in den letzten Jahren miterlebt hat, wird das bestätigen. Wegen des vielen Tourens hat das neue Album etwas länger auf sich warten lassen. Jetzt ist es aber da, „Boom Box“ heißt’s und schickt die Band schon wieder auf Konzertreise. Gut so! 20 Years of Planet E GroSSbritannien (15) Ewer Street Car Park, London, 5. 3. 2011 Carl Craig ist ein Visionär, ein Tausendsassa. Der Picasso des Techno. Nicht nur, dass der Musiker aus Detroit seit 25 Jahren Platten veröffentlicht, die regelmäßig Maßstäbe setzen und Ohren schlackern lassen, nebenbei betreibt er seit zwei Jahrzehnten das Platten­ label Planet E, mit dem er Talenten seiner Heimatstadt sowie internationalen DanceProduzenten eine Plattform bietet.

Bloc Weekend Grossbritannien (20) Butlins Holiday Resort, Minehead, 11. – 13. 3. 2011 Das Butlins Resort in Minehead ist eigentlich ein Feriendorf. Mit Wasserrutsche, Kegelbahnen und anderen familienfreundlichen Freizeitmöglichkeiten. Beim BLOC Festival allerdings wird das Areal von der britischen Jugend gekidnappt und für ein Wochenende mit Acts wie Aphex Twin, Magnetic Man, Jamie XX und Laurent Garnier zur Funky Town gemacht. SWSX USA (21) Diverse Locations, Austin, 11. – 20. 3. 2011 Das South by Southwest ist das Sundance Festival der Popkultur. Eine Woche lang wird Musik abseits des Mainstreams zelebriert, neben Größen wie Bright Eyes, OMD, The Kills oder Lokalheldin Erykah Badu sind es vorwiegend frische, vielversprechende Acts, die hier ihre Feuertaufe vor großem Publikum und der internationalen Presse erleben. WOMAD Festival NEUSEELAND (22) TSB Bowl of Brooklands, New Plymouth 18. – 20. 3. 2011 Vor 20 Jahren hat Peter Gabriel das MultikultiFestival ins Leben gerufen. Seitdem wird beim „World of Music, Arts and Dance“ der Brückenschlag zwischen Pop und dem Genre gefeiert, das man früher Weltmusik genannt hat. Bei der Kiwi-Ausgabe sind Amadou & Mariam aus Mali am Start, genau wie Don Letts, Calypso Rose oder The Creole Choir of Cuba.

Intergalactic FM Night DEUTSCHLAND (16) Berghain/Panorama Bar, Berlin, 5. 3. 2011 Der nächtliche Soundtrack jedes Adria-Urlaubs Anfang der achtziger Jahre: Italo Disco. Süßliche Synthesizer-Melodien, gepaart mit sterilen Drumcomputer-Beats und großem Pop-Pathos. Klebrig und kolossal, so triefend wie toll. Mit seinem Radiosender „Intergalac­ tic FM“ hat der holländische Musiker I-f das vergessene Genre wiederbelebt – und einen neuen Trend losgetreten. SonarSound Tokyo JAPAN (17) Studio Coast, Tokio, 1. 4. 2011 Bevor uns das Elektronik-Festival Sónar heiße katalanische Juninächte beschert, ist erst mal ein Betriebsausflug nach Japan angesagt. Im Reisebus sitzen neben Seefeel, Battles oder Dubstep-Meister Kode9 auch die Red Bull Music Academy-Absolventen Flying Lotus, Hudson Mohawke und Dorian Concept.

Die südafrikanische „Antwoord“ auf Rap.

Marc Márquez startet heuer in der Moto2.

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Save the Date März 2011

Dringende Empfehlungen zur eleganten Überleitung vom Winter ins Frühjahr!

1. — 5. März, Flachauwinkl (AUT)

Red Bull UpSprings

12. — 19. März, Mayrhofen (AUT)

Wängl Tängl Das Aushängeschild aller Ästhetiker-Jams bietet heuer einen perfekt aufgestellten Vans Penken Park mit einzigartiger „Red Bull Endsection“, einen innovativen Snowboard-Team- sowie einen Skateboard-Contest. Und Musik: Mit dabei sind Run Vie, Chrisfader, The Clonius, Dorian Concept u. a.

18. März, Robert Johnson, Frankfurt

RB Music Academy Session Martyn macht Musik, die klingt, als hätte sie Marty McFly aus der Zukunft mit­ gebracht: düster, reduziert, elektronisch. Irgendwo zwischen Techno und Dub­ step – drückender, dicker Bass als Konstante. Sogar die BBC attestierte Martyns aktuellem Album „Great Lengths“ Bässe, die selbst einen Elefanten umhauen könnten. Einblick in die Geheimnisse der tiefen Frequenzen gewährt der hollän­ dische Produzent im Rahmen der Red Bull Music Academy Session im legendä­ren Nightclub Robert Johnson in Frankfurt, um hernach wuchtig wabernde Kost­ proben aus dem Soundsystem zu servieren. www.redbullmusicacademy.com

15. März, Allianz Arena, München

UEFA CL-Achtelfinale Nach Startproblemen ist Mario Gomez mittler­ weile unangefochten Stürmer Nummer 1 bei den Bayern. Besondere Challenge (nicht nur) für Mario: das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Inter Mailand, Teil 2 der Mission „Revanche für Madrid“, das verlorene CL-Finale von 2010.

26. März, Oberstdorf

Superpipe Red Bull, die PipeAid Initiative und NebelhornAG bauen eine Superpipe in Oberstdorf. Getestet wird das Prachtstück (100 m lang, 17 m breit, 5 m hoch) unterhalb der Bergstation Höfatsblick anlässlich der offiziellen deutschen Halfpipe-Meisterschaft.

Ein wahrer Ästhetiker: Wojtek Pawlusiak jammt in Mayrhofen.

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8. März, Lido, Berlin

K.I.Z.

„Ich will ein böses Mädchen, ’ne echte Schlägerbraut, die von der Schule fliegt, weil sie sich mit Lehrern haut.“ So lieblich beginnt der Track „Böse Mädchen“ aus dem Repertoire von K.I.Z. Starker Tobak, für den die Ber­ liner Rapper so verehrt wie gehasst werden. Was dann aber doch den Unterschied zu Genre-Kollegen wie Bushido oder Eko Fresh macht – mal abgesehen von den Rap-Skills –, ist K.I.Z.’ feiner Sinn für Humor. Und dem lassen sie Anfang März mal wie­ der freien Lauf. „Für jeden nicht run­ tergebrachten Mülleimer, für die so schwer abwaschbaren Bremsstreifen, für jede versehentliche Steinigung, für jede irrtümliche Hexenverbren­ nung, für dieses eine Mal, als wir betrunken waren … Sorry! Aber

wollen wir es nicht noch einmal pro­ bieren? Nur ihr und wir?“, so fragt die Band die holde Damenwelt. Und lädt am Weltfrauentag zum Konzert am Berliner Lido. Es gilt natürlich „Women only“. Ob sich die bösen Buben zumin­ dest für diesen Abend den Mund mit Seife auswaschen? Wohl eher nicht. Oder, um K.I.Z. zu zitieren: „Vergiss die Zensur, bring den Exorzist!“ www.k-i-z.com

Bilder: shaun bloodworth, Dirk Mathesius/Red Bull Content Pool, Erwin Polanc/Red Bull Content Pool

Ride and live with the Pros: Junge NachwuchsSnowboarder bekommen die Chance, mit erfolgreichen Profis wie Marco Smolla in Flachauwinkl zu trainieren. In diesem Workshop leben die Rookies fünf Tage mit den Spitzensportlern zusammen und lernen (fast) alle Tricks auf und abseits der Piste.


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Must-haves! 2

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1 NORTHLAND HELIUM SLEEPING BAG Der wahrscheinlich leichteste Schlafsack der Welt. Er bringt gerade einmal 395 Gramm auf die Waage (im Vergleich dazu: Eine 0,75-l-Thermoskanne wiegt 505 Gramm!). Auch verpackt kann sich der große „Kleine“ sehen lassen, misst dieser gerade mal 20 cm in der Höhe und 14 cm im Durchmesser. Mit diesem ultraleichten Schlafsack aus Fallschirmseide mit 90/10 reiner weißer Gänsedaune, 800+ cuin ist eines garantiert: zu schlafen wie im Himmelbett.

www.northland-pro.com 2 NORTHLAND  BERGON HOOD JACKET Mit nur 150 Gramm ist diese Regenjacke die wohl leichteste der Welt und sorgt für grenzenlosen Spaß im Regen. Ihr äußerst geringes Packmaß – so groß wie ein Müsliriegel – ist ideal und fällt bei keiner Aktivität ins Gewicht. Ein Must-Have bei Bike-, Wander- oder Klettertouren. 100 % wasserdicht, winddicht, Nähte verschweißt und zudem in mehreren Farben erhältlich.

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3 Der Klassiker mit dem Genussfaktor Er ist der Dauerbrenner unter den Laufschuhen. Ein Klassiker, der Läuferinnen und Läufer bereits seit vielen Jahren begeistert und in seinen Bann zieht. Er ist der Wegweiser schlechthin, wenn es um Stabilität und Dämpfung geht. Jeder Laufschritt mit dem GEL-Kayano ist ein wahrer Genuss. Mit beständiger Weiterentwicklung sorgt ASICS dafür, dass das einzigartige Laufgefühl nicht nur erhalten, sondern sogar verbessert wird. Dieser spezielle Mix aus Erfahrung und Neuerungen macht den GEL-Kayano einzigartig und so erfolgreich.

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4 Ab in die Tiefe Extrem stylisch und überragend in ihrer Funktion sind die Unterwassergehäuse von Seacam. Die silbernen Gehäuse werden nur für ausgewählte Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon hergestellt und sind dem Fotografen wie in die Hand gebaut. Die Sucher sind exzellent und ermöglichen eine perfekte Bildgestaltung. Maßgeschneiderte Frontports und externe Blitzgeräte sorgen für eine brillante Farbwiedergabe unter Wasser.

www.seacam.com 5 WSV BEI JOCHEN SCHWEIZER Jetzt heißt es eiskalt sparen und erleben! Denn die Jochen Schweizer Erlebniswelten gibt es jetzt im Winterschlussverkauf noch billiger. Ob € 30,– Ersparnis bei einer HotStone-Massage (statt € 99,– jetzt nur € 69,–) oder € 70,– Ersparnis (statt € 269,– jetzt nur € 199,–) beim Tiefschneefahren, es findet sich bei insgesamt 15 Winterhighlights für jeden Geschmack etwas.

Weitere WSV-Knaller gibt es unter: www.jochen-schweizer.at/redbulletin oder www.jochen-schweizer.de/redbulletin


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Volles Programm

Red Bull Street Kings Samstag, 5. März, 23.15 Uhr Vier Blaskapellen aus vier Vierteln von New Orleans kämpfen beim Red Bull Street Kings um den Applaus des Publikums. Samstag 5. März

Joe Strummer

Sonntag, 13. März um 23.35 Uhr Schon als Kind prophezeite Joe Strummer seinen Freunden, dass er eines Tages Rockstar werden würde. Heute zählt man den Gründer von The Clash zu den einflussreichsten Musikern der Geschichte. Sein enger Vertrauter und Freund, der Filmemacher Julien Temple, zeigt in „Joe Strummer – The Future Is Unwritten“ die persönliche Seite des Musikers und lässt Freunde, Kollegen und Wegbegleiter zu Wort kommen. Zu sehen ist der Film im Red Bull TVFenster bei ServusTV. Passend dazu sehen Sie auch Julien Temples zweite Dokumentation „Oil City Confiden­ tial“, am 19. März um 23.45 Uhr.

22.30 Bullet Points mit Alexander Mazza

22.00 Servus Hockey Night Magazin*

23.00 Snowboard Chronicles Air & Style Innsbruck meets Munich

22.30 The Film Festival in Your Living Room Love the Beast Ein Mann und sein Auto: Eric Bana, einer der erfolgreichsten Schauspieler Australiens, zeigt sich von einer sehr persönlichen Seite.

01.10 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.20 The Atherton Project (WH) Serie, 3/6

03.10 Nightflight

Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter:

0800 100 30 70 96

06.20 Cliptomaniacs (WH) 06.45 Focused Extremsport-Serie, 8/13 (WH) 07.15 Snowboard Chro­ nicles Air & Style Innsbruck meets Munich (WH) 07.30 Bullet Points (WH)

22.30 Bullet Points Hero’s Journey: Mark ­Webber 23.00 Snowboard Chronicles Arctic Challenge 23.15 Highlights Red Bull House of Arts 23.45 Highlights Red Bull Drifting Xtreme

00.30 Focused Extremsport-Serie, 9/13

00.10 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.40 Focused Extremsport-Serie, 8/13

Samstag 12. März

00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show

23.15 Highlights Red Bull Street Kings

01.50 Adventure Circus Revolver

So sind Sie im Bild

Sonntag 6. März

Snowboard Chronicles Samstag, 12. März, 23.00 Uhr Mit ihren rekordverdächtigen Sprüngen machen die Rider die Arctic Challenge zum Klassiker unter den Snowboard-Contests.

00.05 The Film Festival in Your Living Room Roadsworth – Crossing the Line 01.00 The Showroom 01.10 Bullet Points (WH) 01.40 The Film Festival in Your Living Room Love the Beast (WH) 03.10 The Showroom (WH) 03.20 The Film Festival in Your Living Room Roadsworth – Crossing the Line (WH) 04.15 Bullet Points (WH)

Sonntag 13. März 22.00 The Film Festival in Your Living Room Let It Ride: The Craig ­Kelly Story 23.35 The Film Festival in Your Living Room Julien Temple: Joe Strummer – The Future Is Unwritten Er war der Gründer von The Clash und hat mit seiner Musik Generationen geprägt. Sein enger Freund Julien Temple zeigt den Punk­ rocker im persönlichen Porträt.

01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.10 The Atherton Project (WH) Serie, 4/6 01.40 Adventure Circus Nowhere

01.45 The Showroom

02.25 Nightflight Cocoon, Frankfurt

02.20 The Film Festival in Your Living Room Let It Ride: The Craig ­Kelly Story (WH)

05.35 Cliptomaniacs (WH) 06.05 Adventure Circus Nowhere (WH) 06.50 Highlights Red Bull House of Art (WH) 07.15 Snowboard Chroni­ cles Arctic Challenge (WH) 07.30 Bullet Points (WH)

01.50 Bullet Points (WH)

03.50 The Showroom (WH) 03.55 The Film Festival in Your Living Room J­ ulien Temple: Joe Strummer – The Future Is Unwritten (WH) 06.05 Bullet Points (WH)

Bilder: Gary Calton/picturedesk, ContentFilm, Jancsi Hadik/Red Bull Content Pool, Youri LENQUETTE/picturedesk, Christian Pondella/Red Bull Content Pool, Scott Sullivan/Absinthe Films

Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm.


more body & mind

Let It Ride: The Craig Kelly Story

Bilder: Brian Bielmann/Red Bull Content Pool, Jeff Curtes/Burton, Getty Images/Red Bull Content Pool, Goldengirls Filmproduktion, HanWay Films Ltd., FOTOBLITZ/picturedesk, RBTV

Sonntag, 13. März um 22.00 Uhr Bis zuletzt hat Craig Kelly sein Leben dem Snowboarden gewidmet. Er war maßgeblich an der Entwicklung dieses Sports beteiligt und hat den Bogen zwischen Erfindung des Snowboards und dem Erfolg der Branche im Mainstream gespannt – in weniger als zehn Jahren. Bereits im Alter von 23 Jahren war Kelly Millionär. „Let It Ride“ ist eine faszinierende Doku über einen Ausnahmekönner, den seine Leidenschaft zum König des Snowboardens machte, was er, trotz seines frühen Todes, auch ewig bleiben wird.

Bullet Points – Hero’S Journey Samstag, 19. März, 22.30 Uhr Mit Musik gegen den Winter: Der „Night­ flight“ nimmt dich zweimal (19. 3. & 2. 4.) mit zur Music Conference nach Miami. Samstag 19. März 22.30 Bullet Points von der Music Conference aus Miami 23.00 Snowboard Chronicles Freeride World Tour in Sotschi 23.15 Highlights Red Bull Play Streets 2011 23.45 Highlights Red Bull Soundclash, Basel 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.25 Focused Extremsport-Serie, 10/13

Sonntag 20. März 22.00 The Film Festival in Your Living Room Going Vertical Woher kommt das Shortboard: Hawaii oder Australien? 23.45 The Film Festival in Your Living Room Julien Temple: Oil City Confidential Mit den Rockern von Dr. Feelgood reiste Julien Temple in den 70ern nach Canvey Island. Dabei herausgekommen ist eine Doku über die Höhen und Tiefen der Band.

01.30 Adventure Circus Grilomentary Zwischen Contest und Fotoshooting: Snowboard-Star Marco Grilic im Porträt 01.55 Adventure Circus At Equilibrium East meets West: eine Doku über Snowboarden in Bulgarien 02.30 Red Bull Crashed Ice Quebec LIVE 04.00 Nightflight Winter Music Conference 07.10 Adventure Circus Grilomentary (WH)

Samstag 26. März 22.30 Bullet Points Hero’s Journey: Gorilla Rangers 23.00 Road to Racing Zum Großen Preis von Australien

23.30 Momentum: What drives you? Sebastian Vettel 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 Focused Extremsport-Serie, 11/13

00.55 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.05 The Atherton Project (WH) Serie, 5/6

Momentum – Sebastian vettel Samstag, 26. März, 23.30 Uhr Was treibt den jüngsten aller Formel-1Weltmeister an? Ein „Momentum“ über Ehrgeiz, Stolz, Ziele und das Leben.

01.45 The Showroom 01.50 Bullet Points (WH) 02.20 The Film Festival in Your Living Room Going Vertical (WH) 04.00 The Showroom (WH) 04.05 The Film Festival in Your Living Room Julien Temple: Oil City Confidential (WH) 05.55 The Showroom (WH) 06.00 Bullet Points (WH)

01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.10 The Atherton Project (WH) Serie, 6/6 01.40 Adventure Circus Pop 03.35 Nightflight 06.40 Bullet Points Wängl Tängl (WH) 07.05 Road to Racing Zum Großen Preis von Australien (WH) 07.30 Momentum: What drives you? Sebastian Vettel (WH)

Sonntag 27. März

Serienstart: 4Surfing Samstag, 2. April, 17.35 Uhr In der siebenteiligen Surf-Serie begleiten wir die weltbesten Surfer und erfahren, was sie täglich zu Höchstleistungen motiviert. Samstag 2. April

22.00The Film Festival in Your Living Room Black Sky, Winning the X-Prize Ein Team, ein Traum: mit einem selbstgebauten Raumschiff 10 Millionen Dollar gewinnen

22.30 Bullet Points mit vier der weltbesten Surfer

23.10 The Film Festival in Your Living Room Continuum: Against All Odds Zum dritten Mal will ein US-Team in Australien die „Solar Car Challenge“ gewinnen. Dabei stoßen sie an ihre Grenzen.

23.15 Highlights Red Bull Ragnarok

00.15 The Film Festival in Your Living Room Leningrad – The Man Who Sings Doku über die Punkrock-Legende Sergej Shnurov und seine Band 01.40 The Showroom 01.45 Bullet Points (WH) 02.10 The Film Festival in Your Living Room Black Sky, Winning the X-Prize (WH) 03.15 The Film Festival in Your Living Room Continuum: Against All Odds (WH) 04.15 The Film Festival in Your Living Room Leningrad – The Man Who Sings (WH) 05.40 Bullet Points (WH)

23.00 Snowboard ­Chronicles Freeride World Tour in ­Fieberbrunn

Sonntag 3. April 22.00 The Film Festival in Your Living Room Surfwise: Das Leben des Dorian Paskowitz Ein Wohnmobil, neun Kinder und elf Surfbretter. Die ­legendäre Geschichte der Familie Paskowitz

23.45 Highlights Backcountry Bombshells 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show (Start der 3. Season)

23.45 The Film Festival in Your Living Room Rise Up 01.15 The Showroom 01.20 Bullet Points (WH)

00.30 Focused Extremsport-Serie, 12/13 00.55 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.05 4Surfing (WH) Surfsport-Serie, 1/7 01.30 Adventure Circus In Deep 02.50 Nightflight Winter Music Conference, Miami 05.55 Cliptomaniacs (WH) 06.20 Adventure Circus In Deep (WH)

01.50 The Film Festival in Your Living Room Surfwise: Das Leben des Dorian Paskowitz (WH) 03.25 The Film Festival in Your Living Room Rise Up 04.50 The Showroom (WH) 04.55 4Surfing (WH) Surfsport-Serie, 1/7 05.25 Snowboard Chronicles Freeride World Tour in Fieberbrunn (WH) 05.40 Bullet Points (WH)

07.35 Bullet Points (WH)

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ie wir leben sollten, das können wir an vielen Stellen der Weltliteratur nachlesen. Bei Goethe zum Beispiel, der zu Beginn seiner Ode „Das Göttliche“ schreibt: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ Das Problematische an diesem Satz ist nicht nur, dass sehr viele Schüler mit ihm gequält wurden, indem sie Aufsätze über ihn schreiben mussten. Nein, er ist noch aus einem anderen Grund wenig hilfreich. Wer nämlich ständig edel, hilfreich und gut ist, dem fehlt etwas Entscheiden­ des: der Antrieb, Wegweisendes zu schaf­ fen. Also beispielsweise Stabmixer zu erfinden, für den Ironman zu trainieren oder im Regenwald nach unentdeckten Lebensformen zu forschen. Das klingt zunächst mal überraschend, ich weiß. Daher sollten wir uns die Sache ein wenig genauer ansehen und uns mit unserem Gefühlshaushalt … … wie bitte? Keine Lust weiterzulesen? Na gut, wie Sie meinen! Dann werden eben andere, die das hier zu Ende brin­ gen, mehr wissen als Sie und als deutlich klüger gelten! Selber schuld. So, nachdem wir nun unter uns sind, oh auserwählte Leserschaft!, können wir weitermachen. Wo war ich stehengeblie­ ben? Ach ja, unser Gefühlshaushalt: Die meisten von uns glauben ja, wir sollten unsere guten Gefühle (Liebe, Freude) stärken, die negativen aber (Wut, Eifer­ sucht) möglichst unterdrücken. Das hat sich mittlerweile als falsche Strategie herausgestellt. Denn es gibt eine ganze Reihe negativer Emotionen, die nicht nur deutlich besser als ihr Ruf sind, sondern darüber hinaus überaus wichtig: für unser Verhalten und für den Fortschritt der Menschheit.

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Warum der und nicht ich? Ein Plädoyer für die lebens­ verbessernde Kraft weniger gut beleumundeter Gedanken. Der Neid zum Beispiel. Wer kennt es nicht, dieses nagende Ge­ fühl, wenn ein guter Bekannter plötzlich mit einem neuen Mountainbike vorfährt, ein alter Schulfreund auf seinem iPhone die Fotos des letzten Abenteuerurlaubs vorzeigt oder wenn sich der fremde Mann am Badestrand seiner Kleidung entledigt und diverse perfekt definierte Muskeln sehen lässt. „Das will ich auch haben!“, flüstert uns das Gefühl des Neides zu – und schon

strengen wir uns ein wenig mehr an. In unserem Job, in unserer Familie, beim Training. Das Schöne am Neid besteht darin, dass er uns ja nicht nahelegt, dem Bekannten sein Mountainbike zu ent­ wenden, sondern dass er uns dazu bringt, auch eines haben zu wollen, nämlich ein anderes, möglichst noch besseres. Der Neid ist also ein starker Ansporn, uns an­ zustrengen und mit dem anderen zumin­ dest gleichzuziehen. Ähnliches gilt für das Gefühl der Schadenfreude. Wenn wir beispielsweise sehen, dass der Autofahrer, der uns eben geschnitten hat, von der Polizei aufge­ halten worden ist und einen Strafzettel ausgefasst hat – belohnt uns das Gehirn mit dem angenehmen Gefühl, dass dem fiesen Raser ganz recht geschehe. Und be­ stärkt uns solcherart darin, uns weiterhin an die Regeln zu halten. Die Eifersucht wiederum beflügelt uns darin, mehr für geliebte Menschen zu tun, damit sie erst gar nicht auf die Idee kommen, uns zu verlassen. Sollten Sie nun aus meiner kleinen ­Ehrenrettung für ein paar dem ersten Anschein nach weniger sympathische Gefühle den Schluss gezogen haben, Sie könnten von nun an bloß noch fies sein, so muss ich Sie warnen: Sobald Ihnen Ihre gelegentlichen Neidgefühle ein Mountainbike verschafft haben, sollten Sie sich Ihren positiven Gefühlen zuwenden, um es genießen zu können … … aber, Moment mal, was ist das? Hat da nicht ein anderer Kolumnist einen besseren Text über den Neid geschrieben? Kann ja nicht sein …! Christian Ankowitsch, 51, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258: Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Stefan Wagner (Stv.) Geschäftsführung Mag. Alexander Koppel, Rudolf Theierl Creative Director Erik Turek Art Director Markus Kietreiber Fotodirektion Susie Forman, Fritz Schuster (Stv.) Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitender Redakteur Werner Jessner Redaktion Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arkadiusz Pia˛tek, Andreas Rottenschlager Grafik Miles English, Judit Fortelný, Esther Straganz Fotoredaktion Valerie Rosenburg, Catherine Shaw Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer, Lie-Ins and Tigers Augmented Reality Martin Herz, www.imagination.at Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Christian Graf-Simpson, Claudia Heis, Nenad Isailovic, Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher, Thomas Posvanc, Thomas Safranek Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Omar Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Internationale Projektleitung Bernd Fisa Corporate Publishing Boro Petric (Ltg.); Christoph Rietner, Nadja Žele (CR); Dominik Uhl (AD); Markus Kucˇera (FD); Lisa Blazek (Red.) Finanzen Mag. Siegmar Hofstetter Marketing Mag. Barbara Kaiser (Ltg.), Mag. Stefan Ebner, Christian Gruber, Mag. Sabine Gschwentner, Regina Köstler, Mag. Klaus Pleninger, Daniela Schwarz, Helga Strnad Anzeigenabteilung G+J Direct Sales/Corporate Editors GmbH, Brieffach 11, 20444 Hamburg Gesamtanzeigenleiter Heiko Hager, Tel. +49 (0)40 3703-5300 Stellv. Anzeigenleitung/Anzeigenverkauf Jan-Eric Korte, Tel. +49 (0)40 3703-5310 Anzeigendisposition Alexandra Kolatzek, Tel. +49 (0)40 3703-5308 Office Management Martina Bozecsky, Sabrina Pichl IT Michael Thaler Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869 m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Ein Produkt des Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint monatlich als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten. In Deutschland liegt das Red Bulletin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei. In Großbritannien: The Sunday Telegraph. In Nordirland: Belfast Telegraph. In Polen: Gazeta Wyborcza. In Südafrika: Cape Argus, Cape Times, Daily News, Pretoria News, The Star. In Neuseeland: The New Zealand Herald. In Kuwait: Kuwait Times Gesamtauflage 3 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 2. April 2011.

illustration: albert exergian

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