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www.rundschaumedien.ch | CHF 10.–


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PRESTIGE erscheint vierteljährlich Schweiz I Deutschland I Österreich Publisher Francesco J. Ciringione

rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 110, CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80, F +41 (0)61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch

Publishing Director Serhat Tok I s.tok@rundschaumedien.ch Member of the Board Boris Jaeggi I b.jaeggi@rundschaumedien.ch Editor in Chief Anka Refghi I a.refghi@rundschaumedien.ch

Editors Anka Refghi, Helena Ugrenovic, Valeska Jansen, Gisbert L. Brunner, Marianne Eschbach, Dr. Thomas Hauer, Nike Schröder, Wilhelm J. Grusdat, Wilma Fasola, Stephan Gubler, Markus Allemann, Valentino Scattina, Andreas Faust, Dieter Günther, Hermann Köpf, Anouk Delange, Antony Lassanianos, Thomas Imhof

Corrector Andreas Probst Head of Production & Art Director Sandra Rizzi I s.rizzi@rundschaumedien.ch Product Public Relation Laura Giarratana I l.giarratana@rundschaumedien.ch

Online Public Relation Ersin Yornik I e.yornik@rundschaumedien.ch

Sales & Marketing Adrian Borer I  a.borer@rundschaumedien.ch

Cover Picture Ishi / Blaublut-Edition.com

Photographs Zoe Bradley, Fred Herzog, Errkaa, MoMa, Louise Lawler, Getty Images, Gili Lakanfushi, Providence, Belmond, Seabourn, Cartier, Beyer Chronometrie, RM Sotheby’s, Mini, DBA, Porsche, BMW AG, Bristol Cars, Dieter Günther, Hermann Köpf, Kai Weissenfeld, Burberry, GNAK, Oleg Covian, Dan Brunn Architecture, Brandon Shigeta, Roger Frei, Lee Broom, Laufen, Villeroy & B   oche, agape design, Roche Bobois, Zollanvari International, Robert Klemm, Dr. Thomas Hauer, QN-Bar, Victor, Sarah Lavoine, Shutterstock, Bilddatenbanken

Admin , Coordination & Subscriptions Pascale Uccella I  p.uccella@rundschaumedien.ch Price  Issue CHF 10.– / € 9.50 I Year ­CHF 39.– / € 35.– IT Support Dejan Djokic Web Services Dimecom AG I web@rundschaumedien.ch

Internet prestigemagazin.com Representative Offices Deutschland rundschauMEDIEN AG Serhat Tok St. Jakob-Strasse 110 I CH-4132 Muttenz / Basel T +41 (0)61 335 60 93 I F +41 (0)61 335 60 88 s.tok@rundschaumedien.ch Österreich Angela Kindermann Projektagentur Angela Kindermann Porzellangasse 20 I Top 34 I A-1090 Wien M +43 (0)664 922 24 80 angela@kindermannprojektagentur.at

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INHALT 30

TRAVEL

46

54 ZEITREISEN Auf Reisen Anno Domini

60 STECKBRIEF «It-City» Antwerpen

64 IM WANDEL DER ZEIT Die Malediven

68 ZWISCHEN ZWEI SEITEN Bücher für Abenteurer

70 PARISER CHIC Hôtel Providence

76 ANDEAN EXPLORER 5-Sterne-Zug durch Peru

80 AUF HOHER SEE Seabourn-Momente

ART & CULTURE

24 PAPIER-COUTURE Zoe Bradley

30 HOLLYWOOD-LEGENDE Robert Taylor

34 MEISTER DER WIEDERHOLUNGEN Philip Glass

36 DURCH DIE LINSE Fotograf Fred Herzog

39 EDITOR’S CHOICE Ausstellungen im Herbst

24

40 IM GESPRÄCH Errkaa

44 SHORTCUTS Japanese Style

46 ZWISCHEN KUNST & POLITIK Louise Lawler

70 14 | PRESTIGE


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Bis ins kleinste Detail in der Schweiz hergestellt parmigiani.com

Welche, wenn nicht diese?


INHALT

82 VIELFALT AM HANDGELENK Zeitmesser der Stunde

90 DIE JUWELEN-FLÜSTERIN Jeanne Toussaint

93 WUSSTEN SIE SCHON …? Die gravierten Uhren des JKF

94 UHRSACHEN Die neuen Chronographen

98 IM ATELIER Beyer Chronometrie

100 ZWISCHEN DEN ZEILEN Juwelen-Geschichten 102 STEINREICH UND ERLEUCHTET Haute Joaillerie à Paris

90

BOUCHERON

WATCHES & JEWELLERY

76

102 DRIVE STYLE 110 THE CARTOON CAR 1953 Abarth 1100 Sport by Ghia 114 NACHGEBAUT Mini by David Brown Automotive 116 IM TEST Porsche Panamera 4S Diesel 120 DIE WIEDERGEBURT Roadster Bullet von Bristol 124 SHORTCUTS Bücher mit PS 126 CUSTOMIZER MAXWELL HAZAN Mission Zweirad 131 WUSSTEN SIE SCHON … ? Von Daytona bis Brooklands

126 120 16 | PRESTIGE


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CO2 ist das für die Erderwärmung hauptverantwortliche Treibhausgas; Die mittlere CO2-Emission aller (markenübergreifend) angebotenen Fahrzeugtypen in der Schweiz beträgt 134 g/km.

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INHALT FASHION & BEAUTY 132 FASHION-EDITORIAL Kim Riekenberg in Paris 143 SNEAK PEEK Menswear 2018 144 VIP Das Menswear-Label D.GNAK 146 BURBERRY ON TOUR Couture-Capes 154 MISSION SCHÖNHEIT Cynthia Wolfensberger

156

156 WUSSTEN SIE SCHON …? Von Gangarten und Etiketten 157 MAGICSTRIPES Natalie Franz im Interview 158 ARISTOKRATISCHE BEGEGNUNG Gräfin Isabelle d’Ornano

LIVING 164 MEISTER DES MINIMALISMUS Architekt Dan Brunn

162 HAARE FÜRS LEBEN Angela Lehmann

172 GADGETS Technische Spielereien

146

174 SWISSFINELINE Verglasungen de luxe 176 INTERIOR-STAR Lee Broom

164

180 SHORTCUTS Objects of Desire 182 BADEWANNEN 2.0 Baden für Ästheten 186 MÖBELKLASSIKER Mah-Jong-Sofa 188 THE SPIRIT OF PERSIA Teppiche von Zollanvari

176 18 | PRESTIGE


MANERO F LYBACK AU TO MAT I C

|

R OS E G OL D 18 K


INHALT 210

193 CULINARIUM 190 HAUTE CUISINE Das «Matsuhisa» in München 193 SPOT ON Speisen von Berlin bis Zürich 194 SCHWARZES GOLD Der Kaffee von Jah B

FINANCE

197 NEU AUF DEM TELLER Zuchtfisch Cobia 198 BAR-BESUCH QN-Bar in St. Moritz

200 RETURN ON INVEST Private Elite-Schulen 204 HISTORY Family-Offices 208 ALT- UND NEUBEWÄHRTES Die Bank der Zukunft

194

210 ABGEHOBENES VOLK Privatjets auf dem Vormarsch

NEWS ART NEWS CITY BREAK TICK TACK MIT GRANDEZZA PURE ELEGANZ ON TOUR GOLDENE JAHRESZEIT BELLE DE JOUR AB NACH HAUSE! FÜR ALLE SINNE BUSINESS AS USUAL

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KOLUMNEN 52 WILHELM J. GRUSDAT: My Name is … 152 VALENTINO: Donne belle per sempre 215 MARKUS ALLEMANN: Aber ich bin blond …!

10 IMPRESSUM 23 EDITORIAL 216 VORSCHAU

CINDY CHAO

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LESERINNEN LESER

&

ie Welt ist voll von wunderbaren Geschichten, interessanten Menschen und faszinierenden Orten – und sie alle machen es einem nicht leicht, sich für jede Ausgabe neu zu entscheiden. Fest aber steht, dass wir uns auch dieses Mal haben mitreissen lassen. Mitreissen von der Leidenschaft, den Künsten, von der Architektur, raren Zeitmessern, glitzernden Juwelen und fernen Orten.

Unsere ganz grosse Liebe war dieses Mal Paris. Hier haben wir nicht nur unser Fashion-Editorial mit dem Top-Model Kim Riekenberg geshootet, sondern waren auch da, als die kostbarsten Preziosen die Stadt mit ihrem Funkeln erhellten. Im Juli nämlich, als die exklusivsten Haute-Joaillerie-Stücke in der «Stadt der Liebe» präsentiert wurden, während auf den Laufstegen die Kreationen der Haute Couture um weltweite Aufmerksamkeit buhlten. ­Oh, là là! Und weil man Paris auch bei Nacht erleben sollte, haben wir uns gleich im Hôtel Providence einquartiert, das trotz seines jungen Alters auf magische Weise vergangene Zeiten wieder auferstehen lässt. Aber das ist noch nicht alles. Denn wir lieben auch die Pferdestärken und davon gerne mehr. Protagonisten waren dieses Mal der Porsche Panamera, ein seltener «1953 Abarth 1100 by Ghia» und auch der neue «Andean Explorer», der 5-Sterne-Luxuszug, der Reisende mit Fernweh durch Peru führt. Und weil es bei allem doch die Menschen sind, die im Mittelpunkt stehen, haben wir einige von ihnen zum Gespräch gebeten. So, wie den begnadeten Architekten Dan Brunn aus Los Angeles, der kürzlich wieder weltweit auf sich aufmerksam gemacht hat, als er ein Haus der Architektur-Ikone Frank Gehry redesignte, oder auch den jungen Briten Lee Broom, der nicht nur unverschämt gut aussieht, sondern als wahrer Star unter den Interior-Designern gefeiert wird. Unvergleichlich auch der Customizer Maxwell Hazan, den wir in seiner Werkstatt in den USA besucht haben und der die wohl coolsten Zweiräder kreiert. Und last but not least ist mit Isabelle D’Ornano auch eine echte Gräfin unter unseren Gästen.

Ring: Entworfen und handgefertigt in den Ateliers von Meister 1881 in Zürich

In diesem Sinne gilt auch für die Ausgabe zur goldenen Jahreszeit weiterhin unser Credo: mit Stil und Klasse.

Francesco J. Ciringione Verleger

Anka Refghi Chefredaktorin

Bahnhofstrasse 33, T +41 (0)44 221 27 27 www.meister-zurich.ch


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ART &

CULTURE

PAPIER

COUTURE Was die Britin Zoe Bradley in Handarbeit aus Papier kreiert, sorgt rund um den Globus für Begeisterung. Kaum verwunderlich also, dass es kaum ein Luxusunternehmen gibt, das sich nicht in ihrem Kundenportfolio befindet. Eine Geschichte, die einst bei Alexander McQueen begann. Anka Refghi I

Zoe Bradley

Entwürfe für die Modedesignerin Michiko Koshino

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«Du brauchst eine Empfindlichkeit für das Papier, eine Geduld, sonst sind die Kreationen ruiniert und du musst nochmal anfangen!» – Zoe Bradley –

Meisterlich in Szene gesetzt: Juwelen von Chopard

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ART & CULTURE

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Zoe Bradley mit einer kunstvollen Arbeit für Sotheby’s

ramatische Silhouetten sind das Markenzeichen von Zoe Bradley. Ihre theatralischen Arbeiten entstehen für Werbekampagnen, Editorials, Fashionshows, Galerien oder für die Schaufenster ihrer illustren Klientel. Ihre kunstvollen Kreationen zwischen Skulptur, Mode und Theatralik entstehen in tausenden von Stunden aufwendigster Handarbeit, in denen Zoe Bradley die Kunst des traditionellen Schneiderhandwerks mit luxuriösen Papieren kombiniert. PRESTIGE: Zoe, wann haben Sie Ihre Liebe zum Papier entdeckt? ZOE BRADLEY: Das erste Stück, das ich aus Papier erschaffen habe, war ein plissiertes Kleid im Jahr 2005 für eine Show der Modedesignerin Michiko Koshino. Nach dieser Erfahrung wusste ich einfach, dass Papier in Bezug auf Textur, Form und Silhouette genau das war, wonach ich in meiner Arbeit gesucht hatte.

Gibt es etwas, das Papier einen lehren kann? Papier ist ein zartes Material, dem man mit Sensibilität und Geduld begegnen muss. Aber es ist auch wunderbar, denn die Fülle, die dieses Material bietet, bedeutet, unendlich viele Ideen realisieren zu können. Nach Ihrem Studium haben Sie für Alexander McQueen gearbeitet … Ja, nach meiner Ausbildung zur Modedesignerin in London habe ich bei Alexander McQueen gearbeitet und für die «S/S 1999 ready-to-wear-Catwalk-Show» einige zentrale Stücke selbst entworfen. Darunter auch das gestanzte, hölzerne Korsett und Röcke sowie die von Aimee Mullins getragenen Prothesenbeine. Das Arbeiten mit nicht-konventionellen Materialien bei McQueen hat mir den Weg für

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5000 Schmetterlinge für das exklusive Warenhaus «Harrods» in London

Papier als Material für Kleidungsstücke geebnet. Die Erfahrungen, die ich bei ihm machen konnte, waren ein ganz grundlegender Teil meiner Ausbildung. Es war auch eine unglaubliche Gelegenheit, im Studio eines so visionären Designers zu arbeiten. Eine inspirierende Zeit, in der ich sehr vielen interessanten Menschen begegnet bin, und auch eine Zeit, in der ich mich selbst dazu ermutigt habe, neue Wege in Bezug auf Design und Herstellung zu gehen. Wie würden Sie selbst heute Ihren Fingerabdruck beschreiben? Die Marke Zoe Bradley steht für überdimensionale Silhouetten und höchste Handwerkskunst. Der Stil ist modern, sauber, zeitlos und modeorientiert. Ihre Kreationen liegen zwischen Kunst, Mode, Skulpturen und haben auch etwas sehr Theatralisches an sich … Das ist richtig. Ich geniesse es, Elemente aus der Mode, der Kunst und dem Theater zu entlehnen und sie in eine Vision zu verwandeln. Letztlich geht es darum, meine Fantasie real werden zu lassen. Meine Motivation liegt darin, das Theatralische in meinen Arbeiten hervorzuheben, um den Betrachter zu inspirieren und zu begeistern. Sie haben diesen Frühsommer eine erstaunliche Installation für das Londoner Kaufhaus Harrods realisiert … Das war ein ganz besonderer Auftrag und dazu gedacht, die Sommersaison bei Harrods einzuläuten und den Beginn ihrer Schmetterlings-Kampagne zu markieren. Die Realisierung vom Design bis hin zur Produktion von 5000 Schmetterlingen dauerte mehrere Monate. Die grösste Herausforderung aber war, mit ganz feinem Kunststoff statt mit Papier zu arbeiten, das war neu für mich. Ich wollte die Silhouette eines Kronleuchters, um das Design des Raumes widerzuspiegeln, aber auch um einen modernen Touch in den Raum zu bringen!

Ihre Kreationen sind komplizierte Papierarbeiten, die Sie von Hand formen. Spielt Technologie überhaupt eine Rolle in Ihrer Arbeit? Nun, als ich anfing, habe ich noch alles von Hand geschnitten, aber aufgrund des Zeitmanagements haben wir uns die Technik zu Hilfe genommen. Für das Ausschneiden verwenden wir heute Laser und Stanzen. Das bedeutet, dass wir den Schneidevorgang beschleunigen können und so mehr Zeit für die Handarbeit und die Formgebung investieren können. Ihre illustre Klientel findet sich auf der ganzen Welt. Ich stelle mir den Transport dieser delikat gefalteten Objekte durchaus anspruchsvoll vor … Wir operieren natürlich global für unsere Projekte. Jeder Job muss im Detail samt einer speziell entworfenen Verpackung geplant werden. Und natürlich ist es ganz wichtig, sehr eng mit unseren Versandagenten zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass der Prozess so reibungslos wie möglich über die Bühne geht. An was arbeiten Sie gerade? Wir wollen unser Feld ein wenig erweitern und suchen gerade Unternehmen, die mit uns für die Herstellung von Papierprodukten für den privaten Gebrauch zusammenspannen möchten – sei es für luxuriöses Briefpapier, Tapeten, Beleuchtung oder Stoffe. Gibt es etwas, das Sie noch nicht gemacht haben und das Sie wirklich gerne machen würden? Ich würde gerne die Umgebung eines Hotels entwerfen, in der man auf Entdeckungstour durch die gesamte Zoe-Bradley-Welt gehen kann. Und ich würde auch gerne eine Retrospektive meiner Arbeiten der letzten zehn Jahre realisieren!

Short Answers Was würden Sie mit sechs Monaten freier Zeit machen? Auf einer einsamen Insel oder im Regenwald leben und in dieser natürlichen Umgebung kreativ arbeiten. Beschreiben Sie sich in drei Worten: leidenschaftlich, instinktiv, theatralisch. Lieblingsbeschäftigung an einem freien Tag: mit meinem Windhund der Küste entlang laufen. Inspirationsquell: Silhouetten, natürliche Texturen, Klang, Theater, Kunst.

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ART & CULTURE

MANN PROFIL

DER MIT DEM PERFEKTEN Robert Taylor ist die Mischung eines Botticelli-Engels und einer Prise Diabolik. Kerbe im Kinn, sinnlicher Kuss-Mund, betörend blaugraue Augen in einem attraktiven, aristokratischen Gesicht und, wenn er den verwegenen Schnauzer trägt, eine Kombination zwischen Salvador Dalì und Don Juan de Marco. Neben Tyrone Power gilt er nicht nur als der schönste Schauspieler, sondern ist der populärste Hauptdarsteller seiner Zeit.

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Helena Ugrenovic

obert Taylor ist das, was man das tadellose Kind, den vorbildlichen Musterschüler, makellosen Abschlussball-­ König, idealen Freund und Schwiegersohn nennt. Gesegnet mit einer wohlklingenden Stimme und einer Redekunst, die ihm während seiner Studienjahre etliche Preise bei Wettbewerben einbringt. Und alles das verpackt in einem athletischen Körper. Er ist der «good guy», der Frauenschwarm schlechthin und bodenständige MGM-Verbundene, der seinem Arbeitgeber 24 Jahre die Treue hält und trotz seines gebildeten Elternhauses Studioboss Louis B. Mayer naiv und blind vertraut, während ihn dieser über zwei Dekaden manipuliert und sein Gehalt im Vergleich zu anderen Schauspielern auf dem tiefsten Lohnlevel hält.

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Sissy Spangler Arlington Brugh wird am 5. August 1911 im winzigen Dörfchen mit einer Handvoll Ein­ wohner Filley in Nebraska, USA, geboren. Der kleine Arlington ist ein süsses, hübsches Kind, das in einem behüteten Zuhause aufwächst. Sein Vater Spangler Andrew Brugh ist ein angesehener Landarzt, seine Mutter Ruth Adela Stanhope Brugh eine kränkliche Frau, die ihren Sohn gerne in mädchenhafte Kleidung mit ausladenden Kragen und Rüschen steckt. Eine Vorliebe der Mütter jener Zeit, die ihren Kindern im Schulalter jedoch Spott, Häme und Arly den Spitznamen «Sissy» einbringt. «Das war der Auslöser, dass ich zu einem schnellen Läufer wurde», kommentiert Robert Taylor Jahre später.


ART & CULTURE

«Noch nie zuvor fühlte ich so ein komplettes Glück wie seit dem Tag, als ich Ursula geheiratet habe. Sie ist eine wirklich attraktive Frau und so selbstsicher. Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen oder zu verärgern. Sie ist so ausgeglichen, ob mit Freunden oder allein.» – Robert Taylor –

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ART & CULTURE

Kurswechsel Als dreijähriger Knirps begleitet er seinen Vater auf dessen Krankenbesuchen durch das gottver­ lassene Nebraska – «In unserem Haus roch es nach Schokolade, warmem Maisbrot und Form­ aldehyd» – und soll später in die Fussstapfen seines Vaters treten. Doch irgendwie scheint ihm das massgeschneiderte und adrette Leben eher zu schaden und seine Entwicklung negativ zu beeinflussen. Als Arly eines Tages plötzlich zu stottern beginnt, bringen ihn die Eltern auf den Bauernhof von Freunden, wo er sich wie ein normaler Junge kleiden, mit Kindern seines Alters spielen und herumtollen kann. Das Stottern verschwindet. Arly ist ein brillanter Tennisspieler und Sportler, und eigentlich soll er Medizin studieren, doch der sensible und künstlerisch veranlagte Teenager fühlt sich viel stärker zur Musik hingezogen. Ruth fördert das musikalische Talent ihres Sohnes, animiert ihn dazu, Violoncello zu spielen, und unter-

DIE FRAU SEINES LEBENS Mit seiner ersten Frau Barbara Stanwyck ist Robert Taylor zwölf Jahre verhei­ ratet, doch erst seine zweite Ehefrau, das wunder­s chöne deutsche Model Ursula Thiess, wird die Liebe seines Lebens. Als Robert Taylor während eines Filmdrehs in England ein Foto von Ursula in der Zeitung sieht, ist er ihr komplett verfallen und kontaktiert ihren Agenten Harry Friedman. Am 24. Mai 1954 vermählen sich Robert und Ursula und bleiben ein Paar, bis sein Tod sie scheidet.

Robert Taylor und Barbara Stanwyck in «This is My Affair», 1937

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stützt ihn darin, Musik zu studieren. Er schreibt sich am Doane College in Crete, Nebraska, ein, doch als sein Lieblingslehrer Herbert Grey einige Zeit später an das Pomona College in Kalifornien wechselt, verlässt er die Einöde Nebraskas und folgt seinem Lehrer in das circa 50 Kilometer von Los Angeles entfernte Städtchen Claremont. Es ist eine Entscheidung, die sein Leben komplett umkrempeln wird.

Die neue Reise Arly, dem die Schauspielerei genauso liegt wie alles, was er in seinem bisherigen Leben angepackt hat, ist Mitglied der örtlichen Theatergruppe und spielt in zahlreichen Aufführungen meistens die Hauptrolle eines jungen Helden. In seinem Abschlussjahr steht er in der Hauptrolle des Stücks «Journey’s End» auf der Bühne. Doch «Das Ende einer Reise» wird für den Studenten, der sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und vor der richtigen Person befindet, eine neue Reise in eine andere


ART & CULTURE

Welt. Ein Talentsucher der MGM-Filmstudios, der im Publikum sitzt, ist fasziniert von dem begabten, schönen Mann und bringt ihn in der studioeigenen Schauspielschule unter. 1934, als Arly 23 Jahre alt ist, nimmt ihn MGM mit einem Wochengehalt von 35 US-Dollar unter Vertrag, und es entsteht eine besondere Zusammen­ gehörigkeit zwischen dem jungen Mann, der immer noch am Tod seines Vaters ein Jahr zuvor knabbert und dem er auf dem Sterbebett versprach: «Alles, was ich tue, will ich gut machen – für dich und Mutter.» Er ist jetzt nicht mehr Arly, sondern Robert Taylor und der Filmstar, der am längsten bei einem einzelnen Studio bleiben wird. Seine erste grosse Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert ist, spielt er 1935 in «Society Doctor» und im selben Jahr an der Seite von Irene Dunne in «Magnificent Obsession». Es ist sowohl für ihn als auch für Rock Hudson, der später den Hauptdarsteller im Remake des Films verkörpert, ein wichtiger Meilenstein, das erste Dominosteinchen, das den Startschuss für eine fulminante Karriere auslöst.

Tanz auf dem Regenbogen Trotz seiner Seriosität und überzeugenden Darstellung dramatischer Rollen und Parts versuchen ihn Kritiker, aufgrund seines Äusseren in seiner schauspielerischen Leistung herabzuwürdigen und sein wahres Können nur auf

sein gutes Aussehen zu dezimieren. Taylor muss zahlreiche bittere Kritiken einstecken, und MGM beschliesst, ihn in tiefgründigere Rollen schlüpfen zu lassen. In nur einem Jahr dreht er sieben Filme und spielt sich an der Seite von Loretta Young, Janet Gaynor, Barbara Stanwyck, Joan Crawford und insbesondere Greta Garbo zwischen 1935 und 1936 in Filmen wie «Frauenehre», «Kleinstadtmädel», «Zwischen Hass und Liebe», «The Gorgeous Hussy» und «Die Kameliendame» in die Herzen der Zuschauer und in die Schauspieler-Elite. Er ist der berühmteste Schauspieler seiner Zeit, der wie ein Komet eingeschlagen hat, und sein rasanter Ruhm zum Topstar dermassen spektakulär, dass die Londoner Zeitung «The Observer» im Jahresrückblick schreibt: «1936 wird als das Jahr des Spanischen Bürgerkriegs, der Abdankung des englischen Königs und von Robert Taylor in Erinnerung bleiben.» Speziell in den ersten fünf Jahren seiner Karriere bieten sich Robert Taylor, dem führenden männlichen Darsteller Hollywoods, zahlreiche Möglichkeiten, ein breites Spektrum romantischer Charaktere zu erforschen. Sei es als junger Offizier, Arzt, als mit Komplexen behafteter Lee Sheridan in «A Yank at Oxford» (1938), als Boxer Tommy McCoy in «The Crowd Roars» (1938) oder als zynischer Südstaaten-Gentleman Blake Cantrell in «Stand Up and Fight» (1939). In den 1940ern verändert sich das Bild des ewig romantischen Liebeshelden, und er spielt kantigere und düstere Charaktere wie die Hauptrolle in «Billy the Kid» (1941) oder einen smarten Gangster in «Jonny Eager».

Sand im Getriebe Nach seinem Einsatz als Leutnant der US Navy während des Zweiten Weltkrieges scheint ein ­A nknüpfen an seinen bisherigen Ruhm erfolglos, und erst mit Rollen in monumentalen Megaproduktionen wie «Quo Vadis», «Ivanhoe», «Die Ritter der Tafelrunde» oder «The Adventure of Quentin Durward» spielt er sich wieder an die Spitze des Erfolgs. Doch der Zahn der Zeit und sein übermässiger Zigarettenkonsum nagen am Aussehen und der Gesundheit des ehemaligen Frauenschwarms. Als Robert Taylor 1969 an Lungenkrebs stirbt, hält sein Freund Ronald Reagan die Trauerrede: «Er war mehr als nur ein hübscher Junge … Er war ein Mann, der seinen Beruf respektierte, und er war ein Meister darin …»

Robert Taylor und Irene Dunne im Film «Magnificent Obsession», 1935

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ART & CULTURE

MEISTER DER WIEDERHOLUNGEN

PHILIP GLASS

Als Erfinder der Minimal Music will der US-amerikanische Komponist Philip Glass nicht verstanden werden. «Music with repetitive structures» ist ihm als Antwort auf die Frage nach seinem Kompo­ sitionsstil da schon lieber. Und noch nie waren Wiederholungen so spannend. Seine rhythmischen Patterns, die sich mit nur wenigen harmonischen Veränderungen wiederholen, sind nicht nur medi­ tativ, sondern unverkennbar und charakteristisch für Glass. Am 31. Januar 1937 in Baltimore, Maryland, geboren, wurde dem Sohn eines litauischen Einwanderers und Schallplattenhändlers die Liebe zur Musik bereits in die Wiege gelegt. Als Kind spielte er Flöte und Klavier, entschied sich jedoch zuerst für ein Mathematik- und Philosophie-Studium, bevor er von 1959 bis 1963 an der New Yorker «Juilliard School of Music» Klavier und Komposition studierte. Dank eines Stipendiums ging Philip Glass 1963 nach Paris in die Komponistenschmiede der legendären Nadia Boulanger. Eine prägende Zeit, in der er dem indischen Sitar-Spieler Ravi Shankar begegnete und erstmals mit dem asiatischen Verständnis von Zeit und Rhythmus in Kontakt kam. Eine Begegnung, die zeitlebens einen grossen Einfluss auf seine Kompositionen, mit ihrem für ihn so typischen hypnotisch-repetitiven Stil, haben sollte. Der festen Überzeugung, zeitlebens ein Under­ ground-Komponist zu bleiben, der einzig für eine eingefleischte Fangemeinde komponierte, arbeitete

2 ZITATE 34 | PRESTIGE

Glass viele Jahre nebenher als Taxifahrer. Selbst als er 1976 mit der Oper «Einstein on the Beach» weltberühmt wurde, fuhr er weiter Taxi und ver­ längerte seinen Schein, bis er 43 Jahre alt war. Der Durchbruch, weit über die Grenzen der Klassikgemeinde hinaus, gelang ihm aber erst mit seiner Musik zu Godfrey Reggios Film «Koyaanisqatsi» aus dem Jahr 1983, der heute als einer der wichtigsten Filme des 20. Jahrhunderts gilt. Neben Opern, Sinfonien, Klavier-, Saxophon- und Violinkonzerten komponierte er ebenso die Filmmusik zu «Kundun» von Martin Scorsese und ­«The Hours», für die er für den Oscar nominiert war, und für «The Truman Show», wofür ihm der Golden Globe verliehen wurde. Philip Glass lebt und arbeitet heute in New York und gehört zu den einflussreichsten Komponisten unserer Gegenwart.

«Ich war zwar als Taxifahrer gemeldet, aber wenn ich für drei Wochen auf Tournee gehen wollte, hat das die Taxizentrale nicht gekümmert.» – Philip Glass –

«Tabus – also Dinge, die eigentlich verboten sein sollten – sind oft am interessantesten. In meinem Fall sind das musikalische Materialien, die im Alltäglichen zu finden sind.» – Philip Glass –


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NEBENSÄCHLICHE Es ist nicht die perfekt-fiktive Glitzerwelt, schöne Frauen vor atemberaubenden Kulissen und mit Klunkern um den Hals. Was er mit seiner Linse einfängt, erscheint auf den ersten Blick unspektakulär, doch spätestens beim zweiten saugt sich das Auge an der Fotografie fest, die auf so subtil unscheinbare und doch beeindruckende Art das Leben zeigt, wie es ist. Fred Herzog. Pionier der Farbfotografie und der Geschichtenerzähler. Helena Ugrenovic I

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Fred Herzog


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red Herzog wird am 21. September 1930 als Ulrich Herzog in Stuttgart geboren. Er ist Kriegswaise, gelernter Verkäufer im Eisenwarenhandel und begeistert sich schon als Jugendlicher für die Fotografie. Als er als junger Seemann im Hafen von Vancouver, Kanada, landet, bleibt er dort hängen. Die Stadt gefällt ihm, und so wird er zum spontanen Auswanderer, der seine neue Heimat mit den neugierigen Augen eines Fremden betrachtet und damit beginnt, Vancouver auf Fotografien festzuhalten. Doch Sehenswürdigkeiten und sonstige Klassiker, mit denen Touristen sich zu Hause brüsten, interessieren ihn nicht. Was er sieht und mit der Kamera festhält, ist eine Welt in und mit all ihren bunt grellen, düster bedrückenden, traurig deprimierenden oder fröhlich ausgelassenen Facetten.

Black Man Pender I 1958

ART & CULTURE

Fühlen, statt nur zu sehen Es ist untypisch für die 1950er, als in erster Linie die Schwarz-Weiss-Fotografie einem Kunststatus entspricht, Farbfotografie als kommerziell gilt und eher in der Werbung eingesetzt wird. Und so, wie er diese vorherrschende Meinung durchbricht, fokussiert er die Kamera auf andere Motive als seine Berufskollegen. Fred Herzog zeigt eine Welt, wie sie ist, ungeschönt, jedoch authentisch, und verführt den Betrachter seiner Fotografien und der Darstellung des Besonderen, über das «behind the scene» und die Geschichten nachzudenken, die sich in seinen Motiven abspielen. Triste Häuserfassaden, an denen knallig orange Werbeplakate der damaligen Popkultur in krassem Gegensatz zum abgewetzten und verrussten Putz stehen, Menschen in emotionalen Momenten

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Boat Scrapers 1 I 1964

oder scheinbarer Gleichgültigkeit, irgendwie alltäglich und doch fast schon mysteriös anziehend, hervorgekitzelt durch Herzogs untrügliches Gespür für Alltagssituationen, Menschen, Plätze und Strukturen.

«Modern Color» Über 50 Jahre lang porträtiert Fred Herzog Vancouver. In seinem opulenten Bildband «Modern Color» zeigt er mit einer Zeitreise den Wandel und die Entwicklung einer Stadt zwischen 1953 und 2006 und wo speziell die 50er und 60er Jahre mit ihren intensiven Farben und dem äusseren Erscheinungsbild der Menschen fühlbar sind.

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Die Farben des Lebens Es sind Momente, Körperhaltungen, Gebäude, Gegenstände, Farben und Situationen, die so unfertig fertig und faszinierend sind. Die Unterkörper zweier Frauen, wo Beine in schreiend orangefarbenen Strümpfen und himmelblauen Socken stecken und der tannengrüne Rock wie ein Samtvorhang fällt und sich Fragen formieren, wie sie wohl aussieht, die junge Frau mit der abenteuerlichen Klamottenkombination, ob sich die beiden Frauen kennen, die mit den schrillen Strümpfen und die andere mit dem schweren, orangenen Rock und den schwarzen Schuhen mit leicht eingeknicktem Absatz? Oder die erstaunt konzentrierten Gesichter der Casino-­ Besucher, die in eine Richtung starren, während hinter ihnen ein Vater sein kleines Kind huckepack trägt und erst bei längerem Hinsehen irgendwie sichtbar wird. Aufgestapelte Getränkekisten, flattrige Bilder an der Wand eines Barbiers, dicker, schwarzer Rauch, der aus einem Schornstein qualmt. Fred Herzog wertet nicht. Er dokumentiert in seinen Stadtporträts mit Liebe zum Detail den menschlichen, oft übersehenen und unscheinbaren Alltag, der auf überraschende Weise fesselt.


EDITOR S

CHOICE

ART & CULTURE

Das Auge von Bamako Im Jahr 1995 präsentierte die «Fondation Cartier pour l’art contemporain» die erste Einzelausstellung des malischen Fotografen Malick Sidibé ausserhalb des afrikanischen Kontinents. Ein Jahr nach dem Tod des Künstlers am 14. April 2016 widmet die Fondation Cartier ihm nun mit «Mali Twist» eine grosse Retrospektive, die von einem Katalog begleitet wird. Zusammen mit ikonischen Arbeiten präsentiert die Ausstellung zum ersten Mal eine umfangreiche Sammlung von Vintage-Fotografien und Porträts einer zeitlosen Schönheit aus dem Archiv des Künstlers. Diese aussergewöhnliche Sammlung von Schwarz-Weiss-Fotografien sorgt für ein gründliches Eintauchen in das Leben des Mannes, der «das Auge von Bamako» genannt wurde. Die Fotografien zeigen seine Gabe, die Vitalität der Jugend von Bamako Anfang der 1960er Jahre zu erfassen und in seinem so einzigartigen Stil zu vermitteln, für den er heute weltweit bekannt ist. Fondation Cartier, Paris 20. Oktober 2017 bis Februar 2018

Die Meister des Designs Charles und Ray Eames zählen zu den einflussreichsten Designern des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Möbeln, Filmen, Büchern, Ausstellungen und Medieninstallationen prägten sie unsere Alltagskultur und beeinflussen Generationen von Gestaltern bis heute. Zum 110. Geburtstag von Charles Eames präsentiert das Museum unter dem Titel «An Eames Celebration» eine ganze Reihe von Ausstellungen und Veran­s taltungen, die das Werk des legendären Designerpaares so umfassend wie nie zuvor präsentieren. Die Ausstellung «Die Welt von Charles & Ray Eames» im Hauptgebäude des Vitra Design Museums bildet das Zentrum dieser Eames-Saison. Konzipiert als grosse Retrospektive, zeigt sie die vielen Facetten des Werkes von Charles & Ray Eames und umfasst Leihgaben aus Sammlungen weltweit. Vitra Design Museum, Weil am Rhein, 30. September 2017 bis 25. Februar 2018

Im Duett Im Zentrum der Ausstellung «Duett mit Künstler_in» im 21er Haus stehen das Publikum und seine Rolle beim Entstehen eines Kunstwerks. Historische und aktuelle Positionen zeigen, wie Künstlerinnen und Künstler Menschen aktivieren und zur Handlung ­auffordern. Kunst als wesentlichen Teil des Lebens zu denken, an dem «alle» teilhaben können, ist nicht nur grundlegend für das Kunstverständnis des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern gehört zu den fundamental demokratischen Werten unserer Gesellschaft. «Duett mit Künstler_in» etabliert das Museum als zentralen Ort der Partizipation und zeigt über 20 internationale künstlerische Positionen, die Interaktion, Kooperation und bisweilen auch Kollaboration einfordern. 21er Haus, Wien 27. September 2017 bis 4. Februar 2018

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ART & CULTURE

BOXER Fotografie (Detailansicht) E. H. 2014, zweiteilig Chinesische Tusche auf Papier 200 x 265 cm

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ART & CULTURE KNOCHEN Chinesische Tusche auf Papier 150 x 420 cm

REIZ TEMPORÄREN VOM

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Wenn Gebäude plötzlich zum Kunstwerk werden, dann könnte der Hamburger Künstler Errkaa dahinterstecken. Seine Spezialität? Sogenannte «Existenzialistische Haengungen». Und wer viel Glück hat, kann live miterleben, wenn Errkaa für nur zwei Stunden im öffentlichen Raum wirkt – denn angekündigt werden seine Aktionen nicht.

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Anka Refghi I

b Installationen, Filme oder seine grossformatigen Papierarbeiten mit Zeichnungen aus Chinesischer Tusche – seine Arbeiten überraschen, begeistern und regen zur Fantasie an. Errkaa, Absolvent der «Hochschule für bildende Künste Hamburg» und Galerist der BUNKERHILLGalerie, in einem Gespräch über das Flüchtige, den Lärm um nichts und Frank Stella. PRESTIGE: Errkaa, du bezeichnest deine Werke und ihre unangekündigte Präsentation im öffentlichen Raum als «Existenzialistische Haengungen». Was darf man darunter verstehen, und wie genau sieht eine solche Aktion aus? ERRKAA: Seit 2014 mache ich «Existenzialistische Haengungen» im öffentlichen Raum. Das Objekt dabei sind Shaped Canvasses von einer Grösse bis zu 12 x 5 Metern, zumeist in Schwarz-Weiss und mit getuschten Aktfragmenten, die von meinem Team und mir für rund zwei Stunden an beinahe unsichtbaren Nylonschnüren in Architekturen

Errkaa

gehängt werden. Diese temporären Installationen werden jeweils in genau zwei Foto- und zwei Videodateien festgehalten und veröffentlicht, wobei Letztere gewöhnlich nicht länger als zwei bis drei Minuten dauern. Jede Aktion verlangt eine etwas unterschiedliche Logistik und erfordert ein Team von zwei bis vier Personen. Durch die nur kurzen Aktionen haben deine Kunstwerke etwas Flüchtiges. Welche Rolle spielt das Immaterielle in deinem Schaffen, und was macht für dich den Reiz des Temporären aus? Mir gefällt die Idee des «Much Ado About Nothing» (viel Lärm um nichts), des «viel Gehabe um wenig», frei nach Shakespeare. Es scheint den meisten Menschen nicht gegeben, und ich will mich durchaus mit einschliessen, mit der Vorstellung sich anzufreunden, eher wenig bedeutend und nichtig zu sein. Nun arbeite ich in der Regel mit sehr grossformatigen, wenn auch leichten Werken, die deswegen vorgeben, eine gewisse Wirkmächtigkeit zu beanspruchen. Gerade bei den rund zweiminütigen Video­ dokumentationen der temporären Installationen verflüchtigt sich diese Bedeutsamkeit: Weder manipuliere oder verfremde ich (bewusst) den Ort noch das Bild- und

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ART & CULTURE

TROMBE Fotografie E. H. 2015 Chinesische Tusche und Dispersionsfarbe auf Papier 12 x 5 m

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ART & CULTURE

Tonmaterial. Wind, Umweltgeräusche, Verkehr sind die eigentlichen Protagonisten dieser Videodokumentationen. Der Sinn einer Haengung liegt in ihrer Ausschnitthaftigkeit aus einem Stück haltloser, flüchtiger Existenz. Welche Bedeutung hat Architektur für dich? Der mich umgebende Raum ausserhalb meiner privaten Bleibe ist weitgehend öffentlich wahrnehmbar, vielfach begehbar und besteht für mich als Grossstädter zuerst einmal aus Architektur. In Bauten, in Architektur spricht mich das Gestaltet-Sein, der spürbare menschliche Impetus, im Grossen geordnet zu wirken, an. Er ist der Lebensraum des Zoon politikon. Hier spielt sich weitgehend seine Existenz ab. Die grosse architektonische Form und die Conditio humana kommen im öffentlichen Raum zusammen. Ich suche nach formalen Aspekten eine Shaped Canvas aus, die beispielsweise mit einer Bahnbrücke, einem Parkhaus oder auch einem Hochbunker in Beziehung tritt. Du unterscheidest zwischen Existenzialistischen Haengungen und temporären Installationen im öffentlichen Raum – worin liegt für dich der Unterschied? Die erste Haengung einer Shaped Canvas nenne ich Existenzialistische Haengung, alle weiteren bezeichne ich als temporäre Installation oder nur Haengung. Deine Arbeiten haben keine klar erkennbare Form, betrachtet man allerdings die Tuschezeichnungen auf dem Papier, sind Menschen bzw. Aktfragmente zu erkennen. Wie entsteht ein solches Werk von dir? Fast jede Arbeit wächst von innen durch Aneinanderlegen von vielen Aktzeichnungen, aus denen in ein bis zwei Nachtsitzungen die Gestalt, das Format und die Grösse hervorgehen. Es folgt ein intensives Bearbeiten, ein Auseinanderschneiden, Zusammenfügen und Übermalen bis zu einem Punkt x. Nach einer gewissen Zeit der Nichtbeachtung nehme ich mir das Werk erneut vor.

Welche Rolle spielt der Betrachtende? Jeder erkennt in Bildern etwas wieder, auch wenn gar nichts Rechtes da ist. Gerade auf das Sujet Mensch reagiert die «Sinngebungsmaschine» Mensch besonders emsig mit Geschichtenerfinden. Das ist mein Lockmittel. Tatsächlich erzähle ich keine Geschichten, biete höchstens Anreize, auch mit den Titeln. Zweifler und Hartnäckige werden formal auf sich selbst zurückgeworfen, wenn sie sich dessen gewahr werden. Du arbeitest mit grossformatigen Papierbögen, die du «Shaped Canvasses» nennst … das erinnert an den Künstler Frank Stella … Nicht die Begrenzung der «Canvas» ergibt den Rahmen für eine Komposition, sondern das Bildgefüge bestimmt die Gestalt des Werkes, das also kein Rechteck, sondern unregelmässig geformt ist. Dieser Idee war auch Frank Stella verpflichtet, einer der ersten Künstler, die mit Shaped Canvasses arbeiteten. Früher hast du in Galerien ausgestellt. Findet man dich auch heute noch in diesem Rahmen? Auch heute stelle ich gelegentlich die grossformatigen Arbeiten in Galerien aus. Da sie stimmig aus sich selbst heraus sein müssen, erfüllen sie den Anspruch, eigenständige Werke zu sein, und können so in einem White Cube gezeigt werden. Für die Präsentation von Fotografien, Videos, Film und Objekten stellen Galerien sicher ebenfalls geeignete Räume dar. Das Temporäre, Flüchtige, sowie das Dokumentarische sind immer an eine einmalige Haengung in Architektur gebunden, das, was den Menschen auf der «Strasse» begegnet. Die Konfrontation im öffentlichen Raum finde ich auch deswegen spannend, weil sie einen Kunstkontext nicht durch einen musealen Rahmen von vorneherein vorgibt. Nimmst du auch Auftragsarbeiten an, und welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich einen echten Errkaa kaufen oder Errkaa buchen möchte? Auf meiner Website www.errkaa.de finden sich alle meine Kontakte. Ganz unkompliziert kann man mich so kontaktieren. Viele Arbeiten sind verkäuflich, darüber hinaus biete ich Interessierten an, an einem von ihnen ausgesuchten, vornehmlich privaten Ort – von Scheune bis Château – mit meinem Team vorbeizukommen und eine temporäre Installation mit einer meiner Arbeiten ihrer Wahl zu realisieren. Neben dem eigentlichen Ereignis gibt es dazu zwei Videound zwei Fotodateien. Worauf dürfen sich Errkaa-Fans in der nächsten Zeit freuen? Im September werde ich mit einem kleinen Team nach Polen fahren, um in Industriebrachen vor allem in der Gegend um Kattowitz verschiedene temporäre Installationen zu realisieren. Eine Dokumentarfilmerin wird uns dabei begleiten.

TRICHTER Fotografie E. H. 2014 Chinesische Tusche auf Papier 340 x 460 cm

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STYLE

JAPANESE

ART & CULTURE

1 I Der japanische Prinz der Pop-Art Ob im «Museum of Modern Art» in New York oder im «Centre Pompidou» in Paris, kaum ein renommiertes Kunsthaus, das Keiichi Tanaami nicht mit einer Ausstellung geehrt hat. 1936 in der Präfektur Tokio geboren, gehört Keiichi Tanaami zu den bedeutendsten Künstlern des Nachkriegs-Japan. In seinen frühen Bildern finden sich in den grellen Motiven die Schrecken des Krieges, während seine Werke der 1960er von den psychedelischen Einflüssen dieser Zeit inspiriert sind. Mit seinen Collagen, Gemälden, Skulpturen und Animationsfilmen zwischen Pop-Art und Street-Art wurde er schnell zum japanischen Pendant von Andy Warhol, den er 1967 in New York persönlich traf und später auf eine Reise durch Japan begleitete. 1975 wurde Tanaami der erste Art Director der japanischen Ausgabe des «Playboy»-Magazins «Monthly Playboy».

2 I Marketing-Superstar

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Er gilt als einer der innovativsten Künstler unserer Zeit, und nicht selten wird er dabei mit Andy Warhol, Damien Hirst oder Jeff Koons verglichen. Takashi Murakami, geboren am 1. Februar 1962 in Tokio und Tausendsassa unter den Künstlern. Seine Handschrift? Bunt, knallig und zwischen klassischer japanischer Kunst und der Popkultur seines Landes angesiedelt. So farbenfroh und fröhlich seine Werke auf den ersten Blick scheinen, zwischen den Zeilen betreiben sie gesellschaftliche Kritik. Takashi Murakami lebt in Tokio, wo er seine Agentur «KaiKai Kiki Co» mit 120 Mitarbeitern und einem Ableger in New York führt und sein künstlerisches Schaffen weltweit erfolgreich vermarktet. Murakami ist ein Marketing-Genie, das in der Vergangenheit nicht nur aufsehenerregende Kollaborationen mit Louis Vuitton oder Kanye West einging, sondern virtuos wie kein anderer die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz verwischt.

3 I Skateboard Art

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Zerbrochene Skateboards sind der Stoff, aus dem Haroshis Kunstwerke sind. Ob hölzerne Sneakers, Elchkopf, Haifisch, Hydrant oder seine neuesten Schöpfungen, eine Reihe von 20 Figuren mit dem Titel «Guzo» – nichts, was der 1978 geborene japanische Künstler nicht schon aus alten Skateboard-Decks kreiert hätte. Und ein kleines Geheimnis bergen sie alle in sich. Denn gleich dem einstigen Buddha-Bildhauer «Unkei», der im 12. Jahrhundert jeweils eine Kristallkugel in seine Statuen einschloss, um ihnen eine Seele zu verleihen, arbeitet auch Haroshi ein kleines Stück Skateboard-Metall in seine Skulpturen ein.


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ART & CULTURE

LIEBE,

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KUNST POLITIK

Sie ist eines der führenden und bedeutendsten Mitglieder der «Pictures Generation», die Erste, die den Zweck und die Natur von Kunst hinterfragt, und präsentiert oft «behind-the-scenes»Aufnahmen aus der Kunstwelt. Wie zum Beispiel die Fotografie von Maurizio Cattelans gigantischem, in Plastik verhülltem Picasso-Kopf. Louise Lawler. New Yorker Künstlerin und Fotografin.

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Helena Ugrenovic I

Louise Lawler, MoMa

icht nur das Kunstwerk allein ist das Kunstwerk. Ausgestellt, aufgestellt oder an einer Wand aufgehängt, erhält es im Zentrum oder in der Gemeinschaft weiterer Dekorationen, dem Licht und Ambiente eine neue und andere Präsenz. Was geschieht mit Kunst, nachdem sie verkauft wurde, und wie «besonders» ist sie noch, je nachdem, wo sie sich befindet? Louise Lawler fotografiert die neuen oder vorübergehenden «Zuhause» der Kunstobjekte in Galerien, Museen und in deren Lagerräumen, Auktionen und in den Wohnzimmern von Sammlern.

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ART & CULTURE

«Big» I 2002 / 2003

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ART & CULTURE

Die neue Generation 1947 wird Louise Lawler in Bronxville, New York, geboren. Mit 22 Jahren beendet sie ihr Studium mit einem «Bachelor of Fine Arts» an der Cornell-­ Universität und zieht 1969 nach Manhattan, wo sie innerhalb kurzer Zeit bei der Castelli-Galerie angestellt wird. Bei Castelli lernt sie Janelle Reiring kennen, die 1980 mit Helen Winer die Metro-Galerie in New York gründet und ein Podium sowie Fundament für die «Pictures Generation» bieten wird. Es ist eine Generation, die im Kalten-Krieg-Amerika geboren ist, während der kulturellen Verzahnung von unvergleichlichem nationalen Wohlstand mit der täglichen Bedrohung der drohenden nuklearen Vernichtung, Hollywood-Filmen, klobiger Fernseh­ kisten mit schlechter Bildqualität und Magazinen wie «Look» und «Life» sowie Landschaftstapeten mit Birkenwäldern. Die Querdenker der Kunstszene, die ihre Power und Identität in diesen politisch wackeligen Zeiten zeigen, stehen im krassen Gegensatz zur bunt-­ schrillen Medienwelt der 80er mit den heterosexuellen Familien und ihren Zahnpasta-Lächeln im schneeweissen Amerika und den Stereotypen. Die Pictures-Generation mit ihrer zukunftsorientierten, modernen Kunst entspricht nicht den Vorstellungen der Handvoll namhafter New Yorker Galerien, und so experimentieren sie und stellen ihre Arbeiten in alternativen, jedoch weniger lukrativen Orten aus, bis Galerien wie Metro Pictures ihrem Ausdruck den Weg ebnen.

Karriereschub Als das Ehepaar Burton und Emily Tremaine, bedeutende Kunstsammler von Werken des 20sten Jahrhunderts, ihr vollen Zugang zu ihrem Haus in Connecticut gewähren, ist es gleichzeitig ein «­ Sesam öffne dich» zu Kunstschätzen, wohin das Auge reicht, und zum Erfolg. Ein später Jason Pollock und eine filigrane Limoges-Suppenschüssel, in der Wohnzimmerecke hängt ein Robert Delauny über dem Fernseher, und eine Lichtenstein-Büste, die in eine Lampe verwandelt wurde, scheint zu starren und aus dem Fenster zu blicken. Sie fotografiert Kunstgegenstände in den Apartments von Kunstsammlern und versteht es wie keine andere, den Fokus und den Blickwinkel der Kamera so zu manipulieren und damit zu zeigen, wie ein Kunstwerk von den Paradigmen der Kunstwelt bestimmt wird. Das Etikett an der Wand eines Auktionshauses würde mit nur einer winzigen Verschiebung des Blickwinkels in den Fokus der Fotografie geraten

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und somit zwar die Arbeit selbst, das Kunstwerk, zeigen, jedoch auch dessen kommerzielle Wirtschaftlichkeit versinnbildlichen.

Botschaften In ihren Werken weist Louise Lawler gerne mit analytischem Blick auf Ungereimtheiten. Wie zum Beispiel mit ihrer Bilderserie «adjusted to fit», wo sie die Aufnahmen von Kunstwerken digital in andere Formen verzieht und ihnen so ein anderes Format aufzwingt. Es ist ihre Retourkutsche auf Fake-­News, die so lange verdreht werden, bis sie ins Weltbild passen. Oder die Installation «Helms Amendment» von 1989, die 94 identische Schwarz­ weiss-Fotos eines Plastikbechers zeigen und darunter in blauer oder roter Schrift die Namen der Senatoren der USA stehen, die bei den Senatswahlen die Helms-Gesetzesänderungen befürworteten und damit eine krasse Benachteiligung für HIV-infizierte Menschen und deren Lebensumstände schufen.

«Triangle» I 2008 / 2009 / 2011


© Courtesy the artist and Metro Pictures

ART & CULTURE

«Pollyanna» I 2007 / 2008 / 2012

«Generell fühle ich mich nicht so wohl, über meine Arbeit zu sprechen. Auch spreche ich nicht gerne über die 80er, da ich das Gefühl habe, immer noch so zu arbeiten, wie man es damals machte.» – Louise Lawler –

«Life After 1945 (Faces)» I 2006 / 2007

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ART & CULTURE

«Arranged by Donald Marron, Susan Brundage, Cheryl Bishop at Paine Webber Inc.» I 1982 / 2016

«Why Pictures Now» I 1981

Why Pictures Now In New Yorks wichtigstem Museum MoMA führte in diesem Jahr eine Ausstellung durch die 40-jährige kreative Schöpferkraft von Louise Lawler, die zahlreiche Künstler und Kulturdenker der letzten vier Dekaden inspiriert hat. Benannt nach einem Bild,

das sie 1981 fotografiert hat. Das schwarzweisse Stillleben zeigt einen Aschenbecher mit einem Streichholzbrief, und es könnte sich durchaus um eine Werbung handeln, wäre da nicht die Aufschrift «Why Pictures Now». «Das Bild hier», erklärt die Museumskuratorin Roxana Marcoci, «ist ein Kultstück, das sie 1988 im Auktionshaus Christie’s fotografiert hat, als eine sehr berühmte Kollektion, die Tremaine-Kollektion, versteigert wurde. Das Portrait von Marilyn Monroe, gemalt von Andy Warhol. Das Interessanteste daran ist der Titel: Bringt Marilyn Monroe dich zum Weinen? Das genau gleiche Bild, das genau gegenüberliegt, hat den Titel: Bringt Andy Warhol dich zum Weinen? Zwei gleiche Bilder mit zwei verschiedenen Titeln erzeugen einmal den Fokus auf einen berühmten Künstler und einmal auf eine Ikone und einen verstorbenen Filmstar. Sie erzeugen ein anderes Verständnis beim Betrachter. Und das ist der Kern von Louise Lawlers Arbeiten und eben dem Umstand, wie und wo Kunst präsentiert wird.»

APPROPRIATION ART Appropriation – oder übersetzt Aneignung – Art ist eine Ausdrucksform des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens und wird meistens der Konzeptkunst zugeordnet. In diesem Sinne kopieren Künstler bewusst oder mit strategischer Überlegung die Werke anderer Künstler, wobei das Kopieren und das Resultat selbst als Kunst verstanden werden sollen.

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KOLUMNE

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: MY NAME IS … eine Weile planlos durch Amerika, bis er beschloss, Künstler zu werden. Den Neubeginn feierte er mit einem neuen Namen: Robert oder kurz Bob.

WILHELM J. GRUSDAT

Pablo Picasso ist der erfolgreichste Künstler aller Zeiten. Sein Talent, seine Produktivität und sein grosses Selbstbewusstsein mögen daran beteiligt sein. Letzteres wurde sicher auch dadurch gespeist, dass er den längsten Geburtsnamen eines Künstlers trägt: Pablo Diego Jose Francisco de Paula Juan Nepomuceno Maria de los Remedios Crispiniano de la Santasima Trinidad Picasso. Das sind 18 Wörter und 101 Buchstaben. Auch Salvador Dalίs vollständiger Name liest sich beeindruckend: Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech Marqués de Púbol. Allerdings ärgerte sich Dalί zeitlebens über seinen Vornamen. Diesen hatte er von seinem älteren Bruder «geerbt», der neun Monate vor seiner Geburt gestorben war. Dalί fühlte sich von seinem Geist verfolgt. Später nannte er den Namen als Grund für seinen unbändigen Erfolgswillen: Er sei von Geburt an gezwungen worden, seine Einmaligkeit unter Beweis zu stellen. Dalίs Geldgier war legendär. 1942 schuf der Poet André Breton aus Dalίs Namen ein bissiges Anagramm: «Avida Dollars» (hungrig auf Dollars). Doch statt sich zu ärgern, begann Dalί, einzelne Werke mit diesem Namen zu unterschreiben, und widmete ihm das Bild «Die Apotheose des Dollar».

Ralf Winkler legte sich sogar gleich mehrere Künstlernamen zu. So unterschrieb er seine Werke mit «Mike Hammer», «T. M», «a. Y.» oder nur mit «Y». 1969 reiste er mit seinem berühmtesten Künstlernamen zu seiner ersten Solo-Ausstellung nach Köln, obwohl ihm die Ausreise aus der DDR verboten worden war. Damals wusste die Grenzpolizei nicht, wer A.R. Penck war. Namenspatron war der Geograf Albrecht Penck, der die Dauer der Eiszeit erforscht hatte. Für Andy Warhol waren Namen extrem wichtig, und er glaubte fest daran, dass sein Erfolg massgeblich mit seinem Wandel von Warhola zu Warhol zusammenhing. In seinen berühmten Tagebüchern hielt er die Namen der Leute fest, die er getroffen oder mit denen er gesprochen hatte. Sein Rekord liegt bei 24 Namen in einem Satz – 34 im gesamten Absatz. Von ihm stammt die Aussage: «Wer in die Elite aufsteigen will, lässt Namen fallen – wer dazugehört, lässt Beziehungen fallen.» (Those who aspire to social élites drop names; those who belong to them drop people.) Entsprechend begeistert war der Künstler, als er seinen Namen in der New Yorker Society-Liste der «1000 Namen und wo man sie findet» entdeckte – und zwar unter «Big Business».

«Wer in die Elite aufsteigen will, lässt Namen fallen – wer dazugehört, lässt Beziehungen fallen.»

Nicht jeder ist mit einem erfolgversprechenden Namen geboren. Relativ häufig kommt der künstlerische Durchbruch erst mit einer Namens­ änderung. So lautete der Vorname von Robert Rauschenberg eigentlich Milton Ernest. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er aus dem Militärdienst zu seinen Eltern zurück und fand das Haus verlassen. Die Familie war ohne Angabe der neuen Adresse weggezogen. Rauschenberg reiste danach

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BY

Art

ART & CULTURE

NEWS

Ob Vened ig, Hon g kon g oder Potsda m – auch i n d iesem Herbst hat d ie i nternationale Ku nstszene w ieder so ei n iges z u bieten. Zu farben frohen Bi ldern u nd Sk u lptu ren g ibt es auch d ie passenden Accessoires fü r den Besuch i m Museu m oder i n der Ga lerie. SWATCH

Danach kräht garantiert jeder Hahn. Die schicke «Chicken Run» kommt im schwarz-weissen Hahnentritt-Print mit einem Hauch Blau, Grün, Pink und Gelb auf dem Zifferblatt daher.

KARL LAGERFELD

Gerhard Richter: 192 Farben, 1966, Hamburger Kunsthalle, Sammlung Gerhard und Elisabeth Sohst, © Gerhard Richter 2017 (0197)

In Kollaboration mit dem britischen Künstler Steven Wilson designte Modezar Karl Lagerfeld eine Capsule-Kollektion, die die farbenfrohen Prints des Künstlers integriert. Die Kollektion umfasst Prêt-à-porter-Stücke sowie Accessoires.

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Die internationale Kunstausstellung «Biennale di Venezia» findet seit 1895 alle zwei Jahre statt und ist die älteste Biennale der Welt. Die aktuelle Kunst­­biennale dauert noch bis zum 26. November 2017 an.

SOTHEBY’S

MUSEUM BARBERINI

Gerhard Richter ist eine Legende und der teuerste lebende Künstler der Welt. Vom 30. Juni 2017 bis zum 7. Oktober 2018 zeigt das Potsdamer Museum Barberini gleich 80 Werke des 85-jährigen Malers.

Unter dem Titel: «Boundless: Contemporary Art» versteigert das Auktions­h aus Sotheby’s am 7. Dezember 2017 in Hongkong moderne und zeit­genössische Werke und gefeierte Designstücke.

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Das Aloha Motel an der AtlantikkĂźste in North Wildwood, New Jersey, 1960er Jahre


© Eric Bard / Corbis via Getty Images

TRAVEL

GENIESSEN STATT

EROBERN

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Kavalierstouren, Winterfrische, Pauschalreisen, Grand Hotels und Heilbäder – bevor die Menschen das Reisen geniessen lernten, musste erst so einiges erfunden werden. Ein Rückblick auf vergangene Dekaden, in denen der Tourismus laufen lernte. Anka Refghi

lick, Klick, Klick, Buchung bestätigen – was heute mit nur ein paar Klicks aus der heimischen Gemütlichkeit heraus geplant und organisiert werden kann, gestaltete sich in früheren Dekaden als zeitaufwändiges Grossprojekt mit ungewissem Ausgang. Reisen als Genuss? Mitnichten. Denn erste Ansätze von dem, was wir heute als Tourismus bezeichnen, waren erst vor rund 200 Jahren erkennbar.

Von Raubzügen und Kavalierstouren Blickt man ganz weit in die Geschichtsschreibung zurück, so war das Reisen vor allem den folgenden Menschengattungen vorbehalten: Abenteurern, Entdeckern oder Kaufleuten. Sie machten sich auf den Weg, die Welt und neue Routen zu entdecken, auf Raubzug zu gehen oder neue Handelswege und -partner zu suchen. Und natürlich gab es auch noch die Kategorie der Pilger, die allerdings auf ihren Wallfahrtsreisen von Komfort und Genuss nicht hätten weiter entfernt sein können. Die ersten Reisen, die ein gewisses Mass an Amusement beinhalteten, waren, unter anderem, auch die

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TRAVEL

Mit Dampf zu neuen Sehnsuchtsorten Mit der Erfindung der Dampfmaschine änderte sich das «Genre Reisen» drastisch. Ab den 1820er Jahren fuhren zu Land die ersten Eisenbahnen mit Personenwaggons und über den Atlantik Schiffe mit Dampfantrieb. Doch nicht allen behagten die jüngsten Erfindungen. So beispielsweise schrieb Jules Verne 1870 über den Raddampfer «Great Estern»: «Man kann diesen Dampfer kaum noch ein Schiff nennen; es ist wohl mehr eine schwimmende Stadt, ein Stück Grafschaft, das sich von englischem Grund und Boden loslöst, um nach einer Fahrt über das Meer mit dem amerikanischen Festlande zusammenzuwachsen.» Und auch Heinrich Heine tat seine Bedenken mit den Worten «Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet, und es bleibt uns nur noch die Zeit übrig» kund. Auch

Die erste Pauschalreise Als erster Reiseveranstalter der Welt gilt der am 22. November 1808 im britischen Melbourne geborene Thomas Cook. Man schrieb das Jahr 1841, als der Wander­ prediger und überzeugte Alkoholgegner mit der ehrenwerten Intention «Weg vom Gin und hin zur frischen Luft» für eine Gruppe von Abstinenzlern eine Zugreise innerhalb des Landes samt Ver­ pflegung organisierte – und damit die erste Pauschalreise der Welt.

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änderten sich mit der Art des Reisens die Unterkünfte. So beispielsweise entstanden um 1800 die ersten Grand Hotels, die – damals wie heute – mit vortrefflichem Service und dem zur jeweiligen Zeit modernsten Luxus auftrumpften und zur gesellschaftlichen Bühne der gut betuchten Klientel wurden. Ebenso verwandelten sich kleine Dörfer, durch Heil- und Kurbäder, wie sie im 18. Jahrhundert aufgekommen waren, in mondäne Badeorte, in deren Folge wiederum Seebäder entstanden und die Menschen den Schrecken vor dem Meer ebenso verloren wie vor den Bergen.

Wer hat’s erfunden? Zu Beginn bedeuteten Ferien zumeist, in die Sommerfrische zu fahren. Bis 1864. Denn dann – wie sollte es auch anders sein – erfand ein Schweizer die Winterfrische. Dabei handelte es sich um den findigen St. Moritzer Hotelier Johannes Badrutt von der Hotelpension Kulm, der seine Gäste in den Wintermonaten zu sich einlud, um die Schönheit der Landschaft auch in dieser Zeit zu geniessen. Jedoch nicht, ohne eine Reisekostenrückerstattung zu versprechen, sollten die Gäste nicht mit hochgerollten Hemdsärmeln in der Sonne sitzen können. Der Rest ist Geschichte.

© Bettmann Archive / Getty Images

s­ ogenannten «Grand Tours» oder auch «Kavaliertours», die seit der Renaissance allerdings nur den Abkömmlingen des Adels vorbehalten waren. Reisen, vorzugsweise nach Italien, die in erster Linie der Wissenser­weiterung dienten, jedoch, aufgrund der beschwerlichen Fortbewegungsmittel mit der Kutsche, ebenfalls deutlich von Anstrengungen gekennzeichnet waren.

Pullman-Schlafwagen mit verschliessbaren Kojen, 1934


© Hulton-Deutsch Collection / CORBIS / Corbis via Getty Images

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«Alle Menschen werden die Wahrnehmung machen, dass man auf hohen Bergen, wo die Luft rein und dünn ist, freier atmet und sich körperlich leichter und geistig heiterer fühlt.» – Jean-Jacques Rousseau –

Ein Kellner in St. Moritz bringt englischen Ladys Gin und Soda auf Schlittschuhen, 1920er Jahre

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© Rolls Press / Popperfoto / Getty Images

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Die Kabine des Prototyps einer Lockheed L-1011 TriStar, 1968. Das Grossraumflugzeug für bis zu 400 Passagiere war der bisher letzte Versuch des Flugzeugherstellers, im zivilen Luftverkehr Fuss zu fassen.

Auf vier Rädern und über den Wolken Die nächste Revolution des Tourismus, die auf die Mittelschicht abzielte, war die serienmässige Produktion von Henry Fords Automobil Model T im Jahr 1914, das damit zum erschwinglichen Gut wurde. Transkontinentale Strassensysteme wurden in den USA ebenso gebaut wie die neuartigen Motels am Strassenrand. Im Gegensatz zu den USA begann die Massenmotorisierung – und da-

Zeitreisen Das im teNeues Verlag erschienene Coffee-Table-Book «Zeitreisen – Legendäre Orte, Routen und Momente» von Stefan Bitterle ist ein fantastischer Bildband, der die Entstehung des Tourismus, wie wir ihn heute kennen, dokumentiert. Ein Buch, das die Leser wahrlich auf eine Zeitreise mitnimmt – auf Schienen, auf dem Wasser, über den Wolken und auf der Strasse. www.teneues.com

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mit der Massentourismus – in Europa erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Zeit, in der schon bald ein weiteres Fortbewegungsmittel in den Fokus der Genusswilligen rückte: das Passagierflugzeug. Zwar gab es seit 1927 Passagierflüge über den Atlantik in Flugzeugen mit bequemen Sitzen und mit Betten, wie man sie von den Eisenbahnwagen her kannte, doch für die breite Masse blieben die Flüge lange unerschwinglich. Den Grundstein für den Flugtourismus, wie wir ihn heute kennen, legte Grossbritannien mit den ersten Pauschalflugreisen nach Spanien in den 1950er Jahren. Mit dem Aufkommen interkontinentaler Flüge ohne Zwischenstopp verloren in der Folge dann auch die grossen Schiffe ihre Bedeutung. In den 1960er Jahren stellten die grossen Reedereien den Linienbetrieb über den Atlantik ein. Die Zeit des modernen Tourismus, wie wir ihn heute kennen, hatte definitiv begonnen.


Meer Glück. Meer Villa.

Sizilien

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DIE

IT-CITY Sie hat eine der ältesten Hochschulen, die renommierteste Modeschule und den drittältesten Zoo der Welt, den zweitgrössten Hafen Europas und ist das weltweit wichtigste Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten. Antwerpen, die historische Perle Belgiens, ist ein wahres Event-ShoppingMode-und-Kultur-Mekka und gerade dabei, den üblichen Verdächtigen unter den Städten den Rang abzulaufen.

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Helena Ugrenovic

chon seit jeher bestimmen Kunst, Kultur und Genuss die Metropole an der Schelde, die im 15. und 16. Jahrhundert eine der grössten Städte der Welt, wichtigste Handels­ metropole Europas und die Wirkungsstätte von bedeutenden Künstlern wie Rubens, van Dyck oder Jacob Jordaens war. Das Druckereimuseum Plantin-Moretus, das auf die Druckerei eines der im 16. Jahrhundert bedeutendsten und einflussreichsten Buchdrucker und Verleger, Christoph Plantin, zurückgeht, das Maison Guiette und der Turm der Liebfrauenkathedrale gehören zum UNESCO-Kulturerbe. Durch die historische Hafen­anlage floss internationale Vielseitigkeit in die Gastronomie, und eine Ballung konzentrierter Kultur entwickelte sich im Viertel «Zuid». Der perfekte Nährboden für eine Modekultur und die «Königliche Akademie der schönen Künste» sowie die beste Gegend für Künstler, Schriftsteller, hippe Bars und ausgezeichnete Restaurants.

City-Hop & City-Top Antwerpen ist eine perfekte Wochenend-Destination und das Stadtzentrum in nur knapp 20 Minuten erreichbar. Jedoch in Anbetracht der zahl­reichen Shopping-Möglichkeiten, ausgezeichneten Restaurants, kulturellen Highlights, Sehenswürdig­keiten, Museen, des weltberühmten belgischen Biers oder belgischer Schokolade eine fast zu kurze Zeit für ein Rendez-vous mit der gotisch-barocken Schönheit. Architektonische Prachtbauten wie der Schmet­ terlingspalast, das Bourla-Theater, das Mode­museum MoMu, in dem sich Untrennbar mit Antwerpen verbunden: Fashion!

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PLACES TO BE Restaurant Huis de Colvenier Eines der besten Restaurants im Herzen von Antwerpen und mit dem zauberhaften Ambiente eines Traditionshauses inklusive Fresken und Verzierungen. Saisonale Küche, wobei Spargel, Hummer und amsvlees die Träger der Menü-Karte sind. www.colvenier.be Roji Das französisch-japanische Restaurant befindet sich in einem zauberhaften Kellergewölbe und besticht mit einer einzigartigen und ruhigen Zen-Atmosphäre. www.roji.be Docks Café Bekannt für seine Auster-Bar, aussergewöhnliche Präsentierung der Gerichte auf den Tellern und mit einer atembe­ raubenden Innenausstattung. Der richtige Platz für echtes Savoir-vivre-Feeling. Das «Port House» von Zaha Hadid

www.docks.be

Modeverrückte und Fashionistas wie in einem Candy-Shop fühlen, ein Bummel durch die Nationalestraat, die sogenannte Fashionstreet mit all ihren Designerläden, allen voran die der belgischen Top-Designer Ann Demeulemees und Dries Van Noten, sind nur ein Bruchteil dessen, was die Stadt zu bieten hat. Antwerpen im Eiltempo zu erkunden, käme dem Umstand gleich, eine Perle in einer Auster zu finden, die Auster auszuschlürfen und die Perle wegzuwerfen.

Shopping Das rote Backsteingebäude an der Kloosestraat 90 wirkt bescheiden, doch findet sich im Premium Designer Store «YOUR» vom Zahnstocher bis zum Kriegsbomber alles, was das markenhungrige und stylish angehauchte Herz begehrt. Mode, Schmuck, Geschenke, Schuhe, Parfum, Beauty-Produkte, Deko-Gegenstände führender Brands oder die coolsten Sneakers sind in diesem multidisziplinären Concept-Store und unter einem Dach erhältlich. In den Schaufenstern der Boutiquen in der Nationalestraat hängen die Kollektionen Antwerpener

Nur einer der vielen trendigen Concept-Stores der Stadt: «YOUR»

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Das «Museum aan de Stroom (MAS)» ist das grösste Museum in Antwerpen.

Designer, die die internationale Modewelt mit ihren Kreationen überrascht haben. Das Herz der belgischen Mode ist rund um die ModeNatie angesiedelt, seit Dries Van Noten dort seinen Modepaleis eröffnet hat. Nebst verschiedenen avantgardistischen Designern und Geschäften finden sich in der Kammenstraat, einer Seitenstrasse der Nationalestraat, die neuesten Streetwear-Kollektionen.

MAS Nebst dem Modemuseum Momu, dem Museum Mayer van den Bergh mit seiner aussergewöhnlichen Kunstkollektion, dem Rubenshaus oder Middelheimmuseum, das sich in einem grosszügigen Park befindet und in dem eine eindrucksvolle Skulpturensammlung namhafter Künstler wie Auguste Rodin, Rik Wouters oder Ai Weiwei ausgestellt ist, ist das schon optisch beeindruckende MAS «Museum aan de Stroom» ein Muss für jeden Städtetripper. Das neue, turmartige Wahrzeichen Antwerpens im alten Hafenviertel «Eilandje» handelt von der kulturellen Vielfalt Antwerpens und wie die Welt und Antwerpen sich gegenseitig beeinflusst haben. Es ist ein neues Stadtzentrum mit einem Michelin-­ Sterne-Restaurant in der 9. Etage und einem 360-Grad-Ausblick vom Dach.

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Antwerpen mit seinen architektonischen Highlights ist ein Flanier-Paradies. Wer lieber in die Pedale tritt, kann eines der roten Fahrräder, die an zahlreichen Standorten verfügbar sind, für eine Stunde oder den ganzen Tag mieten. Wer sich lieber fahren lässt, geniesst die historische Stadt von der Kutsche aus oder fährt mit den öffentlichen Bussen, die an den Wochenenden und unter dem Motto «Langer plezant in’t stad» – längeres Stadtvergnügen – bis morgens um 3.30 Uhr Nachtschwärmer einsammeln.

DRIES VAN NOTEN Er ist ein unabhängiger Designer, der seit mehr als 30 Jahren und ohne jemals Werbung dafür gemacht zu haben, mit brillanten Kollektionen und deren aufwendigen Prints in der Modewelt für Furore sorgt. Dries Van Noten gehört zu den berühmten Designern der Antwerp Six. In der Dokumentation «Dries» des deutschen Regisseurs Reiner Holzemer aus dem Jahr 2017 begleitet der Regisseur Dries Van Noten während vier Kollektionen eines Jahres und zeigt einen Ästheten und Perfektionisten mit der Liebe und Hingabe zum Detail.


BY

City BREAK

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Dem Alltag entfliehen und i n d a s Ab ent e uer S t ä dt e t r ip eintauchen. Am besten immer m it dabei: d ie per fek ten Begleiter für jede Gelegenheit. 1 I LEICA

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Mit dem roten Punkt – fotografieren mit Stil und «M» wie Meilenstein. Die neue Leica «M10» überzeugt durch kompak­ tere Masse, verbesserte Performance und noch intuitivere Bedienung. 2 I SHANGRI-LA

Auszeit in London mit Erholungsfaktor: Das «Shangri-La Hotel At The Shard» bietet mit Achtsamkeits­training, Fitness und Ernährungstipps ein neues Wellnessund Sportprogramm. Yoga über den Dächern Londons? Wunderbar! 3 I DOLCE & GABBANA

Kreditkartenetui aus Dauphine-Leder – perfekt für jede Gelegenheit: im Büro, auf Reisen und bei exklu­siven Events. Handwerkliche Verarbeitung und Kult-Details machen jedes Accessoire einzigartig. 4 I RIMOWA

Smarter Reisebegleiter: hochwertig, trendy und auch weiterhin mit dem «Electronic Tag», der ersten elektronischen Check-in Lösung, um bequem von zu Hause oder unterwegs einzuchecken.

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5 I MICHAEL KORS

Klare Linien und luxu­ riöses Schlangenleder im Chevron-Design ver­ schmelzen bei der Tasche «Miranda» zu einem grafischen Effekt. Details wie der Riemen mit Kettengliedern verleihen dem Abendoutfit einen Hauch Exotik.

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Leder spielt eine wichtige Rolle in der Damenkollektion Herbst / Winter 2017/18. Inspiriert vom Schmelz­ tiegel zwischen Moderne und Tradition, wie er auf der nordischen Vulkaninsel Island zu finden ist.

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© Shahee Ilyas

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WANDEL DER ZEIT

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1192 Inseln, aufgereiht wie die funkelnden Perlen eines Colliers drapiert auf einem türkisblau und smaragdgrün schimmernden Stück Seide – so präsentieren sich die Malediven aus der Vogelperspektive. Ein verlorenes Paradies, um das sich bereits in der Antike Mythen und Legenden rankten, heute Sehnsuchtsort zivilisationsmüder Luxusurlauber und gleichzeitig einer der am dichtesten besiedelten Flecken der Erde. Dr. Thomas Hauer

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ls unsere Maschine nach einer langgezogenen Linkskurve auf die Landebahn des Velana International Airport einschwenkt, sind manche Passagiere sichtlich irritiert. Wie passt das Bild der unter dem Rumpf vorbeiziehenden Inselhauptstadt Malé, die sich wie ein Krebsgeschwür bis zum äussersten Rand des gleichnamigen Koralleneilands gefressen hat, zur erhofften Postkartenidylle menschenleerer Traumstrände? Ja, fast scheint die winzige Insel unter der Last der in Bonbonfarben und Pastelltöne gehüllten Bankentürme und Verwaltungsgebäude im Meer versinken zu wollen – die Rückseite der Fototapete. An keinem anderen Ort dieses tropischen Inselparadieses prallen Anspruch und Wirklichkeit, Tradition und Moderne wohl heftiger aufeinander.

Ein Italiener erfindet den Malediventourismus Ein Drittel der aktuell circa 400’000 Malediver lebt hier dicht gedrängt im geografischen Zentrum der insgesamt 26 Atolle auf ein paar Sandbänken, die kaum einen Meter aus den Fluten ragen. Vor den unerbittlich anrollenden Wogen nur von ein paar Dämmen und einem zunehmend maroden Aussenriff geschützt. Der Rest der Einheimischen verteilt sich auf rund 200 weitere Eilande, manche nicht viel grösser als ein Fussballplatz. Daneben gibt es aktuell knapp 120 an ausländische Investoren verpachtete Tourist Islands, deren Hochglanzfotos unser Maledivenbild prägen und jährlich Ziel von rund 1,4 Millionen Urlaubern sind. Die restlichen 900 Inseln sind unbewohnt oder von Kokos- und Gemüseplantagen bedeckt, werden teilweise aber auch industriell genutzt. Malé-City selbst, gerade mal knapp zwei Quadratkilometer gross, ist heute die am dichtesten besiedelte Hauptstadt der Welt. Trotzdem wächst die Bevölkerung unaufhaltsam weiter. Auch das ist vor allem eine Folge des ungebremsten Tourismusbooms. Allen Debatten über den Klimawandel und seine Folgen zum Trotz. Erfunden hat den Malediventourismus vor 45 Jahren der italienische Reiseagent Giorgio Corbin. Den verschlug es auf der Suche nach unentdeckten Hotspots für Taucher und Sportfischer 1971 allerdings eher durch Zufall auf die Inseln, nachdem er in Sri Lankas Hauptstadt Colombo den jungen Diplomaten Ahmed Naseem kennengelernt hatte, der Corbin von der unberührten Schönheit seiner Inselheimat vorschwärmte. Also bestieg Corbin gemeinsam mit Naseem das nächste Frachtschiff Richtung Malé. Damals gab es auf der Insel Strom nur stundenweise, weder Telefone noch Banken, ja nicht mal einen Polizisten. Nur zwei Taxen, die über unbefestigte Wege holperten, die von Palmen beschatteten Hütten gesäumt wurden, deren Korallenwände in der Sonne funkelten. Die Menschen lebten vom Bootsbau, Fischfang und dem Handel mit Kopra und Trockenfisch. Begeistert beschloss Corbin, mit einer Testgruppe zurückzukehren. Das einzige Problem: Es gab kein Hotel.

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Exklusive Villas im Eco-Luxury-Resort «Gili Lankanfushi», Nord-Malé-Atoll

So wurde auf dem in Sichtweite von Malé gele­ genen Eiland Vihamanafushi ein Ferienresort improvisiert – Kurumba Village. Freilich ohne all jene Annehmlichkeiten, die heute selbstverständlich sind. Denn in den Palmwedel-gedeckten Hütten gab es weder Klimaanlagen noch Türen. Auf dem Speise­zettel stand nicht viel mehr als gegrillter Fisch. Bereits im Oktober 1972 reisten dann die ersten «echten» Pauschalurlauber an – in einer gecharterten Militärmaschine der sri-lankischen Luftwaffe.

Vom Backpacker-Paradies zur Luxusdestination Waren die Inseln zunächst ein beliebtes Ziel von Backpackern, die hier Ende der 70er Jahre für fünf Dollar am Tag in einfachen Strand-Bungalows wohnten, verwandelten sich die Malediven ab Mitte der 80er Jahre zunehmend in eine Luxusdesti­ nation. Das lag nicht zuletzt daran, dass der damalige Machthaber Maumoon Abdul Gayoom 1984 entschied, dass westliche Besucher nur noch auf ausgewählten Touristeninseln übernachten durften. Die Local Islands waren fortan bis auf wenige Aus-

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nahmen tabu. Dadurch sollte die muslimische Bevölkerung vor schädlichen Einflüssen aus dem Westen geschützt werden – so zumindest die offizielle Lesart. Schnell wurden die ersten Traumstrände dann meistbietend an internationale Hotelkonzerne verpachtet, die die enormen Summen, die dafür fällig wurden, nur durch hochpreisige Luxusherbergen erwirtschaften konnten. Grundlage des bis heute den Inseltourismus prägenden «One Island One Resort»-Prinzips. In dieses Schema passt auch unser Reiseziel Gili Lankanfushi, das von Malé und der Flughafeninsel Hulhule nur 20 Minuten per Speedboot entfernt liegt. Mit seinen 45 luxuriösen Over Water Villas gilt es aktuell als eines der exklusivsten Eco-Resorts der Welt. Erst 2008 / 2009 wurde die strikte Trennung zwischen Einheimischen und Touristen unter Präsident Mohamed Nasheed dann schliesslich weitgehend aufgehoben. Seither sind auf rund 90 der Local Islands Privatunterkünfte entstanden – vom


© Gili Lankanfushi

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© Gili Lankanfushi

STILVOLLE «ROBINSONADE» Unter dem Motto «No shoes, no news» erleben Gäste auf Gili Lankanfushi tropische Inselromantik und Barfuss-Feeling pur. Bereits die Standard Villas bieten 210 m² privaten Rückzugsraum. Totale Abgeschiedenheit geniesst man in den nur per Boot erreichbaren Crusoe Residences. Alle Villen bieten 24/7-Butler-Service. Gerne organisiert das Gili-Team individuelle Ausflüge nach Malé oder benachbarte Inseln. Auf Wunsch können Gäste auch hinter die Kulissen schauen. Dazu gehören unter anderem Einblicke in den Alltag der Resort-Mitarbeiter, Sozial- und Umweltprojekte. www.gili-lankanfushi.com

fläche der Insel, im Schatten mächtiger Banyantrees durchzuatmen, nachdem man zuvor ziellos durch das unübersichtliche Strassengewirr der Hauptstadt geirrt ist, versteht, was die Menschen hier tatsächlich bewegt. Da zahlreiche Malediver neben der Landessprache «Dhivehi» auch Englisch beherrschen, kommen Besucher mit den Einheimischen ohnehin schnell ins Gespräch. Aber auch ein Wort des kompli­zierten Inselidioms hat international Karriere gemacht – Atoll leitet sich vom maledivischen Begriff «Atholhu» ab.

Besuch der Einheimischen-Inseln

einfachen Gästezimmer mit Familienanschluss bis zum Vier-Sterne-Hotel. Das Interesse der Hotelindustrie an solchen Angeboten hält sich allerdings in Grenzen, denn auf den Local Islands herrscht striktes Alkoholverbot. Deshalb betreiben findige Unternehmer mittlerweile Barschiffe, auf denen die Touristen ihre Drinks geniessen können.

Schmelztiegel der Kulturen Zwar ist der sunnitische Islam bereits seit dem Jahr 1153 offizielle Staatsreligion der Malediven, aber die Inseln waren schon immer ein Schmelztiegel der Kulturen. So brachten die ersten Siedler, die vermutlich aus Sri Lanka kamen, zunächst den Buddhismus ins Land. Das beweisen zahlreiche Funde auf den Südatollen. Später waren die Malediven, aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage entlang bedeutender Handelsrouten, dann regelmässig Ziel von Kaufleuten aus Persien und Arabien. Aber auch Handelsflotten aus China, Malaysia und Indonesien lagen hier immer wieder vor Anker. Schliesslich spielten im 16. Jahrhundert die Portugiesen mit ihrem vergeblichen Versuch einer Christianisierung der Inseln eine kurze und eher unrühmliche Rolle, zuletzt die Engländer, die bis in die 70er Jahre im Addu-Atoll eine Militärbasis unterhielten. Wer ein wenig mehr über den maledivischen Alltag erfahren will, sollte trotz drangvoller Enge einen Besuch Malés nicht scheuen. Nur wer selbst die Erleichterung verspürt, im Sultan Park, der einzig verbliebenen grösseren Grün-

Neben Malé lohnt aber auch eine Visite auf einer der anderen Einheimischen-Inseln, zum Beispiel Huraa. Zwar knattern auch dort ein paar Mopeds durch die Strassen. Trotzdem geht es hier im Vergleich zur Inselkapitale fast schon idyllisch zu, und das Gespräch mit «Locals» ergibt sich ebenfalls fast wie von selbst. Auf Huraa kann man aber auch die typische Inselküche probieren – doch Vorsicht: Maledivische Spezialitäten sind oft höllisch scharf. Kaum ein Gericht kommt ausser­ dem ohne Thunfisch aus. Weitere typische Zu­ taten sind frisch geraspelte Kokosnuss und jede Menge Zwiebeln, Chili, Curry und Limettensaft. Dazu gibt es importierten Reis und Brotfrüchte, Taro oder Süsskartoffeln. Das passende Getränk: frisches Kokoswasser. Zurück auf Gili wird uns das Privileg, das man als Tourist auf den Malediven geniesst, dann umso bewusster. Schon beim Anlegen am Jetty erwartet uns Mr. Friday – so heissen auf Gili in Anlehnung an den Gefährten Robinson Crusoes die Personal Butler – mit einem kühlen Tuch und einem er­ frischenden Getränk. Man muss dann eigentlich nur noch entscheiden, ob einem der Sinn heute eher nach Sushi oder Spaghetti steht, bevor man nach einem Bad in der türkisblauen Lagune im «Jungle Cinema» einen Filmklassiker geniesst … Traum und Wirklichkeit.

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FÜR

ABENTEURER

1 I Die Mutter aller Strassen Dieser kompakte Reisebildband des erfahrenen Reisejournalisten Freddy Langer führt in Fotos voller nostalgischem Charme und informativen Texten auf der legendären Route 66 quer durch die USA. Freddy Langer kennt die Route 66, hat direkt an der Strecke gelebt und ist sie immer wieder gefahren. Jetzt hat er die Tour von Chicago nach Los Angeles noch einmal unternommen – mit seinen Erinnerungen im Kopf und der Gegenwart fest im Blick. So führt die Reise nicht nur durch acht Bundesstaaten, sondern zugleich in die Kulturgeschichte eines Raumes, der im Kino, in der Kunst oder der Werbung nicht zufällig immer wieder als Metapher für Freiheit gebraucht wird. In der Tradition bester Reiseliteratur wechselt sein Text zwischen Impressionen, Begegnungen und Analysen. Mit eigenen Aufnahmen ist er opulent illustriert. Für alle, die diese faszinierende Strecke selbst einmal befahren wollen, bietet ein Anhang zahlreiche Adressen und Tipps.

Route 66 Freddy Langer Knesebeck Verlag

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2 I Eine fotografische Entdeckungsreise

2 Cuba Elliott Erwitt teNeues Verlag

1964 verbrachte Elliott Erwitt als Gast Fidel Castros eine Woche auf Kuba. Im Auftrag von «Newsweek» hielt er den vom Volk geliebten kubanischen Präsidenten zusammen mit dem Revolutionsführer Che Guevara in Fotografien fest, die zu Ikonen geworden sind. Mehr als 50 Jahre später – als sich die diplomatischen Beziehungen zu den USA normalisierten – kehrte er nach Kuba zurück, um sowohl Städte wie Landschaften, aber vor allem die Menschen dieses faszinierenden Landes zu dokumentieren. Diese erstmals in einem Buch zusammengefassten fesselnden Schwarz-WeissAufnahmen gewähren einen tiefen Einblick in das Leben auf dieser betörenden Karibikinsel. Ungestellte Castro-Porträts, Bilder der atem­ beraubenden Architektur der Hauptstadt Havanna oder Szenen des ländlichen Lebens machen «Cuba» zu einer fotografischen Entdeckungsreise in das Herz und die Seele des Landes. Ein fantastischer Bildband, der mehr als eine blosse Momentaufnahme von Menschen und Orten auf Kuba ist.

3 I Zu Fuss unterwegs

3 Wanderlust Gestalten Gestalten Verlag

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Der Malerweg im Elbsandsteingebirge, ein Höhenwanderweg zwischen Chamonix und Zermatt, der Canyon Trail im Zion-Nationalpark, USA, oder der Pilgerpfad auf dem heiligen «Kumano Kodo» in Japan: «Wanderlust» präsentiert historische Wege, die schon seit Jahrhunderten Länder und Städte verbinden und auch heute noch bewandert werden. Die schönsten Kurz- und Fernwanderpfade der Erde führen durch Wälder, Berge und Schluchten, durch Eis- und Sandwüste und an Steilküsten entlang. Der Wanderexperte Cam Honan, der viele der Trails selbst gewandert ist, beschreibt seine persönlichen Highlights und gibt praktische Tipps und Tricks. Informative Karten, detailreiche Beschreibungen und spektakuläre Landschaftsaufnahmen bringen jeden Wanderer auf den richtigen Weg. «Wanderlust» ist das Handbuch für alle Freizeit­ wanderer und passionierte Experten.


Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Zähringerstrasse 16, CH-3012 Bern, Telefon 031 300 30 88, Fax 031 300 30 77 info@tourismthailand.ch, www.tourismthailand.ch, www.amazingthailand.ch www.facebook.com/TATSwitzerland

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HÔTEL

PROVIDENCE PARIS VINTAGE TRIFFT AUF ÜPPIGES DESIGN!

Wer Pierre Moussié kennt, weiss, dass seine Handschrift unverkennbar ist. Das gilt seit Jahren für das Pariser Nachtleben, wo der Franzose als unbestrittener König gilt. Mit seinen Lokalen Chez Jeannette, Le sans souci, Le Mansart und der Brasserie Barbès hat er die Szene in der französischen Hauptstadt geprägt, jetzt will er mit dem «Providence» auch als Hotelier die Nummer eins werden. Nike Schröder I

Providence


Spektakuläre Tapeten, aussergewöhnliche Materialien und ausgesuchte Vintage-Stücke sind die Handschrift des «Providence».


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ür sein Hotel hat Pierre Moussié ein Objekt gewählt, das auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt, auf den zweiten jedoch umso spektakulärer erscheint. Obwohl das Hôtel Providence offiziell nur mit vier Sternen ausgezeichnet ist, gilt es bereits jetzt schon, nur wenige Monate nach der Eröffnung, als absoluter Geheimtipp. Das 4-Sterne-Hotel glänzt mit seiner zentralen Lage, nur einen Steinwurf vom Eiffelturm entfernt, in der Nähe des Louvre und des Jardin du Luxembourg. In nur 20 Gehminuten ist man im Stadtzentrum von Paris. Das «Providence» ist nicht in einem Bezirk, in ­welchem Hotel an Hotel gebaut ist, sondern ist eigentlich das einzige Hotel an dieser Lage. Ein perfekter Platz für ein Boutique-Hotel also.

Gemütlichkeit im Stil vergangener Dekaden

an einer ausgelasteten Buchungslage. Ungewohnt kurz nach der Eröffnungsphase eines solchen Boutique-Hotels, in der normalerweise die Öffentlichkeitsarbeit die Neugierde von Gästen weckt, ist das Hotel ein Ausnahmebeispiel für einen Selbstläufer ohne Vermarktungsapparat geworden. So ungewöhnlich wie die Einrichtung sind auch die Gäste. Ein buntes Publikum verkehrt in diesem Boutique-Hotel: von Models über Wirtschaftskapitäne bis zu Künstlern. Jeder, der in den grossen Hotelpalästen nicht gesehen werden will oder eine intimere Atmosphäre sucht, findet im «Providence» ein extravagantes Zuhause.

Wohnen wie in der Kunstgalerie Obwohl niemand bisher die PR-Trommel gerührt hat und die Präsenz des «Providence» im Internet auch sehr spärlich ist, erfreut sich der Newcomer

Die Handschrift von Pierre Moussié ist unverkennbar: Marmor, dunkles Holz und ganz viel Samt, dazu ausgesuchte Vintage-Stücke. Das Ergebnis

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Farbenfroh und knallig überzeugen die Entwürfe der Tapeten-Manufaktur «House of Hackney» durch aussergewöhnliche und kostbare Materialien, innovative Strukturen, raffinierte Techniken, faszinierende Farbspiele und nicht zuletzt durch eine hochwertige und anspruchsvolle Umsetzung. In immer neuen Kompositionen bilden die Tapeten die Grundlage für Ergebnisse mit atemberaubender Gesamtwirkung. Der Architekt Philippe Medioni hat diesem einst verfallenen Ort neuen Atem eingehaucht und das «Providence» in einem Stil eingerichtet, der pure Pariser Romantik vertieft und von Retro-Einflüssen lebt, ohne dabei kitschig zu sein.

Von Gaumenzauber und Augenweiden

Das «Providence» – ein Hotel wie ein Gemälde

sind 18 Zimmer, die einem Farbschema folgen, das sich in Wandfarbe und Einrichtung widerspiegelt und mit einer spektakulären Tapete inszeniert wird. Die Zimmer, bis auf die Suiten, sind zwar klein, aber mit viel Charme ausgestattet: So bieten die Kelim-Teppiche ein wundervolles Kontrastprogramm zum originalen Stuck aus dem Jahre 1854. Alle 18 Zimmer verfügen über eine gigantische, integrierte Cocktail-Bar mit ausgesuchtem Sortiment – komplett mit Marmor-Tresen, Eismaschine und Cocktail-Equipment. Für das Design-Team des «Providence» war es eine Herausforderung, für dieses Projekt ein edles Konzept zu erarbeiten, das ebenso auf die Wünsche und Vorstellungen des Hoteliers abgestimmt werden musste, wie auf die Architektur und Funktion des betreffenden Hotelzimmers eingehen sollte. Im «Providence» finden wir ein modern reduziertes Design im Mix mit einem üppig farbigen Design.

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Das Design-Highlight ist auf jeden Fall die raffinierte Tapete mit auffallendem Palmenmuster, kombiniert mit einem Teppich, designt von Madeleine Castaing. Das Ergebnis ist zugleich ernsthaft und stylish. Mit den gleichen Attributen kann man auch den Service und die Bewirtung des Hotels beschreiben. Für Frankreich und gerade Paris ist die Kulinarik eine grosse Säule, die das Pariser Leben bemerkenswert macht und im «Providence» mit neuesten Aspekten von Gaumengenüssen bedient wird. Die hoteleigene Café-Brasserie ist ein Aushängeschild des Hotels und überzeugt mit klassischen und raffinierten Kleinigkeiten, die den Gaumen erfreuen. Das Auge wird mit der charmanten Terrasse, die sich typisch französisch verträumt gestaltet, verwöhnt. Die Cocktail-Bar macht das «Providence» zu einem wahrhaften Reiseziel, denn hier gibt es aus der Erfahrung der verschiedenen Nachtlokale jeden erdenklichen angesagten oder klassischen Drink. Normalerweise ist ein Hotel in der Grösse des «Providence» lediglich als ein Ort gedacht, an dem man übernachten kann. Mit diesem Hotel ist es jedoch gelungen, die Option, nachts nicht auszugehen, sehr attraktiv erscheinen zu lassen. Dabei hat Moussié mit seinem Hotel eine wunderbare Synergie geschaffen, denn die Gäste sind auch in seinen Nachtbars zu finden. Man darf gespannt sein, was er als Nächstes plant. Mit diesem Hotel hat Pierre Moussié seinen ersten Coup gelandet. Dies soll aber erst der Beginn seiner Hotelkarriere sein, denn in der Hauptstadt gehen die Gerüchte um, dass er noch andere ­Hotelideen in Planung hat.


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LUXUSZUG DURCH

PERU

«Peru, Peru. My heart’s lighthouse.» – Morrissey –

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Ab sofort fährt ein Hightech-Luxuszug durch Peru und hält für seine Gäste ein ultraneues Hightech-Feeling bereit. Der «Belmond Andean Explorer» durchquert auf einer der höchstgelegenen Bahnstrecken der Welt zwischen der Stadt Cusco und dem Titicacasee die atemberaubende Kulisse der peruanischen Anden. Höchstens 48 Gäste sind in luxuriösen Doppelkabinen mit eigener Dusche und WC im Zug unterwegs.

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Belmond

n Cusco, welches seit 1983 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, heisst es auf circa 3400 m Höhe «Bitte einsteigen, die Türen schliessen gleich» – und los geht die Fahrt. Knapp 48 Gäste reisen in komfortabel eingerichteten Kabinen. Die Ausstattung reflektiert die Farben und die Texturen der Anden und stellt eine Verbindung zu der grossartigen Landschaft und der Schönheit der Natur her. So wird ihr Abteil ein Ort der Ruhe und Entspannung. Der Blick nach draussen durch eines der grossen Panoramafenster bringt Landschaftskino der beeindruckendsten Art ins Abteil: schneebedeckte Berge, weite Ebenen, stille Seen. Auch für das leibliche Wohl der Gäste wird in adäquater Weise gesorgt. Der Luxuszug bekommt exklusive Unterstützung durch den bekannten Küchenchef und Botschafter der peruanischen Küche, Diego Muñoz. So wird aus der Erlebnisreise gleichzeitig eine kulinarische Reise durch die vielfältigen saisonalen und regionalen Produkte und frischen Aromen Perus. Gerichte wie «Alpaka Tortellini» oder «Limetten mit geschmolzener Schokolade und Apfel-Custard» machen Lust auf mehr. Lieblingsplatz der Gäste wird bestimmt der Panoramawagen mit seiner offenen Veranda: Hier kann man die klare Luft der Anden in tiefen Zügen einatmen und bei einem Cocktail an der Bar relaxen und den Stress des Alltags wegblasen.

Exklusive Zugfahrt durch die Historie Belmond bietet für den «Belmond Andean Explorer» vier verschiedene Reisearrangements an. Die Route «Peruanisches Hochland» dauert zum Beispiel drei Tage und zwei Nächte. Von Cusco über den Titicacasee bis hin nach Arequipa. Cusco bedeutet «der Nabel der Welt». Von 1200 an bis kurz vor dem Ende des mächtigen antiken Inkareichs war Cusco dessen Hauptstadt. Nachdem ein Erdbeben 1650 die spanischen Gebäude Cuscos zerstörte, hatte die Stadt ihre Bedeutung verloren. Nach der Entdeckung von Machu Picchu, einer gut erhaltenen Ruinenstadt, aber wurde sie wieder zum touristischen Nabel Perus. Der Titicacasee ist der grösste See Südamerikas

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und einer der grössten natürlichen Seen der Welt. Der Legende nach ist hier der erste Inka über einen Felsen auf der Sonneninsel auf die Erde gestiegen. Nicht weit von Arequipa liegen auch die Schluchten des Cotahuasi- und des Colca Cañon, die mit bis zu 3000 m Höhenunterschied mit zu den tiefsten Schluchten der Welt zählen. Die Küste des Pazifik liegt nur 75 km Luftlinie entfernt und beschert der Stadt das ganze Jahr über ein mildes und sonniges Klima.

Besonderer Spirit Peru Die Route «Spirit of the Andes» bietet die Reise in umgekehrter Richtung an. Selbstverständlich werden auf den verschiedenen Routen Ausflüge in die entsprechenden Regionen unternommen. So darf man die schwimmenden Inseln im Titicacasee bestaunen oder aber ganz gemütlich einen Lunch an einem privaten Strand mit Blick auf die Gletscher von La Paz zu sich nehmen. Der «Belmond Andean Explorer» bietet jeglichen Komfort.

Land in Sicht Die perfekte Ergänzung zum Luxuszug ist das Boutique-Hotel «Las Casitas» im Colca-Tal. «Las Casitas» liegt im Süden Perus in der Region Arequipa. Auch hier werden die Bedürfnisse der Gäste in höchstem Masse gross geschrieben. In den nur 20 Zimmern des Boutique-Hotels muss man sich einfach wohlfühlen, inmitten unberührter Natur. Das Hotel schmiegt sich perfekt in seine Umgebung ein und wird so zu einer kleinen Oase purer Entspannung. Belmond bleibt sich treu und lässt seine Gäste durch die liebevolle Gestaltung jeder der 20 Casitas in die landestypische Kultur eintauchen. Jede Casita verfügt über eine private Terrasse mit beheiztem Pool, von wo man den Blick über das Tal schweifen lassen kann. Im hauseigenen Samay Spa verwöhnen Sie erfahrene Hände mit Anwendungen mit Ölen und Produkten aus eigenem Anbau und lassen Sie tiefenentspannen.

Unglaubliche Landschaften Das Colca-Tal ist eine Schlucht nördlich der Stadt ­Arequipa. Es ist, je nachdem ob man vom höchsten Berggipfel nahe der Schlucht aus bis zum Río Colca misst oder vom Rand der Schlucht, 3269 m bzw. 1200 m tief. Der Grand Canyon ist dagegen (nur) etwa 1800 m tief. Damit ist der Cañón del Colca der zweittiefste Canyon der Welt. Schauen Sie aus schwindelerregender Höhe hinab und lassen die atemberaubende Kulisse auf sich wirken. Bewundern Sie die uralten, von den «Collaguas» kunstvoll gestalteten Felsmalereien und die Höhlen, in denen einst die sogenannten «Colcas», Behälter für die Lagerung von Getreide, aufbewahrt wurden. Kommen auch Sie auf die Höhe und lassen Sie sich von der Schönheit und der Kultur Perus mitreissen.

Kulinarische Genüsse Das Andenland besitzt 84 der 104 festgestellten Naturlandschaften sowie 27 der 32 klimatischen Gegebenheiten unseres Planeten. Daraus entsteht die Basis für eine vielseitige und reiche peruanische Lebensmittel-Produktion. Diese Zutaten­ vielfalt und das Talent der verschiedenen Ethnien im Lande bringen die unvergleichliche peruanische Küche hervor. Die peruanische Küche gehört zu den beliebtesten Küchen der Welt. Bekannte Beispiele: «Ceviche» (in Limettensaft mit scharfen Gewürzen gegarter Fisch), die «Anticuchos» (Spiesschen aus Rinderherzstückchen) und der «Aji de gallina» (Hühnerfrikassee mit Käse-Nuss-Sauce).

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Ein guter Platz, Konzentration, mentale Stärke und gute Technik – oder sich ganz einfach treiben lassen.

DOMINIKANISCHE REPUBLIK ein Traum

Tourist Board Dominikanische Republik Hochstrasse, 54 . D-60313 Frankfurt/Main Tel.: +49 69 91397878 . Fax: +49 69283430 switzerland@godominicanrepublic.com www.godominicanrepublic.com/rd

Tourist Board


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SEABOURN

MOMENTE Manchmal im Leben darf es etwas Besonderes sein. So, wie beispielsweise eine Reise auf den Schiffen der Seabourn-Flotte, wo Luxus nicht nur versprochen, sondern auch gehalten wird. Nicht umsonst gilt der Pionier der Ultra-Luxus-Kreuzfahrten Seabourn zu den weltbesten Kreuzfahrtlinien. Anouk Delange I

Seabourn

W

er träumt nicht davon? Die faszinierendsten Reiseziele der Welt zu entdecken, sich dennoch wie zuhause zu fühlen und auf keinerlei luxuriösen Komfort zu verzichten? Mit der kleinen und eleganten Flotte von Seabourn lässt sich genau dieser Traum leben. Denn die drei Schwesterschiffe Seabourn «Odyssey», «Sojourn» und «Quest» bieten alles, was das Herz begehrt. Dank meister­licher Ingenieurskunst lässt sich die Seabourn-­Flotte sanft und wendig ­navigieren, in kleine, abgelegene Buchten oder auf Flüssen fahren, und in kleinen Häfen liegen sie gleich neben den mondänen Privat­yachten. Ein Luxus, der grösseren Kreuzfahrtschiffen verwehrt bleibt. Und nicht nur das, denn durch ihre überschaubare Grösse bieten sie den Gästen ein persönliches Ambiente – elegant und leger zugleich.

Preisgekrönter Service und Genuss pur Die 104 bzw. 225 grosszügigen Suiten der luxuriösen Flotte sind ausschliesslich Aussenkabinen, wovon 90 Prozent über eine Veranda verfügen. Und dass jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird, dafür sorgen die exzellent ausgebildeten Angestellten. Ein Service, der mit beinahe einer Person pro Gast nicht nur an der Branchenspitze liegt, sondern auch mehrfach preisgekrönt wurde.

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Doch nicht nur der Service an Bord ist ausgezeichnet, sondern auch die Küche der Flotte, denn hier kochen nur die Besten und verwöhnen ihre Gäste in verschiedenen Restaurants mit saisonalen Zutaten und regionalen Spezialitäten de luxe. Zu den kulinarischen Highlights ge­hören auch die Koch­ demonstrationen der Küchenchefs und das «Caviar in the Surf», eine schwimmende Surfboard-Bar mit Kaviar und Champagner. Ob man Ruhe und Musse sucht oder sich sportlich betätigen möchte – auf den drei Schiffen der Odyssee-Klasse findet jeder das Richtige. So gibt es auf den Kreuzfahrtschiffen eine Bibliothek ebenso wie einen exklusiven SPA-Bereich oder die Möglichkeit, zahlreiche Sportarten zu betreiben. So, wie an den beliebten «Marina Days», an denen die schiffseigene kleine Marina ausgefahren wird und sich die Gäste von Wasserski bis Kayaking an verschiedensten Wassersportarten probieren können.

Auf Expansionskurs Und dass Seabourn niemals stehen bleibt, davon zeugen auch zwei weitere Schiffe. Darunter die Seabourn «Encore», die mit einem zusätzlichen Deck und einem noch grosszügigeren öffentlichen Bereich aufwartet, und im nächsten Jahr die Seabourn «Ovation», die von keinem Geringeren als der Design-Ikone Adam A. Tihany entworfen wurde, um auch weiterhin unvergessliche Seabourn-Momente zu garantieren.

MCCM Master Cruises Vertreten werden die exklusiven Seabourn-Reisen durch den in Zürich ansässigen Hauptvertreter in der Schweiz, die MCCM Master Cruises Chr. Möhr AG, und führenden Spezialisten für stilvolle Erstklassund Expeditionskreuzfahrten. Telefon: +41 (0)44 211 30 00 I info@mccm-cruises.ch www.mccm.ch


SE A BOU R N AUSZEIT GENIESSEN

ALLES INKLUSIVE 1 Alle Mahlzeiten & Getränke an Bord Trinkgelder Limousinen-Transfer bei Abreise Aspire Airport Lounge Flüge in Economy-Class ab/bis Zürich

Seabourn Encore, seit Dez. 2016 unterwegs

WORLD‘S BEST SMALL SHIP CRUISE LINE*

KREUZFAHRTEN INKL. FLÜGE AB/BIS ZÜRICH1 AB/BIS ZÜRICH (KARIBIK) 17. Jan. 2018 | 19 Tage | Odyssey | ab CHF 9655 AB/BIS ZÜRICH (ANTARKTIS) 1. Feb. 2018 | 26 Tage | Quest | ab CHF 17355

Bei Seabourn reisen Sie immer in Ihrer eigenen Suite und mit exklusivem Komfort zu den begehrtesten Reisezielen. Dank meisterhafter Ingenieurskunst bringen die Schiffe Sie sanft und wendig in die Herzen grossartiger Städte, in exklusive Yachthäfen und abgeschiedene Buchten, die grösseren Schiffen verwehrt bleiben. Beim Betreten erwartet Sie ein grosszügiges, luftiges Ambiente mit luxuriösen Materialien. Durch die durchdachte Ausstattung und vielen Annehmlichkeiten fühlen Sie sich schnell wie zu Hause. Diese Kombination entspannter, legerer Eleganz bringt den Schiffen fortwährend Bestnoten in den Kategorien Kleinschiffe und LuxusKreuzfahrtschiffe ein. * World‘s Best Small-Ship Cruise Line im 2015, 2013-09 & 2007 - Travel + Leisure World‘s Best Awards

AB/BIS ZÜRICH (AUSTRALIEN) 20. Feb. 2018 | 22 Tage | Encore | ab CHF 8755 AB/BIS ZÜRICH (SÜDOSTASIEN) 18. März 2018 | 19 Tage | Sojourn | ab CHF 8155 AB/BIS ZÜRICH (SÜDOSTASIEN) 3. Apr. 2018 | 23 Tage | Sojourn | ab CHF 9295 AB/BIS ZÜRICH (TRANS-PAZIFIK) 15. Mai 2018 | 22 Tage | Sojourn | ab CHF 9395 preise pro person (basis doppel), in günstigster kategorie, inkl. flüge ab/bis zürich in economy, all-in gem. katalog & trinkgelder. nicht inkludierte leistungen & gültigkeit gemäss programm.

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Für Beratung & Buchung: Katalog 2017/18 jetzt bestellen!

Tel. 044 211 30 00 MCCM Master Cruises Christian Möhr AG | Nüschelerstr. 35 | 8001 Zürich | info@mccm-cruises.ch | mccm.ch nur Kreuzfahrten | nur Erstklassige | einzig in der Schweiz


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VIELFALTFÜRS

HANDGELENK

Z

Die Uhrenindustrie unserer Tage hat jedwede Art von Kundschaft im Blick. Deshalb deckt ihr Produktspektrum so gut wie alle Ansprüche ab. Gisbert L. Brunner

um Glück lässt sich über Geschmack und Vorlieben für Dinge bis heute nicht streiten. Meinungspluralität schafft Vielfalt. Das zeigt sich auch bei neuen Armbanduhren. In technischer, technologischer und gestalterischer Hinsicht ist die Vielfalt immens, man könnte auch sagen beinahe unüberschaubar. Andererseits kommen alle, die ihr Handgelenk mit einem wie auch immer gearteten Zeitmesser schmücken wollen, problemlos zu ihrem Recht. Mehr oder minder komplizierte Mechanik dominiert das Geschehen im oberen und höchsten Preissegment. Frauen mit Faible für Schmückendes, das zugleich auch komfortable Präzision gewährleistet, schätzen Quarzwerke. Daneben gibt es immer mehr Menschen, welche im beruflichen wie auch privaten Leben jederzeit in Verbindung bleiben möchten. Sie werden ihre helle Freude haben an den neuesten Smartwatches mit breitem Funktionsspektrum. Kurzum: Bei ­A rmbanduhren gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Und das ist gut so.

Louis Vuitton kann Smart LOUIS VUITTON

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Bei Louis Vuitton stehen Reise-Accessoires seit Anbeginn hoch im Kurs. Eigene Uhren gibt es seit 2002 für Damen und Herren. Beim Blick auf die Gehäuseform ist der Name Tambour, also Trommel, für die erste Kollektion bewusst gewählt. Mit der neuen «Tambour Horizon» beweist das französische Luxuslabel smarte Kompetenz. Dank Google Android Wear 2.0 verbindet sich der Newcomer per Bluetooth auch mit iPhones. Kommunikative Elektronik der neuesten Generation in Gestalt des Qualcomm-Snapdragon-­ Wear-2100-Prozessors birgt das 42 Millimeter grosse, bis drei bar Druck wassergeschützte Stahlgehäuse. Das Chipset, ebenfalls von Qualcomm Technologies, gewährleistet einen ganzen Tag Betrieb ohne Nachladen. Die Besitzer(innen) blicken auf ein hoch auflösendes AMOLED-Display. Nach


dem Hochfahren besteht Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Zifferblattdesigns, darunter auch ein Chronograph. Bei den Apps punktet Louis Vuitton unter anderem mit «My Flight». Vielflieger erhalten hier hilfreiche Informationen zum Trip, darunter Terminal, Gate oder verbleibende Flug­ zeit. Die Weltzeit-Indikation mit 24 Städten greift das Zifferblattdesign der ­mechanische «Escale» auf. Mit an Bord sind ferner Mikrophon, Gyroskop, ­Vibrator und ein Lichtsensor zur Displaysteuerung. Zur Wahl stehen schliesslich 60 problemlos austauschbare Armbänder. TAG HEUER

Tausendsassa Eingefleischte Mechanik-Freaks lehnen Armbanduhren ab, die sich mit Smartphone und Internet verbinden. Trotzdem möchten etliche von ihnen ständig Kontakt zu anderen halten. Mit der neuen «Connected Modular 45» bietet TAG Heuer einen sehr praktikablen Kompromiss zwischen verschiedenen Uhrenwelten und -philosophien. Er basiert auf der im November 2015 vorgestellten Luxus-Smartwatch «Connected», welche sich spontan zu einem vollen Erfolg entwickelte. Der von Intel beigesteuerte Mikro-Computer mit Titangehäuse erinnert an die legendäre Heuer «Carrera». Google zeichnet für die «Android»-Software verantwortlich. An diesen Fakten ändert sich auch bei der 2017er-Generation nichts. Im Gegensatz zum Vorgänger geht die Produktion der Elektronik mit integrierter ­GPS-und NFC-Funktion für unkompliziertes «Android Pay» künftig auf Schweizer Boden über die Bühne. Optisch besticht zunächst ein hoch auflösendes AMOLED-Display für mehr als 30 verschiedene Zifferblätter. Auch im Ruhemodus zeigt sich die aktuelle Zeit. Ungekannte Vielfalt gestattet ein modulares Gehäusekonzept. TAG Heuer offeriert zehn verschiedene Standard-­Varianten. Langeweile beugen vier unterschiedliche Bandanstösse, acht Kautschuk- und drei Lederbänder sowie

zwei Schliessen vor. Alles lässt sich im Handumdrehen am «Connected»-Container befestigen. Ausserdem harmoniert es perfekt mit zwei weiteren Schalen, in denen traditionelle Mechanik tickt. Eine birgt das Automatik-«Calibre 5» (Eta 2824-2), die andere komplizierte, amtlich auf seine Ganggenauigkeit überprüfte Manufakturarbeit. Gemeint ist das A ­ utomatikkaliber Heuer 02-T. Es vereint in sich einen innovativen Schaltrad-Chronographen und ein «fliegendes» Tourbillon mit neuartigem Karbon-­­Drehgestell. Trotzdem bleibt dieser uhr­ macherische Luxus bezahlbar.

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BLANCPAIN

MONTBLANC

Hommage an einen Profi-Klassiker

CENTURY

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Beim Blick in die Archive des Hauses Blancpain entdeckt man ein breites Spektrum unterschiedlicher Versionen der 1953 eingeführten Taucher-Armbanduhr «Fifty Fathoms». Gut zwei Dutzend dürften es vor der Renaissance wohl gewesen sein. Besonderen Rang nehmen dabei Modelle ein, welche militärischen Spezifikationen genügten. Sie trugen den Namen «Fifty Fathoms Mil-Spec» und hielten Wasserdruck bis zu 20 bar aus. Die «Fifty Fathoms Mil-Spec 1» verfügte erstmals über einen Sekundenstopp zur exakten Synchronisation der Zeiger mit einem Zeitsignal. Auf dem mattschwarzen Zifferblatt stach eine neuartige Dichtigkeitsindikation ins Auge. Gestaltet in Form eines grossflächigen Punkts mit je einer violetten und blauen Hälfte. Solange Letztere ihre Farbe behielt, war das Gehäuse dicht. Färbte sie sich hingegen violett, bestand Handlungsbedarf. An das Zifferblatt dieser professionellen Taucheruhr erinnert jenes der 2017er «Tribute to Fifty Fathoms MIL-SPEC» mit dem exklusiven, aus 210 Komponenten assemblierten Automatikkaliber 1151. Zwei seriell geschaltete Federhäuser gewährleisten vier Tage Gangautonomie. Vierzig Millimeter misst die stählerne Schale, deren Wasserdichte bis 30 bar reicht. Durch den Sichtboden erkennt man neben dem Goldrotor auch die leichte, amagnetische Siliziumspirale. Im Gegensatz zu damals ist die Super-­ LumiNova-Leuchtmasse des Zifferblatts kein bisschen radioaktiv. Oberhalb


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sichere Ablesbarkeit aus 25 Zentimetern. Schutz bietet ein knapp vier Millimeter dickes Saphirglas. Um die unter Wasser stets besonders kostbare Zeit kümmert sich ein Automatikwerk vom Kaliber CFB 1950.1, was dem Eta 2824-A2 entspricht. Aktuell offeriert die Manufaktur insgesamt 188 spezielle Exemplare dieses Boliden zur Unterstützung einer erstmalig durchgeführten Forschungsexpedition. Ganz konkret geht es um Mantarochen, die bekanntlich vom Aussterben bedroht sind. Während zweier Wochen im August wurde das Verhalten dieser tierischen Spezies einmal in Bezug auf Lebensraum und Nahrung analysiert. Zum anderen werden die Daten sorgsam erfasst und somit weiteren Projekten zugänglich gemacht.

Der Gipfel

CARL F. BUCHERER

der «6» findet sich die altbekannte Wasserdichtigkeitsindikation. Innovation repräsentiert die natürlich einseitig rastende Tauchzeitlünette mit kratzfestem Saphirring, der die Leuchtindexe vor Abnutzung bewahrt.

Taucheruhr für guten Zweck Bis zu 500 Meter unter den Meeresspiegel taucht die «Patravi ScubaTec» von Carl F. Bucherer problemlos ab. Zusätzliche Sicherheit beim Empor­steigen bietet ein Heliumventil in der Flanke des markanten Stahlgehäuses mit 44,6 Millimetern Durch­ messer. Selbstredend lässt sich die aus Edelstahl und Keramik gefertigte Lünette bei diesem Zeitmesser mit professionellem Anspruch nur entgegen dem Uhrzeigersinn verstellen. Somit wird die verbleibende Tauchzeit aus Gründen der persönlichen Sicherheit bei versehentlichem Drehen immer nur kürzer. Die Gestaltung von Zifferblatt und Zeigern gewährleistet selbst bei widrigen Sichtverhältnissen

Dass es sich bei der «Summit» um eine Smartwatch handelt, zeigt erst der zweite Blick oder die intensivere Beschäftigung mit der 46 mm grossen Armbanduhr. Montblanc bietet sie in unterschiedlichen Ausführungen mit Titanoder Stahlgehäuse an. Nach dem Starten lassen sich am leicht bombierten Touchscreen mit AMOLED-Display unterschiedliche Zifferblätter, darunter auch ein klassischer Retro-Chronograph, wählen. In der schlichten Schale vom Typ 1858 findet sich Elektronik der neuesten Generation in Gestalt des Snapdragon-Wear-2100-Prozessors und ein Chipset ebenfalls von Qualcomm Technologies. Mit einer Batterieladung hält das Ganze in der Regel einen Tag lang durch. Für Energienachschub braucht es eine Ladeschale. Die Software Android Wear 2.0 von Google kommuniziert über Bluetooth auch mit iOS-, also Apple-Geräten. Dank eingebautem Mikrophon lässt sich der Google-­ Assistent direkt ansprechen. Auf diese Weise sind auch Übersetzungen, das Diktieren von E-Mails, Sprachnachrichten und das Vormerken von Terminen möglich. Ferner bietet die Benutzeroberfläche eine Art Tastatur, welche Handschrift und Fingerstriche erkennt. Rückwärtige Sensoren erfassen die Pulsund Herzfrequenz mit bestmöglicher Genauigkeit. Fitness-Apps sind ebenso vorhanden wie Applikationen für den Fahrdienst Uber oder den Stadtführer Foursquare. Lieblingslieder lassen sich mithilfe der «Google Play»-Musik-App und Wireless LAN in den Speicher laden. Wem das personalisierbare Display nicht reicht, kann sich von Montblanc ein «massgeschneidertes« Zifferblatt gestalten lassen.

Saphir, Perlmutt und Diamanten Hans-Ulrich Klingenberg war ein ausgesprochen kreativer Mensch. Schon vor Gründung des Labels Century im Jahr 1966 hatte er ein Vakuumgehäuse für Armbanduhren und auch das komplexe Megalith-Verfahren entwickelt. Letzteres gehört bis in die Gegenwart zu den exklusiven Merkmalen jedes Zeitmessers mit dieser Signatur. Mittlerweile hat in Nidau Sohn Philip W. A. Klingenberg das Sagen. Unter seiner Ägide entsteht unter anderem die seit 1999 am Markt präsente «Dragon Stone». Zu den Domänen dieses femininen Modells zählt ein gekonntes Zusammenspiel von Perlmutt und Century-Saphir. Von Meistern ihres Fachs werden die Zwölfeckform sowie die Facetten des unverwüstlichen Glasrands manuell geschliffen und poliert. Dank der sogenannten Nacrilith-­ Technik lässt sich zwischen zwei Century-Saphiren auch noch eine feine Perlmuttschicht einfügen. Beeindruckend auch das feingliedrige Armband mit Befestigungsgliedern in Wellenform. Die weissgoldenen «Dragon Line»-­ Modelle gibt es mit 27, 32 und 38.5 mm Durchmesser. Für die Zeit ist stets ein präzises Quarzwerk zuständig. Die abgebildete Armbanduhr ist besetzt mit 218 Diamanten von zusammen 1,952 Karat. Der Century-Saphir verfügt über 36 Facetten. Für das Zifferblatt findet Naturperlmutt Verwendung.

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HUBLOT

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Tu Gutes und sprich drüber Erfolg haben und diesen mit benachteiligten Menschen teilen, lautet das philanthropische Motto von Jean-Claude Biver und Ricardo Guadalupe, dem Führungs-Duo im Hause Hublot. Genau so denkt und handelt auch Carlos Fuente Junior. Als er vor 37 Jahren in der Dominikanischen Re­publik die Zigarren-­ Manufaktur Arturo Fuente und eine Tabakfarm ins Leben rief, fehlte es in der Gegend an Schulen und angemessener ärztlicher Betreuung. Abhilfe schaffte die Familienstiftung «Cigar Family Charitable Foundation». 2017 feiert die «Opus X», das Fuente-Flaggschiff, seinen 20. Geburtstag. Aus diesem Grund entwickelte Hublot eine limitierte Edition mit drei speziellen Automatik-Armbanduhren. Ein Teil des Verkaufserlöses der insgesamt 60 Zeitmesser kommt der Stiftung zugute. Die Lieferung jeder der 45 mm grossen Pretiosen erfolgt in einem hölzernen Luxus-Etui, welches sich – beinahe selbstverständlich – auch

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ROLEX

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Auf den Mond gekommen Bei Rolex steht «Cellini» für zurückhaltende Eleganz, während die «Oyster»-­ Modelle sportivere Attituden besitzen. Ungeachtet dessen sind die äusseren und inneren Werte gleich. Die aktuelle «Cellini»-Geschichte prägen drei runde, im Jahr 2014 vorgestellte Gold-Armbanduhren: «Cellini Time», «Cellini Date» mit Zeigerdatum bei «3» und «Cellini Dual Time». Zu ihren sichtbaren Merkmalen gehören 39 Millimeter grosse Gehäuse, die dem Druck des nassen Elements bis zu fünf bar widerstehen. Hinzu gesellt sich ein ausdruckstarker Glasrand: aussen fein geriffelt und innen glatt bombiert. Bleiben guillochierte Zifferblätter namens «Rayons flammés de la gloire». 2017 erweitert die «­ Cellini Moonphase» mit dem natürlich zertifizierten Manufaktur-Rotorkaliber 3195 das Spektrum. Deutlich aus dem Rahmen des Üblichen fällt hier die Indikation des bleichen Erdtrabanten. Bei «6» dreht eine blau emaillierte Scheibe, welche einen Vollmond als Meteoriten-Applikation trägt. Exakt gegenüber symbolisiert ein weisser Kreis den Neumond. Zur Orientierung haben sich die Produktgestalter einen kleinen Pfeil einfallen lassen. Erst in 122 Jahren geht die patentierte Anzeige einen Tag falsch. Mit von der Partie ist auch ein Zeigerdatum, erkennbar an der kleinen Mondsichel. Für diesen «Chronometer der Superlative» leistet Rolex fünf Jahre Garantie. Wenn es sein muss, auch auf dem Mond. ZENITH

Mechanische Revolution

Der 14. September 2017, an dem die «Défy Lab» von Zenith ans Licht der Öffentlichkeit tritt, wird als ganz besonderes Datum in die Annalen der mechanischen Zeitmessung eingehen. Dank Guy Sémon, seines Zeichens Generaldirektor von TAG-Heuer, kommt diese Armbanduhr ohne Unruh und Unruhspirale aus. Die Erfindung von Christiaan Huygens aus dem Jahr 1675 wird damit obsolet. Gleichermassen innovatives wie spektakuläres Bauteil des 32,8 mm grossen Automatikkalibers ist der monolithische, nur 0,5 mm hohe «Sémon Oszillator». Das komplex anmutende Element aus selbstverständlich temperaturstabilisiertem Silizium ersetzt insgesamt 31 Assortiment-­ Komponenten. Kontaktflächen, Reibung, Schmierung, Assemblage, Regulierung und Kontrolle sind fortan keine Themen mehr. Ein leichtes, sehr als Humidor nutzen lässt. Hublot offeriert zwei speziell gestaltetes Silizium-Zahnrad regt den Oszillator zu flotten 15-Hertz-­ Versionen der «Classic Fusion Fuente 20th Anni- Schwingungen mit nur sechs Grad Amplitude an. Im Vergleich dazu vollziehen versary Special Edition» mit Schalen entweder aus klassische Unruhschwinger rund 300 Bogengrade. Circa 60 Stunden Gang­ rotem «King Gold» oder aber gebürstetem Titan. autonomie unterstreichen die energetische Effizienz des Ganzen. Das sind Hierbei zeigen Laser-Gehäusegravuren in dem 10 Stunden mehr als beim klassischen Zenith «El Primero» mit nur fünf Hertz Buch­staben X verschlungene Tabakblätter. Ferner Unruhfrequenz. Auch die Präzision des Newcomers mit Zeigern für Stunden, gibt es 20 Stück einer nicht gravierten Keramik-­ Minuten und Sekunden spricht für sich. Im Zeitraum von 48 Stunden geht Version. In allen Fällen ziert das X der Zigarren-­ das Œuvre täglich höchstens 0,3 Sekunden vor oder nach. Der thermische Banderole auch das markant blaue Zifferblatt. Am Fehler liegt bei 0,3 Sekunden pro Tag und Grad Temperaturänderung. MagnetBoden findet sich eine exklusive Illustration der Fa- felder bis zu 88’000 A  /  m steckt der aus 148 Komponenten zusammengemilie Fuente mit der Inschrift «Château de la Fuente, fügte Mikrokosmos problemlos weg. Zenith liefert die nur zehn Exemplare des Fuente Opus X 20 Years» sowie die Seriennummer neuen Flaggschiffs mit Gehäuse aus «Aeronith», einer ultraleichten Aluminium-­ der limitierten Edition des jeweiligen Modells. Polymer-Komposition, sowie insgesamt drei Qualitäts-Zertifikaten.

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Zurück in die Zukunft

RADO

Retrolook pur zeichnet die quadratische «HyperChrome 1616» aus. Beim Design dieses Zeitmessers durchstöberten die Produktgestalter von Rado das firmeneigene Archiv. In den späten 1960er-Jahren wurden sie fündig. Konkret entdeckte das Team dort die Linie «Cape Horn». Selbige erinnerte damals an das Jahr 1616, als mutige Seefahrer auf abenteuerlicher Route das Cape Horn entdeckten. Insofern eignet sich diese neue, gleichermassen markante wie robuste Armbanduhr für Abenteuer zu Lande, zu Wasser und natürlich auch in der Luft. Ihre grosszügig dimensionierte Schale mit rund 46 Millimeter Kantenlänge nimmt Wasserdruck bis zu zehn bar nicht krumm. Gefertigt wird sie samt speziell graviertem Boden aus gehärtetem Titan Grade 5. Zur besseren Ablesbarkeit ist das Saphirglas beidseitig entspiegelt. Im Inneren findet sich

JUNGHANS

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ein Automatikwerk vom Kaliber Eta C07.621, welches nach Vollaufzug circa 80 Stunden ununterbrochen tickt. Zur Erinnerung an das denkwürdige Jahr ist die Edition auf 1616 nicht individuell nummerierte Exemplare beschränkt.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Dank 40 Millimeter Gehäusedurchmesser passt die Weissgold-Referenz 5320G von Patek Philippe an nahezu jedes Handgelenk. Bei Kennern weckt diese Armbanduhr mit ewigem Kalendarium, welches –

rein theoretisch – erst 2100 manuell wieder richtiggestellt werden muss, Erinnerungen an frühere Zeiten. Gekonnt greift das Design gestalterische Elemente der einstigen Referenzen 1463, 1526, 2405, 2438 / 1 und 3450 auf. Die Optik mit Fenster für Wochentag und Monat sowie kleinem, konzentrisch zur Mondphasenindikation oberhalb der «6» drehendem Datumszeiger prägt diesen Typus Zeitmesser im Hause Patek Philippe seit mehr als 70 Jahren. Die Schaltjahresindikation durch ein kleines rundes Zifferblattfenster gesellte sich 1980 bei der Automatik-Referenz 3450 hinzu. Weil auch bei der altehrwürdigen Genfer Familienmanufaktur die Zeit niemals stehen bleibt, gesellen sich zur Tradition viele zeitgemässe Elemente wie das ­Automatikkaliber 324 SQ mit «Gyromax»-Unruh und «Spiromax»-Spirale aus temperaturstabilem Silizium. Ein weiteres Guckloch zwischen «7» und «8» lässt zum Zweck leichteren Einstellens erkennen, ob die Uhr gerade Tag- oder Nachtstunden indiziert. Der Mond agiert ausgesprochen präzise. In 122,6 Tagen geht er gerade einen Tag falsch.

PATEK PHILIPPE

Nostalgie in Reinkultur Vater Hans-Jochem Steim und Sohn Hannes lieben Oldtimer mit vier, aber auch mit drei oder zwei Rädern. Davon kündet ihr Automuseum in Schramberg, Schwarzwald. 2009, in schweren Zeiten, übernahm die Unternehmerfamilie eine traditionsreiche deutsche Uhrenmarke, deren Gründung 1861 in der gleichen Stadt erfolgt war. Bei Junghans entdeckten die neuen Eigentümer seit Langem existente, aber teilweise leider brachliegende Werte. Die daraus abgeleitete Mechanik-Philosophie zielt auf Pflege der Tradition unter Beibehaltung eines bezahlbaren uhrmacherischen Luxus. Nostalgie pur und jede Menge Bezüge zum Cockpit klassischer Automobile verstrahlen die «Meister Driver Automatik»-­ Modelle. An männlichen Handgelenken fühlen sich die nur 38,4 Millimeter grossen Armbanduhren mit PVD-beschichteten Stahlgehäusen ebenso wohl wie an weiblichen. Super LumiNova lässt die markanten Minutenziffern bei Dunkelheit erstrahlen. Besonderen Glanz verspricht ein effektvoller Polierlack auf der mehrfarbigen Scheibe, vor der Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden rotieren. Aus der Schweiz stammt das Automatikwerk. Hinter der Bezeichnung J.800.1 verbirgt sich das zuverlässige Kaliber 2824-A2 der Eta.

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DIE

JUWELEN

FLÜSTERIN Sie ist ein aufmüpfiger Freigeist, eine Fashion-Ikone, ein It-Girl, und sie verpasst dem Juwelierhaus Cartier, das bis dahin auf geometrisch starren Art-déco-Formen verharrt, mit einem neuen, visionären, lebendigen, wunderlich figuralen Stil, exotischen Tieren und Pflanzen sowie beweglichen Steinen nicht nur einen Neuanstrich, sondern rettet «La Maison» damit vor der drohenden Pleite. Jeanne Toussaint. Die Cartier den Panther bringt.

J

eanne Toussaint liebt lange Perlenketten, bunt bestickte Cowboystiefel, frönt dem eigenen Stil und Genuss, raucht nur mit Zigarettenspitze, pfeift auf Konventionen sowie Grenzen und hat ein untrügliches Gespür dafür, was Frauen wollen, aber am meisten sie selbst. Neben ihr erscheinen Woodstock und New Yorks legendäres Studio 54 wie Hüpfburgen für Zwerge, verblassen Lady Gaga und Grace Jones wie erlöschende Sternschnuppen. «Tous-Saint», keine Heilige und doch fast schon wieder eine, ist eine Mischung zwischen Hasardeur und weiblichem Dandy, lebt ihre unmissverständliche Eigenwilligkeit in einer Zeit vor hundert Jahren, als alles mehr nach «Unsere kleine Farm» als nach pompösem und exotischem Schick riecht.

French Cancan Am 13. Januar 1887 wird Jeanne Toussaint in Charleroi, einem Nest in Belgien, geboren. Ihr Vater stellt Brüsseler Spitze her, die ihre Mutter verkauft. Das Leben plätschert mittelständisch langweilig vor sich hin, bis ihr Vater erkrankt und ihr

Helena Ugrenovic I

Cartier

Zuhause sich bedrückend verdunkelt. Mit 18 Jahren flüchtet Jeanne mit ihrem ersten Liebhaber aus der Landei-Idylle nach Paris. Zu Eiffelturm und «Moulin Rouge», zu Savoir-vivre und dem mondänen Leben an der Seine, zu Belle Époque und in ein Herrenhaus am Boulevard Malesherbes, mitten im Milieu, und zu den «Cocottes», den Prostituierten. Sie führt ein chaotisches Liebesleben, feiert die Nächte durch, ist die beste Freundin von Gabrielle «Coco» Chanel und entwirft Handtaschen, die sie mit Stickereien, Perlen, Knospen und Ketten aufpeppt und die in den Anfängen der 1920er Jahre der letzte Schrei und «Must-haves» sind.

Amour fou Sie hat ein Techtelmechtel mit Baron Hély d’Oissel, doch als Jeanne Louis Cartier im «Maxim’s» kennenlernt, mischt das Schicksal die Karten neu und dreht sich ihr Leben um 180 Grad. Es ist der Vorabend des Ersten Weltkriegs, das Ende der Belle Époque und der Beginn einer tief sinnlichen Beziehung. Louis Cartier ist fasziniert von Jeannes Talent, ihrer Lebhaftigkeit und Fantasie. Doch

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«Als ich bei Cartier anfing, war ich blutjunge 20, sie bereits 76 und ich irgendwie eingeschüchtert. Aber sie war so zwanglos und unkompliziert, nannte mich Kleiner , und sie förderte unser Talent.» – Jacques Diltoer, Cartier –

heiraten darf er seine Geliebte nicht. Vor allem seinen Brüdern ist die brillante Visionärin, trotz ihres epochalen Einflusses auf das Haus Cartier, zu wild, zu lebenslustig und zu «’n Scheiss muss ich». Louis Cartier beugt sich dem Willen seiner Familie, verlässt Jeanne und heiratet eine Adlige, mit der er kreuzunglücklich ist. Jeanne, die Starke und Unbeugsame, ersetzt die Liebe des Mannes, den sie verloren hat, mit extraordinären Kreationen für Cartier, die es zu der prestigeträchtigen «La Maison Cartier» machen, die es heute ist.

die sie in Formen verarbeitet, wie sie bis dahin nur als Modeschmuck erhältlich sind. Libellen, Drachen, Eisvögel, ein Kolibri, an dessen Schnabel Steinchen wie Futterbeute baumeln, ein Flamingo, Blüten-Broschen, die auch als Pendant an einer Kette getragen werden können, und wilde Tiere, statt kantiger und eckiger Starrheit. Jeannes Entwürfe sind grandios und so erfolgreich, dass Louis Cartier ihr 1933 die Verantwortung für die «Haute Joaillerie» überträgt.

La panthère Revolutionäre Kreativität Ende der 20er Jahre verliert die betuchte Pariser High Society das Interesse an Juwelen, Cartier seine Einnahmen und Frankreich dadurch fast sein «Future»-Traditionshaus. Jeanne, die verspielte, lebendige, plastische Kreationen, Gelbgold und bunte Steine starren und leblosen Geschmeiden vorzieht, überredet Cartier, eine neue, sinnlichere Kollektion zu entwerfen, die vor allem Frauen ansprechen soll. Schmuck soll von jetzt an sexy, extravagant und jung sein. Vertritt Coco Chanel die Meinung, Schmuck müsse vor allem schön, aber nicht echt sein, setzt Jeanne auf Edelsteine,

Hochkarätige Rebellion Als die Nazis Paris besetzen, entwirft Jeanne Toussaint-«d’Arc» als Zeichen des Widerstandes einen besonderen Anhänger. Einen Käfig, in dem ein Vogel sitzt. Cartier platziert das kleine Juwel als grosses Symbol im Schaufenster der Boutique. Am Ende des Krieges wurden die Gitter­ türchen für den Vogel geöffnet.

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Nach der Rückkehr von einer Safari in Afrika begeistert sich Jeanne für den Panther, dem sie mit Edelsteinen und schwarzem Onyx für die Flecken Leben einhaucht. Um das Fell des Panthers so naturgetreu wie möglich nachzubilden, entwickelt Cartier ein besonderes Savoir-faire, die «Fellfassung», bei der die Edelsteine von winzigen, heruntergebogenen Edelmetallfäden gehalten werden. Unter Jeannes Regie entstehen einzigartige Panther-­ Kollektionen, denen die Herzogin von Windsor, Prinzessin Aga Khan, Maria Félix, Daisy Fellows oder Barbara Hutton verfallen sind. Es sind eigenwillige Frauen und starke Persönlichkeiten – wie Jeanne selbst. Zu einem ihrer Meisterwerke wird «Brooch», die Brosche mit dem Panther, der in spielerischer Leichtigkeit auf einem 152.35-Karat-­ Saphircabochon sitzt und die von der Herzogin von Windsor erworben wird. Jeanne Toussaint bleibt Cartier und ihrem Stil bis ins hohe Alter treu. Selbstbewusst und autoritär wacht sie bis 1970 über die Kollektionen, und nur das, was ihr gefällt, kommt in den Verkauf. Die Meinung anderer interessiert sie nicht. Und auch heute noch, nach ihrem Tod 1976, ist ihr Geist im Unternehmen spürbar.


TRAVEL

WUSSTEN SIE SCHON …?

Geschichtsträchtig Kurz nachdem John F. Kennedy von dem vermeintlichen Täter Lee Harvey Oswald erschossen wurde, sollte eine weitere Uhr eine Rolle spielen. Wie die Geschichte besagt, wurde die genaue Todeszeit von einer 18-karätigen goldenen Uhr von Patek Philippe mit der Reference 1463 abgelesen. Dabei handelte es sich um eine 1948 hergestellte Uhr, die Dr. Kemp Clark gehörte, der als diensthabender Arzt am Parkland Memorial Hospital in Dallas den Tod des Präsidenten vermerkte und ihn exakt um 13 Uhr für tot erklärte. Einst ein Geschenk der Mutter für 750 US-Dollar, wurde die Uhr samt originaler Verpackung, Kassenbeleg und Patek-Zertifikat 2013 an einer Auktion für 161’000 US-Dollar versteigert. Auf der Rückseite eingraviert der Name: «Kemp Clark».

Mit Liebesgrüssen «Jack, with love as always from Marilyn, May 29th, 1962.» war auf der Rückseite der goldenen Rolex «Day-Date» zu lesen, die Marilyn Monroe J. F. Kennedy just an dem Tag schenkte, an dem sie ihr unvergessliches «Happy Birthday» bei einer «Madison Square Garden»-Feier hauchte. Doch Freude sollte das Geschenk nicht auslösen. Zu gefährlich für JFK, hätte sie doch den Beweis für die intime Beziehung zu Marilyn Monroe geliefert. Aus Angst vor dem Skandal gab Kennedy seinem Adjutanten Kenneth O’Donnell die Anweisung, die Uhr verschwinden zu lassen. Ebenfalls brisant: In der Uhrbox befand sich ein Liebesgedicht von Marilyn Monroe, das lautete: «Let lovers breathe their sighs and roses bloom and music sound. Let passion burn on the lips and eyes and pleasures merry world go round. Let golden sunshine flood the sky and let me love or let me die.» 2005 wurde die Uhr – samt Liebesgedicht – für 120’000 US-Dollar versteigert.

The Stockdale Watch Man schrieb den 8. November 1960, als John F. Kennedy, im Alter von 43 Jahren, als jüngster gewählter Präsident aller Zeiten der Vereinigten Staaten von Amerika in die Geschichtsbücher einging. Bei seiner Amtseinführung am 20. Januar 1961 trug er am Hand­ gelenk eine Omega «Ultra Thin». Die Uhr, ein Geschenk von Kennedys Freund Grant Stockdale, der in der festen Überzeugung des bevorstehenden Wahlerfolgs Kennedys auf der Rückseite eingravieren liess: «Dem Präsidenten der USA John F. Kennedy von seinem Freund Grant». 2005 erwarb Omega die legendäre Uhr bei einer Auktion für sage und schreibe 350’000 US-Dollar wieder zurück, die heute in Omegas Uhrenmuseum in Biel zu bestaunen ist.

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WATCHES & JEWELLERY

ZEIT ZUM ANHALTEN: NEUE CHRONOGRAPHEN Spaghetti al dente kochen, Wettläufe stoppen, Durchschnittsgeschwindigkeiten erfassen: Mit Chronographen ist alles unkompliziert möglich. Dazu schauen sie auch noch gut aus. Grund genug, Geschichte und Technik anhand neuer Exemplare vorzustellen.

K

Gisbert L. Brunner

aum zu glauben, aber wahr: 155 Jahre ist er mittlerweile alt, dazu fit wie ein Turnschuh. Hinzu gesellt sich Beliebtheit par excellence. Keine Zusatzfunktion mechanischer Uhren erfährt so viel Zuspruch wie der Chronograph, von dem hier die Rede ist. Die Gründe: Funktionalität, vielseitige Verwendbarkeit und markante Optik. Das entscheidende Wesensmerkmal klassischer Chronographen besteht zweifellos in der konstruktiven Einheit von Uhrwerk und dem durchaus ­komplexen, aus etwa 40 Teilen bestehenden Schaltwerk für die drei spezi­ fischen Funktionen Start, Stopp und Nullstellung. Letztere findet sich – ­abhängig von der Konstruktion – auf der Vorder- oder Rückseite des eigentlichen Uhrwerks.

bis 30 Minuten und 12 Stunden. Patente für Stundenzähler finden sich schon im Jahr 1892. Die praktische Umsetzung der Theorie erfolgte jedoch erst 1937. Die Bezüge zum schnellen Auto ergeben sich aus einer doppelten Tachymeterskala. Sie dient dem zügigen Erfassen von Durchschnittsgeschwindigkeiten über einen Kilometer oder eine Meile hinweg. Zu diesem Zweck wird der Stopper beim Passieren einer entsprechenden Marke am Strassenrand gestartet und bei der nächsten wieder angehalten. Nun zeigt der zentrale Sekundenzeiger direkt auf den jeweiligen Wert.

Parmigiani Fleurier setzt auf eine sogenannte Kadratur, sprich die Montage der Chrono-Mechanik direkt unter dem Zifferblatt. Bereits 2001 startete das Unternehmen eine Kooperation mit der exklusiven Autoschmiede Bugatti. Sie setzt sich fort im «Bugatti Aérolithe Performance» mit 41 Millimeter grossem Titan-Gehäuse. Das exklusive Uhrwerk, Durchmesser 30,3, Höhe 6,81 Millimeter, verlangt nach 311 sorgfältig veredelten und assemblierten Bauteilen. Die Geschichte der integrierten Flyback-Funktion reicht zurück bis in die späten 1930er-Jahre und die dringenden Wünsche hoch beanspruchter Militärpiloten. Sie gestattet unverzüglichen, also rapiden Neustart ohne vorheriges Anhalten und Nullstellen des laufenden Zeitschreibers mit einem Knopfdruck. Seit 1969 gibt es Chronographen mit Selbstaufzug, damals vorgestellt von ­Breitling, Heuer, Seiko und Zenith. Bei Parmigiani zeichnet sich das Basiswerk mit Rotor-Automatik durch zwei parallel wirkende Federhäuser und mehr als 50 Stunden Gangautonomie aus. Vier Hertz Unruhfrequenz gestatten Stoppvorgänge auf die Achtelsekunde genau. Die beiden Totalisatoren reichen

Drücker und andere Aspekte

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Bis in die frühen 1930er-Jahre diente ein einziger Drücker zum Bedienen des Chronographen. Konsequent nacheinander erfolgten Start, Stopp und Nullstellung. Dann setzten sich deren zwei durch. Mit ihrer Hilfe kann der Stoppvorgang beliebig oft unterbrochen und wieder fortgesetzt werden. Fachleute sprechen hierbei von Additionsstoppungen. Beim Schaltwerk unterscheiden sie zwischen zwei  verschiedenen Systemen. Überlieferte Chrono­graphen-Kaliber verfügen über ein drehbar gelagertes Säulenrad. Bei jedem Schaltvorgang bewegt sich das aufwändige Bauteil um einen exakt definierten Winkel. Kommt das Ende eines Hebels auf einer Säule zu liegen, wird es durch diese an-


WATCHES & JEWELLERY

PARMIGIANI FLEURIER

SINGER

TUDOR

gehoben. Fällt es hingegen zwischen zwei Säulen, sorgt leichter Federdruck für eine Absenkung. Eine derartige Konstruktion ist auch dem auf 50 Exemplare limitierten «Track 1» von Singer Reimagined zu eigen. Dieses aussergewöhnlich anmutende Gerät basiert auf dem während zehn Jahren entwickelten «AgenGraphe». Sein Automatikkaliber 6361 besteht aus 477 Teilen. Weil die Genfer Werkeschmiede AgenHor den Rotor unter dem Zifferblatt drehen lässt, bietet sich freie Sicht auf das rückwärtig angeordnete Chronographen-Schaltwerk mit einigen technischen Besonderheiten. Im Zifferblatt-Zentrum finden sich drei Zeiger für den Sekunden-Chronographen sowie die akkurat springenden 60-Minuten- und – absolut einzigartig – 60-Stunden-­ Zähler. An die Stelle von Zeit-Zeigern, welche das Ablesen des Gestoppten stören können, treten zwei äussere Ringe zur Darstellung der Stunden und Minuten.

Gut gekuppelt Jeder Chronograph besitzt eine Kupplung. Tradition verkörpert ein horizontal schwenkender Hebel mit Zahnrad, das zwei weitere Räder und damit das Uhrwerk beim Starten mit dem zeitschreibenden Schaltwerk verbindet. Das kostet Kraft, ist auch nicht immer hundertprozentig präzise. Daher haben Uhrmacher in den 1960er-Jahren die (in der Regel

vertikale) Reibungskupplung ersonnen. Die AgenHor-Konstruktion bietet einen Mix aus beidem: Bei ihrer horizontalen Friktionskupplung besitzen die verbindenden Räder keine Zähne, sondern glatte Oberflächen, beschichtet mit feinem, aber hin­ reichend rauem Diamantmaterial, das man von Nagelfeilen kennt. Auf eine vertikale Friktionskupplung setzt Breitling beim 2009 vorgestellten Manufakturkaliber B01. Dank einer Kooperation verwendet nun auch Tudor dieses Uhrwerk in modifizierter Ausführung. Beim neuen MT5813 des stählernen «Heritage Black Bay Chrono» erzeugt der Kugellagerrotor ein Energie­ potenzial für rund 70 Stunden Gangautonomie. Selbstverständlich verfügt das Uhrwerk über klassische Schaltradsteuerung. Überdies besitzt es ein patentiertes Selbstzentrierungssystem mit neuartigem Herzhebel zur Nullstellung des Chrono­ graphenzeigers sowie des 45-Minuten-Totalisators bei der «3». Im Gegensatz zum Original weist die Tudor-Version eine Glucydur-Unruh mit variabler Trägheit auf. Zusammen mit einer Siliziumspirale vollzieht der Gangregler unter einer langgestreckten Unruhbrücke stündlich 28’800 Halbschwingungen. Maximale tägliche Gangabweichungen im Bereich zwischen minus vier und plus sechs Sekunden attestiert ein amtliches Chronometerzeugnis.

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WATCHES & JEWELLERY

ORIS

A. LANGE & SÖHNE

BREITLING

Zeiger im Schlepp Letzteres begleitet auch den neuen «Navitimer Rattrapante». Der Schlepp- oder Doppelzeiger versteht sich als Komparativ zum einfachen Chronographen. Mit seiner Hilfe lassen sich simultan zwei gleichzeitig beginnende Ereignisse stoppen oder Zwischenzeiten erfassen. Wie in guten alten Zeiten positioniert Breitling die durch zwei Patente geschützte Schleppzeiger-Mechanik auf der Vorderseite des Uhrwerks. Zu den nur 28 Komponenten gehört ein innovatives Doppelzeigerrad mit äusserem O-Ring aus Nitrilkautschuk. Aus dem gleichen Material bestehen die Innenseiten der Feder­ zangen zum Anhalten des Einholzeigers. Durch diese Aufwertung wird aus dem Kaliber B01 ein B03. Von der Rotgold-Version dieser Armbanduhr gibt es 250 Stück.

Ganz schön kompliziert Nur 50 Exemplare fertigt A. Lange & Söhne von einem Ausnahme-Chronographen namens «Tourbograph Perpetual Pour le Mérite». Hierbei handelt es sich um eine wahrhaft grosse zeitschreibende Komplikation. Konstanten Energiefluss ermöglicht ein altehrwürdiges Kette-Schnecke-System, das die physikalischen Hebelgesetze nutzt. Die anfänglich höchste Federkraft korrespondiert mit dem kleinsten Schneckenumgang. Danach kompensiert ein kontinuierlich wachsender Schneckendurch-

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messer das allmählich sinkende Zugfeder-­Dreh­ moment. Alleine die hauchdünne Kette besteht aus 636 Teilen. Mehr als beachtlich ist das gesamte Spektrum an Komplikationen: Schaltrad-­ Chronograph mit horizontaler Räderkupplung und Schleppzeiger, filigranes Minutentourbillon, Präzisions-Mondphasenanzeige sowie ein immerwährendes Kalendarium. Manuelle Korrekturen sind hier bis zunächst 2100 entbehrlich. Ohne die Kette verlangt die Montage des Handaufzugskalibers L133.1 nicht weniger als 684 Komponenten.

Im Zeichen der Ökonomie Wegen der relativ hohen Kosten traditioneller Schaltrad-Konstruktionen ersannen die Fabrikanten in den späten 1930er-Jahren kurante Alternativen. Hierbei übernimmt ein intelligent geformter Schwenk-Nocken die funktionssteuernden Aufgaben. Zu finden im Bestseller unter den aktuellen Chronographenwerken. Zu den ökonomischen Aspekten des Eta / Valjoux 7750 gehört auch eine simple, trotzdem aber ausgesprochen zuverlässige «Schwingtrieb»-Kupplung. Das 1973 vorgestellte Kaliber verbaut Oris im sportiven «Chronoris Williams 40th Anniversary Limited Edition». Bleibt zum Schluss die Feststellung, dass der Chronograph am Handgelenk grundsätzlich keine Frage des Geldes, sondern eine des persönlichen Anspruchs ist.


Tack TICK

BY

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WATCHES & JEWELLERY

Zeitmesser i n i h rer schönsten Form. Spor tl ich au f dem Wasser, i n der Lu ft oder au f der Ren nstrecke – d iese U h ren si nd genau das R ichtige fü r a l le, d ie den a k tiven L i festyle u nd d ie Herausforder u n g l ieben.

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1 I HUBLOT

Für die Charity-Auktion von «Only Watch» am 11. November 2017 präsentiert Hublot ein ganz besonderes Unikat: die «Big Bang Unico Sapphire Usain Bolt for Only Watch», also eine jener Hublot-Uhren im transpa­ renten Saphirglasgehäuse.

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2 I CARL F. BUCHERER

Neue Variante der «Patravi ScubaTec» mit Hommage an die Heimatstadt: Das markante Gehäuse strahlt komplett in warmem 18-Karat-Rotgold, das Zifferblatt in leuchtendem Luzern-Blau, 500 Meter wasserdicht, Durch­ messer 44,6 mm.

4

3 I JUNGHANS

Die Flugzeit im Blick: Markant, zuverlässig, belastbar – das ist die neue «Meister Pilot» mit DLC-Beschichtung. Automatikwerk J880.4 mit einer Gangreserve bis zu 38 Stunden, Edelstahl, Durchmesser 43,3 mm. 4 I BLANCPAIN

Die Dreizeigeruhr «Fifty Fathoms Bathyscaphe» mit ihrem Vintage-Look ist erstmals mit einem Gehäuse aus Plasma­ keramik erhältlich. Bis 300 Meter wasserdicht, Armband als NATO-Band mit drei Schlaufen oder als Segeltuchband mit Dornschliesse.

5 I RADO

Ein neuer farbenfroher Look für Rados flachste Zeit­ messer: Die superschlanke «True Thinline»-Kollektion wurde um elegante Modelle aus Hightech-Keramik in vier neuen Farben erweitert. Wasserdicht bis 30 Meter, 39 mm Durchmesser.

6 I ROLEX

Die Armbanduhr mit Motorsport-DNA: Der «Oyster Perpetual Cosmograph Daytona» ist das Mass der Dinge bei Armbanduhren für Rennsport- und Geschwindigkeitsbegeisterte. Bis 100 Meter wasserdicht, 40 mm Durchmesser, 18 Karat Roségold.

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WATCHES & JEWELLERY

JUWELEN

FÜR DIE

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EWIGKEIT


WATCHES & JEWELLERY

SMARAGD-COLLIER «Le vert de la Columbie» aus 750er Weissgold, 947 Brillanten (5,94 ct.), 9 Smaragde (36,53 ct.)

Die Beyer Chronometrie ist eines der wohl traditionsreichsten Häuser der Branche, denn das bereits in achter Generation geführte Familienunternehmen ist nicht nur das älteste Uhrengeschäft der Schweiz, sondern auch seit vielen Jahren Créateur exklusivster Schmuckstücke. Gleich oberhalb der Verkaufs­ räumlichkeiten an der Zürcher Bahnhofstrasse 31 birgt Beyer nämlich einen ganz besonderen Schatz – das hauseigene Goldschmiede-Atelier.

N

ichts ist so wertvoll wie die Erinnerung, und nichts ist emotionaler als ein wichtiges Ereignis im Leben. Ob als Geschenk zur Geburt des Kindes, als Besiegelung der grossen Liebe, als Erbstück oder einfach, weil man sich selbst etwas gönnen möchte – Schmuck erinnert, verbindet, ist ein Begleiter für ein ganzes Leben lang und für die Nachkommen darüber hinaus. Umso wichtiger ist es, dass die funkelnden Preziosen in feinster Handwerkskunst mit Liebe und Können erschaffen werden, denn die Fertigung von Schmuck ist Vertrauenssache.

Rare Schönheiten Vertrauen zu schenken, künstlerisch und handwerklich auf höchstem Niveau zu kreieren, dem hat sich Beyer mit aller Leidenschaft verschrieben. Denn Beyer ist nicht nur das älteste Uhrenfach­geschäft der Schweiz, sondern verfügt auch, als einziges Unternehmen der Uhren- und Schmuckbranche an der Zürcher Bahnhofstrasse, am Verkaufspunkt über ein hauseigenes Schmuck-Atelier. Ein Atelier, das seit 15 Jahren von Carlo Mutschler, dem Leiter der Goldschmiede-Werkstätte, kontinuierlich aus­

Anka Refghi I

Beyer Chronometrie

gebaut wird und in dem heute fünf exzellente Goldschmiedinnen und Goldschmiede an den kostbaren Preziosen und Juwelen arbeiten. Durch jahrelang gepflegte und persönliche Kontakte zu den renommiertesten Lieferanten gelangen auch immer wieder die rarsten und kostbarsten Edelsteine in das Zürcher Atelier. Dabei wird jeder einzelne Stein von Brillantspezialist Carlo Mutschler persönlich und nach klaren Qualitätskriterien ausgewählt, so, wie beispielsweise alle weissen Brillanten über ein «Triple Excellent»-Zertifikat des Gemological Institute of America (GIA) verfügen müssen. Neben hochwertigem Prêt-à-porter-Schmuck und erlesenen Haute-Joaillerie-­ Kreationen aus dem Hause Beyer lässt das Schmuck-Team auch individuelle Schmuckträume wahr werden. Ob anhand eines wunderbaren Edelsteins oder einer Idee – in enger Zusammenarbeit mit den Kundinnen und Kunden wird das zur Persönlichkeit passende Schmuckstück entworfen und im Goldschmiede-­ Atelier angefertigt, in einhundertprozentiger Handarbeit und von der ersten Skizze bis zum fertigen Objekt, das ein Leben lang Freude macht.

INDIVIDUELLES BRANDING Wie gross die Liebe zur Goldschmiede-Kunst ist, davon zeugt auch, dass zusätzlich zur gesetzlichen Markierung auf jedem Schmuckstück von Beyer eine weitere Prägung zu finden ist: Jeder der GoldschmiedeMitarbeitenden von Beyer hat seine eigene Meistermarke, so findet sich in einem Beyer-Schmuckstück zum Beispiel ein Adler, eine Feder oder ein Stern. Eine so lückenlose Zurückführung auf den Hersteller ist in der Schmuckbranche einmalig. www.beyer-ch.com

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WATCHES & JEWELLERY

Pearl Necklace Vivienne Becker Assouline

ZWISCHEN DEN

ZEILEN

Unwiderstehlich!

Die Perlenkette ist ein ikonischer Klassiker, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zu Neuinterpretationen inspirierte. Renaissance-Königinnen, Maharadschas, First Ladies und Starlets aus dem Goldenen Zeitalter von Hollywood bis zur Gegenwart zählen die Perlenkette zu ihrem ganz persönlichen Schatz, und jede von ihnen trägt sie gemäss der Mode der Zeit oder auch ganz nach eigener Fantasie. In dem Buch «The Pearl Necklace» wird die Geschichte dieser glänzenden und ikonischen Perlenstränge in der Kunst und Mode erforscht. Ein wunderschönes Buch, das uns wieder vor Augen führt, warum die Perlenkette seit jeher das ultimative Objekt der Begierde ist, das fasziniert und die Fantasie beflügelt.

Die Ikone Rolex ist zweifelsohne eine chronometrische Legende. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1905 von Hans Wilsdorf, einem gebürtigen Bayer, der als innovationsbewusstes Marketing-Genie bezeichnet werden kann. Ihm verdanken Uhrenliebhaber zahlreiche herausragende Modelle und technische Errungenschaften wie zum Beispiel die ersten offiziell zertifizierten Armbanduhren, das wasserdichte «Oyster»-Gehäuse, die «Datejust» oder Sportliches wie die mehr als 50 Jahre alte Taucheruhr «Submariner». Neben der überragenden Tradition kommt in diesem Buch natürlich die Gegenwart nicht zu kurz. Immerhin kann Rolex mit einem breiten Spektrum an Uhrwerken aufwarten, die mit höchster Fertigungstiefe in eigener Manufaktur entstehen. Alles das und viel mehr findet sich im dritten Band der erfolgreichen Reihe «The Watch Book». 


Dazzling Stories

Hidden Gems Sarah Hue-Williams Raymond Sancroft-Baker Unicorn Publishing Group

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Ob Prinzessin Margarets «fehlgepaarte» Clip-onOhr­ringe oder die alte Dame, die für sieben Millionen britische Pfund Edelsteine in ihrem Bungalow ver­steckt hielt. Im Buch «Hidden Gems» finden sich die wahren Geschichten aus der Welt der Edelsteine und Geschmeide, mit Zeichnungen und Geschichten, die den Leser in verschiedene Perioden, Kulturen und Ländern entführen und hinter die Kulissen blicken lassen. Das Buch handelt von den Geheimnissen einiger unvergesslicher Kreationen und vom Leben der Menschen, die sie gewollt, bekommen, geliebt und wieder verloren haben. Und auch von denjenigen, die sie beauftragt, entworfen und erschaffen haben. 40 bisher unveröffentlichte Geschichten, die in dieser Form einmalig sind.

The Watch Book Rolex Gisbert L. Brunner TeNeues Verlag


Grandezza 1

MIT

BY

Gold, Dia ma nten u nd Smaragde – m it d iesen fu n kel nden Juwelen u nd trau m ha ften K reationen höchster Juwelierkunst wird jeder Anlass z u m gla n zvol len Event. 1 I BEYER CHRONOMETRIE

Der «Nuggetring Lime» aus dem hauseigenen Atelier ist ein Traum aus 750er Gelb- und Weissgold. Mit einem atem­ beraubenden Fancy-vivid-yelloDiamanten von 2.52 ct. und 134 Brillanten von total 1.29 ct. lässt dieser Ring das Herz einer jeden Frau höher schlagen.

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2 I BULGARI

Die Halskette «Festa delle principessa», die den architektonischen Charakter des Anhängers mit den runden Formen herabhängender Smaragdperlen kombiniert, besticht mit einer perfekten Harmonie der Kontraste.

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3 I GÜBELIN

Schlicht und ergreifend schön: wunderschöner Weissgoldring mit einem kissenförmigen Smaragd aus Kolumbien von 2.14 ct und 22 Brillanten von zusammen 0.10 ct.

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4 I TIFFANY & CO.

Inspiriert von der Schönheit Paloma Picassos alltäglicher Umgebung, besteht der Armreif «Paloma’s Melody» aus ineinander verschlungenen Ringen aus 18-karätigem Gold mit funkelnden Diamanten. 5 I AL CORO

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Ein echtes Statement: die «Neraviglia»-Kollektion mit mystischem Stahl in mattem Schwarz in künstlerischer Symbiose mit exklusivem 750er Roségold und der Strahlkraft weisser Brillanten. 6 I CHOPARD

Die Limited-Edition-Schmuckkollektion «Rhianna Chopard» zeichnet sich durch minima­listische geometrische Akzente und klare Linien aus. Aus 18 Karat ethisch einwandfreiem «Fairmined»zertifizierten Roségold und Keramik gefertigt.

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WATCHES & JEWELLERY

&

STEINREICH

LOUIS VUITTON

ERLEUCHTET

Wenn in Paris die hohe Juwelierkunst zelebriert wird, könnte man mit dem Glanz der Karat-Zahl Stadien ausleuchten. Ein Diamant gross wie ein Taubenei oder 2000 Perlen in einem einzigen Collier sind hier kein Märchen, sondern märchenhafte Realität. In der Haute Joaillerie wird nicht an Superlativen gespart. PRESTIGE nimmt Sie mit auf eine Tour d’Horizon zu den Neuheiten in der Topliga der Juweliere. Marianne Eschbach

LOUIS VUITTON

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P

aris hat einen poetischen Übernamen: «City of Lights» oder «La Ville-Lumière». Diesen verdankt die französische Kapitale einerseits der Auf­ klärung, deren eine Wiege die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert war, und andererseits heut­­zutage den weit über 300 nachts beleuchteten Sehenswürdigkeiten und Brücken. Ob sanfte Schimmer, die sich ans Musée d’Orsay schmiegen, oder abertausende Funken, die um den Eiffelturm tanzen – bei Dunkelheit spielt Paris virtuos mit dem Licht. Und einmal im Jahr wird diese Magie noch überstrahlt – vom Edelstein-Glanz der neusten Haute-­ Joaillerie-Kreationen.

Hohe Handwerkskunst im Aufwind Anfang Juli, wenn Paris in der Sommerhitze flimmert, werden ungeachtet der Temperaturen jene Modeträume gezeigt, die geradezu verschwende­ risch mit Stoffen umgehen. Es ist Haute Couture, und der Tross der Modemenschen hat sich einmal mehr an der Seine niedergelassen, um neuste Kreationen der extrem aufwendigen Art zu begutachten. Wegen der elitären Exklusivität hält sich die Menge der Berichterstatter und Blogger im Vergleich zur Fashionweek des massentauglichen Prêt-à-porter in Grenzen. Dafür sitzen im Publikum Zuschauer und vor allem Zuschauerinnen, die nicht als schreibende Modekritikerinnen gekommen sind oder um ihre Social-Media-Konten mit Been-there-done-that-Selfies zu füllen. Es sind Frauen, die diese aufwendige, komplett handgearbeitete Luxusmode auch kaufen.

Kostbar, rar und sehr gefragt Die Haute Couture soll nach inoffiziellen Angaben zwischen 2000 und 4000 Kundinnen zählen, darunter rund 200 Stammkundinnen, die sich fast ausschliesslich in die Masskreationen kleiden und ein Vermögen dafür ausgeben. Der Kreis ist klein,

SUZANNE SYZ

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CHANEL

sehr fein, und er ist in den letzten Jahren wieder grösser geworden. Dank der wachsenden Vermögen der Superreichen ist er so lukrativ, dass sich die immer wieder mal totgesagte Haute Couture bester Gesundheit erfreut und Häuser wie Dior in diesem Bereich umsatzmässig zulegen. Dieses zahlungskräftige Publikum ist auch für ­einen weiteren Luxussektor äusserst interessant: für die Topliga der Juweliere. Deshalb hat sich die Pariser Haute-Couture-Woche immer mehr auch zur Haute-Joaillerie-Woche entwickelt. Mittlerweile gibt es Anfang Juli fast mehr Schmuckpräsenta­ tionen als Fashionshows. Das Epizentrum der Pracht ist die Place Vendôme, einer der fünf ­königlichen Plätze in Paris, wo sich die Geschäfte für exklusive Geschmeide aneinanderreihen wie Perlen auf einem Collier.

Modemacher im Juwelenbusiness Louis Vuitton ist ein relativ junges Mitglied im Kreis der Luxusjuweliere. Der berühmte Koffermacher ist erst seit wenigen Jahren im Schmuckgeschäft aktiv und hat sich mit seiner Haute Joaillerie an der Place Vendôme installiert. Das Prunkstück von Louis Vuittons neuer Kollektion mit Namen «Conquêtes», die sich an selbstsichere und selbstständige Frauen richtet, ist ein wahrhaft königliches Collier mit Opalen und einem riesigen rosa- und orangefarbenen «Imperial Topaz». Mit der Material­ wahl macht Louis Vuitton, der auch im Modegeschäft erfolgreich ist, seinem Ruf als Trendsetter Ehre: Opale und farbige Edelsteine – darunter auch wenig bekannte – sind neben den wiederentdeckten Perlen die angesagten Preziosen der Stunde. Und nicht nur darin hat das Unternehmen die Nase im Wind. Die ganze Schmuckbranche will ­immer häufiger Frauen direkt ansprechen. Das weibliche Geschlecht soll nicht mehr länger

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DE GRISOGONO

GIAMPIERO BODINO

VAN CLEEF & ARPELS

nur als glücklich Beschenkte, sondern als aktive und selbstbestimmte Kundin erobert werden, die sich ihren Schmuck selbst kauft.

Weibliche Kaufkraft

BOUCHERON

SWAROVSKI

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Eine, die das vorgelebt hat, war die famose Coco Chanel. Bekannt als Modepionierin, die die Frauen vom Korsett befreit und üppigen Modeschmuck salonfähig gemacht hat, war Chanel auch das erste Modehaus, das echten Diamantschmuck lancierte. 1932 lud Mademoiselle Chanel zur «Exposition de Bijoux et de Diamants» in ihr  Haus am Faubourg Saint-Honoré. Argwöhnisch beäugt von den alteingesessenen PlaceVendôme-­Juwelieren. Sollte ihnen da eine Frau und Modemacherin tatsächlich Konkurrenz machen? Diamanthändler, die wegen der Wirtschaftskrise weniger verkaufen konnten, hatten der ­Couturière die Steine zur Verfügung gestellt. Es folgt der Lauf der Geschichte. Im Krieg schlossen die meisten Couture-Häuser, so auch Chanel, und nach der Wiedereröffnung konzentrierte sich Mademoiselle zuerst auf Mode und Modeschmuck. Ins Geschäft mit echtem Schmuck stieg das Haus erst Anfang der 90er-Jahre wieder ein. Haute Joaillerie


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NIRAV MODI

CINDY CHAO

CHAUMET

gibt es seit 2012, also genau 80 Jahre nach der sensationellen Premiere wieder. Chanel inspiriert sich in seinem Tun immer an der facettenreichen Geschichte seiner Gründerin. Die neue Kollektion, die in maritimem Dekor an der Place Vendôme gezeigt wurde, heisst «Flying Cloud» und ist benannt nach der Luxusjacht des zweiten Duke of Westminster. Die Familie gehört heute noch zu den reichsten der Welt, und der damalige Duke war in den 20er-Jahren Coco Chanels Liebhaber. Am liebsten kreuzten die beiden vor der Côte d’Azur. Die kostbaren Schmuckstücke nehmen Schiffs­ taue, das glitzernde tiefblaue Wasser, aber auch Details von Uniformen oder Seemannstätowierungen als Designelemente auf. Auf dieser Jacht möchte man sofort anheuern.

seine Gäste, darunter die französischen Schauspielerinnen Clémence Poésy und Bérénice Bejo, zu einem Champagner-Apéro vor sein Geschäft an die Place Vendôme bat, um sie von da an einen «geheimen« Ort zu fahren. Die Mystery Tour führte ins Viertel Bercy und da ins «Musée des Arts ­Forains», das Jahrmarkt-Museum, wo in märchenhafter Atmosphäre zwischen antiken Karussells und Wahrsagerbuden nach dem Kollektionsmotto «Chaumet est une fête» gefeiert wurde. Und zwar Schmuck, der den Opernhäusern La Scala, ­Wiener Staatsoper, Metropolitan Opera und dem Glyndebourne-Opernfestival gewidmet ist, «weil Musik eine wichtige Quelle der Lebensfreude ist», wie der Juwelier verlauten lässt.

Versailles zum Anziehen Geheime Botschaften Schmuck ist meistens mehr als eitles Dekor. Seit sich Menschen schmücken, gelten die Kostbarkeiten auch als Glücksbringer und Talismane. Schmuck wohnt immer etwas Magisches bei. Und so passte es, dass Chaumet, das 1780 gegründete Pariser Juwelenhaus, das unter Europas Prinzessinnen bekannt war für die zauberhaftesten Tiaren,

Bei Van Cleef & Arpels war die Location zwar nicht geheim, fast jedes Schmuckstück der neuen «Le Secret»-Kollektion birgt aber tatsächlich ein Geheimnis. Raffinierte Mechanismen in jedem Teil geben durch Drücken, Drehen oder Schieben eine Überraschung preis. Sei es eine Botschaft, ein verstecktes Detail, oder sie schaffen es, einem Schmuckstück gar ein zweites Gesicht bezie-

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WATCHES & JEWELLERY

hungsweise einen anderen Look zu geben. Das legendäre Haus zelebriert seit über 100 Jahren die hohe Schule der Juwelierkunst in seinen Design-­ Universen um Liebe, Tanz, Tiere und Natur. Letztere bleibt einer der beliebtesten Ideengeber in den Schmuckateliers überhaupt. Das hat sich in diesem Jahr nicht geändert. Victoire de Castellane, die Schmuckdesignerin bei Dior, hält sich an die von Gründer Christian Dior geprägten Codes. Der Modeschöpfer war ein grosser Blumen- und Gartenliebhaber. De Castellane begab sich zwecks Inspiration für die neue Schmuckkollektion in die Gärten von Versailles, nachdem sie im letzten Jahr schon das prunkvolle Interieur des Schlosses in Schmuckstücke übertragen hatte. «Dior à Versailles Coté Jardin» überstrahlt in ihrer farbigen Virtuosität manchen Malkasten und sucht in ihrer Detailverliebtheit ihresgleichen. Bei Piaget ist es eine eher abstrakte Natur bzw. eine Idee von Natur, die für die Haute Joaillerie im Thema «Sunlight Journey» wichtig ist. Das Haus folgt dem Lauf der Sonne und nimmt vom pastellenen Morgenhimmel bis zum lodernden Sonnenuntergang ein mal zartes, mal kräftiges Kaleidoskop aus Rubin, Smaragd, Saphir, Spinell und anderen Edelsteinen in der Kollektion auf.

Diamanten: Natur vs Labor Die allerorts leuchtenden Farbedelsteine haben Diamanten aber nicht vom Podest gestossen. Der Diamant-Händler De Beers hat sich aus dem schmucken Joint Venture mit LVMH gelöst und verfolgt sein Abenteuer als Schmuckdesigner allein weiter. Die Kollektion «Lotus» mit einer atemberaubenden Parure aus geschliffenen und rohen farbigen Diamanten aus seinen Ateliers sowie ein roher gelber Diamant von fast 300 Karat gehörten zu den Talking-Pieces der Schmuck-Woche. Eine «Do it yourself»-Philosophie auf höchster Ebene verfolgt auch Nirav Modi. Der indischstämmige Diamanthändler, in dritter Generation in Antwerpen ansässig, ist mit eigenen Kreationen auf Expansionskurs in der Schmuckwelt. Sein Fokus liegt neben Diamanten auf seltenen und wenig bekannten Farb­ edelsteinen wie dem leuchtend grünen Kornerupin. Bei De Grisogono, sonst bekannt für farbenprächtige Edelsteinkreationen, stehen dieses Mal Diamanten besonders hoch im Kurs. Das Genfer Haus lanciert die «Ultimate Bridal» Collection mit feinsten, lupenreinen Diamanten und zum Teil einem Touch Farbe in Form feiner Smaragde oder Saphire dazu. Am prachtvollsten lodert das eisige Feuer bei

LYDIA COURTEILLE

DE BEERS

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DE BEERS


WATCHES & JEWELLERY

Boucheron. Der alteingesessene Place-Vendôme-­ Juwelier erinnert mit dem Thema «Hiver Impérial» an die Eröffnung seiner Boutique in Moskau vor 120 Jahren. Das zaristische Russland und die schneebedeckten Weiten der Taiga finden Ausdruck in kaiserlichem Geschmeide mit weissen Diamanten, schimmernden Perlen und Steinen in kühlen Blau- und Grautönen. Last, not least bietet die expandierende Haute-­ Joaillerie-Woche auch immer mehr neuen und weniger bekannten Juwelieren einen Platz im Scheinwerferlicht. Individualisten wie die Pariserin Lydia Courteille, der Mailänder Giampiero Bodino, die Taiwanerin Cindy Chao mit Ateliers in Paris und Genf und die Schweizerin Suzanne Syz erobern mit traditionsbefreiten originellen Kreationen ihren Platz zwischen den grossen noblen Marken. Und am Horizont blinkt vielleicht schon die Zukunft des Schmuckdesigns. Angesichts knapper werdender natürlicher Ressourcen im Edelsteinbereich hat Kristallproduzent Swarovski eine neue Linie mit künstlich erzeugten echten Diamanten und Smaragden lanciert. Auf dass Schönheit ewig währe.

DIOR

GIAMPIERO BODINO

PIAGET

SUZANNE SYZ

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Eleganz WATCHES & JEWELLERY

PURE BY

Zar te Farbtöne, gl itzernde Dia ma nten u nd edelste Materia l ien si nd d ie P rotagon isten d ieser fem i n i nen Zeitmesser u nd Sch muckstücke. Per fek t fü r d ie son n igen Tage i m Herbst. CARTIER

«Cactus de Cartier»: eine ausdrucksstarke Kollektion von Schmuckstücken aus 18-karätigem Gold und Diamanten im Brillantschliff, mit der Cartier die bemerkenswerte Schönheit des Kaktus huldigt.

BULGARI

Ein 12,10-Karat-MosambikRubin sitzt im Herzen von Bulgaris exklusiver «Cuore di Roma»-­ Halskette in Platin mit Diamanten und Akoya-Perlen, die die Pracht des alten Roms wieder aufleben lassen.

HARRY WINSTON

Mit ihrem modernen Innenleben und einem Automatikwerk erinnert die neue «Avenue Classic Automatic» aussen an den Glamour im New York der 1930er-Jahre. 18-karätiges Rotgold, 29 Diamanten im Brillantschliff (2,26 ct).

OMEGA

«Omega Constellation Small Seconds»: Modell in Edelstahl und Rotgold, Perlmutt-Zifferblatt, Diamant-Indizes, Diamant-Lünette, Datumsfenster bei 6 Uhr, Master-Chronometer-Automatikwerk Kaliber 8704 mit Co-Axial-Hemmung.

BUCHERER

Farbedelsteine üben seit jeher eine magische Anziehung aus. So auch bei diesem Ohrschmuck aus 18-karätigem Weissgold mit 6 Rubinen im Rund-Schliff (total 0.68 ct) und 8 Diamanten im Brillant-Schliff (total 0.52 ct).

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MEISTER

Brosche aus der «Meister 1881 Collection» aus dem hauseigenen Atelier in Weissgold 750 mit 16 Brillanten 1,31 ct, 18 Diamant-Navetten 1,97 ct, 9 Diamant-Baguetten 0,30 ct sowie drei naturbelassenen Rubin-Tropfen von 3,46 Carat gefertigt.


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«Ich bin sehr stolz, diesen Namen kreiert zu haben, und nur durch Ignoranz kann er in Vergessenheit geraten.» – Carlo Abarth –

Im Zeichen des Skorpions Abarth ist die Geschichte eines besonderen Mannes und seiner besonderen Fahrzeuge, die bleibende Spuren im internationalen Motorsport hinterlassen haben. Wie ihr Gründer Carlo Abarth ist auch die Marke Abarth im Sternzeichen des Skorpions geboren, nämlich im Jahr 1949, als Carlo Abarth nach einer Karriere als Motorradrennfahrer zusammen mit Guido Scagliarini die Abarth & C. gründete. Seit 1971 gehört das Unternehmen zu Fiat.


DRIVE STYLE

THE

CARTOON

CAR

Es war ein ganz rares Juwel, das im Rahmen des diesjährigen «Pebble Beach Concours d’Elegance» in Kalifornien unter den Hammer kam – ein einzig­artiger 1953 Abarth 1100 Sport mit einer Karosserie von Ghia und einer Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann.

A

Anka Refghi I

RM Sotheby’s, Angus McKenzie

m legendären Pebble Beach war das Sportcoupé mit Fahrgestellnummer 205-104 ein alter Bekannter. Denn gerade einmal zwei Jahre war es her, dass dem aussergewöhnlichen Fahrzeug etwas gelang, was meist nur den «Vorkriegsschönheiten» renommierter Hersteller vorbehalten ist – die Nominierung zum «Best of Show». Dabei war nicht nur erstaunlich, dass der Abarth 1100 nach dem Sieg in seiner eigenen Klasse weit vorne um den Gesamtsieg kämpfte, sondern auch, dass er keineswegs durch ein hochdotiertes Unternehmen restauriert worden war, sondern von seinem privaten Besitzer höchstpersönlich. Doch dazu später.

dessen runde Formensprache an einen Handschmeichler oder ein Cartoon Car denken lässt, tatsächlich entworfen hat, darüber scheiden sich bis heute die Geister. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber war es Giovanni Michelotti, jedoch nicht, ohne wohl auch den anderen Automobildesignern jener Zeit, wie Virgil Ex Exner, Mario Boano oder auch Giovanni Savonuzzi, über die Schulter geschaut zu haben. Fest aber steht, dass der Wagen bei seinem Debüt in der Öffentlichkeit begeisterte.

Das Debüt

Man schrieb das Jahr 1953, als das Sportcoupé erstmals am Turiner Automobilsalon ausgestellt wurde. Dabei diente der gerade einmal 3,6 Meter lange Abarth 1100 Sport Ghia nicht als reiner Rennwagen, wie frühere Fahrzeuge von Abarth, sonCartoon Car dern vornehmlich als Konzeptfahrzeug, das dazu Das in diesem August für stattliche 891’000 US-­ gedacht war, um auf Messen Aufsehen zu erregen. Dollar versteigerte Fahrzeug war das letzte von vier Mit Erfolg. Denn die Frontpartie mit ihrer Wölbung gebauten Abarth 205 mit Sport-Chassis, dessen im Kühlergrill, die teilweise durch die Radhäuser Motor und Getriebe von einem Fiat 1100 und die verdeckten Speichenräder, die mit roter Farbe beKarosserie von Ghia stammt. Wer das Fahrzeug, schichtete Innenseite der Auspuffrohre und

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DRIVE STYLE

So aussergewöhnlich, wie die Karosserie: Innenausstattung in blauem Leder

die gebrochen-weisse Lackierung, die in nahezu neckischem Kontrast zur Innenausstattung aus blauem Leder stand, sorgten für Furore. Während die italienische Presse den Ghia als ein «Meisterwerk des Designs» bezeichnete, schrieb ein Journalist der «Automobil Revue»: «Abgesehen von einer etwas massiven Vordergestaltung, ist ein fast schneeweisses kleines Ghia-Sportcoupé eine der Hauptattraktionen im Salon. Unter dem niedrigen Wagen, dessen verchromte Drahtspeichenräder in pikantem Gegensatz zur grossflächigen Karosserie stehen, verbirgt sich ein von dem ‹Frisier›-Künstler Abarth unter Verwendung von Fiat-1100-Teilen entwickeltes Fahrwerk mit eigenem Rahmen und Porsche-Vorderradaufhängung.»

Grosse Träume Der Abarth 1100 Ghia gefiel. Und dem kanadischen Autofan William «Bill» Vaughan so sehr, dass er ihn kurzerhand kaufte. Nur ein Jahr später präsentierte er das Fahrzeug 1954 auf der New York Auto Show unter dem Namen «Vaughan SS Wildcat», wobei er nicht nur behauptete, das Coupé in Serie fertigen zu wollen, sondern auch, statt des Vier­ zylinders, mit dem ersten V8-Motor mit obenlie-

Am 18. Loch Er ist der global exklusivste Schönheitswettbewerb der weltweit rarsten und exklusivsten Automobile: der Pebble Beach Concours d’Elegance, der einmal im Jahr und am 18. Loch des Golfgeländes ausgetragen wird. Von einer Jury bewertet werden die Sieger verschiedenster Klassen, die wiederum untereinander um den legendären Titel «Best of Show» kämpfen. Ein Schaulaufen auf zwei Beinen und vier Rädern. Der nächste Concours d’Elegance findet am 26. August 2018 statt.

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genden Nockenwellen. Doch es kam anders. Statt in Serie zu gehen, verlor sich die Spur des Auto­ mobils. Erst 1982 wurde es von Russ Baer in einer Scheune in Ashton, Maryland, wiederentdeckt und ging in der Folge in den Besitz von Pat Braden über. Viel über den zwischenzeitlichen Verbleib ist bis heute nicht bekannt. Einen Hinweis aber darauf, dass der Wagen in den späten 50er-Jahren wohl als Alltagswagen benutzt worden war, liefert ein Park-Aufkleber an der Heckscheibe, auf dem «Litton Industries Maryland Division 1958» zu lesen ist. Nach Pat Braden wechselten die Besitzer noch einige Male, bevor der Abarth Sport in die Hände von Norbert Joseph McNamara kam, einem ehemaligen Colonel der US Army, der im Ruhestand vornehmlich italienische Autos sammelte und restaurierte. Nach dem Tod McNamaras führte der Kanadier Greg Kienzel ab 2010 die Arbeit des Colonels fort und küsste das aussergewöhnliche Fahrzeug endgültig wach. Ganze fünf Jahre hatte er in die Restaurierung gesteckt, die Geschichte penibel und anhand gut erhaltenen Bildmaterials und Dokumenten erforscht. Dass er brillante Arbeit geleistet hatte, um den Wagen bis auf das kleinste Detail wieder in den Originalzustand zurückzu­ versetzen, wurde ihm beim eingangs erwähnten Pebble Beach Concours d’Elegance 2015 unzweifelhaft ebenso bescheinigt. Genauso wie mit dem beachtlichen Auktions­resultat an der Classic Car Auction Monterey 2017 von RM Sotheby’s in diesem August. Ein im Vorfeld als «Underdog» betiteltes Fahrzeug hat es allen wieder einmal gezeigt.


ON BY

TAG HEUER

«Carrera Heuer 01 Full Black Matt Ceramic»: Erstmals präsentiert TAG Heuer einen Herren-Chronographen aus eigener Manufaktur, der voll­ständig aus Keramik gearbeitet ist – sogar das Armband, Durchmesser 45 mm.

DRIVE STYLE

S.T. DUPONT

Zeitgenössisches Design trifft Killer-Stil. Dupont-Feuerzeug MiniJet-2, Jet-Flamme mit Totenkopf-Design und verchromten Elementen. Ein Feuerzeug für echte Männer in Schwarz und Weiss.

Per fek t ausger üstet fü r den Busi ness-T rip oder das Wochenende – auch i n d iesem Herbst bieten d ie Marken w ieder a l les fü r den Ma n n m it Sti l, der sich kosmopol itisch au f jedem Parkett der Gesel lscha ft beweg t.

PORSCHE

Der neue Porsche 911 GT2 RS feiert seine Weltpremiere. Auf dem Niveau von Supersportwagen bewegen sich die Kurvengeschwindigkeiten, die der 911 GT2 RS dank seines lupenreinen Rennsportfahrwerks mit Hinterachslenkung und Ultra-High-Performance(UHP)-Reifen erreicht.

VERSACE

MISSONI

Ein neuer Duft – und gleichzeitig ein Universum voller vibrierender Facetten: Das neue «Missoni Parfum pour Homme» ist die triumphale Rückkehr der legendären Modeund Luxusmarke mit einem Duft, der Prestige pur verkörpert.

MONTBLANC

Zeitlose Vintage-Eleganz: die «1926 Montblanc Heritage Collection». Montblanc lanciert seine erste Kollektion aus pflanzenge­ gerbtem Leder für den anspruchs­ vollen urbanen Reisenden von heute.

Menswear SS 2018: Das Versace-Logo erscheint auf einzelnen Entwürfen, Bikerjacken und Hosen treffen auf die Weichheit schwarzer Seide. Exzellente Materialien und eindrucksvolle Drucke sind ein Muss.

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DRIVE STYLE

MINI MAXIMIERT Bei David Brown Automotive entstehen Nachbauten des klassischen Mini. Der Zeitgeist der Swinging Sixties auf Rädern, aufgewertet durch aktuelle Technik. Andreas Faust I

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Mini, DBA


DRIVE STYLE

D

ieser Mann trägt schon einmal den richtigen Namen: Brown, David Brown; wie der britische Unternehmer, der zwischen 1946 und 1972 dem Sportwagenhersteller Aston Martin vorstand. Und obwohl keine verwandtschaftliche Bande besteht, produziert der aktuelle Brown unter dem Namen David Brown Automotive (DBA) im englischen Coventry in Handarbeit den Speedback GT. Die Wiedererweckung einer automobilen Ikone, weil er frappante Ähnlichkeit zum legendären Aston Martin DB5 aufweist. Nun hat sich Brown einen weiteren britischen Klassiker der 1960er-Jahre vorgenommen. Der Mini Remastered interpretiert den von Alec Issigonis entwickelten und ab 1959 von BMC angebotenen ersten Kleinwagen mit Frontantrieb neu. In der alten Form, aber mit frischen Ideen bei Styling und Ausstattung. Und mit unbegrenzten Möglichkeiten zur

Individualisierung auf Kundenwunsch, weil sowieso jedes Exemplar einzeln in rund 1000 Mannstunden Handarbeit gefertigt wird. Modernisiert und poliert wird dieser vierplätzige Neubau-Klassiker ausserdem. Die Aussenhaut wird nahtfrei geschweisst und innen verstärkt und der Frontgrill aus Aluminium gefertigt. Kleine Leuchten an den Aussenspiegeln weisen ihren den Weg zur Haustür, und in den Heckleuchten blinzeln LEDs. Zwölf Aussenlacke stehen zur Wahl, drei für das Dach und fünf für die Belederung des Innenraums. Der wurde ebenfalls umfassend modernisiert. Das klassische Holzlenkrad dirigiert eine Servolenkung, eine Funkfernbedienung gewährt Zugang, und ein Touchscreen inklusive Smartphone-Integration prangt über einer Reihe klassischer Aluminiumschalter. Den Antrieb übernimmt eine überarbeitete Version des 1,3-Liter-Vierzylinders des Ur-Mini mit 72 bis 93 PS. Wem der Standard-Trim zu standardisiert wirkt, der kann sein Exemplar auch á la Cafe Racer oder im Monte-Carlo-Outfit ordern.

Im Mini Remastered trifft Nostalgie auf Moderne.

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TURBO

MÄSSIG UNTERWEGS Während viele über den Diesel schimpfen, zeigen verschiedene Automobilhersteller den Kritikern den Stinkefinger und überzeugen mit sparsamen, technisch grandiosen und stilvollen Modellen, was sie davon halten. So, wie beispielsweise mit dem Panamera 4S Diesel.

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Wilma Fasola I

Porsche

udi brachte alles ins Rollen. Denn im Jahr 1893 war es Rudolf Diesel, der unter der Patentnummer RP 67207 den Dieselmotor anmeldete. Voller Optimismus, aber mit fehlendem Know-how und Geld brauchte es aber noch vier weitere Jahre, bis 1897 das erste funktionstüchtige Modell des Motors fertig war. Charakteristisch für Rudis Erfindung: Die Verbrennungsluft wird durch Komprimieren erhitzt und zündet den eingespritzten Kraftstoff selbst. Lange so etwas wie das Nonplusultra auf den Strassen, da wesentlich kraftstoffärmer als ein Ottomotor, gibt es zurzeit leider aber nur noch wenige gute Nachrichten in Sachen Diesel. Denn Rudis Motoren sondern viel Russ ab und sind nicht erst seit gestern, heute aber mehr denn je in der Kritik. Gibt man aktuell das Stichwort Dieselfahrzeug bei Google ein, beinhalten die meisten Suchergebnisse die Wortkombination «Dieselfahrzeug und Fahrverbot». Weg sollen sie, die Kohlenstoffterroristen auf vier Rädern. Am liebsten schon gestern. Doch noch ist kein Urteil gefällt, aber unsicher bleibt es für die Hersteller und auch Autobesitzer weiterhin.

Gas geben, jetzt erst recht Da verwundert es schon ein wenig, wenn mitten in diese Krisenstimmung hinein teure Luxus-Automarken unter anderem auch ein neues Dieselmodell vorstellen. So präsentierte Porsche jüngst die zweite Generation des Porsche Panamera. Unter den drei Allrad-Versionen befand sich neben dem Panamera 4S und dem Panamera Turbo eben auch der Panamera 4S Diesel. Und der braucht

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DRIVE STYLE

Das aktuell schnellste Diesel-Pferd auf den Strassen weltweit: der Panamera 4S Diesel

sich nicht hinter seinen Brüdern verstecken. So verfügt er um einige Pferdestärken weniger, aber auch mit 422 PS und einem 8-Gang-Kupplungsgetriebe bleiben keine Wünsche offen. Dazu ist der Porsche Panamera Diesel mit einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km / h aktuell das schnellste Diesel-Pferd weltweit auf den Strassen. 4,5 Sekunden, und man ist von 0 auf 100. 17,1 Sekunden, und die Tachonadel erreicht die 200er-Grenze. Konzipiert wurde auch diese Generation für «Sportwagen-Fahrer, die vier Türen und vier Sitzplätze schätzen. Und für Limousinen-Fahrer, die ein sportliches Handling bevorzugen».

steller hat sich echt nicht lumpen lassen und beim erstmals im Jahr 2009 vorfahrenden Panamera nahezu alle Details optimiert. Einsteigen, zünden und geniessen – so das Prinzip, und ja, nicht nur Mann, sondern vor allem Frau muss das ausprobieren. Wie ich, die gerne und genussvoll hinter dem Steuer von schnellen Autos Platz nimmt. Und ja, um es vorwegzunehmen, es hat mir gefallen. Sehr. Der Panamera sieht gut aus, fährt sich wunderbar und bietet zudem ungewohnt viel Platz für einen Sportwagen.

Wer mehr will, soll mehr bekommen

Die zweite Generation des Panamera ist demnach mehr als gelungen. Aber er braucht seine Fans. Teil­ Die aktuelle Beschreibung des neuen Porsche-­ ledersitze, LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik und Terzetts erinnert dabei an eine Zusammenfassung Navigation sind dann inklusiv. Alles andere lässt sich von Superlativen. Beginnend bei der Technik, über problemlos hinzubuchen. Kostet aber auch seinen Design, Sicherheit und bis hin zum Infotainment, Preis. Dennoch sollte man vor allem beim Thema alles ist besser als nur einfach gut. Da kann man Parken nicht den Geizhals spielen. Denn ein Kratzer «touchen», da kann man «connecten», und die in dem von mir gefahrenen Modell – würde­voll zahlreichen Assistent-Systeme sorgen für umfang- dahingleitend in Saphirblaumetallic – wäre schade. reiche Sicherheit. Der deutsche Sportwagenher- Daher war ich besonders von der optional

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DRIVE STYLE

Der Panamera bietet erstaunlich viel Platz für einen Sportwagen.

für den Spurhalteassistenten inklusive Verkehrszeichenerkennung sowie den Abstandsregeltempostat. Und auch der neue Nachtsichtassistent, der mittels Wärmekamera Menschen und Tiere erkennt, ist jeden Rappen wert. Denn warum darauf verzichten, wenn man sicherer als sicher unterwegs sein kann?

Anders sein, und das garantiert

erhältlichen Surround View begeistert. Sie ergänzt die Rückfahr- um drei weitere hochauflösende Kameras. Diese befinden sich sowohl im Bugteil wie auch in den Aussenspiegel-­Unterschalen. Dank dieser vier technischen Sehhilfen errechnet das System eine virtuelle Vogelperspektive, die neben der Rückfahransicht auf dem Touch-Display zu sehen ist. «Mann» wird an dieser Stelle sicher schmunzeln und sagen: «Frauen können eben nicht einparken.» Aber «Mann» lasse mich antworten: «Zeige mir den Kerl, der bei einem Kratzer an seinem Porsche noch scherzen würde.» Somit: Cooles Extra, diese Surround View, und sie sollte geschlechterübergreifend hinzugebucht werden. Gleiches gilt

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Beim Thema Geld sollte auf jeden Fall noch erwähnt werden, dass eine Investition in einen Porsche Panamera 4S Diesel so etwas wie eine Garantie für Einzigartigkeit ist. Es ist zwar nicht auszuschliessen, aber sehr unwahrscheinlich, dass sich zwei identische Modelle auf der Strasse treffen. Die Konfiguration ist mehr als umfangreich. Beginnend bei 16 Aussen- und 15 Interieurfarben, über verschiedene Lederwelten, bis zu Rädern und Sonderausstattungen. Jeder bekommt, was er will. Detailverliebt, detailgetreu. Wer zahlen kann, wer zahlen will, wird immer alleine auf den Strassen unterwegs sein. Und wer es sogar noch persönlicher mag, der lässt sich seine Farbe anmischen, denn von 0 auf 100 ist auch das möglich. Nicht unbedingt in 4,5 Sekunden, aber absolut sicher. Rudi wäre auf jeden Fall begeistert. 120 Jahre nach dem ersten Motor röhrt sein Baby noch immer auf den Strassen und trotzt jeglicher Kritik. Denn die neuesten Modelle setzen neben Schick auch auf Ökonomie. Und er würde wahrscheinlich sagen: «Otto, du kannst mich mal, ich bin nicht weniger umweltfreundlich als du und sehe eben einfach zu gut aus.»


Super Premium

www.imperialcollection.ch


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BRITE

EIN MIT BAYERISCHEN WURZELN Bristol lebt! Vor f端nf Jahren pleite, wagt die britische Nobelmarke mit dem extravaganten Roadster Bullet einen Neuanfang. Wieder dabei ist BMW, wie schon vor 端ber einem halben Jahrhundert. Dieter G端nther I

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BMW AG, Bristol Cars, Dieter G端nther


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H

aben wir es hier mit jenem herrlichen, schrullig-­­schrägen englischen Hu­mor zu tun, den wir Kontinentaleuropäer so lieben? Gut möglich: Der neue Bristol mit der martialischen Be­zeichnung Bullet – englisch für Kugel oder Geschoss – gehört zur Gattung der Roadster, Speedster und Spider, die eine karge Ausstattung samt dünnem Stoffverdeck zum Güte­siegel erhoben. Aber die Zeiten ändern sich. Heute fühlen sich selbst in England, der klassischen Brutstätte zugiger Fahrmaschinen, nur noch Caterham und Morgan diesem Erbe verpflichtet. Und, seit ein paar Monaten, Bristol Cars mit dem Bullet. Dieser abgehobene Zweisitzer tritt freilich noch radikaler auf: Wie einst der Isdera Spyder, gebaut von 1982 bis 1992, pfeift er gleich ganz auf ein Verdeck und positioniert sich als ganzjährig geöffnetes Liebhaberstück. Statt englischem Humor begegnen wir hier aber eher kühlem Kalkül. Strikt auf 70 Exemplare limitiert, soll der Brite Aufmerksamkeit wecken und gleichzeitig den Fokus auf das in diesem Jahr gefeierte 70. Firmenjubiläum von Bristol richten. Beides ist ihm gelungen. Allerhand zu bieten hat dieser attraktive, aus dem «Project Pinnacle» entwickelte Newcomer natürlich auch. Da ist die ebenso kostspielige wie leichte, mit einem Aluchassis verklebte Kohlefaserhaut, die mit profiliertem Kühlergrill und zierlichen Heckflossen Stilmerkmale aus ruhmreichen Bristol-Zeiten zitiert. Auch das noble, durch Aluleisten, Edelholz und Leder verfeinerte Cockpit samt grossem Touchscreen-Bildschirm, auf dem die Inhalte von Smartphones abgebildet werden können, vereint gekonnt Tradition mit Moderne. Leistungsmässig ist der Bullet ebenfalls gut aufgestellt. Sein 4,8-l-V8 von BMW liefert 374 PS an die Hinterachse, er lässt den knapp 1100 Kilo leichten Zweisitzer aus dem Stand in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei elektronisch abgeregelten 250 km / h, das höchste Dreh­ moment von 490 Newtonmeter fällt bei 3400 Umdrehungen pro Minute an. Dass BMW diesen

Achtzylinder mit dem internen Kürzel N62 in den eigenen Modellen nur bis 2010 verbaute, tut dem Vergnügen keinen Abbruch: Neben dem Bullet sorgt dieses souveräne Triebwerk noch im Morgan Aero 8 und Plus 8 für stürmischen Vortrieb. Stichwort BMW. Die enge Verbindung zu den Bayerischen Motoren Werken beginnt vor 90 Jahren. Damals hatten die Gebrüder Aldington, die seit 1926 unter dem Frazer-Nash-Label Sport­ wagen bauten, die BMW-Vertretung für Gross­bri­ tannien übernommen und die Autos aus Deutschland in Lizenz als Frazer Nash BMW vermarktet. Der Zweite Weltkrieg beendete diese Partnerschaft, die 1945 mit der Bristol Aeroplane Company als neuem Hauptakteur fortgesetzt wurde. Als zweites Standbein strebte der in Filton nahe Bristol ansässige Flugzeugbauer den Einstieg in die Autobranche an, ein Vorhaben, das durch die Übernahme von Frazer Nash kurzerhand umgesetzt wurde. Da eine komplette Neukonstruktion weder finanziell noch zeitlich infrage kam, setzte Harold John «Aldy» Aldington – nun Chef der Autosparte von Bristol und mit den Bayerischen Motoren Werken bestens vernetzt – auf eine andere Lösung: Er hoffte, mit einem überarbeiteten Modell auf Basis der BMW-Typen 326, 327 und 328 an alte Erfolge anzuknüpfen. Dazu benötigte Bristol allerdings die Konstruktionspläne der entsprechenden BMW-­ Modelle – die in München lagen, also in der US-amerikanischen Besatzungszone. Was tun? «Aldy» Aldington wusste Rat und startete eine Mission, die einer Romanfigur von John Le Carré oder Ian Fleming würdig gewesen wäre. Abgesegnet vom britischen War Reparations Board, flog er in die bayerische Hauptstadt, verhandelte mit BMW-Geschäftsführer Kurt Donath – und kehrte, deklariert als deutsche Reparationsleistungen, mit den so dringend benötigten Plänen samt einigen Zweiliter-Triebwerken in die Heimat zurück. Als Sahnehäubchen dieses Handstreichs lockte er Fritz Fiedler, der massgeblich an der Entwicklung der BMW-Sechszylinder beteiligt war und nun als ehemaliger Wehrwirtschaftsführer

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Edel: das üppig ausstaffierte Cockpit, dessen Armaturenträger traditionsbewusst neue Akzente setzt

auf dem Trockenen sass, nach England. Wo der fähige Konstrukteur zwei Jahre arbeitete und dem neuen, Bristol 400 genannten Sportcoupé seinen Stempel aufdrückte. Vor diesem Hintergrund präsentierte sich der seit Frühjahr 1947 lieferbare Erstling aus Filton als nahezu originalgetreue Kopie eines BMW 327 Coupé: Das galt für sein Outfit mit dem markanten Kühlergrill – die an einen BMW erinnernde «Doppel-Niere» – sowie für seinen Tiefbett-Kastenrahmen. Der Zweiliter-Sechszylinder mit seinem genialen Ventiltrieb stammte dagegen vom BMW 328 und war im Bristol 400 mit 80 (Typ 85A) und 85 PS (Typ 85B) zu haben. 1948 erschien eine geringfügig modifizierte zweite Serie,

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ausserdem gab es einige Sonderkarosserien, darunter als Einzelstück ein Cabriolet von Langenthal. Deutlich eigenständiger als sein Vorgänger gab sich der Bristol 401 von 1949, eine zweitürige Sport­ limousine mit vier Sitzen, die 1953 zum 403 mit 100 PS reifte und, in winziger Auflage, auch als offenes Bristol 402 «Drop Head Coupé» zu haben war. Gefertigt in der von Carrozzeria Touring erdachten «Superleggera»-Bauweise – dies lange vor Aston Martin –, spannten sich ihre Alu-Karosserien hier über leichte, verwindungssteife Rohrrahmen. Natürlich engagierte sich Bristol auch im Rennsport, konzipierte mit dem 450 sogar ein reinrassiges Renngerät, das zwischen 1953 und 1955


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Vorbildcharakter: ein BMW 327/328 Coupé, das dem Bristol 400 als Vorlage diente

etwa bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start ging – und dort durchaus erfolgreich agierte. Leider mit nur mässigem Erfolg. Klar, dass auch die Rennsportwagen am bewährten Zweiliter-Motor festhielten. Über die Jahre hinweg kontinuierlich verbessert, wurde das Triebwerk für Bristol ein ertragreiches Geschäftsmodell, das in den Sportwagen von AC, Arnolt-Bristol oder Frazer Nash – nach Streitigkeiten mit den Aldingtons gingen beide Firmen inzwischen wieder getrennte Wege – zum Einsatz kam. Die Nachfolger der «Superleggera»-Typen gaben sich moderner, zeitgemässer – was nicht zuletzt an

ihrem unverwechselbaren, viele Jahre gebräuchlichen Kühlergrill lag: Bristol-­ Aerodynamiker Dudley Hobbs, der schon den 400 formte, durfte sich erneut irdischen Freuden hingeben und den New­comern ein sportliches Outfit verpassen. So erschien 1953 das Coupé 404, dem im Jahr darauf der 405 als zweitüriges Cabrio sowie – einmalig bei Bristol – als viertürige Limousine zur Seite gestellt wurde. Bei diesen Modellen setzte der Hersteller wieder auf das altbekannte Chassis. Der neben aufregenden Sonderkarosserien zum Beispiel von Zagato wohl schönste Bristol kam im Herbst 1958 unter der Bezeichnung 406 in den Handel: ein exklusiver Gentleman’s Express, dessen eleganter Body nun auf einem Stahlgerüst sass und der mit Dunlop-Scheibenbremsen verzögerte. Drei Jahre später, 1961, lief die Zeit der ursprünglichen, lange so erfolgreichen BMW-Triebwerke aus: Mit dem Bristol 407 lösten fette V8 von Chrysler die Konstruktion mit den bayerischen Wurzeln ab. Auch firmenpolitisch tat sich was. Tony Crook (1920 –2014), ein vermögender Herr mit Renn­ ambitionen, war als Bristol-Agent eng mit dem noblen Haus liiert. Als die Flugzeugsparte ins Schlingern geriet, griff er zu. Er erwarb, gemeinsam mit George White, den er 1973 auszahlte, die Autosparte. Damit war Tony Crook zum Alleinherrscher über Bristol geworden, der die Fertigung von Filton nach Patchway verlegte. Springen wir ins Jahr 1997. Bristol hatte die Zeit verschlafen, hatte keinen Ersatz für die treue, zunehmend ältere Kundschaft gefunden. Und stand nun vor dem Aus. Tony Crook musste seine Anteile schliesslich an den mit der Tavistock Group eng verbandelten Toby Silverton abtreten, der frisches Geld und neue Ideen ins Spiel brachte. So initiierte Silverton den Bristol Fighter, ein atemberaubendes Sportcoupé mit Flügeltüren und Abrissheck, das zwischen 2004 und 2009 gebaut wurde. Leider verhinderte der laut Werk bis zu 1027 PS potente, nur neunmal oder möglicherweise doch in 14  Exemplaren gebaute Fighter nicht, dass Bristol 2011 in die Insolvenz rutschte. Heute ist die KamKorp Group, zu der Frazer Nash Research gehört, neuer Eigentümer der hoch angesehenen Marke, die gleich mit dem Bullet ein Ausrufezeichen setzen konnte. Ein Anfang ist also gemacht!

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DRIVE STYLE

MIT

PS

Ein Muss für jeden Motorradfan Ein Buch über die Kraft und Schönheit der selbstgebauten Maschinen. Individualisierte Geschichten über individuelle Bikes und ihre Macher. Opulente bildgeprägte Geschichten und Reportagen, die mitten hinein in das aktuelle Custom-Bike-Leben und die Motorradkultur eintauchen. Cafe Racer, Scrambler, Chopper. Dazu die grossen Kulturveranstaltungen wie «Wheels & Waves», «Babes Ride Out», «Glemseck 101» oder «Distinguished Gentleman’s Ride». Die herausragenden Fotografen der Szene liefern ihre besten Produktionen. Unterhaltsam-informativ führt der Text die Geschichten zu den Ereignissen und den Bildern.

Custom Bike Life RAMP TeNeues Verlag

Legende auf vier Rädern René Stauds aussergewöhnliche Aufnahmen lassen den Betrachter die Aura eines britischen Klassikers spüren. Zum 50-jährigen Jubiläum von James Bond gab es 2012 das Aufeinandertreffen zweier Ikonen, die wie kaum etwas anderes britische Coolness verkörpern. In «Skyfall» fuhr Daniel Craig als Agent 007 einen Aston Martin DB5. Ebenjenen aufregenden Sechszylinder, an dessen Steuer schon Sean Connery in «Goldfinger» zu sehen war. Mittler­ weile hat auch Aston Martin einen runden Geburtstag gefeiert. In dem Jahrhundert seit der Gründung durch Robert Bamford und Lionel Martin am 13. Januar 1913 ist ein Portfolio entstanden, das vom Le-Mans-Sieger «DB2» bis zum 2013er «Vanquish» reicht. Diese eleganten Edelkarossen hat René Staud nun angemessen fotografisch in Szene gesetzt.

Chopard and Zagato Mille Miglia Collectibles Delius Klasing Verlag

The Aston Martin Book René Staud TeNeues Verlag

Eine Erfolgsgeschichte Die grössten Siege, die erfolgreichsten Piloten und die schnellsten Modelle in einem opulenten Bildband vereint: «Chopard and Zagato» präsentiert die Geschichte der legendären Mille Miglia aus der Sicht zweier grosser Luxus-Marken, die das italienische Langstreckenrennen geprägt haben. Die Entwicklung des Karosserie­ designers Zagato geht Hand in Hand mit den sportlichen Erfolgen des Mailänder Karosseriedesign-Unternehmens bei dem historischen Autorennen Mille Miglia im Norden Italiens. Zagato-Modelle waren bei allen 24 Rennen bis ins Jahr 1957 am Start, achtmal davon wurde ein Zagato-Design sogar Gesamtsieger des legendären Rennens. Chopard ist seit 1988 Sponsor und offizieller Zeitnehmer der Mille Miglia, und die «Mille Miglia-Collection» des Uhrenherstellers in enger Zusammenarbeit mit Zagato ist einer der grossen Erfolge des Unternehmens. Die gemeinsame Geschichte von Mille Miglia, Chopard und Zagato wurde jetzt in einem einzigartigen Bildband zusammengeführt.

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DRIVE STYLE

HAZANS TURBO LOFT Mit dem Umbau einer fast 40 Jahre alten Ducati 860 GT beweist Maxwell (Max) Hazan wieder einmal aufs Neue, dass er einer der wenigen Customizer ist, deren Kreationen nicht nur optisch, sondern auch technisch auf höchstem Niveau liegen.

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Hermann Köpf

n seinem früheren Leben arbeitete Hazan als Innenarchitekt und lernte als Kind sein Handwerkszeug von seinem Vater, einem renommierten Bootsbauer. Aufgewachsen ist er an der Ostküste der Vereinigten Staaten und bastelte eigentlich schon immer an seinen Motorrädern herum, zuerst an Enduros und Motocrossern und später an Strassenmaschinen, die er ständig optimierte. Dann baute er ­Motorräder seiner Freunde um, und als ihn sein Vater eines Tages beim Mittagessen fragt, warum er sich nicht gänzlich aufs Motorradbauen spezialisiert, legt dies seinen internen Blockadeschalter um. Gesagt, getan, er mietet sich in der Nähe seines Apartments in Brooklyn eine fensterlose Werkstatt an und stürzt sich in das Abenteuer, endlich das tun zu können, was ihm wirklich Freude bereitet. Ein paar Jahre baut er von dort aus Bikes und entwickelt eine eigene Handschrift, bevor er ein Mädchen kennenlernt und mit ihr ins immer-sonnige Kalifornien übersiedelt.

In analoger 3D-Manier Im Fashion-District von Downtown Los Angeles findet er im zweiten Stock eines alten Industrie­gebäudes einen zwar kleinen, aber dafür hellen Raum, von dem aus er nun seinem Traumjob nachgehen kann. Zwar ist es kein

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Kรถnigswellen-Ducatis haben es Maxwell Hazan angetan. Hier sein daily-ride, eine SD Darmah 900.


TECHNISCHE DETAILS BASIS Ducati GT 860 (1978) VERGASER Weber DCOE 40 TURBOLADER Garrett GT15 ZÜNDUNG Elektronik Sachse RÄDER 17“ Excel 3,5“ und 5,5“ BEREIFUNG Michelin Power Slick 120 / 70 und 190 / 55

Von der Ducati GT 860 sind nur noch der Motor und die Vordergabel geblieben, alles andere wurde neu aufgebaut.

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9-to-5, sondern viele Arbeitsstunden mehr. Denn endlich kann er tun, was er will, sich komplett auf seine Ideen und Kreativität stürzen. In der Mitte des Raumes stellt er einen grossen Werktisch auf, rundherum sind die notwendigsten Maschinen und Werkzeuge platziert. Seine Projekte beginnen eigentlich immer auf dieselbe Weise: Nach wochenlanger gedanklicher Planung platziert er den jeweiligen Motor als Herzstück auf dem Tisch, klemmt Kartons zwischen einen Hilfsrahmen hinter den Motor und skizziert, sozusagen in analoger 3D-Manier, die künftige Rahmen- und Fahrwerksform. Danach wird um den Motor herum der Rahmen gebogen und geschweisst, werden die Fahrwerkselemente konstruiert. Mit Modellier-­ Schaumstoff formt er die Tank- und Sitzform, bevor diese schliesslich gedengelt, getempert, gewalzt werden.

Aussehen kombinieren können und dabei ihrer Maxime – ein Motorrad muss stets fahrbar sein – dennoch treu bleiben. Bei seinen Kreationen finden geölte Palisanderholz-Sitze mit eingearbeiteten Inlays ebenso Verwendung wie transparente Acryl-­ Behälter, die als Öl-Tank dienen, wie er sie letztes Jahr der sagenhaften BSA 500 integriert hatte. Viele seiner Arbeiten lassen Steampunk-Anleihen erkennen, die aber nicht verspielt, sondern klar und gut proportioniert in ihrer Formsprache sind. Ähnlichkeiten zu historischen Boardtrack Racern sind bei einigen seiner Werke auch nicht zu übersehen. Zu seiner Kundschaft zählen Sammler und Museen, die seine Arbeiten schätzen und hochdotiert in Auftrag geben. Custombikes auf diesem Level zu bauen, ähnelt dem Kunstmarkt – zumindest was aufgerufene Preise und den Handel damit anbelangt.

Hazan ist einer der wenigen Motorrad-Hand­werker auf der Welt, die ein sehr ausgeprägtes Gespür für Ästhetik und Formsprache entwickelt haben, verschiedenste Materialien mit ihren spezifischen

Die Königswellen-Idee Denn mittlerweile gehen bereits kurz nach Ver­öf­ fentlichung erster Projektfotos auf sozialen Me­ dien wie Instagram und auch Facebook erste


DRIVE STYLE

Von Hand gedengelter Aluminium-Tank für die Turbo-GT mit integrierten Kontrollanzeigen

«Reduce from the Max» könnte man beim Anblick des Cockpits sagen!

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DRIVE STYLE

Kaufanfragen bei ihm ein, was ihm bei der Vor­ finanzierung von Material und der unzähligen Arbeitsstunden hilft, ohne Druck arbeiten und seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Oder es gibt konkrete Auftragsarbeiten, die mit einer Idee und nötigem Kleingeld zu ihm kommen. Wie zuletzt bei der Königswellen-Ducati. Ein junger englischer Sammler und Ducati-Lover, der schon die 900er mit Monster-Motor von ihm abgekauft hatte, kam mit der Königswellen-Idee zu ihm. Eine quietschgelbe GT 860 wurde in LA ausfindig gemacht und diente als Spenderbike, wovon letztendlich aber nur der Motor verwendet wurde. Als dieser Gentleman bei einem der vielen Telefonate noch mit der Turbo-Idee ankam, war das Konzept schnell klar und wurde flugs ausgeführt – oder zumindest damit begonnen. Denn wie so oft liegt der Teufel im Detail, und so wird der Bau der Turbo-GT zu einer etwas längeren Angelegenheit für Maxwell.

Ohne Licht und ohne Blinker Drei Mal muss Maxwell im Laufe der Arbeiten den Motor komplett auseinandernehmen, weil Schäden zu beheben, eine stärkere Kupplung oder besserer Zündfunken nötig wurden. Zwei unterschiedliche Turbolader kamen zum Einsatz, bis der Motor endlich so läuft, wie er sich das vorstellt. Ganz zu schweigen von den unzähligen Schwarzfahrten sonntags morgens auf der Interstate 110, wo er an die 30 Bedüsungs-Kombinationen des

Eine seiner ersten Kreationen hat er sich in seiner Werkstatt im Fashion District von Los Angeles an die Decke gehängt.

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Weber-DCOE-40-Doppelvergasers in Kombination mit dem Garrett-GT15-Turbolader testet. «Der Highway ist sonntags morgens wenig befahren und ideal, um auch mal die Power des Aggregats richtig testen zu können», meint der sympathische Max und fügt hinzu, dass die Strafzettelanzahl sich im Rahmen bewegt, da die kalifornische ­Polizei gern mal ein Auge zudrückt, wenn derartige Augenweiden ohne Licht und ohne Blinker an ihnen vorbeihuschen. Bei der ersten öffentlichen Präsentation der Turbo-­ Ducati, während der Hand-Built-Show in Austin, Texas, war das Interesse von Presse und Publikum, wie zu erwarten, enorm hoch. Seine Motorräder setzen weniger Trends, sondern sind vielmehr als Statements zu verstehen, was im Motorradbau technisch und visuell möglich ist. Obwohl das Fahrzeug, ähnlich seiner früheren 900er mit Monster-­ Motor, eher eine sportliche Rennmaschinen-Optik verfolgt, sind die Detaillösungen und deren handwerkliche Umsetzung in der Champions League anzusiedeln. Hazan ist Künstler und Handwerker in einer Person, mit seinen Bikes mixt er gekonnt eine klassische und eher zurückhaltende Design-­ Sprache mit kreativen und modernen technischen Lösungen. Es kommt eben auf mehrere Faktoren an: kreativ zu sein und dies dabei auch noch handwerklich hochwertig und mit visuellem Verständnis umzusetzen.


DRIVE STYLE

WUSSTEN SIE SCHON …? Daytona Speed Daytona im Sunshine State Florida ist untrennbar mit der Geschichte des Automobilsports verbunden. Nicht zuletzt wegen seines berühmten Daytona Beach, der als einer der bekanntesten weltweit sogar mit dem Auto befahren werden kann. Zwischen den Jahren 1905 bis 1935 wurden hier rund 13 organisierte Rennen und 15 Geschwindigkeitsrekorde aus­ getragen. So rauschte im Jahr 1906 der Rennfahrer Fred Marriot mit seinem dampfgetriebenen Stanley Rocket Steamer mit einer beachtlichen Geschwindigkeit von 205,5 Kilometer pro Stunde über den heissen Sand. Die halsbrecherischen Rekordversuche gipfelten im März 1935 mit einem neuen Rekord des Briten Sir Malcolm Campbell, der seinen Bluebird auf 482 Stundenkilometer beschleunigte.

Umgesattelt Fast jeder kennt sie – die Fahrradsättel aus Leder der englischen Firma Brooks. Stilvoll, elegant und bei guter Pflege ein lebenslanger Begleiter. Zu verdanken sind sie John Boultbee Brooks, der 1866 in England eine kleine LederWerkstatt für Pferdegeschirre gegründet hatte und nur wenig mit Zweirädern zu tun hatte. Als jedoch sein geliebtes Pferd 1878 starb und ihm das nötige Kleingeld für ein neues fehlte, lieh er sich von einem Freund das Fahrrad. Der Sattel, damals kaum mehr als ein Stück Holz, war so unbequem, dass sich Brooks dazu entschloss, daran etwas zu ändern. Und so machte er sich an die Arbeit und setzte mit dem ersten, 1882 patentierten Brooks-Sattel den Grundstein für eine bis heute legendäre Erfindung.

Die Rekordfahrerin Es waren die frühen 1930er-Jahre, als die gebürtige Kanadierin Kay Petre über ihren Ehemann zum Motorsport kam. Henry Petre, seines Zeichens Berufsflieger für einen Postdienst am Flughafen und in der Nähe zur Rennstrecke von Brooklands stationiert. Die dort veranstalteten Rekordfahrten festigten Kay Petres Entschluss, selbst Renn­ fahrerin zu werden. Ihr erster Rennwagen war ein roter Wolseley Hornet Daytona Special, den sie von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte. Nach einigen Rennen jedoch tauschte sie 1934 das Fahrzeug gegen einen 2-Liter-Bugatti, mit dem sie auf der Rennstrecke von Brooklands diverse Klassenrekorde aufstellte. Noch im gleichen Jahr nahm sie, zusammen mit Dorothy Champney, in einem Riley Nine Ulster Imp am legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Das rasante Damenduo schloss das Rennen auf dem 13. Platz der Gesamtwertung ab.

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PHOTOGRAPHER Kai Weissenfeld www.kai-weissenfeld.com MODEL Kim Riekenberg www.2pm.dk STYLING Natalia Witschke www.nina-klein.com/natalia STYLING-ASSISTENZ Julia Maas HAIR / MAKE-UP Kerstin Huesgens www.nina-klein.com/kerstin

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1

Unter dem Motto «Made in Armani» prä­ sentierte Designer Giorgio Armani an der diesjährigen «Milano Moda Uomo» seine neue Kollektion für Frühling und Sommer 2018. Im Fokus der Looks steht die gesamte Klaviatur an Grau- und Blautönen. Geschickt gesetzt sind Farbtupfer in Türkis oder Rot, grundsätzlich aber sind die Farben gewohnt dezent gewählt, und auch seiner charakteristischen Handschrift bleibt Armani für das nächste Jahr treu: modern, elegant und ausge­sprochen chic. Die Silhouetten der Anzüge, Hemden, Jacken und Hosen bleiben, wie bereits in der Herbst- und Winter-Kollektion 2017, weit und lässig. Eine Kollektion mit vielen Highlights, die einmal mehr zeigt, was höchste Schneiderkunst und Perfektion bis ins Detail bedeutet.

2 I Cerruti 1881

SNEAK

1 I Emporio Armani

PEEK

2018

2

Für die richtigen Sommervibes dominieren bei Cerruti im nächsten Frühjahr und Sommer die Farben Blau, Grau und der ganze «Range» an hellen Farben von Weiss bis Senfgelb. Für Anzüge, Mäntel, gestreifte Tops, Hosen und Luxus-Strick mit modernem Cerruti-Logo setzt das Traditionshaus auf fliessende Silhouetten und einen Hauch von «Miami Vice». Kreativdirektor Jason Basmajian löst in dieser Kollektion die starren Strukturen des Designs auf und bringt das Mass­ geschneiderte näher zur informellen Kleidung. Wolle, Leinen, Mohair, Baum wolle und Ramie sind die authentischen Stofftexturen, Okra bis Marineblau die Farben, die für den Mann von heute zum Einsatz kommen.

3 I Fendi

3

Die Herrenkollektion Frühjahr / Sommer 2018 von Kreativdirektorin Silvia Venturini Fendi verkörpert die freudige Freitagsstimmung. Stilvorgaben fürs Büro und Wochenende werden vermischt und auf überraschende Weise neu definiert und in gewohnter Fendi-Manier mit einer Prise Humor garniert. Die Looks sind die Antwort Silvia Venturini Fendis auf eine sich verändernde Arbeitswelt: «Das ist unsere Manager-Kleidung. Traditionelle Dresscodes für Führungskräfte wie Hosenträger, Krawatten und Loafers, aber einfach lässiger. Die Zeiten haben sich schnell geändert. Es gibt 16 Jahre alte CEOs von Start-ups, die in wenigen Minuten zu Milliarden-Dollar-Unternehmen werden. Einstellungen verändern sich, Dresscodes sind nicht mehr so wichtig.»

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POPULAR AVANTGARDE

KANG DONG JUN

geistert. Sein Design? Reduzierte Schnitte mit überraschenden Silhouetten. Kang Dong Jun gelingt es, wie kaum einem anderen, die gradlinige Herrenbekleidung Koreas mit der westlichen Schneiderkunst zu verbinden. Es ist Mode für Individualisten, Mode, die den Spagat macht – zwischen Asien und der globalisierten Welt, zwischen Underground und Massentauglichkeit, zwischen Tradition und Moderne. Oder einfach «Popular Avantgarde», wie er es nennt. «Back to Basic» und tragbare Kleidung zu kreieren, darauf beruht die Grundidee seines Schaffens. Seine Inspirationen dazu holt sich er sich aus dem ganz Alltäglichen. Manchmal sind es Zeilen aus einem Film, den er mag, manchmal ein Songtext oder Gespräche um ihn herum. Der Mode verfallen ist Kang Dong Jun bereits, seit er denken kann. Schon in der Grundschule erkannte er die Kraft der Mode und ihre Möglichkeiten, den Charakter des Menschen zu verstärken, und legte sein gesamtes Taschengeld beiseite, um sich die Kleidung einer ganz bestimmten Marke kaufen zu können.

D.GNAK ist das Menswear-Label des koreanischen Designers Kang Dong Jun. Der Name? Rückwärts gelesen sein Spitzname «Kang.D» und sinnbildlich das, wofür sein Label steht: massgeschneiderte Kleidung mit verdrehten Details. Seitdem der in Seoul geborene Koreaner 2008 auf der «Seoul Fashion Week» debütierte, ist die Modewelt be-

3 ZITATE

Da seine Eltern gegen seinen Berufswunsch «Modedesigner» waren, schrieb sich Kang Dong Jun zunächst für das Fach Deutsch an der Hansung-­ Universität ein, wechselte jedoch später und ohne das Wissen der Eltern das Hauptfach, um seinen Traum zu verfolgen. 1998 zog es ihn ins Stil-Mekka New York an die «Parsons Fashion School». Ein Befreiungsschlag und der Grundstein für eine internationale Karriere. Seit einigen Jahren ist der Modeschöpfer eine feste Grösse in der Branche und begeisterte gerade erst auch wieder mit seiner aktuellen Kollektion Frühling und Sommer 2018, für die er sich von komplementären Kräften inspirieren liess und das chinesische Zeichen Yin und Yang als Thema in den Fokus rückte.

«Jede Kunstform hat ihre eigene Position und Charakteristik. Mode ist nicht anders als andere Kunstformen, sie sind alle in Bezug auf ihre Differenz und Gemeinsamkeit verbunden.» – Kang Dong Jun –

«Ich persönlich bewundere Yohji Yamamoto. Ausser ihn habe ich keine anderen im Sinn.» – Kang Dong Jun –

«Ich mache kein Design für eine bestimmte Person. Ich denke nicht, dass Berühmtheiten anders sind, also gibt es keinen Unterschied.» – Kang Dong Jun –

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Goldene JAHRESZEIT FASHION &BEAUTY

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Wen n d ie Blätter fa l len u nd d ie Temperatu ren la n gsa m si n ken, beg i n nt d ie a k tuel le Modesa ison. Woh i n das Auge bl ick t – coole Accessoires u nd kostbarer Sch muck, d ie dem Herbstlook das gew isse Ex tra verlei hen. BY

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1 I BULGARI

Das erste SerpentiSchmuckstück wurde von Bulgari in den 1940er Jahren erschaffen. Die Serpenti-Viper-Ringe huldigen den faszi­ nierenden Merkmalen der Schlange mit verschiedenen kost­ baren Materialien.

2 4 I MICHAEL KORS

50er-Jahre-Glamour trifft 80er-Jahre-Kleidung: militärische Schnitte, starke Schultern, hochsitzende Taille und die perfekten Accessoires von den Stilettos über die Tasche bis zur Sonnenbrille. 5 I CENTURY

«L’Avenue» von Century: Uhr aus 18-karätigem Weissgold mit 133 Diamanten (1.171 ct). Century-Saphir mit 60 handgeschliffenen und polierten Facetten und weissem Naturperlmutt. 6 I SOL SOL ITO

Cooler Look: Die auf exklusive Kleinserien limitierten Modelle des Zürcher Labels sind auch in Tokio angesagt. Handwerklich erstklassig, aus erlesenem, hochglanzpoliertem Acetat und mit farblich austauschbaren Doppelstahlbügeln.

2 I HUGO BOSS

Die Lederhandtaschen mit grossem Tassel aus der «Wild at Heart»-Kollektion von Hugo Boss passen zu jedem Outfit und haben das Zeug zum absoluten Lieblingsstück. 3 I LONGCHAMP

Stiefeletten mit spektaku­ lärem Farb- und MaterialMix. Ein «Must-have» mit Patchwork-Charakter aus Leder in MetallicFinish, Veloursleder und Leder mit Glanz-Optik.

3

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«Henry Moores Arbeit zu betrachten und darüber nachzudenken, hat eine Reihe von Konversationen ausgelöst, als wir mit der Arbeit an der Kollektion begonnen haben.» – Christopher Bailey –

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VON

PRINZEN UND

ZAUBERWESEN Das britische Modelabel Burberry überraschte in diesem Jahr mit einer aussergewöhnlichen Haute-Couture-Cape-Kollektion. Für die magischen Schönheiten liess sich Chief Creative Officer Christopher Bailey von dem Œuvre des Künstlers Henry Moore inspirieren und kreierte unter dem Titel «The Cape Reimagined» 78 atemberaubende Einzelstücke. Nach einer Wanderausstellung rund um den Globus ist nun ein Bildband mit atemberaubenden Bildern entstanden. Anka Refghi I

Burberry

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The Book Anlässlich der «Made-to-Order»-Kollektion an Haute-Couture-Capes werden in dem umfangreichen, stilvollen Hardcover-Bildband die in den BurberryAteliers gefertigten Unikate vorgestellt. Auch in die Schneiderkunst und Inspiration hinter jedem Design wird ein Einblick gegeben. Die in unserem BurberryAtelier aufgenommenen Schwarz-Weiss-Bilder geben die Schönheit, Form und Individualität jedes einzelnen Capes wieder. Das Buch wurde in England gefertigt und gedruckt und wird in einer eigens entworfenen Burberry-Box mit eingeprägtem Logo präsentiert.

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FASHION &BEAUTY

Couture-Capes: aufwendig und traumhaft schön

E

s ist ein Kleidungsstück, das schon seit vielen Jahrzehnten Helden, Leinwandikonen und stilbewusste Menschen schützt: das Cape. Ein wahrer Klassiker, der nicht nur seit Dekaden in regelmässigen Abständen zum «It-Piece» der jeweiligen Saison wird, sondern auch von den grössten Couturiers immer wieder neu interpretiert wird. Man denke dabei an Martin Margiela für Hermès oder wie zuletzt auch an Burberry, das britische Label, dessen ikonischer Umhang bereits seit 1880 dem englischen Wetter trotzt und neben der Jagd auch auf jedem anderen gesellschaftlichen Parkett eine gute Gattung macht.

Vom grossen Meister inspiriert Aber Burberry ist nicht nur gut für Tradition, sondern auch für bahnbrechende Innovation. So lancierte das Unternehmen im letzten Herbst, unter der Führung von Fashion Designer und Chief Creative Officer von Burberry, Christopher Bailey, die erste «see-now buy-now»-Kollektion, die im ­Gegensatz zur gängigen und langwierigen Art des Bestellwesens in der Fashion­ industrie ab sofort erhältlich und somit auch verkauft werden konnte. Und weil das noch nicht genug war, doppelte Burberry 2017 gleich noch

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«The Cape Reimagined»-Ausstellung in Tokio

einmal nach und präsentierte als Teil der Aus­ stellung «Henry Moore: Inspiration & Process» im Londoner Makers House kuratierte Capes der Limited Edition. Eine Kollektion von 78 magischen

Henry Moore Henry Moore (1898–1986) zählt zu den bedeutendsten britischen Künstlern des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen monumentale Bronzefiguren auf der ganzen Welt zu sehen sind. Moores Geburtsort Castleford ist gleichermassen auch die Produktionsstätte der legendären Burberry-Trenchcoats. Der Künstler war Vorreiter seiner Zeit und der erste britische Künstler, der bereits zu Lebzeiten weltweit berühmt war. Sein Werk gilt als Symbol für die Nachkriegsmoderne sowie als Auslöser für die Renaissance der britischen Bildhauerei.

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Couture-Capes, die von dem skulpturalen Schaffen des britischen Künstlers Henry Moore inspiriert waren und im Rahmen der «Made-to-Order»-­ Kollektion präsentiert wurden. Kunstvoll und in tausenden von Stunden Handarbeit entstanden die exquisiten Haute-Couture-Capes in den Londoner Burberry-Ateliers. «Einzigartige Sammlerstücke aus ungewöhnlichen Materialien, gefertigt mit aufwendigen Techniken», wie Bailey sagt. Capes, die aus jungen Männern Prinzen und aus jungen Mädchen wunderhafte Zauberwesen machen. Glitzernde Kristalle, Federn, Perlen, feinste Materialien, limitiert und jedes von ihnen mit einem eigenen Namen geadelt. Eine Kollektion, die nicht nur dem grossen englischen Meister huldigte, sondern auch in einer weltumspannenden Wanderausstellung in diesem Jahr zu sehen war.


KOLUMNE

DONNE BELLE PER SEMPRE Salvador Dalί, die bereits mit 15 Jahren zum ersten Mal auf dem Cover der «Vogue» zu sehen war und heute noch das älteste aktive Model der Welt ist. «Mode», so sagt sie, «war für mich schon immer ein Stimulans.» Und die Reihe von Frauen, die auch im Alter attraktiv sind, lässt sich auch um die Journalistin Joan Didion, 83, oder die legendäre Iris Apfel erweitern, die mit ihren beachtlichen 96 Jahren zu den welt­weit bekanntesten Mode-Ikonen gehört. VALENTINO Beautyunternehmer Switzerland

Auch wenn die Beauty- und Fashion-Industrie noch immer zu ganz jungen, faltenfreien und superschlanken Models greift, um die perfekte Schönheit darzustellen, wächst dennoch die Bedeutung von starken und nie älter zu werden scheinenden Frauen über 50. Immer mehr repräsentieren sie die selbstsichere, modische und gepflegte Frau und beweisen damit, dass Schönheit keine Frage des Alters ist. Lange standen sie im Abseits, doch in den letzten Jahren haben sie sich ihren festen Platz auch in der Werbung zurückerobert und begeistern damit weltweit.

Mit hochentwickelten Anti-Aging-Produkten lässt sich sicherlich vieles erreichen – fest steht aber, dass ältere Frauen gerade auch wegen ihrer inneren Stärke strahlen und den Weg zurück ins Rampenlicht gefunden haben.

Charlotte Rampling

Die aktuelle Siegerin der Castingshow «Germany’s Next Topmodel», Céline Bethmann, verblasst, wenn die 72-jährige Helen Mirren, Schau­ spielerin und das aktuelle L’Oréal-Gesicht, mit ihrer unvergänglichen Schönheit die Bühne betritt. Unbelastet und frei wirkt sie dann, frei von dem Druck, unter dem junge Models stehen. Zu den reifen Schönheiten zählt auch Jessica Lange, die vor drei Jahren mit 65 vom weltbekannten Fotografen David Sims für Marc Jacobs fotografiert wurde, oder auch Christie Brinkley, 63 Jahre alt, eine unglaubliche Erscheinung, nach der sich noch so mancher Mann umdreht und die Frauen fasziniert. Zu diesen Ikonen gehört auch Charlotte Rampling, 71, die vor drei Jahren als das Gesicht des Beauty-Labels Nars vor der Kamera stand, oder auch die bezaubernde Susan Sarandon, mit ihren heute 71 Jahren. Alles Frauen, die mit ihrer Persönlich­keit und ihrer perfekten Mischung aus Intelligenz, Können und verführerischem Sex-Appeal viele Frauen dazu animieren, auch im Alter top und sexy auszusehen. Doch es gibt noch mehr. Nämlich die Frauen jenseits der 80, die sich heute auch nicht mehr verstecken. Zu ihnen gehört die legendäre Carmen Dell’Orefice, 86 Lenze jung, amerikanische Schauspielerin und einstige Muse von Susan Sarandon

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Jessica Lange


Belle

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Wa h re Schön heit kom mt von i n nen, aber auch fü r sei n Äusseres ka n n ma n ei n iges tu n. Ei n w u nderbarer D u ft, d ie per fek te P f legecreme u nd ei n Hauch von Ma ke-up – meh r braucht es n icht, u m z u stra h len.

MOSCHINO

SEPHORA

«Pink Fresh Couture» – 100 % Moschino! 100 % Fresh! 100 % Pink! Das ironisch-augenzwinkernde Design macht auch 2017 erneut Furore. «Moschino Pink Fresh Couture» ist ein neuer frisch-floraler Damenduft.

CLARINS

«Multi-Active Yeux»: das «Must-have» mit der Kraft leistungsstarker Pflanzenaktivstoffe, um die Jugendlichkeit und Ausstrahlung der Augenpartie zu bewahren. Für alle nonstop-aktiven Frauen ab 30+.

Der «Outrageous Curl – Dramatic Volume and Curve Mascara» garantiert ein unverschämt glamouröses Ergebnis! Dieser Mascara gibt selbst geraden, feinen und kurzen Wimpern viel Schwung und Volumen.

LUXES

Swiss made: Die ölfreien «Aqua Serum»-Sprays bestehen aus liposomalverkapselten botanischen Auszügen und Stammzellen, erfrischen und entspannen die Haut und sind frei von Silikonen und Paraffinen.

KIKO

«Fall 2.0 Lip Stylo»: ein langanhaltender Lippenstift mit mattierendem Effekt. Die cremige Textur mit einem matten Finish verleiht den Lippen ein weiches Gefühl und hinterlässt einen intensiven und sofortigen Farbeffekt.

EVIDENS

«The Neck & Décolleté Solution»: Anti-aging-Treatment für sensible, dünne Haut und formuliert, um Zeichen schlaffer Haut zu bekämpfen und die Hautschichten dieser empfindlichen Zonen in den Tiefen zu rekonstruieren.

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FRAU

EINE FÜR ALLE FÄLLE

Dr. med. Cynthia Wolfensberger ist erfrischend anders und als Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie eine der Besten ihres Fachs. Von der Bezeichnung «Schönheitschirurgin» distanziert sie sich bewusst, denn geschützt ist dieser Begriff nicht. Ein Gespräch über frauenfreundliche Medizin, die innere Mitte und die Erhaltung der Individualität.

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hre Leidenschaft ist das Handwerk, und wenn komplizierte Fälle gelöst werden müssen, dann ist sie die erste Wahl. Seit 17 Jahren praktiziert Dr. med. Cynthia Wolfensberger in ihrer Zürcher Praxis und operiert an verschiedenen renommierten Kliniken im Kanton Zürich. Von der klassischen Schönheitsoperation bis hin zu minimalinvasiven Methoden hat sie alles in ihrem Repertoire. Doch am Wichtigsten ist für sie immer, die Patientin als ganzen Menschen zu erfassen.

PRESTIGE: Frau Dr. Wolfensberger, wenn Frauen zu Ihnen kommen, geht es oft auch um die Geschichte hinter der Fassade. Wie wichtig ist es, diese zu kennen? DR. MED. CYNTHIA WOLFENSBERGER: Die Geschichte ist immer wichtig, daher ver­ suche ich, ohne aufdringlich zu sein, möglichst viel davon zu erfahren. Nur so kann ich auch umfassend beraten. Vielleicht liegt die richtige Lösung auch darin, noch ein wenig zuzuwarten. Gerade, wenn sich jemand noch mitten in einer schwierigen Phase befindet. Oft aber kommen Frauen zu mir, bei denen die schwierige Zeit bereits hinter ihnen liegt und die einen Neustart machen möchten. Würden Sie grundsätzlich von einer Konsultation abraten, wenn man sich in einer Tiefphase des Lebens befindet? Nein, beraten lassen kann man sich immer. Wichtig aber ist, dass man auch zu jemandem geht, wo man zuerst einmal beraten wird, und nicht zu jemandem, der gleich versucht zu verkaufen. Fühlen sich Frauen besser beraten, weil Sie selbst eine Frau sind? Nun, da gibt es unterschiedliche Wünsche und Ansätze. Es gibt Frauen, die etwas für sich selbst machen möchten und sich gerne von einer Frau beraten lassen. Dann gibt es

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Anka Refghi I

Sebastian Magnani

wiederum Frauen, denen es wichtig ist, von einem Mann beraten zu werden, weil das auch ihr Zielpublikum ist. Gibt es in den letzten Jahren bemerkenswerte Tendenzen, die Ihnen bezüglich der Patientenwünsche aufgefallen sind? Ich bemerke, dass immer mehr jüngere Frauen mit ihrem Äusseren unzufrieden sind und das Bedürfnis haben, etwas zu verändern. Heute gibt es so viele Anbieter, und es wird so viel in die Werbung investiert, dass viele junge Frauen nicht mehr abschätzen können, was Wirklichkeit ist und was manipulierte Bilder sind. Aber wenn sie sich mit den manipulierten Bildern vergleichen, dann können sie eigentlich immer nur verlieren. Für mich ist es wichtig zu erkennen, woher ein Wunsch kommt, um vielleicht die Frau auch wieder zu sich selbst zurückzubringen. Sie praktizieren eine frauenfreundliche Medizin. Könnten Sie das etwas genauer ausführen? Das geht natürlich in das Gleiche. Mir geht es darum, in meiner Arbeit Frauen darin zu bestärken, sich selbst zu akzeptieren und Dinge zu tun, die ihnen selbst gut tun, und nicht einem Bild hinterherzueifern oder für andere etwas an sich ändern zu wollen. Wichtig ist immer, die Individualität zu wahren und nicht einem Massentrend oder einer Modeströmung zu folgen.


Nun sind Sie auch eine Verfechterin natürlicher und gesundheitsverträglicher Methoden. Was zählen Sie hier zu Ihren Favoriten? Ich habe verschiedene Methoden, die ich sehr gerne mache. Zum Beispiel das sogenannte «Vampire-Lift», bei dem man mit Eigenblut arbeitet und im Prinzip eine Methode ist, bei der ich auf die körpereigene Funktion zur Reparation aufbaue. Eine ähnliche Methode, die auch ausnützt, was der Körper an Regenerierfähigkeit besitzt, ist das «Needling». Hier wird im Grunde die Haut massiv perforiert, ohne dass man etwas davon sieht. Feinste Verletzungen sind trotzdem vorhanden und führen zu einem Aufbau der Haut. «Kryopolyse», also das Einfrieren von Fett, finde ich ebenfalls eine sehr gute, relativ verträgliche Methode, bei der der Körper nicht alles Fett verliert wie bei der Absaugung. Für gutes Aussehen ist der Lebenswandel auch nicht ganz unwichtig … Das ist richtig. Ich bin eine grosse Verfechterin der Nahrungsergänzungsmittel. Sehen Sie, Sie können einen Architekten und einen Bauarbeiter bestellen, aber wenn Sie keinen Beton, keinen Sand und keine Bretter zur Verfügung stellen, wird trotzdem kein Haus gebaut. Und das ist das Gleiche mit all meinen Methoden, wenn der Körper nichts hat, womit er arbeiten kann, dann kann auch mein ganzer Anstoss zur Regeneration nicht fruchten.

Woher wissen Sie, ob jemandem etwas fehlt? Zum einen durch eine Blutuntersuchung, zum anderen kann ich aber bei Sonnenschäden, Raucherinnen, Veganerinnen oder Frauen, die sehr wenig essen, davon ausgehen, dass hier für einen Aufbau zu wenig Reserven da sind. In dieser Situation gebe ich auch Empfehlungen ab, welche Nahrungsmittelergänzungen in dem speziellen Fall gut wären. Als Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie sind Sie für ein weites Feld ausgebildet. Kommen Ihre Patientinnen ausschliesslich für ästhetische Behandlungen zu Ihnen? Wer eine eigene Praxis hat und nicht an einer Plastischen Chirurgie in einem Spital arbeitet, bei dem überwiegt natürlich der Bereich Ästhetik. Was ich aber sehr viel habe, sind unklare oder klar bösartige Hautveränderungen, bei denen sich die Patienten gerade im Gesicht wünschen, dass dies nicht vom Hausarzt entfernt wird, sondern von jemandem, von dem sie wissen, dass er auch eine schöne Narbe hinterlässt. Ihre Augen strahlen … Sie lieben dieses Handwerk sehr? Oh ja, das finde ich wirklich toll! Und das ist nun etwas salopp gesagt, aber bei der Plastischen Chirurgie geht es ja eigentlich darum, mit ganz unterschiedlichen Methoden irgendwelche Defekte zu decken. Wenn ich also eine unklare Hautveränderung habe, dann schneide ich die heraus, ohne im Vorfeld zu wissen, wie gross die Wunde am Ende sein wird. Aber ich gehe mit der Sicherheit in die Operation, dass ich eine gute Lösung finden werde, um das Loch zu verschliessen. In diesem Moment muss ich meinen ganzen Köcher an Methoden, die ich gelernt habe und beherrsche, ausschütten und mir überlegen, was die beste und sicherste Methode ist, um die Wunde zu verschliessen, damit auch der Patient die wenigsten Nachteile dadurch hat, dass die Narbe gut verheilt. Das ist wirklich eine Herausforderung, die ich sehr liebe.

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Eine Unterhose schreibt Geschichte Bei «Jockey» fing alles mit Socken an. So war es der amerikanische Pfarrer Samuel T. Cooper, der 1846 seine Strumpfwarenfabrik gründete und damit den Grundstein für eine der wohl bekanntesten Marken legte, die noch für viel Aufsehen sorgen sollte. So beispiels­weise veranstaltete Cooper’s 1938 auf einer Fachmesse werbewirksam die «Cellophane Wedding», den Auftritt eines als Brautpaar einge­k leideten Paares, das aus Zellophan gefertigte, transparente Festkleidung und darunter gut sichtbare Jockey-Unterwäsche trug. Aber die Unterhose mit der Y-Front hatte auch berühmte Anhänger. So war Andy Warhol Fan des klassischen Jockey-Slips und platzierte ihn deshalb auf dem Rolling-Stones-Album «Sticky Fingers». Ebenso wurden die Astronauten in den 60er Jahren mit Jockey ausgestattet, war die Unter­ hose doch dank der inno­vativen Halterungen in den Bündchen «weltalltauglich» und passte sich auch in der Schwerelosigkeit dem Körper perfekt an.

Die Etikette macht’s Zwischen dem heutigen Gigan­tismus und den Anfängen der Modepräsen­ tationen liegen gerade einmal 160 Jahre. Als Begründer der Haute Couture gilt der Brite Charles Frederick Worth (1825– 1895). Worth entwarf Mode für die Dame, suchte die Stoffe selbst aus und kennzeichnete die Kreationen mit einem Etikett, auf dem sein Name zu lesen war – ein Novum und ein Schritt, mit dem er das traditionelle Schneiderhandwerk zur Kunst erhob. Auch war er es, der Mitte des 19. Jahr­h underts Mode erstmals von lebenden Modellen vorführen liess, anstatt sie seiner Kundschaft, wie damals üblich, zweidimen­sional oder an Holzpuppen schmackhaft zu machen.

Auf den Gang kommt es an Bis in die 1950er Jahre war es üblich, einem erlauchten Publikum die neuesten Kreationen in den Salons der Couturiers selbst vorzuführen, wobei den Models allerdings noch eine sehr passive Rolle zukam. Später dann begannen Designer, eigene Charakteristiken für ihre Schauen zu entwickeln und legten damit den Grundstein für die späteren Fashion-Shows der Super­lative. So beispielsweise verfolgte Christian Dior eine Dramaturgie für die Präsentation seiner Kleidungsstücke und verlangte von seinen Models einen prahlerischen Laufstil, während Coco Chanel einen kühlen Gang kreierte, bei dem der Ober­körper zurück und die Hüfte nach vorne geschoben wurde, während die eine Hand in der Hosentasche und die andere frei beweglich blieb.


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NATALIE FRANZ ÖFFNET JEDEM DIE AUGEN «Wenn einer eine Reise tut, kann er etwas erleben», wusste bereits der deutsche Dichter Matthias Claudius (1740–1815). Natalie Franz hat bei einer Reise nach Tokio viel erlebt und auch eine spannende Entdeckung gemacht.

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Valeska Jansen

ls die gebürtige Russin die Band Tokyo Hotel als Make-up Artist auf einer Asientour begleitete, fand sie in einem der vielen Drugstores Tokios ein Utensil, das ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnete. Dem Umstand, dass die meisten Japanerinnen unzufrieden mit ihren Schlupflidern sind und dem Augenaufschlag des Westens nacheifern, hatte sie es zu verdanken, dass ein cleverer Erfinder die kostspieligen und riskanten Oberlid-OPs zu umgehen wusste: Ein aufklebbares Patch war seine Lösung. Der kleine Streifen mogelte, richtig platziert, die bei Asiaten nicht vorhandene Lidfalte heraus. Dass Europäer auch profitieren können, bemerkte Franz schnell, denn durch richtiges Aufkleben erreichte sie eine sichtbare Lidstraffung. Heute vertreibt Franz ihre eigenen massgefertigten Lidstraffer unter dem Namen «MAGICSTRIPES» und ist damit zum Liebling vieler Stars geworden. Wir trafen die zierliche Geschäftsfrau zum Interview:

Was, wenn das Patch verrutscht? Das kann bei richtiger Anwendung nicht passieren. Das selbstklebende Silikon wird auf dem vorher gereinigten und fettfreien Lid aufgeklebt, und dort hält es, bis man es wieder ablösen will. Wem würden Sie gerne mal die Augen öffnen? Ganz klar! Kate Moss! Ich bewundere sie sehr, und leider hat sie stark hängende Augenlider. Sie würde wirklich toll mit meinen Patches aussehen.

PRESTIGE: Wann entdeckten Sie Ihre Leidenschaft zum Schminken? NATALIE FRANZ: Bereits von klein an bewegte ich mich hinter der Bühne zusammen mit den Ballettensembles, denen auch meine Mutter Voloshina Evgenia, eine bekannte russische Primaballerina, angehörte. Hier sah ich, wie sie sich für ihre Auftritte schminkten, und das faszinierte mich sehr. Ohne es bewusst zu realisieren, lernte ich bereits zu dieser Zeit, worauf es beim Schminken ankommt. Tja, und heute ist es schon seit vielen Jahren mein Beruf. Sie haben sich international einen Namen als Make-up Artist gemacht. Wen haben Sie bereits geschminkt? So einige. Lady Gaga, Taylor Swift, die Bandmitglieder von R.E.M, von Aha, mit Tokyo Hotel war ich sogar zehn Jahre lang unterwegs. Haben Sie da einen Favoriten? Das ist kein Geheimnis, mein absoluter Liebling ist der Sänger von Tokyo Hotel, Bill Kaulitz, ein echter Schatz. Und sonst? Also ehrlich beeindruckt bin ich von Iris Berben. Sie hat eine sehr faszinierende Persönlichkeit, und mit ihr zu arbeiten, macht wirklich Freude. Und allen kleben Sie erst einmal Ihre Lidstraffungspatches auf? Ja! Und alle sind ausnahmslos begeistert. Wer sie noch nicht kennt, dem appliziere ich erst einmal nur eines auf einem Augenlid, um dann im Spiegel den Unterschied zu zeigen. Spätestens darauf gibt es keine Fragen mehr.

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© Oleg Covian


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EINE ARISTOKRATISCHE

BEGEGNUNG

Ein privilegiertes Leben zu führen, gehört seit Jahrhunderten zum Standard des Adels. Ein erfülltes Leben zu haben, ist dabei nicht zwingend der Fall. Gräfin Isabelle d’Ornano trägt ihren Reichtum niemals nach aussen und hat ihren persönlichen Werten die wahre Erfüllung zu verdanken.

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ie französische Kosmetik-­Marke Sisley wurde vor über 40 Jahren von Hubert d’Ornano gegründet. Zusammen mit seiner Frau Isabelle entwickelte er Pflegeprodukte auf rein pflanzlicher Basis und unter Berücksichtigung vieler Kriterien aus der Homöopathie.

Nach seinem Tod vor zwei Jahren übernahm Sohn Philippe die Leitung des Unternehmens. Isabelle d’Ornano, nach wie vor überall involviert, liebt die Kommunikation zu Menschen und sieht diese Eigenschaft als einen wichtigen Pluspunkt für ihren Erfolg in der Branche. Modisch und elegant, hat die Gräfin, die einem polnischen Adelsgeschlecht entstammt, eine auffallend charmante und menschliche Art, mit ihrem Gegenüber umzugehen. Beinahe demütig bewegt sich die Aristokratin unter Menschen, und Arroganz und Distanziertheit passen nicht in ihre Welt. Als gläubige Katholikin will sie in erster Linie helfen und ruht sich niemals auf ihrem privilegierten Leben aus. Eine ihrer grössten Leidenschaften ist das Sammeln von Kunst. In d’Ornanos Pariser Wohnung geben sich alte und zeitgenössische Kunstwerke bunt gemischt die Hand. Fotografien, Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen bis hin zu Statuen und anderen Kunstobjekten hängen und stehen in ­jedem Raum des 700 Quadratmeter grossen Apartments. Kunst von Bronislaw Kryztof, Georges Jeanclos und Marina Karella liebt die Gräfin be-

Valeska Jansen

reits seit vielen Jahren, doch auch die zeitgenössische Kunst findet ihren Gefallen. PRESTIGE: Sie sind eine grosse Kunstsammlerin, welches war Ihr erstes Kunstwerk in Ihrer Sammlung? ISABELLE D’ORNANO: Das kann ich so nicht beantworten, denn ich begann vor vielen Jahren zusammen mit meinem Mann Kunst zu sammeln, und wir wollten damals vor allem jungen polnischen Künstlern die Chance geben, bekannt zu werden. Sie sollten die Möglichkeit haben, in einer Stadt wie Paris auszustellen. Wir besassen eine Räumlichkeit, die wir in eine kleine Galerie verwandelten, um dort den Bekanntheitsgrad unserer Künstler zu erhöhen. Nach welchen Kriterien sammeln Sie heute? Meine Art, Kunst zu sammeln, hat sich mit dem Alter verändert. Heute berücksichtige ich auch den Wert eines Kunstwerkes, denn es soll ja auch eine Art Anlage für meine Kinder sein. Haben Sie gerade einen Favoriten? Ich und meine Kinder lieben zeitgenössische Kunst, und mein Favorit in diesem Bereich ist der Schotte Peter Doig. Von ihm besitze ich einige Gemälde. Und auch die Kunst von dem deutschen Maler und Bildhauer Anselm Kiefer begeistert mich sehr. Ihr letzter Kauf? Das letzte Kunstwerk, das ich erstanden habe, stammt von David Hockney. Ich bewundere seine digitale Technik sehr. Dieses hat er zum Beispiel auf dem iPad entwickelt, einfach fantastisch.

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Zusammen mit Ihrem Mann haben Sie die Sisley d’Ornano Foundation gegründet. Wie kam es zu dieser Idee? Nachdem wir Sisley gegründet hatten, wurden wir eigentlich sehr schnell erfolgreich, und die Geschäfte liefen sehr, sehr gut. Wir nahmen dies nicht als selbstverständlich hin und wollten der Gesellschaft etwas zurückgeben. Unsere Stiftung ist zwar nicht gross, aber wir helfen mit sehr unterschiedlichen Projekten doch gezielt und intensiv. Wir kümmern uns um die Ausbildung von Frauen aus Regionen der Welt, in denen dies sonst unmöglich für sie wäre. Wir unterstützen Gesundheitsprogramme und engagieren uns auch im Bereich Kunst.

Sie haben sogar eine Glocke von Notre Dame gespendet? Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, und ich wusste, dass die Kirchenglocken von Notre Dame während der Französischen Revolution eingeschmolzen wurden, um Waffen und Munition daraus zu fertigen. Die später unter Napoleon provisorisch ersetzten Glocken hatten keinen schönen Klang und harmonierten untereinander auch nicht. Wir leben und arbeiten in Paris, und so haben wir gegenüber der Stadt, die uns so viel gibt und auch massgeblich am Erfolg unserer Marke Sisley beteiligt ist, eine Verantwortung, und dazu gehört natürlich wichtiges Kulturgut. Also beschlossen wir anlässlich des 850sten Geburtstages von Notre Dame, die Glocke namens Gabriel zu ersetzen. Ihr neuestes Projekt? Wir haben jedes Jahr um die 40 Projekte. Das ist schwierig zu beantworten. Es gibt kleinere und grosse Projekte. Aber eines der wichtigsten dieses Jahr führen wir gemeinsam mit der Regierung durch. Wir errichten in einem alten Krankenhaus ein Frauenhaus. Obdachlose Frauen finden hier eine Unterkunft, wo sie schlafen können, und dies ist natürlich auch vor allem im Winter sehr wichtig. Überhaupt drehen sich viele unserer Aktivitäten darum, Frauen zu helfen. Hier und auf der ganzen Welt. Gibt es eine Anekdote im Zusammenhang mit einem Projekt? Oh ja! Wir unterstützen in Paris auch einen Pfarrer, der jeden Abend loszieht und Transvestiten am Bois de Boulogne mit Kaffee und Tee versorgt. Ihn habe ich einmal eine Nacht lang begleitet, und es war eindrücklich und auch eigen­ artig, mit dieser Randgruppe so eng in Berührung zu kommen. Ich hatte wirklich sehr viel Freude und auch Spass in dieser Nacht. Ihr Schlüssel zum Erfolg? Die besten Produkte auf den Markt zu bringen! Der Schlüssel zum Erfolg ist meiner Meinung nach immer Qualität. Mit unseren Produkten verfolgen wir das Prinzip: nur beste Inhaltsstoffe, sprich die qualitativ hochwertigsten Pflanzen, zu verwenden. Was nutzt es einem, wenn man ein Produkt verkauft und es niemand ein zweites Mal kaufen möchte, weil er von der Wirkung und dem Inhalt nicht überzeugt worden ist. Und für privaten Erfolg? Mein persönlicher Schlüssel ist meine Natur, Menschen zu lieben. Ich liebe Gespräche und den persönlichen Kontakt zu Menschen.

Isabelle d’Ornano, illustriert von Marie Laure Manceaux

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Was ist für Sie im Leben das Wichtigste? Das kann ich eindeutig beantworten: meine Kinder! Und auch der Glaube spielt eine sehr grosse Rolle in meinem Leben.


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HAARE

FÜRS

LEBEN

Ob bei der Partnersuche oder im Berufsleben – volles Haar steht für Attraktivität und Erfolg. Gemäss ihrem Credo «Haare fürs Leben» gibt Angela Lehmann durch Haartransplantationen und Haarverpflanzungen nicht nur prachtvolles Haar zurück, sondern auch ein ganz grosses Stück Lebensqualität.

U Nicole Beer

rsprünglich technische Operationsassistentin und bis 1990 in dieser Funktion im Salemspital in Bern tätig, bildete sich Angela Lehmann in England und in der Schweiz in der Technik der Eigenhaartransplantation weiter. Zu Beginn führte sie die Eingriffe in Arztpraxen für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie in Bern durch, seit 1991 ist sie mit eigener Praxis selbstständig und behandelt ihre Patienten, in Zusammenarbeit mit Ärzten aus der ganzen Schweiz, in der Klinik für Ästhetische Chirurgie von Herrn Dr. med. Daniel A. Knutti.

Crosspunch-Methode

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PRESTIGE: Frau Lehmann Sie sind seit 27 Jahren als Spezialistin auf dem Gebiet der Eigenhaartransplantation tätig. Was ist heute mit dieser Methode möglich? ANGELA LEHMANN: Der Ausdruck Eigenhaartransplantation ist eigentlich irreführend, da vielmehr als die Haare selbst eigentlich die Haarfollikel verpflanzt werden. Diese sind quasi die Samen oder Wurzeln, aus denen das Haar wächst. Dieser Unterschied ist dann wichtig, wenn es um ästhetische Fragen der Haardichte oder -dicke geht, da die Follikel je nach Ort auf der Kopfhaut in unterschiedlicher Dichte und Dicke vorkommen. Die Eigenhaartransplantation ist eine Methode, bei der mittels verschiedener Techniken die eigenen Haarfollikel von einem Ort auf der Kopfhaut entnommen und an einen anderen Ort verpflanzt werden. Der Eingriff ist immer mit einer Narbenbildung verbunden, die jedoch je nach gewählter Methode in ihrer ästhetischen Auswirkung stark moduliert wird. Da es sich um einen minimalinvasiven Eingriff handelt, kann pro Sitzung immer nur eine begrenzte Anzahl Haarfollikel von einer Position auf dem Kopf an eine andere verpflanzt werden.


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Von wie vielen Follikeln beziehungsweise welcher Fläche auf dem Kopf sprechen wir hier? Zunächst werden aus der Spenderfläche sogenannte Standard-Grafts entnommen, die anschliessend in Feinimplantate (Micrografts) gesplittet werden. Diese Feinimplantate, die später in die Empfängerfläche implantiert werden, enthalten dann noch ein bis vier Haarfollikel. Unter guten Voraussetzungen ist es möglich, pro Sitzung bis zu 1400 Feinimplantate herzustellen, was etwa 3600 bis 4200 Haarfollikeln entspricht. Das sind etwa 17 bis 18 Quadratzentimeter behaarte Kopfhaut. Bei einer optimalen Spenderfläche kann diese Prozedur bis zu viermal wiederholt werden. Sie haben eben verschiedene Techniken erwähnt … Zum einen gibt es die Möglichkeit, einen kompletten Hautstreifen aus der Spenderfläche zu entnehmen und daraus die Implantate herzustellen. Jedoch entsteht dabei eine lange, lineare Narbe, die ästhetisch auffällig ist. Weiterhin gibt es die sogenannte Follicular Unit Extraction. Bei dieser Methode ist zwar die Vernarbung unauffälliger, jedoch ist die Entnahme der Follikel sehr anspruchsvoll. Das bedeutet in der Praxis, dass viele Follikel bei der Entnahme verletzt werden und so verloren gehen können. Aus diesem Grund nutze ich die sogenannte S & P-Extraction, die sich durch das nachträgliche Splitting unter Sicht in Feinimplantate auszeichnet. Auf diese Weise können die Vorteile einer unauffälligen Vernarbung und ein geringes Verletzungsrisiko für die Follikel miteinander kombiniert werden. Die dabei entstehende Narbe ist wellenförmig und wird sehr gut durch das nachwachsende Haar kaschiert. Wie verläuft ein derartiger Eingriff? Grundsätzlich wird der Eingriff ambulant und unter Lokalanästhesie durchgeführt. Vom Haarkranz werden zunächst mehrere Haarinseln von etwa fünf Millimeter Durchmesser, sogenannte Standard-Grafts, entnommen. Je nach vorhandener Haarfläche können in einer Sitzung bis zu 120 solcher Standard-Grafts entnommen werden. Die entstandene Wundfläche wird mit einer feinen Hautnaht verschlossen. Anschliessend erfolgt das erwähnte Splitting zur Herstellung der Feinimplantate. Dann werden im Bereich der Glatze kleine Hautinseln entnommen, in die dann die Feintransplantate eingesetzt werden. Diese heilen dank der sehr guten Durchblutung der Kopfhaut komplikationslos in die Kopfhaut ein und sind bereits nach wenigen Tagen fest verankert. Die Grösse und Anordnung der einzelnen Grafts bestimmen ganz wesentlich das spätere Endresultat.

wird. Crosspunch kann dabei auch bei grossen Kopfhaut­ arealen, wie frontal von der Haarlinie bis zum Mittelkopf, vom Mittelkopf bis zum Haarwirbel sowie auf dem ganzen Oberkopf, angewendet werden. Einschränkungen der Crosspunch-Methode liegen vor, wenn es um die Behandlung von Geheimratsecken oder zu kleinen Empfänger­ arealen geht. Ganz grundsätzlich würde ich Menschen, die sich für eine Eigenhaartransplantation interessieren, empfehlen, darauf zu achten, dass sowohl das Aufklärungsgespräch als auch die Operation und die Nachkontrolle von der gleichen Person durchgeführt werden. Dabei sollte das Behandlungsziel mit so wenig Eingriffen wie möglich erreicht werden. Diesbezüglich können sich Interessierte auch gern auf meiner Homepage weiterführend informieren.

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Was bedeutet das konkret? Ich habe immer wieder gelesen, dass beim Einsetzen der Transplantate die natürliche Wuchsrichtung der Haare berücksichtigt werden soll. Das ist aber nur bedingt richtig. Krauses oder lockiges Haar wirkt allein durch seine Haartextur voluminöser als glattes Haar. Aus diesem Grund nutze ich gerade im Fall von glattem Haar gern die CrosspunchMethode. Dabei werden die Feinimplantate dann in sehr feinen gegeneinander abgestuften Winkeln in die Empfängerfläche eingebracht. Auf diese Weise wirken auch glatte Haare später voluminöser und voller. Das ist ein entscheidender ästhetischer Vorteil gegenüber anderen Methoden.

3 Welche Voraussetzungen gibt es zur Anwendung von Crosspunch? Die Crosspunch-Methode habe ich ursprünglich für gerades Haar entwickelt, aber sie kann prinzipiell unabhängig von Farbe oder Dicke der Haare eingesetzt werden. Die Vorbereitung des Empfängerareals auf dem Oberkopf in feinen, abgestimmten Winkeln erfordert viel Geschick des Operateurs, wobei die Haarstruktur, die Implantationsfläche sowie ein sorgfältiges Einfügen der Transplantate in das vorbereitete Empfängerareal berücksichtigt werden müssen. Um bereits am Haaransatz ein natürliches Aussehen zu erzielen, ist zu beachten, dass bei der Rekonstruktion der Haarlinie die Haarwuchsrichtung der natürlichen Richtung entspricht und erst danach die Crosspunch-Methode angewendet

1 I Stirnansatz des Patienten vor der Behandlung 2 I Stirnansatz des Patienten 3 Monate nach der 1. OP 3 I abschliessendes Behandlungsergebnis nach 2 Operationen

www.haartransplantationen.ch

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LIVING Ursprünglich von Frank Gehry erbaut: das «Hide Out»-House

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DER

MEISTER DES

MINIMALISMUS

Als das erste von ihm entworfene Haus gebaut wurde, war Dan Brunn noch in seinen 20ern. Heute, Ende 30, gehört der in Los Angeles ansässige Architekt bereits seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten seines Fachs. So ist sein «Flip Flop»-House in Venice Beach schon längst eine preisgekrönte Ikone, und auch das kürzlich von ihm redesignte «Frank Gehry»-House sorgte weltweit für Furore. Anka Refghi I

Dan Brunn Architecture, Brandon Shigeta

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LIVING

«Ich finde immer Wege, um ein Projekt oder eine grosse Idee zu realisieren. Ich bin nicht daran interessiert, Hypothetisches zu schaffen, ich will Träume bauen.» – Dan Brunn –

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Skulptural: der Treppenaufgang aus Walnuss-Holz in dem ursprünglich von Frank Gehry erbauten Haus |

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as Talent des gebürtigen Israelis? Begnadet. Seine Projekte? Weltweit besprochen und ausgezeichnet – von Restaurants bis hin zu Einfa­ milienhäusern und kommerziellen Show­rooms. Charakteristisch für ihn sind sein Umgang mit Materialien, seine reduzierte Formensprache und die Fähigkeit, mit Licht zu zaubern. Ein Ausnahmetalent, das mit der Leidenschaft für Kunst, Musik und Fotografie seiner Architektur ihren so unverkennbaren Rhythmus verleiht. PRESTIGE: Dan, wann hast du dich in die Architektur verliebt? DAN BRUNN: Da war ich ungefähr sieben Jahre alt und lebte noch in Tel Aviv. Ich spielte mit LEGOs und entwarf Objekte aus meiner Fantasie heraus. Zuerst folgte ich den Anweisungen, doch dann begann ich, eigene Autos und Städte zu kreieren. Mitte der 1980er Jahre bist du mit deinen Eltern nach Südkalifornien gezogen. Wie war dein erster Eindruck von den USA? Die Grösse aller Dinge hat mich fasziniert. Ich erinnere mich an einen Spielzeugladen, der grösser war als jeder

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Supermarkt, den ich je in Tel Aviv gesehen hatte. Und auch die verschiedenen Autos hatten mich sehr beeindruckt. Tel Aviv war damals sehr anders als heute – es gab keine exotischen Autos oder Sportwagen auf der Strasse. Und auch unser neues Haus war ganz anders. Ich verstand nicht, warum das Interieur so dunkel war und die Räume nur schwach beleuchtet waren und nur über kleine Fenster verfügten. Wie sehr haben die beiden Länder deinen Sinn für a­ rchitektonische Ästhetik beeinflusst? Tel Aviv gab mir meine Identität. Ich denke, dort umgeben von all den Bauhaus-Gebäuden aufzuwachsen, hat meinen Stil sehr definiert. Mein Grossvater besass ein BauhausHaus mit weitläufigen, freitragenden Balkonen und schwellenfreien Übergängen von innen nach aussen – übrigens ein Design-Element, das ich konsequent erforsche. Als ich nach Los Angeles kam, war ich plötzlich von Häusern unterschiedlichster Typologie umgeben, wie Tudor, spanische Schlösser oder Häuser im toskanischen Stil. Doch während meines Architekturstudiums erkannte ich das wunderbar modernistische Erbe in Los Angeles. Die Stadt hat erstaunliche Beispiele moderner Häuser von renommierten Architekten: Rudolph Schindler, Richard Neutra, Pierre Koenig und Frank Lloyd Wright. Pierre Koenig lehrte an meiner Universität, das war für mich als aufstrebender Architekt ein Highlight. Deine Kunden kommen zu dir, weil sie ein echtes «Dan Brunn»-Haus wünschen. Wie würdest du deinen Daumenabdruck beschreiben? Ich denke, Kunden kommen zu mir auf der Suche nach einer sauberen, gestrafften Design-Ästhetik. Mein architektonischer Grundgedanke basiert auf Mies van der Rohes Ideologie von «weniger ist mehr». Im Grunde denke ich, dass Funktion wichtig ist und Design daher eine Vielzahl von Funktionen haben sollte. Ich bleibe auch weg von Trends und benutze Technologie, um das Leben zu verbessern, statt Raum zu definieren. «Raum» ist ein Schlüsselwort in deiner Architektur … Raum ist das, was wir bewohnen. Ein Bildhauer schafft Formen, und ein Architekt schafft Räume. Ein durchdachtes Design lässt den Menschen barrierefrei durch die Räume «gleiten», so, wie auch das Sonnenlicht während des Tages. Welche Bedeutung hat das Licht in deinen Entwürfen? Licht definiert Raum. Ich liebe es, natürliches Licht mit künstlichem zu mischen, aber ich versuche, die Natur so weit wie möglich nachzuahmen. In den meisten Umgebungen finde ich Wege, um Licht in den Raum zu bringen, ohne die Quelle zu enthüllen. Oft arbeite ich mit Ober­ lichtern oder leichten Buchten.

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Preisgekrönte Ikone: das «Flip Flop»-House in Venice Beach

Mit dem «Hide Out»-House in Los Angeles hast du kürzlich ein Haus des legendären Architekten Frank Gehry redesigned. Welches war der anspruchsvollste Faktor des Projekts? Es war wichtig für mich, Frank Gehry mit dem Design zu ehren. Mein Ansatz war nicht, seinen Stil als Architekt nachzuahmen, sondern vielmehr das Erbe durch meine eigene Designsprache zu respektieren. Ich denke, die grösste Herausforderung war es, mit einer bestehenden Struktur zu arbeiten und strukturelle Probleme vorzufinden, die es zu lösen galt. Wie gross war der Druck der Verantwortung bei dieser «architektonischen Ikone»? Tatsächlich wurde mir diese Frage häufiger gestellt, und ich realisierte das vermeintliche Gewicht des Projekts erst

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im Nachhinein. Zum Glück war ich mir dessen nicht bewusst und habe es als ein weiteres Renovierungsprojekt wahrgenommen. Ich hoffe aber, dass ich Frank Gehrys Vermächtnis ehren konnte. Wie viel Dan Brunn und Frank Gehry finden sich in den neuen Elementen des «Hide Out»-House? Was interessant ist, ist, dass die neuen Elemente Frank Gehrys ursprünglichem Plan sehr nahe kommen, wenn auch durch eine andere Designsprache. Wir haben einen neuen Garten im zweiten Stock hinzugefügt. Der Raum war eigentlich als Gewächshaus geplant, aber nie gebaut worden. Als ich die Zeichnungen fand, entdeckte ich Gehrys Absicht und wusste, dass die Umwandlung des Raumes in einen Garten die richtige Wahl war. Und auch die Walnuss-Holzbohlen des Treppenhauses nehmen definitiv die Intention des


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«Flip Flop»-House: Fassade mit ausschwenkbaren Elementen

Zur Person Vor der Gründung seiner Firma Dan Brunn Architects im Jahr 2005 war er als leitender Projektarchitekt bei John Friedman Alice Kimm Architects tätig, wo er am preisgekrönten Design des Los Angeles Design Center arbeitete. Er unterrichtete am Boston Architectural Center und war als Design Studio Instructor an der Harvard Graduate School of Design (GSD) und der USC School of Architecture tätig. Dan erhielt einen BA in Architektur von der University of Southern California im Jahr 2001 und einen MA in Architektur von der Harvard University im Jahr 2005.

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LIVING

«Modernismus bedeutet, im Jetzt zu leben.» – Dan Brunn –

Meisters auf. Gehrys Materialpalette in den 1970er Jahren zeigte Holz, Beton und Glas. Ich wollte Holz in den Entwurf bringen und beschloss, eine skulpturale Holztreppe zu schaffen. Eines deiner ikonischsten Häuser ist das «Flip Flop»Haus in Venice Beach: Best of Year honoree House 2013 und in der «New York Times» gefeatured … Ja, es war eines dieser seltenen Projekte. Der Klient legte nur ganz wenige Elemente fest, die für ihn wichtig waren. Freitragende Balkone, eine Dusche mit Blick auf den Ozean und Ausstellungsflächen für seine Fotografie-Sammlung. Eine der Herausforderungen war der Wunsch des Kunden, ein Glashaus mit Blick zu haben, während er seine FotografieKollektion an den Wänden präsentierte. Meine Idee war ein schwenkbares Wandsystem, das den Namen des Projekts, Flip Flop, inspirierte. Diese deckenhohen Tafeln drehen sich und öffnen sich zum Blick auf den Ozean, während gleichzeitig eine grosse Wandfläche beibehalten wird. Trotz deines jungen Alters bist du seit vielen Jahren schon erfolgreich. Was ist dein persönlicher Schlüssel zum Erfolg? Es geht um Empathie und darum, die persönliche Beziehung zu den Kunden zu pflegen. Ich höre ihnen sehr genau zu, bevor ich in meinem Studio entwerfe. Manchmal kann das Endergebnis auch Elemente enthalten, die der Klient nicht artikuliert hat, aber weil ich ihn kennengelernt habe, kann ich instinktiv wissen, was seinen Lebensbedürfnissen zugutekommen würde. Ausserdem bin ich unerbittlich und entschlossen. Ich finde immer Wege, um ein Projekt oder eine grosse Idee zu realisieren. Ich bin nicht daran interessiert, Hypothetisches zu schaffen, ich will Träume bauen. Du hast auch eine tiefe Verbindung zu Musik, Kunst und Fotografie … Das stimmt. Als Kind wuchs ich mit der Musik der Beatles auf, die meine Eltern hörten, und spielte auch Klavier. Später begann ich Gitarre zu spielen, Songs zu schreiben und eine Band zu gründen. Musik ist bis heute meine kreative Steckdose. Auch von der Kunst war ich schon immer auf eine natürliche Weise angezogen. Ich fühlte mich der Pop Art und Roy Liechtenstein mit all den Farben sehr verbunden. Das hat mich viel über Farbtheorie und Komposition gelehrt.

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Das Gleiche gilt auch für die Fotografie, mit der ich mich gerade in der letzten Zeit sehr viel auseinandersetze. Ich finde es eine natürliche Art von Selbstausdruck. In welchem Haus lebt Dan Brunn? Ich wohne in einem Haus, das ich vor ein paar Jahren renoviert habe. Es ist von aussen ein traditionelles ameri­ kanisches Haus der fünfziger Jahre, aber innen habe ich einen offenen Grundriss gestaltet. Einer der coolsten Räume im Haus ist das Hauptwohnzimmer mit dem EsszimmerBereich. Ich habe den Dachboden entfernt und habe dadurch


‘Teewasser muss immer gekocht haben, auch bei grünem Tee.’

«Road to Awe»-Store, West Hollywood

eine Kathedrale-ähnliche Öffnung nach oben. Lineare Oberlichter erlauben dem Tageslicht, den Raum zu durchdringen und geometrische Formen an den Wänden zu bilden. Was darf man sich an deinen Wänden vorstellen …? Durch die Wand mit den Oberlichtern hat sich der Raum als Ausstellungsfläche verdoppelt, um Kunstwerke von einigen meiner Lieblingskünstler zu präsentieren. Bei mir hängen Werke von James Jean, Paul Davies, Matt Herget, ­C onnor Harrington, Rolland Berry, Kimberly Ayers, Willie T, Baron Von Fancy und Damien Hirst.

Mit einem Quooker im Haus hat man immer 100°C kochendes Wasser verfügbar. Der Quooker FLEX verfügt ausserdem über einen flexiblen Zugauslauf für warmes und kaltes Wasser. Er ist vielfach einsetzbar und äusserst sicher im Gebrauch. Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns unter 043 4112030 oder besuchen Sie www.quooker.ch


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GADGETS

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2 I Lumos Safety first gilt besonders für Zweiradfahrer, die im Grossstadt-Dschungel überleben wollen. Also kann ein gut sichtbarer Kopfschutz die Lebensver­ sicherung bedeuten. Aus diesem Grund haben zwei findige Köpfe den ­Lumos-Helm entwickelt. Er hat vorne weisse und hinten rote LEDs eingebaut. Verlangsamt der Velofahrer seine Fahrt, leuchten die hinteren Lichter wie Bremslichter beim Auto auf. Diese LEDs verfügen über eine Leuchtkraft von 80 Lumen. Auf der Seite hat der Helm orange Leuchtdioden, die als Blinker genutzt werden. Aktivieren lässt sich dieser drahtlos vom Lenker aus.

3 I Philips Sonicare Diamond Clean Smart

Smart und vernetzt sind nicht nur die neusten Smartphones, Notebooks und Fernseher. Kameras, speziell die beliebten Action-Cams, lassen sich ebenfalls bequem via Handy fernsteuern. Neuerdings übernimmt auch bei der ersten smarten Zahnbürste eine App die Kontrolle beim Zähneputzen. Stephan Gubler

1 I Huawei P10 Plus Das modische Smartphone setzt neue Massstäbe in Technologie und Verarbeitung. Für das Plus an Leistung glänzt sein 5,5 Zoll grosser Bildschirm mit vierfacher HD-Auflösung. Die neue Leica-Dual-­ Kamera 2.0 Pro Edition, welche mit einer grösseren Blende (f/1.8) ausgestattet ist, ermöglicht ausdrucksstarke Porträts. Zum ersten Mal ist auch die Frontkamera mit den berühmten Leica-Linsen ausgestattet. Dies sorgt für scharfe Selfies, auch wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind. Ausserdem erkennt das Smartphone sogar Groufies («Group Selfies»): Wenn mehrere Personen vor die Linse treten, schaltet das Gerät automatisch auf Weitwinkelaufnahmen um.

Philips stellt seine neuste Innovation im Zahnbürstenbereich vor. Dank der Philips Sonicare Smartphone-App ist die neue Diamond Clean tatsächlich smart und ermöglicht dem Nutzer eine kontrollierte Rundumpflege für eine bessere Mundgesundheit und ein intelligentes Reinigungs-Coaching. Diese neue Schallzahnbürste vereint exzellentes Design mit überlegener Reinigungsleistung. Besonderes Highlight ist die neue Smart-Sensor-Technologie. Sie registriert, wenn mit zu viel Druck geputzt wird, erkennt verschiedene Bürstenköpfe automatisch und erinnert daran, wenn diese ersetzt werden sollten. Fünf Modi und drei Intensitätsstufen stehen zur Auswahl.

4 I Porsche Design Book One Mit dem neuen Book One, dem weltweit ersten 2in1 mit Convertible- und Detachable-Funktionalität, erweitert Porsche Design das Produktportfolio um die Kategorie Porsche Design Computing. Die Premium-Lifestyle-Marke vereint Innovation, High-Performance und funktionales Design in einem multi­ funktionalen, puristischen Gerät aus hochwertigem Aluminium. Die klare Linienführung lässt Ästhetik und Technologie zu einer Einheit verschmelzen. Das neu konstruierte Drehgelenk mit Zahnrädern wurde der Tradition der Design-Philosophie von Professor Ferdinand Alexander Porsche folgend von der Bauweise eines Sportwagen-Getriebes inspiriert.

5 I Bang & Olufsen BeoSound 2 Das drahtlose Lautsprechersystem BeoSound 2 kann vielseitig genutzt, ­einfach verbunden und nahezu an jedem Ort platziert werden. Mit seinem beeindruckenden 360-Grad-Klangerlebnis berührt es seine Zuhörer. Das Lautsprechersystem bietet alle gängigen Verbindungsmöglichkeiten wie Google Cast, AirPlay, DLNA oder Bluetooth und lässt sich als Single-Produkt einsetzen sowie zu einer Multiroom-Konfiguration verschmelzen. Besonders chic sind die Lautsprecher in der «Brass Tone»-Kollektion, welche von modernen Einrichtungstrends und der zeitlosen Eleganz der Art-déco-Bewegung inspiriert wurde.

6 I Nikon KeyMission 360 Bereits Anfang 2016 kündigte Nikon ihre erste Action-Kamera an. Das Warten hat sich gelohnt, denn die KeyMission 360 hat der Konkurrenz einiges voraus. Mit dem kleinen Wunderding lassen sich echte 360°-Videos in 4K UHD ohne toten Winkel aufzeichnen. Dank zwei leistungsstarken 23,9 MP-CMOS-Sensoren gelingen ebenso eindrückliche 360°-Fotos. Die Kamera ist ohne zusätzliches Gehäuse bis zu 30 m Tiefe wasserdicht und übersteht Stürze aus zwei Meter Höhe unbeschadet. Zudem ist sie staubdicht und frostbeständig. Mit der Nikon SnapBridge App lässt sich die Kamera via Smartphone steuern, und der Handybildschirm dient dann ­ gleich auch als Monitor.

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© Wild Bär Heule Architekten AG

MASSGESCHNEIDERTE

TRANSPARENZ

In der modernen Architektur sind sie das absolute «Nonplusultra» – die rahmenlosen Verglasungen der Firma swissFineLine. Gemäss dem Credo «swiss level of perfection» setzt das Schweizer Unternehmen nicht nur dank seiner innovativen Technik international immer wieder neue Massstäbe, sondern schneidert sozusagen dem Kunden das passende Fenster auf den Leib.

N

Anka Refghi I

Roger Frei

ahtlosigkeit ist seit jeher ein angestrebtes Ideal – als ­Metapher für viele Bereiche des Lebens und als produktionstechnischer Ansatz in der Entwicklung von Produkten. Und auch in Wohn- und Arbeitsräumen sind die grossflächigen und rahmenminimierten Verglasungen in unserer Zeit das Mass aller Dinge. Filigran, ästhetisch und funktional, sorgen sie für einen freien Blick bis zum Horizont und fluten die Räume mit Licht. Sie verbinden das Innen mit dem Aussen, bringen die Natur ins Haus und das Wohnen ins Freie.

Individuelle Lösungen Dank der vollständigen Einarbeitung in Boden, Decke und Wände werden die Rahmenprofile der Glasfronten nicht nur beinahe unsichtbar, sondern erlauben auch schwellenlose Übergänge und damit maximale Mobilität und höchsten Komfort. Ob Schalldämmung oder Wärmedämmung, die dem h ­ ohen Schweizer

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Minergie-Standard entspricht, oder der Aspekt der Sicherheit, dem mit Mehrpunktverriegelungen und Verbundsicherheitsglas Rechnung getragen wird – die Premiumprodukte von swissFineLine sind zuverlässige Begleiter fürs Leben. Dabei sind die Anforderungen an die Verglasung so unterschiedlich wie die Menschen und die Gebäude selbst. So gilt es, bei Neu- oder Umbauten, im Fassadenoder Innenbereich und je nach Wunsch an Beschattungsmöglichkeiten, Sicht- und Insektenschutz oder diversen Automationen die perfekte Balance zwischen Funktionalität, Architektur und Ästhetik zu finden. Ein Dialog, dem sich swissFineLine seit über 130 Jahren mit viel Herzblut verschrieben hat – schweizerische Perfektion inklusive.


LIVING

Hause!

©LAMP

AB NACH

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I m Herbst verleg t sich das Leben w ieder vermeh r t i n d ie eigenen v ier Wä nde. Umso gemütl icher, wen n das Zu hause m it sti lvol len Accessoires u nd Möbel n verschöner t ist. BY

6 1 I COSMOS

Die Lampe von Nathaniel Ng ist von dem System des kosmischen Raumes inspiriert. Jeder Arm der Lampe ist durch Lager verbunden, die es erlauben, sie zu schwenken. «Cosmos» kann sowohl als Pendelleuchte als auch als Stehlampe verwendet werden. 2 I LALIQUE

5 I INSIDHERLAND

Ob als Hocker oder als Ablagetisch – «Rock» der Designerin Joana Santos Barbosa sind vielseitig einsetzbar. Die Objekte aus lackiertem Holz sind in zahlreichen Ausfüh­ rungen erhältlich.

Ein wahres Möbel-Juwel ist der «Vibration Dresser», der vom Interior-­D esigner Pierre-Yves Rochon in limitierter Auflage für das Traditionshaus Lalique entworfen wurde. Bronze, Marmor und Kristall, Birnenholz und schwarzes Leder.

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3 I FREDERICIA

6 I HERMÈS

Die neuen Versionen des preis­ gekrönten, legendären Schaukelsessels «Stingray» von Thomas Pedersen sind auf dem Markt. In einem neuen Weiss sowie einem dunklen Grau erhältlich. Das glatte, matte Finish verleiht dem Schaukelsessel einen edlen, eleganten Ausdruck.

Von den Mikromotiven der Krawatte inspiriert definiert «Tie-Set» den Alltag neu. Kombinieren und mischen frei nach Belieben. Zwanzig Motive, zwanzig Farben, keine gleicht der anderen, und alles harmoniert in einem fröhlichen Durch­ einander.

4 I BOCA DO LOBO

Von Franz Kafkas «Verwandlung» inspiriert: «Metamorphosis Center Table». Der Couchtisch besteht aus zwei Fragmenten, die aus Spiegel und edlem Marmor gefertigt sind und durch die goldenen Kreaturen das gewisse Etwas erhält.

5

3

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LIVING

THE

ARTIST Er sieht fast noch besser aus als seine Designs und ist ein Meister seines Fachs. Lee Broom ist so etwas wie der David Beckham unter den britischen Kreativen. In diesem Jahr wurde sein Label zehn Jahre alt, eine gute Gelegenheit für eine Zeitreise.

A

Wilma Fasola I

Lee Broom

lles begann 1976 in Birmingham und endete vorerst in der Präsentation der «Time Machine» auf dem Mailänder Salone del Mobile 2017. In den dazwischen liegenden 41 Jahren stieg ein kleiner britischer Junge namens Lee Broom die Karriereleiter rauf und mauserte sich zu einem der besten Designer der Welt. Jede Stufe war dabei trotz angeborenem Perfektionismus nicht geplant. Denn dass man Vivienne Westwood überzeugt, einem Tür und Tor zu öffnen, dazu braucht es mehr als Strategie. Dafür muss man gut sein, verdammt gut.

He meets Vivienne Und Lee Broom ist genau das. Gut, er ist mehr als gut. Wobei er es sich selber nicht einfach macht. Er arbeitet viel, arbeitet hart und schaut ungerne zurück. «Für mich zählt, was kommt», sagte er daher auch während der Präsentation der «Time Machine» im April 2017. Und wider seinen konstanten Blick nach vorn ist dieses Exponat, das die letzten zehn Jahre seines Schaffens zusammenfasst, eben doch eine Rückblende. Ein Zurück auf Start quasi. Ein Zurück zu dem Tag, an dem er entschied, dass es Zeit für ein eigenes Label sei. Das war 2007, und seitdem hat er mehr als 75 Möbel- und Beleuchtungsprodukte kreiert, 20 Produkte für andere Marken entwickelt und mehr als 40 Einrichtungen für Bars, Restaurants und Geschäfte geschaffen. Zudem hat es zu mehr als 20 Awards gereicht, wobei der «Queen’s Award for Enterprise» sicher einer der wichtigsten war.

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LIVING

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LIVING

Lee Broom selber ist eher der schlichte, aber sehr reizvolle Typ. Gerne weiss oben, dunkel unten gekleidet. Er ist schwul, und er trägt einen goldenen Ring im linken Ohr. Dazu wahlweise eine oder mehrere Ketten um den Hals, der von einem schlanken Körper komplettiert wird. Ein Mensch, der die Inszenierung gelernt hat. Denn im Alter von elf bis 16 war er an der Theaterschule und Mitglied der «Royal Shakespeare Company». Zudem interessierte ihn Mode, und mit 17 Jahren gewann er den Wettbewerb «The Young Designer». Sein Preis: ein 10-monatiges Praktikum im Atelier von Vivienne Westwood. «Sie erklärte mir, wie die Schneiderkunst und die Schnittmuster vergangener Jahrhunderte sie beeinflusst haben, und sie zeigte mir, wie wir von den Techniken der Vergangenheit lernen und sie für den heutigen Tag relevant machen können», erinnert er sich. Und er ist sich bewusst, dass dies seinen Weg, sein Design massgeblich beeinflusst hat. «Ihre Art hat auf jeden Fall einen grossen Einfluss auf die Dinge, die ich heute als Produktdesigner entwickle. Ich nehme mir die traditionellen Fertigungs- und Handlungstechniken sowie die stilistischen Dinge aus der Vergangenheit zum Vorbild und erschaffe daraus Neues.»

He wants to be part of everything Nach dem Praktikum studierte Lee Broom an der Londoner «Central St Martins» Modedesign. Und schon während dieser Zeit gründete er gemeinsam mit einem Freund das Label «Makilee». Makis und Lees Fokus lag dabei auf dem Thema Inneneinrichtung und brachte beide finanziell durch die Studienzeit. Zudem sammelten sie zahlreiche Erfahrungen, die Lee am Ende im Jahr 2007 sicher sein liessen, sein eigenes Ding zu versuchen und mit einem eigenen Designstudio durchzustarten. Wichtig ist ihm dabei bis heute, dass er am kreativen Prozess vom ersten Geistesblitz bis zur Präsentation beteiligt ist. «Als ich 2007 anfing, arbeiteten viele Möbel- und Lichtdesigner für etablierte Marken. Ich aber wollte meine eigenen Produkte herstellen und verkaufen und eben nicht nur entwerfen», erinnert er sich. «Diese Vision hat sich nicht geändert, und für mich ist am Ende alles Design. Beginnend bei der Ideenfindung, über den Design- und Entwicklungsprozess, bis zur Fertigstellung. Es ist so befriedigend, etwas Dreidimensionales zu schaffen, das zu Beginn eine Idee in deinem Kopf war und später zu einer Inneneinrichtung oder einem Produkt wurde.» Dazu ist für ihn die persönliche Präsentation ein Muss, da sie ihn die Reaktionen der Menschen auf seine Werke hautnah erleben lässt. «Jeder Aspekt und jedes Entwicklungsstadium der Schaffung eines Produkts gibt mir die Möglichkeit, mich ständig weiterzuentwickeln. Zudem experimentieren wir im Studio immer wieder mit neuen Materialien und neuen Stilen. Das macht es spannend für Leute, die meine Arbeit mögen, da sie nie wissen, was als Nächstes zu erwarten ist.» Seine Inspiration stammt dabei aus allen Ecken und Enden der Welt, und besonders aus seiner Wahlheimat London. Als Weltstadt bündelt sie unterschiedliche Menschen, Kulturen, Stile, Religionen auf einen Fleck. Ausserdem lässt er sich durch Galerien, Ausstellungen und Modezeitschriften beeinflussen. «Ich denke, dass der Crossover zwischen meinen verschiedenen Design-Disziplinen und vor allem mein Theaterhintergrund einen unbewussten Einfluss auf meine Arbeit haben, besonders wenn es um unsere Ausstellungen geht», sagt er. Dazu hegt er immer noch eine Leidenschaft für Mode. «Ich mache gerne Räume oder Produkte mit Sinn für Drama und Eskapismus. Zudem bin von Materialien und Fertigungstechniken inspiriert und davon, wie ich das Traditionelle in neuer und innovativer Weise nutzen und ein Gleichgewicht zwischen Moderne und Nostalgie schlagen kann.»

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He loves what will come Um jedoch wirklich erfolgreich zu werden, hat er zudem etwas lernen und hart an sich arbeiten müssen. «Wenn du als Designer 90 Prozent deiner Vision realisieren kannst, dann hast du deinen Job gut gemacht. Denn auf die 100 Prozent zielen ist lähmend und hält dich davon ab, irgendetwas zu erledigen. Perfektionist sein ist ein zweischneidiges Schwert, wenn es um das Geschäft geht.» Daher gönnt er sich auch an mancher Stelle ein bisschen Durchatmen, denn das tut gut. Seine Wünsche haben sich ja zudem bislang auch alle erfüllt. «Ich wollte immer meine eigene Designfirma besitzen, und das ist sicherlich durch eine Menge harter Arbeit und Entschlossenheit wahr geworden. Und es war auch ein Traum, ein Geschäft in New York zu eröffnen. Das haben wir im vergangenen Jahr gemacht.» Und wenn er in seine aktuelle Zeit­ maschine steigen und bis ins Jahr 2030 reisen würde, dann «würde er an seiner Linie festhalten und eine Welt mit noch mehr Möglichkeiten nutzen, um kreativ zu sein». Na dann, gute Reise!


LIVING

Lee Brooms «Time Maschine» am Salone del Mobile 2017.

MEIN HAUS, SEIN HAUS, DAS ELECTRA-HAUS Das triste Grau der Fassade und nur das ebenfalls davor geparkte graue Fahrrad dürfen sich dank farblicher Blumengestaltung als Hingucker betiteln, ansonsten wirkt Lee Brooms britischer Showroom eher schlicht von aussen. Im Inneren aber – so weiss es auch sein mag – erschlägt einen das Design. Möbel unter gigantischen Reagenzgläsern, dazu immer mal eine braune Unterbrechung in Form eines Möbelstücks oder eines Mauerwerks. Der Showroom von Lee Broom an der East London’s Rivington Street zeigt, was der Mann kann. Es geht um Klarheit, Innovation, aber auch um Tradition. Eine gelungene Inszenierung.

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OBJECTS OF

LIVING

Foto: Jean-Sébastien Senécal

© Jussi Puikkonen

DESIRE

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1 I Mit Durchblick Mehr braucht Design nicht. Der bunte Glasstuhl aus der «Ombré»-Kollektion des lettischen Designers Germans Ermi’s ist wahrlich ein Meisterwerk und basiert auf einem Stuhl, den einst der japanische Produktedesigner Shiro Kuramata 1976 entworfen hatte. Die Ombré-Kollektion des Wahl-Amsterdamers wurde im Rahmen der diesjährigen Mailänder Designwoche in der Galerie «Spazio Rossana Orlandi» gezeigt und begeistert durch die Farbverläufe der Glasscheiben und eine Konstruktion, die ohne Schrauben oder andere sichtbare Fixierungen auskommt. Es lebe der Minimalismus!

2 I Ein starkes Stück Die «Super Strong Lamp» des Labels «Doris Darling» hat definitiv das Zeug zur Ikone. In vielen Farben erhältlich, witzig, charakterstark und höchst exklusiv, denn die Lampen sind handgefertigt und mundgeblasen. Ob an der Decke, auf dem Boden, auf dem Sideboard oder vertikal in einer Ecke – die Einsatzmöglichkeiten sind schier unbegrenzt und variierbar, wo immer man Licht braucht. Hinter dem Designlabel für Leuchten und Lampen steht die Österreicherin Doris Zaiser, deren Arbeiten auch vom 10. September bis 8. Oktober 2017 im Rahmen der «Venice Glass Week» in Venedig im «Tana Art Space» zu sehen sein werden. Super cool. Super strong!

2

3 I Zum Verlieben Das «Pixel Cabinet Limited Edition» von «Boca do Lobo» aus Portugal ist eine meisterliche Liaison zwischen höchster Handwerkskunst und Design – und definitiv ein Möbelstück zum Verlieben. Zusammengesetzt aus 1088 Dreiecken in zehn verschiedenen, feinsten Holzarten und mit transluzenter Farbe lackiert, ist dieser Schrank ein absoluter Eyecatcher. Exklusiv sind auch der Innenraum mit blauer und in Rhombenform gesteppter Seide sowie die neun Schubladen, die aus einem alten Spiegel gefertigt und mit Goldknäufen versehen wurden. Das polierte Untergestell aus Messing ist ein starkes Statement und verleiht dem auf 20 Stück limitierten Cabinet im Art-déco-Stil zusätzlich einen unverwechselbaren Charakter.

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X2 Office Dante Bonuccelli

mobimex.ch


© agape design

LIVING

BADEN FÜR

ÄSTHETEN

Kaum ein anderer Bereich in der Wohnung hat in den letzten Jahrzehnten einen grösseren Wandel vollzogen als das Badezimmer. Von der funktionalen Nasszelle zu einem gleichberechtigten Teil des Wohnraumes, in dem auch schon einmal Kunst an den Wänden hängt. Anouk Delange

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© agape design

LIVING

E

ines steht fest: Badezimmer gewinnen immer mehr an Raum – und Bedeutung. So werden die einstigen «Nasszellen» als Wohnraum inszeniert, mit Kronleuchter, Kunst an der Wand und Kuhfellteppich auf dem Boden. Badezimmer sind heute Gesamtkunstwerke, Aushängeschilder und Spielwiesen für

Wenn Moderne auf Patina trifft

Interior-Designer, Innenarchitekten und kreative Bauherren. Alles aus einem Guss heisst dabei die Devise und adelt das Badezimmer als gleichberechtigten Teil des Wohnraumes, dessen Ausgestaltung heute ebenso viel Zeit gewidmet wird wie jedem anderen Raum auch. Vorbei die Zeiten der reinen Funktionalität, vorbei die Marke «Standard» und «Alles-in-Weiss».

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© Villeroy & Boch

© Laufen

LIVING

Zeitlos: puristisches Design

Badezimmertraum mit Swarovski-Kristallen

Darf es ein wenig mehr sein? Die Industrie hat reagiert und präsentiert seit einigen Jahren auch für das Badezimmer, wovon ­Ästheten seit jeher träumen. Speziell behandelte Edelhölzer, die der Feuchtigkeit trotzen und auch nach vielen Jahren noch ein ansehnliches Bild abgeben, Naturstein in jeder Ausführung, fugenfreie Träume aus Corian und geölte Eiche als Bodenbelag, der sich über die gesamte Wohnfläche zieht. Das Badezimmer ist definitiv erwachsen geworden, ein massgeschneidertes Erlebnisbad, bei dem es schon mal ein wenig mehr sein darf. So wie bei

Eine saubere Sache Man schrieb das Jahr 1895, als Carl Louis Krauss, ein Fabrikant aus Schwarzenberg, die Liegewanne aus Zink erfand. Der Vorteil? Aufgrund ihres leichten Gewichts konnte die Wanne bei Nichtgebrauch problemlos in einer Ecke versorgt werden. Mit dem Werbeslogan «Die Badewanne – mein liebster Aufenthalt!» wurde die sogenannte «Volksbadwanne» millionenfach verkauft. Im Gegensatz zu seiner Schaukelwanne zur Erzeugung von Wellen, die sich nicht durchsetzte.

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Villeroy & Boch, die in diesem Jahr nicht nur mit dem chinesischen Interior-Designer und Architekten Steve Leung zusammenspannten, sondern auch mit Swarovski und eine mit 6000 edlen Kristallen besetzte Badewanne auf den Markt brachten.

Freistehende Schönheiten Weiterhin das absolute Mass aller Dinge in Sachen Badezimmergestaltung ist die freistehende Badewanne – mit oder ohne Klauenfüsse, aus Glas, Keramik, Marmor oder Holz präsentieren sich Varianten von puristisch-kühl bis pompös-verspielt. Es ist dies die wohl luxuriöseste Neuinterpretation der rustikalen Vorgänger – den Bottichen, Zubern und Zinnwannen, die einst und in Ermangelung von Badezimmern einen jeden Samstag die Küchen bevölkerten. Denn bis das Badezimmer fester Planungsbestandteil bei der Erbauung von Wohnraum wurde, mussten erst die 1950er Jahre erreicht werden. Und dennoch scheint heute gerade darin der Reiz zu liegen, durch die herrschaftliche Patina vergangener Tage einen Kontrapunkt zur Moderne zu setzen. So, wie das italienische Unternehmen Agape, das wie kein anderes auch im Badezimmer «the italian way of life» zelebriert.


Die rahmenlose Verglasung von swissFineLine ermöglicht fliessende Übergänge zwischen innen und aussen für ein grenzenloses Raumerlebnis voller Licht, Luft und Atmosphäre. Transparenz in ihrer schönsten Form

Seit 1886

swissfineline.ch


LIVING

«Ein Werk ist erst dann perfekt, wenn ich daran nichts mehr weglassen kann – nicht, wenn ich ihm nichts mehr hinzufügen muss.» – Hans Hopfer –

DER KREATIVE Hans Hopfer (1930–2009) lebte als Maler, Bildhauer und Designer mit wechselnden Wohnsitzen in Buenos Aires, Nürnberg und Paris. Der Kreative galt als einer der weltweit führenden Möbeldesigner unserer Zeit und erhielt für seine Arbeit zahlreiche internationale Auszeichnungen. Das Mah-Jong-Sofa, das auf der totalen Form- und Funktionsfreiheit basiert, kreierte er 1971.

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LIVING

HIPPIE

CHIC DE LUXE

Das modulare Sofasystem Mah Jong des Designers Hans Hopfer ist zur knallbunten Legende geworden. Von den grössten Modedesignern eingekleidet, hat das einst avantgardistische Kombinationswunder auch nach rund 45 Jahren nichts von seinem Charme eingebüsst.

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Anouk Delanges I

ugegeben, mit fortschreitendem Alter verlangt das Aufstehen einigen Effort, dennoch: Nirgendwo lümmelt es sich so gemütlich wie auf einem Mah-Jong-Sofa. Das Mah Jong? Es ist dies der legendärste Entwurf des deutschen Designers Hans Hopfer für das Hause Roche Bobois. Hans Hopfer gilt als der Erfinder der Sitzlandschaften der frühen siebziger Jahre, und so ist es wenig verwunderlich, dass sein bodennahes Sofasystem ein wenig an die Matratzenlager umtriebiger Hippie-Kommunen erinnert. Die Kom­ binationsmöglichkeiten? Unbegrenzt. Sein Einfluss auf die Art zu wohnen der Menschen? Enorm. Denn nach vielen strengen Jahrzehnten eines strengen und förmlichen Lebensstils läutete Hopfers komfortable Kreation eine neue Zeitrechnung ein. Eine Zeitrechnung, die passend zu jener Zeit nicht nur den

Roche Bobois

Nonkonformismus zelebrierte, sondern auch zum Experimentieren, Ausruhen und Spielen anregte.

Von grossen Namen eingekleidet Das Sitzen ist so gemütlich, wie es aussieht, und die farbenfrohen Elemente individuell und ganz nach Lust und Laune kombinierbar. Einst absolut avantgardistisch, ist das multifunktionale Kom­binationswunder zur Stilikone des Wohnens avanciert und hat im Laufe der letzten 45 Jahre unzählige Updates erhalten. So variiert das Gewand des Mah Jong immer wieder mit neuen, kreativen Stoffkollektionen grosser Namen aus der internationalen Modeszene. Unter den illustren Designern finden sich Namen wie Sonia Rykiel, Jean-Paul Gaultier, Kenzo, Ungaro und Missoni, die sich für diesen Möbelklassiker bereits die Ehre gaben.

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LIVING

SPIRIT OF PERSIA

THE

Was für lange Zeit als ein wenig aus der Mode gekommen galt, hat sich in den letzten Jahren seine Pole-Position im Interior-Design wieder zurückerobert – handgeknüpfte Teppiche. In der obersten Liga spielt dabei das persische Familienunternehmen Zollanvari, dessen Geschichte 1903 begann und das heute weltumspannend und mit viel Leidenschaft Wohnräumen zu neuem Glanz verhilft.

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Anka Refghi I

Zollanvari International

ass das 1903 gegründete Unternehmen einmal weltweit zu einer der ersten Adressen für exklusive Teppiche werden würde, hätte sich Gholamreza Zollanvari wohl nicht erträumen lassen, als er 1947 in das väterliche Geschäft einstieg. Zu Beginn noch auf den Handel mit den sogenannten «Gabbehs», den dicken Teppichen mit abstrakten Mustern, konzentriert, die als Bett- und Tages­decken zur heimischen Verwendung von den ­No­ma­­den Südpersiens geknüpft wurden, begann Gholamreza später, zusammen mit den Ghashgha’i- und Luri-Nomaden, zeitgenössischere Designs zu realisieren.

Der Schritt nach Europa Mit Erfolg, denn die neuen Gabbehs schlugen förmlich ein. In der Folge gründete Gholamrezas Sohn Reza 1985 einen Exportstützpunkt in Zürich, um den europäischen Markt direkt bedienen zu können. Heute steht der Name Zollanvari für den Spirit persischer Teppichkunst und wird in weltweiten Niederlassungen bereits in der 6. Generation geführt. Das Erfolgsgeheimnis? Es ist wohl ihre Leidenschaft für eine Kunst, die seit 2000 Jahren hochgehalten wird, und ihr tiefgreifendes Verständnis für die Pracht und Fülle der persischen Knüpfästhetik. So werden die kunstvollen Teppiche

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bis heute von Nomadenvölkern im Süden Persiens, und mit Rücksichtnahme auf die traditionelle Lebensweise und ihre natürliche Umgebung, geknüpft. Und dass die Familie Zollanvari seit vielen Jahrzehnten den persönlichen Kontakt zu den Nomadenstämmen pflegt, versteht sich hier schon beinahe von selbst.

Tradition trifft auf Moderne Nicht nur für seine innovativen Kreationen konnte das Familienunternehmen bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen für sich verbuchen, sondern auch für die exquisite Qualität, denn die Teppiche und flachgewebten Teppiche von Zollanvari werden aus hochwertigster Hochlandwolle aus dem Zagros-Gebirge hergestellt. Chemische Färbe­mittel? Fehlanzeige, denn zum Einsatz kommen ausschliesslich natürliche Pflanzenfarben. Zollanvari-­ Teppiche verzaubern durch ihre kräftigen Farben und Designs, die perfekt in jeden Wohnraum passen, grosse Flächen strukturieren und ein wunderbar warmes Ambiente verleihen. Ob elegant in einem traditionellen Raum, zeitlos-klassisch oder als Eyecatcher in einem modernen Wohnraum, ob ein minimalistisch-tribaler Gabbeh oder ein Teppich aus der Isfahan-Kollektion mit der innovativen Neuerfindung der klassischen Muster – Zollanvari bietet Teppiche jeglicher Couleur. Die Qual der Wahl inklusive.


LIVING

Ethische Verantwortung Seit jeher ist eine nachhaltige Produktion tief in der Firma verwurzelt. Zollanvari beteiligt sich an der Errichtung von Hospitälern und Geburtshäusern, unterstützt finanziell den Bau von Wasserleitungen, Schulen und Winterquartieren, spendet Heizeinrichtungen, fördert die Fussball-Mannschaft der Ghashgha’is. Des Weiteren unterstützt Zollanvari mobile Unterrichtsstationen, die zur Ausbildung nomadischer Kinder dienen, hilft Witwen durch kleine Renten und Kleinkredite und gibt älteren Nomadinnen, die nicht mehr knüpfen können, Arbeit als Spinnerin.

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CULINARIUM

JAPAN

PERU MEETS IN MÜNCHEN

Irgendwie passt es, dass sich Superstarkoch Nobu Matsuhisa für sein hochexklusives Restaurant «Matsuhisa» für den Standort im pompösen München entschieden hat. In der bayerischen Landeshauptstadt geniessen gut betuchte Gäste aus aller Welt japanisch-peruanische Fusionküche, die bereits von den Liebhabern der prominenten Restaurantkette «Nobu» geschätzt wird. Nike Schröder

Blick auf die offene Fusionküche

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W

enn es nach Nobu Matsuhisa geht, der München als «eine aufregende internationale Stadt voller Energie und pulsierenden Lebens» hält, könnte es fast keinen besseren Standort für sein erstes Luxuslabel geben. Nicht nur, dass das legendäre Luxus­hotel «Mandarin Oriental», das als einziges seiner Art in  Deutschland hier in München seinen Sitz hat, als Kulisse dient, nein, es wurde auch noch zehn Monate lang aufwendigst umgestaltet. Das Amsterdamer Designstudio FG Stijl, welches auch verantwortlich für die Umgestaltung des Esszimmers in der BMW-Welt zeichnete, hat mit edlen Hölzern und besonderen Lampen einen hoch­eleganten Rahmen geschaffen, der asiatischen

Einflüssen unterliegt, aber dennoch den minimalistischen japanischen Stil dominieren lässt. Keine Platte des Parkettbodens ähnelt der anderen, strahlende Onyxschalen, dominante Panoramafenster öffnen den Blick auf die Lobby, Perlmuttmosaike verschönern die Innenseiten der Lampenschirme, warme Bronzetöne lassen die Wände erstrahlen. Das  Auge wird nicht müde, alles zu erkunden. Zum Feng-Shui-Style gesellen sich Lebendigkeit und eine kommunikative offene Atmosphäre. Wolfgang Greiner, Hoteldirektor des «Mandarin Oriental München», ist über das Ergebnis be­geistert, obwohl er während der Umbauphase hinsichtlich der Kosten zeitweise schlucken musste.

«Selbst die feinsten Restaurants in Japan sind nicht steif und still, es muss laut und lebendig sein.» –Nobu Matsuhisa –

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CULINARIUM

Nobel, nobler, Nobu Seit 20. November 2015 können nun 95 Gäste die ausserordentlichen Ideen des Starkochs Nobuyuki Matsuhisa geniessen. Nachdem er mit nur 24 Jahren nach Peru gegangen war, eröffnete er in Lima sein erstes Restaurant. So erwuchs die einzigartige Verbindung südamerikanischer Küche mit japa­ nischer, ein noch nicht dagewesenes Wagnis,

welches grosse Begeisterung bei den Gourmets ­hervorrief und einen ultimativen Hype auf den Geschmack der High Society der ganzen Welt auslöste. Sieben luxuriöse Gourmet-Tempel hat der Spitzenkoch schon eröffnet, natürlich nur dort, wo das Geld zu Hause ist – in Beverly Hills, St. Moritz, Aspen, Dubai, London oder New York und nun auch in München. Daneben betreibt der clevere Inhaber neben seinem eleganten Hochklasse-­ Restaurant eine nicht ganz so exklusive Kette an «Nobu»-Lokalen, an denen die Hollywood­legende Robert De Niro beteiligt ist.

Ungewöhnliche Kochkreationen Wer könnte solch tollen Kreationen widerstehen, die der Küchenchef Loris di Santo (zuvor im «Nobu Mykonos») zaubert? Wir jedenfalls nicht und lassen uns «Nobu»-Klassiker wie Black Cod, mit Lachs gefüllte Nobu-Tacos oder Gelbflossen-­ Sashimi schmecken. Auch Fleischiges wird ge­ boten wie über Teeblättern gegrilltes Lamm oder ein Stück vom Wagyu-Rind, welches so zart zubereitet wurde, dass es im Munde schmilzt. Eine zentrale Rolle in der «Nobu»-Küche spielt die Yuzu, eine japanische Zitrusfrucht. Sie aromatisiert verschiedene Gerichte unterschiedlichster Art. Wolfsbarsch im Matsuhisa Style

Yuzu-Frucht Bei Spitzenköchen erfreut sich die asiatische Frucht wachsender Beliebtheit. Die Yuzu ist eine Zitrusfrucht, die aussieht wie eine Zitrone und etwa so gross werden kann wie eine Orange. In der gehobenen Küche kommt sie zum Einsatz, weil der Saft der Yuzu ein sehr intensives Aroma hat. Der Saft schmeckt wie eine Mischung aus Limette und Mandarine mit einer leicht bitteren Note. Nobu Matsuhisa verwendet Yuzu mit Salz und Pfeffer als Gewürz mit dem Namen «Yuzukosho» für Fleisch, Suppen oder Fischgerichte, aber auch für Süssspeisen.

Speisen im goldenen Separee

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SPOTON

CULINARIUM

1 I New Yorks sexiest Bar

«The Campbell» versteckt sich im grössten Bahnhof der Welt, der Grand Central Station. An Peaktagen frequentiert eine Million Menschen den Prachtbau im Beaux-Arts-Stil in Midtown Manhattan, der nach John W. Campbell, einem millionenschweren Tycoon im New York der zwanziger Jahre, benannt wurde. Nach Feierabend zelebrierte der Financier in dem opulent ausgestatteten «Büro»-Raum mit Klavier und Orgel legendäre Partys und Konzerte, zu denen auch schon mal Frank Sinatra auftauchte. Nach einem Pächterwechsel und aufwendiger Renovierung ist die Bar nun wieder offen: «The Campbell» heisst sie nun kurz – ohne Dresscode und weniger geheimnisvoll. Wer nachts den Eingang von der Vanderbilt Avenue nimmt, kann die Grandezza auf jeden Fall erahnen, mit der sich Campbells illustre Gäste zu seinen Partys bewegten.

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www.thecampbellnyc.com

2 I Russlands Spitzenkoch eröffnet Mine & Wine in Berlin In der Tat braucht es einen Russen, der den Italienern in Berlin zeigt, wie Italiens Bilderbuchteller auf dem Tisch landen. Alle Achtung, das Restaurant «Mine» belebt die gehobene Küche in Charlottenburg auf ganz besondere Weise. Das Interieur im Shabby-Chic mit Steinboden in Mosaik, weiss getauchten Backsteinen, vermeintlich alten, unrestaurierten Deckenplatten … und das Highlight: die komplett einsehbare Küche. Inhaber sind zwei Russen: Vater Aram Mnatsakanov, ein erfolgreicher TV-Koch, und sein Sohn Mikhail, der in Paris die Geheimnisse des Kochens erlernte: Kein Chichi, sondern Kompositionen, die die Produkte in den Vordergrund stellen: Ceviche aus roten Garnelen mit Ingwer-Eis, glasierte sizilianische Auberginen mit Burrata und süss-säuerlicher Tomatenmarmelade, Lammschulter mit gebratenem Blumenkohl und Rib-Eye-Steak mit toskanischen Kartoffeln sind überragende Signature-Gerichte.

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www.minerestaurant.de

3 I Schweizer Speisen aus dem Morgenland Im «Bebek» – benannt nach dem gleichnamigen Istanbuler Stadtteil – sollte man bei einem Zürich-Besuch auf jeden Fall einkehren. Der über 5,40 m hohe Raum mit seinen Betonwänden wurde von renommierten Designern gestaltet und bietet im ersten Stock Platz für eine Bar. Ein­ heimische Köche aus dem Libanon, der Türkei und Syrien servieren orientalische Spezialitäten, die allesamt frisch zubereitet werden. Egal, ob nur für den kleinen Hunger oder ein Menü – eine vielfältige Auswahl von «Mezes» (kleinen Gerichten) versprechen eine ehrliche Kostprobe des Orients. www.bebek.ch

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CULINARIUM

© Frank Grafenstein

SCHWARZES

GOLD

AUS DEN BLAUEN BERGEN

Jah B ist kein Mann grosser Worte – im Gegenteil. Der 57-jährige Bobo Rastafari, der aus Überzeugung barfuss läuft, dafür aber stets sein iPhone parat hält, wirkt im Interview auffallend schüchtern. Dabei hat der Mann eine Revolution gestartet, ist er doch einer der ersten unabhängigen Kaffeeproduzenten Jamaikas.

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bwohl das Gros der Kaffe­e­ernte auf der Antilleninsel von Kleinbauern wie Jah B eingebracht wird, dürfen die ihre Bohnen nämlich nicht selbst vermarkten, sondern müssen die rohen Kaffee­k irschen nach der Ernte gemäss den Regeln des Coffee Industry Board of Jamaica (CIB) an die verarbeitende Industrie verkaufen, die von wenigen reichen Familienclans und ausländischen Investoren kontrolliert wird. Kein Wunder, ist ­Jamaica Blue Mountain aus dem gleichnamigen Gebirgszug im Osten der schillernden Karibik­ insel dank seines besonders ausgewogenen und leicht süsslichen, nussigen Aromas doch einer der ­besten – und teuersten – Kaffees der Welt. So belastet ein Pfund des schwarzen Goldes das Budget mit bis zu 100 Euro, während die Farmer mit Cent-Beträgen abgespeist werden. Das grosse Geschäft machen andere.

Kaffeerevolutionär mit Dreadlocks Mit dieser Ungerechtigkeit wollte sich Jah B nicht länger abfinden. Im Jahre 2009 erwarb er das seit

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Dr. Thomas Hauer

mehr als 20 Jahren brachliegende Radnor Estate in St. Thomas und erweckte die kleine Plantage unterhalb des 2256 Meter hohen Blue Mountain Peak zu neuem Leben. «Statt Monokulturen anzulegen, die anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind, haben wir zwischen den Kaffeesträuchern Obstbäume und Bananenstauden als Schattenspender gepflanzt», erklärt Jah B. Auf seine nackten Füsse angesprochen erwidert er schmunzelnd: «Als ich noch ein Kind war, hatten meine Eltern kein Geld, um mir Schuhe zu kaufen. Mittlerweile finde ich es einfach unnatürlich, meine Füsse in enge Schuhe zu sperren – schliesslich werden wir ja auch barfuss geboren.» Neben der Höhenlage und nährstoffreichen Vulkanverwitterungsböden trägt zum unverwechselbaren Charakter des Blue-Mountain-Kaffees auch das besondere Mikroklima der oft nebelverhangenen und dann wie in Zuckerwatte gepackt wirkenden Bergregion bei. «Die Kaffeekirschen brauchen hier oben wegen der kühleren Luft und der reduzierten Sonneneinstrahlung im Schnitt neun bis elf Monate, bis sie reif sind – fast doppelt so lange wie in tiefer gelegenen


© Robert Klemm

CULINARIUM

Die Blue Mountains im Osten der Karibikinsel Jamaika gehören seit 2015 zum UNESCO-Weltnatur- und -Weltkulturerbe.

Anbaugebieten. Aber genau das verleiht ihnen ihr besonders intensives Aroma», weiss Jah B. Bis er im November 2013 schliesslich die begehrte Exportlizenz erteilt bekam, die es ihm heute erlaubt, Kaffee unter eigenem Namen zu verkaufen, war es allerdings ein langer Weg. Heute beschäftigt er in der Saison bis zu 40 Arbeitskräfte, die an den steilen Berghängen pro Jahr rund 4000 kg Rohkaffee ernten. «Der wird vor Ort getrocknet, konfektioniert und geht dann nach Japan, China, die USA und Europa. Zu fairen Preisen für mich und meine Kunden», so Jah B.

Renaissance einer Legende Insgesamt werden in den Blue Mountains heute jährlich rund 1000 bis 2000 Tonnen Kaffee produziert – nur ein Bruchteil dessen, was noch Anfang des 19. Jahrhunderts geerntet wurde, als der Ertrag im Rekordjahr 1814 fast 15’200 Tonnen erreichte und Jamaika damit für einige Jahre zum welt­ grössten Kaffeeproduzenten aufstieg. Dabei waren erst 1728 bei St. Andrews die ersten sechs Arabica-­ Setzlinge gepflanzt worden, die der damalige Insel-­ Gouverneur Sir Richard Lawes von einer

Reise nach Hispaniola mitgebracht hatte. Aber die Pflanzen gediehen prächtig, und mithilfe billiger Sklavenarbeit konnte Jamaika bereits ab 1737 Roh­ kaffee nach Europa exportieren. Mit dem Ende der Sklaverei in den englischen Territorien im Jahre 1838 geriet die Kaffee­industrie jedoch in eine existenzielle Krise. Gleichzeitig wurde damit aber der Grundstein für den heutigen Blue-Mountain-­ Kaffee gelegt, denn es waren freigelassene Sklaven, die sich in die Berge zurückgezogen ­ ­hatten, die als Erste in den exponierten Höhen­ lagen Kaffee anzubauen begannen. Seine Renais­ sance als veritables Luxusgebräu verdankt er jedoch Connaisseurs aus dem Reich der aufge­ henden Sonne, die die feinen Bohnen Ende der 1970er Jahre für sich entdeckten. Bald darauf erwarb der japanische Kaffe­egigant UCC mit dem Craighton Estate bei Irish Town die erste Kaffeeplantage auf der Insel – der Rest ist Geschichte. Bis Anfang der 2010er Jahre gingen rund 85 Prozent aller Exporte nach Japan. Heute ist dieser Anteil auf­grund des mittlerweile global grassierenden Hypes für Luxuskaffee auf circa 35 Prozent zusammengeschmolzen.

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© Robert Klemm

CULINARIUM

Die vom Fruchtfleisch befreiten Kerne der Kaffeekirschen trocknen auf Jah Bs Plantage in der Sonne.

Craighton Estate

erzählt Lincoln von den harten Lebensbedingungen in den einsamen Hochtälern. Um alle Mäuler seiner vielköpfigen Familie stopfen zu können, verdient er sich deshalb mit der Anzucht von Kaffeesetzlingen ein Zubrot. «Meine jüngste Tochter ist grade zwei geworden, die älteste ist 28. Was meine anderen Kinder angeht, habe ich ein wenig den Überblick verloren», scherzt Lincoln weiter, während seinen Gästen im tropisch schwülen Klima der Schweiss von der Stirn zu perlen beginnt. Auf einem Plateau endet die Tour an einer Tour-Guide Lincoln (60), der eigentlich für den hölzernen Aussichtsplattform, von der man einen ausgedehnten Garten zuständig ist, dem eine atemberaubenden Rund­blick über die steil abfalAbwechslung aber sichtlich gelegen kommt, ar- lenden, mit dichtem Regenwald bedeckten Berg­ beitet seit 14 Jahren für die Japaner. Dass man flanken der seit 2015 zum UNESCO-Welt­ kulturihm sein Alter kaum ansieht, führt er selbstver- und -Weltnaturerbe zählenden Blue Mountains bis ständlich auf den täglichen Genuss von Blue-­ auf die weit unten an der Küste im Dunst liegende Mountain-Kaffee zurück. «Was sonst?», fragt er Inselhauptstadt Kingston werfen kann. «Unsere mit verschmitztem Lächeln. Auf dem steil aufwärts Kaffeesträucher profitieren bis zum späten Vormitführenden Pfad hinauf in die Kaffeepflanzungen tag von der milden Morgensonne», erklärt Lincoln, «dann ziehen von der Küste Wolken und ­N ebel auf, die den Kaffee vor der aggressiven Mittagshitze schützen, bevor der Himmel am späten Nachmittag wieder aufklart und die Hänge in der Abendsonne liegen. Das sind einfach perfekte Bedingungen.» Besucher können das Craighton Estate nach Voranmeldung besichtigen – Verkostung auf der gemütlichen Veranda inklusive. Wie bei Jah B wachsen auch hier zwischen den Kaffeepflanzen Bananen, Mangos, Avocados und afrikanische Tulpenbäume. Gedüngt wird ausschliesslich mit dem kompostierten Fruchtfleisch der Kaffeekirschen, bei Schädlings- und Krankheitsbekämpfung setzt man auf Pheromonfallen.

Weitere Informationen: www.visitjamaica.com

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CULINARIUM

PREMIUM-ALLESKÖNNER DER

ZUKUNFT?

Jeder weiss, dass die Fischbestände unserer Meere durch Überfischung stark gefährdet sind. Die Lösung könnte «Cobia» heissen, ein Zuchtfisch aus dem Norden Panamas, der aber noch nicht den Weg als Speisefisch auf unsere Teller gefunden hat. Nike Schröder

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er Fischzüchter Brian O’Hanlon hat sich mit seinem Unternehmen Open Blue der an­ spruchsvollen Aufgabe gewidmet, ein System zu ent­wickeln, das sowohl geeignet ist, den Bedarf an Fischfleisch als Nahrungsquelle für die Zukunft durch alternative Zuchtmethoden nachhaltig zu decken, als auch die Natur zu respektieren. Nach fast zehnjähriger Forschung entstand bei Panama (Karibik) die erste «Marikultur» weltweit. O’Hanlon hat zwölf Kilometer vor der Küste eine neuartige Form der Aquakultur geschaffen, die seinesgleichen suchen muss: Aufgrund der Tiefe des Karibischen Meeres und der hervorragenden Wasserqualität weitab von den schon stark überzüchteten Küsten findet der Cobia – auch Schwarzer Lachs oder Offiziersbarsch genannt – ideale Bedingungen. Die kleinen Fische bleiben zunächst etwa drei Monate in einem Aufzuchtbecken an Land, werden dann in grosse Netzzylinder, die im Meer verankert sind, den sogenannten «Open Ocean Platforms», umgesetzt, wo sie weitere 14 Monate in geringer Besatzdichte aufwachsen und ohne Zusatzstoffe, Hormone oder genetisch modifiziertes Futter aufgezogen werden.

Cobia – ein Superfisch Wenn auch der Superfisch bislang noch keinen Einzug in die Küchen der breiten Öffentlichkeit gefunden hat, so weckt er nun das Interesse der Spitzenköche aus aller Welt. Die Konsistenz seines edlen Fleisches liegt zwischen Kabeljau und Seeteufel und eignet den Cobia damit für vielfältigste Zubereitungsarten: Roh als Sashimi schmeckt er frisch und leicht buttrig, kurz gebraten oder gedünstet entfaltet sich ein zarter Buttergeschmack, der hervorragend mit anderen Aromen harmoniert. Auch gegrillt behält er seine stabile Struktur. Sterneköche kreieren exklusive Saucen, Marinaden oder Jus, die

ihn auf ihren Tellern begleiten und Lust auf mehr machen. Auch seine «inneren Werte» können sich sehen lassen: Er enthält doppelt so viele der begehrten Omega-3-Fettsäuren wie ein Lachs! Mit seinen rund 70 Kilogramm ist der Cobia ein grosser Fleischfresser, der dreimal so schnell wächst wie ein Lachs. Er benötigt einen ziemlich hohen Anteil an tierischen Proteinen im Futter, wofür derzeit noch riesige Mengen an anderem Fisch gefangen werden. Der Lachs, ebenfalls ein Fleischfresser, konnte schon erfolgreich an pflanz­ liche Nahrung gewöhnt werden. Wenn es gelingt, aus dem Cobia einen Vegetarier zu machen, dann wäre er der ultimative Alleskönner der Zukunft!


QN-BAR

GOES ST. MORITZ

Trendy, sexy, stylish und ein bisschen crazy heisst die Devise in der neuen St. Moritzer QN-Bar von Reto Kuhn. Seit letztem Dezember führt der sympathische Tausendsassa die einst legendäre Pianobar im Hotel Schweizerhof – und nach einer Rundumerneuerung auch in ein neues Zeitalter.

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Anka Refghi I

QN-Bar St. Moritz

er im Zentrum von St. Moritz Dorf nach einem perfekten Ort sucht, um den Tag ausklingen zu lassen oder die Nacht einzuläuten, dem empfiehlt sich ab sofort die QN-Bar. Die ehemalige Pianobar im Hotel Schweizerhof war legendär und lange für ihre tägliche Livemusik mit italienischem Flair bekannt. Seit letzter Saison hat für die älteste Bar in St. Moritz nun eine neue Zeitrechnung begonnen. Doch auch eingefleischte Fans dürfen beruhigt sein, denn die Bar hat nichts von ihrer gemütlichen Atmosphäre eingebüsst. Im Gegenteil. Live-Pianomusik weicht «loungigen» Jazz-Klängen, die zu späterer Stunde in schnellere Party-Beats übergehen, die Atmosphäre ist heimelig und stilvoll zugleich. Dunkelgrün gestrichene Wände mit kunstvollen Schwarz-Weiss-­ Fotografien, nostalgisches Täfer und am Ende der Bar als unwiderstehlicher Eyecatcher – Kate Moss in Lebensgrösse. Kein Unbekannter ist auch der Zürcher Unternehmer und Gastgeber Reto Kuhn, der nicht nur seine QN-Bar in Effretikon zu einer lebenden Legende machte, sondern auch für kulinarische Höhenflüge am St. Moritzer Festival da Jazz verantwortlich zeichnet. Mit seiner

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Neuauflage der QN-Bar auf 1856 Metern über Meer geht der charismatische Macher nun hoch hinaus und lässt dabei keinerlei Wünsche offen. Ob klassische Cocktails, prickelnder Champagner, erlesenste Weine, kleinfeine Speisen und Snacks oder der Humidor mit einer exquisiten Zigarrenauswahl – schöner lässt sich ein Abend unter Freunden nicht geniessen.

Das kleinste Kino der Welt Die QN-Bar ergänzt die legendäre «Schweizerhof-Barstreet», wie der Gang zwischen der Stübli Bar und der QN-Bar genannt wird, der kürzlich als Begegnungszone ausgebaut wurde. Ein weiteres, wenn auch kein grosses Highlight ist das kleinste Kino der Alpen für maximal sechs Personen, das sich ebenfalls an der Barstreet befindet. Die QN-Bar ist im Winter täglich von 21 Uhr bis 3 Uhr geöffnet, im Sommer jeweils Freitag und Samstag.


Sinne

CULINARIUM

FÜR ALLE

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A l les fü r Gen iesser heisst d ie Dev ise auch i n d ieser Sa ison – m it ei ner Auszeit i n den Bergen au f Gau ltMi l lau-Niveau, ei nem g uten T ropfen, ei ner ed len Zigarre u nd ga n z v iel Ru he u nd Musse. Was braucht ma n meh r?

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1 I ZENITH

Die «Chronomaster El Primero Range Rover Velar Special Edition» mit Gehäuse aus keramisiertem Aluminium und kupferfarbenen Details auf der gebürsteten Oberfläche des grauen Zifferblattes, 42 mm Durchmesser. 2 I OETTINGER DAVIDOFF

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«Master Selection Serie»: einige wenige Zigarren von sechs wundervollen, ganz persönlichen Blends, die Davidoffs Master Blender Eladio Diaz einst als Geburtstagsgeschenke für sich selbst kreierte.

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3 I MÖVENPICK

Innovative Weltneuheit: «zzysh» macht Reste angebrochener Weinflaschen bis zu sechs Wochen haltbar. Das geruchsneutrale Edelgas Argon schützt den Schaumwein vor Oxidation sowie Veränderung von Aroma, Farbe und Geschmack. 4 I THE CHEDI ANDERMATT

Genuss pur im «GaultMillau-Hotel des Jahres 2017»: Das Fünf-SterneDeluxe-Hotel verführt, umgeben von der beeindruckenden Bergwelt, mit seinem Anderssein, dem ungewohnten Miteinander von alpinem Chic und asiatischem Ausdruck. 5 I GLENDALOUGH

Gereift in Bourbon-Fässern, Sherry- und Madeira-Fässern. Der Triple Barrel von Glendalough ist eine sehr limitierte Abfüllung. Es wurden insgesamt nur zwölf Fässer abgefüllt.

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FINANCE

EINGEBILDET ODER GUT AUSGEBILDET?

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Die Kosten für den Besuch eines Elite-Internats sind immens, und dennoch sind auf der ganzen Welt Eltern bereit, dieses Investment auf sich zu nehmen. Und das nicht nur wegen guter Bildung, auf lange Sicht zahlt es sich wirklich aus.

er auf ein Elite-Internat geht, der hat später bessere Karten. Und das nicht nur, weil er grundsätzlich eine bessere Bildung geniesst. Er ist vor allem besser aufgestellt, weil der richtige Schulname auf seinem Zeugnis steht und noch mehr, weil er in jungen Jahren die richtigen oder wichtigen Menschen kennenlernt. Auf kaum einem anderen Wege erhält man einen so ungezwungenen Zugang in Familien, die eben ein bisschen mehr Einfluss haben als andere. In Zeiten, in denen jeder dritte Job über Bekannte, also das sogenannte Vitamin B, vergeben wird, ein nicht unwesentlicher Faktor. Reich und Reich gesellt sich eben gern und möchte auch die Kinderlein unter ihresgleichen wissen. Dafür zahlt man gerne und auch gerne viel. So liegen die durchschnittlichen Kosten für ein Jahr in Grossbritannien am «Eton College» oder dem «Westminster House» um die 40’000 bis 50’000 Euro. In Deutschland zahlt man im «Schloss Salem» knapp 40’000, und in der Schweiz werden an den Internaten sogar in manchem Fall mehr als 100’000 Euro fällig. Nebenkosten natürlich exklusive.

Die Elite der Schweiz Einen weltweit besonders guten Ruf geniesst das Elite-Internat «Le Rosey» am Genfersee. 420 Schüler maximal, zwei Drittel aller Bewerber werden abgelehnt, und pro Jahr müssen mehr als 100’000 Euro berappt werden, damit das Kind gut aufgehoben ist. Dafür gibt’s Schulkollegen aus den internationalen Königshäusern und Tischnachbarn, deren Eltern ganz klar zu den Super­ reichen der Welt gezählt werden dürfen. Dafür garantiert «Le Rosey» seiner Kundschaft absolute Diskretion. Bis heute gibt es wenig Informationen über den Alltag an der Schule und noch weniger Einblicke in Form von Fotos oder Videos. Über ehemalige Schüler schweigt man sich zudem natürlich aus. Doch Namen wie Dodi al-Fayed, Fürst Rainier von Monaco, Rothschild,

Wilma Fasola

Aga Khan und Rockefeller hängen in der Luft. Und dass die Kinder von John Lennon, Elizabeth Taylor und Roger Moore auf der Schule waren, ist belegt. Doch das Haus am Genfersee ist nur eine von vielen, weltweit sehr beliebten Elite-Einrichtungen in der Schweiz. Ebenfalls von Eltern in der ganzen Welt geschätzt sind das «Institut Montana Zugerberg» am Zugersee und das «Hochalpine Institut Ftan», das sich vor allem auf die sportliche Förderung konzentriert. Wie in «Le Rosey» ist auch hier der Ausländeranteil hoch. In manchen Jahren lernen Kinder aus mehr als 60 verschiedenen ­ ­Nationen zusammen. In der Regel findet der Unterricht daher zweisprachig statt, wobei Englisch stets gesetzt ist. Letzteres sicher auch mit Blick darauf, die internationale elitäre Gesellschaft zu bedienen. Gefragt nach seinen Schülern will zwar kein Direktor einer dieser Schulen das Wort «Elite» hören, aber es trifft es auf den Punkt. Man beherbergt die Kinder der herrschenden, sehr einflussreichen Menschen. Die Kinder, die später etwas zu sagen haben. Sei es in der Wirtschaft, in der Politik oder einfach in der Welt. Der Schule fällt dabei die Aufgabe zu, die Heranwachsenden auf ein Leben vorzubereiten, das eben kein Ponyhof ist – mit Blick auf alle Disziplinen und vor allem mit strenger Disziplin.

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FINANCE

Die Elite unter Kontrolle Elite-Internate haben nämlich wenig mit dem spassigen Leben in den «Hanni & Nanni»-Büchern zu tun. Alles wird geahndet, nahezu jeder Schritt wird kontrolliert. Der Hauch einer Verfehlung sorgt für den Rauswurf. Alkohol und vor allem Drogen sind an den meisten Schulen tabu, Gleiches gilt für Romanzen. Man fokussiert sich auf die Ausbildung. Ablenkung ist unerwünscht. An mancher Einrichtung werden sogar Handys über Nacht weggeschlossen oder die Internetnutzung auf wenige Stunden begrenzt. Natürlich gelten nicht an allen Schulen die gleichen Regeln, aber im Grundsatz leben die Schüler in einem strengen Rahmen ohne viel Gestaltungsspielraum. Oder um es mit den Worten von Philippe Gudin, dem Inhaber des «Le Rosey», zu sagen: «Junge Menschen können nicht beurteilen, was gut oder schlecht für sie ist: Ihre Freiheiten müssen darum nicht gross sein.» Harte Worte – aber sicher im Sinne der Eltern, die ihre Kinder an diese Schule schicken. Denn sie wählen die jeweilige Einrichtung sehr genau und immer auch mit Blick darauf, dass sich der teure Spass am Ende auszahlt. Denn Kinder der Oberklasse wachsen meistens recht behütet, gut versorgt und

ohne grosse Ängste auf. Keiner muss in der Regel für ein Zusatztaschengeld arbeiten. Und doch sollen sie im späteren Alter in hohen Wirtschafts­ positionen Rückgrat beweisen, mit Krisen umgehen können oder einfach mit Weitsicht Unternehmen und Organisationen leiten. Zudem sollen sie sich in der Welt der Superreichen sicher und gekonnt, am besten galant bewegen können. Die Aufgabe der Elite-Schulen ist somit – wie schon angesprochen – eben nicht nur eine umfassende, sehr gute Bildung. Sie müssen die jungen Menschen auf ihre späteren Rollen vorbereiten. Und das bedeutet ferner, sie eben auch aus der «heilen Welt» herauszuholen und zu fordern. In «Schloss Salem», Deutschlands bekanntester Elite-­Schule, wird dies ziemlich eindrücklich und offensichtlich getan. Statt im Luxus-Einzelzimmer wird hier in Vier-BettRäumen geschlafen. Die Kleiderschränke stehen auf dem Flur, und man wäscht sich in der Etagendusche. Kostenpunkt dafür: je nach Klassenstufen zwischen 36’000 bis 38’640 Euro pro Jahr.

Die Elite kassiert ab Die Investition in ein Elite-Internat ist daher ein Investment in eine gute Zukunft, und die Eltern erwarten ab einem gewissen Punkt sicher einen Return on Investment. Und die Chancen stehen in der Regel gut. Denn nachweisbar führt der Weg nach dem elitären Schulabschluss meistens direkt an die besten Universitäten der Welt. Denn auch hier wissen die Verantwortlichen gut ausgebildete, vor allem aber disziplinierte Anwärter zu schätzen, sodass der mit dem «Eton College»-Wappen eben bessere Chancen auf einen Studienplatz hat. Nach der Uni machen die ehemaligen Internatsschüler meist Karriere. Und das nicht selten unterstützt durch gute Kontakte. Die werden nämlich nicht nur während der Schul- und Studienzeit gepflegt, an denen arbeitet man das gesamte Leben. Eigentlich jede Schule hat ihre eigene Alumni-Vereinigung, die neben regelmässigen Treffen auch für konstanten Informationsaustausch sorgt. Dazu halten die ehemaligen Schüler engen Kontakt, schliesslich ging man nicht nur zusammen zur Schule, man verbrachte die gesamte Woche miteinander. Kennt sich daher mehr als nur gut. Daher ist man auch gerne bereit, wenn man mal einen lukrativen Job zu vergeben hat, an einen alten Freund oder dessen Familie zu denken. Oder aber man arbeitet zusammen und bringt so die eigenen, geerbten Unternehmen noch weiter an die Spitze der elitären Wirtschaftsmächte. Und dann lehnen sich die Eltern zurück, nicken sich zu und wissen, dass sie alles richtig gemacht haben. Koste es, was es wolle.

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Business AS USUAL

Es geht n ichts über ei nen sti lvol len u nd überzeugenden Au ftritt i n der Geschä ftswelt. Den n n icht nu r K leider machen Leute – Accessoires tu n es auch. BY

TUDOR

Die «Heritage Black Bay» ist jetzt auch in Gelbgold und Edelstahl erhältlich. Mit Manufakturwerk Kaliber MT5612 führt das Modell zudem die Datumsfunktion in die Black-Bay-Linie ein, Durchmesser 41 mm.

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Die Maison Caran d’Ache präsentiert den «849»-Füll­ federhalter als jüngsten Zuwachs der unentbehr­ lichen und spritzigen «849»-Familie. 100 % «Swiss made»-Qualität und unverzichtbarer Komplize des Alltags.

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Neue «Calatrava» mit Zeiger­ datum und einer kleinen Sekunde. Umrahmt wir das Zeitfenster von der breiten, glatt polierten Lünette eines klassischen «Calatrava»-Gehäuses aus 18 Karat Weissgold, Durchmesser 39 mm.

TOM FORD

PARMIGIANI

Eleganz pur: die «Tonda Métrographe» mit oxydschwarzem Zifferblatt. Im Innern tickt das hauseigene Automatikkaliber PF315; die Uhr hat einen Durchmesser von 40 mm und verfügt über 42 Stunden Gangreserve.

Geräumige Trapez-Aktentasche aus Kalbsleder mit doppelten Griffen, Laptop-Holder in der Innenseite und Innentasche mit Reissverschluss und Unterschrift von Tom Ford. Masse: 51.5 x 33 x 15 cm.

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FINANCE

FAMILIEN

ANGELEGENHEITEN

Reich sein ist eine schöne Sache, aber wenn die Familie nicht an einem Strang zieht, kann das Vermögen leiden. Seit nahezu 200 Jahren unterstützen Family Offices daher die Superreichen beim Geld­a nlegen und Investieren. Wilma Fasola

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ehen wir zurück ins Jahr 1838. Junius Spencer Morgan, ein aufstrebender junger US-Finanzexperte, hatte die Schnauze voll und entschied, dass ab sofort in seiner reichen Sippe nicht mehr jeder sein eigenes finanzielles Süppchen kochen sollte. Statt­ dessen sollte ein eigens angeheuertes und individuell zusammengestelltes Team aus Bankern, Juristen, Wirtschaftsexperten und Steuerberatern das Vermögen der Morgans als Ganzes betreuen. Eine Entscheidung mit Weit- oder besser Weltsicht, da der damals 25 Jahre alte Junius damit den Grundstein für eine Art der Vermögensverwaltung legte, die heute aus dem Leben der Super­ reichen gar nicht mehr wegzudenken ist: Die Gründung des «House of Morgan» war nämlich die Geburt des ersten Family Office der Welt.

Ein Büro für sich oder alle Zunächst verwaltete die Unternehmer-Familie Morgan auf diese Weise nur das eigene Vermögen. Und zwar sehr erfolgreich. Die Aufmerksamkeit Ihresgleichen liess somit nicht lange auf sich warten. Recht schnell öffnete das «House of Morgan» seine Pforten und stellte anderen Mitreichen seine Dienste zur Verfügung. Die Namen Guggenheim und Du Pont gehören dabei

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FINANCE

zu den bekanntesten. Aus der als Single Family Office gestarteten Organisation wurde somit ein ­ Multi Family Office. Eine Unterteilung, die bis heute Bestand hat. So gibt es immer noch ausreichend Familien, die sich ihr eigenes Büro leisten (können). Die Anzahl an Organisationen, die sippenübergreifend aktiv sind, nimmt jedoch rasant zu. Letzteres sicher auch, da immer öfter neben eigenen Unternehmen auch Finanzinstitute den Dienst des Family Office in Form einer Tochtergesellschaft offerieren. Zudem ist das Privatvergnügen «Single Family Office» eine kostspielige Sache, die – offen gesagt – der Gruppe der sogenannten «Ultra High Net Worth Individuals» (UHNWI) vorbehalten ist. Also den Menschen, die über ein geschätztes Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar ver­ fügen. Obwohl man hier auch munkelt, dass ein nur für eine ­einzige Familie arbeitendes Büro erst

ab 250 Millionen Dollar überhaupt auf eine Anfrage reagiert. Schliesslich muss man im Durchschnitt auch 20 Angestellte entgelten. Wie viele Family Offices es mittlerweile auf der Welt gibt, darüber wird spekuliert. So werden zwar immer mal wieder Erhebungen und Umfragen getätigt, doch über Geld wird bekanntlich nicht gesprochen. Experten gehen jedoch von weltweit rund 5300 Single Family Offices aus. Drei von vier befinden sich dabei in den USA oder Europa. Ein Grossteil davon in der Schweiz. Rund 300 bis 400 Büros sollen in der Eidgenossenschaft ihren Standort haben. Dazu kommt noch einmal eine unbestimmte Anzahl an Multi Family Offices. Unter die weltweiten Top Ten haben es dabei sogar zwei Schweizer geschafft: Pictet mit Sitz in Genf und das UBS Global Family Office mit Stand-

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John Pierpont Morgan (1837–1913), Sohn von Junius Spencer Morgan

orten in gleich mehreren Schweizer Städten. Letzteres lancierte erst jüngst den «Family Office Compass». Eine Dienstleistung, die den Generationenwechsel an der Spitze der superreichen Familien begleiten soll. Laut Angaben der Schweizer Traditionsbank werden knapp 70 Prozent der familiengeführten Unternehmen in den kommenden 15 Jahren vor der Frage stehen: Wie geht es weiter? Denn nicht immer ist die nachrückende Generation bereit, in vorgefertigte Fussstapfen zu treten. Die UBS sieht sich dabei als Partner, der das Ver­mögen dauerhaft sichert, vermehrt und auch hilft, wenn Geld zum Streitthema unter Familienmitgliedern wird.

Ein Büro, das mit Geld umgehen kann Ob nun Single oder Multi Family Office – grundsätzlich stellt sich die Frage: Was machen die eigentlich den ganzen Tag? Runtergebrochen auf wenige Stichworte lässt sich sagen, dass zunächst der Erhalt des vorhandenen Geldes im Vordergrund steht, gefolgt von einer mit wenig Risiken verbundenen Vermehrung. Sprich: Im Namen der Familien wird in Aktien, Fonds oder Sachanlagen investiert. Dazu kommen weitere Dienstleistungen, die bei philan­thro­pi­schen Diensten beginnen und bis zur persönlichen Reiseplanung reichen. Jeder muss für sich entscheiden, oder besser als Familie, was man wirklich braucht und für was man bereit ist zu zahlen. Pauschal geht man hier beim privaten Büro

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von rund 0,25 bis 0,49 Prozent des verwalteten Gesamtvermögens aus. Pro Jahr und um eine Zahl in den Raum zu stellen: Bei 250 Millionen Dollar muss der familiäre Clan also bis zu 1,225 Millionen Dollar lockermachen. Keine unbedeutende Summe, für die man sicher umfassende Betreuung erwarten darf. Doch die wirtschaftliche Lage sorgt nahezu bei allen Anlagen für Unsicherheit. Niedrige Zinsen, hohe Volatilität, auf lange Sicht bleibt die Sicherheit auf der Strecke. Daher darf man offen fragen: Wie kann ein Family Office heute bei der Anlage noch Risiko vermeiden? Informiert bei denen, die sich auskennen, heisst die Antwort: Private Equity. Also die direkte Investition in nicht an der Börse dotierte Unternehmen. Die Sahnehäppchen dabei sind neben familiengeführten Unternehmen Start-ups. Auch wenn hier natürlich keiner weiss, wohin die Reise gehen wird. Doch genau hier zahlt sich das Family Office aus. Der Experte kennt nicht nur den Markt, er nutzt und geniesst Steuerungsmodelle, die einen nicht ins offene Feuer rennen lassen. Und er weiss Performance und Risiko in einen Kontext zu setzen.

Ein Büro, das nicht nur heute, sondern auch morgen noch sein muss Um auf den Generationenwechsel zurückzukommen, heisst das für die Family Offices vor allem auch, flexibel zu sein. So hat der Senior in manchem


FÜR SIE NEHMEN WIR UNS ZEIT

Fall keine Lust mehr, sich mit 60 Jahren noch in neue Techniken, in ein neues Unternehmersein einzuarbeiten. Also gibt Mann oder Frau das Zepter ab und hofft dabei auf einen Erhalt der Tradition. Und die Nachrückenden erwarten, dass der Finanz-­Partner sich auch im virtuellen Wahnsinn auskennt. Für die familiären Büros bedeutet das, der Kunde will, dass du altes Denken mit aktuellen Techniken in Einklang bringst. Und zwar nicht nur zwanghaft, sondern mit Leidenschaft und ohne, dass ich als Zahlender handeln muss. Smart Data, Clouds und intelligente Vernetzung sind Teil einer heute erfolgreichen Unternehmensstruktur. Die Superreichen wollen hier mitspielen, und auf der anderen Seite wollen sie diskret bleiben. Keine einfache Aufgabe. Und Fehler sorgen für den Rauswurf. Daher müssen Family Offices heute mehr können, als Finanzrisiken einzuschätzen. Sie müssen die Bedürfnisse ihrer Kunden quasi intuitiv erkennen und entsprechend handeln sowie kommunizieren. Vor allem aber müssen sie zukunftsweisend denken und nicht verzweifeln. Denn die Marktlage ist mehr als mies. Lag die Performance im Jahr 2014 weltweit noch bei 6,1 Prozent und 2013 sogar bei 8,5 Prozent, hiess es im Jahr 2015, sich mit gerade einmal 0,3 Prozent zufriedenzugeben. Doch dank der angesprochenen Steuerungsmodelle haben die Büros die Chance, dass sie vorhersehend Port­folien neu aufstellen können, wenn ein Asset eben nicht mehr zum Paket passt. Ebenso reagieren sie auch mit Veränderungen in den eigenen Reihen, weniger Boni, sinkenden Kosten für ihre Dienstleistung. Am Ende aber braucht es wohl doch wieder einen Junius Spencer, der weitreichende Entscheidungen trifft. Etwas, was auch nach «Morgan» noch Relevanz hat. Was das sein wird, ist jedoch offen. Denn die Wirtschaftslage ist leider kaum noch vorhersehbar. Fakt aber ist, die Super­ reichen wird es immer geben, der Bedarf an Verwaltung von Vermögen wird daher bleiben. Und Individualität ist heute mehr als «su misura». Aber wir haben nicht mehr das Jahr 1838, wir sind weiter, schlauer, und die Family Offices dieser Welt werden eine Lösung finden, die passt – heute wie morgen.

Die Privatbank unter den Universalbanken – fünf Gründe, weshalb Sie bei uns goldrichtig sind auf

www.cic.ch/5

Die Bank der Privat- und Geschäftskunden Basel, Fribourg, Genf, Lausanne, Lugano, Neuchâtel, Sion, St. Gallen, Zürich www.cic.ch


FINANCE

ALTBEWÄHRTES UND – DIE MISCHUNG MACHT’S! NEUES Die disruptiven technologischen Veränderungen der letzten Jahre stellen viele herkömmliche Prozesse des Bankgeschäfts in Frage. Miteinher verändern sich die Be­dürfnisse der Kunden, und der Erwartungsdruck an die Banken steigt. Nach welchen Kriterien werden anspruchsvolle Kunden in zehn Jahren ihren Finanzpartner wählen? Antony Lassanianos, CEO der VP Bank (Schweiz) AG

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rivate Banking ist ein Beziehungsgeschäft, das auf der fachlichen und sozialen Kompetenz der Kundenberater baut. Die Kombination dieser Kompetenzen ermöglicht die ganzheitliche Erfassung individueller Kundenbedürfnisse. Diese anschliessend in ein persönliches Leistungsangebot umzumünzen, ist eine entscheidende Stärke erfolgreicher Privatbanken. Die VP Bank richtet ihr Geschäftsmodell auf dieses Gedankenmuster aus und sieht die persönliche Beratung auch in Zukunft

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im Fokus der Kunden. Dennoch scheint es unwahrscheinlich, dass Privatbanken im Jahr 2030 die Kunden der «Next Generation» genau gleich betreuen wie ihre heutigen Kunden und ihnen mehr oder minder gleiche Dienstleistungen anbieten. Wir sind davon überzeugt, dass das Private Banking der Zukunft auf bestehenden Kernkompetenzen aufbauen muss. Die Banken werden ihnen allerdings ein digital kompatibles Format verleihen müssen, um die folgenden Entwicklungen erfolgreich aufzunehmen.


FINANCE

Eigenkontrolle und Unabhängigkeit Nebst einem personalisierten Leistungsangebot wird das Bedürfnis nach Unabhängigkeit ins Zentrum rücken. Dieses äussert sich in der Erwartung, von überall und jederzeit auf Dienstleistungen und Informationen der Bank zugreifen zu können. Anleger werden vermehrt nach stärkerer Transparenz über ihre Finanzen verlangen – sowohl in Bezug auf Entscheidungen, die ihr Portfolio betreffen, wie auch in Bezug auf die Beratung. So werden Kunden kritischer gegenüber Anlageempfehlungen eingestellt sein und sich zunehmend auf differenzierte Informationsquellen stützen, die ihnen einfach und schnell online zur Verfügung stehen.

Mehrwert und Transparenz Mit den gestiegenen Erwartungen an personalisierte Dienstleistungen sowie deren digitaler Ausgestaltung werden Bankkunden künftig nur noch für Leistungen zahlen wollen, die sie von Grund auf verstehen und deren Nutzen sie nachvollziehen können. Sie werden also bereit sein, für das Zusammenspiel von physischer Präsenz, erstklassiger Beratung mit ausgewiesenem Mehrwert sowie dem Einsatz moderner Technologien eine entsprechende Prämie zu zahlen. Die VP Bank ergänzt daher das klassische Private-Banking-Geschäft um digitale Dienstleistungspakete und gestaltet ihre Preise transparent und nachvollziehbar.

investieren wir deshalb bereits heute in mobile und webbasierte Kanäle, die kundenorientiert sind und gleichzeitig State-of-the-Art-Verfahren einsetzen, um höchste Sicherheit zu gewährleisten. Eine weitere Priorität umfasst die Entwicklung und Integration von technologieunterstützten Anlageberatungslösungen. Inwiefern die Digitalisierung schliesslich das Bankgeschäft verändern wird, kann jedoch kein Experte mit Sicherheit vorhersagen, und das zukünftige Gleichgewicht muss erst gefunden werden. Es gibt viele Aufgaben, die algorithmenbasierte Programme besser, präziser und schneller erledigen können. Doch eine entscheidende Komponente fehlt der Maschine: die Empathie.

Private Banking der Zukunft In der VP Bank stellen wir daher den Menschen nach wie vor ins Zentrum des Geschehens. Unsere Berater erfassen die persönlichen Finanz- und Lebensziele unserer Kunden ganzheitlich und erarbeiten Schritt für Schritt die individuelle Anlagelösung. Auf dieser Basis werden passende Lösungen abgeleitet, welche die heterogenen Kundenbedürfnisse erfüllen. Gleichzeitig tragen wir dem Kundenbedürfnis nach mehr Eigenkontrolle und Unabhängigkeit Rechnung. Der Druck auf die Bank selbst wird unweigerlich steigen: Ihre Leistungen werden transparenter, messbarer und können somit anhand verschiedener Kriterien bewertet werden.

Sicher voraus Für die VP Bank ist auch in Zukunft klar: Wir bleiben unseren Wurzeln treu. Der Mensch steht im Zentrum unseres Denkens und Handelns. Gleichzeitig arbeiten wir intensiv daran, digitale Plattformen und persönliche Beratung geschickt zu verknüpfen. Dieser hybride Ansatz spiegelt sich in unserer Kernbotschaft wider: Sicher voraus! Wir behalten Veränderungen auf dem Radar und nutzen diese gezielt zum Wohle unserer Kunden.

Digitale Sicherheit als neues Grundbedürfnis So wie viele Dienstleistungen in Zukunft in einem digital geprägten Umfeld genutzt werden, so wird auch der Austausch zwischen Kunden und ihren Beratern vermehrt in virtuellen Räumen erfolgen. Das Thema Sicherheit und Schutz der Privatsphäre wird in diesem Kontext unweigerlich an Bedeutung gewinnen. Die VP Bank setzt bei ihren Online-­ Dienstleistungsangeboten auf bewährte Sicher­ heitsstandards. So wird höchste Daten- und Transaktionssicherheit für die Abwicklung von Bank­geschäften garantiert. Gleichzeitig gehört der Schutz der Privatsphäre zum traditionellen Markenversprechen der VP Bank, und es ist selbstverständlich, dass dieser auch in Zeiten disruptiver Veränderungen höchsten Stellenwert geniesst.

Zusammenspiel von Mensch und Maschine Die Kriterien, nach denen die Kunden der Zukunft einen Finanzpartner wählen, werden schliesslich Altes mit Neuem kombinieren. Das digitale Angebot wird ebenso wichtig sein wie die «Chemie» der zwischenmenschlichen Beziehung. Bei der VP Bank

Über die Person Antony Lassanianos ist seit 2014 Mitglied der Geschäftsleitung der VP Bank (Schweiz) AG. Im Juni 2016 übernahm er seine Funktion als CEO der Schweizer Niederlassung, die zur international tätigen VP Bank Gruppe gehört. Bis zu seinem Wechsel zur VP Bank hatte er verschiedene Funktionen und Führungspositionen bei der Credit Suisse in Zürich inne, zu­ letzt war er im Private-Banking-­ Bereich Sektorleiter Deutschland. Antony Lassanianos hält den Titel Executive MBA der Universität Zürich und absolvierte die Ausbildung zum Certified International Wealth Manager. Des Weiteren ist er eidg. diplomierter Finanz- und Anlageexperte und hat an der Hoch­ schule für Technik, Wirtschaft und Verwaltung die Ausbildung zum Betriebsökonom HWV abgeschlossen. antony.lassanianos@vpbank.com

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ABGEHOBENES

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Privatjets erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Besonders Unternehmen wissen das unkomplizierte Reisen zu schätzen. Die Zahl an Anbietern von Charter-Maschinen wächst daher rasant. Zudem steigen auch immer mehr private Jets in den Himmel. Wilma Fasola I

Victor

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K

eine Zeit und keine Lust. Dem Briten Clive Jackson ging es echt gegen den Strich. Überfüllte Flughäfen, lange Warteschlangen bei der Abfertigung und fehlende Beinfreiheit, darauf konnte der Geschäftsmann gut verzichten. Also krempelte er die Hemds­ ärmel hoch und entwickelte eine Lösung für sein Problem. Diese hört auf den Namen «Victor», ist eine Online-Plattform, über die weltweit Privatjets gemietet werden können, und ist seit sechs Jahren ziemlich erfolgreich. Denn privat abzuheben, liegt im Trend. Ob mit dem privaten Jet oder eben dem gemieteten, das hängt vom Budget, aber auch von der eigenen Einstellung ab. Fakt aber ist, der Markt der privaten Fliegerei wächst, und das überdurchschnittlich.

Miete ich mir Wir alle kennen die Bilder, auf denen royale Familien oder Promis winkend vor ihrem Jet posieren. Doch immer öfter gönnen sich auch die nicht ­Gekrönten, die weniger Bekannten den Luxus eines Privatjets. Zumindest zu bestimmten Zeiten. So nehmen die Verkaufszahlen an Privatjets zu, doch ist es eher die Charter-Branche, die einen echten Boom erlebt. Denn Zeit ist Geld, und die immer enger zusammenwachsende (Wirtschafts-)Welt bringt es mit sich, dass innerhalb kurzer Zeitfenster grosse Strecken zurückgelegt werden müssen. Dazu ist der Faktor Bequemlichkeit nicht zu verachten. Im Privatjet zu fliegen, bedeutet: fliegen zu können, wann man mag. Es bedeutet, auch auf kleineren Flughäfen landen zu können, die näher am Ziel liegen. Und es bedeutet vor allem, die lästige Abfertigung am Flughafen galant zu umgehen und auf direktem Weg zum Ziel zu kommen. Und das geht auch mit dem Wunsch nach Diskretion einher, die ebenfalls im privaten ­Fliegerlein garantiert ist. Das Angebot an Flugzeugen ist dabei weltweit gross und wächst aufgrund der Nachfrage konstant weiter. Denn «Victor» ist nicht der einzige Mietservice für Privatjets. Es gibt zahlreiche Mitstreiter, die nicht nur unterschiedliche Flugzeuge, sondern auch verschiedene Services offerieren. Vom reinen Flug bis hin zum Rundum-sorglos-Paket, bei dem neben dem Chauffeur zum Flughafen auch noch das Lieblingsgericht, der gewünschte Film und die bevorzugte Musik bereitgestellt werden. Bei der Entscheidung für einen Anbieter ist daher die Frage nach dem gewünschten Service ausschlaggebend und natürlich auch, welche Flugzeugtypen in seinem Hangar stehen.

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Bezahle ich gerne Das Repertoire an unterschiedlichen Typen im Bereich Privatjet ist zwar nicht gross, aber wichtig. Denn es bestimmt den Preis. So gibt es Turboprop-Maschinen, die wegen ihres geringen Kraftstoffverbrauchs besonders beliebt sind und je nach Typ bis zu sieben Personen Platz bieten. Sie kommen bei Kurzstrecken zum Einsatz und sind vergleichbar mit Kurzstreckenjets. Letztere sind jedoch etwas schneller, haben eine grössere Reichweite und sind wegen ihrer Turbinen um einiges leiser als die Turboprops, die ihren Schub durch Propeller erhalten. Vier bis sechs Personen finden in den gängigen Kurzstreckenjets Platz. Dazu kommen noch die Mittel- und Langstreckenmaschinen,


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die mehr Kapazitäten haben und in der Regel bei internationalen Reisen zum Einsatz kommen, aber auch ihren Preis haben. Die Kosten werden bei fast allen Anbietern pauschal inklusive aller Nebenkosten genannt und beginnen beispielsweise für einen Flug von Zürich nach Hamburg bei rund 5000 Euro für vier Personen im Kurzstreckenjet. Auf den ersten Blick eine Investition, doch besonders aus der Sicht von Unternehmen eine Win-win-Situation. Denn geht man davon aus, dass es sich um einen kurzfristig anberaumten Businesstrip handelt, und hätte man für alle vier Angestellten innerhalb dieses Zeitraums noch vier Business-Tickets auf einem Linienflug

gebucht, wäre man nicht viel günstiger weggekommen. Zudem hätte man die Abflugzeit nicht selbst wählen und auch an Bord nicht offen über Geschäftsinterna quatschen dürfen. Es wäre eventuell nicht einmal mehr möglich gewesen, dass man nebeneinandergesessen hätte.

Gönne ich mir Daher verwundert es wenig, dass immer mehr Menschen – besonders in der Arbeitswelt – den gemieteten Jet bevorzugen. Im Vergleich leisten sich nur wenige Unternehmen eine eigene Maschine, da diese Investition stets gut durchdacht werden sollte. So kostet zum Beispiel eine Cessna mit sieben Plätzen rund 12,1 Millionen Dollar.

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Dazu kommt der Unterhalt, und der ist wie bei Yachten nicht zu unterschätzen. Und für jeden Flug werden noch einmal Lande- und Startgebühren fällig. Mit Chartermaschinen ist man in vielen Fällen somit besser bedient, zumindest aus wirtschaft­ licher Sicht. Als Privatperson denkt man jedoch mancherorts anders. Vor allem im arabischen und asiatischen Raum. So nimmt der Absatz privater Maschinen in China seit einigen Jahren rapide zu. Der Grund ist, dass Statussymbole hier eine wichtige Rolle spielen. Deshalb gibt man sich auch nicht mit einer kleinen Cessna zufrieden, sondern kauft gross ein. Was in Summe bedeutet: Maschinen ab 30 Millionen Dollar. Und auch bei den Arabern setzt man auf gross und teuer. Für einen Scheich oder ara-

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bischen Oligarchen gehört daher ein A320 oder eine Boeing 737 zum Standard-Equipment. Aktuell schätzt man die Zahl an privaten und entsprechend modifizierten Fliegern in dieser Grössenordnung auf über 300. Nicht unbedingt viele, aber ein lukratives Geschäftsfeld. Das zeigt sich unter anderem daran, dass das Unternehmen Airbus sogar eine eigene «Milliardärs-Studie» hat durchführen lassen, um noch mehr über die Wünsche der gut­betuchten Gesellschaft herauszufinden. Denn wie im Falle von Clive Jackson haben auch diese Vorlieben und Abneigungen. Kann man hier den idealen Service bieten, hat man gute Chancen auf Erfolg. Jackson selber hat es zudem noch geschafft, nicht nur sich, sondern vielen Menschen das Leben ein bisschen einfacher zu machen. Ein echter Überflieger also.


KOLUMNE

ENTSCHULDIGUNG, ABER ICH BIN BLOND …! Da stimmt doch etwas nicht! Warum sind diese Menschen bereit, Reklame für andere zu tragen und dann noch teuer zu bezahlen? Eigentlich müsste dieser Prozess in die umgekehrte Richtung gehen. Der Träger der Reklame sollte Geld für seine Dienste bekommen, er trägt ja den Namen der Marke in der ganzen Welt herum. Da hat jemand etwas sehr richtig gemacht. Diese Frage stellt sich beim Kauf offensichtlich nicht. MARKUS ALLEMANN BANQUE CIC (SUISSE)

Entschuldigung, das stimmt so nicht, ich bin nicht blond. Das wollte ich mit diesem Titel auch gar nicht zum Ausdruck bringen, sondern etwas ganz anderes: Mir ist aufgefallen, dass sich in letzter Zeit auf den Strassen immer mehr Menschen wie laufende Litfasssäulen bewegen, angezogen mit bunt beschrifteten T-Shirts, Hemden oder Pullovers aller Art. Nichts Neues, aber die Häufung solcher Messages fällt auf. Da lese ich «Je suis Charlie», in grossen Lettern auf die T-Shirt-Brust geschrieben, ich antworte: «Enchanté, je suis Markus!» Falsch, die Aktion «Je suis Charlie» war ja eine Solidaritätserklärung für die Opfer vom Attentat auf das französische Magazin «Charlie Hebdo». Kürzlich in Paris gelesen: «Sorry, I am French!» Wohl eine Anspielung an englisch sprechende Touristen, die sich im Ausland wie zu Hause wähnen und unbeeindruckt und einsprachig durch die Welt jetten! Da lese ich etwas beschämt auf der Brust des T-Shirts einer jungen Frau, auffällig und absichtlich in kleinen Lettern geschrieben: «not decent, shame on you», was heissen will: Du unanständiger Typ, schäme dich, so gierig zu schauen! In der Folge habe ich mich davon abgewandt, Ausschau nach originellen T-Shirt-Sprüchen zu halten, und wenn, dann nur bei Männern.

Eine beliebte Art, die Werbetrommel für andere zu rühren, zeigen die Sportfans. Der Fussball steht bei ihnen ganz oben. Ein Träger eines FCB-Leibchens (Basel oder Barcelona) outet sich als Fan, als Dazu­ gehörige(r) und ist eigentlich ein freiwilliger Sponsor. Abschliessend noch eine letzte Auffälligkeit, die ich auf meiner T-Shirt-Besichtigungsrunde gefunden oder eben nicht gefunden habe. Erinnern Sie sich noch an die legendären SKA-Mützen aus den 1970er Jahren, an die drei Streifen in Weiss, Rot und Blau? Wer eine hat, wird das antike Stück kaum aus der Hand geben. Sie hat Kultstatus. Banken fehlen heute gänzlich im Kunterbunt der Gratisreklame­ träger. Für Banken ist es nicht so leicht, kostenlose Werbeträger zu finden. Wer läuft schon mit einem T-Shirt herum, auf dem ersichtlich ist, bei welcher Bank man Kunde ist? Banken machen es eigentlich richtig. Sie bezahlen für Werbung und können sich den Werbeträger so auch selbst aussuchen. Die Attribute, die für die Bank wichtig sind und durch den Werbeträger auch vermittelt werden sollen, heissen: erfolgreich, zuverlässig, demütig, diskret, beliebt und top, Nummer 1! Die Banken versuchen werteorientiert, mittels allgemein hoch angesehener Stars, Anerkennung und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und nicht über bunte T-Shirts. Ich kenne einen Schweizer, der all diesen Ansprüchen spielend gerecht wird: RF, und der macht in erster Linie Werbung für sich und dazu noch gratis für die Schweiz!

«Mir ist aufgefallen, dass sich immer mehr Menschen wie laufende Litfasssäulen bewegen.»

Was mir noch aufgefallen ist, sind all die freiwilligen Reklameträger, die sich darauf konzentrieren, der Menschheit mitzuteilen, dass sie Kunden sind von Adidas, Nike, Hilfiger, Louis Vuitton, Abercrombie und Fitch, Camp David oder wie die Nobelmarken alle heissen. Eine wichtige Mitteilung, denn diese Leute haben sehr viel Geld für das Kleidungsstück ausgegeben. Das Design macht’s aus, mehr noch der Name des Designers, die Marke, der Brand! Sonst nichts! Da steht oft nur der Name des Herstellers auf dem Kleidungsstück und fertig, schwarz auf weiss oder grün auf rot, wie auch immer!

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VORSCHAU WINTER 2017 Meister über die Wände Der Brite Hush begeistert mit seinem unverkennbaren und aussergewöhnlichen Stil, bei dem er Graffiti mit traditionellen Kunstpraktiken verbindet. Im Fokus seiner Arbeiten steht die Rolle der Frauen in der japanischen Kultur. Ursprünglich als Grafikdesigner an der «Newcastle School of Art and Design» ausgebildet, hat er es zu internationalem Renommee in Asien, Europa und den USA gebracht. Hush arbeitete einige Zeit in Japan als Spielzeug-Designer, bevor er nach Grossbritannien zurückkehrte.

Handcrafted Für viele gehört das «Talbot-Lago T150-C SS Coupé» von «Figoni et Falaschi» zu den attraktivsten Entwürfen aller Zeiten; es gilt als Art-déco-Meisterstück auf Rädern. Mit seinen fantasievollen Rundungen und den sinnlichen Linien hat es das Automobil zur Kunstform erhoben. Das auch als «Teardrop» bekannte «Goutte d’Eau Coupé» steht für die feinste Manifestation der Zusammenarbeit zwischen den Karosseriebauern Figoni et Falaschi und der französischen Marke. Lediglich 16 Fahrzeuge wurden in zwei Serien hergestellt. Und da jedes von ihnen handgefertigt ist, kennzeichnen sie alle grössere und kleinere Unterschiede.

Pariser Chic Sie ist zurzeit in aller Munde, und ihre Interior-Designs gehen um die Welt: Sarah Lavoine. Die Designerin und Innenarchitektin lebt und arbeitet in der Stadt der Liebe und ist der Inbegriff der modernen Parisienne. Ihre typische Handschrift? Ein wunderbarer Mix aus Materialien, Formen, Stilund Zeitepochen. Mit eigenen Möbelserien, eigener Boutique und einem exquisiten Geschmack ist sie ausgezogen, um Innenräume zu verzaubern. Dabei wurde ihr Stil bereits in die Wiege gelegt – ihre Mutter war Innenarchitektin, ihr Vater 15 Jahre lang Chef der französischen «Vogue».

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