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Rubriken

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inhalt Travel

38

27 Lappland Auf Kufen durch Finnland

36 Travel Shortcuts Reisebücher

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38 Stilvolles Reisen Edle Gepäckstücke 42 Malediven Traumziel im Indischen Ozean 48 Meran Designerschmiede

42

54 Reiseapps Sorglos in die Ferien 57 Profi-Reisetipp Thailand

Culture 59 Sie ist der Boss Jennifer Lopez 66 Happy Birthday 50 Jahre Pirelli «The Cal»

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72 Edle Rösser Spanische Hofreitschule 76 Bühnen Jubiläum Eric «Slowhand» Clapton 84 Hellboy Der etwas andere Anwalt 89 Timepiece Richard Meier 91 Zwei Giganten Eric Clapton & Gerhard Richter 92 Kunstwelten Museen weltweit

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inhalt Watches & Jewellery

132

97 Neuigkeiten der Uhrenwelt Tickende Mechanik 112 Tickendes Raritäten von Eric Clapton

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114 Prestige Presents Antatole Taubmann 126 Antike Uhren Die erste mechanische Uhr 132 Diamanten Auf dem grünen Teppich 138 Schmuckstücke Der König von St. Moritz 140 Die Individualistin Olga Ribler

Drivestyle

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143 Fliegender Spurenwechsel Bentley Flying Spur 148 Auf der Seidenstrasse Landrover 153 Im Zeichen des Pferds Ein Ferrari Unikat für Mister Slowhand 154 In der Zeitmaschine Automobiles Revivalfestival 168 Donnernde Motoren und Klavierklänge Ein Wochenende bei Bugatti

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inhalt Fashion

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177 Die Schuhe der Stars Salvatore Ferragamo

184 Prestige Presents Nadine Strittmatter

200 Moderevival Back to the Nineties

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204 Fashion Shortcut Von Stiefeletten bis zum Handschuh 209 Die Päpstin der Modebranche Anna Wintour

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210 Die neue Handtasche Der Rucksack

214 Fashion Shortcut II Vom Rad zur Handtasche

Beauty 217 Prävention für die Haut Gegen den Zahn der Zeit 224 Aristokratische Blondine Gwyneth Paltrow

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228 Luxusflakons Exklusiv & Begehrt

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232 Körper und Geist Gesellschaftliche Einflüsse 235 Luxus Erleben Verlosungsaktion

Living 239 Die perfekte Tafel Tischlein deck dich 246 Living News Vom Messerblock bis zur Leuchte 248 Der perfekte Kleiderschrank Ordnung schaffen

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251 Living News II TV, Teppich & Stuhl 252 Highclass-Residenz Panoramablick auf den Genfer See 256 Matteo Thun Zero Philosophie 260 Prestige Presents Schweizer Traumanwesen

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Rubriken


inhalt Culinarium

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269 Berg Athos Himmel auf Erden 274 Kitchen Bad Boy Gordon Ramsay 276 Der Kronprinz Clovis Taittinger 280 Foodnews Champagner & Whisky 282 Champagner Säbel Ross Lovegrove 286 Food Books Kulinarische Lesereise

276

Topevents 291 Trapezakt auf Ski Lauberhornrennen 296 Pferderennen auf Eis White Turf

Finance 302 Luft nach oben Frauen in Führungspositionen

314 Vorbilder und Plattformen Chefinnen in der Schweiz

306 Mein Boss ist eine Frau Inka Nobel ist CEO in der Reisebranche

320 Gendermarketing im Praxistest Frauen und ihr Konsumverhalten

Kolumnen 52 Tamara Wernli – Meine Nacht im Iglu 64 DJ Antoine – Wie die Qualität der Musik zu leiden begann 90 Wilhelm J. Grusdat – Aus dem Leben eines Galeristen 94 Vera Dillier – OMG 215 Gabriel Palacios – Hypnose Mann & Frau 222 Götz Winter – Fröhlich vernetzte Weihnachtszeit 236 Dr. Pantlen – Die Suche nach dem Jungbrunnen 244 Jörg Schmittschneider – Teuer macht noch keinen Luxus 288 Walter Bollier – Nahrungsmittel für Milliarden

news 34 Snow Feeling 130 Bling Bling 175 Function Style 182 Miss Purple 206 Big Style

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175

221 Anti Age 227 Colour Life 234 Personal Chemistry 242 Schicke Tafel 324 Vorschau & Impressum

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Rubriken

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Wir begrüssen Sie zur Lektüre unserer Winterausgabe. Begeben Sie sich mit uns auf eine Reise durch die Welt der Automobile, Uhrenbranche, Fashionbrands und Traumdestinationen rund um den Globus. In die Welt der Luxusdüfte entführt Sie unsere Beautyredaktorin. Dufthersteller erteilen ihren Parfümeuren regelmässig neue Aufträge und die Duftvielfalt ist heute unermesslich. Doch nicht nur die Vorliebe zum Duft spielt beim Konsumenten eine grosse Rolle, auch die Verpackung, der Flakon, steht im Fokus der Begierde. Welche Marken sich auf diesem Gebiet besonders hervortun, erfahren Sie im vorliegenden Magazin. Für alle Fans von dröhnenden Motoren und heissen Reifen tauchen wir ein in die Welt von Bentley, Bugatti und Range Rover. Und für Oldtimer-Liebhaber besuchten wir das Goodwood Revival Event, welches die glorreichen Tage der Goodwood-Autorennen wieder aufleben lässt.

Während in der Schweiz die kalten Temperaturen einsetzen und weite Landschaften unter einer weissen Decke verschwinden, entführen wir Sie ins Meraner Land in Südtirol, wo die Kombination des milden Klimas der Stadt, der Frische in den Bergen und die einfache Erreichbarkeit der Natur der beste Nährboden für zahlreiche, einfallsreiche Köpfe ist. Wer mehr das Abenteuer sucht, wird in Lappland fündig. Eine Schlittenhundtour durch den Norden Finnlands ist der Traum vom Wintermärchen und zugleich eines der grössten Outdoor- und Naturerlebnisse in der unberührten Winterlandschaft unterm Polarlicht. Und wer für eine solche Reise das passende Gepäckstück benötigt, erfährt in dieser Ausgabe zudem noch etwas über die Geschichte des Reisegepäcks. Lehnen Sie sich also genüsslich zurück, geniessen Sie ein gutes Glas Wein vor dem knisternden Kamin und begeben Sie sich mit uns auf eine spannende und informative Lesereise. Ohrclips | Fingerring | Brosche Entworfen und hergestellt in den Ateliers von Meister Zürich

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TRAVEL

Lappland 27 Auf Kufen durch Finnland Travel Shortcuts Reiseb체cher

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Stilvolles Reisen Edle Gep채ckst체cke

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Malediven 42 Traumziel im Indischen Ozean Meran 48 Designerschmiede Reiseapps 54 Sorglos in die Ferien Profi-Reisetipp 57 Thailand

Louis Vuitton

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Auf Kufen

durchs verschneite Lappland Eine Schlittenhundtour durch den Norden Finnlands ist der Traum vom Wintermärchen und zugleich eins der grössten Outdoorund Naturerlebnisse in der unberührten Winterlandschaft unterm Polarlicht. Yvonne Beck

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travel

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Schneesicherheit ist der Trumpf von Lapplands Winter, der hier tiefer, kälter und länger ist. So kann man im Norden Finnlands noch im April 16 Stunden bei strahlendem Sonnenschein Ski fahren oder auf Schneeschuhen wandern. Das atemberaubendste Abenteuer jedoch ist ohne Zweifel eine Schlittenhundtour durch die schneebedeckten, fast menschenleeren Weiten des Landes.

Unterwegs auf 36 Pfoten Ein ohrenbetäubendes Heulen und Gebell zerreisst die Ruhe und Stille der finnischen Schneelandschaft. Doch kaum löst man die Bremsen des Schlittens, rennen vier bis sechs Huskies los, als gebe es kein Morgen mehr. Und plötzlich gibt es nur noch Stille und eine fantastische Winterlandschaft. Erst bei kalten bis eisigen Temperaturen fühlen sich Schlittenhunde so richtig wohl – mit viel Freude am Laufen ziehen sie Gespanne durch die verschneite Landschaft Lapplands. Ohne störende Motorgeräusche oder stinkende Abgase rauscht das Gespann aus Schlittenhunden, Schlitten und Lenker durch ein Winterwonderland. Allen Huskies gemeinsam ist der «Desire to go» – die Leidenschaft am Laufen. Bis zu 7 000 Kilometer legen Schlittenhunde in einem Winter zurück. Denn Huskies wollen immer laufen. Sie sind daran gewöhnt, in der Wildnis unter härtesten Bedingungen zu überleben und grosse Strecken zurückzulegen, um Nahrung zu finden. Daher wartet das Hundeteam stets freudig und mit lautem Geheul auf seinen Musher, den Lenker des Schlittens. Erst wenn Sie den Schneeanker aus dem Schnee ziehen und mit rauschender Geschwindigkeit in die finnische Weite hinausfahren, weicht das Heulen einem Hecheln und man hört nur noch die Kufen im glitzernden Pulverschnee. Dann wird es ruhig und man erfährt die Stille und spürt die trockene Kälte des finnischen Winters – und die rührende Wärme, die die Hunde ihrem Musher entgegenbringen. Dieses intensive Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur ist ein einzigartiges Erlebnis, welches man garantiert nie mehr vergessen wird. Um sich von der entwaffnenden Freundlichkeit, dem Übermut und dem Eifer der Schlittenhunde begeistern zu lassen, muss man kein Hundenarr sein. Nach ein paar Kilometern haben sich auch Ungeübte an die wackeligen Kufen gewöhnt und auch die Kommandos, das Bremsen und die Gewichtsverlagerung, um die Kurven besser zu kriegen, sind schnell gelernt. Danach heisst es einfach nur geniessen: knirschender Pulverschnee unter den Kufen, sanfte Hügel, weisse Bäume und die grösste scheinbar menschenleere Wildnis Europas. Kurz, ein einzigartiges Gefühl von Freiheit. Irgendwo im Winterweiss wird zwischendurch immer wieder gerastet, ein Lagerfeuer im Schnee entfacht und beispielsweise Lachssuppe gekocht. Am Horizont können vorbeiziehende Rentierherden beobachtet werden und man lauscht auf die leisen Töne des Waldes. Füchse und Rentiere sind auf den Touren häufig zu sehen, aber keine Menschen – in Lappland leben statistisch nur 0,5 Einwohner pro Quadratkilometer, dafür gibt es aber rund 200’000 Rentiere. Heisser Tee wird in geschnitzten Holztassen serviert, an deren Rändern man sich nicht die Lippen verbrennen kann.

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Zwiebelschichten und Feuermachen Das kontinentale Klima beschert Lappland schneesichere Verhältnisse von Dezember bis April. Temperaturen bis minus 30 Grad sind zwar möglich, aber auf Grund der trockenen Luft durchaus erträglich. Vor der Kälte muss man sich also nicht fürchten, und wer sich Sorgen macht, man müsse sich für eine Reise in den hohen Norden für viel Geld neu einkleiden, dem sei versichert, dass normale Skibekleidung meist ausreicht. Die Spezialausrüstung für Ausflüge mit dem Hundeschlitten wird von den Anbietern vor Ort zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich bewährt sich das Zwiebelprinzip: mehrere Schichten, damit man auch mal was ausziehen kann. An einem schönen Wintertag wird es bei etwas Bewegung unter den dicken Kleidern manchmal doch recht heiss! Abends in den gemütlichen Wildmarkhütten ohne Strom und fliessend Wasser (was das Gefühl von Abenteuer enorm steigert) erzählen die Guides eine Menge über alte Traditionen der Region. So lernen die Teilnehmer auf den abenteuerlichen oder romantischen Touren durch den Schnee sowohl das Land zu schätzen als auch die Möglichkeit, sich mit Schlittenhunden fortzubewegen.Vorher heisst es jedoch arbeiten – und zwar für alle. Einer muss sich ums Wasserholen kümmern. Bewaffnet mit Eisbohrer und Schaufel gehts auf zum See. Denn erst einmal muss das Eis aufgehauen werden, um an das Wasser zu kommen. Unterdessen schwingen andere das Beil. Holz und das gefrorene Fleisch müssen gehackt werden. Und auch wenn langsam der erste Hunger auftritt, es gilt stets die Regel: Die Hunde werden immer zuerst versorgt. Fast ein Kilogramm Fleisch braucht jeder Hund täglich. Die Hütten, in denen übernachtet wird, sind zwar rustikal, doch eine Sauna besitzt jede. Der

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Saunagang nach dem eiskalten Hundeschlittentag ist obligatorisch, denn die Sauna ist gleichzeitig das Badezimmer und das eiskalte Abkühlwasser die tägliche Dusche. Husky-Safaris sind nur eine von vielen Arten, Lappland im Winter zu erleben. MotorschlittenTouren und Schneeschuhwanderungen werden angeboten, ausserdem Rentierausflüge, auf denen man mehr über das Leben der Ur-Lappen, der Samen, erfährt. Eine Schlittenhundtour ist jedoch etwas ganz Besonderes, denn die Verbindung von Mensch, Tier und Natur in einer nur noch selten vorkommenden Harmonie wird einem für immer in Erinnerung bleiben. Und mit ein bisschen Glück brennt der Himmel über alldem sogar sein Feuerwerk aus Nordlichtern in der Polarnacht ab. Grüne Spots schleudert er zwischen den Sternen hervor Richtung Schnee, blinkt und strahlt dabei selber für Sekunden taghell: Das Feuerwerk des Polarlichts Aurora Borealis ist die spektakulärste Inszenierung, die das Firmament auf dem Spielplan hat. Aufgeführt wird sie in fast jeder klaren Winternacht am Himmel über Lappland.


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SHORTCUT Saunagondel und Eislochtauchen Viele Besucher kommen wegen der Wintersportmöglichkeiten ins finnische Lappland. In Ylläs und Levi haben besonders TelemarkFahrer in den flachen, hügeligen und schneereichen Resorts ihren Spass. Eine der Hauptattraktionen auf den Pisten bei Ylläs ist allerdings eine Sauna. In der weltweit einzigartigen «Sauna-Gondel» können Wintersportler sogar in der Gondel schwitzen. Während unten die Skifahrer den Hang herunterbrausen, sitzt der Saunierende bei 90 Grad mit einem Blick auf die weite, weisse Wildnis. Wer es etwas traditioneller möchte, fährt jedoch ins wenige Kilometer entfernte Ylläsjärvi und besucht direkt am See eine der wenigen noch existierenden Rauchsaunen. Felsbrocken glühen in der Ecke, die per Feuerholzofen aufgeheizt werden. Mit in Wasserkübeln eingetauchten Birkenzweigen hauen sich die Gäste auf den Rücken. Zum Abkühlen geht es durch ein Loch in den zugefrorenen See oder direkt in den Schnee.

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travel Shortcuts Die Entdeckung der Welt seit 1888 Seit 1888 bezaubert und bildet das National Geographic Magazine mit atemberaubenden Fotografien, lehrreichen Abbildungen und packenden Geschichten aus allen Ecken der Erde. Mit seiner Verbindung aus Reise, Tierleben, Wissenschaft, Geschichte, Kultur und Naturschutz hat das bahnbrechende Magazin der National Geographic Society Millionen von Menschen dazu inspiriert, sich des Planeten, auf dem wir leben, anzunehmen und ihn zu entdecken. Zur Feier seines 125. Geburtstags gewährte National Geographic TASCHEN unbeschränkten Zugang zu seinen Archiven. Das Ergebnis: eine Weltreise in drei gewaltigen Bänden.

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Eine sehr persönliche und originelle Sicht auf Amerika Die neueste Ausgabe von Bruce Webers Buchreihe feiert Menschen, die mit ihren gewagten Visionen aus der Menge herausragen. Ein kollektiver Enthusiasmus zieht sich durch diesen Band, ein Gefühl, dass die hier versammelten Persönlichkeiten – ob als Porträtierte oder als Beitragende – geboren wurden, um aufzustehen. Ob ein Gedicht von Sherman Alexie, Bilder von Sean Thoma­s aus seiner Heimatstadt Omaha, eine biografische Skizze von Pater Gregory Boyle, eine Geschichte von Lisa Eisner aus Harlem, das Buch präsentiert eine einzigartige Auswahl talentierter und mutiger Individuen.

All-American Volume Thirteen Born Ready Bruce Weber TeNeues Verlag

Das grosse Wander- und Erlebnisbuch Von der Kraft und Geduld der Natur über Jahrtausende geformt, bietet die Schweiz auf engstem Raum eine einzigartige landschaftliche Vielfalt: wilde Schluchten, eindrückliche Wasserfälle, in intensivem Blau und Grün schillernde Seen, eiszeitliche Höhlen, noch immer mächtige Gletscher und urtümliche Erdpyramiden. Begleitet von erstklassigen, oft spektakulären Bildern stellt dieses Buch 40 Schweizer Naturdenkmäler vor, die sich auf Wanderungen oder kurzen Spaziergängen erkunden lassen. Mit praktischen Übersichtskarten sowie Hinweisen zu Anreise, Verpflegung und Unterkunft. Ein Buch für alle, die das besondere Naturerlebnis suchen.

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Stilvolles

Reisen

mit edlen Abenteurer, Entdecker, Künstler und Schriftsteller liessen beim französischen Malletier Louis Vuitton Gepäckstücke anfertigen. Und noch heute wecken sie Reiselust und Fernweh. Yvonne Beck

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Es gab eine Zeit, in der alles, was man halbwegs transportieren konnte, mit auf Reisen ging. Eine Epoche, in der das Reisen in ferne Länder nur einem gut betuchten Klientel vorbehalten war, das es sich auch in fremden Gefilden so angenehm wie möglich gestalten wollte. So liessen sie stets einen Teil ihres Haushalts mitreisen. Alles wollte sicher verstaut sein. Das Reisegepäck von Louis Vuitton war daher überaus beliebt und die hochwertigen, allesamt von Hand gefertigten Gepäckstücke aus Paris eroberten die ganze Welt und sammelten Reisekilometer und Hotelaufkleber. Denn Louis Vuitton wusste, was seine Kunden wünschten: Er fertigte ein Reisebett, welches in einen Koffer passte, genauso wie mobile Sekretäre mit Schubläden und Schreibfläche, die man an jedem Ort der Welt als Arbeitsplatz nutzen konnte. Der Schriftsteller Ernest Hemingway orderte gar eine reisende Bibliothek. Sein Arbeitskoffer enthielt eine Handbibliothek, eine mit Leder beschlagene Arbeitsfläche und Schreibmaschine.

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Vom Kofferpacker zum Weltkonzern Die Geschichte des Franzosen Louis Vuitton beginnt am Hof Napoleons III, wo er Anfang des 19. Jahrhunderts Kofferpacker von Kaiserin Eugénie war. Doch bereits im Jahre 1854 gründete Louis Vuitton sein Label für exklusives Reisegepäck und Taschen: «Louis Vuitton Malletier». Zu dieser Zeit löste die Eisenbahn die Kutsche zusehends als Verkehrsmittel ab. Und fortan waren neue Gepäckstücke für die Reise erwünscht. Die alten Kutschentruhen wiesen einen runden Deckel auf, damit das Regenwasser ablaufen konnte. Nun aber wollte man die Koffer stapeln und platzsparend verstauen können. Louis Vuittons erstmalig flachen und damit stapelbaren Koffer waren somit ein durchschlagender Erfolg. Darüber hinaus war das von Louis Vuitton entwickelte Canvas aus beschichtetem, wasserabweisenden Leinen, mit denen er seine Koffer bespannte, so robust und strapazierfähig, dass es die unbequemen Reisen per Schiff und Dampfbahn unbeschadet überstand. Schon damals hatte Louis Vuitton Probleme mit Produktfälschern, die seine KofferDesigns imitierten und seine Waren mit einem Logo «marque L. Vuitton déposée» beschrifteten.

reisen aufbringen konnte, der konnte sich auch noch einen Kofferträger leisten. Marlene Dietrich ging beispielsweise mit bis zu achtzig Koffern auf Überseereisen. Bescheidenheit war zu dieser Zeit alles andere als eine Tugend – man zeigte, was man hatte. Für unserer heutigen Reisebedürfnisse sind die grossen Koffer viel zu sperrig und werden eher als Dekoraktionsobjekte zweckentfremdet. Alte Überseekisten oder Schrankkoffer sind jedoch begehrte Sammlerobjekte. Die Preise für gut erhaltene Truhen werden mittlerweile problemlos zum Gegenwert eines neuen Oberklassefahrzeugs gehandelt. Die Reiseutensilien gelten also als wertvolle Antiquitäten und in gut restauriertem Zustand sind sie eine gute Investitionsanlage. Experten schätzen, dass sich der Wert eines gut erhaltenen Luxusreiseschrankes alle zehn Jahre verdoppelt.

Koffer als Investitionsanlage Als später das Automobil die Eisenbahn als Transportmittel ergänzte, fertigten die Koffermacher immer mehr Gepäckstücke auf Mass, sodass sie in den Kofferraum der Fahrzeuge passten. Hierbei entstand manch ausgefallene Form. Bis weit in die 30er-Jahre hinein war es nicht aussergewöhnlich mit riesigem Gepäck zu verreisen. Wer das nötige Kleingeld für lange Übersee-

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Der Malletier Louis Vuitton fertigt übrigens noch heute Einzelstücke auf Wunsch an. Auch hierbei muss mit einer fünfstelligen Summe gerechnet werden. Und so lebt die Geschichte der besonderen Gepäckstücke weiter.


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Rubriken

Malediven – Schon der Klang des Namens beflügelt die Fantasie: ein geflüstertes Versprechen auf das irdische Paradies, das Geräusch von plätschernden Wellen gegen die Stelzen der Wasservilla, der Blick auf ein schier endloses, türkisblaues Meer vom feinsandigen Palmenstrand. Angelika Möller

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Baros


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Der Malediven-Boom, der sich insbesondere im letzten Jahrzehnt entwickelte, hält ungebrochen an. Internationale Nobelhotelgruppen eröffnen oder planen ihr zweites und drittes Inselresort. Die Befürchtung liegt unweigerlich nahe, dass dieses fragile Ökosystem dem nicht gewachsen ist. Auch die zunehmende Erderwärmung lässt befürchten, dass die faszinierende Inselwelt im wahrsten Sinne des Wortes unterzugehen droht.

Ein Paradies auf 300 mal 350 Metern Viele Luxusanlagen engagieren sich jedoch seit geraumer Zeit in landesweiten Umweltprogrammen oder entwickeln eigene Projekte zum Umweltschutz und fördern ökologische Fortbildungen für Einheimische. Durch den Tsunami und den leichtsinnigen Umgang mit der Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten haben die Korallenriffe teilweise enorm gelitten. Einige Resorts begannen daher, selbstfinanzierte Meeresartenschutzprogramme mit Aufforstungsaktionen für die Korallenriffe. Vielleicht mögen diese ökofreundlichen Massnahmen jene Touristen beruhigen, die sich der Probleme in diesem einzigartigen Paradies im Indischen Ozean bewusst sind. Andere, und vermutlich nicht wenige, wollen unbelastet diese faszinierend schöne Inselwelt geniessen ... Wir befinden uns im Anflug auf Baros im südlichen Bereich des Nord-Malé-Atolls. Der Blick aus dem Kabinenfenster mit platt gedrückter Nase raubt in jeder Beziehung den Atem. Im türkis- bis tiefseeblauen Indischen Ozean zieht eine Insel nach der anderen wie Quallen im Meer vorbei. Rund 1 200 sind es, die sich auf knapp 800 Kilometer Länge verteilen. Rund 200 Inseln sind von Einheimischen bewohnt, auf etwa 100 befinden sich Hotelanlagen. Am Flughafen Malé werden wir von der Empfangscrew des Baros-Resorts begrüsst und in einer 20-minütigen Fahrt per Speedboot auf das Mini-Eiland gefahren, das gerade mal 300 mal 350 Meter gross ist. Schon von Weitem erkennen wir die als Sonnensegel konzipierte Dachkonstruktion des Fine-Dining-Restaurants Lighthouse, das zum Wahrzeichen der Insel geworden ist. Ein strahlendes Begrüssungslächeln des Empfangsteams, eisgekühlte Tücher und ein Glas Champagner lassen die Reisestrapazen schnell vergessen. Wir werden zu unserer Wasservilla geführt. Wie selbstverständlich streifen wir die Schuhe von den Füssen und folgen der deutschen Guest-Relations-Mitarbeiterin Viktoria über die festen, warmen Sandwege,

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umgeben von tropischer Vegetation, voller sattgrüner Pflanzen, blütenübersäten Büschen und prächtigen, hohen Palmen. Der Anblick ist auch für weit gereiste Globetrotter überwältigend: Das Wasser von Aquamarinblau über Jadegrün bis Tiefblau schwappt sanft an den strahlend weissen Sandgürtel, davor die wie an einer Perlenschnur aufgereihten Wasservillen. Eine leichte Brise und eine Temperatur von etwa 28 Grad – die Leichtigkeit des Seins erscheint selbstverständlich. Beim Betreten der Wasservilla, einem Rundbau aus Holz mit Pagodendach, schweift der Blick durch den lichtdurchfluteten Raum hinaus auf die Unendlichkeit von Meer und Himmel. Die Ausstattung der 92 Quadratmeter grossen One-Bedroom-Villa ist hochwertig mit vielen liebevollen Annehmlichkeiten. Eyecatcher ist das riesige weisse Daybed mit wehenden Sonnensegeln auf der weiten Holzterrasse. Die Aussicht über die Brüstung lässt erstaunen: Im etwa zwei Meter tiefen Meer ziehen Fische in allen Formen und Farben ihre Bahnen. Ein eigener Zugang zum Meer verlockt zum sofortigen Abtauchen ins ebenfalls ganzjährig 28 Grad warme Wasser.

Tourismus-Pionier-Projekt Der frühe Abend, es wird zwischen 18.30 Uhr und 19.00 Uhr rapide dunkel, beginnt für uns in der Sails Bar unter den majestätischen Kokospalmen, angestrahlt von einem warmen Licht. Shuhan, der einzige einheimische Resort Manager aller Malediven-Hotels, gesellt sich zu uns und erzählt von den pionierhaften Anfängen des Malediven-Tourismus und von Baros, das als drittes Malediven-Resort 1973 eröffnet wurde. Seitdem ist Baros im Besitz der Familie Maniku. Schon damals ein kleines Paradies, wenn auch primitiv und ohne den heute zeitgemässen Komfort. 12.50 Dollar pro Nacht und Person kosteten die einfachen Unterkünfte, zunächst aus Kokosmaterial, später aus Korallenstein mit Palmwedeldächern, Vollpension inklusive. Zum Schlafen dienten Metallbetten, die aus alten Frachtern stammten. Es gab kein fliessendes Wasser (geduscht wurde nur, wenn sich ein tropischer Regenschauer ergoss), keinen Strom und somit kein Telefon und keine Ventilatoren ... und keine Direktflüge. Die Anreise über Sri Lanka mit Propellermaschinen war lang und beschwerlich. Passionierte Taucher waren es vor allem, die in diesem einzigartigen Tauchgebiet ihr Dorado fanden. Man lebte wie die Einheimischen und war nicht zimperlich, was Hygiene und Komfort anging. Erst als 1976 der Ausbau des Flughafens Hulule beschlossen und in Angriff genommen wurde, boten europäische Airlines regelmässige Direktflüge an und leiteten den Malediven-Tourismus ein. Am 11. November 1981 landete als erstes Flugzeug eine DC 10 der Condor. Besonders die Familie Maniku erwies sich als erfindungsreiche und innovative Pioniere der Hotelkultur auf den Malediven. Sie installierten die erste Meerwasser-Entsalzungsanlage und schrieben ein Kochbuch in Landessprache, um ihrer Küchencrew auch andere Gerichte als die typischen Currys und gegrillten Fisch nahezubringen. Anfang der 1980er-Jahre konnte man mit lärmenden Generatoren für einige Stunden Strom erzeugen, ansonsten sass man an langen Holztischen im beschaulichen Schein von Petroleumlampen. Und heute? – Ein lukullisches Grillbüffet im «Cayenne», einem der drei Open-Air-Restaurants, bei maledivischheiterer Livemusik lässt den Abend entspannt ausklingen. Wir fallen selig und todmüde in unser Himmelbett, schlafen bei weit geöffneter Terrassentür, begleitet vom leisen Glucksen des Wassers, das die Stelzen der Wasservilla umspielt.

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Im Zeichen des Umweltschutzes Die Tage vergehen wie im Fluge, obwohl wir diese grandiosen Erlebnisse in Zeitlupe erleben möchten. Schnorchelausflüge oder Tauchgänge gehören zu den Must do’s eines Malediven-Aufenthalts. Über etwa einen Kilometer erstreckt sich das 50 Meter entfernte Hausriff und lässt an Vielfalt der Fischarten keine Wünsche offen: Muränen, Oktopusse, Clownfische, Rochen sowie Schwarzspitzenhaie, die eine scheue, beruhigende Fluchtdistanz einhalten. Voller Enthusiasmus haben sich Sepp Zedelmayer, der bereits seit 1980 die Tauchschule leitet, und Verena Wiesbauer Ali, die für «Educational Snorkeling» zuständig ist, dem «Coral Gardening» gewidmet. Zu den unvergesslichen Erlebnissen zählen auch das frühmorgendliche Hochseefischen oder Yoga bei Sonnenaufgang auf der Sandbank, ferner ein Delphin- oder Sunset Cruise mit einem maledivischen Dhoni aus Holz mit Palmendach und Grosssegel. Eine interessante und sehr empfehlenswerte Erfahrung bietet das Baros-Resort mit dem LocalIsland-Besuch an. Auf den Strassen herrscht ein buntes Treiben: Keine Autos, dafür Karren, die verschiedenste Waren transportieren. Handwerkliche Arbeiten werden vielfach auf die Strasse verlegt. Wir besuchen eine kleine Schule, mit einfachsten Mitteln liebevoll gestaltet. Auch der Einblick in einige Häuser der Einwohner zeigt zwar Armut, aber kein Elend. Mehrere Generationen leben unter dem Dach der bunt getünchten Behausungen. Die wenigen Touristen, die hier auftauchen, werden unverhohlen beäugt und dann meist angelächelt. Spuren des Tsunamis im Winter 2004 sind am Rande des Dorfes unübersehbar. Auch Baros war damals betroffen, viel wurde zerstört, wenngleich durch die relativ geschützte Lage eine Katastrophe verhindert wurde. Die schon fertigen Pläne für eine komplette, zeitgemässe Neugestaltung unter Beibehaltung des ursprünglichen Charmes wurden nun umgesetzt und seit 2005 zählt Baros zu den malerischsten Insel-Resorts der Malediven. Für immer und ewig gedanklich abrufbar wird das Sea-Barbecue auf einer privaten Sandbank bleiben. Sie liegt, etwa 15 Bootsminuten vom Resort entfernt, wie ein weisser Tupfer inmitten des azurblauen Indischen Ozeans. Kurz vor Sonnenuntergang rammt das kleine Boot in den tiefen, hellen


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Sand. Wir springen barfuss in das seichte Wasser und erkennen auf dieser einsamen Sandbank eine festlich gedeckte, blumengeschmückte Tafel mit silbernen Leuchtern und edlem Geschirr. Noch bevor wir aus dem ungläubigen Staunen herauskommen, werden vom Butler eisgekühlter Champagner und Kanapees gereicht. Ein kleines Serviceteam bereitet das Dinner vor. Der Sonnenuntergang gestaltet sich zum grandiosen Licht- und Naturschauspiel. Fackeln werden zur schnell einbrechenden Tropennacht entzündet und wir zelebrieren das 4-Gänge-Menü mit fangfrischem Gelbflossenthunfisch und gegrilltem Hummer mit korrespondierenden Weinen. Nach dem opulenten kulinarischen Mahl lassen wir die Fackeln löschen, werfen uns in den weichen, warmen Sand und können uns nicht sattsehen an dem gigantischen Sternenhimmel mit unzähligen Sternschnuppen. Ein Stossgebet gen Himmel: Lieber Gott, lass dieses Paradies nie untergehen!

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Für mein romantisches Rendezvous: Pop und klassische Liebeslieder

Für mein Couture-Einkaufserlebnis: Die neuesten Kollektionen vom Laufsteg

Musik- und Visuellunterhaltung für jede Stimmung.

Ich bin nicht die gleiche Person bei jedem Flug. Meine Welt ist luxuriös und ich lebe meine Stimmungswechsel. Eine persönliche Begleitung durch das Check-in und die Passkontrolle an Bangkoks Flughafen Suvarnabhumi geniesse ich immer, auch werde ich dort mit einer Spa-Behandlung verwöhnt. An Bord, eine erlesene Gourmetselektion, Privatsphäre-Optionen mit dem zum bequemen Bett wandelbaren Sitz und immer neuesten Unterhaltungsprogramm, was möchte ich heute? Das muss ich jetzt noch nicht entscheiden. An Bord der Royal First Klasse wähle ich, was und wann ich will. Ich fliege THAI.

Information und Reservation: T 044 215 65 00, www.thaiair.ch, reservation@thaiair.ch oder in jedem Reisebüro.

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Meraner

mit Flair Weihnachtsgeschenke

Im Meraner Land in S체dtirol begegnen sich der alpine und mediterrane Lebensstil auf engstem Raum. Und wo dieser Lifestyle auf alpine Bodenst채ndigkeit trifft, entsteht viel Raum f체r Kreativit채t. Lilly Steffen

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Die Kleinstadt Meran mit ihren Promenaden, Ansitzen und Jugendstilbauten ist das charmante Zentrum der Region. Sie ist umgeben von einer intakten und gepflegten Natur, von Bergen und Tälern. Burgen, Schlösser und die bäuerliche Baukultur geben der Region einen einzigartigen Charakter. Aus dem Zusammenleben der österreichischen und italienischen Volksgruppen entsteht ein besonderes Lebensgefühl, das sich in der Küche, im Lebensstil und in der Kultur widerspiegelt. Die Kombination des milden Klimas der Stadt und der Frische in den Bergen, die einfache Erreichbarkeit der Natur sind der beste Nährboden für zahlreiche einfallsreiche Köpfe, die nachhaltige und qualitativ hochwertige Produkte mit dem gewissen Etwas entwickeln. Ob für die Frau oder den Mann – Design aus Südtirol sorgt für Freude unter dem Weihnachtsbaum und rund ums Jahr.

Italienisches Design by Dimitri Der Meraner Dimitrios Panagiotopoulos machte seinen Master in Fashion Design in Mailand. Es folgten Arbeitserfahrungen bei Vivienne Westwood in London und Jil Sander in Hamburg und Mailand. 2006 gründete Dimitrios sein eigenes Label «Dimitri», mit Atelier am Sandplatz in Meran. Der Designer hat ein Faible für Musik und deren Ikonografie, was sich auch in den schmalen Silhouetten seiner Kreationen manifestiert. Seine hochwertigen Kleider, Gürtel und Taschen sind inzwischen ein echter Renner. www.bydimitri.com

Recycelte Schmuckstücke des Labels Danicus Hinter dem 2011 gegründeten Label Danicus steht die Schmuckdesignerin Daniela Windisch aus Riffian im Passeiertal. Sie fertigt Schmuck und Accessoires mit viel Herzblut aus recycelten Materialien: Fahrradschläuche, Lederreste, Kaffeetabs, Holzstücke sowie Plastik-Weinkorken, um nur einige der Ausgangsprodukte für die vielen individuellen Kreationen zu nennen. Die Riffianerin präsentiert ihre Kollektionen in renommierten Hotels, auf verschiedenen Ausstellungen und Schmuckparties. www.danicus.it

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Spaghettiportionierer und Topfuntersetzer Formschöne Objekte von Pur Manufactur werden vom Designer Harry Thaler entworfen. Seine Objekte sind jedoch nicht nur schön anzusehen, sondern auch praktisch – sein Spaghettiportionierer gleich in zweierlei Hinsicht: Er hilft nicht nur, die richtige Portion Spaghetti zu bestimmen, sondern eignet sich auch ideal als Untersetzer für heisse Pfannen. Ganz nach dem Motto: Italian style meets alpin wood. www.pursuedtirol.com

Witzige T-Shirts Snowflys.com ist das erste Streetwear-Label aus Südtirol, gegründet von Designerin Karin Zelger. Die Kollektionen zeichnen sich durch ihre traditionellen und heimatverbundenen Motive aus, die mit modernem Stil kombiniert werden. Es werden ausschliesslich Textilien aus Biobaumwolle sowie Tencel verwendet, welche den weltweit anerkannten GOTS-Standards entsprechen. www.snowflys.com

«Intelligente» Südtiroler Filzpantoffeln Die Filzpantoffeln «ipotsch» (i steht für intelligent, Potsch heisst Pantoffel) werden aus der Wolle von Bergschafen aus dem Schnalstal angefertigt, die auf das Leben im alpinen Raum perfekt eingestellt sind. Verarbeitet wird der Filz in einer der renommiertesten Südtiroler Loden- und Filzfabrikationen. – Für ein Stück Südtirol an den Füssen. www.pursuedtirol.com www.ipotsch.it

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MONTBLANC TIMEWALKER

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CHRONOVOYAGER UTC

Die Anzeige einer zweiten Zeitzone nach koordinierter Weltzeit (UTC) macht diesen Automatik-Chronographen zum optimalen Begleiter für Vielreisende. In seinem robusten Edelstahl-Gehäuse von 43 mm Durchmesser mit satinierter Lünette und satinierten Drückern vereinen sich elegantes Design und traditionelle Uhrmacherkunst. Der TimeWalker ChronoVoyager UTC wird in der Montblanc Manufaktur in Le Locle, Schweiz gefertigt.

ZÜRICH BAHNHOFSTRASSE 25 | GENÈVE PLACE DU PORT 1, FACE À L’HORLOGE FLEURIE BASEL MARKTPLATZ 34, IM SINGERHAUS | LUGANO VIA PRETORIO 7 | CRANS-MONTANA ROUTE DES MÉLÈZES 1 WWW.MONTBLANC.COM

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kolumne Meine Nacht im Iglu Heute empfehle ich Ihnen ein wunderbares Erlebnis für die Wintermonate: eine Iglu-Übernachtung.

zu sich zu nehmen, denn die üppige Käsesuppe und das fettige Fischgericht sind zwar optimal zum Anlegen von Winterspeck vor dem Zu-BettGehen geeignet, für sensible Gaumen (und Mägen) jedoch nur begrenzt geniessbar. Aber man reist ja auch nicht für Michelin-Sterne hierher.

Ja, dort oben in Kemi, Finnland, ist es saukalt und ja, als Frau gehöre ich natürlich zu den Gfröhrlis. Und klar stehe ich mehr auf luxuriöse, heimelig warme Hotelzimmer als auf Arktis-Feeling im Schlafsack. Aber für dieses Abenteuer wird sogar die AntiCamperin zur Naturfrau. Tamara Wernli

Ankunft Flughafen Kemi: Ein verschlafenes 22’000-Einwohner-Städtchen, keine Menschenseele weit und breit, kein Rentier in Sicht. Dafür minus 15 Grad (bei Sonnenschein!). Trotz Polarparka stehen mir die Nackenhaare zu Berge. Das fängt ja gut an. Das Schneehotel «Lumi Linna» thront majestätisch am Ufer des Eismeeres wie ein Koloss aus einer anderen Zeit. Der Blick über die unendliche Weite der zugefrorenen Bottnischen See ist spektakulär. Einchecken in der geheizten Hotellounge, danach Inspizieren der nächtlichen Behausung: Der Eisstollen, in dem sich die 18 Iglus aneinanderreihen, erinnert an einen ausgestorbenen Gefängnistrakt. Einmal leer schlucken und weiter geht’s. Das Betreten der Schneehütte durch die niedere Holztür läuft schief: Vor lauter Neugier vergesse ich, den Kopf einzuziehen, und pralle mit der Stirn hart gegen das Eis. Jetzt gemütlich im Zimmer die Beule ausrelaxen geht leider nicht; das Inuit-Kabäuschen, das etwa die Grösse meines Kellerabteils besitzt, ist (logischerweise) eiskalt und leer. Einzig ein Bett aus Schnee steht da, mit Rentierfellen bedeckt. Die Besichtigungstour durchs «Lumi Linna» heitert wieder auf. An jeder Ecke erstrahlen grüne und rosarote, von LED-Licht illuminierte Eisskulpturen. Mehr Kitsch geht nicht, aber wir Touris stehen ja darauf. Das Dinieren im Eis-Restaurant ist einzigartig. Es empfiehlt sich, im Vorfeld eine Kleinigkeit

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In der Lounge demonstriert etwas später ein Iglu-Guide den Gästen die Handhabung des Polarschlafsacks (hier hört man besser genau hin). Die Temperaturen in den Iglus lägen konstant um minus 5 Grad, auch wenn es draussen minus 30 Grad kalt ist, erklärt der Finne stolz. Das beruhigt ja ungemein. Von dem Gesichtspunkt aus ist es da drin ja fast so warm wie in der Sauna. Man schläft in Unterwäsche, damit sich die Wärme im Schlafsack auf den Körper übertragen kann. «Der Moment, in dem ihr ausgezogen in den Sack kriecht, ist am schlimmsten. Ich rate euch da zur Eile», so der Iglu-Experte. – Oh Gott! Das kann ja heiter werden. – «Gibt es hier Toiletten?» – «Nein, dafür müsst ihr zum Waschraum hochgehen. Aber ich empfehle euch, das jetzt zu erledigen, bei Schneesturm durch die Kälte zu stapfen, das wollt ihr nicht.» – Wie ich meine drei Tassen Tee vom Abendessen verwünsche! 23.00 Uhr: In Weltrekordzeit entledige ich mich meiner Kleidung und krieche in Thermounterwäsche in den Schlafsack. Die Luft ist klar und rein. – Wow! Eskimo-Feeling pur! – Und tatsächlich, nach zwei Minuten wird es warm! Einzig die Nasenspitze bleibt kalt, sie liegt exakt im Zielbereich der MiniEiszapfen, die stetig von der Decke tropfen. Vor mir liegt eine Nacht in völliger Abgeschiedenheit. Unerwartet macht sich ein Glücksgefühl breit. In einem Palast aus Eis und Schnee gleite ich ins Reich der Träume.


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Im Grand Resort Bad Ragaz bilden klassische Beauty-Anwendungen, Dermatologie, Med Skin Care sowie Ästhetische & Plastische Chirurgie eine Einheit und ermöglichen somit eine ganzheitliche Betrachtung und Behandlung. Dazu gehören auch Therapien und Programme, die zu einem vitalen Lebensgefühl beitragen. Wir haben für Sie im Fachbereich Ernährung, Training & Stoffwechseloptimierung ein einzigartiges Anti-Aging-Konzept entwickelt, das Ihre Vitalität und Lebensqualität steigert und den biologischen Alterungsprozess verlangsamt. Profitieren Sie von der Kompetenz unserer Fachärzte und spüren Sie die Verjüngung von innen.

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Kleine Urlaubshelfer auf einen Klick. – Eine Hitliste der nützlichsten kostenfreien Smartphone-Apps für eine gelungene Reiseplanung. Lilly Steffen

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Günstige Flüge im Handumdrehen Die Tarife für Flugverbindungen ändern sich nahezu im Minutentakt. Die optimale Orientierung im Dschungel der Preise bietet die Metasuche KAYAK. Innerhalb von wenigen Sekunden durchforstet die Anwendung die Angebote von mehr als 700 Fluggesellschaften und Reiseportalen und führt den User so verlässlich zum günstigsten Preis. www.kayak.com/mobile

Für die perfekte Nachtruhe Für die spontane Buchung einer Hotelübernachtung sorgt Hotel Tonight. Hier stehen dem User täglich ab zwölf Uhr mittags Angebote in allen Preiskategorien zur Verfügung. Sparten wie Hip, Solide und Luxus sorgen dafür, dass jeder User das passende Hotel für die anstehende Nacht findet. Momentan steht die App für zwölf Länder zur Verfügung – das Angebot wächst jedoch stetig. www.hoteltonight.com

Stadtplan war gestern Kein Urlauber lässt sich gerne anhand eines breit aufgeklappten Stadtplans als Tourist entlarven. Und ohne Internetzugang wird die Nutzung von Google Maps ebenfalls zur Herausforderung. Abhilfe schafft die Anwendung von City Maps 2Go. Hier finden User Offline-Karten zu 6 700 Städten weltweit. Neben der Suche nach Adressen und Orten liefert die Applikation auch rund 220’000 Wikipedia-Auszüge zu einer Vielzahl von Attraktionen. Auch Restaurants, Geschäfte und Bars lassen sich im Handumdrehen finden. www.ulmon.com

Applikation gegen Magenknurren Damit auch in fremden Städten kein Hunger aufkommt, sollten User unbedingt die Anwendung von Aroundme installieren. Sie sorgt für den passenden Überblick von Restaurants in der jeweiligen Umgebung. Per Verknüpfung mit Google Maps lässt sich sogar die Wegbeschreibung dorthin abrufen. Genaue Adresse und momentane Entfernung erleichtern die Auswahl des passenden Restaurants. www.aroundmeapp.com

Das passende Urlaubsabenteuer Mit der App von GetYourGuide kommt auf keinem Citytrip Langeweile auf. Aus mehr als 23’300 Touren können User auswählen – von der Segway-Exkursion über eine kulinarische Stadtführung bis hin zum exklusiven Helikopterflug. Ein weiterer Vorteil: Die Applikation kann den Smartphone-Besitzer orten und macht auf diese Weise massgeschneiderte Vorschläge für die jeweilige Umgebung. Und mit dem mobilen Voucher entfällt das lästige Ausdrucken. www.getyourguide.de/apps

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Nicht nur E.T. möchte nach Hause telefonieren Warum sollte man im Urlaub darauf verzichten, mit Freunden oder der Familie zu telefonieren? Schliesslich gibt es auf Reisen doch besonders viel zu erzählen. Dass der Plausch über das Smartphone nicht zur Kostenfalle wird, dafür sorgt Skype. Die Kult-App bietet die günstigste Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu bleiben – zum absoluten Null-Tarif. www.skype.com/de

Keine Angst vor horrenden Roaming-Gebühren WLAN im Hotel ist mittlerweile Standard. Doch wer sich auf eine Sightseeingtour in ausländischen Städten begibt, merkt rasch, wie schnell ihm die dauerhafte Verbindung zum Internet fehlt. Abhilfe schafft da die Applikation Free Zone WiFi. Mit ihr lassen sich laufend freie Netzverbindungen aufspüren. So kann der User im Internet surfen und gleichzeitig hohe RoamingGebühren sparen. play.google.com/store/apps/details?id=net.alouw.alouwCheckin&hl=de

Nie wieder sprachlos im Ausland Auch als Übersetzer eignen sich Smartphones überaus gut. Damit Handynutzer auch in exotischen Ländern niemals sprachlos sind, gibt es die Applikation iHandy. Sie sorgt für den schnellen Zugriff auf Wörter und Redewendungen in rund 52 Sprachen – darunter sogar Chinesisch. Zusätzlich merkt sich die App die Anfragen des Users und ermöglicht ihm auch später wieder den Zugriff darauf. itunes.apple.com/de/app/ihandy-ubersetzer-kostenlos/id386272641?mt=8

Die Urlaubskasse stets im Blick Gerade auf Reisen sitzt das Geld mal etwas lockerer als daheim. Wer angesichts verwirrender Wechselkurse nicht den Überblick über seine momentane Finanzlage verlieren möchte, sollte sich daher unbedingt die XE CurrencyApp installieren. Mit ihr lassen sich mehr als 180 Währungen weltweit in wenigen Sekunden in Euro umrechnen. Auf diese Weise wird selbst das Feilschen auf orientalischen Märkten zum grossen Vergnügen. www.xe.com/apps

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Mein Reisetipp

Traumhaftes Thailand Mein Tipp für das Jahr 2014 ist die Insel Ko Kood, welche im Osten Thailands nahe der Grenze zu Kambodscha liegt. Das Eiland bietet noch das ursprüngliche Thailand-Feeling, welches an vielen anderen Orten längst verloren ging. Ich empfehle einen Aufenthalt im Soneva Kiri by Six Senses, ein neues, atemberaubendes Luxusresort inmitten einer spektakulären Landschaft mit üppigem Regenwald und traumhaftem weissem Sandstrand. Diese paradiesische Anlage kombiniert dezenten Luxus mit dem «Back to nature»-Gedanken und ist bekannt für grosszügige Villen von 270 bis 405 Quadratmetern und für eine äusserst leckere Küche. Für Unternehmungslustige empfehle ich, die nahegelegene, grössere Insel Ko Chang zu besuchen, die Unterwasserwelt bei einem Schnorchelausflug zu erkunden oder auf einer Bootstour die Inselwelt zu erforschen. Das Resort selbst bietet Unterhaltung für die ganze Familie, wartet unter anderem mit einem hochstehenden Spa, einem hotelinternen Open-Air-Kino und sogar einer Sternwarte auf. www.travelluxury.ch

Simon Schnellmann (Geschäftsführer travel worldwide AG / travelluxury.ch)

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Culture Sie ist der Boss Jennifer Lopez

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Hellboy 84 Der etwas andere Anwalt

Happy Birthday 50 Jahre Pirelli «The Cal»

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Timepiece 89 Richard Meier

Edle Rösser Spanische Hofreitschule

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Zwei Giganten Eric Clapton & Gerhard Richter

Bühnen Jubiläum Eric «Slowhand» Clapton

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Kunstwelten 92 Museen weltweit

crossroads collection

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Jennifer

Lopez Sie ist der Boss Justin Bieber ist es nicht, Rihanna auch nicht. – Der einflussreichste Promi der Welt heisst Jennifer Lopez. Die 44-Jährige vermehrt ihr Vermögen ständig mit Werbedeals, Handy-Apps, Mode-Kollektionen und Parfümserien. Wir haben die sexy Powerfrau gefragt, was sie antreibt. Dominique Zahnd

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Rubriken CULTURE

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CULTURE Rubriken

N

Neue CD, neuer Film, neues Irgendwas: Jennifer Lopez sorgt dafür, dass im Dreimonatstakt über sie geschrieben wird. Wer als Journalist in der Unterhaltungsbranche arbeitet, sitzt ihr deswegen regelmässig in schicken Hotels gegenüber. Dort ist das Prozedere immer dasselbe. Man irrt durch lange Gänge und steht irgendwann vor einer halb offenen Tür, vor der sich ein Bodyguard aufgebaut hat. Ein Killerblick seinerseits, dann fragt er: «Was willst du?» Die lapidare Antwort: «Ich bin wegen Jennifer hier ...» Der Schrank verzieht keine Miene und verschwindet im Hotelzimmer hinter ihm. Gemurmel und fröhliches Lachen ist zu hören. Dann steht er wieder da und brummt: «Sie wartet auf dich.» Und in der Tat, das tut sie. Die New Yorker Sängerin strahlt und ist guter Dinge. Jedes Mal. Und immer wieder verblüfft ihr Geruch. In dem Moment, als sich die singende Schauspielerin setzt, duftet das Zimmer plötzlich nach Blumen. Sie bemerkt das Schnüffeln des Prestige-Reporters und sagt lächelnd: «Nach was ich rieche, ist mein Geheimnis. Ich werde ständig danach gefragt, habe es aber noch nie jemandem verraten.» Eines ihrer offiziellen Parfüms, die man in jeder Drogerie kaufen kann, ist es jedenfalls nicht.

Clooney schwärmt von ihrem Blick Ihre Augen verströmen gleichermassen Sanftmut und Sinnlichkeit. Das ist auch schon George Clooney aufgefallen. Der schwärmte mal begeistert von seiner Filmpartnerin: «Ihr Blick brennt dir ein Loch in den Unterleib.» Fand sie das schmeichelhaft? Die Latina verschluckt fast ihr Mineralwasser und lacht laut heraus: «Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich solche Fähigkeiten habe ...» Sie hat ihre Karriere fest im Griff. Durchgestartet ist sie 1995 als Schauspielerin im Thriller «Money Train» (neben Wesley Snipes und Woody Harrelson). Bei der Rollenauswahl verlässt sie sich auf ihren Bauch. «Ich habe von Anfang an darauf geachtet, mich nicht auf einen bestimmten Typ festlegen zu lassen. Ich wollte der Welt beweisen, dass ich alles spielen kann.» Und das macht sie ganz gut. Ob gehetzt («Anaconda»), sinnlich («Out of Sight»), ängstlich («The Cell»), verträumt («The Wedding Planner») oder zum Verlieben («Shall we Dance?»): Jennifer Lopez hat die ganze Palette drauf. An den Moment, als sie sich das erste Mal auf einer Leinwand sah, daran erinnert sie sich noch genau. «Es war sehr emotional. Ich sass mit einer Freundin im Kino. Wir wollten uns ‹Don Juan de Marco› mit Johnny Depp ansehen. Als Trailer wurden dann Ausschnitte aus meinem ersten Film ‹Mi Familia› (1995) gezeigt. Ich habe vor lauter Glück wie verrückt geheult.»

einschätzung gebührt ihr Respekt. Einer, der sie stets ermutigt hat, war ihr Ex-Mann Marc Anthony (45). «Er sagte: ‹Du bist die Einzige, die dich davon abhält, dein volles Potenzial als Sängerin zu entfalten. Du musst einfach nur loslassen.›» Sie nahm sich seine Worte zu Herzen und stellt klar, dass sie sich für ihren Erfolg «den Arsch abgearbeitet hat». Ihr Œuvre als Popstar braucht sich jedenfalls nicht zu verstecken. 1999 erschien ihr erstes Album – und ihre Musikkarriere läuft nach wie vor auf Hochtouren. Von «If You had My Love» über «Waiting for Tonight» bis hin zu «On the Floor» – alle paar Jahre haut Jennifer Lopez einen Monsterhit raus. Leidenschaft, die treibt sie an. Sie sagt: «Als Künstler erreicht man sein Ziel nie – man wächst einfach weiter. Mir geht es in erster Linie darum, Dinge zu tun, auf die ich stolz sein kann. Ich weiss, das hört sich jetzt wahrscheinlich schrecklich kitschig an, aber ich meine das wirklich so.» JLo ist nicht festgefahren. Die clevere Businessfrau – geschätztes Vermögen 250 Millionen Dollar – sucht ständig nach neuen Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben. Ein Beweis dafür ist ihre Parfümlinie. Vor elf Jahren hat Jennifer ihren ersten Duft herausgebracht: Glow. Jetzt ist ihr 20. Parfüm JLove erschienen – es kommt im eckigen Flakon mit Leopardendeckel und rotem Sprühkopf daher. Durch das weisse Glas ist das pfirsichfarbene Duftwässerchen zu sehen. Und wie riecht es? – «Glamourös und sexy», antwortet sie. Einer ihrer Lakaien weiss es besser und schwärmt von «weisser Himbeere, gefrorener Ananas und Pink Grapefruit, die eine Verbindung eingehen mit Kokosnuss, Orchidee und Wasserlilie». Als Basisnoten verwendet die Hobby-Duftbrauerin Vanillesorbet und weissen Moschus. Er sei «verantwortlich für die Sexyness».

Die Diva zeigt die Krallen Heute stapeln sich bei ihr zu Hause die Drehbücher. Doch wenn es um Zusagen geht, ist ihre Agenda ihr grösster Feind. Vor Kurzem stieg sie wegen einer Terminkollision aus «The 33» aus – einem Film über die Rettung chilenischer Bergarbeiter. Jetzt sollen ihre Co-Stars Antonio Banderas und Martin Sheen sauer sein. Dafür hat die Diva grünes Licht für den Thriller «The Boy Next Door» gegeben. Dort fängt sie eine Affäre mit dem besten Freund ihres Sohnes an.

Sie findet ihre Stimme dünn Neben Kinofilmen steht sie auch laufend für Musikclips vor der Kamera. Die zu drehen empfindet sie als puren Spass. «Videos fühlen sich nie wie Arbeit an. Ich bin einfach Jennifer, darf fantastische Kleider anziehen und den ganzen Tag die Lippen zu meinem Lied bewegen. Ausserdem liebe ich es, zu tanzen.» Dabei ist sie voll in ihrem Element. Beim Singen hingegen weniger – JLo findet ihr Stimmchen zu dünn. «Obwohl ich 70 Millionen Platten verkauft habe, hatte ich lange das Gefühl, ich bin nicht sonderlich gut im Singen.» Für diese kritische Selbst-

Ob für Auge, Ohren oder Nase: Es scheint ganz so, dass alles, was JLo anpackt, zu Gold wird. Doch wehe dem, der nicht mit ihrem Tempo mithalten kann. «Ich bin eine Perfektionistin. Ich habe oft eine Vision, wie gewisse Dinge sein sollten. Wenn es mal nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe, dann wird so lange daran gearbeitet, bis wir es so hingekriegt haben, wie ich will.» Die Schmusekatze kann also auch die Krallen zeigen. Aber bei aller Kontrollsucht und Karriereplanung: die Latina muss auch selbst einstecken. Anlass dazu gab zum Beispiel 2001 die Lancierung ihrer ersten Modekollektion. Auf dem Papier hörte sich alles toll an: Tommy Hilfiger’s Bruder Andy entwirft die Fashion und die Sängerin steuert ihren Namen zur

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CULTURE

Vermarktung bei. «Ich wurde in etwas reingezogen, aus dem ich nicht mehr rauskam», erinnert sie sich. «Ausserdem fehlte mir die kreative Kontrolle. Die Endprodukte kamen nicht von mir.» Prompt bekam sie von der Presse eins auf den Deckel: Ihre Sweetface-Fashion-Linie wurde als «überteuert und billig gemacht» abgetan. 2011 hat sie diesen Fehler korrigiert. Sie spannte mit Kohl’s zusammen und entwarf 51 verschiedene Looks. Dabei stand ihr ein Team zur Verfügung, das nur eine Aufgabe hatte: Jeden Wunsch von JLo so auszuführen, dass die Chefin danach happy ist. Neue Herausforderungen, die braucht sie. Deswegen ist sie nun auch unter die Fernsehproduzenten gegangen. Ihre Lesben-Serie «The Fosters» lief letzten Sommer in den USA. ABC Family bestellte aber bereits eine zweite Staffel. Kein Wunder: Nach «Pretty Little Liars» hat sich Familie Foster zum zweiterfolgreichsten Einschaltquotenhit des familiengerechten Spartensenders gemausert. Aber warum suchte sich Jennifer Lopez so ein Thema aus? «Meine Tante war lesbisch und sie musste deswegen gegen viele Vorurteile kämpfen. Darum fühle ich mich persönlich angegriffen, wenn sich jemand negativ über Homosexuelle äussert.» Das sich fanatische Christen auf ihre Serie einschiessen könnten, hat JLo nie beschäftigt. Sie setzt auf die Mündigkeit der Zuschauer. Ausserdem sei «The Fosters» nicht ein zweites «The L Word», wo der gleichgeschlechtliche Sex im Vordergrund steht. «In meiner Serie geht es um den Alltag eines lesbischen, gemischtrassigen Pärchens, das eigene sowie Adoptivkinder gemeinsam aufzieht.»

17,5 Millionen Dollar Gage als TV-Jurorin Derzeit hat sie noch einen zweiten Fernsehjob – bei der 13. Staffel der Castingshow «American Idol». JLo soll als Jurorin die Quotenkrise stoppen, dafür bekommt sie eine Gage von 17,5 Millionen Dollar! Dabei hat es sich nicht: Ihr steht ausserdem ein privates Wellnesscenter zur Verfügung mit einer Masseuse, die ständig auf Abruf ist. Ausserdem musste ihr Freund Casper als Choreograf angestellt werden (er bekommt pro Show 15’000 Dollar). Das zeigt: Die Frau weiss, was sie wert ist. Und da passt es auch, dass das Forbes-Magazin La Lopez kürzlich zum «einflussreichsten Promi der Welt» gekürt hat. So einen Titel muss man sich hart verdienen. Bei so einer Geschäftsfrau ist die Freizeit zwangsläufig spärlich. Doch sie hat gelernt, sich Pausen zu gönnen. Schliesslich wollen die Zwillinge auch

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CULTURE

etwas von ihrer Mama haben. Hat sie Hobbies? «Ich habe mal versucht, zu malen, doch das war ein absolutes Desaster. Irgendwie sah am Ende alles grau aus.» Sie vom Arbeitsalltag abzulenken, das ist auch die Aufgabe ihres Liebhabers. Der ist Tänzer, heisst Casper Smart und ist ganze 18 Jahre jünger als die Millionärin. In der Klatschpresse wird jede zweite Woche behauptet, die Zwei hätten sich getrennt. Die Schauspielerin lässt das kalt. Sie schwärmt von ihrem Toyboy: «Für mich ist er ein grossartiger Partner. Aber ich habe bestimmte Erwartungen an den Mann an meiner Seite. Ich weiss genau, wie ich behandelt werden will. Dafür bringe ich auch vieles in eine Beziehung mit ein. Dabei meine ich nicht das Geld, sondern Liebe und Loyalität.»

Bereits drei Scheidungen hinter sich Bei der Partnerwahl hatte die Diva bisher wenig Glück. Drei gescheiterte Ehen sind das Ergebnis. Doch deswegen ist sie noch lange kein Vamp – im Gegenteil. Jenny war ab der Oberstufe mit ein und demselben Kerl zusammen, neun Jahre lang ohne Seitensprünge. Danach verknallte sie sich in den Kellner Ojani Noa. Den ersetzte Rapper Sean «Diddy» Combs. Anschliessend heiratete sie den Tänzer Cris Judd. Auf den folgte die Verlobung mit Ben Affleck. 2004 landete sie schliesslich bei ihrer alten Flamme Marc Anthony. Doch auch von dem liess sie sich 2011 wieder scheiden. Auftrieb geben ihr die 5-jährigen Zwillinge Emme und Max. Und an die Liebe glaubt sie immer noch. «Ich versuche, aus jeder Erfahrung zu lernen», reflektiert sie. «Frauen tendieren dazu, immer jemanden anderen zu lieben und sich selbst dabei zu vergessen. Das tue ich nicht. Ich mag mich, wie ich bin. Und ich habe gelernt, meinen Körper zu lieben.»

Es kursierten Gerüchte, dass sie ihren Body für eine Milliarde Dollar hat versichern lassen. Ist da was dran? «Natürlich nicht», sagt Jennifer und beginnt zu lachen. «Nicht mal für 50 Dollar.» Ob für viel Geld versichert oder nicht, es sind ihre Kurven, die Jungs rund um den Erdball den Verstand rauben. Aber das war nicht immer so. «In der Schule gehörte ich nicht zu den heissen Mädchen, weil mein Body noch nicht so entwickelt war», sagt der Star. Was tut sie alles für die Schönheit? «Schokolade essen», sagt sie und zeigt ihre makellosen Zahnreihen. «Im Ernst: Ich tanze sehr viel. Das hilft mir, in Form zu bleiben.» Der Körperteil, der für die häufigsten Schlagzeilen sorgt, ist ihr Hintern. Seit die Amerikanerin ihre üppigen Pobacken stolz in enge Hosen zwängt und dieselben kokett in die Kameras hält, haben die Schönheitschirurgen volle Sprechzimmer. Sich den Allerwertesten zu Lopez-Dimensionen vergrössern zu lassen, ist besonders in den USA absolut trendy. Was meint sie selbst zur ganzen Hysterie? Sie streicht sich über die Oberschenkel und meint schmunzelnd: «Was soll ich sagen? Ich glaube, es ist an der Zeit, dass mein Hintern einen eigenen Manager bekommt.»

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kolumne Wie die Qualität der Musik zu leiden begann

Schon seit Menschengedenken gibt es Musik als den individuellen Ausdruck eines oder mehrerer Musikkünstler, um Botschaften und Gefühle zu vermitteln, Menschen zu vereinen, produziert in den verschiedensten Formen und Stilrichtungen, unter Einfluss von vielen Kulturen, mit den unterschiedlichsten Instrumenten und technischen Geräten. Auch heute noch erfährt die Musik eine enorDJ Antoine me Bereicherung und einen immer intensiveren und vielseitigeren Einsatz. Musik ist überall und jederzeit konsumierbar. Wie viele unserer Mitmenschen sind bei jeder Aktivität mit Kopfhörern unterwegs? Man kann beinahe schon von einer permanenten Beschallung sprechen. Doch während die Produkte zur Aufnahme oder Wiedergabe von digitalen Bildern, sei es im Bereich Fotografie, Fernsehen, Tablets oder Smartphone, qualitativ immer besser werden, setzt sich der Trend bei der Musik und deren Abspielgeräten meist in die entgegen gesetzte Richtung fort. Über Schallplatten, Musikbänder, Kassetten bis hin zu CDs hat sich die Tonqualität gesteigert und zwischenzeitlich sind wir nun bei der rein digital komprimierten Musik resp. mp3- und mp4-Formaten angelangt. Was viele jedoch nicht wissen: Während ein Song auf einer CD über eine Datenrate von 1 411 kbit/s verfügt, ist es bei einem Song in mp4, den man bspw. über i-Tunes kauft, lediglich noch 256 kbit/s. Auch wenn bei der Komprimierung Frequenzen, die für das Ohr nicht oder kaum hörbar sind, wegfallen, lassen sich beim Abspielen auf einer hochwertigen Musikanlage gerade bei der rein instrumentalen Musik, wie z. B. der Klassik, qualitative Defizite feststellen. Da wir doch heute bei Musikabspielgeräten und -überträgern und unserem Bedürfnis, überall und zu jeder Zeit Musik zu hören, mehr auf das Design oder die Grösse eines Geräts achten, vergessen wir dabei die qualitativen Aspekte oder Ansprüche an die Musik. Eine noch geringere Musikqualität lässt sich beim illegalen Download von Musik feststellen, der heut-

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zutage immer noch auf dem Vormarsch ist, bei der Form von Musik sich jedoch in keinerlei Weise mehr von Genuss für die Ohren sprechen lässt. Abgesehen davon schadet die illegal erworbene Musik im grossen Ausmass der Musikindustrie und den Künstlern, denen daraus enorme finanzielle Einbussen entstehen. Unter diesen Umständen ist es für mich dann noch umso erschreckender, wenn ich von der durch die FDP lancierte, parlamentarische Initiative zur ersatzlosen Abschaffung der Leerträgervergütung erfahre, die ich ganz klar als Angriff auf das kulturelle Schaffen in unserem Land ansehe. Das bestehende System ist ein historischer Kompromiss, da es Konsumenten erlaubt ist, Musik oder Filme ohne Hindernisse für den privaten Gebrauch zu kopieren. Der Preis für diese Freiheit besteht in einer geringen Abgabe, die von Herstellern oder Importeuren auf leere, für das Kopieren geeignete Datenträger zu entrichten ist. Diese Gelder kommen schlussendlich wiederum den Kulturschaffenden zugute. Bei einem Erfolg dieser Initiative sind die einzigen Gewinner die Hersteller und Importeure von Leerträgern, insbesondere Smartphones, Tablets und HD-Recodern. Den Kulturschaffenden hingegen entsteht eine weitere finanzielle Einbusse durch Mindereinnahmen von insgesamt rund 13’000’000 CHF. Gleichzeitig würden die Konsumenten beim Kopieren von Musik, Filmen und Büchern für private Zwecke durch den Wegfall der Vergütung wiederum kriminalisiert. Es ist an der Zeit, der Musik wieder den Wert zukommen zu lassen, den sie verdient hat, sie wieder bewusster zu hören und zu verstehen, sich mit den vielen Facetten zu beschäftigen, die ein Künstler mit einem Werk zum Ausdruck bringen will, einen Moment innezuhalten und mit und dank der Musik der Alltagshektik zu entfliehen. Mit diesen abschliessenden Worten wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, hiermit eine besinnliche Weihnachtszeit und alles Gute für 2014.


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Der neue Audi RS 7 Sportback. Puristische Eleganz. Faszinierende Kraft. Innovative Technik. Im Zusammenspiel entsteht der neue Audi RS 7 Sportback. Ein Hochleistungsfahrzeug mit einem beeindruckenden Aggregat: 560 PS, 4,0-Liter-V8-TFSI-Motor mit cylinder on demand-Technologie, unterst체tzt durch den Allradantrieb quattro. Erleben Sie den neuen Audi RS 7 Sportback.

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«The Cal»

wird

50 Mario Testino, Karl Lagerfeld, Terry Richardson, Peter Lindbergh und Patrick Demarchelier fotografieren für ihn die schönsten Frauen der Welt. 2014 feiert der wohl berühmteste Kalender der Welt, der Pirelli-Kalender, sein 50. Jubiläum. Yvonne Beck

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Seit nun mehr 50 Jahren ist der Pirelli-Kalender eine Ansammlung von Bildern, die die weibliche Schönheit in besonderer Art und Weise darstellen. Fotografen haben stets ein raffiniertes und anspruchsvolles Konzept entwickelt, um das Thema Schönheit auf glamourösem und zugleich zeitgenössischem Weg darzustellen. Kate Moss, Heidi Klum, Pemélope Cruz, Cindy Crawford – die Liste der Supermodels und Schauspielerinnen, die ihren Traumkörper für Pirelli entblätterten ist lang. 1964 wurde der erste Pirelli-Kalender aufgelegt. Seitdem spiegelt «The Cal» das Zeit-

geschehen wider. Zum Erfolg trugen jedoch nicht nur die Starfotografen und Topmodels bei. Die Entscheidung Pirellis, den Kalender nicht in den freien Verkauf zu geben, sondern nur an Freunde und Kunden des Hauses Pirelli, trug zu dem einmaligen Kultstatus erheblich bei. So avancierte er in kürzester Zeit zum begehrten Sammlerobjekt mit Kultstatus.

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Zum 50. Geburtstag setzten gleich zwei Starfotografen Topmodels wie Alessandra Ambrosio, Isabeli Fontana, Alek Wek, Miranda Kerr, Karolina Kurkova und Helena Christensen in Szene. – Das Who is Who der Modelwelt. Pirelli holte sich den französischen Starfotografen Patrick Demarchelier und den deutschen Filmemacher und Fotografen Peter Lindbergh ins Boot. Sie setzten die Riege der Weltklassefotografen wie Herbert Ritts, Annie Leibovitz, Richard Avedon oder Richard Beard fort. Patrick Demarchelier und Peter Lindbergh, beides Pirelli-Wiederholungstäter,

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zeigen bei dem neuen Kalender weniger nackte Tatsachen als bei den vorherigen Kalendern. Die Models sind etwas weniger «undressed», aber nicht weniger erotisch. Prestige stellt Bilder vom «Making of» der 2014er-Ausgabe des Kultkalenders vor – als kleines Trostpflaster für alle, die kein Exemplar der 20’000er Auflage ergattern können.


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Lone K. Halvorsen

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Seit 端ber 430 Jahren wird in Wien die hohe Schule der klassischen Reitkunst in vollendeter Form praktiziert und gepflegt. The Luxury Way of Life | 73


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Die spanische Hofreitschule ist die weltweit älteste Reitinstitution und bereits seit über 430 Jahren wird hier die hohe Schule der klassischen Reitkunst von Generationen zu Generationen weitergegeben. Das Spanische in ihrem Namen leitet die Hofreitschule von der auf der iberischen Halbinsel heimischen Pferderasse ab, die als besonders edel, feurig und gelehrig galt.

Winterreitschule Kaiser Karl VI., dessen Porträt die prächtige weisse Barockhalle, in der die Bereiter der Spanischen Hofreitschule die Pferde trainieren und präsentieren, ziert, liess in den Jahren 1729 bis 1735 die Winterreitschule in der Wiener Hofburg von Josef Emanuel Fischer von Erlach erbauen. Was aber macht die Faszination und den Mythos des dressierten weissen Hengstes aus, der mittlerweile ebenso zum Selbstbildnis der Österreicher gehört, wie etwa die Sachertorte oder der Wiener Walzer. Kaiserin Sisi hatte zwei Lipizzaner. Sie war eine exzellente Reiterin und musste das auch sein, denn die weissen Pferde haben zwar einen gutmütigen Charakter, wurden jedoch in der Renaissance ursprünglich als Streitrösser für das Schlachtengetümmel gezüchtet.

Der Zauber der weissen Hengste Bei den Lipizzaner-Hengsten (benannt nach ihrem ersten Gestüt in Lipica), die an der Hofreitschule mit ihren glanzvollen Vorführungen und Darbietungen Zuschauer aus aller Welt verzaubern, handelt es sich um eine Kreuzung von spanischen, arabischen und Berber-Pferden. Nicht nur gelten die Lipizzaner als Schönheitsideale, nach denen man Pferde bewertet, sondern auch aufgrund ihrer Sprungkraft und Ausdauer werden die Pferde für die hohe Schule ausgewählt. Die schulische Laufbahn beginnt mit vier Jahren in Wien,

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wo der oberste Grundsatz das Wohl des Pferdes ist. Seine Begabung und sein Charakter werden bis ins Detail respektiert und in den Vorführungen werden verschiedene Gangarten, Schrittwechsel sowie Sprünge in geschulter Form präsentiert. Durch das Training werden die natürlichen Bewegungsabläufe der Lipizzaner in die präzis gestalteten Figuren der hohen Schule überführt. Beinahe täglich werden die Pferde durch ihren Bereiter trainiert. Die Gesunderhaltung des Athleten und der Aufbau der unterschiedlichen Muskelpartien, die zur Ausübung der kunstvollen Lektionen der hohen Schule erforderlich sind, stehen im Mittelpunkt. Das Pferd benötigt bis zur schulischen Abschluss etwa sechs Jahre. Seine Bereiter dagegen zehn bis zwölf Ausbildungsjahre. In den ersten vier bis fünf Jahren üben die Reitschüler vor allem den richtigen Sitz im Sattel. In den GalaVorführungen erlebt man zu den Klängen klassischer Musik Passagen, Piaffen, Galopp-Pirouetten bis hin zu den Schulsprüngen. Der krönender Abschluss – nach dem Pas de deux, bei dem zwei Pferde spiegelbildlich zueinander tanzen – ist die Schul-Quadrille. Unter ihren Reitern führen die acht Lipizzaner in tänzerischer Leichtigkeit und höchster Konzentration das Ballett der weissen Hengste auf.


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Eric SLOWHAND

Clapton Er hat den weissen Blues geprägt wie kein anderer Musiker. Sein Name steht für Meilensteine der Rockmusik. Eric Clapton ist seit 50 Jahren ein Superstar, vor dem sich die Musikwelt verneigt. Boris Jaeggi

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Heidi Widmer | Boris Jaeggi

Eric Clapton hat einmal gesagt: «Der Künstler lebt von emotionalen Leiden». Ein Zitat, das keiner weiteren Erklärung bedarf. Stets waren es schmerzliche Erfahrungen, die ihn in seinem Musikerleben zu kreativen Höhenflügen anspornten.

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Einschneidendes Kindheitserlebnis Eric Patrick Clapton wurde am 30. März 1945 im Hause seiner Grosseltern in Surrey, England, geboren. Er war der uneheliche Sohn der erst 16-jährigen Patricia Clapton. Sein Vater, Edward Fryer, ein 24-jähriger kanadischer Soldat, war zu dieser Zeit in England stationiert. Er zog noch vor Claptons Geburt zurück zu seiner Frau nach Kanada. Für ein unverheiratetes, 16-jähriges Mädchen war es in den 40er-Jahren äusserst schwierig, ein Kind eigenständig grosszuziehen. Daher übernahmen Patricias Mutter und ihr Stiefvater die Vormundschaft über den jungen Eric. Eric sollte lange Zeit nichts von den Umständen seiner Geburt wissen. Er verhielt sich in seiner Kindheit äusserst still und zurückhaltend. In der Schule galt er allerdings als ein überdurchschnittlicher Schüler mit einer ausgeprägten Begabung im künstlerischen Bereich. Als «einschneidendes Erlebnis» betrachtet Clapton bis heute sein neuntes Lebensjahr, in dem er die wahren Hintergründe über seine leiblichen Eltern erfahren sollte. Bis dato war er fest davon überzeugt, dass seine Grosseltern seine Eltern und seine Mutter seine grosse Schwester seien. Für Eric war die Wahrheit ein tiefer Schock. Er distanzierte sich, wurde launisch, stoppte seine Bemühungen für die Schule, fiel durch diverse Prüfungen und wechselte mehrmals die Schule. Eine Perspektive im künstlerischen Bereich zeichnete sich jedoch ab. Eric entdeckte die Musik für sich – besser gesagt: den American Blues. Mit 13 Jahren bekommt der junge Clapton seine erste Gitarre. Seine gesamte Energie steckte er in das Erlernen der Musik der Aussenseiter, die für ihn ein immer wichtigeres Ventil bildete. Claptons Interesse an Musik nahm rasch eigene Dynamiken an. Schnell identifiziert er sich mit den Texten, die rau und traurig sind und einen einsamen Charakter aufweisen. Auf seiner ersten Gitarre versucht Eric, sie zu imitieren.

Eine Phase stärkster Drogenabhängigkeit beginnt. Clapton gerät in den Einfluss von Kokain und Heroin. Er benötigt immer grössere Mengen besserer Qualität, was ihn finanziell fast ruiniert. Clapton konsumiert für 18’000 Dollar wöchentlich [!] Heroin. Erst sein enger Freund Pete Townshend und Elektroakupunkturbehandlungen helfen ihm aus seiner Drogenohnmacht. Viele Kritiker hatten Clapton als Musiker bereits abgeschrieben. Genesen und mit kurzen Haaren präsentiert sich Clapton jedoch im April 1974 der Weltpresse, um sein Comeback, den eigentliche Start zu seiner Solokarriere, anzukündigen. Doch Clapton ist den Strapazen des Tourneelebens und dem erneuten Druck noch nicht gewachsen. Der Alkohol ersetzt das Heroin. Zu seiner Überraschung kommt Pattie in die USA und begleitet ihn auf der Tournee. Bei einem Billardspiel verliert Eric sehr viel Geld an seinen neuen Tourmanager, Roger Forrester. Eric will jedoch seine Schulden nicht bezahlen und wettet mit ihm, dass dieser es nicht fertig bringt, seinen Namen bis am nächsten Dienstag in die Presse zu bringen. Forrester telefoniert mit der «Daily Mail» und verkündet, dass Eric und Pattie in den USA heiraten werden. Zuerst wütend, gefällt Clapton schliesslich diese Vorstellung, denn immer mehr Leute gratulieren ihm. Er ruft Pattie an und bittet sie, seine Frau zu werden. Nach anfänglichem Zögern willigt sie ein. Doch Erics Trunksucht und Arbeitswut lassen die Ehe in den kommenden Jahren alles andere als harmonisch verlaufen.

Leiden der Liebe und Drogensucht Die Musik beeinflusst sein Leben immer mehr. Mit gerade 20 Jahren, besitzt er schon einen Namen als begnadeter Gitarrist. Kurze Zeit später verliebt Clapton sich unsterblich in die Frau seines besten Freundes, dem Beatle George Harrison. Um sie für sich zu gewinnen, erpresst er sie mit den Worten: «Ich nehme eine Überdosis Heroin, wenn du George nicht für mich verlässt». Doch die Liebe bleibt (noch) unerwidert. Clapton liest die Geschichte «Layla und Madschnun» des persischen Dichters Nizami und identifiziert sich mit Madschnun, der sich in Layla (Pattie) verliebt. Diese Geschichte bewegt ihn dazu, das Doppelalbum «Layla and Other Assorted Love Songs» an Pattie zu schreiben. Pattie verschrickt angesichts der Intensität der Lieder und zieht sich komplett zurück. Das fulminante Album brachte jedoch einen der bekanntesten Rocksongs hervor: «Layla». Während der kommenden Jahre ist Pattie Anlass für viele seiner persönlichsten und gefühlvollsten Lieder.

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Keine Zukunft für «Layla und Madschnun» Ein weiterer Grund, dass es immer wieder zu Spannungen zwischen Eric und Pattie kommt, ist sicherlich der, dass die Ehe kinderlos bleibt. Aus einer kurzen Beziehung während Plattenaufnahmen auf Montserrat entsteht seine erste Tochter, die 1985 das Licht der Welt erblickt. Ruth wächst in den folgenden Jahren unter Stillschweigen bei ihrer Mutter auf. Eine wichtige Begegnung in Erics Leben ereignet sich im Herbst 1985. Er lernt auf einer Party die Italienerin Lory del Santo kennen. Diese Affäre und die erneute Trennung von Pattie liefern ihm genügend Stoff für eine neue Platte. «Miss you»,


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Rubriken CULTURE

«Tearing us apart» und «Hold on» sind an Pattie gerichtet. Als 1986 Lory im Beisein von Eric einem Knaben das Leben schenkt, wird das Album auf Erics Wunsch auf den Geburtsmonat «August» umbetitelt. Pattie leidet sehr und die Geburt eines Sohnes für Eric bedeutet das Ende der romantischen Geschichte von «Layla und Madschnun».

Der schwerste Schicksalsschlag Eric wollte seinem Sohn Conor der Vater sein, den er selbst nie hatte – doch dazu hatte er keine Gelegenheit. Eric Claptons einziger Sohn, der am 21. August 1986 das Licht der Welt erblickte, fällt am 20. März 1991 durch einen tragischen Unfall aus dem offenen Fenster des im 53. Stockwerk liegenden Apartments seiner Mutter Lory del Santo in New York in den Tod. Das ist sicherlich DER ganz grosse Einschnitt im Leben des Musikers Eric Clapton. Wie in Trance verbringt Eric die kommenden Wochen. Befürchtungen kommen auf, Eric könnte wieder zur Flasche greifen. Clapton-Kenner erstaunt es jedoch nicht, dass er nach einer Phase schwerster Depression sein «Ventil» öffnet, Dampf ablässt und einen weiteren musikalischen Höhepunkt erreicht. Eric komponiert viele gefühlvolle und traurige Lieder über seinen Sohn. Dabei verwendet er nur akustische Instrumente, um die Reinheit der Stimmen zu unterstreichen. Mit «Tears in heaven» hat er einen seiner grössten Hits. Eric Clapton ist eines der besten Beispiele, wie eng grosse musikalische Geniestreiche und Schicksalsschläge verknüpft sind. Für ihn war die Musik immer ein Ventil und eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit, um sein Leiden zu verarbeiten. Sein Leben und seine Leiden bescherten der Welt einige der schönsten Musikstücke. Gestärkt durch den enormen finan-

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ziellen Erfolg von «Unplugged» macht Clapton ein Traum wahr und veröffentlicht die Bluesplatte «From the Cradle» als Tribute für seine Vorbilder. Die beste Konzert- und Bluesdokumentation über Eric Clapton mit dem Titel «Nothing but the Blues«, gefilmt von Martin Scorsese, wurde leider bis heute nicht veröffentlicht.

Kontroverse Blues – Pop Ein Dorn im Auge der Clapton-Fans ist die beginnende Zusammenarbeit mit Simon Climie. Die Songs des Albums TDF – Retail Therapy wurden speziell auf Giorgio Armanis Modeschauen verwendet. Der Name Clapton figuriert nirgends auf der CD. Auf einer der Armani-Shows lernt Eric seine heutige Frau, die Amerikanerin Melia McEnery kennen. Der Name Clapton figuriert nirgends. Für das im März 1998 erscheinende Werk «Pilgrim» erhält Clapton einen Grammy für das beste Pop-Album des Jahres. Themenschwerpunkt der LP ist wiederum der Verlust seines Sohnes – «Circus» – und die Suche nach seinem Vater – «My fathers eyes» – , den er nie gekannt hat. Musikalisch legt dieses Album einen neuen Grundstein. Mit überproduziertem, Drum und Bass lastigem Sound spaltet Erics neuer Produzent Simon


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Jamie Oldaker

Climie künftig die Clapton-Fans in zwei Lager. Im gleichen Jahr eröffnet Clapton sein «Crossroad Center», eine Klinik für Alkohol und Drogensüchtige. Das Jahr 2000 führt Eric wieder zurück zum Blues und zusammen mit einem seiner Heroes, BB King, veröffentlicht er das Album «Riding with the King». 2001 folgt das nächste Studioalbum «Reptile», welches musikalisch an «Pilgrim» anschliesst und das Clapton seinem verstorbenen Onkel widmet. Ende 2002 veröffentlicht Eric Clapton das Live-Album «One more car, one more rider». Mit dem im Jahre 2003 erschienenen Blues-Album «Me & Mr. Johnson» ehrt der Musiker eines seiner grössten Vorbilder, den sagenumwobenen Sänger Robert Johnson. Ende 2004 werden die «Session for Robert J.», die die Proben zum Album zeigen, veröffentlicht. Auf der DVD sieht und hört man eine entspannte Band, die mit viel Freude und Eifer den Blues zelebriert. Im Herbst 2004 hört man die ersten Gerüchte, dass sich CREAM für ein paar Konzerte in der Royal Albert Hall wiedervereinigen wollen. Im Mai 2005 war es denn soweit. Nach 37 Jahren haben sich CREAM am Ort ihres Abschiedskonzertes von 1968 in der legendären Royal Albert Hall für vier eindrückliche Konzerte wiedervereinigt. Aufgrund des riesigen Erfolges wird CREAM im Oktober noch drei Zusatzkonzerte im Madison Square Garden geben.

Back Home Privat hat sich in dieser Zeit unheimlich viel getan. Mit seiner neuen Le-

benspartnerin, die er am 1. Januar 2002, anlässlich der Taufe seiner Tochter Julie Rose, die am 15. Juni 2001 zur Welt kam, ehelicht, hat Eric Clapton endlich ein stabiles Familienumfeld, welches ihn glücklich macht und ihm Kraft gibt. Am 14. Januar 2003 wird er Vater einer zweiten Tochter, Ella May. Am 1. Februar des Jahres wird das Familienglück mit seiner dritten Tochter Sophie ergänzt. Die letzten, besinnlicheren Studiowerke wie «Back Home»,«Clapton» oder «Old Sock» schliessen einen Kreis von Alben, der 1989 mit «Journeyman» seinen Anfang nahm. Mit viel Soul lässt uns ein jugendlicher und stolzer Spätpapi an seinem Leben als Vater und an seinen Jugenderinnerungen teilhaben. Eric Clapton ist glücklich und fühlt sich bei seiner Frau und den drei Töchtern zu Hause. Er hat endlich gefunden, wonach er sich so sehr sehnte und was er leider nie gekannt hat, mit Ausnahme seiner geliebten Ziehmutter Rose. Diese Feststellung ist für uns als Fans eigentlich die wichtigste Aussage, denn die wahren Clapton-Fans wissen: Eric Clapton ist und bleibt ein Live-Musiker und das hat er an den Baloise Sessions wieder eindrücklich bewiesen.

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SHORTCUT Hard Rock Café Das erste Hard Rock Café wurde am 14. Juni 1971 in London eröffnet. Zu seinen Stammgästen zählte auch Eric Clapton, der dort einen bevorzugten Platz hatte. Leider ergab es sich immer wieder, dass dieser von anderen Kunden besetzt wurde. Um sich seinen Lieblingsplatz zu sichern, liess er seine Gitarre an die Wand über seinem Sitzplatz hängen. Mit dieser Tat löste Eric Clapton eine Lawine aus. Einige Wochen später schickte Pete Townshend – Mitglied von The Who – seine Gitarre an das Café und so vergrösserte sich die Sammlung während der letzten 42 Jahre stetig. Die Gitarre von Eric Clapton befindet sich sicher aufbewahrt im Safe des HRC London und ist dort während den Führungen zu besichtigen. Heute gibt es 175 offizielle Hard Rock Cafés in 55 Ländern, die mit ihren über 74’000 Exponaten über die grösste Musikexponatensammlung der Welt verfügen.

Crossroad Center in Antigua 1998 eröffnete Eric Clapton in Antigua eine selbst finanzierte Rehabilitationsklinik. Im Sommer 1999 versteigerte er einen Teil seiner Gitarrensammlung. Der Erlös von ca. 5 Millionen Dollar kam vollumfänglich der Klinik zugute. Im Juni 2003 versteigerte das Auktionshaus Christies sehr teure Markenuhren aus seinem Privatbesitz. Der bisherige Höhepunkt ist jedoch die Versteigerung von «Blackie», der berühmtesten und teuersten Gitarre der Welt. Eric Clapton erzielte dafür, zugunsten seines Crossroad Centers, am 24. Juni 2004 einen Höchstpreis von 959’500 Dollar. Total wurden bei der Auktion Gitarren für fast 7,5 Millionen Dollar versteigert. Die Erlöse gingen an das Crossroad Center ebenso wie die Einnahmen aus seinen Memoiren, die er 2005 für über 6 Millionen Dollar versteigerte. www.crossroadsantigua.org

Hermès Beim bekannten Modelabel Hermès in Paris gab Eric Clapton 2003 einen ganz speziellen Gitarrenkoffer in Auftrag. Das aus Krokodilleder gefertigte Kunstwerk wurde von Véronique Nichanian, welche seit bald 25 Jahren Chefdesignerin der Herrenmode von Hermès ist, persönlich entworfen. Die Kosten für dieses edle Schmuckstück betrugen über 100’000 Dollar.

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«Eric Clapton – Day by Day: The Early Years 1963-1982» und «Eric Clapton – Day by Day: The Later Years 1983-2013» von Marc Roberty Marc Roberty, der Eric-Clapton-Kenner schlechthin, hat in diesen beiden Büchern von 1963-2013 jede Session, jedes Konzert und jede Aufnahme akribisch notiert.

Eric Clapton – MTV Unplugged Deluxe Edition Auf einer Doppel-CD kommt der Zuhörer in den Genuss einer remasterten Version des sechsfach ausgezeichneten Albums von 1992 inklusive sechs bisher unveröffentlichten Outtakes. Die DVD enthält eine überarbeitete Version des Konzerts – leider immer noch nicht in voller Länge – sowie über eine Stunde von den Übungssessions.

«Six String Stories» von Eric Clapton In diesem hochwertig produzierten und limitierten Meisterwerk erzählen rund 300 Gitarren die musikalische Reise von Eric Clapton – von seinen Anfängen bis heute. www.genesis-publications.com

Eric Clapton – Give Me Strength Super Deluxe Edition Diese beeindruckende 6-CD-Sammelbox enthält nicht weniger als 29 Bonustracks – darunter zwölf bisher unveröffentlichte Aufnahmen – aus den Studioalben «461 Ocean Boulevard» und «There's One In Every Crowd» sowie aus dem auf eine Doppel-CD aufgestockten Livealbum «E. C. Was Here». Eines der Highlights ist jedoch ein über 20-minütiger Blues mit Freddie King.

Mehr zum Thema www.clapton.de www.whereseric.com www.ericclapton.com

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Hellboy

Der etwas andere Anwalt 84 | PRESTIGE


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«Pretty Woman» und die Rockergang Hells Angels finden in Dr. Valentin Landmann nicht nur einen Wahrer ihrer Interessen, sondern nicht selten auch einen Freund. Ein Medien süchtiger Provokateur oder ein charismatischer Mann, der gegen den Strom schwimmt, aber dafür umso lebendiger ist? Helena Ugrenovic


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Er passt so gar nicht ins Bild seiner Berufskollegen und Schweizer Anwälte, betritt er in Ledermantel und silbernem Totenkopf an der Gürtelschnalle oder Zifferblättern auf bunten Krawatten einen Gerichtssaal, um für den Teil seiner Klienten, die zu gesellschaftlichen Randgruppen gehören, manchmal durchs Feuer zu gehen. Mit seiner Mutter Salcia Landmann, einer deutschjüdischen, erfolgreichen Schriftstellerin, und seiner Grossmutter wächst Valentin Landmann gutbürgerlich am elitären St. Galler Rosenberg auf. Sein Vater, Michael Landmann, lehrt als Philosophie-Professor in Berlin und besucht die Familie während den Schulferien. Valentin spricht Hochdeutsch, glänzt mit einem hellen Köpfchen und wird von seinen Klassenkameraden nicht auf Partys, dafür jedoch zur Unterstützung bei Hausaufgaben eingeladen. Im Gymnasium in St. Gallen ist er Klassenbester, die Matur schliesst er mit der Note 5.6 ab und rast in der Minimalzeit von sechs Semestern durch sein Jurastudium, das er mit summa cum laude beendet. Dem Musterschüler, der mit 25 Jahren doktoriert, winkt eine Musterkarriere und diese will er mit einer Habilitation und einem Professoren-Titel schmücken. 1979 schreibt sich Valentin Landmann zu Studienzwecken als Gast am Max Planck-Institut in Hamburg ein, um Material für seine Habilitation zu sammeln. 500 vollgeschriebene Seiten erleben ein jähes Ende im Shredder, als Valentin Landmann über die Rechtsordnung sinniert und sich fragt, wie sich Menschen arrangieren, die ausserhalb der Justiz leben? Hamburgs Rotlichtund Vergnügungsviertel St. Pauli sowie die Reeperbahn sind die perfekten «Schwimmbecken», um nach interessanten Fischen und grossen, bösen Haien zu tauchen. Er will wissen, wie die Unterwelt funktioniert und landet bei den Hells Angels, die in seinem Leben einen wichtigen Part einnehmen werden. Zurück in der Schweiz beginnt Valentin Landmanns neuer Weg als brillanter Jurist mit dem Brückenschlag zum Milieu und der Freundschaft zu den «Angels». Seine Stimme ist warm und sympathisch, seine Antworten faszinierende und komplexe Kurztexte. Kein rüder Rebell, sondern ein charmanter, humorvoller Gesprächspartner.

Prestige: Uhren, Zifferblätter, Zeit, Endlichkeit – Angst oder Ansporn? Dr. Valentin Landmann: Das Ticken einer Uhr ist die Symbolik von Zeit, Endlichkeit, und Lebenszeit, und dass man seine Zeit besser gestalten kann. Der Mensch ist das einzige Tier, das den Gang des Universums und des Lebens mit dem Kunstprodukt Uhr, das uns stark beherrscht, mechanisch verfolgt. Ich liebe Uhren und ich kann mich in stundenlangen Gesprächen über Uhrwerke und Rädchen verlieren. Genauso symbolisiert der Totenkopf, den ich übrigens auch zum Smoking trage, den Wert der Lebenszeit. Ein verstorbener Angel, «Appenzeller Toni», sagte, im Zeitpunkt des Todes müsse man fürchten, nicht gelebt zu haben.

Die Hells Angels, gern gesehene Gäste auf Events. Was fasziniert Menschen an solchen Persönlichkeiten?

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Die Hells Angels sind keine kriminelle Gruppierung, sondern freiheitsliebende Querköpfe. Es ist ihr Lifestyle, der viele Menschen fasziniert, ihr martialisches Auftreten, aber es sagt nichts über den Menschen aus, der dahintersteckt. Der Präsident der Hells Angels war früher Schweizer Gardist und Oberleutnant im Militär und seine Familie importiert und vertreibt Instrumente für die Chirurgie. Das Klubhaus der Angels versprüht eine erstaunliche Bürgerlichkeit, es ist voller Fotografien, die fast schon wie Reliquien bewahrt werden und sie leben einen Atavismus, der Jüngere respektiert den Älteren Angel.

Weshalb werden die schlechten Taten eines Spitzenmanagers oft toleriert und die eines «Unterweltlers» nicht? Beide befinden sich an der Spitze und um dahin zu kommen, verfügen beide über parallele Eigenschaften: Führungskenntnisse, Risikobereitschaft, unternehmerisches Denken. Auch der Gangster übertritt das Gesetz nicht zum Spass, ist aber bereit, es zu tun, wenn es ihm einen Vorteil verschafft und wenn es ihm statistisch einen besseren Gewinn bringt. Spitzenmanager verfügen über sehr viel Insiderwissen, also werden sie einerseits nicht abgeschossen und andererseits existiert auch eine gewisse Unschärfe bei der Wirtschaftskriminalität. Wirtschaftskriminalität ist nicht komplizierter, wird aber vom Staat zu einem komplizierten Geflecht aufgebläht, das schwer zu entwirren ist.

Bei einem Verfahren suchen Sie stets den Dialog und Kompromiss. – Kuscheljustiz? Man verteidigt nicht das Delikt, sondern den Menschen. Man entschuldigt nicht eine Tat, sondern analysiert, weshalb etwas gemacht wurde. Mit Verboten bekämpfen Sie keine Verbrechen. Meine Aufgabe ist es, mich mit den komplizierten Dingen des Lebens auseinanderzusetzen. Prostituierte, Frauen, Spitzenmanager, Bankdirektoren, Randgruppierungen – ich setze mich für alle Klienten gleich ein und möchte ihnen Lebenszeit schenken.

Sie bringen gerne mehrere Kilo Sprüngli Pralinen bei einem Besuch mit. Ein Bekannter unterstellt Ihnen, Ihren Beliebtheitsstatus damit forcieren zu wollen. In anderen Ländern schenkt man ein halbes Spanferkel und es ist normal. Ich schenke gern, was ich selbst mag. – Süssigkeiten zum Beispiel. Meine Mutter kochte sehr gern und bei persönlichen Geschenken sind es Uhren. Wenn man etwas schenkt, was der andere gern hat, ist das doch ein schönes Gefühl!

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«Timepiece» by RICHARD MEIER

Richard Meier ist einer der bedeutendsten Architekten in der Welt. Zu seinen bekanntesten Bauwerken gehören das Getty Center in Los Angeles; das Museum of Contemporary Art in Barcelona; die Jubilee Church in Rome, das Arp Museum in Remagen-Rolandseck und das Museum Frieder Burda in Baden Baden. Was die wenigsten wissen, Richard Meier kreiert seit fast fünfzig Jahren Collagen aus Erinnerungsschnipseln seines Lebens. Wir trafen Richard Meier in der Galerie Gmurzynska in Zürich zur Eröffnung seiner Ausstellung «Timepieces».

Worin unterscheiden sich Ihre Collagen in Ihrer Arbeit als Architekt? Die Collagen sind etwas sehr Privates. Ich mache es zum Spass, zum Relaxen. Sie waren eigentlich nie für die Öffentlichkeit gedacht. Meine Architektur hingegen ist öffentlich für ein grosses Publikum.

Die Ausstellung trägt den Namen «Timepieces» was hat es damit auf sich? Ich muss zugeben, dass der Titel nicht von mir stammt, sondern von der Gallerie, aber er ist passend. Ich bin ein Sammler, ich sammel Zeitungsartikel, Bilder, Flugtickets, Kinokarten. Ich habe zig Briefumschläge voller Erinnerungsschnipseln aus verschiedensten Dekaden meines Lebens. Sie sind so etwas wie ein Stück Zeitgeschichte und geben einen tiefen Einblick in das private Leben des Richard Meier. Aus diesen Erinnerungsstücken stell ich meine Collagen her.

Gibt es einen Künstler, den Sie besonders bewundern und der Sie beeinflusst? Sicherlich Picasso und Rodchenko. Gerne würde ich auch sagen Cezanne, aber meine Collagen sind natürlich nicht annähernd so wie ihre Werke. Zudem werden sie vom Film und der Oper beeinflusst. Aber wie gesagt, diese Bilder sind ein blosses Hobby von mir.

Sammeln Sie selbst auch Kunst? Und wenn ja, welchen Künstler findet man im Hause Meier an den Wänden? Nein, ich bin kein Kunstsammler, das überlasse ich anderen. Aber Kunst ist eins der interessantesten Dinge auf Erden. Sie verbindet, verändert, regt zum Nachdenken an und verschönert unser Leben.

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kolumne Aus dem Leben eines Galeristen: Schöner als die Nike von Samothrake Die Liebesbeziehung zwischen mälde und eigenen FotografiKunst und Autos begann 1908 en bedrucken liess. mit einer rauschhaften Fahrt Übrigens hielt Rauschenberg durch das nächtliche Mailand 49 Jahre lang den Rekord für und einem Sturz in den Wassergraben. Der wilde Fahrer den weltweit längsten Autoreifenabdruck. In Zusammenarwar Filippo Marinetti und sollte beit mit seinem Freund John später der Wortführer der italienischen Futuristen werden, einer Cage kam er auf die Idee, mit Kunstrichtung, die das industridessen Ford Modell A über 50 elle Zeitalter und seine maschianeinandergeklebte Papierblätter zu fahren. Er hatte allerdings nellen Produkte feierte. Obwohl gar nicht vor, einen Rekord ihn in der besagten Nacht zwei aufzustellen, sondern verstand Radfahrer von der Strasse abWilhelm J. Grusdat drängten, stand für Marinetti das schwarze Reifenmuster als fest, dass «ein aufheulendes, wie ein Geschoss da- Rebellion gegen die damals vorherrschende gestivonjagendes Automobil schöner ist, als die Nike von sche Malerei des abstrakten Expressionismus. LänSamothrake». Erstaunlicherweise wurde diese en- genmässig hält jetzt der Aktionskünstler Michael thusiastische Äusserung durch Geschwindigkeiten Werner den Weltrekord. von bis zu 30 km / h ausgelöst: Schneller fuhren die Olafur Eliasson ist bekannt für seine EnvironmentAutos damals nicht. Kunst. Da wundert es nicht, dass sein Art-Car die Heute fällt einem im Zusammenhang mit schnellen Grenzen unseres Mobilitätsverhaltens thematisiert. Rennautos und zeitgenössischer Kunst vor allem das 2007 parkte Eliasson ein mit Wasserstoff betriebenes Art-Car-Projekt eines bayrischen Autoherstellers ein. Rennauto im Kühlhaus und ersetzte dessen Hülle mit Dieser lässt seit Jahren die Karosserie ausgewählter einem Metallgeflecht. Dieses Netz besprühte er solange mit Wasser, bis sich an den einzelnen MetallstränAutomodelle von namenhaften Künstlern gestalten. Der von Andy Warhol bemalte Rennwagen gleicht ei- gen Eis bildete und so eine neue filigrane Aussenhaut nem bunten Wirbelsturm. Seiner farbenfrohen Aus- entstand. Dieses elegante Eisauto wird jedoch nie an führung sieht man dabei nicht an, dass Warhol ei- einem Rennen teilnehmen: Es ist festgefroren. gentlich kein Freund von Autos war. Ihn verfolgte die Vorstellung, eines Tages in einem Umfall zu sterben. Wer mich kennt, der weiss, dass ich schnelle Autos Diese Angst thematisierte er in der Siebdruckserie liebe. Leider habe ich nur selten Gelegenheit, mich «Optical Car Crush». Wer sich traut, das rot-grüne dem Geschwindigkeitsrausch hinzugeben. Umso Knäuel aus Körper- und Autoteilen mit der 3D-Brille mehr freut es mich, dass ich immer wieder Autos zu betrachten, dem entfaltet sich ein ganz plasti- der Art-Car-Serie in meiner Galerie zu Gast habe. sches Unfallpanorama. Dazu gehörte beispielsweise das Auto von Robert Rauschenberg, dass ich 2005 vorführte. Auch an Statt Geschwindigkeitsrausch und dessen mög- die Eröffnung der A. R. Penck-Sonderausstellung in liche Folgen symbolisiert Robert Rauschenbergs meinen Räumen erinnere ich mich gern. Neben der Art-Car ein fahrendes Museum. Zu dieser Vor- Präsentation seines roten Flitzers gelang es mir, den stellung eines harmonischen Miteinanders von sonst so scheuen Künstler nach München zu locken. Technik und Kultur passt, dass der Künstler kei- Frank Stella liess sich dagegen nicht zweimal Bitten nen Rennwagen, sondern ein Standardmodell der und posierte am Abend der Vernissage stolz neben Coupé-Klasse mit Abbildungen klassischer Ge- seinem Autokunstwerk.

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Zwei Giganten Eric Clapton und Gerhard Richter

Wer die Auktionen von letztem Jahr beobachtet hat, dem ist sicher nicht der spektakuläre Verkauf eines Gemäldes von Gerhard Richter aus der Privatsammlung des Musikers Eric Clapton entgangen. Nach Angaben von Sotheby’s bekam ein anonymer Bieter den Zuschlag für «Abstraktes Bild (809-4)». Zuvor hatten sich zwei Interessenten per Telefon einen mehr als fünf Minuten langen Bieterwettkampf geliefert. Als der Hammer schliesslich bei umgerechnet 35 Millionen Dollar fiel, brandete Applaus auf. Ein Preis, über den man zu Recht jubeln kann. Laut Sotheby's ist das einer der höchsten Preise, der je für ein Bild eines noch lebenden Künstlers bei einer Auktion bezahlt wurde. Eric Clapton sammelt gern – neben Ferraris, Uhren und Gitarren auch Kunstwerke – und spendet einen Grossteil der Verkaufserlöse. Seine Vorliebe für moderne Kunst stammt aus der Zeit, als er an der Londoner Kingston University Kunst studierte, bevor er sich ganz der Musik verschrieb. «Abstraktes Bild (809-4)» hatte Clapton 1994 zusammen mit zwei weiteren Bildern derselben Serie zu einem Preis von 3,2 Millionen Dollar vom Berliner Sammlerpaar Ulla und Heiner Pietzsch erworben. Abstraktes Bild (809-4), Painted in 1994 © Gerhard Richter 2012 / © Christies Images Limited, 2013

Richters Werke stehen hoch im Kurs – nicht nur bei Herrn Clapton, sondern auch bei anderen grossen Sammlern. Der russische Billionär Roman Abramovich kaufte 2008 einen abstrakten Richter für 15,8 Millionen Dollar. 2011 erstand die Sammlerin Lily Safra ein abstraktes Gemälde für 20,8 Millionen Dollar bei Sotheby’s. Mit der Versteigerung von Claptons Bild «Abstraktes Bild (809-4)» hat zum ersten Mal ein Werk Richters die 20-Millionen-Dollar-Marke weit hinter sich gelassen. Mit seinen farbigen Werken trifft Richter genau den Geschmack des derzeitigen Kunstmarktes. Ob für Arbeiten von Richter alles ausgereizt ist, wird sich noch herausstellen. Sicher ist, dass Richter heute so gefragt ist, wie nie zuvor. Der zweite Richter (809-1) aus Claptons Privatsammlung erzielte bei der Versteigerung bei Christie’s am 12. November 2013 einen Preis von 21 Millionen Dollar.

Abstraktes Bild (809-1) Painted in 1994 © Gerhard Richter 2013 © Christies Images Limited, 2013

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Kunstwelten Das Museum ist ursprünglich das Heiligtum der Musen, welche die Schutzgöttinnen der Künste, Kultur und Wissenschaften waren. Heute ist das Museum eine Institution, die eine Sammlung bedeutsamer und lehrreicher oder exemplarischer Gegenstände für die Öffentlichkeit aufbewahrt, kategorisiert, erforscht und Teile davon ausstellt. PRESTIGE stellt die bedeutendsten Museen vor.

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British Museum, London

Das Museum entstand 1753, als der Arzt und Wissenschaftler Sir Hans Sloane seine sehr umfangreiche Literatur- und Kunstsammlung dem Staat übereignete. Das Parlament beschloss, diese Sammlung unter dem Namen «British Museum» zu erhalten und zu pflegen. Heute darf es etwa acht Millionen Objekte sein Eigen nennen, die die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit von ihrem Anfang bis zum heutigen Tag dokumentieren. Besonders berühmt ist die Sammlung ägyptischer Mumien und Kunstwerke. Die berühmtesten Ausstellungsstücke sind der Stein von Rosetta und die Elgin Marbles. Beeindruckend ist auch die Bibliothek des Museums. Sie umfasst etwa 350’000 Bände und ist ein Teil der British Library.

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Museo Nacional del Prado, Madrid

Ursprünglich wurde der Prado als eine Pinakothek und Glyptothek gegründet, heute umfasst das Museum auch bedeutende Sammlungen von mehr als 5 000 Zeichnungen, 2 000 Drucken, 1 000 Münzen und Medaillen und nahezu 2 000 Kunstgegenständen. Die Skulpturensammlung hat mehr als 700 Objekte und weitere Fragmente. Neben der weltweit besten Sammlung spanischer Maler werden unter anderem auch holländische Meister und einige Werke von Botticelli, Caravaggio, Albrecht Dürer und Rembrandt gezeigt. Insbesondere Francisco de Goya ist mit über 100 Werken präsent. Die meisten Gemälde stammen aus Sammlungen spanischer Könige, insbesondere der Habsburger.

Albertina, Wien

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Im Palais Albertina im Stadtzentrum von Wien ist eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt beheimatet. Sie umfasst eine der grössten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt mit ungefähr 65’000 Zeichnungen und über einer Million druckgrafischer Blätter. Der Rahmen der ausgestellten und archivierten Exponate reicht von der Spätgotik bis zur zeitgenössischen Kunst. Vier Dauerausstellungen sind ständig zu besichtigen: die Schausammlung mit Bildern der internationalen klassischen Moderne, von Picasso bis Anselm Kiefer, die grafische Sammlung mit Werken von Alfred Dürer bis Georg Baselitz, die Architektursammlung mit rund 43’000 Skizzen und Modellen von Otto Wagner bis Adolf Loos und die Fotosammlung mit über 50’000 Werken von 1850 bis heute.

Musée du Louvre, Paris

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Der Louvre lockt jährlich mehr als zehn Millionen Besucher nach Paris. Er gehört mit circa 19 Hektar Ausstellungsfläche zu den grössten Museen der Welt. Bis 1682 residierten im Louvre verschiedene französische Könige bevor das Gebäude der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde. Das bekannteste Werk des Museums ist die «Mona Lisa» von Leonardo da Vinci. Das Gemälde wurde im Jahre 1804 von Napoleon zur Verfügung gestellt, der es bis zum damaligen Zeitpunkt in seinem Schlafzimmer hängen hatte. Ebenso befinden sich im Louvre die Statue von Milo «Die Venus» und die Skulptur von Michelangelo «Der Sklave» sowie circa 35’000 weitere Exponate. Besonders hervorzuheben sind die griechische und römische Antikensammlung und die Abteilung der italienischen Renaissance-Malerei. Bemerkenswert sind auch die Werke der flämischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts.

Eremitage, Sankt Petersburg

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In der Eremitage in Sankt Petersburg werden in mehr als 350 Sälen über 600’000 Exponate ausgestellt. Allein im Archiv befinden sich circa drei Millionen Objekte. Gemälde wie die von Rembrandt, Rubens, Gaugin und Pablo Picasso können dort bewundert werden. Die Eremitage beschäftigt circa 2 500 Mitarbeiter. Die Eremitage, die Gebäude sowie die Kunstsammlung gründete die russische Zarin Katharina die Grosse. Im Jahre 1764 erwarb sie die ersten Kunstsammlungen / Gemälde. Heute gehören zu den ausgestellten Werken holländische und französische Meister wie Rembrandt, Rubens, Matisse und Paul Gauguin. Ausserdem sind zwei Gemälde des italienischen Universalgenies Leonardo da Vinci sowie 31 Gemälde des spanischen Malers Pablo Picasso ausgestellt.

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kolumne OMG Die Sprache dient der Kommunikation zwischen uns Menschen. Wir sind die einzige Spezies auf dieser Welt, die das beherrscht. – Dachten wir jedenfalls lange Zeit. Unterdessen hat die Wissenschaft herausgefunden, dass dem nicht ganz so ist. Gewisse Tiere wie zum Beispiel die Orkas, Delfine und einige Vogelarten sollen eine recht komplexe Sprache haben, nur verstehen wir diese noch nicht.

Vera Dillier

Unsere Vorfahren, die Affen, haben keine Stimmbänder wie wir. Deshalb können sie unsere Sprache niemals sprechen. Ein Forscherteam hatte daher vor Jahren die Idee, einem Schimpansen Gebärdensprache beizubringen. Das klappte hervorragend. Der Affe war sogar fähig, eigene Wörter zu erfinden. So lernte er erst einmal, alle Körperteile zu benennen, später lernte er das Wort für Armband und als man ihm dann den dazu passenden Ring zeigte, bezeichnet er diesen spontan als «Fingerarmband». Für eine Sonnenbrille kreierte er das Wort «Gesichtshut». Bei der Sprachentwicklung des Menschen nutzte man die Sprache bald nicht nur, um sich gegenseitig das Wichtigste mitzuteilen, sondern man fing an, sich Geschichten zu erzählen, Märchen und Sagen auszudenken. Heute gibt es Sprachen wie Sand am Meer. Deshalb kam es schon früh in der Geschichte zur Babylonischen Verwirrung. Gebildete Menschen beherrschen meist mehrere Sprachen, was vieles erleichtert. Schön wäre es, wenn in Zukunft jeder Mensch dieser Welt nebst seiner Muttersprache auch gleich noch Englisch lernen würde. Dann könnten wir uns alle miteinander persönlich oder per Internet unterhalten. Schöner utopischer Gedanke. Am Hofe von Königen, Fürsten, Herzögen etc. war Konversation ein grosses Gesellschaftsspiel. Es war ein Spass für alle, wenn ein gewiefter Redner seinem Gegenüber unglaubliche Frechheiten elegant und liebevoll verpackt zuwerfen konnte und dieser virtuos mit einem freundlichen Lächeln und mit einer noch grösseren Boshaftigkeit den Ball zurück-

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warf. Dies alles, ohne direkt was Schlechtes zu sagen. Man musste oft schnell und scharf denken können, um den Sinn dieser Sätze zu verstehen. Je subtiler und feiner der Scherz war, umso genüsslicher war das Ganze für die Zuhörer. Die besten Sprachakrobaten bei Hofe waren oft Schriftsteller oder Dichter, also Künstler, somit meistens Günstlinge irgendeines Königs oder Fürsten. Auch Goethe, der in Weimar in der Gunst von Herzog Carl August stand, lebte von seiner genialen Fähigkeit, mit der Sprache virtuos umgehen zu können. Heute hat das Volk zum sprachlichen Amüsement die Politiker, die so geübt mit Fremdwörtern um sich schmeissen, dass ich vermute, dass diese ein Wörterbuch «Deutsch – Fremdwörter» besitzen, um mit klug erscheinenden Fremdwörtern zu beeindrucken. So muss es nicht unbedingt sinnvoll sein, was sie sagen, Hauptsache, es klingt gebildet. Anstatt die Kunst der Konversation weiter zu entwickeln, hat der Mensch das Handy erfunden. So sind wir, wenn wir allein zu Hause sitzen, treten wir per SMS ständig mit der ganzen Welt in Kontakt. Um schneller schreiben zu können, hat die Jugend kreative Abkürzungen erfunden. Die einfacheren wie LG für «Liebe Grüsse» verstehe auch ich. Auch CU für «See you» oder BTW für «By the Way» kann ich noch erahnen. Aber letztens habe ich ein «OMG» gesimst bekommen. Ich habe mir richtig den Kopf darüber zerbrochen, was das heissen könnte. O M G … Oh my God. – Man muss halt nur darauf kommen. Das einzige Gesellschaftsspiel mit Wörtern, das ich in letzter Zeit erlebt habe, war ziemlich speziell. Ein Bekannter legte im Palace-Hotel in St. Moritz an einer Tafel mit vielen Society-Ladys eine grosse Note in die Mitte und sagte, dass die den Geldschein erhalte, die am meisten Schimpfwörter hintereinander sagen könne. Die Ladys legten sich mächtig ins Zeug, jede versuchte, die andere zu übertrumpfen. Die Siegerin schaffte es über 10 Minuten am Stück. OMG, wo haben diese feinen Damen nur ihren Wortschatz her?


Vainard Boutique Z端rich Fine Jewellery Schl端sselgasse 4, CH-8001 Z端rich +41 (0)44 210 04 44 www.vainard.ch

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BOROS

Rubriken


Neuigkeiten der Uhrenwelt Tickende Mechanik

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Tickendes 112 Raritäten von Eric Clapton Prestige Presents Antatole Taubmann

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Antike Uhren Die erste mechanische Uhr

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Watches & Jewellery

Diamanten 132 Auf dem grünen Teppich Schmuckstücke 138 Der König von St. Moritz Die Individualistin Olga Ribler

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von der faszination tickender mechanik Auf den Punkt gebracht hat die Sache schon der amerikanische Psychologe Robert Levine. Sein Credo: «Das Ticken der mechanischen Uhr ist der Herzschlag der menschlichen Kultur.» Gisbert L. Brunner

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Womit wir sehr schnell beim Thema wären. Mehr denn je drehen sich die Zeitmess-Dinge um Armbanduhren mit überlieferten Räderwerken. Die Segnungen elektronisch angeregter Schwingquarze konnten ihnen ebenso wenig anhaben wie moderne Smartphones mit den unterschiedlichsten Zeit-Applikationen. Es ist die Armbanduhr, welche oft den kleinen aber entscheidenden Unterschied ausmacht, beispielsweise im Restaurant oder dem Theater. Das Auto oder die Segeljacht muss hier nolens volens aussen vor bleiben. Insbesondere Männern bleiben dann nur ganz wenige Schmuckstücke. Legitim sind Eheund Siegelring sowie selbstverständlich die Manschettenknöpfe. Darüber hinaus wird es schon schwierig. Aber selbst bei mechanischen Uhren gibt es solche und solche. Grundsätzlich zu unterscheiden sind Exemplare mit echten, hochwertigen Manufakturkalibern von jenen mit konfektionierten Uhrwerken, sozusagen «von der Stange». Die müssen nicht zwangsläufig schlechter sein. Aber an Exklusivität mangelt es ihnen schon ein wenig.

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Das Körnchen Salz verkörpern die Komplikationen: Hier reicht das Spektrum von einfachen Kalendarien über Tourbillons bis hin zu Schlagwerken, welche die kostbare Zeit, wenn gewünscht, bis auf die Minute genau repetieren. Ganz hohe Schule repräsentieren Armbanduhren, in denen mehrere Zusatzfunktionen zu «grossen Komplikationen» auf engem Raum zusammenfinden. Je kleiner und flacher, desto aufwendiger, lautet ein alter Uhrmachergrundsatz. Ganz in diesem Sinn lassen insbesondere eidgenössische und deutsche Uhrenhersteller so gut wie keine Wünsche offen. Wer bereit ist, das Besondere zum Mass seiner ohnehin schon hohen Ansprüche zu machen und dafür auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wird heutzutage problemlos fündig. Die Faszination der uhrmacherischen Mechanik ist grösser denn je. Und ein Ende dieses Trends lässt sich glücklicherweise nicht absehen.

Auf die Minute genau: «Patrimony Contemporaine Ultraflach Kaliber 1731» von Vacheron Constantin Auf die ultraflache Bauweise mechanischer Uhrwerke versteht sich Vacheron Constantin seit Generationen. Das gilt auch für Kaliber mit der diskretesten aller Komplikationen: der Minutenrepetition. Beispielsweise präsentierte die Traditionsmanufaktur 1955 eine entsprechende Armbanduhr, bei der das klangvolle Uhrwerk in der Höhe gerade einmal 3,28 Millimeter mass. Das Rohwerk dazu stammte damals vom Partner LeCoultre. Ganz anders das neueste Oeuvre, welches in der «Patrimony Contemporaine ultraflach Kaliber 1731» die Stunden, Viertelstunden und Minuten akustisch wiedergibt. Dieser Mikrokosmos ist zwar nicht der flachste aller Zeiten, aber mit nur 3,9 Millimetern Bauhöhe verkörpert er im Spektrum aktueller Konstruktionen durchaus einen Superlativ. Samt 41 Millimeter grossem Roségoldgehäuse trägt dieser feine Zeitmesser am Handgelenk nur 8,09 Millimeter dick auf. Die Arbeiten am mit drei Hertz tickenden und minutengenau schlagenden Newcomer begannen 2009. Danach brauchten Komplikationenchef Chrystian Lefrançois und sein Team vier Jahre, um das Spektrum unterschiedlicher Herausforderungen zu meistern. Zu ihnen gehörte nicht nur die flache Bauweise, sondern auch der «fliegende» Regler für die Ablaufgeschwindigkeit des Repetitionsschlagwerks. Diese Konstruktion, welche prinzipiell 2007 im Kaliber 2755 debütierte, besitzt zwei Gewichte und leistet seinen Job mithilfe der Zentrifugal- und Zentripetalkraft. Will heissen: Wenn sich der Geschwindigkeitsregler dreht, bewegt die Zentrifugalkraft die äusseren Enden vom Zentrum weg, während das jeweils andere Ende durch die Zentripetalkraft gegen die Reglerwelle gedrückt wird und dadurch deren Rotationsgeschwindigkeit bremst, sodass die Töne in gleichmässiger Abfolge erklingen. Die beiden Tonfedern sind mit dem Mittelteil des Gehäuses verbunden und, zur Verstärkung des Klangs, erstmals über- statt nebeneinander angeordnet. Natürlich liefert Vacheron Constantin diese Uhr mit der Genfer Punze. Zum Kaliber 1731 selbst noch so viel: Durchmesser 32,80 Millimeter, Gangautonomie rund 65 Stunden, 265 Komponenten, 36 Steine. Konstruktionsbedingt dreht der kleine Sekundenzeiger bei der Ziffer 8 seine Runden. Zum Lieferumfang der nicht limitierten Armbanduhr gehört ein Resonanzkörper namens «La Musique du Temps».

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Tempo-Chronograf: Der «Bentley B06» von Breitling Die Besonderheiten des Kalibers B06 von Breitling basieren auf einer Idee von Gaston Breitling aus dem Jahr 1926. Üblicherweise umrundet der zentrale Chronografenzeiger das Zifferblatt einmal pro Minute. Daher liegen die Indexe für die Sekundenbruchteile dicht nebeneinander. Das Prinzip, den Stoppzeiger in 30 Sekunden drehen zu lassen, griff Breitling 2003 zum Start der Kooperation mit Bentley Motors mithilfe von Dubois-Dépraz wieder auf. Davon hat sich der Bentley B06 weit entfernt. Sein Innenleben stammt komplett aus eigener Manufaktur. Die Unruh oszilliert mit vier Hertz. Weil der Chronografenzeiger doppelt schnell rotiert, lassen sich die Sekundenbruchteile sehr exakt vom kunstvoll per Lasertechnik durchbrochenen Zifferblatt ablesen. Bedingt durch diesen konstruktiven Kunstgriff drehen die beiden Totalisatoren in 15 Minuten und sechs Stunden. Im Verbund mit der Drehlünette und der ausgeklügelten Skalierung gelingt ferner das Berechnen der zurückgelegten Distanz und der insgesamt erreichten Geschwindigkeit. Die am Handgelenk unübersehbare Uhr misst 49 Millimeter. Bis zu 10 bar Druck ist die in Stahl oder Gold erhältliche Schale wasserdicht.

Armbanduhr mit scheinbar schwebenden Zeigern: «Rotonde de Cartier» Im Alter von 27 Jahren präsentierte Maurice Coüet seinem Arbeitgeber Cartier eine «Pendule Mystérieuse» mit unsichtbarem Antrieb der Zeiger. Das Uhrwerk befand sich im Sockel. Man schrieb das Jahr 1913. Als ersten Kunden verzeichnen die Archive den amerikanischen Bankier Pierpont Morgan jun. Zwischen 1913 und 1930 entstanden schätzungsweise weniger als 90 Exemplare. 2013 findet die faszinierende Kunst geheimnisvoller Stunden- und Minutenindikation in der Linie «Rotonde de Cartier» auch ans Handgelenk. Wie eh und je scheinen beide Zeiger frei im Raum zu schweben. In diesem Fall sind zwei übereinander angeordnete und aussen verzahnte Saphirglasscheiben integrierter Bestandteil des da herumgebauten Handaufzugskalibers 9981MC mit 48 Stunden Gangautonomie. Um Problemen vorzubeugen, hat Cartier die aussergewöhnliche Mechanik auf Herz und Nieren getestet. Stösse in der Grössenordnung des 500-fachen Eigengewichts und Stürze aus einem Meter Höhe nahm das Uhrwerk gelassen hin. Somit bliebe diesen Armbanduhren im Fall des Falles das Schicksal einer der geheimnisvollen Pendulen erspart. Gemäss den Schilderungen der Herzogin von Westminster ging ihr Exemplar während eines nächtlichen Ehekrachs an der Schlafzimmerwand zu Bruch.

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Bezahlbarer Drehgang: «Slimline Tourbillon» von Frédérique Constant Dass Armbanduhren mit Drehgang durchaus bezahlbar sein können, beweist Frédérique Constant mit dem «Slimline Tourbillon», welches es mit 43 Millimeter grossem Edelstahlgehäuse gibt. Die 12,1 Millimeter hohe Schale mit vorder- und rückseitigem Saphirglas umfängt das Automatikkaliber FC-980. Die Entwicklung erfolgte bei der ambitionierten Genfer Familienmanufaktur. Auch die Fertigung erfolgt zu etwa 80 Prozent im eigenen Haus. Zu den Besonderheiten des Uhrwerks mit Rotoraufzug und vier Hertz Unruhfrequenz gehört u. a. ein sogenanntes «Smart Screw»-System. Mit seiner Hilfe lässt sich eine perfekte Balance des Tourbillon-Käfigs bewirken. Ein amagnetisches Siliziumankerrad ist ebenfalls mit von der Partie. Die Sekunden stellt der am einmal minütlich rotierenden Käfig befestigte Zeiger dar. Der zweiarmige Zeiger im Zifferblattzentrum gilt den Tag- oder Nachtstunden.

Grossdatum, Mondphasenanzeige und ein kleiner Wirbelwind: Das «Pano Lunar Tourbillon» von Glashütte Original Glashütte Original schickt das 40 Millimeter grosse «Pano Lunar Tourbillon» ins Rennen um die Käufergunst. Beim Debütanten gehört die linke Seite des Zifferblatts der Zeit, eindrucksvoll dargestellt von einem «fliegenden» Minutentourbillon. Durch eine Uhrmacherlupe lässt sich auch die konzentrisch «atmende» Breguetspirale beobachten. Zusammen mit der Ankerhemmung unterteilt das Ensemble jede Sekunde in sechs kleine Abschnitte. Die Frequenz liegt also bei drei Hertz. Rechts am Zifferblatt finden sich zwei Zusatzfunktionen in Gestalt des typischen Panoramadatums und – darüber positioniert – einer Mondphasenindikation. Die Harmonie der Anordnung dieser Anzeigen resultiert aus der Anwendung des Goldenen Schnitts. Der Manufakturmechanik mit automatischem Aufzug hat Glashütte Original die Bezeichnung 93-02 verliehen. Das Uhrwerk mit 48 Stunden Gangautonomie, 48 Rubinen und zwei Diamantdecksteinen leitet sich vom Kaliber 93-01 ab. Der dezentral gelagerte Rotor besitzt ein 21-karätiges Goldsegment.

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Moritz Grossmann: Mut zur Manufaktur Den grossen Glashütter Uhrmacher Carl Moritz Grossmann kennen selbst in Sammlerkreisen nur wenige. Diese Unkenntnis ist keine Schande, denn die Geschichte seines Uhrunternehmens währte nur von 1854 bis 1884. Nach dem überraschenden Tod verschwand der Name quasi spurlos von der Bildfläche. Bis 2008, als ihn die Uhrmacherin Christine Hutter neu belebte. 2010 brachte sie die schlichte, auf 100 Exemplare limitierten «Benu» mit manuellem Aufzug heraus. Das Jahr 2013 steht bislang im Zeichen der «Atum» mit neu konstruierter Unruh und ausgeklügeltem Zeigerstellsystem. Es ist nämlich lästig, wenn der Minutenzeiger nach dem exakten Richten und Eindrücken der Krone ein wenig verspringt. Chefkonstrukteur Jens Schneider hat diesem Missstand abgeholfen, indem die Uhr nach dem Stellen der Zeiger durch Betätigung eines Drückers wieder punktgenau in Gang gesetzt wird. Die neueste «Benu» besitzt zudem eine Gangreserveanzeige, die dem Tachometer eines Autos aus den späten 1960er-Jahren ähnelt. Die Gangautonomie der Handaufzugskaliber 110.1 (198 Bauteile) und 100.2 (Gangreserveanzeige, 227 Komponenten) beträgt 42 Stunden. Das Drehen an der Krone bereitet bei dem butterweich funktionierenden Aufzug allerdings jede Menge Freude. Kurzum: Lust statt Last, möchte man salopp sagen. Im November, so ist zu hören, wird Grossmann mit einer ersten Komplikation glänzen.

Hermès und sein Tourbillon namens «Arceau Lift» Die neueste Uhrmacherkreation des Hauses Hermès debütierte Anfang Oktober in Paris. – Dort, wo Abraham-Louis Breguet den Mechanismus zur Kompensation negativer Einflüsse auf den Gang mechanischer Uhren Ende des 18. Jahrhunderts erfand. Dieses Tourbillon namens «Arceau Lift» entwickelte La Montre Hermès zusammen mit der einschlägig erfahrenen Technikschmiede La JouxPerret in La Chaux-de-Fonds. Konkret handelt es sich um eine «fliegende» Konstruktion, bei der keine vordere Lagerbrücke den Blick auf das Drehgestell stört. Einmal mehr realisierten CEO LUC Perramond und sein Team ein spezielles Dekor. Selbiges findet sich auf der Vorderseite des Käfigs sowie bei der unterhalb der Ziffer 12 positionierten Federhausbrücke. Die Quelle der Inspiration findet sich im Pariser Ladengeschäft in der Faubourg St. Honoré. Exakt handelt es sich um die kunstvoll geschmiedete Tür des 1923 installierten Lifts, in der sich zwei verschlungene Monogrammbuchstaben H finden. Sie erinnern bis heute an die 1900 vollzogene Eheschliessung von Emile Hermès und Julie Hollande. In Anspielung auf den prachtvollen Fahrstuhl hat Hermès das neue, natürlich sorgfältig finissierte Handaufzugskaliber H1923 getauft. Die rückwärtige Tourbillon-Lagerung lässt sich übrigens durch ein kreisrundes Guckloch des ansonsten geschlossenen und mit den Hermès Exlibris versehenen Boden des 43 Millimeter Roségoldgehäuses studieren. Bei einer Gesamthöhe von 5,75 Millimeter besitzt das Mechanik-Oeuvre mit 90 Stunden Gangautonomie einen Durchmesser von 32,6 Millimeter. Seine Unruh vollzieht stündlich 21’600 Halbschwingungen, was drei Hertz entspricht. Insgesamt wird es von der neuen «Arceau Lift» 176 individuell nummerierte Exemplare geben. Der Hintergrund dieser Limitierung: die Zahl der seit Gründung des Hauses Hermès verstrichenen Jahre.

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Im Zeichen gekonnter Fusion: Hublot «Big Bang Ferrari Hong Kong» Jüngst hatten Ferrari und Hublot allen Grund zu feiern. Und die beiden Marken taten das in Hongkong. Der Grund für die Zeremonie: Beide sind seit 30 Jahren in der ehemaligen britischen Kronkolonie vertreten. Dass es zu diesem freudigen Ereignis eine besondere Armbanduhr gibt, mag sich von selbst verstehen. Hublot präsentierte die «Big Bang Ferrari Hong Kong» mit einer Lünette aus, wie könnte es bei diesem Partner anders sein, knallroter Keramik. Das für diesen Chronografen erstmals überhaupt verwendete Material ist Resultat dreijähriger hausinterner Forschung und Entwicklung. Von selbst mag sich verstehen, dass der extrem auffällige Werkstoff die gleichen positiven Eigenschaften besitzt wie die traditionellen und deutlich dezenter auftretenden Pendants in Weiss oder Schwarz. Verständlicherweise hat Hublot das dahinterstehende Verfahren zum Patent angemeldet. Schwarze Keramik findet übrigens für das Gehäuse Verwendung. Beim tickenden Innenleben handelt es sich um waschechte Manufakturarbeit in Gestalt des auf markanten Ferrari-Look getrimmten Kalibers Unico 1241, bei dem sich der Stoppmechanismus mit Flyback-Funktion, horizontaler Doppelkupplung und Schaltradsteuerung unter dem Zifferblatt befindet. Diese Konstruktion zeigt den künftigen Besitzern dieser Armbanduhr, was sich chronografisch abspielt. Eine kräftige Zugfeder stellt 72 Stunden Gangautonomie sicher. Einfallsreich auch das intelligente Wechsel-Echappement mit Siliziumanker und -ankerrad, welches sich mit wenigen Handgriffen austauschen lässt. Dem nassen Element widersetzt sich die 45,5 Millimeter grosse Schale bis zu zehn bar Druck. Für bleibende Exklusivität sorgt eine Limitierung auf nur 30 Exemplare.

IWC und «Der kleine Prinz» Die wohl interessanteste Neuigkeit, welche IWC im Rahmen der diesjährigen Watches & Wonders präsentieren wollte, wird vermutlich erst während des Genfer Uhrensalon 2014 zu sehen sein. Aber natürlich gab es in Hongkong angemessenen Ersatz zu sehen. Neben der «Portofino» mit hauseigenem Handaufzugswerk, Grossdatum und Gangreserveanzeige wartete die Schaffhauser Manufaktur mit einer limitierten Edition der grossen «Portugieser» auf. 270 Exemplare erinnern an die Publikation des Buches «Der kleine Prinz» vor 70 Jahren. Die 46 mm grosse Roségold-Armbanduhr mit den gewaltigen Automatikkaliber 5000 und immerwährendem Kalendarium kommt in einer Box, in der sich Faksimile-Ausgaben des Manuskripts von Antoine de SaintExupéry und der Erstausgabe von 1943 befinden. Der kleine Prinz zeigt sich bei diesem markanten Zeitmesser natürlich auch. Und zwar unübersehbar auf der Oberfläche des Mondes. Ein Teil des Erlöses aus dieser Uhr fliesst übrigens an die «Stiftung Antoine de Saint-Exupéry pour la Jeunesse», die damit ihre Projekte, darunter ein weltweites Engagement gegen Analphabetismus vorantreiben kann. Das ist natürlich ganz im Sinne von Antoine de Saint-Exupéry, von dem die weise Aussage stammt: «Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.»

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«L.U.C Engine One H»: Uhrmacher­ präzision im Stil eines Automobils Die «L.U.C Engine One H» von Chopard verkörpert einen markanten Link zwischen Auto und Uhr. Wie der Name andeutet, versteht sich die Gestaltung der zeitbewahrenden Mechanik als Hommage an einen PS-starken Motor. Die liegende Anordnung im Gehäuse weckt Erinnerungen an die Instrumententafel eines Formel-1-Boliden. Im Gegensatz dazu reicht hier ein Milliardstel Pferdestärke, um das leichte Minutentourbillon der hauseigenen High-TechMechanik beständig rotieren zu lassen. Mit der manuell voll aufgewundenen Zugfeder läuft das L.U.C 04.02-L 60 Stunden am Stück. Vor dem Einbau in das Titangehäuse und die Lieferung an die Kunden schickt Chopard jeden der nur 100 «Motoren» zur offiziellen Schweizer Chronometerkontrolle. Läuft da wider Erwarten etwas schief, wird nachgebessert.

Schaltrad-Chronograf für Einsteiger: Longines «Conquest Classic» Den Namen «Conquest» hat sich Longines schon 1954 schützen lassen. Die Spitze der aktuellen Kollektion «Conquest Classic» repräsentiert einen Zeitschreiber mit 41 Millimeter Durchmesser. Longines offeriert ihn in Edelstahl, Edelstahl und Rotgold oder massivem Rotgold. Bis zu fünf bar Druck kann Wasser dem exklusiven Automatikkaliber L688 nichts anhaben. Aus der Tatsache, dass das Uhrwerk mit Rotoraufzug und 54 Stunden Gangautonomie von der Schwester Eta stammt und dort A08. L01 heisst, macht Longines kein Geheimnis. Hintergrund der Kooperation war die Wiederbelebung der klassischen Schaltradsteuerung für die chronografischen Funktionen. Mit Blick auf kurze Wege, möglichst wenig Bauteile und Servicefreundlichkeit hat die Eta den zeitschreibenden Mechanismus neu konstruiert. Die Drücker wirken ohne grosse Umwege und der zweiarmige, beweglich am Nullstellhebel befestigte Nullstellhammer für den Chronografenzeiger und den Minutenzähler justiert sich selbst. Weitere Merkmale des 30 Millimeter grossen, 7,9 Millimeter hohen Uhrwerks sind vier Hertz Unruhfrequenz, Schwingtriebkupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie Fensterdatum.

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Unruh und Zeiger im Schlepp: Montblanc Collection Villeret «1858 Exo Tourbillon» Rattrapante Klassische Tourbillons sind heute bei namhaften Uhrenmanufakturen fast schon gängige Übung. Mit dem brandneuen «ExoTourbillon Chronographe» ist Montblanc in Villeret einen mehr als beachtlichen Schritt weitergegangen. Hier ist die massereiche Unruh welche stündlich 18’000 Halbschwingungen vollzieht, prominent vor dem eigentlichen Drehgestell angeordnet, weshalb sie deutlich grösser ausfallen kann. Als Bindeglied zwischen beidem dient allein die filigrane Unruhspirale. Aus Gründen der Kraftersparnis wurde die Umlaufgeschwindigkeit des Tourbillons auf ein Viertel des Üblichen reduziert. Will heissen: Eine Rotation erfolgt in vier Minuten. Die Regulator-Zeitanzeige hat es ebenfalls in sich: zentraler Minutenzeiger, aussermittige Stundenanzeige sowie Indikation einer zweiten Zonenzeit, separate Darstellung von Tag und Nacht inklusive. Das massive Goldzifferblatt besticht durch aufwendige Applikationen in Email. Obwohl dieses Vier-Minuten-Tourbillon bereits das Prädikat des Einzigartigen verdient, ist das Komplikationenspektrum keineswegs erschöpft. Ein Schaltradchronograf mit klassisch konstruierter Schleppzeigerfunktion bringt respektablen Zusatznutzen. Der Zangenmechanismus zur Steuerung des Einholzeigers thront prominent auf dem Schaltwerk des Stoppers, welcher sich über einen Kronendrücker bedienen lässt. Für den Rattrapante gibt es einen weiteren Drücker bei der Ziffer 2. Von selbst mag es sich verstehen, dass solche Ausnahme-Armbanduhren nach strengster Limitierung verlangen. In dezentem Weissgold lautet die Zahl 18. – Das war’s.

Lambda: Die brandneue Spitze der Nomos-Kollektion Für die Zifferblattgestaltung der neuesten Nomos-Kreation kooperierten Experten der Glashütter Manufaktur mit den Designern Michael Paul und Axel Kufus. Das 32 Millimeter grosse Handaufzugskaliber DUW 1001 verkörpert Glashütter Uhrmacherkunst par excellence. Die Platine mit vornehmem Sonnenstrahlenschliff überdeckt drei viertel des Mechanismus. Sie trägt nicht weniger als sechs verschraubte Goldchatons zur Lagerung der Zapfen des Räderwerks. Die Unruh mit echten Masseschrauben oszilliert mit drei Hertz. Natürlich ist auch eine Schwanenhals-Feinregulierung zur fein dosierten Bewegung des Rückerzeigers vorhanden. Trotz einer Bauhöhe von nur 3,6 Millimeter bietet dieses Uhrwerk Platz für zwei Federhäuser, die dreieinhalb Tage Gangautonomie gewährleisten. Den verbleibenden Energievorrat bildet eine grosse Gangreserveanzeige ab. Ein Unruhstopp gestattet das exakte Synchronisieren des kleinen, bei der Ziffer 6 positionierten Sekundenzeigers mit einem Zeitsignal. Zu einem hochrangigen Uhrwerk passen nur Gehäuse aus massivem Rosé- oder Weissgold.

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Greubel Forsey: Geneigtes Doppeltourbillon Die erste spektakuläre Entwicklung von Robert Greubel und Stephen Forsey erfreute 2004 vor allem zahlungskräftige TourbillonFans. Der Wirbelwind rotierte zur besseren Kompensation der negativen Auswirkungen der Erdanziehungskraft auf den Gang mechanischer Uhren um dreissig Grad geneigt. Knapp zehn Jahre später folgt eine Neuinterpretation des «Double Tourbillon 30» nun mit einem markant-asymmetrischen Gehäuse mit einem Durchmesser von 45 Millimetern. Eine seitliche, natürlich verglaste Öffnung gewährt dem Betrachter faszinierende Einblicke in den Mechanismus. Weil Vorzügliches weiterhin selten ist, wird es das «Double Tourbillon Asymétrique» nur in limitierter Auflage von jeweils elf Exemplaren mit weissgoldener und rotgoldener Schale geben. Zum Innenleben nur so viel: Greubel Forsey hat die patentierte Konstruktion des Uhrwerks komplett überarbeitet. Beispielsweise haben die Uhrmacher den äusseren Käfig gewendet. Die Rotationsgeschwindigkeiten von einer Minute für das innere und vier Minuten für das äussere Drehgestell blieben dabei erhalten. Neuartig präsentiert sich die Gangreserveanzeige bei der «2». Sie besteht aus einem Fenster mit Drehscheibe und ersetzt die bisherige ZeigerIndikation. Das Handaufzugswerk mit zwei schnell drehenden Federhäusern und 72 Stunden Gangautonomie besteht aus 326 Komponenten.

Nicht nur für Regatten: Panerai und der «Luminor 1950 Regatta 3 Days Chrono Flyback Titanio» Beim «Luminor 1950 Regatta 3 Days Chrono Flyback Titanio», Referenz PAM 526, von Panerai handelt es sich um ein echtes Multitalent, welches es in der Geschichte der Zeitmessung so noch nicht gab. Bis dato wurde nämlich noch kein mechanischer Chronograf dem Faktum gerecht, dass Segelregatten ganz unterschiedlich lange Vorstartphasen besitzen können. Aber diese sportive Armbanduhr verfügt über einen Drücker unterhalb der Krone, welcher den mittig angeordneten und deshalb besonders gut ablesbaren Totalisator in Minutenschritten gegen den Uhrzeigersinn schiebt; und das je nach Bedarf bis hin zu 59 Minuten. Nach dem Starten des Chronografen bewegt er sich wieder in Richtung Nullpunkt. Genau in der Senkrechten nimmt die Regatta ihren Lauf. Mit von der Partie ist auch ein 12-Stunden-Zähler. Die aussergewöhnliche Funktion lässt sich wunderbar auch im Alltagsleben nutzen, beispielsweise beim Fussball, um die Länge einer Halbzeit (45 Minuten) vorzuwählen. Pastafans werden dieses leicht handhabbare Feature beim Al-dente-Kochen ihrer Lieblingsnudeln zu schätzen wissen. Das aufwendige Automatik-Uhrwerk P.9001/R mit zwei Zugfedern und drei Tagen Gangautonomie besteht aus 328 Bauteilen. Natürlich stammt es aus eigener Panerai-Produktion. Und das steigert die Attraktivität dieses Zeitmessers zusätzlich.

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Crown Royal headgear or watch winder? Discover the world of Fine Watchmaking at www.hautehorlogerie.org

Crown | The winding crown is a knurled or fluted button of various shapes, held between the thumb and forefinger and used to wind the watch. Some crowns incorporate a mobile pushbutton for operating a chronograph mechanism or to release the cover of a hunter case.

The FoundaTion’s ParTners | A. LAnge & Söhne | audemars PigueT | BAume & mercier | BoveT 1822 | cArtier | Chanel | chopArD | ChrisToPhe ClareT corum | de BeThune | girArD-perregAux | greuBel Forsey | hArry WinSton | hermès | iWc | Jaeger-leCoulTre | LouiS Vuitton | monTBlanC | pAnerAi Parmigiani Fleurier | piAget | ralPh lauren WaTCh & JeWelry | richArD miLLe | roger duBuis | tAg heuer | vaCheron ConsTanTin | VAn cLeeF & ArpeLS

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À la discretion: Patek Philippe Referenz 5227 Besonderes Kennzeichen der Offiziersuhren von Patek Philippe ist der sogenannte Scharnierboden. Dabei wölbt sich über dem rückwärtigen Saphirglas noch ein metallener Deckel. Das Uhrwerk bekommt also nur der zu sehen, der eigens dazu eingeladen ist. Bei der eleganten Referenz 5227 hat das Familienunternehmen die Kunst der Gehäusefertigung nochmals weiterentwickelt. Während bei früheren Scharniergehäusen das Gelenk offensichtlich war, ist es bei dieser Neukonstruktion diskret nach innen gewandert. Die Besonderheit des Bodens lässt sich somit von aussen nicht erkennen. JumboZeitmesser sind traditionsgemäss nicht die Sache von Patek Philippe. Deshalb üben sich die Genfer beim Goldgehäuse in vornehmer Zurückhaltung: 39 Millimeter genügen. Hinter dem üblicherweise verschlossenen Boden tickt das Automatikkaliber 324 SC mit vier Hertz. Seine «Spiromax» Unruhspirale besteht aus Silizium. Zeichen der umfassenden Qualität, welche sich auch auf die hohe Ganggenauigkeit bezieht, ist das eigene Patek-Philippe-Siegel.

Gleich vier Unruhn: «Excalibur Quatuor» von Roger Dubuis In der «Excalibur Quatuor» mit dem Handaufzugskaliber RD 101 verbaut Roger Dubuis nicht weniger als vier Gangregler. Aus technischen Gründen sind alle in einem 45-Grad-Winkel angeordnet. Jede der Unruhn oszilliert mit vier Hertz. Im Dienste einer unverzüglichen Kompensation von Lageveränderungen und sonstigen Unregelmässigkeiten wirken sie über drei Differenzialgetriebe zusammen. Dadurch wird der Mittelwert des jeweils erzielten Gangs angezeigt. Ein viertes Differenzial dient der «Tankuhr», ein fünftes dem Spannen der beiden Zugfedern. Als Krönung kann das innovative Siliziumgehäuse gelten. Jedes der in diesem Fall nur drei Exemplare erfordert 1 500 Stunden Arbeit.

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Michel Parmigiani und sein neuestes Zeit-Oeuvre, der «Ovale Pantographe» Die Wurzeln des neuesten Zeit-Oeuvre von Parmigiani reichen zurück bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Da fertigten die englischen Uhrmacher Verdon und Stedman eine ovale Taschenuhr mit Teleskopzeigern. Beim Drehen ihrer Runden wächst oder schrumpft die Länge passend zum Zifferblatt. Das sieht verblüffend einfach aus, aber die Achillesferse besteht in den Gelenken. Die müssen einerseits leichtgängig ausgeführt sein, dürfen den Schenkeln zum anderen jedoch nur wenig Spiel lassen, damit die Zeiger nicht touchieren, wenn sie sich über dem Zifferblatt begegnen. Die Steuerung selbst gestaltet sich relativ simpel. Jeder der beiden Zeiger besitzt im Zentrum eine ovale Nocke, deren Umfang das Strecken oder Zusammenziehen bewirkt. Gegenüber den Taschenuhren sieht die «Ovale Pantographe» mit ihren nur 45 x 37,6 Millimeter klein aus. Weil die Komplexität in der Uhrmacherei mit der Verringerung der Dimensionen steigt, musste Parmigiani detaillierte Studien dazu anstellen, damit sich der Minutenzeiger nie so stark verkleinert wie der Stundenzeiger. Höchst anspruchsvoll gestaltete sich auch das Ausschneiden und Zusammensetzen der Titan-Teleskopzeiger. Die erzielbare Präzision bewegt sich im Bereich zwischen zwei und vier Tausendstelmillimetern. Den Antrieb liefert das Handaufzugsformkaliber PF 111 mit acht Tagen Gangautonomie. Das tickende Oeuvre mit zwei parallel wirkenden Federhäusern besteht aus 227 Komponenten. Seine Unruh vollzieht stündlich 21’600 Halbschwingungen. Der Gangregler und die zugehörige Spirale stammen übrigens aus Parmigiani-eigener Fertigung. Seine neue «Ovale Pantographe» liefert Parmigiani in Rosé- und Weissgold.

Die dunkle Seite des Mondes: Omega «Dark Side Of The Moon» Die schwarze Seite des Mondes haben Pink Floyd 1973 besungen. Omega, dessen Speedmaster Professional Chronograf im Jahr 1969 tatsächlich in dieser unwirtlichen Gegend war, interpretiert mit dem schwarzen Keramikmodell «The Dark Side oft the Moon» diese Thematik aus Uhrmachersicht. Das schwarze Zifferblatt aus Zirkoniumoxid-Keramik passt zum 44,25-Millimeter-Gehäuse mit gebürstetem und poliertem Keramikmittelteil. Zwei geschwärzte, konzentrisch angeordnete Totalisatoren, die bis 30 Minuten und 12 Stunden reichen, unterscheiden diese Uhr von der sogenannten «Moonwatch». Stunden-, Minuten- und Zählzeiger bestehen aus Weissgold. Die matte Chromnitrid-Tachymeterskala bildet einen guten Kontrast zur polierten Keramiklünette. Die beiden Chronografendrücker bestehen ebenfalls aus polierter Keramik. Als tickendes Innenleben verwendet Omega das hausintern gefertigte Co-Axial Kaliber 9300 mit Si14-Silizium-Unruhspirale. Weil Omega von der Qualität absolut überzeugt ist, beträgt die Garantiezeit dieser «Speedmaster»ganze vier Jahre.

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Im Zeichen hilfreicher Zusatzfunktionen: «1815 Rattrapante Ewiger Kalender» von A. Lange & Söhne 1999 debütierte der «Datograph». Seitdem nahmen bei A. Lange & Söhne insgesamt acht Chronografenkaliber Gestalt an, z. B. das neue Kaliber L101.1 mit 32,6 Millimetern Durchmesser und 9,1 Millimetern Bauhöh­e. Die Schraubenunruh und die Unruhspirale bewegen sich im «1815 Rattrapante Ewiger Kalender» mit drei Hertz. Mit der Nennung dieses Namens sind bereits alle Funktionen aufgezählt. Der Schleppzeigermechanismus, im Uhrmacher-Französisch «Rattrapante» genannt, verkörpert wegen seiner besonderen Delikatesse die höchste Schule der Chronografen. Das Erfassen von Zwischenzeiten verlangt nach einem zweiten Schaltrad und einer komplexen Mechanik mit einer Zange, welche den Einholzeiger nach Betätigung des Drückers bei der Ziffer 10 anhält, während der eigentliche Chronografenzeiger unbeirrt weiterläuft. Ein abermaliger Knopfdruck bringt beide Zeiger wieder in Deckung. Von den insgesamt 636 Einzelteilen sind mehr als 100 unter dem Zifferblatt für das immerwährende Kalendarium mit Präzisions-Mondphasenanzeige zuständig. Präzision meint in diesem Fall, dass erst nach 122 Jahren ein einziger Tag nachzubessern ist, während der Kalender schon im Jahr 2100 nach einem kleinen Handgriff verlangt. Hierfür gibt es kleine, in die Flanken des 41,9-Millimeter-Goldgehäuses eingelassene Korrektoren.

Flach wie nie: Breguet «Classique Tourbillon» Referenz 5377 Breguet wartet mit einer extraflachen Armbanduhr auf, der Referenz 5377 «Classique Tourbillon extra-plat automatique». Ihr bis drei bar wasserdichtes Roségoldgehäuse im unverkennbaren Stil besitzt einen Durchmesser von 42 Millimeter und eine Gesamthöhe von lediglich sieben Millimeter. Weitere Attribute sind das handguillochierte Zifferblatt und die typischen BreguetZeiger mit kreisrundem Fenster nahe der Spitze, gefertigt aus gebläutem Stahl. Zu den äusseren Werten passt das gerade einmal drei Millimeter hohe Kaliber 581DR, das neben dem Tourbillon auch einen Rotor-Selbstaufzug besitzt. Das für Breguet patentierte «Hochenergie»-Federhaus gewährleistet bei normalen äusseren Dimensionen stattliche 90 Stunden Gangautonomie. Zu diesem Zweck verlangte das Uhrwerk nach einer peripher drehenden Schwungmasse, welche in diesem Fall zur Steigerung der Effizienz aus Platin, einem Edelmetall mit sehr hohem spezifischen Gewicht besteht. Dem Federhaus führt der Rotor in beiden Bewegungsrichtungen Energie zu. Aus Titan bestehen das Tourbillon-Drehgestell und die mit vier Hertz oszillierende Unruh. Letztere kooperiert mit einer Spiralfeder aus Silizium. Für die Hemmung kommen Silizium und amagnetischer Stahl zum Einsatz.

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Elegant mit Lederband: Die neue Rolex «Day-Date» Die 1955 lancierte «Day-Date» katapultierte Rolex in eine Spitzenposition bei den Luxusuhren. Der Grund: Die Armbanduhr war nur in 18-karätigem Gold oder noch exklusiverem Platin zu haben. Den hohen Anspruch des aussergewöhnlichen Geschenks zum 75. Geburtstag von Hans Wilsdorf unterstrich ein massives «President»Gliederarmband. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte stand die «Day-Date» im Zeichen fortwährender Optimierung. Zum Beispiel gab es ab 1972 einen Unruhstopp. Ein wichtiger Entwicklungsschritt bestand schliesslich in einer Schnellschaltung beider kalendarischen Indikationen über die halb gezogene Krone. Der ehrenvolle Beiname «President-Watch» resultiert aus der Tatsache, dass viele US-Präsidenten diesen AusnahmeZeitmesser trugen, dessen Wochentagsanzeige in allen Weltsprachen erhältlich ist. Die neueste Version der «Oyster Perpetual Day-Date» gibt es mit Gehäusen aus 18-katätigem Gelb-, Weissoder Everrosegold und hochwertigen Lederarmbändern. Das chronometerzertifizierte Automatikkaliber 3155 entstammt komplett aus eigenen Ateliers.

Klangvoll auf die Minute genau: Piaget «Emperador Coussin Automatic Minute Repeater» Seine erste Armbanduhr mit Minutenrepetition stellte das Haus Piaget in den 1950er-Jahren vor. Von diesem Zeitmesser, der seine akustische Dimension aus einem zugekauften Uhrwerk bezog, unterscheidet sich die «Emperador Coussin Automatic Minute Repeater» wie Tag und Nacht. Das auf dem ultraflachen Kaliber 1200P basierende 1290P mit Platinmikrorotor darf als flachstes seiner Art gelten. Die Konstruktion und Fertigung erledigt Piaget in eigenen Ateliers. Samt klanggewaltiger Schlagwerksmechanik misst der aus 407 Teilen zusammengefügte Mikrokosmos nur 4,8 Millimeter in der Höhe. Daher sind einige Zahnräder lediglich 0,12 Millimeter dick. Unter der Prämisse optimaler Akustik standen die Konstruktion der 48 Millimeter grossen, bis zwei bar wasserdichten Goldschale und die Verschraubung des Uhrwerks darin.

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Tickendes Über den englischen Blues- und Rock-Gitarristen Eric «Slowhand» Clapton (68) muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Weniger bekannt dürfte hingegen die Tatsache sein, dass Eric Clapton auch eine grosse Leidenschaft für Armbanduhren beseelt. Mit der gleichen Präzision wie er seine Saiten anschlägt und so gefühlvoll sein Timing beim Aufbau seiner Soli ist, so müssen auch seine Uhren, die bevorzugt aus der Schweiz stammen, ticken.

© Sotheby’s

aus dem Eigentum von Eric Clapton

Die Grösse seiner Sammlung, zu der angeblich auch mehr als vierzig RolexZeitmesser gehören, ist im Detail nicht bekannt. Der Rock-Musiker ist Rolex nicht nur als Testimonial zugetan, sondern auch als Sammler moderner und historischer Armbanduhren der Genfer Manufaktur. Day-Date, Daytona, GMT-Master, Milgauss, Submariner: Eric Clapton erfreute und erfreut sich an allem, was diesbezüglich Rang und Namen hat. Im Laufe der vergangenen Jahre fanden ausgesprochen seltene und in ihrer Art einzigartige Rolex-Zeitmesser aus dem Besitz des Gitarristen in Auktionen ihren Weg zu neuen Liebhabern. Besonders bemerkenswert: ein stählerner Daytona-Chronograf mit monochromem, sogenanntem «Albino»Zifferblatt. Dieser Zeitmesser erlöste im Jahre 2008 sensationelle 505’000 Dollar zugunsten von Claptons Wohltätigkeitsstiftung. Nicht minder spektakulär verliess 2003 einer von nur drei «Yachtmaster»-Prototypen mit auffälliger Fünf-Minuten-Regatta-Graduierung den Auktionssaal von Christie’s. Die erlösten 125’000 Dollar gingen einmal mehr an die gemeinnützige «Crossroads»-Stiftung des Rockstars. Weltberühmt ist jedoch seine Patek Philippe Referenz 2499/100 mit der Werknummer 869’308 und der Gehäusenummer 2’817’876 welche im Jahr 2012 bei einer Christie’s Auktion in Genf einen Rekordpreis erzielte. Einem, dem Vernehmen nach asiatischen Liebhaber, war einer von nur zwei Platin-Armbandchronografen mit ewigem Kalender, hergestellt 1987, am 12. November 2012 nicht weniger als 3’443’000 Schweizerfranken wert. Zur Geschichte der Referenz 2499 an dieser Stelle so viel: Sie folgte 1951 auf die mit dem gleichen Basiswerk ausgestattete Referenz 1518, welche 1941 als weltweit erste Serienarmbanduhr mit ewigem Kalender und Chronograf auf der Bildfläche erschien. Bis 1985 fertigte Patek Philippe 349 Exemplare von besagter Referenz 2499. Die letzten beiden Uhrwerke des Valjoux-Basiskalibers liess Patek Philippe, Präsident Philippe Stern, 1984 in Platingehäuse einschalen. Eines findet sich im Genfer Patek Philippe Museum. Jenes Exemplar, das Eric Clapton reichlich Ertrag einbrachte, gelangte bei der Patek Philippe Jubiläumsauktion am 9. April 1989 als Los 34 für 340’000 Schweizerfranken plus Aufgeld unter den Hammer. Über einen weiteren Zwischenbesitzer gelangte die Rarität vor etwa zehn Jahren zu Eric Clapton, der sie sogar gelegentlich nutzte, was dem Wert, wie man sieht, ausgesprochen zuträglich war.

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ANATOLE TAUBMAN by Gianni Pisano

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HUBLOT

Jacket Jet-Set by Grieder

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OMEGA

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Outfit Dsquared2 | Pocket Square Etro by Grieder | Shoes Navyboot


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Outfit BOSS


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Coat Bernies | Pullover Ermanno Scervino | Trousers Belstaff by Gassmann | Shoes Navyboot

PHOTOGRAPHER Gianni Pisano production Lina Baumann STYLING Alexandra Kruse, Style Council HAIR & MAKEUP Nathalie Nobs, ArtList Special Thanks to Nicole Kim

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12 Fragen

an

Anatole Taubman Der Schauspieler Anatole Taubman hat in über 70 Film- / TV-Produktionen mitgewirkt. Gerade hat er den Action-Adventure Film «Northmen – A Viking Saga» abgedreht. Ab dem 24. Januar ist er in einer Hauptrolle als «Sidney Dreifuss» im Drama «Akte Grüninger» schweizweit in den Kinos zu sehen.

Welche Lektüre liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch? E. H. Gombrichs «A Little History Of The World»

Welche Uhrenmarke tragen Sie? Omega Haben Sie einen bevorzugten Designer?

Ihre liebste Romanheldin oder Heldin aus der Dichtung?

Giorgio Armani und Petar Petrov

Puck in Shakepeares «A Midsummer Night’s Dream»und Virgils Aeneas

Lieblingsplatz in der Schweiz?

Das Leben welcher historischen Person würden Sie als Filmrolle gern spielen?

Lindenhof in Zürich, Zugerberg und die Berge in Graubünden

Widder-Restaurant im Widder Hotel und Taverna Catalana in Zürich

Ihr Lebensmotto? Aus Shakespeares «Hamlet»: «This above all: To thine own self be true.» Und von Rudyard Kipling: «If you can dream – and not make dreams your master. If you meet with triumph and disaster, and treat those two imposters just the same.»

Drei typische Schweizer Tugenden?

Welcher Versuchung können Sie nur schwer widerstehen?

Pünktlichkeit, Sachlichkeit, Nüchternheit

Fussball, vor allem Manchester United

Welches Auto fahren Sie und welches ist Ihr Traumauto?

Ihr Lieblingsrestaurant?

Was würden Sie gern können?

SEAT Leon SC und Jeep Grand Cherokee

Silberkugel in ZH-Oerlikon, das

Klavier oder Saxofon spielen

Valmont (fictional), Robespierre (nonfictional), Alfred Escher (swiss)

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Die ersteN mechanischeN

Uhren Monika Leonhardt, Kuratorin Uhrenmuseum Beyer, Zürich

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Vor mehr als 700 Jahren, so nimmt man an, wurden die ersten

mechanischen uhren

mit Räderwerk

und Gewichtsantrieb gebaut. Schriftliche Zeugnisse dafür sind aus Norditalien und England für das späte 13. Jahrhundert erhalten. The Luxury Way of Life | 127


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I

Im 14. Jahrhundert verbreiteten sich diese riesigen eisernen Maschinen in ganz Europa. In allen grösseren Städten dienten sie auf Kirchtürmen oder besonders für sie errichteten Uhrtürmen der öffentlichen Zeitmessung, zum Beispiel in Zürich 1366 auf dem Kirchturm von St. Peter oder 1370 in Paris am eigenen Uhrturm auf der Ile de la Cité. Die Glockenschläge dieser Turmuhren ordneten das Gemeinschaftsleben. Zum Privatgebrauch finden sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in den Haushalten wohlhabender Bürger kleinere Zimmeruhren aus Eisen mit Gewichtsantrieb. In dieser Zeit gibt es bereits vereinzelt und nur im Besitz von Königen und Fürsten Uhren, die statt mit Gewichten mit einer Aufzugsfeder angetrieben werden, «Kleinuhren» oder «montres» in französischer Sprache. Die Zimmeruhren mit Gewichtsantrieb, «horloges» oder «Grossuhren» in der Fachsprache, zeigen im 16. Jahrhundert und später zusätzlich zur Uhrzeit oft komplizierte Angaben, wie zum Beispiel den Wochentag und die Mondphase. Gelegentlich sind die Zifferblätter und Seitenteile dieser frühen Eisenuhren mit sehr kunstvollen Gemälden verziert. Überhaupt scheint eine Nähe zu bestehen zwischen bildenden Künstlern und den geschickten Schmieden, Büchsenmachern und Goldschmieden, die die ersten Uhren herstellten: Es handelt sich um eine Handwerkerelite, die untereinander oft auch verwandtschaftlich verbunden ist. Unsere Uhr mit dem wunderschön bemalten Zifferblatt wird von Gewichten angetrieben, sie ist also eine «Grossuhr», eine sehr kleine allerdings: Hinter dem Schild-Zifferblatt verbirgt sich ein Gehäuse aus Eisen, welches gerade 3,5 cm in der Höhe, 2,6 cm in der Breite und 2,6 cm in der Tiefe misst. Sie ist um 1580, also ins späte 16. Jahrhundert, datiert. Auf einem der winzigen Pfeiler hinter dem Zifferblatt findet sich als Signatur der Buchstabe Z. 1980 wurde das Ührchen für das Uhrenmuseum Beyer erworben, die nicht mehr vorhandenen Schnüre und Gewichte wurden ersetzt, die Malerei vorsichtig ausgebessert. Die Aufhängevorrichtung mit dem Ring aus Messing war zuvor schon angebracht worden. Weil die Uhr so klein ist, kann sie gut transportiert, allerdings wegen der Gewichte natürlich nicht am Körper getragen werden. Technisch entspricht das Werk ganz genau dem einer grossen Turmuhr, mit einer sehr bemerkenswerten Ausnahme. Doch schauen wir uns dazu das Zifferblatt genauer an.

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In der Mitte sehen wir eine Madonna mit dem Jesuskind, sie trägt einen roten Mantel wie eine Königin. Die Zeit hat den Malgrund, das Zifferblatt aus Eisen, stark aufgerauht und die Farben des Hintergrundes nachdunkeln lassen, dennoch meint man, noch etwas von der strahlenden Lieblichkeit des Madonnengesichtes zu spüren. Im oberen Bereich des Zifferblattschildes findet sich eine allegorische männliche Figur, die mit Sense und Sanduhr die Vergänglichkeit und Endlichkeit allen irdischen Daseins eindringlich darstellt. Die Uhrzeit wird auf diesem Zifferblatt auf eine ganz besondere Art und Weise dargestellt: Ein annähernd halbkreisförmiger Bogen weist die römischen Ziffern VI, VII, VIII … bis zur XII auf, nach XII wird weiter gezählt von I, II, III … bis wiederum VI Uhr. Diese Art der Zeitdarstellung erinnert an diejenige der Sonnenuhren. Besonders ist, dass der Zeiger hier nicht im Kreis läuft, sondern wieder zurückspringt. Man nennt diese Art der Zeitanzeige «retrograd». Sie findet sich bis heute gelegentlich, ein bekanntes Beispiel ist die «Record Sector Watch» um 1903. Unsere Uhr hier scheint das älteste bekannte Exemplar einer solchen retrograden Anzeige zu sein. Vielleicht wurde die Uhr nur nachts benutzt und man setzte sie erst bei Einbruch der Dunkelheit in Gang? Der Anblick des vorrückenden Zeigers mochte einer frommen vornehmen Dame geholfen haben, die langen Nachtstunden der dunklen Winternächte ein bisschen besser zu ertragen. Heute gehört das winzige Ührchen mit den Gewichten zu den beliebtesten Meisterwerken des Uhrenmuseums Beyer.


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Diamanten und Gold vermählen sich gern. Ihre Abstammung ist allerdings oft unklar und löst kontroverse Diskussionen aus. Zertifizierungen sind hier eine Möglichkeit, Transparenz herzustellen. Valeska Jansen

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Der Diamant, ist Objekt der Begierde und Statussymbol. Seine Herkunft war lange dubios. Fundorte vor allem in Südafrika, Namibia, Angola, Botswana, der Demokratischen Republik Kongo und Sierra Leone brachten lange Zeit sogenannte Blutdiamanten auf den Weltmarkt. Der Kimberley-Prozess, 2003 von der UN ins Leben gerufen, soll sicherstellen, dass keine Rohdiamanten in den Handel einfliessen, die zur Finanzierung von Rebellengruppen beitragen. Die Mitgliedsstaaten stehen dabei in der Verantwortung, zu garantieren, dass die Diamanten konfliktfrei abgebaut werden. Dies soll durch die Zertifizierung von Rohdiamanten erreicht werden. Dank dieses Zertifizierungsprogrammes wurde eine Plattform geschaffen, die Informationen über den Diamantenhandel zugänglich macht und die Herkunft der Steine transparent machen soll.

Nachhaltigkeit auf neuen Wegen Was viele nicht wissen, ist, dass es bis heute beim Goldschürfen und auch beim Handel mit Gold die gleichen undurchsichtigen Wege gibt, wie sie bis zum Kimberley Prozess bei Diamanten an der Tagesordnung standen. Einem aus geschürftem Gold gegossenen Barren sieht man seine meist diversen Herkunftsorte nicht an und überprüft kann hier auch nicht mehr werden. Doch auch hier gibt es Bestrebungen für mehr Transparenz.

Organisationen zum Schutz Vorreiter ist die Alliance for Responsible Mining (ARM). Als Non-Profit-Organisation hat sie sich zum Ziel gesetzt, das Leben von kleingewerblichen Bergbaugemeinden zu verbessern. ARMs Zukunftsvision: Eine formalisierte, organisierte und profitable Aktivität zu werden, die mit effizienten Technologien arbeitet, sozial und ökologisch verantwortungsvoll handelt, sich im Rahmen von Good Governance, Legalität, Partizipation sowie Respekt für die Diversität stetig weiterentwickelt. Sie möchte ihren Beitrag zur Generierung von angemessener Arbeit, zur lokalen Entwicklung, Armutsreduzierung und sozialem Frieden verstärken – dies als Antwort auf das wachsende Bedürfnis von Konsumenten nach nachhaltigen Mineralien und ethischem Schmuck. ARM ist Besitzerin des Fairmined-Label- und Zertifizierungssystems, das zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung von kleingewerblichen Bergbaugemeinden entwickelt wurde. Zu den Standards für verantwortungsvollen Bergbau gehören vier Voraussetzungen: soziale und wirtschaftliche Entwicklung, Umweltschutz und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Die FAIRMINEDzertifizierten Mineure erhalten einen fairen Preis sowie einen zusätzlichen Beitrag, der demokratisch in die Gemeinde investiert wird.

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Überprüfung ethischen Handels Auch das Responsible Jewellery Council (RJC) wurde gegründet, um das Vertrauen der Konsumenten in die Schmuckindustrie zu stärken – durch die Förderung von verantwortungsvollem und ethischem Handeln, die Einhaltung der Menschenrechte sowie der Richtlinien für soziale und umweltverträgliche Praktiken während der gesamten Wertschöpfungskette in der Schmuckindustrie. Der RJC hat eine allgemeine Plattform für Standards für die Wertschöpfungskette in der Schmuckindustrie und glaubhafte Mechanismen zur Überprüfung von verantwortungsvollen Geschäftspraktiken durch Drittparteien entwickelt.

Einer der grössten Diamanthändler verpflichtet sich Wichtiger Partner der Schweizer Uhrenindustrie ist die IGC Group, weltweit bekannt für ihre Diamanten. «Wir sind überzeugt, dass die Integrität der Diamanten- und Schmuckindustrie von den Prinzipien abhängt, für die sich Organisationen wie der Responsible Jewellery Council einsetzt. Wir verpflichten uns dafür, unseren Teil beizutragen. Die Förderung von ethisch und sozial

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verantwortungsvollen Geschäftspraktiken ist ein grundlegender Wert dieses Geschäfts», sagt Piet Rijk, Partner bei der IGC Group.

Beratung für die Umsetzung Vor allem für die Nachhaltigkeit setzt sich das Markenberatungsunternehmen Eco-Age ein. Es verhilft Kunden zu Wachstum durch die Umsetzung von ökologischer Intelligenz und nachhaltiger Praxis. Das Team hat grosses Verständnis für globale Marken sowie deren Image und Positionierung entwickelt und weiss um die grosse Bedeutung des First-Mover-Vorteils. Durch dieses innovative, Mehrwert schaffende Vorgehen wird das Schwergewicht auf die Generierung von effektiver Rendite für eine Marke oder ein Unternehmen gelegt.


WATCHES & JEweLLERY

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Partner für nachhaltigen Luxus: Livia Firth und Caroline Scheufele.

Chopard als Vorreiter der Branche Als erstes Schmuck- und Uhrenunternehmen arbeitet Chopard mit all diesen Organisationen eng zusammen und nach einem Zusammentreffen auf dem roten Teppisch mit Caroline Scheufele und Livia Firth entstand nun die erste Green-Carpet-Schmuckkollektion von Chopard. Die Gattin des berühmten Schauspielers Collin Firth gründete die Green Carpet Challenge GCC® 2009. Als Vorsitzende von Eco-Age und GCC® begrüsste sie die Zusammenarbeit mit dem Luxus Unternehmen Chopard als erstes Schmuckunternehmen weltweit ganz besonders: «Es ist manchmal schwierig in unserer frenetischen Welt, den Glamour und die Schönheit eines Haute-Joaillerie-Schmuckstücks direkt mit den kleingewerblichen Bergbaugemeinden Kolumbiens in Verbindung zu bringen. Jetzt können wir sehen, dass wir genau das tun. Die Herstellung dieser Verbindung bewirkt so viel. Das Lächeln auf den Gesichtern der Männer und Frauen, als sie erfuhren, dass Chopard die Art verändern würde, wie sie Gold in den Hügeln von La Llanada schürfen und dass dies ihren Familien helfen wird, ist ein Beweis dafür, dass Luxusmarken das Leben von Menschen rund um die Welt verändern können und diese Menschen als ebenbürtig angesehen werden. Unbezahlbar.»

Nachhaltigkeit in der Haute Joaillerie Drei Schmuckstücke aus der Green Carpet Collection von Chopard manifestieren bis jetzt das Engagement für nachhaltigen Luxus. «Es handelt sich um

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ein gewagtes Engagement, das wir aber eingehen müssen, wenn wir das Leben der Menschen ändern wollen, die unser tägliches Geschäft ermöglichen», sagt Karl Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard. Seine Schwester Caroline betont: «Mehr als tausend Familien werden von sozialen, von Umweltund Ausbildungsmassnahmen profitieren. Dadurch können sie in einer komplexen Region der Welt ihre Produktivität und Arbeitsweise verbessern und Nachhaltigkeit fördern. Unsere Partnerschaft mit ARM in Südamerika zur Unterstützung von verantwortungsbewussten, kleingewerblichen Mineuren wird stark zur Verbesserung des Lebens von Menschen wie Rosa-Maria Rosero beitragen. Rosa-Maria ist eine bemerkenswerte alleinerziehende Mutter von drei Kindern und Gemeindevorsteherin. Sie gründete eine kleine Goldabbaugenossenschaft in La Llanada, die ihrer Familie und ihren Nachbarn ein unabhängiges, sicheres und würdiges Leben ermöglicht.»


Rubriken

der schlüssel ZU EINEM AUFREGENDEN LEBEN. DAS ABSOLUTE GEGENTEIL VON GEWÖHNLICH DER NEUE MASERATI GHIbLI. Ab CHF 73’550.– | MASERATI.CH

DER NEUE MASERATI GHIBLI WIRD ANGETRIEBEN VON FORTSCHRITTLICHEN 3.0 LITER V6 MOTOREN MIT BIS zU 301 kW (410 PS) UND EINEM 8-GANG zF AUTOMATIkGETRIEBE. EBENSO IST EIN V6 TURBODIESEL MIT EINER LEISTUNG VON 202 kW (275 PS) SOWIE DAS INTELLIGENTE MASERATI Q4 ALLRADSYSTEM ERHÄLTLICH | GHIBLI.MASERATI.COM

* CO2 ist das für die Erderwärmung hauptverantwortliche Treibhausgas; die mittlere CO2-Emission aller (markenübergreifend) angebotenen Fahrzeugtypen in der Schweiz beträgt 153 g/km.

INSERAT

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WATCHES & JEweLLERY

Koenig of St. Moritz

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Eigentlich fängt alles Ende der 70er-Jahre an, als der spätere Gründer des Hauses für einen der renommiertesten «Juweliere» der Welt zu arbeiten beginnt.

Schnell erkennt man in Paris, dass der engagierte Mann eine enge Beziehung zu dieser Branche hat und ein höchstes Mass an gutem Geschmack und Engagement mitbringt. Man bietet ihm eine leitende Position an. Er wird in diesem Bereich nicht nur allen Erwartungen gerecht, nein, er erkennt auch, dass die Zukunft etwas anderes für ihn bereithält. Die grossen Unternehmen werden die individuellen Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden nicht mehr wie in der Vergangenheit berücksichtigen können, aber genau das ist es, was er will. Ewald König will etwas Besonderes und Aussergewöhnliches, etwas, das nicht jeder hat. Und so gründet er 1987 die König Design AG. Von der Stunde null avanciert das Unternehmen zu einer Institution und zählt zu den besten Adressen am Platz. Die Kundschaft schätzt den Stil des Hauses und die Fangemeinde wächst stetig. An Ideen mangelte es damals wie heute nie. Einzig die Umsetzung sorgte immer wieder für Zündstoff. Allzu oft musste man sich anhören: «Was Sie da vorhaben, das geht nicht.» Alles erschien unmöglich und extrem kompliziert. Unverständlich, man wollte ja damals wie heute nicht mehr als das, was schon vor 100 Jahren möglich gewesen ist. Es sollte doch nur fein und ästhetisch sein! Das musste doch mit den neuen technischen Mitteln noch einfacher sein. Und es hat funktioniert!

1996 steigt der Sohn der Familie, Roger König, nach abgeschlossener Goldschmiedeausbildung in das Familienunternehmen ein. Seit er mit an Bord ist,

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gibt es keine Grenzen mehr. Plötzlich ist alles möglich! Von nun an geht alles Schlag auf Schlag. 100 % Swiss Made ist für beide kein Slogan, sondern eine Mission und so richten Vater und Sohn zunächst ein kleineres Atelier in St. Moritz ein, welches heute auf fast 100 Quadratmeter und fünf weitere Mitarbeiter angewachsen ist. Im Jahr 2 000 gründen sie die Marke «Koenig of St. Moritz». Neu hinzugekommen ist ganz aktuell die «KOENIG»-Boutique in Zürich, in bester Lage nahe dem Paradeplatz, die im Juni diesen Jahres eröffnet worden ist und eine saisonunabhängige Präsenz ermöglicht. «Die Entwicklung der letzten Jahre ist natürlich auch ein Verdienst unserer Kunden, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis gepaart mit höchster Qualität und Individualität immer wieder honorieren und zu schätzen wissen.» Das Familienunternehmen wird ohne Zweifel weiter den eingeschlagenen Weg verfolgen und hält mit Sicherheit für die Zukunft noch viele Überraschungen bereit. www.koenigdesign.ch


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DIE NEUE DAVIDOFF NICARAGUA A U F D E R S U C H E N AC H KO M P L E X E N M I S C H U N G E N R E I S T E N U N S E R E TABAKMEISTER AUF UNBEKANNTEN PFADEN

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die Individualistin

Olga Ribler In der Altstadt von Luzern finden Liebhaber individuellen Schmucks ein grosszügig geschnittenes Atelier mit handgearbeiteten Entwürfen «by Olga».

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Valeska Jansen

Ihre Inspiration bezeichnet die gebürtige Russin, die seit über zwanzig Jahren in der Schweiz lebt, so: «Ich will das noch nie da gewesene zum Leben erwecken! Meine Liebe gilt der Natur und den Bergen. Dort entdecke ich täglich neue Wunder und diese halte ich in meinen Entwürfen fest.» In ihrer aktuellen Kollektion präsentiert sie unter anderem eine beschriebene Ringkollektion. Zitate von Dichtern und Sinnsprüche laufen rundum. Ihr Lieblingsmaterial ist das Edelstahl. Besondere Aufmerksamkeit schenkt Olga Steinen wie Rauchquarz, Amethyst und Labradorit, gefasst in Edelstahl und veredelt mit Gelbgold, Silber oder Roségold.

Individuelle Worte für die Ewigkeit Wer seinen eigenen Spruch verewigt haben will, hat die Möglichkeit, diesen im Atelier gravieren zu lassen. 300 Zeichen sollte die Eigenkreativität jedoch nicht überschreiten, denn mehr passt einfach nicht auf den Ring. Auf die Frage, welche Botschaft auf ihrem eigenen Ring nicht fehlen darf, antwortet die Designerin: «Das Wort Liebe muss zehnmal vorkommen!» Inspiriert zu den Sprüchen auf ihren Ringkreationen wurde die Mutter zweier Kinder auch von dem neuen Buch von Codello. Ein Zitat hat sie sich zum Leitmotto für 2013 gemacht: «… wenn etwas mit Liebe gemacht wurde, ist dessen Schönheit so überwältigend, dass die Mühen nicht erkennbar sind.» Individuelle Kreationen, meist aus Stahl oder Silber, frei nach dem Motto Olgas: «Meine Schmuckstücke tragen selbstbewusste, moderne Frauen, die gerne Abwechslung haben und gleichwohl hochwertigen Schmuck tragen wollen.»

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WATCHES & JEweLLERY Rubriken

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Drive-

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Roeckl

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Fliegender Spurenwechsel Bentley Flying Spur

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Auf der Seidenstrasse Landrover

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Im Zeichen des Pferds Ein Ferrari Unikat f체r Mister Slowhand

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In der Zeitmaschine Automobiles Revivalfestival

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Donnernde Motoren und Klavierkl채nge Ein Wochenende bei Bugatti

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Rubriken

Fliegender

Spurwechsel

Bentley Die neue «kleine» Bentley-Limousine soll nicht nur etwas schöner, grösser, stärker und sparsamer sein als ihr Vorgänger, sondern auch den Absatz ankurbeln – vor allem im Reich der Mitte. Deswegen gibt sich der zweite Bentley Flying Spur hauptsächlich luxuriöser und weicher als zuvor. Roland Löwisch

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Vermutlich wäre es falsch, Chinas Hunger nach Luxus, das Streben nach Reichtum und das extreme Wirtschaftswachstum des Riesenreiches auf eine Aussage Deng Xiaopings Anfang der 80er Jahre zu reduzieren. Doch immerhin fabulierte der damalige Staatschef sinngemäss von einem «Sozialismus chinesischer Prägung, bei dem es prachtvoll sein könnte, reich zu werden …» Viele Chinesen haben sich danach gerichtet: Heute gibt es nach einer Studie der Managementberatung A.C. Kearney rund 1,2 Millionen Chinesen mit einem Vermögen von etwa je 1,2 Millionen Euro und 63’000 Menschen mit einem Vermögen von etwa je zwölf Millionen Euro. In den nächsten Jahren sollen diese Zahlen um acht bis 30 Prozent wachsen. Ein schlechter Luxusautohersteller wäre, wer sich nicht mit Nachdruck dieser Klientel anbieten würde.

China liebt Komfort und Luxus Kearney rät, dafür lokal angepasste Produkte für die besonderen Geschmäcker der Jung-Millionäre zu entwickeln. Dabei seien marktführende Technik und Fahrdynamik weniger erheblich. Dem Chinesen an sich ist Komfort, Platz und sichtbarer Luxus viel wichtiger. Das ist die perfekte Spielwiese für einen neuen Bentley Flying Spur, den uns der britische Hersteller in deutscher Hand auch gleich in China testen liess, um ganz deutlich zu machen, für welchen Markt dieses Auto vorrangig gedacht ist. Auch wenn der Vorgänger seit 2005 insgesamt rund 20’000 Mal verkauft wurde und von den 2012 verkauften 2 100 Stück genau 1 164 Stück (55 Prozent) nach China gingen, war es Zeit für eine Auffrischung. Schliesslich sollen künftig sogar 60 Prozent der FlyingSpur-Produktion ins Reich der Mitte exportiert werden.

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Rubriken DRIVE STYLE

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Erster Schritt: Bentley streicht beim neuen Flying Spur das «GT» aus der bisherigen Namenskombination, um der Limousine schon mal mehr Eigenständigkeit zu verleihen. Der zweite Schritt ist ein neues Design: Wirkte der Vorgänger immer ein bisschen wie ein Continental GT mit zu spät erdachtem und deshalb etwas lieblos angeklebtem Limousinen-Heck, verlaufen die Linien nun wesentlich harmonischer. Die Karosserieelemente sind stärker ausgeformt, der Body wirkt schlanker, der jetzt breitere Radstand und die stärker betonten hinteren Radhäuser vermitteln Dynamik. Besonders der neu geformte und längere Heckdeckel sowie die nun horizontal angeordneten Rückleuchten mit grossen Ellipsen tragen zum wesentlich eleganteren Eindruck bei. Vorne sind die äusseren Leuchten jetzt grösser als die innen liegenden, was den Flying Spur noch deutlicher vom GT-Coupé unterscheidet. Innen sollen rund 600 Teile neu sein, versichert Bentley, nur Dinge wie Sonnenblenden, Türgriffe, Armlehnen und ein paar Schalter am Armaturenbrett sind übernommen worden. Bestens verarbeitetes Leder oder Holz dominieren nach wie vor und der aufstrebende Chinese kann nun auch per Fernbedienung vom Fond aus diverse Systeme steuern wie die (optionale) 1 100-WattNaim-for-Bentley-Anlage. Überhaupt wird er sich hinten nicht langweilen, falls die Multimedia-Spezifikation an Bord ist: Zehn-Zoll-LCD-Bildschirme, WLANHotspot, 64-GB-Festplatte, USB-Anschlüsse, DVD-Einschub und noch mehr sollen ihm die Fahrten zu seinen Fabriken verkürzen. Luxus eben. Dabei wird es ihn eher weniger interessieren, dass der neue Flying Spur um 50 Kilo gegenüber seinem Vorgänger abgespeckt hat, mit 322 km/h Spitze auch schnellste Bentley-Limousine aller Zeiten genannt werden darf, seine Karosserie um vier Prozent steifer ist und der Motor trotz zwölf Prozent mehr Leistung nun 13,5 Prozent weniger Kraftstoff konsumiert. Ihm werden die Eckdaten reichen, um des Nachbars neidisches Gesicht zu geniessen: 625 PS, Achtganggetriebe, permanenter Allradantrieb, der Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden. Schade, dass wir das alles nicht so richtig ausprobieren können – dazu sind die chinesischen Städte wie Peking, wo wird starten, zu voll und die chinesischen Gefängnisse, die uns bei Verkehrsübertretungen jeder Art drohen, zu ungemütlich.

Per Touchscreen einstellbaren Fahrwerksabstufungen Was aber sofort auffällt, ist die neue Fahrwerksabstimmung, die den schein-

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bar äusserst sensiblen verlängerten Rücken der Chinesen angepasst wurd­e. Denn die mögen es weich. Also verringerte Bentley die Federraten der Dämpfung vorne um zehn, hinten um 13 Prozent, legte die Querstabilisatoren um 13 bis 15 Prozent softer aus, ebenso die Lagerbuchsen – um sogar 25 bis 38 Prozent. Herausgekommen ist eine luftgefederte Sänfte, die man selbst mit der extremsten der vier möglichen, per Touchscreen einstellbaren Fahrwerksabstufungen nicht wirklich hart bekommt. Gut für den chinesischen Cruiser, nicht voll befriedigend für den Schweizer Geschäftsmann, der sich auch gerne mal selber ans Steuer setzt und die 625 PS über deutsche Autobahnen fliegen lassen will. Dafür wird nur er bemerken, dass sich die Fahrwerkshöhe aus aerodynamischen Gründen bei hohen Tempi ändert, denn in China sind 120 km/h auf Autobahnen das Maximum: Ab 195 km/h senkt sich die Limousine vorne um fünf und hinten um zehn Millimeter ab, bei 240 km/h sind es dann acht und 13 mm. Insgesamt glänzt der neue Flying Spur mit einem cW-Wert von nur 0,29 – das ist ein gutes Ergebnis für so ein 2,5-Tonnen-Schiff. Ist der chinesische Kunde im Durchschnitt fünf bis zehn Jahre jünger als der westliche Käufer, den Bentley zwischen 40 und 50 Jahren einordnet, muss er wesentlich tiefer in die Tasche greifen, wenn er sich diesen Luxusschlitten gönnen will. Für einen Flying Spur in Basisausführung sind nicht zuletzt aufgrund diverser Luxussteuern 4’058’000 Renminbi Yuan hinzublättern, das wären umgerechnet gut 600’000 Franken. Der glückliche Schweizer zahlt nur 271’300 Franken inklusive Steuern – und für die Edelversion Mulliner einen Aufschlag von humanen 16’000 Franken. Irgendeinen Vorteil muss es ja noch haben, in Europa zu leben …


Rubriken DRIVE STYLE

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DRIVE STYLE

Unterwegs

auf DER Seiden-

strasse Land Rover brachte 2013 zum 10. Mal die Experience Tour auf den Weg – und der führte entlang der legendären Seidenstrasse über 15’000 Kilometer, durch 11 Länder und 5 Kulturkreise von Deutschland bis nach Indien. Yvonne Beck

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DRIVE STYLE

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Geschafft! Die Land Rover Experience Tour erreichte nach 50 Tagen Fahrt ihr Ziel: Mumbai. Insgesamt elf Land RoverFahrzeuge hatten sich rund sieben Wochen zuvor in Berlin auf den Weg zur exklusiven und spektakulären Abenteuertour entlang der historischen Seidenstrasse gemacht. Sie erreichten wohlbehalten Indien, mit einem Kofferraum voller unvergesslicher Eindrücke und lauter strahlender Gesichter. Die Glücksgefühle kommen nicht von ungefähr, schliesslich bedeutete die Jubiläumsausgabe der Land Rover Experience Tour eine wahre Mammuttour: Zehn Länder wurden durchquert – von Deutschland über Polen, Ukraine, Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan, China, Nepal bis nach Indien. Die Abenteurer lernten auf ihrer mehr als 15’000 Kilometer langen Reise gen Osten mehrere Dutzend Kulturkreise kennen, einzigartige Landschaften, eine enorme Vielfalt an Menschen, Bauwerken und Naturschauspielen, gekrönt vom «Dach der Welt», den höchsten Höhen des Himalaja rund um den Mount Everest. Zu bestaunen gab es Einmaligkeiten wie das Taj Mahal im indischen Agra, den Palast des Dalai Lama in der tibetischen Hauptstadt Lhasa oder den Hafen der berühmten Schwarzmeerflotte. Dazu immer wieder jahrtausendealte Stätten als steinerne Zeugen der Seidenstrasse.

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DRIVE STYLE

Kleine Hindernisse Hinzu kommen unzählige kleine und grosse Ereignisse, denen sich der Land Rover-Tross stellen musste. Doch nichts brachte die Teilnehmer aus der Bahn: weder auf der Fähre über Bord gewehte Fahrzeugpapiere noch verlegte Fahrzeugschlüssel, weder 13 Stunden dauernde Grenzübertritte noch kleinere Karambolagen mit nepalesischen Lkws. Die erlebten Temperaturen von minus 10 bis plus 47 Grad, 5 300 Meter hohe Gebirgspässe, ausgetrocknete Seen und umgekippte Busse. Auch Schnee, Sand, Schotter oder grobe Schlaglöcher waren kein Hindernis, sondern eine Herausforderung. Selbstverständlich hatte die Land Rover Experience Tour für alle Eventualitäten vorgesorgt und umfangreiche Ausrüstung mit an Bord. Gebraucht wurde davon nur sehr wenig: Gerade einmal drei platte Reifen registrierten die Techniker – bei insgesamt mehr als 160’000 mit allen Autos zurückgelegten Kilometern. Tour-Leiter Dag Rogge: «An meinem Auto gab es in 50 Tagen extremen Dauereinsatz nicht die kleinste Kleinigkeit zu reparieren. Nicht eine Warnleuchte hat aufgeleuchtet, obwohl wir die Etappen teilweise im Schweinsgalopp zurückgelegt haben.»

Grosse Tour Mit der Triumphfahrt des Range Rover Evoque nach Indien krönt Land Rover vorerst die Erfolgsgeschichte seiner Experience Tour. Erstes Ziel war im Jahr 2000 Jordanien, das noch in etwas kleinerem Rahmen bereist wurde: Drei Teams eroberten eine Woche lang die Wüste und besuchten kulturelle High-

lights wie die Felsenstadt Petra. Anschliessend ging es quer durch mehrere Kontinente: vom afrikanischen Namibia weiter zum Dschungel Mittelamerikas, den unwegsamen Pfaden Islands und Schottlands, der Wildnis der kanadischen Provinz British Columbia und des argentinischen Hochlands sowie zum Regenwald in Malaysia. Zuletzt, im Jahr 2011, wurde Bolivien angesteuert: über 6 000 Meter hohe Andengipfel, der Regenwald Amazoniens oder der berühmte Titicacasee. Als Leiter von Land Rover Experience Deutschland ist Dag selbstverständlich dieser Geschichte eng verbunden – und er plant schon das neue Kapitel: «Nächsten Monat beginnen die Vorbereitungen für die nächste Land Rover Experience Tour. Noch steht das Ziel nicht fest. Aber ich habe schon eine konkrete Idee im Kopf.» Das kommende Frühjahr hält jedoch erstmal für jedermann die Gelegenheit bereit, auf den Spuren der Land Rover Experience Tour entlang der Seidenstrasse zu fahren: Zwischen März und Mai 2014 bieten die Land Rover Experience Reisen insgesamt sechs Etappen von Mumbai nach Deutschland an. Bevor es los geht ins nächste Abenteuer.

einzigartige Eleganz Die DS Prime Lady – in Weiss, mit Diamanten besetzt – ist ein Chronograf mit einer sportlichen Note. Drei feine Top-Wesselton-Steine auf ihrem Zifferblatt und ein vollständiges Set von sechzig Vollschliff-Diamanten auf ihrer Lünette verleihen ihr absolute Eleganz in grossartiger Certina-Tradition.

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Wahren Uhrenliebhabern wird an der DS Prime Lady das prächtig geformte 316L-Edelstahlgehäuse, der sanfte Kontrast satinierter und polierter Bandanstösse und die eindrückliche Lünette mit 60 Top-Wesselton-Vollschliff-Diamanten auffallen. Die Lünette ist edel und fasst ein ebenso schönes Zifferblatt hinter einem entspiegelten Saphirglas ein. Dieses trägt schwarz vernickelte Zeiger und Indexe sowie drei Diamanten bei der Ziffer 12. Dezente Kreislinien aussen am silberfarbenen Zifferblatt umgeben einen satinierten Mittelbereich mit Sonnenschliff, in dem ein 30-Minuten- und 1/10-Sekunde-Chronografenzähler sowie die kleine Sekunde positioniert sind. Wie schon das Monogramm «DS» auf der geschützten Krone andeutet, ist die DS Prime Lady mit dem DS-Konzept ausgestattet und bis zu einem Druck von 10 bar (100 m) wasserdicht.

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Claptons Ferrari

«Ich liebe Autorennen seit ich ein kleines Kind war, aber es gibt nur eine Automarke, die ich schon seit jeher verfolge: Ferrari.» Für Eric Clapton, ein VollblutMusiker und Vollblut-Ferrari-Fan, begann die Liebe für das Prancing Horse schon vor sehr langer Zeit. Diese Liebe wuchs natürlich mit jedem Ferrari, den er während den letzten 45 Jahren in allen Farben fuhr. Dazu gehörten ein 365 GTC, ein Daytona, ein 275 GTB, ein 250 GT Lusso sowie natürlich auch modernere Modelle wie ein GTO oder den Enzo, den er eigenhändig von Maranello nach England fuhr. Schon öfters war Mr. «Slowhand» jedoch zu schnell unterwegs, sodass er seinen Führerschein schon mehrmals abgeben musste. «Ich liebe den Klang von Ferraris und, als Musiker, kann ich bestätigen, dass diese Maschinen wahre Musik überliefern. Ich muss sagen, dass ich eine Schwäche für 12-Zylinder-Musik habe.» Trotz dieser Schwäche musste der Musiker bei seiner Einzelanfertigung mit der Bezeichnung SP12EC und mit dem Kontrollschild SP12EPC, welches über 4 Mio. Schweizer Franken kostete, einen Kompromiss eingehen. Anstelle eines 12-Zylinders musste er sich bei der Motorisierung mit dem Motor

des 458 Italia begnügen. Was jedoch eine vortreffliche Wahl war. Seine Hommage an den 512 BB, von dem er insgesamt drei besass und mit dem er in den 70er-Jahren auch einen schlimmen Unfall hatte, ist ein formvollendetes Meisterwerk in den Farben rot und schwarz. Auf die Frage nach den Ähnlichkeiten zwischen dem Schreiben eines Songs und dem Kreieren eines Ferraris, lautete Claptons Antwort, dass Leidenschaft und Pflege jedes einzelnen Details die zwei wichtigsten Aspekte seien. Es sei fundamental, dass die Seele eines kreierten Objekts nicht zusammengestaucht werde. Clapton bezeichnet den Werdegang zu «seinem» Unikat, welchen er während der ganzen Zeit akribisch verfolgte, als eines der befriedigsten Projekte, bei denen er bisher involviert war.

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In der Zeitmaschine Eine magische Reise in die Vergangenheit. Glamour und Faszination des Motorsports auf dem Areal von Goodwood House, dem Landsitz der Herzรถge von Richmond.

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Das Goodwood Revival gehört zu den weltweit beliebtesten historischen Autorennen. Es ist eine Inszenierung der besonderen Art und ein Mekka für Oldtimerfans. Fantastische Fahrzeuge aus den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren lassen die glorreichen Tage der Goodwood-Autorennen wieder aufleben. Jeden September lädt der Earl of March and Kinrara Oldtimer- und Motorradfans auf seinen Landsitz im südenglischen Goodwood zu einer einmaligen Zeitreise ein. Die riesigen Ländereien sind seit Generationen in Familienbesitz. Der Grossvater des jetzigen Earls, ein begeisterter Rennfahrer, hatte der britischen Luftwaffe Ende der 30er-Jahre Land für einen Ausweichflugplatz zur Verfügung gestellt. Bereits zu dieser Zeit trugen einige Offiziere hier private Autorennen auf der Ringstrasse aus. Daher liess der Earl nach dem Krieg den Rundkurs zur Rennstrecke umbauen. Das erste offizielle Rennen fand am 18. September 1948 statt. Bis 1966 wurden in Goodwood zahlreiche Rennen ausgetragen – inklusive Formel 1. Da die Strecke jedoch als sehr gefährlich eingestuft wurde, setzte man in späteren Jahren internationale Rennen ab. In Gedenken an die

alten, glamourösen Zeiten liess der heutige Earl die alten Traditionen jedoch wieder aufleben und veranstaltet seit 1998 das Goodwood Revival Festival. So können Besucher heute wieder eintauchen in die goldenen Jahre des Rennsports, in die Welt tollkühner Helden in ihren driftenden Rennmaschinen. Eine Besonderheit des Revivals ist die offiziell kommunizierte Kostümpflicht. Wer nicht in einigermassen zeitgemässer Kleidung erscheint, dem wird der Zutritt zu einigen Bereichen, wie dem Fahrerlager, verweigert. Historisch sind hier also nicht nur die Automobile, sondern das gesamte Ambiente: Männer in Tweedjacken, Damen in Pelz und Stola und Männer in alten Offiziersuniformen runden das Bild ab und versetzten die Besucher in eine andere, längst verschwundene Welt.

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Photo Markus Hofmann | white-photo.com Copyright BMW Motorrad

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DIE WAHL DER TOP AUTOMARKEN AUCH IM WINTER. Massgeschneiderte Technologie entwickelt mit den besten Automobilherstellern zur Optimierung der Fahrzeugleistung bei allen Winterbedingungen.

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Ein Wochenende voller Highlights in Molsheim, der Wiege und dem Sitz von Bugatti. Auge in Auge mit dem schnellsten strassen足 zugelassenen Seriensportwagen der Welt. Francesco Ciringione

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Der Himmel über Basel war grau, die Sonne wollte einfach nicht scheinen, aber das konnte mir die Laune nicht verderben, denn vor mir sollte ein unvergessliches Wochenende liegen, welches jeden Autoliebhaber vor Neid erblassen lässt. Bugatti lud zum «L’art au Château Saint Jean». Vor mir lag ein Ausflug nach Molsheim im Elsass, zum Werk Bugattis.

Auf nach Molsheim Im Jahr 1998 kauft die Volkswagen AG die Marke Bugatti und beschliesst, für die Produktion der nächsten Generation der traditionsreichen Automobile kommt nur der Ort ihres Ursprungs, Molsheim im Elsass, in Frage. Die Kleinstadt am Rande der Vogesen kann unabhängig von den BugattiWerken auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken: Während der Reformation und Gegenreformation war sie lange Zeit Sitz der Bischöfe von Strasbourg. Zudem beherbergte sie eine berühmte Jesuitenuniversität, die

jedoch Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in die grössere Nachbarstadt zog. Das heutige Werksgelände nimmt einen bescheidenen Teil der ehemaligen Fläche ein, auf der damals bis zu 1 200 Arbeiter die Klassiker montierten. Die Verwaltung befindet sich im restaurierten Château Saint Jean, die Produktion des Veyron 16.4 im neu geschaffenen ovalförmigen Atelier. Hinzu kommen ein schlichtes Lager und die beiden wieder aufgebauten Remisen. Die Orangerie und das alte Tor sind jedoch zwei unveränderte Zeugen der Schaffenszeit von Ettore Bugatti. Hier, in Molsheim, gründete der italienische Automobilpionier 1909 seine legendären Bugatti-Werke.

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Hier feierte er seine Rennerfolge und seinen Aufstieg zum angesehenen Unternehmer und zur Legende. Und hier endete schliesslich die Geschichte einer der grössten Marken nach dem Zweiten Weltkrieg – vorläufig. Denn die von Ettore Bugatti begründete Tradition aus Konstruktionsleistung und Ästhetik lebt hier spätestens seit dem Produktionsstart 2005 weiter. Trotz Wetter fuhr ich also voller Vorfreude los, denn auf mich wartete ein Bugatti Veyron und diesen darf man nicht jeden Tag fahren. Nein, einen Bugatti Veyron 16.4 sieht man auch nicht jeden Tag! Nach genau zwei Stunde fuhr ich schliesslich in Molsheim ein, ja, genau zwei Stunden, denn die Navigation meines Flitzers lotste mich durch Wälder, Dörfer und Ackerstrassen. Ich liess mich jedoch nicht demotivieren und erreichte schliesslich mein Ziel. Endlich, ich konnte es kaum glauben, ein Märchen, wie im Kinderbuch: Das Bugatti Areal – eine Oase des Glücks. Im Stil eines edlen englischen Landschaftsgartens umgeben von Feldern, Bäumen, romantischen Wegen, kleinen Hügeln, Ruhezonen und Pavillons. Ja, die Bugatti-Familie hospitiert sogar eine Rehfamilie auf dem Areal – einfach zum Träumen.

Ein Schloss der passenden Rahmen für Bugatti Das Château Saint Jean ist heute Sitz des Unternehmens Bugatti Automobiles SAS. Ettore Bugatti kaufte das 1857 gebaute Schloss Ende der 1920erJahre. Das Areal grenzt an das frühere Gelände der Bugatti-Werke und soll

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für den Firmengründer die Marke Bugatti repräsentieren. Auf alten Fotografien liefert der stattliche Herrensitz daher häufig den Rahmen für die eleganten Bugatti-Automobile. Das Château dient jedoch nicht als Wohnhaus der Familie, wenn auch Carlo Bugatti und seine Frau Teresa, die Eltern von Ettore, ihre letzten Jahre in einer der Remisen des kleinen Schlosses verbrachten. Über die Jahrtausendwende wurde das Schloss, das seit dem vorläufigen Ende der Bugatti-Werke nach dem Zweiten Weltkrieg leer stand, im Einklang mit dem Denkmalschutz sorgfältig umgebaut und restauriert. In unmittelbarer Umgebung finden sich die bewusst original belassene Orangerie und ein kleiner Forst, der schon zu den Glanzzeiten von Bugatti in den Zwanziger- und Dreissigerjahren den herrschaftlichen Rahmen vervollständigt hat. Inmitten dieser mondänen Nachbarschaft liegt das moderne Bugatti-Werk. Der Bau wurde vom Architekten Gunter Henn entworfen. Er griff bei dem Grundriss das schon von Ettore Bugatti in seinen


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Konstruktionen sowie im Markenzeichen verwendete Oval auf. Eine Führung durch das Atelier bringt uns die einzelnen Schritte des Autobaus näher. Und ein echter Autonarr, wie ich es bin, kommt Gänsehaut allein schon bei dem Gedanken auf, dass in diesem Gebäude die schnellsten strassenzugelassenen Seriensportwagen der Welt hergestellt werden, Boliden mit über 1 000 PS.

Hightech meets Design «Bin ich in einer Schönheitsklinik oder in einem Autowerk», fragt mich meine Lebenspartnerin. Verständlich, alles ist steril, ordentlich, kontrolliert und sauber. Hightech meets Design! Im ovalen Hauptteil des Gebäudes werden die Supersportwagen montiert: Neben der Motorenvormontage wird jeweils ein Veyron auf einem der drei Montageplätze in Handarbeit zusammengesetzt. Die schwarzen Module beherbergen abgetrennte Prüfbereiche, in denen die technische Perfektion der Sportwagen bis zur Schlüsselübergabe an den Kunden mit grösster Sorgfalt getestet wird. Alle Einbauten, Maschinen und der Boden strahlen die Ordnung und Reinheit aus, die schon Ettore Bugatti in seinen Hallen forderte. Bei der Konzeption des Ateliers wurde der ästhetische Anspruch eines Ettore Bugatti in die Moderne übersetzt. Dabei ist ein Bauwerk entstanden, das wie die Motorskulpturen des Firmengründers kein reiner Zweckbau ist: So verdeutlicht auch das Atelier die uneingeschränkte Perfektion, mit der die Automobilmarke Bugatti wieder zum Leben erweckt wurde. Während unserer Führung bereiten die Mitarbeiter des Konzernes die Kulisse für den Abend vor. – Mister Lang Lang

wird in Anwesenheit eingeladener Persönlichkeiten der Autoindustrie und dem angefertigten Sondermodell des Veyron Grand Sport Vitesse in Klavieroptik ein Konzert geben. Doch etwas anderes lenkt meine Aufmerksamkeit ab, vor der Halle ist ein Kreischen zu hören. Mein Moment ist gekommen – ich werde nach draussen gebeten. Testfahrer Pierre-Henri Raphanel, der einst den Weltrekord knackte und mit 431 km/h über die Teststrecke in Ehre-Lessindo raste, lädt mich zu einer Probefahrt ein.

Die Reise in die Zukunft kann beginnen Während Pierre-Henri Raphanel mir die Bedienung und die Eckdaten des Supersportwagens erklärt und wir durch die typischen charaktervollen Landstrassen Frankreichs fahren, schaue ich nach vorne und warte sehnsüchtig nach einer geraden Strasse ohne Verkehr, damit er die ganzen 1 001 PS in Bewegung setzen kann. – Endlich passiert es, er gibt Vollgas. Pures Adrenalin schiesst in meinen Körper!

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« Hut ab Bugatti! Ein Kunstwerk im Automobilbau! » 172 | PRESTIGE


Rubriken DRIVE STYLE

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Eine Beschleunigung der Superlative mit einer wahnsinnigen Bodenhaftung, ein Drehmoment von 1 250 Nm, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden, Carbon-Keramik-Bremsscheiben, damit eine maximale Sicherheit gewährleistet ist, so sicher, dass der Testfahrer während dem Bremsvorgang in die Hände klatscht. – Hut ab Bugatti! Ein Kunstwerk im Automobilbau! Nachdem ich dann noch fahren durfte, war der Fall klar, mehr geht nicht mehr! Ein Bolide auf Gleisen oder eine Rakete auf vier Rädern. Zurück im Werk musste ich erst mal ein Glas Wasser trinken, um wieder zu mir zu kommen. Doch schon bald ging es weiter im Programm. Wir lernten den sympathischen und lebensfreudigen Pianisten Lang Lang kennen,

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lauschten Achim Anscheidts, Designer von Bugatti, Vortrag über die Philosophie und Tradition des Konzerns und lernten etwas über den Bugatti Type 57, dem teuersten Auto der Welt. Er wurde für über 23 Millionen Euro verkauft. Den fulminanten Abschluss des Wochenendes bildete das Konzert Lang Langs in Anwesenheit des wunderschönen Sondermodells Bugatti Grand Sport Vitesse mit 1 200 PS und dem zeitlosen Bugatti Type 57 Atalante. Eine einmalige, unvergessliche und traumhafte Atmosphäre. Bugatti – ich komme wieder!


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Die Schuhe der Stars Salvatore Ferragamo

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Die Päpstin der Modebranche Anna Wintour

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Die neue Handtasche Der Rucksack

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Die Schuhe Der

stars Salvatore Ferragamo Dies ist die Geschichte eines Prinzen aus dem M채rchen, der mithilfe eines Schuhs seine Prinzessin fand. Lone K. Halvorsen

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Jedoch fand dieser Prinz nicht nur eine Prinzessin … Er fand mithilfe von Schuhen eine ganze Reihe von Prinzessinnen: Marilyn Monroe, Greta Garbo, Audrey Hepburn, Evita Peron, Sophia Lauren. – Es gibt kaum eine Grande Dame des letzten Jahrhunderts, deren Füsse er nicht «bekleidet» hat. 1898 in Italien geboren, liess er schon sehr früh eine ausserordentliche Begabung für Schuhe erkennen. Als «frühreifer» Schuhmacher entwarf er im Alter von neun Jahren das erste Paar Schuhe für seine Schwester, mit elf Jahre begann er eine Lehre bei einem neapolitanischen Schuhmacher und bereits zwei Jahre später eröffnete er sein eigenes Geschäft im Haus seine Eltern. Sein Name: Salvatore Ferragamo. Eine Lebensgeschichte wie aus dem Märchen.

Die Eroberung Hollywoods Schuhe gehören zweifelsohne zu eine der ältesten menschlichen Kulturgütern. Auch wenn bei Ötzi – etwa 5 300 Jahre alt – ein funktioneller Schuh mit drei Isolierschichten gefunden wurde, dürfte es nicht lange gedauert haben, bis zum rein funktionalen Wert auch ein ästhetischer dazu kam. Schuhe wurden im Laufe der Jahre zu einem Objekte der Kunst und Mode. Und so manche Schuhmacher wurden mit der Zeit wahre Schuhkünstler. Salvatore Ferragamo siedelte mit 16 Jahren nach Kalifornien über, und dank seines Geschäftssinns und seiner aussergewöhnlichen Fähigkeiten avancierte er sehr schnell zum Schuhmacher der Stars mit seinem «Hollywood Boot Shop». Seinen Erfolg fand er hier, indem er Reparaturen und Massanfertigungen von Schuhen ausführte, die bald zu begehrten Must-haves der Prominenten wurden: Zehn-Zentimeter-Pumps für Marilyn Monroe, Ballerinas für die Stilikone Audrey Hepburn oder Regenbogen-Sandalen für Judy Garland.

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Er entwarf märchenhafte Kreationen mit funkelnden Strasssteinen besetzte Heels, schmetterlingsgleichem Dekor umhüllte Traumschuhe, in denen man gern Champagner schlürfen würde und in denen nicht nur ein Aschenputtel oder Schneewittchen Bella Figura machen würde. Er war ein Meister seines Fachs und entwarf für jeden Typ Frau genau die richtigen Schuhe. Der kleine Junge hat die Glitzerwelt des Films erobert und durfte die schönsten Hollywood-Diven ausstaffieren. Auf seinen Absätzen stöckelten sie sicher dem Happy End entgegen.

Made in Italy Reich und berühmt kehrte Salvatore Ferragamo nach dreizehn Jahren wieder zurück nach Bella Italia und liess sich in Florenz geschäftlich nieder. Hier wollte er endgültig die Heimat für seine meisterliche Handwerkskunst finden. Er konzentrierte sich auf den heimischen Markt und revolutionierte die Produktionsmethoden. Bedeutende Innovationen wie der mit Metall verstärkte Stöckelschuh oder die unsichtbare Sandale mit einem Oberteil aus Nylonfäden. Jedoch auch Ballerinas, zehenlose Highheel-Sandaletten sowie den Keilansatz – auch bekannt als Wedge – führten zu stetiger Expansion und internationalem Erfolg der Hauses Ferragamo. 1960 starb Salvatore Ferragamo, jedoch führt seine Familie das grandiose Erbe des «wundersamen Schuhmachers» erfolgreich fort. Viele Jahrzehnte später denkt man bei Ferragamo immer noch an hochelegantes Schuhwerk. Aus der Marke Ferragamo ist mittlerweile ein weltweit agierender Luxuskonzern geworden – jedoch immer noch italienisch. Sein Hauptquartier liegt in Florenz, im berühmten Palazzo Ferroni. Der Luxuskonzern steht weiterhin für die absolute Perfektion in der Verarbeitung von Leder. Tradition, feinste Handarbeit und Luxus mit einem gewissen Understate-

ment sind die Devisen des Unternehmens. Dadurch haben die Produkte von Ferragamo bereits Kultstatus erlangt und werden weltweit in bedeutenden Museen präsentiert. Ferragamo hatte zeitlebens den Ruf eines Visionärs inne, jedoch blieb er dem traditionellen und stilvollen Design treu. Er lieferte uns ein Schuhmärchen. Ohne ihn wäre halb Hollywood barfussgelaufen, wir könnten die Sommertage nicht in Ballerinas geniessen und die Welt wäre um eine schöne Geschichte ärmer.

SHORTCUT The Amazing Shoemaker – Fairy Tales and Legends about Shoes and Shoemakers Die Ausstellung ist bis zum 31. März 2014 im Museo Salvatore Ferragamo in Florenz zu sehen. Nicht nur rund 100 Paar märchenhafte Schuhe aus dem Fundus von Ferragamo werden gezeigt, die Frauenherzen bis heute begehrlich höherschlagen lassen. Zu den Exponaten zählen auch jede Menge Überraschungen rund um Ferragamos fabelhafte Fussbekleidungsmodelle: von magischen Wunderwerken aus dem Reich der Märchen, Sagen und Legenden bis hin zu Werken historischer wie zeitgenössischer Kunst.

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für alle Schuhfanatiker

Frauen wissen schon lange, dass coole Schuhe nicht nur das Outfit ergänzen, sondern der eigentliche Sinn des Ganzen sind. Von Aschenputtel bis Carrie Bradshaw haben wir uns alle Hals über Kopf in «das richtige Paar» verliebt – zur Hölle mit Kosten und Bequemlichkeit! Dieses Buch erforscht die Aussenbereiche des avantgardistischen Schuhdesigns. Unbehindert vom Konsumterror regiert bei den hier präsentierten Designern der Zukunft allein die künstlerische Vision. Ihre verrückten Entwürfe glänzen mit einer Reihe von aussergewöhnlichen Formen und Materialien. Bei Einflüssen, die vom LasVegas-Pep über geheime Stammesreliquien bis hin zu moderner Architektur reichen, fällt es manchmal schwer, zwischen originellem Schuhwerk und Konzeptskulptur zu unterscheiden.

For the Love of Shoes Patrice Farameh TeNeues Verlag

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PRESENTS

NADINE STRITTMATTER by Gianni Pisano

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Mikimoto

Mikimoto Pearls by Les Ambassadeurs | Dress Zuhair Murad by Gassmann

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BUCHERER

Dress Dolce & Gabbana by mytheresa.com

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LA SERLAS Dress Akris

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EBEL

Dress Bibi Bachtadze by Gassmann

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J’ADORE DIOR

J’adore (eau de Parfum) by Dior | Dress Boss | Necklace Lanvin by mytheresa.com

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LES AMBASSADEURS

Pullover Saint Laurent by mytheresa.com | Bra Agent Provocateur | Rock Jean Paul Gaultier by Gassmann

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Fashion

MEISTER JUWELIER Dress Azzaro by Gassmann

PHOTOGRAPHER Gianni Pisano production Lina Baumann STYLING Alexandra Kruse, Style Council HAIR & MAKEUP Nathalie Nobs, ArtList (Hair: using Less is More | MakeUp: UNE | Lipstick: Dior)

Special Thanks to Rahel Locher

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14 Fragen

an Nadine

Strittmatter

Nadine Strittmatter ist das erfolgreichste Model der Schweiz. Sie wurde von Karl Lagerfeld und John Galliano für Chanel und Christian Dior für den ersten, grossen Modelauftrag gebucht. Bereits seit 2002 ist Strittmatter ein Model auf dem internationalen Parkett. Sie lief in Paris, Milano, Berlin und New York für Marken wie Armani, Givenchy und Victoria Secret. Abseits des Laufstegs war Strittmatter auf den Cover der Modezeitschriften Vogue, Elle oder Harpers Bazaar zu sehen.

Welche Lektüre liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?

Haben Sie einen bevorzugten Designer?

Ein Manual über Kundalini Yoga

Saint Laurent by Hedi Slimane

Kronenhalle in Zürich, obwohl ich Vegetarierin bin.

Ihre liebste Romanheldin oder Heldin aus der Dichtung?

Ihr liebstes Kleidungsstück?

Ihr Lebensmotto?

Ein schwarzer Lederblazer von Saint Laurent

You create your own reality

Der Idiot – von Dostojewski

Welches Auto fahren Sie und welches ist Ihr Traumauto? Ich fahre meine Traumautos: In der Schweiz einen MINI Paceman 4x4 – jetzt im Winter ist er perfekt für die Berge! Wenn ich in Los Angeles bin jahre ich ein MINI Cabriolet.

Ihr Lieblingsduft? Bormeo by Serge Lutens Ihr Lieblingsplatz in der Schweiz? Arosa bei meinen Eltern

Ihr Lieblingsrestaurant?

Welcher Versuchung können Sie nur schwer widerstehen? Kaffee, Schweizer Schokolade, Abendessen – am liebsten erst kurz vor Mitternacht darüber kann ich lachen? Über mich selber

Welche Uhrenmarke tragen Sie? Je nach Outfit und Anlass – Ebel oder eine Casio Retrouhr

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Drei typische Schweizer Tugenden?

Was würden Sie gerne können?

Effizienz, Demokratie, Bescheidenheit

Singen


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Fashion

Die Designer lassen sich dieses Jahr von der Mode aus den 90er-Jahren inspirieren. Vor allem die Musikszenen nahmen damals Einfluss auf die Mode und umgekehrt. Heute ist vieles wieder da und lässt Erinnerungen an die damaligen MusikgrÜssen aufleben. Kathrin Eckhardt

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Fashion

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Neulich unterhielt ich mich mit einer Freundin über vergangene Modesünden. Wir erzählten uns von Zickzack-Scheiteln, Haarbändern und übergrossen Jeans im «baggy Look». Die 90er-Jahre waren die Jahre meiner Jugend und ich liess keinen der damaligen Trends aus. Sie waren vom Stil etwa so vielfältig wie das Tierreich des Urwaldes. Hauptsächlich geprägt durch die verschiedenen Musikbewegungen, die von Techno bis Grunge zu Hip-Hop reichten. Die Lebens- und Kleiderstile der Szenen unterschieden sich wie Sonne, Mond und Sterne. Diese Gegensätze machten die damalige Zeit unkonventionell, auffällig und spannend. Die Individualität und Selbstverwirklichung jedes Einzelnen wurde zunehmend wichtig und war Lebensinhalt der Jugend. Zudem hatten die Menschen keine Lust mehr auf Perfektion, sondern auf ein reales Abbild der Welt. Dies hatte vor allem Einfluss auf die Modefotografie, in der immer öfters Freunde anstelle von Modellen gezeigt wurden. Auch entstanden die Bilder spontan und nicht erst nach stundenlanger Vorbereitung.

Heute erinnert wieder vieles an die Mode von damals und versetzt mich in meine Jugend zurück. Angefangen bei den gefärbten Haaren in schrillen Farben wie sie damals die Sängerin Gwen Stefani von No Doubt in Pink oder auch mal in Blau trug. Heute sind die Köpfe auf den Strassen der Modemetropolen wieder voll mit den verschiedensten Farbnuancen. Auch die Sängerinnen von heute mögen wieder eine farbige Haarpracht, Hayley Williams von der Band Paramore mag es in Pink und Rot und Nicki Minaj in Blau. Zudem mag die Sängerin Rihanna und das Model Alexa Chung Latzhosen. In den 90er war man mit ihnen auf dem Schulhof in der Pause der Hingucker. Heute werden sie etwas körperbetonter getragen und mit hohen Schuhen – in den 90ern versank man darin und verhüllte damit jede Kurve. Weiter geht es mit den Klotz-Schuhen von damals. Durchgehende Plateausohlen wie bei den begehrten Buffalo-Trainer und Boots-Schuhe, Turnschuhe mit blockartigen Absätzen waren neben Dr. Martins der letzte Schrei. Auch diese Monstertreter sind wieder da, die Designerin Stella McCartney, die sonst feminine Mode für die Frau entwirft, griff zu den Klötzen. Und Marc Jacobs verkauft diese Saison eine Abwandlung der Dr. MartinsSchuhe. Beide Modelle geben jedem noch so zarten Look eine Portion herbe Bodenhaftung. Doch beide Trends haben die 90er-Jahre und 70er-Jahre für sich adaptiert.

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© NET-A-PORTER | STELLA MC CARTNEY

© NET-A-PORTER | MARC BY MARC JACOBS

Von Latzhosen bis Dr. Martins

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Fashion

Hayley Williams 2013

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Spice Girls und Baseballjacken Eine wirkliche Erneuerung jedoch waren die strapazierfähigen Stoffe, die aussahen wie Plastik und aus Teflon oder anderen Kunststoffen bestanden. Die Band Spice Girls liebten die glänzenden Kitschstoffe. Diesen Winter erinnert die Kollektion von Versace daran und könnte aus dem Kleiderschrank von «Scary Spice» stammen. Die italienische Designgrösse hat nur edelste Materialien verwendet. Trotzdem erinnert die Optik an die Mode der Girl Band und Gwen Stefani’s Lieblingsstücke in Karomustern. Auch die Hip-Hop-Szene von damals, die mit Kris Kross, Busta Rhymes oder Puff Daddy hoch im Kurs stand, hatte ein Stilmerkmal:

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die Baseballjacke. Sie wird gerade wieder von Billigketten und Luxusmarken produziert und verkauft. Sogar Mulberry haben die Baseballjacken für sich wiederentdeckt und kombinieren sie zu Blumenkleidern. In kleiner Dosis sind die Trends meiner Jugend auch für mich wieder erträglich. Und gerade muss ich schmunzeln über so viel modischen Übermut, der wieder vor der Türe steht.


Fashion

Versace Backstage

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Fashion Shortcuts Von der Rennbahn zum Fuss Die französische Marke Longchamp wurde in den 90er Jahren weltweit durch ihre zusammenfaltbare Nylontasche mit Ledergriff und Klappe bekannt. Die Tasche wurde Liebling von Schülerinnen, Studentinnen und deren Mütter, denn die Tasche wirkte edel und war praktisch zugleich. Den Lederwarenhersteller aber gibt es bereits seit 1948 und er hat seinen Namen von einer Pferderennbahn, was auf französisch eben Longchamp heisst. Seit einigen Saisons stellt Longchamp wunderschöne Damenschuhe her. Für kommenden Winter sind sie in schwarz und in Schlammtönen gehalten. Besonders das Model «Balzane roots» überzeugt, der hohe Absatz wird mit Plateau im vorderen Teil des Schuhs kompensiert und damit komfortabler. Und die kleine Verzierung an der Seite des Stiefels aus dem Pferdestall ist ein nettes Extra, welches an den Ursprung der Marke erinnert.

Engadiner Handwerk «Ich werde in den Engadiner Bergen hergestellt. An alten Maschinen, die viele Jahre zuvor hunderte meiner Vorfahren genäht haben. Meine Haut ist aus feinstem Leder und wird manchmal verziert mit Stickereinen, Strasssteinen, Federn oder Lederapplikationen. Meine Schöpferin ist Helen von Albertini und sie lebt im bergischen Ardez. Gleich neben ihrem Wohnhaus ist unsere Geburtstätte. Dort stehen neben den Nähmaschinen allerlei Ledermuster, metallische Passformen für unser Schnittmuster und Fäden bereit. Kaum fertig produziert, werden wir nach St. Moritz zu Faoro an der Plazza dal Mulin oder nach Zürich an die Torgasse 7 ausgeliefert und dort im Laden UNA Fashion verkauft. Unsere Käufer lieben ihre Hände und schützen sie deshalb vor Kälte oder betonen ihre Eleganz mit uns. Für einen Ball gibt es uns auch aus Stoff und bis zu den Ellenbogen, und für den tiefen Winter mit wärmendem Fell. Meine neusten Verwandten lassen sich durch einen Knopf aneinander heften und schmücken sich mit Lederbänder.»

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Rubriken

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Päpstin der Modebranche Anna Wintour

Seit 1988 ist sie die Chefredakteurin der amerikanischen VOGUE und somit die einflussreichste Frau der Modebranche. Seit 25 Jahren gilt sie als der eiskalte Engel der Fashionszene. Pagenkopf, dunkle Sonnenbrille und eine stets reglose Miene sind ihr Markenzeichen. Sie bestimmt, wer in der Modeindustrie etwas gilt. Marc Jacobs, John Galliano und Stella McCartney haben nur Karriere gemacht, weil sie es so wollte. Sie schaffte ein Magazin, das Glamour und Luxus in seiner reinsten Form zeigt und doch eine Auflage von 1,3 Millionen Exemplaren erreicht. Sie brachte als Erste Stars statt Models aufs Cover der Vogue. Ob Sienna Miller, Oprah Winfrey oder Hillary Clinton, für jeden Prominenten ist es eine Ehre, auf dem Titelbild der Vogue zu erscheinen. Anna Wintour polarisiert. Die einen verehren sie als Trendsetterin, Karrierefrau par excellence und Förderin junger Talente, die anderen hassen bzw. fürchten sie, als gefühlsarmen Menschen, gnadenlose Chefin und eiskalte Diva. Sicher ist, nur Anna Wintour ist die mächtigste Frau der 300 Milliarden schweren globalen Modeindustrie, denn die amerikanische Vogue ist die Bibel der Modewelt und Anna ist ihre Päpstin.

«Anna hält ihren Finger nicht in den Wind, sie ist der Wind.»

Drei Fragen an Anna Wintour Ihre Stärke? Entschlossenheit.

Ihre Schwäche? Meine Kinder.

Welche Gabe hätten Sie gern? Eine bessere Rückhand.

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Rucksäcke galten als liebste Begleiter neugieriger Touristen, emsiger Schüler und ausdauernder Wanderer. Aktuell ist der Rucksack in der Modewelt angekommen. Luxusmarken entdecken den praktischen Behälter für sich und folgen damit den Bedürfnissen mobiler Menschen. Kathrin Eckhardt

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Ich packe in meinen Rucksack einen Apfel, meine Geldbörse, ein Sackmesser, ein iPhone, einen Laptop, mein Schminkset, meinen Schlüssel, eine Trinkflasche. Kurz vor der Sitzung frische ich nochmals das Makeup auf, zum Zvieri esse ich meinen Apfel und nach der Besprechung setze ich mich in ein Kaffee, um am Laptop die E-Mails zu checken. Sobald Feierabend ist, geht’s ab aufs Fahrrad zum Work-out, wo ich einen Schluck aus meiner Trinkflasche nehme. Wie mir geht es vielen Menschen. Sie sind ständig in Bewegung, haben Hobbies, private und geschäftliche Verpflichtungen: ein Abendessen, Vernissagen oder Apéros. Damit man auf jede Eventualität vorbereitet ist, erleichtert es den Alltag, wenn alles Notwendige dabei ist.

Und das geht am einfachsten mit einem Rucksack © Mr.Porter

Urbane Trendsetter tragen deshalb schon seit Längerem keine Handtasche, sondern Säcke am Rücken mit sich herum. Unser vielseitiger Alltag weckt neue Bedürfnisse und verändert dadurch auch die Mode. Sie soll gut aussehen und sich unserem mobilen Leben anpassen. Das haben nun auch die Luxushäuser verstanden und folgen dem Trend der Strasse. Nachdem jahrelang der It-Bag als Aushängeschild einer «echten» Luxusmarke galt, könnten nun schon bald die Rucksäcke zum It-Accessoire mutieren. Von Marc Jacobs, MCM, Lanvin, Christopher Kane, Alexander Wang, Gucci bis zum ultimativen Luxusrucksack von The Row, dessen Kroko-Ausgabe 39’000 Dollar kostet. Der Rucksack ist also in der Luxuswelt angekommen.

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Fashion

Luxus-Bagpack Natürlich sind diese edlen Exemplare kaum mit den aus Stoff gefertigten Säcken von Eastpak oder dem italienischen Evergreen Invicta zu vergleichen. Die Rucksäcke der Luxusmarken sind aus Kalbsleder wie bei Alexander Wang, mit Nieten versehen bei MCM, mit aufwendigen Blumenstickereien verziert wie bei Christopher Kane oder mit dem Markenemblem übersäht wie bei Gucci. Zudem haben sie versilberte Reissverschlüsse und sind häufig von Hand gefertigt. Je nach Material und Verarbeitung belaufen sich die Preise von ein paar hundert Franken bis zu mehreren tausend. Neben dem Trend-Hipe des Rucksacks gibt es weitere treffende Argumente, warum er gerade im Begriff ist, die Handtaschen abzulösen. Ihn kann man vollpacken mit allerlei Nützlichem und Unnützem, denn zu schwer wird er nicht so schnell. Es kann zu viel mitgenommen werden, was auf Unentschlossene beruhigend wirkt. Zudem kann man ihn stopfen, den Inhalt zusammendrücken und ihn vollpacken, ohne dass er reisst. Der Inhalt ist sauber verstaut und wird nicht vom Regen durchnässt. Auch die Diebe haben es schwer mit einem Rucksack, denn er ist nicht so leicht zu entwenden. Natürlich ist dabei zu beachten, dass die Geldbörse nicht im Aussenfach verstaut wird, aber das weiss ja jedes Kind. Zudem kann mit einem Rucksack einfach in die Tram gerannt, gleichzeitig telefoniert und das Kind im Arm gehalten werden. Von einem Rucksack braucht es nicht zehn Ausführungen im Kleiderschrank – einer reicht, denn sollte er mal nicht zum Outfit passen, sieht man das selbst ohnehin nicht. Auch der Hausarzt wird keine Argumente gegen den Behälter am Rücken haben, denn das Rückgrat bleibt gesund, weil es gleichmässig belastet wird. Und überhaupt, ist es mit dem Rucksack herrlich unkompliziert: Locker und leicht lässt es sich damit durchs Leben gehen.

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Fashion Shortcuts Kuscheliger Strick Falke ist seit vielen Jahren bekannt für seine fein gestrickten Socken und Strümpfe, die jede Saison mit neuen Farben und Mustern zu faszinieren wissen. Darauf folgte eine Oberbekleidungs-Kollektion für den Mann in Erdtönen. Zum Unternehmen gehört auch eine Sportlinie sowie Strick für die Kinder. Nun kommen noch Decken aus dem Strickwarenhaus hinzu. Bald kann also von Fuss bis Kopf ganz in Falke zu Hause herumgefläzt werden. Die Decken sind aus Wolle, Seide und Kaschmir und unverwechselbare Einzelstücke, da sie von Hand gefertigt werden. Dann kann der Winter ja kommen – egal wie frostig und dunkel er wird, wir kuscheln uns in die dicke Zopfdecke ein und schlüpfen im Frühling wie junge Blätter wieder heraus.

Hermès sattelt um Die Luxusmarke und Lederwarenhersteller aus Frankreich wurde ursprünglich zur Herstellung von Reitsattel gegründet. Heute, rund 176 Jahre später, bringt Hermès Fahrräder auf den Markt. Unter dem anregenden Namen «Le Flaneur d’Hermès», entwickelte der französische Fahrradspezialist «Time» das Fortbewegungsmittel für das Luxushaus. Hermès ist mit ihrem jüngsten Streich auf die Bedürfnisse urbaner Menschen eingegangen. Und das passt perfekt zum aktuellen Zeitgeist, denn das Fahrrad ist auf städtischen Strassen längst Modeaccessoire und Statussymbol geworden, genau so wie ein Auto oder eine teure Uhr am Handgelenk.

Rochenleder am Arm Seit 2010 ist die Schweizer Taschenmarke Van Astyn auf dem Markt und hat es bereits in internationale Magazine wie das W Magazin, das Instyle oder die Grazia geschafft. Nun hat der Designer Mario Margelist mit seinem Geschäftspartner Peter Nitz die achte Kollektion heraus gebracht. Die Philosophie der Marke blieb stets dieselbe: einzigartige Lederaccessoires aus besten Materialien zu fertigen. Besonders angetan haben es uns die Taschen aus Rochenleder, das strapazierfähige Material mit kleinen Noppen auf der Oberfläche schimmert wie Wassertropfen auf schwarzem Asphalt. Die Anmut des Modelles «Hendrix Small Sling» ist rockig und klassisch zugleich und ist genauso zum kleinen Schwarzen wie zur abgewetzten Jeans tragbar. Zu kaufen sind die Taschen im Online-Shop www.vanastyn.com oder im Shop-in-Shop bei Luxury Shops, Rämistrasse 25, Zürich

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kolumne Sind Frauen leichter zu hypnotisieren als Männer? Als Hypnoseexperte sind mir die Grundelemente der Hypnose bestens bekannt. Die tägliche Arbeit mit dem Phänomen der Hypnose lässt mich die ganze Sache von unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Mittlerweile kläre ich die Öffentlichkeit – mitunter in meinen Bestsellern – darüber auf, dass wir in Wirklichkeit öfter in Hypnose sind, als wir denken. So wenn wir beispielsweise Auto fahren, am Ziel ankommen und Gabriel Palacios uns nicht mehr an die Fahrt erinnern können. Oder wenn wir ein Buch lesen und wir uns nicht mehr an die vergangenen zwanzig gelesenen Seiten erinnern mögen. Oder auch dann, wenn wir von einem Werbespot oder einem Werbeplakat derart in unseren Gefühlen und Vorstellungen beeinflusst werden, dass wir den Einflüssen der Werbung folgen. Immer dann waren wir bereits in einem leichten Stadium der Hypnose. Die Hypnose ist ein Zustand, in dem wir Suggestionen zulassen. Damit diese Suggestionen überhaupt eine beeinflussende Wirkung auf uns haben können, müssen wir eine Verbindung zu diesen Suggestionen herstellen – einen Fokus, eine Aufmerksamkeit. Früher sorgte man mittels evolutionsbedingten, verlockenden Reizen dafür, dass alle Blicke auf das Werbeplakat oder den Werbespot gerichtet sind: Haut. Nackte Haut erinnert uns an den Urtrieb – die Fortpflanzung. Mittlerweile sind Werbemacher um einiges weiter als diejenigen mit dem Wissen der Old-SchoolMarketingstrategien. Heute versuchen Fachpersonen, möglichst die Aufmerksamkeit nur – und damit meine ich ausschliesslich, einzig, allein nur – auf das entsprechende Produkt zu lenken. So sehr, dass alles rundherum zu verschwimmen scheint. Ist dieser förmliche Tunnelblick vorhanden, so sind die Voraussetzungen für eine Hypnose ideal. Denn dann sprechen wir von einer Art Trance, Fokus. Dieser Trance fallen oftmals Frauen gern zum Op-

fer. Sie gehen die Strasse hinab, an unzähligen Geschäften vorbei. Ehe sie sich versehen, finden sie sich mitten im Bann eines Schaufensters unheimlich schön angerichteter Schuhe wieder. Danach setzt das Erinnerungsvermögen aus. Das einzige, an das sie sich erinnern mögen, ist, dass sie die Augen nicht mehr von den Schuhen lassen konnten. Danach finden Sie sich erst auf der Strasse wieder. Einziger Unterschied: Sie halten eine Tragetasche mit einzigartigen Schuhen in den Händen und geniessen das nicht in Worte zu fassende Gefühl der Euphorie. Einige Monate später misten sie ihre FashionKollektionen aus und stossen auf ein Paar noch nie gebrauchter, förmlich nagelneuer Schuhe. Da sie sich nicht mehr daran erinnern können, zu welchem Zeitpunkt sie diese Schuhe gekauft haben, werfen sie die Schuhe in den Sack für die Kleidersammlung. Diese fiese Hypnose hat scheinbar geklappt. Nur, wie ist das mit Männern? Sind Männer tendenziell schlechter hypnotisierbar? Wir wissen, dass für eine gewisse Hypnotisierbarkeit eine kritische Denkweise zeitweise förmlich ausgeschaltet werden muss. Das ist die Denkweise, die bei der Frau zu dem Zeitpunkt ausgeschaltet wird, wenn der Fokus zu den Schuhen im Schaufenster zustande kommt und stabilisiert ist. Da Männer aus evolutionsbedingter Hinsicht eine schützende Rolle in der Familie haben, entstand der Mythos, dass Männer eher eine rationale, analytische Denkweise zu pflegen scheinen. Dem ist jedoch nicht so. Auch Männer können der fiesen Hypnose zum Opfer fallen. Wer einem Mann bei seinem wöchentlichen Fussballabend-Ritual beobachtet und scharf kombiniert, versteht die Zusammenhänge, weshalb die TV-Fussballmatchs jeweils ausschliesslich von Bierproduzenten gesponsert werden. Was kann es Schöneres geben, als eine Hypnose, die man in vollen Zügen geniessen kann?

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Prävention für die Haut Gegen den Zahn der Zeit

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Aristokratische Blondine Gwyneth Paltrow

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Luxusflakons 228 Exklusiv & Begehrt Körper und Geist Gesellschaftliche Einflüsse

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Luxus Erleben Verlosungsaktion

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pomellato «nudo»

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Rubriken

Strahlend

gegen

den Zahn deR Zeit

Prävention für die Haut Anti-Aging-Eigenschaften hat heute bereits jede Gesichtspflege. Falten sollen bekämpft werden und bestenfalls ganz verschwinden. Was aber meistens ausser Acht gelassen wird, ist die Prävention. Wer sich regelmässig der Sonne aussetzt, hat irgendwann einfach schlechte Karten. Valeska Jansen

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Die Rede ist hier von schädlichen UVA- und UVB-Strahlen, von freien Radikalen und von ungesundem Lebenswandel. Vor allem sollte man sich vor zu viel Sonne schützen, wobei dies nicht bedeutet, dass ein Schattendasein geführt werden muss. Ganz im Gegenteil, denn der Körper braucht sie, nicht nur um das wichtige Vitamin D zur Knochenbildung zu entwickeln. Das Immunsystem wird gestärkt und auch Stimmungsschwankungen können mit den warmen Strahlen verhindert, sogar bekämpft werden. Es kommt einfach nur auf das richtige Mass an. Dazu kommen die freien Radikale, die täglich dem gesamten menschlichen Organismus zu Leibe rücken.

Freie Radikale überall Doch was sind eigentlich freie Radikale? – Moleküle ist die richtige Antwort. Der Mensch besteht z. B. zum grössten Teil (über 70 %) aus Wassermolekülen. Die gehören allerdings zu den «guten» Molekülen, die «bösen» entstehen durch diverse Faktoren, natürliche und unnatürliche. Der körpereigene Stoffwechsel produziert auf ganz natürliche Art und Weise unaufhörlich freie Radikale. Hinzu kommen die «unnatürlichen», die vom Menschen beeinflussbaren freien Radikale. Sie entstehen durch Rauchen, körperlichem und psychischem Stress, Umwelteinflüssen (Ozon, Stickoxide), durch Schwermetall belastete Lebensmittel, Fast Food, Entzündungen und übertriebene körperliche Beanspruchung. Eine gesunde Ernährung und Lebensweise hilft also sofort und effektiv gegen diese freien Radikale. Anders sieht’s bei den äusserlich belastenden Umwelteinflüssen aus. Hier kann durch spezielle Hautpflege nachgeholfen und geschützt werden.

Der unsichtbaren Gefahr auf der Spur Spezielle UVA- und UVB-Filter sind heute in den meisten Pflegecremen integriert und sie schützen auch effektiv während des normalen täglichen Alltags. Ferien an der Sonne ausgenommen: Sonnenbäder an Pool oder Strand sollten immer mit einer speziellen Sonnencreme (hoher Lichtschutzfaktor ist dabei empfehlenswert) einhergehen. Nun kommt eine neue Strahlengefahr immer öfter zur Sprache: die Infrarotstrahlen. Man könnte sie auch als unsichtbare Gefahr bezeichnen, denn anders als UVA- und UVB-Strahlen hinterlassen sie keine spür- oder sichtbaren Zeichen auf der Haut. Gerötete Haut nach der Sonnenexposition wird eindeutig als Sonnenbrand identifiziert. Doch die immer parallel wirkenden Infrarotstrahlen werden einzig durch ein Wärmegefühl wahrgenommen. Sie verursachen keine sichtbare Hautreizung, dabei können sie echte Killer sein. Denn sie dringen tiefer in die Haut ein und können im ungünstigsten Fall sogar Zellen zerstören. Zellschäden verursachen sie allerdings bei zu viel Sonnengenuss immer. In jungen Jahren unbemerkt, allerdings mit zunehmendem Alter als gegerbte und faltige Haut sichtbar. «Wie bei allem im Leben gilt auch bei der Sonnenexposition die Regel: Auf das Mass kommt es an. Wir brauchen die Sonne, sollten es mit dem Sonnenbaden aber nicht übertreiben», erklärt Professor Jürgen Lademann, Dermatologe an der Berliner Charité.

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Beauty

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Beauty

Forschung für die Kosmetik Lademann ist ein international anerkannter Forscher, der sich mit Themen an der Nahtstelle zwischen Dermatologie, Pharmakologie und Biophysik beschäftigt. Von Hause aus Physiker leitet er seit 1996 den Bereich «Experimentelle und angewandte Physiologie der Haut» an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie – Charité – Universitätsmedizin Berlin. 2001 wurde er zum Professor für Dermatologie berufen. Bereits seit über 20 Jahren arbeitet Lademann eng mit dem Forschungsinstitut der Firma Lancaster in Monaco zusammen. Hier gilt er vor allem als Strahlenexperte und bringt auf diesem Gebiet sein Know-how bei den Neuentwicklungen des monegassischen Unternehmens mit ein. «Durch Infrarotstrahlen werden freie Radikale freigesetzt und die elastischen Fasern der Haut können dabei zerstört werden. Das Problem dabei ist, dass diese Hautschädigungen nur mit einem ESR-Spektrometer (spezielles Messverfahren aus der Bio-Physik / Anmerkung der Redaktion) gemessen werden können. «Mit ihm können wir genau feststellen, wie hoch der Kollagen- und Elastingehalt der Haut ist. Da dies alles unterhalb der Hautoberfläche geschieht, sind diese Schädigungen für das menschliche Auge nicht sichtbar. Zum Tragen kommen sie erst nach vielen Jahren in Form von Falten und Erschlaffung. Deshalb sind Infrarotstrahlen so tückisch», erläutert Lademann.

Ein «Spiegelfilter» macht’s möglich Lademann hat gegen diese unsichtbaren Angreifer nun einen Filter entwickelt, der sich wie Mikrospiegel auf der Hautoberfläche verteilt und so die Infrarotstrahlen reflektiert. «Hautschäden können so um bis zu 50 % reduziert werden», erklärt Lademann. Er betont allerdings auch, wie wichtig die Ernährung für die Haut ist: «Durch eine gesunde Ernährung mit vielen Antioxidantien kann sich unser Organismus auch selbst gegen freie Radikale schützen. Das bedeutet, wer sich ausgewogen und gesund ernährt, hat schon mal die halbe Miete.»

Vitamine helfen auch der Haut Antioxidantien sind in vielen Nahrungsmitteln natürlich enthalten. Grundsätzlich kann in vier Gruppen unterteilt werden: Vitamin C steht dabei an erster Stelle. Täglich frisches Obst und Gemüse auf dem Speiseplan decken dabei den Vitamin C-Bedarf normalerweise ab. An zweiter Stelle steht das Vitamin E, das in pflanzlichen Ölen vorkommt. Dazu kommen an dritter Position die Polyphenolischen Antioxidantien, die u. a. in Tee, Kakao, Zimt, Rotwein und Granatapfel enthalten sind. Schlussendlich fehlen noch die Carotinoide, die z. B. in Karotten, Spinat, Tomaten und Paprika vorkommen. Gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Genussmittel sorgen immer auch für eine gesunde und schöne Haut. Pflegeprodukte zusätzlich regelmässig verwendet, und der Zahn der Zeit kann bis zu einem gewissen Grad in Schach gehalten werden. Aufzuhalten ist die Hautalterung nicht und die Gene spielen auch eine nicht unwichtige Rolle, doch Pflege von innen und aussen ist beim Anti-Aging auf jeden Fall hilfreich.

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kolumne Zur fröhlich-vernetzten Weihnachtszeit Sie stehen wieder bevor, die frohen und voll-vernetzten Festtage. Bei mir stapeln sich bereits die «Herzlichen Weihnachtsgrüsse» in ECard-Form in meiner Inbox. Bei Ihnen auch? Darf ich fragen, was Sie mit diesen digitalen Grusskarten eigentlich anstellen? Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob das karmatechnisch in Ordnung ist, diese (meist nicht mal personalisierten) Glückwünsche Götz Winter zur Kenntnis zu nehmen und dann zu löschen. Zwar freue ich mich, dass man an mich denkt. Doch gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, lösen Weihnachtsgrüsse per E-Mail keine besonders festlichen Gedanken in mir aus. Sie geben viel mehr der grossen Frage wieder Brisanz, die mich immer wieder beschäftigt: Wie wäre eigentlich ein Tag, so ganz ohne E-Mail?

Zwischen dem eigentlich Wichtigen tummelt sich auch in meiner Inbox so viel Unwichtiges, dass ich nicht vom papierlosen Büro träume, sondern vom E-Mail freien. Wie in der TV-Serie «Mad Men», als man von seinem Schreibtisch aufstand und ins Büro des Arbeitskollegen ging, um seine Frage zu stellen. Oder im Härtefall auch zum Telefonhörer griff. Dabei stand nicht die Frage im Vordergrund, ob man überhaupt Zeit habe für das persönliche Gespräch, – es gab schlicht gar keine Alternative zum zwischenmenschlichen Austausch. Bevor Sie mich jetzt als Nostalgiker abstempeln: Natürlich liebe ich auch die vielen Vorteile, die uns E-Mail und Internet beschert haben. Aber das direkte, lebendige, mit-FüllfederWeihnachtswünsche-auf-eine-Karte-Schreibende, das kommt mir manchmal eben doch zu kurz.

100 Stück sind es im Schnitt pro Tag, ich habe soeben nachgezählt. 100 E-Mails, die ich erhalte, lese, sortiere und kurz beantworte, was rund 1,5 Stunden meines Arbeitstages beansprucht. Twitter, Instagram, Facebook und Co. kommen bei vielen von uns noch dazu. Wir haben alle von den Experten gehört, dass man E-Mails nur zu fix definierten Zeiten am Tag überhaupt lesen sollte und so wertvolle Minuten oder gar Stunden dazugewinnen könnte. Doch in der Realität lässt sich das doch nicht machen! Die dringenden Anfragen von unseren Geschäftspartnern und Mitarbeitern müssen beantwortet werden – schnell und effizient und selbstverständlich auch von unterwegs.

Der E-Mail freie Tag ist ganz oben auf meiner Wunschliste, auch wenn ich bezweifle, dass mir das Christkind damit helfen kann. Als Manager, mit oft ziemlich engmaschigem Zeitplan, bitte ich Sie aber hiermit offiziell, mir dieses Jahr keine E-Card zu mailen. Schütteln Sie mir stattdessen doch die Hand, wenn Sie mir im Flur begegnen. Oder verwickeln Sie mich in ein Gespräch beim bevorstehenden WeihnachtsApéro. Ich verspreche Ihnen: Ich werde mich darüber freuen. Und nicht bloss, weil es eine E-Mail weniger in meiner Inbox bedeutet!

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Mit herzlichen und ganz altmodisch auf Papier gedruckten Weihnachtswünschen


RESTAURANT Mo-Sa 12.00-24.00 Uhr Reservationen Tel. 044 448 11 44

AURA BAR & SmokeR’S LoUnge

AURA eventSAAL

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Die AURA Bar & Lounge lädt zum Verweilen ein und lässt bezüglich Cocktail- und Zigarrensortiment sowie Ambiente keine Wünsche offen.

Der multifunktionelle Saal setzt neue Massstäbe bezüglich Event-Flexibilität, Visualisierungsmöglichkeiten, technischer Ausstattung und gastronomischem Angebot.

Unser kompetentes und erfahrenes Team unterstützt Sie bei der Organisation und der Gestaltung Ihres Anlasses.

Mo bis Sa 14.00-24.00 Uhr

Ihr Kontakt für Bankett- & Eventanfragen: Renate Blaser Tel. 044 448 11 44, rb@aura-zurich.ch

AURA | RESTAURANT | BAR & SMOKER’S LOUNGE | EVENTSAAL | CLUB BLEIChERWEG 5, ZURICh | WWW.AURA-ZURICh.Ch

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Die aristokratische

Blondine Gwyneth Paltrow Gwyneth heisst, aus dem Walisischen übersetzt, «vom Glück verwöhnt». Zumindest auf beruflicher Ebene macht die kalifornische Schauspielerin ihrem Namen alle Ehre. Valeska Jansen

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Unzählige Auszeichnungen sahnte sie seit ihrem Filmdebüt 1991 an der Seite von John Travolta in «Shout» ab. The Luxury Way of Life | 225


Beauty

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Bei den Golden Globes, der Emmi-, Bambi- und sogar bei der OscarVerleihung bekam sie die begehrten Trophäen überreicht. Nur privat wurde sie lange nicht so sehr vom Glück verwöhnt. Ihre Beziehungen zu Brad Pitt und Ben Affleck standen unter keinem guten Stern und hielten nur jeweils zwei Jahre. 2003 kam jedoch das private Glück zurück und sie heiratete den britischen Sänger Chris Martin von der Band Coldplay. Zwei gemeinsame Kinder machten das Glück perfekt. Heute ist sie Markenbotschafterin vom Duft «Jour Pour Femme» von Boss.

mit eingraviertem Namen. Ich habe auch schon Keramikteller oder Schmuckstücke mit Initialen verschenkt. Diese Gravuren machen aus einem ganz normalen Geschenk etwas Besonderes und Persönliches. Man muss sich ein bisschen Gedanken machen und natürlich braucht das auch eine gewisse Zeit zum Planen.

Prestige: Wie viel Zeit im Voraus starten Sie mit Ihren Weihnachtseinkäufen?

Für welchen Freund oder welches Familienmitglied ist es am schwierigsten, ein passendes Geschenk zu finden?

Gwyneth Paltrow: Im Allgemeinen beginne ich mit meinen Weihnachtseinkäufen mindestens zwei Monate vorher. Ich schenke gern sehr persönliche Dinge und deshalb benötigen meine Geschenke in der Regel etwas mehr Vorlaufzeit. Ich bin definitiv jemand, der gern plant.

Ich denke, dass es im Allgemeinen sehr viel schwieriger ist, Männer zu beschenken als Frauen. Ein Geschenk für meinen Mann, meinen Bruder und die Brüder meines Mannes zu finden, ist definitiv am schwierigsten.

Fragen Sie dabei andere um ihre Meinung? Gehen Sie lieber allein oder mit Freunden zum Shoppen?

Düfte eignen sich perfekt als Geschenk. Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Duft als Geschenk auswählen?

Ich gehe am liebsten alleine shoppen. Meine Freunde sind da nicht involviert. Und ich verbringe viel Zeit damit, bestimmte Dinge im Internet zu suchen.

Sie lassen Geschenke gern personalisieren. Heisst das, dass Sie bestimmte Sprüche eingravieren lassen? Ja. Ich denke einfach, dass es schön ist, wenn man beim Öffnen eines Päckchens entdeckt, dass das Geschenk etwas sehr Persönliches hat. Letztes Jahr zum Beispiel bekamen alle in der Familie eines dieser wunderschönen, handgemachten Schneidebrettchen

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Ich denke, es ist nett, einen Duft zu kaufen, den der- oder diejenige noch nie probiert hat. Oder man schenkt ihnen ihren Lieblingsduft. Einen Duft zu bekommen, ist immer schön. Es ist ein luxuriöses und zugleich persönliches Geschenk. Ich denke, es ist die ideale Gelegenheit, um etwas Neues auszuprobieren. Für jene jedoch, die mit ihrem Duft regelrecht verheiratet sind, ist es schöner, wenn sie ihren Lieblingsduft bekommen.


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Luxusflakons

Exklusiv & begehrt Die Dufthersteller berteilen ihren Parf체meuren regelm채ssig neue Auftr채ge und die Duftvielfalt ist heute unermesslich. Doch nicht nur die Vorliebe zum Duft spielt beim Konsumenten eine grosse Rolle, auch die Verpackung, der Flakon, steht im Fokus der Begierde. Valeska Jansen

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Die Geschichte der Parfümflakons reicht zurück bis ca. 5000 v. Chr. Bereits die alten Ägypter verwendeten ätherische Öle, um ihren Göttern zu huldigen. Das Aufbewahrungsgefäss war schon damals nicht nur praktisch, sondern reich verziert. Als Opferobolus und Grabbeigabe sollten sie Augen und Nase verführen. Über die Jahrhunderte wandelten sich Geschmack und vor allem auch die handwerklichen Möglichkeiten. Alabaster wurde zu feinsten Phiolen verarbeitet und als ca. 1600 v. Chr. in Mesopotamien das Glas erfunden wurde, gab es bei der Form- und Farbgebung kaum noch Grenzen. Nur im Mittelalter bekam der Glasflakon plötzlich Konkurrenz: Glas war nicht mehr opulent genug und Edelmetalle wurden geschmiedet und gegossen, um einen neuen Trend zum Luxus zu präsentieren. Besetzt mit kostbaren Edelsteinen wurde der Duftflakon zum Statussymbol des Adels. Der Inhalt stand dabei nicht im Fokus, je reichhaltiger mit Rubinen, Smaragden und Diamanten bestückt, umso einflussreicher der Besitzer. Sogenannte Bisamäpfel, Duftzubereitungen aus Amber und Moschus (Bisam), wurden als Kettenanhänger oder in der Hand als Accessoire getragen. Margarete von Österreich wurde 1499 ein Bisamapfel in einem Kugelgefäss aus Gold, besetzt mit einem Band, bestückt mit sechs Diamanten, Rubinen und mit einer Rose, die mit fünf weiteren Diamanten verziert war, geschenkt. Um ihre Dekadenz zu überspielen, wurden diese exklusiven Duftäpfel von vielen Adligen an einer Rosenkranzkette getragen.

Glas als Lieblingsmaterial Anfang des 19. Jahrhunderts war den Glaskünstlern dann keine Grenze mehr gesetzt und die Glasflakonvielfalt war beinahe unermesslich. Edelmetalle wurden nur noch als zierende Beigabe appliziert oder integriert. Nun entdeckten auch zeitgenössische Künstler die Möglichkeiten, die ihnen eine Neugestaltung der vorhandenen industriell gefertigten Flakonformen eröffneten. Der neue Trend hiess «Readymades», was vereinfacht eine Umgestaltung vorhandener Massen aus gefertigten Gebrauchsgegenständen bedeutet. Heute landet beinahe jeder Duft in einem Flakon aus Glas. Als neutralster Geruchsträger etabliert, sind der Form- und Farbvielfalt keine Grenzen mehr gesetzt und auch die Duftstoffe darin sind an Varietät nicht mehr zu benennen. Alle Modedesigner verkaufen heute ihre eigens für sie kreierten Düfte und beauftragen Produktdesigner mit immer kreativeren Flakonentwürfen. Aber auch beinahe alle Kosmetikfirmen haben heute ihr eigenes Duftportfolio.

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Nur 15 Exemplare weltweit Eine besonders extravagante Flakonkreation gibt es nun aus dem Hause Lancôme. Auf 15 Exemplare weltweit limitiert präsentiert die Traditionspflegemarke ihre jüngste Parfümkreation «La Vie Est Belle» unter einer Glasglocke und mit handgefertigter Spieluhr. Drei Handwerkskünste sind in «L’Edition Féérique de La Vie Est Belle» vereint. Bereits seit 1935 widmet sich Lancôme als HauteParfümerie der Entwicklung neuer Düfte. Zusammen mit dem Spieluhrhersteller Reuge aus dem Schweizer Jura und der 1764 in Frankreich gegründeten Kristallmanufaktur Baccarat entstand ein luxuriöses Sammlerstück.

Präzision von Reuge Jedes einzelne handgefertigte Exemplar erfordert über 120 Tage Arbeit und den Einsatz von Handwerkern aus 15 verschiedenen Bereichen. Den Auftakt macht der Musiker: Seine Aufgabe ist es, die Melodie zu dechiffrieren und in mechanisch reproduzierbare Musik umzuschreiben. Diese wiederum ist Ausgangspunkt für das Design der Zylinderwalze, die als luxuriösen Touch den Namen des Parfüms trägt. Für jede Melodie wird eine spezielle Tastatur entwickelt, mit einer bestimmten Anzahl von Stiften, deren Länge je nach den Noten variiert. Dann kommt der Feinschliff: Hinter jeden Stift wird eine Feder geklebt, um Resonanzen zu dämpfen. Der Schallkörper hinter der Mecha-

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nik sichert die perfekte Akustik; Spezialzement innerhalb des Zylinders sowie handgearbeitete Intarsien – der letzte Arbeitsschritt – bürgen für vollendete Klangqualität.

Baccarat setzt Akzente aus Kristall Ein filigraner Kristallkronleuchter, der die Kuppel der Vitrine mit ihrer feinen metallischen Einfassung schmückt und an die prachtvollen Kronleuchter im TV-Spot von «La Vie Est Belle» erinnert. Mit seinen 133 Quasten und 48 Kristallelementen streut er das Licht effektvoll in allen Facetten und ständigem Wechsel rund um den Flakon und stellt ihn glanzvoll in den Blickpunkt. 30’000 Schweizer Franken kostet dieses effektvolle Kunstwerk und soll laut Lancôme dem Besitzer ein neues Bewusstsein von Zeit, Vision und Emotion vermitteln. Für das französische Kosmetikunternehmen repräsentiert «L’Edition Féérique de La Vie Est Belle» die Quintessenz von Luxus.


Rubriken

INSERAT

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Rubriken

KĂśrper

UND

Geist

Im Brennpunkt der gesellschaftlichen EinflĂźsse Carolin Calefi Dias

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Die Psychotherapie hat durch die gesellschaftlichen Krisensituationen der letzten Jahre stark an Bedeutung gewonnen. Sie ist als wirksame Methode zur Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen anerkannt.


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PRESTIGE sprach mit Prof. Dr. med. Stefan Büchi (Ärztlicher Direktor Privatklinik Hohenegg) über die negativen Einflüsse unserer Leistungsgesellschaft und wie die Psychotherapie Körper und Geist wieder in Balance bringt.

PRESTIGE: Psychische Störungen sind laut einem Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums weit verbreitet und zählen zu den einschränkendsten Krankheiten überhaupt. Was macht unsere Gesellschaft so krank? Dr. Stefan Büchi: Früher führten die Ansprüche in Industrie und Landwirtschaft zu körperlichen Abnutzungserscheinungen und dadurch bedingten Krankheiten. Heute sind es die geistigen Herausforderungen, die zur Häufung psychischer Probleme und Krankheiten führen. Die Anzahl von Patienten mit psychosomatischen Stresssymptomen wie Schlafstörungen, Müdigkeit oder chronischen Schmerzen nimmt zu. Als Ursachen scheinen mir folgende Aspekte relevant: Die letzten 15 Jahre fallen mit einer markanten Veränderung von Lebensgewohnheiten durch neue Informationstechnologien zusammen. Die Globalisierung hat den internationalen Konkurrenzkampf verstärkt, sodass die Leistungsanforderungen ansteigen. Auch gesellschaftliche Veränderungen in Partnerschaft und Familie spielen eine Rolle – Geschlechterrollen verändern sich und somit auch die Erwartungen an Mütter und Väter. Zudem nimmt die soziale Isolation deutlich zu. Heute leben in der Schweiz etwa 30 Prozent der Erwachsenen alleine. Dies alles führt zu einer Zunahme von Stress bei insgesamt weniger sozialem Rückhalt.

Bewegung in der Natur konkret im Tages- und Wochenplan vorgesehen werden.

Kann ich selbst einer psychischen Erkrankung vorbeugen? Oder muss sich gesellschaftlich etwas verändern, damit die Zahl psychischer und psychosomatischer Erkrankungen nicht weiter ansteigt? Der zentrale Punkt ist die Sensibilität für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu bewahren. Krisen und Überforderungen sind ein unabdingbarer Teil des menschlichen Lebens. Jeder Einzelne wie auch die Gesellschaft selbst ist aktuell gefordert, herauszufinden, was es braucht, damit wir in der sich rasant verändernden Welt gesund bleiben können. Für das Individuum stehen für mich die verbindliche Pflege sozialer Beziehungen, das Einüben von Entspannungsverfahren wie Achtsamkeitsmeditation oder Yoga im Zentrum. Gesellschaftlich stehen wir an einer Schwelle, in der nach einseitiger Optimierung von Leistung und Produktion Antworten für eine menschengerechtere Ökonomie und Lebensweise gefunden werden müssen.

Gibt es bestimmte Bevölkerungsgruppen, die besonders betroffen sind? Die Häufigkeit psychischer Symptome hat in allen Gesellschaftsschichten zugenommen. Psychische Krankheiten im engeren Sinne finden sich häufiger bei Frauen, Alleinstehenden, Arbeitslosen, körperlich Kranken und in tieferen sozialen Schichten. Hinzu kommt das neue Phänomen, dass Exponenten aus Politik und Wirtschaft sich öffentlich zu ihrer psychischen Störung bekennen. Auch die Häufung von Burn-out bei den Patienten der Privatklinik Hohenegg ist für mich ein Hinweis für die noch nicht bewiesene Annahme, dass psychische Störungen in den letzten 10 Jahren auch häufiger in sozial privilegierten Schichten zu finden sind.

Welche Auswirkungen hat eine psychische Erkrankung auf die Person selbst und auf deren Umfeld? Die betroffene Person ist überfordert, emotional instabil, verängstigt oder traurig, erschöpft, findet keinen Schlaf, leidet unter Antriebslosigkeit und Konzentrationsproblemen und kann die Alltagsaufgaben kaum mehr erfüllen. Sie erlebt sich in einem Überlebenskampf, vernachlässigt soziale Beziehungen und auch Entspannung oder Sport – die innere Balance geht verloren. Es kommt auch zu Irritationen mit der beruflichen und privaten Umwelt, da die erwarteten Leistungen nicht mehr möglich sind. Für Angehörige ist die Veränderung der Person meist schwer nachvollziehbar und kann zu Verunsicherung führen.

Um die körperliche und geistige Balance herzustellen braucht es also eine umfassende Therapie. Welches Konzept verfolgt hier die Privatklinik Hohenegg? In unserem Konzept der stationären Therapie gibt es drei Phasen. Zuerst sollen Betroffene in einem geschützten und vertrauensvollen Raum zur Ruhe kommen. Danach geht es um die Beziehung zu sich, seinem Körper, seiner Lebensgeschichte und darum, sich Muster bewusst zu machen und neu zu pflegen. Der dritte Schritt beinhaltet die langfristige Veränderung: Wie kann ich bei beruflichen und privaten Herausforderungen in Zukunft die innere psychische und körperliche Balance halten? Meist bedeutet dies, dass feste Zeiten für die eigene Besinnung, die Übung einer Meditationstechnik oder regelmässige

Prof. Dr. med. Stefan Büchi Seit Juni 2013 ist Prof. Dr. med. Stefan Büchi Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Privatklinik Hohenegg in Meilen am Zürichsee. Er trat 2009 als Leiter des Kompetenzzentrums Psychosomatik in die traditionsreiche Spezialklinik ein. Zuvor arbeitete Stefan Büchi am West Middlesex University Hospital in London sowie als stellvertretender Klinikdirektor an der Psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich. www.hohenegg.ch

Ambulantes Zentrum Zürich Das Ambulante Zentrum Zürich ist das neue niederschwellige Beratungsangebot der Privatklinik Hohenegg. Das Angebot richtet sich an Menschen, die von einem spezifischen seelischen Problem wie etwa dem Burn-out-Syndrom oder einem anderen psychiatrischen Krankheitsbild betroffen sind und hierzu eine erste Abklärung wünschen. Hilfesuchende Personen können durch Zuweisung oder Selbstanmeldung kurzfristig einen Termin erhalten. www.hohenegg.ch/ambulanteszentrum

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kolumne Die Suche nach dem Jungbrunnen ... Es vergeht kein Tag, an dem mit Tinkturen und kosmetiin Zeitschriften oder Lifeschen Tricks gearbeitet, um stylemagazinen nicht über ihre Unterlidfalte und den judas Thema Anti-Aging oder gendlichen Schwung ihrer AuSchönheitschirurgie berichtet genbraue zu betonen. wird. Mit Fernsehsendungen Das Streben nach Schönheit und Reality-Dokus wird beim und Perfektion ist somit genauZuschauer Quote gemacht, so wenig neu oder ein Zeichen in dem aus dem hässlichen unserer heutigen Zeit, wie der Entlein ein schöner Schwan Trend entsprechenden Schönwird. Eine Soap, mit der ein heitsidealen nachzueifern. deutscher Fernsehsender eine gefährliche These aufstellt: Die meisten Patienten, die Jeder kann glücklich sein – Dr. med. Peter Pantlen sich in unserer Klinik ALTA mit dem richtigen SchönheitsChirurgen! Aber ist Plastische und Ästhetische AESTHETICA vorstellen, wünschen sich keine Chirurgie wirklich das Allheilmittel zur Befrie- übertriebenen Veränderungen, sondern wollen digung eines Jugend- und Schönheitskultes, ihren jugendlichen Gesichtsausdruck zurückder andere gesellschaftliche Werte zunehmend bekommen. Durch minimal-invasive Verfahren, ablöst? Leidet die Welt unter dem Dorian-Gray- modernste Operationstechniken und auch nichtSyndrom, mit dem grössten Wunsch, den Pro- operative Massnahmen wie die Faltenbehandlung zess des Älterwerdens aufzuhalten? Schrecken mittels Füllsubstanzen und Botox® können Ergebwir wirklich vor keinen künstlichen Massnahmen nisse erzielt werden, die noch vor einigen Jahren als undenkbar galten. Jedoch ist hier nicht nur die zurück, um dieses Ziel zu erreichen? operative Erfahrung und das professionelle chirDiese Fragen sind aus Sicht eines Plastischen urgische «Handwerk» des Plastischen Chirurgen Chirurgen definitiv mit NEIN zu beantworten! We- gefragt, sondern auch das richtige Gefühl für Forder können wir den Alterungsprozess tatsächlich men und Proportionen. Nicht zuletzt bedarf es aufhalten, noch besteht ernsthaft Grund zur Sor- allerdings auch eines ausgeprägten Einfühlungsge, dass unsere Gesellschaft zunehmend einem vermögens, der Kompetenz und des Mutes PatiJugendwahn verfällt und so geschätzte Tugenden enten abzulehnen, die übertriebene Vorstellungen und Werte wie Weisheit und Erfahrung der älteren vom «Machbaren» haben oder deren Motivation und reiferen Generation in die Bedeutungslosig- für einen ästhetischen Eingriff für den behandelnkeit verbannt werden. Genau genommen ist der den Arzt nicht nachvollziehbar ist. Wer Aussehen Wunsch, sich zu formen, sein äusseres Erschei- will wie Barbie, sich eine Nase wie Michael Jacknungsbild zu optimieren und auch im fortgeschrit- son wünscht, oder glaubt, dass die Plastische tenen Alter jung, fit und dynamisch auszusehen Chirurgie als Synonym für den seit Jahrhunderten keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sondern ein gesuchten und nicht zuletzt von Lukas Cranach Phänomen, das sich bereits in frühen Epochen fin- (d. Ältere) in Szene gesetzten Jungbrunnen steht, den lässt. Schon der griechische Arzt Hippokrates der sollte sich den Weg zum Plastischen Chir(460 bis 377 v. Chr.) wusste, wie sich deformierte urgen sparen. Für alle anderen stellt sich die Frage Nasen korrigieren liessen, und der römische Ge- nach der kosmetischen Chirurgie vielleicht irgendlehrte Celsus (1. Jh. n. Chr.) widmete sich ersten wann einmal, auch wenn Sie es sich jetzt noch Verfahren zur Korrektur von Hasenscharten. Nof- nicht vorstellen können. Begehrlichkeiten werden retete (wörtlich: die Schöne ist gekommen) wird nicht durch den Druck der Medien und der Gesellheute noch für ihre Schönheit bewundert. Auch schaft geweckt, sondern durch den Blick in den sie hat bereits vor inzwischen über 3 000 Jahren eigenen Spiegel ...

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Rubriken

INSERAT ALTA

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Living

Die perfekte Tafel Tischlein deck dich

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Living News Vom Messerblock bis zur Leuchte

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Der perfekte Kleiderschrank Ordnung schaffen

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Living News II TV, Teppich & Stuhl

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Highclass-Residenz 252 Panoramablick auf den Genfer See

Ludwig Mies van der Rohe

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Matteo Thun Zero Philosophie

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Prestige Presents Schweizer Traumanwesen

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Tischlein

deck Dich! Die perfekte Tafel «Tischlein deck Dich!» – so einfach geht es nur im Märchen. Aber auch in Wirklichkeit ist schönes, perfektes Tischdecken nicht kompliziert, wenn man sich an einige Grundregeln hält und die richtige Ausstattung zur Hand hat. Lilly Steffen

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Der gedeckte Tisch ist die Visitenkarte des Gastgebers und bekanntlich isst das Auge mit. Das betrifft nicht allein das angerichtete Essen, sondern auch eine schön gestaltete Tafel. Sie macht etwas her und lädt zum Wohlfühlen ein. Gerade wenn Gäste kommen, darf es gerne etwas schicker und die Tafel perfekt eingedeckt sein.

Die richtige Anordnung Zum perfekten Tischeindecken benötigen man jedoch das passende Geschirr, Besteck und Gläser. Im Einzelnen sind das Platzteller, Vor-, Hauptspeisen- und Brotteller, Suppenlöffel, Vorspeisengabel und -messer, das Tafelbesteck für den Hauptgang sowie das Dessertbesteck. Geschirr und Besteck werden durch Wasser-, Weisswein- und Rotweingläser ergänzt. Stoffservietten vervollständigen die Gedecke. Wichtig ist, dass sich der gedeckte Tisch harmonisch in den Raum einfügen. Schlicht und weniger ist dabei oft mehr, als knallbunte Farben und eine Dekoration, die kaum mehr Platz für Brot und Butter auf dem Tisch lassen. Doch das ist Geschmacksache und bleibt der eigenen Kreativität überlassen. Doch guter Wille und Kreativität reichen nicht immer aus. Es gibt ein paar klassische Vorgaben, die beim Eindecken beachtet werden sollten. Beginnen sollte man immer mit dem Platzteller. Von diesem wird nicht gegessen – er dient als «Platzhalter» für die folgenden Gänge und steht während des gesamten Menüs etwa 1 Zentimeter von der Tischkante entfernt. Auf ihn stellt man die Teller oder Schalen für Vorspeise oder Suppe. Danach wird das Besteck aufgelegt: Gedeckt wird immer von innen nach aussen. Das Besteck für den Hauptgang direkt neben dem Teller gelegt – Schneide zeigt nach innen – , dann folgen die Bestecke für Fischgang, Suppe und Vorspeise. Die Dessertgabel oder der Dessertlöffel finden oberhalb des Tellers ihren Platz. Der Griff vom Löffel zeigt nach rechts, der Griff der

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Gabel nach links. Spezialbesteck, das zum Essen von Hummer, Schnecken, Austern oder auch zum Fondue genutzt wird, handhabt man folgendermassen: die Zangen (Hummer- oder Schneckenzange) links vom Teller angeordnet, Spezialgabeln (zum Beispiel für Hummer, Schnecken, Austern oder Fondue) wie auch Kaviarmesser und -löffel rechts daneben. Wichtig: Alle Griffenden des Tafelbestecks bilden eine gerade Linie. Einen festen Platz haben auch die Beilagen: Der kleine Teller für Brot oder die Salatbeilage steht auf der linken Gedeckseite. Verwendet man beides, wird der Salatteller über dem Besteck platziert, der Brotteller neben dem Besteck. Das Buttermesser liegt dabei senkrecht mit der Schneide nach links auf dem rechten Rand des Brottellers. Die Gläser stehen stets rechts vom Gedeck – das Glas für den Hauptgang steht circa 1 Zentimeter oberhalb des Tafelmessers. Das Glas für den


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Vorspeisengang steht rechts darunter, ein Wasserglas links darüber. So ergibt sich optisch eine schräge Linie. Einen festen Platz haben auch die Beilagen: Der kleine Teller für Brot oder die Salatbeilage steht auf der linken Gedeckseite. Verwendet man beides, wird der Salatteller über dem Besteck platziert, der Brotteller neben dem Besteck. Das Buttermesser liegt dabei senkrecht mit der Schneide nach links auf dem rechten Rand des Brottellers. Die Gläser stehen stets rechts vom Gedeck – das Glas für den Hauptgang steht circa 1 Zentimeter oberhalb des Tafelmessers. Das Glas für den Vorspeisengang steht rechts darunter, ein Wasserglas links darüber. So ergibt sich optisch eine schräge Linie.

Die richtige Ausstattung Für die klassische Tafel ist eine edle Tischdecke immer noch ein Muss! Textil, Porzellan, Besteck, Gläser und Tischdekoration sollten farblich so aufeinander abgestimmt sein, dass die Gesamtkomposition ein Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit vermittelt. Für eine feierlich gedeckte Tafel ist ein schöner Blumenstrauss ein absolutes Muss. Die Sträusse sollten jedoch eher niedrig sein, damit der Sichtkontakt zum Gegenüber nicht gestört wird. Ebenso können auch Kerzen der Tischdekoration das gewisse Etwas verleihen. Generell jedoch gilt: Weniger ist mehr. Stoffservietten unterstreichen offizielle Anlässe, Blüten in Porzellanschalen ersetzen grosse Vasen, Tischkarten sorgen für eine persönliche Note. Stimmt dann noch der Rest wie gegenüberliegende Gedecke stehen auf einer Linie, alle Stühle sind gerade, alle

Gedecke haben eine Daumenbreite Abstand zur Tischkante, jedes einzelne Gedeck hat genügend Platz, dann steht einem gelungenen Abend fast nichts mehr im Wege.

Auf Qualität achten Bei der Wahl des Geschirrs, Bestecks und der Gläser muss der Gastgeber stets den Anlass beachten. Das beste Porzellan muss nicht für den Alltagsgebrauch verwendet werden. Genauso wenig wie aus Pressglas produzierte Gläser bei festlichen Gelegenheiten eingesetzt werden. Beim Geschirr reichen die Variationsmöglichkeiten von feinem Porzellan über romantische Dekors mit zarten Blumenmustern und rustikalen Steingutgeschirr bis hin zu schlichtem Haushaltsgeschirr. Für feierliche Anlässe greifen Sie am besten auf edles Silberbesteck oder versilbertes Besteck zurück. Einfaches, aber schickes Edelstahlbesteck ist hingegen umfassend einsetzbar. Bei den Gläsern sind mundgeblasene Kristallstücke für vornehmere Anlässe ein echtes Highlight, maschinell geblasene Gläser sind eine gute kostengünstigere Alternative. Wichtig ist, dass Sie für jedes Getränk das passende Glas parat haben. Werden all diese Punkte beachtet, wird jede Tafel zu jedem Anlass die perfekte Visitenkarte des Gastgebers.

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kolumne Teuer macht noch keinen Luxus Ob und wann es Luxus ist, liegt im Sinne des Betrachters oder besser gesagt, in seinen Ansprüchen und Erwartungen. Es geht immer darum, von welchem Standpunkt aus man die Situation betrachtet und welchen Standard man als normal definiert.

che und Bad schnell auf einen sechsstelligen Betrag belaufen. Der Begriff «Badezimmer» dürfte in diesem Zusammenhang bei Immobilien dieser Kategorie schon als abwertend gelten. Whirlpool mit Massagefunktionen, Sauna, Multimediafunktionen, grandiose Ausblicke oder Freiluftzugänge und vielem Teuer macht noch keinen Luxus, mehr gehören durchaus zum aber Luxus hat etwas mit Exklusivität zu tun. Exklusiv ist, was Standard. Zusätzliche Wellnesstempel, Heimkinoanlagen, sich nur wenige leisten können Gästebereiche und Officelöoder was wenigen gefällt. In der Jörg Schmittschneider sungen sowie architektonisch Regel ist es so, dass es sich wenige leisten können, aber ganz vielen gefällt. Luxus extravagante, integrierte Pools sind nur ein Teil des bezeichnet einen Standard, der deutlich über dem Standards, die dort gesetzt werden. In urbanen Lofts Durchschnitt der Masse steht und das Besondere bringt ein Fahrzeugaufzug den Besitzer inklusive Wabezeichnet. Bei Immobilien wird dies in erster Linie gen auch schon einmal bis in die Wohnung, auch in durch die Lage und die Ausstattung sowie ihre Ein- höheren Stockwerken. Die Liste der Beispiele liesse zigartigkeit bestimmt. sich noch weiterführen. In den vergangenen Jahren durften wir zahlreiche Immobilien im Preissegment von 20 bis zu 100 Mio. CHF besichtigten und anschliessend für unsere Mandanten vermarkten. Hier waren Objekte dabei, die an Raffinesse und Extravaganz schwer zu übertreffen sind, aber auch schlichte, unscheinbare oder einfach nur sehr grosse altherrschaftliche Häuser, jedoch meist an den besten Lagen vorzufinden. Darunter auch Bau- und Design-Sünden, bei denen zum damaligen Zeitpunkt die Schönheit schon im Sinne des Betrachters gelegen haben muss und heute ggf. nur noch einen ideellen Wert haben, ausser den harten Fakten des Landpreises. Grundsätzlich jedoch trifft die Aussage der Lage, Ausstattung und Einzigartigkeit für Luxusimmobilien eindeutig zu. Was noch vor 50 Jahren in einer Luxusimmobilie in Bezug auf die Ausstattung als gehobener technischer Standard galt, würde heute einen potenziellen Käufer bestenfalls verschrecken. Hier punkten Immobilien jedoch meist mit ihrer ausgesprochen einzigartigen Lage und dem Potenzial, das in ihnen schlummert. Wenn wir moderne Luxusimmobilien auf die Ausstattung hin betrachten, kann sich die Investition in Kü-

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Eine einfache Definition für Luxusimmobilien kann über den Kaufpreis gegeben werden. Ein grober Richtwert für die Schweiz: Hier beginnen die Preise ab 5 Mio. CHF für Luxushäuser und >17’000 CHF Quadratmeterpreis bei gehobenen Eigentumswohnungen. Je nach Region sind diese Grenzen selbstverständlich variierend. Eine Grosszahl der auf dem Markt befindlichen Immobilien liegt jedoch deutlich darunter. Für Käufer von Luxusimmobilien darf es schon etwas mehr sein und auf jeden Fall auch für die Verkäufer eines solchen Objektes. Diese Kundschaft hat einen hohen Anspruch an sich und somit auch an den Immobilienprofi ihres Vertrauens. Hier ist der Makler, der sich intensiv und angemessen um seine Kundschaft kümmert, immer einen Schritt voraus. Auch wenn das Geld beim Käufer vorhanden ist – der Preis verlangt eine entsprechende Dienstleistung inklusive fachlicher Beratung. Mit einem entsprechenden Service bindet man Kunden. Und hier kommt irgendwann und nicht zuletzt das Stichwort «Referenzen» zum Tragen. Wer kann, der kann …


A mbiAnce zu ver mieten.

Stil ist eine Frage des persönlichen Ausdrucks. Deshalb ist es unser ziel, jedem Anlass seine individuelle Ambiance zu verleihen. Was immer Sie planen, von der kleinen, aber feinen Gartenparty bis zum eleganten Grossereignis mit individueller zeltarchitektur. bei blasto sind Sie an der richtigen Adresse. Wir garantieren ihnen tadellos gepflegtes material und einen umfassenden Service. rufen Sie uns einfach an für ein unverbindliches Gespräch: +41 55 225 46 56. Oder besichtigen Sie unseren Showroom im internet: www.blasto.ch.

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konkret, Zürich

Rubriken


Living News Colour Plaids Die wolligen Colour Plaids von Designerduo Scholten & Baijings für Thomas Eyck-Decken entfachen ein wahres Feuerwerk an Farben. Designer Stefan Scholten spricht selbst von «Farbbomben»: Die Colour Plaids sind Decken, die mit einfachen Mitteln für ganz neue Farbeindrücke sorgen. Egal, ob Sofa, Bett oder Stuhl, mit diesem bunten Überwurf werden selbst schlichte Möbel im Handumdrehen neu interpretiert – die Einrichtung wird verändert, ohne dass grosse Neuanschaffung nötig sind. www.thomaseyck.com

Melody Media von Marantz Beim neuen All-In-One-System Melody Media verbinden sich Funktionalität und Design zu einem vielfältigen Tool für Musikliebhaber. Mit seiner schwarzen Klavierlackoptik und den geschwungenen Seitenteilen wirkt der Melody Media sehr elegant. Der Melody Media besticht aber nicht nur durch sein Aussehen, sondern ist auch ausgesprochen leistungsstark bei überragender Wiedergabe von CD-Audio, FM, USB, DAB+ und Dateien aus dem Netzwerk. Die Verbindung ins WLAN lässt sich mit einem einzigen Tastendruck herstellen und dank neuem digitalem Eingang kann auch das Fernsehgerät an den Melody Media angeschlossen werden. www.marantz.de

BeoPlay A9 Nordic Sky Edition Inspiriert vom Lichtspiel und der Faszination einer langen skandinavischen Sommernacht wurden für die preisgekrönten Aktivlautsprecher Textilbespannungen und Standbeine in drei Editionen kreiert, die den Zauber des sommerlichen Nordlichtes einfangen. Dank seiner charakteristischen Form, seines eleganten Designs und des brillanten Klangs hat BeoPlay A9 bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen. BeoPlay A9 ist ein Aktivlautsprecher, über den sich Musik per AirPlay oder DLNA in beispielloser Klangqualität streamen lässt. Ferner überzeugt BeoPlay A9 auch als Designobjekt, ob auf dem Boden platziert oder an der Wand installiert. www.beoplay.com

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Graypants Scraplights Drei junge Designer und Architekten aus Seattle schaffen aus Altkarton Lampen, deren wunderschöne Lichtwelten weltweit begeistern. Die Scraplights-Lampen von Graypants werden per Laser aus alten Kartonschachteln ausgeschnitten und von Hand zusammengeleimt. Durch leichte Farbunterschiede und verschiedene Musterungen wird jede Lampe zum Unikat. Ein sanftes, dekoratives Licht zeichnet die Lampen aus. Das passt nicht nur für zuhause, sondern auch in Gastround Geschäftslokalen. www.rrrevolve.ch

No Waste NO WASTE ist eine Vision von funktionalen Möbeln mit einem bewussten Umgang mit Ressourcen, Materialien und Herstellungsverfahren. Der Tisch NW 208 entstand als erstes Möbel dieser Reihe. Er beruht auf einem präzisen Formkonzept, bei dem alle Bauteile des Möbels nach einem Schnittmuster aus einer einzigen Holzplatte entstehen. Analog zum Tisch NW 208 der No-Waste-Serie wurde der Prototyp des Stuhls NW 057 entwickelt. Aufgrund der aussergewöhnlich komplexen Konstruktionsweise bleibt er ein Prototyp. Die Formen der einzelnen Bauteile leiten sich alle direkt voneinander ab und erlauben so eine nahezu verschnittfreie Nutzung des Materials. Aus diesem speziellen Konstruktionsprinzip heraus ergeben sich die polygonen Flächen und eigenwilligen Formen, die in diesem Möbel zu einem funktionalen Ganzen zusammenfinden. www.rtkyburz.ch

Del Ben Stil, Design und Perfektion sind die Charakteristika der Del Ben-Kollektion. Del Ben verkörpert italienischen Lifestyle, dessen Design bei den innovativen Designmessern wie auch bei den top-klassischen Hornmessern mit gutem Preis- / Leistungsverhältnis spürbar ist. Der Del Ben-Messerblock in ovaler, gekappter Form, mit Rindsleder in Krokodildesign, braunem Leder verkleidet oder in Wenge- oder Walnussholz und ergonomischen Messergriffen aus echtem, ausgesuchtem Büffelhorn verbindet beide Stile zu einem herausragenden Element der Kücheneinrichtung. www.welt-der-messer.ch

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Der perfekte Kleiderschrank Ausreden wie «das ist doch viel zu gut, um es wegzuschmeissen» oder «das passt ja noch» machen uns die Arbeit beim Aufräumen des Kleiderschranks leichter. Zumindest bilden wir uns das ein ... Lone K. Halvorsen

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Laut einer Studie sind Frauen zwischen ihrem 16. und 60. Lebensjahr durchschnittlich 287 Tage damit beschäftig, die richtige Kleiderauswahl zu treffen. Die meiste Zeit nimmt es am Freitag- oder Samstagabend in Anspruch – mit immerhin 20 Minuten. Aber auch in der Früh, bevor der Arbeitstag losgeht, benötigen Frauen im Durchschnitt 16 Minuten. – Dabei haben sie sich bereits am Vorabend mindesten 15 Minuten lang den Kopf darüber zerbrochen, was sie am nächsten Tag tragen wollen. So reizvoll und befriedigend es ist, neue Kleider zu kaufen, mit jedem neuen Kleidungsstück strapaziert man die Kapazitäten des Schranks. Wer nicht bei jedem neuerworbenen Kleidungsstück ein altes aussortiert, steht irgendwann vor dem Chaos. Einer Studie zufolge sind es schlicht Faulheit oder Gefühle, die uns davon abhalten, unseren Kleiderschrank auszumisten. Nicole Böhme, Züricher Unternehmen Home & Art rät: «Wenn Sie Ihr Leben ändern wollen, dann beginnen Sie mit ihrem Kleiderschrank.» Überfüllte und chaotische, nicht übersichtliche Kleiderschränke sind häufig Folgen des stressigen Alltags. Deshalb sollte man regelmässig ausmisten und Platz für Neues schaffen. «In erster Linie geht es darum, den Kunden in einfachen Schritten zu zeigen, wie man einen Kleiderschrank gut durchdacht organisiert und wie man eine wertvolle Struktur in etwas ganz Alltägliches einführen kann», so Böhme. Das nicht immer einfache Entrümpeln und Loslassen von alten Kleidern, die man kaum bis nie trägt, ist ein zentraler Aspekt der Beratung, denn nur so werden laut Böhme blockierte Energien aufgelöst und Platz für Neues ermöglicht. Prestige sprach mit Nicole Böhme über Kleiderschränke und was man tun kann, um Ordnung darin zu bewahren.

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PRESTIGE: Welche Bedeutung haben Kleiderschränke? Nicole Böhme: Die meisten Kleiderschränke sind vollgestopft mit Sachen, aber nur 20 Prozent dieser Kleidung tragen wir regelmässig und 10 Prozent tragen wir gelegentlich. Das bedeutet, mehr als die Hälfte unserer Stücke im Kleiderschrank sind reine Dekoration und eben diese sollte man genau unter die Lupe nehmen. Es sind Kleidungsstücke, welche ihr Verfallsdatum bei Weitem überschritten haben, Kleidung, die noch nie getragen wurde und an der sogar noch das Preisschild baumelt.

Was sollte man beim Kauf und beim Einrichten eines Kleiderschranks beachten? Bevor man einen Kleiderschrank kauft, rate ich immer: «Gehen Sie jedes Kleidungsstück durch und sagen Sie allen Schrankleichen Adieu.» Vielleicht brauchen Sie nun keinen Schrank mit drei Schiebetüren mehr, sondern zwei tun es auch. Dann geht es zur Aufteilung der einzelnen Elemente im Innern des Kleiderschrankes, wo Aufbewahrungsartikel wie Kleiderbügel und Schachteln dazugehören.

Bevorzugen Sie Schubladen oder Fächer?

weniger Kleidung aus, obwohl manche Männer langsam am Aufholen sind.

Wie können wir dafür sorgen, dass immer Ordnung in unseren Kleiderschränken herrscht? Als Erstes ist es unsere Einstellung, die wir ändern müssen, bevor wir anfangen.

Was war ihrer Meinung nach die aussergewöhnlichste Reorganisation eines Kleiderschranks? Ich betrat einmal ein dunkles Ankleidezimmer, welches komplett vollgestopft war mit sehr eleganten Kleidern, an manchen Stücken baumelten sogar noch Preisschilder. Meine Kundin trug aber am liebsten jeden Tag nur Jeans und T-Shirt. Sie sagte mir dann auch, dass diese Sachen einfach zu schade wären, um sie zu tragen.

In meinem Kleiderschrank habe ich Fächer, wie auch zwei Schubladen.

Wie viele Stangen sollte ein Kleiderschrank besitzen?

Besitzen Sie selbst den perfekt eingerichteten Kleiderschrank?

Das kann man generell nicht sagen, da es immer darauf ankommt, was man für Kleiderkategorien hat. Ich bevorzuge es, die Kleidungsstücke eher aufzuhängen, als zusammenzufalten. Das erspart mir Falten, die ich vor dem Tragen vielleicht wegbügeln müsste, und dadurch auch Zeit, die ich verlieren würde.

Ich bin sicher nicht perfekt, würde aber sagen, dass mein Kleiderschrank eine gewisse Ordnung und eine gute Struktur hat und beim Kleiderkauf achte ich immer auf Qualität statt auf Quantität.

Worin unterscheiden sich Kleiderschränke von Männern und Frauen?

Die perfekte Ordnung ist für Sie …

Das ist einfach gesagt, nämlich in der Grösse und im Volumen. Männer kommen mit viel

Wohlfühlen und Lebensqualität!

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Living News Copenhague Wenn es um schönes Wohnen geht, gehören die Dänen zu den Spezialisten. Sie sind bekannt für ihre formschönen Produkte. Das junge Label Hay zeigt wieder einmal, warum sich unsere Nachbarn im Norden als führende Designnation etabliert haben. Mit der Copenhague-Kollektion stellen sie Stühle, Barhocker und Tische von den bekannten Designerbrüdern Ronan und Erwan Bouroullec vor. Ursprünglich für die Universität Kopenhagen konzipiert, eignen sich die Produkte ideal für das Homeoffice, sind aber auch an der Bar und im Wohnzimmer ein Blickfang. www.hay.dk

Zukunfts-TV Die Samsung UHD TVs bieten eine ganz neue Tiefe, Schärfe und Intensität und sind dank One Connect und Smart Evolution garantiert Zukunftssicher. Ultra High Definition bringt eine Auflösung von 3 840 mal 2 160 Pixeln, also mehr als acht Millionen Pixel auf den Bildschirm. Zuschauer tauchen dank dieser Technologie in eine fantastische Bilderwelt ein, die in ihrer Detailgenauigkeit der vierfachen Auflösung von Full HD entspricht. Besonderes Highlight: Der Samsung S9 Timeless. Er ist das Flaggschiff, der grosse Bruder unter den UHD TVs. Mit ihm haben die Ingenieure und Designer ein technisches und ästhetisches Meisterstück gebaut. Der S9 Timeless bietet eine Bildschirmdiagonale von 85 Zoll und eine elegante Rahmenkonstruktion, die das Audiosystem beherbergt. www.samsung.ch

Dune Dem stetigen Auf und Ab der Dünen verdankt kymos DUNE seinen Namen. Dass das verwendete Material feinste Wolle ist, dürfte klar sein und ist seiner unverwechselbaren Natürlichkeit geschuldet. Mehr braucht es auch nicht – für die perfekte Floorwear unter dem Esstisch oder in einer eleganten Kombination mit Möbeln aus Holz. Gerade erst erhielt DUNE das begehrte «Certificate of Excellence in Material Development» in der Kategorie «Naturals». Verliehen wurde es von dem Beratungsunternehmen Material ConneXion in New York. Es bescheinigt dem Floorwear-Label hervorragende Qualität und innovative Produktlösungen, die sich von anderen Anbietern deutlich unterscheiden. www.kymo.de

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Rubriken

Panoramablicke

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Genfer See Die Swiss Development Group, Entwickler aussergewรถhnlicher Luxusimmobilien und Schรถpfer eines exquisiten Lebensstils, hat vor kurzem die Restaurierung des Du Parc Kempinski Private Residences abgeschlossen, das 22 Apartments am Ufer des Genfer Sees umfasst.

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Auf dem Hang des Mont-Pèlerin gelegen, eröffnet das majestätische Belle-Epoque-Gebäude Du Parc Kempinski Private Residences exquisite Blicke über den schönsten See Westeuropas und bietet anspruchsvollen Immobilienkäufern die Chance, ein Stück edle Schweizer Architekturgeschichte zu besitzen. Die Restaurierung hat das ehemalige, imposante Luxushotel in eines der charmantesten historischen Wohnanwesen der Schweiz verwandelt, das über eine einzigartige Auswahl üppig ausgestatteter, geräumiger Appartements verfügt. Jede der grosszügigen Residenzen bildet mit ihrem eleganten Ambiente den perfekten Rahmen für gesellige Anlässe und den Empfang von Gästen. Um die Bewirtung kümmert sich auf Wunsch ein diskretes hauseigenes Team, das je nach Bedarf einen privaten Küchenchef oder eine Cateringfirma engagiert und dafür sorgt, dass alle Bedürfnisse erfüllt werden. Dies sind jedoch noch längst nicht alle Vorzüge des luxuriösen Du Parc-Lebensstils. Das Anwesen bietet auch eine Vielzahl einzigartiger Einrichtungen, die von ausgesuchten hochkarätigen Marken betrieben werden. Zu den Partner-Angeboten zählen beispielsweise ein Givenchy Spa-Behandlungsraum und eine Davidoff Zigarren-Lounge sowie ein Rolls Royce mit Chauffeur, der rund um die Uhr zur Verfügung steht. Auch mit dem renommierten Privatkrankenhaus Clinique des Grangettes, dem nahe gelegenen Lavaux Golfclub und dem Mirador Kempinski Country Club bestehen Partnerschaften.

Die 22 Residenzen im Du Parc bieten spektakuläre Aussichten von zahlreichen Balkonen und wurden für einen zeitgemässen Lebensstil durchdacht neu gestaltet. Alle Appartements glänzen mit stilvollem, edlem Design und sind zugleich komplett mit modernster Haustechnik ausgestattet. Die vier exklusiven, aussergewöhnlich geräumigen Gartengeschoss-Appartements verfügen zudem über weitläufige Terrassen und sanft hügelige Gärten: ideal für Familien, die sich vom Stadtleben erholen und die frische Schweizer Alpenluft geniessen möchten, oder ältere Paare, die ein entspanntes Refugium suchen. Das grösste der vier Appartements hat ein Spielzimmer, einen Gaming-Raum und ein Kino vorzuweisen, und alle Residenzen bieten den Bewohnern reichlich Platz, um den begehrten Du Parc-Lebensstil voll auszukosten. Die zentralen Wohn- und Essbereiche öffnen sich hin zu privaten Aussenflächen, in denen die Bewohner den typischen Freiluft-Lebensstil der Region geniessen und die vielfältigen Möglichkeiten nutzen können, die der unbeschwerte Wechsel zwischen Innen- und Aussenraum eröffnet.

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Das ganze Jahr hindurch können die Bewohner unter den verschiedensten Aktivitäten wählen, vom sommerlichen Wassersport auf dem See bis hin zum winterlichen Skifahren in einem der zahlreichen nahe gelegenen Wintersportgebiete. www.du-parc.ch

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Rubriken

INSERAT

Tradition meets Innovation

Zbären Kreativküchen AG Bahnhofstrasse 26 . CH-3777 Saanenmöser . Tel. +41 (0)33 744 33 77 design@zbaeren.ch . www.zbaeren.ch Official Dealer

Saanenmöser . Gstaad . Lenk

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Vom Besteck bis zur Tasse und von Armbanduhren bis zu Hotels gestaltet der Südtiroler Matteo Thun seit fast 30 Jahren – stets nach den beiden Mottos «ZERO Design» und «Ecotecture» – puristisches Design und nachhaltige Bauwerke. Prestige sprach mit ihm über Nachhaltigkeit, Konventionen und die Verantwortung, die man als Architekt in unsere Gesellschaft übernimmt. Lone K. Halvorsen

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Ob Gläser für Campari, Sanitärausstattungen für Duravit, Sonnenbrillen für Silhouette, Uhren für Bulgari und Swatch oder Espressotassen – im Bereich Design stehen seine Produkte für «ZERO Design». Für ihn bedeutet No-Design eine ikonenartige Form, bei der alles Überflüssige weggenommen wird und Form und Funktion so puristisch wie möglich sind. Die Suche nach dem echten Wesen eines «Dings» ist hierbei entscheidend. In der Architektur ist stets die ästhetische, ökonomische und technologische Nachhaltigkeit das Leitmotiv von Matteo Thuns Schaffen. Seit einigen Jahren geht es in der Architektur kaum noch etwas ohne den Nachhaltigkeitsaspekt. Vorreiter dieses Konzepts in der Architektur und über den Zweifel des Opportunismus erhaben ist Matteo Thun. Nach eigener Aussage dachte er schon immer ökologisch statt egozentrisch und so findet sich auch in seiner Formensprache eine Verflechtung von alpiner Geografie und Wirtschaft. Bekanntlich steht bei Matteo Thun & Partners die Nachhaltigkeit unter Berücksichtigung von ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Gesichtspunkten immer an erster Stelle. Sie ist ganz selbstverständlich Teil eines Ansatzes, der die Eigenart eines Ortes begreifen und respektieren, den heutigen und zukünftigen ästhetischen Ansprüchen genügen will. «Ecotecture» – das Zusammenspiel von «Ecology» und «Architecture» – ist die sinnvolle Antwort der Architektur auf die Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung.

Prestige: Architekt, Interior-Designer oder ProduktDesigner ... als was würden Sie sich bezeichnen? Matteo Thun: Ich habe bei Oskar Kokoschka studiert, machte mein Architekturexamen an der Universität in Florenz und war Mitbegründer der Memphis Gruppe. Mitte der 80er-Jahre gründete ich mein Studio in Mailand und folge seitdem dem Motto der Mailänder Schule «vom Löffel zur Stadt». Mein Ansatz ist der gleiche: der des Architekten, der im grossen oder kleinen Massstab plant.

Welche Verantwortung übernehmen Sie mit Ihrer Arbeit? Für mich und mein Team ist es selbstverständlich, nachhaltig zu planen und impliziert ästhetische, ökonomische und technologische Dauerhaftigkeit zu gewährleisten.

Könnte ein Matteo-Thun-Bau theoretisch überall stehen oder trägt die Umgebung eine bedeutende Rolle für Sie?

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Die Umgebung, der Platz, an dem wir bauen, ist von zentraler Bedeutung! Ich glaube an eine tragfähige Architektur unter Respektierung des «Genius Loci». Die klimatischen, geografischen und durch Tradition bestimmten Gegebenheiten definieren unseren Gestaltungsansatz.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt heutzutage eine wichtige Rolle. Wie haben Sie diesen Wandel im Laufe der Jahre empfunden und wie stehen Sie dazu? Der Begriff ist heute leider äusserst überstrapaziert. Meine architektonischen Vorbilder sind die Walser beziehungsweise die Bergbauern im Alpenraum – sie bauen mit der Natur. Wir haben die drei Zeros zu unserer Philosophie gemacht: «Zero Km» bedeutet die Baumaterialien stammen aus der Region, es gibt lokale Fachkräfte; «Zero CO2» steht für Energiemanagment und niedrigsten CO2-Ausstoss; «Zero Abfall» heisst weniger Müll – wie organisiert man den Lebenszyklus von Materialien im Bauprozess – wie baut man auf und wie baut man ab?

Stein, Holz, Stahl ... Haben Sie ein Material, mit dem Sie bevorzugt arbeiten? Wir bauen vor allem mit natürlichen Materialien – Holz ist dabei mein Lieblingsmaterial. Es könnte, als einziger nachwachsender Rohstoff, das Material des 21. Jahrhunderts sein!

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Wann ist ein Projekt für Sie interessant? Idealerweise können wir interdisziplinär arbeiten und übernehmen die Planung für alle Bereiche: Landscaping, Architektur, Interior, Light Design, Styling. Für die Dinge, die wir auf dem Markt nicht finden – Möbel, Lightmodule oder Bad-Design –, arbeiten wir mit den besten Herstellern zusammen und können schnell und effizient ökonomische Alternativlösungen realisieren.

Wie sehen Sie die Architektur der Zukunft? Ich war massgeblich bei der Entwicklung des «KlimaHotel»-Zertifikats beteiligt. Das Zertifikat gibt dem Gast die Sicherheit, dass beim Bau des Projekts respektvoll mit der Natur umgegangen wurde, beurteilt die Auswirkungen auf die Umwelt und beschäftigt sich mit den sozioökonomischen Konsequenzen. Die Projekte, die wir entwerfen, versuchen wir nach dem Katalog dieses Zertifikats zu verwirklichen.


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Erweitern Sie Ihren Wohnraum. Die rahmenlosen Schiebefenster von Sky-Frame gehen schwellenlos in ihre Umgebung über. So lässt sich nur schwer sagen, wo die Aussicht anfängt und der Innenraum aufhört. www.sky-frame.ch The Luxury Way of Life | 259


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PRESENTS

Schweizer

Traumanwesen by Engel & Vรถlkers

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Basel, die Kulturstadt im Herzen Europas, besticht durch ihren internationalen Charakter und hat gleichzeitig alles, was Kosmopoliten, Kunstkenner, Gourmets und Romantiker lieben: internationale Messen, Kunstgalerien, renommierte Museen und gute Restaurants, die Lage am Dreiländereck (F/D/CH) mit internationalem Flughafen sowie ruhige Wohnquartiere mit charmanten Häusern und die Traumlage am Rhein. Auf einem idyllischen Parkgrundstück, zwischen Riehen und Basel-Stadt, steht dieses geschichtsträchtige Ensemble einer barocken Villa aus dem 18. Jahrhundert – mit angegliedertem Pavillon und Gärtnerhaus mit Wohnung, Büro und separatem Zugang. Hier bietet ein märchenhaftes Anwesen höchste Lebensqualität. Während die 1999 umfassend renovierte und rollstuhlgerechte Villa mit besonderen Einrichtungen wie einem Weinkeller

und Wellnessbereich mit Saunen, Ruhe- und Fitnessraum, direktem Zugang zum eleganten Aussenpool sowie zwei Wintergärten, Bibliothek und Personenlift ausgestattet ist, zeigt sich der Pavillon in moderner Stahl-Glas-Architektur – ideal für repräsentative Veranstaltungen wie Hochzeiten, Musikinszenierungen oder Geschäftsanlässe für bis zu 120 Gäste. Im Einklang mit der Parkanlage ist das Anwesen eine Verschmelzung aus zeitgenössischer Architektur, historischem Ambiente und einem Weitblick in die Zukunft. Eine Symbiose mit Stil!

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INSERAT i h r p o r tA L f 端 r A u s e r L e s e n e i m m o b i L i e n

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Berg Athos Himmel auf Erden

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Kitchen Bad Boy Gordon Ramsay

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Der Kronprinz Clovis Taittinger

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Culinarium

Foodnews 280 Champagner & Whisky Champagner S채bel Ross Lovegrove

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Food Books Kulinarische Lesereise

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St채hlem체hle

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Der Himmel

auf Erden Vater Epifanios vom Klostergut Mylopotamos, das wie ein Adlerhorst an den steil zum Meer abfallenden Hängen des heiligen Berges Athos hängt, kennt in Griechenland fast jedes Kind. Dabei ist er nur einer von rund 2 500 Mönchen, die aktuell in der hermetisch abgeschirmten, nur vom Wasser aus zugänglichen Mönchsrepublik an der Südspitze des östlichen Fingers der Halbinsel Chalkidiki in 20 Grossklöstern, unzähligen Einsiedlerklausen und Skiten leben. Thomas Hauer

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CULINARIUM

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Der charismatische Gottesmann mit ausgeprägtem Sinn für Humor machte sich vor mittlerweile fast 25 Jahren daran, das verfallene Anwesen auf einer kleinen Landzunge direkt an der Küste, das zur Megisti Lavra, dem grössten Kloster des Athos gehört, aus seinem Dornröschenschlaf wach zu küssen. Gemeinsam mit seinem Mitbruder Ioachim begann er, die uralten Gemäuer, deren Ursprünge bis ins 9. oder 10. Jahrhundert zurückreichen, in mühevoller Handarbeit zu renovieren, die alten Weinberge mit traditionellen Rebsorten neu zu bestocken und die notwendige Infrastruktur für die Wiederbelebung der fast in Vergessenheit geratenen Weinbautradition aufzubauen. Denn hier wurde vor mehr als 1 000 Jahren vermutlich der erste Rebensaft auf dem Athos überhaupt gekeltert. Begünstigt von einem einzigartigen Mikroklima, das von der Bergmasse des über 2 000 Meter aus dem Meer aufragenden Athos-Massivs geprägt wird, welches die notwendigen Regenfälle in der ansonsten eher trockenen Region wie ein Magnet anzieht, entstehen hier charaktervolle, biodynamische Weine von beeindruckendem Format. Auf dem internationalen Markt erzielen manche der meist nur in sehr kleinen Mengen produzierten Gewächse heute teilweise Preise jenseits der 60-Franken-Marke. Noch vor 15 Jahren war das undenkbar.

regelmässige Essenszeiten und die simple Zubereitungsweise bei – für kein Rezept werden mehr als 4, maximal 5 Zutaten benötigt. Sossen werden nicht mit Mehl oder Sahne angedickt, sondern basieren auf dem Prinzip der Reduktion und Butter ist auf dem Athos gar ein Fremdwort, während Salz, wenn immer möglich, durch viele frische, aromatische Kräuter ersetzt wird, die hier direkt vor der Haustür wachsen. Tatsächlich kommt uns der Athos bei unserem Besuch fast ein wenig wie eine irdische Version des Paradiesgartens vor. Im Rahmen einer gross angelegten Gesundheitsstudie wurden ab Mitte der 90er-Jahre übrigens 1 500 Mönche über mehr als ein Jahrzehnt beobachtet. Das erstaunliche Ergebnis: Auf dem heiligen Berg gab es in dieser Zeit praktisch keinen einzigen Fall von Lungen-, Magen- oder Darmkrebs. Ernsthafte Herzkreislauferkrankungen, Alzheimer, Parkinson und andere Geiseln der Moderne kamen ebenfalls bemerkenswert selten vor.

Zu Besuch im Paradiesgarten Doch der Wein ist nur eine der vielen Leidenschaften von Vater Epifanios. Berühmtheit hat der Mönch mit dem typischen Rauschebart orthodoxer Geistlicher nicht nur als Weinexperte, sondern vor allem als Botschafter der nicht weniger traditionsreichen Küche der Mönchsrepublik erlangt. Und so kocht Epifanios über seinem offenen Holzfeuer in riesigen Kesseln und irdenen Geschirren nicht nur wann immer er kann für seine Mitbrüder oder Gäste, sondern geht im Namen des Herrn auch schon mal auf Promotiontour durch halb Europa. Sein Kochbuch «Die Küche des heiligen Berges Athos» mit knapp 130 authentischen Klosterrezepten hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem in 10 Sprachen übersetzten Bestseller entwickelt und weltweit reissen sich Chefs um eine «Session» mit Vater Epifanios. So hat der Mönch z. B. auch schon mit Küchensuperstar Jamie Oliver den Kochlöffel geschwungen. Zu Kopf gestiegen ist dem Mönch dieser Ruhm freilich nicht. So schreibt er im Nachwort seines Buches: «Von der Besorgung der Zutaten, dem Schälen, dem Waschen, dem Schneiden, dem Salzen, dem Kochen bis hin zum Servieren muss man immer an die Personen denken, für die man das alles macht: Die Menschen, die man liebt. Alles, was mit dem Kochen zu tun hat, ist Ausdruck unserer Liebe für sie, weil wir ihnen eine Freude bereiten wollen ... «Öffnen Sie Ihr Haus, laden Sie Ihre Freunde ein, kochen Sie alle zusammen, decken Sie gemeinsam den Tisch, trinken Sie Wein und freuen Sie sich!», so sein Credo. Und dass diese Küche wahrhaft Freude bereitet, wird spätestens beim Nachkochen der relativ einfachen, aber umso schmackhafteren Rezepte für Tomatensuppe mit Oktopus oder deftigem Barsch in Zwiebeljus mit jungen Zucchini klar! Doch die innerhalb der Grenzen des rund 390 Quadratmeter grossen «Staatsgebiets» der Mönche gepflegte Küchentradition, zeichnet sich nicht nur durch besonders leckere Rezepte aus, sondern ist vor allem überaus gesund. Dabei entspricht die Athos-Diät, die auf selbst angebautem Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Reis, Brot, ein wenig Fisch, geringen Mengen Olivenöl und Wein basiert, ziemlich genau der traditionellen Ernährungsweise vieler Griechen in den Küstenregionen, so wie sie dort bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts üblich war. Zu ihrer Bekömmlichkeit tragen ausserdem

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Klosteralltag Selbstverständlich tragen dazu, neben der ausgewogenen Kost, auch regelmässige körperliche Arbeit und Meditation bei – und Vater Epifanios sieht darin natürlich auch ein wenig göttliche Fügung. – Aber dennoch sind viele Wissenschaftler überzeugt: Einer der wichtigsten Gründe für die robuste Gesundheit der Mönche ist die Athos-Küche. Und die beherzigt vor allem einen Grundsatz, den der vielleicht berühmteste Sohn Chalkidikis, der Philosoph Aristoteles, in seiner Nikomachischen Ethik schon vor mehr als 2 300 Jahren als Basis eines erfüllten Lebens bezeichnet hat: «Das Gute liegt stets in der rechten Mitte zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig». Daran halten sich Vater Epifanios und seine Glaubensbrüder strikt. So wechseln die Mönche im Tagesrhythmus, getreu orthodoxer Tradition, zwischen einer weitgehend veganen und praktisch fettfreien Ernährungsweise am Montag, Mittwoch und Freitag, an denen auch nur eine einzige Mahlzeit verzehrt wird, sowie Tagen, wo auch Fisch, Eier, Milchprodukte und Wein erlaubt sind, also Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag, an denen zwei Mahlzeiten auf dem Speiseplan stehen. Deshalb bekommen wir bei unserem Besuch im russisch-orthodoxen Kloster Aghios Panteleimon, der auf einen Sonntag fällt, neben herzhaftem Krautsalat und deftigem Kichererbseneintopf auch an der Gräte gebratenen Fisch mit leicht angesäuertem Reis serviert. Gegessen wird dort wie überall in den Klöstern: aus simplen


© Thomas Hauer

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Blechschüsseln in einem fast 800 Personen fassenden Refektorium, das mit herrlichen Fresken dekoriert ist. Zum Essen gibt es klares Quellwasser, mit Honig gesüssten Getreidemilchkaffee und ein wenig Wein. Während der Mahlzeit erzählt uns Bruder Ermolaos, ein 48-jähriger Georgier, der seit 15 Jahren im Kloster lebt und den wir durch Zufall im Klosterhof kennengelernt haben, in fast perfektem Deutsch vom Klosteralltag. «Wir beten jeden Tag mindestens 10 Stunden, an Feiertagen länger. Dazu kommen vier Stunden körperliche Arbeit. Die Aufgaben im Kloster werden aber jedes Jahr neu verteilt, so bist du ein Jahr Koch, arbeitest im nächsten in den Weinbergen oder dem Gemüsegarten und bist im dritten der Finanzminister», erklärt Ermolaos lachend, der in diesem Jahr zum Bibliothekar berufen wurde. Während des gemeinsamen Essens wird übrigens normalerweise geschwiegen. Stattdessen werden religiöse Texte vorgelesen und sobald der Vorleser bemerkt, dass die Mönche beginnen, langsamer zu essen, wird die Tafel aufgehoben – d. h., man nimmt nie mehr zu sich, als man wirklich braucht. Klostergäste und Pilger essen und übernachten in den Athos-Klöstern übrigens grundsätzlich kostenlos, allerdings darf man in der Regel nur 24 Stunden in einem Kloster bzw. insgesamt maximal vier Tage auf dem Gebiet des Athos bleiben, das zwar offiziell zu Griechenland gehört, aber dennoch einen weitgehenden Autonomiestatus geniesst und für das sehr strenge Einreisebestimmungen gelten.

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Männerdomäne Die vielleicht beste Adresse, um auch ausserhalb des Athos selbst in den Genuss der kulinarischen Traditionen der Klöster des heiligen Berges zu kommen, bietet übrigens ausgerechnet das wohl exklusivste Hotel der gesamten Halbinsel Chalkidiki: das zu den Small Luxury Hotels gehörende Eagles Palace. Es liegt nur wenige Kilometer von der Grenze der autonomen Mönchsrepublik entfernt. Küchenchef Ilias Gkotsis ist wie Hotelbesitzer Konstantinos Tornivoukas mit Vater Epifanios, seit Jahren eng befreundet und Gkotsis, hat ihn auf zahlreichen Auslandsreisen begleitet, um die Geheimnisse der Athos-Küche in die Welt hinaus zu tragen. Zu Hause in seiner Hotelküche bereitet Gkotsis Gästen auf Wunsch mehrgängige Klostermenüs auf Basis der Rezepte von Vater Epifanios zu. Aber noch etwas verbindet den bescheidenen Mönch mit der familiär geführten Luxusherberge: Sein enger Freund und Mitbruder Ioachim war im Eagles Palace in den späten 80er-Jahren Kellner, bis er sich nach einer


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Stippvisite bei Epifanios auf dem Athos spontan entschied, einfach dort zu bleiben. Das Eagles Palace ist aber auch deshalb eine gute Alternative zum Original, weil es als nicht-orthodoxer Christ und Ausländer gar nicht so einfach ist, das Diamonitirion genannte Visum für einen Besuch des Athos zu bekommen. Nur zehn «Ungläubige» pro Tag sind auf dem Berg zugelassen und Touristen haben offiziell überhaupt keinen Zutritt, sondern ausschliesslich Pilger. Rund 50 % der Menschheit bleiben seit 1 000 Jahren ausserdem gänzlich ausgesperrt, denn Frauen dürfen den Athos grundsätzlich nicht betreten – ohne Ausnahme, niemals. Ja nicht mal weibliche Säugetiere gibt es auf der Insel, weshalb neben Weizen auch Eier und Milchprodukte zu den wenigen Importgütern der sich ansonsten weitgehend autonom versorgenden Republik gehören. Die Mönche begründen den Frauenbann damit, dass die gesamte Halbinsel der Heiligen Jungfrau Maria geweiht sei und man ihrem «göttlichen Garten», als den die Mönche den Athos begreifen, mit dieser Exklusivität höchste Ehren erweist. Das sehen Frauenrechtlerinnen freilich anders und so gab es immer wieder Aktionen, bei denen Evas Töchter heimlich oder auch publikumswirksam in das Staatsgebiet des Athos eingedrungen sind. Wir haben an unserem letzten Abend die besondere Ehre, dass Vater Epifanios, der grade von einer Reise nach Bulgarien zurückgekehrt ist, uns

im Eagles Palace höchst persönlich bekocht und dafür über offenem Feuer seinen legendären Barsch im Zwiebelsud zubereitet. Obwohl in dem Topf nur die Fischfilets, ein wenig Olivenöl, junge Zucchini, der Saft frischer Frühlingszwiebeln und Zitronen sowie eine Handvoll Kräuter wandern, schmeckt das Gericht einfach köstlich und erhält durch das leichte Raucharoma des Holzfeuers eine ganz besondere Note. Ebenfalls hervorragend: der in Rotwein geschmorte, fangfrische Oktopus und eine klare Fischsuppe, wie sie oft in den Athos-Klöstern auf dem Speisezettel steht. Während der Sommersaison kommt Epifanios übrigens regelmässig ins Eagles Palace und kocht für die Gäste seine Lieblingsrezepte, so z. B. auch im Rahmen des Mount Athos Area Gourmet Festivals, das jedes Jahr im Mai / Juni stattfindet. In den sechs Wochen verwandelt sich die Region in ein wahres Feinschmeckerelysium. Wissbegierige erfahren bei unzähligen Events, Dinner und Seminaren alles rund um die kulinarische Kultur dieses einmaligen Fleckchens Erde.

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Der Bad Boy der Küche Gordon Ramsay

Er gehört zur Elite der globalen Küchenstars. Berühmt wurde der Brite, dessen Restaurants es auf eine beachtliche Anzahl von Michelin-Sternen bringen, jedoch vor allem durch diverse TV-Shows. «In Teufels Küche» gibt er sich als knallharter Restaurantchef, der kriselnde, marode Küchen in wahre Goldgruben verwandelt. Sein Küchenjargon ist schroff und nichts für Zartbesaitete. Der 1966 in Johnstone geborene Schotte organisiert sein Team so lautstark wie ein Fussballtrainer seine Mannschaft. Er selbst bezeichnet sich jedoch als hart, aber fair. Zum Kochen kam er erst ziemlich spät. Eine Verletzung machte seine Pläne als Profi-Fussballer zunichte. Inzwischen gehören ihm Restaurants in Grossbritannien, Frankreich, Italien, Irland, Tschechien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan und den Vereinigten Staaten. Zu seinem Küchenteam gehören mehr als 1 500 Leute. Seine Inspirationen holt er sich aus der ganzen Welt, auf den Märkten von Vietnam und Laos, aber auch in Italien. Sein Ziel ist es, der beste Koch der Welt zu werden, doch erst kürzlich verlor er zwei Sterne. Doch ehrgeizig wie Gordon Ramsay ist, ist er auf der Verfolgungsjagd, Alain Ducasse mit seinen 15 Sternen und Joel Robuchon mit 18 Sternen noch einzuholen.

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Drei Fragen an Gordon Ramsay Was gehört nicht in die Küche? Lügen und dicke Köche. Ich denke Küchenchefs dürfen nicht fett sein.

Ihr Lieblingsgericht? Schottischer Hummer mit goldenem Kaviar

Wer kocht im Hause Ramsay? Meine jüngste Tochter. Nur wenn es schnell gehen soll, stehen meine Frau oder ich am Herd.


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der kronprinz Durch den Verkauf des Unternehmens wurde seine Familie reich, durch den Rückkauf bekannt. Nun werden seine Weine zur Legende. Martin Wyss

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Clovis Taittinger ist ein ruhiger, bescheidener Mann Mitte dreissig, der äusserlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen James Spader hat. Seine Stimme ist sanft und leise, sein Englisch mit charmantem französischem Akzent, nur manchmal, wenn ihn die Leidenschaft packt, wird er lauter. Das ist meistens der Fall, wenn er über Champagner spricht. Dann zuckt für einen Sekundenbruchteil ein Lächeln über sein Gesicht und die Augen blitzen hinter den Brillengläsern. Zusammen mit seiner Schwester Vitalie ist Clovis die fünfte Generation im Champagnerhaus Taittinger und seit 2011 Export Director des Unternehmens.

Dem Untergang entronnen Schon nach wenigen Minuten mit Clovis Taittinger spürt man, wie sehr der Mann mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist. Nicht viele hätten es ihm gleich getan. Denn Taittinger ist eine Institution in Frankreich – eines der wenigen Champagnerhäuser, das noch immer im Familienbesitz ist. Oder besser gesagt: wieder ist. Denn Erbstreitigkeiten zwangen 2005 zu einem Verkauf an die amerikanische Aktiengesellschaft Starwood. Ein ähnliches Schicksal drohte, wie jenes, das in der Champagne so manches grosse Weingut ereilte: Aus Profitgründen wurde die Zahl der abgefüllten Flaschen auf Kosten der Qualität gesteigert. Doch Pierre-Emmanuel Taittinger, der Vater von Clovis und Vitalie, schaffte es 2006 unter enormen Anstrengungen, das Unternehmen zurückzukaufen, bevor es zu spät war. Geniesser in aller Welt danken es ihm. Denn Kennern leuchten beim Namen Taittinger die Augen. Kein anderer Champagner ist derart leicht, elegant, grazil, schon fast filigran. Zu verdanken ist dies der Verbindung aus einem konsequenten Bestreben nach Qualität und den enormen Ausmassen, die der Besitz der Familie hat. Insgesamt sind es fast 300 Hektar an eigenen Rebflächen, die sich auf insgesamt 34 Grand CruLagen verteilen. Diese decken den Grossteil der für die Produktion benötigten Trauben erster Güte ab. Ausserdem wird nur der Most aus der ersten Pressung verarbeitet. Die zweite Pressung ist qualitativ weniger wertvoll und wird nicht

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verwendet. Sie wird aber genutzt, um mit benachbarten Weingütern gegen weitere Chardonnay-Trauben der höchsten Qualitätsstufe zu tauschen.

Machos, Stars und Sternchen Wenn Clovis Taittinger nach seinem wertvollsten Besitz gefragt wird, so antwortet er gern, dass ihm eine Kiste Champagner und ein paar Bier im Kühlschrank reichen, um glücklich zu sein – dies, und seine Familie. Und den Idealismus nimmt man dem 35-Jährigen sogar ab. Seit er und seine Schwester in das Unternehmen eingestiegen sind, weht der Wind des neuen Jahrtausends. Davor hatte man bei Taittinger lange Zeit mit dem Image zu kämpfen. Zu sehr vertraute man auf die herausragende Qualität des Champagners. Und verschlief die Verjüngung des Marktes und des Publikums. Denn früher, in den goldenen Fünfzigern und Sechzigern, war Taittinger zumindest in Europa Kult. Von Monaco bis St. Tropez, von Paris bis Mailand feierten die Stars und Sternchen, die Schönen und Reichen den wirtschaftlichen Aufschwung auf ihren legendären Partys. Der Krieg war vorbei, man genoss das Leben wieder – und Taittinger war immer dabei. Ob Marcello Mastroianni, die unvergleichliche Sophia Loren oder die «Nymphe unter den Sexgöttinnen», Brigitte Bardot, sie alle wurden oft und gern mit einem Glas des prickelnden Weins aus Reims angetroffen. Von Ian Fleming, Vater des James Bond, war bekannt, dass jedes Mal, wenn er schrieb, eine geöffnete Flasche Comtes de Champagne neben seiner goldenen Royal-Quiet-De-Luxe-Schreibmaschine stand. Und so erstaunt es nicht, dass über die Jahre hinweg – ganz dem damaligen machoiden Zeitgeist entsprechend – Scharen von Bond-Girls mithilfe des Premiumweins von Taittinger flachgelegt wurden. Während sich die ersten Filme diesbezüglich noch an die Buchvorlage hielten, entdeckte dann bald Konkurrent Bollinger die Möglichkeiten des bezahlten Product Placements, worauf der britische Superspion die Marke wechselte. Bei Taittinger gab man sich gelassen. Man hielt sich nicht mit solchen schnöden Nebensächlichkeiten auf.

Modern, sexy und innig geliebt Heute wäre das wohl ein wenig anders. Obwohl noch immer das Streben

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nach Qualität das Dogma des Hauses bestimmt, hält man seit Kurzem die Augen vor den Gesetzen der Marktwirtschaft nicht mehr verschlossen. Mit Clovis Taittinger sind neue Zeiten angebrochen. Zu spüren ist dies nicht nur am Auftreten nach aussen, auch neue Weine wurden lanciert. Wie etwa der Nocturne Sec, der mit seiner etwas lieblicheren Dosage zielgerichtet den Geschmack eines jüngeren, urbanen Publikums trifft. Auch das Design der Flasche gibt sich trendy, vor allem das der Special Edition, welches an eine Discokugel erinnert. «Wir wollen unseren Champagner lebhaft, verspielt und unbeschwert halten. So, wie das Leben sein sollte», meint Clovis. «Zu manchen Jahrgängen führen wir eine fast innige Beziehung. Man verfolgt ihre Reifung, als ob man sein Kind aufwachsen sieht.» Spürbar ist diese Liebe zum Produkt im Glas. Bereits der Einstiegschampagner Brut Reserve zeigt eine Qualität, die man auf diesem Level nicht erwartet. Und der aktuelle Jahrgang 2005 des Spitzenweins Comtes de Champagne lässt wahrhaft Grosses erwarten. Zwar ist er noch zu jung, um ihn bereits jetzt zu trinken, aber die Gerüchteküche in der Branche brodelt und prophezeit ihm allerhöchste zukünftige Bewertungen. Manche Kenner bezeichnen ihn als das Beste, das Taittinger je produziert hat. Darum unser Tipp: Kaufen, bevor die Preise in den Himmel steigen, und 10 Jahre in den Keller legen! Comtes de Champagne 2005 ist erhältlich bei Globalwine, Zürich.


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INSERAT P U R E SW I S S A L P I N E C AV I A R Rein. Natürlich. Nachhaltig. Geniessen Sie den einzigen Schweizer Kaviar. Im Oona-Shop oder im Oona – das Restaurant. www.oona-caviar.ch

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food News Edler Champagner in fantasievoller Kühlbox Für die Festtage präsentiert Perrier-Jouët eine kreative Kühlbox für die Cuvées Grand Brut und Blason Rosé, kreiert vom talentierten, jungen, französischen Designer Benjamin Graindorge. Inspiriert wurde der Künstler von der Art Nouveau und dem blumigen, eleganten und geschliffenen Stil von Perrier-Jouët. Die In-Bloom-Fresh-Box ist ein Schutz in Form einer Blüte kurz vor dem Aufblühen und umschliesst die Flasche Grand Brut oder Blason Rosé Champagner grazil. Der Champagner wird darin für zwei Stunden in idealer Temperatur gehalten. www.perrier-jouet.com

Clicquot goes Fashion Der modische Eiskübel und die gepolsterte Tragetasche verfügen über eine angenehme Tragschlaufe und bestehen aus zwei Teilen: Einer davon enthüllt, wenn gelöst, einen Kübel, in dem eine Flasche mit Eis Platz findet. Die schwarzen Designdrucke führen das «Gepäckthema» fort, das sich durch das ganze Veuve Clicquot-Angebot zieht. www.veuve-clicquot.com

Extra Old Cognac im Flachmann Hennessy X.O «The Original», der erste «Extra Old», 1870 von Maurice Hennessy kreiert, ist ein Symbol der Geschichte und der Vorzüglichkeit des unangefochtenen Weltmarktführers für Spirituosen der Spitzenklasse. X.O, das Aushängeschild der Prestigereihe, wird in einem neuen Ambiente und in neuer Farbgebung in Szene gesetzt. Das Herstellungsverfahren blieb unverändert, jedoch sorgt der kupferfarbende Flachmann nun dafür, dass man den Cognac auch leicht mitnehmen und zum Abschluss eines Essens mit Freunden teilen kann. www.hennessy.com

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Momente gemeinsam erleben Damit jeder die Möglichkeit hat, mit dem Menschen seiner Wahl die Freude dieser Weine gemeinsam zu erleben, definiert Krug das Teilen neu. Er präsentiert eine neue Art, die Grande Cuvée zu geniessen. Vorzüglichkeit und Eleganz, als Charaktereigenschaft der Krug-Champanger seit der Gründung des Hauses 1843, verbinden sich hier in höchster Qualität und sorgen für Momente, die über das einfache Vergnügen hinausgehen. www.krug.com

ExEcutivE SEarch conSulting catEringS & EvEntS Global Hospitality Services GmbH Lavaterstrasse 75 | CH-8002 Zürich Mobil +41 (0) 76 421 86 95 | Telefon +41 (0) 43 222 41 81 www.g-h-services.com

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Captain Organic Ross Lovegrove Der Name von Ross Lovegrove ist untrennbar mit weltbekannten innovativen Entwürfen verbunden: von Kameras und Autos, von Eisenbahnen, Aviatik und Architektur. Er gilt als Vorreiter einer neuen Ästhetik für das 21. Jahrhundert, der organische Formen in optimistischen, intelligenten, menschlichen Dimensionen mit ausgefeilter Technik und neu interpretierten Materialien verbindet. Gisela Blau

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Ross Lovegrove kam 1956 in Cardiff, Wales, zur Welt. Er absolvierte das Polytechnikum von Manchester, schloss mit akademischen Ehren ab, studierte Industriedesign und erlangte 1983 am Royal College of Art in London den Master of Design. In Deutschland war er am Design des Walkmans von Sony beteiligt, auch an Computern für Apple. Anschliessend zog er nach Frankreich, arbeitete mit Jean Nouvel und Philippe Starck und beriet grosse Luxusmarken. Zurück in London bearbeitete er Projekte für grosse Hersteller von Luxusgütern. Seither führt er sein eigenes Studio in London. Ross Lovegrove schrieb mehrere Bücher, gewann

unzählige Design-Preise, und einige seiner Werke gehören zu permanenten Design-Sammlungen in wichtigen Museen weltweit.

The British Gentelman Lovegrove lässt sich von der Natur inspirieren, verdichtet eine Form, die man nicht sehen kann. «So arbeite ich: Auf einen Reflex hin, es macht Klick, ich zeichne in mein Notizbuch, das ist alles. Und nachher versuche ich die ganze Zeit, sichtbar zu machen, was ich in der ersten Sekunde sah.» Aber er folge nicht nur seinem Instinkt, denn dieser nütze sich ab, so Lovegrove. Die Welt werde immer entrückter und virtueller, viel zu elektronisch. «Ich gebe mir Mühe, niemals zu übertreiben, weil jede Flamme erlischt. Gewohnheit schafft Geringschätzung. Abwechslung, Fortschritt ist notwendig. Als Designer bekenne ich mich bedingungslos zur Moderne.»

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Als wir ihn treffen, sind wir erstaunt: Der berühmte Designer erfüllt so gar nicht das Klischeebild. Ross Lovegrove trägt keine wilde Mähne und keine formlosen Kleider. Hier steht ein gepflegter britischer Gentleman, weisshaarig, mit gestutztem Bärtchen, hochgewachsen und schlank, in einem dunklen Rollkragenpullover unter einem blauen Anzug aus feinem Tuch. – Ein Mann von Welt, fröhlich und herzlich, intelligent und eloquent. Formvollendet bittet er in einen eleganten Salon im edlen Hotel de Vendôme in Paris. Nicht weit entfernt befinden sich die funkelnden Schaufenster der grossen Juweliere am Place Vendôme, in dessen Mitte die Siegessäule steht, die Napoleon nach der Schlacht bei Austerlitz errichten liess. Auch im Salon bei Ross Lovegrove ist Napoleon nicht weit, und auch auf dem niederen Tisch wird es bald funkeln. Noch ruht das Werk des grossen Designers in einem mattweissen Etui, neben einer ebenso mattweissen, kathedralenförmigen Skulptur, die eine Magnumflasche Champagner und einen funkelnden Säbel enthält. Beides hat er für das Champagnerhaus G.H. Mumm geschaffen, ein extravagantes Set mit einem glänzenden, organisch geformten Säbel aus handpoliertem Inox und einer Magnumflasche Cordon Rouge.

Säbel & Champagnerflaschen Für ihn war dieser Auftrag nicht wie jeder andere, erzählt er, und freut sich sichtlich über das Resultat. «Es war wunderbar, denn im Champagner findet sich Geschichte, Kultur, auch nicht wenig Mystik.» Und natürlich gibt es die Legende, dass Napoleons Offiziere nach siegreichen Schlachten mit ihren Säbeln Champagnerflaschen köpften. Scheint ihm diese, dank ihm wiedergeborene, «Sabrage» nicht etwas gewalttätig zu sein? Er wehrt sich auf die feine englische Art: «Der Säbel hat keine Klinge, die Kanten sind nicht scharf. Ich würde nie etwas Aggressives entwerfen. Das ausbalancierte Gewicht des Säbels geht eine Beziehung zum Flaschenhals ein und schlägt diesen beim Kontakt mit dem richtigen Punkt sauber weg. Es wurde an alles gedacht, nichts wurde übersehen, der handpolierte Inox-Stahl ist absolut symmetrisch und für beide Hände und für Männer und Frauen geeignet.» Ein Jahr lang hat der Designer mit seinem Team am Säbel gearbeitet. Auch in folgenden Jahrhunderten werde dieser wegen seiner fliessenden Form als Kunstwerk Beachtung finden, meint sein Schöpfer. Es ist diese Beständigkeit, die Ross Lovegrove in seinem ganzen Werk anstrebt. In Zukunft würden die Menschen mehr für weniger ausgeben. Wertvoll sei der künstlerische Gehalt. «Meine Werke sind modern, aber von heute und nicht aus der Moderne der 60er-Jahre, so sehr ich jene wenigen Designer und Künstler bewundere. Die Schweiz hat allen Grund, auf die Kirche von Ronchamp stolz zu sein. Le Corbusier hat dieses Dach sicher, dank einer Vision, entworfen, aber es kostete ihn Jahre, die Bauherrschaft von diesem Wagnis zu überzeugen.» Organisches Design, sagt Captain Organic, sei sehr wertvoll: «Weil es nach dem ersten Gedankenblitz so schwierig zu erschaffen ist.»

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food books Original Italienisches von zwei italienischen Originalen! Nicht immer verderben viele Köche den Brei. Als Autoren ergänzen sich die zwei Grossmeister der italienischen Küche sogar prächtig: Den Norditaliener Antonio Carluccio und den Süditaliener Gennaro Contaldo verbindet die Leidenschaft für gutes Essen. Zwischen Alpengipfeln, Apennintälern und Mittelmeerküste haben sie kulinarische Schätze ausgegraben – die originale Landküche ihrer Heimat. Mehr als 80 authentische Rezepte, die auch Kenner der italienischen Küche überraschen werden, haben die beiden in ihrem neuen Kochbuch versammelt.

Italienische Landküche Antonio Carluccio und Gennaro Contaldo Dorling Kindersley Verlag

Libanesische Vorspeisenkultur Mezze sind der Inbegriff arabischer Genusskultur. Die besten Mezze findet man im Mittleren Osten, speziell im Libanon. Mohamad Salameh und Bettina Matthaei sind dorthin gereist und berichten über die Kultur und Küche des Landes. Im Rezeptteil ist dann die ganze Vielfalt der Mezze versammelt: klassische, feine, neue, opulent-festliche und die Süssen zum Schluss. Die traditionellen Rezepte reichen von bekannten Hummus und Fattoush über knusprige Halbmondtäschchen bis zu den scharfen Bataa Harras. Entdecken Sie die vielfältigen Aromen und die raffinierten Genüsse einer noch unverfälschten Küche.

Mezze Mohamad Salameh & Bettina Matthaei Gräfe und Unzer Verlag

Indisch für Veggies Halloumi mit Kräuterkruste und Feigen-Pistazien-Chutney, Paprika mit Erdnuss-Tamarinden-Sauce oder Auberginen mit Granatapfel-Joghurt – die vegetarische Küche Indiens ist würzig, sinnlich und vielfältig wie keine andere. Anjum Anand präsentiert 115 exotische, leichte und gesunde Lieblingsgerichte für Vegetarier und «Flexitarier», die ihren Fleischkonsum einschränken wollen. Die Rezepte wurzeln tief in der wundervollen regionalen Küche Indiens, aber Anjum Anand hat auch Klassiker neuinterpretiert und stellt Eigenkreationen vor, in denen sich Indien und Europa treffen.

Anjums indische vegetarische Küche Anjum Anand Dorling Kindersley Verlag

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Das echte Venedig kulinarisch entdecken Die traditionellen Weinbars (Bacari) sind die ältesten Lokale Venedigs. Hier kehren die Venezianer gerne ein. Es gibt guten Wein und köstliche Gerichte zu entdecken, die man sonst kaum noch findet. Mit ihnen hat sich ein authentisches Stück Venedig und ein Stück sehr kommunikativer Ess- und Trinkkultur erhalten. Das Buch lädt zu fünf Ombre-Spaziergängen («ombra» heisst «ein Gläschen Wein») durch die schönsten Bacari ein. Die Autoren führen Sie jenseits der ausgetretenen Pfade zu immer neuen Insider-Adressen, erklären die Spezialitäten, die Quartiere und stellen Ihnen interessante Venezianer vor. 50 der besten Rezepte der Bacari haben sie für dieses Buch gesammelt.

Weinbars in Venedig Beat Koelliker & Cornelia Schinharl Gräfe und Unzer Verlag

Wir wünschen PRESTIGE viel Erfolg! Das Weingut Domaine Burnier am Schwarzen Meer in Russland, an den sanften, stark besonnten Hängen des Kaukasus gelegen, bringt aussergewöhliche Weine höchster Qualität hervor. Hergestellt durch den Schweizer Winzer Renaud Burnier verbinden diese Weine die Schweiz und Russland in harmonischer, genussvoller Weise. Domaine Burnier | Route Principale 60 | CH-1786 Nant/Sugiez | WWW.DOMAINES-BURNIER.COM | +41 673 02W 22 The26Luxury ay of Life | 287


kolumne Nahrungsmittel für Milliarden Bis in die Neuzeit war Hunger auch in den fortschrittlichsten Ländern der Welt ein ständiger Begleiter der Menschen. Das Ende der Hungersnöte in Europa brachte erst die Einführung des Kunstdüngers und die Mechanisierung der Landwirtschaft durch den Einsatz dampfbetriebener Maschinen und einer industriellen Verarbeitung von Nahrungsmitteln ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit sich. Walter Bollier Inzwischen werden zwar global genügend Nahrungsmittel erzeugt, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren, aber ungeachtet dessen ist die Verteilung der Nahrung in vielen Fällen ineffizient. Während über zwei Milliarden Menschen ihren täglichen Kalorienbedarf nicht oder unzureichend decken können, herrscht in anderen Regionen ein solcher Überfluss an Nahrungsmitteln, dass ein Teil des Überangebots ungenutzt bleibt. Ein Durchschnittseuropäer verzehrt pro Jahr etwa 1 400 bis 1 500 kg Lebensmittel und Getränke. Im Gegensatz zum Europäer nimmt beispielsweise ein Afrikaner im Durchschnitt täglich 40 % weniger Proteine zu sich. Die meisten übergewichtigen Menschen leben in den USA, dennoch sind dort rund 48 Millionen Bürger auf Lebensmittelmarken angewiesen. Falsche Essgewohnheiten, die durch Übergewicht bedingte Zivilisationskrankheiten auslösen oder begünstigen, wirken sich letztlich negativ auf das BIP eines Landes aus. Im Fall der USA schwanken die Zahlen zwischen 17 % und 20 % des BIP. Mit dem unaufhaltsamen Wachstum der Weltbevölkerung steigt der durchschnittliche Kalorienbedarf überproportional an. 2011 überschritt die Weltbevölkerung die Marke von 7 Milliarden Menschen. In den nächsten 15 Jahren schätzt die UNO, dass es rund 8 Milliarden Menschen geben wird, von denen 3 Milliarden in China und Indien leben wer-

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den. Vor allem in den zuletzt genannten Ländern werden sich die Ernährungsgewohnheiten schnell und nachhaltig verändern. Das Phänomen, sich ändernder Ernährungsgewohnheiten, ist in allen Industrienationen, wenn auch in leicht unterschiedlicher Ausprägung, zu beobachten und setzt sich in den aufstrebenden Ländern nahezu unverändert fort. Reis war in China bis vor kurzem das wichtigste Grundnahrungsmittel. In jüngster Zeit hat für rund 20 % der Chinesen Getreide diese Rolle übernommen. Diese Veränderung der Essgewohnheiten macht sich bereits bei der globalen Entwicklung des Getreideangebots und der Getreidenachfrage bemerkbar. Die globale Nahrungsmittelproduktion kann aus all diesen Gründen mit dem Anstieg der Weltbevölkerung nur mit Mühe Schritt halten. Dies führt zu latenten Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor. Zusätzlich zu den genannten Faktoren sind weltweit schwindende Anbauflächen, der Boom der Biokraftstoffe und klimatische Änderungen für die steigenden Preise verantwortlich. Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, könnten zudem Ernteausfälle durch Dürren oder Überschwemmungen zu Einbussen bei der Ernte von bis zu 40 % führen. Solche Ereignisse können neben dem langfristigen Trend jederzeit zu massiven Preissteigerungen für Landwirtschaftsprodukte führen. Der globale Handel mit Nahrungsmitteln und Getränken dürfte deshalb bis 2017 ein Volumen von 5 776 Mrd. USD erreichen. So sind zahlreiche Unternehmen des Sektors heute zu Recht Börsenschwergewichte und immer mehr Investoren nehmen die Möglichkeit wahr, beispielsweise über einen spezialisierten Aktienfond wie den Food & Agriculture Fund, in den Sektor zu investieren.


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mit 160 km/h Lauberhorn-Rennen Skirennfahrer sind die modernen Gladiatoren. Mit 160 km/h brettern sie den Berg runter – ohne Netz und doppelten Boden. Die LauberhornAbfahrt ist ein Spektakel von höchster Qualität – für den Athleten wie für die Zuschauer. Richard Hegglin

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Schneller sind im Berner Oberland nur noch die F-5E-Tiger unterwegs, die jeweils vor den Lauberhorn-Rennen über Eiger, Mönch und Jungfrau donnern. Zum ersten Mal ist in der letzten Lauberhorn-Abfahrt im Hannegg-Schuss die 160 km/h-Grenze durchbrochen worden. Bisher galten im Weltcup 150 km/h als Schallmauer. In der Abfahrt 2013 sprang beim Franzosen Johann Clarey der Tacho auf unglaubliche 161,90 km/h. Im Rennen musste er sich zwar mit vier Zehntelsekunden Rückstand auf einem Podestplatz mit Rang 5 begnügen, dafür ist ihm der Eintrag ins Guinnessbuch der Skirekorde sicher. Er entthronte Carlo Janka, der 24 Stunden zuvor in der Kombinationsabfahrt mit 158,70 km/h einen Weltrekord aufgestellt hatte. Früher verbot der Internationale Skiverband (FIS), solche Zeiten zu messen, um aus Sicherheitsgründen einer ausufernden Rekordhatz den Riegel vor zu schieben. Deshalb führt sie keine verbindlichen Rekordlisten. Die Renndirektoren achteten darauf, dass die «Blechpolizisten» nicht dort aufgestellt wurden, wo man tatsächlich die höchsten Tempos erreichte. Deshalb schlich einst Rennleiter Fredy Fuchs bei Nacht und Nebel zum Hannegg-Schuss rauf und platzierte die Messanlage eigenhändig um.

Der Mythos eines Dinosauriers Nun ist das Lauberhorn-Rennen nicht nur die längste, schönste und zusammen mit Kitzbühel attraktivste Weltcup-Abfahrt, sondern auch jene, mit der

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absoluten Spitzengeschwindigkeit. Der Mythos Lauberhorn ist um ein weiteres Faktum reicher. In Wahrheit ist der Dinosaurier unter den Rennstrecken – die Rennen werden im Januar zum 84. Mal ausgetragen – ein Relikt aus längst vergangener Zeit, das auf keinem Reissbrett eines Pistenbauers entstanden ist. Als Architekt waltete die Natur. Das Lauberhorn hat eigene Gesetze, gegen die auch die Reglemente der FIS machtlos sind. Keine Piste der Welt würde heutzutage noch so homologiert. Der Franzose Luc Alphand, weltbester Abfahrer in den neunziger Jahren, prägte einst den Ausdruck «Jurassic Park», der den Charakter des Lauberhorns träfe. Ein Sieg am Lauberhorn besitzt einen ähnlichen Stellenwert wie ein Weltmeistertitel. In der Siegerliste findet man alle Grossen des Skisports – bis auf wenige Ausnahmen. Zu diesen zählt Bernhard Russi. In seiner grossen Zeit, in der er Weltmeister und Olympiasieger wurde, musste die Abfahrt fast immer abgesagt werden.


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Lauberhorn-Abfahrt mit Russi Trotzdem kennt wohl keiner das Lauberhorn besser als Russi. Dort begründete er einst seine einmalige Karriere. Dort fuhr er nach seiner Aktivzeit jahrelang mit der TV-Kamera herunter, um dem Publikum die attraktivsten Passagen authentisch rüberzubringen. Und seit 25 Jahren kommentiert er im Fernsehen mit Matthias Hüppi das Rennen. Einmal fährt Russi auch für das Magazin PRESTIGE das Lauberhorn herunter und schildert die Tücken und Geheimnisse der einzelnen Abschnitte, von denen jeder für sich ein eigenes Kapitel der Skigeschichte darstellt. «Piste frei» für die Lauberhorn-Abfahrt mit Bernhard Russi! START: «Der ist speziell. Der ist an vielen Orten speziell, wie zum Beispiel in Kitzbühel, weil er dort angsteinflössend ist. Aber in Wengen ist der Start aussergewöhnlich: Wenn du im Starthaus stehst, hinausschaust und die Berge siehst, wirst du einen Moment demütig, beeindruckt von der Szenerie der grossartigen Kulisse. Auf der Piste geht es indes gemächlich los. Erst von der Lauberhorn-Schulter an wird es schneller. Man fängt an, das Tempo zu geniessen. Man hat die Möglichkeit, mit dem einen Auge die Linie anzuschauen und mit dem andern auf den Hundschopf zu schielen, wo die Menschentrauben hängen.» RUSSI-SPRUNG: «Der ist aus einer Fernseharbeit entstanden, wo ich für eine TV-Sendung technische Eigenschaften einer Abfahrt demonstrieren

wollte, wie zum Beispiel Sprünge. Wir brauchten eine schöne Kulisse, Eiger und Jungfrau im Hintergrund, Sonne und Schnee. Wir schaufelten Schnee her und bauten – es war schon März – einen Sprung, um attraktive TV-Bilder zu bekommen. Wenn ich den Sprung für das Rennen hätte bauen müssen, hätte er anders ausgesehen. Der Name Russi-Sprung ist geblieben, obwohl man kaum mehr in der Luft ist.» HUNDSCHOPF mit MINSCHKANTE: «Der ist einmalig für den Rennfahrer wie für den Zuschauer – aus beiden Optiken. Der Rennfahrer wird fast auf null runtergebremst. Man versauert beinahe. Aber anderseits weiss man, dass auch Tempo 70 an der Kante zu schnell sein kann. Wenn der Sprung zu weit geht, kann man sich schwer verletzen, weils dann bei der Landung flach wird. Nichtsdestotrotz ist es eine der schönsten Kombinationen mit Sprung: Hundschopf selbst, Minschkante sowie dem Canadian-Corner mit der Einfahrt in den Alpweg – das bringt das Abfahrerblut zum Kochen. Taktisches Fahren ist wichtig, weil es Lichtwechsel gibt und der Schnee oft anders ist.»

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ALPWEG und BRÜGGLI-S (neu: KERNEN-S): «Da fängt das typische Wengen an. Dass man mit einem Hunderter durch das zweieinhalb bis drei Meter enge Waldwegl einfräst, ginge ja noch. Aber zu wissen, dass vorne zwei recht winklige Kurven kommen, das macht es schwierig. Man muss einfach warten, erdulden, ertragen und hoffen, dass es gelingt. Es gibt viele Rennfahrer, die das Lauberhorn nicht gewonnen haben wegen dem BrüggliS. Dazu gehöre ich. Ich erwischte es zwar im Training immer super, hatte aber im Rennen nicht die Nerven.» (Zusatzbemerkung von Russi: «Ich bin gotte-froh, dass man den Alpweg und das Brüggli erhalten hat. Ich wurde mal von den Organisatoren mit einem Projekt für eine Umfahrung beauftragt, nachdem FIS-Renndirektor Helmut Schmalzl meinte, man könne nicht mehr länger durch diesen Tunnel unter der Wengernalpbahn durchfahren. Widerwillig machte ich dieses Projekt, warnte aber: Zum einen wird das enorm viel Geld kosten und zum anderen macht ihr die Abfahrt kaputt. Die Unterführung ist für mich fantastisch. Sie ist nicht schwer, eigentlich nichts, aber sie ist Geschichte. Sie gehört zum Bild vom Lauberhorn.») LANGENTREJEN: «Das war früher eine Geduldsache, eine Gleitangelegenheit. Heute mit den schnelleren Ski ist die Passage mit den langen Kurven eine technische Sache geworden. Da werden heute viele Rennen entschieden.

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Man darf nicht vergessen, dass man da schon so lange unterwegs ist, wo man sonst auf andern Pisten bereits am Ziel wäre.» Hanneggschuss: «Man erreicht mittlerweile Tempos von über 160 km/h. Das darf nicht unterschätzt werden. Der Fahrer merkt, dass er immer schneller wird. Er muss sich überwinden, klein zu bleiben und nicht auf zu machen. Denn er wird immer schneller, schneller, schneller ... Den Hanneggschuss hat man seit meiner Zeit nicht stark verändert. Auch wir fuhren schon 140 km/h. Dort bin ich auf unruhiger Piste einmal in ein Loch geraten und schwer gestürzt.» P.S. Der Blick titelte damals: «Russi knapp am Tod vorbei.» In diesem Sommer hat das O.K. für 700’000 Franken das Nadelöhr bei der HanneggAusfahrt ausgebaut, um den Athleten höchst mögliche Sicherheit zu bieten. SEILERSBODEN: «Für mich nichts Spezielles.


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Zeit, durchzuatmen. Von der Attraktivität her bringt der Silberhorn-Sprung etwas, wo früher die Wegscheide und das Österreicher Loch waren. Nachdem die Piste geglättet und aufgefüllt worden ist, existiert es praktisch nicht mehr – oder stellt zumindest kein technisches Problem dar. Man ist froh, dass vor dem Ziel-S nicht noch etwas dazwischen ist.»

Facts & Figures Termin: 17.–19. Januar 2014

ZIEL-S: «Das ist, egal, wie man es steckt und egal ,wie schnell man daher kommt, immer eine riesen Herausforderung. Es gibt keinen, der dort keine blauen Beine hat. Auch ohne die abgetragene Kante beim Zielhang ist das Ziel-S immer noch sehr schwer zu fahren.» Bernhard Russi ist am Ziel. Der Streckenrekord von Kristian Ghedina aus dem Jahr 1997 beträgt 2:24,23 und ist eine halbe Minute höher als jener am Hahnenkamm in Kitzbühel. Er wird wegen der lang gezogeneren Linienführung wohl ewig bestehen bleiben.

Disziplinen: Abfahrt, Slalom, Super-Kombination Besucheranzahl: circa 70’000 Anzahl der teilnehmenden Athleten: über 100 Anzahl der vertretenden Nationen: über 25 Gründungsjahr: 1930 www.lauberhorn.ch

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Internationale

Pferderennen

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Eis White Turf Die internationalen Pferderennen auf Eis in St. Moritz vereinen sämtliche Reize der modernen Schweiz in puncto Lebensart, Innovation, Ambiente und Stil. Aus diesem Grund zählen sie zum illustren Kreis der «Top Events of Switzerland». Claudia-Regina Flores

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Es muss ein majestätischer Moment gewesen sein, als sich am 1. März 1906 erstmals eine Reitergruppe auf dem Postplatz in St. Moritz versammelte und ein Wettrennen nach Champfèr und wieder zurück in Angriff nahm – über den zugefrorenen St. Moritzersee, umgeben von den verschneiten Bergen des Oberengadins. Wer von den Anfängen der Pferderennen auf Schnee in St. Moritz berichtet, bedient sich nicht umsonst immer wieder Begriffen wie Tollkühnheit, Unerschrockenheit und Mut! Denn die 13 Männer sassen nicht in bequemen Schlitten, sondern liessen sich auf wackeligen Skiern von unberittenen, im Galopp dahinpreschenden Pferden über die knapp zehn Kilometer lange Eisstrecke ziehen. Das war nicht nur die Geburtsstunde von White Turf, sondern auch des sogenannten «Skikjörings»! Dem Sieger gebührte schon damals der noch heute geltende Titel «König des Engadins», der seit 1977 von der Credit Suisse als Hauptsponsor verliehen wird.

Jährlich mehr als 35’000 Zuschauer! Was als einmaliges Erlebnis begann, hat sich seitdem zu einem gesellschaftlich-sportlichen Grossanlass mit internationalem Renommee entwickelt. Jährlich besuchen inzwischen mehr als 35’000 Zuschauer den Anlass: 2014 feiert der White Turf sein 107-jähriges Bestehen. Die einmalige Kombination aus spannenden Trab- und Galopprennen, die sich auf dem zugefrorenen St. Moritzersee im Halbstundentakt vor der fantastischen Kulisse der Engadiner Bergwelt abwechseln, zieht nicht nur Pferdeliebhaber und Rennsportprofis aus der ganzen Welt in ihren Bann: Das glanzvolle Topereignis ist aus den Agenden vieler prominenter Persönlichkeiten als sportlicher und zugleich gesellschaftlicher Höhepunkt im Winter nicht mehr wegzudenken!

Das unberittene Skikjöring – atemberaubend und bis heute weltweit einzigartig Zu den absoluten Publikumsmagneten zählen dabei immer noch die unberittenen Skikjöring-Rennen, denn nirgendwo sonst auf der Welt ist diese Disziplin derart zu erleben. Heute lassen sich dabei wagemutige Fahrerinnen und Fahrer über eine Distanz von 2 700 m auf Skiern von den unberittenen Vollblutpferden im Galopp über den See ziehen. Dabei können sie – im Vergleich zu den reitenden Jockeys – etwa nur zehn Prozent der Bewegung ihrer Pferde kontrollieren! Das erfordert von Pferd und Fahrer eine sehr gute Kondition. Daher müssen alle Teilnehmer bereits im Vorfeld der Rennen zu einer Prüfung antreten. Mut, Geschick, skifahrerisches Können und der einfühlsame Umgang mit den Pferden sowie selbstverständlich deren Topleistungen entscheiden dann schliesslich, wer über die drei Rennsonntage die meisten Punkte sammelt und sich ein Jahr lang über den Titel «König des Engadins» freuen darf!

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Alles ist steigerungsfähig lautet die White-Turf-Devise Wie im letzten Jahr erstmals dürfen sich die Zuschauer auch 2014 auf ein besonders unterhaltsames Prominenten-Skikjöring freuen! Dabei lassen sich auch die Prominenten auf Skiern an zwei langen Leinen von einem galoppierenden Pferd auf der Rennbahn des gefrorenen St. Moritzersees ziehen, wobei die edlen Rennpferde jeweils von einem erfahrenen Jockey geritten werden. So wird sichergestellt, dass niemand zu Schaden kommt, denn nicht selten wird beim Skikjöring ein Tempo von 50 km/h und mehr erreicht! Im letzten Jahr stellten sich Ariane Ehrat, Renato Tosio, Silvio M. Staub, Franco Marvulli, Gian Gilli und Steffi Bucheli der spannenden Herausforderung und begeisterten mit ihrem grandiosen Einsatz das Publikum! Wer im kommenden Jahr zum Kreis der wagemutigen Prominenten beim Skikjöring zählt, wird an dieser Stelle natürlich noch nicht verraten. Vorfreude ist schliesslich die schönste Freude!

Einzigartige Gewinnsummen in der Schweizer Rennszene Mit Preisgeldern in der Gesamthöhe von rund einer halben Million Schweizer Franken übertrifft der White Turf alle im Schweizer Rennsport sonst üblichen Gewinnsummen. Allein der «Gübelin 75. Grosse Preis von St. Moritz»,der wiederum dank dem Sponsoren Gübelin und der Gemeinde St. Moritz im Jahr 2014 zum 75. Jubiläum nochmals eine Gewinnsteigerung erfährt und mit der traumhaften Preissumme von 150’150 Schweizer Franken als höchstdotiertes Rennen der Schweiz ausgetragen werden kann, dokumentiert den grossen internationalen Stellenwert des Anlasses!

Stets neue, spannende Rennen und Beteiligungen internationaler Pferderennsportgrössen Zudem gelang es White-Turf-Präsident, Silvio M. Staub, zusammen mit dem Vorstandsteam, die Attraktivität der Internationalen Pferderennen auf Eis durch wegweisende Kooperationen in den vergangenen Jahren stetig zu steigern. Berlin-Hoppegarten, Mauritius und Taranto lauten jene Stationen und ausländischen Pferderennsportpartner, mit denen White Turf kooperiert. So fand beispielsweise in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Berlin-Hoppegarten ein «Grand Prix White Turf St. Moritz» statt. Im Gegenzug können sich die White-Turf-Zuschauer bereits jetzt auf den «Grossen Preis Rennbahn Berlin-Hoppegarten» am 3. Rennsonntag 2014 in St. Moritz freuen. Die Basis dieser Kooperationen ist in erster Linie der Sport, aber auch Kunst und Touristik gehören dazu.

Kunst, Kulinarik und Konzerte in einer gigantischen Zeltstadt auf dem zugefrorenen St. Moritzersee So ziehen die Internationalen Pferderennen auf Eis in St. Moritz nicht nur Pferdeliebhaber und Rennsportprofis aus der ganzen Welt in ihren Bann! Vielmehr hat sich White Turf dank einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm schon längst auch zu einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt. Eine Zeltstadt, die mittlerweile eine sagenhafte Fläche von 130’000 Quadratmetern auf dem zugefrorenen St. Moritzersee einnimmt, bietet mit Ausstellungen und Events sowie zahlreichen Verpflegungsständen und unterschiedlichen Bühnen ein vielfältiges kulinarisches und unterhaltsames Rahmenprogramm. Auch reizvolle Wetten können hier ebenso abgeschlossen und gewonnen werden wie am Ende eines jeden Rennsonntages beim Prix d’Honneurs traumhafte Fernreisen und Aufenthalte in Luxushotels!

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Erfolgsgaranten – die langjährigen Hauptsponsoren Credit Suisse und BMW (Schweiz) AG Wichtige Impulse und einen grossen Beitrag zum Rahmenprogramm leisten die beiden langjährigen White-Turf-Hauptsponsoren, Credit Suisse und BMW (Schweiz) AG, deren Unterstützung auch weiterhin langfristig abgesichert ist. Die beiden Hauptsponsoren nutzen ihr Engagement beim White Turf in verstärktem Masse als Plattform, um Kunden in einer traumhaft schönen Umgebung zu empfangen und ihnen in der aussergewöhnlichen Atmosphäre eines exklusiven Sportevents einen stilvollen Aufenthalt im Engadin zu ermöglichen. Was gibt es denn Schöneres, als an einem herrlich klaren Wintertag unter der Sonne Graubündens den Pferderennen zuzuschauen, in denen sich die Teilnehmer auf dem Eis des St. Moritzersees packende Kämpfe liefern? – Dazu einen Wettschein in der Hand zu halten, der die Spannung während des Rennens noch weiter verstärkt! Beim «eigenen Pferd» mitzufiebern, das dem Wettenden zumindest für die Dauer des Rennens «gehört» – und wenn es dann noch gewinnt, in grossen Jubel auszubrechen!

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Ebenfalls erfährt White Turf grossen Rückhalt durch die finanzielle und aktive Beteiligung zahlreicher Rennsponsoren und Partner, der regionalen Gemeinden, Verbände und der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz (ESTM). «Angesichts wirtschaftlich angespannter Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Umso schöner, feststellen zu können, dass unser Anlass auch der Region eine Wertschöpfung durch Besucher und Übernachtungsgäste in Höhe von rund 20 Millionen Schweizer Franken zurückgeben kann», freut sich der White-Turf-Präsident, Silvio M. Staub, wohl zu Recht. Ein White-Turf-Besuch lohnt sich also in jeder Hinsicht!


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Facts & Figures Rennsonntage: 9., 16. und 23. Februar 2014 Anzahl der Zuschauer: circa 33’500 Anzahl Helfer und Funktionäre: 200 Gesamtbudget: 3,2 Millionen Franken Anzahl der Zeltbauten: 75 Lebensmittelverbrauch pro Rennsonntag: 12 bis 15 Tonnen Anzahl VIP-Gäste pro Rennsonntag: rund 1 200 www.whiteturf.ch

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Luft nach oben Frauen in F체hrungspositionen

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Mein Boss ist eine Frau Inka Nobel ist CEO in der Reisebranche

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Die gl채serne Decke durchstossen 312 Debatte 체ber die Quote und mehr Vorbilder und Plattformen Chefinnen in der Schweiz

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Gendermarketing im Praxistest Frauen und ihr Konsumverhalten

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Das Thema Frauen in den oberen Etagen in Unternehmenswelten ist ein heftig diskutiertes Thema. Es herrscht nur Einigkeit darin, dass hier noch viel Luft nach oben besteht und Handlungsbedarf offensichtlich ist. Beim Thema Quote prallen die Positionen aufeinander. Wir haben aus diesem Grund einen Schwerpunkt zusammengestellt und lassen unterschiedliche Frauenstimmen zu Wort kommen. Georg Lutz

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Lange, lange Jahre mussten sich Frauen einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft, aber auch in den Chefetagen hart erkämpfen. Die Pionierinnen des Feminismus ernteten die Früchte ihrer politischen Arbeit erst Anfang der 70er-Jahre in der Schweiz, als den Frauen endlich das Wahlrecht zugestanden wurde. Seither hat sich einiges getan. In Schulen und Universitäten haben junge Frauen Männer oft schon von vielen angestammten Plätzen verdrängt, ja sogar überholt. Für die Generation Y haben Geschlechterhierarchien an Bedeutung verloren. Oft lästern

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Preisträgerin Katrin Trautwein von der Farbmanufaktur kt.COLOR, Dr. Doris Aebi, Partnerin der Executive Search-Firma aebi+kuehni ag, und Prof. Dr. Sita Mazumder. von der Hochschule Luzern – Wirtschaft (v. r. n. l.).

junge Frauen über ihre früheren feministischen Lehrerinnen. Auch in den Businesswelten sind im mittleren Management viele Frauen sichtbar. Brauchen wir nur die Hände in den Schoss zu legen und zu warten, dass eine junge Generation weiblicher Kader immer heftiger an die Türen in den Teppichetagen klopfen? Das wäre eindeutig zu kurz gesprungen.

Der Boss ist männlich Wie sieht es in den Teppichetagen aus? Wer Kadertagungen in der Schweiz besucht, bekommt schon auf den ersten Blick eine klare Antwort. Frauen sind dort immer noch klar in der Minderheit, oft exotische Wesen. Natürlich gibt es in der Entourage der CEOs Kommunikations- oder Marketingspezialistinnen, aber oft haben sie nicht viel mehr zu sagen wie die früheren Sekretärinnen. Der Boss ist fast immer weiter der Mann. Vor mehr als einer Dekade begannen erste weibliche CEOs, die Schweizer Businesswelt zu überraschen. Es schien, als würde die Geschichte sich langsam drehen. In der Schweiz stieg die Zahl der Frauen, die als CEO arbeiten oder in einem Verwaltungsrat sitzen, langsam an. Und auch die Politik wurde weiblicher. In den letzen Jahren geriet die Entwicklung aber ins Stocken. Dies, obwohl mehrere Studien belegen, dass ein angemessener Frauenanteil an der Firmenspitze massgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Die Erfahrung, dass gemischte Teams innovativer arbeiten und den Ansprüchen der Kunden besser gerecht werden, sind in jeder HR-Veranstaltung zu hören. Das ist Theorie, die Praxis sieht anders aus.

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Projekt Erhöhung Der Frauenanteil in Senior Executive Führungspositionen in der Schweiz liegt heute bei vier Prozent. «Diese Zahl ist seit zehn Jahren praktisch unverändert – diesem Umstand müssen wir entgegenwirken», sagte Simona Scarpaleggia, Advance-Präsidentin und CEO von IKEA Schweiz. Das neu gegründete Firmennetzwerk will die Erhöhung des Frauenanteils im Management aktiv fördert. Auch viele andere Frauenplattformen, Organisationen und Netzwerke haben sich dies zum Ziel gesetzt. Wir stellen im Rahmen des Schwerpunkts einige vor. Lobbyismus und Netzwerke sind wichtig, um Druck aufzubauen. Mindestens genauso wichtig sind Veränderungen bei gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. So ist die Situation der Angebote von Kinderbetreuungen im europäischen Vergleich beschämend.

Klare Zahlen Auch die weit geöffnete Lohnschere gibt einen Einblick in formale Ungleichbehandlung. Eine aktuel-


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Jasmin Staiblin, CEO des Schweizer Energiekonzerns Alpiq mit Moderatorin Susanne Wille (links) an der achten Women’s Business Conference.

le Befragung von jobs.ch gibt einen klaren Überblick. Männer verdienen im Schnitt 11 Prozent mehr als Frauen, wie der Lohnvergleich über 18 verschiedene Berufsgruppen zeigt. Die grössten Unterschiede zeigen sich bei Verkauf  /  Kundendienst  /  Innendienst, wo Männer satte 28 Prozent mehr als ihre weibliche Konkurrenz verdienen. Im Banking  /  Versicherungswesen liegen die Männer mit 21 Prozent vorne und bei Administration  /  HR  /  Consulting  /  CEO liegt die Differenz bei rund 16 Prozent.

Vorbilder in Spannungsfeldern Ein Beispiel für wegweisende Karrieren und weibliches Networking ist die jährlich stattfindende Women’s Business Conference. Sie stand dieses Jahr unter dem Leitthema «Spannungsfelder». In diesem Rahmen wird jedes Jahr der Women’s Business Award einer weiblichen Führungskraft verliehen. Die Preisgewinnerinnen Jasmin Staiblin und Katrin Trautwein waren schon manchen Spannungsfeldern ausgesetzt und haben darin erfolgreich agiert. Jasmin Staiblin übernahm Anfang Jahr den Chefposten bei Alpiq und gehört seither zu den einflussreichsten Frauen der Schweizer Wirtschaft. Die Herausforderung der gebürtigen Deutschen ist es, den Energiekonzern für die Schweizer Energiewende fit zu trimmen. 2009 nahm die Topmanagerin als damalige Landeschefin und Vorsitzende der Geschäftsleitung von ABB Schweiz Mutterschaftsurlaub. Kurz nach ihrem Antritt als CEO bei Alpiq erwartete die 43-Jährige ihr zweites Kind. «Jasmin Staiblin ist ein Vorbild. Sie hat sich immer wieder erfolgreich schwierigen Situationen gestellt und in Spannungsfeldern Lösungen gesucht», sagt Jurymitglied Prof. Dr. Sita Mazumder.

Die Chemikerin und Farbexpertin Katrin Trautwein gründete ihre Farbmanufaktur kt.COLOR 1998 in Uster. Die Firma stellt aus mehr als 120 verschiedenen Pigmenten Farben handwerklich her. Der Anfang dafür bildete Katrin Trautweins Interesse an den Farben des Architekten Le Corbusier, die zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten waren. Die US-Bürgerin begann mit der Erforschung der Rezepte, heute hält die Firma die Rechte an den Rezepturen. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen der 51 Jährigen erfolgreich gegenüber der Konkurrenz behaupten können, die immer wieder versucht hat, die Farben zu kopieren und industriell herzustellen. «Katrin Trautwein hat sich in einem schwierigen Markt behauptet, Gefahren frühzeitig erkannt und ihr Unternehmen in entscheidenden Situationen in die richtige Richtung gelenkt», betont Prof. Dr. Sita Mazumder. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Wir haben auf jeden Fall noch einen längeren Weg vor uns. Die folgenden Seiten belegen aber, dass es viele Power-Frauen in der Schweiz gibt, die etwas bewegen wollen.

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mein boss ist eine frau Die Reisebranche ist im Umbruch. Kader stehen in solchen Situationen unter Handlungsund Beobachtungsdruck. Georg Lutz

Inka Nobel als Chefin bei der Teamarbeit.

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Inka Nobel ist CEO von travel.ch und damit in der Wirtschaftswelt der Schweiz eine Exotin. Die Prozentzahl der Frauen auf Geschäftsführungsebene kann an einer Hand abgezählt werden. Die Schweiz liegt, auch im internationalen Vergleich, dort, wo die Schweiz sonst Spitzenpositionen einnimmt, im Mittelfeld. In der Reisebrache ist die Situation etwas besser.

PRESTIGE: Sie sind als eine der wenigen Frauen als CEO in der Schweiz ganz oben angekommen. Vermutlich gibt es aber noch die berühmt berüchtigte gläserne Decke, die Sie durchstossen haben? Inka Nobel: Auf jeden Fall gibt es die gläserne Decke noch, teilweise nimmt sie sogar noch zu. Gleichzeitig findet aber gerade in Unternehmen ein Umdenken statt.

In welche Richtung? Die Verantwortlichen überlegen und diskutieren sehr viel konkreter, was es bringt, eine Frau in eine Führungsposition zu setzen. Solche Diskussionen regen zum Nachdenken an und führen zu einem Umdenkungsprozess, bei dem sich alte Rollenmuster auflösen.

Kommen wir auf den aus meiner Sicht zentralen Widerspruch, der eine hohe Hürde darstellt. Auf der einen Seite ist es eine persönliche Entscheidung, ob Frau Karriere machen will oder nicht. Auf der anderen Seite gibt es Rahmenbedingungen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die solche Karrieren eher erschweren. Absolut. Da sprechen Sie einen wichtigen, wunden Punkt an. Wenn ich in meinem Hause Frauen nach der Mutterschaft wieder integrieren will, ist das grösste Problem, dass eine Kinderbetreuung schon im Vorschulalter in der Schweiz nicht gewährt ist. Das führt dazu, dass Frauen, die in mittleren Führungsebenen tätig sind, stecken bleiben. Sie können in Führungsetagen keinen Job mit 30 Prozent erledigen. Sie müssen mindestens zwischen 60 und 80 Prozent arbeiten, um hier realistisch mithalten zu können. Teilzeitmanagement ist in der Realität sehr schwierig umsetzbar. Umgekehrt sind die Betreuungsmodelle noch nicht optimal ausgebaut. Suchen Sie hier als Eltern einen bezahlbaren Krippenplatz, wird das sehr schwierig. Die Kosten, die hinter den privaten Anbietern stehen, führen dann oft dazu, dass man sich fragt, ob einem das etwas bringt. Wenn ich einen durchschnittlichen Halbtagsjob habe und dann ein grosser Teil von den Betreuungskosten aufgesaugt wird, fehlt oft die Motivation. Das ist schade, da am Ende des Tages die eine oder andere Frau zu Hause bleibt.

Da ist man in Frankreich oder Deutschland weiter? Auf jeden Fall in Frankreich. In Deutschland hat man wenigstens auf Papier ein Anrecht auf einen Krippenplatz.

Halten wir fest: Da gibt es in der Schweiz noch Luft nach oben. Jetzt gibt es nicht nur Geschlechter, sondern auch Generationen wie BabyBoomer, Generation Golf oder jetzt Generation Y. Wie kommt das Alter mit den Geschlechterrollen zusammen? Die Generation Y denkt viel weniger in Hierarchien, wie die von Ihnen erwähnten Vorläufergenerationen. Der wesentliche Ansatz dieser Generation geht in eine andere Richtung. Das, was man tut, muss Spass und Sinn machen. Und natürlich möchte man dabei auch noch Geld verdienen. So könnte der Leitgedanke der Generation Y zusammengefasst werden. Ob das ein Mann oder eine Frau ist, mit der ich in einem Projekt oder Arbeitsplatz zusammen

agiere, spielt vergleichsweise eine untergeordnete Rolle. Es gilt, unternehmerische Ziele in Kombination mit einem Spass- und Freiheitsfaktor zu erreichen. Die Generation Golf, der ich mich in meinem Alter zugehörig fühle, war da noch sehr viel mehr in alten Strukturen und klassischen Rollenbildern verhaftet. Und teilweise ist sie das heute noch. Das findet man in der Generation Y viel weniger.

Da haben wir ja vergleichsweise noch richtige Rosenkriege zwischen den Geschlechtern geführt … Oh, Ja!

Es gibt eine umkämpfte Debatte um die Quote für Frauen in Führungspositionen. Wie stehen Sie dazu? Das ist ein sehr heikles Thema. Die Diskussion um die Frauenquote ist sehr wichtig. In der Realität wird die Quote einer Frau in einer Führungs- oder Managementposition aber nicht weiterhelfen. Im Gegenteil, ihr haftet dann das Etikett Quotenfrau an. Als Quotenfrau mit Leistung zu überzeugen, ist viel schwieriger, als eine Karriere zu verfolgen, die auf Leistung und einem guten Netzwerk beruht. Eine Quotenfrau hat aus meiner Sicht mit zusätzlichen Barrieren zu kämpfen. Dieses Instrument wurde mit der noblen Absicht geschaffen, den Verantwortlichen zu zeigen, dass Frauen in Führungspositionen vergleichbare Leistungen wie Männer erbringen können. Der Plan funktioniert in der Praxis aber oftmals nicht.

Welche Massnahmen sollten HR-Verantwortliche alternativ ergreifen, um Frauen nach vorne zu bringen? An die HR-Abteilung zu appellieren ist schön und gut. Die zentralen Ansatzpunkte sind aber die Inhalte der Unternehmenskultur und des Unternehmensleitbildes. Wenn die darauf ausgerichtet sind, dass offen und respektvoll miteinander umgegangen wird und die Wertigkeit einer Person nach dem Leistungsprofil sowie den sozialen Kompetenzen bewertet wird, dann spielt die Frage nach Geschlecht und Alter eine untergeordnete Rolle.

Es gibt einen Trend in der Businesswelt der Schweiz Frauennetzwerke zu gründen. Wie finden Sie das und sind Sie Mitglied in solch einem Netzwerk? Ich bin noch nicht Mitglied in einem Frauennetzwerk, empfinde Networking gleichzeitig jedoch als sehr wichtig. Das Frauennetzwerkthema ist aufgekommen, da es schwierig ist, Frauen aus Führungspositionen an einen Tisch zu bekommen. Man kennt sich oftmals zu wenig. Der Austausch sollte aber nicht nur als Selbstzweck dienen, sondern themenorientiert sein. Es muss um einen klaren Mehrwert gehen und einen wirtschaftlichen Nutzen haben.

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Die schönsten Wochen im Jahr werden immer mehr online gebucht.

Über Frauennetzwerke besteht zudem die Chance, die Position der Frauen in der Arbeitswelt zu stärken. Das ist aus meiner Sicht erfolgsversprechender als der Quotenansatz.

Schlagen wir die Brücke in Ihre Branche. Viele Frauen arbeiten in der Reisebranche, aber vermutlich auch hier eher am Frontdesk als in der Teppichetage? In unserem Managementteam sind von vier Geschäftsleitungsmitgliedern die Hälfte Frauen.

Das ist ja ideal. Ja, unsere Branche ist im Vergleich zu anderen Branchen in dieser Hinsicht sicherlich besser aufgestellt. Frauen sind im gesamten Spektrum der Tourismuswirtschaft zu finden, von Reiseleiterinnen bis hin zu Vorstandsvorsitzenden. In den vergangenen Jahren ist der Anteil von Frauen im Tourismus sogar gestiegen. Gerade im mittleren Management sind inzwischen viele Frauen präsent. Die Reisebrache ist diesbezüglich ein positives Beispiel.

Woran liegt das? Die Branche ist recht offen, kommunikativ und von ihrem Selbstverständnis her nicht so konservativ wie vielleicht andere Branchen.

Es gab, fast schon wie bei uns in der Medienbranche, gewaltige Umbrüche in den letzten Jahren. Können Sie die Veränderungen kurz skizzieren? Frauen und Männer informieren sich und buchen zunehmend online. Im Bereich der Pauschalreisen sind wir inzwischen bei fast 50 Prozent angelangt. Reisebüros sind jedoch nach wie vor wichtig, da es sehr viele komplexe Reiseprodukte gibt, bei welchen der Kunde persönliche Beratung bevorzugt und eventuell auch benötigt. Je komplexer das Produkt, desto intensiver der Beratungsbedarf. Definitiv geht aber der Trend weiter in Richtung Online-Buchungen und daher sollte ein seriöses Online-Reisebüro natürlich auch professio-

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nelle, persönliche Beratung anbieten. Dabei ist das Thema Mobilität bei der Reisebuchung nochmals extra hervor zu heben. Reisen, Flüge und Hotels werden immer häufiger auf Smartphones, Notebooks und Tablets gebucht. Heute kommen über 40 Prozent der Suchanfragen was Reisen, Flüge und Übernachtungen anbelangt von mobilen Endgeräten. Das ist ein massiver Trend, der sich fortsetzen wird. Lassen Sie mich noch einen zweiten wichtigen Trend in unserer Branche ansprechen …

Ich bitte darum. Früher waren die Orientierungspunkte bei Hotelbuchungen die Einteilung in Sterneklassen. Heute sagt der Kunde dem Kunden, wo er übernachten soll. Die Kundenbewertung ist der zentrale Entscheidungspunkt. Denken Sie an sich selbst. Wenn Sie ein Hotel buchen, orientieren Sie sich dann an den Marketingslogans auf der Webseite?

Nein, ich frage lieber kompetente Freunde oder Kollegen. Es wird immer mehr Wert auf Empfehlungen gelegt. Zudem geht es auch um die Anzahl der Bewertungen. Wir selbst von travel.ch haben daher ein eigenes Bewertungssystem eingerichtet. Dabei haben wir sehr gute Rücklaufquoten. 40 Prozent unserer Kunden beantworten unsere Feedback E-Mails und geben uns eine persönliche Rückmeldung zu ihrer Reise. Warum tun sie das? Es gehört heute zum guten Stil, Empfehlungen und Bewertungen abzugeben.


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Da wird tatsächlich auf Augenhöhe hin und her kommuniziert. Das macht das Web spannend. Andererseits hört man immer wieder von Fällen, in denen Zahlen und positive Bewertungen künstlich nach oben gedrückt werden. Leider gibt es diese Vorgehensweisen in Einzelfällen. Der heutige Kunde ist jedoch hochgradig sensibilisiert. Wenn Sie heute Texte manipulieren oder künstliche Texte einspielen, fällt dieses Vorgehen eher früher als später auf Sie wieder zurück. Sie riskieren in Facebook und anderen Social-Media-Kanälen einen Shitstorm. Wir haben 70’000 Bewertungen im System. Auch aus diesem Grund macht es wenig Sinn, Bewertungen selbst zu schreiben. Der Aufwand ist gross und das Risiko ebenfalls. Das steht, ganz nüchtern betrachtet, in keiner Relation.

Wie ist Ihr Haus in den Markt eingebunden? Wir sind ein Vollservice-Reisebüro mit Spezialisierung auf das Online-Geschäft und gehören zu den führenden Anbietern im Schweizer Online-Reisemarkt. Neben den Produkten renommierter Veranstalter treten wir im Bereich Städtereisen auch als Veranstalter auf und bieten unsere eigenen Produkte an. Als Vergleichsportal im Markt heben wir uns dadurch von den klassischen Reiseveranstaltern ab. Travel.ch war das erste Online-Reiseportal in der Schweiz.

Das hat sich inzwischen aber geändert? Ja, wir stehen im Wettbewerb mit einigen internationalen Playern. Bekanntlich ist der Schweizer Markt vergleichsweise klein, gleichzeitig aber attraktiv. Unser Vorteil lässt sich mit zwei Punkten charakterisieren. Erstens haben wir uns auf das Produkt Städtereisen

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konzentriert. Wir waren auch die Ersten, die den Kunden ermöglichten ihre Städtereise flexibel aus Hotel und Flug zusammenzustellen. Dafür sind wir bekannt. Zweitens agieren wir aus dem Schweizer Markt heraus für Schweizer Kunden.

Abgesehen vom deutschen CEO … Ja (Lacht.), da haben Sie recht. Unsere ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sitzen in unserem Büro in Zürich. Sie sind allesamt Reiseexperten und stehen den Kunden für professionellen Service und Beratung zur Verfügung. Das sichert uns Reputation. Diese Beratung gibt es bei uns übrigens kostenfrei.

Haben Sie sich für die nächsten Jahre persönliche Ziele gesetzt? Wir wollen, dass der Kunde beim Thema Online-Reisen zuerst an travel.ch denkt. Das verlangt zum einen «State of the Art»-Technologie und zum anderen eine klare Positionierung der Marke. Zudem gilt es, die Marke noch weiter nach vorne zu bringen, was die Bekanntheit betrifft. Es reicht nicht, auf Google präsent zu sein. Es gilt, die Köpfe der Reisenden zu erreichen.


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kolumne Quote – Warum sind Frauen nicht sichtbar? Die Diskussion um eine mögliche Quote für Frauen bekommt immer dann Aufschwung, wenn Zahlen belegen, dass der Frauenanteil im Top-Management und in Verwaltungsräten noch immer gering ist. Dann wird realisiert, dass die fehlende Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung auch Realität in der Wirtschaft ist. Frauen sind als Unternehmerin, Geschäftsleitungsmitglied oder Petra Rohner Verwaltungsratsmitglied nur mit wenigen Ausnahmen präsent in: Medien, als Referentin, auf Podien oder bei Roundtables. Wenn wir einen Abgleich machen zwischen der Lehre in der Ökonomie, dass die «Besten» für Führungspositionen ausgewählt werden sollen und dem Stand der gut ausgebildeten Frauen, dann ist schnell ersichtlich, dass die Umsetzung «der / die Beste wird gewählt» nicht stimmig ist. Eine Quote wäre die Lösung, doch die Argumente dafür und dagegen regen auch bei den Frauen heftige Diskussionen an.

Contra Quote – Frauen möchten nicht als «Quotenfrau» angesehen werden, sondern wegen ihres Leistungsausweises berücksichtigt werden. Der Begriff «Quotenfrau» ist negativ behaftet. – Frauen brauchen keine spezielle Förderung, sondern Rahmenbedingungen, die Frauen und Männern ein flexibles Arbeitsumfeld ermöglichen. Hierbei geht es nicht nur um familienfreundliche, sondern um Lebensmodell-freundliche Arbeitsbedingungen. – Nicht in allen Branchen sind die Frauen soweit ausgebildet, dass eine Quote umsetzbar ist. Eine generelle Quote ist deshalb eine Forderung, die nicht erfüllt werden kann. Zuerst muss auf der Ebene der Ausbildung dafür gesorgt werden, dass die Frauenquote höher werden kann.

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– Die Quotenregelung ist ein Einschnitt in die unternehmerische Selbstbestimmung. Wenn der oder die für das Management «beste» Kandidat / in nicht in die Quotenregelung passt, kann keine freie Entscheidung getroffen werden.

Pro Quote – Richtig, Frauen schaffen es auch ohne Quote, jedoch erst dann, wenn auf der Führungsebene zwei bis drei Generationswechsel statgefunden haben. Erst wenn Männer mitentscheiden, die es für selbstverständlich erachten, dass Frauen «gleich gut ausgebildet und gleich fähig» sind. – Die Wirtschaft kann es sich nicht leisten, auf die gut ausgebildeten Frauen zu verzichten oder zu warten, bis sich die Quote im Laufe der Jahre von allein ergibt. (Das ist rein ökonomisch auch ein Widerspruch, wenn die Ausbildungskosten berücksichtigt werden). – Die bestehenden Seilschaften auf Führungsebene sind noch so eng, dass im eigenen Kreis nach Ersatz gesucht wird. Wenn diese «gläserne Decke» nicht durchbrochen wird, besteht keine gerechte Chance für Frauen. – Frauen und Männer werden noch immer unterschiedlich sozialisiert. Es steigert die Chance für Männer, ebenfalls ihr Lebensmodell freier wählen zu können, wenn sich Unternehmen durch die Quote mit den notwendigen flexiblen Arbeitsbedingungen ausstatten und zukunftsfähig werden. Immer mehr Frauen, die gegen eine Quote waren, stehen heute zum «Ja zur Quote». Das aus einem einfachen Grund: Sie können / möchten nicht mehr warten, bis der Lauf der Zeit die wirtschaftliche Situation der Frauen regelt. Persönlich sehe ich das ebenfalls so, denn bereits jetzt hat die «gläserne Decke» durch die Quotendiskussion Risse bekommen.


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kolumne Quote ist Alltag – nur nicht bei Frauen Die Schweiz ist ein glückliches Land und ein erfolgreiches. Weil sie sorgfältig darauf bedacht ist, dass alle Teile ihrer Bevölkerung angemessen vertreten sind und gehört werden. Um dieses Ziel zu erreichen gibt es viele Quoten: Im Bundesrat haben Parteien und Sprachregionen Quotenplätze. Man sagt dazu Zauberformel. Der Ständerat ist der Quotenrat der Kantone, in dem jeder Kanton, egal, wie gross seine Bevölkerung oder Monique Ryser seine Wirtschaftskraft ist, gleich viele Sitze hat. In der Bundesverwaltung gelten Sprachenquoten und in der Regierung des Kantons Bern ist ein Quoten-Sitz für den Berner Jura reserviert. All diese Massnahmen dienen dem Zusammenhalt des Landes. Niemand soll zuviel Macht haben, alle sollen gleichermassen verantwortlich sein. Vor kurzem haben wir gar eine Zweitwohnungsquote eingeführt – mit grossem Mehr der Stimmberechtigten. Die Quote scheint ein probates Mittel zu sein, Probleme zu lösen oder nicht erst entstehen zu lassen. Warum nur gibt es in diesem Land solchen Widerstand gegen eine Frauenquote? Warum bloss findet man es in dieser fein austarierten Schweiz normal, dass die Hälfte der Bevölkerung in der Wirtschaft stark untervertreten ist? Das Prinzip Diversity wurde in der Schweiz erfunden. Wir müssen es nur weiterentwickeln. Der Bundesrat hat das erkannt. Er hat beschlossen, den bundesnahen Betrieben und Anstalten eine Zielvorgabe zu machen: Bis 2020 sollen 30 Prozent der Verwaltungsräte weiblichen Geschlechts sein. Der Bundesrat beschloss dies zeitgleich mit der schon immer geltenden Forderung, dass auch Sprachenquoten eingehalten werden müssen – für unser Land genauso wichtig. Damit beweist die Regierung, dass es möglich ist, gleich zwei Quoten aufs Mal zu erfüllen. Er tut dies im Wissen darum, dass auch er als Gremium nach Quoten zusammengesetzt ist. Das funktioniert! Und überhaupt: ein Bundesrat ohne Frauen?

Schlicht nicht mehr denkbar. In der Wirtschaft sieht es leider anders aus: 94 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder der grössten Unternehmen in der Schweiz sind Männer. In den Verwaltungsräten sind es 88 Prozent (Quelle: Schilling Report 2013). Und dies obwohl: – etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiblichen Geschlechts ist, – rund 80 Prozent der Frauen (im Erwerbsalter) erwerbstätig sind und – rund 80 Prozent der Kaufentscheide von Frauen getroffen werden. Das heisst also, dass der grösste Teil der Firmen zwar weibliche Angestellte hat und Frauen darüber entscheiden, ob die Produkte dieser Firmen gekauft werden – aber sie haben das Gefühl, dass sie in ihren Männerrunden schon wüssten, was gut fürs Geschäft sei. Konsequenterweise hätte man bei der Rettung der UBS dann gleich sagen müssen, dass im Falle eines Verlustes nur die Männer den Schaden zu bezahlen hätten. Verschiedene Studien wie Beispielsweise «Why Women Matter» der Beratungsfirma McKinsey kommen zum Schluss: Durch die höhere Beteiligung von Frauen in den Führungsetagen steigt auch der Unternehmenserfolg. Und das Credit Suisse Research Institute folgert im Bericht «Gender Diversity and the Impact on Corporate Performance»: In den vergangenen sechs Jahren entwickelte sich der Aktienkurs von Unternehmen mit mindestens einer Frau im Verwaltungsrat besser als der anderer Firmen. Es gibt keinen Grund, nicht möglichst schnell auf diese Ressource zurückzugreifen. Das kommuniziere ich, als Präsidentin Business and Professional Women von BPW Switzerland mit meinen Mitstreiterinnen in die Unternehmenswelten hinein.

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Vorbilder Ausgewählte Chefinnen, die die gläserne Decke durchstossen haben

Hauke Stars Hauke Stars hat eine ungewöhnliche Kar-

Jasmin Staiblin

riere hinter sich. Sie wuchs in der DDR auf.

2009 hat Staiblin als CEO von ABB einige Wochen sich Zeit für ihr neugeborenes Kind genommen und hat dadurch in manchen konservativen Kreisen der Schweiz für Aufsehen gesorgt. Heute ist sie CEO des Energiekonzerns Alpiq.

Zu Wendzeiten stellte sie sich bei westlichen Botschaften vor. In England wurde sie zur Managerin ausgebildet. Die letzten Jahre war Hauke Stars Country General Manager der HP Schweiz. Hauke Stars arbeitet heute bei der Deutschen Börse.

Barbara Kux Barbara Kux hatte als eine der ersten Schweizer Managerinnen den Sprung in einen Weltkonzern geschafft. Seit November 2008 war sie Einkaufsvorstand bei Siemens. Sie war die erste Frau im Siemensvorstand in der zu dem Zeitpunkt 161-jährigen Unternehmensgeschichte. Ende 2012 schied sie aus dem Managerjob aber wieder aus.

ADVANCE – WOMEN IN SWISS BUSINESS ADVANCE – Women in Swiss Business heisst das neue Firmennetzwerk, das sich aktiv für mehr Frauen im Management von in der Schweiz tätigen Unternehmen einsetzt. Bis 2020 strebt die Vereinigung eine Besetzung von 20 Prozent aller Senior Executive Führungspositionen in seinen Mitgliederunternehmen durch Frauen an. Das ist keine juristisch verbindliche Verpflichtung als vielmehr ein Statement, welches die Mitgliederfirmen mittragen. Bei der Gründung fokussierte Advance gezielt auf grosse Unternehmen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Nun sucht man aber auch eine enge Zusammenarbeit mit KMUs als wichtigen Teil der Schweizer Wirtschaft. Gerade diese haben oftmals weniger Zugang zu Leadership-Programmen für Frauen. www.advance-women.ch

miss-inovativa.ch Die Frau von heute weiss, was sie will. Und sie gönnt sich, was ihr wichtig ist. Aber vor allem will sie sich nicht mehr entscheiden zwischen entweder, oder. Nicht entweder Beruf oder Familie, nicht Erfolg oder Weiblichkeit. Sie will alles, was für sie richtig ist. Anspruchsvoll? Aber sicher! Dafür brauch sie die richtige Plattform. miss-inovativa bie-

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tet der Frau von heute exklusive, handverlesene Produkte und Dienstleistungen von absoluter Qualität und Einzigartigkeit. www.miss-inovativa.ch

SWONET Das Internetportal SWONET ist der virtuelle Partner, ein Dachverband der Schweizer Frauenorganisationen. SWONET bietet die Möglichkeit, sich mit einem Click über die Ziele und Aktivitäten verschiedenster Frauenorganisationen zu informieren. Das Portal SWONET ist kein weiterer Club oder Dachverband, sondern ausschliesslich ein unabhängiges Informationsportal. www.swonet.ch


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Petra Jenner Petra Jenner zeichnet seit Oktober 2011 als Country Manager für die Leitung von Microsoft Schweiz verantwortlich. Dort experimentiert sie mit neuen Arbeitsplatzmodellen, unter anderem mit dem Stichwort Home Office. Sie ist gegen die Quote, fördert aber im Rahmen der Unternehmensphilosophie Frauen in den oberen Etagen von Microsoft. Und das sieht man auch.

Simona Scarpaleggia

Monika Ribar

Simona Scarpaleggia hat italienische Wurzeln. Sie ist erfolgreiche Businessfrau, oberster Boss von Ikea Schweiz und Mitgründerin des Frauenfirmennetzwerk ADVANCE.

Monika Ribar war die erste Frau an der Spitze eines global tätigen Schweizer Unternehmens: Panalpina. Inzwischen wurde sie wieder von einem Mann abgelöst.

Susanne Ruoff

donna informatica donna informatica ist ein Beispiel für eine Organisierung innerhalb einer Branche. Als Fachgruppe der Schweizer Informatik Gesellschaft SI setzt sich donna informatica für das Sichtbarmachen von Fachspezialistinnen und weiblichen Führungskräften in der IT sowie deren Vernetzung und Unterstützung ein. Es geht um die Förderung und Unterstützung von Frauen in ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung durch Mentoring, die Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der IT und die Schaffung eines positiven Images der IT-Branche.

Susanne Ruoff war von April 2009 bis Februar 2012 CEO von BT Switzerland AG, der Schweizer Niederlassung der BT Group. Seit 1. September 2012 ist sie Konzernleiterin der Schweizerischen Post, eines des grössten Arbeitgebers der Schweiz.

www.donna-informatica.ch

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kolumne Quote, ja oder nein. Es gibt gute Argumente dafür … Männer fördern bevorzugt Männer, wenn auch oft nur unterbewusst. Durch eine Quote werden Chefs gezwungen, ihr professionelles Beuteschema zu erweitern, Frauen als Kandidaten wahrzunehmen und zu fördern. Einige Argumente sprechen für die Quote.

Jacquline Fehr, hat es an einem Anlass meines Hauses Heidrick  &  Struggles im Oktober dieses Jahres aus meiner Sicht hervorragend auf den Punkt gebracht. Bei der Besetzung von Führungspositionen von Männern durch Männer sprach sie von der «homosoziologischen Reproduktion». Eine Quote hilft Frauen, überMänner und Männern ist eine haupt in die Positionen zu bekannte Grösse, eine Umgebung in der «man(n)» sich kommen, in denen sie sich beauskennt, die vertraut ist und währen müssen. Gute Frauen Claudia Nussberger berechenbar. Und fühlen sich kommen dank dieses SprungFrauen und ihresgleichen nicht bretts weiter – die weniger guten sind schnell wieder weg. Ab einer kritischen auch eigentlich wohl? Haben wir nicht zuletzt durch Masse von 30 Prozent schafft es eine Minderheit Sex and the City erneut vor Augen geführt bekomin einer Gruppe, Einfluss zu gewinnen. Eine Ali- men, wie wichtig und richtig gleichgeschlechtliche bifrau allein bringt nichts. Um die kritische Masse Netzwerke für uns alle sind? schnell zu erreichen, hilft die Quote. Die Angst vor dem Unbekannten, vor dem AndersAllerdings gibt es auch einige Argumente, die sein und vor dem Unberechenbaren hält unsere gegen eine Quote sprechen. Warum sollten wir Spezies schon stets von mutigen und eventuell Frauen mehr fördern als Männer? Solche Unge- auch wichtigen Entscheidungen ab. Es gibt viele rechtigkeiten tragen Missgunst und Frust in die mutige, offene und weitsichtige Männer. Männer, Führungsgremien und vergiften das Klima. Wir le- die ohne Hemmungen und ohne Vorbehalte Diverben in einer Leistungsgesellschaft, es zählen Qua- sität in allen Bereichen fördern und fordern. lifikation und das Erreichte. Geschlecht ist aber keine Qualifikation. Woher sollen zum Beispiel Und es gibt Frauen, viele Frauen, die sind hervorall die Frauen mit technischen Fachkenntnissen ragend ausgebildet, haben bewiesen, was Sie zu kommen? Eine Quote fördert die Falschen. Eine leisten im Stande sind und sind Persönlichkeiten, Quote stellt traditionelle Familienmodelle infrage, die einfach begeistern. Sie sind Menschen, mit deFrauen können sich dadurch unter Druck gesetzt nen «man(n)» einfach gerne den Umgang pflegt. fühlen. Zudem zieht eine Quote weitere Probleme nach sich, da es an qualifizierter Kinderbetreuung Und da sind wir bei einem ganz wichtigen Thema, in Deutschland und der Schweiz schon jetzt man- das unterhalb der Wasseroberfläche des bekanngelt. Der demografische Wandel, die Ideen zu- ten Eisbergs lauert: Es gibt doch einige Frauen – künftiger Generationen zur veränderten Arbeits- wie auch Männer – die durch ihre Art und durch welt und der gesunde Menschenverstand werden ihre Haltung es nicht leicht machen, mit ihnen den das Zahlenverhältnis von Männern und Frauen in Umgang zu pflegen. Betontes Kräftemessen, BesFührungspositionen über die nächsten Jahrzehn- serwisserei und überspielende Überheblichkeit te aus meiner Sicht natürlich in ein Gleichgewicht sind Erfolgsfresser. Zuhören, verstehen wollen und oder in ein ausgewogenes Verhältnis bringen, Empathie zeigen sind Erfolgsfaktoren im Miteinanauch ohne Quote. der. In diesem Fall schmelzen auch gläserne Decken dahin und homosoziologische ReproduktioWas aber hat es in der Zwischenzeit mit der glä- nen lösen sich auf. Es macht Spass in gemischten sernen Decke wirklich auf sich? Die Nationalrätin, Teams erfolgreich zu sein.

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kolumne Genderquote – Freud oder Leid? Egal, an welcher Veranstaldel vollzogen, würde dabei tung ich teilnehme, die auch eine gesetzliche Quote nach nur entfernt mit Gender zu einer gewissen Zeit hinfällig. tun hat, das Thema der Genderquote brodelt früher oder Gegen eine Genderquote später immer wieder auf. Und spricht umgekehrt, dass das jedes Mal wird deutlich, wie männliche Geschlecht durch sehr es die Gemüter erhitzt eine solche Regulierung hochgradig nicht mit an Bord geund dass zumeist auch viele nommen wird, auch ein Teil der Emotionen damit verbunden Frauen nicht. Das wiederum ist sind – und zwar bei beiden einer nachhaltigen Umsetzung Geschlechtern. Sich dazu nicht förderlich und birgt die zu äussern, ist nicht unähnlich, sich bewusst in ein Nest Gefahr, dass Massnahmen mit Feuerameisen zu setzen, nicht oder nur unzureichend Prof. Dr. Sita Mazumder trotzdem ist die sachliche gelebt werden und entsprechend kein wirklicher Wandel Auslegeordnung und Argumentation dazu nachfolgend wichtig. stattfindet. Gegen eine Quote spricht ferner, dass bei den Unternehmen eine solche Regelung gar Wir wünschten uns, dass die Fakten einen einnicht notwendig ist, weil damit offene Türen eindeutigen Entscheid lieferten, um uns in unserer gerannt würden, oder dass die Problematik eigentlich darin liegt, dass nicht genügend Frauen Auffassung zur Genderquote zu bestärken, oder für die betreffenden Positionen vorhanden sind. aber, um uns umzustimmen. Leider ist dem nicht Eine Genderquote könnte deshalb dazu führen, so. Unabhängig von der moralischen Diskussion, dass ungeeignete Frauen in Führungspositionen die hier nicht geführt wird, liefern wissenschaftliche befördert werden, was weder der Sache noch den Erkenntnisse und Erfahrungen für beide Varianten, beteiligten Personen und Unternehmen zuträglich also mit oder ohne Genderquote, sowohl Vor- wie wäre. Diesbezüglich bestehen zweifellos grosse auch Nachteile. Es liegt also, wie so oft in der Ökonomie, ein Trade-off vor, und es geht darum, diese Unterschiede zwischen den Branchen und es ist Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und in der Tat gefährlich, alle Branchen über denselben die persönliche Meinung zu finden. Nachfolgend Leisten zu schlagen. führe ich zentrale Aspekte an, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da die Quotenthematik komplex Mehrere Studien haben die empirisch fundierte und weitläufig ist und nicht in einer Kolumne abgeErkenntnis geliefert, dass gemischte Teams leishandelt werden kann. Ebenso ist die Reihenfolge tungsfähiger und innovativer sind als homogene der Listung nicht als Wertung zu verstehen. Arbeitsgruppen und dass die erhöhte Heterogenität zumindest mittelfristig zu einer Profitabilitätssteigerung bei den Unternehmen und damit zu Für eine Genderquote spricht, dass ein solcher volkswirtschaftlichem Nutzen führt. Als Dozentin Druck durch Regulierung gewisse Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Hürde von am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschleunigt der Hochschule Luzern kann ich dies bestätigen. verändern würde. Ebenso würde sich das RolDas ist auch der ökonomische Hauptgrund, die lenverständnis anpassen, und Stereotype aufgeGenderdurchmischung zu unterstützen und zu weicht, welche unter anderem auch in Studien fördern, da doch ab und an auch die Diskussion der OECD als volkswirtschaftliche Hemmnisse geaufflackert, ob das denn überhaupt wichtig und nannt werden. Hat sich ein gesellschaftlicher Wannotwendig sei. Ja, ist es.

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kolumne Frauen in Führungspositionen – Eine Herzensangelegenheit Frauen in Führungspositionen ist ein medialer Dauerbrenner. Auch ich als Mitglied des Leitungsteams von donnainformatica, einer Fachgruppe der Schweizer Informatik Gesellschaft, und Inhaberin der Agentur Sparkling Stream, bin häufig mit Fragen konfrontiert. Fangen wir mit einer beeindruckenden Zahl an: Google liefert uns bei einer Suche mit den Stichworten Frauen und Führungspositionen bei einer geografischen Eingrenzung Salomé Wagner auf die Schweiz über 21’000 Einträge. Unter den Verfassern dieser Einträge finden sich Verbände oder staatliche Organisationen, welche uns das Thema mit Studien und Daten zu konkretisieren versuchen. Wie bei Studien üblich, werden dabei die Ergebnisse in Zahlen und Prozenten serviert. Diese bestimmen dann auch die mediale Präsenz, ganz so, als wäre das Thema eine rein statistische Angelegenheit und ergo mit mathematischen Mitteln korrigierbar. Die Erfüllung eines bestimmten Prozentsatzes (auch Quote genannt) wäre dann die finale Zielerfüllung. Doch solange Frauen in Führungsgremien so untervertreten sind wie heute, ändern einstellige Prozentveränderungen wenig an der trüben Situation. Damit eine Frau in einer Führungsposition bestehen kann, sorgt – neben ihrem Einsatz, Willen und ihrer harten Arbeit – ein bunter Strauss von idealen Voraussetzungen. Es ist leicht, die bekannten und oft verwendeten Hinderungsgründe für Frauen in Führungspositionen aufzuführen, denn sie sind zahlreich: Fehlende Kinderbetreuung und unflexibles Schulsystem, durch Männer getriebene Personalentscheide, welche traditionelle Familienmuster bevorzugen und vor allem: Nicht ausreichende Ausbildung für eine Funktion auf der obersten Führungsetage. Zum Glück entwickelt sich der für berufliches Fortkommen angeführte, wichtige Faktor

Bildung in eine positive Richtung: Die betriebswirtschaftliche Kaderschmiede Hochschule St. Gallen weist für 2013 den erfreulichen Anteil von 31 Prozent Studentinnen unter den Studierenden aus. Also: Bildung gut, Karriere gut und alles nur eine Frage der Zeit, bis Frauen in Führungspositionen adäquat vertreten sind? Meine These: Die grössten Hürden auf dem Weg in die Teppichetage stellen wir Frauen uns noch immer selbst in den Weg. Wir giessen Familien- und Karriereplanung abhängig voneinander aus einem Guss, so, als wären Familie und Beruf Projekte, welche sich automatisch an unseren Terminkalender halten. Wir zögern, stehen vor beruflichen Entscheidungen und wagen einfach nicht den Sprung. Woran fehlt es, dass wir uns Chancen nicht selbst erschaffen oder Angebote beim Schopf packen? Anstatt uns Unterstützung (durchaus auch bei Männern) zu holen, sinnieren wir lieber allein, an unseren Fähigkeiten zweifelnd. Und lassen damit Chancen an uns vorbeiziehen, so, als führen wir im Zug durch eine Landschaft, die uns nichts angeht. Natürlich muss ich den Mut für den Sprung selbst aufbringen, doch warum suche ich mir denn niemanden mit Erfahrung, der mich begleitet auf diesem harten Weg? Formalisierte Programme, wie zum Beispiel ICT Mentoring, sind Angebote, die mir genau diese Begleitung ermöglichen. Doch es braucht nicht nur formale Strukturen. Die nötige Atmosphäre für die Siegerlaune auf dem Weg nach oben schaffen wir Frauen uns selbst. Wie oft haben wir uns gegenseitig sabotiert statt unterstützt? Abgeraten statt ermutigt? Sagen Sie Ihrer Kollegin bei nächster Gelegenheit doch einfach: «Das hast Du gut gemacht!» Schliesslich sind Frauen auf der Führungsetage für uns Frauen eine Herzensangelegenheit.

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Diana Jaffé weiss wie unterschiedlich Männer und Frauen beim Shoppen ticken. Bei der Bluestone AG hat sie sich auf Konsumentenforschung spezialisiert. Georg Lutz

D

Der weibliche Einfluss bei Kaufentscheidungen wächst. Auch die Kaufentscheidung selbst hört bei Frauen und Männern auf unterschiedliche Kriterien. Bisher haben sich aber Unternehmen zu wenig Gedanken gemacht, wie Sie Frauen und Männer zielgerichteter ansprechen können.

PRESTIGE: Unterschiedliche Zielgruppen gilt es unterschiedlich anzusprechen. Das ist eine Binsenwahrheit. Das gilt auch bei Frauen und Männern. Wie ist die Situation zu skizzieren? Ist es wie im Kinderzimmer, hier die rosa Welt der Barbie und dort der rote Rennwagen? Diana Jaffé: Ja es ist tatsächlich so, dass Männer und Frauen unterschiedliche Präferenzen haben. Wobei ich gleich klarstellen muss, es geht hier nicht um absolute Werte, sondern um Mehrheiten. Bereits bei den Kleinkindern gibt es unterschiedliche Wünsche und Vorgehensweisen. Auch Experimente mit Primaten belegen dies. Unsere Vorlieben sind daher nicht nur das Ergebnis von Sozialisationsprozessen, sondern auch biologisch vorgegeben.

Und schon sind wir in einer immer wieder heftig geführten Debatte, was uns tatsächlich antreibt. Auf jeden Fall fahren viele Unternehmen nach dem Ansatz «shrink it and pink it» Können Sie den Ansatz erläutern. Ja, es geht um männliche Entwickler, die aus ihrem Angebot für Männer ein Produkt für Frauen entwickeln. Dabei bleiben sie leider an der Oberfläche stecken und es kommt zu ganz seltsamen Lösungen.

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Können Sie uns ein Beispiel verraten? Kennen Sie eine Businessfrau, die einen pinken Laptop oder ein Tablet mit einer Ummantelung in einem rosa Farbton hat? Das ist gerade noch in einigen asiatischen Ländern vorstellbar, aber in Europa ein No Go. Oft entwickeln immer noch männliche Techniker Produkte, die auch Frauen kaufen sollen. Nehmen wir als Beispiel das Möbeldesign. Es gibt hier Standardmasse, die sich an männlichen Körpern orientieren. Das fängt dann schon bei der Grösse an. Auch viele Autohersteller haben hier noch Hausaufgaben zu machen. Einige Autositze lassen sich immer noch nicht perfekt auf weibliche Körpermasse einstellen. Das kann bei einem Unfall gefährlich werden.

Frauen treffen ihre Kaufentscheidungen auf andere Weise als Männer. An was kann man dies festmachen? Bei Männern gibt grob unterteilt den Bedarfs- und Luxuseinkauf. Frauen kennen den Einkauf und das Shopping. Immer noch können die meisten Männer sich einen Bekleidungseinkauf nicht als Erlebnis vorstellen. Im Gegenteil, es ist der reinste Horror. Beim Bedarfskauf haben Männer ein bis maximal drei Kriterien, die erfüllt werden müssen, und das war es dann. Die Hose sollte passend und dunkel sein. Dann fahren sie in die Stadt und im ersten Geschäft wird die erste Hose gekauft, welche diese Kriterien erfüllt. Man(n) geht zielgerichtet zur Kasse und ist froh, wenn das Geschäft wieder verlassen werden kann. Beratung beim Bedarfskauf ist nicht gewünscht. Frauen haben demgegenüber mehr Kriterien, die es beim Kauf zu berücksichtigen gilt. Frauen wollen einen Überblick über das Gesamtangebot haben. Das betrifft nicht nur die direkte Situation in einem Kaufhaus, sondern auch das virtuelle Einkaufen, auf einer Plattform im Internet. Sie wollen das Gefühl haben am Ende des Tages die optimale Entscheidung für sich getroffen zu haben. Dabei bleiben Frauen nicht bei ihrem ursprünglichen Kriterienkatalog stecken, sondern entdecken während des Entscheidungsprozesses beim Kaufen immer wieder neue Aspekte und fügen diese dem Kriterienkatalog hinzu.

Das sind auch unterschiedliche Herausforderungen für Marketingverantwortliche? Exakt.

Jetzt geht es ja nicht nur um die Geschlechterfrage. Darüber überlappend steht zum Beispiel die Frage des Alters. Das macht sich insbesondere an den Veränderungen bei Statussymbolen und Trendprodukten fest. Bei jüngeren Männern erleben wir gerade den Übergang vom Auto zum Smartphone. In welcher Form fliessen bei Ihnen diese Prozesse mit ein? Auch Statussymbole haben bei Männern und Frauen eine andere Bedeutung. Männer symbolisieren damit einen Status in ihrer Gruppenhierarchie. Sie zeigen damit was sie sich leisten können. Statussymbole signalisieren Geschlechtsgenossen eindeutige Botschaften und sollen bei Frauen Attraktivität vermitteln.

Und Bei Frauen? Sie wollen zu einer bestimmten Community gehören. Dafür sind Statussymbole Mittel zum Zweck. Die «richtigen» Produkte signalisieren: «Ich passe zu euch.» Luxuseinkäufe bei Männern dienen dem Status oder ihrem Hobby und werden bei Männern im Gegensatz zu Bedarfskäufen sehr gerne getätigt.

Wechseln wir die Seiten und schauen uns die Angebotsseite an. Es geht um die Ausrichtung der Kampagnen im Zeichen der Geschlechterunterschiede. Sie haben daraus mit einigen anderen den Begriff Gender-Marketing entwickelt. Können Sie diesen erläutern? Bei Gender-Marketing kommt es darauf an, die spezifischen Bedarfe und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu kennen und auch zu respektieren.

Den Begriff Gender kenne ich aus dem wissenschaftlichen und politischen Rahmen. Judith Butler hat mit «Das Unbehagen der Geschlechter» hier einen Klassiker publiziert. Ja, aber Gender-Marketing geht in eine andere Richtung. Die Gendertheorien haben einen anderen Ansatz. Bei ihnen ist der soziale und kulturelle Hintergrund bei der gesellschaftlichen Entwicklung der unterschiedlichen Geschlechter ganz wichtig. Hier werden Geschlechter durch die Verhältnisse geformt. Biologische Unterschiede werden bei Butler grundsätzlich negiert. Bei GenderMarketing geht es um das Zusammenspiel von Biologie, Psychologie und Soziologie.

Das ist eine alte und ganz heftige Debatte. Ja, wobei diese sehr interessant sein kann. Die Soziologen lassen inzwischen auch mehr und mehr den Gedanken zu, den Biologen und Mediziner schon viel länger entwickeln: Was geschieht, wenn Psychologie, Soziologie, kulturhistorische Hintergründe und unterschiedlichen biologischen Faktoren aufeinandertreffen?

Kommen wir zur konkreten positiven Seite. Können Sie uns eine erfolgreiche Kampagne verraten, die aus Ihrer Sicht beide Geschlechter unterschiedlich und optimal anspricht? Es gibt ein Unternehmen, welches erfolgreiches GenderMarketing umsetzt. Das betrifft die Produktentwicklung wie auch die Kommunikation. Wir sprechen hier von Bosch. Es betrifft den Bereich der Power Tools. Es wundert mich, dass diese erfolgreiche Kampagne bisher noch wenig bekannt ist. Sie entwickeln gleiche Produkte für Männer und Frauen, berücksichtigen aber die unterschiedlichen Nutzungsbedürfnisse und körperlichen Voraussetzungen der Geschlechter und bewerben sie unterschiedlich.

Bei Schraubern und Bohrhämmern denkt man zunächst an männliche Zielgruppen. Wie werden da Frauen angesprochen?

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Die neuen Bohrhämmer von Bosch aus der Uneo-Reihe sind sehr viel leichter geworden. Es gibt hier Bohrhämmer die nur noch gut ein Kilogramm wiegen und auch in Bezug auf die Ergonomie das weibliche Geschlecht mit berücksichtigen. Das ist für Frauen in diesem Bereich ein neues und wichtiges Argument. Das gleiche gilt für den Akkuschrauber IXO. Der wiegt nur noch 300 Gramm und hat dabei noch eine längere Akkuzeit. Dazu kommen spezielle Aufsätze wie Korkenzieher oder ein Gebläse für den Grill, die Lebensstile der Geschlechterwelten gut abrufen.

Was heisst das für die Kommunikation konkret? Die Marketingverantwortlichen bei Bosch haben unterschiedliche männliche und weibliche Zielgruppen definiert und diese werden mit gezielten Kampagnen auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen angesprochen.

Was können wir grundsätzlich zu den Kommunikationskanälen und ihrer Geschlechterpräferenz sagen? Für uns vom Gender-Marketing hat das Thema Web 2.0 eher einen männlichen Bezug und Social Media eher einen weiblichen Schwerpunkt.

Es gibt jetzt einige Stimmen, die im Gegensatz zu Ihnen die Vermischung der Geschlechterrolle prophezeien. Gewinnt der Begriff Metrosexualität an Bedeutung oder ist es eine medial aufgeblasene Nische? Der Begriff Metrosexualität ist ein Thema, das kaum je existiert hat. Werfen wir einen Blick in die Geschichte. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es die Mods. Das waren Jungs, die sich schminkten und ganz anders anzogen und so verfemt waren. In den siebziger Jahren war es der Glamrock, der für Aufsehen sorgte, und David Bowie experimentierte mit Androgynität und allem anderen, was der Schminkkasten hergab. In den achtziger Jahren waren die New-Romantics sowie die Vertreter von New Wave in der Öffentlichkeit. Das Spiel mit den Geschlechtern und Rollen, gerade auch von männlicher Seite, erleben wir immer wieder. Gerade in aktuellen Modezeitschriften kleiden sich Frauen im klassischen Dandylook, der ja früher Männern vorbehalten war. Metrosexualität ist kein neues Phänomen. Das Spiel mit Geschlechterrollen muss aber immer wieder im neuen Kontext neu bewertet werden. Wenn wir heute auf die Strassen schauen, sehen wir eher Gegentrends. Der grosse Trend geht in Richtung Outdoorsportarten und wir sehen viele junge Menschen, die aussehen wollen wie der frühere Alm-Öhi, der zu Besuch in der Stadt ist. Jeden Monat eröffnen neue Kletterhallen und Outdoor-Marken stecken so viel Geld in Marketingkampagnen wie nie zuvor. Hier wollen sich meist Männer wieder stärker von Frauen abheben, insbesondere die jüngeren.

Kaufentscheidungen auch Machtentscheidungen. Früher war das klar. Männer brachten das Geld nach Hause und entscheiden auch, was gekauft wurde. Heute gibt es die These, dass bei Paaren, die Kaufentscheidung treffen, schlussendlich viel öfter von der Frau als vom Mann getroffen werden. Was halten Sie davon?

Richtig. Und im Gegensatz zu Befragungen können Beobachtungen hier weiter helfen. Bei Befragungen geben Frauen fast immer an Kaufentscheidungen, wenn es um eine neue Küche oder einen neuen Parkettboden geht, gemeinsam mit ihrem Partner getroffen zu haben. Beobachtungen zeigen da oft ein anderes Bild. Am Ende des Tages entscheiden die Frauen. Männer pflegen bei Befragungen gerne das Bild autonom entscheiden zu können. Auch dies stimmt bei genauerer Beobachtung nicht. Was passiert nun genau am Point of Sale? Man sieht, wie argumentiert wird und erlebt, dass Frauen hier einen deutlichen Vorsprung bei der Kaufentscheidung über die Ziellinie retten können.

Jedes Jahr werden an Marketingmessen neue Marketingtools vorgestellt. Auch Experten haben den Überblick verloren. Allerdings gibt es relativ wenige Kampagnen, die das gleiche Produkt mit unterschiedlichen Kommunikationskampagnen an die Frau oder den Mann bringen. Woran liegt das? Das hat was mit Gehirn und Hormonprozessen, auch den Marketingverantwortlichen zu tun. Wir wissen, dass es hier Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Sicht auf die Welt und gewisse Ereignisse gibt. Die Kompetenz, sich in andere Welten hinein zu versetzen, ist in den Unternehmen viel zu wenig vertreten. Das liegt daran, dass die meisten Produktentwickler und Entscheider weiterhin Männer sind. Andere Menschen zu verstehen, bedarf grosser Empathie. Dies ist aber vornehmlich eine weibliche Stärke.

Es braucht da gemischte Teams?

Es gibt viele Hinweise, die darauf hinweisen, dass an dieser These viel dran ist. Wir haben hier in Europa aber wenig belastbares statistisches Material zur Verfügung. In den USA sieht es da besser aus.

Ja, wir brauchen beide Geschlechter in den Entscheidungsebenen und wir brauchen Ausbildungen, die das notwendige Wissen auch liefern. Es gibt in Europa keinen einigen Lehrstuhl für Gender Marketing.

Aber Sie können doch auch beobachten?

Da sind Sie ja fast eine Pionierin. Viel Erfolg dabei.

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kolumne Andere Ansprache – Die Frau als Konsumentin Als aktive (berufstätige), selbstbestimmte Frau steht man oft vor unglaublichen Situationen, in denen immer wieder klar wird, wie wenig die Frau als Käuferin wahrgenommen und direkt angesprochen wird. Insbesondere, wenn es um hochpreisige Gebrauchsgüter geht, wie den Autokauf, der neuen Wohnungseinrichtung, die Buchung der Traumreise oder der Entscheidung, ob der Naturpool im Garten rechteckig oder Jelena Moser doch eher rund gebaut werden soll. Auch wenn diese Kaufentscheidungen für eine Familie oder Lebensgemeinschaft gefällt werden – die Frau ist klassischerweise noch oft diejenige, die letztendlich die Auswahl im Detail trifft und den ausschlaggebenden Hinweis für die Kaufentscheidung gibt. Aus Konsumentinnensicht ist es aus diesem Grund oft verblüffend, wie wenig die Frau in der Marketingansprache im Fokus steht. Aus Anbietersicht ist ein unglaubliches Potenzial vorhanden, das ausgeschöpft werden will. Warum braucht es eine andere Ansprache für das Zielpublikum Frau? Frauen kaufen anders. Sie gehen umfassender und vorausschauender vor als Männer. Sie entscheiden impulsiver und intuitiver, vor allem aber wollen sie sehr viel mehr Fragen zum Produkt, das sie interessiert, beantwortet haben. Frau will wissen, was genau dieses Produkt ausmacht, was dahinter steht und warum es so spannend ist. Eine Beziehung zur Frau als Käuferin sollte daher ein wichtiges Kernelement im Marketing sein. Diese Beziehung sollte gehegt und gepflegt werden. Sie will mit einbezogen werden, will in Dialog treten. Sie verlangt mehr Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse, sie will verstanden werden, um Vertrauen aufzubauen.

Der Mehrwert des Produktes ist für die Frau als Käuferin sehr wichtig. Frauen setzten Produkte oft noch in einen anderen Zusammenhang, überlegen lange, womit sie dieses Produkt kombinieren können, wie es aussehen könnte, wenn sie es so oder so tragen, wohin sie es stellen könnten, ob es in die Umgebung passt. Shoppen – nicht Einkaufen! Frauen lassen sich Zeit, sie stöbern im Shop oder Laden, lassen sich inspirieren und zögern länger, bis sie kaufen. Das Shoppen ist ein Prozess, der hoffentlich (!) genussvoll ist und nicht ein möglichst direktes und zielgerichtetes Einkaufen darstellt, um Lästiges zu erfüllen. Einfachheit und Qualität. – Viele Frauen managen neben ihrem Beruf auch Haushalt und Familie. Zeit ist Mangelware, ihr Leben ist oft durchgetaktet und stressig. Umso wichtiger ist es für sie, dass das Einkaufserlebnis einfach und unkompliziert abläuft. Sie will sich nicht an komplizierten Prozessen aufhalten oder in der Flut an überflüssigen Produktinformationen verlieren. Sie will geniessen. Der Sachverhalt scheint klar: Langweilige und emotionslose Shops interessieren die Frau nicht, liebloses Verkaufen funktioniert nicht. Schwierig? Nicht nur, denn echtes Engagement für die Frau als Kundin wird belohnt: Sie dankt es mit grosser Loyalität und sie ist gerne bereit, Empfehlungen weiterzugeben. An die Freundin, Schwester, Mutter, Tochter, Nachbarin … Aus diesen Herausforderungen des Alltags von Frauen heraus ist die Plattform miss-inovativa.ch entstanden, um mit dazu beizutragen, das Kaufen für Frauen interessanter zu gestalten. Ist die Frau als Kundin anspruchsvoll? – Ja sicher, sehr sogar. Aber sie ist auch klar, loyal und nachhaltig orientiert. Schön dass es sie gibt!

The Luxury Way of Life | 323


vorschau volume 30 Der russische Zarenjuwelier Mit normalen Hühnereiern fing alles an. Dann kamen aus Holz gedrechselte hinzu. Bald folgten welche aus Porzellan. Denn zu Ostern, dem wichtigsten Fest der orthodoxen Kirche Russlands, ist es seit dem 17. Jahrhundert Brauch, sich am Tage der Auferstehung Jesu Christi geschmückte Eier und drei Küsse zu schenken. Mit dem Ei, welches der Zar 1885 beim Hofjuwelier Fabergé in Auftrag gab, erhielt dieser Brauch eine neue Dimension. Zar Alexander III. schenkte in diesem Jahr seiner Gattin mit dem Fabergé-Ei ein Kleinod der Goldschmiedekunst.

Horte der Automobilgeschichte Erleben Sie im nächsten Magazin Autohistorie hautnah. Treffen Sie auf legendäre Rennsportwagen, auf faszinierende Serienfahrzeuge und aussergewöhnliche Studien. Wir besuchen für Sie einige Automuseen und entführen Sie von den Anfängen bis in die Gegenwart des vierrädrigen Gefährts. So begeistert das Porsche-Museum in Stuttgart mit mehr als 80 Fahrzeugen und das BMW-Museum in München trumpft mit einer ganz eigenen Welt von Motorrädern bis Luxuslimousinen auf.

Im Bann der Reisterassen Im Ort Ubud auf der Insel Bali finden Besucher typische indonesische Kultur und Landschaften. Kunst und Kunstgewerbe, leuchtende Reisterassen, traditionelle Gemeinden, Landleben, eine hervorragende Küche und eine kitschig-schöne Tropenlandschaft. Der Name «Ubud» bedeutet im Balinesischen «Medizin», benannt nach einem heilenden Kraut, das nahe dem Fluss Campuhan wächst. Einigen Einwohnern Ubuds werden auch heute noch besondere Heilkräfte zugeschrieben. Wir zeigen Ihnen die «places to stay» und die «must do’s» dieser Region.

Publisher Francesco J. Ciringione / cf@prestigemedia.ch | Owner Prestige Media International AG, prestigemedia.ch | Publishing Director Boris Jaeggi / b.jaeggi@prestigemedia.ch | Editor in Chief Yvonne Beck / y.beck@prestigemedia.ch | Art Director & Head of Production Nicole Senn / n.senn@prestigemedia.ch | Editors Yvonne Beck, Gisela Blau, Walter Bollier, Gisbert L. Brunner,Francesco Ciringione, Carolin Calefi Dias, Vera Dillier, DJ Antoine, Kathrin Eckhardt, Claudia-Regina Flores, Wilhelm J. Grusdat, Lone K. Halvorsen, Dr. Thomas Hauer, Richard Heggin, Boris Jaeggi, Valeska Jansen, Monika Leonhardt, Georg Lutz, Roland Löwisch, Angelika Möller, Prof. Dr. Sita Mazumder, Jelena Moser, Claudia Nussberger , Gabriel Palacios, Dr. Peter Pantlen, Petra Rohner, Monique Ryser, Jörg Schmittschneider, Lilly Steffen, Helena Ugrenovic, Tamara Wernli, Salome Wagner, Götz Winter, Martin Wyss, Dominique Zahnd | Sales sales@prestigemedia.ch | Product Public Relation OliviaBürgin / o.buergin@prestigemedia.ch | News Yvonne Beck, Laura Giarratana, Lone Halvorsen, Olivia Bürgin | Cover Picture Bilddatenbank | Photographs Gianni Pisano, Markus Hofmann, Louis Vuitton, Baros Resort, Tourismus Meraner Land, Ferragamo, TeNeue Verlag, Versace, Uhrenmuseum Beyer,Chopard, Olga Ribler, Bentley, Land Rover,Bugatti, Boss, Lancome, Privatklinik Hohenegg, Tavola, Fürsteberg, Bernsdorf, Swiss Development Group, Engel & Völkers, Dr. Thomas Hauer, Global Wine, Pernod Richard, Pirelli, Spanische Hofreitschule Wien, Kanzlei Dr. Valentin Landmann, Lauberhorn-Rennen, White Turf, Swiss Image, Priska Ketterer, Guy Lucas de Peslouan, Christie’s, Heidi Widmer, Boris Jaeggi, Bilddatenbank. Alle Fotos, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber. | Corrector Gloria Hoppe | Main Office Prestige Media AG, Bösch 73, CH-6331 Hünenberg | Publisher / Production Prestige Media AG, Leimgrubenweg 4, CH-4053 Basel | Telefon +41 (0)61 335 60 80, Telefax +41 (0)61 335 60 88, info@prestigemedia.ch, www.prestigemedia.ch | Web Dennis Senn | Support Dejan Djokic | Internet prestigemag.ch | E-Mail info@prestigemedia.ch | Coordination Laura Giarratana | Administration & Abo Service Serpil Dursun /  s.dursun@prestigemedia.ch | Price / Issue CHF 10.– | Price / Year CHF 39.– | Frequency vierteljährlich | WEMF 2013 – 30’691 Exemplare | Wiedergabe von Artikeln und Bildern,auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt. PRESTIGE prestigemagazin.com is a registered trademark. (IGE 596’147)

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