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RD-Blick-Nov2025

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5 ausgewählte Artikel zum Anhören

Gesundheit, Finanzen, Wohnen – was Experten raten

RICHTIGGUT ALTWERDEN!

FLUT IN SPANIEN

Die Helden von Valencia

KREBSFORSCHUNG

Neue Therapie, neue Hoffnung

Julia Roberts: Familie in der Hauptrolle

Selbsttest: Verlieren Sie leicht die Beherrschung? Reise: Hongkong und seine Wege zum Glück

IN DIESER AUSGABE

Artikel

30 Die Flut

Bei den Überschwemmungen in der Region Valencia 2024 wachsen Menschen im Kampf ums Überleben über sich hinaus

TiTelgeschichTe

38 Richtig gut altern

Wie gelingen die kommenden Jahre? Unser Autor macht sich auf eine Forschungsreise in eigener Sache

46 Farbenfroh

Wissenschaft und Industrie arbeiten an Pigmenten, die gut decken und die Umwelt schonen

54 Mein liebster Nachbar ... hatte ein großes Herz!

58 So weit die Füße tragen Marathon zu laufen ist eine Herausforderung, der sich jedes Jahr Tausende Sportbegeisterte stellen

64 Neue Hoffnung

Wird die Immuntherapie mit CAR-T-Zellen den Durchbruch bei der Behandlung von Hirntumoren und anderen schwer therapierbaren Krebserkrankungen bringen?

72 Wie gut ist Ihre Selbstbeherrschung? Haben Sie Ihre Emotionen im Griff? Ob Sie eher kontrolliert oder impulsiv reagieren, verrät Ihnen unser Selbsttest

46

76 Die Hölle von heute

Moderne Büros sind eng, Schubladen sind verboten und niemand leert die Mülleimer

93 Wo die Erinnerung lebendig wird

13 Fakten über Friedhöfe in aller Welt

KlassiKer

96 Tückische Wüste

Auf einer Fahrt durch die Mojavewüste biegen Gary und Jim falsch ab. Es folgen zwei Tage des Schreckens in mörderischer Sonnenglut

104 Als Computer weiblich waren

Die Pioniere des Programmierens waren sechs Frauen

112 Dem Glück auf die Sprünge helfen

Wolkenkratzer auf Stelzen und Räucherwerk – so stimmt man in Hongkong das Schicksal günstig

Mehr lesen

120 Im Schutz der Nacht

Eine Serie mysteriöser

Banküberfälle gibt der Polizei Rätsel auf. Es scheint, als könne der Räuber gleichzeitig an zwei Orten sein

Diese Beiträge können Sie auch anhören:

Gene beeinflussen, was uns schmeckt; so schlafen Sie besser ein; länger leben mit pflanzlichem Protein; zu viel Zeit vor dem Bildschirm schadet dem Gehirn

Ausgesprochen

Tapenade: Die Paste aus Oliven und Kapern bietet ein intensives Geschmackserlebnis

Im Fokus

Filmstar Julia Roberts über Vorbilder, persönliche Stärken, Familie und klare Worte

BLICKWINKEL

Die Welt in zwei Bildern

Die Unterwasserwelt vor der Küste Westneuguineas präsentiert sich farbenfroh. Zu den Lebewesen, welche die Riffe dort bevölkern, zählen der Clownfisch und die Blasenanemone, zwischen deren Tentakeln er sich versteckt, ebenso wie bunte Korallen. Doch ihre Welt ist bedroht. Steigende Wassertemperaturen machen Tieren und Pflanzen zu schaffen.

DIE FLUT

Drei Geschichten von Menschen, welche die gewaltige Naturkatastrophe in der Region Valencia überlebt haben

AM DIENSTAG, dem 29. Oktober 2024, stieß eine Kaltluftmasse aus der Arktis in Spanien auf ein Tiefdruckgebiet, dessen Winde aufgrund der hohen Temperaturen des Mittelmeers sehr feuchte Luftmassen ins Landesinnere der Halbinsel trieben. Als sie auf die Berge in Küstennähe trafen, stiegen sie auf und kollidierten mit sehr kalten Luftmassen. Die Folge: heftige Niederschläge in den Bergen, die Flüsse über die Ufer treten ließen und Schluchten überfluteten. In einigen Orten regnete es nicht einmal, als eine Flutwelle alles in ihrem Weg mit sich riss. Das Ergebnis waren 228 Tote und 78 betroffene Gemeinden. Viele Menschen kamen in Garagen, Erdgeschosswohnungen und in ihren Autos ums Leben.

Heftiger Niederschläge machten Flüsse zu Strömen, die alles mitrissen

RICHTIG GUT ALTERN

UNSER AUTOR SPÜRT, DASS

ER KEIN JUNGER MANN

MEHR IST. WIE GELINGEN DIE KOMMENDEN LEBENSJAHRE? EINE FORSCHUNGSREISE IN EIGENER SACHE

NNoch muss mir niemand über die Straße helfen. Auch Einkäufe schaffe ich gut allein. Ich fahre sogar noch Auto. Himmelherrgott, ich bin 52 Jahre alt. Meine Jugend war gefühlt gestern. Na gut, vorgestern.

Dennoch besitze ich seit ein paar Monaten ein Pillenkästlein. Beschriftet von Mo bis So, für jeden Tag ein kleines Fach. So was brauchen nur alte Leute. Dachte ich immer. Jetzt denke ich: Schon praktisch für meine CholesterinSenker und mein Vitamin D. Ich bin nicht krank, habe ansonsten nur Rücken. Und Augen. Ich schiebe ständig meine Brille hin und her, irgendwas ist immer unscharf. Ich werde nicht alt. Nein. Nein. Nein.

Doch.

Das beschäftigt mich. Mein Großvater starb mit 103. Sollte ich so alt werden wie er, stünde ich praktisch in der Mitte meines Lebens. Meine 18 Jahre alte Tochter sieht das anders. Ihr mitfühlender Kommentar zu meinen Zipperlein: „Papa, du bist einfach morsch!“

Offenbar höchste Zeit, mir Gedanken zu machen. Ich frage mich: Gut altern – wie geht das?

Kleine Umfrage im engsten Kreis: Was hilft? Liebe und Intimität. Familie und Freunde. Dankbarkeit. Zufriedenheit. Vertrauen. Ein bisschen Demut. Wenig Schmerzen. Humor. Ein Hobby. Genug Geld, um zurechtzukommen. Ein sicherer Ort. Glaube und Spiritualität. Musik. Mitunter auch Frikadellen und ein kaltes Bier. Gern würde ich diese Frage aber grundsätzlicher klären.

Ich fahre nach Frankfurt. Frank Oswald, 60, ist Professor für interdisziplinäre Alternswissenschaft an der Goethe­Universität. Er sagt: „Durch gesundheitlichen Fortschritt, Bildung und ökonomischen Wohlstand war die Zeitspanne, in der wir unser Leben im Alter mitgestalten können, noch nie so groß wie heute.“ Das klingt gut. „Aber wie gestalten wir sie sinnvoll? Was ist uns wichtig? Worin wir im hohen Alter Sinn finden, das bleibt unsere ganz persönliche Lebensaufgabe. Da helfen uns wissenschaftliche Erkenntnisse womöglich nur bedingt weiter.“

Im Gespräch mit Frank Oswald merke ich bald: Ich brauche positive

GUT ALTERN HAT AUCH ETWAS MIT GELD ZU TUN. WER WENIGER HAT, IST HÄUFIGER EINSAM

Bilder vom Altern. „Wir wissen inzwischen: Eine positive, neugierige Einstellung zum Leben und die Bereitschaft, immer wieder Neues zu entdecken und auszuprobieren, wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität aus, ja, wirkt sogar indirekt lebensverlängernd.“

Erste Erkenntnis: Gutes Altern beginnt im Kopf Zu diesem Schluss gelangten bereits mehr als 100 Studien. Eine Langzeitstudie aus Deutschland ergab: Wer sein

Für keinen Spaß zu alt – so eine Lebenshaltung hält frisch

Älterwerden nicht als schlimmes Schicksal begreift, sondern als Chance zur Weiterentwicklung, wer eine optimistische Haltung dazu findet und entsprechend lebt, bleibt länger gesund und wird älter. „Wir konnten zeigen, dass jene Menschen länger leben, die das Älterwerden damit verbinden, neue Ideen und Pläne zu realisieren, Neues zu lernen und offen und neugierig zu bleiben“, erklärt mir Professorin Susanne Wurm, Leiterin der Abteilung Präventionsforschung und Sozialmedizin am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald.

Dazu gehören Neugier und Offenheit für Veränderungen. Zu bemerken, was mein Leben jeden Tag reich macht, kann helfen, mit dem Unausweichlichen besser umzugehen. Aber nicht irgendwann später, sondern jetzt. Denn Altern ist ein Prozess.

Alles Kopfsache also? Sicherlich nicht nur. Es geht um viel mehr.

Zweite Erkenntnis:

Finanziell vorsorgen

Ein Leben in Wohlstand oder Armut –das hat auch Folgen für das Altern. Wer unterhalb der Armutsgrenze lebt, stirbt, so eine Studie, statistisch acht bis elf Jahre eher. Und: Wer weniger Geld hat, empfindet sich häufiger als einsam, ist

sozial weniger integriert, übt seltener ein Ehrenamt aus und betreut deutlich seltener Enkelkinder, was alles zusammen wiederum ein Gefühl von Einsamkeit fördern kann.

Auch ich fürchte mich davor, eines Tages allein mit meinen Erinnerungen und meinen dritten Zähnen im Sessel zu sitzen und die Wand anzustarren.

„Das Thema Einsamkeit im Alter gehört zu den großen Mythen“, beruhigt mich Experte Frank Oswald. „Wir wissen, dass Einsamkeit bei Menschen im höheren Alter seltener auftritt als vielleicht erwartet. Nicht jeder hochbetagte Mensch ist einsam. Der durchschnittliche Anstieg im Vergleich zum

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MEIN LIEBSTER NACHBAR

35 JAHRE LANG WAR WALTER DER BESTE NACHBAR, DEN MAN SICH WÜNSCHEN KANN

Mehr als die Hälfte meines Lebens lang konnte ich durchs Küchenfenster meinen Nachbarn Walter beobachten, wie er zu jeder Jahreszeit im Garten werkelte. Ich fand es toll zu wissen, dass er immer da war, so zuverlässig wie der Regen.

Als ich in das kleine Doppelhaus zog, das sich die Einfahrt mit Walters Haus teilte, war ich 26, frisch verheiratet und schwanger. Während ich auspackte, hörte ich ein Klopfen und sah ihn und seine Frau an meiner Hintertür stehen. Er reichte mir einen Korb mit Äpfeln, die er gepflückt hatte, und sagte: „Ich bin Walter. Das ist Kathy. Willkommen, liebe Nachbarn“, und ging.

Diese Äpfel waren genau das, was ich gegen meine Morgenübelkeit brauchte, aber damals ahnte ich noch

So weit die

Füße tragen

Einen Marathon zu laufen ist eine Herausforderung, der sich jedes Jahr Tausende Sportbegeisterte stellen von Doris Kochanek

NEUE HOFFNUNG

Im April 2023 erhielt Marcela Maus

einen Anruf von ihrem Kollegen

Bryan Choi. „Er stammelte die ganze Zeit ‚Oh mein Gott, oh mein Gott‘ ins Telefon“, berichtet Maus, Krebsforscherin am Mass General Research Institute in Boston, USA.

Die beiden Wissenschaftler arbeiteten gemeinsam an einer klinischen Studie zum Glioblastom, einem aggressiven Hirntumor. Am Vortag hatten sie ihren ersten Patienten behandelt. Dazu hatten sie ihm genetisch veränderte weiße Blutkörperchen direkt ins Hirnwasser gespritzt. Die ganze Nacht über machten sie sich Sorgen – vor allem, als der 74­jährige Patient plötzlich Fieber bekam. Dr. Choi ordnete ein MRT an.

Als Dr. Maus im Büro ihres Kollegen eintraf, wurden gerade die MRT­Scans geladen. Verblüfft starrten sie auf den Bildschirm: Der Tumor des Patienten

– wenige Tage zuvor noch ein heller Fleck von der Größe einer Erdbeere –war fast vollständig verschwunden. „Das MRT­Gerät funktioniert nicht richtig“, dachte Choi. Doch die späteren Hirnscans sahen sogar noch besser aus. Einige Wochen später behandelten Maus und Choi einen zweiten Patienten: Tom Fraser, ein Ingenieur aus dem US­Bundesstaat New York. Zu ihrer großen Verwunderung lief alles genauso ab wie beim ersten Patienten: Injektion, Fieber und schnelle Rückbildung des Tumors. Nachdem beim dritten Patienten ähnliche Reaktionen aufgetreten waren, unterbrach Maus den Versuch und stellte die Ergebnisse zusammen.

Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore bei Erwachsenen. Sie können in jedem Alter auftreten und sind fast immer tödlich. Nach der Diagnose haben die Betroffenen

DEM GLÜCK AUF DIE SPRÜNGE HELFEN

IN HONGKONG GIBT ES VIELE METHODEN, DAS SCHICKSAL GÜNSTIG ZU

STIMMEN

von Françoise Hauser

Der Pool auf dem Hopewell Centre ist nicht wirklich für Schwimmer. Vielmehr soll er die Geschäfte positiv beeinflussen

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