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VOLUME 50 ⁄ SPRING 2019

R U N D S C H AU M E D I E N . C H   —   C H F 10


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PRE erscheint vierteljährlich Publisher FRANCESCO J. CIRINGIONE rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 84 CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80 F +41 (0)61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch rundschaumedien.ch Member of the Board BORIS JAEGGI b.jaeggi@rundschaumedien.ch HASAN DURSUN h.dursun@rundschaumedien.ch Editor-in-Chief MARC. A. HUERLIMANN m.huerlimann@rundschaumedien.ch Deputy Editor-in-Chief NIKE SCHRÖDER n.schroeder@rundschaumedien.ch

Creative Direction CHARLES BLUNIER & CO. AG charlesblunier.com Art Direction & Graphic Design RICARDO FERROL ANNIKA HÄNNI Project Director SIMON TELLENBACH Project Manager NATALIE ZONVI-SIDLER Desktop Publishing ROMAN LIMACHER Marketing ADRIAN BORER a.borer@rundschaumedien.ch Sales SANDRO ZOPPAS s.zoppas@rundschaumedien.ch ALBAN MULAJ a.mulaj@rundschaumedien.ch Editors MARC A. HUERLIMANN WILMA FASOLA GISBERT L. BRUNNER HELENA UGRENOVIC IRIS WIMMER-OLBORT DR. THOMAS HAUER ANNA KAROLINA STOCK ALAIN WAFELMANN NINA MERLI STEFFI HIDBER FRED HUBER THOMAS BOROWSKI JÜRG ZBINDEN BEATRICE SCHÖNHAUS INA RESIAK SNESHA BLOOM Corrector ANDREAS PROBST Head of Production SANDRA RIZZI s.rizzi@rundschaumedien.ch Product Public Relation SWENJA WILLMS s.willms@rundschaumedien.ch

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Cover «Off-white» shot by STUDIO JOHANNES BAUER studiojohannesbauer.com Contributors STUDIO JOHANNES BAUER IGNASI MONREAL ERIC GUILLEMAIN ALEX PREOBRAJENSKI SUZY HOLTGRAVE PASCAL LE SEGRETAIN MARTIN SWEERS FLORIAN SOMMET SVEN GERMANN Admin, Coordination & Subscriptions SERPIL DURSUN s.dursun@rundschaumedien.ch Price  Issue CHF 10.–/€ 9.50 Year ­CHF 39.–/€ 35.– IT Support DEJAN DJOKIC deki@rundschaumedien.ch Web Services WEBSITERIA GMBH info@websiteria.ch is a registered trademark. (IGE 596.147)


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EDITORIAL

LIEBE LIFESTYLEFREUNDE

EDI TO RIAL

THE TIME IS NOW! Es freut mich sehr, Ihnen unsere 1. PRE-Ausgabe von diesem Jahr zu präsentieren. Sie als geschätzter und treuer Leser haben sicherlich schon auf den ersten Seiten bemerkt, dass das PRESTIGE nicht nur in einem neuen Look und Style daherkommt, sondern auch mit PRE einen neuen Namen erhalten hat. Die Zeit war reif, dass wir mit dem Magazin neue Wege gehen und auch ab diesem Jahr 4-mal eine internationale Ausgabe in Englisch publizieren. Das Thema Zeit spielt in der ersten PRE-Ausgabe eine zentrale Rolle. Sei dies mit den diversen Uhren-Neuheiten, wie immer fachmännisch interpretiert von unserem «Watch­io­nista» Gisbert Brunner, oder mit den schönen Porträts der tollen Uhrenmarken Panerai und Breitling. Ebenfalls widmen wir uns dem Tod von Karl Lagerfeld, DEM grössten Fashion Designer der letzten 40 Jahre, der die Modewelt wie kein anderer geprägt und revolutioniert hat. Dann widmen wir uns dem Mythos Harley-Davidson und nehmen Sie auf eine Zeitreise dieser unglaublichen KultMarke mit. Ebenfalls berichten wir über die zeitlose Eleganz von Marken wie Dom Pérignon, die ultra-hippe Entwicklung von Off-White oder auch über den grössten Yacht-Broker in Europa, Ocean Independence. Dabei dürfen auch die diversen Kunst-Stories nicht fehlen, wo wir über die faszinierende Blaue Periode in der Picasso-Ausstellung der Fondation Beyeler schreiben, mit dem «Vintage»-Uhrenkönig Aurel Bacs sprechen oder über den zunehmenden Einfluss der Frauen in der Kunstwelt berichten. Abgerundet wird diese PRE-Ausgabe mit den neusten Trends aus Beauty, Design, Fashion und Lifestyle. Ich denke, es wird für jeden Geschmack etwas dabei sein. Apropos Geschmack: liebes Charles Blunier Team, ­danke für das neue Kleid, welches Ihr für das PRE-Magazin mit dem neuen Layout und Design entworfen habt – ich finde, es sitzt perfekt! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude, Spass und Unterhaltung mit der «Premiere» des PRE-Magazins! Marc A. Huerlimann Editor in Chief 

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Francesco J. Ciringione Publisher


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ART & CULTURE

DER JUNGE PICASSO —  EINE KUNSTAUSSTELLUNG DER SUPERLATIVE Die Fondation Beyeler in Riehen stellt in zwei Ausstellungen das ganze Museum komplett auf Picasso um. Im Fokus: die Blaue und Rosa Periode — die ­frühen Schaffensjahre des Künstlers, bevor dieser als einer der Begründer des Kubismus Weltruhm erlangte. Text: NINA MERLI Porträt: MAN RAY (1932)

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ART & CULTURE

«Der junge PICASSO —  Blaue und Rosa Periode» Fondation Beyeler, bis 26.5.2019 Infos und Tickets: fondationbeyeler.com

Die hochkarätige Picasso-Schau der Fondation Beyeler ist mit Sicherheit das Highlight im Kunstjahr 2019 und ist noch bis Ende Mai zu sehen. Noch nie wurden in Europa so viele Werke des frühen Picasso – aus der sogenannten Blauen und Rosa Periode von 1901–1906 – gemeinsam präsentiert, und laut Beyeler werden die Skulpturen und Bilder in dieser Fülle auch nicht mehr zu sehen sein. Rund vier Jahre dauerten die Vorbereitungen zu dieser Ausstellung, die Werke vereint, die nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen sind. Wie etwa das Meisterwerk «La Vie», das in der Schweiz zuletzt vor rund 35 Jahren ausgestellt wurde. Das Bild «beschäftigt sich mit den beeindruckenden Themen der menschlichen Existenz und ist ein unglaublich bewegendes Gemälde», sagt die Kunsthistorikerin Isabella Lauder-Frost, die bei «Murphy & Partners» als Kunstberaterin tätig ist. Laut der Picasso-Expertin ist es für den Besucher dieser Ausstellung «unerlässlich, sich daran zu erinnern, dass hier ein Künstler am Werk ist, der knapp 20 Jahre alt ist und nach seiner künstlerischen Identität sucht».

kennenlernt, werden seine Werke wieder optimistischer. Dennoch: «Man sollte die beiden Perioden nicht als separate Œuvres sehen», sagt Isabella Lauder-Frost, «denn sie fliessen ineinander, sanfte Rosaschattierungen treten an Stelle der Blautöne, und der Fokus wechselt zu einer Fülle von Zirkusfiguren, die freudig und hoffnungsvoll sind».

Vier Jahre Vorbereitung und vier Milliarden Versicherungswert Die Werke dieser frühen Schaffensperiode sind von 41 Leihgebern, darunter 28 Museen aus Europa und Übersee, zur Verfügung gestellt worden und haben einen Versicherungswert von vier Milliarden Franken. Es ist das bisher aufwendigste und teuerste Projekt in der Geschichte der Fondation Beyeler. Besonderes Augenmerk gilt sicherlich den Bildern aus Privatsammlungen, da sie nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen sind. «Etwa das monumentale ‹Fillette à la corbeille fleurie›, ein Bild mit immenser visueller Kraft», so Lauder-Frost. Und einer ebenso spannenden Geschichte: 1905 kaufen Gertrude und Leo Stein das Ölbild des jungen, nackten Mädchens – obwohl das Bild Gertrude zuerst ganz und gar nicht gefällt, da sie die Füsse des Aktmodells abscheulich findet. Nach Gertrudes Tod wechselt das Bild in den Besitz von Peggy und David Rockefeller, wo es jahrelang in deren Wohnzimmern hängt. Nach David Rockefellers Tod wird seine Kunstsammlung bei Christie’s versteigert. Unter den Bietern: Kunstsammler David Nahmad, der das Bild für 115 Millionen Dollar kauft und, als guter Freund von Beyeler-Direktor Sam Keller, das Bild nun dem Museum in Riehen ausgeliehen hat.

Melancholie, Hoffnung und Sehnsüchte Eine Suche, die 1900 beginnt, als Pablo Picasso, knapp 19 Jahre alt, gemeinsam mit seinem Künstlerfreund Carlos Casagemas zum ersten Mal Paris besucht. Wenige Monate später, Picasso war inzwischen wieder nach Spanien zurückgekehrt, nimmt sich Casagemas das Leben. Picasso verarbeitet den Tod des geliebten Freundes im Bild «Evokation – Das Begräbnis Casagemas». Das einschneidende Erlebnis gilt als Auslöser für Picassos Blaue Periode, die geprägt ist von Trauer, Schmerz und dem Blick auf die menschlichen Abgründe. Sein damaliges künstlerisches Interesse gilt den Randständigen, Betrunkenen und Bedürftigen, die er in kühlen Blautönen porträtiert. Erst als der Künstler 1904 Fer­ nande Olivier, seine neue Liebe und erste Lebensgefährtin,

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ART & CULTURE

THE SHINING ART OF L. GRAFF Text: MARC A. HUERLIMANN Bild: GRAFF

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Laurence Graffs Leben ist von der Leidenschaft für Diamanten geprägt. Diese Hingabe treibt ihn seit mehr als 60 Jahren an und nahm in der Schmuckwerkstatt Schindler in Londons Schmuckviertel Hatton Garden ihren Anfang. «Ich begann mit 15 Jahren als Lehrling und lernte das, was ich wissen wollte, in Tageskursen an der Central School of Arts and Crafts», erinnert er sich. 30


ART & CULTURE

Laurence Graff hat nicht nur eine Leidenschaft für Edelsteine, sondern auch für die Kunst. Sie begann in den 1970er Jahren mit dem Impressionismus. Sein erster Kauf war ein winziges Werk von Auguste Renoir. Heute ist Laurence Graff einer der wichtigsten Sammler der Welt und für seine Expertise in moderner Kunst berühmt. Seine Leidenschaft gilt vor allem den Künstlern, die die Kunstszene des 20. Jahrhunderts revolutioniert haben. Seine herausragende Sammlung umfasst moderne und zeitgenössische Meisterwerke von Warhol, Haring und Basquiat. Seine Liebe zu diesem Genre hat die poetische neue Kollektion «Inspired by Twombly» stark beeinflusst. Die kalligrafischen Kunstwerke des verstorbenen amerikanischen Künstlers Cy Twombly bildeten den kreativen Ausgangspunkt für die Graff-Designer. Die Idee einer zeitgenössischen Meisterwerk-Sammlung, welche von einer spontanen und improvisierten Linie von funkelnden Edelsteinen vollendet wird, war geboren. Die neuesten – von Twombly inspirierten – Kreationen spielen mit den Proportionen der Loops und verleihen der neuen Kollektion eine einzigartige, weibliche Ästhetik. Natürlicher wirken die flüssigen Schleifen mit runden und unsichtbar gesetzten Diamanten im Smaragdschliff. Graffs klassische und dennoch einfallsreiche Design-Ästhetik wird mit viel Liebe zum Detail gefertigt. Diese überaus kostbaren Twombly-inspirierten Kritzeleien sollen, wie die zeitgenössische Kunst, zum Nachdenken anregen.

Das Gefühl der ungezügelten Freiheit, die man spürt, wenn man Twomblys grossformatige Kunstwerke bewundert, wird auch in einem Paar dramatischer Ohrringe aus Rubin und Diamant eingefangen. Die Schmuckstücke wurden extra nach unten gewunden und in einem strahlenden birnenförmigen Rubin einzigartig zusammengetragen. Seit über einem halben Jahrhundert ist Graff auf dem Höhepunkt der Hochschmuckindustrie tätig und hat Diamanten von Brillanz und Seltenheit entdeckt und gefertigt. Das Unternehmen Graff wurde 1960 von Laurence Graff OBE gegründet und ist nach wie vor ein Familienunternehmen mit Francois Graff, Sohn von Laurence, welcher als CEO amtet. Zwei weitere Familienmitglieder sind ebenfalls in der Firma tätig und leiten die Abteilungen Design, Merchandising und die Produktion. Im Laufe seiner reichen Geschichte hat sich Graff zum weltweit führenden Unternehmen für Diamanten mit Seltenheit, Grösse und Auszeichnung entwickelt. Vor allem hat das Unternehmen die grösste und exklusivste Historie von wichtigen Rohdiamanten, welche in diesem Jahrhundert entdeckt wurden. Graffs Schmuckkollektionen und Unique High Jewels werden im Londoner Atelier entworfen und hergestellt. Die Graff-Handwerker setzen vor allem die exklusive Steindesign-Technik ein, um die Schönheit jedes einzelnen Diamanten hervorzuheben.

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FÜNF KÜNSTLERINNEN IM FOKUS Was lange Zeit als absolute Männerdomäne galt, wird je länger, je mehr von Frauen besetzt: Ob als Künstlerinnen, Kuratorinnen oder Kunstsammlerinnen — Frauen geben in der Kunstwelt vermehrt den Ton an.

Text: NINA MERLI

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ART & CULTURE

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LOIE HOLLOWELL Das «Bloomberg Magazin» riet 2017, die Künstlerin mit Sitz in New York im Auge zu behalten. Ihre ausdrucksstarken Bilder beschäftigen sich mit Themen der Sexualität, sie abstrahiert Penisse, Brüste und Vaginen und benutzt dazu kräftige Farben und klare Formen.


ART & CULTURE

PAMELA ROSENKRANZ Die gebürtige Urner Künstlerin hat eine rasante Karriere hingelegt: 2004 schloss sie die Hochschule der Künste in Bern ab, elf Jahre später, 2015, war sie für den Schweizer Pavillon an der Biennale in Venedig verantwortlich. Bis am 20.3. taucht die Installationskünstlerin den Zürcher FraumünsterKreuzgang in überirdisches Blau.


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ART & CULTURE

CLAUDIA COMTE Berühmt wurde die schweizer Bildhauerin mit Kaktusskulpturen, die sie mit einer Kettensäge aus Baumstämmen fräste. Nach einer Ausstellung in der New Yorker Galerie Barbara Gladstone gelang ihr 2014 der internationale Durchbruch. Zu ihren Sammlern gehören verschiedene Museen sowie Stars wie Leonardo DiCaprio.


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ART & CULTURE

ANICKA YI Die Konzeptkünstlerin aus Südkorea ist berühmt für ihre Installationen, die verschiedene Sinne ansprechen. Düfte spielen in ihren Werken eine grosse Rolle. Sie ist bekannt dafür, lebende und auch verderbliche Materialien für ihre Kunst zu verwenden: gebratene Tempura-Blumen, Leinwände aus Seife, Fischöl-Pillen und Bakterien. 2017 hatte Yi eine Einzelausstellung im Guggenheim Museum in New York.


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ANNE IMHOF Die deutsche Performance-Künstlerin erhielt 2017 für die Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen. Diesen Monat ehrt die Tate Modern in London die Senkrechtstarterin mit der ersten Einzelposition des jährlichen Performancefestivals «BMW Tate Live».


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PLATS

BRUTS Spigola alla griglia (2018)


ART & CULTURE

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ART & CULTURE

IGNASI

MONREAL Pa amb tomàquet (2018)

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«Mein Leben in Rom hat das Essen zum Herzstück meines gesellschaftlichen Daseins gemacht. Durch die vielen Köstlichkeiten hat sich eine Reihe an Erinnerungen bei mir gesammelt, die eng mit den Sinnen verbunden sind. Diese Ausstellung zeigt für die Nachwelt eine implizite Aufzeichnung von geselligen Gesprächsrunden am Tisch, Mahlzeiten und neuen Freundschaften auf», so Ignasi Monreal (Barcelona, 1990) über «Plats Bruts», seine erste Ausstellung in der Fresh Gallery.

Der katalanische Künstler, der Werbekampagnen mit einem iPad als ­e inziges Werkzeug illustriert hat, geht nun den umgekehrten Weg: vom ­D igitalen zum Greifbaren, vom Touchscreen zur Leinwand und zu Ölfarben. Aktuelle Ausstellung von Ignasi Monreal in der FRESH Gallery. Calle Conda de Aranda 5, Madrid vom 28. Februar 2019.

Chocolate (2019)

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ART & CULTURE

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V. Dubossarsky & A. Vinogradov, Cosmonaut No. 1, 2006, Š Vladimir Dubossarsky und Erben Alexander Vinogradov; Lewis Morris Rutherfurd, Direkte Fotografie des Mondes am 10. Tag der Mondumlaufzeit


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G I N A B E AV E R S « S M O K E Y E Y E T U T O R I A L » , 31 . 0 3 – 0 2 . 0 9 . 2 019 , M O M A . O R G

TONY OURSLER

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TRA VEL

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Amerika war schon immer ein Sehnsuchtsort. In seinen unendlichen Weiten verloren sich Siedler, Goldgräber, Missionare und Abenteurer. Und selbst heute findet man noch Gegenden, die diese besondere Magie ausstrahlen — zum Beispiel dort, wo der Wilde Westen eine grosse Schleife schlägt.

IM GROSSEN BOGEN DURCH WEST-TEXAS 52


TRAVEL

FOTOS: TEXAS TOURISM, ANNA KAROLINA STOCK

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Es gibt bestimmte Orte, die selbst bei Reise-

WÜSTENLANDSCHAFT MIT VIELFÄLTIGER

werdenden Hänge. Mit jedem Höhenmeter

muffeln so etwas wie Fernweh und Abenteuer-

FLORA UND FAUNA

verändert sich die Vegetation: von Kakteen,

lust aufkommen lassen. Bei den Flüssen sind

Obwohl der Park mit seinen 3242 Quadrat-

niedrigen Pinien über Wacholderbüsche bis

es lange Ströme wie der Amazonas und der Rio

kilometern zu den grössten der USA zählt,

hin zu dicht gewachsenen Eichen und Kiefern.

Grande, die Reisefieber auslösen. Kaum einen

kommen mit rund 440’000 Besuchern jähr-

«Wer sich eine Landschaft wie in der Sahara

anderen Fluss verbindet man so sehr mit dem

lich nicht allzu viele Touristen in diese Ecke

vorstellt, wird von der Vielfalt der angesiedel-

Wilden Westen wie den letzteren. Rund zwei

des Landes. Dabei beherbergt das UNESCO-Bi-

ten Flora überrascht sein», berichtet Robert

Drittel der insgesamt über 3000 Kilometer

osphärenreservat nicht nur weite Teile der

Alvarez, Repräsentant des Brewster County

schlängeln sich durch den US-Bundesstaat

Chihuahua-Wüste, einer Regenschattenwüs-

Tourism Council. Nach einem ausgedehnten

Texas und bilden eine natürliche Grenze zwi-

te, welche mit einer Fläche von rund 453’000

Frühjahrsregen blühen sogar ganze Teppiche

schen den Vereinigten Staaten und Mexiko.

Quadratkilometern sogar als grösste aller

von Wildblumen. Und mittendrin schlängelt

Ein Grossteil des Stroms befindet sich im Big

nordamerikanischen Wüsten gilt, sondern

sich ein 250 Kilometer langes Netz aus Wan-

Bend Nationalpark und kann per Boot oder

auch das Zentralmassiv der Chisos Mountains

derwegen.

Pferd erkundet werden.

und ihre mit steigender Höhe immer grüner

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TRAVEL

NACHTHIMMEL ÜBER DEM LONE STAR STATE

16. Jahrhundert nach Bodenschätzen ab-

Passend zu seinem Beinamen «Staat des einsa-

suchten, gaben bald auf und tauften sie «El

men Sterns» ist Texas und ganz besonders der

Despoblado», das unbewohnte Land. Ganz

Big Bend Nationalpark ein einzigartiger Ort,

dem Klischee eines typischen Westernfilms

um in die Sterne zu blicken. Wer nach einer

entsprechend rollt ab und zu ein «Tumble-

langen Tour durch die Chihuahua-Wüste im

weed» aus vertrockneten Pf lanzen über die

Zelt übernachtet und nachts in den Himmel

weite Steppe.

schaut, der weiss, wieso der Nationalpark 2012 zum «Dark Sky Park» (dt. Lichtschutzgebiet)

GEISTERSTADT MIT WELTRUHM

ernannt wurde. Weit und breit ein funkelndes

Ähnlich ruhig und gelassen geht es auch in

Himmelszelt, von Lichtverschmutzung keine

Terlingua etwas ausserhalb des National-

Spur. «Das liegt daran, dass nur wenige Men-

parks zu. In den 1920ern lieferte das blü-

schen den Weg in diese verlassene Gegend

hende Bergbaustädtchen noch 40 Prozent

einschlagen», erklärt Alvarez. Unabsichtlich

der nationalen Quecksilbererträge, doch

lande hier niemand. Die nächste Grossstadt

nachdem die Minen geschlossen wurden,

ist Dallas und fast acht Autostunden entfernt.

wurde Terlingua zur Geisterstadt. Erst in den Sechzigern besiedelten Hippies, Künstler

MIT DEM RUDERBOOT NACH MEXIKO

und abenteuerlustige Aussteiger die Gegend

Gerade wegen seiner Abgeschiedenheit ist

und hauchten ihr neues Leben ein. Am Abend

der Big-Bend-Nationalpark ein ganz besonderer Schauplatz. Zudem beheimatet er den wohl ungewöhnlichsten Grenzübergang der USA: Nur fünf Ruderzüge über den Rio Grande entfernt liegt Mexiko. Der Grenzf luss ist hier so schmal und f lach, dass man ihn durchwaten könnte. Einen Zaun, Patrouillen der US Homeland Security oder lange Warteschlangen bei der Passkontrolle gibt es nicht. Stattdessen werfen zwei nette Park Ranger einen kurzen Blick in die Papiere, bevor sie die Weiterreise mit dem Ruderboot – scherzhaft «International Ferry Service» genannt – gewähren. Am mexikanischen Ufer angekommen, kassiert der Bootsführer Juan Pérez fünf Dollar und händigt im Gegenzug ein winziges Ticket für die Rückfahrt aus. Von dort ist das nächstgelegene Dorf Boquillas del Carmen nur noch einen zehnminütigen Eselritt entfernt. An ärmliche Lehmhäuser reihen sich eine kleine Medizinstation, eine Schule, eine einzige Telefonzentrale und zwei Restaurants. Strom haben die Dorfbewohner seit 2015, berichtet Bootsführer Pérez stolz, während eine mexikanische Grenzbeamtin gleichzeitig Einund Ausreise abstempelt: «damit Sie nicht noch mal vorbeikommen müssen.»

Nirgendwo sonst ist der Grenz­

übertritt zwischen den USA und Mexiko so unkompliziert wie im Big-Bend-Nationalpark. Wer will, gelangt hier mühelos über die Grenze. Von illegaler Einwanderung, Drogen- und Waffenschmuggel ist dennoch keine Spur. «Es gibt schlichtweg keine Infrastruktur, keine Strassen oder Umschlagplätze, die man für illegale Geschäfte im grossen Stil benötigen würde», erklärt Pérez. Der nächste Ort ist mehr als 150 Kilometer entfernt und zu Fuss kaum erreichbar. Schon spanische Entdecker, welche die Region im

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trifft man sich im urigen Starlight Theatre, einem ehemaligen Kino, in dem sich heute ein Saloon befindet. Von der Decke hängen in die Jahre gekommene Ventilatoren, an den Wänden Rinderschädel. Der abgeplatzte Putz verbreitet den «Old Texan»-Charme aus Quecksilberzeiten.

So einsam es in der Geisterstadt

auch sein kann, einmal im Jahr wird Terlingua zum internationalen Treffpunkt: Jedes Jahr im November pilgern über 10ʼ000 Besucher in die Big Bend Region, um beim «International Chili Cook-off» dabei zu sein. Was 1967 als Duell zwischen zwei Köchen begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem feurigen Kochduell mit Weltruhm gemausert. Nach Lust und Laune wird Chili con Carne um die Wette gekocht und allen voran das Leben zelebriert. KUNST UND KULTUR IM NIRGENDWO Ähnlich wie Geisterstädte sind auch Künstlerdörfer regelrechte Touristenmagnete, je nachdem, wie malerisch gelegen sie sind oder wer dort lebt und arbeitet. Das Wüstenstädtchen Marfa ist ein solcher Künstler-Hotspot und zeigt den Lone Star State von seiner kulturell modernsten Seite. Den Grundstein dafür legte der New Yorker Minimalist Donald Judd (Bildhauer, Maler und Architekt), als er das verschlafene Marfa zu seinem persönlichen Rückzugsort machte und die abstrakte Kunst aus dem fortschrittlichen New York in die texanische Pampa brachte. Heutzutage befindet sich auf dem ehemaligen Militärgelände, das Judd Anfang der Siebziger kaufte, die «Chinati Foundation». Neben seinen eigenen Werken sind dort auch Lichtinstallationen des Minimalisten Dan Flavin und zwei überdimensionale Kupferzirkel der Künstlerin Roni Horn zu sehen.

«Um wirklich alle Kunstwerke in und

um Marfa zu besichtigen, sollte man sich einen Tag Zeit nehmen, besser zwei», empfiehlt Alvarez. Und man brauche ein Auto. Denn auf dem US-Highway 90 bei Valentine befindet sich das wohl meistfotografierte Kunstobjekt der Region: «Prada Marfa», eine Installation des dänisch-norwegischen Künstlerduos Elmgreen & Dragset, welche ein Prada-Schaufenster darstellt, in dem die Schuh-Herbstkollektion aus dem Jahr 2005 zu sehen ist. Dass mitten im Nirgendwo Schuhe im Wert von Tausenden von Dollar ausgestellt sind, soll nicht nur Konsumkritik, sondern auch die Absurdität der überspitzten Marken-Kultur vermitteln. Skurriler als ein Prada-Store in der Wüste geht es wohl kaum. Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde unterstützt von Travel Texas.

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ALPIN, ASIATISCH, AUTHENTISCH Umgeben von der natürlichen Schönheit der Schweizer Alpen, vereint das The Chedi Andermatt lokale Traditionen der Gastlichkeit mit asiatischer Anmut und Eleganz und setzt neue Massstäbe in der internationalen Luxushotellerie. Auf 1’447 Meter über Meer verzaubert das 5-Sterne-Deluxe-Hotel seine Gäste mit 123 eleganten Zimmern und Suiten, mit Meetingräumen auf modernstem technischem Stand, mit ausgezeichneten Restaurants und Bars, einem modernen Health Club sowie einem Wellnessbereich, der in der Schweiz wohl einzigartig ist: einer Oase der Ruhe und Entspannung. Für weitere Informationen und Reservationen kontaktieren Sie bitte +41 41 888 74 88 oder info@chediandermatt.com


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TRAVEL

Während Inf luencer aus der ganzen Welt im Infinity Pool des Bürgenstock-Hotels für Fotos posieren, lässt es sich knappe 300 Meter nebenan im modernen Waldhotel in aller Ruhe ausspannen — und auf Wunsch auch noch Weltklasse-Beauty-Treatments geniessen.

Text: NINA MERLI Bild: STEFFI HIDBER

AUSZEIT 61


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TRAVEL

Information Waldhotel Bürgenstock Resort 6363 Obbürgen buergenstock.ch Wir empfehlen die Anreise mit dem hoteleigenen Shuttle-Schiff ab Luzern: Schon die Fahrt mit der legendären Bürgenstock-Bahn direkt ins Resort lohnt sich.

«Healthy by Nature» heisst das Konzept,

Für uns steht beim zweitägigen Kurzaufenthalt

welches im lichtdurchf luteten Waldhotel in

im Waldhotel jedoch Beauty an erster Stelle, denn

Obbürgen gelebt wird. Ganzheitliches Wohl-

das Waldhotel-Spa verfügt nicht nur über eine

befinden ist zwar kein neues Konzept, doch

eigene Klinik für Dermatologie, sondern führt

der Fokus des Hotels mit eigener Klinik liegt

gleich eine ganze Reihe von High-Tech-Behand-

darin, möglichst nach einem natürlichen

lungsmethoden. Der Haupt-Anziehungspunkt

Kreislauf von Tag und Nacht, Wachsein und

für uns? Die schweizweit erste Boutique der

Ruhen und Aktivieren und Entspannen zu

Hautpflegemarke Skinceuticals, die 2018 eröff-

leben. Gerade im Zusammenhang mit den

net wurde.

Check-up-Programmen und Heal­t hy-Aging-

Aufenthalten ein echter Luxus, sowohl für

Dermatologen entwickelten Produkte gehören

Körper wie auch Seele.

zur besten – und potentesten – Dermakosme-

Genauso grün wie die spektakuläre

tik auf dem Markt. Genau aus diesem Grund

Aussicht von den insgesamt 138 Zimmern und

kann man Skinceuticals nur bei ausgewählten

Suiten (alle mit Bergsicht und eigenem Son-

Dermatologen kaufen sowie hier im hellen, gut

nenbalkon) sind auch die eigentlichen Stars

sortierten Waldboutique Shop. Geheimtipp:

des Waldhotels: Pflanzen spielen im Waldho-

Das «C E Ferulic Serum» als Souvenir mitneh-

tel eine entscheidende Rolle. Ob als zentrales

men; es wird nicht umsonst in Skincare-Foren

Element von Spa- und Wellnessbehandlungen,

als Anti-Aging-Wunder gehypt!

als Tee – idealerweise in der stimmigen Bi-

bliothek genossen – oder auch in Form der

lassen sich natürlich auch vor Ort genies­

vielen Aquarelle und Illustrationen, die das

sen: Unter den begabten Händen der Skin-

Waldhotel verzieren. Diese stammen übrigens

ceuticals-Expertin des Waldhotels durften

aus der Feder des italienischen Stararchitek-

wir nach einer gründlichen Hautanalyse mit

ten Matteo Thun, der auch die einzigartige

Schwarzlicht-Kamera ein entspannendes «De-

Fassade des Waldhotels gestaltet hat: Der höl-

luxe Antioxidant Revitalizing Treatment» (60

zerne Gabionenbau, der übrigens weltweit der

min, CHF 207.–) geniessen – und treten dann,

grösste seiner Art ist, zieht sowohl von aussen

nach einem leichten Lunch im hoteleigenen

wie auch von innen, in einer der Pergolen, alle

Verbena Restaurant, die pittoreske Heimfahrt

Blicke auf sich und strahlt eine umwerfende

via Bürgenstock-Bahn und Hotelschiff mit

Modernität aus, die gleichzeitig unglaublich

wunderschönem Glow an.

natürlich und warm ist.

Die von einem US-amerikanischen

Die einzigartigen Pflegeprodukte

Das Bürgenstock Resort mit seinen

insgesamt vier Hotels ist in den knapp zwei ZWISCHEN RUHE UND HIGH TECH: DER

Jahren seit dem Gesamtumbau zu Recht zu

WALDHOTEL-SPA

einer der Top-Destinationen für Wellness und

Der stimmige Waldhotel-Spa ist zwar kei-

Genuss geworden. Wer denkt, dass das Waldho-

nesfalls klein, aber deutlich intimer als sein

tel – eingenistet hinter der dramatischen Fels-

angesagter «grosser Bruder», der 10ʼ000

wand über dem Vierwaldstättersee – bloss «die

Quadratmeter grosse Alpine Spa des Bür-

gesunde Zweigstelle» des Bürgenstock-Hotels

genstock-Hotels nebenan. Der Waldhotel-Spa

ist, verpasst eine absolute Perle der Erholung

bietet einen Innen- und Aussenpool mit er-

und Ruhe, die höchstens durch das Glocken-

holsamem Blick auf die Alpen sowie Salt

gebimmel der Kühe auf den nahegelegenen

Grotto, Kneippbecken und diverse Saunen

Wiesen gestört wird.

und Hamams. Die Benutzung der perfekt ausgestatteten Wellnesslandschaft ist für Gäste des Waldhotels kostenlos; gegen einen kleinen Aufpreis kann auch der «grosse» Alpine benützt werden. Doch warum in die (gefühlte) Ferne schweifen, wenn man hier im Waldhotel schon alles hat, und das bei herrlicher Ruhe?

Zu den Signature Treatments des

Waldhotel-Spas gehören diverse Body Treatments – von anregenden Detox-Massagen, die einen Schwitz-Aufenthalt in der «Vital Dome-Liege» beinhalten, bis hin zur erfrischenden und erdenden «Body & Face Rejuvenation»-Behandlung mit den 100% natürlichen Produkten von Susanne Kaufmann.

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Become a Residence Owner at The Chedi Andermatt The 5-star Deluxe Hotel The Chedi Andermatt, perfectly combining authentic Alpine chic with Asian style elements, is one of the best hotels in Europe. The long list of awards, including “Best Holiday Hotel Switzerland”, “Best Mountain Resort Worldwide”, “Most Indulgent Spa”, “Best Hospitality Design Hotel” or “Best Winelist of Switzerland” confirms its unique quality. Join the success story by becoming a Residence Owner: The stylishly furnished Residences are perfectly designed by award-winning architect Jean-Michel Gathy, They offer 95 m² to 240 m² living space including luxurious finishes and full equipment at purchase prices starting from CHF 15’500 per m².

Penthouses with 189 m² to 616 m² living space come unfurnished allowing buyers to create the interior design individually. Benefits such as membership in the private spa, underground parking with valet service, concierge or ski-butler are included. Owners have the option to participate in the hotel rental program. No restrictions apply to foreigners to buy property freehold or to use the Residence as a second home.

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welcome@thechedi-residences.ch

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LOUISVUITTON.COM

TRA VEL

PR ADA.COM

VA L E N T I N O . C O M

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WAT CHES & JEWEL LERY 71


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UhrenFrühling 2019: tickende Neuheiten von A. Lange & Söhne bis Zenith Text: GISBERT L. BRUNNER

Vacheron-Constantin: Traditionnelle TwinBeat 3200T

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WATCHES & JEWELLERY

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Die gute alte UhrMechanik lebt. Und sie entwickelt sich immer weiter. Das zeigen neue Werke und innovative Werkstoffe zum Messen der kostbaren Zeit.

MB & F: HM6 Final Edition

250 UHREN ZUM 25. JUBILÄUM 25 Jahre wird sie 2019 alt, die ikonographische «Lange 1» von A. Lange & Söhne. Gründe für den anhaltenden Erfolg sind nicht zuletzt im asymmetrisch gestalteten Zifferblatt und dem markanten Grossdatum zu sehen. Mehr als 20 Jahre lang liess das Handaufzugskaliber L.901 mit zwei Federhäusern, drei Tagen Gangautonomie und handgraviertem Unruhkloben die Herzen anspruchsvoller Uhrenliebhaber höherschlagen. 2015 brachte das neu entwickelte Manufakturkaliber L121.1. An den prinzipiellen Fakten inklusive der charakteristischen Optik änderte sich damit nichts. Allerdings springt das Grossdatum nun pünktlich um Mitternacht. Neu sind ferner die Unruh mit variabler Trägheit und eine frei schwingende Spirale. Ausgestattet mit diesem Werk offeriert die deutsche Traditionsmanufaktur zum 25. Jubiläum 250 Exemplare einer weissgoldenen «Lange 1». Die Besonderheit der Geburtstagsedition besteht u.a. im speziell gestalteten Scharnierboden. Er huldigt Günther Blümlein und Walter Lange, denen das Unternehmen seine erfolgreiche Renaissance und die «Lange 1» verdankt. Hinter Saphirglas zeigt sich das Uhrwerk, dessen handgravierter und blau ausgelegter Unruhkloben die Zahl 25 trägt.

Uhr-Typen gibt es viele. Da sind einmal diejenigen, welche gar keinen Zeitmesser an ihr Handgelenk lassen und lieber auf ihr Handy schauen. Andere setzen auf Elektronik und smarte Funktionen. Drittens gibt es reichlich Zeit-Genossen mit ausgeprägtem Faible für die überlieferte Mechanik. Ihre Passion begründen sie mit Nostalgie, Werterhalt und der Möglichkeit, das gute Stück eines Tages an die Nachkommen zu vererben. Auf die Sekunde kommt es vielen dabei gar nicht an. Exakt diese Gruppe hat die Luxusuhren-Industrie im Blick. Mitte Januar zeigten namhafte Manufakturen ihre Neuigkeiten während des Genfer Uhrensalons SIHH. Und Ende März öffnet die Baselworld ihre Tore. Die Trends des Jahres 2019 heissen Retrolook, also die Rückbesinnung auf gute alte Uhr-Zeiten, überlieferte, innovative und komplizierte Uhrmacherkunst sowie Farbe. Blau in allen möglichen Tönen und Schattierungen ist das neue Schwarz. Bei den Gehäusen sorgen neue Materialen für Begehrlichkeit. Clevere Manager wissen, dass manchem etwas bietet, wer Vielfalt offeriert.

MAXIMALE ZEITMESSUNG, TOTALE TRANSPARENZ Resonanz verhilft dem neuen Manufakturkaliber ARF17 von Armin Strom zu bemerkenswerter Präzision. Genau genommen birgt das querovale Gehäuse zwei nebeneinander angeordnete Uhrwerke mit jeweils einem Paar von Energiespeichern, 110 Stunden Gangautonomie sowie ungewöhnlichen 3,5 Hertz Unruhfrequenz. Die aus Unruh und Unruhspirale bestehenden

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WATCHES & JEWELLERY

Schwingsysteme sind durch eine patentierte und zertifizierte Resonanz-Kupplungsfeder miteinander verbunden. Das bewirkt eine 15 bis 20 Prozent höhere Ganggenauigkeit. Mit dieser aufwendigen Konstruktion, welche summa summarum 419 mechanische Bauteile erfordert, gehen zwei getrennte und unabhängig voneinander einstellbare Zeitanzeigen einher. Ablesen lassen sich Stunden, Minuten und die aktuell verbleibende Gangreserve. In der Mitte findet sich zudem eine 24-Stunden-Indikation. Nicht minder aufwendig ist das querovale Saphirgehäuse. Es bietet volle Transparenz, misst inklusive Bandanstössen 59 x 43,4 Millimeter und widersetzt sich dem Druck von Wasser bis zu fünf bar.

die neue «BR03-92 Bi-Compass». Die hier praktizierte Reduktion auf analoge Darstellung von Stunden, Minuten und Sekunden sowie ein Fensterdatum lassen auf einen vergleichsweise simplen Zeitmesser schliessen. Dem ist aber keinesfalls so. Einwandfreie Funktion in allen Lebenslagen erfordert einigen Aufwand. Damit die Stunden-Scheibe mit grüner, nachtleuchtender Pfeilspitze nicht am Zifferblatt streift, muss sie leicht sein und absolut plan drehen. Hinter dem Automatikkaliber BR-302 verbirgt sich ein flaches Sellita SW-300 mit 38 Stunden Gangautonomie. Die Zeiger für Minuten und Sekunden tragen beige Super-LumiNova-Leuchtmasse. Übrigens entspricht die gewählte Typographie jener der analogen Zähler im Flugzeug-Cockpit. 42 Millimeter beträgt die Länge der Flanken des Keramikgehäuses. Jede der insgesamt 999 Armbanduhren kommt mit zwei Armbändern: Kautschuk und belastbares Synthetikgewebe.

NEUER STOPPER AUS LE BRASSUS 4401 heisst es, das neue Chronographenwerk von Audemars Piguet. Den Selbstaufzug besorgt eine beidseitig wirkende, mit kleinen Keramikkugeln gelagerte Schwungmasse aus 22-karätigem Gold. Eine einzige Zugfeder lässt die Unruh circa 70 Stunden lang mit vier Hertz schwingen. Somit stoppt der integrierte Zeitschreiber mit Schaltrad und Vertikalkupplung auf die Achtelsekunde genau. Die Totalisatoren bis 30 Minuten und 12 Stunden liegen auf waagrechter Linie von «9» zur «3». Unmittelbaren Neustart ohne zwischenzeitliches Anhalten und Nullstellen gestattet eine Flyback-Funktion. Bei «6» dreht die Permanentsekunde ihre Runden. Zwischen «4» und «5» findet sich das Fensterdatum. Das Début erfolgt in der nicht minder neuen Uhrenlinie «Code 11.59». Ihre runde, in Rosé- und Weissgold erhältliche Schale mit durchbrochenen Bandanstössen und achteckigem Mittelteil soll Produktpiraten das Leben schwer machen. Eine betont schmale Lünette hält das doppelt gewölbte und entspiegelte Saphirglas. Auf dem innenliegenden Höhenring findet sich eine Tachymeterskala.

FLACHER GEHT ES NICHT Zur Komplikation ultraflacher Bauweise gesellt sich beim Bulgari-Manufakturkaliber BVL 288 auch noch eine mechanische. Das 1,95 Millimeter flache Uhrwerk besitzt ein «fliegend», sprich nur rückwärtig, gelagertes Tourbillon. Bei dieser Konstruktion stört keine Brücke den Blick auf den filigranen Drehgang. Zudem verfügt der tickende Mechanik-Hauch über einen automatischen Aufzug. Gehalten von drei Mikro-Kugellagern bewegt sich die Schwungmasse rund um das komplexe Uhrwerk mit 52 Stunden Gangautonomie. Per Drücker in der rechten Gehäuseflanke lässt sich die Funktion der darüberliegenden Krone vorwählen: Aufzug oder Zeigerstellung. Bestechend ist schliesslich auch das Leichtgewicht der auf 50 Exemplare limitierten «Octo Finissimo Tourbillon Automatic Carbon». Für das insgesamt nur 3,95 Millimeter hohe und 42 Millimeter grosse Gehäuse und das Gliederband verwendet Bulgari, wie der Name verheisst, mehrlagige, hoch belastbare CTP-Karbonfaser. Durch einen grossflächigen Sichtboden zeigt sich die Mechanik in ihrer ganzen Pracht.

MIT BAUME & MERCIER DURCHS JAHR Eine kleine uhrmacherische Ewigkeit offeriert Baume & Mercier. Auf seiner Vorderseite und damit unter dem Zifferblatt im Porzellan-Look trägt das neue Automatikkaliber BM13-1975AC-1 ein immerwährendes Kalendarium des erfahrenen Spezialisten Dubois-Dépraz. Kleine Zeiger stellen Datum, Wochentag und Monat dar. Konzentrisch zum Monatszeiger dreht eine kleine Scheibe mit schwarzem Pfeil. Selbiger lässt wissen, ob es sich um ein Jahr mit 365 oder, wenn rot, eines mit 366 Tagen handelt. Die Lichtphasen des Mondes lassen sich in einem Fenster über der «6» ablesen. Im Gegensatz zum Kalendarium, welches rein theoretisch noch gut 80 Jahre ohne Korrektur auskommt, weicht diese Indikation alle vier Jahre um einen Tag von der astronomischen Norm ab. Sämtliche Einstellungen lassen sich mit Hilfe kleiner Drücker in den Flanken des klassisch runden Rotgold-Gehäuses vornehmen. Durch den Sichtboden zeigt sich das Basis-Uhrwerk mit Rotoraufzug, Hochleistungshemmung aus Silizium und fünf Tagen Gangautonomie. Ihm obliegen die Anzeige der Stunden, Minuten und Sekunden sowie die tägliche Fortschaltung des Kalenderwerks.

STOPPER MIT TRADITION 1904 kreierte Louis Cartier die «Santos» für seinen Freund, den Flugpionier Alberto Santos-Dumont. Folglich handelt es sich um die Armbanduhr mit der längsten ununterbrochenen Biographie. Bei der neuesten Generation gestaltet sich der Bandwechsel dank patentiertem «QuickSwitch»-System zum Kinderspiel. Ausserdem lässt sich die Länge des Gliederbands mit «SmartLink» selbst problemlos einstellen. Der Genfer Uhrensalon SIHH 2019 brachte Familienzuwachs in Gestalt des stählernen «Santos Chronographen» mit ADLC-beschichteter Lünette. Sein Automatikkaliber 1904-CH MC blickt auf eine mehr als sechsjährige Geschichte zurück. Schaltradsteuerung, kräftesparende Reibungskupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler gehören zum Merkmalskatalog des exklusiven Uhrwerks. Zwei Federhäuser speichern Kraft für 48 Stunden Gangdauer. Vier Hertz Unruhfrequenz ermöglichen Achtelsekunden-Stoppungen. Für ein Exemplar benötigen die Uhrmacher insgesamt 269 Komponenten. Den Start-/Stopp-Drücker haben die Techniker in der linken Gehäuseflanke positioniert. Das Nullstellen erfolgt durch Druck auf die exakt gegenüber liegende Krone.

DESIGN IM DIENSTE DER ABLESBARKEIT Funktionalen Instrumentenlook schreibt Bell & Ross seit der Gründung gross. Quadratische Gehäuse mit vier markanten Schrauben und runde Zifferblätter sichern den Armbanduhren der Linie BR03 hohen Wiedererkennungswert. Das gilt auch für

REGULATOR MIT DURCHBLICK Wie das Salz zum Meer gehört der «Regulator» zu Chronoswiss. Und das seit nunmehr 31 Jahren. Der Name erinnert an Präzi-

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sionspendeluhren mit dezentral angeordnetem Stundenzeiger. 1994 ging der erste «Grand Régulateur» an den Start. Im Vorfeld der Baselworld 2019 zeigt das mittlerweile in Luzern beheimatete Familienunternehmen eine neue Version seines «Flying Grand Regulator Skeleton». Blickfang-Qualitäten besitzt nicht nur das 44 Millimeter grosse Stahlgehäuse, sondern auch die durchbrochene Ausführung des Handaufzugskalibers C. 677S. Als Basis dafür dient das altbewährte Handaufzugskaliber Eta 6498 mit knapp 37 Millimeter Durchmesser. Maskuline Eindrücke hinterlässt die dynamische Farbgebung. Als bemerkenswertes Detail versteht sich der rote Stummel am hinteren Ende des zentralen Minutenzeigers. Zusammen mit einer kleinen spiegelverkehrten Minutenskala ersetzt er jene Indexierung, welche der goldfarbene Stunden-Ring überdeckt. Die Edition ist auf 30 Exemplare beschränkt.

messenden Gehäuse reduziert eine blau getönte Titan-Himmelskugel den Kosmos auf handgelenkgerechte Dimensionen. In 23 Stunden, 58 Minuten und 4 Sekunden, also während eines mittleren Sternetags, dreht sie sich um ihre Achse. Aus Platzgründen ist eine Beschränkung auf die Abbildung der Sternkonstellationen des Tierkreises unabdingbar. Bei «3» dreht Mutter Erde ihre Runden. Die Oberfläche trägt eine lasergravierte Weltkarte mit vertieften Ozeanen und reliefartig dargestellten Kontinenten. Zusammen mit einer unten positionierten 24-Stunden-Skala dient der illustre Mini-Erdball als Weltzeitindikation. Bei Dunkelheit präsentiert sich diese kosmische Armbanduhr besonders eindrucksvoll. Stunden und Minuten stellt ein Zeigerpaar bei «12» dar. «Im Süden» des komplexen Manufaktur-Handaufzugskalibers GP09320 lockt ein Tourbillon zum beobachtenden Verweilen. Alle Einstellungen erfolgen mit Hilfe versenkter Bedienelemente im Gehäuseboden. Nach Vollaufzug stehen rund 60 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Für die kosmische Mechanik braucht es 362 Komponenten.

ETHISCHES GOLD FÜR EINE MECHANIK 2015 schlug die Geburtsstunde der weitgehend in Handarbeit gefertigten «Ferdinand Berthoud FB 1». In der achteckigen Schale mit seitlichen Gucklöchern findet sich das aufwendige Tourbillon-Kaliber FB-T.FC. Dabei handelt es sich um ein 35,5 Millimeter grosses und acht Millimeter hohes Handaufzugswerk mit überliefertem Kette-Schnecke-System für möglichst konstante Antriebskraft über rund 53 Stunden hinweg. Zur patentierten Zentralsekunde gesellt sich eine aussergewöhnlich konstruierte Gangreserveanzeige. Vor der Lieferung muss jedes aus mehr als 420 Komponenten (ohne Kettenteile) assemblierte Werk den Genauigkeitstest bei der amtlichen Chronometerkontrolle COSC bestehen. Diese Mechanik beseelt insgesamt zehn Exemplare der neuen «Œuvre d’Or»-Kollektion. Jeweils fünf Armbanduhren sind in Weissgold mit Bandanstössen aus Titan und Roségold kombiniert mit schwarzer Keramik erhältlich. Das verwendete Gold entstammt ethisch einwandfreier Produktion. Als besonderer Augenschmaus präsentiert sich das Zifferblatt aus handpatiniertem Roségold.

MAJESTÄTISCHE SCHWINGUNGEN Robert Greubel und Stephen Forsey lieben Ästhetik, mechanische Präzision und handwerkliche Vollendung. Diesen Maximen folgt die «Balancier Contemporain» mit 12,6 Millimeter grosser Glucydur-Unruh. Dank variabler Trägheit kann die unverzichtbare Spirale völlig frei «atmen». Jede Stunde bewegt sich das Duo 10’800 Mal in eine Richtung und ebenso oft auch wieder zurück. Beim Ziehen der Krone zum Zeigerstellen hält das Schwingsystem an. Nach spätestens 72 Stunden möchte die Zugfeder des aus 255 Teilen bestehenden Uhrwerks manuell gespannt werden. Wann es so weit ist, lässt eine Gangreserveanzeige bei «12» wissen. Durch die dreidimensionale Architektur des Zifferblatts setzen sich die Indikationen besonders eindrucksvoll in Szene. Als schützende Hülle verwendet Greubel Forsey ein Weissgoldgehäuse mit 39,6 Millimeter Durchmesser. Am Handgelenk trägt die vorder- und rückseitig verglaste Schale 12,21 Millimeter auf. Dem Druck des nassen Elements widersetzt sie sich bis zu drei bar.

DEN GANZEN TAG IM BLICK An das Ablesen dieser neuen Armbanduhr von Frédérique Constant muss man sich definitiv gewöhnen. Üblicherweise dreht der Stundenzeiger in zwölf Stunden einmal um seine Achse. Bei der «Classics Automatic 24 H» dauert die Umrundung doppelt so lange. Somit haben die Besitzerinnen und Besitzer den kompletten Tageslauf im Blick. Allerdings zeigt die Spitze des Stundenzeigers um 12 Uhr mittags senkrecht nach unten. Die Orientierung unterstützt deshalb eine 24-Stunden-Skala. Neu ist diese Art der Zeitanzeige keineswegs. Uhrenmarken verwendeten sie früher beispielsweise für wissenschaftliche oder militärische Zeitmesser. Auch Piloten und Astronauten wurden mit derartigen Indikationen bedacht. Hexerei verknüpft sich mit dieser Mechanik nicht. Das von Sellita zugelieferte Automatikkaliber FC-332 mit 38 Stunden Gangautonomie besitzt nur ein modifiziertes Zeigerwerk. Schutz bis zu zehn bar Wasserdruck bietet das Stahlgehäuse mit 43 Millimeter Durchmesser.

DEN MOND VOR AUGEN Ganz im Zeichen der Mondphasen steht die «Arceau L’heure de la lune» von Hermès. Zur Darstellung über der nördlichen und südlichen Hemisphäre haben sich die Uhrmacher eine spezielle Mechanik ausgedacht. Sie lässt analoge Indikationen für Stunde und Minute sowie Datum vor einem Hintergrund aus Meteorit kreisen. Eine komplette Umdrehung nimmt 59 Tage oder zwei Lunationen à 29,5 Tage in Anspruch. Die in den Stein eingelegten Perlmuttmonde zeigen künstlerisch gestaltete Motive. Als Antrieb für die planetare Zeit-, Datums- und Mond-Mechanik dient ein exklusives Automatikkaliber der Manufaktur Vaucher. Das Basiswerk H1837 mit Rotor-Selbstaufzug ist 3,7 Millimeter flach. Es besteht aus 193 Einzelteilen. Sein Gangregler vollzieht stündlich 28’800 Halbschwingungen. Für ein Exemplar des 4,2 Millimeter hohen Anzeige-Moduls braucht es weitere 117 Komponenten. Hermès lässt die schützende Hülle mit 43 Millimeter Durchmesser aus 18-karätigem Weissgold fertigen. Kratzfeste Saphirgläser vorne und hinten gewährleisten ungetrübte Freude. Bis zu drei bar Druck kann Wasser dem Innenleben nichts anhaben.

KOSMISCHER ZEITMESSER Das Wort Hingucker trifft auf die «Bridges Cosmos» von Girard-Perregaux uneingeschränkt zu. Zwei imposante Globen lenken die Blicke magisch auf sich. Links im 48 Millimeter

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WATCHES & JEWELLERY Baume & Mercier: Clifton Baumatic Perpetual Calendar 10470

Girard-Perregaux: Bridges Cosmos Soldat

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Indikationen, darunter natürlich auch Stunden, Minuten und Sekunden, blicken Flugbegeisterte durch ein kratzfestes Saphirglas. Alles in allem fertigt die Schaffhauser Manufaktur 250 Exemplare.

DIE BLAUE LAGUNE Seit längerem schon propagiert H. Moser & Cie Zifferblätter im sogenannten Fumé-Stil. Diesbezüglich tritt die neue «Endeavour Centre Seconds Concept Blue Lagoon» besonders markant in Erscheinung. Infolge des unverkennbaren Auftritts der Scheibe, vor der zentral positionierte Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden drehen, ist eine Signatur überflüssig. Erlesene Uhrmacherei zeigt sich nach dem Umdrehen. Hinter dem Sichtboden agiert das selbst entwickelte, bis hin zur Unruh und ihrer Spirale unter dem eigenen Dach gefertigte Kaliber HMC 200. Mit 32 Millimeter Durchmesser und 5,5 Millimeter Bauhöhe gehört das Automatikwerk nicht unbedingt zu den zierlichen, dafür jedoch zu den robusten Vertretern seiner Spezies. Ein massivgoldener Rotor spannt die Zugfeder in beiden Drehrichtungen. Nach Vollaufzug tickt das Œuvre mindestens drei Tage mit moderaten drei Hertz. Qual der Wahl besteht beim Gehäusematerial. Jeweils 50 Stück sind in Weiss- oder Rotgold erhältlich. In beiden Fällen misst die Schale 40 Millimeter.

SPHÄRISCHER DREHGANG UND MEHR Keineswegs von ungefähr kam der Name des 2004 vorgestellten «Gyrotourbillon 1». Durch sphärische Bewegungen gleichen zwei ultraleichte Drehgestelle die negativen Auswirkungen der Erdanziehungskraft in praktisch allen Positionen dieser Armbanduhr aus. Das neue «Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel» von Jaeger-LeCoultre kann aber noch viel mehr. Im 43 Millimeter grossen Weissgoldgehäuse findet sich das Handaufzugskaliber 184 mit 50 Stunden Gangautonomie. Den Technikern ist es gelungen, die Dimension der Drehgestelle für eine «bella figura» am Handgelenk beträchtlich zu reduzieren. Ein Konstantkraftantrieb wirkt dem kontinuierlich nachlassenden Drehmoment des Energiespeichers entgegen. Daneben umfasst das Komplikationenspektrum ein immerwährendes, per Krone einstellbares Kalendarium mit Anzeige von Datum, Wochentag, Monat und Jahr. Auf Knopfdruck tritt die Minutenrepetition in Aktion. Dabei erfolgt die Darstellung der Viertelstunden mit der Melodie des berühmten Londoner Big Ben. Aller mechanischen Komplexität zum Trotz misst das Weissgoldgehäuse nur 43 Millimeter.

UNICO ZUM ZWEITEN «Unico» hat Hublot sein 2010 lanciertes Chronographenkaliber HUB 1242 getauft. Diesem Erstlingswerk stellt die Manufaktur nun eine flachere Ausführung zur Seite. Das HUB1280, ebenfalls mit Rotor-Selbstaufzug, wartet mit etlichen Neuerungen auf. Den entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der Bauhöhe von 8,05 auf 6,75 Millimeter leistet die komplett überarbeitete Automatik-Baugruppe. Auch der zeitschreibenden Mechanik unter dem Zifferblatt haben die Techniker sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Sie lässt sich leichter montieren und am Handgelenk auch besser studieren. Ferner beziehen sich vier Patente auf ein innovatives Kupplungssystem zum Verbinden des Chronographen mit dem tickenden Motor. Evolutionsbedingt klettert die Zahl der Komponenten von 330 auf 354. Geblieben sind 30 Millimeter Durchmesser, drei Tage Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz. Das Début des neuen Uhrwerks geht unter anderem in der «Big Bang Unico Titanium White» über die Bühne. Dank flacherem Erscheinungsbild und lediglich 42 Millimeter Durchmesser passt dieser Stopper mit Gehäuse aus Titan und weissem Kunstharz auch an feminine Handgelenke.

KOMPLEXE ZEIT-MASCHINE Als MB & F die «Horological Machine Nr. 6» ins chronometrische All entschweben liess, zeigten die Kalender 2014. Die Konstruktion der HM6 mit dem Beinamen «Space Pirate» soll Stösse von mehreren G, starke Be- und Entschleunigungen, gefährliche Strahlungen und extreme Temperaturunterschiede aushalten. Vorne finden sich kugelförmige Displays zur Indikation von Stunden und Minuten. Ähnlich gestaltete «Turbinen» auf der Rückseite regulieren die Geschwindigkeit des auf der Unterseite angeordneten Aufzugsrotors. Oben thront das «fliegende» Tourbillon. Mit Hilfe der linksseitig montierten Krone lässt sich eine zweiteilige Kuppel schützend über den delikaten Drehgang wölben. Das komplizierte Uhrwerk einschliesslich der Streitaxt-ähnlichen Platin-Schwungmasse besteht aus 475 Komponenten. 2019 geht die Zeit-Reise dieser Armbanduhr mit den Dimensionen 51 x 50 x 22,7 Millimeter unwiderruflich zu Ende. Von der «HM6 Final Edition» entstehen exakt acht Exemplare in Stahl.

EWIGKEIT FÜR PILOTEN Mehr als 80 Jahre zurück reicht die Fliegeruhren-Kompetenz der IWC. In diesem Zusammenhang kommt 2019 die gute alte «Spitfire» zu Ehren. Nach dem legendären britischen Jagdflugzeug ist die «Big Pilot’s Watch Perpetual Calendar Spitfire» benannt. Ans Handgelenk findet dieser ausdrucksstarke Bolide mit 46,2 Millimeter grossem Bronzegehäuse. Im Inneren der Schale mit Titanboden und sechs bar Druckdichte zeigt hauseigene Mechanik in Gestalt des Kalibers 52615 ihr Können. Hat der Rotor-Selbstaufzug mit Pellaton-Gleichrichter die beiden Federhäuser prall gefüllt, vollzieht der Taktgeber sieben Tage lang stündlich 28.800 Halbschwingungen. Damit Piloten nicht ins Trudeln geraten, lässt eine Gangreserveanzeige den jeweiligen Energievorrat wissen. Das vorerst bis 2100 währende Kalendarium zeigt Datum, Wochentag, Monat und Jahr. Beinahe ewige Genauigkeit zeichnet die Anzeige der Mondphasen über beiden Hemisphären aus. Sie währt 577,5 Jahre. Auf sämtliche

IMMERWÄHRENDE PARTNERSCHAFT Als sich Minerva zu Montblanc gesellte, zeigte der Kalender 2007. Das gestalterische Erbe der 1858 gegründeten Manufaktur spiegelt die Montblanc-«Heritage»-Linie wider. Zu den Höhepunkten der Kollektion gehört eine Armbanduhr mit neu entwickeltem Kalenderwerk. Bis Ende Februar 2100 muss man es nicht korrigieren. Zeiger stellen Datum, Wochentag, Monat und Schaltjahreszyklus dar. Hinzu gesellt sich oberhalb der «6» eine Mondphasenindikation. Das Einstellen nach längerem Liegen geschieht mit Hilfe der Krone. Fehlbedienung wirkt eine ausgeklügelte Schutzvorrichtung entgegen. Keineswegs alltäglich ist ferner ein Zeitzonen-Dispositiv mit zusätzlichem, unabhängig verstellbarem Stundenzeiger und 24-Stunden-Anzeige. Als tickende Basis für das aus 378 Teilen zusammengefügte

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WATCHES & JEWELLERY

MB 29.22 dient das Automatikkaliber 1904 von Cartier. Es verfügt über zwei Federhäuser, 48 Stunden Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz. Wasserdruck widersteht die 40-Millimeter-Sichtbodenschale bis zu fünf bar. Vor dem Verlassen der Fabrikationsstätte muss jeder «Heritage Perpetual Calendar» einen 500 Stunden dauernden Qualitäts- und Genauigkeitscheck absolvieren.

rotor, 44 Stunden Gangautonomie, drei Hertz Unruhfrequenz und Fensterdatum. Für ein Exemplar benötigen die Uhrmacher 209 Komponenten. Nach 300 Exemplaren endet die Produktion dieser Armbanduhr. TRIBUT AN EINEN GROSSEN DESIGNER Titan, das 1980 von Ferdinand-Alexander Porsche erstmals für Armbanduhrgehäuse verwendete Material, nutzt Porsche Design auch 2019. Im Kontext zur Vorstellung des neuen 911er ist die «911 Chronograph Timeless Machine Limited Edition» erhältlich. Ihr Design greift die Stromlinienform des kraftstrotzenden Boliden auf. Leichtbauweise und Ergonomie sind selbstverständlich. Die drei Zeiger für die Stoppfunktion präsentieren sich komplett rot oder mit roter Spitze. An die Stelle der Permanentsekunde bei «9» tritt eine pfiffige Funktionsanzeige. Durch das Kreissegment wandern bei laufendem Uhrwerk die Wörter «Timeless Machine». Den Bezug zum Auto und die Limitierung dieses Modells bringt der Stunden-Totalisator bei «6» zum Ausdruck. Wer genau hinschaut, entdeckt neben der 9 auch die Zahl 11. Beim verbauten Uhrwerk geht Porsche Design keine Kompromisse ein. Es handelt sich um das millionenfach bewährte Valjoux 7750, welches schon den ersten Porsche-Design-Chronographen von 1973 mit Leben erfüllte.

ABGETAUCHT MIT ORIS Sicher ist sicher. Nach dieser Devise widersteht das DLC-beschichtete Titangehäuse des Oris «Dive Control Limited Edition Chronographen» dem Druck des nassen Elements bis zu zehn bar. Umgerechnet sind das 1000 Meter Tauchtiefe. Unter Wasser spielt die Ablesbarkeit eine wichtige Rolle. Selbige stellen die unübersehbare Indexierung auf dem dunklen Zifferblatt, ausdrucksstarke Zeiger und die grosszügige Verwendung von Super-LumiNova-Leuchtmasse sicher. Damit beim Aufsteigen aus grossen Tiefen ja nichts passiert, findet sich in der linken Gehäuseflanke ein Heliumventil. Selbstverständlich lässt sich die Tauchzeit-Drehlünette mit Keramik-Inlay nur entgegen dem Uhrzeigersinn drehen. Ungewolltem Verstellen wirkt ein patentiertes Sicherheitssystem entgegen. Neben dem Boden und der Krone sind auch die Drücker zum Bedienen des Automatikchronographen mit der Schale verschraubt. Beim verbauten Kaliber Oris 774 handelt es sich um das bewährte SW 500 von Sellita. Die Lieferung der insgesamt nur 500 Exemplare erfolgt in einer wasserdichten Box. Neben einem zusätzlichen Kautschukband enthält sie auch das nötige Werkzeug zum Wechseln.

TICKENDES BONBON Die farbenfrohe Welt der Zuckerbonbons bringt Richard Mille ans Handgelenk. Jedes der zehn Modelle gelangt in einer Auflage von 30 Exemplaren auf den Markt. Kennerblicke durch die Lupe lassen Uhrmacherkunst auf hohem Niveau und gestalterische Raffinessen erkennen. Als Grundlage dienen die Erfolgsmodelle RM 07-03, RM 16-01 und RM 37-01, angereichert durch eine Palette von insgesamt 60 Farben. Verantwortlich für die verschiedenen Designs zeichnet Artdirector Cécile Guenat. Seine «Sweets Collection» beinhaltet vier Modelle mit zweifarbigen Keramikgehäusen und dekorativen Elementen aus Email oder schwarz verchromtem Titan. Sie heissen «RM 07-03 Cupcake», «RM 07-03 Marshmallow», «RM 37-01 Sucette» und «RM 16-01 Réglisse». Die sogenannte «Frucht Linie» trifft sechs verschiedene Geschmäcker: Zitrone, Erdbeere, Blaubeere, Litschi, Kiwi und Kirsche. Wer hier nichts findet, ist eigentlich selber schuld. Vorausgesetzt, das Portemonnaie ist hinreichend mit flüssigen Mitteln gefüllt.

RETROGRAD BEDEUTET RÜCKSPRINGEND Viel zu entdecken gibt es am guillochierten Zifferblatt der neuen «Toric Quantième Perpétuel Retrograde Slate» von Parmigiani Fleurier. Drei der mittig positionierten Zeiger stellen die Stunden, Minuten und Sekunden dar. Der vierte mit rotem halbmondförmigen Ende deutet auf das Datum. Tag für Tag wandert er ein wenig von links nach rechts. Am Ende des egal wie langen Monats springt er selbsttätig zurück zur «1». Folglich lässt sich das Kalendarium des 5,5 Millimeter flachen Automatikkalibers PF317 mit 50 Stunden Gangautonomie als «ewig» bezeichnen. In zwei rechteckigen Fenstern zeigen sich die Wochentage und Monate. Die runde Anzeige unterhalb «12» gilt dem Schaltjahreszyklus. Bleibt die Indikation der Lichtphasen des Mondes über beiden Hemisphären der Erdkugel. Erst nach 122 Jahren weicht die Scheibe aus Aventurin-Quarz einen ganzen Tag von der astronomischen Norm ab. Parmigiani umfängt die aus 414 Komponenten zusammengefügte Mechanik mit einem 42,5 Millimeter grossen Rotgoldgehäuse.

UHR ZUM AUTO Roger Dubuis kooperiert mit Lamborghini. Für ihre aktuelle Kollektion nahm die Uhrenmanufaktur den «Huracán» ins Visier. Dementsprechend nennt sich der Zeitmesser auch «Excalibur Huracán Performante». Automobile Gestaltungselemente sind bei der skelettierten Bauweise selbstverständlich. Ganz oben vollzieht die Unruh des selbst entwickelten und aus 233 Komponenten assemblierten Automatikkalibers RD 630 stündlich 28’800 Halbschwingungen. Eher aus optischen Gründen erfolgen die Oszillationen in einem Winkel von zwölf Bogengraden. Die Genfer Punze garantiert das Einhalten exakt definierter Qualitätskriterien inklusive der maximalen Gangabweichung von einer Minute pro Woche. Für die 45-Millimeter-Schale finden Titan und Kautschuk Verwendung. Abtauchen kann man damit bis zu 50 Meter. Auf der Innenseite des Kautschuk-Armbands mit grauem

HOCHEBENE AM HANDGELENK Das Altiplano von Peru bis Chile dient Piaget als Namenspatin für eine 1998 lancierte Uhrenlinie. Gestalterische Zurückhaltung trifft auch auf die aktuelle «Altiplano»-Generation zu. Eines der neuesten Modelle bringt zudem ein Stück Himmel ans Handgelenk. Beim 40-Millimeter-Roségoldmodell rotieren Zeiger für Stunden und Minuten vor einem grauen Meteorit-Zifferblatt mit roségoldenen Strichindexen. Als zeitbewahrender Antrieb dient ein Vertreter der 2010 vorgestellten Kaliberfamilie 120xP. Konkret handelt es sich um das drei Millimeter flache 1203P mit 29,9 Millimeter Durchmesser, in die Werksebene integriertem Gold­

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Cartier

A. Lange & Söhne

Bell & Ross

Chronoswiss

Hublot

IWC

H.Moser & Cie.

Parmigiani

Piaget

Roger Dubuis

Ulysse Nardin

Zenith

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schwingt das kleinere Duo aus Unruh und Unruhspirale mit vier Hertz. Diese Hochfrequenz sorgt etwa vier Tage lang für hohe Präzision. Für den Ruhezustand im Tresor betätigt man den Drücker bei «8». Per Differenzialgetriebe schaltet die komplexe Mechanik etwa vier Gänge herunter. Augenblicklich setzt sich der grössere Gangregler in Bewegung. Nach dem Motto, dass lange läuft, wer dies langsam tut, bewegt er sich mit lediglich 1,2 Hertz. Bei diesem Schneckentempo hält der Mikrokosmos gut 70 Tage lang durch. Trotzdem schaltet er die kräftesparend konzipierte Kalendermechanik pünktlich mitternachts weiter. Allerdings sollte der mit dem Genfer Siegel geadelte Zeitmesser im entschleunigten Modus flach liegen.

Alcantara-Inlay wirkt das Profil des Pirelli-«P Zero Trofeo R»-Reifens schweissbedingtem Aquaplaning entgegen. MECHANIK-SEELE AUS KARBON Bei TAG Heuer haben jahrelange Forschung und Entwicklung zu einer völlig neuen Unruhspirale geführt. Sie besteht weder aus Metall noch aus Silizium, sondern aus einem innovativen Karbon-Verbundwerkstoff. Konkret handelt es sich um Kohlenstoffnanoröhrchen, also kleine Hohlkörper aus reinem Kohlenstoff mit weniger als 1/10’000 Millimeter Durchmesser. Ihr Elastizitätsmodul ist bis zu fünf, die Zugfestigkeit 15 und mehr Mal höher als bei Stahl. Hinzu gesellt sich extrem geringe Dichte. Diese Eigenschaften sowie die Resistenz gegen Magnetfelder, Temperaturschwankungen und heftige Stösse prädestinieren den Werkstoff förmlich zur Herstellung patentierter CNTMC (Carbon Nano Tubes Matrix Composite)-Unruhspiralen. Die ersten Serienprodukte beseelen den «Carrera Calibre Heuer 02T Tourbillon Nanograph». Sein Automatikkaliber 02T misst 31 Millimeter. Bei «6» rotiert der Tourbillon-Käfig aus gelb eloxiertem Aluminium jede Minute um 360 Grad. Im Inneren vollzieht die aus dem gleichen Werkstoff gefertigte Exzenter-Unruh mit variabler Trägheit stündlich 28’800 Halbschwingungen. Ein Schwermetall-Kugellagerrotor spannt die Zugfeder in einer Drehrichtung. Der Energievorrat reicht für 65 Stunden Gangautonomie. Vor dem Einbau ins 45 mm grosse Titangehäuse mit schwarzer PVD-Beschichtung muss jedes Uhrwerk seine Ganggenauigkeit bei der Chronometerprüfstelle COSC unter Beweis stellen. Die Lünette der bis zehn bar wasserdichten Schale besteht aus Karbon.

«EL PRIMERO» FEIERT GEBURTSTAG Nichts anderes als «der Erste» bedeutet «El Primero». Zenith präsentierte ihn 1969 als weltweit ersten Chronographen mit Kugellagerrotor, Schaltradsteuerung, Horizontalkupplung und fünf Hertz Unruhfrequenz. Seitdem ist das Uhrwerk aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Sein 50. Geburtstag bringt Liebhabern ein prachtvolles Etui, gefüllt mit drei Stoppern. Einer davon ist eine stählerne Neuauflage des ersten «El Primero» mit mehrfarbigem Zifferblatt. Des Weiteren gibt es einen COSC-zertifizierten «Chronomaster El Primero» mit grundsätzlich baugleichem, technisch jedoch optimiertem Kaliber 3600 und Stahlgehäuse. Nummer drei in Titan tickt mit zwei Frequenzen: fünf und fünfzig Hertz. Die langsamere Unruh ist zuständig für die Zeitanzeige; die schnellere gestattet Stoppungen auf die Hundertstelsekunde genau. Diese Armbanduhr heisst «El Primero 21». Ferner ist Platz für ein viertes Exemplar mit Tausendstelsekunden-Stoppgenauigkeit, das Zenith aber erst in einigen Jahren vorstellen wird und dann optional erhältlich ist. Unter dem Klappdeckel findet sich noch eine Art Uhrmacher-Werktisch mit Lampe und Lupe. Ein kleines Werkzeug spannt die Zugfeder des als Anschauungsobjekt mitgelieferten Handaufzugswerks.

VON FREAKS FÜR FREAKS An das revolutionäre «Freak»-Karussell von 2001 knüpft Ulysse Nardin beim neuen «Freak X» an, einer abgespeckten und deutlich kostengünstigeren Variante. Der Durchmesser des Titangehäuses mit blauer DLC-Beschichtung ist von 45 auf 43 Millimeter geschrumpft. Im Gegensatz zum Ur-Modell mit Handaufzug durch drehbaren Boden und Lünetten-Zeigerstellung erfolgt die Bedienung nun komplett per Krone. Geblieben ist die grundsätzliche Konstruktion des Handaufzugswerks mit 72 Stunden Gangautonomie. Sein baguetteförmiger Teil mit dem Schwingsystem und der nun jedoch klassischen Ankerhemmung rotiert einmal pro Stunde um sich selbst. Die mit Leuchtmasse versehene Spitze weist auf die Minuten. Besonders innovativ präsentiert sich die ultraleichte, mit drei Hertz oszillierende Silizium-Unruh. Ihre äusseren Masseelemente und die vier Regulier-Exzenter bestehen aus Nickel. Gänzlich neu sind stabilisierende Mikro-Lamellen. Gedrungener präsentiert sich das Anzeigeelement für die Stunden. Vorne und hinten besitzt die bis fünf bar wasserdichte Schale kratzfeste Saphirgläser. LANGSAM ODER SCHNELL, GANZ NACH BELIEBEN «Traditionnelle Twin Beat Ewiger Kalender» hat Vacheron Constantin seine neueste Kreation getauft. Wie der Name verrät, besitzt diese Platin-Armbanduhr ein Kalendarium, das bis 2100 keiner manuellen Korrektur bedarf. Diese Komplikation ist hilfreich, aber nichts aus dem uhrmacherischen Rahmen Fallendes. Herausragenden Charakter besitzt jedoch eine Art Gangschaltung im Kaliber 3610. Wahlweise tickt das aus 480 Teilen assemblierte Handaufzugswerk schnell oder langsam. Am Handgelenk

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JEWELS MADE IN BASEL Die Basler Schmuckdesignerin Nadine Fink organisiert die 2. Edition der « Jewels Basel ».

Text: NINA MERLI Bild: ZVG

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Während die Messe Basel am 21. März ihre Tore für die «Baselworld», die grösste Uhren- und Schmuckmesse der Welt, öffnet, organisiert Nadine Fink im «Wildt’schen Haus» am Petersplatz einen sehr exklusiven Side-Event. Die Basler Schmuckdesignerin lädt gemeinsam mit anderen Designern und renommierten Brands zur 2. Edition der «Jewels Basel» ein. PRE traf die erfolgreiche Designerin und Unternehmerin zum Interview.

Nadine Fink studierte ursprünglich klinische Psychologie und BWL und war mitten in einem ambitionierten Post-Doc-Forschungsprogramm der Elite-Universität Harvard, als sie sich für eine komplett andere Richtung entschied. Die Baslerin mit jamaikanischen Wurzeln beschloss, ihre akademische Karriere an den Nagel zu hängen und fortan als Schmuckdesignerin tätig zu sein. Getrieben von der amerikanischen «You can make it»-Mentalität, liess sich Nadine Fink nicht beirren und verwirklichte innert kürzester Zeit ihren Traum: 2011 gründete sie ihr Schmucklabel «Nana Fink». Ihre Kreationen, die stark von der Art-déco-Architektur inspiriert sind, werden inzwischen von Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Shay Mitchell oder Anna Chlumsky getragen; Designer Paul Smith vertreibt das Label in seinen Flagship Stores in London und Los Angeles.

NINA MERLI Wie kamen Sie auf die Idee von «Jewels Basel»?

Sie sich plötzlich entschieden, einen komplett anderen Weg zu gehen?

NADINE FINK Die Idee entstand im Prinzip aus einer Not heraus: 2016 und 2017 habe ich im Rahmen des sogenannten «Design-Lab» an der Baselworld ausgestellt. 2018 wurde die Plattform für junge Designer aber nicht mehr angeboten. Also entschied ich mich, selber einen Event zu organisieren. Ich rief das Hotel «Les Trois Rois» an, und zum Glück hatten sie noch einen freien Salon, den ich für zwei Tage mieten konnte. Und so entstand die erste Edition von «Jewels Basel».

NADINE FINK Wahrscheinlich war mein damaliges Umfeld ausschlaggebend für diesen Entscheid. Denn während meiner Zeit in Harvard war ich umgeben von hochmotivierten Menschen, die etwas erreichen, Grosses schaffen wollten. Ich war also von sehr inspirierten Leuten umgeben. Irgendwann so um 2009 habe ich erstmals gegenüber meinen Kollegen – auf die Frage nach meinen Zukunftsplänen – gesagt, dass ich meinen eigenen Schmuck designen wollte. Und weil ich mich in diesem sehr ehrgeizigen Milieu bewegte, habe ich mir gar nicht überlegt, dass es nicht klappen könnte. Knapp ein Jahr später war meine erste Kollektion kreiert.

NINA MERLI Dieses Jahr findet der Event in der wunderschönen Patriziervilla «Wildt’sches Haus» statt. NADINE FINK Eine sehr spezielle Location, der neobarocke Palais ist die Repräsentations-Villa der Basler Regierung und kann für spezielle Anlässe gemietet werden. Chanel, Bulgari oder Louis Vuitton haben hier auch schon Events durchgeführt.

NINA MERLI War denn Schmuck schon in irgendeiner Form ein Hob­ by von Ihnen? NADINE FINK Nein, gar nicht. Mein Hobby war damals das Restau­ rieren von antiken Möbeln, ich ging oft auf Möbelmessen, wo ich auch antiken Schmuck entdeckte, der mich sehr faszinierte. Und so entstand dann auch meine erste Kollektion «Loewenkind», die stark von antikem Schmuck und Art déco inspiriert ist.

NINA MERLI Welche Schmucklabels sind nebst Ihrem eigenen in der Villa zu sehen? NADINE FINK «Style of Jolie» zum Beispiel. Das ist die Schmuckkollektion von Angelina Jolie, die sie gemeinsam mit dem Juwelier Robert Procop kreiert hat und deren Einnahmen Jolies Charity-Projekt für Kinder zugutekommen. Ebenfalls mit an Bord ist die New Yorkerin Eva Zuckermann mit ihrem Label «Eva Fehren» oder Colette Steckel mit ihrer «Colette»-Linie. Einen Salon mit Schweizer Uhrenmarken haben wir auch.

NINA MERLI Wie es scheint, hat sich Ihr Glaube an die eigenen Fähigkeiten ausgezahlt. Ihr Label hat sich schnell etabliert und auch viele prominente Anhänger. NADINE FINK Ja, das stimmt. Seit der Gründung meines Labels hat eins zum anderen geführt, und ich schätze mich heute sehr glücklich, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe.

NINA MERLI Sie hatten ursprünglich eine völlig andere – wissenschaftliche – Karriere eingeschlagen. Wie kam es, dass

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Info: «Jewels Basel» 21.03.–24.03. Wildt’sches Haus jewelsbasel.com

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Weitere ausstellende Labels

Eva Fehren Hinter dem Label «Eva Fehren» steht die New Yorkerin Eva Zuckermann. So ist denn auch ihre Heimatstadt ihre grösste Inspiration: Die Stadt, ihre geometrischen Muster und architektonischen Bauten wie etwa das Chrysler Building spiegeln sich in ihren – allesamt handgefertigten – Schmuckstücken wider.

Carla Amorim Die berühmte brasilianische Designerin kreiert seit 1992 ihren eigenen Schmuck. Dabei lässt sie sich stark von ihrer Heimatstadt Brasilia und der Architektur von Oscar Niemeyer inspirieren. Ihre Stücke werden alle in ihren eigenen Werkstätten in São Paolo hergestellt. Stars wie Jennifer Lopez, Eva Mendes oder Emily Blunt tragen die weiblichen und delikaten Preziosen von Carla Amorim.

Robert Procop / Angelina Jolie Robert Procop, der berühmte Goldschmied aus Beverly Hills, hat vor einigen Jahren gemeinsam mit Hollywood-Star ­Angelina Jolie die «Style of Jolie»-Schmuckkollek­ tion auf den Markt gebracht. Dabei geht der volle Erlös an die von Jolie mitbegründete Stiftung «Education Partnership for Children of Conflict», eine Hilfsorganisation, die Schulprogramme für Kinder in Konfliktzonen unterstützt.

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FASZINATION EDELSTEINE

Text: NINA MERLI Bild: KEYSTONE / GETT Y IMAGES

Schon in der Antike spielten Edelsteine eine grosse Rolle. Einerseits wurde ihnen eine magische Wirkung zugesprochen, andererseits waren sie in vielen Kulturen ein Ausdruck von Macht und Reichtum. Diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen, und so sorgen Edelsteine und Schmuckstücke weltweit immer wieder für Schlagzeilen. 86


WATCHES & JEWELLERY

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PRE Vorherige Seite: Liebte ihre Juwelen mehr als ihre Männer — Schauspielerin Elizabeth Taylor

DIE GRÖSSTE PERLE DER WELT So war zum Beispiel die Aufregung gross, als ein philippinischer Taucher 1934 vor der Insel Palawan einen sensationellen Fund macht: In einer Riesenmuschel findet er eine riesige Perle, die 6,4 kg schwer und 23 cm lang ist. Seither gilt die «Perle von Allah» oder «Perle von Lao Tse», wie sie ebenfalls genannt wird, als grösste ihrer Art. Ihr Wert? Rund 40 Millionen Dollar.

einem Winterabend 1970 forderte Burton seine Frau zu einem Pingpong-Match heraus. Er versprach ihr, falls sie gewinnen sollte, einen kleinen Diamantring zu schenken. Burton verlor den Match. Der Ring wurde nach ihrem Tod im Rahmen der Liz-Taylor-Auktion bei Christie’s versteigert. REKORDPREISE Überhaupt sind Diamanten bei Auktionshäusern sehr beliebt, da sie immer wieder Rekordpreise erzielen: Der gelbe Diamant «Graff Vivid Yellow» kam bei Sotheby’s für 14,5 Millionen Franken unter den Hammer, das Juweliershaus Harry Winston leistete sich bei Christie’s einen blauen Diamanten für 21,4 Millionen. Harry Winston war übrigens lange im Besitz des sagenumwobenen «Hope»-Diamanten. Auf ihm soll ein böser Fluch lasten; er wurde 1949 von Winston erworben, an Aristoteles Onassis ver- und wieder zurückgekauft, bis Winston ihn dem Smithsonian National Museum in Washington schenkte. Dort kann man den Diamanten (Wert: rund 250 Mio. Franken) heute noch bestaunen.

EDELSTEINE ALS VERSCHLÜSSELTE BOTSCHAFTEN Etwas weniger teuer, aber für viele um einiges wertvoller waren spezielle Schmuckstücke, die während der Viktorianischen Epoche (in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) in England in Mode waren. Damals tauschten sich Liebhaber heimlich Liebeserklärungen in Form von Schmuck aus. Zu diesem Zweck liessen sie spezielle Medaillons anfertigen, die anhand der verwendeten Edelsteine Worte formten. «Love» wurde aus einem Lapislazuli, einem Opal, einem Vermeil und einem Emerald (Smaragd auf Englisch) geschrieben. «Dearest» bestand aus: Diamant, Emerald, Amethyst, einem Rubin, Emerald, Saphir und Topas. Sogar König George IV. von England trug so ein Medaillon – geschenkt hatte es ihm seine Geliebte Mrs. Fitzherbert. EINE WETTE MIT FOLGEN Dass Elizabeth Taylor Schmuck liebte, ist allgemein bekannt. So nannte sie ihr liebstes Stück – einen 33,19-karätigen Diamantring – liebevoll «mein Baby». Richard Burton hatte ihr den Ring zum vierten Ehejahr geschenkt. Um einiges spannender ist jedoch die Story um Taylors «Pingpong-Ring»: An

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WATCHES & JEWELLERY

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ITALIENISCHE ZEIT-BOLIDEN FÜR DIE UHRENWELT

Etwas, worüber nicht gesprochen wird, ist in unserer Zeit auch nicht geschehen. Panerai, die altehrwürdige italienische Uhrenmarke, sorgt auf vielfältige Weise für Gesprächsstoff. Und Jean-Marc Pontroué, dem neuen CEO, ist es ein Anliegen, dass die Themen nicht zu Ende gehen.

Text: GISBERT L. BRUNNER

GUTES INVESTMENT Hätte man, ja hätte man nach dem Genfer Uhrensalon im April 1998 eines von 60 Exemplaren der neuen «Panerai Referenz PAM21» für rund 38’000 Schweizer Franken (46’000 Deutsche Mark) erworben, könnte man sich heute äusserst glücklich schätzen. Je nach Erhaltungszustand zahlen Liebhaber dieser Armbanduhr mit Platingehäuse und altem Handaufzugswerk vom Kaliber Rolex 618 das Drei- oder sogar Fünffache. «Allein mit dieser limitierten Edition», bekannte der mittlerweile in den Ruhestand verabschiedete CEO Angelo Bonati, «hat die Richemont-Gruppe den Kauf der Marke Panerai im Jahre 1997 finanziert.» Als Mitgift gab es nämlich 65 grosse Rolex-Werke, welche 1936 die erste «Radiomir Panerai» beseelten. Ein gutes Geschäft machten auch die Käufer der «Luminor Marina PAM001», sofern es sich um die sogenannte Pre-A-Serie mit Tritium-Indexen am Zifferblatt handelt. 1998 schlug jedes Exemplar mit 3700 Franken zu Buche. Gegenwärtig erlöst dieser Zeitmesser mehr als das Doppelte. Die Auflistung liesse sich beliebig fortsetzen. Wer beispielsweise eine Panerai «Bronzo» ergattern konnte, dürfte das Investment keinen Tag lang bereut haben.

für die Nautik. Die Kinder gingen einen Schritt weiter und eröffneten gegenüber dem Dom das Uhren-Fachgeschäft «Orologeria Svizzera». Im Auftrag der italienischen Marine-Administration entwickelten die «Officine Panerai» den ersten Prototyp einer speziellen Taucher-Armbanduhr. Tatkräftige Unterstützung leistete dabei Rolex. Die Schweizer steuerten das überdimensionierte kissenförmige «Oyster»-Gehäuse mit Schraubkrone und besagtes Handaufzugswerk bei. Letzteres basierte auf einem Rohwerk des Spezialisten Cortébert. Dass sich Panerai im Wettbewerb mit anderen Uhrenherstellern durchsetzen konnte, lag freilich auch am bestens ablesbaren Zifferblatt. Eine Mischung aus Zinksulfat, Radiumbromid und Mesothonum sorgte für besonders hohe Leuchtkraft. Somit liess sich die unter Wasser besonders kostbare Zeit selbst bei völliger Dunkelheit unmissverständlich ablesen. Und dieser Sachverhalt reduzierte die Gefahr einer Entdeckung durch den Feind ganz erheblich. Ab 1938 nutzten Kampftaucher der «Gamma»-Gruppe die «Radiomir Panerai» bei gewagten Unterwasser-Angriffen auf feindliche Schiffe. Die Achillesferse bestand in der Notwendigkeit, das Uhrwerk täglich aufzuziehen. Im Eifer des Gefechts konnte das sorgfältige Verschrauben der Krone durchaus in Vergessenheit geraten. Ein Ausweg bestand zunächst einmal in der Verwendung von «Angelus»-Kalibern mit acht Tagen Gangautonomie. Logischerweise blieb die Zeit bei Panerai nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keineswegs stehen. Für die «Marina Militare» verwendete das Familienunternehmen ein neues, primär auf dem Wasserstoff-Isotop Tritium basierendes Leuchtmaterial mit dem 1949 geschützten Namen «Luminor». Als nachhaltiger Stein der Weisen in Sachen Wasserdichte erwies sich eine 1956

AUS MILITÄRISCHEN ANSPRÜCHEN GEBOREN Von solchen Erwägungen waren Giuseppe und Maria Panerai Anfang der 1930er Jahre weit entfernt. Sie traten in die Fussstapfen ihres Vaters Guido, der 1860 in Florenz die «Guido Panerai & Figlio» gegründet hatte. Seine kleine Firma spezialisierte sich auf präzise Instrumente und komplizierte mechanische Geräte

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WATCHES & JEWELLERY 1

2

3

4

5

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INDEX

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1

AUS DEM PANEREI-ARCHIV

2

GIOVANNI PANERAI

3

OROLOGERIA SVIZZERA, 1934

4

ITALIENISCHER KAMPFTAUCHER

MIT RADIOMIR PANERAI

5

PANERAI TIEFENMESSER

6

AUS DEM PANEREI-ARCHIV


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WATCHES & JEWELLERY

patentierte Gehäusekonstruktion. Bei dem gleichfalls «Luminor» getauften Modell presst ein Andruckhebel die Krone fest ans Gehäuse. In geöffnetem Zustand zum Aufziehen oder Zeigerstellen steht er als Gedächtnisstütze für die Taucher unübersehbar weit vom Gehäuse ab.

Fonds fährt, muss zwangsläufig am 2013 eröffneten Komplex in Pierre-à-Bot vorbei. Zum Rundgang durch das 10’000 Quadratmeter grosse Bauwerk Eingeladene merken sofort, dass Planer und Ausführende ganze Arbeit geleistet haben. Alles, was es zur Kreation, Herstellung, Vermarktung und Wartung hochrangiger Armbanduhren braucht, ist hier versammelt. Teamgeist, Ergonomie, Prozess-Optimierung, Ökologie und vor allem Zukunftsperspektiven werden gross geschrieben. Unter dem Dach gehen Menschen unterschiedlicher Profession und Qualifikation ihrer Arbeit nach. Besondere Bedeutung kommt der immens wichtigen Abteilung Forschung und Entwicklung zu. Die Qualität des schöpferischen Wirkens ergibt sich aus der Tatsache, dass etwa 80 Prozent des Vorgeschlagenen über kurz oder lang Realität werden. In der «Folterkammer», einem bestens ausgestatteten Test- und Prüflabor, muss sich alles hundertprozentig bewähren. Um die Werke- und Uhrenproduktion kümmern sich im eigenen Haus und bei ValFleurier ausgefuchste Spezialisten verschiedenster Metiers. Ihre Kompetenz reicht von der Platinenfertigung bis hin zum finalen Check. Exklusivität besitzen mittlerweile mehr als 85 Prozent der von Panerai genutzten Uhrwerke. Tendenz weiterhin steigend. «Die Markenpolitik», so der neue CEO Jean-Marc Pontroué, «besteht darin, weitere Manufakturkaliber zu präsentieren. 2020 werden wir während des Genfer Uhrensalons SIHH ein neues Uhrwerk vorstellen, das hundertprozentig bei uns in Neuchâtel entwickelt wurde.» Rigorose Kontrolle geniesst in allen Herstellungsstadien extrem hohen Stellenwert. Selbst Gefertigtes und Zugeliefertes erfahren dabei gleiche Behandlung. Als Heiligen Gral unterhält die Manufaktur ein Haute-Horlogerie-Atelier, in dem Kompliziertes wie beispielsweise die aussergewöhnlichen Drehgang-Kaliber entstehen. Auch hier bleibt dem Zufall definitiv nichts überlassen. Ganz abgesehen davon achtet Panerai schliesslich auch auf nachhaltigen Umgang mit Energie und Umweltschutz. LED-Beleuchtung ist ebenso selbstverständlich wie die Nutzung von Erdwärme und gesammeltem Regenwasser.

PANERAI FÜR ZIVILISTEN In den späten 1960er Jahren begann bei Panerai eine ausgeprägte Schwächephase. Infolge schwerer Krankheit wollte Giuseppe Panerai den gewerblichen Bereich seiner Firma an die italienische Marine veräussern und nur seine «Orologeria Svizzera» fortführen. Doch die Behörden spielten nicht mit. Nach Giuseppes Tod im Februar 1972 liessen sie unter Verweis auf das Militärgeheimnis ihre Muskeln spielen. Nun übernahm Dino Zei, seines Zeichens Marineoffizier und Ingenieur, das Ruder bei der «Officine Panerai S.r.l.» Als das Ende des Kalten Kriegs den Bedarf an militärisch ausgerichteten Erzeugnissen quasi auf den Meeresgrund sinken liess, konnten endlich auch zivile Uhren-Aficionados die Marine-Klassiker erwerben. Am 10. September 1993 fiel der Startschuss ins neue Zeitalter. Der weitere Weg in die Zukunft ist nicht zuletzt auch Sylvester Stallone zu verdanken. 1994 erwarb «Sly» in Florenz eine «Luminor», legte sie während der Dreharbeiten zum Streifen «Daylight» nicht mehr ab und orderte später für Freunde eine Kleinserie dieser Armbanduhr. Eine der raren «Slytech Submersible» trug Arnold Schwarzenegger im Film «Eraser». So viel Prominenz begeisterte Johann Rupert, den Hauptaktionär der Richemont-Gruppe. Im März 1997 ging die Übertragung des Markennamens «Officine Panerai» sowie der technischen Dokumentationen, Patente und aller vorhandenen Lagerware, darunter auch besagte Rolex-Uhrwerke, über die Bühne. Mit dem Genfer Uhrensalon 1998 begann für das italienische Traditionsunternehmen nicht nur eine neue Ära, sondern ein Flug in ungeahnte Höhen. Als Pilot und CEO zeichnete 20 Jahre lang Dottore Angelo Bonati verantwortlich. UHRWERKE AUS EIGENER MANUFAKTUR Das Ein und Alles jedes Zeitmessers ist zweifellos sein Uhrwerk. Panerai kaufte es bis 2005 ausnahmslos bei etablierten Rohwerkelieferanten. Ab Oktober 2002 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe bei der spezialisierten Mechanik-Schwester ValFleurier mit der Entwicklung exklusiver Kaliber. Bereits im Zuge der Konstruktion dachten die Konstrukteure an Zusatzfunktionen, welche das Spektrum Zug um Zug erweitern sollten. Im September 2005 standen die ersten 250 Exemplare des Handaufzugskalibers P.2002 mit acht Tagen Gangautonomie zur Verfügung. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Inzwischen beweisen mehr als 20 verschiedene Mechanik-Mikrokosmen ohne und mit Komplikation, was Innovationsgeist und Investitionsbereitschaft hervorzubringen vermögen. Im «Laboratorio di Idee» von Panerai sind verwegene Gedanken und scheinbar waghalsige Experimente nicht nur erlaubt, sondern auch definitiv erwünscht. Vom expressis verbis zugestandenen Recht machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ideenwerkstatt auch reichlich Gebrauch. Ihre Kreativität ist das grösste Kapital der im neuen Manufakturgebäude Tätigen.

MIT JEAN-MARC PONTROUÉ IN DIE ZUKUNFT Zweifellos verknüpfen sich mit dem Namen Panerai die Welten des Wassers und abenteuerlicher Unternehmungen. Dessen ist sich auch Jean-Marc Pontroué bewusst. Seit Mitte 2018 bestimmt der agile Franzose den Kurs. Als CEO teilt er die Auffassung seines Vorgängers: «Wo kam Panerai her, und wo wollten wir mit der Marke hin, um am Markt erfolgreich bestehen zu können?» Seine Vision und Strategie zielt jedoch auf insgesamt vier Uhrenlinien: «Radiomir, verknüpft mit der Geschichte unserer Marke, und Luminor, basierend auf dem italienischen Vermächtnis. Luminor Due spricht eine neue, als Millennials bekannte Klientel an. Für Extremsport steht schliesslich die Submersible.» Nach Stationen im LVMH-Konzern, bei Montblanc und ab Februar 2012 als CEO von Roger Dubuis ist die künftige Tätigkeit in Pierre-à-Bot für Jean-Marc Pontroué eine echte Beförderung. Zahlen darf keine der Richemont-Marken nennen. Aber schätzungsweise setzt Panerai jährlich etwa 450 Millionen Schweizer Franken um, während es Roger Dubuis nur auf etwa 80 Millionen brachte. Am neuen Job fasziniert den neuen Chef einmal, dass Panerai zwei echte Ikonen namens «Radiomir» und «Luminor» vorweisen kann. Sein Credo: «Wir gehören

BESUCH IN PIERRE-À-BOT Wer auf der Landstrasse von Neuchâtel nach La Chaux-de-

Links: Panerai P.5000

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zu den ganz wenigen Playern mit einer speziellen Gehäuseform, welche sich ganz eng mit unserer Marke verknüpft.» Zum anderen existiert mit den «Paneristi» eine leidenschaftliche Fangemeine. Für sie ist die italienische Traditionsmarke so etwas wie eine Religion. Darüber hinaus möchte er auch das Ideenlabor weit umfänglicher nutzen, als das bisher geschehen ist. Pontroué zufolge soll es sich keineswegs nur auf Uhren beschränken. Das Wirken der Kreativen bezieht sich auf die gesamte Philosophie und Strategie, beginnend beim Design, über die Technik und die Materialien bis hin zur Art, wie Panerai arbeitet und sich nach aussen darstellt. Panerai repräsentiert nämlich weitaus mehr als nur Uhren. Panerai ist nach Auffassung des ersten Mannes an Bord eine Marke, «die, mehr als andere, ihre einzigartigen Werte durch spektakuläre Erlebnisse unterstreichen kann. Unsere Kunden müssen Einzigartiges erleben, wenn sie unser Ideenlabor in Neuchâtel besuchen und unsere eigenen Boutiquen besuchen. Als Pioniermarke muss Panerai wie schon immer auch besondere Erfahrungen ermöglichen.» Wenn gewünscht kann dies auch fernab der Heimat geschehen. Davon zeugt unter anderem die neue «Submersible

Mike Horn Edition – 47 mm». Entstanden ist diese Armbanduhr für einen grossartigen Abenteurer, mit dem das Unternehmen schon seit langem kooperiert. Ihr Gehäuse besteht aus recyceltem Titan. Wasser kann dem hauseigenen Automatikkaliber P.9010 mit drei Tagen Gangautonomie bis zu 300 bar Druck nicht das Geringste anhaben. Aus Recyclingmaterial lässt die Manufaktur auch das Armband fertigen. Somit leistet diese Armbanduhr einen zwar kleinen, aber dennoch nicht zu vernachlässigenden Beitrag zum Umweltschutz. Neben dem Zeitmesser bekommen die insgesamt nur 19 Käufer auch ein Abenteuer mit dem charismatischen Markenbotschafter. Nach einem gründlichen Gesundheits- und Fitnesscheck können sie mit Mike Horn einige Tage auf und zwischen arktischen Eisschollen verbringen. Mit dieser und zwei ähnlichen Offerten erweist sich auch Jean-Marc Pontroué 2019 als echter Pionier in der Vermarktung von Uhren. Erlebnisse wie diese lassen sich normalerweise mit Geld nicht erwerben. Und das macht sie einzigartig. Vermutlich werden andere Marken dem Beispiel in nicht allzu langer Zeit folgen.

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WATCHES & JEWELLERY PANERAI MEILENSTEINE

1998

Dass es sich bei der PAM 317 um einen Chronographen han-

1936–2019

Radiomir Platin, PAM21

delt, erschliesst sich erst auf den zweiten Blick. Drücker sucht

Als Mitgift erhielt Richemont beim Kauf 65 Rolex-CortébertKali-

man rechts vergebens. Dort dominiert der Kronenschutz mit

ber 618. 60 davon erhielten nach gründlicher Aufarbeitung neue

Bügel. Die Bedienung des Zeitschreibers erfolgt beim eigenen

Platingehäuse vom Typ «Radiomir».

Chronographenkaliber P.2004 mit Hilfe eines Drückers bei «8».

Radiomir, 47 mm, «California»-Zifferblatt arabisch-römisch

1998

2009

Genau genommen eine waschechte Rolex-Oyster mit Rolex-Ta-

Luminor Marina, Pre-A-Serie, PAM0001

L’Egiziano, 60 mm, PAM00341

schenuhrkaliber 618, Rohwerk von Cortébert. Durchmesser

Luminor der sogenannten «Vor-A-Serie», Referenz 6502, 1000

Der 60 Millimeter grosse Bolide erinnert an das runde Modell

47 Millimeter. Verschraubtes Stahlgehäuse. Im Marine-Ein-

Stück. Rückwärtig tragen sie die Gravur O(fficine) P(anerai)

von 1956. Weil es das Kaliber Angelus 240 nicht mehr gibt,

satz ab 1938. Der Name Radiomir verknüpft zwei italienische

6502, Seriennummer BB 97xxxx und eine Kombination aus

verbaut Panerai das eigene P.2002/7 mit acht Tagen Gangau-

Termini: «Radio», Radium, und «mira» für Visier.

Produktionsnummer/Auf lagengrösse (xxxx/1000). T-Swiss-T

tonomie. Titan als Gehäusematerial bringt eine spürbare Re-

unten auf dem Zifferblatt signalisiert die Verwendung von Tri-

duktion des Gewichts. Limitierte Auf lage von 500 Exempla-

Frühe 1940er

tium-Leuchtmasse. Handaufzugskaliber OP II, sprich Eta-Unitas

ren.

Radiomir, 47 mm, neuer Gehäusetyp

6497. Spätere Serien tragen einen Buchstaben vor der Limitie-

In den frühen 1940er Jahren hatte bei den Officine Panerai

rungsnummer, also z.B. Axxxx/1000. «A» steht dabei für das Fer-

2010

das kissenförmige Oyster-Gehäuse mit simplen Drahtbügeln

tigungsjahr 1998, «B» für 1999 etc.

L’Astronomo Luminor 1950 Equation of Time Tourbillon Tita-

1936

als Bandanstösse ausgedient. Bei extremen Belastungen konn-

nio, 50mm, PAM00365

ten die angelöteten Schlingen brechen oder abreissen. Neues,

1999

Die bis dahin komplizierteste Armbanduhr von Panerai. Ka-

47 Millimeter grosses Stahlgehäuse mit integrierten Bandan-

Radiomir Chrono Split-Seconds, PAM00047, 40 mm

liber P.2005/g mit quer rotierendem Drehgang, Anzeige der

stössen. Rolex-Kaliber 618.

Schleppzeiger-Chronograph mit Stahlgehäuse, gefertigt 1999 in

Äquation sowie des Sonnenauf- und -untergangs am gewünsch-

einer Edition von 20 Exemplaren. Das 14-linige Handaufzugska-

ten Ort. Darstellung des Nachthimmels auf der Rückseite.

1943

liber ist ein seltenes Venus 179, beigesteuert in edler Finissie-

Stunden, Minuten, Sekunden, Datum, Monat und verbleibende

Mare Nostrum, 52 mm

rung von Girard-Perregaux.

Gangreserve lassen sich ebenfalls ablesen. Titangehäuse.

entstanden im Jahr 1943 drei Prototypen eines 52 Millime-

2000

2011

ter grossen Chronographen, ausgestattet mit dem bewährten

Radiomir Zerograph, PAM00067, 42 mm

Luminor Submersible 1950 Bronzo, OP 5808, PAM00382

14¾-linigen Handaufzugskaliber 215 von Angelus, Le Locle.

Limitierte Edition von 99 Uhren in Weissgold. Das Rohwerk CHT

Das 47 mm grosse Gehäuse mit Tuchzeit-Drehlünette besteht

Mare Nostrum heisst in Italien das Mittelmeer. Bei Panerai

Ende 1940er–frühe 1950er Jahre

15 mit einem Bediendrücker fertigte in den 1940er Jahren der

aus Bronze. Titanboden mit Sichtfenster. Manufaktur-Auto-

Chronographenspezialist Lémania.

matikkaliber P.9000. Die Edition von 1000 Exemplaren war

Luminor Linkshänder, 47 mm

im Handumdrehen vergriffen.

Der neuartige Kronenschutzbügel befindet sich auf der linken

2001

Gehäuseseite. Die Soldaten trugen ihre Uhr nämlich oftmals

Radiomir Chrono Foudroyante, PAM 00079

2012

am rechten Handgelenk. Ans linke schnallten sie Kompass

Aufgelegt in 250 Exemplaren mit einem modifizierten Auto-

Panerai Luminor 1950 Tourbillon GMT Ceramica, PAM00396

und Tiefenmesser. Rolex-Cortébert-Handaufzugswerk.

matikkaliber Eta 7750. Zusatz-Komplikationen: Schleppzeiger

Das schwarz gefärbte Manufakturkaliber P.2005/B umgibt ein

(Rattrapante) und die Möglichkeit, Achtelsekunden-Zeitinterva-

tiefschwarzes Gehäuse aus kratzfester Keramik. 144 Stunden

1950er Jahre

lle exakt vom Zifferblatt ablesen zu können. Hierzu gibt es bei «9»

oder ganze sechs Tage Gangautonomie.

Luminor Marina Militare, Schraubkrone, 47 mm,

eine «Seconde Foudroyante» («blitzende Sekunde»).

8-Tage-Werk Angelus

2013

Tägliches Spannen der Zugfeder führte bei den Gehäusen mit

2002

Luminor 1950 Regatta 3 Days Chrono Flyback Titanio

Schraubkrone zu allerlei Problemen. Vorübergehende Abhil-

Luminor 1950, 47 mm, PAM00127

PAM0526

fe schaffte das 16-linige Kaliber Angelus 240 mit acht Tagen

1950 Exemplare mit Stahlgehäuse, Sandwich-Zifferblatt und

Chronograph mit einzigartiger Regattafunktion. Ein orange-

Gangautonomie.

modifiziertem Handaufzugskaliber Eta 6497. Erkennungszei-

farben markierter Drücker unterhalb der Krone bewegt den

chen des COSC-zertifizierten Uhrwerks: Schwanenhals-Feinre-

mittig angeordneten und deshalb besonders gut ablesbaren

gulierung.

Totalisator in Minutenschritten gegen den Uhrzeigersinn. Und

Patent 1956 Marina Militare, Kronenschutzbügel, 8-Tage-Werk

das je nach Bedarf bis hin zu 59 Minuten. Nach dem Starten

Schon in den 1940er Jahren entwickelten die Officine Panerai

2003

des Chronographen bewegt er sich wieder in Richtung Null-

ein neues Gehäuse mit innovativem Dichtsystem für die Kro-

Luminor Chrono Regatta, PAM00168

punkt. Genau in der Senkrechten startet dann die Regatta.

ne. Aufziehen und Zeigerstellen verlangten nach bewusstem

Von dieser Titan-Armbanduhr zu Ehren der Laureus-Regatta

Automatikkaliber P.9001/R.

Hochklappen. Das dann weit abstehende Teil liess sich nach

fertigte Panerai 399 Exemplare. In der 40-mm-Schale, wasser-

der Energiezufuhr beim besten Willen nicht übersehen. Hand-

dicht bis zehn bar, tickt das Automatikkaliber OP XII, also ein

2014

aufzugskaliber Angelus 240.

COSC-zertifiziertes Valjoux 7753.

Radiomir 1940 Chronograph Platino, PAM00518

Radiomir 1956

2004

Chronographenwerk der Montblanc-Tochter Minerva. Das 13-

60 mm, 8-Tage-Werk

Luminor Arktos Amagnetic, 44 mm, PAM0092

22 heisst bei Panerai OP XXV. Platingehäuse, 45 Millimeter

Zeit-Monument. Rundes Stahlgehäuse mit rechtsseitig mon-

2002 machte sich der Abenteurer Mike Horn auf den Weg, die

Durchmesser, 50 Exemplare.

tiertem Kronenschutzbügel. Der Durchmesser von 60 Mil-

Erde entlang des Polarkreises im Alleingang zu umrunden. Für

limeter resultiert aus einer neuartigen Drehlünette mit

die Expedition entwickelte Panerai eine spezielle Armbanduhr.

2015

Leuchtmarkierung in Gestalt eines Punktes. Produziert für

Der 44 mm grosse Spezialstahl-Bolide mit einseitig drehbarer

Luminor Submersible Carbotech, PAM00616

die ägyptische Marine. Handaufzugskaliber 240 von Angelus.

Himmelsrichtungs-Lünette und amagnetischem Weicheisen-In-

Für den Rohling der leichten 47-mm-Schale verwendet Pane-

nengehäuse ist wasserdicht bis 30 bar. Auf lage 500 Exemplare.

rai leistungsfähige, mit Polyetheretherketon(PEEK)-Polymer

Die kissenförmige 45-mm-Schale umfängt ein hochfeines

1980er Jahre

hergestellte Karbonfasermatten. Selbige werden um jeweils

Titangehäuse-Prototyp

2005

15 Grad verdreht aufeinandergelegt und dann unter Druck

Verwendung von leichtem, antiallergischem Titan als alterna-

Radiomir 8 Tage GMT, PAM0097

bei einer vorgegebenen Temperatur untrennbar miteinander

tives Gehäusematerial zur Steigerung der Attraktivität. Der

Erste Panerai mit hauseigenem Panerai-Kaliber. Das aus 245

verbunden. 18 mm Gehäusehöhe verlangen nach insgesamt

Prototyp mit fünf mm dickem Saphirglas ist wasserdicht bis

Teilen zusammengefügte Premieren-Kaliber nennt sich P.2002.

126 Schichten. Manufaktur-Automatik P.9000.

zu 100 bar Druck.

Weissgoldgehäuse.

1993

2006

Minute Repeater Carillon Tourbillon GMT, PAM00600, 49 mm

Luminor Marina Militare, PVD auf Stahl, 44 mm

Luminor 1950 Submersible Depth Gauge, PAM 00193

Diese Armbanduhr tut die Zeit auf Wunsch akustisch kund:

Luminor mit PVD-beschichtetem Stahlgehäuse, wasserdicht

Taucher-Armbanduhr mit hybridem Innenleben: zur Zeitanzeige

erst die Zahl der Stunden, dann jene der danach verstrichenen

bis 30 bar. Die drei Buchstaben stehen für «physical vapour

ein Automatikwerk auf Basis des Eta 7750. Dazu Tiefenmesser

10-Minuten-Intervalle und schliesslich noch die Anzahl der

deposition», also ein Verfahren der physikalischen Abschei-

bis 120 Meter in Form eines elektronischen Moduls, bestehend

Minuten. Da heisst es um 11:59 Uhr kräftig zählen. Darüber

dung dünner Schichten über die Dampfphase. Das verbaute

aus Druckwandler, Mikroprozessor und Mikromotor für den Tie-

hinaus besitzt das Kaliber P.2005/MR auch ein Zeitzonen-Dis-

Uhrwerk: Eta-Unitas Handaufzug, Kaliber 6497.

fenzeiger.

positiv und eine Gangreserveanzeige.

1993

2007

2017

Luminor Slytech Daylight

Luminor 1950 Tourbillon GMT, PAM00276

LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days, PAM00700, 49 mm

Sylvester Stallone bestellte bei Panerai nach dem Abdrehen

Mit klassischen Tourbillons hat der Drehgang im Handaufzugs-

50 Käufer haben bei dieser Armbanduhr mit Karbongehäuse

des Thrillers «Daylight» 101 «Luminor Daylight Slytech»-Exem-

kaliber P.2005 kaum etwas gemein. Bei diesem neuen Uhrwerk

und dem innovativen Handaufzugskaliber P.3001/C ganze 50

plare. Die Lieferung erfolgte 1995 mit gravierter Unterschrift

dreht die Unruh quer zu ihrer Achse. Der Vergleich mit einem

Jahre ihre Ruhe. Im Fall nicht selbst verschuldeter Probleme

des Stars.

«Hähnchen am Grill» liegt deshalb nicht fern. Das wirkt zwar

gibt es Ersatz.

2016

nicht der Gravitation entgegen, bewirkt aber eine Reibungsop1995

timierung in den Lagern der Unruhwelle, des Ankers und des

2018

Mare Nostrum Slytech, 42 mm

Ankerrads.

Luminor Base Logo 3 Days Accaio, PAM00774, 44 mm

Sylvester Stallone bestellte auch einen «Mare Nostrum Sly-

Einstiegsmodell in die Welt der Panerai-Armbanduhren mit

tech»-Chronographen in Edelstahl mit 42 mm Gehäusedurch-

2008

hauseigener Mechanik. Im Stahlgehäuse tickt das neue Hand-

messer. Das verbaute Uhrwerk: Handaufzugskaliber Eta 2801

Luminor 1950 Chrono Monopulsate 8 Days GMT Ceramica,

aufzugskaliber P.6000 nach Vollaufzug drei Tage lang am

mit dem Chronographen-Modul 3127 von Dubois-Dépraz.

44 mm, PAM00317

Stück.

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WATCHES & JEWELLERY

DRIVE CAREFULLY ME Höher, teurer, weiter: Neue Superlative bei Auktionen zeigen, wie begehrt Uhren als Sammlerstücke sind. Hinter den jüngsten Rekorden steht das Genfer Auktionshaus Phillips mit seinem populären Auktionator Aurel Bacs. Mit ihm blickt PRE auf Highlights und auf den Sammlermarkt 2019.

Text: IRIS WIMMER-OLBORT Bild: PAUL NEWMAN / PHOTO BY NY DAILY NEWS ARCHIVE

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PRE

IRIS WIMMER-OLBORT Sie haben in den vergangenen Jahren mit den Uhrenauktionen von Phillips reihenweise Rekorde aufgestellt. Was waren die wichtigsten?

AUREL BACS Etwa ein Jahr vor der Rolex Daytona Paul Newman durfte ich eine Uhr von Patek Philippe versteigern – die Referenz 1518 in Edelstahl. Sie wurde im November 2016 in Genf verkauft und erzielte über elf Millionen Schweizer Franken. Noch nie wurde für eine Armbanduhr von Patek Philippe so viel Geld bezahlt. Das zeigt auch, dass der Materialwert eine untergeordnete Rolle spielt. Denn obwohl Edelstahl weit weniger exklusiv ist als Gold, sind diese Uhren in Stahl so teuer, weil sie so selten sind. Man kennt nur vier Edelstahlmodelle der Referenz 1518. Dabei handelt es sich um die allererste Armbanduhr der Welt mit ewigem Kalender und Chronograph. Der Erlös dieses Modells war übrigens auch für uns eine Überraschung.

AUREL BACS Das kann man ganz nüchtern anhand der Resultate berichten. Ganz oben steht mit Sicherheit die Rolex Daytona «Paul Newman», die im Oktober 2017 in New York für 17,8 Millionen Dollar verkauft wurde. Das ist das höchste Resultat, das je für eine Armbanduhr bei einer Auktion erzielt wurde. Dieses Los war, was man im Englischen einen «perfect storm» nennt. Denn alles, was einem Sammler wichtig ist, hat sich in dieser Uhr vereint: Sie stammt von einer der weltweit bekanntesten Uhrenmarken, von Rolex, sowie aus deren beliebtester Kollektion Daytona. Zudem handelte es nicht nur um ein Modell mit dem ebenfalls sehr begehrten Paul-Newman-Zifferblatt, sondern sogar um die Uhr von Paul Newman selbst. Das ist wie ein Urknall für einen Uhrensammler. Allerdings hätten wir selbst nicht mit diesem immensen Interesse gerechnet und haben die Uhr für einen Aufrufpreis von einer Million Dollar angesetzt.

IRIS WIMMER-OLBORT Was kann ein so kleines Objekt denn auch so wertvoll machen? Und woher kommen diese immensen Preissteigerungen? AUREL BACS Auch in anderen Bereichen hört man von immer neuen Rekordpreisen. Aus meiner Sicht ist das ein Zeichen unserer Zeit. Es ist einfach viel Geld im Umlauf ! Gleichzeitig sehen wir daran, dass sich die junge Generation extrem für historische Objekte interessiert, da der Konsum heute so wenig Inhalt bietet. Viele Waren haben heute keine Geschichte und erzählen uns nichts. Selbst ein teures Mobiltelefon ist letztlich ein Wegwerfartikel. Deshalb gibt es immer mehr Leute, die etwas besitzen wollen, was museumswürdig ist.

IRIS WIMMER-OLBORT Wie waren die Reaktionen vor und während der Auktion? AUREL BACS Die Uhr hat mehr Aufmerksamkeit bekommen als irgendein anderes Modell zuvor. Es gab keine Zeitung und kein Medium, das darüber nicht berichtet hat – weltweit! Wir glauben, dass die Hälfte der Menschheit in den vergangenen zwei Jahren irgendwann von dieser Uhr gehört hat. Also konzentrierte sich auch das Interesse der ganzen Welt auf den Verkauf dieser Uhr. Für mich als Auktionator war das sicherlich der aufregendste Moment in meinem Berufsleben. Als ich die Uhr angekündigt habe, rief schon ein Telefonanbieter: «zehn Millionen Dollar, bitte!» Der Aufrufpreis wurde also sofort um das Zehnfache überboten – so etwas gab es noch nie. Das war wie ein Tsunami, bis die Uhr schliesslich für 17,8 Millionen Dollar verkauft war.

IRIS WIMMER-OLBORT Wie wichtig ist es, dass eine Geschichte hinter einem Objekt steht? AUREL BACS Das zeigt ein weiterer Rekord aus dem vergangenen Jahr mit einer weissgoldenen Uhr von Omega. Im Mai 2018 haben wir diese Uhr aus dem Besitz von Elvis Presley für 1,8 Millionen Dollar verkauft. Der «King of Rock ‘n‘ Roll» hatte sie 1961 als Geschenk von seiner Plattenfirma erhalten. Das hat sowohl Uhrensammler als auch die Elvis-Fangemeinde interessiert. Sie kamen aus der ganzen Welt – auch das ist eine jüngere Entwicklung bei Auktionen. Heute nehmen an Auktionen von Phillips weit über 1000 Kunden aus 40 bis 50 verschiedenen Nationen teil. Das zeigt, wie immens gross der Uhrenmarkt heute ist und dass das Sammeln von Uhren in vielen Ländern beliebt ist.

IRIS WIMMER-OLBORT Wie wirkt sich ein solcher Rekord auf das Sammeln von Uhren aus? AUREL BACS Ich glaube, das war ein Wendepunkt. Denn bis dahin hat man von solchen Preisen für Armbanduhren nicht einmal geträumt. Damit wurden Uhren als Sammlerobjekte auf ein neues Niveau gehoben – in Sphären, in denen bislang Gemälde, bedeutende Juwelen oder herausragende Automobile verkauft wurden.

IRIS WIMMER-OLBORT Alle Uhren, von denen Sie berichten, sind faszinierend. Haben Sie auch ein persönliches Highlight? AUREL BACS Ich muss gestehen, dass ich zu der Daytona Paul Newman während der eineinhalbjährigen Vorbereitungszeit

IRIS WIMMER-OLBORT Gibt es weitere herausragende Uhren, die Sie für Phillips verkauft haben?

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PRE

«DIE SAMMLERGEMEINDE IST GEWACHSEN» eine besondere Beziehung aufgebaut habe. Ich arbeitete eng mit Paul Newmans Tochter zusammen und lernte seine Freunde kennen. Nach vielen Gesprächen hatte ich das Gefühl, dass er ein aussergewöhnlich feiner, interessanter, grosszügiger, verlässlicher und toller Mann gewesen sein muss. Er hat sich auch stets wohltätig engagiert, und ganz in seinem Sinne ging ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Uhr an die Stiftung von Paul Newmans Tochter, die sich für Umweltprojekte einsetzt.

darum, wie schön oder wie selten eine Uhr ist, sondern auch darum, wer der Käufer von morgen ist. Kunst und Sammelobjekte sind immer ein Abbild der Gesellschaft. Gefragt ist, was wir heute als schön und wünschenswert betrachten. IRIS WIMMER-OLBORT Herr Bacs, vielen Dank für das Gespräch.

IRIS WIMMER-OLBORT Nun sind die Erwartungen hoch. Welche besonderen Zeitmesser wird Phillips in diesem Jahr anbieten? AUREL BACS Dazu kann ich Ihnen noch gar nichts sagen. Nach unserer letzten Auktion in New York beginnen wir nun wieder von vorn. Was wir im Mai und im Juni bei unseren Auktionen in Genf anbieten, wird erst jetzt vorbereitet. Ganz allgemein aber kann ich sagen, dass sich das Angebot nicht vergrössert, die Sammlergemeinde und die Zahl interessierter Liebhaber aber immens gewachsen ist. Die Nachfrage wird ebenso grösser wie das Wissen der Sammler. Insgesamt ist der Uhrenmarkt sehr viel dynamischer, internationaler und schneller geworden. Die Interessenten sind heute sehr viel besser informiert als noch vor zehn oder 20 Jahren. Dennoch lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, wohin sich bestimmte Werte entwickeln. Denn es geht nicht nur

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PRE

Breitling: mit Georges Kern in die Zukunft

Text: GISBERT L. BRUNNER

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KURZER BLICK IN DIE GESCHICHTE Seit den eher bescheidenen Anfängen im Jahr 1884 sind die Eigentumsverhältnisse im Hause Breitling sehr überschaubar. Der Firmengründer Léon Breitling und seine familiären Nachkommen hielten das Steuer fest in ihren Händen. Bedingt durch die Quarz-Revolution und die damit einhergehende Uhrenkrise durchflog der unter anderem für Pilotenuhren anerkannte Spezialist in den 1970er Jahren heftige Turbulenzen. Daran konnte auch die massgebliche Beteiligung an der Entwicklung des weltweit ersten Automatikchronographen mit Mikrorotor nichts ändern. 1979 blieb Enkel Willy Breitling keine andere Wahl, als das Familienunternehmen geordnet zu liquidieren. Im Zuge dessen erwarb der Ingenieur Ernest Schneider nicht nur den Markennamen, sondern auch die wertvollen Rechte an zeitschreibenden Ikonen wie beispielsweise «Navitimer». Am 30. November 1982 rollte die Breitling Montres SA in Grenchen auf die Startbahn. Und der anschlies­ sende Aufstieg konnte sich wahrlich sehen lassen. Zum Beweis überragender Qualität schickte Sohn Théodore Schneider ausnahmslos alle mechanischen und elektronischen Uhrwerke zur offiziellen Zertifizierung bei der Schweizer Chronometer-Prüfstelle COSC. Das 125. Firmenjubiläum im Jahr 2009 brachte das erste komplett selbst entwickelte Uhrwerk mit Selbstaufzug und Chronograph. Das B01 katapultierte Breitling in den erlesenen Zirkel waschechter Manufakturen. Und weitere Kaliber folgten. Jährlich etwa 140’000 Uhren mit und ohne Stoppfunktion waren alles andere als ein Pappenstiel. Die Kalender zeigten Ende 2016, als in der Schweiz abermals Verkaufsgerüchte kursierten. Insofern kam die Ankündigung

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des Verkaufs an die 1981 gegründete CVC Capital Partners Ende April 2017 nicht unbedingt überraschend. Auslöserin für die Transaktion, bei der 825 Millionen Schweizer Franken an «Teddy» Schneider und seine Schwestern flossen, war eine der Schwestern von Théodore «Teddy» Schneider. Sie hatte ganz offensichtlich den Spass am durchaus volatilen Uhrengeschäft verloren. Logischerweise orientierte sich der Kaufpreis an Umsatz und Gewinn. 2016 hatte Breitling bei 418 Millionen Umsatz einen operativen Gewinn von 58 Millionen Schweizer Franken erzielt. Zunächst reinvestierte Théodore Schneider zwanzig Prozent des vereinnahmten Betrags. STEILE BERUFLICHE KARRIERE Am Morgen des 14. Juli 2017 überraschte die Nachricht, dass Georges Kern nicht nur Breitling-Anteile, sondern auch die Aufgabe des CEO übernehmen werde. Und das knapp drei Monate nach der Ernennung zum übergeordneten Chef aller spezialisierten Uhrenmarken des Richemont-Luxuskonzerns. Seine Bilderbuchkarriere startete der 1965 in Düsseldorf geborene Top-Manager nach dem Studium in Strassburg und St. Gallen. Nach ersten Schritten bei Kraft Foods wechselte der Politikwissenschaftler und Betriebswirt zu TAG Heuer. Als jüngster Marken-CEO bei Richemont winkte Anfang 2002 die Leitung von IWC. In Schaffhausen initiierte Kern eine klar strukturierte Marken-, Modell-, Marketing-, Werbe- und Globalisierungsstrategie. Der Erfolg spricht Bände: Anfang des 21. Jahrhunderts erwirtschaftete die Traditionsmanufaktur einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Schweizer Franken. Etwa 80 Prozent der etwa 40’000 Armbanduhren gingen an Kunden


PRE

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Premier british racing green

Premier silver dial

Navitimer

Navitimer back PANAM

Navitimer face PANAM

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im deutschsprachigen Raum. Im Laufe der Zeit reduzierte sich dieser Anteil auf circa ein Drittel. Gleichermassen clevere wie gezielte Expansion in neue Märkte wie «Greater China» liessen die Produktion auf mehr als 100’000 Uhren und die Erlöse auf ungefähr 700 Millionen Franken klettern. Als Katalysatoren wirkten Kerns ausgewiesene Marketingkenntnisse und viel Prominenz aus der Welt des Films oder des Sports. Darüber hinaus setzte der Sohn eines Düsseldorfer Nobel-Juweliers auf die Manufakturkarte. «Als ich 2002 begann, generierte IWC aus der eigenen Werkefertigung nur fünf Prozent Wertschöpfung.» Dank Georges Kern sind es mittlerweile mehr als die Hälfte. Tendenz steigend. VISIONEN FÜR BREITLING Ähnlich signifikant nach oben soll die Kurve künftig auch bei Breitling zeigen. Auch dort erzählt jede Uhrenlinie ihre eigene Geschichte. Eine überragende Rolle spielen Fliegeruhren. Als unangefochtene Ikone gilt der «Navitimer», ein Kürzel aus Navigation und Timer. Wichtigster Kundenkreis ist bislang das männliche Geschlecht. Und im riesigen Reich der Mitte sieht der Mann im Cockpit jede Menge ungenutzte Chancen. Folglich sollte der Umsatzsprung auf über 500 Millionen Schweizer Franken keine übermenschliche Angelegenheit sein. Allerdings, und darin besteht der signifikante Unterschied zum bisherigen Berufsleben, betätigt sich Georges Kern bei Breitling auch unternehmerisch. «Genau darin bestand für mich eine wahrhaft einzigartige Chance.» Sofort nach dem Amtsantritt in Grenchen machte sich der ambitionierte CEO an die Restrukturierung und Neuausrichtung der Uhrenkollektion. «Bezüglich des künftigen Markenauftritts gibt es eine ganz klare Vision. Im Prinzip ist alles klipp und klar definiert. Mein Team ist sehr schnell und extrem erfahren. Sei es in der Produktplanung und -gestaltung, im Marketing oder im Vertrieb. Bei Breitling agieren absolute Fachleute, welche die Branche und erfolgreiche Produkte in- und auswendig kennen. Mit anderen Worten: Sie drücken auf den Knopf, und die Maschine läuft …» Den ersten Coup landete Georges Kern mit der viel diskutierten und durchaus polarisierenden «Navitimer 8». Kurz gesagt handelt es sich um eine traditionelle Fliegeruhr, inspiriert von jenen Bordinstrumenten, welche Breitling in den 1930er Jahren im sogenannten «Atelier 8» produzierte. Jedoch ohne den für die «Navitimer»-Familie typischen Rechenschieber. Und genau das führte unter Breitling-Sammlern zu einigen Diskussionen. In den Monaten seit der Lancierung präsentierte Georges Kern einige limitierte Weiterentwicklungen, angelehnt an die bekannten AVI- oder Co-Pilot-Modelle aus den 1950ern. Beispiele sind die «Swiss-Edition» oder die limitierte «Mr. Porter». Besonders bemerkenswert in diesem Zusammenhang sind die kürzlich vorgestellte «Curtis P40 Warhawk» mit entsprechend gravierter Drehlünette und die typischen Totalisatoren des Chronographen der AVI-Referenz 765 von 1953. Hier vervollständigt «Aviator» bereits die Produktbezeichnung. Georges Kern zeigt sich also anpassungsfähig. Folglich kann man sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass künftig das klassische Fliegeruhren-Segment unter dem Namen «Aviator 8» sowie mit den gestalterischen Wurzeln des Klassikers «Co Pilot» der 1950er Jahre auftreten wird. In punc­ to Kooperation mit Bentley änderte Georges Kern ebenfalls die Richtung. «Ich kann nur sagen, dass die neuen Produkte

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für Bentley anders, weitaus eleganter aussehen werden als die bisherigen», prophezeite der agile Firmenlenker im Frühjahr 2018. Und er hat Wort gehalten. Im Herbst 2018 kehrte «Premier» zurück. Der Relaunch steht im Zeichen von insgesamt fünf zeitlos gestalteten Modellen, mit denen die Manufaktur verschiedene, in jedem Fall aber mehr oder weniger bodenverhaftete Kundenkreise erreichen möchte. Neben klassischen Drei-Zeiger-Armbanduhren gibt es logischerweise auch mehrere Chronographen ohne und mit Manufakturkaliber. Das B01 beseelt eine Premiere in der «Premier»-Kollektion. Sie hebt die seit 2002 gepflegte Kooperation mit der automobilen Luxusmarke Bentley auf eine neue Ebene. Künftig finden entsprechende Armbanduhren ihren Platz in existenten Uhrenfamilien des Hauses Breitling. Den Anfang macht der «Premier B01 Chronograph 42 Bentley British Racing Green». Trotz enger Bezüge zum Automobil ist die stählerne Schale keineswegs wasserscheu. Bis zu zehn bar hält sie dem Druck des nassen Elements mühelos stand. ERINNERUNGEN AN DIE ZUKUNFT Das Neueste aus Grenchen demonstriert einmal mehr die engen Bezüge des Hauses Breitling zur Aviatik. «Wir haben uns intensiv mit Historikern oder renommierten Sammlern von alten Breitling-Uhren ausgetauscht. Unsere Gesprächspartner besitzen grosses Wissen und Kompetenz, und diese flossen in unsere Überlegungen ein. Nicht zuletzt auch aus kommunikativer Sicht wollten wir ein Dachkonzept für unsere Pilotenuhr. Diesbezüglich ist Navitimer der bekannteste und stärkste Name und in der Branche wohl der etablierteste.» In diesem

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Sinne steht das Frühjahr 2019 im Zeichen mehrerer klassischer «Navitimer»-Chronographen. Die «Airlines»-Edition – eine Navitimer-Hommage an die Fluggesellschaften Swissair, Pan Am und TWA – erinnert an die Goldene Ära der zivilen Luftfahrt und Breitling als wichtiger Partner der Aviatik in dieser Zeit. In Gestalt des «Navitimer 1 B01 Chronograph 43 Pan Am Edition» wird sie sich zumindest an den Handgelenken Breitling-affiner Globetrotter wieder in die Lüfte erheben. Nostalgische Gefühle der gleichen Art erweckt das Pendant «TWA». Hinter den drei möglicherweise in Vergessenheit geratenen Buchstaben verbirgt sich die 1930 vom legendären Howard Hughes gegründete und 2001 eingestellte «Trans World Airlines». «Wir lancieren diese Airline Editions in einer neuen Capsule-Kollektion mit zeitlich und somit auch zahlenmässig limitierter Auflage, die allerdings nicht nummeriert ist. Mit den Capsule-Kollektionen möchten wir auf ausgewählte Begebenheiten verweisen, die in der Geschichte der Breitling-Kernkollektion verwurzelt sind.» Dritte im Bunde ist ein nicht minder augenfälliger Chronograph zu Ehren der «Swiss­ air». Apropos Swissair. Zum Nachfolger «Swiss International Airlines» pflegt Breitling enge, von Nachhaltigkeit geprägte Beziehungen. «Was die Manufaktur gegenwärtig präsentiert, ist logischerweise nur ein Bruchteil dessen, was wir im Kopf haben. Wir können sehr viel machen, weil wir unabhängig und nicht börsennotiert sind.» Teddy Schneider hat seinen Anteil übrigens mittlerweile an CVC verkauft. Wie es scheint, hat die Zukunft bei Breitling gerade erst begonnen.


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HARRY WINSTON Wenn stilvolle Eleganz und form-

vollendete Ästhetik aufeinandertreffen, lässt sich die Geschichte von Harry Winston entdecken. Die Kunst, Grenzen zu überschreiten und damit neue Massstäbe zu setzen. Das Geschick, mit Brauchtum zu brechen und dabei das Fundament für neue Traditionen zu legen. So einzigartig wie die Liebesgeschichten, die das Leben schreiben mag, sind auch die edlen Verlobungsringe vom König der Diamanten.

KARAT-ART Text: INA RESIAK

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PRE

Seit 1932 war der Juwelier der Stars angetrieben, mit viel Leidenschaft die edelsten und rarsten Steine zu suchen und zu finden. Sein Name steht für Diamantschmuck der Superlative, er liebte die Romantik und war fasziniert von der Schönheit der Edelsteine und welchen Zauber sie in ihm auslösten. Keiner verstand es so wie er, Diamanten zu arrangieren, und in jedem einzelnen sah er eine eigene Seele, ja sogar ein eigenes Wesen, das ebenso individuell wie ein Mensch behandelt werden müsse. So liess er dann auch die edlen Steine selbst und nicht etwa die Fassung das Design diktieren. Harry Winston revolutionierte das Schmuckdesign – damals und heute. Ob die legendäre Krappenfassung oder die Verwendung von möglichst wenig Metall, um die Schönheit und Seele der Diamanten vollends zur Geltung zu bringen. Die Designer und Kunsthandwerker in den Harry-Winston-Ateliers führen dieses Erbe mit Erfolg fort.

EIN ECHTER DIAMANT IST EIN GUT, AN DEM VIELE GENERATIONEN FREUDE HABEN WERDEN.

ZEITLOSE ELEGANZ Jedem einzelnen Harry-Winston-Diamanten wohnt ein unglaublicher Zauber und Stolz inne, der auf jahrzehntelanger Erfahrung und Tradition beruht. Jedes Schmuckstück besitzt exquisite Qualität, die über Generationen hinweg erfreuen wird. Auch in der Kollektion der romantischen Verlobungsringe «Brilliant Love» spiegelt sich die gesamte Juwelierkunst des Hauses wider. So wird jeder Ring in aufwendiger Handarbeit hergestellt, und für jeden Diamanten wird eine individuelle Fassung aus Platin angefertigt. Und weil für die Liebe das Beste gerade gut genug ist, werden ausschliesslich Diamanten der drei höchsten Farbstufen D, E und F verarbeitet.

HARRY WINSTON

SYMBOLE DER LIEBE Die Verlobungsringe bestechen durch zeitlose Eleganz und ihr filigranes Design. Ob klassisch, verspielt oder imposant, ob Kissen-, Baguette-, Oval- oder Tropfenschliff – die Ringmodelle sind in einer Vielzahl an Stilen erhältlich und tragen das Erbe des Hauses auf eindrückliche Weise in sich. So, wie der Verlobungsring «Lily Cluster», dessen Design auf die 40er-Jahre zurückgeht, wo die ersten Skizzen aus dem Winston-Archiv herkommen und auf dem langjährige Engagement des Hauses basieren. Schmuckstücke zu kreieren, inspiriert von der Natur, wie die raffinierte Form einer blühenden Lilie. So auch die Hommage an die Kunstmäzenin, mit den Ring «Belle», welche den Nachlass an Harry Winston vermacht hat und so den Grundstein für die glanzvolle Karriere gesetzt hat. Der Ring steht vor allem für die wunderschönen geometrischen Zargen und Mikro-Pavé. Ebenso mit Mikro-Pavé präsentiert sich der Ring «The One», der durch zeitlose Eleganz besticht und dessen Mittelstein im runden Brillantschliff, Oval- oder Kissenschliff angeboten wird. Einen ganz besonderen Service für die Herzdame bietet Harry Winston mit der sogenannten «Ultimate Bridal»-Kollektion, bei der ein individueller Diamant-Verlobungsring mit einem Mittelstein ab 3 Karat angefertigt werden kann, der genauso einmalig ist wie die eigene Liebesgeschichte. Doch ganz gleich, für welche Karat-Art man sich entscheidet, die Ringe von Harry Winston sind aussergewöhnliche Symbole der Liebe. harrywinston.com

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EINE PARTIE MIT FRANÇOIS MARC A. HUERLIMANN Wie wählen Sie Ihre Golf-Botschafter aus? Wie finden Sie diese ungeschliffenen Diamanten, bevor sie der breiten Öffentlichkeit ein Begriff sind?

MARC A. HUERLIMANN Wie wurden Sie CEO von Audemars Piguet? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Ich kam 1994 zu Audemars Piguet. Damals begann ich als Vertriebsleiter für die Regionen Asien-Pazifik und Europa und konnte 1999 die Verantwortung für den US-Markt übernehmen. 2012 wurde ich zum CEO ernannt und zog in die Schweiz.

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Ich treffe mich gern mit ihnen, um mehr über ihren Hintergrund zu erfahren und zu verstehen, wer sie wirklich sind. Wir sind ständig auf der Suche nach aussergewöhnlichen Persönlichkeiten mit der richtigen Einstellung.

MARC A. HUERLIMANN Bereits vor Ihrer Zeit bei Audemars Piguet spielte Golf für Sie eine wichtige Rolle – können Sie uns mehr darüber erzählen?

MARC A. HUERLIMANN Wenn man vom Spiel selbst einmal absieht: Was bedeutet der Golfsport noch für Audemars Piguet?

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Ich habe schon früh mit dem Golfspielen angefangen und nahm den Sport immer sehr ernst. Mit 18 beschloss ich, die Schule abzubrechen, um professionell Golf zu spielen. Wie Sie sehen, verläuft im Leben nicht immer alles nach Plan (lächelt).

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Der Golfsport gehört neben zeitgenössischer Kunst und seit Kurzem auch Musik zu den Grundpfeilern unserer Marketingstrategie. Wir haben damit eine Plattform, um die Uhren in einen lebendigen Kontext zu setzen und eine persönliche Bindung zu unseren Kunden aufzubauen. So bringen wir beispielsweise anlässlich unseres AP Golf Invitationals hier in Dubai Kunden mit einigen unserer Profi-Golfer zusammen, damit diese etwas Zeit miteinander verbringen können. Kunden, die selbst Meister auf ihrem Gebiet sind, haben immer grosses Interesse daran, mit Profisportlern zu sprechen und zu verstehen, wie diese immer wieder Spitzenleistungen erbringen können. Sie haben eine schöne Zeit zusammen, geben einander Ratschläge etc.

MARC A. HUERLIMANN Neben der Herstellung von Uhren ist Golf für Audemars Piguet eines der ganz wichtigen Themen. Wo liegt der Unterschied zu anderen Uhrenmarken, die ebenfalls in den Golfsport investieren? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Bei Audemars Piguet legen wir grossen Wert auf das, was wir unseren «Familiensinn» nennen: Wir sponsern talentierte Spieler und keine Wettkämpfe. Wir betrachten unsere Profi-Golfer als Teil der AP Familie, nicht nur als Markenbotschafter. Unsere Beziehung zu ihnen ist durch einen sehr lebendigen und persönlichen Kontakt geprägt. Ganz besonders kümmern wir uns um junge Talente, die häufig bereits vor ihrem grossen Durchbruch zu uns gekommen sind.

MARC A. HUERLIMANN Wie schwer oder einfach ist es, eine Uhr von AP auf dem Golfplatz zu verkaufen? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Das ist nicht das Ziel. Das ist weder der richtige Ort

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PRE

noch der passende Zeitpunkt dafür. Vielmehr wollen wir Beziehungen zu unseren Kunden aufbauen und ihnen einzigartige und persönliche Erlebnisse bieten.

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Ich kann nur für AP sprechen. Wenn ich es auf den Punkt bringen müsste, würde ich sagen, dass wir niemals auf der Stelle treten. Die Strategie der letzten Jahre zahlt sich zunehmend aus und wir konzentrieren uns weiterhin auf ein langfristiges und qualitatives Wachstum. Wir bleiben bei einer ausgewogenen Verkaufsstrategie und konzentrieren uns weltweit zunehmend auf den Vertrieb über die Monobrand-Boutiquen und AP Houses. Und das ist erst der Anfang.

MARC A. HUERLIMANN Um beim Thema zu bleiben: Wir haben gesehen, dass Sie neben den Boutiquen noch andere, alternative Plattformen für die Marke ins Leben gerufen haben – so zum Beispiel die AP Houses. Wo werden die Uhren in Zukunft verkauft?

MARC A. HUERLIMANN Wie wichtig ist bei alledem die Tatsache, dass sich das Unternehmen in Familienbesitz befindet?

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Überall! Der Detailhandel entwickelt sich weiter. Die Verbrauchergewohnheiten ändern sich und wir müssen neue Lösungen finden, um den Wünschen der Kunden entgegenzukommen. In den AP Houses können wir unseren Kunden nun das gesamte Universum von Audemars Piguet präsentieren, was schon allein aus Platzgründen in den Boutiquen nicht immer möglich ist. Die Resonanz darauf ist sehr gut: Im Durchschnitt verbringen unsere Kunden doppelt so viel Zeit in unseren AP Houses wie in den Boutiquen.

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Dies bildet das Herz unserer Unternehmenskultur. Unsere Eigentümer denken und planen in Generationen und nicht mit Blick auf die Quartalsberichte. Gleichzeitig wird effizient reagiert, wenn Entscheidungen zu treffen sind. Wie Jasmine Audemars sagte: «Heute geht es nicht mehr um grosse Fische, die kleinere schlucken. Es geht vielmehr um die schnelleren, die den langsameren den Rang ablaufen.»

MARC A. HUERLIMANN Ein anderer wichtiger Bereich ist der Verkauf übers Internet. Werden die Menschen Uhren von AP, die CHF 50’000 kosten, im Online-Shop kaufen?

MARC A. HUERLIMANN Wie sehr sind die Eigentümer im Tagesgeschäft an Unternehmensentscheidungen beteiligt?

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Wir sollten uns darauf konzentrieren, hohe Qualität zu bieten. 2018 haben wir den Online-Vertrieb mit unserer ersten internetbasierten WeChat-Pop-upBoutique getestet. Dies geschah in Kooperation mit JD.com, einer der grössten Online-Handelsplattformen Chinas. Bereits 2019 planen wir, unsere eigene Webseite transaktionsfähig zu machen – allerdings nur für den US-Markt. Das Internet ist eine neue Möglichkeit, Kunden zu erreichen. Es ist ein neues Werkzeug, eine neue Sprache. Zunächst muss man es beherrschen, dann kann man es nutzen.

FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Sie haben das Unternehmen als Ganzes im Blick, während die Umsetzung beim Management und dessen Teams liegt. MARC A. HUERLIMANN Blicken wir einmal in die Zukunft: Worin bestehen für AP die grössten Herausforderungen? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Wir haben dieses Jahr zum letzten Mal am Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) teilgenommen und feiern gleichzeitig unseren wichtigsten Launch seit der Royal Oak. Ausserdem werden wir unser Produktionsvolumen ab nächstem Jahr auf über 40’000 Einheiten steigern und wir verlagern unser Vertriebsmodell weg von den Multi-Brand-Retailern und hin zu einem integrierten Detailhandelsnetzwerk. Wie Sie sehen, fehlt es uns nicht an Herausforderungen, und bald werden neue hinzukommen.

MARC A. HUERLIMANN Apropos Vertrieb – wie war das Geschäftsjahr 2018 für AP? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS 2018 war ein weiteres Rekordjahr für Audemars Piguet, das siebte in Folge. Unsere Einnahmen beliefen sich auf 1,1 Mrd. CHF, was einem Wachstum von 10% entspricht. Dennoch werden wir wie geplant auch 2019 bei einem Volumen von 40’000 Uhren bleiben. Ab 2020 werden wir das Produktionsvolumen dann jährlich leicht steigern, um der stetig wachsenden Nachfrage nachzukommen. Wie Sie sehen, entwickelt sich das Unternehmen ständig weiter, bleibt dabei aber seiner DNA und seinen Werten treu.

MARC A. HUERLIMANN Überall spricht man über die Generation Y. Wie wollen Sie einen 18-Jährigen mit einem Preis von CHF 50’000 erreichen? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Das Durchschnittsalter unserer Kunden liegt zwischen 30 und 35 Jahren. Wir haben heute sogar zahlreiche junge Kunden unter 20 Jahren, die ihre Eltern mit der

MARC A. HUERLIMANN Einige Wettbewerber haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Was macht AP anders?

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WATCHES & JEWELLERY

Marke bekannt machen, statt andersherum. Hierbei ist es besonders wichtig, die Sprache der Kunden zu sprechen. Wir sind stets bemüht, hier beispielsweise durch moderne Medien immer auf dem neuesten Stand zu sein. Die grösste Hilfe sind jedoch unsere jungen Kunden selbst, die nur zu gern ihre Ansichten mit uns teilen. MARC A. HUERLIMANN Welche Rolle kommt dabei den sozialen Medien zu? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Die sozialen Medien sind schon jetzt ein wichtiger Kanal, um diese neue Generation von Kunden zu erreichen. Aber wir sind keine Hellseher. Es ist schwer zu sagen, was die Zukunft bringen wird! MARC A. HUERLIMANN AP hat dieses Jahr zum letzten Mal am SIHH teilgenommen. Was waren die Gründe dafür? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Das Konzept einer Messe entspricht nicht mehr unseren wirtschaftlichen Bedürfnissen im Markt. Die Strategie von Audemars Piguet besteht darin, näher an die Endkunden heranzukommen, deren Bedürfnisse zu verstehen und ihnen mehr Qualität und einen schnelleren Service zu bieten. Um in direkten Kontakt mit den Kunden zu treten, hat die Stärkung unseres Vertriebsnetzes oberste Priorität. Die Entscheidung, unsere Partnerschaft mit dem SIHH zu beenden, ist eine logische Folge dieser Ausrichtung. MARC A. HUERLIMANN Was plant AP nun anstelle des SIHH? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Wir werden vermehrt auf kleine Lancierungs-Events setzen, die über das Jahr verteilt jeweils kurz vor der Auslieferung unserer Produkte stattfinden werden. Wir wollen unsere Vorlaufzeiten verkürzen und unseren Kunden eine schnellere, nahezu sofortige Lieferung bieten. Manche Kunden haben keine Lust, nach der Bestellung sechs Wochen auf ihre Uhr zu warten. Das verstehen wir, weshalb unser erklärtes Ziel nun darin besteht, den Kunden ins Zentrum unserer Strategie zu rücken. MARC A. HUERLIMANN Eine letzte Frage: Wenn nicht in der Uhrenindustrie, wo würden Sie sich dann sehen, François-Henry Bennahmias? FRANÇOIS-HENRY BENNAHMIAS Da gibt es so viele Möglichkeiten! Musik ist meine Leidenschaft. Ich könnte mir also gut vorstellen, als Musical-Produzent am Broadway zu arbeiten. Wer weiss, was mich als Nächstes erwartet. Das Beste kommt erst noch.

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IHRE KAISERLICHE MAJESTÄT OCEAN INDEPENDENCE 120


MOTION Text: HELENA UGRENOVIC Bild: OCEAN INDIPENDENCE

Als Nicolas Dean und Peter Hürzeler 2005 gemeinsam die Segel hissen, entsteht innerhalb von vierzehn Jahren das mächtigste Yacht-Charter-Management mit der grössten Luxus-Charterflotte der Welt und 16 internationalen Niederlassungen. Ocean Independence. Freiheit, Abenteuer, Luxus und Ewigkeit. So prickelnd wie Schaumkrönchen einer sanften Welle oder ein eisgekühlter Dom Pérignon. 121


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Ein erfahrener Yachtmakler, der seine Bestimmung vor einigen Jahrzehnten in Brighton findet und seine erste Yacht mit gerade mal 19 Jahren verkauft, und ein ehemaliger Kapitän grosser Motorsegler, der später Ocean Cruise gründet und seiner Liebe zur See und zu Schiffen treu bleibt, verbünden ihre Synergien, gründen eine Charterfirma, integrieren im Laufe der Jahre weitere Charteragenturen und 2010 die hundertste Central-Agency-Yacht, eröffnen Büros unter anderem in Mumbai, Malta, den USA und Auckland, vermieten und verkaufen Superyachten, und schwups regiert die grösste Charterfirma für Luxus-Yachting die Meere der Erde, der Rubel rollt, der Ruf eilt ihnen voraus, und alle sind glücklich. Happy family. Wäre die Kurzversion. Die (zu) einfache Kurzversion. Was den Erfolg des Imperiums für Luxus-Yachting ausmacht, setzt sich aus unendlich vielen Komponenten zusammen, die miteinander verknüpft, ineinander verwoben und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sind. Das Ziel der Gründungsväter Dean und Hürzeler sowie ihrer Teams ist zugleich eine Passion – Chartergästen oder Käufern nicht nur eine auf ihre Vorstellungen und Bedürfnisse massgeschneiderte Charta auf einer schmucken Yacht zu ermöglichen, sondern unvergleichliche Kompetenz und ultimativen Yachting Lifestyle an den schönsten Flecken der Welt zu ermöglichen. Im deutschsprachigen Markt ist übrigens kein Yacht-Broker erfolgreicher als Ocean Independence.

Independence bietet einen ganzheitlichen Rundum-Service an, vertreibt, managed, repariert und baut Super-Yachten. Der Service auf höchstem Niveau setzt sich aus einem Team zusammen, das mehr Erfahrung und Experten-Know-how im maritimen Bereich aufweist als jedes andere Broker-Unternehmen und mit 16 Büros rund um den Globus und 26 Nationalitäten ein effizientes und dynamisches globales Netzwerk formt. Damit ein glückliches Schiff von einer glücklichen Besatzung geführt wird, stellt die Auswahl der richtigen Crew ein zentrales Anliegen des Managements dar und rekrutiert Ocean Independence die Yacht-Crews mit grösster Sorgfalt. Nur hochmotivierte und ausserordentlich fähige Kapitäne sowie Mannschaften bestehen das auf höchstem Level angesetzte Qualitätssiegel des Ocean-Independence-Managements, das zudem noch ein spezielles Yacht-Etiquette-Programm entwickelt hat, um den hohen Erwartungen an die Crew einer Superyacht gerecht zu werden. Es ist ein bislang einzigartiges Konzept, ein komprimierter und massgeschneiderter Kurs, der an Bord einer Superyacht und mit Hanspeter Vochezer, dem Präsidenten der Swiss Butler Association, abgehalten wird. Ein Garant dafür, dass die Crew nach diesem Spezialistentraining ein Höchstmass an Service bietet und Passagiere Komfort und Professionalität auf höchstem Niveau erleben. AND THE WINNER IS – «MIMI LA SARDINE» Sie ist die neueste Ergänzung der Charterflotte, wurde im Oktober 2018 gewassert und wird im Sommer 2019 erstmals mit zahlenden Gästen ablegen. Die 33-Meter-Motoryacht von Cantiere delle Marche bietet mit fünf Doppelkabinen Platz für bis zu 12 Gäste. Das Innendesign führt nahtlos zu drei Decks mit mehreren Lounge-Bereichen und einem warmen Pool auf der Sonnenterrasse. Am 27. Januar 2019 wurde die Charteryacht «MIMI LA SARDINE» bei dem «Superyacht Design Symposium» in Cortina, Italien, als Gewinnerin mit dem «International Design and Innovation Award» für das Jahr 2019 ausgezeichnet.

BEHIND THE SCENES Sie sind ästhetisch, anmutig, faszinierend, sexy, manche etwas kleiner, manche dominanter, einige schlichter, andere pompöser und prunkvoller. Beeindruckend ist jede von ihnen, und sie erwecken Sehnsucht. An Bord zu gehen, sich in einen der ausladenden Ledersessel zu werfen, kulinarische Köstlichkeiten von einem Silbertablett zu pflücken, Wind im Haar und Salz auf der Haut zu spüren, das Glitzern der Wellen zu betrachten, mit jedem zurückgelegten Meter auf dem Wasser neue Eindrücke zu erleben, abends umschmeichelt von perfektem Lichtdesign sowie unter dem Sternenhimmel irgendwo im Nirgendwo mit Freunden das Leben zu feiern. Freiheit zu fühlen. Eins zu sein mit den fünf Elementen. Wasser, Luft, Erde aus der Ferne, dem Feuer der Leidenschaft sowie atemberaubendem Yacht-Life­ style, der einzigartig und unvergleichbar ist. Bis jedoch die Anker gelichtet sind, der Motor angelassen ist und Yacht-Lifestyle beginnt, sei es als Gast oder als Käufer, arbeitet ein ganzer Tross Profis perfekt aufeinander eingespielt und wie Zahnrädchen eines Chronographen. Ocean

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SOC MOTION

Der Supercar Owners Circle trifft sich im Nahen Osten.

Text: MARC A. HUERLIMANN Bild: SOC

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Beim Supercar Owners Circle (SOC) handelt es sich um das weltweit exklusivste Netzwerk für Autosammler. Denn die Mitgliedschaft ist nur Besitzern der seltensten und prestigereichsten Supersportwagen vergönnt. Neben einer Vielzahl an Supersportwagen-Erlebnisevents bietet der SOC seinen Mitgliedern zahlreiche Vorteile und Serviceleistungen über seine Partner – angefangen bei Auktionshäusern über exklusive Reiseanbieter bis hin zu Lifestyle-Marken. Die Mitgliedschaft ist ausschliesslich auf Einladung möglich und derzeit auf 150 Personen beschränkt. Der Supercar Owners Circle veranstaltet jährlich ein SOC-Wochenende auf jedem Kontinent. Ausserdem lädt der SOC seine Mitglieder zu einer Vielzahl von kleineren SOC-Treffen ein, die für gewöhnlich anlässlich wichtiger Motorsportveranstaltungen wie dem Concorso d’Eleganza Villa D’Este in Italien oder dem Goodwood Festival of Speed im Vereinigten Königreich stattfinden. Das erste SOC-Wochenende von 2019 fand Anfang des Jahres in Dubai und Abu Dhabi statt. Zu diesem Anlass erhielt PRE einen einzigartigen Einblick in diese gleichsam spektakuläre wie exklusive Veranstaltung. Den Auftakt zur Veranstaltung bildete eine Ausstellung vor dem Jachtklub des Bvlgari Hotel & Resort in Dubai. Unter den 40 teilnehmenden Fahrzeugen befanden sich eine Reihe von Unikaten wie beispielsweise ein Pagani Zonda 760 AG oder ein Ferrari SP30 sowie diverse Klassiker wie der höchst seltene Ferrari 288 GTO. Die Stimmung unter den Mitgliedern ist ausgelassen und locker. Hier vertraut man einander – ein Gefühl, das generell auf SOC-Veranstaltungen sehr verbreitet ist. Es ist ein Treffen wahrer Automobilenthusiasten, denen es nicht darum geht, ihre Fahrzeuge zur Schau zu stellen, sondern diese vielmehr gemeinsam mit gleichgesinnten Motorsportbegeisterten in ihrem vollen Glanz zu geniessen. Die Supersportwagen mit einem Gesamtwert von mehr als 100 Millionen US-Dollar sind wie beiläufig an der Promenade parkiert, wo sie von allen Autoliebhabern bewundert werden können. Nach dem Willkommensempfang wurden die Teilnehmer eingeladen, drei einzigartigen Präsentationen im Sitzungssaal des Hotels beizuwohnen. Solche Informationsveranstaltungen bieten einen unvergleichlichen Einblick in die Welt der Automobilindustrie. Ziel hierbei

ist es, direkte und persönliche Kontakte zwischen den Herstellern und den anwesenden Teilnehmern zu knüpfen — ein weiterer Vorteil der SOC-Mitgliedschaft. Zu den Rednern gehörte der Vorstandsvorsitzende und Chefdesigner des italienischen Herstellers Carrozzeria Touring Superleggera, der zu diesem Anlass einen auf dem Lamborghini Aventador basierenden Supersportwagen enthüllte, der ausschliesslich für SOC-Mitglieder verfügbar sein wird. Weitere Redner waren der Vorstandsvorsitzende der Mercedes Mechatronik GmbH sowie der Gründer und CEO des in Dubai ansässigen Supersport- und Luxuswagenherstellers W Motors. Nach Abschluss der Präsentationen wurden die Gäste zu einer exklusiven Uhrenvorstellung an Bord einer der Jachten geladen, woraufhin die Dubaier Polizei die teilnehmenden Fahrzeuge zum Grand Opening der Pirelli P Zero World in Dubai begleitete. Am zweiten Tag fuhren die Teilnehmer in Begleitung eines Polizeikonvois zur SBH Royal Auto Gallery in Abu Dhabi, dem privaten Fuhrpark von Scheich Sultan Al Nahyan, ebenfalls SOC-Mitglied. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Fahrzeuge auf dem berühmten Yas Marina Circuit auszufahren. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Abendessen im Restaurant Cipriani auf der Insel Yas mit Blick auf die Rennstrecke. Zu den nächsten SOC-Treffen kommt es anlässlich des Genfer Automobilsalons im März, des Formel-1Grand-Prix in Schanghai im April und während des Concorso d’Eleganza Villa d’Este im Mai. Autosammler, die an einer SOC-Mitgliedschaft interessiert sind, können über die offizielle Webseite mit dem Supercar Owners Circle in Kontakt treten.

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1 (vorherige Seite) Ein Koenigsegg Agera RS auf dem berühmten Yas Marina Circuit während des SOC-Wochenendes in den Vereinigten Arabischen Emiraten 2 Ein Pagani Zonda 760 AG (Unikat), von einem SOC-Mitglied aus Dubai in Auftrag gegeben 3 Anlässlich des SOC-Wochenendes in den Vereinigten Arabischen Emiraten treffen sich Teilnehmer aus aller Welt im Jachthafen des Bvlgari Hotels in Dubai mit ihren Sportwagen-Raritäten. 4 (Folgeseite) Ein Porsche 918 Spyder mit passendem Nummernschild trifft ein.


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HARLEYDAVIDSON Das Urgestein aus Milwaukee surrt ins Elektro­zeitalter.

Text: FRED HUBER Bild: PETER FONDA UND DENNIS HOPPER IN EASY RIDER

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Harley-Davidson war schon immer mehr als eine Motorradmarke. F체r viele ist Harley-Davidson ein Mythos, ein Lebensgef체hl, f체r manche gar eine Religion. Doch die klassischen Harley-Fahrer werden immer 채lter. Nun sollen trendige Elektro-Bikes die Enkel der heutigen Harley-Kunden umgarnen. Daniel Huber

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PRE 1903 Der 21 Jahre alte William S. Harley baut zusammen mit dem 20-jährigen Arthur Davidson in einer kleinen Holzhütte in Milwaukee das erste Harley-Davidson-Motorrad mit Einzylinder-Motor. Wenig später stösst Arthurs Bruder Walter dazu.

1920 Mit einer Jahresproduktion von rund 30ʼ000 Einheiten ist H-D zum grössten Motorradhersteller der Welt emporgestiegen. 1956 Elvis kauft sich seine erste H-D.

1907 Nachdem auch noch William Davidson mitmacht, gründen die drei Davidson-Brüder und Harley als gleichberechtigte Partner die Harley-Davidson Motor Company Incorporation.

1960 H-D baut einen Vespa-ähnlichen Scooter namens Topper. Er bleibt ein einmaliger Ausrutscher.

1909 H-D entwickelt einen V-förmigen 45-Grad-Zweizylinder-Motor. Das V2-Konzept hat bis heute Bestand und wird zum Synonym für H-D.

1969 Stetig sinkende Absatzzahlen zwingen H-D zum Merger mit dem Industriekonzern AMF.

«Letztes Jahr habe ich mir zum 50. Geburtstag einen alten Bubentraum erfüllt und eine Harley-Davidson gekauft», erzählt Roger beim Business-Lunch in Zürich voller Stolz. Neu-Biker Roger arbeitet im Management eines erfolgreichen KMU, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenager-Alter. Da er über 25 Jahre alt und im Besitz eines Autoführerausweises ist, hat er direkt den Lernfahrausweis für die «grossen» ungedrosselten Motorräder bekommen. So erzählt er nun begeistert von seinen ersten Ausfahrten auf seiner funkelnagelneuen «Forty Eight» im Chopper-Look, die zwar nur den kleinen 1200er-Sportster-V2-Motor hat, aber für etwas mehr als 13’000 Franken inklusive ABS schon mächtig poltert und verwegenes Harley-Feeling vermittelt. So werden vor dem inneren Auge Erinnerungen an die Helden der Jugend wach, von Marlon Brando im legendären Rockerfilm «The Wild One» oder natürlich «Easy Rider» mit Peter Fonda. Harley-Fahrer lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien aufteilen: der gut betuchte Manager, Zahnarzt oder Banker mittleren Alters, der sich wie Roger seinen Bubentraum erfüllt, und der Motorrad-Rocker oder im Harley-Slang «Bad Guy», der häufig den letzten Rappen in seine Maschine steckt. Für den einen ist das Harley-Fahren ein Ausbrechen aus dem Alltagsstress, für den anderen eine Art Lebensinhalt oder Mittel zur Identifikation. Sitzen die beiden Typen bei einem der vielen Treffs auf der gleichen Festbank, so sind sie kaum voneinander zu trennen. Wer das Harley-Logo nicht selbst auf seine Lederkluft nähen will, findet in der Kleiderboutique des Händlers eine riesige Auswahl. Böse Zungen behaupten, dass das Unternehmen mittlerweile mehr Geld mit Accessoires verdiene als mit Motorrädern. Relikte von einer verklärt besseren Zeit. Die offizielle Vermarktungsstrategie richtet sich an die politisch korrekten, gut verdienenden Opinion Leaders. Die schweren Jungs aus dem Rotlichtviertel, bei denen die Bikes aus Milwaukee schon immer zum guten Ton gehörten, sind als Käufer unbedeutend. Anderseits ist es genau der schlechte Ruf dieser «Bad Guys», der sich so gut verkaufen lässt. Nur dank ihnen haftet jedem noch so braven Büroangestellten auf einer Harley etwas Verwegenes an.

ANDERSEITS IST ES GENAU DER SCHLECHTE RUF DIESER «BAD GUYS», DER SICH SO GUT VERKAUFEN LÄSST.

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MOTION 1981 Das H-D-Management kauft sich die Selbstständigkeit zurück.

2003 Anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums lanciert H-D die Open Road Tour rund um die Welt mit grossem Finale am Firmensitz in ­M ilwaukee, das von über 250ʼ000 Enthusiasten besucht wird.

1983 Die US-Regierung belegt zur Stärkung der einheimischen Industrie importierte Motorräder mit einem Schutzzoll. Die Firma gründet die Harley Owners Group HOG. Mit über einer Million Mitgliedern ist sie heute der grösste Motorrad-Club der Welt.

2014 Mit der LiveWire präsentiert H-D den Prototyp eines Elektromotorrads.

1986 H-D geht an die Börse.

2019 Die LiveWire kommt voraussichtlich ab Sommer in ausgewählten Märkten in den Verkauf.

2001 H-D lanciert mit der V-Rod das erste Modell mit Wasserkühlung.

Technisch gesehen ist der Erfolg der Marke ein Phänomen. Die seit 1909 stetig gewachsenen luftgekühlten V2-Motoren gelten in Fachkreisen als völlig antiquiert. Auch der «revolutionäre» Fortschritt der 2002 lancierten V-Rod mit Flüssigkeitskühlung ist im Quervergleich zu Konkurrenzmodellen bestenfalls Stand der Technik. Doch wahrscheinlich ist es genau dieses bewusste Ausklinken aus dem hektischen Technologiewetteifern der heutigen Zeit, das die Faszination und den Erfolg von Harley-Davidson ausmachte. Rollende Urgesteine, die von einer früheren, verklärt besseren Zeit zeugen. Doch nachdem Harley-Davidson um die Jahrtausendwende zu einem eigentlichen wirtschaftlichen Höhenflug ansetzte, der im Rekordjahr 2006 mit 370’000 verkauften Motorrädern gipfelte, brachen die Verkäufe in der Krise von 2008 schlagartig ein und schafften es seither trotz zwischenzeitlicher Erholung nie mehr nur annähernd an die alten Spitzenwerte heran. 2018 sind es voraussichtlich rund 235’000 verkaufte Motorräder weltweit, was weniger ist also noch vor zehn Jahren allein in den USA.

Elektro-Antrieb auf den Markt bringen. Ein erster Vorstoss in diese abgasfreie Zukunft wagt das US-Traditionsunternehmen in diesem Jahr mit der Lancierung der vollelektrischen LiveWire. Diese ist vom bullig grimmigen Design her noch sehr nahe bei den konventionellen Modellen von Harley, doch macht ein leises Surren dem legendären Poltern aus zwei Töpfen Platz. Es bleibt abzuwarten, ob der Tesla-Effekt von Prestige durch Umweltbewusstsein auch bei den wesentlich emotionaler beladenen Motorrädern von Harley Fuss fassen kann. Für Roger ist es jedenfalls vor allem dieses Poltern, das ihn den grossen Bubentraum von der Freiheit auf zwei Rädern träumen lässt.

TWITTER-TIRADE VON DONALD TRUMP Und dann folgte im vergangenen Sommer auch noch das Ungemach mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Nachdem er Harley im Wahlkampf noch als Inbegriff von erfolgreichem «Made in America» zelebrierte und die Chefs zum Amtsantritt ins Weisse Haus einlud, hagelte es im vergangenen Sommer bitterböse Kritik via Twitter. Der Konzern hatte im Juni verlauten lassen, dass er einen Teil der Produktion ins Ausland verlagern würde, um so die EU-Vergeltungszölle auf amerikanische Waren umgehen zu können. Diese Mehrkosten von durchschnittlich 2200 Dollar gab Harley bislang nicht an seine europäische Kundschaft weiter. Eine derartige Preissteigerung hätte den bereits stotternden Absatz-Motor noch mehr abgewürgt. Denn Neukunden wie Roger gehören zu den letzten Nachzüglern der traditionellen Harley-Zielgruppe der Babyboomer. Seine Söhne wissen mit dem Mythos der Bikes aus Milwaukee nichts mehr anzufangen. Sie pendeln entweder mit ÖV oder flinkem Roller von der Agglomeration in die Stadt, was gerade am einfachsten ist. DIE JUNGEN MIT ELEKTRO-URBANBIKES ABHOLEN Für diese neue Art von Kundschaft – insbesondere auch im wichtigen asiatischen Markt – will Harley in den nächsten Jahren neue urbane Modelle mit weniger Hubraum oder gar

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Einer ist das meistverkaufte Elektroauto weltweit, der andere ist ein auf 50 Stück limitierter Supersportwagen mit Kultpotential: Nissan LEAF und GT-R50 heissen die Beauty und das Biest — zwei Autos wie Tag und Nacht.

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NISSAN DIE BEAUTY UND DAS BIEST Nissan versteht es gekonnt, seine Expertise in der hochwertigen Autoproduktion so einzusetzen, dass die Kundschaft an beiden Enden der Konsumentenskala auf ihre Rechnung kommt. Immer wieder überrascht der japanische Autohersteller – der zusammen mit Renault und Mitsubishi Motors die weltweit grösste Automobilgruppe bildet, welche jährlich mehr als 10,6 Millionen Autos absetzt – mit besonderen Fahrzeugen, die in ihrer Art einzigartig sind. Derzeit macht Nissan mit zwei solchen Modellen auf sich aufmerksam. Mit dem reinen Elektrofahrzeug LEAF beweist Nissan seit 2010 eine hohe Kompetenz in Sachen nachhaltiger Mobilität. Vom Start weg hat sich der LEAF im wachsenden Markt der Elektrofahrzeuge bis heute mit über 380’000 Autos an die Spitze der weltweiten Verkaufsrangliste gesetzt. Die neuste Modellgeneration bietet mit dem LEAF 3.ZERO und der 2018 erfolgreich eingeführten 40-kWh-Batterie eine Reichweite von 270 Kilometern im neuen WLTP-Zyklus. Dem nicht genug, liefert derzeit das europaweit auf 5000 Einheiten begrenzte Sondermodell LEAF e+ 3.ZERO noch mehr E-Power: Sein auf 217 PS erstarkter Elektromotor und die Lithium-Ionen-Batterie mit 62 kWh Kapazität garantieren eine Reichweite von bis zu 385 Kilometern. Der GT-R50 by Italdesign ist zum Träumen schön und der pure Gegensatz zum LEAF. Ein spektakulärer Supersportwagen mit viel Kultpotential, welchen Nissan in einer auf 50 Stück limitierten Kleinstserie baut, unterstützt von der weltberühmten italienischen Designschmiede Italdesign. Zeitgerecht zu den 50-Jahre-Jubiläen des Nissan-Sportwagens GT-R und von Italdesign ist der jüngste Wurf von Nissan eine Hommage

an die grosse Fangemeinschaft sportlicher Automobile. Angetrieben von einem handgefertigten 3,8-Liter-Sechszylindermotor und mit einer Leistung von 720 PS ausgestattet, sorgt der GT-R50, wo immer er gesichtet wird, für Begeisterung. Seit seinem Debüt am berühmten Festival of Speed im britischen Goodwood steht fest, dass sich glücklich schätzen wird, wer dieses Fahrzeug zukünftig sein Eigen nennen darf. Für mindestens 990’000 Euro wird der Traum GT-R50 wahr.

Text: THOMAS BOROWSKI Bild: NISSAN

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Eric Guillemain wurde in Marokko geboren. Er lebte bis 2002 in Paris, bevor er nach New York zog. Dort arbeitete er eng mit dem berühmten Fotografen Peter Lindbergh zusammen. Seither ist Eric einer der begehrtesten Fotografen in der New Yorker Modewelt. Der französische Fotograf liebt es, die Welt zu bereisen, um die schönsten Frauen und interessantesten Persönlichkeiten zu fotografieren. Sein Fokus liegt darin, den Menschen natürlich und authentisch zu por­trai­tieren, so viel Emotionen und Authentizität wie möglich zu zeigen. Eric Guillemains Arbeit ist unverwechselbar, ehrlich, herausfordernd und trifft den Zeitgeist. ERIC GUILLEMAIN REPRESENTED BY DS PHOTOGRAPHERS

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ERIC GUILLEMAIN

Folgeseite: JENNIFER L AWRENCE Dior

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Links: DIANE KRUGER/NORMAN REEDUS GQ Italy

Rechts: LOU DOILLON Marie Claire

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FASHION Vorherige Seite: CHIHARU Vogue Japan

Links: KERI RUSSELL Malibu Magazine

Rechts: VANESSA PARADIS VS Magazine

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Links: PHOEBE TONKIN Harper Ì“ s Bazaar Australia

Rechts: NOEMIE LENOIR GQ

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total look MAX MARA

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FASHION Die WEEKEND Story wurde im Patrick Hellmann Schlosshotel in Berlin fotografiert.

PHOTOGRAPHY Suzy Holtgrave ST YLING Davor Jelušić ST YLIST ASSISTANT Jade Sheils MODEL Linde Dericks @Paparazzi Model Management

HAIR & MAKE-UP Melanie Hoppe PRODUCTION Snesha Bloom @Call List Agency Zurich

WEEKEND

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Links: dress ERMANO SCERVINO hat CALVIN KLEIN 205w39nyc earrings SAINT L AURENT from mytheresa.com Rechts: total look PRADA


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ADIEU KARL

Die Nachricht von Karl Lagerfelds Tod war ein grosser Schock für die Modewelt. Doch die Welt verliert nicht nur einen einzigartigen Designer, welcher die Fashion-Szene revolutioniert hat, sondern auch einen unglaublichen Fotografen, der mit seinen Bildern, Dutzende von Galerien füllen könnte. Wir von PRE verneigen uns vor Karl Lagerfeld und berichten über den grossen Meister als Fotograf. Karl Lagerfeld hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt. Mitte der 1950er Jahre begann er in Paris grosse Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi zum Erfolg zu führen. Als «Künstler» hat sich der Modedesigner, der ab 1964 drei Jahre in Paris Kunst studiert hatte, in einem der unzähligen Interviews, trotz aller schöpferischen Arbeit, dennoch nicht bezeichnen wollen: «Personen, welche eigentlich einen anderen Beruf ausüben, aber behaupten, dass sie Künstler seien, haben ein Problem. Helmut Newton hat nie gesagt, dass er ein Künstler sei. Das sagen nur die, bei denen ein Zweifel besteht.» Karl Lagerfeld war sowieso ein Mensch, der sich hauptsächlich auf das Machen selbst konzentrierte.

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Spätestens seit er 1987 seine Liebe zur Fotografie entdeckte, verband er die beiden Welten der Mode und Kunst vor der Kamera. Zunächst lichtete er seine eigenen Entwürfe ab, später machte er Schwarzweiss-Porträts und monochrome Landschafts- und Architektur-Aufnahmen. 1996 erhielt er für seine fotografischen Arbeiten den Kulturpreis der «Deutschen Gesellschaft für Photographie», 2007 den Infinity Award des «International Center of Photography», New York. Im selben Jahr hatte er die Ausstellung «One-Man-Show» bei C/O in Berlin, in der Karl das von ihm entdeckte und geförderte US-Model Brad Kroenig in 350 Schwarzweiss-Fotografien und Multimedia-Installationen porträtierte. 2007/2008 stellte er in den Hallen des von ihm so sehr geschätzten Architekten Tadao Andos der Neusser Langen Foundation aus. In seiner Heimatstadt Hamburg wurden seine Arbeiten 2013 denen des neoklassischen Malers Anselm Feuerbach aus dem 19. Jahrhundert gegenübergestellt. Doch spätestens auf der Pariser Fashion Week 2013 verschmolzen seine beiden Leidenschaften gänzlich: Für seine Frühjahrs-/SommerKollektion für Chanel entwarf Lagerfeld 75 übergrosse Kunstwerke, die den Laufsteg des Grand Palais säumten. Der Designer fotografierte sämtliche Chanel-Kampagnen, die Chanel-Lookbooks, kreierte eigene Fotoserien und entwarf grosse Bildbände. Seine Arbeit «The Little Black Jacket», für die er Stars in der schwarzen Chanel-Tweed-Jacke fotografierte, tourte ebenfalls im Jahr 2013 in Form einer Ausstellung durch die Metropolen. Weitere Ausstellungen zeigten seine Bilder von Rolls-Royce-Limousinen oder der römischen TreviBrunnen, die Lagerfeld für Fendi geschossen hatte. Lagerfelds Stil ist von einer eher klassischen Eleganz geprägt. Er schafft perfekt ausgeleuchtete und makellose Modefotografie, die verführen und nicht schocken soll. Zu seinen Lieblingskünstlern zählte Lagerfeld sowohl deutsche Expressionisten, russische Konstruktivisten als auch Alte Meister. Er liebte die Zeichnungen Picassos und schätzte Jeff Koons, James Turrell und Richard Serra. Doch auch wenn er als Sammler schon immer sehr aktiv war, wollte er nie seine Wohnzimmerwände mit seinen Errungenschaften schmücken: «Kunstwerke sollen im Kopf existieren, nicht als Trophäen an der Wand!», erklärte er in einem Bericht. Gute Kunst dürfe sich nicht zu ernst nehmen; sie gebe es nur im Verborgenen zu entdecken. Um sie zu sammeln, bevorzuge er Bücher, mehr als 300 000 Bücher soll er in seinen sieben Wohnungen besessen haben. Ob als Künstler, als Designer oder als Fotograf – wir werden DICH, DEINEN Stil, DEINEN Humor und DEINEN Tatendrang vermissen – Adieu Karl et merci pour tout! Text: MARC A. HUERLIMANN Bild: PASCAL LE SEGRETAIN (PORTRÄT)

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Homage to Karl Lagerfeld 30 Years of Photography 21. Februar —15. Mai 2019 Galerie Gmurzynska Zürich

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MISTER BOOMBASTIC Er hat weder eine Ausbildung in Fashion noch in Design, stattdessen einen Bachelor of Science im Bauingenieurwesen und einen Master of Architecture. Doch was er kreiert, schlägt ein wie eine Bombe und schiesst augenblicklich in den Kulthimmel. Er ist der Gründer des Luxus-Streetwear-Labels OFF-WHITE, DJ, Kreativdirektor von Kanye West sowie künstlerischer Leiter der Herrenlinie von Louis Vuitton. Virgil Abloh. Künstler und Wunderknabe, der Visionen zu Gold macht.

OFF-WHITE Virgil Abloh ist einer dieser Menschen, deren Gehirn schier unerschöpf lich Ideen ausspuckt und in deren Tag 240 Stunden ticken. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Vielleicht. Vielmehr pumpt er mit seinen Designs dem Nerv der Zeit neues und nie dagewesenes Leben ein. OFF-WHITE sind diagonal gestreifte Zebra-Kapuzenpullis, gelbe Warmbandgürtel, Boots mit dem Schriftzug «For Walking», «Little Black Dress» auf dem kleinen

Schwarzen oder «Cash Inside» auf einer Tasche. Er setzt auf Partnerschaften wie mit Levi’s, Moncler und Nike und spiegelt in den kooperierten Projekten das Ethos der Marke mit seiner eigenen Ästhetik von OFF-WHITE wider. Es ist stilvolle Mode, die so anders ist, saisonale Trends verblassen lässt, vor Coolness strotzt und jedes Teil ein Statement der besonderen Art setzt. Virgil Abloh, der 350 Mal im Jahr in

einem Flugzeug sitzt, ist der Rockstar unter den Designern. Angebetet und vergöttert von Teenies, Inf luencern, namhaften Modeimperien und Möbelhäusern sowie von Celebrities. DER JUNGE, DER KEIN ARCHITEKT SEIN WOLLTE — Virgil wird am 30. September 1980 in Rockford, Illinois, in den USA geboren. Seine Eltern sind Einwanderer aus Ghana; seine Mutter eine Schneiderin und sein Vater


Manager in einem Malergeschäft. Virgil ist zwar ein kluges Köpfchen, doch wie so viele Teenager unschlüssig darüber, wohin ihn sein beruf licher Weg führen soll. «Als Kind war mir meine Ausbildung egal. Später dachte ich, oh, vielleicht bin ich an sowas wie einer Nischenkultur interessiert, Strassenkultur in den 90ern, Hip-Hop, Rock and Roll. Wahrscheinlich würde ich einen regulären Job haben, so ein

9-to-5-Ding.» Weshalb ihn seine ghanaischen Eltern nach einem römischen Dichter benannt haben, ist ihm unklar. «Ich weiss nicht, woher sie diesen Namen haben, aber ich denke, dass sie es vielleicht in einem Film gesehen haben.» Nach der High School studiert er Ingenieurwissenschaften an der University of Wisconsin-Madison, was er zwar cool, aber nicht erfüllend empfindet, und absolviert einen Kurs

in Renaissance-Kunstgeschichte, bevor er seinen Master-Abschluss in Architektur am Illinois Institute of Technology macht. DIE FARBE ZWISCHEN WEISS UND SCHWARZ — Nach seinem Uni-Abschluss arbeitet er 2009 bei Fendi. Zur gleichen Zeit ist auch Kanye West beim italienischen Modehaus beschäftigt, der sich das Fendi-Logo in die Haare rasieren lässt und wie Virgil mit 500 USD


monatlich entlöhnt wird. Hier lernt er auch den damaligen CEO von Fendi, Michael Burke, kennen. Im Büro des Unternehmens in Rom, Italien, beginnen die beiden ihre Zusammenarbeit. Ein Jahr später ernennt West Virgil zum Creative Director seiner Kreativagentur DONDA und bittet ihn 2011, als künstlerischer Direktor für das Jay-Z/Kanye West-Album «Watch the Throne» zu fungieren, was Virgil eine

Grammy-Nominierung für seine kreative Arbeit einbringt. 2012 gründet er sein erstes Unternehmen. Pyrex Vision ist eine kleine Boutique von Couture-Streetwear und als künstlerisches Projekt gedacht. Er erwirbt Ladenhüter-Ware für 40 USD das Stück von Ralph Lauren, prägt in einem Siebdruckverfahren das Logo als College-Schriftzug auf Hoodies, Basketball Shorts,

Socken sowie Flanell-Shirts und verkauft die Ralph-Lauren-Hemden für 550 USD. Nach kurzer Zeit schliesst Virgil Pyrex Vision, da er kein kommerzielles Unternehmen daraus machen wollte, und schliesst sich mit der «New Guards Group» zusammen, einer Crew italienischer Fashion-Mogule, und startet OFF-WHITE. OFF-WHITE c/o Virgil Abloh definiert die Grauzone zwischen Schwarz und Weiss als die Farbe


OFF-WHITE, wie er der Presse, seinen Investoren und Kritikern erklärt. DER WEG ZUM THRON ­— Virgil jettet zwischen zwei Kontinenten hin und her, als er 2013 OFF-WHITE in Mailand, Italien, gründet und dort sein erstes Modehaus eröffnet. Ein Jahr später präsentiert er seine Damenkollektion an der Pariser Fashion Week, und seine Linie wird als Finalist für den LVMH-Preis,

einen Industriepreis, gewählt, jedoch verliert er gegen Marques’Almeida und Jacquemus. Er eröffnet seinen ersten Concept-Store in Tokio, Japan, wo er den ersten Möbelzweig des Unternehmens «Gray Area» gründet. 2017 bittet ihn Nike darum, eine Kollektion mit dem Titel «The Ten» zu entwerfen, in der er eine Vielzahl der meistverkauften Schuhe umgestalten soll. Virgil dekonstruiert und definiert zehn Signa-

ture Sneakers, darunter die Air Max 97 und Air Jordan 1, neu. Er überarbeitet sie mit einem nostalgisch erfrischenden Design-Update, verpasst ihnen interessante Farbkombinationen, Hingucker-Details und Klemmen, die aus jedem Sneaker ein Must-have machen und Sneakerfreaks wegen der begrenzten Menge und «sold out» in Tränen ausbrechen lassen. Es ist der Moment,


«Ich habe keine Ideen in einem Reagenzglas. Ich komme auf Ideen, indem ich Reagenzgläser zerbreche. So war ich schon immer.» Virgil Abloh

in dem sein Ruhm in die Höhe schiesst und wo er sowie OFF-WHITE omnipräsent sind. Das «Time Magazine» wählt ihn 2018 zu Recht unter die 100 einf lussreichsten Menschen der Welt. Was ihn und seinen Erfolg ausmacht, beschreibt der japanische Künstler Takashi Murakami treffend: «Durch unseren kreativen Prozess lernte ich seinen edlen Charakter kennen. Alles, von der Art und Weise, wie er seine

Zeit nutzt, wie er seine Urteile macht, ist prinzipiell. Die Grundlage seines Wertes oder Brandings ist die Menschheit selbst und kein oberf lächlicher Trick. Die Begeisterung der Teenies für die Streifenmuster und Pfeilmarken, die er für sein Label OFF-WHITE kreiert hat, ist kein vorübergehender Trend. Vielmehr zeigt es, dass die jungen Gefolgsleute von Virgil mit ihren ungetrübten Augen schon seit seinem ersten Pro-

dukt in den Kern seiner Kreativität blicken. Und mit seiner Ernennung zum künstlerischen Leiter der Herrenkollektion von Louis Vuitton wird sein Verdienst auf der ganzen Welt noch umfassender verstanden.» KRÖNUNG — Woher er die Zeit und Musse für alle seine Projekte nimmt, ist schier unverständlich. Er besitzt nicht nur OFF-WHITE mit unterdessen 15 Flagstores von New York über


Busan bis Tokio und quer über den Globus in allen angesagten Megacitys verteilt, er gründet die RSVP Gallery in Chicago und arbeitet in der # BEEN # TRILL-Crew mit, legt immer noch als DJ auf und mixt Tracks, die von anderen Designern während deren Fashionshows in Paris, London und New York gespielt werden, produziert als Filmemacher das Musikvideo für die Rapperin Lil Uzi Vert, ist als Krea-

tivdirektor für DONDA von Kanye West tätig, sitzt praktisch das ganze Jahr über in Flugzeugen, Economy Class wohlgemerkt, und hat Frau und Kind. Er ist ein Exempel an Multitasking und eine Ikone. Michael Burke, den er während seiner Zeit bei Fendi kennengelernt hat, verfolgt Virgils Karriere all die Jahre sehr interessiert. Burke, ein hochdotierter Manager in der Lu-

xus-Label-Industrie, der als Chairman, CEO und Managing Director weltweit Traditionsunternehmen wie Christian Dior, Fendi und Bulgari geleitet hat, ist CEO bei Louis Vuitton und seit Juni 2016 im Management Board of the Fédération Française de la Couture. Die Traditionsmarke Louis Vuitton ist hip, was der Verdienst des Vorstandschefs ist. Und Burke ist nicht nur der internationale Manager des Jah-


res 2018, sondern der Künstler unter den Managern. 2018 holt er den talentierten Virgil Abloh zu Louis Vuitton, um die künstlerische Leitung der Herrenkollektion zu übernehmen. Er ist der erste Afro-Amerikaner in einer führenden Position im französischen Traditionshaus. Mit seinem Debüt an der letztjährigen Men’s Fashion Week in Paris setzt er mit seiner Frühjahr/Sommer 2019-Kollektion «Colour

Theory» neue Akzente und läutet eine neue und sehr verheissungsvolle Ära ein.

Text: HELENA UGRENOVIC Bild: STUDIO JOHANNES BAUER, KRISTY SPAROW (PORTRÄT)


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CAZAL-EYEWEAR.COM

BALMAIN.COM

FA SHION MEN

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ALEXANDERMCQUEEN.COM

B L A N C PA I N . C O M

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ZUM

FRISCHEREN

ICH 183


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Beauty Doctor Dr. Colette Camenisch verrät die spannendsten Trends, Tipps und Therapien aus dem Bereich der SchönheitsPraxis. Sie empfängt uns in ihren stylishen, grosszügigen Räumen im Herzen von Zürich, an der Beethovenstrasse 9. Alles in sanften Farben, Harmonie herrscht. Wir sprechen heute über Haut, ebenmässigen Teint und frisches Aussehen.

Text: BEATRICE SCHÖNHAUS Bild: MARTIN SWEERS, SVEN GERMANN (PORTRAIT)

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DR. MED. COLETTE CARMEN CAMENISCH Sie studierte an der Uni Zürich, promovierte als Fachärztin für Allgemeinchirurgie. 2008 wechselte sie nach Stockholm, 2011 kehrte sie als Oberärztin auf die Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie ins Kantonsspital Thurgau zurück. Zwischen 2012 und 2017 arbeitete Dr. Colette C. Camenisch als Fachärztin der Plastischen Chirurgie und Partnerin in der Klinik Pyramide in Zürich. Neben Brust- und Intimchirurgie ist sie seit April 2017 leitende Ärztin der Beethovenclinic Zürich und in der Schweiz führend in ästhetisch-chirurgischer Gesichtsverjüngung. Von Dr. med. Colette C. Camenisch gibt’s seit 2018 auch eine hochwertige Pflegelinie, das Cosmetic Cell Concept. colette-camenisch.com


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Den Spirit dieser Praxis spürt man sofort: Frauen (und Männer) sollen sich hier wohl, fachlich gut betreut und verstanden fühlen. Betritt man das Bad, wird alles bestätigt: lauter Accessoires und Pflegeprodukte, die Lust auf Schönheit machen. Dr. Colette Camenisch mag Menschen. «Ich möchte keine identischen Barbie-Puppen aus den Leuten machen, so wie man bei den Role Models auf Instagram (à la Kim Kardashian) manchmal den Eindruck hat. Ich möchte auch nicht, dass das Ergebnis künstlich und gemacht aussieht. Nach meiner persönlichen Auffassung geht es darum, die Menschen, die zu mir kommen, frischer und strahlender aussehen zu lassen.» Im Moment sind ihre Kunden zu 90 Prozent Frauen. Und 10 Prozent Männer, Tendenz steigend. Was ist das Wichtigste, wenn man sich zu einem Besuch beim plastischen Chirurgen entscheidet? «Dass man sich auf jeden Fall an eine Fachperson wendet. Mit entsprechender Ausbildung. Das ist ganz wichtig. Denn die Substanzen, um die es hier geht, müssen von einem Arzt angewendet werden! Es geht ja nicht nur ums Aussehen, sondern auch um die Gesundheit. Und: dass man sich ganz genau überlegt, was man möchte. Und sich dann eingehend beraten lässt. Meist hat man ja sehr viele Fragen, nach dem Motto: Ab wann kann ich meine gesellschaftlichen Verpflichtungen wieder wahrnehmen, wieder arbeiten, sieht man was von aussen? Was ist möglich, wie ist der Ablauf, was kann ich erwarten und was nicht, wie oft muss die Behandlung wiederholt werden, was kostet das Ganze?» Dr. Colette Camenisch informiert präzise, kann einen detailliert beraten, rät einem vielleicht auch mal von was ab. «Wichtig ist, dass die Erwartungen in Bezug auf das Ergebnis

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realistisch bleiben. Damit man sich dann so richtig freuen kann und sich nach der Behandlung deutlich frischer fühlt.» Was ist das Neuste und Exklusivste, das die Ärztin im Moment in ihrer Praxis anbietet? «Das ist die Behandlung mit Eigenblut. Klingt zuerst überraschend, bringt aber tolle Ergebnisse. Das eigene Blut, das einem vom Arzt abgenommen wird, wird zu einem Serum aufbereitet (in der Fachsprache nennt man dies Exokine-Therapie®), damit es zellfrei, frei von Gerinnungsfaktoren und additiven Stoffen ist. Dies im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Verfahren. Unter die Haut gespritzt, verbessert sich die Hautqualität schrittweise, der Teint erscheint ebenmässiger; der Effekt hält je nach Hautbeschaffenheit 9–12 Monate. Man sieht frischer, jünger und gesünder aus, ohne dass gleich klar wird, was genau gemacht wurde.» Wer ist die Zielgruppe von Frau Dr. med. Camenisch? «Menschen zwischen 35 und etwa 60. Aus allen Bereichen: Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, manchmal auch Prominente oder Mütter mit ihren Töchtern. Mit was für Kosten muss man zu Beginn rechnen? «Das kommt auf Erwartungen, Hautbeschaffenheit, Hormone und allgemeinen Lebensstil an. Aber es bewegt sich so in einen Kostenrahmen ab 3000 Franken.» Kann man sich auf so eine Behandlung auch etwas vorbereiten? «Ja, die Lebensweise ist wichtig. Am besten nicht rauchen, genügend Wasser trinken, sich proteinreich ernähren, aber fettarm, mit viel idealerweise gedämpftem Gemüse, nicht allzu viele Kohlehydrate essen, etwas Sport treiben (3–5 Stunden pro Woche etwa). Kurz: damit man in einem optimalen Zustand ist. Und so das Ergebnis noch schöner ausfällt.


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SPRING IS IN THE AIR

TREND BEAUTY ES WIRD FRÜHLING

FRÜHLINGSFRISCH

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Über wiederentdeckte Gefühle, Inspirationen und den neusten Make-up-Look: den Matt-Look. Wir zeigen, wo er überall auftaucht, wie er aussieht, wem er steht und wie man ihn nachmacht.

Die Produkte zum Look

«Foundation Backstage» von Dior, 40 Nuancen, gibt’s im Fachhandel, bei Marionnaud, Manor, Jelmoli etc. Ca. 55 Franken.

«Skin Long-Wear Weightless Founda­t ion SPF 15» von Bobbi Brown, 17 Nuancen, gibt’s im Fachhandel, z.B. bei Globus, Jelmoli etc. Ca. 61 Franken.

«Foundation Fit me matte & poreless» von Maybelline, Fachhandel. Z.B. bei Manor etc.

Text: BEATRICE SCHÖNHAUS Bild: FLORIAN SOMMET

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Narzissen, Tulpen und Hyazinthen: pastellfarbene Frühlingsblumen, die uns ein frisches Lebensgefühl vermitteln. Sowohl ihr Duft wie ihre Optik inspirieren uns. Genauso wie ein neues romantisches Flatterkleid mit pastellfarbenen Blumenblüten (z.B. vom australischen Label Zimmermann) oder ein raffinierter floraler Duft. Was uns aber am meisten beflügelt im Frühling, ist ein neuer Make-up-Look! Mit individuell abgestimmter Pflege, zarter Foundation und pastelligen Farben in spannenden Texturen. Weil wir dann ein neues Ich entdecken können, uns anders und up to date fühlen und die bestehende Garderobe gleich wie neu definiert aussieht. Reloaded, sozusagen. Neben dem viel gepriesenen Glow (den ich selber auch sehr mag!) tauchte an den Prêt-à-porter-Shows in New York, London, Milano und Paris ein überraschendes Phänomen auf: der matte Look. Gesehen bei der ultimativen Show für Frühling/Sommer 2019 bei Fendi (etwa an It-Girl Gigi Hadid), bei Burberry, Michael Kors und Dior. Die Models wirkten frisch, jung und so herrlich unschuldig. Und die neuen Silhouetten und Schnitte kamen so perfekt zur Geltung. Der matte Make-up-Look besticht durch leichte Optik, viel Transparenz und einen wichtigen Schwerpunkt auf Pflege. So, als hätten die Make-up-Artisten die Frühlingsfrische neu erfunden. Es geht dabei nicht mehr darum, die Haut und eventuelle Unregelmässigkeiten abzudecken, sondern die Schönheit des Teints hervorzuheben. «Viel zu wenig dekorativ für mich», werden manche sagen. Darunter vermutlich auch einige Instagram-Girls. Sie arbeiten ja oft mit viel Farbe, künstlichen Wimpern und andern Hilfsmitteln. Stimmt nicht! Will nur richtig gemacht sein. Denn der matte Make-up-Look funktioniert nur, wenn die Basis stimmt. Will heissen: Der Teint und seine Anmutung müssen absolut ebenmässig erscheinen. Wie eine perfekte Leinwand bei einem Gemälde eben.

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SCHRITT 1 Ein sanftes Peeling, Feuchtigkeitspflege, viel und regelmässig Wasser oder Tee trinken, Unreinheiten beheben. SCHRITT 2 Die richtige Foundation! Hier lässt man sich am besten vom Fachmann am Kosmetik-Counter oder in der Parfumerie beraten. Im Zweifelsfall lieber einen Hautton heller als dunkler wählen. SCHRITT 3 Der eigentliche Look. Die matte Foundation sorgfältig (am besten mit Schwämmchen) auftragen, dunkle Stellen mit Concealer abdecken, das Augenlid etwas abpudern, die Augenbrauen mit Stift betonen und Mascara auftragen. Die Lippen mit einem Balsam pflegen und dann abpudern. Die Haare zu diesem Look: glänzend, frisch gewaschen und natürlich gestylt. Wem steht dieser Look denn wirklich, werden Skeptikerinnen fragen. Die Antwort lautet: allen, wenn er sorgfältig gemacht wird. Am besten lässt man ihn sich am Counter (z.B. bei Jelmoli) von einer Fachperson zeigen. So kann man ihn dann zuhause perfekt nachmachen. Okay, liebe Instagram-Girls: Wenn Euch das alles viel zu nah bei der Natur und nicht optimal fürs Bild ist, dürft Ihr eine der neuen korallroten (matten!) Lippenfarben auftragen. Wem dies zu laut ist: Ein feiner Cat-Eye-Lidstrich geht auch. Denn beides sind ebenfalls sehr angesagte Frühlingstrends. Und sie machen Spass!


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THE PERFECT WORKOUT

WIR TREFFEN TIFFANY BURK SCHMID, DIE CLUB MANAGERIN, UND JOHN LEKATIS, DEN GYM MANAGER VON HOLMES PLACE SEEPARK IN OBERRIEDEN, ZUM INTERVIEW IM HAUSEIGENEN RESTAURANT. DER FITNESSCLUB WIRKT FRISCH, LICHTDURCH190


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FLUTET, GLAMOURÖS UND HERRLICH RELAXT MIT SEINER LAGE DIREKT AM ZÜRICHSEE. BEATRICE SCHÖNHAUS Wohin geht der Trend bei Workouts im Allgemeinen?

BEATRICE SCHÖNHAUS Was für Geräte haben Sie bei Holmes Place Seepark in den Trainingsbereichen?

TIFFANY BURK SCHMID Da hat sich einiges geändert. Man sieht Fitness heute ganz anders an. Es geht darum, den Focus auf Stärke, Flexibilität und etwas Ausdauer zu richten. Und dann als vierten Faktor auf die sogenannte «Mindfulness», die neue Achtsamkeit. Das bedeutet, dass man die Spannungen im Körper spürt und mithilfe eines guten Coachs einen Weg finden kann, wie man sie löst. Und dass man es schafft, im Hier und Jetzt zu leben und in einen natürlichen, relaxten Flow kommt. Dann hat man plötzlich mehr Energie und Vitalität.

TIFFANY BURK SCHMID & JOHN LEKATIS Wir sind überzeugt von den TechnoGym-Geräten. Sie sind formschön, funktionell und effizient. BEATRICE SCHÖNHAUS Worauf achten Sie im Holmes Place Seepark besonders? TIFFANY BURK SCHMID & JOHN LEKATIS Dass die Menschen sich in der Community wohlfühlen, der Ablauf als Ganzes für sie stimmt, das Training also nicht bloss einzelne Elemente umfasst, sondern das Ganze. Und auch darauf, dass alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Zum Beispiel verliert man ja mit der Zeit und dem Alter an Beweglichkeit; und der Gleichgewichtssinn lässt nach. Das versuchen wir ganz langsam wieder ins Lot zu bringen.

JOHN LEKATIS Ja, Männer und Frauen sollten wieder lernen, ihren Body besser zu spüren, und nicht bloss ein Übungs-Programm abzuspulen. BEATRICE SCHÖNHAUS Wie erreicht man dieses Ziel?

Und zwar so, dass es auch Spass macht. Zudem bieten wir ein umfassendes Programm an Gruppenlektionen von Yoga bis Flow Bow an.

JOHN LEKATIS Indem wir beim 1. Termin ganz genau anschauen, was für ein individuelles Trainingsprogramm wie oft in der Woche nötig ist, um sich schnell besser zu fühlen. Zu Beginn reicht meist 1-mal die Woche, nach einem halben Jahr sind dann 2-mal die Woche Training gut. Ideal wären später 3-mal die Woche, doch dies ist nicht immer realistisch.

Die Trainer wissen zudem sehr genau, wie die passende Ernährungsweise individuell aussieht. Sie sind dementsprechend ausgebildet und stellen für jeden Menschen auf Wunsch ein persönliches Programm zusammen. Denn wie gesagt: Bei jedem ist das wieder anders. Unsere Vision ist also: Wir wollen, dass die Leute gerne herkommen, Spass haben, sich gut betreut fühlen und alles auch bewusst langfristig machen! Und dass sie schnell merken, wie gut ihnen das tut. Denn unsere vier Punkte – Stärke, Beweglichkeit, Ausdauer und eben Achtsamkeit – werden in unserem hektischen Alltag immer wichtiger für eine positive Lebensqualität.

TIFFANY BURK SCHMID Wir sind bemüht, jeden individuell anzuschauen, denn jeder Mensch und jeder Körper ist wieder anders. Und reagiert entsprechend auf Workouts und Ernährung ganz anders.

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Gym-Manager John Lekatis hat deshalb für Sie als PRE-Leser exklusiv 7 Übungen zusammengestellt, die es in sich haben: 2 bis 3-mal die Woche je 3 x 10-mal ausgeübt, führen sie garantiert zu einem besseren Körper- und Lebensgefühl. Zudem kann man so die Beweglichkeit, Stärke, Ausdauer und Knochendichte steigern. Alle Muskeln im Körper werden aktiviert, und man fühlt sich jünger und fitter. Das beste Anti-Aging-Mittel überhaupt also!

   1.KNIEBEUGEN

    EINE PERFEKTE ÜBUNG FÜR DEN ALLTAG, STÄRKT KÖRPER-MITTE UND BEINMUSKULATUR. 2. AUSFALLSCHRITT DIENT DER STÄRKUNG DES GLEICHGEWICHTS, DER KOORDINATION; 192


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HILFT BEIM SKIFAHREN, TENNIS, GUTE VORSORGE FÜRS ALTER. 3. MIT GEWICHTEN (HANTELN) SO WIRKEN 1. UND 2. NOCH EFFIZIENTER. 4. LIEGESTÜTZE GUT FÜR BRUST,      TRIZEPS      UND KÖRPER     MITTE. 193


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EINE BEWEGUNG, DIE VIELE MUSKELGRUPPEN AKTIVIERT. UND FÜR MÄNNER      UND      FRAUEN      TOLL IST. 5.  RUDERN EINE WICHTIGE ÜBUNG FÜR DEN RÜCKEN. VOR ALLEM FÜR JENE, DIE VIEL IM BÜRO SITZEN. GUT FÜR DIE KÖRPERHALTUNG. 194


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AKTIVIERT BIZEPS, DEN     RÜCKEN UND     STABILISIERT      SO DEN     KÖRPER. 6. BRETT AKTIVIERT DIE VORDEREN MUSKELN DES KÖRPERS. AKTIVIERT AUCH DIE     MUSKELN IM      BEREICH DER WIRBELSÄULE. SOGAR VON DER WHO (WELTGESUND195


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HEITSORGANISA­TION) EMPFOHLEN! 7. SCHULTERPRESSE MIT DEM ALTER NIMMT DIE KRAFT IN DEN SCHULTERN ETWAS AB. DAGEGEN WIRKT ÜBUNG 7. MAN FÜHLT SICH WIEDER       FIT UND       GESUND. Vor dem gezielten Trainieren vereinbart man am besten einen Termin mit einem Personal Coach, macht sich schlau über mögliche Methoden, den Ist-Zustand der eigenen Fitness, das angestrebte Ziel, dem Alter entsprechend. Im Moment ist ausser unseren oben erwähnten 7 Übungen das Laufband oder der Moonwalker eine gute Art, sich fit zu halten. Je nach Person sagt einem ein Gruppentraining, z.B. Pilates oder Flow Bow, zu, auch Yoga und Gewichtstraining können zum Ziel führen. Wichtig ist, sich vom Profi beraten zu lassen und ganz sanft, aber regelmässig einzusteigen. Denn nur so macht es richtig Spass, und man spürt schon bald ein positives Resultat.

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DER WASSERHAHN, DER ALLES KANN 100°C KOCHEND, GEKÜHLTES SPRUDELNDES UND STILLLES WASSER Mit dem Quooker erhalten Sie ab sofort alle Wassersorten aus einer Armatur: warmes, kaltes, 100°C kochendes sowie gekühltes sprudelndes und stilles Wasser. Kochen Sie Pasta im Handumdrehen, blanchieren Sie Gemüse oder erfrischen Sie sich mit einem Glas Wasser - gekühlt und gefiltert, sprudelnd oder still. Ein Quooker spart Zeit, Energie und Platz und ist dabei für Groß und Klein sicher im Gebrauch. Erhalten Sie mehr Informationen auf www.quooker.ch


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ST. MORITZ IM WINTER: EINE TIEFSCHNEEROMANZE

Living in Luxury mit Maura Wasescha

Text und Bild: MAURA WASESCHA

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Meine Aussicht zurzeit? Nichts als der knallblaue Himmel über St. Moritz – kein einziges Wölkchen in Sicht. Draussen liegen 120 cm Neuschnee, und mir wird an Tagen wie diesem wieder bewusst, wie umwerfend schön dieses Tal ist. Natürlich auch jetzt, mitten im Winter, wenn St. Moritz zur Hochform auffährt und man, je nach Gusto, entweder im Dorf zeigen kann, was man hat – oder auf der Skipiste zeigen, wie eine perfekte Falllinie aussieht. Tage wie diese erfreuen mich auch, weil ich weiss, dass sich gerade Dutzende von meinen Kunden zufrieden in ihrem Chalet, ihrer Villa oder ihrer Wohnung in St. Moritz oder Suvretta in eine Decke kuscheln und sich an ihrem wunderschönen Zuhause erfreuen. Denn es steckt viel Zeit, Engagement und Herzblut darin, bis ich für meine anspruchsvollen Kunden das perfekte Objekt finde. Ich bin stolz darauf, dass ich in den vier Jahrzehnten, in denen ich in diesem Business agiere, etwas wirklich gelernt habe: gut zuzuhören. Nur so kann ich erfahren, was meine Kunden wirklich wünschen – und brauchen. Das lässt sich nicht immer so einfach formulieren, weshalb ich für meine Arbeit auch viel Fingerspitzengefühl brauche. Es gibt Ansprüche, über die wir auf diesem Preisniveau gar nicht mehr reden müssen: Vor 40 Jahren, als ich angefangen habe, lautete die Frage: «Hat es in der Küche einen Backofen?» Vor 30 Jahren: «Hat es in der Küche einen Geschirrspüler?» Heute fragen meine Kunden: «Hat es einen Spa? Ein Schwimmbad? Ein Home Cinema?» Die Erwartungen sind gestiegen; auch an die individuellen Objekte. Mein Portfolio ist so exklusiv wie meine Kunden. So habe ich mir für 2019 vorgenommen, noch selektiver zu arbeiten und «nur» noch 40 Objekte in der Schweiz zu vermieten und zu

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verkaufen; weitere 20 kommen im Ausland dazu. Nur so kann ich höchste Qualität bieten. Ich bin an Arbeitstagen oft während 14 Stunden durchgehend für meine Kunden erreichbar. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass ich regelmässig meine Batterien wieder aufladen kann. Das lässt sich fast nirgends schöner machen als hier in St. Moritz! Mir genügt dafür ein winterlicher Spaziergang durch die Arvenwälder; ohne Mobiltelefon, ohne Kopfhörer. Nur so kann ich das Gezwitscher der Vögel und das Geräusch des Windes hören und dabei richtig abschalten. Und das ist für mich wirklicher Luxus.

Die erfolgreiche Immobilienmaklerin Maura Wasescha kann auf 40 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen und gilt als die «Bestvernetzte» im Bereich der Luxusimmobilien. In ihrer neuen Kolumne für PRE gewährt die gebürtige Italienerin regelmässig Einblick in ihren abwechslungsreichen Alltag, spürt Tendenzen und Trends auf dem weltweiten Markt für High-End-Wohnobjekte auf und teilt ihre liebsten Entdeckungen; ob in ihrer Wahlheimat St. Moritz oder auf einer ihrer vielen Reisen auf der ganzen Welt. Ihr nächstes Ziel: Phuket. Mehr zu ihren aktuellen «Luxury Properties for Rent and Sale» unter maurawasescha.com


LEISER

LIVING

Die Handschrift von Gaetano Irpinio, Creative Director von The Vendome Group, ist unverkennbar, wenn auch subtil: schlichte Designs, denen eine äusserst opulente Basis zu Grunde liegt. Eine reduzierte, aber handwerklich perfekt ausgeführte Ästhetik.

Text: STEFFI HIDBER Bild: VENDOME GROUP

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wir entwerfen und in Italien auf Mass herstellen lassen; es ist eigentlich alles sehr ‹sec›. Die wenigen Teile, die einem Raum Volumen geben, sollen eine klare Sprache sprechen. Das ist unser Merkmal.» Nachhaltigkeit spielt in allen Geschäftsbereichen der Vendome Group eine zentrale Rolle: Einerseits führen sie grundsätzlich keine Designs aus, die trendorientiert sind oder schon so erschaffen werden, dass sie nach ein paar Jahren mit dem «next big thing» ersetzt werden. Andererseits arbeiten sie in ihren Produktionsstätten mit Wasserstoff, Herstellungsprozesse sind zertifiziert – und werden auch kontrolliert. Vom Verpackungsmaterial können schätzungsweise 80% wiederverwendet werden, und die Holzabfälle, die zum Dämmen benötigt werden, werden anschliessend geschreddert und zum Heizen verwendet. Natürlich gebe es Unterschiede in der Langlebigkeit der Einrichtung, die sie für ein Fünf-Sterne-Hotel herstellen lassen, und der eines Zwei-Sterne-Hotels, wie etwa das Ibis Hotel in Zürich, eines ihrer jüngsten Projekte. «Das ist bloss eine Frage unterschiedlicher Ansprüche, nicht der Ästhetik», sagt Irpinio. Das Arbeiten mit einem begrenzten Budget macht ihm sogar grossen Spass. «Dann sind es eben die kleinen Details, die raffinierten Finessen zum Schluss, die echt super aussehen und gar nicht teuer sein müssen.» Die schlichten Interieurs der Vendome Group – ob Luxushotel oder Privatresidenz – sind von einer Zeitlosigkeit und Eleganz, die noch lange gefragt sein wird. Für 2019 stehen einige aufregende Projekte an für das Designhaus mit Sitz in Rotkreuz: Eine grössere Designkollaboration kann im Frühsommer endlich kommuniziert werden, drei Hotels (zwei in der Schweiz, eines in Mailand) sowie eine Reihe von Privatkunden stehen ebenfalls im Kalender. Man wird sie erkennen, mit ihrem leisen, aber selbstbewusst geflüsterten «Made in Italy». Näheres unter www.thevendomegroup.com

«Massgeschneidertes Design für die schönsten Locations weltweit»: Das Schweizer Interior-Design-Unternehmen The Vendome Group darf eine illustre Reihe von Hotels und «High Net Worth Individuals» zu seinen Kunden zählen, darunter The Chedi Andermatt, das Mandarin Oriental Paris oder das Park Hyatt Milano. Von der Entwicklung und Planung über das Design und die individuelle Möbelherstellung bis hin zu schlüsselfertigen Wohnträumen im In- und Ausland wird hier der komplette Innenausbau professionell übernommen. Alles aus einem Guss, und aus einer – sehr stilsicheren – Hand: der von Gaetano Irpinio. Nach seinem Innenarchitektur-Studium in Mailand konnte der aufstrebende Zürcher Designer beim Star-Architekten Antonio Citterio Erfahrung sammeln. Diese Zeit hat ihn sowohl persönlich wie auch in seiner Ästhetik geprägt: Wer das Bulgari Hotel in Mailand kennt, wird Citterios üppige Handschrift erkennen. Die Vendome Group spricht dieselbe Sprache, aber mit einem sanfteren, reduzierteren Dialekt, der Kunden in der Schweiz ganz besonders anspricht. «Italien spielt bei uns sowohl von den Designs wie auch vom Handwerk her eine sehr grosse Rolle», so Irpinio. Die Vendome Group arbeitet als Contractor mit eigenen Schreinereien, Polsterateliers und Manufakturen, die Leuchtobjekte oder Bronze-Skulpturen herstellen: alles nach Schweizer Design und Made in Italy. Für die perfekte Qualität und das Einhalten aller Designziele beschäftigt die Vendome Group einen eigenen Scout, der die Produktionsstätten laufend besucht und den Arbeitsprozess kontrolliert. Das sei «unabdingbar» bei dem Level von Massarbeit. Für den Familienvater liegt die Kunst des «understated» Luxus klar in der Wahl der Rohstoffe, mit denen sie arbeiten. «Die wenigen Materialien, die wir nehmen, sind sehr edel. Ob es sich dabei um ein Sofa oder ein Sideboard handelt, welche

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Showrooms: Sankt Martin · Weinleiten 1 · Linz · Hauptstraße 12 · Vienna · Schubertring 4 Hamburg · Große Bäckerstraße 3 · London · 104-110 Goswell Road, EC1V 7DH · www.steininger-designers.com

KITCHEN

INTERIOR DESIGN

ARCHITECTURE


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TRENDSCOUT — INTERIOR DESIGN

Der renommierte, international tätige Interior Designer Jan Simon konzipiert und realisiert weltweit einzigartige Wohnwelten. Für PRE berichtet er zukünftig über neuste Trends im Bereich Wohnen und Design.

Nach Jahren der puristischen Zurückhaltung, des Schlichten und Zeitlosen, zeichnet sich 2019 ein neuer Wohntrend ab. Er zeigt sich elegant, einzelne Elemente geben sich retro und lehnen sich an die Zeit des Art déco und Mid Century an. Neu interpretiert werden Designstücke zu Möbel-Solisten. Farblich hüllen sich die Hingucker in Blau-grün-Töne, sattes Petrolblau oder geben sich sanfter in erdigen Rot-rosa-Nuancen. Gold- und messingfarbene Details vermitteln Wärme und Wertigkeit, und Holz ist sowie bleibt zentrales Design-Element. Exoten wie Palisander, Teak und Eukalyptus reihen sich hier gleichwertig neben Eiche Natur und Nussbaum ins Portfolio ein. Die Liebe zu Marmor und hochwertigen Textilien wie Samt und Nubukleder bleibt ungebrochen. 2019 wird ein spannendes Jahr voller individueller Einzigartigkeit.

jan-simon.com

Text: WILMA FASOLA

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HERMÈS / FACADE COL & ZEBRURES COL

HENGE / MODELL LIGHT RING

Qualität hat ihren Preis, besonders wenn sie aus dem Hause Hermès stammt. Weltweit bekannt für seine Eleganz und die unfassbare Qualität ist das französische Label der Inbegriff von Exklusivität. Jedes Textil ist inspiriert durch Farben, Formen, Tiere, Themen. Jedes Stück für sich dabei ein detailverliebtes Gesamtbild, das sich durch das Zusammenspiel von Farben, Licht und Materialien jeden Tag in neuem Glanz zeigt.

Mit dem «Light Ring» schafft Henge die perfekte Lichtinszenierung. «su misura», also auf Mass und von Hand gefertigt, ist die Pendelleuchte in verschiedenen Grössen erhältlich und wird auf Kundenwunsch auch massgeschneidert. Erhältlich mit Messingoder Stahlringen und garantiert eine echte Lichterscheinung.

MINOTTI / MODELLE LAWRENCE, SONG UND LOU Formschön und zeitlos – wer gerne exklusive, elegante, edle Designstücke um sich hat, kommt an Minotti einfach nicht vorbei. Seit vielen Jahrzehnten ist das Unternehmen Aushängeschild und Sinnbild von «Made in Italy». Besonders stilvoll zeigen sich die einzelnen Luxusobjekte als Gesamtkomposition, wie beispielsweise mit dem Sofa «Lawrence», dem Loungetisch «Song» und dem Beistelltisch «Lou».

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TOM DIXON / MODELL FORM FAMILY

B&B ITALIA / MODELLE BUTTERFLY UND BAY

EDITIONS SERGE MOUILLE / MODELL LAMPADAIRE 3 BRAS

Wer noch nach einem neuen Lieblingsplatz unter freiem Himmel sucht, hat ihn mit der Flechtkollektion «Bay» von Stilikone B&B Italia gefunden. Die Armlehnsessel sind der ideale Rückzugsort, der Komfort, Stil und zeitgenössisches Design in Perfektion vereint. Ideal wird das Sitzmöbel mit dem Beistelltisch «Butterf ly» ergänzt. Das charakteristische Merkmal dieser Serie ist ein graphisches Makro-Gef lecht aus gezwirnten Fasern im angesagten Farbton «tortora»

Kunsthandwerk «Made in France» – die Edition Serge Mouille ist so etwas wie das Must-have für jeden, der die eigenen vier Wände aufwerten will. Grandiose Eindrücke, einleuchtende Lichtblicke, statt Stehleuchte eine grandiose Be- wie auch Erleuchtung. Mehr geht nicht. Punkt.

Die Briten zelebrieren ihre Tea-Time, und für die Asiaten ist die Zubereitung eines Tees echte Meditation – mit «Form Family» liefert Designer Tom Dixon das perfekte Accessoire für kunstvolle Auszeit zum Nachmittag. Das aus Messing gefertigte Set des Selfmademan Tom Dixon überzeugt optisch wie funktional – voll im Trend und dauerhaft der ideale Begleiter für Mussestunden.

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MINOTTI / MODELL QUADRADO

NAHOOR / MODELL PULCINELLA

MODELL HOUSTON

«Freiheit» ist der Leitgedanke hinter der Kollektion «Quadrado» von Minotti. Die Polster werden von Teakholz-Lattenrosten getragen, was die Outdoor-Möbel optisch leicht und f lexibel wirken lässt. Das Baukastensystem macht es zudem möglich, ganze Wohnlandschaften auch für überdimensionierte Flächen im Aussenbereich stilvoll zu bestücken.

Neuer Entwurf von William Pianta für seine Firma Nahoor. Die Tischleuchte „Pulcinella“ widerspiegelt den heutigen Zeitgeist. Zum einen gibt sie sich Retro und zu gleich modern. Die perfekte Verarbeitung und die massiven Materialien geben der Leuchte Ihren Charakter.

«Houston» ist das erste Immobilienprojekt von Giorgetti. Gemeinsam mit Partnern entsteht im Upper Kirby District in Houston, Texas, ein über sieben Etagen verfügender Luxusbau. Geplant sind 32 Wohneinheiten, die natürlich wie das gesamte Projekt designtechnisch in den Händen der Italiener liegen. So finden sich die für Giorgetti typischen Kombinationen aus Ahornholz, Metall und Leder. Die Aussenfassade des Gebäudes wurde zudem gänzlich vom Origami inspiriert. Unser Tipp: Aktuell sind noch Wohnungen erhältlich.

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GIORGETTI —MODELLE URBAN, SWING UND ROUND

GIORGETTI — MODELL 90 MINUTO

MODELL HUG

Ganz grosser Fussball ist das Modell «90° Minuto» – ein Tischfussballmöbel, das schon fast zu schön ist, um damit zu spielen.

«Hug» trägt seinen Namen zu Recht – friedlich wird der Sitzteil von dem aus Nussholz bestehenden Rahmen umarmt. Erhältlich als Stoff- oder Ledervariante lassen sich die perfekten Rückzugsorte schaffen. Denn Umarmungen kann man nie genug bekommen.

An kaum einem anderen Ort lässt sich Gior­ getti so eindrücklich erleben wie in der Design-Metropole Mailand. Im Showroom an der Via Durini zeigt sich in absoluter Perfektion, wie sich die Einzelstücke der Kollektionen zu einem exklusiven Ganzen zusammensetzen lassen. Oder, wie ein Kritiker einmal wohlwollend meinte, «seelenruhig in einem Raum zusammenleben». Auf diesem Bild die Wohnlandschaft aus Sofa «Urban», Sessel «Swing» und Loungetisch «Round».

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Kaum eine Kunst ist so unwiderstehlich wie die Kunst des Einrichtens. «BE at HOME» präsentiert eine ganz eigene Linie und setzt diese gekonnt in einer individuellen Einrichtungswelt um.

Text: LONE K. HALVORSEN

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HAUTE COUTURE BEIM EINRICHTEN Im Wohnbereich wie im Geschäftsfeld mit hochstehenden Materialien, wertigen Produkten und eigens für den Kunden geschaffenen Kreationen entsteht durch die Hand von BE at HOME, mit Bruno Stebler als kreativer Kopf des Teams, mit viel Leidenschaft und professionellem Engagement eine einzigartige Stimmung mit persönlicher Atmosphäre. VOM TRAUM ZUM PERSÖNLICHEN WOHN(T)RAUM Längst steht BE at HOME nicht nur für eine Auswahl an Vorhängen, Möbeln oder Licht, sondern auch für eine umfassende und persönliche Beratung und Planung bis hin zur Ausführung. Dazu gehört die Innenarchitektur als Ganzes, aber auch kleine Veränderungen oder die Bauführung mit Hilfe eines Bauleiters werden ermöglicht. Jeder Schritt muss stimmen. Die Basis für den Einrichtungsprozess beginnt mit einem Beratungsgespräch mit dem Kunden. Denn erst wenn Bruno Stebler weiss, was der Kunde möchte, kann er seine Kreativität einsetzen. Anhand von Skizzen werden Träume und Wünsche entworfen, und mit der 3D-Planung rückt die Realisierung einen Schritt näher. Jede Idee und jede Skizze inspiriert die nächste. Damit das Projekt auch zeitlich erfolgreich verlaufen kann, wird ein Terminprogramm erstellt. Eine Kosten- und Bauüberwachung gehören ebenso dazu wie die finalen Kleinarbeiten am Ende und die abschliessende Bauabnahme. Der Kunde wird somit von der Idee bis zur Umsetzung begleitet. Wenn gewünscht, liefert Strebel gar ein schlüsselfertiges Domizil mit allem, was dazugehört. VON SCHÖNHEIT UND ÄSTHETIK GEPRÄGT Dem Kunden eine Inneneinrichtung erschaffen, die den persönlichen Stil widerspiegelt und zugleich eine harmonische

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und ästhetische Wohnwelt bietet. Das ist die Vision von Bruno Stebler. Der Kunde steht im Zentrum. Von Wasser und Wald inspiriert, setzt er vorwiegend Naturmaterialien und Erdfarben ein. Selbst sorgfältig ausgesuchte Kunstobjekte und Accessoires spiegeln diese Vorliebe wider. Auch die Eigenkreationen von BE at HOME sind sehr beliebt: individuelle Unikate, die das «Tüpfelchen auf dem i» für das perfekt abgestimmte Ambiente setzen. Der passionierte Inneneinrichter spielt gekonnt mit verschiedenen Stilelementen und transformiert diese in seine eigene persönlich gestalterische Sprache, die vom individuellen Lebensstil des Kunden geprägt ist. Eine elementare Rolle nimmt auch das Beleuchtungskonzept ein. Bruno Stebler unterscheidet zwischen der Grundausleuchtung, der individuellen Situationsbeleuchtung und dem Dekorationslicht. «Das Licht schafft Atmosphäre und hilft, eine Raumstimmung zu verstärken», so Stebler. EINE ERFÜLLENDE NAMENSDEUTUNG Direkt am Römerhof in Zürich gelegen bietet der einladende Showroom im Römerschloss Inspirationen und Einblicke in die behaglichen Einrichtungskonzepte von BE at HOME. Im Produktportfolio finden sich internationale Marken, darunter auch einige exklusiv für die Schweiz. Inneneinrichter Bruno Stebler wird von einem kleinen, gut eingespielten Team unterstützt. Das Augenmerk wird auf die Liebe zum Detail gerichtet, denn nur so lässt sich Perfektion anstreben, und nur so kann der Namensgebung des Unternehmens Rechnung getragen werden.


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ZÃœRICH EINE GASTRONOMISCHE REISE DURCH DIE STADT Text: INA RESIAK

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Sie kennen mich nicht. Obwohl ich gern gesehener Gast in vielen Restaurants, Bars und Cafés bin, wissen die Gastronomen dahinter nicht, was ich wirklich tue. Ich analysiere und ranke sie. Warum ich das tue? Um meinen Freunden und Geschäftspartnern wirklich gute Empfehlungen abgeben zu können, die über «ins ‹Kaufleuten› könntest du gehen» hinaus gehen.» Warum? Weil ich mehr über Essen und Trinken weiss, als mir lieb ist. Aber der Reihe nach. Wer in Zürich ein Restaurant eröffnet, muss die aktuellen Trends kennen, eine Brasserie für Veganer, Thai-Food mit regionalen Zutaten oder einen Koch kennen, der mit Glut und Asche ein perfekt gebratenes Steak auf den Teller zaubern kann. Sachgemässe Reifung des Fleisches inklusive. Zürich ist, naja nicht unbedingt Trendsetter, was kulinarische Highlights betrifft, aber die kleine Stadt an der Limmat ist schlau, sie wartet ab und lässt dann neue Lokale aus der Erde wie Pilze wachsen. So ergibt es sich, dass auf einen Pionier, zum Beispiel beim Trend «Regionalität», bald eine Armada von neuen Beizen folgt. Das macht es selbst für Kenner wie mich schwierig, den Überblick zu behalten. Gehen wir es langsam an, und orientieren Sie sich zum Beispiel an meinen folgenden Tipps. BALTHO KÜCHE & BAR Dem heiligen Balthasar wurde dieses Restaurant und zugleich Bar gewidmet. Ein Treffpunkt für Foodies, Quartierbewohner, Touristen und Anzugträger mitten in Zürich, die dort in einer kosmopolitischen Atmosphäre Speis und Trank genies­ sen. Die Küchenphilosophie lautet: zeitlose Klassiker, regional und saisonal, geprägt mit einer Prise Internationalität und das Ganze morgens, mittags und abends. So ist es nicht verwunderlich, dass Schwein-, Rind-, Kalb- und Pouletfleisch mit der Herkunft «Schweiz» gekennzeichnet sind. Deshalb entschied ich mich für in Blauburgunder geschmorte Rindsbäggli, Kartoffel-Sellerie-Mousseline mit Federkohl und Berberitzen. Dazu passt hervorragend ein Glas Pinot Noir Schiterberger Himmelsleiterli von Landolt Weine. Er gilt als Flaggschiff unter den Zürcher Weinen. Das Konzept im «Baltho» ist schlüssig, und beim Verlassen des Lokals liess sich der Barkeeper auf einen gepflegten Smalltalk über Gin hinreissen. Gianni Vergani sagte einmal zu mir: «Italienische Weine werden getrunken, nicht gesammelt. Sonst wandern die immer selben Flaschen um die ganze Welt, und niemand hat sie getrunken.» PARKHUUS Wie recht Gianni Vergani doch hatte, und dieser Spruch führt mich ins Restaurant «parkhuus», wo sich heimische Zutaten ganz selbstverständlich mit modernen Elementen verbinden. Frank Widmer, Executive Chef, ist ein Meister der kreativen Verfremdung von Alltäglichem. Was manchmal nach Tradition klingt und so bescheiden daherkommt wie «Schweizer Saibling hausgeräuchert, Mesclun (extrafeiner Blattsalat), Eierschwämme fermentiert, Gin, Baumnüsse, Rotweinessig und Zitronengel» entpuppt sich als ein komplexes, spannungsreiches Gericht auf höchstem Niveau. Kreative, neue Schweizer Küche in weltstädtisch-elegantem Ambiente mit Panoramafenstern und Nähe zum Paradeplatz. «Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie», so Frank Widmer.

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BAUERNSCHÄNKE Was ich an meinem Job so sehr liebe? Detailverliebte Qualitätsfanatiker, wie ich sie in der «Bauernschänke» getroffen habe. Diem. Mlinarevic. Schindler. 3 Musketiere, die Sie sich merken sollten, schliesslich setzen die drei auf eine moderne, schmackhafte Küche mit einem leichten Hang zu internationalem Flair. Nenad, Valentin und ich trafen uns an einem kalten, windigen Mittwoch im Januar. Gedeckt war am Stammtisch, gleich links beim Eingang. Puristisch. Tellerchen, Wasser- und Weinglas. Serviette. Besteck. Eine grosse Fensterfront bietet mir einen Blick auf das Gässchen «Rindermarkt». Das Konzept mit lokalen Zutaten und anspruchsvollen kleinen Gerichten zum Teilen trifft den Zeitgeist und weckt meinen Appetit. Nenad bestellt für uns: Kartoffelsuppe, Lauch, Nussbutter. Schmorbraten-Ravioli, Salbeibutter. Pouletschenkel gebraten, Kürbis Kräutersalsa und Rande geschmort, mein Favorit by-the-way.

sind schuld an der Wiederauferstehung dieses Lokals. Gott sei Dank! Seigi, der stets beim Vornamen genannt wird, durfte ich bei einem erlesenen Abend im Weinkeller von Vini Vergani kennenlernen. Gut gelaunt (wer ist das nicht, wenn es Pasta à Tavola gibt), er trägt einen markanten Bart, ist massig herzlich, sympathisch und trägt Tattoos, die sein Leben beschreiben. Es ist nichts Neues, dass ein Gastronomiebetrieb ein Gesicht braucht. Er liebt es, an diesem Ort zu sein und seine Passion und Freude an seine Mitarbeiter und Gäste weiterzugeben. Das hat er drauf, der Seigi. Als ich ihm die Frage stelle: «Wie viele Namen kannst du Gesichtern zuordnen?», schlägt er seine Kontakte im Telefon auf und zeigt mir die Zahl 6999. Das lässt mich staunen über den Mann, der scheinbar ein Elefantengedächtnis hat und viele Menschen kennt auch ohne eine elektronische Stütze. Konservativ funktioniert in Zürich sehr gut, so stehen Wiener Schnitzel vom Kalb, Rindsfilet Stroganoff, Dorade Royal mit Salzkartoffeln und Avocado-Karotten-Salat auf dem Speisenplan. Die Küche vermittelt Freude, zwanglose Freude, die man mit anderen teilen sollte. «Ich behandle meine Gäste so, wie ich gerne behandelt werden möchte.» Seigi Sterkoudis

Die Präsentation durch das Servicepersonal ist angenehm, erfrischend und freudvoll dargeboten. Der gute Spirit im Team strahlt auf die ganze Gaststube. Die Gerichte duften nach satten Gewürzen, für meinen Geruchsinn perfekt. Wir kosten uns durch die Gerichte, philosophieren über die Zubereitung und die Inspiration, die in den Gerichten steckt, und Nenad sagt dann zufrieden: «Man soll den Aufwand nicht sehen, sondern nur schmecken.» Dem kann ich mich nur anschliessen. Tipp: Falls Sie grosse Begeisterung für die Gastronomie empfinden und wahre Gastfreundschaft schätzen, bestellen Sie schnell ein, zwei oder mehrere Tickets für den Kulinarik-Event im Mai 2019 in Zürich mit After-Dinner-Party im Widder Hotel. www.menu1-6.com RAZZIA Acht Fäuste kämpfen für ein gastronomisches Juwel im Kreis 8. Das «Razzia» verbindet das Reisen, das Essen, das Trinken und die Lebensart gekonnt in einem «Great Gatsby»-Ambiente mit der vielgereisten Giraffe Zarafa. Die Speisenkarte ist gespickt mit Klassikern ebenso wie saisonale Kreationen mit Fleisch, Fisch und Geflügel, aber auch vegetarische Gerichte ergänzen die Fusion-Küche. Das spektakuläre Ambiente des begehbaren Weinschranks ist der wahrgewordene Traum eines jeden Weinliebhabers. Drinbleiben und probieren, wäre mein Motto, aber ich sollte mich dem Gericht widmen, welches mir gerade im romantischen Hinterhofgarten serviert wurde. Bei einem Teller Spaghetti Vongole und einem Glas Grüner Veltliner Bachgarten von F.X. Pichler überlege ich mir mein Fazit und staune in die Dämmerung: 100 Punkte für ein unvergessliches Erlebnis.

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GESCHMACKSRICHTUNGEN In Jan E. Brucker finden wir wieder so einen Traditionalisten. Mit dem «AuGust» am Rennweg brachte er abwechslungsreiche, geschmackvolle Zürcher Gastronomiekultur zurück. Sie ehrt die Gilde der Metzger. In einem ungezwungenen Brasserie-Ambiente mit schwarz-weiss gefärbten Kacheln an der Wand verwöhnt der Küchenchef seine Gäste mit bodenständigen Fleisch- und Wurstspezialitäten, verfeinert mit knackig-frischem Marktgemüse und saisonalen Zutaten aus der Region. Eilige können die Delikatessen dank eines integrierten Strassenverkaufs mit nach Hause nehmen. Regionalität für Zuhause. Amen. Aber die Bruckers, Jan & Regula, sind zu Grösserem bereit gewesen und bieten den Gästen eine Sinnesoffenbarung anhand eines Gewürzwegweisers, nämlich im «Widder Bar & Kitchen» (WB&K). Es ist das Herzstück des Widder Hotels, welches zur Gruppe «The Living Circle» gehört, und kombiniert geschickt die Geschichte der Stadt mit dem modernen Flair, welches sich über Design und Kulinarik präsentiert. Aus der Region ist auch der Executive Chef Tino Staub. Seine Kon-

RESTAURANT KAUFLEUTEN Gastronomische Institutionen unangetastet zu lassen, ist vermutlich der beste Rat, den die «Kaufleuten»-Crew aus vergangenen Tagen mitgenommen hat. Das Restaurant Kaufleuten ist den Zürchern so heilig wie andere altehrwürdige Institutionen in Zürich. Deshalb schätzen Normalsterbliche wie ich und Promis gleichermassen die kosmopolitisch-entspannte und stets mit frischen Blumenarrangements geschmückte Atmosphäre und den heimeligen Touch. Seigi und Steli Sterkoudis

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CULINARIUM

zeptkunst heisst «Mixen» oder lässt sich noch besser mit dem Schlagwort «Food Pairing» erklären. Das Restaurant ist eine Bühne für Crossover-Schätze, und so liegen auf meinen Tellern, die in Abständen gebracht wurden: Schweizer Ente mit Pilztatar, Ceviche von der Meerbrasse, Riesengarnelen mit schwarzem Pfeffer aus Kambodscha. Dazu bestelle ich mir «Prelude Royal» gemixt in der hauseigenen Bar. Das alles zusammen ist eine fulminante Überraschung. Nachmachen erlaubt. PIC CHIC Weil ich an diesem Tag noch nicht genug habe von Food-Konzepten, stapfe ich ein paar Gassen weiter ins «Pic Chic». Kaum in die Markthalle eingetreten, werden alle Sinne animiert. Ein Wandgemälde über der Bar verleiht dem grossen Raum zusätzlichen Charme. Gleich nebenan werden liebevoll und bis ins kleinste Detail Mezze und Smoothies angerichtet. Folgt man den Gang dem Schaufenster entlang, quält einen die Auswahl zwischen köstlichen Süssigkeiten von der «Patisserie Péclard im Schober», frischen Sandwiches und Salaten. Ein neuer Streich eines alten Bekannten: Michel Péclard. Im «Pic Chic» hat sich Smith & Smith einen leicht versteckten Weinkeller mit Bar eingerichtet. Endlich ein neuer Treffpunkt für einen AfterWork-Drink. Das vielseitige, ans Schlaraffenland erinnernde Speise­angebot wird mit frisch gerollten Sushis abgerundet. So viel Region ist nicht zu fassen. Es sieht so lecker aus, und ich kann nicht widerstehen bei einem «Kiss my Egg» – einem Bowl mit Lachs, Tuna, Reis und einem pochiertem Ei. «Legger». Der Tausendsassa Péclard betreibt 14 Betriebe, neun davon am Zürichsee. Ausserdem führt er die traditionsreiche Konditorei Schober. Was mich an Michel inspiriert, ist, dass er sich nicht verbiegt und ganz ursprünglich, ein Mann der Taten ist und hoffentlich bleibt. VINI VERGANI IN 5. GENERATION Heute Abend erwarte ich noch Gäste, deshalb fahre ich noch beim Weinhaus Vergani vorbei und suche mir eine Weinbegleitung zum Menü, welches gerade in meinem Kopf entsteht, aus. Bei der Vergani-Familie ist man zuhause und irgendwie auch Teil der Familie, auch wenn man erst das erste Mal zu Besuch in der mediterranen Enothek im Kreis 3 ist. Hier findet man neben sehr netter Gesellschaft, besten Weinen aus allen Regionen Italiens, einer bedeutenden Auswahl an italienischen Grappas auch ganz viel persönliche Beratung. Ich entscheide mich für den L’Anima di Vergani. Abgefüllt wurde darin ein Amarone, intensiv und zugleich lieblich. Am Gaumen strukturreich, aber elegant. Mit diesem Wein nehme ich mir ein Stück Seele der Familie mit nachhause und verteile sie später in die Gläser meiner Freunde. JELMOLI FOOD MARKET Ein Marktspaziergang in einem Kaufhaus ist möglich. Der Name Jelmoli «The House of Brands» steht für den berühmten Premium Department Store an bester Adresse in Zürich und damit gemeinhin für ein einzigartiges Einkaufserlebnis. Im Food Market findet man Köstlichkeiten aus der Region und aus aller Welt. Mein Highlight, als Käseliebhaberin, der erste Käse-Humidor, gebaut von Fredy Bieri in der Schweiz steht im Untergeschoss des Kaufhauses und will bewundert werden. Ich kaufe direkt im Reiferaum zwei von den rund 150 angebotenen

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Käsesorten … Die Lebensmittelabteilung wurde neu strukturiert und dank einzelner Themenwelten, wie dem mediterranen Bereich mit italienischen Köstlichkeiten und einer neuen Weinwelt, kulinarisch gegliedert. Weil ich Blumen so sehr liebe, schlendere ich im Untergeschoss noch zu Alfon’s Blumenmarkt und kaufe mir einen massgeschneiderten, modernen Strauss für mein Zuhause bestehend aus weissen Callas und einem satt-grünen Xanadu-Blatt. «Eine Blume ist nicht vollständig ohne Blatt.» – Tao-Shan SERI Für Seri Wada ist Handwerk seine Richtschnur. Der Brötchenmacher konzentriert sich auf Baguettes, Croissants und Pains au Chocolat und beliefert viele Cafés in und rund um Zürich. Kein Wunder also, dass Michel Péclard von ihm Wind bekommen und ihm kurzerhand seinen Backofen unter der Milchbar beim Paradeplatz angeboten hat. Ein Baguette landet schnell in meinem Einkaufskorb, ich reiche es zu Prosciutto di Parma, grünen Oliven und Wein als Willkommensgruss für meine Gäste. MAME Richtig ausgebildete und hochdekorierte Baristas findet man in Zürich im «Mame» an der Josefstrasse im Seefeld. Viel zu häufig wird die Espressozubereitung nicht mit dem Respekt behandelt, den sie verdient. Die Kunst des Barista liegt darin, alle Parameter der Espressozubereitung optimal zusammenzuführen, um reproduzierbare Espressi zu liefern. «Der beste Kaffee ist der, der dir schmeckt.» Euphorisch und gut gelaunt, nach all den tollen Erlebnissen und Begegnungen in Zürich, bin ich zuhause angekommen und öffne zuallererst den Amarone. Meine Freunde werden begeistert sein vom leicht herben, aber äusserst konzentrierten, beinahe cremigen Rotwein. Ein Volltreffer. Ich muss gestehen, ich habe Sie vorhin angelogen, als ich gesagt habe, dass mein Abendmenü erst noch in meinem Kopf entsteht. Ich bin ein Freak der Vorbereitung und habe bereits vier Rumpsteaks à 250 Gramm im Vakuumbeutel in einem Wasserbad bei 56 Grad eine Stunde gegart. Die Steaks aus dem Beutel nehmen, trockentupfen. Drei Zweige Rosmarin und ein paar Halme Thymian waschen und trockenschütteln. Zwei Esslöffel Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, die Steaks darin von beiden Seiten scharf anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die Pfanne vom Herd nehmen. Butter, Rosmarin und Thymian zugeben und die Steaks mit der braunen Butter immer wieder nappieren. Anrichten, wenn die Gäste bereits zu Tisch sind. Ding, Dong – ach, das werden meine Freunde sein … Mein Fazit: «Zürich, Hut ab. Du brennst für den guten Geschmack.»


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EINE Text: ALAIN WAFELMANN Bild: JULIA BRUDERMANN / HANGAR 7

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Ist es Zufall, dass aus der Sierra de Tramontana, dem UNESCO-Weltkulturerbe im Nordwesten Mallorcas, der spanische Zwei-Sterne-Koch Fernando Perez Arellano in die Heimatstadt von Wolfgang Amadeus Mozart reiste, um im Spitzenrestaurant «Ikarus» seine Kunst zu zelebrieren? Natürlich ist es kein Zufall; Top Chef Fernando P. Arellano folgte dem Ruf von Eckart Witzigmann und Martin Klein, die beide für das Gastkochkonzept des Salzburger Spitzenrestaurants «Ikarus» im Hangar-7 verantwortlich zeichnen. Das Restaurant «Ikarus» gehört zu Österreichs Top-Adressen, wurde es doch erneut mit 18 Gault & Millau-Punkten und 3 Michelin-Sternen ausgezeichnet. Alleine Eckart Witzigmanns Geschichte, der bereits 1994 vom renommierten Restaurantführer Gault & Millau zum «Koch des Jahrhunderts» gekürt wurde, eine Auszeichnung, die bis heute weltweit nur vier Köchen zuteilwurde, würde ein Buch füllen. Heute hat E. Witzigmann, unter anderem, das Patronat des «Ikarus» inne. Martin Klein amtet als Executive Chef und ist somit operativer Leiter des Top-Restaurants im Hangar-7, diesem nachgebildeten Flügel aus Stahl und Glas, der heute Technik, Kunst, Kulinarik und Unterhaltung beherbergt. Martin Klein verantwortet, mit seinen zwei Küchenchefs Jörg Bruch und Tommy Eder-Dananic, auch die gesamte Spitzen-Leistung dieser beeindruckenden Küche. Fernando P. Arellano hat sich im Restaurant «Zaranda», das zum Luxushotel «Castell son Claret» gehört, der Evolution der traditionellen mallorquinischen Küche verschrieben. Es ist nicht übertrieben, ihn als virtuosen Künstler der Küche zu bezeichnen. Seit 2013 bekocht der spanische Meister nun auf der Baleareninsel Mallorca seine Gäste mit frischen Zutaten, die meistens direkt aus der Region stammen. Auf dem Teller landen, nachdem sie den wundersamen Weg durch F. Arellanos Küche durchlaufen durften, äusserst

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kreative Kunstwerke, die nicht nur die olfaktorischen und gustatorischen Reize betören, sondern auch optisch überzeugen. AM CHEF TABLE IN DER KÜCHE DES «IKARUS» In der hinteren rechten Ecke steht der grosse Holztisch, der «Chef Table», von dem aus die ganze Küche des «Ikarus» einsehbar ist. An diesen Tisch wird man eingeladen. Buchbar ist dieses exklusive Erlebnis nicht. Hier wird an diesem Abend das 9-gängige Menü von Fernando P. Arellano, dem Gastkoch des Monats Februar 2019, kredenzt. Der spanische Spitzenkoch ist mit einem Küchen-Kollegen angereist und hat mit dem Küchenteam des «Ikarus» die Feinheiten seiner Ideen ganz offensichtlich bis ins letzte Detail durchgearbeitet. Denn jeder Gang, und alle werden heute vom Top Chef persönlich präsentiert und serviert, überzeugt durch Raffinesse und Kreativität. Die dazu ausgeschenkten Weine, bis auf eine Ausnahme allesamt önologische Spitzenprodukte aus Fernando P. Arellanos Heimat, überzeugten durchwegs. Sie wurden ganz offensichtlich und sehr fein auf die einzelnen Gänge abgestimmt. Dem Menü merkt man etwas an, dass es dazu gemacht wurde, die ganze Kunst präsentieren zu wollen. Einzelne Gänge fügen sich nicht ganz nahtlos in ein angestrebtes Gesamtkunstwerk ein. Bescheidenheit ist seine Sache nicht, was angesichts der zahlreichen Auszeichnungen auch verständlich scheint. Selbstverständlich jedoch verlässt man an diesem Abend den Tisch ohne jeglichen Zweifel an Fernando P. Arellanos Kochkünste und im Wissen, einem Meister der Küche begegnet zu sein. Fernando P. Arellano geht seinen Weg konsequent und geradlinig. Im Visier hat er, wie könnte es anders sein, den dritten Stern, die höchste Weihe.


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Zwei Sterne Wie ein General In Töpfen Im Beginn Der Aal Schafft so das Meer Erste Berührung Mit dem Gaumen Rote Bete An einer Auster Laut und stürmisch Zugleich Im fremden Land Verführerisch Tintenfisch Umschlingt Im Mund Die Nerven So schelmisch Wie einnehmend Lächelt aus dem Winkel Der Meister Der Poet Aller Zutaten Die den Weg überwunden Aus dem unendlichen Blau Um die Flügel zu streifen Jenes kühnen Sohnes Von Daidalos Dem Entwerfer des Labyrinths Zum Minotaurus Rot bleibt der Faden Der Braut Ariadne Jenes Gottes der Weine Verzaubert Zurückgelassen Bleibt der Gast dankbar Und ein wenig reicher Gedicht auf Fernando P. Arellano

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WO OSTERN ZUHAUSE IST spruengli.ch/shop


PRICKELNDER Text: HELENA UGRENOVIC

LIFESTYLE Bild: MOËT HENNESSY SUISSE

DOM PÉRIGNON


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Sterne schmecken? Die so knallen wie das Leben selbst? Den Lifestyle fühlen, der unweigerlich damit verbunden ist? James Bond genoss die französische Champagner-Legende in zahlreichen seiner Klassiker, doch die Zeiten, als er vorwiegend von einer eher steifen und verstaubten Upper-East-Side Society ­bevorzugt wurde, sind längst vorbei. Abgelöst durch eine Life-rocks-Generation, für die Lifestyle Qualität bedeutet. Dom Pérignon. Eine der berühmtesten Champagnermarken der Welt und hippes Tradi­ tionshaus. Links: BARBARA BACH and ROGER MOORE, Photo by Hulton Archive

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Ein bisschen erinnert das Etikett an Batman, und genauso wie bei Milliardär Bruce Wayne schlummert etwas Geheimnisvolles im Edeltropfen aus der Champagne, der nicht nur mit seinen Vintage-Editionen auftrumpft und für Überraschungen sorgt. Vor elf Jahren beginnt eine Freundschaft der besonderen Art, als Rocklegende Lenny Kravitz bei einem Freund aus der Weinbranche in Paris seine erste Begegnung mit dem Haus Dom Pérignon hat. Beeindruckt taucht er in die faszinierende Welt des Luxus-Champagners ein und entwickelt eine ganz eigene Philosophie: «Ich bin fasziniert vom Prozess, Dinge herzustellen, etwas aus nichts zu erschaffen. Du hast eine Idee in deinem Kopf, in deiner Seele, und dein Job ist es, es zu verwirklichen. Wenn ich über Dom Pérignon nachdenke, geht es darum, Menschen zusammenzubringen.» Wie sehr er selber inspiriert, zeigt der weltweite Branchenführer der Luxusgüterindustrie, LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton, zu dessen Dachorganisation Dom Pérignon gehört, als er 2018 Lenny Kravitz als ersten Global Creative Director überhaupt an Bord holt. DER SCHLAUE MÖNCH Er ist nicht, wie fälschlicherweise in zahlreichen Geschichtsbüchern festgehalten, der Erfinder des legendären Champagners, jedoch trägt der Mönch Pierre Pérignon, oder Dom Pérignon, im Wesentlichen zu seiner Entwicklung bei. Im 17. Jahrhundert ist der französische Mönch als Cellar für die wirtschaftliche Versorgung der Abtei Hautvillier zuständig. Die Weinproduktion gehört zu einer der Haupteinnahmequellen des Klosters und steht unter der Aufsicht des Mönchs. Mit dem Kellermeister der Abtei Saint-Pierre-aux-Monts de Châlons, Bruder Jean Oudart (1654–1742), tüftelt er an einem Verfahren, um den damaligen önologischen Vorgang weiterzuentwickeln. Er realisiert, dass die Qualität des Weins durch den Verschnitt verschiedener Traubensorten deutlich erhöht werden kann. Zudem verschliesst er die Flaschen am Hals mit einem Korken, den er mit einer Kordel am Flaschenhals sichert, und erfindet somit die erste Agraffe, das Drahtgeflecht um den Korken, wie wir es heute kennen. Um dem hohen Flascheninnendruck standhalten zu können, verwendet er nur starkwandige Flaschen und lagert diese in den Kreidehöhlen in der Nähe des Klosters. Die Kunst der Assemblage, der Cuvée, der Zusammenstellung verschiedener Rebsorten, ist auf Dom Pérignon zurückzuführen, der auch der Erfinder des weitverbreiteten Flaschenvolumens von 0,7 Liter ist, nachdem er die durchschnittliche Trinkmenge männlicher Erwachsener beim Abendessen eruiert hatte. Er will den «besten Wein» der Welt herstellen und versorgt bald den Hof von König Louis XIV. INSPIRATION Lenny Kravitz ist ein Mann mit vielen Talenten. Er ist Sänger, Musiker, Songwriter, Plattenproduzent, der mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, Schauspieler, Fotograf und Designer. Er inspiriert und lässt sich inspirieren, erforscht eine Materie, bis er sie fühlt und diese Emotionen kreativ umsetzt. Der erste Ausdruck seiner Zusammenarbeit mit Dom Pérignon ist ein Satz Schwarzweissfotografien, die in einer Werbekampagne auf drei Kontinenten und während einer internationalen Ausstellung namens «Assemblage» zu sehen sind. «Es geht um Kommunikation. Inspirieren und andere inspirieren.

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Es braucht keinen Anlass. Das Leben ist der Anlass.» Lenny Kravitz lädt die US-amerikanische Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon, den amerikanischen Schauspieler und Produzenten Harvey Keitel, die US-amerikanische Sängerin, Schauspielerin und Model Zoë Kravitz, den chinesisch-amerikanischen Modedesigner Alexander Wang, den französischen Tänzer und Choreografen Benjamin Millepied, einen der grössten japanischen Fussballer aller Zeiten, Hidetoshi Nakata, und das australische Model und Schauspielerin Abbey Lee Kershaw ein. Er fängt die Alchemie zwischen ihnen ein, beobachtet die Interaktionen und wie sie sich gegenseitig inspirieren. Sie trinken Dom Pérignon, reden miteinander, lachen, tanzen und stellen am Schluss sogar Leonardo da Vincis «Letztes Abendmahl» dar. So wie «The Factory» und «Studio 54» verbindet Kravitz Menschen und dokumentiert den privilegierten Moment einer ewigen Nacht, in der er unbegrenzte Inspiration findet. Mathieu Bitton, ein Fotograf und Filmemacher, filmt dieses von Kravitz und Dom Pérignon initiierte Treffen. Richard Geoffroy, seit über 30 Jahren legendärer Kellermeister des Champagner-Labels Dom Pérignon, der seit seiner Amtszeit 15 Jahrgänge zu «Millésimes» erklärt hat, beschreibt es treffend: «In den letzten Jahren haben wir die Idee entwickelt, andere zu inspirieren und inspiriert zu werden, Energien zu geben und Energien zu erhalten. Es entsteht eine Art Spirale, in diesem Sinn von Fürsorge und Liebe, und dann wird es zurückgegeben, was typisch für Lenny ist. Aus diesem Grund sind wir uns so nah und eng verbunden. Kreativität ist ein toller Motor, der angeheizt werden muss, und der Treibstoff kommt meistens von aussen. Man absorbiert und gibt sie dann weiter.» «Vielleicht habe ich dich, Stromberg, falsch eingeschätzt. Ein Mann, der Dom Pérignon ’52 trinkt, kann nicht schlecht sein.» – James Bond «Der Spion, der mich liebte» – DOM PÉRIGNON VINTAGE 2008 Die Vision des Hauses Dom Pérignon ist die Harmonie als Quelle der Kreativität. So, wie jeder kreative Prozess an seine Grenzen stösst, sind diese bei Dom Pérignon durch das Erntejahr bedingt. Das Traditionshaus erlegt sich selbst die Verpflichtung auf, von der Ernte eines einzigen Jahres Zeugnis abzulegen, selbst wenn das bedeutet, einen Jahrgang nicht zum Vintage zu deklarieren. Nach mehr als acht Jahren Reifung in den Kellern erreicht ein Dom Pérignon Vintage seine erste Plénitude – die Stufe der Harmonie. In diesem Grad kommen alle Eigenschaften mit absoluter Präzision zum Ausdruck und zeichnen das vollendete Gleichgewicht von Dom Pérignon aus. Dom Pérignon Vintage 2008 legt einen weiteren Meilenstein im Dom-Pérignon-Projekt. Mit seiner Einzigartigkeit fügt sich der Dom Pérignon Vintage 2008 hervorragend in die Linie der vorhergehenden Dom-Pérignon-Jahrgangschampagner ein. «Dom Pérignon stellt den Vintage 2008 vor und geht über den üblichen Champagner-Kanon hinaus.» – Richard Geoffroy


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HILFE IST NUR EINEN FLUEGELSCHLAG ENTFERNT

FINANCE

Text: WILMA FASOLA

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IM KATASTROPHENFALL BRAUCHT ES HEUTE HILFE UND NICHT ERST IN AUS TAGEN EINIGEN TAGEN. STUNDEN MACHEN DAMIT DAS WELTWEIT STANDARD WIRD, WILL EIN SCHWEIZER SEINE PRIVATJET-AIRLINE ZUR GLOBALEN HUMANITÄREN FLUGGESELLSCHLANKE SCHAFT MACHEN. STRUKTUREN SORGEN FÜR EINSATZ

Weltweit starben zwischen 1997 und 2017 rund 1,3 Millionen Menschen an den Folgen von Naturkatastrophen, so die Zahlen eines Berichts der UNO. Im Jahr 2017 beliefen sich laut der Munich Re zudem die Schäden innerhalb von nur zwölf Monaten auf 330 Milliarden US-Dollar. Und 2018 – so ergab ebenfalls die Auswertung der Rückversicherungsgesellschaft – kam es zu 850 Naturkatastrophen weltweit. Sprich: 2,4 pro Tag. Die Zahlen zeigen eindrücklich, mit welcher Gewalt sich die Erde gegen Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung wehrt. Und sie beweist auf der anderen Seite, dass Mutter Natur noch immer die Macht hat – auch wenn der Mensch oftmals anders denkt.

Erschreckend in diesem Zusammenhang ist vor allem, dass Videos und Bilder von Katastrophen bereits wenige Stunden nach Eintreffen des Unglücks den Weg in die digitale Welt finden, die helfenden Hände jedoch erst nach Tagen die betroffenen Regionen erreichen. Überrascht irgendwo auf der Welt ein Wirbelsturm, ein Erdbeben oder eine Naturgewalt tausende von Menschen, ganz sicher gibt es bereits wenige Stunden später die ersten Bilder. Die Medien berichten live vor Ort, während die anrückenden Hilfsorganisationen es nicht schaffen, zeitnah sowohl Personal wie auch Material bereitzustellen. Das ist sicher ein wenig überspitzt und provokant gesagt. Fakt aber ist, dass im Falle einer Katastrophe die Retter oft Tage brauchen, um die Krisengebiete zu erreichen. Nach dem gravierenden Erdbeben im Frühjahr 2015 in Nepal, bei dem 8800 Menschen ums Leben kamen, dauerte es rund vier Tage, bis die Helfer und Hilfe eintrafen. Etwas, was in den Augen Martial Widemanns so nicht länger weitergehen kann. «Mein Team und ich haben damals gesagt, das kann so nicht sein», sagt er. «Wir haben uns an den Tisch gesetzt und überlegt, wie wir diesen Umstand optimieren können.» Das Ergebnis dieser Runde war die «Moonlight Air Organization» – eine humanitäre Fluggesellschaft, die weltweit im Katastrophenfall innerhalb von drei, vier Stunden vom Schweizer Airport abheben und die betroffenen Regionen in maximal 24 Stunden erreichen kann; inkl. 100 Tonnen Material.

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FINANCE

Martial Widemann, vor 40 Jahren in Chur geboren, passionierter Pilot und Inhaber der exklusiven Privatjet-Gesellschaft Moonlight Air. Und ein Mann, der fest davon überzeugt ist, dass jeder etwas bewegen kann. Im Kleinen wie im Grossen. «Unsere Vision ist gross, keine Frage, aber realisierbar! Wir wollen im Krisenfall Leben retten, die Lebensqualität verbessern und das Leben lebenswerter machen.» So geht es im ersten Schritt darum, im Katastrophenfall koordiniert Hilfsgüter und Personal schnellstmöglich in die betroffenen Gebiete zu transportieren. «Mit unserem Konzept können wir innerhalb von 24 Stunden jeden Ort auf der ganzen Welt erreichen», so Widemann. «Unsere schlanken Strukturen, unser weltweit aktives Netzwerk und das eigene gut bestückte Notlager direkt am Flughafen machen das möglich.» Parallel soll konstant dort geholfen werden, wo gesundheitliche Standards fehlen. Dazu der Gründer der Organisation: «Wir planen ein mobiles Spital, mit dem wir auf der ganzen Welt Operationen nach europäischem Vorbild durchführen.» Der Fokus liegt zu Beginn bei Herz-Operationen an Kindern sowie bei Augen-Operationen. Lebensrettende und -verbessernde Massnahmen, für die vor Ort Experten, Material und die hygienischen Voraussetzungen fehlen.

VON DER IDEE ZUR ERFOLGREICHEN UMSETZUNG

Aktuell ist die Moonlight Air Organization dabei, ihre geballte Kraft endlich auch auf die Strasse oder besser in den Himmel zu bringen. «Mittlerweile haben wir rund zwei Jahre in die Ausarbeitung des Projekts gesteckt und nun die Phase erreicht, in der wir endlich aktiv werden wollen», so Widemann. Um das Projekt auf die Startbahn zu bringen, benötigt die Organisation eine Million Franken. Damit sollen die ersten drei Missionen finanziert und die Grundlage für weitere Pionier-Arbeit gelegt werden. Dokumentiert werden die Missionen und die Entstehung des Projekts übrigens von Oscar-Preisträger und Filmemacher Jefferson Miller. Im Anschluss soll die Moonlight Air Organization in einer zweiten Finanzierungsrunde weitere Gelder sammeln, um aus einer Idee, einem Projekt, eine weltweit einzigartige humanitäre Airline zu machen. Und dabei ist man nicht allein. Vielmehr setzt Widemann auf zahlreiche Synergien. «Im Gegensatz zu kommerziellen Unternehmen verfolgen wir andere Ziele und haben andere Strukturen – daher stellen wir unsere Kapazitäten für einen Bruchteil der heutigen Transportkosten zur Verfügung, sodass humanitäre Organisationen die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen in Hilfsgüter reinvestieren können.» Der Moonlight Air Organization ist es auch möglich, grosse Mengen Medikamente – wenn notwendig in Kühlcontainern – von A nach B zu fliegen.

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EIN PROJEKT MIT ZAHLREICHEN MÖGLICHKEITEN

Parallel geht es bei der Moonlight Air Organization auch um Hilfe zur Selbsthilfe. Dazu der Gründer: «Unser Ziel ist es, nicht nur Material zu transportieren, unsere Partner sollen vor Ort die Menschen auch ausbilden.» Unternehmen sollen motiviert werden, in Entwicklungsländern Aufbauarbeit zu leisten. «Wir können das Know-how einfliegen und die produzierten Güter ausfliegen. Dadurch wird auch die lokale Wirtschaft stimuliert», so Widemann. «Die Möglichkeiten sind gigantisch, und wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit unserem Projekt viel bewegen werden.» Schon jetzt gibt es zahlreiche Fürsprecher und Förderer. «Das feste Team ist derzeit noch überschaubar, aber unser Netzwerk ist fantastisch. Daher können wir die schon beeindruckenden 150 Jahre Berufserfahrung innerhalb unseres Teams schnell aufstocken», sagt Widemann mit Blick in die Zukunft. Was noch fehlt, ist Geld. Geld, das dafür sorgen wird, dass die Statistiken in den nächsten Jahren weniger Tote und geringere Summen aufweisen.


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LIEGT TEND IM TREND? Text: INA RESIAK

Neuartige Technologien sind das Herzstück mancher bahnbrechender und innovativer Business- und Consumer-Lösungen von heute. Dies zeigt sich deutlich an der zunehmenden Verbreitung von Blockchain-Technologien und Smart-Contracts. Seit Oktober 2017 ist Marco Abele (51) Start-up-Unternehmer von der Tauschplattform Tend. Er bietet Erlebnisse der ganz besonderen Art: Kunden können zum Beispiel eine Ausfahrt mit einem 1955er Porsche oder Aston Martin DB6 buchen oder einen privaten Ausflug auf ein Weingut unternehmen – inklusive 18 Flaschen des edlen Tropfens pro Jahr. Bei einem exzellenten Espresso, an der neuen Adresse am Schanzengraben in Zürich, traf ich den Gründer von Tend.Swiss, Marco Abele, zum Interview. Der gebürtige Deutsche ist ursprünglich Jurist. Sein neuestes Produkt ist seit Mai 2018 mittels App verfügbar. Hören wir uns an, wie es funktioniert.

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FINANCE

MIT TEND MÖCHTEN WIR DAS LEBEN DER USER BEREICHERN UND EINE HEMMSCHWELLE FÜR DEN KUNDEN ÜBERWINDEN.

INA RESIAK Herr Abele, was verbirgt sich hinter Tend? MARCO ABELE Tend ist eine neue Form der Investition. Grosse Innovationen haben immer eine gewisse Komplexität an sich, bis es bei den Menschen ankommt und klick macht. Es war bei Airbnb und bei Uber ähnlich. Wir bei Tend möchten Menschen den Zugang zu Produkten oder Erfahrungen bieten, die bis anhin nicht erschwinglich für sie waren oder die sie nicht auf dem Radar hatten. Entweder finanziell oder weil es aus unternehmerischer Sicht keinen Sinn machte, sein Erspartes in nur eine einzige Wertanlage zu stecken. INA RESIAK Was bekommt der Kunde bzw. Benutzer bei Tend? MARCO ABELE Genussinvestments wie ein Aston Martin DB6, Classic Cars, Stradivaris, Weinraritäten, Luxusresidenzen in Europa, Kunst für das Eigenheim. Return on Investment ist das Schlagwort der Stunde. Finanzprodukte sind für viele Menschen nicht oder nicht mehr fassbar. Tend ist eine neue Form der Investition. Über Tend finden sich Genussmenschen, Ästhetiker und Abenteurer und investieren gemeinsam in ein Produkt. Dies kann der Luxussportwagen sein, ein teures Musikinstrument, Weinraritäten oder sogar eine Luxusresidenz. INA RESIAK …sozusagen «Luxury Sharing» für jedermann? MARCO ABELE Entgegen jeglicher Erwartung ist es jene Ressourcen­ effizienz, die mittlerweile auch die Luxusschicht erobert hat. Denn wer meint, dass sich in der idealistisch angehauchten Tauschlandschaft von Tend nur Studenten mit geringem Budget tummeln, der irrt. Es ist ein Trend, der selbst vor den Superreichen nicht Halt macht. Die Rede ist von Gemeinschaftskauf oder -beteiligung. Warum sich nur auf eine Ferienresidenz beschränken, wenn die ganze Welt wartet? Warum immer den gleichen Oldtimer manövrieren, wenn eine ganze Flotte zur Verfügung stehen könnte? Tend ist der Anlaufpunkt für jeden, der gerne eine Scheibe vom Luxus geniessen möchte, dem jedoch der eine oder andere Franken fehlt.

DAS NEUE BLOCKCHAINBASIERTE SYSTEM TEND SOLL ZU MEHR VERTRAUEN, TRANSPARENZ UND EFFIZIENZ FÜHREN.

INA RESIAK Was kann die Tend-App? MARCO ABELE Mit unserer Tend-App wird plötzlich das Verständnis für die Plattform und das Erlebnis sehr klar und einsehbar. Die Anwendungssoftware für Mobilge-

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räte runterladen, registrieren und die einzelnen «teasing assets» wie Wein, Autos, Immobilien, Boote anschauen, sich einlesen. Wenn etwas dabei ist, kann man sich final anmelden und zuschlagen. Tend ist eine Mischung aus Shared-economy-Gedanke, dass ich nicht mehr alles alleine besitzen muss. Zudem bietet es noch Sicherheit und eine Kapitalrendite. Ich möchte einzigartige Dinge erleben, die ich in meiner Gesellschaft mitteilen kann. Tend verbindet dieses Gefühl und kommuniziert es in die Welt. Die App ist wunderschön, simpel und klar strukturiert und benutzerfreundlich gestaltet. Zu den einzelnen Kaufobjekten oder Erlebnissen gibt es detaillierte Beschreibungen. Die Verträge sind bereits implementiert, die man elektronisch unterzeichnen kann und sie dann dem Betreiber zurückschickt. Wenn es Tend mal nicht mehr geben sollte, verliert niemand, der investiert hat. Die Blockchain-Technologie macht es möglich, dass die Daten und Vermögenswerte gespeichert bleiben. Egal, was auch immer aus Tend wird. Es ist ein sehr moderner Einlagensicherungsfonds.

Das gilt vor allem für jüngere Erwachsene (Millennials) mit hohem Bildungsniveau. Sie empfinden Eigentum weniger als Statussymbol, sondern eher als schweres Gepäck. Eigentum verliert mit Blick auf das Statusdenken an Wert, Vielfalt im Portfolio an Sachwerten legt an Wert zu. INA RESIAK Können Sie ein bisschen mehr über die Altersklassen und Interessen der Zielgruppen sagen? MARCO ABELE Ja gerne. Wir bei Tend haben drei klar umrissene Zielgruppen: die Spezialisten, im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, bewandert in den Themenwelten wie Autos, Wein und Immobilien. Die Passionierten sind 30- bis 40-jährige Menschen. Sie verfügen über ein Jahressalär von 300’000 Franken und lieben es, neue Dinge auszuprobieren. Und dann gibt es noch die Youngsters (25–35-Jährige), die abseits von Banken nach Investitionsoptionen suchen. Smart-Money-Anlagen sind Produkte, die sie offenen Armes annehmen. Und dann gibt es noch die Superreichen, die Liquidität schaffen wollen und Instandhaltungskosten von ihrem Fuhrpark, der Megayacht und ihren vielen Feriensitzen geringhalten wollen. Egal, wie viel Kapitalwerte vorhanden sind, Effizienz bleibt ein grosses Thema für diese Menschen.

INA RESIAK Was bietet Tend dem Benutzer an? MARCO ABELE Tend bietet in erster Linie Produkte an, die sich durch einen hohen Einzelpreis bei gleichzeitig geringer Nutzungshäufigkeit auszeichnen. Dies betrifft insbesondere Luxus-Handtaschen, Armbanduhr-Kollektionen oder Classic Cars. Das Geschäftsmodell Tend ist für langlebige Gebrauchsgüter wie Immobilien, Yachten und Autos kreiert worden. Denn immer weniger Luxuskunden möchten sich derartige Klötze ans Bein binden und geniessen lieber die Flexibilität, häufiger etwas Neues ausprobieren zu können.

INA RESIAK Was kostet mich eigentlich der Einstieg bei Tend, und in welcher Währung bezahlt der Kunde? MARCO ABELE Bezahlt wird auf Tend übrigens mittels Token. Also mit einem durch Verschlüsselungssoftware geschützten digitalen Guthaben. Als Basis dafür gilt eine in der Schweiz entwickelte Kryptowährung. Wahres gegen nicht wirklich Bares also. Mit dem Token lassen sich demnach Erfahrungen aus vier Kategorien «kaufen»: Oldtimer, Kultur und Kunst, Luxusuhren, Liegenschaften und Wein. Die Token weisen dabei kein Verfallsdatum auf und gewinnen – parallel mit den zugrundeliegenden Autos oder Kunstgegenständen – an Wert. In Siegeszeiten wie Bitcoin & Co ist nicht fassbares Zahlungsmittel legitim und zukunftsweisend. Die Jahresmitgliedsgebühren variieren zwischen 250 und 2500 Franken.

INA RESIAK Wer ist die Zielgruppe? MARCO ABELE Ursprünglich habe ich die Zielgruppe auf die «affluent target group» eingegrenzt – die ein Vermögen zwischen einer Viertelmillion und zwei Millionen Franken haben. Diese Zielgruppe wächst ganz stark in Asien, in den Megacities wie Tokio, Shanghai, Mexico City. Asien ist jetzt schon die reichste Region der Welt. In Europa ist es anders, hier sind meine Zielgruppe die Ultra High Net Worth Individuals und die Millionäre. Die können sich so ein Investment alleine leisten, aber es macht keinen Sinn mehr. Das Teilen von Produkten und Dienstleistungen gehört zum digitalen Lebensstil mittlerweile dazu.

INA RESIAK Was möchten Sie beim Kunden für Gefühle auslösen? MARCO ABELE Meine neue Adresse, hier am Zürcher Schanzengraben, soll Begegnungsstätte sein für potentielle Kunden, Interessenten, Neugierige. Ich möchte hier Vertrauen aufbauen. Das erste Finanztech-

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nologie-Unternehmen, das eine physische Lounge hat. Da bin ich schon mächtig stolz. Hier kann man mit virtueller Brille das Weingut sehen, den Porsche testfahren und das Feeling auf dem Boot geniessen und sich seine Kunst ansehen und seine Erlebnisse mit uns und den anderen Investoren teilen.

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Text: ANDREA KIEFFER

EIN SCHWEIZER GRILLHERSTELLER GIBT GAS 248


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Qualität und Innovation werden bei dem Unternehmen OUTDOORCHEF gross geschrieben. Seit bald drei Jahrzehnten werden in der Schweiz hochwertige Grills designt und entwickelt. In den Räumlichkeiten in Zürich Oerlikon wird geschraubt, geschweisst und getestet, was das Zeug hält – immer mit dem klaren Ziel vor Augen, den Grill-Enthusiasten dieser Welt etwas Einzigartiges zu bieten.

Die Ansprüche an moderne Grillgeräte steigen, nicht nur, was die Verarbeitung, Funktionalität und das Grillergebnis angeht. Grillen ist längst zum Lifestyle geworden. Kleine Holzkohlegrills weichen perfekt ausgestatteten Outdoor-Küchen. Heute werden ganze Menüs vom Grill gezaubert – die Zeiten von verkohlten Würstchen und trockenen Steaks sind definitiv vorbei. Aber ein Grill ist nicht nur für ein perfektes Grill-Ergebnis verantwortlich, sondern soll dabei auch schön anzusehen sein und der gekehrten Terrasse oder dem gepflegten Garten die Stirn bieten. Design wird somit zunehmend zum differenzierenden Faktor. Um diesen Trends Rechnung zu tragen, arbeitet OUTDOORCHEF unermüdlich an multioptionalen Grill-Lösungen und neuen Designkonzepten. DAS REZEPT FÜR DEN KULINARISCHEN HOCHGENUSS Die Erfolgsstory von OUTDOORCHEF begann mit der Entwicklung des einzigartigen Trichtersystems, welches bis heute das Herz aller Gas-Kugelgrills darstellt. Dabei sorgt der Trichter für eine gleichmässige Hitzeverteilung in der Kugel und schützt das Grillgut vor schädlichem Fettbrand, da die Brenner komplett vor herabtropfendem Fett und Fleischsaft geschützt sind. Gastgeber können sich entspannt den Gästen widmen, während die Grillspezialitäten rundum perfekt gegrillt werden, da kein Wenden erforderlich ist. Fleisch, Fisch, Gemüse & Co. bleiben dabei besonders saftig, zart und knackig. Ein Teil des auf den Trichter tropfenden Fetts und Fleischsafts verdunstet und verleiht den Speisen den typisch intensiven Fleischgeschmack. Die restliche Flüssigkeit läuft dem Trichter entlang in die Auffangschale, der Grill bleibt sauber und ist in Minuten gereinigt und wieder einsatzbereit für das nächste Grillfest. FÜR DAS CHEFKOCH-FEELING Mit dem neuen LUGANO 570 G präsentiert OUTDOORCHEF dieses Jahr eine multifunktionale Gas-Grillküche, die allen kulinarischen Ansprüchen gerecht wird. Das moderne Design mit hochwertigen Materialien macht diesen Grill zudem zum Blickfang jeder Terrasse. Der LUGANO 570 G verbindet als erster seiner Art die Vorteile der bewährten OUTDOORCHEF-Gaskugel mit einer leistungsstarken direkten Grillfläche (Steakhouse Burner) und einer zusätzlichen Seitenkochstelle. Herzstück des Grills ist auch hier das einzigartige Trichtersystem in der Gaskugel. Dank dem Double-Ring-Burner-System in der Kugel kann auf tiefen Temperaturen niedergegart und auf hohen Temperaturen bis 360 Grad gegrillt, gekocht und gebacken werden. Volle Power für Kurzgebratenes gibt es nebenan auf dem Steakhouse Burner. Mit direkter Hitze von unten und hohen Temperaturen gelingt das perfekte Steak. Der Steakhouse Burner verleiht dem Fleisch rasch eine schöne Kruste mit intensiven Röstaromen, bevor es in der Kugel schonend zu Ende gegrillt wird. Ergänzt wird die einzigartige Outdoor-Küche durch eine zusätzliche Seitenkochstelle, auf welcher knackige Gemüsebeilagen, Röstzwiebeln für Burger oder raffinierte Saucen zubereitet werden können. Ein ausgeklügeltes Stauraum-Konzept und das Soft-Closing-Türsystem runden das Gesamtpaket ab.

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TRANSFER DER EXTRAKLASSE

Text: SWENJA WILLMS

Wer eine Reise tut, der entspannt gerne schon auf dem Weg zur Traumdestination. «Edel&Stark» bietet Reiselustigen ein Rundum-Paket in Transportfragen: Neben der Vermietung von Luxusfahrzeugen ergänzen Limousinenservice und Privatjet-Charter das Sortiment des Jungunternehmens. Bequem und sorgenfrei lässt sich somit die Welt bereisen.

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liche End-to-End-Transportation im Luxussegment. Der Kunde bucht beispielsweise in Edinburgh einen Limousinen-Transfer zum Flughafen, fliegt nach Dubai mit einem Privatjet und steigt am Zielort in seinen gemieteten Ferrari, um durch die Stadt zu fahren. All diese Dienstleistungen können bei uns aus einer Hand gebucht werden, und dies wird von unseren Kunden sehr geschätzt. SWENJA WILLMS Bei welchen Fahrzeugen herrscht die grösste Nachfrage? BENEDIKT LÜCHINGER Sowohl in Dubai, München als auch in der Schweiz sind Ferrari und Lamborghini die absoluten Spitzenreiter. Grundsätzlich ist die Nachfrage nach bestimmten Modellen aber sehr wechselhaft. Wir sind logischerweise auch abhängig von der Vermarktung bestimmter Modelle einzelner Marken. Wenn viel Geld und Zeit in das Marketing eines neuen Modells fliesst, dann steigt auch bei uns die Nachfrage. Im Gegensatz dazu stehen Elektro- oder Hybridwagen. In den letzten drei bis vier Jahren nahmen die Buchungen in diesem Segment kaum zu. Zürich, München, Dubai. Was 2011 in der Schweiz startete, entwickelte sich innert der letzten Jahre zu einem gefragten Mobilitätskonzept. Mit Filialen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten legt die Luxusautovermietung Edel&Stark alles daran, der Kundschaft jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.

SWENJA WILLMS Woran könnte das liegen? BENEDIKT LÜCHINGER Ich glaube, es liegt daran, dass die Branche der Elektrofahrzeuge noch nicht so breit im Luxussegment ausgebaut ist. Der «Tesla S» oder «Tesla X» sind eigentlich die einzigen Modelle in diesem Bereich. Porsche hat momentan nur einen Hybridwagen, hier folgt nächstes Jahr der Taycan, der rein elektrisch betrieben wird. Mercedes hat im hochwertigen Bereich noch gar kein Elektrofahrzeug. Wie man sieht, besteht noch kein grosses Angebot. Dies lässt sich aber vermutlich auch auf die geringe Nachfrage zurückführen.

SWENJA WILLMS Sie beraten Ihre Kunden vollumfänglich von der Miete eines Autos bis hin zur passenden Spritztour und dem geeigneten Stopp im Café. Mutieren Sie zum Reiseveranstalter? BENEDIKT LÜCHINGER Grundsätzlich möchten wir bei unserer Kernkompetenz, der Autovermietung, bleiben. Aber diese Dienstleistung möchten wir so umfassend wie möglich anbieten. Unsere Kunden erwarten, dass wir ihnen auch Tipps geben können zu den besten Hotels, Fahrstrecken, Restaurantempfehlungen und Einkaufsmöglichkeiten – wirklich ein wenig wie ein Reiseveranstalter.

SWENJA WILLMS Sie sind nun schon länger in der Schweiz, in Deutschland und auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten verankert. Länder, in denen der Luxusmarkt boomt – existieren noch weitere solch lukrative Märkte für die Vermietung von Luxusfahrzeugen?

SWENJA WILLMS Neben der Vermietung von Luxusautos und Limousinen führen Sie mittlerweile auch Yachten und Privatjets in Ihrem Portfolio. Wie kommt dieses Angebot bei Ihren Kunden an?

BENEDIKT LÜCHINGER Unsere Kunden tummeln sich in luxuriösen Destinationen, die auch stark mit der 5-Sterne-Hotellerie verknüpft sind, wie Südfrankreich mit Nizza, München, die Schweiz und Dubai. Ein Auge werfen wir auch auf London – ein grosser Markt für Luxusautovermietung. Auch die USA stellen eine interessante Zielgruppe dar. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, unser Konzept auch auf diese Märkte übertragen können.

BENEDIKT LÜCHINGER Yachten und Privatjets haben wir aufgrund der starken Nachfrage in unser Sortiment mitaufgenommen. Damit bieten wir schon fast eine vollumfäng-

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HOW TO RUN A FOUNDATION

Text: STEFFI HIDBER

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sollten die höchstmögliche Wirkung erzielen. Der auschlaggebende Erfolgsfaktor einer Stiftung ist es, dass wir mit den Geldern nachhaltig Probleme lösen konnten. Um das hinzubekommen, muss man eine Stiftung strategisch führen, was die Aufgabe einer Geschäftsführerin spannend macht. STEFFI HIDBER Was gehört zu «good governance» noch dazu? DR. JANINE HÄNDEL Das Stiftungsrecht lässt uns grosse Freiheiten. Umso wichtiger ist, dass man im Rahmen eines Kontrollsystems professionell arbeitet, mit einem kompetenten Stiftungsrat, der sich an die eigenen, im Stiftungsreglement definierten Regeln hält. Die Erfüllung des Stiftungszwecks hat oberste Priorität. Da kann ich zu 100% auf Roger zählen, da es ihm sehr wichtig ist, höchste Gouvernanzstandards zu erfüllen. Daher erfüllen wir auch «GAAP FER 21»-Buchführungsstandards und begrüssen eine strenge Stiftungsaufsicht.

Ein Gespräch mit Dr. Janine Händel, CEO der Roger Federer Foundation, über das erfolgreiche Führen einer Stiftung — und worauf man als Spender achten sollte.

STEFFI HIDBER Was ist bei der Umsetzung der konkreten Projekte vor Ort im südlichen Afrika wichtig? DR. JANINE HÄNDEL Zunächst muss man den Kontext gut kennen, in dem die Projekte umgesetzt werden. Was sind die Mentalitäten, Kulturen, politischen Rahmenbedingungen, die Einfluss nehmen? Darum macht es auch Sinn, sich geografisch zu fokussieren und dort mit lokalen Partnern und Experten zusammenzuarbeiten. Das Lernen ist zentral. Wir können nicht in Theorie ein Projekt entwerfen, dieses blind umsetzen und dann Jahre später nachschauen, ob wir unsere Ziele erreicht haben. Die Realität vor Ort sieht immer anders aus. Auch wenn sich ein Ansatz bewährt hat, heisst dies nicht, dass er überall skalierbar ist. Man muss die eigenen Hypothesen laufend hinterfragen, von den Erfahrungen lernen und das Projekt adaptieren. Nur so kann man Risiken präventiv angehen, Opportunitäten einbeziehen und letztlich eine grösstmögliche Wirkung erzielen.

STEFFI HIDBER Frau Händel, was sind die Kernaufgaben einer erfolgreichen Stiftung?

STEFFI HIDBER Haben Sie es als Stiftung mit einem berühmten «Gesicht» einfacher?

DR. JANINE HÄNDEL Die Roger Federer Foundation richtet sich nach dem Swiss Foundation Code, der auf drei Pfeilern aufgebaut ist: Good Governance, Transparenz und wirkungsorientiertes Fördern. Transparenz ist bei einer Stiftung besonders wichtig, weil ja ein Teil der von uns eingesetzten Gelder durch den Spendenabzug der öffentlichen Hand entzogen wird. Ich denke, wir haben hier eine Bringschuld und müssen darlegen, dass wir maximal gemeinnützig investiert haben. Mit anderen Worten: Tiefstmögliche Projektkosten und Verwaltungskosten

DR. JANINE HÄNDEL Einen berühmten Stifter zu haben, macht unsere Aufgabe nicht grundsätzlich einfacher. Wir profitieren auf der einen Seite zwar von der Prominenz und Glaubwürdigkeit des Stifters bei der öffentlichen Wahrnehmung unserer Arbeit. Auf der anderen Seite sind die Erwartungen an uns auch sehr viel höher und fast nicht erfüllbar. Die Leute glauben, dass wir auch mit der Stiftung Perfektion abliefern wie Roger auf dem Tennisplatz. Doch Scheitern gehört zu unserem Alltag dazu, sonst

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Dr. Janine Händel wusste schon in «sehr jungen» Jahren, dass sie im humanitären Bereich Fuss fassen möchte. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften war die Schweizerin acht Jahre im diplomatischen Dienst tätig, wechselte dann in das Chairman’s Office einer internationalen Unternehmung und stiess 2010 als CEO zur Roger Federer Foundation. Die 2003 gegründete Förderstiftung mit Sitz in Zürich unterstützt Bildungsprojekte für Kinder in Botswana, Malawi, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und der Schweiz. Bis heute konnten mit Unterstützung der Roger Federer Foundation mehr als eine Million Kinder erreicht werden. Nähere Infos unter rogerfedererfoundation.org.

dürften wir keine Risiken eingehen und müssten innovative Ansätze vermeiden. Zentral ist, dass wir zu 100% die Werte und Visionen von Roger Federer verkörpern und diese professionell umsetzen. STEFFI HIDBER Nach der Frage, was eine erfolgreiche Stiftung ausmacht, nun die Frage: Worauf sollte man beim Spenden achten? DR. JANINE HÄNDEL Die gleichen strategischen Fragen, die sich jede Organisation stellen muss, kann man sich auch als Einzelspender stellen: Welches Problem möchte ich helfen zu lösen? Welche Organisation ist darin Experte? Es können persönliche Gründe und Schicksale ausschlaggebend sein, ein Thema zu wählen, wie etwa die Krebsforschung nach Verlust eines Familienmitglieds. Wichtig scheint mir, dass man eine passende Organisation sorgfältig auswählt und dann über mehrere Jahre eine Spenderpartnerschaft aufbaut. Heute sind ja viele Informationen online zugänglich. Ein Blick in den Jahresbericht einer Organisation sagt viel darüber aus, wie effizient und wirkungsvoll sie agiert. Auch sollte man sich die Frage stellen, ob man einer Organisation mehr als nur Geld bieten kann. Sie können auch Ihr Know-how oder Ihr Netzwerk zur Verfügung stellen, was wertvoller sein kann als die geplante Spende.

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