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VOLUME 13 I SPRING 2018

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Publisher Francesco J. Ciringione

rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 110 I CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80 I F +41 (0)61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch

Member of the Board Boris Jaeggi I b.jaeggi@rundschaumedien.ch Publishing Director I Sales & Marketing Serhat Tok I  s.tok@rundschaumedien.ch

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Product Manager Adrian Borer I  a.borer@rundschaumedien.ch Editor in Chief Nike Schröder I n.schroeder@rundschaumedien.ch

Editors Anka Refghi, Helena Ugrenovic, Wilma Fasola, Gisbert L. Brunner, Timm Delfs, Dr. Thomas Hauer, Wilhelm J. Grusdat, Stephan Gubler, Andreas Faust, Anna Karolina Stock, Anouk Delange, Valeska Jansen, Dieter Günther, Hermann Köpf

Corrector Andreas Probst Head of Production & Art Director Sandra Rizzi I s.rizzi@rundschaumedien.ch

Product Public Relation Laura Giarratana I l.giarratana@rundschaumedien.ch

Online Public Relation Vladimir Popovic I v.popovic@rundschaumedien.ch

Cover Picture «Hollywood Footprints – Up» von Campbell La Pun

Photographs Marco Brogreve, Campbell La Pun, Erik Madigan Heck, VG Bild-Kunst Bonn, Diego Delso, Scott Sharick, Lucio Farina, Dennis Lo, Anna Karolina Stock, Dave Nauli, Sotheby’s, RM Sotheby’s, General Motors, Rolls-Royce, Hermann Köpf, Ferrari, Kai Weissenfeld, Ferrari, Volvo, Dynamiq, Porsche, Massimiliano Rossetto, Kai Weissenfeld, Burberry, Fashionpress, wwd.com, Ermenegildo Zegna, HERRENSTOLZ, Julius Schulman, Leland Y. Lee, Alexis Narodetzky, Undine Pröhl, Salva López, Floto+Warner, Weston Wells, Maura Wasescha, Kartell, Pierre Monetta, Visit Åland, Bonechina, Dinara Kasko, The Fat Duck, Suzanne Grieger-Langer, Bilddatenbanken

Admin, Coordination & Subscriptions Serpil Dursun I s.dursun@rundschaumedien.ch Price  Issue CHF 10.– / € 9.50 I Year ­CHF 39.– / € 35.– IT Support  Dejan Djokic I deki@rundschaumedien.ch Web Services websiteria GmbH I info@websiteria.ch Internet prestigemagazin.com

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INHALT

76

20

TRAVEL

52 SÜDOSTASIEN Mythos Angkor

56 INDISCHER OZEAN Sansibar

ART & CULTURE

26 KUNST AUS DER SPRAYDOSE Campbell La Pun

32 SHORTCUTS Kunst von München bis Tokio

34 FOTOGRAFIE TRIFFT MALEREI Erik Madigan Heck

60 TIPPS Meran und Umgebung

62 LÄNDER IN BILDERN Japan by Lucio Farina

70 HONGKONG Hotel «The Fleming»

74 AN DER ATLANTIKKÜSTE Lissabon

20 «OOMPH-GIRL» Ann Sheridan

24 VIRTUOSE AM DIRIGENTENSTAB Kevin John Edusei

26

76 PARADIES MIT DUNKLER VERGANGENHEIT Guadeloupe

46 SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT Jean-Michel Basquiat

10 I PRESTIGE

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INHALT

89

WATCHES & JEWELLERY

80 OBJEKTE DER BEGIERDE Zeitmesser der Stunde

89 WUSSTEN SIE …? Hollywood und seine Juwelen

90 WATCH REVIEW Vielfalt am Handgelenk

94 JUWELEN MIT KULTSTATUS Schmuckdesigner Shaun Leane

100 HISTORY Geschichte der Cocktailringe

100

94 DRIVE STYLE 102 AUTOMOBIL ANNO DOMINI «1939 Frazer Nash-BMW 328 Sports by Leacroft» 106 ZUKUNFT VON VORGESTERN «New York World’s Fair» 1964 110 LUXUS PUR Rolls-Royce Phantom 114 TUNING Porsche-Tuner Akira Kanai-San 119 HANDMADE Motorrad fahren mit Stil 120 IN DER GOLDENEN MITTE Ferrari 488 Spider

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UNSERE PARTNER MPS Estate Mallorca I A. Mostes I Comitti I Wave rundschauMEDIEN AG I Foitek Urdorf I Napa Wine


INHALT

124

146 LIVING 156 EXTRAORDINARY Architektur der Nachkriegszeit 163 OUTDOOR-HELDEN Stilvolle Sitzmöbel für warme Tage 164 GADGETS Technische Spielereien

139 FASHION & BEAUTY 124 FASHION-EDITORIAL Daria Pleggenkuhle 136 DAS FASHION-ORAKEL Diana Vreeland

166 PROJEKT MIT ZUKUNFT «Six Senses» in Crans-Montana 168 LUXUSIMMOBILIEN Maura Wasescha im Gespräch 170 INTERIEUR US-Designer Rafael de Cárdenas 176 MEISTER DES INDUSTRIEDESIGNS Raymond Loewy 178 DESIGN-IKONE «Componibili»

139 DER SCHUHARCHITEKT Pierre Hardy 140 INTERNATIONAL Trendwende im Modekalender 146 MEN’S WORLD Man(n) trägt Karo 149 NEVER GIVE UP! In stylishen Studios fit werden 150 PORTRÄT Beauty-Pionierin Ann Delafield 152 DIE MACHT DES DUFTES Initio

178 14 I PRESTIGE

156


AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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INHALT

188

180

CULINARIUM

212

180 HAUTE CUISINE «Plaza Athénée», Paris 184 FLÜSSIGES GOLD Unterwasser-Champagner 188 PASTRY ART Architektur trifft Backkunst 193 EDITOR’S PICK Rezepte zwischen zwei Buchdeckeln

FINANCE

194 BONECHINA Das neue Barkonzept

202 PROFILING Suzanne Grieger-Langer

196 PFLANZLICHER HOCHGENUSS Vegane Ernährung

208 STEALTH WEALTH Reich sein inkognito

198 THE FAT DUCK Gourmet-Tempel von Heston Blumenthal

212 SKANDALE DER GESCHICHTE Charles Ponzi und das Schneeballsystem

KOLUMNEN

NEWS

50 WILHELM J. GRUSDAT: wild!!!

6 IMPRESSUM 19 EDITORIAL 216 VORSCHAU

NANA FINK

BULGARI

45 FOR ART LOVERS 69 OH LÀ LÀ 99 SPARKLING! 109 DRIVE IN STYLE! 135 IT-PIECES 155 LOOK PERFECT! 175 WOHNEN DE LUXE 187 STILVOLL GENIESSEN 207 FÜR MACHER!

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LESERINNEN LESER

&

ir versuchen immer Trends aufzuspüren und Sie damit Ausgabe für Ausgabe zu begeistern.

Deshalb freuen wir uns darauf, Sie mit auf eine spannende Zeitreise zu den neuesten Uhren-Highlights 2018 zu nehmen. Edler als mit diesen aussergewöhnlichen Meisterstücken von Luxusherstellern wie Hublot lässt sich die Zeit nicht anzeigen – hier vereinen sich ein Stück Zeitgeschichte, Handwerkskunst, Präzision, Kreativität und Eleganz. Für alle, die die Trends hautnah erleben möchten, empfehlen wir einen Kurztrip ins Epizentrum der Haute Horlogerie, der «Baselworld 2018» vom 22.–27. März. Staunen, bewundern und geniessen heisst hier die Devise. Rund 1500 Nobel-Manufakturen präsentieren ihre neuesten Uhren- und Schmuck-Kollektionen. Und damit bei all den Uhren-­ Highlights nicht nur der Mann von Welt zu seinem Glück kommt, sind wir auch schon bei einem weiteren Schwerpunkt unserer Ausgabe: atemberaubende Schmuckstücke, die Frauenherzen garantiert höherschlagen lassen. Mal puristisch, mal extravagant – freuen Sie sich auf die Must-haves 2018. Haben Sie für dieses Jahr schon einen Urlaub oder Städte-Trip gebucht? Wir hoffen nicht, denn sonst entgehen Ihnen unsere besonderen Tipps, die Sie in keinem gewöhnlichen Reiseführer finden. Eine Reise wert ist beispielsweise die Mega-City Hongkong mit all ihren Impressionen aus goldener Vergangenheit und moderner Zukunft. Oder wie wäre es mit einem Abstecher nach Lissabon? Die Hauptstadt Portugals besticht mit ihrer atemberaubenden Lage an einer Bucht des Tejo. Lassen Sie sich von uns entführen und inspirieren, schaffen Sie wundervolle Erinnerungen, die Sie noch lange im Herzen begleiten und für wunderbare Glücksmomente sorgen. Denn lebenswert ist das Leben vor allem dann, wenn es uns berührt. Und genau das möchten wir mit dieser Ausgabe! Damit heisse ich Sie willkommen in der neuen PRESTIGE-Frühlingsausgabe. Lassen Sie sich wieder von unserem bunten Potpourri aus aufregenden Reportagen, informativen Hintergründen und unvergleichlichem Luxus begeistern! Atmen Sie tief den Spirit des Frühlings ein und spüren Sie die Energie: «We can reach the stars.» Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung!

Francesco J. Ciringione Verleger

Nike Schröder Chefredakteurin

The luxurious way of life I 19


ART & CULTURE

DAS

OOMPH

GIRL

Auf die Frage, ihre Position in der Filmgeschichte zu beschreiben, antwortet sie: «Es gibt keine. Es wird nur eines dieser Dinger sein, die abgeschrieben werden, um Himmels willen. Es wird nichts bedeuten.» Ann Sheridan stapelt tief, denn sie ist die einzige der sechs Schönheitsköniginnen, die aus einem Beauty-Contest eine Karriere entwickelt und Warner Brothers Nummer-eins-Sexsymbol sowie Pin-up-Girl der 1940er Jahre ist.

S

Helena Ugrenovic

ie ist ein wunderschöner Teenager mit rotgoldenen Locken, Katzenaugen, einem vollen Kussmund in einem ebenmässigen Gesicht und mit einer traumhaften Figur gesegnet. Als Paramount Pictures 1933 den Wettbewerb «Search for Beauty» lancieren, sendet ihre Schwester Kitty heimlich ein Foto von ihr ein. Als Ann ihr Bild in den «Dallas News» sieht und daraus ergeht, sie sei eine der 33 Teilnehmerinnen des Schönheitswettbewerbs, braust sie erbost nach Dallas und herrscht John Rosenfield, den Herausgeber der Zeitung, aufgebracht an, warum man sie ohne ihre Erlaubnis für die Teilnahme am Wettbewerb angemeldet hätte. Ein paar Monate später klingelt das Telefon auf der Ranch der Sheridans. John Rosenfield informiert Ann, sie sei eines von sechs Mädchen, die den Wettbewerb gewonnen haben. Am 15. September 1933 verlässt Ann Texas und fährt, begleitet von ihren Eltern, ihrem Bruder sowie drei Schwestern, nach Hollywood. Der Preis des Wettbewerbs sind Bildschirmtests sowie eine winzige Filmrolle.

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«Errol Flynn war einer der wildesten Charaktere der Welt, aber er hatte eine seltsame, ruhige Seite. Er hat sich komplett getarnt. In all den Jahren, in denen ich ihn kannte, wusste ich nie wirklich, was darunter lag, und ich bezweifle, dass es viele Leute wussten.» – Ann Sheridan –

PS im Blut: Ann Sheridans Vater war ein texanischer Automechaniker.


ART & CULTURE

Die mit dem Bullen tanzt

guter Indianer» zurückzuführen sein. Clara Lou ist das jüngste von fünf Kindern, die in einem liebevollen Zuhause auf einer Ranch aufwachsen, fürsorglich umsorgt von ihrer Mutter Lula. Clara Lou ist, wie sie selbst sagt, «rebellisch und wild», ein typisches Texas-Girl, das im Mädchenteam der North Texas State Teacher Basketball spielt, eine Karriere als Lehrerin anstrebt, einen Bullen besser reitet als ein Pferd, jede Blechdose wegballert und präzise in die Mitte eines Fadenkreuzes schiessen kann.

Paramount Pictures versus Warner Brothers Mit 19 Jahren steht Clara Lou das erste Mal für die Werbekampagne «Search for Beauty» für Paramount Pictures vor der Kamera, unterzeichnet in Hollywood ihren ersten Sechs-Monate-Vertrag für 50 US-Dollar die Woche und spielt ihre erste kleinere Rolle im Film «Wagon Wheels». Paramount Pictures kreieren Rollen, die dazu dienen, ihre sowie die Schönheit der anderen Starlets zur Schau zu stellen, und so wirkt Clara Lou 1934 und 1935 in ein paar Dutzend weiteren Produktionen mit, die eher in die Kategorie B-Movies einzustufen sind. Nachdem eine Aktiengesellschaft sich darüber mokiert, ihr Name sei zu lang

«Torrid Zone» I 1940

Der Erste Weltkrieg tobt bereits seit einem Jahr auf den anderen Kontinenten des Globusses, als Clara Lou Sheridan am 21. Februar 1915 in Denton, einer texanischen Kleinstadt in den USA, geboren wird. Es ist kein verschlafenes Nest wie andere Orte ausserhalb der berühmten US-Metropolen. Nur eine knappe Stunde von Dallas entfernt, weht der Wind der Grossstadt über den Lake Dallas auch nach Denton, das, aufgewertet durch zwei namhafte Hochschulen, alles andere als ein dümmli­ ches Provinzloch ist. Von ihrem Vater G.W. Sheridan, einem Automechaniker, erzählt Clara Lou, er sei ein Ururneffe Philipp Sheridans, eines Offiziers des US-Heeres und Generalleutnant Oberbefehlshaber im Amerikanischen Bürgerkrieg. Auf ihn soll auch die Äusserung «Nur ein toter Indianer ist ein

Wussten Sie? 1939 wird Ann Sheridan zum Max Factor’s «Girl of the Year» ernannt. 1952 wählt die Fashion Academy of New York Ann Sheridan zu den acht bestgekleideten Frauen Amerikas. Ann Sheridan soll die Rolle der Ilsa Lund im Film «Casablanca» spielen, doch stattdessen erhält Ingrid Bergman den Zuschlag. Die Hauptrolle im Kult-Epos «Vom Winde verweht» schnappt ihr Vivien Leigh vor der Nase weg.

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ART & CULTURE

und passe nicht in die Fläche der Leuchtreklame, die für ihren nächsten Film «The Milky Way» wirbt, ändert das Studio ihren Namen in Ann Sheridan. Ann missfallen die «Krümel», mit denen man sie füttert, und spielt mit dem Gedanken, wieder nach Texas zurückzukehren. Doch stattdessen feuert sie ihren Agenten Bill Meiklejohn und engagiert einen neuen, Dick Polimer, der ihr eine kleinere Rolle in der Warner-Brothers-Produktion «Sing me a Love Song» beschafft. Der Casting Director Max Arnow ist angetan von ihrem Schauspiel und offeriert ihr einen Sechs-Monate-Vertrag mit einer wöchentlichen Gage von 75 US-Dollar. 1936 wechselt Ann Sheridan zu Warner Brothers, doch die Hoffnung auf grössere Filmrollen zerschlägt sich. Zwei weitere Jahre spielt sie unbedeutende Rollen in eher anspruchslosen Filmen.

Das rebellische «Oomph-Girl» Die Beziehung zu Warner Brothers, bei denen Ann insgesamt 12 Jahre unter Vertrag bleiben wird, ist schwierig und von Zwist geprägt. Die kämpferische Ann treibt die Studiobosse immer wieder mit Streitgesprächen und Streiks zur Verzweiflung. Wie viele ihrer Schauspielkollegen dieser Zeit verlangt sie bessere Filmrollen und ein höheres Gehalt. 1938 darf sie endlich die Hauptrolle im Film «Angels with Dirty Faces» spielen. Als der berühmte Journalist Walter Winchell eines ihrer Fotos aus «Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern» mit der Aussage «Ann Sheridan zeigt in diesem Film sehr viel Umph» kommentiert, was so viel bedeutet wie Pep und Sexappeal, ändert das Studio die Schreibweise des Wortes in «Oomph» und ruft gleichzeitig einen Wettbewerb aus, um Hollywoods «Oomph-Girl» zu krönen. Ann gewinnt diesen Wettbewerb und wird zur Schauspielerin mit dem grössten «Oomph»-­ Effekt der USA gekürt. Die Männerwelt ist verrückt nach dem texanischen Wildfang, der wöchentlich circa 250 Heiratsanträge erhält. Jahre später äussert sich Ann Sheridan in einem Interview: «Oomph ist das Geräusch, das ein dicker Mann macht, wenn er sich bückt, um seine Schnürsenkel in einer Telefonzelle zu binden.» Doch das «Oomph» ist nicht nur ein Titel, den sie gewinnt, es ist der Kurswechsel zu A-Filmen, da sie etwas «undefinierbar Anziehendes auf Männer» ausübt.

Die glamouröse Hollywood-Sirene Es ist die Mischung zwischen aussergewöhnlicher Anziehung, ihrer direkten Art und einer unverwechselbaren Bodenständigkeit, die niemals zu eklatanter Sexiness führt. Sie ist sexy, sie hat Stil, und sie beginnt den Lady-Status sowie Ruhm zu geniessen. Ihre erste Star-Rolle spielt Ann Sheridan 1940 im Film «It All Came True», wo sie an der Seite von Humphrey Bogart und Jeffrey Lynn in der Musical-Komödie auch das erste Mal singt. Es folgen weitere Filme wie «Torrid Zone», «City for Conquest», «They drive by Night», «Honeymoon for Three», «The Man Who Came to Dinner» oder «Kings Row», in denen sie an der Seite von Stars wie Ronald Reagan, Robert Cummings oder Betty Field brilliert. Neben Rita Hayworth, Betty Grable und Dorothy Lamour gehört sie zu Hollywoods beliebtesten Pin-up-Girls.

Ehe-Unglück und Karriereknick Trotz unzähliger Heiratsanträge, Verehrer und ihrem schillernden Wesen scheinen auch ihre Ehen eher B- als A-Verbindungen zu sein. Ihre erste Heirat mit Edward Norris endet 1939 nach knapp zwei Jahren, und ihre zweite Ehe mit George Brent dauert auf den Tag genau ein Jahr, als sich das Paar 1943 trennt. Die langjährige Beziehung mit dem Publizisten Steve Hannagan wird mit Hannagans Herzinfarkt 1953 beendet, und als Ann Sheridan 1966 mit dem Schauspielkollegen Scott McKay zum dritten Mal das Ehegelübde schwört, stirbt sie nach nur sechs Monaten. 1950 werden die Filmrollen weniger und schlechter. Junge Schauspielkolleginnen fluten Hollywoods Filmsets und verdrängen die «ältere» weibliche Konkurrenz. Die Filme, in denen Ann Sheridan in den sechziger Jahren zu sehen ist, sind enttäuschend, und nach einer weiteren mittelmässigen Produktion, «Woman and the Hunter», beendet Ann Sheridan 1957 ihre Filmkarriere. 1966 tritt sie im Fernsehen in ihrer eigenen Comedy-Serie «Pistols ‘n’ Petticoats» auf, doch wird sie noch im selben Jahr mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Am 21. Januar 1967 stirbt das «Oomph-Girl» in Los Angeles.

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TRAVEL

MYTHOS

ANGKOR

DIE RENAISSANCE DER KHMER-KULTUR Ein Traum aus Stein, vergessen im undurchdringlichen Dschungeldickicht Südostasiens – kaum ein Zeugnis früher Hochkulturen hat die Fantasie von Forschungsreisenden so inspiriert wie die monumentalen Tempelanlagen rund um die versunkene Hauptstadt des legendären Khmer-Reichs, das zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert weite Teile des Kontinents beherrschte.

E

iner der ersten Europäer, der im Jahre 1586 die von Schlingpflanzen und Luftwurzeln gewaltiger Urwald­ riesen überwucherten Ruinen mit eigenen Augen sah, war der portugiesische Kapuzinermönch António da Madalena. Tief beeindruckt berichtete er seinem Landsmann, dem Historiker Diego do Couto, die Überreste tief im Dschungel seien von so aussergewöhnlicher Form, zeugten von einer solchen Kunstfertigkeit ihrer Erbauer, dass sie mit keinem Federkiel zu beschreiben, noch mit irgendeinem anderen Monument der Erde vergleichbar seien. Doch schon bald geriet Angkor erneut für mehr als zwei Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst die enthusiastischen Reiseberichte des Franzosen Henri Mouhot, der die Ruinen 1860 besucht hatte, versehen mit zahlreichen detailreichen Illustrationen, lösten in Paris – ähnlich wie die

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Dr. Thomas Hauer

Zeugnisse aus dem Reich der Pharaonen jenseits des Ärmelkanals das Mumienfieber – eine regelrechte Angkor-Hysterie aus. Allerdings glaubte Mouhot noch, die Tempelanlagen stammten aus der Vor-Khmer-Periode, und verglich sie mit dem Tempel des weisen König Salomo, den ein architektonisches Genie vom Range eines Michelangelo errichtet haben müsse. So trug der Mythos von Angkor Wat auch dazu bei, dass die Grande Nation das Khmer-Reich 1887 schliesslich seiner Überseekolonie Französisch-Indochina einverleibte – gleichsam als Spiegel eigener nationaler Grösse – und das moderne Kambodscha, das die Silhouette von Angkor bis heute in der Staatsflagge trägt, erst 1953 in die Unabhängigkeit entliess. Selbst die Roten Khmer, deren Schreckensherrschaft in den 70er und frühen 80er Jahren rund


Die mächtige Tempelfassade von Angkor Wat erstrahlt im Licht der aufgehenden Sonne.

1,7 Millionen Kambodschaner zum Opfer fielen, darunter Zehntausende von Künstlern und Intellektuellen, wagten nicht, das «reaktionäre» Symbol des alten Königreichs von der Flagge zu verbannen.

Touristenmagnet Heute gehören die Ruinen von Angkor Wat und des benachbarten Angkor Thom, der letzten Hauptstadt des Khmer-Reiches, zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Welt, die in einem Atemzug mit den Pyramiden oder Machu Pichu genannt werden. Bereisten die ersten Abenteurer die unwegsame Region allerdings noch auf dem Rücken von Elefanten, setzt sich heute bereits im Morgengrauen eine endlose Blechlawine von Kleinbussen und TukTuks in Bewegung, die Backpacker, Pauschalurlauber, Bildungsreisende und Globetrotter von der nahe gelegenen Provinzhaupt-

stadt Siem Reap – Ausgangspunkt der meisten Angkor-Besucher – über gut ausgebaute Strassen in das Herz der seit 1993 als UNESCO-Weltkultur­ erbe gelisteten Anlage bringt. Und auch wenn die Besucherzahlen mittlerweile in die Millionen gehen, was grosse konservatorische Probleme aufwirft, gehören die Ruinen doch noch immer zu den ­wenigen verbliebenen, wirklich magischen Orten unseres Planeten, ihre Monumente zu den beeindruckendsten Beispielen sakraler Baukunst.

Dschungeltempel von Ta Prohm Neben Angkor Wat sind aber auch viele kleinere Tempelanlagen im Umfeld einen Abstecher wert. Schliesslich erstrecken sich die Ruinen über eine Fläche von insgesamt mehr als 400 Quadrat­ kilometer. Besonders sehenswert ist zum Beispiel der Dschungeltempel von «Ta Prohm» etwa

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TRAVEL

zwei Kilometer nordöstlich des Haupttempels. Die Restauratoren der «École française d’Extrême-Orient», deren Hauptaufgabe während der ­Kolonialherrschaft vor allem in der Restauration von Angkor bestand, überliessen diesen Tempel ganz bewusst dem Urwald und legten nur so viel der Anlage frei, dass Besucher sich darin gefahrlos bewegen konnten. Tatsächlich wirken die Wurzeln der Würgefeigen und die monumentalen Tentakel der «Tetramales nudiflora» wie gewaltige Fäuste erstarrter Titanen, die die moosbewachsenen Ruinen mit eisernem Griff umklammern. Vor allem am frühen Morgen oder bei Sonnenuntergang, wenn lange Schatten über die Mauern wandern, glaubt man noch heute die Präsenz jener geheimnisvollen Mächte zu spüren, die hier einst mit finsteren Opferritualen verehrt wurden. Ursprünglich als Hindutempel für Gottheiten wie «Vishnu» oder den Todesgott «Yama» errichtet, gerieten die Kultstätten bald schon unter buddhistischen Einfluss, sodass bis heute auch zahlreiche Pilger zu den Besuchern der Tempelanlagen zählen. Doch die Symbolkraft dieser Mauern reicht noch tiefer. Das gesamte Ensemble von Angkor Wat ist von einem rechteckigen, rund 180 Meter breiten Wassergraben umgeben, in dessen Mitte sich die Sandsteintempel wie eine Insel aus den Fluten eines mythischen Ur-Ozeans erheben. Archäologen deuten das als symbolisches Abbild des Kosmos selbst. Neben den Ruinen sind es daneben vor allem Tausende kunstvoll ausgeführter Sandsteinreliefs halbnackter Tempeltänzerinnen, stolzer Herrscher, monumentaler Schlachtszenen, von Himmel und Hölle, die die Fantasie der Besucher einst wie heute in Erregung versetzen.

Renaissance des Kunsthandwerks Doch ein Besuch in «Siem Reap» lohnt nicht nur wegen der Tempel. Das Touristenzentrum nahe dem «Tonle-Sap»-See – grösste Süsswasserfläche Südostasiens – hat sich, nachdem die letzten Attacken versprengter Guerilla-­ Truppen der Roten Khmer 1993 schliesslich endeten, innerhalb eines Vierteljahrhunderts zum vielleicht bedeutendsten kulturellen Zentrum des unter der Last des Bürgerkriegs fast zerbrochenen Königreichs entwickelt. Tatsächlich gingen durch die systematische Vernichtung der kulturellen Elite jahrhunderte­ altes Kunsthandwerk, Literatur, zahllose Riten und Bräuche fast unwiederbringlich verloren, und doch hat vieles dank des Mutes Einzelner die Jahre des Terrors überdauert. Grossen Anteil an der Wiederbelebung dieser Traditionen haben die «Artisans d’Angkor». Hervorgegangen ist das halbstaatliche Social Enterprise aus ­einem Erziehungsprojekt, mit dem in den frühen 90er Jahren versucht wurde, den Wiederaufbau des Landes zu forcieren. Ziel war damals, jungen Kambod­schanern in ländlichen Regionen – viele aufgrund der Wirren des Bürgerkrieges ohne Schulbildung – handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln. Später rückte dann traditionelles Khmer-Kunsthandwerk in den Fokus, woraus 2003 mit europäischer Unterstützung schliesslich Artisans d’Angkor entstand. Hier finden die jungen Kunsthandwerker im Anschluss an ihre Ausbildung einen sicheren, gut bezahlten Job inklusive Krankenversicherung – in Kambodscha auch heute noch ein seltenes Privileg. Erwirtschaftete Gewinne werden komplett in das Ausbildungsprogramm und die Schaffung neuer Arbeitsplätze reinvestiert. Zu den Arbeiten, die von den Künstlern in mehr als 40 Ateliers – manche davon auch für Besucher zugänglich – hergestellt werden, gehören feinste Lack­ arbeiten, handbehauene Sandsteinskulpturen, Holzschnitzereien, Keramik, aber auch Seidenstoffe. Vertrieben werden diese hochwertigen Produkte über

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Bis heute ist Angkor eine bedeutende buddhistische Pilgerstätte.

brandeigene Boutiquen und einen Onlineshop. Mit­t­ lerweile findet man viele dieser Arbeiten aber auch in den diversen Luxushotels von «Siem Reap». Zum Beispiel in der mondänen «Résidence d’Angkor», einer urbanen Oase mit kolonialem Charme an den Ufern des Siem Reap River und eines der ersten 5-Sterne-Häuser, das von den Artisans d’Angkor ausgestattet wurde. Im Hotel gibt es auch eine Boutique des Labels mit besonders exklusiven Produkten. Gleichzeitig bietet das Haus die Möglichkeit, die Werkstätten und die Seidenfarm, wo das Rohmaterial für die edlen, fliessenden Schals, Blusen und Kleider entsteht, die in den Mode­ateliers der Artisans kreiert werden, begleitet von einem fachkundigen Guide zu besuchen.

Khmer-Kultur in der Manege Doch die Renaissance der Khmer-Kultur spielt sich nicht nur im Bereich des Kunsthandwerks ab. Mit «Phare» – Kambodschas Antwort auf den


© Diego Delso I Creative Commons

TRAVEL

«Cirque du Soleil» – ist es mittlerweile auch auf dem Gebiet der «performing arts» gelungen, an alte Traditionen anzuknüpfen und jungen Talenten eine neue Perspektive zu geben. Das Ergebnis ist schlicht spektakulär. In einem rund 1000 Personen fassenden Zirkuszelt am Rande Siem Reaps gibt es jeden Abend beeindruckende Shows, die weniger durch akrobatische Höchstleistungen beeindrucken als durch die Dramaturgie, denn die Programme erzählen auf subtile Weise vom Leben und Schicksal der «Phare»-Macher oder der auftretenden Künstler – viele davon selbst Kriegs­ waisen oder Opfer des Folter- und Terrorregimes. Ein multimediales Erlebnis, in dem sich Live-­ Musik, Kunst-Performance, Tanz, Satire und Akrobatik zwanglos ineinander mischen und in Teilen so anrührend und bewegend sind, dass selbst hartgesottenen Besuchern die Tränen kommen – ein Muss bei jedem Siem-Reap-Besuch und ein Zeichen der Hoffnung.

© Scott Sharick

Dschungeltempel von Ta Prohm

Phare: die kambodschanische Antwort auf den Cirque du Soleil

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WATCHES & JEWELLERY

BRANCHE

DIE BEWEGT SICH

Nach der Messe ist vor der Messe. Auf den Genfer Uhrensalon SIHH folgt die Baselworld. Beide bieten Uhrenliebhabern, egal ob weiblichen oder männlichen Geschlechts, eine Fülle interessanter Neuigkeiten. Gisbert L. Brunner

TAG HEUER

80 I PRESTIGE


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eicht hat sie es derzeit nicht, die für feine Luxusuhren zuständige Industrie. Das Angebot ist gross, fast zu gross. Gleiches gilt für den Wettbewerb. Erfolg verlangt nach Kreativität im breiten Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation. Dabei ist und bleibt ­Retrolook ein beliebtes Thema. Klassiker überleben sich schlichtweg nicht. Jubiläen regen zu Sondermodellen an. Mechanische Komplikationen bleiben en vogue, darunter immer auch echte Weltpremieren. Neben Stahl und Titan erfreut sich Keramik als Gehäuse- und Bandmaterial zunehmender Beliebtheit. Bei der Gestaltung von Zifferblättern, Schalen und Armbändern ist zunehmend jene Farbe im Spiel, die das oft so graue Alltagsleben erfrischend bereichert. Weil Armbänder ein interessantes Zusatzgeschäft bedeuten, offerieren immer mehr Marken intelligente Systeme zu deren schnellem Wechsel. Selbst technisch Unbedarfte können je nach Lust, Laune und Anlass tauschen. Ganz am Rande sei erwähnt, dass sich die Stimmung gegenüber dem stark von Rezessionssorgen geprägten Jahr 2017 spürbar aufgehellt hat. Optimismus greift um sich. Auch mit Blick auf die zurückhaltenden fernöstlichen

HUBLOT

Märkte. Das Geschäft mit Uhren verläuft traditionsgemäss zyklisch. Der Vergleich mit einer Berg-und-Tal-Bahn liegt irgendwie nah. Tröstlich ist nur, dass besagtes Auf und Ab nicht nur die feinen Zeitmesser betrifft.

Variantenreiche Ikone Zu den anerkannten Stilikonen der Uhrengeschichte gehört die «Carrera». Jack W. Heuer, ihr geistiger Vater, wusste sehr genau, worauf es bei funk­ tionalen Chronographen ankommt. Zum Zweck optimaler Lesbarkeit strebte der Eigentümer des Familienunternehmens ein reduziert gestaltetes und möglichst grosses Zifferblatt an. Trickreich nutzte er den metallenen Spannring des Plexiglases zum Bedrucken mit der Fünftelsekunden-Indexierung für den Stopper. Bei der Namensgebung half ­ G enosse Zufall. Als Zeitnehmer der berühmten «12 Stunden von Sebring» begegnete der rührige Firmenchef Ricardo Rodriguez. Weil der Renn­fahrer begeistert von der «Carrera Panamericana» berichtete, heisst die 1963 lancierte Armbanduhr «Carrera». 55 Jahre später gibt es spezielle Jubi­ läumsmodelle. Im Gegensatz zu einst beherbergt das 43 Millimeter messende Modulgehäuse ein selbst entwickeltes und produziertes Automatikwerk mit Stoppfunktion. Den Namen «Carrera Heuer 02» hat TAG Heuer daher ganz bewusst gewählt. Die exklusive Mechanik mit klassisch v-förmig an­geordneten Zählzeigern und Permanentsekunde verfügt über 80 Stunden Gang­ autonomie, Schaltradsteuerung des Chronographen und energiesparende Vertikalkupplung. Weil es zur Montage des intelligent konstruierten Schaltwerks nur eine Schraube braucht, besteht der gesamte Mikrokosmos aus lediglich 168 Bauteilen. Beim Outfit können die potenziellen Kunden aus dem Vollen schöpfen. Verfügbar sind nicht weniger als 13 Aus­führungen. Stahl, Karbon, Keramik oder Gold für die Schale lassen sich kombinieren mit einem Armband aus Metall, Kautschuk, Leder oder Keramik.

Erinnerung an einen Metallbaukasten Ricardo Guadalupe muss es wissen: «Diese Uhr ist ein Mega-Erfolg. Unsere ‹Meca-10› bietet sehr viel fürs Geld. Und man bekommt einen echten Hin­gu­ cker.» Nach diesem Statement des CEO von Hublot verwundert die konsequente Modellpflege nicht. Das aus 223 Komponenten zusammengefügte

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WATCHES & JEWELLERY

ZENITH

MONTBLANC

PATEK PHILIPPE

Handaufzugskaliber HUB 1201 ist ein Augenschmaus für Mechanik-Freaks. Im Zentrum drehen Zeiger für Stunden und Minuten. Bei «9» findet sich ein Sekundenzeiger. Hohe Priorität geniesst die Gangreserveanzeige. Ein Fenster bei «6» lässt wissen, wie viele Tage das Œuvre noch mit drei Hertz ticken wird. Maximal sind es deren zehn. Ein roter Punkt bei «3» signalisiert Handlungsbedarf. Für Anker und Ankerrad findet leichtes, amagnetisches Silizium Verwendung. Als «Blaues Wunder» präsentiert sich die neue «Big Bang Meca-10 Blue Ceramic». Hublot fertigt Gehäuse, Glasrand und sogar die Faltschliesse aus durchgefärbter Keramik. Dank «One Click» gestaltet sich der Wechsel des Gummi-Armbands zum Kinderspiel.

Explizit für Frauen Dass Mann von Welt Damen den Vortritt lässt, bewies Thierry Stern im Jahr 2009. Der Präsident von Patek Philippe tat dies bei einer chronographischen Weltpremiere. Gemeint ist das erste selbst entwickelte und semi-­ industriell gefertigte Chronographenwerk der traditionsreichen Familienmanufaktur. Bis 2016 stellte das in vielerlei Hinsicht neuartige Kaliber CH 29-535 PS mit Schaltrad sowie klassischer Räderkupplung seine konstruktiven und handwerklichen Qualitäten in der femininen Referenz 7071 unter Beweis. Nun war es höchste Zeit, die Kundinnen mit etwas Neuem zu beglücken. Und das geschieht mit der Roségold-Referenz 7150 / 250R-001, welche während der Baselworld debütiert. Wie eh und je setzen fachkundige Spezialisten das 26,6 Millimeter grosse und 5,35 Millimeter hohe Uhrwerk aus 270 Komponenten zusammen. Feinbearbeitung und Regulierung auf höchstem Niveau sind

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WATCHES & JEWELLERY

poschaltung zu eigen. Sie gestattet das Null­ stellen und Neustarten des Chronographen mit nur einem Knopfdruck. Das Uhrwerk mit beidseitig wirkendem Rotor-Selbstaufzug, rund 50 Stunden Gang­autonomie, Zehntelsekunden-Stoppgenauig­ keit, Schaltradsteuerung und klassischer horizontaler Räderkupplung besteht aus 254 Teilen. Die Auflage des 43 Millimeter grossen Stopp-Boliden ist nicht limitiert. Zenith bietet zwei Gehäusetypen an: Bronze oder künstlich gealterter Stahl. Saphirgläser vorne und hinten sowie Wasserdichte bis zehn bar Druck sind beiden Ausführungen gemein.

Zeit für Kosmopoliten

CARL F. BUCHERER

dabei selbstverständlich. Energienachschub ist spätestens alle 65 Stunden fällig. Dann jedoch gestaltet sich das Drehen an der Krone zum Hochgenuss. Weil Diamanten bekanntlich die besten Freunde des zarten Geschlechts sind, trägt der Glasrand des 39-Millimeter-Gehäuses nicht weniger als 72 Top-Wesseltons mit einem Gesamtgewicht von ca. 0,68 Karat. Wasser hat bis drei bar Druck keine Chance, ins Innere vorzudringen.

Zurück im Fluge Gegen Ende der 1950er-Jahre benötigte das italienische Verteidigungsministerium eine Alternative zu dem lange verwendeten, aber zu klein gewordenen Dienst-Chronographen namens «Tipo CP1». Das opulentere Nachfolgemodell «Tipo CP2» lieferte Zenith an A. Cairelli, einen renommierten römischen Uhrenhändler, der die entsprechende Ausschreibung gewonnen hatte. Sammler zahlen für die einst militärisch genutzten Armbanduhren stattliche Summen. Deutlich günstiger ist der neue «Tipo CP-2 Flyback zu haben. Dem darin verbauten Manufakturkaliber «El Primero 405B» ist, wie der Modellname unschwer erkennen lässt, eine Tem-

Globetrotter werden an dieser Armbanduhr ihre helle Freude haben. Sie entstand zu Ehren des 160. Geburtstags von Minerva, einer Schweizer Manufaktur, die 2007 unter das Dach von Montblanc gelangte. Die «1858 Geosphere» macht gedank­ liche oder wirkliche Reisen rund um den Globus zum Vergnügen. Unübersehbar sind zwei bombierte Gebilde, welche die nördliche und südliche Hemisphäre symbolisieren. Beide drehen in 24 Stunden um ihre Achse. Die obere entgegen, die untere im Uhrzeigersinn. Zusammen mit entsprechend indexierten und farblich abgesetzten Skalen bilden sie die 24 Standard-Zeitzonen ab. Dicke weisse Linien heben den nullten (Greenwich) und 180. Längengrad (Datumsgrenze) hervor. Links bewahrt ein 12-Stunden-Zeiger bei Fernreisen die Heimatzeit. Für die jeweilige Lokalzeit ist das zentrale Zeigerpaar zuständig. Wie es sich gehört, ist der Stundenzeiger per Krone unabhängig vor- und rückwärts verstellbar. Ganz automatisch folgt ihm das Fensterdatum bei «3». Hinter dem augenfälligen Zifferblatt agiert das Automatikkaliber MB 29.25. Als Basis dient das bewährte Eta 2892-A2. Die zusätzliche Kadratur haben Ingenieure von Montblanc in Villeret, der Heimat von Minerva, entwickelt. Das Bronzegehäuse mit Titanboden und Keramikeinlage in der Lünette misst moderate 42 Millimeter. Wasserdicht ist die durch den Montblanc Labo­ ratory Test 500 zertifizierte Armbanduhr, von der 1858 Stück entstehen, bis zehn bar Druck.

Aussenläufer Exakt 43,1 mm misst die neueste Version der erfolgreichen «Manero Peripheral» von Carl F. Bucherer. Ihr Roségoldgehäuse umfängt das selbst gefertigte, 5,28 Millimeter hoch bauende Automatikkaliber CFB A2050. Bei ihm spannt eine peripher rotierende Schwungmasse mit Wolfram-Segment den Energiespeicher in beiden Drehrichtungen. Nach Vollaufzug läuft es 55 Stunden am Stück.

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Neben den Stunden, Minuten und Sekunden wird auch das Datum dargestellt. Zum Zweck zertifizierter Präzision muss sich jedes Uhrwerk vor dem Einschalen 15 Tage lang bei der Offiziellen Schweizer Chronometerkontrolle (COSC) bewähren. Erlaubt sind dort täglich höchstens vier Sekunden nachoder sechs Sekunden vorgehen. Das vordere Saphirglas ist bombiert und beidseitig entspiegelt, das rückwärtige lässt neugierige Blicke auf den mit vier Hertz tickenden Mikrokosmos zu. Bis zu fünf bar Druck reicht die Wasserdichte.

Tonda ist rund Die Familie von Michel Parmigiani, der Gründerpersönlichkeit von Parmigiani Fleurier, stammt aus Italien. «Tonda», so heisst die klassische Linie, steht demnach für schlichtes, einfaches Rund. Das Ge­­­häuse der «Tonda 1950 steel» und seine markanten Bandanstösse wecken Erinnerungen ans Jahr 1950. 40 Millimeter Gehäusedurchmesser sprechen heutzutage auch weibliche Kunden an. Bei den Zifferblättern besteht Wahlmöglichkeit zwischen Schwarz, Silber und Blau. Beim Kaliber PF702 handelt es sich um eine extraflache Manufaktur-Automatik mit Mikrorotor, 48 Stunden Gan­ g­ autonomie und drei Hertz Unruhfrequenz. Wegen seiner geringen Bauhöhe von nur 2,6 Millimeter kann man den Mikrokosmos getrost als kompliziert bezeichnen. Mit abnehmenden Dimensionen wächst nämlich der Aufwand, die 146 Teile zu ­assemblieren. Am Handgelenk trägt das bis drei bar wasserdichte Œuvre mit Sichtboden insgesamt 8,2 Millimeter auf. Für gleichermassen sicheren wie komfortablen Halt am Handgelenk sorgt ein Krokoband mit Faltschliesse.

ein separates Federhaus. Fortschalt-Impulse nach einer, zehn und 60 Minute(n) liefert das selbst produzierte Basis-Uhrwerk mit vier Hertz Unruhfrequenz und 60 Stunden Gangautonomie.

Alarm am Arm Auf Armbandwecker versteht sich Jaeger-LeCoultre seit 1951. In jenem Jahr debütierte «Memovox». Die ab 1956 auch mit Selbstaufzug verfügbare «Stimme der Erinnerung» überzeugte durch Vielseitigkeit, Funktionalität und beachtliche Klangfülle. Längere Kontakte mit dem nassen Element vertrug sie hingegen nicht. Dem half die Manufaktur erstmals 1959 ab. Einen echten Meilenstein verkörperte 1965 die «Memovox Polaris» mit Dreifach-­

Zeiten-Sprung zum 150. Geburtstag IWC ist in Feierlaune. Zum 150. Geburtstag erweckt sie ein Œuvre von Joseph Pallweber zu neuem Leben. Auf ihn geht eine digitale Stunden- und Minutenanzeige zurück, welche die Schaffhauser 1884 vom Salzburger Uhrmacher erwarben. Im Laufe der Jahre fertigten und verkauften sie mehr als 20’000 Exemplare. Die Renaissance erfolgt zum Beispiel in Gestalt einer Armbanduhr mit Rotgoldgehäuse. Ihre Zeitanzeige schützt ein beidseitig entspiegeltes Saphirglas. Von dieser limitierten «IWC Tribute to Pallweber Edition 150 Years» wird es 250 Stück mit 45 Millimeter grosser Retrolook-Schale und dem Handaufzugskaliber 94200 geben. Weil die Zeit in konstruktiver Hinsicht seit 1884 beträchtlich fortgeschritten ist, haben Techniker die Mechanik der springenden Zeitanzeige neu gestaltet. Im Gegensatz zu damals besitzt sie

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PARMIGIANI FLEURIER


WATCHES & JEWELLERY

Boden. Der Beiname zielte bewusst auf den US-amerikanischen Markt. Den 50. Geburtstag der Evolutionsstufe von 1968 zelebriert eine limitierte Re-Edition in edlem Stahl. Zu haben sind insgesamt 1000 Armbanduhren, Durchmesser 42 Millimeter, mit drei Kronen in der rechten Gehäuseflanke: oben zum ­Einstellen der Weckfunktion, mittig zum Bedienen der innen liegenden Dreh­lünette sowie unten jene zum Richten der Zeiger. Abtauchen kann Mann bis zu 200 Meter unter den Meeresspiegel. Beim Manufakturkaliber 956 sorgt eine Tonfeder für angenehme Klangfülle. Sein Kugellagerrotor erzeugt Energie für 45 Stunden Gangautonomie.

Drei Zeiger im Schlepp Der Schleppzeiger kann als Komparativ zum klassischen Chronographen gelten. Er gestattet das Erfassen von Zwischenzeiten oder das simultane Stoppen zweier Wettläufer, die gleichzeitig starten. Bei Konventionellem geht das bis höchstens 60 Sekunden. Dann hat der Chronographen- den Schleppzeiger

IWC

A. LANGE & SÖHNE

JAEGER-LECOULTRE

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wieder erreicht. Nicht so bei A. Lange & Söhne. Bereits 2004 punktete die Glashütter Nobelmanufaktur mit dem «Double Split». Er verfügt über einen zweiten Einholzeiger für den 30-Minuten-Totalisator. Als unangefochtene Krönung der sächsischen Rattrapante-­Kompetenz kann der neue «Triple Split» gelten. Diese Weltpremiere in Weissgold brilliert mit dem selbstverständlich selbst entwickelten und gefertigten Kaliber L132.1. Kurz gesagt handelt es sich um den ersten und bislang einzigen Dreifach-­ Rattrapante für Sekunden, Minuten und – neu – bis zu zwölf Stunden. Das vom Handaufzugswerk mitgeschleppte Trio ermöglicht stundenlange Vergleichsmessungen zum Beispiel während eines Marathonlaufs. Beim genannten Manufakturkaliber handelt es sich um eine intelligente Neuentwicklung, deren Dimensionen mit dem weniger komplexen Vorläufer übereinstimmen. Durchmesser 30,6, Höhe 9,4 Millimeter. Für das mikromecha­ nische Meisterwerk mit 55 Stunden Gangautonomie benötigen die Uhrmacher 567 Komponenten. Schluss ist nach hundert Exemplaren.

CARTIER

Ein Zeit-Bolide wird 25 Audemars Piguet zelebriert 25 Jahre «Royal Oak Offshore». Als gestalterischer Vater der nunmehr 46 Jahre alten «Royal Oak» schalt Gérald Genta die 1993 lancierte Evolutionsstufe mit Weicheisen-­ Innengehäuse kurz und bündig «entartetes Walross». Dem Erfolg tat das keinen Abbruch. Die «Offshore» begeisterte Arnold Schwarzenegger und LeBron James. Michael Schumacher konstatierte: «Manchmal führt nur Langsamkeit zur ­E xzellenz.» Letztere unterstreicht die stählerne Re-Edition des 42 Millimeter grossen, bis zehn bar wasserdichten «Offshore»- Chronographen. Tief im Inneren findet sich das aus 365 Teilen montierte Modul-Automatikkaliber 3126 / 3840, ein stoppendes Gemeinschaftswerk von Audemars Piguet (Basis) und Dubois-Dépraz (Stoppmodul). Der Bolide kostet heute übrigens rund drei Mal mehr als vor einem Vierteljahrhundert.

Nicht nur für Laureaten Die Entstehungsgeschichte der «Laureato» von Girard-Perregaux verknüpft sich untrennbar mit Italien. Der dortige Markenimporteur verlangte nach einer luxuriösen Stahl-Armbanduhr mit sportlichem Touch. Als Namenspate diente Mike Nichols Film «The Graduate», was ins Italienische übersetzt eben «Laureato» heisst. Auf die Ur-Version von 1975 folgten etliche Überarbeitungsstufen. Die neueste wendet sich unter anderem an Frauen. Und zwar in Edelstahl oder 18-karätigem Roségold.

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AUDEMARS PIGUET

Die Lünette der «Laureato Royalty 34 mm» ist mit 56 Brillanten von insgesamt 0,82 Karat ausgefasst. Weil die Manufaktur das hauseigene Quarzkaliber sorgfältig finissiert und mit einem Streifen­schliffDekor veredelt, darf es sich durch den Saphirglasboden des bis drei bar wasserdichten Gehäuses zeigen. Farbe ist beim Zifferblatt mit «Clous de Paris»-Muster angesagt. Es strahlt in königlichem Blau. Die Seltenheit des Vorzüglichen bringt eine Limitierung zum Ausdruck: 200 Stück in Edelstahl und 100 in Roségold.

114 Jahre und kein bisschen alt Man schrieb das Jahr 1904, als Louis Cartier für den Freund und Flugpionier Alberto Santos-Dumont einen Zeitmesser kreierte. Bei jener «Santos» han-


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GIRARD-PERREGAUX

delt es sich um die am längsten ununterbrochen präsente Armbanduhr, welche aber nie alt ge­ worden ist. Durch konsequente Arbeit haben Produktgestalter dieser Ikone neuen Glanz verliehen. Das Gehäuse, erhältlich in Gold, Stahl / Gold und Stahl, besitzt einen zusätzlichen Magnetfeldschutz. Es birgt ein Exemplar des Manufakturkalibers 1847 MC mit Selbstaufzug, Hemmungs-Komponenten aus einer Nickel-Phosphor-Legierung, vier Hertz Unruhfrequenz und 42 Stunden Gangautonomie. Nicht nur bei der Stahl / Gold-«Santos» lassen sich die mitgelieferten Bänder aus Leder und Metall dank patentiertem «QuickSwitch»-­ System im Handumdrehen wechseln. Selbst sind Frau oder Mann auch beim Anpassen des «SmartLink»-Gliederbands.

Achteck am Handgelenk Hinter dem Entwurf der «Octo» von Bulgari steht Gérald Genta. Nach dem Erfolg der 1977 lancierten «Bulgari-Bulgari» lag es förmlich auf der Hand, ihm auch die Gestaltung einer sportiv angehauchten Luxusuhr anzuvertrauen. Formal liess sich der Design-Guru dabei von der römischen Maxentiusbasilika inspirieren. «Mein typisches Achteck ist jedoch kein Oktogon mit geraden, sondern eines mit anatomischen Linien.» Diesem Credo entspricht auch die neue «Octo L’Originale». Ihr Titangehäuse misst 41 Millimeter. Aus dem gleichen Material bestehen Krone und Zifferblatt. Durch den Sicht­ boden der bis zehn bar wasserdichten Schale zeigt sich das hauseigene Automatikkaliber BVL 191 «Solotempo», welches nur Stunden, Minuten

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WATCHES & JEWELLERY

PORSCHE DESIGN

BULGARI

und Sekunden anzeigt. Und das bei voll gespannter Zugfeder 42 Stunden ohne weiteren Energienachschub. Ein Kautschukband mit DLC (Diamond Like Carbon)-beschichteter Edelstahl-Faltschliesse hält den Zeitmesser am Handgelenk.

haben den Chronographen mit einer praktischen Flyback-Funktion ausgestattet. Augenmenschen können das geschwärzte Innenleben durch einen Sichtboden im 42 Millimeter grossen Gehäuse beobachten. Der durchbrochene Rotor mit äusserem Wolframsegment sowie die speziell gestalTickender und stoppender Porsche tete Automatikbrücke gestatten neugierige Blicke Die Zifferblätter und Zeiger der mechanischen auf Temposchaltung und Selbstaufzugs-Getriebe. Chronographen von Porsche Design sind inspiriert Die Unruh oszilliert mit vier Hertz. Bis 30 Minuten von reflexionsfreien Rennwageninstrumenten. Aus- und 12 Stunden reichen die senkrecht angeordneschliesslich leichte, antiallergische Titangehäuse ten Zähler des Chronographen. Unübersehbare um­fangen die Uhrwerke. Neu ist 2018 der dun- Bezüge zum Auto schafft am Glasrand eine Tachykelbraune «1919 Chronotimer Flyback Brown &  meterskala. Sie hilft beim unkomplizierten Ermitteln Leather». Seine Manufaktur-Automatik mit 48 Stun- von Durchschnittsgeschwindigkeiten über einen den Gangautonomie entspringt dreijähriger Ent- Kilometer hinweg. Wasserdicht ist die mit Titanwicklungsarbeit in der Schweiz. Die Konstrukteure karbid beschichtete Schale bis zu fünf bar Druck.

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WATCHES & JEWELLERY

WUSSTEN

?

SIE

Er ist kanariengelb, stammt aus dem Fürstenstaat Baroda, befand sich über ein halbes Jahrtausend im Besitz der indischen Gaekwad-Maharadschas von Baroda, gehörte später Kaiserin Maria Theresia von Österreich, danach «Kopf-ab-Königin» Marie-Antoinette von Frankreich und gelangte wieder nach Indien, bevor ihn 1940 ein Juwelier erwarb. Sie war die heisseste Braut ihrer Zeit, hauchte für John F. Kennedy ein anrüchiges «Happy Birthday» ins Mikrofon und bleibt, solange sich der Globus dreht, der ultimative Inbegriff für Sexappeal. Im Film «Blondinen bevorzugt» baumelt der sagenhafte, tropfenförmig geschliffene 24-Karäter und seltene Fancy-Diamant an einem schwarzen Seidenband als Leihgabe am Hals der begehrens­ wertesten Frau der Welt. Marilyn Monroe. Diamonds are a girl’s best friend.

© Antwerp World Diamond Centre

Marilyn und der «Moon of Baroda»

Die One-Million-Kurtisane Im Musicaldrama «Moulin Rouge» liebt die Kurtisane Satine den englischen Schriftsteller Christian, doch da ist noch der reiche Duke, der das neue Theaterstück finanzieren soll und eine Gegenleistung dafür verlangt. Satine. Ihm allein soll sie gehören. Was aber bald ihr gehört, ist ein atemberaubendes Diamantcollier von überwältigender Schönheit. Was Stefano Canturi kreiert, ist das bis dato teuerste Schmuckstück, das jemals für einen Film erschaffen wurde, und soll Schätzungen zufolge eine Million US-Dollar wert sein. 1308 Diamanten, in einem Spitzenmuster angeordnet, umschmeicheln Nicole Kidmans, Satines, Dekolleté. Begeistert von seinem Meisterwerk gab Stefano Canturi nach den Dreharbeiten das Collier nicht zur Auktion frei, sondern behielt es selbst.

Der widerspenstige Beduine «Nicht ohne meine Cartier-Tank-Armbanduhr!», zeterte Rodolfo Valentino 1926 bei den Dreharbeiten zum Film «Der Sohn des Scheichs», als er mit Turban und in farbenfrohem Kostüm auftreten musste und sich wie der Teufel gegen das Weihwasser sträubte, seine heissgeliebte Uhr abzustreifen. Das Schmuckstück wurde in der Folge Teil seiner persönlichen Note und Cartier sodann persönlicher «Juwelen-Hoflieferant» Hollywoods. Im Film «Die Schöne und das Biest» bemängelte der Regisseur Jean Cocteau die Leblosigkeit falscher Diamanten, da mit einer Kamera nur das Strahlen von echten Diamanten eingefangen werden könne. Nach den ersten gedrehten Filmszenen und der Wiedergabe stumpfer und glanzloser Imitate marschierte Jean Cocteau schnurstracks zum Juwelen-Olymp. Cartier.

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Frazer Nash Frazer Nash war ein britischer Hersteller von Sport- und Formel-1-Wagen. Archibald «Archie» Goodman Frazer Nash gründete die Frazer Nash Ltd. in Kingston-on-Thames um 1924. Bereits zwei Jahre später wurde das Unternehmen von den Brüdern H. J. und W. H. Aldington in Isleworth übernommen und in AFN Ltd. umbenannt. Ab 1934 war AFN der BMW-Generalimporteur für das gesamte britische Empire. Nach dem Zweiten Weltkrieg benannte sich die Firma jedoch wieder in «Frazer Nash» um. Die Produktion von Frazer-Nash-Wagen wurde 1957 eingestellt.


DRIVE STYLE

85427 Der «1939 Frazer Nash-BMW 328 Sports by Leacroft» mit der Fahrgestellnummer 85427 ist eine wahre Hommage an die Fliegerei. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs vom britischen Zoll beschlagnahmt, wurde er nach dem Krieg im Auftrag des einstigen Royal-Air-Force-Piloten «Dickie» Stoop durch eine aussergewöhnliche Karosserie zum Leben erweckt.

D

Anouk Delange I

RM Sotheby’s

er erste moderne Sportwagen, der BMW 328, gebaut von 1936 bis 1940, war ein Wunderwerk der Technik. Im Gegensatz zu anderen deutschen Automobilen, die zu jener Zeit noch Stahlschienen­ fahrgestelle verwendeten, hatte BMW das leichte Rohrchassis mit geschweissten Böden perfektioniert. Auf diese Weise konnten weichere Federn und Stossdämpfer verwendet werden, die in der Folge das Kurvenfahren blitzschnell machten. Hinzu kamen Motorblock und Bremsen des BMW 326 und ein wahrer «Power Boost» über einen komplett neu konstruierten Zylinderkopf, der eine seitliche Nockenwelle hoch auf der linken Seite mit 90 Grad geneigten Ventilen und der Zündkerze in der Mitte nutzte.


DRIVE STYLE

Roadster mit 4-Gang-Getriebe mit einem 120,3-Kubikzoll-Reihen-SechszylinderOHV-Motor gekoppelt, 79 PS, Höchstgeschwindigkeit 150 km / h

Air Force für sein Land gekämpft hatte und sich nun auch als Pilot auf der Rennstrecke durch Furchtlosigkeit auszeichnete.

Hommage an die Fliegerei

Start mit Hindernissen Einer von ihnen war der BMW 328 mit der Fahrgestellnummer 85427. Man schrieb das Jahr 1939, als die Aldington Brothers, Generalimporteure von BMW für das gesamte britische Empire – und ­ihres Zeichens Hersteller von Sportwagen –, sechs 328er-Fahrgestelle unter dem Namen «Frazer Nash» nach Grossbritannien importierten. Durch den unmittelbaren Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Fahrgestelle jedoch vom britischen Zoll beschlagnahmt und bis 1946 einbehalten. Nach dem Krieg wurde das Chassis mit der Nummer 85427 an den ehemaligen RAF-Spitfire-Piloten James Richard «Dickie» Stoop verkauft, der in der Royal

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Für die aussergewöhnliche Karosserie mit aero­ dynamischer Linienführung beauftragte Stoop die Coachbuilder «Leacroft of Egham». Die Karosserie, eine Hommage an die Fliegerei – und damit an Stoops Leidenschaft –, wurde mit zahlreichen aero­ nautischen Merkmalen versehen, wozu auch die Motorhaubenclips oder der Tankverschluss mit bündiger Abdeckung gehörten. Ebenso wurde das Cockpit für die stämmige Statur Stoops mass­ge­ schneidert. Sein erstes grosses Langstreckenrennen mit dem «1939 Frazer Nash-BMW 328 Sports by Leacroft» war das 24-Stunden-Rennen auf dem «Circuit de Spa-Francorchamps» im Jahre 1949, bei dem er in seiner Klasse den 6. und gesamthaft den 12. Rang einfuhr. 1952 verkaufte Stoop den Rennwagen dann im Austausch gegen einen «Frazer Nash Mille Miglia» wieder an die ­Aldington Brothers. Über den weiteren Verbleib in den darauffolgenden Jahren ist nicht viel bekannt, jedoch wurde der Wagen 1988 von der Schweizer «Rosso Bianco Collection» gekauft und für die Sammlung restauriert. Mit dem Verkauf der «Rosso Bianco Collection» ging der «1939 Frazer Nash-BMW 328 Sports by Leacroft» 2006 in den Besitz des «Louwman Museum» im niederländischen Den Haag. 2015 war der Zweiplätzer noch einmal auf dem «Concours d’Elegance» in Amelia Island zu sehen, bevor er durch eine Versteigerung durch das Auktionshaus RM Sotheby’s im letzten Jahr abermals den Besitzer für 825’000 US-Dollar wechselte.


Drive IN STYLE!

DRIVE STYLE

BY

1

Eroberer des Aspha lts u nd R itter der Strasse – auch i n d iesem F r ü h l i n g heisst es w ieder u nter wegs sei n m it Sti l u nd Style.

2

1 I TAG HEUER

Neue Chronographen-Version der «Link»: Dieses Modell erweitert die «Link»Kollektion, die 2016 einem meisterhaften Makeover unterzogen wurde. Nach der Luxusversion mit Diamant-Lünette nun die sportlichere Variante. 2 I MASERATI

3

Ghibli GranLusso: Eleganz und Kraft pur mit Hightech-Features wie «Adaptive Full LED»-Scheinwerfer mit blendfreier «Matrix High-Beam»-Technik für einen aussergewöhnlichen Look und noch bessere Beleuchtung. 3 I LAMBORGHINI

5

Der Trolley «ELTC (Extra Light Carbon Technology) Automobili Lamborghini» in Carbonfaser entsteht in einer ausschliesslich italienischen Zusammenarbeit zwischen dem Autohaus mit dem Stiersymbol und TecknoMonster. 4 I VALENTINO

«Garavani Rockstud»-Sneaker aus Kalbsleder und Wildleder aus dem Hause Valentino. Mit drei Reihen der charakteristischen «Ton-in-Ton»-Gummi­ noppen am Schaft. Made in Italy.

4

5 I HERMÈS

Überzeugend wie eh und je – die aktuelle Kollektion des französischen Traditions­ hauses Hermès: makellose Proportionen, weitere Schnitte und feinste Materialien. Unaufgeregt und wunderbar französisch.

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KLEID Hermès

124 I PRESTIGE


&

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BEAUTY

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The luxurious way of life I 125


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FASHION &BEAUTY

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FASHION &BEAUTY

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PHOTOGRAPHER Kai Weissenfeld www.kai-weissenfeld.com MODEL Daria Pleggenkuhle www.modelwerk.de STYLING Natalia Witschke www.nina-klein.com/natalia HAIR / MAKE-UP Kerstin Huesgens www.nina-klein.com/kerstin

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It-Pieces

FASHION &BEAUTY

BY

Ob K leider, Schu he oder Accessoires – hel le Farben u nd meta l l ische A k zente si nd d ie Stars i n d ieser Sa ison.

JIMMY CHOO

Inspiriert von der ikonischen «Andie»-Sonnenbrille: «Elva»Oversize-Sonnenbrille in Schwarz und Kupfergold mit Details aus Schimmerwildleder. Ein «Investmentpiece», das nicht aus der Mode kommt.

DIOR

«Lady Dior Voyageur»: Geldbörse mit einem Sujet von Niki de Saint Phalle. Aus echtem Kalbsleder und goldfarbenen Schmuckbuch­ staben «Dior».

YVES SAINT LAURENT

Kettenohrringe «Marrakech» aus Zinn und Messing. Ohrstecker für durchstochene Ohrläppchen mit ineinandergreifender YSL-Signatur auf der Vorderseite.

GIAMBATTISTA VALLI

OSCAR DE LA RENTA

«Tro»-Tasche aus nudefarbenem Leder mit Gardenienver­ zierung. Mit Velours­ leder ausgekleidetes Inneres, unterteilt in zwei Fächer, mit magnetischer Frontklappe. Als «Crossbody» oder als handliche Clutch tragbar.

Die italienische Luxusmarke Giambattista Valli kreierte für diese Saison eine sehr abwechslungsreiche HauteCouture-Kollektion mit einer Mischung für jeden Geschmack.

SANTONI

Eleganz und Sinnlichkeit vereinen sich harmonisch in diesen wunderschönen vergoldeten Sandalen aus Nappaleder mit Ledersohlen und Pfennigabsätzen. Fersenkappe mit Strass­ steinen und Perlen verziert.

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LIVING

«Wenn uns etwas retten wird, dann ist es die Schönheit.» – Ettore Sottsass –

«Stahl House»: eine Ikone des Mid-Century-Designs des Architekten Pierre Koenig


UTOPIE

ZWISCHEN

© Julius Schulman

MODERNE

&

Nichts spiegelt so sehr den jeweiligen Zeitgeist wider wie die Architektur. Gewagt, futuristisch und bis heute stilprägend sind die Bauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Wohnutopien, die bis heute inspirieren. Anouk Delange

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© Leland Y. Lee

«Elrod House» mit 18 Metern Durchmesser, entworfen von John Lautner


D

LIVING

© Alexis Narodetzky

ie Stimmung auf der Welt war optimistisch. Der Zweite Weltkrieg war vorbei, die Zukunft schien rosig, Stabilität kehrte wieder ein, und in der Architektur keimten Zukunfts-Ideen auf: futuristisch, visionär und mutig. Niemals zuvor und niemals danach wurde in der Architektur so viel gewagt wie in der Zeitspanne zwischen den 1950er und 1980er Jahren. Der

Bildband «Inside Utopia» zeigt eine umfassende Sammlung ikonischer Bauten, die davon zeugen, wie sich Architekten und Designer einst die Zukunft des Wohnens vorstellten.

Mid-Century Design Besonders im sogenannten «Mid-Century Design» der 1950er Jahre spiegelte sich die positive Lebens­ einstellung der Nachkriegszeit wider: eine klar strukturierte Formensprache mit grossen Fensterfronten, die das Innen mit dem Aussen verbanden. Auch wenn in Europa, gerade durch dänische Architekten wie Arne Jacobsen oder Karen und Ebbe Clemmensen, die lichtdurchflutete moderne Bauweise Einzug hielt, so war es doch Kalifornien, das zum Zentrum der architektonischen Avantgarde wurde. Im Zuge der aufstrebenden Wirtschaft konnte sich hier auf einmal die wohlhabende Mittelschicht-Familie die modernen Häuser leisten, ein Privileg, das in den 1930er Jahren noch der Elite vorbehalten war. Eines der wohl spektakulärsten Häuser jener Zeit ist das sogenannte «Stahl House» in den Hollywood Hills, das von dem Architekten Pierre Koenig entworfen und im Jahr 1957 fertiggestellt wurde. Das Haus, das als Fallstudienprojekt die neue Form eines demokratischen Lebens nach dem Krieg definierte, wurde zur architektonischen Ikone. Die L-förmige, einstöckige Residenz von Buck und Charlotte Stahl, oberhalb des Sunset Boulevard, ist ein grandioser Bau aus Glas und Stahl. Koenig schuf ein Haus mit zwei Schlafzimmern und 200 Quadratmetern, das wie kaum ein anderes für die modernistische Architektur steht; eine wahr gewordene Vision des Architekten vom kalifornischen Traum eines offenen Lebens, in dem das Innen und das Aussen eins werden.

Psychedelisch und bunt

«La Renardière» von Étienne Fromanger

Während die Zeit voranschritt, entwickelte sich auch die Architektur der 1960er und 1970er Jahre in eine neue Richtung. Die Design- und Denkansätze wurden extremer, radikaler und bunter. So, wie die Bauten des US-amerikanischen Architekten Bruce Goff, der mit Strukturen und Rohstoffen ebenso experimentierte wie mit der Dekoration. Goff fühlte sich der organischen Architektur

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fallen oder über 23 Grad steigen lässt. Charakteristisch ist die ovale Bauweise aus Beton, die dem Haus bezeichnenderweise den Namen «Fuchsbau» einbrachte.

Filmstars aus Glas und Beton Eine weitere Ikone jener Zeit reiht sich in die Kategorie «futuristisch» ein: das legendäre «Sleeper House» des Architekten Charles Deaton in den Genesee Mountains in Colorado. Elliptisch und gleich einer «fliegenden Untertasse» scheint es auf seinem Sockel über Waldlandschaft zu schweben. Ein Bau im Pop-Art-Look, der sich durch eine ­offene Struktur im Innern mit eingebauten Auf­ enthalts- und Sitzmöglichkeiten auszeichnet. Da Deaton die finanziellen Mittel ausgingen, hatte er das 1965 fertiggestellte Superobjekt jedoch nie selbst bewohnt. Berühmt wurde es einige Jahre später, als es Woody Allen 1973 als Kulisse für seine Science-­ Fiction-Komödie «Sleeper» auswählte. Ebenfalls zu den architektonischen «Filmstars» gehört das spektakuläre «Elrod House»

© Undine Pröhl

verpflichtet und damit einer Architektur, die sich individuell an die Person und ihre Umgebung anpasste. Zur neuen Garde gehörte ebenso der italienische Architekt und Designer Ettore Sottsass, der durch sein «Anti-Design» bekannt geworden war und Dinge und Formen zweckentfremdete. Oder der dänische Architekt und Designer Verner Panton, der sich das Haus als eine kompakte organische Umgebung vorstellte, die aus eingebauten Möbeln, Beleuchtung und anderen Innengegenständen bestand. Herkömmliche Möbel gehörten der Vergangenheit an. Stattdessen verschmolzen sie mit der Hausstruktur, während die Formsprache der Bauten selbst einen skulpturalen Ansatz verfolgte. Ein sinnbildliches «Kind der 70er Jahre» ist auch «La Renardière» des Architekten Étienne Fromanger im französischen Jouars-Pontchartrain. Bei dem im Jahr 1975 fertiggestellten Haus handelt es sich um ein bioklimatisches Haus, das zum Teil im Erdreich versenkt und mit Pflanzen bewachsen wurde. Ein cleverer Kunstgriff, der die Temperatur im Innern des Hauses nie unter 11 Grad

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«Sleeper House» von Charles Deaton


© Undine Pröhl

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Das Haus diente 1973 als Kulisse für Woody Allens Film «Sleeper».

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© Salva López

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«The Labyrinth Home» von Xavier Corberó

in Palm Springs. Entworfen von John Lautner – einem Schüler des berühmten Architekten Frank Lloyd Wright – und 1968 fertiggestellt hatte es in dem James-Bond-Film «Diamantenfieber» aus dem Jahr 1971 seinen grossen Auftritt. Ein imposantes Haus mit fliessender und organischer Formen-

Das Buch Inside Utopia Visionary Interiors and Futuristic Homes Gestalten Verlag

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sprache, dessen runder Wohnraum einen beachtlichen Durch­messer von 18 Metern aufweist, der von einer kuppelförmigen Decke aus mehreren Betonplatten überspannt wird.

Von Lebenswerken und Kunststoffhäusern Schier endlos scheint der Fluss der Kreativität gewesen zu sein. Kein Gedanke zu absurd, keine Farbe zu grell, kein Vorhaben zu gross. Ob das «Labyrinth Home», das begehbare Meisterwerk in der Nähe von Barcelona des im letzten Jahr verstorbenen spanischen Bildhauers Xavier Corberó oder der Entwurf «FG 2000» des deutschen Desig­ ners Wolfgang Feierbach, das Kunststoffhaus oder das 80er-Jahre-Apartment von Karl Lagerfeld in Monaco mit einem integrierten Boxring, das von der Mailänder Memphis-Gruppe in knallbunten Farben designt wurde. Sie alle sind das Ergebnis von einem Denken in neuen Dimensionen und einer Zeit, in der sich die Menschen von der zuweilen spiessigen Bürgerlichkeit hin zu einer modernen Gesellschaft veränderten. Und sie alle sind Zeugen einer Zeit, in der nichts zu gross und alles noch möglich erschien.


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OUTDOOR

HELDEN Die Zeitlosen Die Stuhl-Familie «Click» wurde von Henrik Pedersen für das junge dänische Unternehmen Houe entwickelt. Wunderbar minimalistisches Design, mit sanften Rundungen und in verschiedenen Ausführungen mit Kufengestell, als Armlehnstuhl oder Liegestuhl erhältlich. Alle Lamellen in Sitzfläche und Rücken sind ergonomisch vorgeformt und lassen sich einzeln ersetzen – Farbspielereien inklusive. Armauflagen und Kufen sind aus unempfindlichem, witterungsbeständigem Bambus-Hartholz, die Lamellen aus Polypropylen.

Die Natürlichen Traditionelle Flechttechnik trifft auf Design: Der Ausgangspunkt für Sebastian Herkners preisgekrönte Kollektion «Mbrace» für Dedon war der Material-Mix aus mehr­ farbigen Fasern und edlem, warmem Teakholz. Entstanden sind luxuriöse und gleichzeitig natürliche Poolmöbel im nordischen Design, die auch ohne Polster bequem sind. Wunderbar unkonventionell, cool und perfekt für die warmen Tage im Jahr.

Die Stilvollen Sommer geht kaum schöner: mit der Sonnenliege «Tandem» von Thomas Sauvage für EGO Paris. Stylish, stilvoll und mit allerhöchstem Komfort. Absoluter Pluspunkt sind die seitlichen Ablageflächen aus Teakholz für Getränke, Snacks und Accessoires, die sperrige Beistelltische überflüssig machen. Das Gestell der Sonnenliege, die auf vier verschiedene Stufen eingestellt werden kann, ist aus pulverbeschichtetem Aluminium, die Liegefläche mit exklusiver Batyline ® -Bespannung. Erhältlich ist die Sonnenliege aus der Tandem-Reihe in vielen verschiedenen Varianten. Ein absolutes Lieblingsstück, das dem Motto des Hauses «Um unersetzlich zu sein, müssen Sie anders sein» absolut Rechnung trägt.

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CULINARIUM Ufo oder überdimensionale Cloche? Das postmoderne Interieur des Restaurants reflektiert den kreativen Anspruch der Küche wider.

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HAUTE NATURE

SUR LA

TABLE Paris, Avenue Montaigne 25. Alain Ducasses Signature-Restaurant im «Plaza Athénée» unweit der Champs-Élysées gehört zu den bekanntesten wie umstrittensten Gourmettempeln der Seine-Metropole. Unter dem Motto Naturalité verzaubert Küchenchef Romain Meder seine Gäste dort im Namen des Meisters mit Kreationen auf Basis einer Trilogie von Fisch, Getreide und Gemüse, die neue Massstäbe gesetzt haben.

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Dr. Thomas Hauer I

Plaza Athénée – Pierre Monetta

edes Mal, wenn ich ein Restaurant von Alain Ducasse besuche, erinnert mich das an den Animationsklassiker «Ratatouille». Darin gibt es eine Schlüsselszene, in der der selbstverliebte Gastrokritiker Ego, der sich sonst eher an Trüffeln und Kaviar delektiert, das provenzalische Bauerngericht aufgetischt bekommt – in Egos Luxusuniversum offenbar eine Zumutung. Aber als er den ersten Bissen kostet, passiert genau das, was mir selbst vor vielen Jahren bei meinem ersten Besuch in Ducasses ebenfalls mit 3 Sternen ausgezeichneten Restaurant «Le Louis XV» im «Hôtel de Paris» in Monaco widerfahren ist: Ein winziger Happen eines über einem Kohlenfeuer geschmorten Pyrenäen-­ Lamms, frische grüne Erbsen und ein einfacher Jus versetzten mich in ­Sekundenbruchteilen zurück in meine Kindheit; in eine Zeit, in der ein solcher Leckerbissen aus der Küche meiner Mutter mich jedes noch so grosse Unglück, jede vermeintliche Ungerechtigkeit, von der es im Leben eines Kindes so unendlich viele gibt, und jedes Missgeschick vergessen liess; mich mit einem Gefühl der Wärme, des Vertrauens und der Liebe erfüllte.

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CULINARIUM

Seitdem habe ich mich immer wieder gefragt, wie Ducasse, der mittlerweile über ein weltumspannendes Gastroimperium mit knapp 2000 Mitarbeitern gebietet und nur noch selten selbst am Herd steht, diesen beinahe kathartischen Effekt erzielt; wie es ihm immer wieder gelingt, unter den Scharen von Nachwuchsköchen, die seine Schule durchlaufen, mit traumwandlerischer Sicherheit jene Eleven zu erkennen, die das Potential besitzen, seine Küchenphilosophie nicht nur mit dem Intellekt, sondern auch mit dem Herzen zu begreifen, sodass man in (fast) jedem seiner mehr als zwei Dutzend Restaurants das Gefühl hat, als stünde der Hausherr selbst am Herd.

Eine Küche ohne Kompromisse Ist Letzteres vielleicht schlicht seinem untrüglichen Instinkt für Talent zu verdanken, liegt der Schlüssel für die emotionale Tiefe von Ducasses Küche einerseits in einem fast schon manischen Perfektionsstreben, das keine Kompromisse kennt – so lässt der Meister z. B. Kichererbsen vor der Zubereitung einzeln von Hand selektieren. Andererseits nutzt Ducasse den Kontrast zwischen dem pompösen Setting seiner Sternerestaurants und dem Minimalismus seiner Teller bewusst als Stilmittel, was die teilweise fast beängstigende Aromengewalt seiner Kompositionen noch potenziert. Eine Technik, die der Küchenchef ebenso gekonnt einsetzt, wie einst ein Maler vom Schlage eines Caravaggio jenes revolutionäre Chiaroscuro verwendete, jenes Spiel mit Licht und Schatten, um seinen von allem unnötigen Zierrat befreiten Meisterwerken eine fast magische Aura zu verleihen.

vor 25 Jahren nicht anders gekocht; egal, wo er ein Restaurant eröffnet hat, stets mit den bestmög­ lichen, regionalen Produkten gearbeitet, das geschmackliche Potential seiner Zutaten bis zum Äussersten getrieben, ohne sie dabei zu verfälschen.

Barocke Pracht und Minimalismus Aber nicht nur die schnörkellosen Teller brechen das beinahe prunksüchtige Interieur seines Pariser Luxusrestaurants, dessen kristallene Kronleuchter und vergoldete Stuckdecken auch in einem Spiegelsaal im Schloss Versailles eine gute Figur abgeben würden. Auch das hypermoderne Mobiliar, dominiert von verchromten Sitzinseln, die – je nach Fantasie und Appetit – mal an ein Ufo, mal an hochglanzpolierte Clochen erinnern, fliessenden weissen Ledersesseln sowie «einfachen» Eichenholztischen ohne Tischdecken, steht in scharfem Kontrast zum eher barocken Ambiente. Dennoch wirkt alles wie aus einem Guss, ist jedes Detail

Und so zelebriert auch Romain Meder im ADPA, wie Eingeweihte das Restaurant meist nur kurz nennen, vor allem unverfälschte Spitzenprodukte in ihrer natürlichsten Form. Das empfindet mancher Gast angesichts der aufgerufenen Menüpreise von rund 450 Schweizer Franken – ohne Getränke versteht sich – als Zumutung. Andere hingegen – und dazu gehört auch der Autor dieser Zeilen – begreifen diese fast schon provokante, in Wahrheit nur scheinbare Schlichtheit für eine kulinarische Offenbarung ersten Ranges. Eine Küche, die mit ihrem fast schon moralischen Anspruch im Hinblick auf eine verantwortungsvolle Erzeugung bzw. den respektvollen Umgang mit ihren Zutaten ausserhalb der Zeit, über allen Trends und Moden steht. Was in Skandinavien heute als Errungenschaft der New Nordic Cuisine gefeiert wird – Ducasse, Sohn eines Bauern aus den Landes, hat schon

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Das harmonische Raumkonzept wurde vom renommierten Pariser Designstudio Jouin Manku entwickelt.


CULINARIUM

aufeinander abgestimmt, fühlt man sich schon im ersten Moment gut aufgehoben. Vor allem am Abend verwandeln die mit warmem Licht illuminierten Preziosen in den raumhohen Kabinetten im hinteren Bereich das Restaurant dann endgültig in das postmoderne Pendant einer mittelalterlichen Schatz- und Wunderkammer – nur kann man dessen Schätze, anders als der arme König Midas, auch essen. Der ideale Ort also für ein kulinarisches Hochamt à la Monsieur Ducasse. Orchestriert wird die Messe von Restaurant Manager Denis Courtiade und Head Sommelier Laurent Roucayrol, die das vielköpfige Serviceteam mit schwereloser Souveränität choreographieren.

Moderne Klassiker Längst hat die Küche zahlreiche bemerkenswerte Klassiker hervorgebracht, die saisonal immer wieder auf der Karte auftauchen und auf ewig mit dem

Namen ihres Schöpfers verbunden bleiben werden: grüne Linsen von den Vulkanhängen der Auvergne mit goldenem Kaviar; Blumenkohl in der Teigkruste aus dem Jardin de la Reine in Versailles, dessen Gemüse und Früchte Chefgärtner Alain Baraton exklusiv für Ducasse bereithält, kombiniert mit Jakobsmuscheln, handgetaucht vor den Îles Chausey, und schwarzem Trüffel; geräucherter bretonischer Hummer mit einer bitteren Emulsion aus Krustentierrogen und Chicorée oder der Dessertklassiker Lemon Michel Bachès, kombiniert mit Kombualgen, Estragon, Himbeeren und Meringue, bei dessen Genuss einem jedesmal von Neuem ein wohliger Schauer überkommt. Dabei versteckt sich keines der Gerichte unter irgendwelchen Schäumchen, wird mit Gel-Klecksen oder sonstigem Zierrat optisch oder geschmacklich aufgehübscht – jedes Produkt spricht für sich selbst. Nicht von ungefähr nennt der «Guide Michelin» Ducasse deshalb den Gralshüter der Natürlichkeit.

Alain Ducasse (r.) mit Küchenchef Romain Meder (l.)

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FINANCE


MACHT

IHR KEINER WAS VOR

Orakel des Recruitment, Spezialeinsatzkommando, Wirtschafts-Profiler – Suzanne Grieger-Langer hat viele Namen, aber nur eine Mission: menschliche Abgründe offenlegen und Unter­ nehmen wie auch Menschen vor der Fehleinschätzung einer Person bewahren.

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Wilma Fasola Suzanne Grieger-Langer

ie kennen das sicher auch. Es gibt Menschen, in deren Gesellschaft man sich wohlfühlt. Suzanne Grieger-Langer ist so ein Mensch. Sie ist charmant, witzig, elegant und eloquent in ihrer ganz eigenen Art und Weise. Doch kaum weiss man, was die aus dem deutschen Detmold stammende Frau so beruflich macht, wird’s komisch. Denn die 45-Jährige arbeitet als Profiler, und das am lebenden Objekt. Denn auch wenn man bei diesem Beruf sofort an Tatorte, Tote und Täter denkt, geht es in ihrem Beruf darum, Unternehmen bei der Rekrutierung zu helfen oder im Falle existentieller Entscheide mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.


Die Seminare von Suzanne Grieger-Langer sind in der Regel schnell und restlos ausverkauft.

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PRESTIGE: Hat Ihre Arbeit eigentlich irgendetwas mit «Criminal Minds», «CSI» & Co. zu tun? SUZANNE GRIEGER-LANGER: im Grunde alles und nichts. Wir sind in einigen Dingen sehr nah dran. Das, was Sie im Fernsehen sehen, ist jedoch zu grossen Teilen Fiktion. Gemeinsam ist uns, dass wir wie die kriminalistischen Kollegen in der Wirtschaft Spuren lesen, Menschen lesen und Momente analysieren, um Voraussagen treffen zu können, was möglich ist.

darauf basierend Aussagen, was von dieser Person, von diesem Charakter zu erwarten ist. Wir unterstützen beim Recruitment, in dem wir Blender und Menschen entlarven, die dem Unternehmen schaden könnten. Dabei geht es nicht nur darum, Leistung vorzuspielen. Sondern ich spreche von Korruption und Wirtschaftsspionage. Auf der anderen Seite sind wir bei existenziellen Verhandlungen dabei, analysieren den Gegner und machen deutlich, mit welchen Strategien und Taktiken man welche Türen öffnen kann.

Es gibt demnach also verschiedene Profiler-Profile? Wenn Leute Profiler hören, denken sie sofort an den «Tatort» und gehen vom Kommissar aus. Das ist ein kriminalistischer Profiler. Dieser schaut unter dem soziologischen, psychologischen Aspekt: Wo finde ich den, der das verbockt hat. Ihre Zeugen sind der Tatort und das Opfer. Sprich: Meine kriminalistischen Kollegen kommen, wenn wir nicht haben arbeiten können oder dürfen. Character- wie auch ComportmentProfiler agieren hingegen vor der Tat und sind vornehmlich in der Wirtschaft tätig. Wir analysieren Menschen und treffen

Und wie wird man Profiler? Sie brauchen zwei Standbeine, ein psychologisches und ein kriminologisches. Ich bin zum Beispiel Pädagogin, Psychologin und Transaktionsanalytikerin. Parallel habe ich eine Ausbildung in der Psychotherapie. Was glauben Menschen, was ein Profiler tut? Ich glaube, sie erwarten, dass wir in Gummistiefeln und Trenchcoat auf dem Acker herumstiefeln und Bodenkrumen mit der Lupe betrachten. Faktisch ist es so, dass rund


FINANCE

dass wir es nicht in uns tragen. Jedoch würde ich es nicht als Satan definieren, sondern als Egozentrik, Unreife und die Unfähigkeit, mit Situationen zurechtzukommen. Am Ende geht es um Überforderung, aber die darf man auch nicht durchgehen lassen. Dennoch gibt es wie gesagt Psychologen, die nichts von Gewalt und Störungen hören wollen. Doch schauen Sie auf den Rechtsmediziner. Er untersucht nur eine einzige Krankheit, und diese heisst Gewalt. Und wir Profiler sind die Detektive dieser Krankheit. Wenn man nun hergeht, und sagt, dass es Gewalt nicht geben würde, wenn man richtig miteinander reden würde, dann wird es schwierig. So soll jeder seine Meinung haben, aber Menschen, die den moralischen Abhang schon ein wenig zu weit heruntergerutscht sind, brauchen in meinen Augen mehr als nur ein bisschen Kumbaya. Warum sind Profiler in der Wirtschaft wichtig? Man hat den Eindruck, dass es im Moment ganz besonders schrecklich ist. Faktisch gibt es nicht mehr Gewalt und nicht mehr Korruption als früher. Es gibt einfach mehr Transparenz. Da wird sehr schnell deutlich, was um uns herum passiert. Interessanterweise führt dies aber zu mehr Ängsten bei den Menschen, auch wenn die Aufklärungsquote und auch die Möglichkeiten, etwas aufzuklären, viel besser geworden sind. So verlieren wir durch Hunger, Krankheiten, Kriege deutlich weniger Menschen, fühlen uns aber immer stärker bedroht. Die Zahl der Blender und Trickser hat also in der Wirtschaft nicht zugenommen? Es ist die Eloquenz des Betruges, die wächst, je mehr neue Techniken zur Verfügung stehen. Wenn wir jetzt über das Recruitment sprechen, gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die besagen, dass bis zu 70 Prozent der Referenzen gefälscht sind. Im Zeitalter von Photoshop nicht verwunderlich. Auf der anderen Seite hat auch der Arbeitgeber andere Möglichkeiten, zu erfahren, mit wem er es zu tun hat. Doch die meisten sind zu faul, zu gutgläubig. So hat ein Test gezeigt, dass nur drei von 100 Unternehmen reali­ sieren, dass die Heimatanschrift des Bewerbers die der öffentlichen Vollzugsanstalt ist. Schwedische Gardinen statt Sabbatical ruft aber die Gutmenschen auf den Plan. Menschen eine zweite Chance geben, da bin ich total dafür. Aber es wird nicht einmal hinterfragt, warum derjenige sass; und wollen sie wirklich verantworten, dass genau diese Person an neuralgischen Knotenpunkten wie der IT sitzen und die volle Macht geniessen soll, das Unternehmen lahmlegen zu können. 30 bis 40 Prozent meiner Arbeit Aufklärung sind. Wir sind die Experten, die aufgeboten werden, wenn es existenziell ist. Ob Unternehmer, Führungskraft und auch der ganz normale Mensch, den meisten fehlt es an den Infos, wie man Blender, Ausnutzer und Psychopaten erkennen kann. Denn leider lernen wir nicht schon in der Schule, Menschen zu lesen. Das fände ich jedoch sehr wichtig. Und wenn man etwas lernt, dann rein von der pädagogisch psychologischen Seite des Menschen. Das ist die archetypisch mütterliche, fürsorgliche Lesart des Menschen. Viele therapeutische Kollegen sagen daher, dass es das Böse in der Welt nicht gibt. Als Profiler dagegen scannen wir die andere Seite: Welche Störung ist da, die uns das Potenzial am Ende gar nicht nutzen lässt. Das ist die archetypisch väterliche, fordernde Lesart. Trägt nicht jeder einen Kern Böses mit sich herum? Ich sage es mal so: Neben dem «Tatort» gibt es in Deutschland nur die Fussball-WM, die mehr Zuschauer hat. Bei solch einer Faszination für das Böse kann es gar nicht sein,

Wie gehen Sie beim Profiling vor? Es gibt den detektivischen und den Profiler-Teil. Für den ersten reicht es oft schon, dass man jemanden die Fakten des Lebenslaufs eines Bewerbers checken lässt. So haben wir in Untersuchungen Zeugnisse von Hochschulen vorgelegt, die nicht existieren. Oder aber die Hochschule existiert, hat aber nicht diese Fakultät. Erst, wenn wirklich pingelig alle Angaben überprüft wurden, kommt der Profiler ins Spiel. Wir schauen: Passt die Person ins Team? Und wird die Person mit der Belastbarkeit, den Herausforderungen zurechtkommen können, um die es geht? Und das ist keine One-Man-Show, wie viele glauben. Pro Kandidat sind zwischen 15 und 25 Analysten beschäftigt, die in der Regel rund neun verschiedene Methoden anwenden. Daher ist das Ganze auch verhältnismässig teuer. Auf zehn Neuanstellungen kommen drei Fehleinschätzungen, so sagten Sie einmal. Viele machen sich einfach keine Gedanken, wen sie wirklich brauchen. Sie merken, wir sind zu wenig, und holen einfach irgendwen. So würden sie nicht mal T-Shirts auswählen gehen. Leute suchen ihre Kleidung sorgfältiger aus als ihre Mitarbeiter. Das ist verrückt. Zudem wird das Ganze an die HR-Abteilung delegiert. Doch da sitzen Leute, die nie führen und schon erst recht nicht denjenigen, den sie einstellen. So kommt es dazu, dass sie dem glauben, der sich gut verkaufen kann. All die Blender, die Eindrucksmanager schneiden oft besser ab als die ehrlichen, tiefstapelnden Performer.

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Aber kann ich auch ohne langes Training meine Men­ schenkenntnis verbessern? Auf jeden Fall, und das ist so wichtig. Und ich sage sogar, man soll es inflationär nutzen. Je mehr man lernt, desto besser wird man im Umgang. Ich denke, viele Menschen sind anderen gegenüber ohnmächtig, weil sie nicht einschätzen können, was da gerade passiert. Deswegen finde ich es so wichtig, dass Menschenkenntnis ein Schulfach sein sollte. Aber es gibt heute schon so viele Quellen im Netz, die jedem zur Verfügung stehen.

Profiler mit Wiedererkennungseffekt: Suzanne Grieger-Langer sorgt auch optisch für Aufmerksamkeit.

Auf Ihrer Webseite kann ich bereist Trainingsangebote für 21 Euro inklusive lebenslanger Mitgliedschaft be­ kommen. Was erwartet mich? Mir ist es wichtig, dass sich wirklich jeder mit sich selber beschäftigen kann und dabei auch Unterstützung erhält, wenn er mag. So bekommen Sie für 21 Euro ein DeppenDetox. Sie lernen über 21 Tage, sich von miesen Menschen zu befreien. Und weil die meisten sich immer wieder ranwanzen, gibt es bei allen unseren Produkten die lebenslange Mitgliedschaft. Das Deppen-Detox ist für Personen gemacht, die nicht so viel Geld haben. Es ist ein vollkommen unterbezahltes Produkt. Es ist ein Geschenk an jeden, der es sich nicht leisten kann, sich von uns komplett durchscreenen zu lassen. Wer ehrlich oder eben auch unbequem ist, der be­ kommt Gegenwind. Auf der einen Seite gibt es eben die Psychologen, für die es das Böse nicht gibt. Auf der anderen fühlen sich Recruiter, Coaches und Führungstrainer von uns bedroht. Dabei leisten wir oft mehr als sie, denn wir verfügen nicht nur über Menschenkenntnis, wir können Menschen auch in extremen Situationen steuern. Wir arbeiten in einem ganz anderen Bereich. Wir sind die schnelle harte Lösung, wenn es um das Überleben einer Firma geht. Das Zugriffkommando quasi. Und das SEK kommt ja auch nicht zum Reden. Sie sind der Rammbock, der die Tür aufmacht, damit ein nächster Schritt möglich ist. Genau das tun wir auch: Wir sorgen für eine Druckbetankung an einem Tag, und danach geht man mit einer langen Liste an Aufgaben nach Hause.

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Aber wie finde ich das Richtige für mich? Einfach mal über soziale Kanäle schauen: Wer spricht mich an? Wem glaube ich? Wer könnte mein Mentor sein? Denn für die Persönlichkeitsentwicklung muss nicht nur der Mentor, Coach gut sein, sondern er muss zu Ihnen passen. Ich selber lese keine Zeugnisse, wenn ich Menschen einstelle. Die Leute, die hier grossartige Leistungen vollbringen, sind nicht die mit geraden Lebensläufen, sondern die mit Lebenserfahrung. Sie haben bewiesen, dass sie in schwierigen Situationen zurechtkommen. Dazu bin ich natürlich auch kritisch. Denn es wird eine Störung geben, und die soll bei mir ebenfalls sofort auf den Tisch gelegt werden. Profilen Sie auch Familie und Freunde? Das ist wie beim Friseur, der sieht auch, dass die Frisur drei Wochen drüber ist. Deswegen wird er aber nicht die Schere auspacken. Aber natürlich kann ich es nicht vermeiden. Dadurch, dass das Produkt, mit dem ich arbeite, also der Mensch, der Charakter überall frei rumläuft, komme ich nicht umhin, das zu scannen. Es ist, als wenn man permanent eine Google-Brille trägt. Aber ich muss sie ja eben nicht immer auf volle Wachsamkeit schalten. Ich kann auch sehr gut auf einer Party mit Freunden sitzen und quatschen. Und wenn ich den Blick schweifen lasse, sehe ich vielleicht einige Dinge, die andere eben nicht so sehen. Aber ich lasse es vorüberziehen. Und wenn ich meine, dass ich einer guten Freundin mal eine Warnung zukommen lassen muss, dann mache ich das. Wenn einem das nicht passen würde, was ich tue, könnte er nicht in dem engeren Kreis bestehen. Und bei mir sind hier alles Leute, die sehr offen sind, was Menschen anbelangt. Und die alle einen Beruf haben, in dem sie Menschen helfen. Juristen, Lehrer, Ärzte, es geht immer um den Menschen. Und wie sieht eigentlich ein von Ihnen selbst erstelltes Profil über Sie selbst aus? Kein Kommentar. Zudem wäre es schwierig, da man auch seine blinden Flecken hat. Das mussten dann meine Kollegen machen, und die tun das auch. Denn wenn es neue Methoden gibt, werden wir gebeten, diese zu prüfen. Und das machen wir basierend auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Am Ende befinden wir uns eigentlich immer in der gegenseitigen Analyse, um unsere Arbeit noch besser zu machen.


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Spitzenmodell: der «Navitimer 8 B01» – Chronograph mit Breitlings Manufaktur­kaliber «B01». Durch­messer 43  mm, Rotor-Selbstaufzug, SchaltradChronograph mit Vertikal­ kupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie 70 Stunden Gangautonomie.

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Montblanc «Bonheur Nuit»-Füllfederhalter mit der Kombination aus glänzendem und mattem schwarzen Edelharz und handgefertigter goldener Feder, die vom Begriff «Bonheur» und seiner Glück bringenden Verbindung inspiriert ist.

Limited Edition «Jose Bautista»: exklusive Uhr, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Luxusuhrenhersteller Hublot und der Baseball-Legende Jose Bautista. Mit seiner Baseball-Nummer «19» bei 12 Uhr, 21 schwarzen Diamanten, Gehäuse aus schwarzer Keramik.

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Die aktuelle Kollektion aus dem Hause Balmain mit vielen US-Elementen: von Fransenhemden bis hin zu Pullovern im Western-Stil und natürlich Cowboy-Stiefel.

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«Kalpa Chronor» in Roségold-Tonneauge­ häuse mit schwarzem Opalin-Zifferblatt. Eine transparente Öffnung am Gehäuseboden gibt die Sicht auf das Kaliber PF365 frei. Mit 65 Stunden Gang­ reserve. Limited Edition.

ARMIN STROM

Pure Eleganz: Das schlichte Design der neuen «Pure Resonance» spiegelt die Reinheit des Kalibers ARF16 perfekt wider. 42 Millimeter grosses Gehäuse aus 18 Karat Roségold, mit charakteristischer Lippe bei 6 Uhr.

VOLVO

Exklusive Trilogie: Die «Design Collection» wurde von Volvo ent­worfen und von dem schwedischen Lederwarenhersteller Sandqvist angefertigt. Brieftasche, Travel Wallet und Passhülle aus Leder sind erhältlich in Schwarz oder Cognac.

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PRESTIGE Austria Volume 13 Auszug  
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