Issuu on Google+

Universität Bayreuth Geowissenschaften Bereich Geographie Lehrstuhl der Stadtgeographie und Geographie des ländlichen Raumes Prof. Dr. Herbert Popp

Bachelor-Arbeit

Internationaler Tourismus in Mosambik – Potenzial und derzeitige touristische Strukturen, dargestellt an einer Beispielregion

Vorgelegt von: Anne Hegge Rabenstein 17 95445 Bayreuth Matrikel-Nummer:1022265 Studentin der Geographischen Entwicklungsforschung Afrikas Bachelor of Arts Abgabetermin:14.12.2006


Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

4

Darstellungsverzeichnis

4

1 Einführung ............................................................................................................................. 5 1.1 Hintergrund ..............................................................................................................................5 1.2 Begriffsklärung.........................................................................................................................6 1.3 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung ........................................................................7 1.4 Methodisches Vorgehen ..........................................................................................................8 1.5 Aufbau der Arbeit...................................................................................................................10 2 Tourismus in Mosambik....................................................................................................... 10 2.1 Staatliche Tourismuspolitik ....................................................................................................10 2.2 Reiseziel Mosambik...............................................................................................................12 2.3 Nationalparks und andere Schutzgebiete..............................................................................17 3 Das Forschungsgebiet Cabo Delgado................................................................................. 19 3.1 Zur Auswahl des Forschungsgebietes...................................................................................19 3.2 Profil der Region Cabo Delgado ............................................................................................20 4 Natur- und kulturräumliche Charakteristiken ....................................................................... 21 4.1 Das Niassa Reservat .............................................................................................................22 4.1 Der Quirimbas Nationalpark ..................................................................................................25 4.3 Kunst und Kultur der Makonde ..............................................................................................28 4.4 Historische Sehenswürdigkeiten............................................................................................30 5 Analyse und Bewertung touristischer Infrastruktur .............................................................. 33 5.1 Verkehr und Transport...........................................................................................................33 5.2 Gastronomie und Unterhaltung..............................................................................................37 5.3 Dienstleister für Information, Organisation und Freizeit.........................................................39 5.4 Die Lage der Andenkenerzeuger und Souvenirverkäufer......................................................40

2


5.5 Aspekte des informellen Sektors und des illegalen Handels .................................................43 6 Analyse und Bewertung der Beherbergungsstruktur .......................................................... 45 6.1 Beherbergungen für Binnentouristen und regionale Geschäftsreisende ...............................45 6.2 Beherbergungsarten und Besitzverhältnisse .........................................................................47 6.3 Das touristische Entwicklungsstadium im raumzeitlichen Kontext ........................................53 6.4 low budget or luxurious - Beherbergungskategorien .............................................................56 7 Profil internationaler Touristen............................................................................................. 62 7.1 Herkunft .................................................................................................................................63 7.2 Aufenthaltsdauer und Interessen...........................................................................................65 7.3 Touristentypen .......................................................................................................................69 8 Arbeitsmarkt und Humankapital........................................................................................... 71 8.1 Beschäftigungssituation.........................................................................................................71 8.2 Probleme der Arbeiter und Arbeitgeber .................................................................................73 8.4 Der Ausbildungssektor...........................................................................................................74 9 Schlussbetrachtung: Potenzial und Grenzen eines nachhaltigen Tourismus..................... 75 9.1 community based tourism......................................................................................................75 9.2 Ökologische Veränderungen und Ökotourismus ...................................................................78 9.3 Nachhaltiger Tourismus in der Kritik......................................................................................80 10. Fazit .................................................................................................................................. 81 Anhang ................................................................................................................................... 84 Quellenverzeichnis .................................................................................................................... I

3


Abkürzungsverzeichnis

DPTUR: Direcção Provincial de Turismo (provinziale Tourismusdirektion) FRELIMO: Frente da Libertação de Moçambique (Mosambikanische Befreiungsfront) FUTUR: Fundo Nacional de Turismo (nationaler Fonds für Tourismus) INE: Instituto Nacional de Estatística (Nationales Statistik-Institut ) MITUR: Ministério de Turismo (Tourismusministerium) MT: Metical, Pl.: Meticais (mosambikanische Währung) MTn: Metical da Nova Familia (mosambikanische Währung seit dem 1.Juli 2006) 1000 MT = 1 MTn; 1 € = 32 Mtn; 1 US $ = 25 MTn PNQ: Parque Nacional das Quirimbas (Quirimbas Nationalpark) RENAMO: Resistência Nacional Moçambicana (Nationaler Widerstand Mosambiks)

Darstellungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung der Bettenzahl in den verschiedenen Hotelkategorien (1994-1999)

14

Abb. 2: Einnahmen der Beherbergungsbetriebe 1995 bis 1999 in US $

15

Abb. 3:Übernachtungen und Anzahl von ausländischen Touristen 2002

16

Abb. 4: Betriebe nach Beherbergungsart

49-50

Abb. 5: Übernachtungspreise und Einstufung der Beherbergungsbetriebe

57

Abb. 6: Gäste, Übernachtungen und Betten in Cabo Delgado 2000 - 20005

60

Abb 7-9: Herkunft der Touristen: allgemein und kategorisiert

64-65

4


1 Einführung “After nearly two decades of civil war, the country, a former Portuguese colony - and home to over 1,500 miles of undeveloped Indian Ocean beachfront, some of the finest diving and deep sea marlin fishing in the world, and a unique Afro-Iberian-Brazilian culture - is rediscovering its place as one of Africa's most alluring, and most relaxing, tourism destinations.” 1

New York Times 2005

Als „Africa´s Rising Star“ wurde das Land Mosambik, das in den letzten Jahren mehr aufgrund von Flutkatastrophen, Cholera-Epidemien und bitterer Armut in die Schlagzeilen gelangte, im März 2005 in der New York Times dargestellt. Die Beschreibung ruft bei reisefreudigen Nordamerikanern und Europäern das Bild eines unentdeckten Paradieses hervor, einer Traumvorstellung von Urlaub. Es wird die natürliche Attraktivität des Landes beschrieben, Reiseveranstalter und Verkehrsunternehmen, Restaurants und Hotels werden ausgeklammert, obwohl ohne sie eine Urlaubsreise schwer gestaltbar ist. Die touristische Infrastruktur bildet die Basis des Tourismus und setzt gleichzeitig Maßstäbe für touristische Entwicklungsmöglichkeiten. Bevor jedoch dieses Potenzial und derzeitige touristische Strukturen in Mosambik aufgezeigt werden, muss das globale Phänomen Tourismus im internationalen Kontext dargestellt werden. 1.1 Hintergrund Die Reise- und Tourismusindustrie gibt nach den folgenden Angaben der World Tourism Organization (WTO) auf direktem und indirektem Wege Arbeit für 212 Millionen Menschen weltweit und füllt die Staatskassen mit 655 Milliarden US $. Tourismus und Reisen sind für 11,7% des Bruttoinlandsproduktes in der Welt verantwortlich. Diese Zahlen zeigen die internationale Bedeutung des Tourismus. Zwischen 1950 und 2002 ist die Zahl der international arrivals (internationalen Touristenankünfte) von 25 Millionen auf 703 Millionen Menschen im Jahr 2002 gestiegen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 4%. Nach Schätzungen der WTO würde sich die Zahl der international arrivals im Jahr 2010 auf über eine Milliarde belaufen, weitere zehn Jahre später sollen es 1,6 Milliarden ausländische Einreisende sein. 2 Die Tourismusbranche ist von Schnelllebigkeit geprägt und stark von Konflikten, Kriegen, Krisen und der Bedrohung durch Terror abhängig. Dazu entwickelt sich im Tourismus eine

1 2

Kurlantzick 2005 http://travel2.nytimes.com/2005/05/29/travel/29mozam.html Vgl.: Tourism Intelligence International 2005, S.1

5


harte Konkurrenz. China, Vietnam und die osteuropäischen Länder entdecken diese Devisenquelle, selbst der Weltraum ist bereits Zielgebiet geworden. Im Jahr 2002 stieg der Prozentsatz der internationalen Touristen in Afrika um 3%. Fast 30 Millionen ausländische Touristen besuchten verschiedene Länder des Kontinents, das heißt 4,1% aller international arrivals gingen nach Afrika. Das ist im Vergleich mit Europa, das im Jahr 2002 Zielgebiet für 56,9% aller ausländischen Einreisenden ist, sehr wenig. 18,7% der internationalen Touristen reisten nach Asien und in den Pazifikraum, Nordamerika hatte einen Anteil von 11,6%, der Nahe Osten lag mit 3,9% noch hinter den Ankünften in Afrika. Die durchschnittliche Wachstumsrate für internationale Touristenankünfte in der ganzen Welt zwischen 2000 und 2002 lag bei 1,1%, in Afrika bei 3%. 3 Von den im Jahr 2002 erwirtschafteten 474,2 Milliarden US $ aus internationalen Touristenankünften ging der geringste Anteil, nämlich 2,5%, nach Afrika; über 50% flossen nach Europa. 4 Nordafrika empfängt 35% aller internationalen Touristenankünfte in Afrika, 30% gehen ins südliche Afrika. Mosambik hat lediglich 1% aller internationalen Touristenankünfte in Afrika. 5 Von diesem einem Prozent finden einige der Touristen den Weg in eine der entlegensten Regionen Mosambiks, dem Untersuchungsgebiet. Der internationale Tourismus in dieser Region ist Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit. 1.2 Begriffsklärung Die Anzahl der Definitionen in der Literatur deutet auf die Schwierigkeit hin, den Tourismus in seiner Gesamtheit zu erfassen und abzugrenzen. Eine der geläufigsten Definitionen stammt von KASPAR: "Fremdenverkehr oder Tourismus ist die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher noch dauernder Wohn- oder Arbeitsort ist". 6 Die Begriffe Fremdenverkehr und Tourismus werden oft synonym aber im deutschen Sprachgebrauch auch zur Unterscheidung von incoming (Aufnahme von Touristen, Fremdenverkehr) und outbound tourism (Verlassen des Wohnorts und auf eine Reise gehend, Tourismus) verwendet 7 . Um internationale Vergleichbarkeit zu schaffen wurden 1991 auf der International Conference on International Travel and Tourism in Ottawa Empfehlungen zur Tourismusstatistik erarbeitet, die 1993 von der Statistikkommission der 3

Vgl.: Tourism Intelligence International 2005, S.2 Vgl.: Tourism Intelligence International 2005, S.2-3 5 Vgl.: Tourism Intelligence International 2005, S.3 4

6 7

Kaspar 1975, S.13 Vgl.: Mundt 1998, S.2-3

6


Vereinten Nationen angenommen wurden. 8 Entsprechend der WTO umfasst der Tourismus „die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts-, oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“ 9 . Reiseströme können innerhalb eines Landes oder grenzüberschreitend auftreten. Als international tourism bezeichnet die WTO den Einreiseverkehr oder Ausländertourismus (incoming tourism) und den Ausreiseverkehr oder Auslandtourismus (outgoing tourism) innerhalb eines Landes. Dazu gehören alle Besucher (visitors), die entweder auf einem Tagesausflug sind (same-day-visitors) oder Touristen, zu deren Reise mindestens eine Übernachtung gehört. 10 1.3 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung Die Feldforschung bezieht sich auf den Ausländertourismus (incoming tourism). Der Auslandstourismus (outgoing tourism) von Mosambikanern in andere Länder wurde nicht bearbeitet. Genauso wie nur ein Teil des internationalen Tourismus untersucht wurde, konnte innerhalb der Feldforschung auch nicht auf jegliche Art von Touristen eingegangen werden. Zunächst entfällt die Gruppe der Tagesbesucher, aufgrund der Auswahl der befragten Beherbergungsbetriebe ist der Schwerpunkt der Untersuchung auf Touristen mit den Motiven Freizeit, Erholung, Ferien gelegt. Zu Beginn der Hochsaison 2006 wurde die Provinz Cabo Delgado bereist, um Strukturen und Potenzial des internationalen Tourismus primär über einen empirischen Forschungsprozess zu ermitteln. Forschungsgegenstand ist somit zum ersten die bereiste Region mit ihren naturräumlichen Merkmalen und Ausprägungen. Da es sich um einen besiedelten Raum handelt, wurde auch die dortige Bevölkerung untersucht, ohne dass sie zwingend aktiv im Tourismussektor mitwirkt. Tourismus ist von Menschen gemacht. Auf der einen Seite steht der Konsument des Produkts, nämlich der Tourist, der die Dienstleistungen und bereitgestellten Angebote konsumiert. Auch wenn der Begriff Tourismusindustrie häufig genutzt wird, ist es ein dienstleistungsorientierter Sektor, in denen die Handlungsweisen und Interessen des Menschen von großer Bedeutung sind. Es handelt sich folglich um eine Sozialforschung, die die Handlungen der verschiedenen Akteure im Tourismus aufzeigt und deren Möglichkeiten der Leistungs- und Entwicklungsfähigkeit, also das Potenzial, aufdecken will. Das Potenzial beschreibt die Entwicklungsmöglichkeiten der touristischen Strukturen. Tourismus ist eine

8

Vgl.: Mundt 1998, S. 5-6 Henschel 2002, S.2 10 Vgl.: Mundt 1998, S. 5-6 und Henschel 2002, S.7-8 9

7


relativ neuartige Entwicklung in der Untersuchungsregion. Die derzeitigen Strukturen im Tourismus

bestimmen

mögliche

Entwicklungen

und

wirken

sektorenübergreifend.

Internationaler Tourismus steht in Wechselwirkung mit wirtschaftlichen, sozio-kulturellen und ökologischen Gegebenheiten. Fragestellung der Arbeit ist, wie sich der internationale Tourismus in Abhängigkeit von Ökologie, Ökonomie und sozio-kulturellem Gefüge darstellt. 1.4 Methodisches Vorgehen Um dieser Fragestellung nachzugehen, wurde von Anfang Juli bis Ende August 2006 eine empirische Untersuchung in der Provinz Cabo Delgado vorgenommen. Der Schwerpunkt der Untersuchung

lag

auf

der

Befragung

von

Beherbergungsbetrieben,

da

hier

die

verschiedensten Akteure des Tourismus zusammentreffen. Die Beherbergung ist mitunter der zentrale Ort eines touristischen Aufenthalts. Sie ist, anders als der reisende Tourist, leicht zu erfassen und kartographisch darstellbar. 34 Hoteleigentümer oder Personen in leitender Funktion wurden befragt. 11

Da drei Beherbergungsleiter mehrere Hotels in der Region

besitzen, dazu bei zwei Unterkünften je zwei Personen zum gleichen Betrieb befragt wurden, konnten Informationen zu 39 Unterkünften zusammengetragen werden. Zu diesen Fällen gehören auch angehende Hotelmanager oder Investoren, die in Kürze ein Hotel eröffnen werden. Nach vorheriger Absprache mit den Befragten wurde das zwischen 30 Minuten und zwei Stunden dauernde Leitfadeninterview mit einem Aufnahmegerät festgehalten, um eine spätere Transkription des Gesprächs zu ermöglichen und Informationsverluste zu verhindern. Das Leitfadeninterview wurde als problemzentriertes Interview durchgeführt. Diese Form des qualitativen Interviews erwies sich als sehr geeignet, da das theoretisches Konzept und die Annahmen des Fragestellers durch „die Interviews mit der sozialen Realität konfrontiert, plausibilisiert und modifiziert“ 12 werden konnten. Die „mittlere Offenheit“ 13 erlaubt dem Interviewten zu einer freien Erzählwiese, dennoch konnten vergleichbare Daten gesammelt werden, da nach einem „Frage-Antwort-Schema“ 14 vorgegangen wurde. Ein Pretest wurde mit drei Beherbergungsleitern durchgeführt und erlaubte leichte Modifizierungen der Leitfragen. Neben Personen aus der Hotelleitung wurden stichpunktartig einfache Angestellte (Nachtwächter, Küchen- und Bedienungspersonal) und Fachkräfte (Tauchlehrer, Pilotin, professioneller Jäger) zu ihrer Arbeit mithilfe eines Fragebogens mit offenen und

11

Zur Vereinfachung werden im Folgenden die befragten Beherbergungsleiter, Investoren und Angestellte in leitender Funktion zusammenfassend als Hotel- oder Beherbergungsleiter benannt. 12 Vgl.:Lamnek 1995, S.70ff zitiert nach Reuber, Pfaffenbach 2005, S 131 13 Reuber, Pfaffenbach 2005, S.130 14 Reuber, Pfaffenbach 2005, S.129

8


geschlossenen Fragen interviewt. Die Befragung von Touristen durch ein Interview mit Fragebogen hat sich als problematisch und letztlich als nicht durchführbar herausgestellt. Im Juli 2006 wurden (nach einem Pretest von fünf Personen) 20 Touristen mittels halboffenem Fragebogen interviewt. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es nicht möglich ist, mit dieser Methode alle Touristentypen zu erfassen. Touristen, die ihren Urlaub auf bestimmten Inseln des Quirimbas Archipelago verbringen, konnten nicht erreicht werden. Das ist darauf zurückzuführen, dass viele der Inseln nur per Privatflugzeug, Helikopter oder Motorboot erreichbar sind. Einige Inseln dürfen nur betreten werden, wenn mindestens eine Nacht im Hotel der gehobenen Preisklasse gebucht wird. Dazu fürchteten einige Hotelleiter, dass sich ihre Kunden, die explizit die Abgeschiedenheit auf einer Insel suchen, sich durch ein Interview gestört fühlen könnten. Fragebögen musste durch andere Methoden der qualitativen Sozialforschung ersetzt werden. Touristen wurden fortan durch die Methode der teilnehmenden Beobachtung und mittels narrativen Interviews zum Gegenstand der Forschung. Durch die große Offenheit des narrativen Interviews konnten theoretische Vorstellungen entwickelt und durch die Aufforderung, über ein Thema zu sprechen, vertieft werden. 15 Halboffene Fragebögen wurden für die Befragung einer Touristeninformation und eines Reiseveranstalter genutzt. Es konnten ebenso (Experten-)Gespräche mit dem Direktor, der Chefin und Angestellten der provinzialen Direktion des Tourismusministeriums, Beamten des provinzialen Amtes für Kataster und Geographie, einem Mitarbeiter des provinzialen Landwirtschaftsministeriums, Angestellten des WWF und des Quirimbas Nationalparks, sowie der spanischen und der amerikanischen Regierungsorganisationen (Cooperación española und US AID Mozambique) Kunsthandwerk-Kooperationen,

durchgeführt werden.

Gespräche

mit

Leitfadeninterviews mit

Souvenirverkäufern,

Fischern

und

Segelbootvermietern gaben Einblicke in die breite Streuung der Tourismusbranche. Teilnehmende Beobachtungen, insbesondere auf den Geländen der Beherbergungsbetriebe und am Strand, runden die Untersuchung ab. Dazu konnte die Tourismus-Fakultät der Universidade Católica de Moçambique in Pemba einige Male besucht werden. Zur verbesserten

Darstellung

und

Unterstützung

der

Untersuchungsergebnisse

wurden

Kartierungsarbeiten vorgenommen.

15

Vgl.: Lamnek 1995, S.70ff zitiert nach Reuber, Pfaffenbach 2005, S.131

9


1.5 Aufbau der Arbeit Nachdem der Tourismus in Mosambik im globalen Kontext aufgezeigt (Punkt 1.1) und wichtige Termini zum internationalen Tourismus (Punkt 1.2) geklärt wurden, ist auch der Fokus der Untersuchung im Punkt 1.3 erörtert worden. Durch welche Methoden die Leitfrage der Untersuchung erforscht wird, wurde im Punkt 1.5 geklärt. Um die Ausprägungen der Untersuchungsregion in den nationalen Kontext einordnen zu können, beschreibt Kapitel 2 die staatliche Tourismuspolitik sowie räumliche und strukturelle Verteilung des internationalen Tourismus in Mosambik. Auf die herausragende Stellung geschützter Gebiete als naturtouristisches Angebot wird im Punkt 2.3 Rücksicht genommen, um im Kapitel 4 auf die Nutzung und Lage geschützter Gebiete in der Untersuchungsregion einzugehen.

Zuvor

wird

eine

kurze

Charakterisierung

der

Untersuchungsregion

vorgenommen (Kapitel 3). Auf natur- und kulturräumliche Charakteristiken wird neben der Flora und Fauna auch auf sozio-kulturelle Gegebenheiten, die exemplarisch an der Ethnie der Makonde und der architektonischen Überreste aus Kolonialzeiten dargestellt werden, eingegangen. Im zweiten Teil der Auswertung wird direkt auf Aspekte der touristischen Infrastruktur Bezug genommen. Die wichtigsten touristischen Strukturen werden im Kapitel 5 dargestellt und ausgewertet, das folgende Kapitel behandelt die Beherbergungsstruktur separat, da über diese die meisten Informationen eingeholt werden konnten. Die Besucher der Beherbergungen konnten im Kapitel 7 anhand ihrer Interessen, Motive und Aktivitäten analysiert und zusammenfassend typisiert werden. Die Bedeutung des Tourismus für den Arbeitsmarkt, ebenso wie die Stärken und Schwächen des Humankapitals, beschreibt Kapitel 8. Da nun auch im Bereich des Tourismus die Nachhaltigkeit kontrovers diskutiert wird und eine wachsende Rolle spielt, werden in der Schlussbetrachtung die Grenzen und das Potenzial nachhaltiger Tourismusformen aufgezeigt (Kapitel 9). Die Arbeit schließt mit den den Ergebnissen der Leitfragen zu den Strukturen und der Einschätzung des Potenzials ab (Kapitel 10). 2 Tourismus in Mosambik Da die Beispielregion nicht räumlich isoliert und politisch autonom betrachtet werden kann, beschreibt das Kapitel 2 die politischen Rahmenbedingungen und Bestrebungen sowie Verteilung und Struktur des Tourismus in Mosambik. 2.1 Staatliche Tourismuspolitik Touristische Aktivitäten werden nach der nationalen Tourismuspolitik „Política Nacional do Turismo“ (PNT) der Regierung und dem darauf aufbauenden Plano Estratégico Nacional

10


para

o

Desenvolvimento

do

Turismo

(PENDT,

Nationaler

Strategieplan

zur

Tourismusentwicklung) des Ministério de Turismo (MITUR) geplant und durchgeführt. PNT und PENDT definieren die Zonen mit besonderer touristischer Bedeutung, Schutzgebiete und touristische Projekte. Nach der PNT sind die Grundlagen für die touristische Entwicklung Mosambiks: -

Attraktive Stände,

-

Flora und Fauna,

-

Historische und kulturelle Attraktionen,

-

Wassersport. 16

Das Ministério de Turismo (MITUR) ist das ausführende Organ für die Förderung des Tourismus auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, für touristische Aus- und Weiterbildung und für tourismusrelevante Studien. Es wurde durch einen Erlass des Staats-Präsidenten vom 17. Januar 2000 geschaffen. Das Ministerium orientiert sich an der 1999 in Kraft getretenen PNT. Diese beschreibt auch die Arbeitsbereiche des MITUR. Sie liegen in der Förderung eines nachhaltigen Tourismus, der sich positiv auf die ökonomische und soziale Entwicklung des Landes auswirken soll. Erklärtes Ziel ist es, die Zonen mit touristischem Entwicklungspotenzial zu schützen und gleichzeitig ökonomisch zu nutzen. Dazu gehört auch der Schutz der Wildtiere des Landes. Das

Ministerium

hat

die

Verpflichtung,

zu

den

Deviseneinnahmen

durch

den

Ausländertourismus beizutragen. Durch die Förderung von Privatunternehmen und – investitionen sollen Arbeitsplätze geschaffen und so die allgemeine Lebensqualität des mosambikanischen Volkes gesteigert werden. Die touristischen Fördermaßnahmen haben dazu die Aufgabe, das Volk und besonders die Stadtbevölkerung über die Attraktivität und Diversität des Landes aufzuklären. Der Austausch mit fremden Völkern (ausländischen Touristen) soll interkulturelle Kompetenzen fördern, die nationale Einheit stärken und den wirtschaftlichen Wiederaufbau vorantreiben. Um das touristische Angebot zu vergrößern und qualitativ zu verbessern, sollen touristische Ausbildungsstätten gefördert werden. 17 Diesen

Aufgaben

widmen

sich

neun

verschiedene Direktionen,

Inspektionen

und

Abteilungen. Sie stehen unter der Aufsicht des Fundo Nacional de Turismo (FUTUR, Nationaler Fond für Tourismus), des Weiteren gibt es eine (!) staatliche Ausbildungsstätte, das Hotel Escola Andalucía (Hotelfachschule Andalucía). 18

16

Vgl.: SLE 2002, S.25f Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/mitur_dentro.htm 18 Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/mitur_dentro.htm#top 17

11


Lokal vertreten ist das Tourismusministerium in Form einer Direcção Provincial de Turismo (DPTUR, provinziale Tourismusdirektion). Im Untersuchungsgebiet Cabo Delgado befindet sich die DPTUR in der Provinzhauptstadt Pemba. Es konnte mit dem Direktor der Tourismusdirektion, Herrn Lureiro, ein Gespräch arrangiert werden. Da dieser jedoch zum Zeitpunkt der Befragung erst seit drei Wochen im Amt war, konnten nur wenige Informationen eingeholt werden. Die Chefin der DPTUR, Frau Fátima José Romero, war zu einem Expertengespräch über die Situation der touristischen Entwicklung in der Provinz, aber auch über die Struktur der DPTUR bereit. Zu den strukturellen Problemen gehört, dass von den 27 Mitarbeitern des provinzialen Tourismusdirektorats lediglich drei Personen eine akademische Ausbildung abgeschlossen haben, ansonsten wurde lediglich zwischen drei und zwölf Jahren die Schule besucht. Das Tourismusministerium ist stark zentralisiert. Bedeutsame Entscheidungen werden in der Zentrale in Maputo getroffen. In Pemba werden Aufträge ausgeführt. Momentan beschäftigt sich die DPTUR hauptsächlich mit der Klassifizierung von Beherbergungsbetrieben, um national vergleichbare Standards zu setzen. 2.2 Reiseziel Mosambik Mosambik ist das einzige Land Afrikas, das seit 2001 ein Wirtschaftswachstum von über 7% pro Jahr verzeichnet, welches nicht aus den Einnahmen des Erdölsektors resultiert. 19 Dennoch befindet sich das Land auf Platz 168 von 177 auf dem Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index), was nach fast zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg nicht verwundert. Mit dem Erreichen der Unabhängigkeit 1975 war incoming tourism

aufgrund der

sozialistischen Regierungsführung und der politischen Zustände in den Nachbarstaaten Südafrika und Simbabwe rapide gesunken und beruhte bis zu den 80er Jahren hauptsächlich auf

Touristen,

die

als

Missionare

Grenzgängern und Geschäftreisenden. demokratisch

nennende

Regierung

oder 20

Entwicklungshelfer

das

Land

besuchten,

Drei Jahre nach dem Bürgerkrieg schuf die sich nun einen

Fünf-Jahres-Plan,

die

„Estratégia

de

Desenvolvimento do Turismo“ um Deviseneinnahmen hauptsächlich durch internationalen Tourismus zu erhalten. Das Land erlebt nun den Wiederaufbau der Tourismusindustrie. In den 60er und Anfang der 70er Jahre war der Süden des Landes ein beliebtes Ziel der Südafrikaner, die in Massen einen Billigurlaub an den Stränden suchten. 21 Nach der

19

Vgl.: Ullrich, Beriè 2006, S. 169 Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz.factos.htm 21 Kurlantzick 2005 http://travel2.nytimes.com/2005/05/29/travel/29mozam.html 20

12


Beendigung des sozialistischen Experiments 1984 trat Mosambik dem Internationalen Währungsfond (IWF) bei. Drei Jahre später trat das Strukturanpassungsprogramm in Kraft, die Abkehr von der sozialistischen Planwirtschaft war eingeläutet. Zur Öffnung der Wirtschaft und Privatisierung von staatlichen Unternehmen wurde das Gabinete de Reestruturação das Empresas da Industria, Comércio e Turismo (GREICT, Kabinett zur Strukturanpassung der Unternehmen in Industrie, Handel und Tourismus) gebildet. Durch das GREICT wurden 1994-1999 insgesamt 47 Beherbergungen mit einer Kapazität von 2063 Betten privatisiert. 22 Dadurch hat der Privatsektor die staatlichen Beherbergungen stark zurückgedrängt. Qualität und Quantität der Unterkünfte konnten gesteigert werden. Die Ankünfte der Touristen in Mosambik nehmen stetig zu. Im Jahr 1999 besuchten 240 000 Touristen das Land, zwei Jahre später stieg die Zahl auf 400 000. Der bedeutendste Quellmarkt ist Südafrika, 77% aller Ankünfte kamen 1999 aus dem Nachbarstaat, 13% aus Europa, vornehmlich aus Portugal, 2% aus den USA, die restlichen aus anderen Ländern. 23 Nach dem MITUR registrierte das Instituto Nacional de Estatísica (INE) 2002 bereits 942 885 Ankünfte. Das würde eine Zunahme von 135% bedeuten. Eine derartige Zunahme lässt die Glaubwürdigkeit der Statistik anzweifeln, auch die Tourism Intelligence International sieht „this statistics with caution as the rationable for this growth is not evident.“ 24 Einnahmen aus der Tourismusbranche sollen jedenfalls das Wirtschaftswachstum stärken, Mosambik sieht im Tourismus mehr Ertrag und Entwicklungsmöglichkeiten, als etwa im Ausbau der Landwirtschaft. 25 Noch steht Mosambik noch nicht auf der WTO-Liste der 10 meistbesuchten Länder Afrikas. Die Konkurrenz ist groß, denn die Versuchung, dass Ausländer-Tourismus ein Weg aus der Misere der Entwicklungsländer sein könnte, ist groß. “Many developing countries, facing debt burdens and worsening trade terms, have turned to tourism promotion in the hope that it brings foreign exchange and investment.” 26 Dem Land Mosambik können allein aufgrund seiner natürlichen Voraussetzungen gute Chancen eingeräumt werden, bald eine unique selling position einzunehmen, da globale Trends voraussagen, dass Länder mit einer Angebotskombination aus beach und bush, Ethno- und Ökotourismus in Zukunft besonders nachgefragt werden. 27 Dieses touristische Produkt soll nach Vorstellungen der PNT jedoch nicht zu einem Massenprodukt verfallen.

22

Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/factos.htm Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/colectivos.htm 24 Tourism Intelligence International 2005, S. 6 25 Vgl.: Governo da Provincia de Cabo Delgado 2001, S 36 26 Pleumaron 1999 www.twnside.org/globalisation%20and%20sustainable.htm 27 Vgl.: Tourism Intelligence International 2005, S.7 23

13


Fernab des Massentourismus versucht das Land das Image einer high-end destination aufzubauen. Immerhin stieg in den Kategorien „Luxo“ und „Primeira“ innerhalb von fünf Jahren die Anzahl der Betten um 1617 an, während in den beiden unteren Kategorien nur 879 Betten dazukamen. Besonders 1998 stieg die Anzahl der Betten rapide, es wurden 60 Millionen US $ investiert, im Jahr zuvor waren es 46 Millionen US $. Ebenso entwickelte sich die Tourismusindustrie in anderen Bereichen. Zwischen 1994 und 1999 stieg die Anzahl der hauptsächlich in Maputo ansässigen Reisebüros von 14 auf 53. Abb. 1: Entwicklung der Bettenzahl in den verschiedenen Hotelkategorien (1994-1999) 28 Categoria de Hoteis 1994 (Hotelkategorie) Luxo (luxoriös) 593 Primeira (ersten Klasse) 528 Económica (einfach) 1031 Outras (andere) 4621 Total (total) 6773

1995 1996 1997 1998

1999

593 528 1563 4726 7439

1368 1370 2152 4379 9289

593 557 1731 4820 7768

593 624 1613 4316 7494

1368 972 2006 4324 9068

Quelle: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/factos.htm (leicht verändert)

Mit dem Anstieg der Beherbergungsbetriebe sind auch die Einnahmen kontinuierlich gestiegen. So wurde 1996 an einem Bett im Durchschnitt 3376 US $ verdient, zwei Jahre später brachte ein Bett bereits 4519 US $ im Jahr ein. Das ist darauf zurückzuführen, dass einerseits die Anzahl der Hotelbetten in den Kategorien „Luxo“ und „Primaria“, andererseits der Auslastungsgrad gestiegen sind. Nach Statistiken des MITUR über den Auslastungsgrad waren die Hotelbetten in der Provinz Maputo im Jahr 1996 zu 26% ausgelastet. Ein Jahr später lag die Auslastung bei 50%. Im Allgemeinen verzeichnen die Hotels der Kategorie „Luxus“ und „Primeira“ eine relativ hohe Auslastung von 35-40%. Da sich in der Hauptstadt die gehobeneren Hotels konzentrieren, verzeichnet die Provinz Maputo eine besonders hohe Auslastung. In der ländlichen Provinz Manica ist die Auslastung von 13% innerhalb von zwei Jahren (1996 – 1998) nur um einen Prozentpunkt gestiegen.

28 29

29

In der Quelle ist nicht ersichtlich, nach welchen Kriterien die Beherbergungen kategorisiert wurden. Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/factos.htm

14


Abb.2: Einnahmen der Beherbergungssbetriebe 1995 bis 1999 in US $ Jahr 1995 1996 1997 1998 1999

Einnahmen in US $ 7.467 000* 26.228 000 37.335 010 40.987 070 31.142 009** *Einnahmen des letzten Quartals **Einnahmen Januar bis Oktober.

Quelle: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/factos.htm (leicht verändert)

Die Einnahmen der Beherbergungsindustrie sind nur ein Teil der weit gefächerten Tourismusindustrie. Aufgrund der Überschneidungen mit anderen Sektoren ist es schwierig, Tourismus messbar zu machen. In einer Pilotstudie untersuchte im Jahr 2000 das Instituto Nacional de Estatística (INE) zum ersten Mal ausländische Touristenankünfte an vier der 74 Grenzübergängen. 83% der Touristen reisten über den Grenzübergang Ressano García ein. Dieser Grenzübergang liegt an der N4, die Maputo mit Nelspruit (Südafrika) verbindet. Dementsprechend sind 32,3% der Einreisenden Südafrikaner, 53,2% Mosambikaner. Unter den Einreisenden, die nicht aus dem südlichen Afrika kommen, sind die Portugiesen mit 3,3% am stärksten vertreten. Das Hauptinteresse der ausländischen Touristen in Mosambik ist, Geschäfte zu machen (38,4%), danach folgen Freizeit/ Urlaub (21,9%) und der Besuch von Freunden und Familie (11,7%). Den hohen Prozentsatz der einreisenden Mosambikaner kann mit dem Einkauf von Waren in Südafrika zum Weiterverkauf in Mosambik erklärt werden. Mit dem Flugzeug oder anderen Verkehrsmitteln Einreisende wurden in der Studie des INE nicht beachtet. Da angenommen werden muss, dass ein großer Teil der Fernreisenden aus Nordamerika und Europa über den Luftweg das Land erreichen, hat die Studie hat die Studie zur Erfassung der ausländischen Einreisenden eingeschränkte Aussagekraft.

15


Abb. 3: Übernachtungen und Anzahl von ausländischen Touristen 2002 Durchschnitl. Ausfenthaltsdauer Anzahl Übernachtungen in Nächten

Anzahl ausl. Touristen

Zone

Provinz

Norden

Niassa Cabo Delgado Nampula total Norden

588 1375 2703 4666

890 2701 4751 8342

1,51 1,96 1,76 1,78

Zentrum

Zambézia Tete Manica Sofala total Zentrum Inhambane Gaza Maputo Provinz Maputo Stadt

2084 3866 1301 6871 14122 8904 1323 369 89736

4986 4452 2611 14410 26459 23604 2434 377 197735

2,39 1,15 2 2,01 1,87 2,65 1,84 0,91 2,2

total Süden

100332

224150

2,23

total Mosambik

119120

293752

2,17

Süden

Quelle: Eigene Darstellung nach Zahlen vom INE 2002 www.ine.gov.mz./sectorais_dir/turismo/movimento_dormidas und www.ine.gov.mz./sectorais_dir/turismo/movimento_hospede

Die Stadt Maputo ist eindeutig die Aufenthaltsstätte Nr. 1 für ausländische Touristen. Maputo ist der Knotenpunkt für nationale und internationale Verkehrsanbindungen aber auch Handels- und Geschäftszentrum. Daher erklärt sich, dass 75% des internationalen Tourismus in der Hauptstadt stattfindet. Am längsten halten sich ausländische Touristen in der Provinz Inhambane auf (2,65 Nächte). Die Provinz profitiert von der Nähe zur Hauptstadt und ist bei Bade- und Strandtouristen besonders durch den Bazaruto Marine Nationalpark beliebt. Insgesamt ist ein Nord-Süd Gefälle zu erkennen. Der touristisch entwickelte Süden empfängt 84% aller international arrivals. 12% besuchen das Zentrum des Landes, die restlichen 4% halten sich im Norden des Landes auf. Ähnlich verhält es sich mit der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer, die mit 2,2 Nächten in Mosambik sehr niedrig ist. Das kann vornehmlich an Händlern aus den Nachbarländern liegen, die für Import- und Exportgeschäfte für ein bis zwei Übernachtungen zu den Handelszentren reisen. Die Anzahl der Übernachtungen hängt nicht nur von der touristischen Attraktivität der Provinz ab, sondern ergibt sich auch durch die Größe des Gebiets, das durchreist werden will. Dies könnte in Zambézia der Fall sein. Die

16


flächengrößte Provinz hat eine hohe durchschnittliche Aufenthaltsdauer, Urlaubsziele gibt es jedoch kaum. Mosambiks Hauptattraktion ist die 2470 km lange Küstenlinie mit zahlreichen Buchten, Lagunen und vorgelagerten Inseln. Bei einem tropisch bis subtropischen Klima, geprägt von einer Trocken- und einer Regenzeit, eignen sich die Strände hervorragend für Bade- und Strandtourismus. Tatsächlich liegen die meistbesuchten Reiseziele der Urlauber an der Küste. Zu den meistbesuchten Regionen gehören die im Süden des Landes befindlichen Badestrände

Ponta de Ouro, Bilene, Vilanculos, Inhambane, das Bazaruto Archipel, die

Hauptstadt Maputo und Pemba, die Hauptstadt der nördlichsten Provinz (siehe Anhang, Karte 1). 30 Entsprechend der nationalen Tourismuspolitik wurden 18 áreas prioritarias para o investimento em turismo benannt. Diese Zonen eignen sich besonders für touristische Investitionen, da sie laut Regierung ein hohes touristisches Potenzial aufweisen. Die Zonen spiegeln die touristischen Entwicklungsmöglichkeiten des Landes wieder. Besonders auffällig ist, dass sie sich gleichmäßig auf das ganze Land verteilen, obwohl der derzeitige Tourismus stark auf den Süden konzentriert ist. Die Zonierung entspricht dem nationalen Vermarktungskonzept des beach and bush Tourismus. Die Verbindung aus Turismo de Praia e Natureza beschreibt die nationale Tourismuspolitik. Zehn der 18 Gebiete in befinden sich an der Küste, dazu zwei an Binnengewäsern (Cahora Bassa Staudamm und Malawi See). Die restlichen sechs Gebiete liegen in und nahe Nationalparks und anderer geschützter Areale, die sich besonders für Touristen eignen, die Natur erfahren wollen (siehe Anhang, Karte 2). Da gerade das naturtouristische Angebot in Dritte Welt Ländern besonders gefragt ist, wird im Folgenden auf die Situation geschützter Gebiete eingegangen.

2.3 Nationalparks und andere Schutzgebiete Zu einer Reise in das Subsahara-Afrika gehört nach allgemein europäischer Vorstellung eine Safari. Auf einer safari (kiswahili: „Reise“ vom arabischen: ‫ رفس‬, safar ) wird nicht mehr von der englischen Oberschicht Großwild geschossen, sondern die Big Five (Kaffernbüffel, Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn) werden mit der Fotokamera vom sicheren „Safaritruck“ aus gejagt. Neben der Jagd nach exotischen Tieren spielt auch das Naturerlebnis auf einer solchen Fotosafari eine große Rolle. In Kenia und Tansania, den Geburtstätten der Safari, ist der Tourismus mit der „Wildnis“ schon weitgehend entwickelt, in Mosambik ist der Natur- und

30

Vgl.: Governo da Província de Cabo Delgado 2001, S.22

17


Wildschutzgedanke noch relativ jung. Die portugiesischen Kolonialherren haben im Gegensatz zu den Briten die spät ausgewiesenen Schutzgebiete kaum erforscht und gepflegt. Ausnahme war der 1932 als Schutzzone ausgewiesene und 1960 zum Nationalpark deklarierte Parque Nacional de Gorongosa. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit am 25.Juni 1975 wandte sich die sozialistische Führung der FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique 31 ) den marxistischen Idealen des Ostblocks zu, Natur- und Tierschutz wurden vernachlässigt. Der im darauf folgenden Jahr ausbrechende Bürgerkrieg zwischen FRELIMO und der RENAMO (Resistência Nacional Moçambicana

32

) forderte bis zu seinem Ende 1992

nicht nur 900 000 Todesopfer und 1,3 Millionen Flüchtlinge, auch reduzierte sich die Elefantenpopulation von rund 65 000 im Jahr 1976 auf 15 000 im Jahr 1992. 33 FRELIMO und RENAMO, die ihr Hauptquartier mitten im Gorongosa Nationalpark hatten, finanzierten Waffen und Kriegsgerät durch den Verkauf von Elfenbein von Elefanten und Nashörnern. Im Niassa Reservat wurde die Nashorn-Population ausgerottet. Das Fleisch von Wildtieren wurde in den 16 Bürgerkriegsjahren eine wichtige Nahrungsquelle für Militär und Zivilisten. Mit dem Ende des Kriegs 1992 hat es eine scharfe Kehrtwende gegeben. Mosambik will Touristen, Touristen wollen Elefanten. Mittlerweile hat die Direcção Nacional das Áreas de Conservação des Tourismusministeriums sechs Nationalparks, fünf Reservate und zwölf Jagdgebiete ausgewiesen. Die neue Entwicklung im Bereich der Schutzgebiete sind die Transfrontier Parks. Diese grenzüberschreitenden Parks sollen ein Ausdruck des Friedens sein (auch peace parks genannt). Mosambik hat bisher den Limpopo Nationalpark zum Greater Limpopo Transfrontier Park hinzugefügt. Dieser setzt sich aus dem Krüger Nationalpark in Südafrika und dem Gonarhezou Park in Simbabwe zusammen. Im Norden Mosambiks gibt es bereits Pläne für einen grenzüberschreitenden Park, der das Niassa Reservat auf tansanianischer Seite ausweiten soll. Der Chimanimani Transfrontier Park vereint

den Nationalpark auf simbabwischerer Seite mit den Bergwäldern östlich der

höchsten Erhebung Mosambiks. Die mosambikanische Regierung legt besonderen Wert auf die Entwicklung von Parks und anderen Schutzgebieten, um dem Touristen Möglichkeiten zum Jagd-, Öko- und Abenteuertourismus anzubieten.

31

Mosambikanische Befreiungsfront Nationaler Widerstand Mosambiks 33 Vgl.: Hupe, Vachal 2005, S.64 32

18


„o turista pode realizar em simultâneo o turismo de sol e praia, turismo de aventura e cinegético ao longo de todo o País e ao longo de todo o ano. Uma oportunidade ímpar que só Moçambique está à altura de oferecer em toda a África Austral.” 34

35

.

Mosambiks Politik liegt in der Diversifizierung der Tourismusangebote. Zunächst scheint der Verkauf von Jagdlizenzen und der Erhebung von Zollgebühren bei der Ausfuhr der Trophäen besonders

lukrativ.

Neben

den

Schutzgebieten

auf

dem

Festland

sieht

das

Tourismusministerium ein großes Potenzial im Ausbau von parques subaquáticos. Diese maritimen Schutzgebiete richten sich speziell an Taucher, Schnorchler und Sportfischer. Der Quirimbas Nationalpark und der Bazaruto Nationalpark schließen bereits Gewässer ein, in denen schützenswerte Korallenbänke vorkommen. Die Verteilung der Schutzgebiete konzentriert sich auf den Süden Mosambiks, sechs der elf Nationalparks und Reservate liegen in den Provinzen Maputo, Gaza und Inhambane. Im Vergleich zu Nationalparks und Schutzgebieten in den angrenzenden Staaten steckt die touristische Nutzung in Mosambik noch in den Anfängen. Bevor die Wildbestände sich nicht vermehrt haben oder aufgestockt wurden und die Verkehrsanbindung nicht verbessert wird, werden auch Investoren fernbleiben, welche die touristische Infrastruktur ausbauen könnten. 3 Das Forschungsgebiet Cabo Delgado Im folgenden Kapitel werden kurz die Gründe zur Auswahl und eine Charakterisierung des Gebietes dargeboten. 3.1 Zur Auswahl des Forschungsgebietes Als Beispielregion für internationalen Tourismus in Mosambik wurde die nördlichste aller Provinzen ausgewählt (siehe Anhang, Karte 1). Mosambik erlebt einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg, Tourismus trägt dazu bei. Die Provinz Cabo Delgado eignet sich ideal als Forschungsgebiet, da sich viele Formen des derzeitigen Tourismus in Mosambik wieder finden. Anders als in den touristisch weit erschlossenen Provinzen Maputo, Gaza und Inhambane können in Cabo Delgado die Anfänge der touristischen Erschließung und Entwicklung beobachtet werden. Durch Tourismus soll nun auch der am wirtschaftlichen Aufschwung wenig beteiligte Norden des Landes Devisen einbringen. Noch gelten Pemba und das Quirimbas Archipel als „Geheimtipp“ unter Mosambik-Reisenden, die vornehmlich die Strände Inhambanes und Vilanculos nach einer Südafrika-Reise besuchen. Cabo 34

MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/projectos.htm „der Tourist kann ganzjährig Bade-, Abenteuer- und Jagdtourismus praktizieren, ohne die Grenzen des Landes verlassen zu müssen. Im südlichen Afrika bietet derzeit nur Mosambik diese Möglichkeit an.“ 35

19


Delgados touristische Entwicklung ist dahingehend Forschungsinteresse, da die touristische Entwicklung noch nicht vorhersehbar ist. Anders im Süden des Landes wird schon rein aufgrund der Entfernung zu Südafrika ein massenhaftes Auftreten von südafrikanischen Touristen ausbleiben. Die Provinz Cabo Delgado weist zudem geomorphologische Merkmale auf, die repräsentativ für den Küstenstaat sind. Die Zone Pemba und Quirimbas wurde vom Tourismusministerium

sogar

als

besonders

attraktiv

für

touristische

Investitionen

ausgewiesen. Wie im Punkt 2.2 bereits dargestellt, konzentrieren sich die am meisten besuchten touristischen Regionen auf den Süden – bis auf Pemba, der Hauptstadt der Provinz Cabo Delgado. Das Forschungsgebiet ist eines am wenigsten entwickelten Region, wodurch sich die Frage stellt, ob Tourismus wirklich zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen kann. 3.2 Profil der Region Cabo Delgado Die Beispielregion ist die nördlichste der zehn Provinzen Mosambiks. Die Provinz mit dem Namen Cabo Delgado („schlankes Kap“) hat eine Fläche von 82 625 km2, davon werden 4 758 km2 von Gewässern und Flüssen eingenommen. Die Region befindet sich zwischen 10° 29´ und 14° 01´ südlicher Breite und 35° 58´und 40°35´östlicher Länge. Im Norden trennt der Rio Rovuma auf 250 km Länge die Provinz von der Republik Tansania. In den Rovuma mündet der Rio Lugenda. Dieser Fluss bildet mit dem Rio Luambeze, dem Rio Ruaca und Rio Mewo die westliche Grenze zur Provinz Niassa. Im Süden trennt der Rio Lúrio Cabo Delgado von der Provinz Nampula. Im Osten bildet der Indische Ozean die 425 km lange Küstenlinie. Naturräumliche Einheiten ergeben sich durch das Hoch- und Mittelplateau, die Küste und die angrenzende Tiefebene sowie das Archipel und Gewässer. Die Stadt Pemba liegt 2370km von der Hauptstadt Maputo entfernt und waltet als Provinzhauptstadt über 16 Distrikte. Laut Zensus des INE von 1997 hat Cabo Delgado 1 287 814 Einwohner, 51,6% davon sind weiblich. Die Bevölkerungsdichte von 16,6 Einwohnern pro km2 liegt unter dem Durchschnitt des Landes (20,5 EW/km2). Die Bevölkerung Cabo Delgados, die 8,6% der auf 16,5 Millionen Einwohner

geschätzten

Bevölkerung

Mosambiks

ausmacht,

konzentriert

sich

überproportional auf die Küstenregion und die größeren Städte des Südens. Die Lebenserwartung der urbanen Bevölkerung liegt bei 42,9 Jahren, in ländlichen Regionen bei

20


37,1 Jahren. Mit einem mittleren Alter von 19,1 Jahren ist die Bevölkerung Cabo Delgados sehr jung. 36 Es lassen sich vier ethnische Gruppierungen mit eigener Sprache unterscheiden: In Mosambik stellen die Makua mit 5 Mio. Angehörigen die größte ethnische Gemeinschaft dar, in Cabo Delgado repräsentieren sie 66,8% der Bevölkerung, jedoch sprechen weitaus mehr die Sprache Emakhuwa. Die Randgruppe der Makonde konzentriert sich auf das MuedaPlateau, sie macht 21,8% der Bevölkerung aus. Kimwani (6,1%) ist die Sprache der Küstenbewohner, der Muani. Kiswahili hört man hauptsächlich im Norden an der Grenze zu Tansania. Nur 22,2% der Bewohner Cabo Delgados sprechen die Amtssprache Portugiesisch. 37 Über 90% der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft, häufig in der Subsistenzwirtschaft, tätig. Nur 11% der Bevölkerung lebt in den beiden größten Städten der Provinz, Pemba und Montepuez. Das BIP pro Kopf wird auf 141 US $ geschätzt, das Wirtschaftswachstum lag zwischen 1999 und 2000 bei 7,4%. 38 Hauptexportprodukte sind Baumwolle, Holz, Getreide, Cashewnüsse und Garnelen. 39 In Pemba sind als große Beschäftigungsbetriebe das IOA (Indian Ocean Aquaculture), Marmonte de Moçambique (Marmorgewinnung) und einige Holzexporteure zu nennen. Die Auswirkungen von HIV/AIDS werden auch in Cabo Delgado drastisch verlaufen. Bis 2010 soll die Lebenserwartung von 37,9 Jahre (2001) auf 35,9 Jahre gesunken sein. Die besonders gefährdete Personengruppe der 20 bis 39jährigen repräsentiert 64% der Bevölkerung der Provinz.

40

4 Natur- und kulturräumliche Charakteristiken Natur- und kulturräumlich attraktiv zeigt sich die Provinz Cabo Delgado in Hinblick auf die natürliche Ausstattung oder das „ursprüngliche Angebot“. Hierunter fallen nach KASPAR Faktoren, „die in ihrem Wesensgehalt keinen direkten Bezug zum Fremdenverkehr haben, aber durch ihre Anziehungskraft dem Tourismus Richtung und Gestalt geben“ 41 . Das ursprüngliche Angebot beruht auf „natürliche Begebenheiten“ 42 , wie geographische Lage, Landschaft, Klima, Flora und Fauna. Ebenso dazu zählt KASPAR die soziokulturellen Verhältnisse, die sich in Sprache, Tradition, Brauchtum und in Gebäuden äußern. MÜLLER 36

Vgl.: Governo da Província de Cabo Delgado 2001, S.5-9 Vgl.: Governo da Província de Cabo Delgado 2001, S.8f 38 Vgl.:Governo da Província de Cabo Delgado 2001, S.13 39 Vgl.:INE 2003, S.iib) 40 Vgl.: Governo da Província de Cabo Delgado 2001, S. 5-9 41 Kaspar 1996, S.65 42 Kaspar 1996, S.65 37

21


spricht von einer „natürlichen Ausstattung“, um Bezug auf Artenvielfalt oder ein vielfältiges Landschaftsbild zu nehmen. Indigene Kulturen, Bauwerke, aber auch die Möglichkeit, Sport zu treiben, fallen für Müller unter die Kategorie „zusätzliche Attraktionen“. 43 Das naturtouristische Angebotspektrum ist meist das Reiseziel in der Dritten Welt

44

, ein

Städtetourismus ist in Subsahara-Afrika so gut wie nicht vorhanden, das Image der Großstädte ist geprägt von Armut und Gewalt. Die viertgrößte Stadt Mosambiks, die Provinzhauptstadt Pemba, deren Einwohnerzahl auf 100.000 bis 200.000 geschätzt wird, verfügt als Küstenstadt über landschaftliche Ressourcen. Nach Sydney und Rio de Janeiro bietet Pemba die drittgrößte natürliche Bucht der Welt. Der Tourismus konzentriert sich auf Strandviertel der Stadt. Die Innenstadt selbst bietet wenige Attraktionen. Weder architektonische Besonderheiten, Museen oder Zoos können besichtigt werden. Die Provinzhauptstadt ist nicht nur der zentrale Ort in der Region, wo Verkehr und Handel zusammen laufen, sondern auch das Einstiegstor zum Quirimbas Nationalpark und Niassa Reservat,

die

im

Folgenden

als

Beispiele

für

landschaftliche

Attraktionen

der

Untersuchungsregion dargestellt werden. 4.1 Das Niassa Reservat Die Kernzone des Reserva de Niassa liegt zwar außerhalb Cabo Delgados, trotzdem ist das insgesamt 42 000 km2 große Reservat von Bedeutung für die Tourismusentwicklung im Forschungsgebiet. Das Reservat ist eines der größten geschützten Miombowald Ökosysteme. Die Brachystegia Vegetation der offenen Savanne auf den wenig fruchtbaren Böden ist von Feuchtgebieten durchzogen, isolierte Waldvegetation befindet sich auf und um die Inselberge. 45 Der relativ monotone und artenarme Miombowald wirkt durch dieses Muster landschaftlich attraktiv. Anders als in den restlichen Provinzen des Landes sind Inselberge über die gesamte Region Cabo Delgados verteilt. Umgeben sind sie von Miombowald. In den Senken und bei schwachem Gefälle treten Sterculia spp., Cordyla africana, Adansonia digitata, Bombax rohodognaphaton und Ficus spp. auf. An den steilen Hängen und auf den Felsen dominieren Juncacea, Euphorbia, Aloe, Vellozia und Selaginella.

46

43

Vgl.: Müller 1996, S.52 Vgl.: Müller 1996, S.53 45 Vgl.: SRN 2003-2004 www.niassa.com/ 46 Vgl.: Governo de Cabo Delgado 1995. S.183 44

22


Doppelt so groß wie der Krüger Park in Südafrika beherbergt das 1954 von den Portugiesen ausgewiesene Reservat die höchste Artenvielfalt im Bereich der Fauna innerhalb Mosambiks. 47 Interessanterweise hat die 12 000 Tiere umfassende Elefantenpopulation 48 die Auswirkungen des Bürgerkriegs fast unbeschadet überstanden, während das Nashorn ausgerottet wurde. Damit verlor das Reservat eins der Big Five. Heute bietet das dünn besiedelte Gebiet nach der SRN (Sociedade de Gestão e Desenvolvimento da Reserva do Niassa) Lebensraum für über

9000

Elanantilopen

Rappenantilopen, und

je

Steppenzebras.

einige In

Tausend kleineren

Büffel,

Lichtenstein-Kuhantilopen,

Populationen

finden

sich

Kudu,

Schirrantilopen, Schwarzfersenantilopen (Impala), Gnus und Flusspferde. Kronenduker und Warzenschweine sind sehr häufig zu sehen, Löwe, Leopard und Hyäne sind weit verbreitet. Das Niassa Reservat ist eine der letzten Schutzzonen für den vom Aussterben bedrohten Afrikanischen Wildhund (Lycaon pictus). Von besonderem Interesse sind einige endemische Unterarten wie das Niassa Gnu (Connochaetes taurinus johnstoni), Böhmzebra (Equus burchelli boehmi), und das Johnston Impala (Aepyceros melampus johnstoni). Dazu wurden bisher 370 Vogelarten identifiziert, die besonders häufig an den Flüssen Rovuma und Lugenda auftreten. Der Lugenda bildet zugleich einen Teil der Grenze zwischen Kern- und Pufferzone des Reservats. Die 20 000 km2 große Pufferzone ist in sechs Blöcke aufgeteilt, davon befinden sich Block A und B in der Provinz Cabo Delgado (siehe Anhang Karte 3). Die Konzession auf Block B hat der Jagdanbieter Kambako Safaris im April 2005 übernommen. Im Block A baute die Rani-Gruppe zur Zeit der Untersuchung das Lugenda Bush Camp auf, das im September 2006 eröffnen sollte. Neben diesem Camp für Fototouristen ist ein weiteres Luxuscamp für Jagdtouristen geplant. Das Lugenda Bush Camp soll 12 Personen in 6 luxuriösen Zelten aufnehmen können. Die Rani-Gruppe erweitert mit diesem Projekt ihr derzeitiges Angebot im Bade- und Tauchtourismus auf Safaris und Naturtourismus. Im Lugenda Camp soll dem Kunden eine „exlusive safari destination“ 49 geboten werden. In der Abgeschiedenheit wird er seine Privatsphäre genießen können, auch werden game drives oder bush walks mit privatem Wildhüter angeboten. Kambako Safaris arbeitet bereits erfolgreich im Bereich Jagdtourismus und will mit dem Beach to Bush Safari Project den Jäger an den Strand locken. Um mehr Touristen, auch außerhalb der Jagdsaison in das Camp aufnehmen zu können, plant Kambako Safaris mehr

47

Vgl.: SRN 2003-2004 www.niassa.com/section-background Zensus Oktober 2002 der SRN (Sociedade de Gestão e Desenvolvimento da Reserva do Niassa) 49 Victor Rodriguez, Personalmanager Pemba Beach Hotel Resort, Interview vom 15.07.2006 48

23


in den Bereich Ökotourismus zu investieren. Damit meint das Unternehmen, das Angebot vom reinen Jagdtourismus auf einen Abenteuer-Tourismus mit Wanderungen (bush walks), Kajak-Touren und Übernachtungen in der Wildnis zu erweitern. Das Niassa Reservat bietet aufgrund der landschaftlichen Attraktivität durch die Inselberge und vieler Flüsse, der Vielfalt an Wildtieren und der touristischen „Unberührtheit“ oder Abgeschiedenheit viele Möglichkeiten, um Foto-, Öko- und Jagdtourismus als Teilbereiche des Naturtourismus zu etablieren. Das größte Hindernis stellt aber gerade diese Abgeschiedenheit dar. Die enorme Größe des Niassa Reservats hat den Nachteil, dass die Wildtierdichte im Gegensatz zu kleineren Reservaten und Nationalparks niedrig ist 50 , hinzu kommt die schlechte Befahrbarkeit der wenigen Straßen und Pisten. Kambako Safaris lassen 95% ihrer Kunden mit einem Privatflugzeug von Pemba aus einfliegen. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse dauert die Anfahrt über Land 9 Stunden. Auch innerhalb des Reservats sind von den Konzessionshaltern erst wenige Pisten in den Busch geschlagen worden, weitere sind geplant. Mehrere Landestreifen sind vorhanden, werden aber nicht regelmäßig angeflogen. Die große Entfernung zu anderen regionalen Tourismusdestination, die logistischen Schwierigkeiten und die fehlende touristische Infrastruktur wirken abschreckend auf Investoren und Touristen. Die Sociedade de Gestão e Desenvolvimento da Reserva do Niassa 51 (SRN) will in der Pufferzone Jagdtourismus und Aufzuchtstationen von Wildtieren etablieren, in der Kernzone Ökotourismus. Die Einnahmen aus dem Tourismus sollen zur kommunalen Entwicklung und dem Umweltschutz dienen. 52 Zurzeit liegt jedoch das Hauptinteresse nicht in der Tourismusentwicklung, sondern im Erhalt von Flora und Fauna unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Reservatsbewohner. Ein Projekt zum friedlichen Miteinander zwischen Mensch und Tier hat der kenianische TUSK Trust durchgeführt. Die Bewohner des Reservats werden vor Ernteausfällen und Unfällen durch Elefanten oder anderem Wild geschützt, indem ein Elektrozaun um die zehn Dörfer gezogen wurde. Über eine jährliche Gebühr der Konzessionshalter wird die Entwicklung der lokalen Bevölkerung gefördert. Direkten Nutzen zieht die lokale Bevölkerung durch neue Arbeitsplätze. Kambako Safaris hat 78 mosambikanische Angestellte, 50% kommen aus dem nahe gelegenen Dorf Xixano, andere aus Pemba. Lediglich 25 Mosambikaner haben einen festen Arbeitsvertrag und verdienen

50

Vgl.: SRN 2003-2004 www.niassa.com/article/articleview/18 Gesellschaft zum Parkmanagement und Entwicklung des Nisassa Reservats 52 Vgl.: SRN 2003-2004 www.niassa.com/section-tourism/ 51

24


2000 bis 2500 MTn pro Monat, die Saisonarbeiter einen Mindestlohn von 1500 MTn. 53 Das Gehalt soll sich durch das Trinkgeld verdoppeln bis verdreifachen, trotzdem liegt der Wert noch weit unter dem Gehalt der ausländischen Angestellten. Da es in der lokalen Bevölkerung keine ausgebildeten Fachkräfte wie dringend benötigte Fährtenleser (trekker), Wildhüter (ranger), Jäger (professional hunter) oder Servicepersonal gibt 54 , bleibt nur ein Bruchteil der Einnahmen in der Region. Wo Tourismus auf lokale Bevölkerung stößt, kommt es zu Konflikten. Jumbo Moore, leitender Angestellter von Kambako Safaris (und Jumbo Safaris in Zimbabwe) sieht das Reservat und besonders die Konzession durch die lokale Bevölkerung in Gefahr, da durch slash and burn agriculture und das Herunterbrennen von Bäumen, um Honig zu sammeln, der Miombowald zerstört wird. Dazu pilgern jedes Jahr Anhänger einer Naturreligion zum Berg Chemambo im Block B. Auf der Pilgerschaft zum heiligen Ort Ncondocho werden Tiere illegal gejagt, Feuerholz geschlagen, und die Grassvegetation heruntergebrannt. Dies hat zur Folge, dass das Wild verjagt und die Vegetation fragmentiert wird und damit optisch an Reiz verliert. Illegale Jagd wird neben Gründen der Armut auch professionell betrieben. Auch wenn Wildhüter die Eingänge des Parks bewachen, können Elfenbein und Felle aus dem Park geschmuggelt werden, die entweder in Pemba an den Zwischenhändler verkauft oder nach Tansania gebracht werden. Auf den lokalen Märkten in Cabo Delgado werden traditionelle Medikamente aus geschützten Tieren und Pflanzen verkauft. Ein weiteres Beispiel zur Wilderei ist das Unternehmen Negomano Safaris, das der Wilderei auf der eigenen Konzession angeklagt worden ist. Zurzeit ist die Erweiterung des Reservats auf tansanianischer Seite in Planung. Das Land Tansania hat bereits weit reichende Erfahrungen in der Konzeption und im Management von geschützten

Gebieten.

Davon

könnte

profitiert

werden.

Ebenso

würde

ein

grenzüberschreitender Peace Park Touristen in Tansania die Reise nach Mosambik erleichtern, neue Quellmärkten entständen. 4.1 Der Quirimbas Nationalpark Die Einrichtung des Parque Nacional das Quirimbas (PNQ) ist für die Tourismusentwicklung in Cabo Delgado und in Mosambik von großer Bedeutung. Der Park setzt sich aus einem maritimem Teil und einem Teil auf dem Festland zusammen, 5984 km2 auf dem Kontinent und 1522 km2 im indischen Ozean. Im maritimen Teil sind elf Inseln und die Banco de S. Lázaro inbegriffen. Der Name des Parks ist abgeleitet vom Archipélago das Quirimbas, einer Inselgruppe aus 28 Inseln, die sich im indischen Ozean auf der Höhe von Palma im Norden 53 54

Der gesetzliche Mindestlohn von 1500 MTn entspricht einem Gehalt von etwa 47€ (1€ = 32 Mtn) Nathan McCollum, Investor Kambako Safaris, Interview vom 17.07.2006

25


bis zur Stadt Pemba im Süden verteilen. Die elf südlich gelegenen Inseln befinden sich im Park, der sich zwischen 12°00´00“ und 12°55´04“ südlicher Breite und 39°10´00“ bis 40°39´44“ östlicher Länge ausdehnt (siehe Anhang Karte 3). Im Jahr 2002 wurde der Park eröffnet. Die Idee zum vorrangigen Schutz der Inseln stammt von lokalen NGOs (GECORENA und KARIBU) und der Regierung Cabo Delgados, unterstützt von der ansässigen Bevölkerung. 55 Der Quirimbas Nationalpark hat aufgrund seiner enormen Ausdehnung verschiedene landschaftliche Einheiten. Daher werden nur die touristisch oder ökologisch interessanten vorgestellt. Im Park befinden sich vier der 200 Regionen, die der WWF in seinem Katalog „Global 200“ als hotspots der Biodiversität oder von globaler Wichtigkeit für den Artenerhalt einstuft. Das sind: Nr. 23: Die Küstenvegetation zwischen Inhambane und Sansibar Nr. 118: Mangrovenvegetation Ostafrikas Nr. 193: die maritime Zone Ostafrikas Nr. 55: Miombowälder und Savannenlandschaften Ostafrikas 56

Der PNQ bietet eine Vielzahl naturräumlicher touristischer Attraktionen. Eine besondere Attraktion sind die hier beheimateten und von der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuften Dugongs (Dugong dugon) 57 . Dazu leben hier verschiedene Delfin- und Haiarten. Letztere könnten eine Gefahr für den Taucher oder Schnorchler sein, der sich des „unberührten“ Korallenriffs erfreut. Dieses hat besonders an der dem Meer zugewandten Seite eine hohe Diversität an Korallen. Wale kommen mit ihrem Nachwuchs zwischen September und Dezember in den PNQ, aber auch in die Bucht von Pemba. Südliche Küstenbereiche werden von verschiedenen Schildkrötenarten zur Eiablage genutzt. 58 Aufgrund der submarinen Höhenunterschiede und der sich daraus ergebenen Habitate besteht eine hohe Diversität an Fischen, ebenso ist die Artenzahl der Mangroven, maritimen Pflanzen, Mollusken und Algen besonders hoch. Die maritime Fauna der Inseln wurde von Frontier-Mozambique untersucht. Die Forschungsgesellschaft hat diese Region für besonders artenreich im Vergleich zu anderen ostafrikanischen Regionen erklärt. 59

55

WWF 2002, S.1 Vgl.: MITUR 2004, S.6 57 auch Seeschwein genannt 58 Rebecca Marquez, Mitarbeiterin WWF und PNQ, Interview vom 21.08.2006 59 Vgl.: MITUR 2004, S.6 56

26


Die Vegetation des Festlandes wurde von DOGGART und BURGESS im Jahr 2002 im Auftrag

des

Tourismusministeriums

und

des

WWF

untersucht.

Verschiedene

Vegetationsformen wurden festgestellt: Die Mangrovenvegetation der Küste geht in feuchte und trockene Küstenwälder über. Im Landesinnern dominieren Graslandschaft und Waldsavanne. Zwischen dem lockeren Waldbewuchs von Brachystegia, Isoberlinia und Julbernardia besteht im Waldsavannentyp Miombo ein Mosaik aus Bambuswäldern und Inselberg-Vegetation. Letztere wird von dem Kondenswasser der Inselberge gespeist, während auf den Inselbergen selbst Sukkulenten vorherrschen. Die Trockensavanne ist zudem von Akazien- und Bambuswäldern durchzogen. Aufgrund von 25 Jahren Bürgerkrieg und dem Vorkommen von Landminen ist das Gebiet bis heute wenig untersucht worden und gilt als eines der biologisch unerforschten Gebiete Afrikas 60 . Durch das fehlende Wissen wird ein anpasstes Management erschwert „and also hinders the parks possibilities to receive funding from agencies which need to know the biological importance before they can release funds (e.g. WWF and Conservation International).” 61 Dennoch

beteiligt

sich

der

WWF

am

Parkmanagement,

das

aus

Gründen

des

Umweltschutzes eine Zonierung des Parks vorgenommen hat. In der flächengrößten Zone ist anthropogene Nutzung verboten (Zonas de Protecção Total), Ausnahme ist ein Bereich, in dem bestimmte Nutzungen zugelassen sind (Zona de Uso Especificado). Dazu bestehen eine 10 km weite Pufferzone (Zona Tampão) und Zonen, die auf nachhaltige Weise genutzt werden dürfen (Zonas de Uso e Desenvolvimento Communitário). 62 Trotz oder gerade wegen dieser Zonierung kommt es Nutzungskonflikten. Auf dem Land stellt besonders die Gefahr durch Elefanten und Löwen ein großes Problem dar. Die Migration der Elefanten durch den Nationalpark ist für den Touristen eine Attraktion, für die Lokalbevölkerung eine Bedrohung. Durch das Verbrennen von Elefantendung und Chili, oder das Verbrennen von Stricken, die in Chili eingelegt wurden, sollen Elefanten von Dörfern fern gehalten werden. Diese kostengünstige Methode bietet jedoch keinen vollkommenen Schutz, es kommt zu tödlichen Unfällen und Ernteausfällen. In der maritimen Zone stören sich viele Beherbergungsleiter an Fischern, die in Tauchgebieten oder zu nah an den Badestränden der Touristen fischen. Die lokalen Fischer fühlen sich jedoch durch

60

Doggart, Burgess 2002, S.4 Doggart, Burgess 2002, S.3f 62 Vgl.: MITUR 2004, S.38ff 61

27


kommerzielle Fischer aus Tansania bedroht. Diese hoch spezialisierten Fischkutter fischen im Nationalpark, obwohl nur die traditionelle Fischerkunst der Lokalbevölkerung erlaubt ist. 63 Mit der Zunahme an Beherbergungen werden sich die Nutzungskonflikte verschärfen. Die touristische Entwicklung im Park befindet ist noch in den Anfängen. Bisher befinden sich nur sechs Beherbergungsbetriebe des internationalen Tourismus im Nationalpark, fünf weitere werden in Kürze eröffnen. Innerhalb des Parks konzentrieren sich die Unterkünfte auf die Küste und Inseln, Bade- und Tauchtourismus sind die Hauptattraktionen. Lediglich zwei Betriebe liegen im Hinterland, sie legen ihren Schwerpunkt auf den Naturtourismus.

Beide Gebiete befinden sich auf sehr nährstoffarmen, sauren Böden, die sich für die agrarische Nutzung wenig eignen und daher wenig besiedelt sind. Daher ist eine touristische Nutzung dieser Gebiete besonders geeignet. Auch wenn die landschaftliche Attraktivität in beiden Schutzgebieten hoch ist, besucht ein Tourist selten allein wegen der Landschaft ein Schutzgebiet. Es muss Möglichkeiten zum organisierten Erleben und Entdecken der „Wildnis“ geben. Die Besucherzahlen des Quirimbas Nationalparks und des Niassa Reservat sind sehr niedrig, obwohl sich die Region sehr gut für den Naturtourismus eignen. Pfade führen zu Wasserstellen und Flussläufen, wo Elefanten und anderes Wild beobachtet werden können. Auf höher gelegenen Felsen ist es möglich, gefährliche Tiere und Vögel zu beobachten. Ein hohes Potenzial besteht für Kletterer, es bestehen jedoch keine vorgegebenen Kletterrouten. Ebenso gibt es keine Kletterschule oder keinen Verleih von spezieller Ausrüstung. Es zeigt sich, dass ein hohes Potenzial in Form des ursprünglichen Angebots bereit steht, aber nicht genutzt werden kann, da die weitere touristische Infrastruktur fehlt. 4.3 Kunst und Kultur der Makonde Die Makonde haben durch ihre ausdrucksstarken Masken und meisterhaften Holzplastiken Weltruhm erreicht. Das Volk der Makonde ist durch den Fluss Rovuma, der die Staatsgrenze zwischen Tansania und Mosambik bildet, geteilt. Mit 600 000 Angehörigen auf tansanianischer Seite, besiedelt das drittgrößte Volk des Landes hauptsächlich die Distrikte Newala, Mtwara und Lindi im Südosten Tansanias. 64 Im angrenzenden Cabo Delgado leben zurzeit 360 000 Makonde, hauptsachlich im Distrikt Mueda auf dem grenzüberschreitenden Makondeplateau. 65 Es wird angenommen, dass sie wegen des Sklavenhandels und den Überschwemmungen des Rovumas sich auf das Makonde Plateau im Norden der Provinz zurückzogen. Um die. 60 000 Makonde flüchteten während des Bürgerkriegs nach Tansania. 63

Vgl.: MITUR 2004, S.10f Scherrer 1988, S.136 65 Província de Cabo Delgado 2001, S.8 64

28


Dort werden sie von den Tansania-Makonde oft als minderwertig angesehen. Die Makonde sind genau wie die Makua matriarchal organisiert. Als kosmogene Kultur sind sie geprägt vom Animismus, der Beseelung von Mensch, Tier und Natur, der auf eine Urmutter zurückführt. „Ihr Rückzug und Matriorientierung erklären die hohe kulturelle Resistenz gegen Islamisierung, Christianisierung“ 66 und Kolonisierung. Noch immer sind die Makonde bei ihren Nachbarn ein respektiertes Volk und werden deshalb in den größeren Städten bevorzugt als Wächter eingesetzt. Einige Makonde Frauen tragen Schmucknarben und haben spitz zugefeilte Zähne. Das Bemalen der Gesichter mit einem Brei aus dem Holz des Msiro-Baums gehört jedoch nicht zur Tradition der Makonde (wie oft in Reiseführern beschrieben), sondern dient allein kosmetischen Zwecken und wird genauso von Makua und Muani Frauen angewendet. Die weiß bemalten Gesichter werden gern von Touristen fotografiert und sind häufig in Reiseführern abgebildet. 67 In ländlichen Gebieten Cabo Delgados sind Makonde Männer häufig mit Pfeil und Bogen bewaffnet unterwegs. In den Holzarbeiten der Makonde spiegeln sich viele Elemente der soziokulturellen Identität wieder. Die Darstellungen der „Ujamaa“ 68 in meterhohen Baumstämmen zeigen ineinander verschlungene Körper von Dorfbewohnern bei täglichen Arbeiten oder religiösen Zeremonien, Tiere oder Naturgottheiten. 69 Die Entdeckung und Vermarktung der Masken und Skulpturen auf dem europäischen Kunst- und Sammlermarkt hat auch zum Niedergang der MakondeKunst in einigen Bereichen beigetragen. Um die großen Nachfrage bedienen und halten zu können, wird Kunst zur „airport art“, „ethnic art“ oder „Ethno-Kitsch“, die in Material, Design und (Transport-)Größe den Wünschen des Touristen angepasst wurde 70 . Mittlerweile wird die Formensprache der Makonde auch von anderen Ethnien, wie etwa den Makua, imitiert und kopiert. Im Vergleich zum touristisch weiter entwickelten Tansania ist das Kunsthandwerk der Mosambik-Makua weniger kommerzialisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet. Während der Mapiko-Tanz der Makonde nur den Männern vorbehalten ist, darf das Kunsthandwerk von beiden Geschlechtern praktiziert werden. Beim Mapiko-Tanz kommen die hergestellten Masken zum Einsatz, denn der Tänzer darf nicht erkannt werden. Er repräsentiert im Tanz den Geist eines Verstorbenen und ist daher in der Gemeinschaft hoch angesehen.

71

66

Scherrer 1988, S.137 z.B. der „Guía Turístico Moçambique“ des FUTUR oder der deutschsprachige Führer „Reisen in Mosambik“ 68 Kimakua, kiswahili: Familie, Gemeinschaft 69 Vgl.: Scherrer 1988, S.137f 70 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.168f 71 Donsgon Alberrto Dalama, Makonde-Künstler der Cooperativa Karibu Wimbi, Interview vom 13.08.2006 67

29


Die Makonde sind nicht nur aufgrund ihrer in Reiseführern angepriesenen „bis heute lebendigen Tradition“ 72 bekannt geworden. Das „freiheitsliebende, eigensinnige“ 73 Volk trug maßgeblich zum Beginn des Befreiungskriegs bei. Am 16.06.1960 wurden 600 friedlich gegen den portugiesischen Landraub demonstrierende Bauern in Mueda, der „informellen Hauptstadt der Makonde“ exekutiert. Durch dieses Massaker ausgelöst, kam es zum bewaffneten Befreiungskampf. Die Makonde als stärkste Sympathisanten der FRELIMO haben aktiv Widerstand geleistet 74 , dennoch hat sich die Situation der marginalisierten Minderheit nicht verbessert. In Mueda erinnern ein Denkmal und ein Massengrab an das Massaker. 4.4 Historische Sehenswürdigkeiten “Ibo's sorcery means that the small fragments of time I usually count in now have no end and tomorrow seems far, far away.” 75

The Guardian - 2005

Neben weißen Stränden, türkisblauem Meer, Elefanten und schnitzenden Einheimischen besitzt die Untersuchungsregion ein einmaliges kulturelles Erbe. Die Insel Ibo ist architektonischer Höhepunkt der Provinz und nach der Ilha de Moçambique eine der ältesten Siedlungen in Mosambik. Um 600 v. Chr. dehnten die Kalifen von Bagdad ihre Macht auf die ostafrikanische Küste aus. Es wurden Stützpunkte gebaut, um Sklaven, Gold und Elfenbein in die arabische Welt zu bringen. Die neuen Handelswege basierten auf der Nutzung der Monsun-Winde. Zwischen November und März führt der Nordost-Monsun Schiffe vom persischen Golf oder Indien nach Ostafrika. Mit dem Südwest-Monsun zwischen April und August segelte man zurück. 76 Nach NEWITT wird die Entwicklung ab 1500 wie folgt beschrieben: Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die Araber durch die portugiesischen Eroberer vom Quirimbas Archipel vertrieben. Die Portugiesen nahmen den florierenden Handel auf; Verwaltungsgebäude, prächtige Villen und Handelskontore wurden errichtet. IM 17. Jahrhundert bildete Ibo das Zentrum unter den Inseln. Mit dem Prazo-System kamen mehrere afro-portugiesische Dynastien hervor. Mitte des 18.Jahrhunderts wurden der Stadt

72

Hupe, Vachal 2005, S.42 Hupe, Vachal 2005, S.42 74 Vgl.: Henriksen 1978, S.185f 75 Maes 2005 http://travel.guardian.co.uk/article/2005/jan/01/mozambique.guardiansaturdaytravelsection 76 Vgl.: Henriksen 1789,S.12ff 73

30


Ibo die Stadtrechte verliehen, zugleich wurde sie durch den Bau von Festungen aus Angst vor den Osmanen und Franzosen geschützt. Gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts erlebt Ibo den wirtschaftlichen Höhepunkt. Ibo entwickelte sich zu einem Schlupfloch des Sklavenhandels, der hier noch illegal fortgeführt werden kann, da britische Patroullienschiffe die flachen Gewässer der von Mangroven umwachsenen Insel nicht passieren können. Besonders viele Arbeiter wurden für die französischen Plantagen auf Mauritius und Réunion gebraucht.

Nachdem im Jahr 1752 Mosambik unter eigener Herrschaft stand und nicht mehr von Goa aus verwaltet wurde, begann der Bau der Kirche und des Forts São José, der kleinsten der drei Festungsanlagen von Ibo. Mit der Gründung der Provinz Cabo Delgado 1770 wurde die Provinz von Ibo aus regiert. Wegen der ständigen Attacken der Niederländer baute António de Melo das Fortaleza São João Baptista, das 1791 fertig gestellt wurde. Im Falle eines Angriffs konnte das sternförmige Fort bis zu 300 Soldaten aufnehmen. Zurzeit der Belagerung durch die Niederländer und Osmanen diente es als Schutz für die Inselbewohner. Nachdem die Niassa Company, die sieben Jahre lang auf der Insel waltete, im Jahr 1901 den Verwaltungssitz nach Porto Amélia, dem heutigen Pemba verlegte, verlor Ibo an Bedeutung. Zurück blieben die afrikanische Bevölkerung und die verlassenen Gebäude. 77 Das Fort São João Baptista ist das am besten erhaltene Gebäude auf Ibo. Bis zum Ende der Kolonialzeit wurde es als Gefängnis genutzt. Es steht leer, nur im Eingang arbeitet eine Gruppe von acht älteren Silberschmieden, die Schmuck und Münzen zum Verkauf anbieten. Der Silberschmuck wird aus eingeschmolzenen Münzen hergestellt, da kein Kapital zum Einkauf von Silber vorhanden ist. Ein Silberschmied bietet auch einen Dienst als informeller Führer durch das Fort an. Der Mann hat jedoch wenig geschichtliches Wissen und spricht nur Portugiesisch und Kimuani. Das eindrucksvolle Fort ist Nationaldenkmal, verfällt jedoch zusehends. Es gibt keine Beschilderungen oder Informationen, auch wird kein Eintrittspreis verlangt. Oberhalb des Hafens befinden sich das Fort São José, die Kirche und das Rathaus, die ebenso wie das Museum zum Forschungszeitpunkt geschlossen waren. Dahinter erstrecken sich die lusitanischen Villen. Diese einst schmuckvollen Bauten sind unbewohnt; Ibo ist eine Geisterstadt, die dem Verfall ausgesetzt ist. Die heutigen Einwohner Ibos leben in selbst errichteten Häusern und Hütten. Mitten in der Siedlung befinden sich die Überreste des Fortaleza Santo António aus der Zeit zwischen 1830 und 1841.

77

Vgl.: Newitt 1995, S.192ff und Henriksen 1978, S.55ff

31


Derzeit ist Ibo eine wenig besuchte Insel. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Erreichbarkeit sehr schlecht. Die an der Küste entlang führende Piste von Pemba nach Quissanga ist nur mit Allradfahrzeugen während der Trockenzeit befahrbar. Öffentliche Verkehrmittel brauchen sechs Stunden, um die 116 km zu überwinden. Von Quissanga aus setzt täglich eine dhow 78 nach Ibo oder Quirimba über. Die Überfahrt hat zwar einen originären Charakter, da es keine motorisierten Boote gibt, jedoch hängt die Fahrtzeit stark von Wind und Gezeiten ab. Momentan sind die einzigen Unterkünfte das TDM (Telecommuicações de Moçambique) und die Vila Ruben/Casa Jeanine. Die Französin Jeanine hat die Vila Ruben auf Ibo für 200.000 US $ an die Fundação Ibo verkauft. Was deren Pläne sind, ist noch unersichtlich. Diese beiden Unterkünfte sind sehr einfach. Das TDM liegt im Preis-Leistungsverhältnis weit hinter der Villa Ruben, in dem Zimmer gemietet oder das eigene Zelt aufgeschlagen werden können. Dazu wird das Hotel Bela Vista umgebaut und soll demnächst als luxouriöses Strandhotel unter dem Namen Ibo Island Lodge eröffnen. Neben den Sehenswürdigkeiten, Beherbergungsbetrieben und einem einfachem Restaurant mit Diskothek gibt es keine touristische Infrastruktur. Die 3000 Einwohner auf der 47 km2 großen Insel Ibo erwirtschaften in absoluter Armut. Mehr als die Hälfte (53,5%) hat nie eine Schule besucht, auch die Lebenserwartung von 38,5 Jahren liegt unter dem Durchschnitt in Mosambik. 79 Die Geisterstadt Ibo und ihre Sehenswürdigkeiten sollen nun vermarktet werden. In Zusammenarbeit mit der SINDISA Foundation wollen Kevin und Fiona Record, Besitzer der Ibo Island Lodge, einen community based tourism etablieren. Die Ibo Island Lodge soll ein Hotel der gehobenen Kategorie werden Gäste werden von Pemba aus per Charterflug eingeflogen. Eigens dazu wurde die Landebahn auf Ibo renoviert.

80

Weitaus bekannter als die Ilha Ibo ist die Ilha de Moçambique, deren kolonialzeitliche Altstadt und Fort 1992 von der UNESCO ins Weltkulturerbe aufgenommen wurden. Die Ilha de Moçambique in der Provinz Nampula liegt abseits von anderen touristischen Attraktionen. Die Insel Ibo könnte davon profitieren, dass sie im Quirimbas Nationalpark liegt. Für Bade-, Strand- oder Safaritouristen könnte ein Tagesausflug auf Ibo eine kulturelle Bereicherung oder lediglich eine Abwechselung darstellen. Für die Bevölkerung auf Ibo könnten sich neue Arbeitsplätze als Führer, in der Silberschmiede und im Hotel- und Gaststättengewerbe ergeben. Es ist abzuwarten, ob die SINDISA Foundation und Ibo Island Lodge einen Kulturtourimus aufbauen können, von dem auch die Einwohner Ibos profitieren. 78

traditionelles arabisches Segelboot Handout über die Diplomarbeit von António Baptista, Absolvent der Uni Pemba über “Community based tourism on Ibo Island”. Präsentation am 8. August 2006 in der UCM Pemba 80 Kevin Record, Interview vom 03.07.2006 79

32


5 Analyse und Bewertung touristischer Infrastruktur Nachdem nun das ursprüngliche Angebot oder die natürliche Ausstattung und zusätzliche Attraktionen des Untersuchungsgebiets dargestellt wurde, soll nun auf Strukturen eingegangen werden, die das touristische Potenzial darstellen. Innerhalb dieser touristischen Infrastruktur wird hier die Beherbergungsstruktur, die im Kapitel 7 expliziert bearbeitet wird, vorerst ausgeklammert. 5.1 Verkehr und Transport Die beiden wichtigsten Komponenten einer Reise bestehen aus Beförderung und Unterkunft. Der Tourist begibt sich auf verschiedene Art zu seinen/r Destination/en. Durch die Rückreise zum Wohnort kommt es zu einer Zirkelbewegung. 81 Die Qualität und Quantität der Verkehrsanbindung bestimmt das Erreichen der gewünschten Destination und ist oftmals ausschlaggebend zur Wahl dieser. Doch nicht nur die Beförderung von Touristen, Reiseleitern, Tauchlehrern und professionellen Jägern spielt eine wichtige Rolle. Der Tourist muss und möchte mit Waren beliefert werden, die sich mitunter auf das Wohlbefinden des Touristen auswirken. Neben Konsum- und Luxusgütern des täglichen Bedarfs (wie etwa Milchprodukte, diverse Alkoholika etc.) müssen auch spezielle Baumaterialien und Ausrüstungsgegenstände, wie z. B. Motorboote, Möbel, Tauchausrüstungen etc. importiert werden können. Der Einfachheit halber wird jedoch nur auf den direkten Zweig der Tourismusbranche, die Personenbeförderung Bezug genommen. Das Flugzeug gewinnt innerhalb des Reiseverkehrs eine immer stärkere Bedeutung. Der Luftverkehr wird in Linien- und Charterflugverkehr unterteilt. 82 Linienflüge Die Provinzhauptstadt Pemba ist der Knotenpunkt von Flug- und Straßenverkehr. Trotz des natürlichen Hafens, der große Frachtschiffe mit bis zu 10 000 Tonnen und großem Tiefgang aufnehmen kann, wird der Hafen von keinem Passagierschiff regelmäßig angesteuert. Das alte portugiesische Gebäude der Einwanderungsbehörde in Hafennähe erinnert noch an das Ende der Fünfziger Jahre, eine Zeit, in der Passagierschiffe noch die wichtigsten Personenbeförderungsmittel für interkontinentale Reisen waren 83 . Heute profitiert Pemba vom internationalen Flughafen, der regelmäßig von drei Fluggesellschaften angeflogen wird. Seit dem 14. Juli 2006 fliegt die tansanianische Fluggesellschaft Precision Air dienstags und

81

Vgl.: Mundt 1998, S.2 Vgl.: Freyer 1990, S.147f 83 vgl.: Mundt 1998, S. 182 82

33


freitags von Pemba mit einem Zwischenstopp in der Grenzstadt Mtwara (Tansania) nach Daressalam und zurück und ist mit einem Preis von 185 $ pro Flug in der economy class die günstigere Alternative

zu

der staatlichen Fluggesellschaft LAM (Linhas Aereas de

Moçambique), die montags, mittwochs und samstags Hin- und Rückflüge auf der Strecke Pemba - Daressalam anbietet . Ebenso werden von Daressalam die Hauptstadt Maputo, und die Provinzhauptstädte Beira, Nampula und Quelimane angeflogen. Seit dem 1.08.2006 wird ein weiteres afrikanisches Land angeflogen, LAM bietet eine Direktverbindung von Pemba nach Nairobi an. Interkontinentale Direktverbindungen gibt es vom Flughafen Pemba aus nicht, lediglich die portugiesische TAP fliegt Maputo von Lissabon direkt an. Die private Fluggesellschaft Air Corridor hat sich auf den Personentransport innerhalb Mosambiks beschränkt Sie fliegt die fünf größten Provinzhauptstädte der Republik an (Maputo, Beira, Quelimane, Nampula, Pemba). Von Pemba wird zweimal in der Woche die nahe gelegene wichtigste Handelsstadt des Nordens Mosambiks - Nampula - , sowie die Handelsstadt Zentralmosambiks - Beira - mit Anschluss nach Maputo angeflogen. Air Corridor hat sich auf den Frachttransport spezialisiert. Es werden lediglich die größeren Handelszentren angeflogen, Preise sind nach Kilogramm Gepäck pro Person gestaffelt. Charterflüge Charterfluggesellschaften erleben durch den zahlreichen Bau von Luxushotels auf entfernten Inseln einen enormen Aufschwung. In Maputo, Vilanculos, Beira, Quelimane, Nampula und Pemba können Flüge zu vielen touristischen Zielen gebucht werden. Sabinair fliegt regelmäßig von Maputo zu den regionalen Zielgebieten Ponta de Ouro, Ilha Inhaca und via Vilanculos zum Bazaruto Archipel. Von Johannesburg und von Nelspruit, bzw. Krüger Nationalpark fliegen ebenfalls Charterflüge zum Bazaruto Archipel. Ähnlich könnte auch bald der Flugverkehr von Pemba zu den umliegenden Zielgebieten in Cabo Delgado aussehen. In Pemba angekommen buchen 90% der Touristen, die den Luxus einer der Inseln des Quirimbas Archipels oder in den Jagdgebieten nahe dem Niassa Reservats suchen, einen Charterflug. Charterflugunternehmen sind Quirimbas Aviation und Rani Aviation. Jedoch werden die Unterkünfte fast nur von den Privatflugzeugen der Hotels angeflogen. Charterund Linienflüge werden in der Karte 4: Beherbergungen und Verkehrsanbindung in Cabo Delgado dargestellt. Das Straßennetz Wie die Karte 4 verdeutlicht, ist das Straßennetz Cabo Delgados äußerst dürftig und bedarf des weiteren Ausbaus sowie besserer Instandhaltung. Das Netz aus 2900 km Straßen besteht zu 17% aus Teerstraßen, 83% sind Piste. Vom gesamten Straßennetz sind 35% der

34


Straßen in einem schlechten Zustand oder unbefahrbar. 84 Auch wenn die größten Städte der Provinz mit Haupt- und Nebenstraßen vernetzt sind, sind viele touristische Ziele, wie z. B. Quissanga oder Murrebue nur mit Allradwagen in der Trockenzeit erreichbar. Während die Landverbindung zu den angrenzenden Provinzhauptstädten relativ gut ist, kann die Strecke von Mocimboa da Praia nach Tansania selbst mit einem Allradfahrzeug schlecht befahren werden. Der Grenzfluss Rovuma kann seit dem Jahr 2000 mit einer Autofähre bei Flut überquert werden. Ansonsten besteht nur die Möglichkeit, mit einem Kanu überzusetzen. Auch in Tansania verbessert sich die Qualität der Straße Richtung Daressalam nicht, von besonderer Schwierigkeit ist die Überquerung des sumpfigen Rufiji Deltas in Tansania. Es wird jedoch an zahlreichen Stellen der Strecke gebaut und ausgebessert. Diese Straßenbauarbeiten stehen im Zusammenhang mit der Unity Bridge über den Grenzfluss Rovuma, die Tansania und Mosambik frühestens im Jahr 2008 verbinden soll. Im Juni 2006 war noch kein Beginn der Bauarbeiten an der Brücke erkennbar, obwohl bereits am 7. Januar 2005 der damalige Präsident Mosambiks, Joaquim Chissano und der damalige Präsident Tansanias, Benjamin Mkapa, das Abkommen zum Bau unterzeichnet hatten. Der Bau der Unity Bridge gehört zum short-term infrastructure development plan der NEPAD und ist der fast 30 Jahre alte Traum der ehemaligen Präsidenten Machel und Nyerere, die die Nachbarländer zur Unabhängigkeit geführt haben. 85 Die Fertigstellung der Brücke bei gleichzeitiger Ausbesserung des Straßennetzes würde die Anfahrt von Tansania in das Zielgebiet Cabo Delgado für Touristen erleichtern oder erst ermöglichen. Quellmärkte in Tansania würden eröffnet und hätten ernorme Auswirkungen auf Tourismusströme im nördlichen Mosambik. Der Norden Mosambiks wäre dann für Besucher des tansanianischen Selous Game Reserve oder für Overland-Touristen aus Tansania leicht erreichbar. "With the conclusion of this bridge the overland link from Cape Town in South Africa to Cairo in Egypt will be shorter", sagte der ehemalige Präsident Chissano, "particularly when we consider that the building of the major new bridge over the Zambezi is also ready to start". 86 Die ZambesiBrücke ist seit den 70er Jahren geplant. Nun haben sich Italien, Schweden, Japan und die EU als Geldgeber für das 80 Mio US-Dollar-Projekt gefunden, welches 2008 abgeschlossen sein soll. Die Brücke über den viertlängsten Fluss Afrikas würde Nord- und Südmosambik einander

näher

bringen

und

neben

Binnentouristen

besonders

südafrikanischen

Urlaubsreisenden den Weg in die nördlichste Provinz vereinfachen. Momentan kann nur mit einer veralteten Fähre von der Provinz Sofala nach Zambezia übergesetzt werden. Neben

84

Vgl.: Governo da Província de Cabo Delgao 2001, S. 23 Vgl.: Valy 2005 http://www.sardc.net/editorial/newsfeature/05030105.htm 86 Valy 2005 http://www.sardc.net/editorial/newsfeature/05030105.htm 85

35


der schweren Erreichbarkeit der Region Cabo Delgados birgt das Fahren auf den Straßen ein hohes Unfallrisiko. Dazu kritisierten Touristen, die mit ihrem eigenen Fahrzeug die Region erkundeten,

dass

sie

den

transitos

(Verkehrspolizisten)

aufgrund

fragwürdiger

Verkehrsvergehen hohe Bußgelder zahlen mussten. Zum Bereich des Straßenverkehrs gehört auch das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel. Fast jede Stadt und die meisten größeren Dörfer werden in Mosambik von Sammeltaxen, den sogenannten

chapas,

in

regel-

oder

unregelmäßigen

Abständen

angefahren.

Im

Fernstreckenbereich gibt es in Pemba die Mecula Gruppe. Reisebusse fahren täglich Richtung Süden. Das Netz der Fernstreckenbusse wird Richtung Norden kontinuierlich weitmaschiger. Obwohl Fernstreckenbusse nach Zeitplänen fahren, werden sie von internationalen Touristen fast nicht in Anspruch genommen, um Pemba zu erreichen. Wegen der großen Entfernung der Untersuchungsregion zu den nächsten touristischen Attraktionen (Ilha de Moçambique in Nampula oder Vilanculos in Inhambane) ist das Flugzeug das beliebteste Transportmittel. Aufgrund der relativ hohen Benzinpreise und der langen Fahrtzeit bietet der Flugverkehr eine vergleichsweise kostengünstige zeitsparende Alternative. Innerhalb des Stadtverkehrs in Pemba gibt es auffälligerweise keine chapas, die in anderen Provinzhauptstädten Mosambiks als Stadtbusse verkehren. Dafür besteht ein zentraler Taxistand. Hier bieten über 20 Taxifahrer Einheimischen und Touristen ihre Dienste an. Es ist die einzige Möglichkeit für nicht motorisierte Touristen zum 5 km entfernten Strand Wimbi zu gelangen. In Wimbi und weiter östlich gibt es keinen Taxistand oder öffentliche Verkehrsmittel, was von Touristen oft bemängelt wird. Schienenverkehr Zu portugiesischen Kolonialzeiten wurde ein ausreichendes Schienennetz aufgebaut, das hauptsächlich dazu diente, die Rohstoffe aus dem Hinterland zu den Häfen Maputo, Beira und Pemba zu befördern. Mittlerweile ist ein großer Teil des Schienennetzes ungenutzt. Der bekannte Komati-Train fuhr ehemals von Johannesburg direkt nach Maputo. Diese Verbindung ist eingestellt worden. Die einzige touristisch attraktive Strecke bilden die Panoramafahrt von Liwonde (Malawi) via Entrelagos/ Nayuchi nach Cuamba (Mosmabik) und die Fahrt mit dem Trans-Lubombo-Express von Durban via Swaziland nach Maputo. Die inländischen Bahnverbindungen sind sehr eingeschränkt. Da es nur eine geringe Zahl von Eisenbahnfreunden

in

Mosambik

gibt,

ist

der

Schienenverkehr

als

touristisches

Beförderungsmittel zu vernachlässigen. In der Untersuchungsregion besteht zwar ein Schienennetz, es wird jedoch nicht genutzt. Die Nutzung der Eisenbahn könnte eine Alternative zum Fliegen sein, um größere Distanzen innerhalb Mosambiks auf eine umweltschonende Art zu überwinden und einen Beitrag zum Ökotourismus zu leisten. Die

36


mosambikanische Eisenbahngesellschaft ist derzeit aber nicht in der Lage, Bahnfahrten auf internationalem Niveau anzubieten. Die Touristenströme sind zu gering, als dass sich eine Wiederaufnahme des Schienenverkehrs rentieren würde. 5.2 Gastronomie und Unterhaltung Auch wenn die Leistungen der Gastronomie nicht ausschließlich für Touristen angeboten werden, ist die Gastronomie wesentlicher Bestandteil der Tourismuswirtschaft. 87 Innerhalb der touristischen Gastronomie unterscheiden IWERSEN-SIOLTSIDIS, IWERSEN zwischen der Restauration (z.B. Restaurants) und Betrieben, die primär über Getränke und Unterhaltung ihr

Einkommen

beziehen

(z.B.

Kneipe,

Discothek).

Beide

Bereiche

werden

im

Untersuchungsgebiet vorrangig von den Beherbergungsbetrieben übernommen, in zwei Fällen ergibt sich sogar der Großteil der Einnahmen durch die Gastronomie und nicht durch die Hotellerie. Das Restaurant Pemba Dolphin im Zentrum des Wimbi-Strandabschnitts und die Bar in Russell´s Camp sind sehr stark frequentierte gastronomische Betriebe in Pemba. Neben diesen Lokalitäten werden noch das Restaurant des Complexo Naútilus und der Club Naval des Pemba Beach Hotel Resorts häufig von ausländischen Touristen aufgesucht. Es gibt wenige rein gastronomische Betriebe, die ein internationales Publikum ansprechen. Dazu gehören in der Stadt Pemba zwei Restaurants mit portugiesisch/mosambikanischer Küche, in Wimbi ein italienisches Restaurant und die Discothèque Wimbi. Daneben existieren noch zahlreiche kleine Bars und Restaurants in ganz Cabo Delgado, die jedoch keinen gleich bleibenden Qualitätsstandard bieten können und daher langfristig gesehen nicht im Tourismusmarkt erfolgreich wirken können. 88 Vorherrschend ist die Verarbeitung von Fisch und Meeresfrüchten (Thunfisch, Garnelen, Langusten, Tintenfisch), die in Küstennähe in hoher Qualität günstig erworben werden können. Zum großen Teil werden lokale Produkte angeboten. Das Angebot regionaler Waren ist in Cabo Delgado gering, die Landwirtschaft konzentriert sich auf Getreide und Hackfrüchte. Obst und Gemüse werden wegen ungünstiger klimatischer Verhältnisse nicht kommerziell angebaut. Die Viehzucht beschränkt sich auf Geflügelhaltung; die vorwiegend muslimische Bevölkerung hält keine Schweine. Die weite Verbreitung der Tse-tse-Fliege beeinträchtigt die Rinderzucht im Landesinnern. Da eine konstante Versorgung Pembas mit Importwaren nicht garantiert ist, lassen einige Hotels der gehobenen Kategorie ihre Waren selbst einfliegen. Quilálea Island Resort fliegt mehrmals wöchentlich nach Arusha, um dem Kunden frische Produkte, die in Mosambik nicht in der entsprechenden Qualität erhältlich sind (z.B. Erdbeeren), servieren zu können. Rani Aviation 87 88

Vgl.: Iwersen-Sioltsidis, Iwersen 1997, S. 62 Vgl.: Iwersen-Sioltsidis, Iwersen 1997, S. 64

37


fliegt täglich Nahrungs- und Genussmittel aus Maputo ein, um die drei Strandhotels der RaniGruppe zu versorgen. Durch die importierten Waren werden der Qualitätsstandard und das Angebotsspektrum erhöht, das Preis-Leistungsverhältnis ist jedoch nicht mehr angemessen und wird vom Kunden bemängelt 89 . Das Untersuchungsgebiet bietet aufgrund des Meeresfrüchte- und Fischreichtums gute Voraussetzungen für die gehobene Gastronomie. Die geringe Fleischproduktion in der Region könnte mit der Verwertung von Wildfleisch aus den Jagdgebieten kompensiert werden. Da viele Nahrungs- und Genussmittel aus anderen Provinzen oder Südafrika importiert werden müssen, sind Nahrungsmittel in der Untersuchungsregion teurer als in Regionen, die weniger abseits der Handelsrouten und Produktionsstätten liegen. Auswahl, Qualität und der Preis der angebotenen Speisen und Getränke sind zwar ein wichtiger

Aspekt,

ein

anderer

Servicebereitschaft des Personals.

Schlüsselfaktor 90

für

Restaurationsbetriebe

ist

die

Der Servicebereich und die Küche werden in den

meisten Betrieben mit Mosambikanern aus der Region besetzt, da sie als günstige Arbeitskräfte gelten. Da es sich um ungelerntes Personal handelt, ist die Arbeitsqualität niedrig und wird von Seiten der Hotel- bzw. Restaurantleitung und auch Touristen ausnahmslos bemängelt. Auf den Beschäftigungsmarkt und Problematik der Ausbildung im touristischen Bereich wird in Kapitel 8 genauer eingegangen. Betriebe, Einrichtungen oder Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, sind schwach entwickelt und werden mehrheitlich von Nicht-Touristen besucht (z. B. die Discothèque Wimbi). Das DPTUR bemüht sich jedoch, alle zwei Jahre ein Festival de Turismo oder ein Festival der Cultura e Dança Traditional in Wimbi zu veranstalten. Bisher wurden damit jedoch nur regionale bis nationale Quellmärkte angesprochen. Die Nachfrage zum EventTourismus wird laut OPASCHOWSKI in den nächsten Jahren stark ansteigen, die Großveranstaltung zu den bevorzugten Reisezielen gehören. 91 Auch wenn das Land Mosambik selbst keine Großveranstaltung, die den Eventtouristen anlocken könnte, anbietet, hofft es, vom Event Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika zu profitieren. „Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika in 2010 wird den Tourismus stärken und Investoren anlocken“ 92 , verheißt Präsident Guebuza.

89

Marjolaine Hewlett, mit Ehemann John Besitzer des Quilálea Island Resort, am 10. Juli 2006 Vgl.: Iwersen-Sioltsidis, Iwersen 1997, S. 65 91 Vgl.: Opaschowski 2001, S.142 92 Präsident Guebuza in der Reportage „Mosambik – Aufbruch in Afrika“ von J. Natusch 2006 90

38


5.3 Dienstleister für Information, Organisation und Freizeit Urlaub ist Freizeit. Diese freie Zeit dient nicht nur der Erholung, „aktiv sein“ wollen viele Urlauber. Reisebüros, Reiseveranstalter, Touristeninformationen und andere Anbieter von Freizeitaktivitäten organisieren oder informieren über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Ebenso wie die Gastronomie liegt das Angebot von Freizeitaktivitäten in der Hand der Beherbergungsbetriebe. Lediglich sechs der 19 Beherbergungsbetriebe haben kein ExtraAngebot an Freizeitaktivitäten. Da sich die meisten Beherbergungsbetriebe in Strandnähe befinden, beziehen sich auch die meisten Aktivitäten auf das Element Wasser. Rani hat eigens dazu den Club Naval gebaut. Die Beherbergungen der höheren Kategorie bieten eine sich ähnelnde Auswahl an Wassersportaktivitäten an. Dazu gehören Tauchen, Schnorcheln, Sportfischen, Kajak fahren und Segeln. Besonders gut angenommen wird das Angebot an Bootstouren in Verbindung mit Wassersport, Delfin- und Walbeobachtungen oder eine honeymoon-tour in den Sonnenuntergang. Eine andere Art zur Beschäftigung des Touristen bietet die ebenfalls häufig gebuchte cultural tour, die durch eine Siedlung führt, die dem Erwartungsklischee des (meist europäischen) Touristen zum afrikanischen Dorf entspricht und mit dem Verkauf von Souvenirs endet. Nicht nur die Beherbergungsbetriebe bieten touristische Aktivitäten an; es gibt in Pemba ein Reisebüro, das Tagesausflüge anbietet. VIATUR, Viagens e Turismo de Cabo Delgado, Lda existiert seit 1992 und ist Reisebüro und Reiseveranstalter, übernimmt die Buchung von Charterflügen oder Vermietung von Autos und kann Flugtickets für internationale Flüge ausstellen. Die Geschäftsinhaberin Sónia Faria 93 erhält die meisten Einnahmen aus dem Verkauf von Tagestouren und Flugtickets. Die Tagestouren werden von Südafrikanern (40%) und Portugiesen (40%) nachgefragt. In der Hochsaison (Juni bis August und Dezember werden bis zu drei Stadtrundfahrten (city tour) pro Tag und einige Tagesausflüge pro Woche zu den nahegelegenen Stränden Murrebue und Mecufi durchgeführt. Faria schätzt, dass je fünf Mal im Jahr Fahrten zur Ilha de Moçambique und Ilha Ibo zustande kommen. Touren zu den Wasserfällen des Lúrio im Süden Cabo Delgados und nach Mueda werden seltener durchgeführt. Viatur ist ein regionaler Reiseveranstalter, der zwar ausländische Touristen bedient, jedoch keinesfalls den hohen Standards eines internationalen Reiseveranstalters entspricht. Probleme sieht die Mosambikanerin portugiesischer Herkunft besonders in der Unzuverlässigkeit ihrer Mitarbeiter und der Dienstleistungsanbieter, mit denen sie kooperiert. Führer seien unqualifiziert und beherrschten nicht die englische Sprache, die gemieteten Fahrzeuge würden

93

nicht

den

Sicherheitsvorschriften

entsprechen.

Trotzdem

verzeichnet

das

Interview vom 17.08.2006

39


Unternehmen mit sieben Angestellten steigenden Umsatz, zumal es das einzige Reisebüro der Region ist. Als aufstrebend kann die Touristeninformation Kaskazini 94 bezeichnet werden. Das Büro im Komplex des Pemba Beach Resort Hotel ist mit fachkundigem Personal besetzt. Aufgrund starker Nachfrage plant Kaskazini in naher Zukunft, die Touristeninformation zu erweitern, um als Reiseveranstalter im Norden Mosambiks zu agieren. Das von drei ausländischen Reisekauffrauen betriebene Büro könnte schon bald als qualitativ hochwertiger Veranstalter von Tagesausflügen eine Konkurrenz zu VIATUR sein, da es auf eine enge Zusammenarbeit mit Beherbergungsbetrieben setzt. Bei diesem Konzept würden die Investitionen mit ausgewählten Beherbergungsbetrieben geteilt werden. Somit könnten Preise gesenkt werden, Fahrten kommen eher zustande, da ein größerer Kundenstamm angesprochen wird. 95 Kaskazini könnte damit ebenso eine ernsthafte Konkurrenz zum bestehenden Freizeitangebot der Beherbergungsbetriebe werden, aber auch Fischer, die ihre Dhow zu touristischen Zwecken nutzen, verdrängen oder organisieren. 5.4 Die Lage der Andenkenerzeuger und Souvenirverkäufer Laut VORLAUFER entfallen etwa 10-20 % aller touristischen Deviseneinnahmen auf den Verkauf landesspezifischer Souvenirs, die überwiegend noch handwerklich erzeugt werden. Auch in Cabo Delgado werden Andenken produziert und vermarktet. Neben dem informellen Sektor bestehen auch Zusammenschlüsse von Künstlern, die die Originalität der MakondeKunst wahren wollen. Diese Kooperationen werden vom Landwirtschaftsministerium überwacht, um die Weiterverarbeitung und den Handel mit Produkten aus geschützten Tieren oder

Pflanzen

einzudämmen.

Es

konnten

Gruppeninterviews

in

Form

von

Leitfadeninterviews mit fünf Kooperativen durchgeführt werden. Die Leitfragen beziehen sich auf -

die Künstler und Verkäufer (Alter, Ausbildung, Einkommen, Struktur der Kooperation, Konflikte, Zukunftsperspektiven, etc.)

-

die Produkte ( Einkauf, Herstellung, Material, Preis, etc.)

-

die Kunden ( Nachfrage, Saisonalität, etc.).

Vier der fünf befragten Kooperationen befinden sich in Pemba. Drei der Kooperationen haben sich an touristischen Zentren innerhalb der Stadt angesiedelt. Die Cooperação ar juvenil befindet sich direkt an der Kreuzung gegenüber des Complexo Naútilus und der Tauchschule CI Divers an der Avenida Marginal, der Zufahrtsstraße zum Strand Wimbi. Im direkten Umfeld 94

kiswahili:: im Norden, nordwärts Interview mit Genevieve Lelord und Dorothea Starck (Reisekauffrau) des Kaskazini am 19 Juni 2006

95

40


befinden sich Hotels, Restaurants und der Strand. Ebenfalls in Wimbi, jedoch im Hinterhof des Café Internet Wimbi, liegt die Cooperativa Karibu Wimbi. Im Stadtteil Natite liegt ist die Cooperação Natite im gleichnamigen Wohnviertel fern ab von touristischen Zentren. Gegenüber vom Flughafen befindet sich die Cooperativa Alto Jingone. Bendito Arte Makonde ist in Mueda und damit abseits der Touristenströme angesiedelt (siehe Anhang Karte 5). Bis auf die Cooperação ar juvenil verkaufen die Kooperationen nur Schnitzkunst aus Holz und Elfenbein. Das Holz wird in Mueda oder Montepuez eingekauft, seltener vom provinzialen Landwirtschaftsdirektorat. Hier kann neben Holz auch Elfenbein gekauft werden. Die Größe und Qualität der angebotenen Produkte lässt auf eine Anpassung an die touristische Nachfrage schließen. Der Betrieb gegenüber vom Flughafen stellt keine minderwertige airport art her, sondern besonders große und schwere Holzskulpturen hoher Qualität. Auffällig ist auch der hohe Anteil an Skulpturen aus Elfenbein. Die Cooperativa Alto Jingone wird hauptsächlich von Touristen besucht, die am Flughafen auf einen Anschlussflug warten. Diese Klientel sucht wie bei der Wahl der Unterkunft das Besondere im hochklassigen Bereich. Verkaufsschlager der Cooperativa Alto Jingone sind ein bis zwei Meter hohe Ujamaa-Skupturen sowie bis zu einem Kilogramm schwere Tierdarstellungen aus Elfenbein, die für bis zu 150 € verkauft werden. In Mueda werden ebenfalls hauptsächlich hochwertige Ujamaa-Skulpturen hergestellt, jedoch wird öffentlich kein Elfenbein verarbeitet. Die Produktionsstätten in Wimbi haben sich auf Touristen eingestellt, die in Unterkünften der mittleren bis unteren Kategorie übernachten. Hier werden Produkte zwischen 10 und 1500 MTn (ca.: 0,30 € bis 47 €) angeboten. Das durchschnittliche Einkommen eines Künstlers variiert stark. Die Kooperations-Mitglieder der ar juvenil, Karibu Wimbi und Natite schätzen ihren Tagesverdienst in der Hochsaison (Oktober bis Dezember) auf 50 bis 200Mtn. Die Künstler der Bendito Arte Makonde und der Cooperativa Alto Jingone konnten ihren monatlichen oder jährlichen Verdienst nicht einschätzen, da er sehr stark variiere.

Die Kooperation Natite besteht seit ungefähr 30 Jahren. Sie ist der erste Zusammenschluss von Künstlern in Pemba. Künstler, die in der Cooperação Natite ihr Handwerk gelernt haben, eröffneten die Cooperação Alto Jingone, andere arbeiten in der Cooperação ar juvenil. Der Zusammenschluss der Künstler zu einer Kooperation ist eine Überlebensstrategie, um die Kosten für den Materialkauf, Elektrizität, Werkzeug

und die Instandhaltung des

Verkaufsgebäudes decken zu können. Die Künstler einer Kooperation verpflichten sich, 10% des Verkaufspreises an die Kooperation weiterzuleiten. Nur die Cooperativa Karibu Wimbi verfolgt nicht dieses Konzept. Das zehnköpfige Familienunternehmen wird vom Ältesten, Joaquim Muanga, geführt, der seinen Söhnen und Neffen das Handwerk beigebracht hat und

41


1998 von einem Vorort von Mueda nach Pemba gezogen ist, da er sich eine Steigerung der Lebensqualität erhoffte „porque diziam que na cidade posso viver, a aldeia só da para sobreviver“ 96 . Letztendlich kann keiner der Künstler allein durch den Verkauf seiner Werke eine Familie versorgen. Die Befragten aller Kooperationen gaben an, dass sie zusätzlich anderen Erwerbstätigkeiten nachgehen. Das ist meistens die Feldarbeit, einige besitzen eine barraca 97 oder haben eine Anstellung. Die zweite Erwerbstätigkeit verhindert dabei nicht die Ausführung der Schnitzkunst. Vielmehr entsteht durch die Herstellung von Andenken eine Kombination verschiedener Einkommensquellen, die sich gegenseitig ergänzen. Da auf Vorrat produziert werden kann, ist eine Anpassung an den landwirtschaftlichen oder touristischen Kalender möglich, saisonale Arbeitsspitzen werden ausgeglichen. Die Diversifikation der Einkommensquellen als Strategie zur Existenzsicherung wird erleichtert. 98 Als Gründe für die geringen Umsätze wurden an erster Stelle „falta de turistas“, der Mangel an Touristen, genannt. Dazu wird bemängelt, dass die Regierung zu wenig helfe. Alle Kooperativen wünschen sich die Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen, um für sich in Zeitung, Radio, Internet und Fernsehen werben oder ein zweites Geschäft eröffnen zu können. Die Cooperativa Karibu Wimbi, Cooperação Natite und Alto Jingone keine aktive Verkaufsstrategie. Zwei bis drei Künstler der Bendito Arte Makonde reisen am Wochenende nach Pemba, um Touristen Fotos von ihren Werken zu zeigen, um sie nach Mueda zu locken oder zu einem sehr kleinen Verkaufsstand außerhalb der Stadt zu führen. Bendito Arte Makonde verzeichnet die größten Einnahmen durch in Pemba ansässige Händler 99 , welche die Waren zusammen mit Kunst aus anderen Regionen Afrikas in Industrieländer exportieren. Der Tourismus wird somit zum Exportförderer. Bendito Arte Makonde zeigt, dass die Andenkenerzeugung nicht in touristischen Zentren angesiedelt sein muss und ist ein Beispiel dafür, dass auch an touristisch nicht erschlossenen Standorten vom Tourismus profitiert werden kann. Es wurde ein exportorientiertes Gewerbe im ländlichen Raum aufgebaut, das das Einkommensgefälle zwischen Stadt und Land, sowie regionale Disparitäten mildert und schließlich Landflucht verhindern kann. 100 Mitarbeiter der Cooperação ar juvenil, die durch die gleichnamige Hilfsorganisation organisiert und initiiert wurde, betreiben eine andere Verkaufsstrategie. Sie bieten ihre Produkte nicht nur am Strand Wimbi an, sondern auch in Nampula und Maputo. Neben 96

„weil sie mir gesagt haben, dass man in der Stadt leben kann, im Dorf nur überleben.“ Kleiner Verkaufsstand mit Erzeugnissen aus eigener Produktion (z.B. Früchte, Nüsse) oder Weiterverkauf von Produkten des täglichen Bedarfs in kleinen Mengen (z. B. Seife, Öl). 98 Vgl: Vorlaufer 1996, S.168 99 Wie z.B. der Australier Russell Bott, Besitzer des Campingplatz Russel´s Camp oder Humberto Nazaré, Besitzer des Ondazul und Pemba Dolphin 100 Vgl.: Vorlaufer 1996, S. 167ff 97

42


Holzschnitzereien, die von Makua aus Pemba angefertigt worden sind, können tierische und pflanzliche Produkte, die unter Artenschutz stehen, gekauft werden. Dazu werden allerlei „Touristen-Nippesartikel“ 101 angeboten, die den kulturfremden Touristen anzusprechen scheinen. Die Kooperative besteht zum großen Teil aus sehr jungen Männern (15 bis 20 Jahre), die weniger die Kooperative als Ort des kulturellen und kreativen Austauschs unter Künstlern sehen, sondern als reines Geschäft. Die Kooperative ar juvenil ist mehr ein Souvenirladen als eine Kooperative zur Erhaltung von Kunst und Natur. Die anderen Kooperativen legen zwar großen Wert auf hochwertige Kunst, stehen aber auch in Abhängigkeit zum zahlungskräftigen Touristen. Die Zahl der arbeitenden Künstler wird nach dem Präsidenten der Cooperação Natite auf 300 geschätzt. Die Andenkenerzeugung ist somit ein Beschäftigungsfaktor für die touristischen Orte aber auch die umliegenden Regionen. Die arbeitsintensive Produktion, die wenig Kapital erfordert, da vorwiegend

heimische

Ressourcen

Nettodeviseneffekt und mindert

verarbeitet

die Arbeitslosigkeit.

werden, 102

bringt

einen

hohen

Trotzdem stellt die illegale

Verarbeitung und Vermarktung von geschützten Tieren und Pflanzen, die von Touristen nachgefragt wird, ein wachsendes Risiko dar. 5.5 Aspekte des informellen Sektors und des illegalen Handels Das Kleingewerbe ist „zu einem der wichtigsten Hoffnungsträger bei der Überwindung der Unterentwicklung [...] der Dritten Welt avanciert“ 103 . Die offensichtlichsten Vertreter des informellen Sektors sind Männer, Frauen und auch Kinder, die Getränke oder Souvenirs oder eine Stadtführung vor Sehenswürdigkeiten, am Strand oder direkt vor dem Hotel zum Verkauf anbieten. Der touristische informelle Sektor bietet eine breite Palette an Dienstleistungen und Gütern an. 104 In Pemba und Mueda wurden die Produktionsstätten und der Verkauf von Makonde Schnitzereien durch das lokal vertretene Direktorat des

Ministério de Agricultura

„formalisiert“, indem Kooperationen geschaffen worden sind. Dennoch gibt es eine große Anzahl an Beschäftigten im touristischen informellen Sektor. In Pemba ist die Konzentration von Souvenirverkäufern am Höchsten. Im Stadtzentrum und an den viel besuchten Stränden Wimbi und Murrebue sind es hauptsächlich männliche Jugendliche und Jungen, die Souvenirs oder Fisch an Touristen verkaufen wollen. Für weiteres

Nahrungsmittel- und

Getränkeangebot sorgen junge Frauen und Mädchen, die etwas unaufdringlicher Backwaren, 101

Scherrer 1988, S.139 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.167 103 Meyer, 1999 S.1 104 vgl.: Vorlaufer 1999, S.1 102

43


Nüsse, Obst und selbstgebrautes Bier anbieten. Einige Fischverkäufer sind zugleich auch Dienstleistungsanbieter, indem sie dem Touristen eine Fahrt mit ihrem Fischerboot, der traditionellen Dhow, anbieten. Während auf den lokalen Fischmärkten kleinere Fische zum Verkauf angeboten werden, präsentieren die Fischer die großgewachsenen Fische am Strand oder vor den Unterkünften der Touristen. „Os turistas querem grandes peixes, bem exóticos. Eles querem o peixe mais grande e mais belo, por isso caçamos tudo que é colorido no mar.”

105

Die lokalen Fischer verkaufen hauptsächlich die imposanten Fächer-

und Speerfische (Istiophoridae), die unter Anglern auch als Marline bekannt sind, dazu Thunfisch, Garnelen und Langusten. Neben diesen werden auch vom Aussterben bedrohte oder geschützte Fische wie z.B. Papageienfische (Scarinae) angeboten. Neben Fischen und Meerestierenwerden auch Korallen, Schildkrötenpanzer und Elfenbein zum Verkauf angeboten. Zwar wird von den Kleinhändlern versichert, dass die Korallen und Schildkrötenpanzer am Strand gefunden worden seien, und dass das Elfebein von der „Agricultura“, dem Landwirtschftsministerium mit entsprechender Lizenz gekauft wurde, dennoch ist es „illegal under national and international law to buy or sell certain sea shells, turtle shell products, ivory and many wild animal products which are on sale around Pemba“ 106 . Fakt ist, dass am Strand Wimbi fast alles zu kaufen ist. Neben geschützten Tierund Pflanzenprodukten werden auch Drogen zum Verkauf angeboten. Das unübersichtliche Quirimbas Archipélago gilt als Wegpunkt des interkontinentalen Drogenverkehrs. Die dichte Mangrovenvegetation und die vielen kleinen Inseln im seichten Gewässer, das von größeren Schiffen (wie dem Zollschiff) nicht befahren werden kann, bietet beste Voraussetzungen, um Waren zu verstecken. Ein Teil des für den europäischen und südafrikanischen Markt bestimmten Kokains sickert nach Pemba durch. Auch besteht reger Handel mit Marihuana, das im kühlen Plateau von Mueda angebaut wird und am Strand seine Abnehmer findet. Der illegale Handel hat sich hier mit dem informellen Sektor vermischt. Die Polizisten der Station in Wimbi unterscheiden nicht zwischen informellen Händlern und illegalen Geschäften. Kleinhändler, die ihre Waren, welcher Art auch immer, vor den Unterkünften und Restaurants verkaufen, werden von Polizisten vertrieben, da sich Hotel- und Restauranteigentümer beschweren. Die informelle Arbeit wird zumeist von jungen Männern betrieben, die vor oder nach der Schule durch den Andenkenverkauf wichtige Einnahmen erhalten. Sie sind nicht in einer großen Gruppe, sondern in Familien organisiert. Kinder, Jugendliche und junge Väter 105

„Die Touristen wollen große Fische, sie wollen exotische, bunte Fische. Sie wollen den größten und schönsten Fisch des Meeres, deshalb fangen wir alles aus dem Meer, was bunt aussieht“. Zézé Mavaló, Speerfischer aus Pemba. 106 Information auf dem Deckblatt des Stadtplans zu Pemba und Wimbi Beach

44


verkaufen die Waren der Verwandtschaft. So verkaufen einige Jungen nur Graphitketten von ihrem Onkel aus Ancuabe, andere nur esteiras (geflochtene Matten), die von der Verwandtschaft in Palma produziert wurden. Durch diese Familienunternehmen bleibt der Gewinn nicht in den touristischen Zentren, auch in der Peripherie wird durch den Tourismus verdient. Das Land-Stadt Gefälle wird gemildert. 6 Analyse und Bewertung der Beherbergungsstruktur Das Gastgewerbe, das sich aus Beherbergung und Gastronomie zusammensetzt, bildet den größten Wirtschaftsbereich des Tourismus. Der ausländische Tourist ist im Normalfall auf Beherbergungs- und Verpflegungsleistungen angewiesen. Eine Ausnahme ist die geringe Zahl von Touristen, die bei Verwandten oder Bekannten übernachten und sich dort verpflegen. Im Feld wurden 38 Beherbergungsbetriebe untersucht, davon waren 14 Betriebe noch nicht eröffnet. Bei fünf Betrieben handelt es sich um Beherbergungen, die hauptsächlich von Mosambikanern und ostafrikanischen Geschäftsreisenden genutzt werden. Da es eine Vielzahl solcher Betriebe in Cabo Delgado gibt, wird im Folgenden kurz darauf eingegangen. 6.1 Beherbergungen für Binnentouristen und regionale Geschäftsreisende Die Direcção Provincial do Turismo (DPTUR) hat Ende 2005 sämtliche Betriebe, die im Tourismus tätig sind, erfasst. Von den 50 angemeldeten Beherbergungsbetrieben sind 30 Betriebe als pensão, motel, casa de hospede, oder aluguer de quartos bezeichnet. Zu dieser Art von Betrieb gehören das Motel Sanzala und die Pensão Ntima in Mueda, das TDM auf der Insel Ibo, das TC& Filhos in Mocimboa da Praia und das Residencial Lys in Pemba. Die Betriebe weisen Ähnlichkeiten in auf: Sie sind nicht oder schlecht beschildert, bieten geringen Service und haben geringen Komfort (z.B. kein fließend Wasser, kein Strom). Die Interviewergebnisse zeigen, dass die Einrichtungen hauptsächlich von Mosambikanern auf Geschäftsreise oder auf dem Weg, Verwandte und Bekannte zu besuchen, genutzt werden. Dazu kehren auch Geschäftsreisende aus Tansania, Kenia, Somalia, Zimbabwe und Südafrika ein. Von den Besitzern der Beherbergungen wird die durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf 1,5 Nächte geschätzt. Die Übernachtungskosten von 150 bis 500 Mtn (ca. 4,70 bis 15,60 €) sind die niedrigsten der Region. Aufgrund der Interview-Ergebnisse dieser fünf Betriebe wird darauf geschlossen, dass die 30 von DPTUR registrierten Betriebe der Art pensão, motel,

casa de hospede, oder aluguer de quartos auf den nationalen

45


Tourismus und auf innerkontinentale Geschäftsreisende spezialisiert sind. Bestätigt wurde diese Annahme durch Frau Maria Fátima José Romero, der Chefin der DPTUR. 107 Ein wachsender Anteil des Tourismus in Entwicklungsländer stammt aus den nationalen und regionalen Reisen, die weniger Erholungs- oder Besichtigungszwecken dienen, sondern Geschäftsreisen sind. Dadurch wird die Bedeutung des Ferntourismus aus Europa und Nordamerika relativiert. Eindeutig ist jedoch, dass wirtschaftliche Entwicklung zu verstärkter Reisetätigkeit führt.

Diese dient zuerst wirtschaftlichen Zwecken, später entwickeln sich

Freizeitaktivitäten. 108 Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch ausländischen Touristen wie z. B. Rucksackreisende oder motorisierte Individualreisende die Beherbergungen nutzen, werden alle Betriebe, die als pensão, motel, casa de hospede, oder aluguer de quartos ausgewiesen sind, nicht in der Auswertung berücksichtigt, da angenommen werden muss, dass sie nicht dem internationalen Tourismus im Sinne des Fernreisetourismus entsprechen.

Mit Ausnahme von privat vermieteten Ferienhäusern und einem Anbieter von Jagdsafaris (Negomano Safaris) konnten alle Beherbergungsbetriebe, die derzeit für den internationalen Tourismus von Bedeutung sind, befragt werden. Das in Nairoto ansässige Unternehmen Negomano Safaris bietet Jagdtourismus in der Puffer-Zone des Niassa Reservats an. Eine Befragung des Unternehmens wäre sinnvoll gewesen, um einen Vergleich mit Kambako Safaris zu schaffen. Negomano Safaris lehnte jedoch jede Art von Auskunft über seinen Betrieb ab und war in der Zeit der Feldforschung in einen gerichtlichen Prozess in Maputo verwickelt,

da

dem

Unternehmen

vorgeworfen

wurde,

illegal

in

fremden

Jagdkonzessionsgebieten Elefanten und Zebras geschossen zu haben, um Stoßzähne bzw. Felle nach Tansania zu exportieren. Aufgrund dieser Tatsache wird das Unternehmen Negomano Safaris nicht weiter berücksichtigt.

107

Eine Ausnahme unter diesen Pensionen ist die Pensão Bahía im Stadtzentrums Pembas. Es kann angenommen werden, dass die Unterkunft von ausländischen Touristen besucht wird, da sie in verschiedenen Reiseführern (Lonely Planet Mozambique, Bradt Mozambique, Reisen in Mosambik) aufgeführt ist. Da kein Interview mit dem Leiter der Pension stattfinden konnte, kann nur darüber spekuliert werden, ob die Pensão Bahía hauptsächlich vom Geschäft mit ausländischen oder inländischen Touristen lebt. Ein weiterer Sonderfall ist das Hotel Cabo Delgado in Pemba. Das immer noch mit drei Sternen ausgezeichnete Hotel wird nach Aussage des Rezeptionisten hauptsächlich von mosambikanischen und süd- und ostafrikanischen Geschäftsleuten besucht. Auch hier ließ sich kein Interview arrangieren. 108

vgl.: Meyer, Thimm 1996, S.9

46


6.2 Beherbergungsarten und Besitzverhältnisse Um die verschiedenen Beherbergungsarten in Kategorien unterteilen zu können, wurde zu Beginn des Interviews darum gebeten, die Unterkunft einer Betriebsart zuzuordnen. Falls der Befragte von sich aus keine Antwort geben konnte, wurden die Betriebsarten hotel (Hotel), residencial (Hotel garni), complexo turístisco (Resort, Lodge, Ferienanlage), pensão (Pension), chalé (Ferienhaus) zur Auswahl gegeben. Einige Befragte ordneten die Unterkunft in eine Kategorie ein, der sie nicht entsprach. Eine einfache Pension wurde als Hotel bezeichnet, eine vermeintliche Ferienanlage entpuppte sich als Hotel garni. In der Literatur gibt es verschiedene Definitionen von Betriebsarten. Um einen Vergleich zu schaffen, werden nach der „Entscheidung der Kommission vom 9. Dezember 1998 zur Festlegung von Durchführungsvorschriften zur Umsetzung der Richtlinie 95/57/EG des Rates über die Erhebung statistischer Daten im Bereich des Tourismus“ die Betriebe in Beherbergungsarten eingeteilt. Danach werden Beherbergungsbetriebe unterschieden in:

„1. Hotels und ähnliche Betriebe a) Hotels (Hotels, Apartmenthotels, Motels, Gasthöfe, Strandhotels und ähnliche Einrichtungen mit Hotelservice, der mehr umfasst als tägliches Bettenmachen und Reinigung der Zimmer und Sanitäreinrichtungen) b) ähnliche Betriebe (Pensionen mit und ohne Verköstigung, Ferien-Wohnanlagen und ähnliche Beherbergungsbetriebe, die in Zimmer aufgeteilt sind und begrenzten Hotelservice mit täglichem Bettenmachen und Reinigung der Zimmer und Sanitäreinrichtungen anbieten.) 2. Sonstige Beherbergungsbetriebe a) Ferienhäuser, -wohnungen (Sammeleinrichtungen unter gemeinsamer Leitung wie Apartmenthäuser, Feriensiedlungen und siedlungsartig angeordnete Bungalows. Das Angebot an

Hoteldienstleistungen

ist

eingeschränkt

(umfasst

kein

tägliches

Bettenmachen und keine tägliche Reinigung).) b) Campingplätze (Diese Gruppe umfasst Sammeleinrichtungen auf abgegrenztem Gelände für Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile, die unter gemeinsamer Leitung stehen und touristische Dienstleistungen (Laden, Information, Freizeitaktivitäten) anbieten.)

47


c) Jachthäfen d) Sonstige Beherbergungsbetriebe sowie 3. spezialisierte Betriebe. “ 109

In der Kategorie „Hotels“ wird zwischen Hotels, Hotels garnis, Strandhotels und Camps unterschieden. Die Strandhotels und Camps werden nach Angaben der Betriebe als resort oder lodge bezeichnet. Da diese Ausdrücke vage sind, werden Beherbergungsbetriebe, die den Standard eines Hotels besitzen und bei denen die Gäste in Bungalows, Rundhütten oder Zelten übernachten, als Strandhotels oder Resorts 110 bezeichnet. Befindet sich der Betrieb nicht am Strand, wird er als Camp bezeichnet. Unter der Kategorie „ähnliche Betriebe“ wird zwischen Pensionen und Ferienwohnanlage unterschieden. Ferienwohnanlagen bieten einen Bungalow zur Übernachtung an. Zu den Campingplätzen ist hinzuzufügen, dass diese nicht nur Stellplätze anbieten, sondern auch Übernachtungsmöglichkeiten in einem Bungalow. Folgende Liste zeigt die Einteilung der befragten Betriebe nach Beherbergungsart.

109

Europäische Gemeinschaften, 1999, S. 23-47 Rechtlicher Hinweis des Verfassers: „Verbindlich ist ausschließlich das in den gedruckten Ausgaben des Amtsblattes der Europäischen Union veröffentlichte Gemeinschaftsrecht.“ 110 „Resort“ wird synonym zu Strandhotel verwendet, da sich ein Großteil der Beherbergungen „Resort“ nennt.

48


Abb.4:: Betriebe nach Beherbergungsart Beherbergungsart und Eröffnungsdatum der Beherbergungsbetriebe mit Herkunftsangabe der Besitzer Herkunft der/s Investoren/s oder Beherbergungsart Name Eröffnungsdatum Besitzer/s Bereits bestehende Beherbergungsbetriebe Hotels und ähnliche Betriebe: 1 Camp Kambako Safaris USA Apr 05 2 Ferienwohnanlage Chez Natalie Frankreich k.A. 3 Hotel Mareja Deutschland/Italien 1992 4 Hotel Aurora Frankreich k.A. 5 Hotel mit Strandhotel Pemba Beach Resort Hotel VAE 13.04.2002 Mosambik (indische 6 Hotel garni Complexo Turistísco Caracol 1990 Herkunft) Mosambik (portugie7 Hotel garni Ondazul 01.09.2002 sische Herkunft) Mosambik (indische Herkunft) 8 Hotel garni Residencial Wimbe Sun 7.12.2005 Mosambik (portugie9 Hotel garni SAL Simple Aldeias Lda 2000 sische Herkunft) 10 Strandhotel Guludo Beach Lodge England Dez 05 11 Strandhotel Matemo Island Resort VAE 03.12.2004 12 Strandhotel Medjumbe Island Resort VAE 10.12.2005 13 Strandhotel Nautilus Beach Resort Mosambik (aus Pemba) 01.12.2002 14 Strandhotel Quilalea Island Resort England 2002 15 Strandhotel Vamizi Island Resort England Dez 05 Sonstige Beherbergungs-betriebe: Campingplatz (mit Fe16 rienwohnanlage) Nacole Jardim Südafrika Aug 06 Campingplatz (mit Fe17 rienwohnanlage) Russell´s Camp Australien/Mosambik Ende 1998 18 Ferienhaus Alison´s England 01.04.2006 19 Ferienhaus Familie Gessner Deutschland seit 2004

49


Noch nicht eröffnete Beherbergungsbetriebe Hotels und ähnliche Betriebe: 20 Camp Lugenda Bush Camp 21 Camp Rensburg, Nikolas van* 22 Camp Taratibo evtl. Ferienwohnanlage mit 23 Camping Eco-Hotel Murrebue 24 Hotel Ibo Island Lodge 25 Strandhotel Brix, Achim* 26 Strandhotel Kambako Beach 27 Strandhotel Londo Lodge Londo Fishinglodge/ Meyer, 28 Strandhotel André* 29 Strandhotel Macaloe Island Resort 30 Strandhotel Pemba Bay Resort 31 Strandhotel Quifuci Baoresort 32 Strandhotel Quissanga Island Resort 33 Strandhotel Rongue Island Resort Sonstige Beherbergungsbetriebe: Campingplatz (mit Ferienwohnanlage) im Umbau, da neuer 34 Besitzer Casa Jeanine/ Vila Ruben * Zum Zeitpunkt des Interviews stand der Name des Betriebs noch nicht fest, daher wird der Name des Interviewten angegeben k.A.: keine Angabe

VAE Südafrika Südafrika

Sep 06 2007 wartet auf Lizenz

England, Deutschland Südafrika Deutschland USA Niederlande

k.A. Dez 06 2007 k.A. Sep 06

Südafrika England Südafrika Frankreich VAE England

Ende 2006 k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.

Frankreich

k.A.

50


Es zeigt sich eine Dominanz der Beherbergungsart „Strandhotel“ bzw. „Resort“ in den bereits bestehenden

und

geplanten

Beherbergungsbetrieben.

An

zweiter

Stelle

folgt

die

Beherbergungsart „Hotel garni“ bei den bereits bestehenden Betrieben. Interessanterweise nimmt bei den im Bau befindlichen Betrieben die Art „Camp“ den zweiten Rang ein, der Bau eines „Hotel garni“ ist in Zukunft nicht mehr geplant. Die Hotels garnis befinden sich alle am Strand Wimbi, dem ersten touristisch genutzten Badestrand Pembas und Ausgangspunkt der touristischen Entwicklung. So hatten viele der heute für de internationalen Tourismus wichtigen Standorte zunächst ein nur sehr einfaches und kleines Unterkunftsangebot 111 wie etwa Hotels garnis oder Campingplätze. Typisch für diese ersten Unterkünfte ist nach VORLAUFER, dass sie durch „Feierabend-Hoteliers“, die einen Neben- oder Zuerwerb anstreben, entstanden sind. Ebenso trifft bei diesen Pionieren der Beherbergungsindustrie zu, dass sie von ethnischen Minderheiten in Betrieb genommen worden sind. 112 Die Besitzer der bis 2000 in Cabo Delgado entstandenen Unterkünfte, zu denen zwei Hotels garnis zählen, sind Mosambikaner indischer oder portugiesischer Herkunft. Der Complexo Naútilus wurde bereits in den 80er Jahren durch einen Portugiesen eröffnet. Zwei Betriebe (Mareja und Russell´s Camp) werden von ideenreichen Rucksackreisenden aus Europa und Australien geleitet, die sich als Aussteiger an dem aus ihrer Sicht touristisch attraktiven Standort niedergelassen haben und zu Initiatoren der touristischen Entwicklung wurden. 113 Da es für Ausländer schwierig ist, Land zu pachten 114 , wird für die anfängliche Überwindung der Formalitäten ein mosambikanischer Strohmann 115 genutzt, der später das Land an seinen ausländischen Geschäftspartner weiter verpachtet. Seit Mitte der 80er Jahre bemühen sich fast alle Entwicklungsländer, ein günstiges Investitionsklima für ausländische Investoren zu schaffen 116 . Es ist jedoch fraglich, ob es noch zum guten Investitionsklima gehört, wenn der Besitzer des Taratibo, Koors von Landsberg die 20 000 ha große Region Londo für 10 000 US $ „pachten“ 117 und hektarweise an ausländische Investoren (André Meyer, Peter-Jan Hulsebosch, Besitzer der Londo Lodge) 111

Vgl.: Vorlaufer 1996, S. 101 Vgl.: Vorlaufer 1996, S. 114 113 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.112 114 Nach dem mosambikanischen Landrecht von 1997 können Ausländer Land pachten, wenn sie fünf Jahre im Land gelebt haben und eine genehmigte Investition planen. Unternehmen oder Investorengruppen können einen Antrag stellen, nachdem sie in Mosambik registriert worden sind.(SLE 2002, S.19-20) 115 Vorlaufer 1996, S.112 116 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.107 117 Land gehört dem Staat und kann nicht gekauft werden. Nach dem Landrecht von 1997 kann Land für 50 Jahre verpachtet werden. Danach ist es möglich, die Pacht zu erneuern. Wenn der ausländische Pächter nach 2 Jahren, der inländische nach 5 Jahren, kein Fundament für ein Gebäude gelegt und keine Begrenzung um das Grundstück gezogen hat, verliert er den Landanspruch.(SLE 2002, S. 1920) 112

51


mit weniger guten Kontakten zur Regierung mit Gewinnbeteiligung weitervermieten kann. Dazu konnte der Südafrikaner noch 39 000 ha Land im jetzigen Gebiet des Quirimbas Nationalpark pachten, weil er sich verpflichtete, 120 km Straße zu bauen. Der Minenbesitzer Nikolas van Rensburg erhielt 80 000 ha Land; im Tauschgeschäft müssen Straßen angelegt werden. Auch die Inseln werden von ausländischen Investoren „aufgekauft“. Unbewohnte Inseln werden komplett gepachtet. So werden durch „Eintrittspreise“ ungewollte Besucher wie Fischer oder Ausflügler ferngehalten und dem Gast kann auf den luxuriösen Unterkünften auf Quilálea und Medjumbe das Gefühl vermittelt werden, auf einer einsamen Insel gestrandet zu sein. Die Eigentumsverhältnisse in der Hotellerie sind auf ausländische Investoren konzentriert. Nur fünf der 33 befragten Betriebe sind unter mosambikanischer Leitung, darunter ist der Complexo Naútilus der einzige Betrieb unter schwarzafrikanischer Führung. Derzeit investiert kein Mosambikaner in ein Hotelprojekt. Jedoch wird der Beherbergungsmarkt für regionale Geschäftsreisende und Binnentouristen nach Aussage von Frau Fátima, der Chefin der DPTUR, fast ausschließlich von Mosambikanern beherrscht.

Fast die Hälfte der untersuchten Betriebe (15 von 33) gehört Europäern. Davon gehören drei Resorts 118 zum englischen Projekt Maluane. Die amerikanische Kambako Investments Gruppe besitzt das Camp Kambako Safaris und baut ein Strandhotel (Kambako Beach). Rani Resorts aus den Vereinigten Arabischen Emiraten besitzt neben dem Pemba Beach Hotel Resort drei Resorts auf den Inseln und an der Küste des QNP 119 und das Lugenda Bush Camp in der Pufferzone des Niassa Reservats. Außerhalb der Untersuchungsregion besitzt Rani das Indigo Bay Island Resort and Spa auf dem Bazaruto Archipélago in Inhambane und das Stanley and Livingstone Hotel bei den Victoria Fällen. Weiterhin soll Rani mindestens ein Hotel in Dubai besitzen. 120 Rani Resorts plant laut Mossiane weitere Resorts und Hotels in Mosambik. Rani hat bereits 60 Mio. US $ in Mosambik investiert. Weitere 120 Mio. US $ sollen folgen. 121 Rani muss daher als aufstrebende transnationale Hotelkette

gesehen

werden.

„Das

stürmische

Wachstum

Entwicklungsländern mit großem Wirtschaftswachstum“ Phänomen“

123

122

von

Hotelketten

ist

in

wie Mosambik ein „weltweites

. In Cabo Delgado stellt Rani 224 der 502 Betten bereit, davon befinden sich

118

Vamizi Island Resort, Macaloe Island Resort, Rongue Island Resort Matemo Island Resort, Medjumbe Island Resort , Quissanga Island Resort 120 José Mossiano Marketing Pemba Beach Resort Hotel, Interview vom 02.08.2006 121 vgl.: Natusch 2006 122 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.87 123 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.87 119

52


allein 152 im Pemba Beach Resort Hotel, in dem zur Zeit weitere 72 Betten in so genannten Country Yards 124 angelegt werden. In der Stadt bietet Rani somit mit Abstand die meisten Kapazitäten an. Das Pemba Beach Hotel Resort steht in seiner Aufnahmekapazität außer Konkurrenz. Die nächst größere Unterkunft ist der benachbarte Complexo Naútilus mit 29 Rundhütten („chalets“), die mit Doppelbetten ausgestattet sind. An dritter Stelle steht mit 50 Betten der Complexo Caracol. Dieses Hotel garni befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Complexo Naútilus im Zentrum des Strandviertels Wimbi. Es zeigt sich eine starke Konzentration der Großhotels auf den Kern der touristischen Entwicklung, nämlich auf den Strandabschnitt und Stadtteil Wimbi in Pemba. Ein Großteil der Beherbergungsbetriebe hat nur eine geringe Bettenzahl. Von den bestehenden 19 Unterkünften haben 15 eine Kapazität von vier bis 25 Betten. Auch bei den Beherbergungen in der Bauphase ist von zwei Drittel der Betriebe vorgesehen, weniger als 25 Betten bereitzustellen. Eine Unterkunft mit weniger als 25 Betten zählt als Kleinbetrieb 125 . Diese Kleinbetriebe führen die Erschließungsfunktion der ersten Hotels garnis und Campingplätze (siehe oben) in von Touristen noch wenig besuchten Räumen weiter, das heißt zum großen Teil im Quirimbas Archipel. Da viele dieser Inseln sehr klein sind 126 , können schon aus Platzgründen nur wenige Touristen untergebracht werden. Somit wird auf natürliche Weise eine Dispersion der touristischen Nachfrage erleichtert und eine exzessive räumliche Konzentration der Besucher mit den daraus resultierenden Negativeffekten unterbunden. Kleinbetriebe sind die typische Erscheinungsform der ersten Entfaltungsstufe des Tourismus in peripheren Räumen, da die Nachfrage hier noch gering oder schwankend ist. 127 6.3 Das touristische Entwicklungsstadium im raumzeitlichen Kontext Die oben genannten Entwicklungen zeigen ein „raumzeitliches Entfaltungsmuster des Entwicklungsländer-Tourismus in größeren Flächen- und Küstenstaaten“ nach dem Modell von VORLAUFER. Das Modell der raumzeitliche Tourismusentfaltung kann anstatt auf den gesamten Küstenstaat Mosambik auch auf die Untersuchungsregion begrenzt werden. VORLAUFER teilt die Entfaltung in vier Phasen: 128

124

Mossiano, Interview vom 2.8.2006 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.103 126 Z.B.: Medjumbe: 1100m × 350m, Matemo 8000m × 3000m, Vamizi: 12000m × 1500m 127 Vgl.: Vorlaufer 1996, S.102 128 Vgl.: Vorlaufer 19956, S.196ff 125

53


Die Phase 0 Die Phase 0 des Entwicklungsländer-Tourismus umfasst die Zeit vor Beginn des Fernreiseverkehrs,

nach

VORLAUFER

die

Zeit

bis

1965,

die

Zeit

der

Unabhängigkeitsbewegungen. Für Mosambik ist das Ende der Phase 0 erst sehr viel später eingetreten; im September 1964 begann der Unabhängigkeitskampf der FRELIMO. Erst am 25. Juni 1975 erlangte der Staat seine Unabhängigkeit von Portugal. Schon zwei Jahre später brach der Bürgerkrieg, initiiert durch die RENAMO, aus und konnte erst 1992 beendet werden. Bis dahin wurde Cabo Delgado lediglich von Dienst- und Geschäftsreisenden besucht. 129 Forschungs- und Entdeckungsreisende erkundeten oder entdeckten kulturelle und naturräumliche Besonderheiten wieder, wie etwa das Fortaleza São Sebastião Baptista auf der Insel Ibo oder die Schnitzkünste der Makonde. In den Heimatländern wurden die Reiseerzählungen zu Mitauslösern des Ferntourismus. Die Initialphase des (Fern-) Tourismus Phase I Durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung an die Quellmärkte, vornehmlich durch die Eröffnung

des

internationalen

Flughafens

Pemba,

wurde

das

Eingangstor

zum

internationalen Tourismus geschaffen. Pemba ist touristische Primatstadt Cabo Delgados, da es die Funktion eines touristischen „Diffusionszentrums“ 130 übernimmt. Die Stadt ist alleiniger Standort

von

touristischen

Transportunternehmen

(MOTI

Rent

a

Car,

Mecula

Fernreisebusse), Reiseveranstaltern (VIATUR) und der Touristeninformation (Kaskazini). Hier ist die Anzahl und Konzentration der Beherbergungsbetriebe hoch. Der zur Phase I gehörende steigende Besuch und die Entwicklung touristischer Sekundärstädte sind in der Untersuchungsregion noch in den Anfängen. Potenzielle Sekundärstadt ist vor allem Ibo, die sich durch „die günstige Lage zu touristischen Attraktionen, etwa in der Nähe zu Badestränden, Nationalparks, Kulturdenkmälern oder Siedlungsräumen exotischer Völker“ 131 auszeichnet. Die ebenfalls im Quirimbas Nationalpark befindlichen Ansiedlungen Matemo und Quirimba erfüllen auch diese Kriterien. Dazu sind auf allen drei Inseln Landebahnen vorhanden. Die Inselstädte liegen in einem geringeren Radius zur Primatstadt als Städte oder Siedlungen auf dem Kontinent, welche dazu eine geringere Konzentration touristischer Attraktionen anbieten. Ein weiterer Indikator für die Entwicklung zur Sekundärstadt auf Ibo ist neben der Hotellerie der Beginn der Andenkenproduktion. Neben der Entwicklung von Sekundärstädten schreitet die Entwicklung der Primatstadt voran. Einzelne Viertel (Wimbi) werden touristisch ausgebaut, die touristische Infrastruktur weitet sich auf den ländlichen

129

Vgl.: MITUR 2003 www.moztourism.gov.mz/factos.htm Vorlaufer 1996, S. 196 131 Vorlaufer 1996, S. 197 130

54


Raum, jedoch in direkter Nähe zur Primatstadt, aus. Beispiele dafür sind Londo, Murrebue und die innere Bucht, in der zur Zeit fünf Tourismusprojekte 132 zum Ausbau von Beherbergungen durchgeführt werden. Pemba ist aufgrund des Flughafens Eingang und Ausgangsort für die Region, hier konzentriert sich auch das Angebot an Souvenirs. Die besonders schweren und großen Skulpturen der Ujamaa-Bäume sind direkt vor dem Flughafen in der Cooperação Alto Gingone erhältlich. Ebenso typisch für die Phase I ist der Individualtourismus, der oftmals der Wegbereiter des Massentourismus ist. Die individuelle Reise führt zu den peripheren, noch nicht erschlossenen Attraktionen. Die Untersuchungsregion befindet sich in der Phase I. Auch wenn die Primatstadt von vielen Touristen nur als Durchgangsort genutzt wird, ist das kein Indikator der Expansionsphase II, in

der

die

Primatstadt

aufgrund

„der

durch

den

Tourismus

weiter

geförderten

Überagglomeration, vor allem hinsichtlich des Stadtverkehrs und der Umweltbelastungen, ein Negativimage erhält“ 133 . Vielmehr ist der alleinige Reisegrund der Aufenthalt in einem der luxuriösen Strandhotels auf den Inseln des Quirimbas Archipels. Karte 6 veranschaulicht die Phasen 0 und I des raumzeitlichen Entfaltungsmuster in der Untersuchungsregion:

Phase II und III Laut VORLAUFER ist in der Expansionsphase (II) die Entwicklung multifunktionaler touristischer Zentren zu erwarten. Im Untersuchungsgebiet werden sich die Entwicklungen der Phase II voraussichtlich im PNQ abspielen. Eine mögliche Vorstellung ist, dass der Tourist in der Bucht von Pemba oder an der Küste des Quirimbas Nationalpark beherbergt ist. Von hier aus wären naturräumliche, kulturelle und historische Attraktionen im unmittelbaren Umfeld zu erreichen. Der Tourist hat direkten Zugang zum Meer und zu maritimen Freizeitaktivitäten, kann aber auch im PNQ auf Safari gehen. Die räumliche Verknüpfung von Wildniserlebnis und maritimen Aktivitäten (beach and bush) wäre vollkommen ausgebaut. In der Konsolidierungs- oder Stagnationsphase (Phase III) wird das Gebiet vom Massentourismus erfasst, fast alle touristischen Potenziale sind erschlossen. Dabei schreitet die Zerstörung desselbigen voran. Folglich sinkt die Zahl der ausländischen Besucher, höchstens der Binnentourismus kann die fehlende Nachfrage kompensieren. Es ist unwahrscheinlich, dass Phase II und III in der nahen Zukunft in Cabo Delgado eintreten werden. Ansätze eines massenhaften Auftretens von Touristen sind im nationalen Kontext

132

Namentlich: Londo Lodge und André Meyer in Londo, Eco-Hotel Murrebue und Kambako Safaris Beach Project in Murrebue, Pemba Bay in der innnren Bucht (südlich von Pemba) 133 Vorlaufer 1996, S.197

55


zuerst im südlichen Mosambik zu erwarten. Hier ist die Verkehrsanbindung besonders günstig, der wichtigste Quellmarkt liegt in geringer Entfernung, touristische Strukturen sind ausgebaut und das ursprüngliche Potenzial ist noch nicht zerstört. Die derzeitige und kommende touristische Beherbergungsstruktur kleiner Betriebe mit geringer Bettenzahl zeigt eindeutig, dass die Beherbergungsbetriebe in Cabo Delgado nicht in der Masse der Touristen den Umsatz sehen, sondern dass das Gebiet als exklusives Urlaubsgebiet

von

einem

zahlungskräftigen

Publikum

genutzt

werden

soll.

Die

Übernachtungskosten der Beherbergungsbetriebe veranschaulichen den „Sprung“ Cabo Delgados vom Tourismus der einfachen Mittelklasse oder des low-budget-travellers zum hochpreisigen „Luxustourismus“. 6.4 low budget or luxurious - Beherbergungskategorien Wo der low budget tourismus aufhört und wo der Luxustourismus beginnt, sollte durch die Frage nach den durchschnittlichen Übernachtungskosten für eine Person pro Nacht ermittelt werden. Durch die Befragungsergebnisse konnten folgenden Kategorien erstellt werden: -

Untere Kategorie: bis 99 US $

-

Mittlere Kategorie: 100 bis 199 US $

-

Gehobene Kategorie: ab 200 US $

Die Auswertung zeigt folgende Ergebnisse:

56


Abb. 5: Übernachtungspreise und Einstufung der Beherbergungsbetriebe

Beherbergungsart Beherbergungsbetrieb Strandhotel Strandhotel Strandhotel Strandhotel Camp Strandhotel Strandhotel Strandhotel Ferienhaus Hotel Hotel garni Ferienwohnanlage Ferienhaus Hotel garni Hotel garni Hotel garni Hotel Campingplatz Campingplatz

Vamizi Island Resort Quilálea Island Resort Matemo Island Resort Medjumbe Island Resort Kambako Safaris Guludo Beach Lodge Pemba Beach Resort Hotel Naútilus Beach Resort Alison´s Aurora Complexo Turístisco Caracol Chez Natalie Familie Gessner Ondazul Residencial Wimbe Sun SAL Simples Aldeias Lda Mareja Nacole Jardim Bush Camp Russell´s Camp

Mittlere Übernachtungskosten Einstufung p.P. pro Nacht in $ gehobene 656 Kategorie 425 ( ab 200 US $) 412 412 400 210 205 95 untere Kategorie 80 (bis 99 US $) 75 70 68 60 52 51 40 20 10 7

Noch nicht eröffnete Beherbergungsbetriebe

Beherbergungsart Beherbergungsbetrieb Strandhotel Strandhotel Strandhotel Camp Strandhotel Strandhotel Camp Strandhotel Camp Strandhotel Strandhotel Strandhotel

Rongue Island Resort Macaloe Island Resort Quissanga Island Resort Taratibo Kambako Beach Londo Lodge Lugenda Bush Camp Quifuci Baoresort Rensburg, Nikolas van Ibo Island Lodge Pemba Bay Londo Fishinglodge/ André Meyer

mittlere Übernachtungskosten Einstufung p. P. pro Nacht in $ gehobene um 600 Kategorie um 600 (ab 200 US $) über 400 um 400 um 400 350 über 300 über 300 über 200 über 200 über 200 über 100 mittlere Kategorie (100-199 US $)

eventl. Ferienwohnanlage Eco-Hotel Murrebue unter 100 untere Kategorie mit Camping Strandhotel Achim Brix unter 100 ( bis 99 US $) Zum Casa Jeanine/Vila Ruben konnten keine Informationen eingeholt werden.

57


Ein gehobener Übernachtungspreis impliziert keinen Luxustourismus. Die Einstufung der Beherbergungsbetriebe bezieht sich lediglich auf den Preis pro Nacht, nicht auf die gebotene Qualität. Daher wurden in der Einstufung keine Klassen wie „high-end“ oder „luxurious“ verwendet, sondern der neutrale Ausdruck „Kategorie“ genutzt. Die Tabelle verdeutlicht die Kluft zwischen low budget und luxurious, Beherbergungen der unteren Kategorie und der gehobenen

Kategorie.

Es

besteht

Preiskategorie zwischen 100 und

bisher

keine

Übernachtungsmöglichkeit

in

der

200 US $. Lediglich ein Strandhotel ist geplant, das

Übernachtungspreise in der mittleren Kategorie anbieten wird. Die Beherbergungen der unteren Kategorie sowie die der gehobenen Kategorie zeigen Merkmale, welche die beiden Kategorien voneinander abgrenzen. Auch lassen sich Ähnlichkeiten innerhalb einer Kategorie feststellen. Die beiden Kategorien zeigen nicht nur preisliche Differenzen, auch lässt sich eine räumliche Trennung erkennen. Die Strandhotels der gehobenen Kategorie befinden sich auf den Inseln des Quirimbas Archipels, mit Ausnahme der Strandhotels Guludo Beach Lodge und Pemba Beach sowie Kambako Safaris, die sich aufgrund der Spezialisierung auf den Jagdtourismus im Landesinneren befinden. Über die Hälfte der Unterkünfte der unteren Kategorie sind in Pemba angesiedelt und gehören, wie schon in der Analyse der Beherbergungsart festgestellt, zu den Pionieren der touristischen Entwicklung. Die Phase der touristischen Exploration durch „einfache Unterkünfte“ 134 scheint abgeklungen zu sein, in naher Zukunft werden lediglich zwei Betriebe der unteren Kategorie entstehen. Ein weiterer Grund könnte auch eine stagnierende Nachfrage sein, dazu gibt es im touristischen Zentrum Wimbi wenig freie Baufläche in Strandnähe. Die fünf Betriebe der gehobenen Kategorie übernehmen den weiteren touristischen Ausbau des Quirimbas Archipels. Somit verschärft sich die räumliche Segregation der Beherbergungsbetriebe (siehe Anhang Karte 7 und 5). Die Strandhotels der gehobenen Kategorie befinden sich an Orten, die landschaftlich besonders attraktiv sind. Die Landschaftswahrnehmung ist innerhalb des Tourismus ein noch wenig behandeltes Thema 135 , dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Inseln des Quirimbas Archipels nach den Kriterien der ästhetischen Landschaftsbildbewertung attraktiver sind als etwa der Stadtteil Wimbi. Die Inselgruppe entspricht in hohem Maße den folgenden Anforderungskriterien

zur

Landschaftsbewertung.

Diese

setzten

sich

neben

den

Hauptfaktoren Vielfalt, Eigenheit und Schönheit aus Harmonie, Naturnähe, Schutzwürdigkeit, Unersetzbarkeit,

Seltenheit,

Repräsentativität

und

Unberührtheit

zusammen. 136

Die

134

Vgl.: Vorlaufer 1996, S.112 Vgl.: Kreisel, Reeh 2004, S.86 136 Vgl.: Kreisel, Reeh 2004, S.82f 135

58


Strandhotels der höheren Kategorie wissen diese hohe landschaftliche Attraktivität besonders als Vermarktungsstrategie in ihren Internetauftritten einzusetzen 137 . Werbung erfolgt jedoch zum größten Teil über zufriedene Kunden, die den Betrieb weiterempfehlen („word of mouth“), andere verlassen sich auf einen Eintrag im Reiseführer (Bradt, Lonely Planet) oder im örtlichen Telefonbuch. Die hochpreisigen Hotels betreiben Kundenwerbung über das Internet, über spezielle Reisemagazine zum Thema Inseln, Jagd oder Tauchen und auf internationalen Tourismus-Messen (Berlin, Madrid, London, USA, Abu Dhabi). Die wichtigsten Vertriebswege laufen direkt über Einzelkunden, weniger über Reiseveranstalter 138 und -büros. Fast alle Unterkünfte sind in der örtlichen Touristeninformation Kaskzini registriert, einige arbeiten mit Reiseveranstaltern in Maputo (eurotravel, NATservice) zusammen. Die vertikale Kooperation, d.h. „die Zusammenarbeit von Hotels mit Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern“ 139 etc. ist sehr schwach ausgebildet; eine horizontale Kooperation unter den Beherbergungen mit dem Ziel einer Vermarktungsstrategie der gesamten Region besteht nicht. In den südlichen Provinzen haben sich Hotelbestitzer erfolgreich zur Associação de Hotéis do Sul de Moçambique zusammengeschlossen, um das Produkt „südliches Mosambik“ zu vermarkten. Derzeit wird von US AID der Versuch gestartet, die Tourismusanbieter in den nördlichen Provinzen Nampula, Niassa und Cabo Delgado in einem Arc Forum zusammenzufassen und 600 000 US $ des 5 Mio. US $ Projekts für „Branding, Marketing and Promotion“ 140 zu investieren. 6.5 Auslastungsgrad Die Beherbergungsanbieter könnten allein aufgrund ihrer Kapazität, die sich aus der Bereitstellung einer Anzahl von Betten in einem zeitlichen Raum ergibt 141 , weitaus stärkere Touristenströme aufnehmen. Der Auslastungsgrad, der das Verhältnis von Marktleistung zu bereitgestellter Leistung beschreibt, 142 ist in den letzten fünf Jahren nach Statistiken des INE stark gestiegen und hat sich zwischen 2003 und 2004 sogar mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Gäste und Übernachtungen pro Gast stagniert seit 2004, während sich die bereitgestellte Leistung kontinuierlich erhöht.

137

Zum Beispiel: www.vamizi.com, www.medjumbe.com z.B. Dana Tours 139 Freyer 1990, S.137 140 US AID Mozambique 2005, S.6 141 Iwersen-Sioldtsidis, Iwersen 1997, S.57 142 Vgl.: Iwersen-Sioldtsidis, Iwersen 1997, S.57 138

59


Abb.: 6: Gäste, Übernachtungen und Betten in Cabo Delgado 2000 - 20005 Jahr Gäste Marktleistung (Anzahl Übernachtungen) 2000 3112 5180 2001 11326 15896 2002 9612 20556 2003 11449 27265 2004 22760 55761 2005 23803 57991

Tageskapazität (Anzahl Betten) 394 580 669 689 689 791

Übernachtungen pro Gast

Auslastungsgrad

1,66 1,40 2,14 2,38 2,45 2,44

3,60% 7,51% 8,42% 10,84% 22,17% 20,09%

Quelle: eigene Darstellung nach Daten von MITUR 2005 www.moztourism.gov.mz/factos.htm

Das INE hat in dieser Statistik nicht zwischen Tourist und Nicht-Tourist, Ausländer oder Mosambikaner unterschieden, auch wurden Unterkünfte berücksichtigt, die von Ferntouristen nicht nachgefragt werden. Um den Auslastungsgrad der befragten Betriebe zu ermitteln, wurde nach der durchschnittlichen Auslastung zwischen Juli 2005 und Juni 2006 gefragt. Da einige Unterkünfte keine Statistiken führen oder weniger als ein Jahr eröffnet haben, belaufen sich die Aussagen auf Schätzungen, die dadurch verzerrt werden, dass der Auslastungsgrad saisonal variiert. So ist der Jagdanbieter Kambako Safaris ausgebucht, aber nur zwischen dem 1. Juni und dem 30. November (gesetzlich vorgeschriebene Jagdsaison). Außerdem kann in der Regenzeit das Gebiet nicht befahren werden. Zwar stehen 12 Betten zur Verfügung; ein Jagdtourist (meist mit seiner Partnerin) mietet im Regelfalle aber alle Betten in den verschieden Camps, um nicht von anderen Jägern gestört zu werden. Auch die Strandhotels des PNQ können ebenso komplett gebucht werden. Dazu werden Zimmer auch an NichtTouristen für mehrere Monate vermietet, Campingplätze haben überhaupt keine Betten. Dementsprechend kann über den Auslastungsgrad nicht die Anzahl der Touristen ermittelt werden. Letztendlich gab keine befragte Person einen Auslastungsgrad von unter 20% an. Somit liegen die Beherbergungszahlen über den Werten der Statistik des INE. Über die Hälfte der Befragten nannte eine Auslastung zwischen 40 und 60%. Besonders niedrig war die Auslastung der letzten 12 Monate im teuersten Strandhotel (Vamizi Island Resort), in der Guludo Beach Lodge, aber auch im abgelegenen Hotel Mareja und im Ferienhaus der Familie Gessner, die ihren Haupterwerb über eine Kokosplantage bezieht. Zwischen Juli und August sowie Dezember und Januar steigt die Auslastung stark an. Die Auslastungsspitzen konzentrieren sich auf die Winterferien der Südafrikaner bzw. Sommerferien der Europäer und Nordamerikaner und den Urlaub um Weihnachten und den Jahreswechsel. Hier steigt

60


die Auslastung um 10 - 30%. Geringe Schwankungen zwischen Hoch- und Nebensaison spüren hauptsächlich die Betriebe, die neben Urlaubsreisenden einen hohen Anteil an Geschäfts- oder Langzeitkunden haben. Das sind an erster Stelle die Unterkünfte in Wimbi, vornehmlich das Pemba Beach Hotel Hotel, der einzige Incentives-Anbieter der Region, daneben das Naútilus Beach Resort und das Residencial Wimbi Sun. Alle Befragten konnten ein Wachstum verzeichnen, der Blick in die Zukunft ist positiv, wenn nicht sogar euphorisch. 6.6 Zukunftsvisionen Künftige und derzeitige Beherbergungsleiter warten auf den großen Boom, es wird investiert, erweitert. Jeder dritte Unternehmer baut an einer weiteren Unterkunft oder/und plant eine Erweiterung des derzeitigen Betriebs. Demnach wird es in Wimbi bald von einem Truck-Stop für Overland Safaris bis zu Minigolfanlagen, Tennisplätzen und vier Swimmingpools ein vielfältiges Angebot geben. Hoffnungsträger ist vor allem die verbesserte Flugverkehrsanbindung („agora estamos ligados com tudo mundo, nos vamos atrair os turistas de Quénia” 143 ),

die seit der

Beendigung des Cahora Bassa Projekts 144 relativ stabile Stromversorgung, die Schaffung des PNQ und die auch damit verbundene „grande presença de doadores como US AID e ONGs“ 145 . Auch die Schaffung neuer Hotels wird eher als „concurrência saudável e positiva“ 146 gesehen. Selbst das Pemba Beach Resort Hotel wird als Chance, nicht als Konkurrenz für das eigene Unterkunft genannt. Es gibt auch Ausnahmen: „Rani has an unlimited buget, they don´t have to make any profit with that [Lugenda Bush] camp“ 147 . Neben den überwiegend positiven Perspektiven zukünftiger touristischer Entwicklungen (“nos próximos 20 anos vamos ser desenvolvidos“, „Pemba is on the way up“, „existe um potencial enorme“, „now, there is a University of Tourism”) gibt es noch viele Probleme und Bedrohungen, die die Hoteliers beschäftigen. Von fast zwei Dritteln der Befragten wurde der Mangel an Facharbeitern im handwerklichen und kaufmännischen Bereich benannt. Danach wünschen sich die Befragten eine verbesserte touristische Anbindung. Dazu gehört die Asphaltierung der Zufahrtsstraße (Avenida Marginal) genauso wie ein allgemeiner Ausbau und die Instandhaltung des Straßennetzes (besonders nach Quissanga, Mocimboa da Praia, Montepuez sowie nach in Nord-Südausrichtung nach Nampula und Tansania). Auch der Flughafen sollte renoviert, 143

„Jetzt sind wir mit der ganzen Welt verbunden, wir werden die Touristen in Kenia erreichen können.“ Atlaf Sulemane, Besitzer des Residencial Wimbe Sun, Interview vom 6.8.2006 144 Bis 2005 wurde die Stadt Pemba durch einen Generator mit Strom versorgt. 145 „die starke Präsenz von Geldgebern wie US AID und NGOs“, Luis Pinto, Personalchef des Naútilus Beach Resort, Interview vom 31.07.2006 146 „gesunde, positive Konkurrenz“ Maria de Lourdes, Leiterin des SAL, Interview vom 28.07.2006 147 Jumbo Moore, Interview vom 8.8.2006

61


Fluglinien sollten ausgebaut werden. Bedroht sehen sich die Betriebe durch den Ausbau anderer Wirtschaftszweige, denen die Regierung den Vorrang geben könnte. Der Bau einer Ölförderungsanlage würde nicht nur den Tourismussektor, sondern auch das Ökosystem Korallenriff schwächen. Derzeit wird an der Grenze zum PNQ im Indischen Ozean nach Öl, in Teilen des Niassa Reservats nach exporttauglichen Bodenschätzen gesucht. Ansonsten besteht Vertrauen in die neue Regierung um Präsident Guebuza und in die politische Stabilität des Landes. Eine größere Gefahr wird in schlecht beeinflussbaren Ereignissen gesehen. Die Beherbergungsleiter der unteren Kategorie fürchten besonders Zyklone oder das Ausbrechen von Seuchen (z.B. Cholera). Die lokale Bevölkerung baut traditionell keine Häuser in direkter Nähe zum Strand wegen der jährlich ab November einsetzenden Meeresstürme und der meist weiter südlich auftretenden Zyklone im Februar. Die Strandhotels sind somit besonders anfällig für Flutkatastrophen. Cholera tritt immer wieder in den angrenzenden informellen Siedlungen auf. Viel größere Gefahr birgt jedoch die starke Ausbreitung von Malaria, da sich hinter dem Küstenstreifen feuchtes Sumpfgebiet befindet. Auf den Inseln ist Malaria ein geringeres Problem. Basisstrukturen zur touristischen Entwicklung sind in Form von Beherbergungen vorhanden. Die vielseitigen

Beherbergungsstrukturen zeigen einen aufstrebenden Markt, der sich

besonders in den Bereichen Organisation und Vermarktung weiter entwickeln muss und dem viele Wachstumsmöglichkeiten noch bevorstehen. 7 Profil internationaler Touristen Um ein Profil des ausländischen Touristen zu erstellen, wurden die Hotelbetreiber nach einer allgemeinen Charakterisierung des typischen Gasts befragt. Den typischen Touristen gibt es natürlich nicht, trotzdem lassen sich Ähnlichkeiten und Strukturen aufzeigen, die ein Profil und differenzierte Typisierung zulassen. Aufgrund der in Kapitel 1.4 (Methodisches Vorgehen) genannten Umstände konnten nur 20 Touristen mit einem halboffenen Fragebogen interviewt werden. Die Touristen-Befragung wurde am Strand Wimbi, in der Innenstadt Pemba und Mocimboa da Praia, auf den Inseln Ibo und Quirimba und in Ancuabe durchgeführt. Nachdem deutlich wurde, dass die Touristen der Strandhotels der gehobenen Kategorie nicht durch einen Fragebogen erreicht werden konnten, wurde diese Art der empirischen Forschung durch die Methode der teilnehmenden Beobachtung und des narrativen Interviews ersetzt. Über Herkunft, Reiseverhalten und motive sowie Interessen und Aktivitäten wurden Touristentypen ermittelt. Da qualitative Interviews wenig repräsentativ sind, wurde bei der Erfragung der Herkunft auf die Antworten der Hotelleiter zurückgegriffen.

62


7.1 Herkunft Als größter Konkurrent ist Südafrika auch gleichzeitig das wichtigste Entsendeland für Mosambik. Wenn man die einzelnen Quellländer vergleicht, bilden selbst in der peripheren Provinz Cabo Delgado südafrikanische Touristen einen wichtigen Anteil. Nach Angaben des MITUR stammen 70,9 % der Touristen mit dem Reisemotiv Freizeit/Urlaub aus Südafrika. 148 In der Untersuchungsregion sind Südafrikaner dagegen unterrepräsentiert. Es wurde darum gebeten, bis zu drei Quellländer zu nennen, aus denen die meisten Gäste stammen. Dazu sollte angegeben werden, wie viel Prozent die Gäste aus den drei Ländern ausmachen. Da einige Betriebe keine exakten Angaben machen konnten, beruhen deren Aussagen auf Schätzungen. Die folgende Auswertung beschreibt Tendenzen. Da die reale Anzahl der Touristen im Untersuchungsgebiet über den Auslastungsgrad nicht ermittelt werden kann, wurde die theoretische Touristenzahl über die Bettenzahl und den Auslastungsgrad pro befragten Betrieb ermittelt. Diese Zahl wurde als Bezugsgröße für die prozentualen Angaben zu den Herkunftsländern genutzt. Bestimmte Beherbergungsbetriebe zeigen ein ähnliches Verhältnis der Quellgebiete. Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Betrieben der gehobenen und der unteren Kategorie: Europa ist das wichtigste Quellgebiet der meisten Beherbergungsbetriebe. Dass Mosambik relativ selten zu den drei wichtigsten Entsendeländern gezählt wurde, verdeutlicht die Spezialisierung der Betriebe auf den internationalen Tourismus, zeugt aber auch vom gering ausgebildeten Binnentourismus in hochpreisige Unterkünfte (vgl. 6.1: Beherbergungen für Binnentouristen und regionale Geschäftsreisende). Da der Prozentsatz der Mosambikaner in Beherbergungen der gehobenen Kategorie höher liegt als der in der unteren Kategorie, könnte man auf eine wachsende mosambikanische Oberschicht schließen. Gleichzeitig verringert sich der Anteil südafrikanischer Touristen. Südafrikaner sind die einzigen Ausländer, welche die Region hauptsächlich über Land erreichen. Über die Hälfte aller Gäste der Beherbergungsbetriebe erreicht Pemba mit dem Flugzeug und fliegt von da aus weiter oder mietet sich ein Auto. Hauptsächlich handelt es sich um Europäer und Nordamerikaner. Diese Gruppe macht über ¾ der Kunden in den einzelnen Beherbergungsbetrieben der gehobenen Kategorie aus. Unter den europäischen Ländern sind Portugal, Italien, England und Frankreich die wichtigsten Entsendeländer.

148

Vgl.: MITUR 2003 http://www.moztourism.gov.mz/projectos.htm

63


Engländer und vor allem Italiener sind in beiden Kategorien gleich stark vertreten. Erklärungsbedürftig ist der hohe Prozentsatz der Italiener. Italiener scheinen auf der Suche nach einem Adria-Ersatz zu sein. Ein Hotel direkt am Strand, gutes Essen und menschenleere Strände befriedigen die Bedürfnisse, so Atlaf Sulemane, Besitzer des Wimbe Sun. Die Dominanz portugiesischer Gäste hat historische Hintergründe. Portugiesen machen fast ein Viertel der Gäste der Beherbergungen der unteren Kategorie aus. Ihr Anteil in der gehobenen Kategorie ist dagegen vergleichsweise gering. Dort sind andere europäische Länder und die USA stärker vertreten. Insgesamt zählen nur zehn verschiedene Länder zu den wichtigsten Quellgebieten. Südafrikaner, Portugiesen und Italiener machen den größten Prozentsatz aus.

Abb 7-9: Herkunft der Touristen: allgemein und kategorisiert

Herkunft der Touristen

Niederlande 2% Spanien 6%

USA 6%

Deutschland 4%

Mosambik 8%

Südafrika 20%

Frankreich 8%

England 10% Portugal 18% Italien 18%

64


Herkunft der Touristen der unteren Kategorie

Herkunft der Touristen der gehobenen Kategorie USA 10%

Niederlande 3% Spanien 7%

Niederlande 0%

USA Mosambik 3% 7%

Spanien 5%

Deutschland 3% Südafrika 25%

Frankreich 3% England 10%

Mosambik 10% Südafrika 14%

Deutschland 5% Frankreich 14%

Portugal 14% Italien 17%

Portugal 22%

England 10%

Italien 18%

Quelle: eigene Darstellung

7.2 Aufenthaltsdauer und Interessen Die verschiedenen Beherbergungsarten und -Kategorien werden von unterschiedlichen Touristentypen nachgefragt. Die Aufenthaltsdauer unterscheidet sich jedoch nicht wesentlich. Der Urlaubsgast bleibt für eine Woche (6 Nächte) in einer Unterkunft. Dieses Ergebnis passt nicht mit der Statistik des INE (Abb.:6: Gäste, Übernachtungen und Betten in Cabo Delgado 2000 - 20005) zusammen. Laut INE blieb 2005 ein Gast nur 2,44 Übernachtungen in Cabo Delgado. Da die Statistik des INE auch Unterkünfte für Binnentouristen einschließt, besteht eine Differenz zwischen der empirischen Forschung und der Datengrundlage des INE. Auffällig

ist

die

kürzere

Aufenthaltsdauer

der

Binnentouristen

und

regionalen

Geschäftsreisenden beim Vergleich mit internationalen Touristen. Wenn der internationale Tourist im Forschungsgebiet nur für ein bis drei Übernachtungen bleibt, liegt das hauptsächlich daran, dass der Tourist seinen Urlaub als Rundreise gestaltet, also nicht die gesamte Urlaubszeit an einem Ort verharrt. Diese Art zu reisen, ist besonders bei jungen Europäern beliebt. Alle Befragten unter 26-jährigen Touristen, die in einer Beherbergung der unteren Kategorie übernachteten, waren auf dem Weg zur Insel Ibo oder kamen von dort: „Eles só ficam uns dias, são muito viajantes […]depois vão para outro lugar, vem da Ilha e vão para Ibo” 149 , “here, in the northern part, I do the ilha trip”, “Island hopping, that´s what I came for” 150 . Eine Aufenthaltsdauer unter einer Woche ist in den Strandhotels der gehobenen Kategorie weniger auf eine Rucksackreise zurückzuführen, sondern ist

149 150

Emmanuel Doses, Manager des Russell´s Camp, Interview vom 30.08.2006 Brian, Tourist aus England, McKensey, Touristin aus Australien

65


vielmehr die „Bade-Verlängerung“ nach einer Safari in Tansania, Südafrika oder Mosambik. Während in den Unterkünften der unteren Kategorie noch vereinzelt Familien für zwei Wochen bleiben, verkörpert der kürzer verweilende Urlauber in den luxuriösen Strandhotels der Quirimbas Inselgruppe den Trend zur immer kürzer werdenden Urlaubsreise 151 . Daneben gibt es in Wimbi einen Gästetyp, dessen Aufenthaltsdauer bei mehreren Monaten liegt. Es sind vornehmlich Europäer und Nordamerikaner, die für (Nicht-)Regierungsorganisationen arbeiten.

„die

berühmten

Strände

haben

Pemba

zu

einem

Lieblingsplatz

der

Entwicklungshilfeorganisationen […] aufgewertet.“ 152 Sie wohnen vorwiegend in Wimbi im Hotel garni Wimbe Sun, in der Ferienwohnanlage in Russell´s Camp, im gegenüberliegenden Ferienhaus von Alison, im Naútilus oder in den eigens dafür ausgerichteten Villas des Pemba Beach Resort Hotel. Monatsmieten liegen zwischen 300 und 4062 US $. Herr Machavo, Manager des Naútilus Beach Resort, schätzt, dass über 40% seiner Gäste Arbeiter sind: „são técnicos que trabalham para uma ONG, alguns fazem uma pesquisa“ 153 . Diese nicht unbedeutende Anzahl von Nutzern der Beherbergungen Wimbis wird nicht als Tourist definiert, da die am Zielort ausgeübte Tätigkeit dort entlohnt wird 154 . Arbeit und geschäftliche Interessen (negocios/ business) sind auch die Reisemotive der ausländischen und inländischen Geschäfts- und Dienstreisenden, die wiederum Touristen sind. Über die Frage, welchen Aktivitäten und Interessen der Kunde nachgeht, wurde nach einem Urlaubsmotiv gesucht. Die nach dem deutschen Urlaubsrecht zum Zweck der Erholung gewährte Freizeit, der Urlaub, wird nicht mehr nur allein zur Erholung genutzt. Mehrere Motive bestimmen den Urlaub: -

„Sonne, Ruhe, Natur

-

Kontrast, Kultur, Kontakt und Komfort

-

Spaß, Freiheit und Aktivität“. 155

Diese Urlaubsmotive treffen auch auf die Touristen in der Untersuchungsregion zu. Entsprechend der Vielzahl der am Meer befindlichen Unterkünfte ist der Tourist vornehmlich an Sonne („enjoy sun“, „tomar banho de sol“ 156 ), Aktivität („water activities, mostly diving“,

151

Vgl.: Opaschowski 2001, S.143 Hupe, Vachal 2005, S.281 153 „es sind Fachkräfte, die für eine NGO arbeiten, einige sind zu Forschungszwecken hier“ Machavo, Interview vom 31.07.2006 154 Vgl.: Opaschowski 2002, S.21 155 Vgl.: Opaschowski 2002, S.91 156 „Sonnenbaden“ 152

66


„mergulhar, pesca desportiva“ 157 ), Ruhe („relax at the beach“, „descansar numa praia não poluida“ 158 ) und dem Naturerlebnis (nature and wildlife“, „explorar a natureza“) interessiert. Während an den kontinentalen Stränden Sonne, Strand und Erholung im Vordergrund stehen, sind die Touristen auf Quirimbas Archipel besonders an Wassersport interessiert. An erster Stelle ist damit das Tauchen gemeint. Cabo Delgado bietet dafür beste Voraussetzungen. Die Tauchgebiete sind noch relativ unbekannt, einige sollen sogar noch unentdeckt sein 159 . Dementsprechend sind die Korallenriffe noch weitgehend unbeschädigt. Von allen Strandhotels der gehobenen Kategorie werden Tauchkurse angeboten, die von PADI-Tauchlehrern geleitet werden. Neben den hoteleigenen Tauchschulen befinden sich in Wimbi zwei weitere Tauchschulen, deren Besitzer nun auch in die Hotellerie einsteigen. 160 An zweiter Stelle unter den kapital- und investitionsintensiven Wassersportaktivitäten steht das Sportfischen, das etwas weniger stark entwickelt ist als das Tauchen. Bei Sportfischern beliebte Fischspezies sind vorhanden, das größere Problem liegt darin, „where to find right now the species the guest wants“ 161 . Der Südafrikaner André Meyer, der seine GarnelenZucht im PNQ aufgrund von Auflagen des WWF als nicht mehr rentabel erachtet, sieht eine Nische im Fischen. „The Europeans want to dive, the South Africans are fishermen. In the end of an adventurous day, they are happy when […] they braai their own fish and have a 2M.“ 162 Für genau diese Klientel baut Meyer eine “rough fishing lodge” in Londo. Zusammen mit Melron Ross, dem Finanzdirektor des Pemba Beach Resort Hotels, wurde die Finanzierung einer 700 000 US $ teuren AFRICAT 420 ermöglicht. Dieses Charter Fishing Boat soll demnächst für 2000 US $ pro Tag bis zu sechs Personen aufnehmen können. Neben solchen Spezialanbietern steht für die meisten Touristen immer noch das Urlaubsmotiv „Sonne“ und „Entspannen“ im Vordergrund. Die kilometerlangen Strände bieten dazu beste Gelegenheit. Jedoch werden die Strände der touristischen Zentren zunehmend von Souvenirverkäufern und Kleinhändlern besucht, die versuchen, ihre Ware an den Ruhe suchenden Touristen zu verkaufen. Neben dieser „Ruhestörung“, die das Vertreiben der Händler durch Polizisten und Restaurantangestellte auslöst, konnten durch teilnehmende Beobachtung noch andere offen sichtbare Handlungsweisen festgestellt werden. Durch die einfach durchzuführende 157

„Tauchen, Sportfischen“ „Entspannen am nicht verschmutzten Strand“ 159 Branda Franck, Tauchlehrerin und Besitzerin des Nacole Jardim Bush Camp, Interview vom 19.07.2006 160 Pemba Dive: Brenda Franck, CI DIVERS: Peter Jacobs 161 André Meyer, künftiger Besitzer einer „Fishing-Lodge“ in Londo, Interview vom 2.7.2006 162 „Die Europäer wollen Tauchen, die Südafrikaner sind Fischer. Sie sind glücklich, wenn sie am Abend eines Tages voller Abenteuer, ihren eigenen Fisch grillen und dazu ein 2M [mosambikanische Biermarke] haben.“ Meyer am 2.7.2006 158

67


Integration in die Gemeinde der Touristen an den öffentlich genutzten Stränden konnte eine „vollständige Teilnahme“ durchgeführt werden, in der die Beobachterrolle kaum erkennbar ist 163 und die Beeinflussung des Beobachters allein durch die Anwesenheit sehr gering ist. Um die Beobachtungsergebnisse zu untermauern, wurde im narrativen Interview der befragte Tourist innerhalb eines Gesprächs am Strand oder Restaurant dazu aufgefordert, über bestimmte Themen zu erzählen. Dabei wurden Probleme aufgedeckt, die von den Beherbergungsleitern nicht angesprochen wurden. In touristischen Regionen, in denen der Tourist auf ansässige Bevölkerung trifft, kommt es zu Konflikten. Auf den ehemals unbewohnten Inseln des Quirimbas Archipels, auf denen nun Strandhotels gebaut worden sind, wird der Kontakt umgangen, indem nur Hotelgäste und Personal die Insel betreten dürfen. Auch in den touristischen Zentren, an die Wohngebiete angrenzen, besteht geringer Kontakt mit der Lokalgemeinschaft. Marktfrauen der benachbarten Wohngebiete beschreiben eine Situation, in der Touristen und Einheimische nebeneinanderher leben. „Aqui não há brancos,[…], são boa gente. Mas aqui não entram, ficam lá na praia e nos na aldeia.“, “só passam a rua, uns passam meu mercado” 164 . Von der Seite der Touristen ist das Interesse an der Lokalbevölkerung gering, sie möchten unter sich bleiben. Besonders abschreckend wirkt die Armut. „I´m on holidays, I want to have fun. […] I don´t want to see all this poverty and begging kids around me. I paid for privacy, […] for a nice week in crystal clear water […] to see the beauty of this country.” 165 “In Vilanculos erzählten sie mir, in Pemba ist das Paradies. Aber so toll ist es nicht. Hier, direkt am Strand ein Müllberg, […].Und als ich im Bikini am Strand lag, war das so unangenehm und dann wurde meine Tasche geklaut. Jetzt geh ich nur noch zum Hotel schwimmen. 166 “ In beiden Fällen wurde der Urlaub in einer „Tourismus Enklave“ verbracht. Das Reiseziel im Entwicklungsland wird zum „place either to avoid when holidaying or where a holiday needs to be carefully controlled, through […] enclave tourism, for example.” 167 Fehlende Sicherheit scheint zunehmend ein Problem zu sein, auch wenn die Polizeistation in Wimbi dies nicht bestätigen will. Besonders Diebstahl an öffentlichen Stränden und bewaffnete Überfälle nach Einbruch der Dunkelheit nehmen zu. Auch Beherbergungsleiter stellen eine Zunahme an Konflikten fest, die offenbar aus der Differenz zwischen Arm und Reich entstehen.

163

vgl.: Reuber, Pfaffenbach 2005, S. 125f „Hier gibt es keine Weißen, [sie] sind gute Menschen. Aber hier [in das Wohngebiet] kommen sie nicht hinein, sie bleiben am Strand, wir im Dorf.“ Rosa, Marktfrau in Wimbi. „ Sie fahren nur an der Straße vorbei, einige halten hier bei meinem Stand.“ Patiência, Besitzerin eines Getränkestands an der Hauptstraße in Mocimboa da Praia. 165 Herr Coward, Quilálea-Urlauber 166 Frau Andersen, Gast des Pemba Beach Hotel Resort 167 Mowforth/Munt 2001, S.318 164

68


Bisher wird jedoch von Seiten der Touristen am stärksten Kritik an der langwierigen und kostspieligen Anfahrt sowie dem geringem Service und Qualitätsstandard in der Hotellerie und Gastronomie geübt. 7.3 Touristentypen Aufgrund der Befragung von Hotelleitern, einigen Touristen und teilnehmender Beobachtung lassen sich verschiedene Touristentypen erkennen. Die Typen definieren sich durch ähnliche Reisemotive und -verhalten. Der am häufigsten anzutreffende Typ ist der Badetourist. Der konventionelle Badetourist Der konventionelle Badetourist macht einen großen Teil der ausländischen Touristen aus. Er ist durch Sonne, Strand und Meer zufrieden zu stellen. Es sind hauptsächlich portugiesische oder südafrikanische Ehepaare, einige mit Kindern. Auch eine wachsende Zahl von Italienern, die auf der Suche nach einem sauberen, nicht überfüllten Strand und einem Hotel mit Meerblick sind, gehören zu diesem Typ, der seine Unterkunft in einem Hotel garni oder Ferienhaus, zumeist in Wimbi, findet. Diese Unterkünfte haben ein hohen Anteil an Stammkunden. Das relativ junge touristische Zielgebiet Cabo Delgado wird auch von neuartigen Touristentypen besucht. Diese „Reisepioniere“ sind Wegbereiter eines neuen Reisestils und lassen durch ihre Vorreiterolle auf zukünftige Veränderungen im Reiseverhalten schließen. 168 Nach OPASCHOWSKI betonen Reisepioniere ihre Individualität, indem sie sich gegen das ,„Angebotsdiktat, Gruppenzwang und Terminkorsett“ 169 der Reiseveranstalter entscheiden. Nach Cabo Delgado führen keine Pauschalreisen. In der Forschungsregion wurden folgende Arten von Reisepionieren nach OPASCHOWSKIS Typisierung erkannt: Der Abenteurer und der Nomade Als Abenteuertour mit viel Improvisation beschreiben 34% der 14-29jährigen deutschen Bevölkerung ihr künftiges Urlaubsverhalten. Auch in Cabo Delgado ist dieser Typ vertreten. Er ist auf der Suche nach Bademöglichkeiten, dem Naturerlebnis und dem Kontakt mit fremder Kultur. Auch der „globetrotter“ stellt diese Ansprüche; er „will die ganze Welt erleben“, Kultur und Natur kennen lernen. In Wirklichkeit sind globetrotter aber damit zufrieden, wenn „sie in der Sonne liegen und gelegentlich baden oder Sport treiben

168 169

Vgl.: Opaschowski 2002, S. 261 Opaschowski 2002, S.261

69


können.“ 170 Dieser Touristentyp wünscht sich einen Aktivurlaub, genießt aber die Entspannung, anstatt Angebote zu Aktivitäten zu nutzen. Der Abenteurer hingegen sieht einen Teil seiner Lebensphilosophie im Urlaub. Diesen beschreibt er als ökologisch, als nachhaltiges oder „anderes“ Reisen. Diese Klientel bewirbt Phillipe, Leiter des Hotel Aurora bei Montepuez, wie folgt: „Goûter au tourisme humaniste, c´est venir constater par vous-même que les idéaux les plus beaux peuvent trouver une application bien concrète, quand on établit avec les gens une relation de coeur, faite de tolérance, de respect et d´enrichissement mutuel. C´est decouvrir une autre culture, en respectant la nature dans laquelle elle s´inscrit.” Während das Hotel Aurora besonderen Wert auf kulturelle Erfahrungen beim Besuch der hauseigenen Produktion von ätherischen Ölen und Nahrungsmitteln legt, locken andere Anbieter mit dem Naturerlebnis oder dem Besuch von Naturschutzprojekten. So befinden sich viele Abenteurer mit hohem Bildungsniveau auf der Rundreise zwischen Aurora, Guludo, Ibo, Mareja und dem Hotel Escondinho auf der Ilha de Moçambique, die zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Über Foren im Internet zum Thema community based tourism oder ecotourism (z.B. Baobab Travel) hat der Abenturer sein Reiseziel gefunden. Trotz seiner hohen Sensibilität für Kultur und Naturlandschaften braucht er ein gewisses Maß an Komfort. Seine Rundreise könnte demnächst um das Eco-Hotel in Murrebue erweitert werden. Hier könnte er auf den „Nomaden“ treffen. Der

Nomade

stellt

die

bescheidenere

Form

des

Abenteurers

dar.

Auch

als

Rucksackreisender (backpacker) bekannt, braucht der Nomade kein Hotel, in dem ihm Kultur und Natur auf ihre schönste Art präsentiert werden. Er reist besonders umwelt- und sozialverträglich, lässt jedoch kaum Devisen im Land, da er sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegt und sich mit einer Kochgelegenheit zufrieden gibt. Der typische Nomade ist ein Student auf dem Weg vom „Cape to Cairo“ oder auf Abschnitten davon. Sein Urlaub bedeutet Reisen. Der Profi und der Prestigetourist Die Möglichkeiten des Prestigetouristen sind in Cabo Delgado derzeit noch begrenzt, es wird jedoch stark investiert. Die Strandhotels der gehobenen Kategorie sind schon jetzt Ziel der Prestigetouristen und der Profis. Profis sind die „anspruchsvollsten Urlauber der Zukunft“ 171 . Ihnen ist der Genuss einer naturbelassenen Umwelt wichtig, sie wollen aber nicht auf ein hohes Maß an Komfort verzichten. Im Vamizi Island Resort wird dieses Konzept in der Verschmelzung von Luxus in 170 171

Opaschowski 2002, S.262 Opaschowski 2002, S.265

70


„unberührter Natur“ verkauft. Dieser Touristentyp ist unabhängig, kinderlos und muss sehr gut verdienen. Er hat das Ziel da zu sein, „wo noch nicht jeder war“ 172 . Diese Klientel besucht vornehmlich die gehobenen Strandhotels des Quirimbas Archipels. Der Reiseerfahrene aus Europa oder Nordamerika weiß die „Einmaligkeit“ seiner Umgebung und Unterkunft zu schätzen, fühlt sich jung, aktiv und frischverliebt. „Honeymoons and couples“ 173

sind die

Kunden der Resorts auf den „einsamen Inseln“ des Quirimbas Archipels. Kinder unter 12 Jahren sind unerwünscht 174 . Während sich die Prestigetouristen noch mit Aktivitäten wie „mit Delfinen tauchen“ abgeben, wird sich der Profi eher bei der Elefantenjagd oder auf der AFRICAT wohlfühlen. In beiden Fällen ist das Reisemotiv „Exklusivität“ und „Wildnis erleben“. Ein Reiseziel zweimal zu besuchen, ist nicht „in“; dementsprechend gibt es auch keine Stammkunden in den Island Resorts. 8 Arbeitsmarkt und Humankapital Der Tourismus ist ein arbeitsinduzierender Sektor. „Arbeit durch Tourismus“ 175 verkünden die Verfechter des Tourismus in Entwicklungsländern. Die Annahme, dass der Tourismus durch seinen Servicecharakter starke regionale Beschäftigungseffekte auslöse, ist weit verbreitet, kann aber empirisch nicht bestätigt werden. 176 Quantität

der

schwer

messbaren

Daher soll im Folgenden nicht auf die

Beschäftigungseffekte

Tourismusbranche eingegangen werden, sondern auf

der

breit

gefächerten

die derzeitige Situation der

Beschäftigten selbst, reduziert auf den Sektor Hotellerie. 8.1 Beschäftigungssituation Welche Personengruppen sind bereits in den Beherbergungsbetrieben eingestellt, wer profitiert vom neuen Arbeitsmarkt Tourismus, in welchen Bereichen kommt es zu Konflikten und wo liegen die Schwachstellen im Arbeitsmarkt? Um einen Überblick über die derzeitige Beschäftigungssituation zu bekommen, wurden die Beherbergungsbetriebe unter anderem nach folgenden Angaben zu ihren Angestellten befragt: - Anzahl - Geschlechterverhältnis - Herkunft - Ausbildung 172

Opaschowski 2002, S.263 Victor Rodriguez über die Gäste auf Medjumbe und Matemo Interview vom 14.08.2006 174 In zwei Strandhotels sind Kinder unter 12 Jahren ungern gesehen. 175 Vgl: gleichnamige Feldstudie Bürgis über die Karibik 1994 176 Vgl.: Iwersen-Sioltsidis Iwersen 1997, S. 175 173

71


- Gehalt - soziale Absicherung/ Versicherung - Probleme Neben der Betriebsleitung wurden stichpunktartig je ein bis zwei Angestellte pro Betrieb befragt, um den Wahrheitsgehalt der Aussagen zu überprüfen. Da einige Beherbergungen nicht oder nur sehr kurz besucht wurden, konnte nicht zu jedem Betrieb ein Angestellter interviewt werden. Es wurde versucht, Arbeiter in verschiedenen Bereichen zu befragen, um einen Einblick in die breite Fächerung touristischer Berufe zu bekommen. Es wurden - eine Pilotin, - ein professioneller Jäger, - ein Tauchlehrer/water activities manager, - zwei Küchenchefs, - ein Empfangschef/receptionist, - ein Barmann, - zwei Küchengehilfen, - ein Nachtwächter und - drei Kellner mit einem halboffenen Fragebogen interviewt. Die Beherbergungsbetriebe beschäftigen insgesamt 921 Personen. Pro Hotelbett entstehen 1,8 Arbeitsplätze. Betriebe der unteren Kategorie haben einen geringeren Personalaufwand, da auch wenig Service geboten wird. Tatsächlich liegt die Zahl der Angestellten in der Hotellerie aber weit unter diesen Werten, da viele Arbeiter für ein Bau- oder Renovierungsprojekt angestellt werden. Das Geschlechterverhältnis bei den Beschäftigten ist stark ungleichgewichtig, 88% aller Angestellten des Beherbergungssektors sind männlich. Damit liegt der Prozentsatz der weiblichen Angestellten noch unter dem Landesdurchschnitt aller Erwerbstätigen im touristischen Bereich (15,1%) 177 . Dass der Tourismussektor wächst, lässt sich durch die Anzahl der Angestellten in der Hotellerie erkennen. Fast alle Beherbergungsbetriebe gaben an, dass sich die Anzahl der Angestellten im Vergleich zum vorhergehenden Jahr erhöht habe oder im nächsten Jahr erhöhen werde. Das Pemba Beach Hotel Resort und Kambako Safaris versuchen allerdings, die Angestelltenzahl zu reduzieren. Trotz starker Saisonalität haben 90% aller Erwerbstätigen einen Arbeitsvertrag von mindestens einem (Ausländer) bzw. zwei Jahren (Mosambikaner). 97% der Beschäftigten sind Mosambikaner, es handelt sich fast ausschließlich um ungelernte Arbeitskräfte. Eine Folge davon sind große 177

Tourism Intelligence International 2005, S.16

72


Einkommensunterschiede

zwischen

Mosambikanern

und

Ausländern,

die

in

der

Tourismusbranche beschäftigt sind. Die ausländischen Angestellten, vornehmlich aus Südafrika, Portugal, Simbabwe und den USA, erhalten zwischen 1000 und 2500 US $ im Monat,

das

Einkommen

eines

Mosambikaners

liegt

nach

Aussage

der

Beherbergungsbetriebe zwischen 1500 und 2500 MTn. Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 1500 MTn (ca. 47 ���); dennoch gaben vier der befragten Angestellten einen Betrag unter dem Mindestlohn an. Frauen verdienen, wie in ganz Mosambik 178 , bei gleicher Arbeit weniger als Männer. Mosambikaner wie auch Ausländer haben ihre Stelle primär über persönliche Beziehungen erhalten. Aufgrund dieser Netzwerke ist Arbeitsmigration nur in Ansätzen festzustellen. Fast alle mosambikanischen Angestellten kommen direkt aus Pemba oder Cabo Delgado, lediglich Mosambikaner mit touristischer Ausbildung haben einen weiter entfernten Herkunftsort (Maputo, Nampula). In Einzelfällen lassen sich tourismusbedingte Segregationen feststellen. Auf der Insel Quifuci arbeiten nur Männer. Frauen dürfen die Insel nicht betreten. Hinter der Londo Lodge hat das holländische Paar Hulsebusch eigens für die Mitarbeiter ein „Arbeiter-Dorf“ angelegt. Bei Kambako Safaris kam es bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen simbabwischen Arbeitern und Arbeitern aus der Region, die politisch der RENAMO nahe sind. 8.2 Probleme der Arbeiter und Arbeitgeber Von Seiten der Angestellten wurden selten Probleme am Arbeitsplatz genannt. Es wurde positiv bewertet, eine Arbeit zu haben. Welche Art von Arbeit es ist, ist nebensächlich. Eine Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zur früheren Arbeit konnte keiner der befragten Angestellten bestätigen. Trotzdem wird die touristische Entwicklung eher positiv („vai melhorar a nossa vida“, „ajuda os pobres“, „da emprego“, „com o novo governo tudo vai melhorar“, „vai desenvolver a economía e conservar a nossa cultura“ 179 ) und weniger kritisch („os investidores tem o poder porque tem o dinheiro“, “os turistas vão destruir e polluir o nosso país. Espera 20 anos e tudo está destruido“, „existe muita corrupção, o governo não protege o país, ele vende o país!“ 180 ) bewertet. Bei steigenden Konsumwünschen wird die geringe Bezahlung bemängelt. Die vielfach von Beherbergungsanbietern gemachte Aussage, dass sie durch die Beschäftigung von Personen der zehnfachen Zahl an Personen das 178

Vgl.: Tourism Intelligene International 2005, S.11 „wird unser Leben verbessern“, „hilft den Armen“, „gibt Arbeit“, „mit der neuen Regierung wird alles besser“ auf die Frage: O que pensa sobre o turismo no futuro? Was denken Sie über den Tourismus in der Zukunft? 180 “Die Investoren haben die Macht, weil sie das Geld haben”, „die Touristen werden unser Land verschmutzen und zerstören. Warte 20 Jahre und alles wird zerstört sein“, „es gibt sehr viel Korruption, die Regierung beschützt nicht das Land [Mosambik], sie verkauft es!“ 179

73


Überleben sichere, da eine Familie durchschnittlich zehn Familienmitglieder habe, kann nicht bestätigt werden. Die mosambikanischen Befragten können oder besser müssen lediglich zwischen 0 und drei weitere Familienmitglieder ernähren. Fünf der neun befragten Mosambikaner gehen aus finanziellen Gründen neben ihrer Anstellung im Tourismus einer weiteren Beschäftigung nach. Von Seiten der Beherbergungsbetriebe wurde die Arbeit, besonders der nicht ausgebildeten Angestellten, stark kritisiert. Jumbo Moore zählt fast alle genannten Kritikpunkte auf: […] there are a lot of problems: the Mozambicans are untrained, uneducated, can’t read or write which is for a cook, waiters or skinners very important. They spend their whole money on alcohol, they’re addicted to alcohol. We teach them English, how to trek and – maybe the most important: hygiene. Also theft is a problem, they’re unreliable. […] laziness, no training, they just don’t know […] it’s because of the colonial time and the war. The professionals are fine, they have at least a three years apprenticeship and some five to 25 years of experience.” 181 Der Großteil der ausländischen Hotelbesitzer bemängelt die geringen Fremdsprachenkenntnisse, die fehlenden Umgangsformen gegenüber Gästen und beschuldigt die Angestellten faul zu sein, zu stehlen und generell nicht vertrauenswürdig zu sein. Herr Machavo, Manager des einzigen Hotelbetriebs in schwarzafrikanischmosambikanischer Hand, sieht es gelassen: “sim, nos somos um pouco lento. Mas somos assim, é a nossa cultura. Aluguns clientes criticam isso, mas somos em Moçambique, fazer o que?” 182 8.4 Der Ausbildungssektor Der touristische Ausbildungssektor in Mosambik ist äußerst schwach entwickelt. In ganz Mosambik gibt es nur sieben tourismusbezogene Ausbildungsstätten: Die Katholische Universität Mosambiks bietet in Pemba seit September 2002 den Studiengang Master of Tourism Management an. Das AADP in Nacala, Mauwe Training Consultants und das staatliche Hotel Andalucía bieten Ausbildungsplätze im Bereich Housekeeping, Restaurant, Service und Rezeption für insgesamt 37 Personen an. Eine betriebliche Ausbildung ist im Hotel Polana, Holiday Inn und bei Rani Africa möglich. Wo es derart begrenzte Ausbildungsmöglichkeiten gibt, können auch keine ausgebildeten Kräfte erwartet werden. Auch die deutliche Unterrepräsentanz von Frauen zeigt, dass der Tourismus zu keinem „comparative advantage of creating significant employment for

181

Jumbo Moore, operational manager von Kambako Safaris am 8.8.2006 “Ja, wir sind etwas langsam. Aber wir sind so, es ist unsere Kultur. Einige Kunden kritisieren das, aber wir sind immer noch in Mosmbik, also was soll man machen?“ Herr Machavo im Interview vom 31.07.2006 182

74


women“ 183 geführt hat. Die Entwicklung der Ressource Humankapital wird eine der größten Herausforderungen Mosambiks sein. Im Vergleich zu anderen touristischen Sektoren (z.B. Verkehrsanbindung,

Kunsthandwerk,

Beherbergungsmöglichkeiten)

ist

der

Ausbildungsbereich unterentwickelt. Das Fehlen von Humankapital spiegelt die Zerrissenheit Cabo Delgados und ganz Mosambiks wieder. Ausländische Investoren bauen Hotels, die sie selbst mit sechs Sternen ausgezeichnet sehen wollen. Diese Kategorie können sie aber nicht erreichen, da das überwiegend ungelernte Personal diesen Standard nicht erreicht. Der Bau von Luxushotels erfolgt schneller als Personal dafür ausgebildet werden kann. Die Touristin Nathalie McCollum sagt z. B. über das Matemo Island Resort: „Matemo [Island Resort] is far overpriced. Over 400 US $ per night implies a much more luxurious place, much higher quality service.“ Als Fazit bleibt: Durch die geringe Qualität der Dienstleistungen und des Handwerks 184 wird das komplette touristische Produkt in seiner Qualität abgewertet. 9 Schlussbetrachtung: Potenzial und Grenzen eines nachhaltigen Tourismus „Nachhaltigkeit“ heißt das Zauberwort für Entwicklung und wird nun auch auf den Tourismus angewendet. Unter einer nachhaltigen Entwicklung versteht man die Befriedigung der Bedürfnisse der Gegenwart, ohne dabei zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können. „Es handelt sich um eine umweltverträgliche, sozialverträgliche,

dauerhafte

Entwicklung.

Sie

verbindet

die

wirtschaftliche

und

gesellschaftliche Entwicklung mit der ökologischen und kulturellen Nachhaltigkeit.“ 185 Wie nachhaltige Tourismusentwicklung in Cabo Delgado praktiziert wird, soll an den Beispielen des community based tourism und des Ökotourismus dargestellt werden. 9.1 community based tourism Community based tourism ist eine Tourismusform, die besonders durch Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit „als Instrument für eine nachhaltige Entwicklung“ 186 genutzt wird.

Diese Form des Tourismus beschreibt eine Art des nachhaltigen Tourismus, die

vornehmlich auf die Partizipation der lokalen Bevölkerung achtet. Nach BRANDON bedeutet community based tourism: “ giving people more opportunities to participate effectivley in development activities. It means empowering people to mobilize their own capacities, be social actors rather than passive subjects, manage the resources, make decisions and control the activities 183

Tourism Intelligence International 2005, S.7 Nach deutschem Verständnis zählt der Beruf des Kochs zum Handwerk. 185 Palm 2000, S.8 186 Palm 2000, S.2 184

75


that affect their lives” 187 . Die bisherigen Darstellungen über touristische Strukturen haben schon einen Einblick gegeben, inwiefern die Lokalbevölkerung an der touristischen Entwicklung partizipiert. Die Situation der Beherbergungsbetriebe, welche die geleitete Partizipation durch das Konzept des community based tourism übernommen haben, wird in den folgenden Beispielen dargestellt. Fallbeispiel 1 Der französische Leiter des Hotels Aurora will das „grande potência eaos possibilidades da communidade“ nutzen. Durch die französische Organisation Coeur de la Monde initiiert, teilt sich das Aurora-Projekt in einen touristischen Bereich und die Produktion von ätherischen Ölen, Trockenfrüchten, Fruchtsäften und Medizinalpflanzen auf. So kommt es zu zwei Einnahmequellen. Die Integration des Touristen in die lokale Gemeinschaft soll durch Besichtigungen des botanischen Gartens, traditioneller Tänze und den Besuch von Schnitzern und Töpfern gefördert werden. Die drei Franzosen, die das Aurora-Projekt betreiben, wollen in Kürze den Landsitz aus der Kolonialzeit, der zu einem Hotel umgebaut worden ist, der Lokalbevölkerung übergeben. Die Integration der Interessen der lokalen Bevölkerung hat jahrelange Arbeit gekostet. Wirtschaftlichkeit wurde bisher jedoch aufgrund schwacher Auslastung nicht erreicht. Fallbeispiel 2 Die Leitung des Hotels Mareja verfolgt ebenso den Gedanken des community based tourism. Das deutsch-italienische Paar Sonja und Dominik Beissel ist seit zehn Jahren mit der Restauration und dem Aufbau des Hotels in Metuge im Quirimbas Nationalpark beschäftigt. Die benachbarte Dorfgemeinschaft, aus der alle 30 Mitarbeiter stammen, erhält 50% der Einnahmen. Da der durchschnittliche Übernachtungspreis von 20 US $ pro Nacht bei einem Auslastungsgrad von 40% nicht das Mindestgehalt der Arbeiter sichert, erhalten die Angestellten seit einiger Zeit ein festes Gehalt. Um den Umsatz zu steigern, sollen nun zwei „Luxus-Zelte“ aufgebaut werden, um Unterkunft in der unteren, mittleren und gehobenen Preisklasse bieten zu können. Angebotene Aktivitäten beliefen sich vornehmlich auf bushwalks zu den Inselbergen oder Tierbeobachtungen am Flussbett. Da kürzlich ein Gast dabei von einem Elefanten getötet wurde, werden keine Buschwanderungen mehr durchgeführt, bis die „ranger“, die noch keine professionelle Ausbildung haben, Jagdgewehre mit sich führen dürfen.

187

Brandon 1993, S.139

76


Aurora und Mareja sind die einzigen Betriebe, die das Konzept des community based tourism anwenden. Diese Beherbergungsbetriebe zeigen, dass auch fernab der touristischen Zentren Tourismus

aufgebaut

werden

kann.

Die

ländliche

Bevölkerung

lernt

neue

Erwerbsmöglichkeiten, die zur Überlebensstrategie beitragen, kennen. Gerade durch die Diskussion um die vom Tourismus ausgehenden Negativeffekte auf die soziokulturelle Identität wird die Forderung nach einem sozialverträglichen Tourismus immer stärker. 188 Durch den community based tourism kann kulturelle Eigenständigkeit und Identität gestärkt und ein Beitrag zur Wertschätzung fremder Kulturen und Förderung der interkulturellen Kompetenzen auf Seiten der Besuchten und Besuchenden gefördert werden. Im Fall Aurora wird die Praktizierung von Kultur und Tradition zu einem Marktwert, einem käuflichem Produkt. Doch gerade die Vermarktung traditioneller Kulturelemente kann zu einer Degradation der Kultur führen, da sie der Angebots- und Nachfragesituation unterlegen ist und dazu führen kann, lediglich zur wirtschaftlichen Existenzsicherung praktiziert zu werden. Dazu sind massive Akkulturationsprozesse 189 gerade in abgelegen, ländlichen Gebieten, in denen die Distanz zwischen Reisenden und Bereisten sehr groß ist, am ehesten zu erwarten. 190 Zurzeit fehlt es den Betreibern jedoch an Kunden, der Auslastungsgrad gehört trotz geringer Bettenzahl zu den niedrigsten der Region. Im Sinne der Nachhaltigkeit wird zwar auf die ökologische und soziale Komponente geachtet, die ökonomische Sicherheit ist jedoch nicht gegeben. Betriebe, die wirtschaftlicher zu arbeiten scheinen, nannten völlig andere „benefits“oder „benefícios“, die sie der ansässigen Bevölkerung durch ihr Dasein bieten. Gerade ausländische Investoren, die Unterkünfte der oberen Kategorie betreiben, konnten alle ein Projekt zum Nutzen der Lokalbevölkerung nennen. Ihre Wohltätigkeit zeigt sich in dem Bau eines Brunnens, einer Schule oder Moschee. Diese Projekte können meist innerhalb einer cultural tour besucht werden. Die Touristen in den Betrieben der unteren Kategorie scheinen auch ohne cultural tour Kontakt mit der Lokalbevölkerung aufnehmen zu können. Die Restaurants und Bars sind gleichermaßen Treffpunkt für ausländische und auch einheimische Besucher. Lokale Musikgruppen und Ausstellungen regionaler Künstler zeigen, dass der interkulturelle Austausch auch ohne community based tourism oder cultural tour funktionieren kann. Da Ethnien jedoch keine geschlossene homogene Gruppe von Menschen

188

Vgl.: Vorlaufer 1996 (b) S.141 Akkulturation beschreibt die Übernahme fremder geistiger und materieller Kulturgüter durch Einzelpersonen oder ganzer Gruppen (Duden: Das Fremdwörterbuch. Band 5 Mannheim 2001) 190 Vgl.: Müller 1996, S.59 189

77


darstellen, ist es ungewiss, ob es zu Akkulturationsprozessen oder zu einem interkulturellem Lernen und Verstehen kommt. 9.2 Ökologische Veränderungen und Ökotourismus Neben den soziokulturellen Effekten werden auch die ökologischen Auswirkungen des Tourismus kontrovers debattiert. Um herauszufinden, inwieweit sich bereits durch Tourismus hervorgerufene

ökologische

Veränderungen

bemerkbar

machen,

wurden

Expertenbefragungen mit Beamten des Landwirtschaftsministeriums (Direcção Provincial de Agricultura), des Kastasteramtes (Direcção Provincial de Geografia e Cadastro) und der Polizei

in Wimbi

durchgeführt. Auch

Beherbergungsleiter

wurden

befragt,

welche

Ökosysteme vorwiegend von ihren Gästen genutzt werden. Sie verwiesen auf die unmittelbare Umgebung der Unterkunft. Zusammen mit den Ausübungsorten touristischer Aktivitäten werden besonders der Strand mit küstennaher Mangrovenvegetation, das Korallenriff und der Miombowald von Touristen frequentiert. Die befragten Personen konnten nur eine geringe Veränderung dieser Ökosysteme beschreiben, zumal die Veränderungen im Meer auch schwer ersichtlich sind. „Não sei o que acontece lá no mar. Aqui não é visible quem tira os corais [..].“ 191 Generell scheint jedoch der Verkauf von Korallen und anderen geschützten Tier- und Pflanzenprodukten nach Aussage des Landwirtschaftsministeriums zurückgegangen zu sein. Die befragten Personen äußerten die Sorge, dass sich dies bei vermehrten Touristenströmen ändern würde. „[...]a quantidade de touristas está ainda menor, mas vai crescer e vai destruir o meio-ambiente cada vez mais.” 192 Da die touristische Entwicklung sich noch in der Initialphase befindet, sind ökologischen Veränderungen kaum feststellbar. Unstrittig ist, dass Tourismus meist negative Umweltauswirkungen nach zieht (z.B. Erosionsschäden durch Skitouristen). Daher versuchen einige Beherbergungsbetriebe präventiv ökologisch zu handeln. „Strict ethical principles“ 193 verfolgen die Besitzer der Guludo Beach Lodge, die ihre Unterkunft ecolodge nennen. Dieses Öko-Hotel soll als drittes Fallbeispiel zum nachhaltigen Tourismus kurz dargestellt werden:

191

„Ich weiß nicht, was sich dort draußen im Meer abspielt. Von hier kann ich nicht sehen, wer Korallen herausreißt.“ José da Silva (Beamter des Landwirtschaftsministeriums) am 16.08.2006 192 „Noch ist die Anzahl der Touristen gering, aber sie steigt und wird die Umwelt immer weiter zerstören.“ 193 Vgl.: Guludo Beach Lodge 2006 http://guludo.com/en/1/gullod.html

78


Fallbeispiel 3 “Responsible Trourism Awards 2006. […] Highly Commendended: Guludo Beach Lodge, Mozambique. An exclusive eco-lodge that is pioneering the adoption of the principles of fair trade in an area of extreme poverty.” 194

The Times 2006

Die Guludo Beach Lodge will hochwertigen Tourismus bieten, der zum größtmöglichen Nutzen für die Natur und die Bewohner des Dorfes Guludo gestaltet sein soll. Die einheimische Bevölkerung und der Umweltschutz sollen vom Tourismus profitieren, indem 5% der Übernachtungsausgaben von 185 bis 235 US $ pro Person an den Social and Environmental Regeneration Fund (SERF) weitergegeben werden. Dieser Fonds wird von der Dorfgemeinschaft mitverwaltet und finanzierte kleinere Investitionen wie die Verteilung von Moskitonetzen an Schwangere. Durch Spenden von Touristen und Hilfsorganisationen werden nun Projekte zum Schutz der Umwelt aufgebaut. Ganz im Sinne des Projekttourismus 195 kann der Tourist ein Projekt besuchen oder selbst daran teilnehmen. Bei dieser „Mitarbeit“, z. B. durch Walzählungen oder Beobachtung des Korallenriffs steht jedoch eindeutig der Erlebnis- und Abenteuercharakter im Vordergrund. In der Guludo Beach Lodge findet der Tourist findet nicht alle Bequemlichkeiten, die andere Strandhotels auf dem Quirimbas Archipel bieten. Im Sinne eines umweltverträglichen Tourismus werden weder Klimaanlagen verwendet noch motorisierte Freizeitaktivitäten angeboten, zur Stromerzeugung werden Photovoltaikanlagen eingesetzt. Trotzdem ist der Qualitätsstandard, das Angebot an Aktivitäten zum Natur- und Kulturerlebnis und auch die Zufriedenheit der Kunden, hoch. Nach Berechnungen der Beherbergungsleiter sollen 40% der Einnahmen zurück an die Dorfgemeinschaft gehen. Das im Dezember 2005 eröffnete Strandhotel litt die ersten Monate unter einem niedrigen Auslastungsgrad. Dieser konnte durch massive Werbemaßnahmen in Großbritannien gesteigert werden.

Das aufgeführte Beispiel scheint in vielen Bereichen den Maßstäben eines Ökotourismus zu entsprechen und findet auch zunehmend bei Touristen aus den Industrieländern, die einen Ferntourismus auf ökologische Art gestalten wollen, Akzeptanz. Die Beherbergungsbetriebe sollten durch bestimmte Öko-Indikatoren ausgewertet werden. Es wurde danach gefragt, wie mit den Ressourcen Wasser und Energie umgegangen wird, woher das Konstruktions- und Baumaterial stammt und wie die tägliche Versorgung gesichert

194 195

Hammond 2006 www.timesonline.co.uk/article/0,,71-2445785.html Vgl.: Job, Weizenegger S.638

79


wird. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Maßnahmen wie etwa die Nutzung von Grauwasser für die Gartenbewässerung, nicht implizieren, dass der Betrieb bewusst Umweltschutz betreiben möchte. Oftmals werden umweltfreundlich bezeichnete Maßnahmen aus rein ökonomischen Zwecken durchgeführt. Zudem hängt ein ökologischer Tourismus nicht allein von den selektiven Anstrengungen der Beherbergungsbetriebe (und natürlich auch den Reiseveranstaltern und Verkehrsträgern) ab, die versuchen, das negative Umweltimage des Tourismus zu vermeiden, sondern auch vom Verhalten der Touristen. Durch die positive Darstellung Umwelt schützender oder Ressourcen schonender Maßnahmen soll dem Touristen suggeriert werden, dass ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet wird. Die grundsätzliche Feststellung, dass ein ökologischer Tourismus oder Ökotourismus ein Paradoxon ist, wird dadurch nicht aufgehoben. Egal wie ökologisch der Tourismus gestaltet ist, er trägt stets im Zielgebiet und global gesehen zu einem erhöhten Ressourcenverbrauch und der vermehrten Emission von Schadstoffen bzw. Klima verändernden Gasen bei. 9.3 Nachhaltiger Tourismus in der Kritik Nachdem der community based tourism und der Ökotourismus als Teilbereiche des nachhaltigen Tourismus dargestellt wurden, soll nun dieser Obergriff erklärt werden: “Nachhaltiger

Tourismus

muss

soziale,

kulturelle,

ökologische

und

wirtschaftliche

Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig.” 196 Auch wenn der Begriff „Nachhaltigkeit“ im heutigen Sprachgebrauch schon inflationär verwendet wird, soll hier im Sinne der „political correctness“ auf Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung im Tourismus eingegangen werden. "Wenn einem nichts anderes mehr einfällt, spricht man von einer nachhaltigen Entwicklung [...]" 197 sagt der Direktor des UN-Umweltprogramms (Klaus Töpfer) in der Diskussion um die Reichweite des Begriffs „nachhaltige Entwicklung“. Dieses Zitat beschreibt aber auch derzeitige Trends in der Tourismusbranche, denn „innerhalb des traditionellen Veranstaltergeschäfts bietet die klassische Pauschalreise kein Wachstumspotenzial mehr“ 198 , so der Thomas-CookVorstandschef auf der Jahrestagung des deutschen Reiseverbandes. Ein neues Produkt auf dem Tourismusmarkt sind nun Reisen, die besser verkauft werden sollen, indem sie mit dem Schlagwort „Ökotourismus“ oder „sanftes Reisen“ versehen werden. 196

Steck, Strasdas, Gusted 1999, S.11 Kurlantzick 2000 http://zeus.zeit.de/text/archiv/2000/21/200021.nachhaltigkeit_.xml 198 Holtrop in Meppener Tagespost, MT vom 29.11.2006, S.6 197

80


Nach dem Abholzen des Regenwaldes, dem Auftreten von Ozonlöchern und der Einsicht über die Endlichkeit des Erdöls wird nun in Zeiten des Klimawandels immer deutlicher, dass der weltweite Raubbau an natürlichen Ressourcen nicht folgenlos bleibt. Langfristiger Schutz von Ressourcen und Umwelt ist aber nur möglich, wenn gleichzeitig eine ökonomische Sicherheit und soziale Gerechtigkeit angestrebt werden, so lautet das Drei-Säulen-Konzept der nachhaltigen Entwicklung. Seit dem Rio-Gipfel von 1992 ist die Einsicht vorhanden, dass ökologische Ziele nur bei gleichzeitiger Verwirklichung ökologischer und ökonomischer Ziele erreicht werden können. In Zeiten der Globalisierung wird die erstarkende Ungleichheit zwischen Arm und Reich für die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen, einer intakten Umwelt, verantwortlich gemacht. Der dargestellte internationale Tourismus beruht jedoch gerade auf dieser Ungleichheit. Auf globaler Ebene zeigt sich dies in der Vorherrschaft der reichen Industrienationen. Die Menschen dort können aufgrund ihres Wohlstands in arme Entwicklungsländer reisen. Auf lokaler Ebene zeigen die touristischen Strukturen eine ungleiche Verteilung von Einkommen und Einfluss, Macht und Vermögen. Bestrebungen in den Industrieländern, einen nachhaltigen Tourismus in Entwicklungsländern zu schaffen, bleibt ein Widerspruch in sich. Der dargestellte Ferntourismus ist in diesem Kontext der stolze Wunsch nach einer Reisebedürfnisbefriedigung, die nicht nachhaltig sein kann, aber anscheinend auch nicht zurückgedrängt werden kann oder soll. 10. Fazit Global gesehen ist die Bedeutung Mosambiks im internationalen Tourismusaufkommen vergleichsweise gering. Trotzdem ist es einer Beachtung wert, dass gerade Pemba, die Provinzhauptstadt in der Peripherie Mosambiks zu den sieben meistbesuchten Reisezielen des Landes gehört. Das lässt sich durch die vorhandenen „Natur- und Kulturschönheiten“ 199 erklären. Das ursprüngliche Angebot der Untersuchungsregion ist von biologischer und kultureller Vielfalt geprägt. Das heterogene Landschaftsbild beherbergt eine hohe Artenvielfalt. Durch die Einrichtung von Naturschutzgebieten wird ein Beitrag zur Konservierung einer einmaligen Flora und Fauna, die viel von ihrer Ursprünglichkeit beibehalten haben, geleistet. Diese Art der Konservierung ist jedoch nicht statisch zu betrachten. Schutzgebiete sollen nach der nationalen Tourismusstrategie touristisch genutzt werden und als Devisenquelle dienen. Daher begrüßt die staatliche Tourismuspolitik auch Investitionen in den Ausbau Mosambiks zu einer exklusiven beach and bush destination. Die politischen Rahmenbedingungen sind gegeben. Innenpolitisch gilt das Land als stabil, die grenzübergreifenden Peace Parks stehen sinnbildlich für die außenpolitische Situation. 199

Gormsen 1996, S.19

81


Das gute Investitionsklima wurde bisher fast ausschließlich von ausländischen Investoren genutzt. Die Analyse der Beherbergungsstrukturen zeigt, dass sich nicht nur die Ungleichheit der Besitzverhältnisse in Zukunft verschärfen wird. Die Inseln des Quirimbas Archipels werden zwar zum exklusiven Zielgebiet, sind jedoch nur für ein zahlungskräftiges Publikum zugänglich. Der Bau von Strandhotels und Camps der gehobenen Kategorie schreitet voran. Der konventionelle Badetourist verweilt in Wimbi. Die „luxuriösen“ Unterkünfte sind ausgelegt für die vorherrschenden Touristentypen „Profi und Prestigetourist“. Es besteht eine Segregation zwischen den Touristenenklaven der Luxustouristen und Lokalbevölkerung sowie anderen Touristentypen. Die Dominanz zahlungskräftiger Ferntouristen zeigt sich in der Nutzung von Charter- und Linienflügen als wichtigstes Transportmittel, andere Verkehrswege sind schlecht ausgebaut. Gastronomie, Unterhaltung und Freizeitaktivitäten werden fast ausschließlich von Beherbergungen angeboten. Nur die Hotelgäste profitieren von diesen Investitionen. Wassersport wird am stärksten nachgefragt, der Naturtourismus in Form von Safaris ist fast nicht vorhanden, schreitet aber seit der Eröffnung des Qurimbas Nationalparks voran. Das touristische Potenzial der Region konzentriert sich auf den PNQ. Hier liegen natürliche Ausstattung und touristische Strukturen in einem günstigen Verhältnis, während andere Regionen des Untersuchungsgebiets nur selektiv die notwendigen Strukturen aufweisen oder auf eine bestimmte Klientel spezialisiert sind. Im raumzeitlichen Entfaltungsmuster befindet sich das Untersuchungsgebiet in der Initialphase. Die ersten Destinationen sind erschlossen, es wird expandiert und investiert. Dennoch sind die Entwicklungen der Expansionsphase und späteren Stagnationsphase noch weit

entfernt.

Der

Auslastungsgrad

der

Betriebe

ist

gering,

ein

regionales

Vermarktungskonzept nicht vorhanden. Die Bewertungskriterien für das touristische Potenzial, die natürliche Ausstattung, das Vorhandensein zusätzlicher Attraktionen, eine leichte Erreichbarkeit und ein Klima mit Trockenzeiten werden im QNP erfüllt. 200 MÜLLER zählt ebenso zu den Mindestkriterien stabile politische und soziale Verhältnisse. Die arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen sind jedoch sehr fragwürdig. Zwar ist Tourismus sehr personalintensiv und es bestehen „Vernetzungseffekte

mit

Dienstleistungsbereichen“

201

anderen

vor-

und

nachgelagerten

Industrie-

und

wie etwa der Andenkenerzeugung. Tourismus stärkt die

kulturelle Identität der Makonde-Künstler, die in Kooperativen ein einzigartiges Handwerk betreiben. Dennoch entsteht eine finanzielle Abhängigkeit vom Touristen; Kulturbewahrung tritt hinter kommerzielle Absichten zurück. Auch der illegale Handel mit geschützten 200 201

Vgl.: Müller 1996, S.52 Vgl.: Gormsen 1996, S.26

82


Naturprodukten zeigt die Kehrseite der Beschäftigungseffekte. Determiniert wird die touristische Entwicklung durch die Lage des Humankapitals. Da im Land Mosambik fast keine touristischen Ausbildungsmöglichkeiten bestehen, fehlt es an Fachkräften. Durch die mangelnde Qualität im Dienstleistungsbereich wird das gesamte

touristische Produkt

abgewertet, Kundenzufriedenheit ist nicht hinreichend gegeben. Gutbezahlte Arbeitsplätze in kaufmännischen und technischen Bereichen oder in gehobenen Positionen können überhaupt nicht von der gering gebildeten Lokalbevölkerung besetzt werden. Aufgrund der niedrigen Löhne ist der Beitrag des Tourismus zur Steigerung der Kaufkraft in der besuchten Region äußerst gering. Ungleiche Entlohnung zwischen Aus- und Inländern verschärfen soziale Konflikte. Derzeitige Tourismusformen tragen wenig zur Regionalentwicklung bei, die Lokalbevölkerung kann Investitionen kaum nutzen.

Die soziale Diskrepanz zwischen

Bereistem und Reisenden steigt, Ungerechtigkeitsgefühle führen zu Kriminalität und Gewalt. Günstige touristische Entwicklungsmöglichkeiten bestehen jedoch nur, wenn hinreichend Sicherheit gewährleistet ist. 202 Die nationale Tourismuspolitik, die sich derzeit in einer Phase der Euphorie über die wirtschaftliche Entwicklung befindet, könnte bald zur Ernüchterung kommen, wenn die Außenwirtschaftsbilanz sich durch tourismusbedingten Devisenabfluss nicht verbessert und eine zunehmende Abhängigkeit entsteht. Wenn in der Nähe des Quirimbas Nationalparks Erdöl oder im Niassa Reservat exportfähige Rohstoffe gefunden werden sollten, wird Naturschutz und Tourismusförderung beendet sein. Neben solchen exogenen Faktoren kann auch der Tourismus selbst wenig Beitrag zum Schutz der Natur und endlicher Ressourcen leisten. Zwar gibt es einen Trend zu Fernreisen unter dem Decknamen „Ökotourismus“ oder „community based tourism“, um stolze Bedürfnisse der westlichen Touristen zu befriedigen. Tourismus kann jedoch höchstens zur nachhaltigen Entwicklung in der Zielregion beitragen, einen nachhaltigen Tourismus in Entwicklungsländer kann es jedoch nicht geben.

202

Müller 1996, S. 52

83


Anhang Anhangsverzeichnis

Karten Karte 1: Die Untersuchungsregion und touristische Orte in Mosambik

85

Karte 2: Ausgewählte Zonen für künftige touristische Investitionen in Mosambik

86

Karte 3: Cabo Delgado – administrative und physische Übersicht, Naturschutzgebiete

87

Karte 4: Beherbergungen und Verkehrsanbindung in Cabo Delgado 2006

88

Karte 5: Kooperationen und Beherbergungen in Pemba/Wimbi

89

Karte 6: Das Modell der raumzeitlichen Entfaltung des internationalen Tourismus in Cabo Delgado Karte 7: Geplante und derzeitige Beherbergungen nach Kategorien

90 91

Fragebögen Leifragen für die Befragung der Beherbergungsbetriebe (portugiesisch)

92

Leifragen für die Befragung der Beherbergungsbetriebe (englisch)

94

Fragebogen für Angestellte der Beherbergungsbetriebe (portugiesisch)

96

Fragebogen für Angestellte der Beherbergungsbetriebe (englisch)

97

Fragebogen für Touristen (portugiesisch)

98

Fragebogen für Touristen (englisch)

101

Fragebogen für Makonde-Künstler, Souvenirverkäufer und andere Verkäufer

104

84


Karte 1 Die Untersuchungsregion und touristische Orte in Mosambik Die Untersuchungsregion: Provinz Cabo Delgado

Meistbesuchte touristischen Regionen (von N nach S): 1: Pemba 2: Bazaruto Archipel 3: Vilanculos 4: inhambane 5: Bilene 6: Maputo 7: Ponta de Ouro

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/ commons/3/33/Mo%C3%A7ambique_mapa.gif


Karte 2 Abb. 1 Ausgewählte Zonen für künftige touristische Investitionen in Mosambik

1. Zona de Costa de Elefantes 2. Zona de ‘Grande’ Maputo 3. Zona Costeira de Xai-Xai 4. Zona de Limpopo – Massingir 5. Zona de Limpopo – Mapai 6. Zona Costeira de Inhambane 7. Zona de Vilankulos/Bazaruto 8. Zona de Turismo de Sofala 9. Zona de Turismo de Gorongosa 10. Zona de Turismo de Manica 11. Zona de Tur. de Cahora Bassa 12. Zona de Gilé/Pebane 13. Zona de Turismo de Guruè 14. Zona de Ilha de Moçambique /Nacala 15. Zona de Pemba/Quirimbas 16. Zona de Norte de Cabo Delgado 17. Zona de Lago de Niassa 18. Zona de Reserva de Niassa

86

Quelle: Regierung Mosambik: https://www.portaldogoverno.gov.mz/Informacao/Turism/areasInvest/


Karte 3

Cabo Delgado - administrative und physische Übersicht, Naturschutzgebiete ( !

Ort bis 5000 EW

Niassa Pufferzone

. !

Distriktverwaltung

Niassa Reservat

Flüsse

Quirimbas Nationalpark

Hauptstrasse

Distrikte

( !

Höhen

Nebenstrasse

Tansania

Piste

> 700 m

Povinz-/Staatsgrenze

bis 700

Palma

. !

Rongue

( !

bis 500 bis 200

Olumbi

! . Nangade

0 -100

Mocimboa da Praia . !

( !

( !

Vamizi

11° Süd

Quifuci

( !

( !

Negomano ( !

( ! ( !

Mueda ! .

( ! ( !

( !

Medjumbe

Quiterajo

! . Muidumbe

( !

Chapa

Quissanga ( !

Niassa

Pangane

Macaloe

( !

12°

( !

Matemo

. ! Macomia Meluco ! .

. !

( ! ( !

( !

Pemba

. !

( !

! . Ancuabe

( ! ( !

( !

13° Indischer Ozean

Nairoto!(

. Ibo ! ( Quirimba ! Quilálea

Quissanga ! .

( !

( !

( !

Montepuez

( !

( !

Balama ( ! . !

. Mecufi ! ( ! ( !

! . Chiure

( !

( !

( !

. Namuno !

( !

( !

Niassa

( !

0

3

6 km

( !

Londo ( !

Nampula

Pemba

14°

Wimbi

( !

Nacole Murrebue

38° Ost Kartengrundlage: DPTUR 2005 Gestaltung: A. Hegge 2006

39°

40° Maßstab: 1 : 2 350 000

0

40

80 km

87


Karte 4

Beherbergungen und Verkehrsanbindung in Cabo Delgado Beherbergungen

^ _

Flugverkehr

( !

Ort bis 5000 EW

. !

Distriktverwaltung

p

Landebahn/-platz

Hauptstrasse

o

Internationaler Flughafen

Nebenstrasse

Flugrouten

Piste

in Planung/Bau ( !

Palma . !

Tansania

Linienflüge

Povinz-/Staatsgrenze

geöffnet

( !

Charterflüge

( !

. ! Mocimboa da Praia . !

( !

p ( !

( !

( !

Mtwara

( !

Mueda! .

p_

p

( !

( !

( !

Nairobi

Daressalam

^

( !

Negomano

p_ Vamizi p ^ p _

Medjumbe

_p ^ Pangane _ ^ ^pMatemo . ! Ibo Macomia . ! _ p Quirimba Quissanga! . p ^ ^

. !

( !

( !

Niassa

( !

( !

p^ Kambako ( ! Nairoto

( !

( !

^

_ ^ . !

o

Pemba

( !

( !

( !

Montepuez

( !

( !

( !

. !

( !

! . Ancuabe

( ! ( !

( !

( !

Meluco . !

. Mecufi!

Balama ( ! . ! ( ! ( !

! . Chiure

( !

( !

( !

. Namuno !

( !

( !

( !

0

3

6 km

( !

Niassa

_ _ Wimbi Pemba ^ ^^ ^_ ^ ^ ^ ^ _ Nacole ^ _ Nampula Murrebue Londo

( !

Nampula ( !

Quelimane Beira Kartengrundlage: DPTUR 2005 Gestaltung: A. Hegge 2006

Maßstab 1 : 2 350 000

0

40

80 km

Maputo

88


Karte 5

Kooperativen und Beherbergungen in Pemba/ Wimbi Beherbergungen

Kooperativen zur Andenkenherstellung und Souvenirverkauf

# #

offen, gehobeneKategorie

# # #

$ +

geplant, mittlereKategorie

offen, untere Kategorie

geplant, gehobeneKategorie geplant, untereKategorie

PEMBA Alison`s

WIMBI Pemba Beach Resort Hotel

# *

# *

# * # *

# *

$ + Cooperação Natite

Brix, Achim SAL Simples Aldeias

Russell´s Camp

$ +Cooperativa Karibu Wimbi

# * Complexo Turístico Caracol # * * Residencial Wimbe Sun # * +# Ondazul $

Naútilus Beach Resort

Cooperação ar juvenil 0

$ + Grundlage: Fitzgpatrick 2000 Gestalung: A. Hegge 2006 89

800m

Cooperativa Alto Jingone


Das Modell der raumzeitlichen Entfaltung des internationalen Tourismus in Cabo Delgado

Karte 6

Zunahme von

Touristische Attraktivität mittel hoch Kulturell k naturräumlich n ethnoorientiert e

K N E

Strandqualität s

Ns

S

SN

Touristen Beherbergungen Andenkenläden Straßenverkehr und Rundreisen Flugverkehr

L ns

------------------...........

SN SN

SNKE N

SN

Inseln und Küstengebiet des Quirimbas

Niassa Reservat

SN SNKE SNK

SNKE N SN -----------. . . . . . . Quirimbas Nationalpark SNKE SNK N Großraum Pemba .------------. . . . .. . .

..........

-------------NE

NE SN SnK Sn

Phase 0 vor Einsetzen des internationalen Tourismus 90

L

SN

N

S

.......

SN

KE

N

N

SN

snk

snk KE

Inseln

SN und Küstenregion

L

-------........... SN SnK Sn Sn

Phase I Initialphase des internationalen Tourismus Entwurf nach Karl Vorlaufer 1996, stark vereinfacht Gestaltung: A. Hegge 2006


Karte 7

Geplante und derzeitige Beherbergungen nach Kategorien Beherbergungen

# #

offen, gehobene Kategorie

# # #

geplant, mittlere Kategorie

Übernachtungspreis pro Person < 100 US $ - untere Kategorie 100 - 200 US $ - mittlere Kategorie > 200 US $ - gehobene Kategorie

offen, untere Kategorie

( !

geplant, gehobene Kategorie geplant, untere Kategorie

. !

#

Tansania ( !

Rongue Island Resort

# Vamizi Island Resort

( !

. !

#

Quifuci Baoresort

( !

. Chez Natalie ! # ( !

( ! ( !

( ! ( !

Mueda! .

( !

Quissanga Island Resort

( !

#

#

Lugenda Bush Camp

. !

( !

# Medjumbe Island Resort

( ! ( !

Macaloe Island Resort

#

Niassa

( ! ( !

# Kambako Safaris

Beach Lodge # Guludo # Matemo Island Resort

. ! Macomia

( !

#

#

Aurora

#

Mareja Pemba

( !

( !

Montepuez ! .

. !

( !

! . Ancuabe

( !

( !

( !

( !

Taratibo

( !

Ibo Island Lodge

##Fam. Gessner Quilálea Island Resort

Quissanga! .

( !

Meluco ! .

( !

##

Nairoto

! Vila Ruben .

( !

( !

( !

. Mecufi!

Balama ( ! . ! ( ! ( !

! . Chiure

( !

( !

( !

. Namuno !

( !

( !

( !

0

3

( !

Londo Lodge

##

Niassa ( !

6 km

Londo Fishinglodge

Wimbi - siehe Detailkarte

#

Nampula

#

( !

# #### ## Pemba Bay Resort # Nacole Jardim Bush Camp# Eco-Hotel Murrebue #

Kartengrundlage: DPTUR 2005 Gestaltung: A. Hegge 2006

Maßstab 1 : 2 350 000

0

40

80 km

91


Leifragen für die Befragung der Beherbergungsbetriebe (portugiesisch) Entrevista com empregadores Nr.

Lugar:

Data:

A. Questões gerais 1. nome/ nome do padrão/investidor 2. idade 3. origem, origem do padrão/investidor 4. formação 5. profissão/ trabalho aqui 6. occupação antes deste trabalho 7. motivação para investir/ trabalhar na área de turismo 8. como teve acesso ao terreno/porque aqui B. Sobre o estabelecimento 9. data da fundação 10. quantos camas tem (o número subiu desde a fundação?) 11. tamanho do terreno, quantos metros na praia 12. quais serviços oferece? C. Sobre os turistas 13. de onde vem a maioria dos turistas, nacionalidade (máximo três países com percentagem) 14. caracterização dos turistas (idade, posição social, sexo, homens não acompanhados, casais, famílias) 15. como chegam os turistas (meios de transporte) 16. quais são as actividades ou interesses dos turistas, motivação 17. fazem reservas com antecedência? Quanto tempo 18. quanto tempo ficam os turistas (media duraçao) 19. tem turistas que vem cada ano 20. qual era a ocupação media mensal (em periodos) de Julho 2005 até Junho 2006 21. quantos pessoas vem ao máximo/mínimo em que mes 22. o numero de clientes aumentou/caiu com tempo 23. quais são as queixas de parte dos turistas / que criticam os turistas 24. tem cooperação com outras operadores turísticos (agências, associações...) 25. participe de feiras? 26. que tipo de publicidade practica-se? (internet...) 27. qual é a media tarifa de balcão D. Sobre os empregados 28. quantos empregados tem, caiu ou amentou com o tempo 29. quantos homens, mulhers 30. qual e a origem, quantos Moçambicanos 31. como foram anunciados os postos vacantes 32. tem contracto sazonal ou permanente? 33. existem serviços de segurança? 34. tem formação ou fazem trainamento em serviço? 35. qual e o salário 36. tem problemas?

92


E. Infra-estrutura (estrada, transporte, agua, lixo, telecommunicaçoes, electricidade) 37. quais serviços oferece o estado? 38. quais serviços tem que organizar ele mesmo, 39. ha infra- estrutura ou outros benefícios que o operador ofereçe a populaçao local (escola, estrada)? 40. de onde vem a agua/comida/material para a construção? 41. como e o tratamento e abastecimento dos egostos? 42. Que tipos de tecnologia verda usa-se? F. Efeitos socio-culturais 43. como são os contactos entre os turistas e a população local? 44. observam-se efeitos negativos ou positivos nas communidades, quais? 45. tem problemas/ conflitos entre a população local e os turistas/ empregados/empregadores? G. Efeitos no meio-ambiente 46. Quais ecosistemas o operador conhece ao redor da estancia turística que são usados pelos turistas? 47. observam-se mudanças/problemas no meio-ambiente por causa do turismo?(desaperecer de especies especiais, erosão) H. Perspectiva no futuro 48. como ve o futuro do turismo em Mocambique, esp. no norte de Moçambique, em Pemba e no PNQ? 49. quais são os problemas do desenvolvimento do turismo aqui? 50. que deve ser feito para facilitar o turismo em Cabo Delgado/ Moçambique? 51. estar a planejar de investir mais no turismo?

93


Leifragen f端r die Befragung der Beherbergungsbetriebe (englisch) Employers Survey Nr.

Place:

Date:

A. General Questions 1. name, name of the owner/investor 2. age 3. origin, origin of the owner/investor 4. profession 5. occupation 6. What was your former occupation? 7. What was your motivation to invest/work in the tourism industry? 8. Why did you choose this plot for investing/how did you get this land? B. Hotel 9. What was the opening date? 10. How many beds do you provide? Have you expended? 11. How big is your plot? (Square meters) How long is the beach side? 12. What services are you offering? C. Tourists 13. Where do most of the clients come from (maximum of three countries with percentage)? 14. How would you characterize the average customer? (age, marital status, sex, social status) 15. How do the clients get here? (way of travelling) 16. Why do the tourists come here? What do they want to do here? 17. Do most of them book in advance? 18. For how many nights do the clients stay on the average? 19. Do you have any (annual) return customers? 20. What was the average occupation between July 2005 and June 2006? 21. When is your peak season? How many people come this time? 22. Is the number of tourists increasing or decreasing? 23. What do tourists complain about? 24. Do you work in cooperation with any travel agency or are you into any association? 25. Are you attending fairs/conventions to promote your hotel? 26. What is your marketing strategy, types of publicity (internet, pamphlets..)? 27. How much do you charge for a night on the average? D. Staff 28. How large is your labor force? Is it in/decreasing? 29. How many men, women? 30. Where do they come from? How many Mozambicans? 31. How do you recute your employees? 32. Do they have a permanent or seasonal contract? 33. Do they have any insurance? 34. Are they professionals or learning by doing? 35. What is their monthly income? 36. Do you have any problems with your staff?

94


E. Infrastructure (streets, transportation, water, waste, telecommunications, electricity) 37. What infrastructure did the government provide? 38. What infrastructure did you built? 39. What infrastructure or other benefits do you provide for the local community? 40. Where do you get your water/ food supplies/ construction material? 41. What do you do with your wastewater and litter? 42. Do you use any green technology? F. Socio-cultural influences 43. How is the relation between tourists and the local community? 44. Do you see any effects of your business on the local community? 45. Any conflicts? (between locals, employees, employers, tourists) G. Environmental effects 46. What kind of ecosystems do the tourists look at? 47. Is there any environmental impact due to tourism? H. Future perspectives 48. How do you see the future of tourism in Mozambique, especially in Northern Mozambique, Pemba and QNP 49. What are the main tourism development issues? Do you see any potential? 50. What has to be done to facilitate tourism development? 51. Are you likely to invest more in tourism?

95


Fragebogen für Angestellte der Beherbergungsbetriebe (portugiesisch)

Entrevista com empregados Nr.

Lugar:

Data:

Questões generais 1. sexo: o masculino o feminino 2. nationalidade 3. origem? 4. estado civil 5. Com quantos pessoas vive? Quantos pessoas vivem em sua casa? 6. Tem outros que estão trabalhando também? Voce é o unico que tem trabalho? 7. idade Formação 8. Por quantos anos foi para escola? 9. Tem uma formação? Qual? 10. Tinha terminado algum trainamento turístico ou formação turística? Qual? Onde?Quem pagou? 11. Qual é o seu trabalho aqui? O que está trabalhando aqui?profissão Trabalho 12. Quem é seu patrão? 13. Por quantos anos está trabalhando aqui? 14. Como obteu o trabalho? Como ouviu que tem trabalho aqui? 15. Mudou de casa para obter o trabalho? 16. O que tinha feito antes de obter o trabalho? 17. Está satisfeito com o seu trabalho? Como gosta o seu trabalho? Economía 18. Como mudou a sua situação financeiro deste obter o trabalho? 19. Como mudou a sua qualidade de vida deste obter o trabalho? 20. Posso perguntar quanto dinheiro ganha? Turistas 21. O que pensa, para fazer o que os turistas vem para cá? 22. O que gosta mais dos turistas? 23. O que não gosta dos turistas? Impactos sociais e culturais 24. Pensa que os turistas são interesados na vossa cultura? 25. Fala uma lingua estrangeira? 26. Gosta de conversar com turistas? 27. Já ouviu de turistas e prostitução? Meio-ambiente 28. O que pensa sobre o impacto dos turistas sobre o meio ambiente, por exemplo sobre a polução, a agua ou os recifes dos corais? 29. Já ouviu de turímo ecológico ou turímo sustentável? O que pensa sobre isso? 30. O que pensa sobre turismo no futuro?

96


Fragebogen für Angestellte der Beherbergungsbetriebe (englisch) Employees Survey Nr.

Place:

Date:

Generel Questions 1. sex: o male o female 2. nationality 3. Where are you from?/origen 4. Do you have familiy? maritial status 5. With how many people are you living together? (household size)______________ 6. Are other members of your househould earning money? 7. age:__________ Apprentisship 8. For how many years did you go to school?_________ 9. What is your profession?_________________ 10. Did you pass any touristic trainee or formation? What, where, who paid? 11. What is your occupation? What are you working here? Work 12. Who is your employer? _____________________________ 13. For how long have you been working here?___________________ 14. How did you get the job? How have you heard that there are jobs here?__________________ 15. Did you move to get this job? ___________________________________________ 16. What did you do before getting this job?___________________________________________ 17. Are you happy with your job?______________________________________________________ Economy 18. Has your financial situation improved science you are working here? 19. Did you feel any improvement in you life after getting this job? 20. What is your salary? Tourists 21. For what reason do the tourist come here? 22. What do you like about the tourists? 23. What don’t you like about the tourists? Social and cultural impacts 24. Do you think that the tourists are interested in your culture? 25. Do you speak any foreign language? 26. Do you like having conversion with tourists? 27. Have you ever heard of tourists and prostitution? Environment 28. What do you think about tourist’s influences on environment? For example pollution or coral reefs 29. Have you ever heard about eco-turism or sustainable turism? What do you think about that? 30. What is your prospect about tourism in the future?

97


Fragebogen für Touristen (portugiesisch) Entrevista com turistas No.

lugar:

Data:

Questões gerais 1. sexo: o masculino o feminino 2. nacionalidade_________________ 3. idade ____ 4. formação____________________ 5. profissão____________________ 6. estado civil o solteiro o casado o divorciado o viúvo 7. Com quem está viajando? o sozinho o operador turístico, nome?______________ o amigo(s) quantos?_____ o namorado/a o familia, quantos pessoas?______ o outros______________ 8. O que marcou com antecedência antes da viagem o só o vôo o viagem pacote(allinclusive) ou pacote o só o alojamento individual=vôo e o um tour/safari alojamento o nenhuma reserva prévia 9. Está visitando outros países além de Moçambique nestas férias? o não o sim:______________ 10. Quanto tempo de férias? _____________ semanas Sobre Pemba e Cabo Delgado: 11. Como você ouviu sobre Pemba ou esta região? o guia de viagem, o internet qual:___________ o não sei o amigo(s)/outros o outros:__________ Sobre o seu alojamento: 12. Quantas noites está passando no seu alojamento? __________ 13. Como chama-se o alojamento? _______________________________ 14. Como ouviu sobre o alojamento? o guia de viagem, o internet o não sei qual:____________ o amigo(s), outros o outros:_________ o informação turístico, qual:____ 15. Tinha feito algumas reservas com antecedência antes de viajar? o sim, o não qual___________ 16. Quanto paga por uma noite? €, $, Pound, MT__________ 17. O que poderia ser melhorado no alojamento?_________________________________________ 18. Por favor, avalie o seu alojamento numa escala de +2 a -2 (+2= excelente, -2=muito mau) o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 Sobre a sua viagem: 19. De onde você chegou até o destino?_______________________________________ 20. Como chegou ao destino? De: o avião o carro o autocarro pequeno (chapa) o carro alugado o autocarro próprio o outros:________ 21. Aonde quer ir a seguir?___________________________________________ 22. Como? De: o avião o carro alugado o autocarro pequeno (chapa) o outros:____ o autocarro o carro próprio

98


23. Está planejando passar férias mais uma vez em Pemba/ Moçambique? o sim o não o não sei 24. Quanto dinheiro está gastando por dia em Pemba? €, $, Pound, MT___________ Sobre os suas actividades em Cabo Delgado: 25. Qual é a razão maior de ter vindo?______________________________ 26. O que fez ou quer fazer como Sightseeing? o Ver arquitetura portuguesa o outros:________________ o nenhum interese em _ sightseeing 27. Quais actividades culturais fez ou quer fazer? o não sei o Estudar português ou uma o nenhum interesse em língua africana cultura o ver danças tradicionais/musica e artes, o outros:______________ eventos culturais 28. Quais actividades desportivas (marinhas) fez ou quer fazer? o nadar o mergulhar o peregrinar/caminhar o nadar com tubo respirador o nenhum interesse o alugar um barco a motor o não sei o alugar um dhow o outros:__________ o pescar 29. Quais actividades de lazer e recreio tem feito ou quer fazer em Pemba? o Festar/Party o Safari o sexo o Observação de aves o drogas e alcool o Apreciar a natureza e o outros:____________ paisagem o Relaxar na praia, aproveitar o sol 30. Onde come na maioria das vezes? o No restaurante do o self-service alojamento o Outros:_____________ o outros restaurantes 31. O que quer comprar ou comprou em Pemba? o lembranças o outros:__________ o artes ou artesanatos 32. Quais informações e serviços vai usar ou usou? o informação turística o marcar um tour através de agência de viagens o usar a internet o outros:________ 33. Tem feito ou vai fazer um passeio de um dia? o sim o não o não sei 34. Se SIM: Para onde?____________________ 35. O que mais gosta em Cabo Delgado?________________________ 36. O que não gosta em Cabo Delgado? __________________________ 37. O que está em faltando em Cabo Delgado, que poderia ser melhorado? (ex.: táxi, andar a cavalo etc)_______________ 38. Por favor, avalie a atractividade da cidade de Pemba em uma escala de +2 a -2 (+2=muito atractiva, -2 = não atractiva) o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 39. Quão atractiva você valoriza a paisagem do destino em uma escala de +2 a -2? o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 40. Comparado com outros destinos em Moçambique,quão atractiva é o detino em uma escala de +2 a-2? o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 41. Sente-se seguro? o sim o não o não sei Sobre o Parque Nacional das Quirimbas: 42. Quer visitar ou já tinha visitado o PNQ? o sim o não

99


o

não sei

43. SE SIM: Como chegou ao PNQ? o de avião o de carro o de barco/ dhow o outros:_______________ o de lancha a motor 44. O que já visitou/ quer visitar?____________________________________ 45. O que quis / quer fazer lá?____________________________________________ 46. Quantas noites esteve / irá ficar no PNQ?______________ Se já esteve em Parque Nacional das Quirimbas: 47. O que mais gosta do PNQ?_________________________________ 48. O que não gostou do PNQ?___________________________________ 49. O que falta no PNQ, que deveria ser melhorado?___________________________ 50. Por favor, avalie a atractividade do PNQ em uma escala de +2 à -2 (+2=muito atractivo) o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 51. Gastaria mais dinheiro em serviços ecológicos sustentáveis? o sim o não o não sei Esta entrevista é de caráter anônimo, permita-me perguntar sobre o seu rendimento anual? 52. Qual é sua renda anual ? € / $ / brit. Pond/ MT/ ________________ Muito obrigado pela sua cooperação e boas férias em Moçambique !

100


101


Fragebogen fĂźr Touristen (englisch) Tourist Survey Nr.

Place:

Date:

General questions 1. sex: o male o female 2. nationality_________________ 3. age ____ 4. profession_________________ 5. occupation__________________ 6. marital status o single o married o divorced o widowed 7. With whom are you travelling? o tour operator Which?______________ o friend(s) How many?_____ o partner o family How many px?______ o alone o other______________ 8. What did you book in advance for your holiday? o a package holiday(all-inclusive) or individual holiday =flight and accomodation o only a flight o just accomodation o a tour/safari o no advance booking 9. Are you visiting other countries than Mozambique in this holiday? o no o yes:______________ 10. How long is your entire holiday? _____________ nights About Pemba and Cabo Delgado: 11. How did you hear about Pemba or this region? o guide , o internet o don`t know which:________________ o friends/ others o other:__________ About your accommodation: 12. For how many nights are you staying in your accommodation? __________ 13. What is the name of your accomodation? _______________________________ 14. How did you hear about the accomodation? o internet o guide, what:____________ o don`t know o friends`/others o other:_________ recommendation o tourist information, which, where:____ 15. Did you make any bookings for this accommodation in advance? o yes, what o no type___________ 16. How much money do you spend for a night? â&#x201A;Ź, $, Pf, MT__________ 17. What could be improved at your accommodation?___________________________ 18. Please rate/valuate your accomodation on a scale from 1-5 (+2= excellent, -2=very bad) o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 Travel: 19. From where did you reach your destination?________________________________ 20. How did you reach your destination? o rental car o airplane o hitch-hike o mini bus (chapa) o other:________ o bus o own car 21. Where do you want to go next?___________________________________________

101


22. How? By: o rental car o airplane o hitch-hike o mini bus (chapa) o other:______ o bus o own car 23. Are you planning to make holiday once again in Pemba/ Mozambique? o yes o no o don`t know 24. How much money do you spend a day in Pemba? â&#x201A;Ź, $, Pf, MT___________ About your activities in Cabo Delagdo: 25. What is the main reason for coming?______________________________ 26. What did or do you want to visit for Sightseeing? o See old portuguese o don´t know o other:_________________ architecture _ o not interested in sightseeing 27. Which cultural activities did or do you want to do? o learn about Makonde o learning Portuguese or an culture african language o don`t know o see tradicional o not interested in culture dances/music and art, cultural events o other:________________ 28. What (water-)sport activities did or do you want to do? o swimming o diving o hiking o snorkeling o not interested o hiring a fishing boat/dhow o don`know o fishing o other:__________ o windsurfing/surfing 29. What types of leisure activities did or do you want to do at Pemba? o party o safari o sex o bird watching o drugs and alcohol o enjoy nature and landscape o other:____________ o relaxing on the beach, enjoy the sun 30. Where do you mainly go for food? o hotel restaurant o self-catering o other Restaurant o other:_____________ 31. What do you want to or did you buy in Pemba? o souvenirs o other:__________ o crafts or artwork 32. What types of information and service did or do you want to use? o seek infos at a tourist o book a tour through a travel information agency o use internet facilities o other:__________ 33. Did or do you want to do any day trips? o yes o no o don`t know 34. IF YES: To which destination?____________________ 35. What do you like most about Cabo Delgado?________________________ 36. What don`t you like about Cabo Delgado? __________________________ 37. What do you miss in Cabo Delgado, what could be improved? (e.g. taxi, horse riding etc)_______________ 38. Please rate on a scale from +2 to -2 how attractive is the city of Pemba for you. (+2=very attractive, -2= not attractive) o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 39. How attractive on a scale from +2 to -2 you find the landscape of your destination? o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 40. Compared to other destinations in Mozambique, how attractive is your destination on a scale from +2 to -2? o +2 o +1 o 0 o -1 o -2

102


41. Do you feel safe/secure? o yes o no o don`t know About Qurimbas National Park: 42. Do you want to visit or have you already visited the QNP? o yes o don`t kno o no 43. IF YES: How will you reach QNP? o by flight o by motorboat o by dhow o other:_______________ o de carro 44. What do you want to/did you visit?____________________________________ 45. What do you want to do/did you do there?_____________________________________________ 46. For how many nights will you stay/ did you stay in QNP?______________ If already been to Quirimbas: 47. What do you like most at Quirimbas Archipelago?_________________________________ 48. What didn`t you like at Quirimbas Archipelago?___________________________________ 49. What do you miss at Quirimbas, what could be improved?___________________________ 50. Please rate the attractiveness of Quirimbas on a scale from 1 to 5 (1=very attractive) o +2 o +1 o 0 o -1 o -2 51. Would you spend more money for ecological, sustainable services? o yes o no o don`t no This interview is anonymous; may I ask you about your yearly earnings/ annuity? 52. What is you annual income?__________________â&#x201A;Ź / $ / brit. Pound

Thank you for cooperation and have a nice stay in Mozambique!

103


Fragebogen für Makonde-Künstler, Souvenirverkäufer und andere Verkäufer

Freie Übersetzung:

Questões pessoais - origem, idade, profissão, formação, - outros empregos, trabalhos suplementares - o que fazem os membros da familia, quem ganha o dinheiro - associação ou cooperativa de artesãos ou vendedores - taxas, licenças

Über die Person - Herkunft, Alter, Ausbildung, Arbeit - andere Arbeit, neben- oder hauptberuflich - Wer versorgt Familie, was arbeiten Familienmitglieder - Zusammenschluss oder Kooperation von Künstlern oder Verkäufern - Steuern, Lizenzen

Obras/artesanato/produtos de venda - quem fez a produção própria - de onde vem a matéria prima - onde aprendeu a produção de obras - quanto tempo custa, quando faz este trabalho - o que vende mais, para quem - de que obras ganha mais - que obras fez antiguamente, o que faz hoje

Über die Produkte (Kunstwerke, Souvenirs ) - wer hat das Produkt hergestellt - woher kommt das Primärmaterial - woher Kunst gelernt - wie zeitaufwändig, wann wird hergestellt - was wird am meisten an wen verkauft - womit wird am besten verdient - was haben sie früher hergestellt, was heute

Sobre a venda - porque vende aqui - que produtos vendeu antiguamente, o que vende hoje - mais clientes moçambicanos ou estrangeiros - que línguas fala - tem uma estrategia de venda - quanto ganha por mês, semana ou dia - existe uma época alta - conflitos - concorrência Perspectivas no futuro - tem visões - o que deve ser melhorado - o que vai melhorar a sua vida, tem desejos?

Über den Verkauf - warum verkaufen Sie hier - was habe Sie früher verkauft, was heute - mehr ausländische oder einheimische Kunden - welche Fremdsprachen sprechen Sie - gibt es eine Verkaufsstrategie - Einkommen pro Monat/Woche/Tag - gibt es saisonale Unterschiede - Konflikte - Konkurrenz Zukunftsperspektiven - Zukunftsvisionen - was muss sich ändern, verbessert werden - was könnte Ihre Lebensqualität verbessern, gibt es Träume?

104


Quellenverzeichnis BRANDON, K.: Basic Steps towards Encouraging Local Partizipation. In: Lindberg, K.; Hawkins, D. E (Hrsg.): Ecotourism: A Guide for Planners and Managers. North Bennington 1993. S. 134-151

BÜRGI, A.: Arbeit durch Tourismus. Eine Feldstudie zur Auswirkung des Tourismus auf den Arbeitsmarkt in Entwicklungsländern am Beispiel der Karibik. Basel 1994

DOGGART, N.; BURGESS, N.: Field visit report to Quirimbas National Park, Mozambique 9th – 12th November 2002. ohne Ortsangabe 2002

FISCHER, D.: Qualitativer Fremdenverkehr. Neuorientierung der Tourismuspolitik auf der Grundlage einer Synthese von Tourismus und Landschaftsschutz. In: St. Gallener Beiträge zum Fremdenverkehr und zur Verkehrswirtschaft, Band 17. Bern 1985

FITZPATRICK, M.: Mozambique. Hawthorn (Australien) 2000

FREYER, W.: Tourismus. Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie. 2., verbesserte Auflage. München 1990

GORMSEN, E.: Tourismus in der Dritten Welt. Ein Überblick über drei Jahrzehnte kontroverser Diskussion. In: Meyer, Thimm (Hrsg.):Tourismus in der Dritten Welt, Interdisziplinärer Arbeitskreis Dritte Welt, Band 10. Mainz 1996, S.11-45

GOVERNO DA PROVÍNCIA DE CABO DELGADO (República de Moçambique): Livro Branco dos Recursos Naturais de Cabo Delgado (Moçambique). Paisagem e Recursos Turísticos. Pemba 1995

GOVERNO DA PROVÍNCIA DE CABO DELGADO (República de Moçambique): Plano Estratégico de Desenvolvimento 2001-2005. Pemba 2001

HENRIKSEN, T. H.: Mozambique : A History. London 1978

HENSCHEL, K.: Internationaler Tourismus. München 2002

I


HUPE, I.; VACHAL, M.: Reisen in Mosambik. Ein Wegbegleiter für Natur und Abenteuer. München 2005

INE – Instituto Nacional de Estatística (República de Moçambique): Anuário Estatístico, Província de Cabo Delgado – 2000. Maputo 2001

INE - Instituto Nacional de Estatística (República de Moçambique): Anuário Estatístico, Província de Cabo Delgado – 2001. Maputo 2002

INE - Instituto Nacional de Estatística (República de Moçambique): Anuário Estatístico, Província de Cabo Delgado – 2002. Maputo 2003

IWERSEN-SIOLTSIDIS, S.; IWERSEN, A.: Tourismuslehre. Eine Einführung. Bern/ Stuttgart/ Wien 1997

JOB, H.; WEIZENEGGER, S.: Tourismus in Entwicklungsländern. In: Becker, C.: Hopfinger, H.: Steinecke, A. (Hrsg.): Geographie der Freizeit und des Tourismus. Bilanz und Ausblick. München 2003, S.629-640

KASPAR, C.: Die Fremdenverkehrslehre im Grundriss, Bern/ Stuttgart 1975

KASPAR, C.: Die Tourismuslehre im Grundriss. In: St. Gallener Beiträge zum Tourismus und zur Verkehrswirtschaft, Band 1. Bern/ Stuttgart 1996

KREISEL, W.; REEH, T.: Landschaftsbewertung im Tourismus. In: Trierer Geographische Studien, Heft 27. Trier 2004, S.77-92

MEPPENER TAGESPOST (Hrsg.): Pauschalreise als Auslaufmodell?. Nr. 281 vom 29.11.2006, S.6

MEYER, G.; THIMM, A. (Hrsg.): Tourismus in der Dritten Welt, Interdisziplinärer Arbeitskreis Dritte Welt, Band 10. Mainz 1996

MITUR – Ministério de Turismo (República de Moçambique): Plano de Maneio 2004-2009. Parque Nacional das Quirimbas. Pemba 2004

II


MOWFORTH, M.; MUNT, I.: Tourism and Sustainability. New Tourism in the Third World. London, New York 2001

MÜLLER, B.: Naturschutz durch Tourismus?. Probleme und Perspektiven des Ökotourismus in Entwicklungsländern. In: Meyer; Thimm (Hrsg.): Tourismus in der Dritten Welt, Interdisziplinärer Arbeitskreis Dritte Welt, Band 10. Mainz 1996, S. 47 - 72

MUNDT, J. W.: Einführung in den Tourismus. München 2001

NEWITT, M.: A History of Mozambique. London 1995

OPASCHOWSKI, H. W.: Das gekaufte Paradies. Tourismus im 21. Jahrhundert. Hamburg 2001

OPASCHOWSKI, H. W.: Tourismus. Eine systematische Einführung. Analysen und Prognosen. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Opladen 2002

PALM, P.: Community Based Tourism als eine Form des nachhaltigen Tourismus in kommunalen Gebieten Namibias. Tropenökologisches Begleitprogramm der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH. Eschborn 2000

REUBER, P.; PFAFFENBACH, C.: Methoden der empirischen Humangeographie. Braunschweig 2005

SCHERRER, C.: Tourismus und selbstbestimmte Entwicklung – ein Widerspruch. Das Fallbeispiel Tansania. Berlin 1988

SLE – Seminar für Ländliche Entwicklung (Hrsg.): Gestão de Zonas Costeiras e Turismo. Contribuições para Redução da Pobreza, Transformação de Conflictos e Protecção de Meio Ambiente em Inhambane/ Moçambique. Berlin 2002

STECK, B., STRASDAS, W.; GUSTEDT, E.: Tourismus in der technischen Zusammenarbeit. Ein Leitfaden zur Konzeption, Planung und Durchführung von projektbegleitenden Maßnahmen in der ländlichen Entwicklung und im Naturschutz. Tropenökologisches Begleitprogramm der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH. Eschborn 1999

III


TOURISM INTELLIGENCE INTERNATIONAL (Hrsg.): Tourism – Human Resources Development Plan. Preliminary Report with Survey Results. Ohne Ortsangabe 2005

ULLRICH, V.; BERIÈ, E. (Hrsg.): Die Zeit: Der Fischer Weltalmanach aktuell Afrika. Frankfurt am Main 2006

US AID MOZAMBIQUE (Hrsg.): Trade and Investment Program. Tourism Activity Approval Document. Fiscal Years 2005-2007. ohne Ortsangabe 2005

VORLAUFER, K.: Tourismus in Entwicklungsländern: Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Entwicklung durch Fremdenverkehr. Darmstadt 1996

VORLAUFER, K.: Tourismus in Kenya – Klischees und Realität. In: Meyer; Thimm: Tourismus in der Dritten Welt, Interdisziplinärer Arbeitskreis Dritte Welt, Band 10. Mainz 1996 (b), S. 115-154

WEARING, S.; NEIL, J.: Ecotourism: Impacts, Potentials and Possibilities. Oxford 2000

WWF - World Wildlife Fund (Hrsg.): Mozambique establishes the Quirimbas National Park. In: Gift to the Earth Nr. 78 vom 26 September 2002. ohne Ortsangabe 2002

Internetquellen:

AIM - Agência de Informação de Moçambique (Hrsg.): Funds Available To Start Unity Bridge. No 291. Maputo 2005 http://www.poptel.org.uk/mozambique-news/newsletter/aim291.html#story66 vom 10.10.2006

VORHOLZ, F.: Schröders grüner Modegag. In: Die Zeit. Nr.21. Hamburg 2002 http://zeus.zeit.de/text/archiv/2000/21/200021.nachhaltigkeit_.xml vom 7.12.2006

PORTAL DO GOVERNO DE MOAMBIQUE. Maputo 2006 https://www.portaldogoverno.gov.mz/Informacao/Turism/areasInvest/ vom 3.12.2006

IV


GULUDO Beach Lodge 2006 http://guludo.com/en/1/gullod.html vom 21.11.2006

INE - Instituto Nacional de Estatística. Maputo 2002 www.ine.gov.mz./sectorais_dir/turismo/movimento_dormidas www.ine.gov.mz./sectorais_dir/turismo/movimento_hospede vom 21.10.2006

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN: 1999/35/EG: Entscheidung der Kommission vom 9. Dezember 1998 zur Festlegung von Durchführungsvorschriften zur Umsetzung der Richtlinie 95/57/EG des Rates über die Erhebung statistischer Daten im Bereich des Tourismus (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen K(1998) 3950), aus: Amtsblatt Nr. L 009 vom 15/01/199. Brüssel 1998 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31999D0035:DE:HTML vom 19.10.2006

MEYER, G.: Entwicklungsprobleme des produzierenden Gewerbes in Kairo. Überleben im Zeichen der Strukturanpassungspolitik. In: Geographische Rundschau. Heft 12/1999. Braunschweig 1999 Artikel-Download von http://www.GeographischeRundschau.de vom 20.11.2006

MITUR - Ministério de Turismo. Maputo 2003-2005 www.moztourism.gov.mz/factos.htm www.moztourism.gov.mz/colectivos.htm www.moztourism.gov.mz/mitur_dentro.htm www.moztourism.gov.mz/mitur_dentro.htm#top www.moztourism.gov.mz/projectos.htm vom 21.10.2006

KURLANTZICK, J.: Mozambique: Africa´s Rising Star. In: New York Times Travel Supplement vom 29.05.2005 http://travel2.nytimes.com/2005/05/29/travel/29mozam.html?ex=1165381200&en=830dcc5c0 b67c651&ei=5070 (Passwortgeschützt) vom 20.11.2006

V


VALY, B.: Bridging the Rovuma, Bridging Unity. In: SARDC - Southern African Research and Documentation Centre. Newsfeature No 5. Harare 2005 http://www.sardc.net/editorial/newsfeature/05030105.htm vom 10.10.2006

SRN - Sociedade de Gestão e Desenvolvimento da Reserva de Niassa 2003-2004 http://www.niassa.com http://www.niassa.com/article/articleview/18 http://www.niassa.com/section-tourism http://www.niassa.com/section-background vom 13.10.2006

MAES, N: Chilled-out at thirtysomething degrees: In: The Guardian vom 01.01.2005 http://travel.guardian.co.uk/article/2005/jan/01/mozambique.guardiansaturdaytravelsection vom 7.12.2006

HAMMOND, R.: The Responsible Tourism Award. In: The Times vom 11.11.2006 http://www.timesonline.co.uk/article/0,,71-2445785.html vom 7.12.2006

PLEUMARON, A.: Tourism, Globalisation and Sustainable development. In: The Third World Network 1999 http://www.twnside.org/globalisation%20and%20sustainable.htm vom 29.11.2006

VORLAUFER, K.: Tourismus und informeller Sektor. In: Geographische Rundschau. Heft 12/1999. Braunschweig 1999 Artikel-Download von http.://www.GeographischeRundschau.de vom 20.11.2006

Nicht schriftliche Quellen:

NATUSCH, J.: Mosambik – Aufbruch in Afrika. In: 3sat am 31.11.2006 von 21:00 bis 21:30h

VI


Ehrenwörtliche Erklärung Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten und nicht veröffentlichten Schriften entnommen sind, sind als solche kenntlich gemacht. Die Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegen.

Haselünne, den

---------------------------------------------------------------------Anne Hegge


Internationaler Tourismus in Mosambik. Bachelorarbeit von Anne Hegge