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LIMITED EDITION suMMEr 2013

CULTURE TRAVEL

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FASHION

Culinarium

FINANCE WATCHES & JEWELLERY

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Rubriken

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Rubriken

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The Luxury Way of Life | 9


inhalt CULTURE

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21 Bye Bye Sexsymbol Brad Pitt 32 Im Zeichen des Sterns Die Montblanc Cutting Edge Collection 38 Kunstwelten Ausstellungen im Sommer 40 King of Cocaine Pablo Escobar 45 Criminal Shortcuts Die dümmsten Verbrecher 46 St. Moritz meets China St. Moritz Art Masters 50 Swiss Derby Pferdesport in Frauenfeld 52 Das Musiktalent vom Lac Léman Bastian Baker 60 Florale Skulpturen Makoto Azuma

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60 52 10 | PRESTIGE


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Rubriken

NEW STAINLESS STEEL *MEHR ALS SIE SEHEN

The Luxury Way of Life | 11


inhalt fashion 73 Mut zum Hut Fiona Bennett 82 Im Zeichen des Pferdes Traditionelle Handwerkskunst 94 Prestige Presents Summer Sometimes 114 Fashion Shortcuts Vom Foullard bis zur Eyewear 116 Summerfeelings Beachwear 2013

73

128 Mit den Pantoffeln aus dem Haus Vom Hausschuh zum Trendsetter 132 Minimalismus in der Mode Weniger ist mehr 136 Fashionbooks Von Bogner bis Pucci

128

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WATCHES & JEweLLERY

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141 Neuigkeiten von der Baselworld Vielseitigkeit gross geschrieben 156 Watchbooks Bling zu Preussen

CULINARIUM 159 Cucina Povera auf Korsika Einfach gut 166 Die Whisky Botschafterin Deborah Stewart 172 Ein Prost auf den Sommer Neue Drinks

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inhalt Beauty 175 Samt und Seide Von der Raupe in die Pflege 182 Duft als Zeremonie Koh Do 190 Luxus Nassrasur Bart ab

182

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DRIVE STYLE

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201 Warum Männer Autos lieben Emotionales aus dem Cockpit 204 Testfahrt zwischen Trüffel und Küste Sliden und Cruisen

living

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217 The Next Generation Die Enkel Calatravas und Hadids 222 Neues aus dem Bereich Wohnen Solitaire, Hosu und Falling Leaf 224 Der Prophet der organischen Form Karim Rashid 231 Living News Highend-Lautsprecher und gehobene Schlafkultur 232 Desing zum Lesen Neue Inspirationen FINANCE 235 Aufbruch zu neuen Ufern Der neue Finanzplatz

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238 Vertrauen auf Stärke Schweizer Banken 242 Herausforderung im Private Banking Struktureller Wandel 246 Bankkunden im Wandel Die nächste Generation 250 Schweizer Privat Banking Strategische Neuausrichtung

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Rubriken

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inhalt travel

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257 Seemeilen vom Alltag entfernt Luxus entspannt geniessen 264 Die Megacity der Gegensätze Peking Top Events of Switzerland

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277 Festival del Film Locarno Ein Gespräch mit Carlo Chatrian 282 Lucerne Festival 75 Jahre Wunder von Luzern

FINANCE-kolumnen 237 Tim Marschall – Neues Denken im Private Banking 241 Dr. Burkhard Varnhot – Von Immobilienanlegern und Pionieren 249 Bernhard Bauhofer – Geld kannst Du verlieren, aber nie Deinen Ruf kolumnen 31 DJ Antoine – Nach oben sind keine Grenzen gesetzt 71 Wilhelm J. Grusdat – Eine haarende Angelegenheit 90 Gabriel Palacios – Das neueste Psychotherapieverfahren 188 Dr. Dr. Silke Becker – Ein perfektes Lächeln, ein perfekter Tag 196 Götz Winter – Mehr Mut! 214 Tamara Wernli – Frau kauft Auto 254 Walter Bollier – Diamanten, Schmuck als Investment 273 Vera Dillier – Von der Faszination der Edelsteine

80

news 58 Sunglasses 80 Black & White 126 Summer Feelings 154 Bling Bling 180 Personal Chemistry for Him 195 BarbEr Shop 198 Personal Chemistry for Her 212 Golf Club 252 It’s a Man’s World 274 Beach Summer

288 Vorschau & Impressum

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Rubriken

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E

Endlich ist er da, der Sommer, und mit ihm die neue Ausgabe unseres Magazins PRESTIGE. Zuallererst möchte ich Ihnen unsere neuen Kolumnisten vorstellen. DJ Antoine wird nun regelmässig über seinen Begriff von Luxus und Prestige berichten. Auffallend, schrill und stylish gekleidet, energiegeladene Konzerte und knallende Champagner-Korken, so lässt sich DJ Antoines Leben beschreiben. In dieser Ausgabe zeigt er sich jedoch von seiner ganz privaten Seite. Des Weiteren freuen wir uns darüber, dass wir Tamara Wernli unter unseren Kolumnistinnen begrüssen dürfen. Die bekannte TV-Moderatorin schreibt wie bereits in ihrer Kolumne für die «Basler Zeitung» mit spitzer Feder, humorvolle und knackige Texte mit Tiefgang. In dieser Ausgabe können Sie Frau Wernli beim Autokauf begleiten. Doch auch weitere spannende Themen erwarten Sie in unserer Sommerausgabe. Wir besuchten für Sie die Montblanc Cutting Egde Collection, trafen Bastian Baker, den jungen Superstar aus der Romandie, fuhren nach Paris in eine Sattlerei – zu den Ursprüngen von Hermès, testeten das neue Kreuzfahrtschiff «Europa 2», probierten in Peking gegrillte Skorpione, liessen uns von der einzigen weiblichen Brandmanagerin in die Geheimnisse der WhiskyHerstellung einführen und tauchten ein in die florale Welt des Makoto Azuma. Lehnen Sie sich also genüsslich zurück, geniessen Sie die Sonnenstrahlen und begeben Sie sich mit uns auf eine spannende Lesereise, die vielfältiger kaum sein kann.

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Rubriken

culture 20 | PRESTIGE


Brad

Pitt Bye Bye

Sexsymbol Dominique Zahnd

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Rubriken

Charakterdarsteller, Weltverbesserer, 6-facher Vater: Brad Pitt hat viele Gesichter. Jetzt drehte der fast 50-j채hrige Frauenschwarm einen Zombie-Film mit einem Schweizer Regisseur. 22 | PRESTIGE


© Warner Bros.

CULTURE

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CULTURE

P

Pitt kann alles spielen. Einen Schläger («Fight Club»), einen Dieb («Ocean’s 11-13»), einen Nazikiller («Inglourious Basterds») – ja, selbst einen Kerl, der Röcke trägt («Troja»). Sein Gesicht? Kennt jeder. Und über sein Leben meint auch jeder Bescheid zu wissen. Dafür sorgen Paparazzi und Klatschmagazine. Doch wer wissen will, wie der echte Brad tickt, muss ihn selber fragen …

Die Bartstoppeln sind nun grau Er geht leise, wippend und wird flankiert von zwei Bodyguards. Seine Augen leuchten blau. Einzelne Bartstoppeln und Haare sind grau. Angst vor dem Alter? «Ich habe Angst vor dem Sterben, aber nicht vor dem Älterwerden», sagt er. «Wir haben alle ein Verfallsdatum. Und meines rückt definitiv näher …» Nächstes Jahr wird Pitt 50, aussehen tut er wie 30. Der Schauspieler lacht: «Ich bin einer der Menschen, die man für ihre Gene hasst.» Arrogant? Keineswegs. Der Amerikaner ist privat ein sympathischer, herzlicher und fast ein bisschen schüchterner Kerl. William Bradley «Brad» Pitt hat geschafft, wovon viele träumen: Mit Filmen erfolgreich sein, die richtige Frau an der Seite haben. Seine Stimme ist warm, entspannt. «Ich bin heute viel glücklicher als früher.» Schuld daran sind seine Kinder. «Die sechs Zwerge», wie er sie liebevoll nennt. Vater zu sein, hat ihn verändert, einen besseren Menschen aus ihm gemacht. Obwohl auch bei der Grossfamilie Pitt/Jolie das Chaos regiert, besonders am Morgen. Oft kommen die Kids nicht aus dem Bett. Dann steht schon mal Cola auf dem Frühstückstisch. «Damit sie in die Gänge kommen», sagt der Schauspieler grinsend. Seine Dauerfreundin Angelina ist die Organisatorin im Haus: Sie hat alle Termine im Griff. Ein normales Leben zu führen – ist das bei der am meisten fotografierten Promifamily der Welt überhaupt möglich? «Was ist schon normal?», fragt Pitt. Für sie gehört das Herumreisen zu ihrem Alltag. Zum Beispiel an die Drehorte von Mami und Papi. Ferien machen sie dort, wo es kaum Touristen gibt – an den Geburtsorten der Adoptivkinder Maddox (10, Kambodscha), Pax (9, Vietnam) und Zahara (8, Äthiopien). Sicher vor den Linsen der Paparazzi sind sie auch in Frankreich. «Auf unserem Schloss haben wir unsere eigene geschützte Welt. Ein kleines Paradies.»

Google ist für die Kinder gesperrt Die Medien-Hysterie über Brangelina – wie er und seine Freundin von der Klatschpresse genannt werden – bezeichnet Pitt als «Lärm». «Es gibt so viele Kommentare und Urteile da draussen, aber sie kommen von Menschen, die uns nicht wirklich kennen.» Er bringt es auf Google auf 122 Millionen Einträge, Angelina Jolie sogar auf 725 Millionen. Die Lügen, die Skandale, die sexy Fotos – all das bekommen ihre Kids, zumindest vorläufig, nicht zu Gesicht. Denn ihr Vater hat auf all ihren Computern den Internetzugang eingeschränkt – so kann keiner der Kleinen die Namen Pitt oder Jolie googeln.

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Pitt hat den Durchblick (Szenenbild aus «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford»).

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© Warner Bros.

Rubriken


CULTURE

Gutmensch, verantwortungsbewusst, ein Vorbild. Das ist er heute. Früher war Brad anders. Der Schöne schleppte die Schönen ab. Und kiffte zu viel. In den 90er Jahren war es am schlimmsten. «Ich habe damals eine Menge Gras geraucht. Ich war darin ein richtiger Profi. Doch ich nahm nicht mehr am Leben teil …» Erst als seine Leistung als Schauspieler nachliess, machte er Schluss mit dem Rauchen von Cannabis. «Als Single habe ich viel Zeit unnötig vergeudet», erinnert sich Pitt. Mit einer Frau an seiner Seite ging es ihm immer besser. Popstar Sinitta und die Schauspielerinnen Christina Applegate, Juliette Lewis, Geena Davis, Thandie Newton, Gwyneth Paltrow und Jennifer Aniston – sie alle sind Ex-Partnerinnen des Hollywood-Beaus. Doch erst bei Angelina Jolie scheint er das wahre Glück gefunden zu haben. Sie sind seit acht Jahren ein Paar. «Angelina und ich sind zusammen, weil wir besser miteinander sind.»

Viermal für einen Oscar nominiert Die Liste seiner Filme ist lang. Erst spielt er in der Soap «Dallas» mit, dann beschert er Geena Davis einen Superorgasmus in «Thelma & Louise» – und wird so über Nacht zum Star. Brad Pitts Rollenwahl ist gut: Er hat mehr Hits als Flops gedreht. Fantastische Dramas wie «Legends of the Fall» (1994) oder «Meet Joe Black» (1998) zementieren seinen Ruf als talentierter Schönling. Doch er macht auch eine gute Figur als gefrusteter Blutsauger («Interview with the Vampire», 1994), draufgängerischer Detektiv («Seven», 1995) und CIAAgent im Training («Spy Game», 2001). Und je älter Pitt wird, desto intensiver sucht er nach anspruchsvollen Parts. Ob als Irrenanstalt-Insasse («12 Monkeys», 1995), heruntergekommener Boxer («Snatch», 2000), verzweifelter Gatte («Babel», 2006) oder als Mann, der rückwärts altert («The Curious Case of Benjamin Button», 2008) – der Amerikaner ist oft brillant. Dieser Meinung sind auch die Mitglieder der Oscar-Academy: Pitt wurde schon viermal nominiert. Trotzdem weiss er: «In Hollywood bist du immer nur so viel wert wie das Einspielergebnis deines aktuellen Streifens. Aber das hat ja nichts mit der Qualität des Films oder der tatsächlichen schauspielerischen Leistung zu tun.» Steht er vor der Kamera, ist der Schauspieler allürenfrei. Er sagt: «Filmen ist ein Mannschaftssport.» In den Drehpausen treibt er allerdings gerne seine Spässchen mit seinen Co-Stars. Geht es um seinen filmischen Nachlass, verhält sich Pitt etwas seltsam: Er schaut sich seine Streifen nie an. Dafür hat der Schauspieler eine abstruse Erklärung parat. «Würde ich meine Filme anschauen, müsste ich mich in die Vergangenheit begeben. Und das tue ich nicht gerne», sagt er. «Kennen Sie diese Situation: Sie gehen aus dem Haus und merken, dass Sie etwas vergessen haben? Ich kann dann nicht zurück und es holen. Das ist irgendein Defekt in meiner Persönlichkeit. Ich muss mich immer vorwärts bewegen.»

Actionspass als Panzerfahrer Wardaddy An Arbeit fehlt es dem Schauspieler in nächster Zeit nicht. «Twelve Years a Slave» wurde gerade abgedreht. Darin mimt er einen Anwalt, der sich für einen Sklaven einsetzt. Anschliessend verkauft er als Dealer Kokain («The Counselor») und jagt Nazis als Panzerfahrer Wardaddy («Fury»). Sich für neue Rollen zu entscheiden, fällt ihm nicht leicht – weil er unbequeme Charaktere bevorzugt. Die strahlenden Helden überlässt er Tom Cruise und Will Smith. Warum? «Weil man im Grunde jeden anderen Schauspieler als Helden besetzen kann. Mich spricht das nicht an.» Pitt kann brutal sein wie in «Kalifornia» (1993), «Fight Club» (1999), «Inglourious Basterds» (2009) oder «Killing Them Softly» (2012). Er schiesst, er sticht, er schlägt. Warum tötet Pitt so gerne im Kino? «So denke ich nicht. Bei einer Rolle interessiert mich, ob sie das

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© Twentieth Century Fox

CULTURE

© Warner Bros.

© Fox Searchlight Pictures

2005 lernte er seine Traumfrau Angelina Jolie am Set von «Mr. and Mrs. Smith» kennen und lieben.

Zugkräftiges Duo: Cruise und Pitt in «Interview with the Vampire»

Malicks «Tree of Life» (2011).

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CULTURE

Potenzial bietet, neue Erfahrungen zu machen. Spiele ich einen Mörder, gehört Gewalt einfach dazu. Ich hätte allerdings grössere Probleme damit, einen Rassisten zu spielen als einen Killer.» Er gehört zu den Grossverdienern in Hollywood. Auch weil er seine eigenen Filme – und die von anderen produziert. Darunter «The Departed», «The Time Travelerʼs Wife» und «Kick-Ass». «Mein grösster Hit als Produzent war ‹Eat Pray Love› mit Julia Roberts», sagt der mehrfache Millionär. Wie wichtig ist Geld für ihn? «Geld hat man nie genug – allerdings verschwinden die Probleme damit ja nicht, sondern es ergeben sich neue. Aber Geld eröffnet natürlich Möglichkeiten und gibt dir Freiheiten.»

Eine Pflicht, den Reichtum zu teilen Pitt tut viel für Arme und Chancenlose. Er mischt mit beim Kampf gegen Landminen, der Eindämmung des HI-Virus in Afrika oder der Wohnungsnot in New Orleans. Bono von U2 hat ihn in dieser Hinsicht massiv beeinflusst. Der Rockstar öffnete dem Schauspieler die Augen, zeigte ihm, wie Armut aussehen kann. «Da merkte ich, dass es an der Zeit war, meinen Hintern von der Couch zu bewegen und meine Prominenz für gute Zwecke einzusetzen.» Das war 2005. Zur gleichen Zeit stand er für «Mr. & Mrs. Smith» mit Angelina Jolie vor der Kamera. Sie ist genau so engagiert wie er, wenn es darum geht, Bedürftigen zu helfen. Mitgefühl treibt sie beide an. Er sagt: «Es ist ungerecht, aber dein Geburtsort bestimmt dein Schicksal. Ich hatte das Glück, an einem Ort aufzuwachsen, der mir die besten Chancen bot. Ich weiss, dass ich den Jackpot gewonnen habe. Genau deswegen sehe ich es als eine Verpflichtung, etwas von meinem Reichtum abzugeben.» Das bewusstere Leben hat auch seine Einstellung zum Filmemachen verändert: Weniger Projekte, dafür ambitioniertere. «Interessante Filme zu machen, ist mir heute viel wichtiger, denn meine Kinder werden sie sehen – und ich möchte, dass sie stolz auf mich sein können.» Doch jetzt hat er gerade einen Zombie-Thriller abgedreht – wie passt das? «Vor vier Jahren wusste ich nichts über Zombies, ich hatte auch kein Interesse an dem Thema. Jetzt bin ich ein Fachmann», sagt Pitt und lacht. «World War Z» wird seinen Kindern gefallen, da ist sich der Schauspieler sicher. Angst, dass sie sich gruseln könnten, hat er nicht. Weil Regisseur Marc Forster – ein Schweizer – darauf achtete, dass es unblutig zu und her geht. Der Film erzählt vom U.N.-Mitarbeiter Gerry Lane, der als Problemlöser in Krisengebiete reist. Nachdem eine weltweite Epidemie ausgebrochen ist, versucht er, den Ur-Zombie zu finden. Sollte der Thriller ein Hit werden, werden zwei Fortsetzungen nachfolgen.

Schule kurz vor Abschluss geschmissen Über seine Kinder spricht Brad gerne. Über seine eigene Jugend weniger. Er wuchs im ländlichen Springfield, Missouri auf. Dem Vater gehörte eine Lastwagenflotte, die Mutter arbeitete als Berufsberaterin. «Ich komme aus einem sehr christlich-religiösen Umfeld. Doch damit war ich nicht glücklich. Ich hatte viele Fragen, die mir niemand beantworten wollte.» Dass er dann auch noch zwei Wochen vor dem Abschluss sein Studium schmeisst, um in Los Angeles sein Glück als Schauspieler zu versuchen, stösst seinen Eltern ebenfalls sauer auf. Mittlerweile haben sich alle ausgesöhnt. Und es ist seine Familie, die dem Star immer wieder den Kopf zurechtrückt. «Gestern rief ich meine Grosseltern an und mein Grossvater sagte: ‹Wir haben deinen Film gesehen.› Ich fragte, ‹welchen?› und er rief: ‹Betty, wie hiess noch mal der Film, den ich nicht ausstehen konnte?› Also, wenn mich das nicht auf dem Teppich hält, was dann?»

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© Paramount Pictures

CULTURE

Am Set von «World War Z»: Der Schweizer Regisseur Marc Forster hört sich die Vorschläge seines Hauptdarstellers an.

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© Paramount Pictures

CULTURE

Auf der Strasse bewegt er sich wie ein Hai Pitt mal ohne Kinder, ohne Frau, ohne Film. Diese Momente sind rar. Doch er geniesst sie. Und arbeitet dann am Haus. «Ich setze meine Hände gerne ein.» Er zeichnet auch viel. Architektur fasziniert ihn. Der Schauspieler entwirft Häuser, für sich und andere. Kunst liebt er ebenfalls. Der Star besuchte schon ein paar Mal die Art-Messe in Basel. Klar, dass er auch hier schnell erkannt wurde. Deswegen ist das Idol immer schnell unterwegs. «Ich bin im öffentlichen Raum wie ein Hai, immer in Bewegung», erklärt er. «Denn sobald ich stehen bleibe, umringt mich eine Menschenmenge, die nach Fotos und Autogrammen verlangt.» Dass er darauf manchmal keine Lust haben könnte, interessiert niemanden. Brad Pitt ist öffentliches Eigentum. Wo kriegt er den Kopf frei? «Auf dem Motorrad. Denn nur mit dem Helm auf dem Kopf bin ich anonym.»

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SHORTCUT Animations-Held Die meisten weiblichen Fans finden alles an Brad schön – auch seine Stimme. Die hat er übrigens schon ein paar Mal für diverse Animations-Abenteuer zur Verfügung gestellt. Darunter «Happy Feet 2» (als Kleinkrebs Will), «Megamind» (als Metro Man) und als Titelheld in «Sinbad: Legend of the Seven Seas». Seine Kinder können die Filme alle schon auswendig.


kolumne Nach oben sind keine Grenzen gesetzt Jene, die mich aus der Presse kennen, werden sich unter Umständen denken, dass der Titel zu diesem Beitrag mehr als nur typisch für meine Lebensweise zu sein scheint, und sehen sich in ihrer bisher gefassten Meinung vielleicht bestätigt. Es freut mich daher umso mehr, Sie, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle als Kolumnist auf eine Reise durch meine Gedankenwelt oder Erlebnisse aus dem Alltag eines Vaters, DJs, Produzenten und Unternehmers mitzunehmen.

DJ Antoine

«Sky Is The Limit» oder eben zu Deutsch «Nach oben sind keine Grenzen gesetzt» habe ich ganz bewusst als Titel meines aktuellen Albums gewählt. Dahinter steckt die Botschaft respektive meine feste Überzeugung, dass wir im Glauben an uns selbst und die gesetzten Ziele mit Wille, Mut und einem grossen Engagement alles oder zumindest vieles im eigenen Leben erreichen können. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, kann ich, wie wahrscheinlich fast jeder von uns, behaupten, dass es bessere und schlechtere Phasen gegeben hat und man sich auf dem Lebensweg immer wieder entscheiden musste, welche Richtung man einschlägt. Doch um es in den Worten von Konfuzius zu nennen: «Der Weg ist das Ziel.» Und genau diese Ziele bestimmen wir, seien diese immaterieller und/oder materieller Art. Sie sind der Weg zu unserem persönlichsten Glück, unserer innersten Erfüllung und Zufriedenheit. Wenn ich als DJ auf einer Bühne vor tausenden oder gar zehntausenden Menschen stehe und den Entertainer spiele, dient dies nicht der Ego-Pflege, sondern lediglich der Steigerung meines GlücksEmpfindens, indem ich Menschen mit meiner Musik berühren kann, ihnen die Gelegenheit gebe, für ein paar Stunden dem Alltag zu entrinnen, und das als Teil von ihnen. In diesen Momenten

sprudeln die Endorphine in mir. Doch wer jetzt behauptet, ich sei einfach ein Glückspilz, so zu leben, wie ich es heute kann, kennt nicht den Weg, den ich bisher gegangen bin. Viele Jahre harter und intensiver Arbeit liegen hinter mir, die begleitet worden sind von wenig Freizeit, Unsicherheiten, manchmal auch Fehlentscheiden und Missgunst. Ich musste immer wieder aufstehen und weiterkämpfen für mein Ziel, mein Hobby, die Musik, zu meinem Beruf werden zu lassen. Einiges musste ich auf dem Weg hierzu auch opfern. Aber schlussendlich bin ich stolz darauf, was ich bisher geschafft habe auf meinem Weg zum Ziel. Gerade deshalb hat der Album-Titel «Sky Is The Limit» für mich eine besondere persönliche Bedeutung. Am Ziel angelangt bin ich jedoch noch lange nicht, und das nicht nur in beruflicher Sicht. Ich will meinem grössten Glück, meinem Sohn, ein guter Vater sein und ihn auf seinen Wegen begleiten und unterstützen. Auch ist es mir wichtig, in Zukunft wieder mehr Zeit für meine Beziehung und Freundschaften zu haben. Ein anderes grosses Bedürfnis ist es, weniger Privilegierten zu helfen, daher bin ich in Begründung einer Stiftung, die sich für notleidende Kinder in Osteuropa und Peru einsetzen wird.. Gerade durch den materiellen Wohlstand, den ich aufgrund meiner beruflichen Erfolge geniessen kann, ist es für mich umso wichtiger zu helfen. Und zu guter Letzt: Ist und bleibt ein Ziel trotzdem einmal unerreichbar, haben wir noch immer unsere Träume und Sehnsüchte, die uns wissen lassen, dass wir leben. Ja, heute haben Sie mich von meiner sentimentalen, ja gar etwas philosophischen Seite kennengelernt ... aber ich kann auch ein Rebell sein ... bis zum nächsten Mal!

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CULTURE

Grosse internationale Kunstsammlungen von Unternehmen sind nichts Neues oder Ungewöhnliches. Doch die Montblanc Cutting Edge Art Collection unterscheidet sich von allen anderen Kunstsammlungen auf der Welt – und dies nicht nur durch ihren aussergewöhnlichen Namen. Yvonne Beck

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CULTURE

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Seit langem ist das Engagement für Kunst und Künstler ein wichtiger Bestandteil der Montblanc-Firmenphilosophie. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Schreibkultur und sieht daher eine besondere Verpflichtung zu eigenem kulturellen Engagement. Dabei liegt der Schwerpunkt in der Förderung junger Künstler und wegweisender Talente, die die Traditionsmarke Montblanc durch ihre kreative, zukunftsweisende Sicht der Welt bereichern und inspirieren. In diesem Rahmen begann Montblanc vor elf Jahren mit dem Aufbau einer eigenen Kunstsammlung zeitgenössischer Auftragsarbeiten – der Montblanc Cutting Edge Art Collection. PRESTIGE sprach mit Lutz Bethge (CEO Montblanc International) und Ingrid Roosen-Trinks (Vorstand der Montblanc Kulturstiftung) über das Besondere der Montblanc Collection, die moderne Art des Mäzenatentums und den Sinn einer Unternehmenssammlung.

PRESTIGE: Seit wann gibt es die Cutting Edge Art Collection und wie begann alles? Lutz Bethge: Das Engagement für Kunst ist fest in der Firmenphilosophie Montblancs verankert, schon von Anbeginn hat Montblanc die unterschiedlichsten Künste gefördert und unterstützt. Im Jahre 1997 stellten wir eine mannshohe Skulptur des Künstlers Stephan Huber in der Montblanc Galerie am Hellergrundweg aus. Sie zeigte drei Berggipfel, darunter den Mont Blanc, und wurde von den als Neonskulptur dargestellten Gletscherflüssen beleuchtet. Unsere Mitarbeiter waren ganz angetan von diesem Werk. Als die Skulptur jedoch nach zwei Jahren als Dauerleihgabe an die Galerie der Gegenwart ging, brach ein Sturm der Empörung aus. Unsere Mitarbeiter fühlten sich ihrer Kunst beraubt. Aus diesem «Aufstand» entstand eigentlich die Idee einer eigenen Sammlung. 2002 wurden dann die ersten Auftragsarbeiten öffentlich gezeigt. Unser Sammlungskonzept sieht vor, dass Künstler, die sich an der Schwelle zur internationalen Anerkennung befinden, für Montblanc eine Auftragsarbeit schaffen. Der erste Künstler, der eine Auftragsarbeit für uns kreierte, war der Amerikaner Tom Sachs. Er schuf die Skulptur «Big Lunar Module», die heute im Foyer des Headquarters steht. Die Montblanc Cutting Edge Collection umfasst inzwischen über 160 Werke internationaler Künstler und Künstlerinnen, darunter Werke von Thomas Demand, Liam Gillick, Jonathan Meese, Sylvie Fleury, Jorge Pardo, Ugo Rondinone, Michel Majerus und Lijun Fang.

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CULTURE

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CULTURE

Montblanc ist ein alter Traditionsbetrieb, warum legen Sie Ihren Sammlungsfokus gerade auf zeitgenössische Kunst? Lutz Bethge: Ja, das Unternehmen Montblanc blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es wurde 1906 in Hamburg gegründet und ist heute in mehr als 70 Ländern mit über 400 Boutiquen vertreten. Diesen Erfolg verdanken wir unserem hohen Anspruch auf Qualität und an die traditionelle Handwerkskunst. Aber auch immer wieder neuen Anregungen aus der Kunst. Es ist sehr spannend, wenn eine alte Traditionsmarke wie Montblanc in den Dialog tritt mit zeitgenössischer Kunst. Durch diesen Dialog erhalten wir ständig neue Impulse für unsere Arbeit. Wir haben die einmalige Chance, unsere Marke durch die Augen von Künstlern immer wieder neu zu entdecken. Das ist sehr spannend und inspirierend. Ingrid Roosen-Trinks: Zudem muss, wer heute eine Kunstsammlung aufbauen will und nicht unendlich viel Geld zur Verfügung hat, auf zeitgenössische Kunst zurückgreifen. Bilder von Gerhard Richter oder Werke von Damian Hirst sind für uns schlichtweg nicht bezahlbar. Das kann und darf man hier ganz offen und ehrlich zugeben.

Doch hinter der Cutting Edge Art Collection steckt ein ganz spezielles Konzept, wodurch unterscheidet sie sich von anderen Unternehmenssammlungen? Ingrid Roosen-Trinks: Die Cutting Edge Art Collection ist eine Sammlung, bei der es nicht einfach nur darum geht, Kunst zu kaufen. Vielmehr wollen wir vor allem in den Dialog mit dem Künstler treten. Unser Sammlungskonzept verbürgt sich dafür, dass der Fokus ausschliesslich auf den Kunstwerken liegt. Marktinteresse, Investment und Spekulationen üben keinerlei Einfluss aus. Die Sammlung widersetzt sich den Prinzipien des Kunstmarkts, denn da es sich um Auftragsarbeiten handelt, erfährt sie ihren individuellen Wert und ihre Legitimation nicht über einen potenziell steigenden Marktwert. Der wahre Wert der Sammlung ist ausschliesslich innerhalb des Unternehmens Montblanc erfahrbar. Bei der Cutting Edge Art Collection kommt die Kunst zum Menschen.

Was sind die Voraussetzungen, um in die Sammlung aufgenommen zu werden? Ingrid Roosen-Trinks: Unser Sammlungskonzept sieht vor, dass die Künstler sich an der Schwelle zu internationaler Anerkennung befinden. Sie schaffen für Montblanc Auftragsarbeiten. In diesen soll das Markensymbol, der Montblanc-Stern, in einer Bildsprache interpretiert werden. Gemeinsam mit einem internationalen Netzwerk von Kulturschaffenden werden Künstler ausgewählt und angesprochen. Wir tauschen uns viel mit unseren Künstlern aus, so entsteht ein enger Bezug zwischen Kunstschaffenden und dem Unternehmen Montblanc. Unser Sammlungskonzept beschränkt sich nicht auf bestimmte Techniken oder Nationalitäten, sondern zeigt spannende Werke internationaler Künstler, die unser Logo zeitgemäss interpretieren.

Wie schaffen Sie es, Künstler für Ihre Sammlung zu begeistern? Ingrid Roosen-Trinks: Für fast alle Künstler, die wir ansprachen, ob sie bereit wären, eine Auftragsarbeit für Montblanc zu kreieren, war es eine Herausforderung, ein Markenlogo mit so hohem internationalen Bekanntheitsgrad und starkem Symbolgehalt wie der Stern von Montblanc künstlerisch zu interpretieren. Gerade die Vorstellung, dass die geschaffenen Werke anschliessend in den Arbeitsbereich installiert und somit Teil der Arbeitswelt werden, begeistert viele. Unsere Künstler schätzen es sehr, dass unsere Sammlung nicht bloss Dekoration und Investition ist, sondern inspiriert und Denkprozesse anstösst.

Die Sammlung besteht aus Auftragsarbeiten, die zudem noch «gebrandet» sind. Stehen nicht viele Künstler einer solchen Aufforderung kritisch gegenüber?

Lutz Bethge: Mäzenatentum, Kunstförderer und Auftragskunst gab es schon immer. Früher waren es Königshäuser, die diese in Auftrag gaben, heute sind es Firmen. Mit dem Unterschied, dass unsere Künstler einen riesigen Interpretationsspielraum haben. Ich denke, unsere Künstler sehen es eher als Herausforderung, denn als Einschränkung. Ingrid Roosen-Trinks: Insgesamt haben bisher nur zwei Künstler abgesagt – Daniel Richter und Thomas Schütte. Daniel Richter ist uns sehr wohlgesonnen, er lehnt es jedoch generell ab, Kunst mit irgendeinem Konsumbezug zu schaffen. Andere finden es jedoch gerade spannend, mal unter einem ganz anderen Ansatz zu arbeiten.

Frau Roosen-Trinks, Sie sind massgeblich am Aufbau der Cutting Edge Art Collection beteiligt. Wie haben Sie es angestellt, eine so einzigartige Sammlung zusammenzutragen? Ingrid Roosen-Trinks: Sich auf Kunst einzulassen, ist spannend. Für jeden Menschen, nicht nur für ein Unternehmen wie Montblanc. Eine Kunstsammlung aufzubauen und zu betreuen, bedeutet persönliches Engagement und die Bereitschaft, viel Zeit in die Besuche von Museen, Galerien und Künstlerateliers zu investieren. Nur dann entsteht ein Dialog mit der Kunst und den Künstlern und nur so kann eine Sammlung wie unsere entstehen. Ich war anfangs selbst verwundert, wie viele Künstler begeistert von unserem Projekt waren und sich der Herausforderung stellten.

Sie suchen Künstler, die die Schwelle zum Ruhm noch nicht überschritten haben. Was für einen guten Riecher haben Sie bewiesen? Wie viele Künstler in der Montblanc-Sammlung haben den Durchbruch geschafft? Ingrid Roosen-Trinks: Oh, das sind einige. Sylvie Fleury, Thomas Demand, Ugo Rondinone oder Michel Majerus. Viele dieser Künstlerinnen und Künstler waren zur Zeit der Auftragserteilung noch «Cutting Edge» und standen gerade erst am Beginn ihrer Karriere. Heute sind sie international bekannt. Besonders hervorzuheben ist hier vielleicht Lijun Fang, seine Werke sind mittlerweile dermassen im Wert gestiegen, dass der Versicherungsmakler jedes Mal fast einen Herzinfarkt bekommt, wenn er uns besucht, weil das Werk einfach ungesichert, ohne Alarmanlage und ungeschützt an der Wand hängt. Viele Künstler der Cutting Edge Art Collection könnten wir uns heute nicht mehr leisten, meine Aufgabe besteht also darin, sie zu finden, bevor sie zu berühmt für unser Budget sind. Lutz Bethge: Dass die Sammlung so umfangreich ist, liegt sicherlich an dem Kunstwissen, den guten Kontakten und dem hervorragenden Gespür von Frau Roosen-Trinks.

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CULTURE

Und es freut uns umso mehr, dass auch die heute international beachteten Künstler immer noch eine ganz enge Beziehung zu unserem Unternehmen pflegen.

Die Werke der Montblanc Cutting Edge Collection sind im Montblanc Headquarter ausgestellt. Können also nur Angestellte von Montblanc in den Genuss dieser Kunstsammlung kommen? Lutz Bethge: Die Ausstellungswerke sind im gesamten Firmenkomplex zu sehen: in den Büros und Gängen, in den Produktionshallen und natürlich im neu gestalteten Foyer unseres Hamburger Headquarters. Regelmässig werden Führungen für Mitarbeiter angeboten, die von Künstlern und Kunsthistorikern geleitet werden. Aber selbstverständlich lassen wir auch andere Menschen daran teilhaben. Durch besondere Veranstaltungen oder durch die Öffnung der Sammlung für Besucher, dies allerdings nur nach vorheriger Anmeldung. Als die Idee für unsere Sammlung entstand, war jedoch klar, dass wir dies vor allem für uns selbst tun. Auch wenn die Sammlung der Öffentlichkeit zugängig ist, soll sie in erster Linie Impulsgeber und Inspiration für die Arbeiten Montblancs sein. Wir ermöglichen unseren Mitarbeitern die direkte Auseinandersetzung mit der Kunst. Deshalb findet man die Werke der Sammlung auch nicht, wie in manchen anderen Unternehmen, nur in der Chefetage, sondern überall im Unternehmen.

Montblanc investiert nicht nur in die Cutting Edge Collection, sondern fördert gezielt auch junge Künstler. Was hat es mit der Montblanc Young Artist World Patronage auf sich?

Lutz Bethge: Seit 2005 beschäftigen wir uns im Rahmen des Sammlungsaufbaus zusätzlich intensiv mit der Förderung junger, noch unbekannter Künstler. Auch sie erhalten die Aufgabe, den Montblanc-Stern künstlerisch zu interpretieren und ein Werk für die Sammlung zu schaffen. Reproduktionen der Arbeiten werden in allen 410 Montblanc-Boutiquen weltweit ausgestellt. Dies beschert den jungen Künstlern eine einzigartige Aufmerksamkeit und breite Öffentlichkeit. Eine derartige Öffentlichkeitswirkung wird jungen Künstlern sonst nirgends zuteil. Wir sind stolz darauf, Talenten eine derartige Plattform geben zu können und ihren Erfolg damit vielleicht anzukurbeln. Aber es ist ein Geben und Nehmen, denn durch die Kunstwerke der jungen Künstler, ihre verschiedenen Interpretationen der Marke Montblanc, erhalten wir ständig neue Impulse für unsere eigene Arbeit. Durch sie fällt es uns leichter, Eingefahrenes immer wieder neu zu durchdenken und Neuem vorurteilsfrei zu begegnen.

Haben Sie ein Lieblingswerk? Ingrid Roosen-Trinks: Ich mag alle Werke und finde es jedes Mal aufs Neue spannend, wie der Künstler oder die Künstlerin die Marke Montblanc interpretiert und wie und wo er oder sie den Stern einbaut. Bei einigen Werken springt er einem sofort ins Auge, bei andern muss man lange suchen. Hinter jedem Kunstwerk stecken eine eigene individuelle Geschichte, Gefühle und Erfahrungen, die der Künstler mit der Marke Montblanc verbindet. Lutz Bethge: Es gibt ganz viele. Doch im Foyer unseres Headquarters hängt ein Werk von Andreas Slominski, «yHBy 149z», welches mir besonders gefällt. Der Künstler hat mit seinem Werk den Geist von Montblanc auf eine so kreative Weise interpretiert, dass man nur begeistert sein kann. Die montierten zwei Skier drücken aus, dass man, wenn man schreibt, eine Spur hinterlässt, sich verewigt. Der Ofen auf dem Bild symbolisiert die Wärme der Marke. Die Wärme im Gegensatz zum anonymen Hightech unserer Welt. Das Steckenpferd zeigt, dass die Produkte Montblancs generationsübergreifend sind. Es ist unglaublich beeindruckend, wie viele Ideen und Emotionen in diesem Werk stecken.

SHORTCUT Kunstvolle Shopping Bags Im Jahr 2002 wurden als Beitrag zur Montblanc Cutting Art Collection sechs einzigartige Objekte entworfen: Anlässlich der Eröffnung des Montblanc Flagship-Store auf den Pariser Champs Elysées entwarfen Jean-Marc Bustamante, Sylvie Fleury, Gary Hume, David LaChapelle, Sam Taylor-Wood und Anne et Patrick Poirier aus Aluminium gefertigte, drei Meter hohe Skulpturen in Form von Shopping Bags und versahen diese mit jeweils individuellen Designs. Diese reisen seitdem um die Welt und wurden im Rahmen ausgewählter Kunst- und Kulturevents sowie vor Montblanc-Flagship-Boutiquen und an aussergewöhnlichen Orten wie dem Rockefeller Center in New York, dem Martin Place in Sydney, der Küste Kapstadts oder auf der Londoner Bond Street ausgestellt. Das Montblanc Art Bag Project umfasst inzwischen zehn Skulpturen.

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NEW TASTE WITH STYLE

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Kunstwelten

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Sozialdokumentarische Fotografie

Psychogramme der Menschheit

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Der in einem einfachen Restaurantbetrieb in einer Kleinstadt in Wisconsin aufgewachsene Lewis Hine sensibilisierte nach dem frühen Tod seines Vaters seinen Blick für soziale Themen. Mit 29 Jahren brachte sich der Lehrer Hine das Fotografieren selbst bei und holte die Welt für seine Schulkinder ins Klassenzimmer. Er verstand die Kamera als Waffe, um Missstände aufzudecken. Er dokumentierte die Kinderarbeit in den USA zu Anfang des 20. Jahrhunderts, um die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen und den Gesetzgeber zu Gesetzen gegen Kinderarbeit zu bewegen. 1930 erhielt er den Auftrag, den Bau des Empire State Building fotografisch zu begleiten, und machte über 1000 Aufnahmen.

Das Kunsthaus Zürich präsentiert rund 50 Gemälde von Félix Vallotton unter dem Titel «Schöne Zeiten». Es ist kein Geheimnis, dass das Kunsthaus Zürich eine sehr bedeutende Sammlung von Gemälden Félix Vallottons besitzt, darunter sind Hauptwerke wie das einst skandalumwitterte «Bain au soir d’été». Überraschend ist, dass es neben der Kunsthaus-Sammlung, die durch gezielte Ankäufe und Schenkungen heranwuchs, in Schweizer Privatbesitz noch eine zweite, ebenso bedeutende Vallotton-Sammlung gibt. Der Umfang dieses Schatzes ist der Öffentlichkeit bis jetzt verborgen geblieben.

Was Lewis Hine Retrospektive Wann bis 25. August 2013 Wo Fotomuseum Winterthur

Aus dem Leben eines Liedermachers

www. fotomuseum.ch

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Was Félix Vallotton – Schöne Zeiten Wann bis 15. September 2013 Wo Kunsthaus Zürich www.kunsthaus.ch

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«Mani Matter (1936–1972)» ist zurück im Landesmuseum Zürich. Die Ausstellung hält wichtige Stationen seines Lebens fest, zeigt Briefe, Schallplatten und vieles mehr. Fünf Themeninseln, die nach seinen Liedern gestaltet sind («Dr Eskimo», «Bim Coiffeur», «Yr Isebahn», «Dr Parkingmeter», «Arabisch»), zeigen ausgewählte Texte, Fotografien und Objekte aus seinem Nachlass. Zahlreiche Hör- und Medienstationen ermöglichen es, in die Lied- und Dichtkunst sowie in die Denkwelt dieses grandiosen Liedermachers einzutauchen.

Enfant terrible der Kunst

Maurizio Cattelan ist einer der meistdiskutierten Künstler unserer Zeit. Bereits seit den 1990er-Jahren erstaunt und überrascht er das Publikum und die Kunstwelt mit seinen Skulpturen. Sein facettenreiches Schaffen zeichnet die Paradoxe und den Irrsinn unserer Gesellschaft auf sowie den Kampf des Individuums, seinen Platz darin zu finden. Kritisch und humorvoll, dabei immer tiefgründig, setzt er sich mit einer Vielfalt von Themen auseinander. Was Maurizio Cattelan Wann bis 6. Oktober 2013 Wo Fondation Beyeler www.fondationbeyeler.ch

Was Mani Matter Wann bis 8. September 2013 Wo Landesmuseum Zürich www.nationalmuseum.ch

Chamberlain, Ekblad & Streuli

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Mit Revolution greift das Kunstmuseum Luzern das Jahresthema des Lucerne Festival auf und reflektiert diesen kraftvollen Begriff in der bildenden Kunst. Die Werke John Chamberlains (1927–2011) werden den grossformatigen Gemälden von Christine Streuli (*1975) und den grosszügigen Gesten in Malerei wie Plastik von Ida Ekblad (*1980) gegenübergestellt. Hinsichtlich Kraft, Energie und Intensität handelt es sich bei den drei Positionen eindeutig um verwandte Geister. Die Werke sprechen den Intellekt und die Sinne gleichermassen an und vermögen vor allem zu faszinieren. Was Revolution Wann bis 13. Oktober 2013 Wo Landesmuseum Luzern www.kunstmuseumluzern.ch

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King of Cocaine Pablo Escobar Helena Ugrenovic

«Wie schreibst du einer Familie, der dein Vater dermassen grossen Schaden angerichtet hat? Was sagst du jungen Menschen, die durch ihn so grosses Leid erfahren haben? Wie beginnst du ein Gespräch mit jemandem, der einen so berechtigten Schmerz in sich trägt?» Sebastián Marroquín trägt ein schicksalhaftes Erbe und hat die Gene eines der mächtigsten und grausamsten Drogenbosse der Welt. Er ist der Sohn von «El Patrón» Pablo Escobar. The Luxury Way of Life | 41


CULTURE

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Es ist die Gier nach Geld und Macht, seine schon in früher Jugend ausgeprägte Neigung zu Gewalt sowie Brutalität und nicht die typische Geschichte, die von ärmlichen Verhältnissen und Entbehrungen erzählt, die Pablo Escobar zu dem machen, was er eines Tages sein wird. Die ungerecht aufgeteilten Reichtumsverhältnisse Kolumbiens feuern Escobars Skrupellosigkeit in der Durchsetzung seiner Ziele an. Als Pablo Escobar in einer mittelständischen Familie geboren wird, besitzen drei Prozent der Bevölkerung 97 Prozent der Ländereien und Rohstoffe des Landes, gehören ihnen Ölquellen, Bergminen, Kaffee- und Bananenplantagen.

Das weisse Gold Als Mitte der 70er Jahre die Modedroge Kokain den «Marimba»-Marihuanahandel in Kolumbien ablöst, ist das gleichzeitig das «Sesam öffne dich» zu unvorstellbarem Reichtum. Escobar ist einer der Pioniere, die sofort reagieren und die märchenhaften Verdienstmöglichkeiten dieser Schatzkammer nutzen. Hemmungslos und rücksichtslos bedroht und besticht er die Behörden, schüchtert Gegner und Feinde ein und ist innerhalb kürzester Zeit der Kopf des Medellín-Kartells. Der von George Bush zum Staatsfeind Nummer 1 erklärte Drogenbaron, der seine Mätressen, wurde eine von ihnen schwanger, töten lässt, verkörpert noch etwas, das kein bisschen in diese blutgetränkte Welt passt. Er ist ein liebevoller Vater und Ehemann.

Der Apfel fällt manchmal weit vom Stamm Zwölf Jahre nach dem Tod Escobars sind sein Sohn und seine Mutter Isabel Santos zum ersten Mal bereit, ihr Schweigen zu brechen und einem Reporterteam die wahre Geschichte des Mannes zu erzählen, der Kolumbien mit einer Welle

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der Gewalt zugeschüttet und die Bevölkerung gespalten hatte. Juan Manuel Escobar Henao hat seinen Namen in Sebastián Marroquín geändert. Es ist die einzige Möglichkeit, ein einigermassen normales Leben zu führen. Im Dezember 1993, als Sebastián 16 Jahre alt ist, wird sein Vater in Medellín auf dem Dach des Hauses, in dem er sich versteckt hält, von einem Heer Soldaten mit nur drei Schüssen niedergestreckt. «Was ich von meinem Vater gelernt habe? Ich habe auch viele schöne Dinge gelernt. Wenn ich überleben wollte, musste ich genau das Gegenteil von dem machen, was er getan hat. Wollte ich lieber sterben, musste ich nur in seine Fussstapfen treten. Es gab nichts, was wir nicht hatten. Mein Vater war süchtig und fast schon besessen davon, seine Familie zu verwöhnen und Geld zu verprassen.» Pablo Escobar fährt in riesige Reservate, um Elefanten, Nashörner, Gazellen, Zebras, Löwen und andere Tiere für seine Hacienda Nápoles, die er 1979 für 63 Millionen US-Dollar gekauft hatte, zu erwerben. Luxus und Überfluss prägen die Kindheit Sebastiáns, die in Escobars Goldenes Zeitalter fällt, als dieser seinen Zenit erreicht hat. Der Mann, der in Disneyland seinem Sohn zuliebe in die Bahnen steigt und dabei vor Angst tausend Tode stirbt, verdient an nur einem einzigen Tag 1,5 Millionen US-Dollar.


CULTURE

Der Kokain-König Wie ein Schneesturm fegt das Kokain über die Gesellschaft, die es aufsaugt wie ein ausgedörrter Schwamm. Es gilt als etwas Glamouröses und setzt sich nicht nur einem Modetrend ähnlich in Kolumbien durch, sondern überflutet den gesamten Globus. Für Pablo Escobar hingegen ist es die einfachste Arbeit der Welt. «Er hatte sich im besten Hotel in Miami einquartiert und gleich vier Etagen gemietet. Für ihn waren es normale Arbeitstage, er verhandelte mit Kunden, leitete Meetings und empfing die mächtigsten amerikanischen Mafia-Bosse. Es war ganz einfach absurd, dass man ihm die Lügen über seine «seriösen» Geschäfte abkaufte. Unbehelligt reiste er in die USA ein und aus, mit Millionen von Dollars in seinen Koffern. Einmal kam er mit vier Millionen US-Dollar nach Hause, können Sie sich das vorstellen?» Anfang der 80er Jahre thront Escobar an der Spitze seines Erfolgs. Er hat die Familie, von der er immer geträumt hat, und ist der Chef des Medellín-Kartells, das 80 Prozent des weltweiten Kokainhandels kontrolliert. Pablo Escobar ist einer der reichsten Männer Kolumbiens und laut «Forbes Magazine» im Jahr 1989 mit einem geschätzten Privatvermögen von 2,4 Milliarden Dollar der siebtreichste Mann der Welt.

Heiliger und Teufel Einen Teil seines Reichtums verwendet Pablo Escobar dazu, den Ärmsten der Armen zu helfen, baut Anlagen für 50 Fussballplätze, Spitäler und vollendet sein ehrgeizigstes Projekt, als er 400 Häuser für Familien baut, die auf der städtischen Müllhalde leben. «Womit kann ein Mann, der offenbar die Formel fürs Geldmachen erfunden hat, sich noch beschäftigen? Wodurch konnte er noch mehr Macht erlangen? Ich glaube, das war der Moment, als er sich entschloss, in die Politik zu gehen und mit der Hilfe der Masse nach noch mehr Macht zu greifen.» Doch Pablo Escobars politische Ambitionen scheitern trotz Millionen und Beziehungen. Als die Gründer der von ihm bevorzugten Partei Nuevo Liberalismo, Rodrigo Lara Bonilla und Luis Carlos Galán, erfahren, um wen es sich beim spendablen Mitglied Pablo Escobar handelt, schliessen sie ihn aus der Partei aus. Auch sein danach folgender Versuch, in den Kongress gewählt zu werden, misslingt.

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CULTURE

Sebastián Marroquín, Sohn von Escobar.

Als Rodrigo Lara Bonilla zum Staatsanwalt gewählt wird, ordnet er in seinem Kampf gegen den Drogenhandel im März 1984 im grössten Kokainlabor in Tranquilandia die grösste Razzia ein, die es je gegeben hat. In wenigen Stunden verlieren Escobar und seine Komplizen ein Dutzend Flugzeuge und Hubschrauber und dazu 1,8 Tonnen Kokain im Wert von 200 Millionen US-Dollar. Am 30. März 1984, nur einen Monat später, wird Rodrigo Lara Bonilla im Dienst von Auftragskillern Escobars erschossen. «Es war, als hätte mein Vater den Verstand verloren. Er war bereit, seine Drogengeschäfte mit Blut zu besudeln.»

Hetzjagd Für Pablo Escobar beginnt nach dem Mord an Bonilla ein Katz-und-MausSpiel mit den kolumbianischen Behörden, er findet Unterschlupf in Panama City bei General Noriega, dem er jedoch misstraut und befürchtet, dieser liefere ihn an die USA aus, die ihm auch auf den Fersen sind. Escobar und das Medellín-Kartell erhalten erbitterte Konkurrenz durch das Calí-Kartell, das ihnen das Kokaingeschäft streitig macht, und ein blutiger Krieg entbrennt. Kolumbien wird in der Vernichtung Escobars von den USA unterstützt, die Agenten der Drogenfahndung, des CIA und sogar Einheiten der Delta Air Force nach Medellín entsenden. Die Familie Escobars und alle, die auch nur annähernd mit Escobar zu tun haben, werden zu militärischen Zielen erklärt. Kolumbien will Resultate sehen, koste es, was es wolle.

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Über den Dächern von Medellín «Mein Vater hielt sich in einem Haus versteckt, während wir in einem Hotel untergebracht waren. Er durfte nicht mit uns telefonieren, doch tat er es trotzdem. Entgegen seinen eigenen Sicherheitsregeln rief er uns täglich an, um zu wissen, ob es uns gut geht. Während unserem letzten Gespräch nahm er Bewegungen um das Haus wahr und sagte, er melde sich später noch mal. Er rief nicht mehr an. Als sie meinen Vater erschossen haben, stand ich vor der wichtigsten Entscheidung meines Lebens. Anders zu sein oder in die Fussstapfen meines Vaters zu treten.» Die Familie verlässt Kolumbien, ihre Freunde und Verwandten. «Warum ich kein Drogenhändler geworden bin?», Sebastián lächelt: «Weil ich mit meinem Vater in einer Höhle hausen musste. Wir hatten Millionen von Dollars bei uns und starben fast vor Hunger, weil unsere Vorräte zu Ende gingen, wir uns aber nichts kaufen konnten, weil ein Polizeiposten auf der anderen Seite der Strasse war. In diesem Moment verstand ich, dass Drogengeld zu nichts zu gebrauchen ist. Wenn du dir nicht mal ein bisschen Reis kaufen kannst, sondern es nur in den Kamin stecken und damit heizen kannst.»


SHORTCUT Schlaf Dieblein, schlaf Die Stereoanlage sowie andere Wertgegenstände, die der Einbrecher erbeutet hatte, standen bereits zum Abtransport auf der Strasse bereit und eigentlich hätte er im Dunkel der Nacht verschwinden können. Doch irgendwie war der dreiste Eindringling von der Badewanne des abwesenden Hauseigentümers angetan und liess sich ein Schaumbad ein. Das warme Wasser schläferte das trübe Tässchen ein und er fiel in einen Schlaf der Unseligen. Als der Hausbesitzer nach Hause kam, verständigte er die Polizei, die den immer noch schlafenden Dieb in der Badewanne verhaftete.

Der Schneehase Schon lange sorgte der Serieneinbrecher in Bad Salzuflen, dem behaglichen Städtchen und Thermal-Heilbad in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, für Unruhe. Der 26-jährige Wiederholungstäter war von Zeugen beobachtet worden, wie er eines Nachts die Scheibe einer städtischen Unterkunft einschlug. Der Einbrecher flüchtete nach seiner Tat durch die verschneite Nacht und legte den Beamten, die ihn verfolgten, eine perfekte Spur. Sein Versuch, seine Verfolger besonders schlau auszutricksen und in seinen eigenen Schneespuren rückwärts zu gehen, scheiterte. An einem Waldstück wurde der Einbrecher schliesslich festgenommen.

Gefährliche Nachbarschaft Tagelang observierte der besonders strategische Bankräuber eine amerikanische Bankfiliale. Der Zeitpunkt für seinen Überfall sollte perfekt sein und den wollte er für sich nutzen. Als er davon überzeugt war, den richtigen Zeitpunkt für seinen genau geplanten Überfall erwischt zu haben, reihte er sich brav in die Schlange der Wartenden ein und wartete geduldig, bis er an der Reihe war. Als er dem Kassierer gegenüberstand, riss er seine Pistole hoch und schrie: «Das ist ein Überfall! Keiner rührt sich! Her mit dem Geld!» Doch sein Überfall endete bereits nach diesen Worten. Sein Tunnelblick bei seinen täglichen Beobachtungen hatte verhindert, dass er die FBI-Niederlassung bemerkte, die sich gleich gegenüber der Bank befand. Bei den fünf Wartenden, die hinter ihm am Schalter standen, handelte es sich um bewaffnete FBI-Agenten, die ihre Mittagspause nutzen wollten, um ihre Gehaltschecks einzulösen.

Golden Beauty Sie war schön und eine richtige Lady. Das elegante grüne Kostüm betonte ihre schlanke Figur. Als sie in einer Filiale der Bank of Amerika in Richmond vor dem Kassierer stand, richtete sie ein Gewehr auf diesen. Mit $ 3000.00 Beute verliess sie danach die Bank und brauste in einem auffälligen Fluchtauto davon – einem brandneuen goldenen Cadillac mit Chauffeur.

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Das St. Moritz Art Masters findet diesen Sommer zum sechsten Mal als hochkar채tiges Kunst-Festival vor der weltweit einzigartigen Kulisse von St. Moritz und dem Engadin statt. Diesj채hriger L채nderschwerpunkt ist China. Lilly Steffen

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Das Engadin hat seit jeher Künstler, Schriftsteller, Cineasten und Philosophen magisch angezogen und inspiriert. Das St. Moritz Art Masters knüpft an diese Tradition an und steht für eine Verbindung aus starker lokaler Anbindung und einem internationalen Austausch. 2013 bietet das St. Moritz Art Masters erneut ein umfassendes Kunstprogramm, das den Blick nach China richtet.

Asiens Kunstelite Zwischen Tradition und internationalen Einflüssen bestehen in China mannigfaltige Kunstszenen, in die das Festival in Zusammenarbeit mit Spezialisten Einblick geben wird. Der renommierte Sammler und Pionier der chinesischen Kunstszene, Dr. Uli Sigg, kuratiert eine Ausstellung mit Werken der Künstler NI Youyu, XUE Feng, LI Zhenwei, LIU Wie und LI Xi und stellt damit junge Positionen aus seiner weltweit angesehenen Sammlung vor. Mit Ai Weiwei, dem Künstler und Aktivisten, und dem Maler Fang Lijun wartet das St. Moritz Art Masters mit zwei Schwergewichten der chinesischen Gegenwartskunst der Neuzeit auf. Darüber hinaus werden Arbeiten des chinesischen Malers und Bildhauers Shao Fan und Fotografien des Künstlers Chen Fuli gezeigt, dessen künstlerisches Werk einen poetischen Blick auf das Kulturerbe seines Heimatlandes wirft. In Kooperation mit dem Schweizer Kunstnetzwerk Artalliance und «Organhaus Art Space», einer unabhängigen Künstler-Organisation in Chongqing, werden ausserdem junge chinesische Künstler aus der SichuanRegion vorgestellt. Diese Künstlergruppe gibt eine einzigartige Perspektive in eine dezentralisierte Sicht weit weg von den politischen und wirtschaftlichen Zentren Chinas. Die Fotoausstellung des chinesischen Pulitzer-Preisträgers Liu Heung Shing setzt sich mit der journalistischen Entwicklung der Fotografie in China von der Kulturrevolution bis heute auseinander und wird mit Werken internationaler Fotostars wie unter anderen Patrick Demarchelier und Peter Lindbergh ergänzt.

Kunst baut Brücken Das Besondere der diesjährigen Ausgabe von St. Moritz Art Masters sind der Brückenschlag zwischen Ost und West und die Verbindung von Internationalität und lokaler Verankerung. Workshops mit Künstlern, Gespräche und Diskussionen führen in das kulturell so vielschichtige Land China ein und ermöglichen eine Annäherung und Auseinandersetzung mit künstlerischen Strömungen und Entwicklungen.

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CULTURE

Das St. Moritz Art Masters bespielt aussergewöhnliche Orte sowie Institutionen, Galerien und Hotels. Internationalität und lokale Verankerung spiegeln sich in weiteren zahlreichen künstlerischen Beiträgen. Aus den USA sind beispielsweise der legendäre Multi-Media-Künstler Robert Wilson, welcher mit seiner geisterhaft wirkenden Snowy-Owl-Videoinstallation den Innenraum der französischen Kirche verwandeln wird, und der Maler und Bildhauer Donald Baechler vertreten. Mit dem Belgier und Biennale-Teilnehmer Jan Fabre, dem Kölner Bildhauer Hubert Kiecol, dem Schweizer Künstler Olaf Breuning und mit Werken des französischen Künstlers Sébastien de Ganay werden starke Akzente gesetzt. Der Besucher begegnet Textskulpturen, Werken aus Beton, Stahl oder Bronze beim Rundgang durch St. Moritz, Zuoz und Sils. Der sogenannte Walk of Art führt auch dieses Jahr an rund 30 Orte in und um St. Moritz. Der Beitrag des deutschen Biennale-Künstlers Tobias Rehberger, der das Leadimage des St. Moritz Art Masters 2013 kreiert, ist ein weiteres Highlight des diesjährigen Festivals. In seiner Grafik lotet Rehberger die Grenzen und Übergänge zwischen Kunst und Design aus. Das entworfene Motiv stellt eine abstrakte Umsetzung des Corvatsch-Massivs dar und kontrastiert mit seiner nahezu naiven Umsetzung die Schönheit der Berge mit deren Urgewalt. Bei den Engadin Art Talks / E.A.T., die 2013 zum vierten Mal in Folge im Rahmen der St. Moritz Art Masters stattfinden, werden nationale und internationale Künstler, Architekten und Schriftsteller im Kontext von «GHOSTS AND THE UNCANNY» über ihre Arbeiten diskutieren und philosophieren und damit konkret Bezug auf die Bergwelt des Engadins nehmen. Das hochkarätig besetzte Symposium wird von Hans Ulrich Obrist, Co-Direktor der Serpentine Gallery, London, und Beatrix Ruf, Direktorin der Kunsthalle Zürich, geleitet. Gründungsdirektorin ist die Züricher Verlegerin Cristina Bechtler.

SHORTCUT ST. MORITZ ART MASTERS vom 23. August bis 1. September 2013 im Engadin. www.stmoritzartmasters.com

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St. Moritz Art Masters, 23.08. - 01.09.2013 Kunst- und Kulturinteressierte sind herzlich eingeladen, eine Vielzahl erstklassiger Ausstellungen an ungewöhnlichen Orten in und um St. Moritz zu sehen, an Workshops und Symposien teilzunehmen und sich vor der weltweit einzigartigen Kulisse des Engadins auf ein vorzügliches kulturelles Programm einzulassen. Mit dem länderspezifischen Schwerpunkt China setzen wir in diesem Jahr einen besonderen Fokus: wir präsentieren eine monumentale Skulptur des Konzeptkünstlers Ai Weiwei, Arbeiten junger Künstler aus der Sichuan Region, eine Fotoausstellung des Pulitzer Preisträgers Liu Heung Shing, sowie Werke des Malers und Bildhauers Shao Fan. Ausserdem kuratiert der Schweizer Sammler und China-Experte Prof. Uli Sigg eine Ausstellung mit grossformatigen Werken junger chinesischer Künstler seiner Sammlung. Gespräche und Veranstaltungen, die in das vielschichtige Land einführen, runden unseren Länderschwerpunkt China ab.

Internationalität und lokale Verankerung zeigen sich in zahlreichen künstlerischen Beiträgen. Aus den USA sind beispielsweise der legendäre MultiMedia Künstler Robert Wilson und der Maler und Bildhauer Donald Baechler vertreten. Mit dem Belgier und Biennale-Teilnehmer Jan Fabre, dem Kölner Bildhauer Hubert Kiecol, dem Schweizer Künstler Olaf Breuning und mit Werken des französischen Künstlers Sébastien de Ganay werden skulpturale Schwerpunkte im öffentlichen Raum gesetzt. Bei den Engadin Art Talks / E.A.T., die in 2013 zum vierten Mal in Folge im Rahmen der St. Moritz Art Masters stattfinden, werden nationale und internationale Künstler, Architekten und Schriftsteller im Kontext von „GHOSTS AND THE UNCANNY“ über ihre Arbeiten diskutieren und philosophieren und damit konkret Bezug auf die Bergwelt des Engadin nehmen. Das hochkarätig besetzte Symposium wird von Hans Ulrich Obrist, Co-Direktor der Serpentine Gallery, London und Beatrix Ruf, Direktorin der Kunsthalle Zürich geleitet.

St. Moritz Art Masters Office St. Moritz · Via Maistra 24 · Postfach 82 · CH-7500 St. Moritz Tel +41 81 833 10 28 · Fax +41 86081 833 10 28 info@stmoritzartmasters.com · www.stmoritzartmasters.com

ST. MORITZ ART MASTERS · T +41 81 833 1028 · www.stmoritzartmasters.com

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Tobias Rehberger · St. Moritz Art Masters 2013 · © SAM

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Das einzig

wahre Derby

der Schweiz Seit der Schaffung des Swiss Derbys 1981 sind die Akteure des internationalen Pferderennsportes in Frauenfeld anzutreffen. Rennverein Frauenfeld

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Das Derby ist das bedeutendste Rennen im Turf, denn jeder Vollblüter erhält nur einmal im Alter von drei Jahren die Chance, einen Teil des Preisgeldes von CHF 100’000.– und den prestigeträchtigen Sieg in der Schweiz zu holen. Tausende Zuschauer fiebern jeweils am Derby-Sonntag in Frauenfeld zusammen mit Besitzern und Trainern dem Sieg ihres Favoriten entgegen. Wer aufs richtige Pferd gesetzt hat, holt sich danach am Wettschalter seinen Gewinn ab.

Wie das Derby zu seinem Namen kam Die Legende will, dass ein Münzwurf diese Namensgebung entschieden hat. Lord Derby und sein guter Freund Sir Charles Bunbury warfen die Münze. Lord Derby tippte richtig und durfte dafür dem Rennen seinen Namen geben. Als Derby geht die im Jahre 1780 erstmalig durchgeführte Prüfung für dreijährige Hengste und Stuten aus englischer Vollblutzucht im englischen Epsom schliesslich in die Geschichte ein.

Die schnellste Zeit Das Rennen führt über 2 400 Meter, eineinhalb Runden über die 1 500 Meter lange Bahn in Frauenfeld. Mit 2 Minuten 30,8 Sekunden hält Financial Future unter Brigitte Renk seit 2003 die schnellste Zeit im Derby. Dies entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 57,3 km/h. Brigitte Renk ist die einzige Schweizerin und die einzige Frau, die das Schweizer Derby bisher gewonnen hat, und dies gleich zweimal.

Der Hut setzt dem Derby die Krone auf

Schweizer Sieger im 33. Swiss Derby ist Frederic Spanu auf Crosstown.

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Und schliesslich fasziniert nicht nur das Geschehen auf der Rennbahn, sondern auch die wohlgekleideten Gäste, die neben der Rennbahn anzutreffen sind. Royal Ascot ist der Inbegriff von hochklassigen Pferderennen mit royalen Besuchern und vor allem von extravaganten Hutkreationen. Am Swiss Derby ist der Concours d’Elégance die schönste Nebensache auf dem Rennplatz.


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Das Musiktalent

vom Lac Léman

Bastian

Baker

Mit seiner Stimme, die weich und sanft in seinen Balladen erklingt, die aber auch rockig und wild sein kann, wenn er auf der Bühne mit seiner Gitarre spielt, verzaubert und zieht er seine Zuhörerinnen und Zuhörer in den Bann. Die Rede ist hier von dem heute 22-jährigen Songwriter und Sänger Bastian Baker aus Lausanne. Matthias Benjamin Grupp

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Š Elsa Guillet

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CULTURE

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Der ehemalige Hockeyspieler verschrieb sich vor gut zwei Jahren voll und ganz der Musik. Schon als kleiner Junge sang er und schrieb sogar eigene Gedichte. Mit 15 Jahren begann er, seine ersten Lieder zu komponieren. Die Leidenschaft und Begabung für die Musik seit seiner frühen Kindheit liess nie nach. Und plötzlich wurde er entdeckt. Gut fünf Jahre später durfte er dann nämlich an einem kleinen Festival in Crans Montana spielen. Nur eine Woche später spielte er in einer Bar in Zermatt, in der auch Claude Nobs, der legendäre Mitbegründer des Jazz-Festivals in Montreux, auf ihn aufmerksam wurde und ihm ermöglichte, am folgenden Jazz-Festival in Montreux zu spielen. Der Aufstieg des Jungtalents nahm damit seinen fast schon wunderhaften Lauf. In der Nähe von Montreux leben nämlich auch seine Eltern und Bastian kannte das Festival schon gut als Fan. Sozusagen zu Hause zu spielen, sollte ihm das Glück bringen, seine Lieder hinaus in die Welt tragen zu können. Sein Album «Tomorrow may not be better» erreichte in der Schweiz Platz 3 und hielt sich 76 Wochen in den Charts. Während die Albumversion des Songs mit seinen elanvollen und rhythmischen Gitarrenschlägen das Rock ’n’ Roll-Tanzbein in Bewegung bringt, regt die Pianoversion mit einem Hauch von Melancholie eher zum Nachdenken an. Im Moment erobert er Belgien und Frankreich mit seiner Musik und auch in den USA sind Auftritte geplant. Im Rahmen des diesjährigen Mycokemusic-Soundcheck-Contests 2013 im «Plaza» in Zürich, bei dem Bastian Baker mit in der Jury vertreten war, konnte sich PRESTIGE mit dem sympathischen Jungtalent unterhalten. Da eine Gruppe von Fans einer Band unterwegs in einem Bus von der Polizei angehalten wurde, verschob sich der Zeitplan inklusive auch meines Interviews. In dem noch leeren Saal wartend, beobachtete ich die Kameraleute, die ihren Kran doch noch schnell anders positionierten, als sich plötzlich jemand neben mich gesellte und sagte: «Hallo, ich bin der Bastian, und Du?» Ich freute mich und sagte: «Ich bin der Mats und wir plaudern nachher ein bisschen zusammen.» Was dann dabei herauskam, können Sie nachfolgend lesen.

PRESTIGE: Bevor Du als Sänger und Musiker bekannt wurdest, warst Du auf dem Weg, professioneller Eishockey-Spieler zu werden. Dann kam alles doch anders. Erinnerst Du Dich an den Moment der Entscheidungsfindung? Wie reagierte Dein Umfeld denn darauf? Bastian Baker: Es war nicht eines Morgens, als ich entschied, meine Gitarre zu nehmen und in die Welt hinauszugehen. Ich mache ja schon seit Ewigkeiten Musik, nicht nur für mich, sondern auch in Bars oder an Hochzeiten. Das war noch in Lausanne, aber ich wusste, von dort musste ich wegkommen. Es wurde mir gesagt, dass ich mich entweder zu 100 Prozent dem Eishockey verschreiben oder etwas anderes tun sollte. Und plötzlich eröffnete sich die Gelegenheit, mich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Ich fand einen Produzenten und alles begann mit meinem Lied «lucky». Ich war wirklich ein echter Glückspilz. Noch immer spielte ich Eishockey und machte ein Studium an der Universität in Geschichte und Französisch. Nach der Produktion der ersten Single ging es nicht lange und plötzlich wurde sie im Radio gespielt ...

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© Heather Sommerfield

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Das klingt nach einer Überraschung ... Für mich war es eine. Du fährst eines Tages wie immer im Auto und hörst dich plötzlich selbst im Radio, das ist doch einfach nur verrückt, ein solcher Moment. Wir hatten zwar die Single an Radios gesendet, aber wir wussten nicht, ob und wann sie gespielt werden würde. Stell dir vor, du fährst Radio hörend und nach Rihanna kommt der Baker ... ich selbst! Danach hatten wir ein paar Auftritte und mehr und mehr Radios interessierten sich für meine Musik. Es war Saisonschluss im Eishockey und ich sagte mir: Na dann suche ich einfach keinen neuen Club und mache mit Musik weiter. Ein echter Kindertraum ging für mich damit in Erfüllung, den ich nunmehr seit mehr als zwei Jahren erleben darf.

Wie war der Moment, als Du Deine eigene CD in den Händen halten konntest? Das ist ein ziemlich starkes Gefühl. Du fängst ja bei null an. Dies zeigt sich noch deutlicher, wenn man die Musik selber schreibt und komponiert. Alles lief sehr gut und mit 40’000 in der Schweiz verkauften CDs bin ich sehr glücklich. Für die erste CD ist das einfach super. Meine zweite CD ist auch bald fertig und wird ja noch dieses Jahr erscheinen.

Bastian, Du bist relativ jung und Deine Texte zeugen von einer ans Herz gehenden Tiefe. Hast Du selbst das Gefühl, in den letzten zwei Jahren reifer geworden zu sein? Ich glaube, ich habe dieses Gefühl nicht, nein. Weisst Du, die ersten Songs, die ich zwischen 15 und 19 schrieb, entstanden in einer Zeit, die ich «die Fragezeit» nennen würde. Das Gefühl, dass ein Tag sehr schnell vorbei ist und du irgendwie zu nichts Zeit hast, begleitete mich damals sehr intensiv. Der Song «Tomorrow may not be better» erscheint negativ, und so war er, als ich ihn schrieb, auch gemeint. Doch mit der ersten Platte habe ich irgendwie eine Antwort darauf erhalten, und heute betrachte ich den Song anders. Jede Minute ist eigentlich dazu da, um sie zu leben, etwas daraus zu machen und davon zu profitieren. Das Thema der ersten Platte handelt im Grunde von der Angst vor der Zeit, sei es die Vergangenheit, die Gegenwart oder auch die Zukunft. Ich mag es eigentlich, wenn ich Herr über die Dinge bin, aber die Zeit kannst du nicht kontrollieren.

Wovor hattest Du denn Angst? Zum Beispiel vor dem Alltag, wenn du einen Beruf hast, bei dem du jeden Tag im gleichen Büro bist, das gleiche Fenster vor dir hast und auf demselben Stuhl sitzt. Es mag für manche Menschen so passen, aber ich brauche ... (holt tief Luft) ich mag es, Gewohnheiten durch Neues zu ersetzen. Meine erste Platte ist wirklich sehr autobiographisch, sie handelt über das, was ich gesehen oder erlebt habe, die zweite ist eher deskriptiv, also beobachtend.

Wenn man Dich in Interviews auf Französisch sprechen sieht, erscheinst Du anders als auf Englisch oder Deutsch. Irgendwie bist Du in Deiner Sprache der wahre Lebemensch ... dann sprichst Du viel und lieber? Klar, Französisch ist meine Sprache, wenn es ums Sprechen geht. Anders beim Singen, da ist Englisch genauso wichtig. Aber beim Französischen habe ich die Mittel, mich auszudrücken, zum Beispiel wenn es um Humor geht. Wenn ich Schweizerdeutsch spreche, dann kommt halt noch der Akzent dazu. Ich mochte Sprachen schon immer, ich habe ja auch Italienisch und Spanisch gelernt. In Mathematik und Biologie war ich immer schlecht und sah irgendwie keinen Sinn darin, warum es mir etwas bringen könnte. Wenn ich im Leben etwas mache, dann möchte ich gern auch einen Sinn für mich darin erkennen können.

Du lebst noch bei Deinen Eltern, wenn Du nicht unterwegs bist ...? Ja, aber das bedeutet ein oder zwei Nächte alle zwei Monate, weil ich immer unterwegs bin. Manchmal schlafe ich auch bei meiner Grossmutter oder auf dem Sofa von Kollegen. Bis vor sechs Monaten hatte ich noch eine Wohnung und dann wurde mir klar, dass ich in vier Monaten nur drei Mal dort geschlafen hatte. Ausserdem mag ich es nicht so, allein zu sein.

Wohin würde es Dich denn ziehen, könntest Du zum Beispiel ins Ausland gehen? Ich mag die Schweiz sehr und fühle mich mit ihr verbunden. Vielleicht als Erfahrung würde ich im Ausland leben, doch die Schweiz ist mein Zuhause. Ich weiss nicht warum, es ist einfach die Romandie mit dem See und den Bergen. Auf meiner Terrasse zuhause ist der schönste Platz auf der Welt. Eben vorhin bekam ich von meiner Mutter ein Foto mit Sonnenuntergang. Die Schweiz ist wunderschön im Sommer und im Winter.

Was sind Deine weiteren Projekte, Pläne und Ziele? An Deinen Konzerten sieht man viele junge Frauen, es scheint, als würdest Du Dich als Sänger in einem Klischee von einem Musiker mit bestimmter Zielgruppe befinden. Wenn man aber Deine Lieder hört oder Deine Videos sieht, fühlt sich wohl jedermann angesprochen. Hast Du denn ein Zielpublikum? Das ist klischeehaft, denn auf der letzten Tour im Dezember waren Leute wie Du im Publikum oder Männer mit langen Haaren und Lederjacken. Wir spielen Rock ’n’ Roll. Ich mache nicht Musik, um ein bestimmtes Publikum anzusprechen. Erst wenn du weisst, wie es ist, vor niemandem zu spielen, verstehst du, wie cool es ist, überhaupt ein Publikum zu haben. Meine Texte sind mir sehr wichtig und natürlich freue ich mich darüber, wenn auch ältere Menschen an meiner Musik Freude haben.

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Ich glaube, ich kann Dir nicht sagen, welches Ziel ich verfolgen möchte. Jeder Tag ist einzigartig und jeden Tag hast du etwas Neues im Kopf. Wenn ich zu sehr auf etwas fixiert wäre, würde ich meine Offenheit verlieren. Ich würde sagen, weitergehen wie bisher, das ist der Weg. Ich arbeite sehr viel, es ist anstrengend, aber ich bin happy und es ist ein Privileg, so arbeiten zu dürfen. Musiker möchten jeden Tag arbeiten. Wir sind im Moment viel im Ausland und ja, Japan und China fassen wir schon ins Auge ... mal schauen.


© Christoph Koestlin

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Der Japaner Makoto Azuma ist der Superstar unter den Floristen. Seine Blumenarrangements sind vergängliche Skulpturen voller SchÜnheit und Poesie. Yvonne Beck

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CULTURE

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Blumen sind seit Jahrtausenden ein universelles Kulturobjekt. Sie sind nicht nur weltweit ein wichtiger ästhetischer Bestandteil des Alltags, sondern waren stets ein symbolträchtiger Topos der Kunstgeschichte. Mit seinen «botanischen Installationen», in denen er aus Pflanzen, Blumen oder deren Bestandteilen ungewöhnliche neue Formen zusammenstellt, hat Makoto Azuma im Laufe der letzten Jahre in der Kunstwelt für Furore gesorgt. Ausgehend von der japanischen Tradition des «Ikebana» – der japanischen Kunst, Blumen zu arrangieren –, erschafft Azuma neuartige, nie gesehene Ästhetiken, indem er ungewöhnliche, auch exotische Pflanzen, die in der Natur niemals aufeinandertreffen würden, zu erstaunlichen Arrangements zusammenfügt.

Der Popstar unter den Floristen Der 1976 in Fukuka geborene und aufgewachsene IkebanaKünstler Makoto Azuma verbindet die japanische Kunstform des Ikebana mit aussergewöhnlichen Ausdrucksformen der Moderne und erschafft so eindrückliche Installationen. Kein Wunder gilt er als Popstar unter den japanischen Blumenkünstlern. Die Werke Azumas zeigen das Edle, Einzigartige und Geheimnisvolle der Blumen und Pflanzen. Seine Arbeiten konzentrieren sich auf das Durchdringen und Präsentieren ihrer einzelnen Facetten, ihren Geist, um sie in ihrer Verletzlichkeit in künstlerischer Vollendung zu einer neuen Einheit zu verbinden. Längst sind seine Werke nicht mehr für die häusliche Dekoration gedacht, vielmehr sind sie in Galerien, Ausstellungen, Modeshows oder in Werbekampagnen zu bewundern. Seine Schöpfungen haben in der ganzen Welt Anerkennung gewonnen. PRESTIGE traf den Künstler im Rahmen der «Belle Epoque Florale»Lancierung aus dem Hause Perrier-Jouët und sprach mit ihm über die Magie der Blumen und den Zauber der Vergänglichkeit.

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BOROS

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PRESTIGE: Ikebana ist eine sehr alte traditionelle japanische Kunstform. Worin unterscheiden sich Ihre florale Skulpturen von dieser? Makoto Azuma: Ikebana ist das kunstvolle Arrangieren von Blumen. Der Platz zwischen den Blumen und ihre Anordnung. Meine Arbeiten sind jedoch in sich selbst komplett abgeschlossen. Ausgehend von der Tradition des Ikebana habe ich eine neue Ausdrucksform geschaffen. Ich kombiniere Blüten, Blätter, Pflanzenteile und ganze Pflanzen, um sie in ungewohnte Zusammenhänge zu bringen. Die Welt der Blumenkunst hat sich verändert.

Seit wann arbeiten Sie mit Blumen? Seit ungefähr 15 Jahren.

Wollten Sie schon immer Florist werden und woher stammt Ihre BlumenPassion? Als ich nach Tokio kam, wollte ich Rockmusiker werden. Ich arbeitete nur stundenweise in einem Blumengeschäft. Doch die Blumenwelt nahm mich gefangen und lässt mich bis heute nicht mehr los. 2001 eröffnete ich im Tokioter Ginza-Viertel meinen Laden «Jardins de Fleurs». Seitdem lebe ich ständig mit und für Blumen. Meine Passion zu Blumen entspringt aus den Pflanzen selbst. Ich denke 365 Tage im Jahr an sie, ich fasse sie an und überlege mir ständig, wie ich mit meinen eigenen Händen ihre Schönheit und ihren Zauber nachzeichnen kann.

Haben Sie neben Blumen und Pflanzen noch andere Hobbys oder Leidenschaften? Ich denke, es ist meine Bestimmung, Blumen und Pflanzen in ein anderes, ein leuchtendes Licht zu tauchen. Ihre Bedeutung herauszuarbeiten. Ich versuche, dieses durch meine Skulpturen zu erreichen. Hier hinein stecke ich all meine Leidenschaft und Energie, so bleibt keine Zeit mehr für weitere Hobbys. Vielleicht noch ab und zu die Musik, aber ansonsten widme ich mein Leben den Blumen.

In Ihren Skulpturen verwenden Sie die unterschiedlichsten Blumensorten, oftmals sehr exotische. Woher beziehen Sie Ihr Arbeitsmaterial? Ich gehe sehr häufig auf den Ota-Markt in Tokio. Auf diesem Blumenmarkt werden über 70’000 Pflanzenarten angeboten, quer durch alle Klimazonen und Jahreszeiten. Und jedes Jahr kommen neue Züchtungen dazu. Ich versuche jedoch, sehr gezielt einzukaufen, denn der Verschleiss von Blumen im kommerziellen Umfeld ist mir zuwider. Täglich landen Berge von nicht gekauften Blumen im Abfall – was für eine Verschwendung und Missachtung der Schönheit der Natur.

Aber für Ihre Arbeiten werden auch Blumen gepflückt. Und in dem Moment, wo man sie ihrer Wurzeln beraubt, ja eigentlich auch getötet … Stimmt, doch ich versuche, aus den Pflanzen noch mehr Schönheit herauszuholen. Ich ehre die Blume durch meine Arbeit, setze ihr ein Denkmal. Oder zeige sie in einem gänzlich neuen Licht, indem ich Blüten und Blätter neu kombiniere. So kann es vorkommen, dass bei meinen Arrangements eine blutrote Päonie auf dem Zweig eines Aprikosenbaums wächst oder der Freesie das Blatt einer Akazie gewachsen ist. Diese Kompositionen sehen dann aus wie eine ganz neue Pflanze. Doch im Grunde genommen haben Sie Recht. Meine Arbeit ist ein Dilemma: Um das Leben und die Schönheit der Blumen herauszuarbeiten, müssen sie zuerst geschnitten – also getötet werden.

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Pflanzen und Blumen sind vergänglich, das bedeutet, auch Ihre Kunstwerke sind es. Macht es Sie nicht traurig, etwas zu erschaffen, was nicht lange überdauert? Manchmal ja, aber es ist gerade dieser Aspekt, der Pflanzen noch schöner macht. Erst die Vergänglichkeit macht meine Skulpturen zu dem, was sie sind. Manchmal, das gebe ich zu, versuche ich, diese Vergänglichkeit auszutricksen (lacht). Shunsuke Shiinoki, ebenfalls Florist, vor allem aber Fotograf stoppt mit seiner Kamera die Zeit und hält meine Blumen-Kreationen auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit fest.

Wie würden Sie Ihre Blumenskulpturen in wenigen Worten beschreiben und was wollen Sie mit ihnen ausdrücken? Leben und Tod – das sind die Schlüsselworte zu meiner Arbeit. Die einzigartige Schönheit der Pflanzen trifft Menschen mitten ins Herz, doch diese Verzauberung kann nur dadurch entstehen, weil Leben und Tod Seite an Seite präsent sind. Und diese ultimative Schönheit – den Zauber der Vergänglichkeit – versuche ich mit meiner Arbeit hervorzuheben.

Das Champagnerhaus Perrier-Jouët hat zum ersten Mal seit der Kreation seiner ikonischen Anemonenflasche durch den Jugendstilkünstler Émile Gallé im Jahre 1902 eine Adaption seines Flaschendesigns zugelassen. Macht es Sie stolz, dass man Sie ausgewählt hat? Das Werk Émile Gallés ist wundervoll. Man merkt sofort, dass er die Seele der Blumen und Pflanzen verstanden hat. Er spielt mit der Schönheit und Stärke einer Blume, die es so nur in der freien Natur geben kann. Er schuf meiner Meinung nach die schönste Champagnerflasche, die es jemals gab. Umso mehr fühle ich mich geehrt, für das Haus Perrier-Jouët arbeiten zu dürfen. Ich kannte Perrier-Jouët bereits. Häufig bekomme ich an Ausstellungen anstatt Blumen eine Flasche Belle Epoque geschenkt. Die Flaschen mit den japanischen weissen Anemonen sind bei uns sehr bekannt.

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Perrier-Jouët ist nicht der erste grosse Brand, für den Sie arbeiten. Von wem wurden Sie sonst noch angefragt? Oh, das sind viele und jedes Mal ist es spannend, sich in ein neues Projekt einzuarbeiten. Bei Perrier-Jouët habe ich viel mit dem Kreativteam von Belle Epoque kommuniziert. Es dauerte fast eineinhalb Monate, bis ich die ungefähre Designrichtung entwickelt hatte. Meine grösste Herausforderung war es, die Schönheit und Feinheit des Champagners aus einer zeitgenössischen Perspektive zu zeigen, gleichzeitig jedoch das Erbe Gallés, die Anemonen, zu ehren und einzubinden. Jedes Projekt, jeder Auftrag hat einen anderen Ansatz und man muss sich intensiv mit dem Produkt auseinandersetzen, um mit ihm zu arbeiten. Ich habe unter anderem für Issey Miyake, Adidas, Christian Dior oder Bulgari gearbeitet. Für Hermès liess ich beispielsweise eine Handtasche mit Moos bewachsen.

Was haben Champagner und Ihre Arbeit gemein? Oh, da gibt es viele Übereinstimmungen. Champagner ist ein Produkt, gegeben von Früchten der Natur, aber es steckt viel menschliche Arbeit in seinem Entstehungsprozess. Das ist ganz ähnlich wie bei Blumenarrangements: Ich stelle etwas zusammen und arbeite mit etwas, was die Natur mir zur Verfügung stellt. Beide Arbeiten haben zudem etwas mit Vorstellungskraft zu tun. Wie wird der Champagner zum Schluss schmecken, wie wird meine Skulptur aussehen und wirken.

Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus? Ich habe ein neues Buch herausgebracht. Es stellt meine Arbeit in einer gänzlich neuen Art, in Form einer botanischen Enzyklopädie, vor. Zudem plane ich Ausstellungen rund um die Welt. Mein grosser Traum ist es jedoch, einen botanischen Garten zu gestalten. Einen Garten, wie es ihn nie zuvor gegeben hat, und das mitten in der Millionenstadt Tokio.

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SHORTCUT Anemonen von Émile Gallé Im Jahre 1902 schuf der Glaskünstler für PerrierJouët ein exquisites Ornament aus weissen japanischen Anemonen. Dieses zeigt den Geist des Jugendstils, Alltagsobjekten Poesie einzuhauchen. Organische Linien und Formen, sich kreuzende Blätter und Ranken wurden zum Markenzeichen der Cuvée Belle Epoque und das ikonische Zeichen des Champagnerhauses. Makoto Azuma hat eine filigrane Spiegelung des Originaldesigns kreiert: eine zarte Arabeske, übersät mit weissen Anemonen. Seit Émile Gallé ist dies die erste Zusammenarbeit mit einem Künstler, weshalb Perrier-Jouët sich dazu entschloss, sie als limitierte Ausgabe herauszugeben. Als ein Kunstwerk in Grün und Weiss, leise durchschnitten von den gelben Stempeln der Anemone, erscheint die Komposition Makoto Azumas auf der weissen Box der limitierten Ausgabe der Cuvée Belle Epoque. Das Design wiederholt sich auf der Flasche, dezent neu interpretiert in Gold, mit stilisierten Blumen und Blättern, die sich um die weissen Anemonen von Émile Gallé ranken. Ein ungewöhnlicher Dialog zweier Künstler durch die Zeit.

Die Pflanzenwelt Makoto Azumas «Encyclopedia of Flowers» zeigt in farbenprächtigen Fotografien die atemberaubenden Blumenarrangements von Makoto Azuma – Begegnungen ungewöhnlicher, oft exotischer Pflanzen, die in der Natur nie aufeinandertreffen würden. Shunsuke Shiinoki macht mit seinen sorgfältig komponierten Fotografien die zarte Existenz der Blumen, ihre permanente Veränderung und ihre unvermeidliche Vergänglichkeit sichtbar. Ein Buch für Liebhaber von Blumen, Fotografie und Kunst.

«Encyclopedia of Flowers» Flower Works by Makoto Azuma Herausgegeben von Kyoko Wada Lars Müller Publishers

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kolumne Aus dem Leben eines Galeristen: Kunst – eine haarende Angelegenheit Vor einigen Jahren erwarb der amerikanische Schauspieler Silvester Stallone ein Werk von Anselm Kiefer. Bereits nach kurzer Zeit lösten sich einzelne Teile von der Arbeit ab. Das Werk «haarte». Stallone sah sich gezwungen, seinen Händler zu kontaktieren. Worauf dieser ihn darüber aufklärte, dass dies zum vorgesehenen natürlichen Verfallsprozess gehöre. Stallone verkaufte es daraufhin umgehend.

angelegt sind. Denn wer erwartet von Schokoladenskulpturen des Künstlers Dieter Roth, dass sie ewig halten? Schon die Plastik aus 21 in Schokolade eingegossenen Zwergen des Sammlerehepaars Jost und Barbara Herbig musste sehr schnell unter einer schützenden Plexiglasglocke verschwinden, bevor die Witterung das Schokoladenobjekt völlig zerstörte. Wilhelm J. Grusdat

Die Geschichte hat noch einen zweiten Aspekt: Denn natürlich wollte sich der Schauspieler nur ungern von seinem Kunstwerk trennen. Also klebte er anfangs die heruntergefallenen Strohhalme einzeln wieder an. Ich stelle mir gerne vor, wie sich der «Rocky»-Darsteller im Pyjama und entsprechend schlecht gelaunt mit Kleber und Halmen hantierend um das Kunstwerk bemüht. Allerdings greift er damit ganz massiv in das Kunstwerk ein. Ist es jetzt überhaupt noch ein echter Kiefer? Oder bereits ein Kiefer-Stallone-Hybrid? Wie lange bleibt ein Kunstwerk noch authentisch, wenn einzelne Bestandteile verändert wurden? Diese Frage muss man sich auch bei anderen Kunstwerken stellen. Wie steht es um Installationen von Dan Flavin, bei denen regelmässig einzelne Röhren ausgetauscht werden müssen? Oder bei dem Kunstwerk von Damien Hirst, das einen von Grund auf erneuerten Hai benötigte? Es ist leider nicht immer so, dass Künstler sich über die Haltbarkeit ihrer Werke Gedanken machen und die chemischen Reaktionen der verwendeten Stoffe bekannt sind. Dies gilt vor allem für zeitgenössische Künstler, die gerne mit neuen Materialien neue Ausdrucksmöglichkeiten auszuloten versuchen. Experten warnen davor, dass sich in den nächsten Jahren viele Kunstwerke des 20. Jahrhunderts auflösen werden. Nicht eingeschlossen solche Werke, die überhaupt nicht auf Dauerhaftigkeit

Andere Künstler legen regelrechte Ersatzteillager an oder entwickeln ganze Notfallszenarien. Dazu gehört etwa der Künstler Marc Quinn. In seiner Kunst setzt er sich mit Utopien von Unvergänglichkeit und Perfektion auseinander und verwendet dazu gerne vergängliche Werkstoffe wie Blumen und DNA-Stränge. Zu besonderer Berühmtheit gelangte sein Kunstwerk «Self» – der gläserne und mit fünf Liter Eigenblut gefüllte Abguss des Künstlerkopfes –, welches durch eine integrierte Kühlung ständig gefroren bleibt. Um das Werk gegen Stromausfälle zu schützen, ist es sogar mit einem eigenen Generator ausgestattet. Doch trotz aller Vorsichtsmassnahmen reichte schon ein gezogener Stecker, dass bei der 1991 vom Sammler Charles Saatchi erworbenen Fassung die Kühlung ausfiel. Herr Saatchi hat sich inzwischen von seinem Abgusskopf getrennt. Man sieht, wer heutzutage ein zeitgenössisches Kunstwerk kauft, ohne sich eine Anleitung für dessen Erhaltung mitliefern zu lassen, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus. Meiner Meinung nach sollten Kunstwerke Werte darstellen, die auch zukünftigen Generationen zugänglich sind. Insofern empfehle ich meinen Kunden nur Arbeiten, bei denen ich eine gewisse Haltbarkeit garantieren kann. Und mal ehrlich: Hätte Stallone diesen Kiefer gekauft, wenn er von dessen haarendem Problem gewusst hätte?

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Seit 25 Jahren kreiert Fiona Bennett originelle

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HĂźte und verschafft diesen in glamourĂśsen

zum

wie extravaganten Events

den richtigen Auftritt. Die Stilikone hauchte dem verstaubten Image des

Hut

Hutes neues Leben ein. Yvonne Beck

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Fiona Bennett wurde in Brighton in Grossbritannien geboren und kam als Kind nach Berlin. In einem der wenigen Hutateliers der Stadt erlernte sie das Handwerk der Modistin. Sie begann ihre Karriere Ende der 80er Jahre, einer Zeit, in der der Hut mehr als out war.

Bereits seit den 70er Jahren war das Tragen von Hüten verpönt. In einer Zeit, in der sich die Menschen von jeglichen Zwängen befreien wollten, gehörten dazu auch die Hutregeln, nicht barhäuptig aus dem Haus zu gehen. Dieser Befreiungsschlag läutete für lange Zeit den Tod des Hutes ein. Fiona Bennett machte den Hut jedoch wieder salonfähig. Denn trotz ihrer britischen Wurzeln unterscheiden sich Bennetts Arbeiten von denen der englischen Hutmacher. Während man in England einen sehr dekorativen, fast skulpturähnlichen Aspekt verfolgt, geht es der Berliner Hutmacherin um die feine, subtile Herausarbeitung von Persönlichkeiten. Sie unterstreicht die Schönheit eines Menschen und versucht, das Individuum sichtbar zu machen. So ist für Fiona Bennett der Hut auch längst kein schichtspezifisches Modeaccessoire mehr. Vielmehr macht sie Hüte für jeden Menschen, der den Wunsch verspürt, sich zu behüten und zu schmücken. So kauft bei ihr eine bunt gemischte Kundschaft ein, unter der sich auch grosse Hollywoodstars wie Katie Holmes und Brad Pitt befinden. Dank ihrer originellen Kreationen gilt Fiona Bennett als eine der wichtigsten Hut-Designerinnen. PRESTIGE sprach mit der Hutmacherin über ihre Passion zur Kopfbedeckung, ihre Liebe zu Berlin und ihre englischen Wurzeln.

PRESTIGE: Hutmacherin ist nicht gerade ein alltäglicher Beruf. Wie kamen Sie darauf, eine Lehre als Hutmacherin zu machen? Fiona Bennett: Als junge Frau wollte ich Bildhauerin werden. Als ich von diesem fast ausgestorbenen Handwerk erfuhr, war ich mir gleich sicher, dass dies das Richtige für mich ist.

Was macht einen guten Hut aus? Ein guter Hut unterstreicht die Qualitäten der Trägerin beziehungsweise des Trägers und wird eins mit der Person.

Was muss man als Hutmacherin mitbringen? Stilsicherheit. Menschenkenntnis, Phantasie, Geschick und einen wachen Verstand.

«Handwerker sind die, die ihrer Arbeit mit Hingabe nachgehen und sie um ihrer selbst willen gut machen wollen.» Sehen Sie sich selbst als Handwerkerin oder eher als Künstlerin? Oder anders gefragt: Sind Ihre Hüte eher modisches Accessoire oder Kunstobjekte? Ich nutze das Handwerk als Vehikel für meine Kunst. Die Vergänglichkeit der Mode interessiert mich nicht.

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The Luxury Way of Life | 75


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Sie haben englische Wurzeln, die Engländer lieben Hüte – denken Sie, Ihnen liegt diese Liebe im Blut? Oder woher stammt Ihre Passion, Hüte zu kreieren? Dank meiner Wurzeln habe ich eine Portion englischer Exzentrik mitbekommen. Ich liebe das Schöne. Ich liebe Formen. Ich liebe Qualität und Haltung.

In England gehört der Hut zum guten Ton. In Deutschland oder der Schweiz werden Häupter bedeutend seltener bekleidet, was denken Sie, woran das liegt?

Sie sind nach vielen Jahren vom Ostteil Berlins zurück in den Westen gezogen. Warum, und was hat sich für Sie dadurch verändert? Ich bin in gewachsene Strukturen zurückgekehrt. Der Ostteil im Zentrum fühlte sich für mich künstlich an. Ich brauche einen normalen Bäcker und den Zeitungsmann, der mir einen guten Tag wünscht. Die kleinen Dinge im Alltag machen mir Freude, das war in Mitte nicht mehr vorhanden.

Die Engländer pflegen ihre Traditionen und sind verspielter. Hinzu kommt der berühmte englische Humor! In Deutschland liebt man den Minimalismus. Frei nach: Weniger ist mehr. Ich finde das jedoch falsch: Mehr ist mehr! Oder was meinen Sie?

Gibt es für Sie Vorbilder? Wer oder was inspiriert Sie?

Hat sich das Image des Hutes in den letzten Jahren verändert und wenn ja inwiefern?

Ich hatte nie Vorbilder: Ich habe genügend Bilder in meinem Kopf. Mich inspirieren mutige, selbstbewusste und authentische Menschen.

Der Hut ist kein Fremdkörper mehr. Man sieht ihn wieder häufiger im Alltag. Auf jeden Fall ist die Neugier da, das ich sehe täglich in unserem Hutgeschäft. Oft wird nur auf den richtigen Anlass gewartet, um endlich den ersten Kopfschmuck zu kaufen. Häufig sind die Kunden dann infiziert und bleiben uns treu.

Was für einen Hut würden Sie für die Queen entwerfen? Ich finde ihre Hutkreationen sehr passend. Ich würde nichts verändern wollen.

Wer gehört zu Ihren Kunden? Ich habe eine sehr breit gefächerte internationale Kundschaft.

Für wen würden Sie gerne mal einen Hut entwerfen und wie sähe dieser aus? Für eigentlich jeden, der mutig eine neue Herausforderung im Leben sucht.

Am Ende Ihres Buches «Vom Locken der Federn» steht eine Art Liebeserklärung an Berlin – inwieweit hat diese Stadt Ihre Arbeit beeinflusst? Was mögen Sie an Berlin und was nicht? Berlin hat mich nie zur Ruhe kommen lassen. Berlin hat mich geprägt und herausgefordert. Ich liebe die Vielschichtigkeit der Menschen hier, die Toleranz und Grosszügigkeit. Ich mag jedoch nicht die Formlosigkeit und die Unhöflichkeit.

In Ihrem Buch sagen Sie auch, dass heute in Berlin nur Events gesponsort werden mit erhöhtem Promi- und Champagneraufkommen. Spontane verrückte Events eher in den 90er Jahren gang und gäbe waren. Trotzdem gilt im Ausland Berlin als Kreativmetropole Europas. Wie gross war das künstlerische Potential Berlins zu Beginn Ihrer Karriere und wie gross ist es jetzt? Ich denke, Berlin wird immer eine kreative Metropole sein. Die 90er Jahre und das heutige Berlin sind nicht vergleichbar. Es gibt völlig neue Spielregeln, damals war das kreative Happening für alle von Interesse, heute hingegen geht es um Verkaufszahlen und geschicktes Marketing.

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Ein Hut ist für Sie in drei Worten … Der krönende Abschluss und der König der Accessoires.


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SHORTCUT Ein Leben als Modistin – Muse – Stilikone In ihrem Buch berichtet Fiona Bennett von ihrer Kindheit in Brighton und wie sie nach Berlin gekommen ist, von ihrer Passion – dem Hütemachen, über ihre Begegnungen mit Berühmtheiten wie Katie Holmes oder Brad Pitt, aber auch von ihren Erlebnissen als Mutter und experimentierfreudige Unternehmerin in der lebhaften Berliner Fashion-, Kunst- und Musikszene. Sie war Teil der ersten Love-Parade, hat Rammstein eingekleidet (und sie bei deren erstem Konzert auf der Münchner Praterinsel begleitet), war mit dem Münchner Künstler Wolfgang Flatz zusammen und hat die Geburtstagsfeier für den «Playboy» in München inszeniert. Unter anderem. Die oft komischen, immer spannenden und reichhaltig illustrierten Episoden aus Fiona Bennetts Leben ergeben zugleich auch ein Porträt der drei Berlins, in denen sie gelebt hat: das von der Mauer eingeschlossene Skurrilitätenbiotop der 80er, die euphorische Nachwendehauptstadt der 90er und die hippe, sich ständig neu erfindende Künstlermetropole von heute. Vor diesem Hintergrund erzählt sie von ihren Rückschlägen, von ihren Erfolgen und ihrem Aufbruch in persönliche und unternehmerische Abenteuer in dieser Stadt, der sie mal zufällig, mal aus freien Stücken treu blieb und die sie auf ihre unkonventionelle Weise mitprägte.

«Vom Locken der Federn» Ein Leben als Modistin – Muse – Stilikone von Fiona Bennett und Eva Sichelschmidt Knesebeck Verlag

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des Pferdes Traditionelle Handwerkskunst im Hause Hermès Yvonne Beck

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Ein jeder kennt die legendäre Kelly Bag aus dem Hause Hermès, hinter der Namenspatronin Grace Kelly einst ihren Babybauch versteckte. Auch dass aus dem Hause hochwertige Seidenfoulards und wohlduftende Parfums stammen, dürfte bekannt sein. Dass jedoch alles mit Sätteln begann und diese Tradition noch heute gepflegt wird, wissen nur eingefleischte Hermès-Fans. The Luxury Way of Life | 83


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Das Pferd und Hermès ist eine Liebesgeschichte, die vor über 175 Jahren begann. Im Jahre 1837 eröffnete Thierry Hermès in Paris sein erstes Ladengeschäft nahe der Madeleine. Es handelte sich um einen Betrieb, der hochwertiges Pferdegeschirr und Zaumzeug sowie ab 1867 Sättel für Pferde herstellte. Zu dieser Zeit war der Verkehr geprägt von Pferden, Reitern und Kutschengespannen und der Bedarf an Pferdezubehör war gross.

Im Zeichen des Pferdes Seit der Gründung des Hauses Hermès im Jahr 1837 markieren Pferde also wichtige Meilensteine auf dem Weg des Unternehmens – ob in gestrecktem Galopp auf der Webseite «Les Ailes d’Hermès» oder sich aufbäumend auf dem Dach von Hermès-Dépendancen wie beispielsweise dem «Maison» im Ginza-Distrikt in Tokio. Auch eins der berühmtesten Tücher von Hermès, «Brides de Gala», wurde vom Sattelzeug inspiriert. Bereits im Jahr 1867 errang Sattlermeister Thierry Hermès mit seinen Kreationen die erste Medaille bei der Pariser Weltausstellung. Und schon bald orderten europäische Fürsten und königliche Regenten aus Japan, Argentinien, Brasilien, Annam sowie Siam Sattlerwaren bei Hermès und trugen den Namen in die ganze Welt. In der wohlhabenden Schicht war es keine Seltenheit, mehrere, unterschiedliche Kutschen zu besitzen. Für diese Klientel bot das Haus Hermès hochwertige Ausrüstung wie Sättel und Pferdegeschirr sowie Zubehör im gehobenen Preissegment an. Es ist jedoch eine schöne Mär, dass einst eine Kundin gesagt haben soll, dass sie es leid sei, dass ihr Pferd besser angezogen sei als sie selbst und daraufhin Hermès sein Sortiment auf den Bekleidungssektor ausgeweitet habe. Viel eher lag es daran, dass die ersten Autos die Kutschen und Pferde verdrängten und somit die Nachfrage nach Reitzubehör geringer wurde. Zudem lag es nahe, dass man, nachdem Hermès sich das Patent für den Reissverschluss sichern liess, diesen auch in Jacken und Reisetaschen zu verwenden suchte. So wurde das Sortiment allmählich um Taschen, Reisegepäck und Lederwaren jeglicher Art vergrössert. Anfang der 20er-Jahre kamen Sportbekleidung Bademode, Skimode, Strickwaren hinzu. Aus Seide fertigte man zudem Schals und Tücher an. Doch noch immer ist in jeder noch so kleinen Boutique eine Ecke dem Ursprung des Hauses, dem Pferd, gewidmet. Im Sattelstich von Meisterhand genähte Lederwaren waren somit stets das unverwechselbare Kennzeichen des Hauses. Im Zeichen eines neuen Lifestyles entstanden zwar Handtaschen, Handschuhe, Accessoires und Kleidung. Sogar auf Automobile, Inneneinrichtungen und – seit neuestem – Helikopter- und Bootsausstattungen richteten die Hermès-Designer ihr kreatives Augenmerk, doch niemals verlor man dabei die Wurzeln des ehemaligen Sattlereibetriebs aus dem Blick. Und so geben seit nunmehr sechs Generationen die Pferde bei Hermès die Richtung und den Rhythmus vor.

Fest im Sattel Hermès hat in der Welt einen besonderen, traditionellen Ruf als exklusiver Hersteller von Sätteln, auf denen die Weltelite der Reiter zum Sieg geritten ist. Und so steht die Sattelmacherkunst auch heute noch im Mittelpunkt des Hauses. An der berühmten Adresse 24, Faubourg Saint-Honoré, an welcher das Unternehmen seit 1880 seinen Stammsitz hat – wird sie nach wie vor mit grosser Hingabe gepflegt. Die Sattlerei befindet sich in den oberen Stockwerken des Hauses. Hier werden jedoch nur kleine Reparaturen vorgenommen, alle neuen Hermès-Sättel, etwa 450 Stück im Jahr, werden am Rand von

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Fashion

Paris gefertigt, und dies von Handwerkern, die meist bei Hermès ausgebildet wurden. Hier befindet sich auch die Werkstätte von Sattlermeister Vincent Léopold. Seit 19 Jahren arbeitet er für das Haus Hermès und noch immer, nach über 1 000 angefertigten Sätteln, ist er stolz, wenn er einen von ihm angefertigten Sattel sieht. Ein jeder Sattler ist für «seinen» Sattel allein verantwortlich, vom Zuschneiden des Leders bis zum Finish mit Spezialöl. Die Herstellung eines Standard-Sattels dauert circa 25 Stunden, 40 Stunden benötigt man für einen Sattel nach Mass. Ein Charakteristikum der Hermès-Sättel ist ihre ausserordentliche Lebensdauer. 30 bis 40 Jahre Lebensdauer sind keine Seltenheit. Ein Sattel, der im Jahre 1927 hergestellt wurde, ist noch heute in Gebrauch. Viele werden nach Jahren zur Aufarbeitung nach Paris geschickt und sind nachher so gut wie «neu». Ein wichtiger Grund für die lange Lebensdauer ist der bei Hermès für alle Lederartikel übliche «Sattlerstich», bei dem mit zwei Fäden gearbeitet wird, die in jedem Loch einzeln verknotet werden und damit eine ausserordentliche Festigkeit erreichen. Jeder Sattel ist mit einem «Brandzeichen», dem H für Hermès, und einer Nummer versehen. Diese Nummer wird in den Auftragsbüchern zusammen mit allen Details und Sonderwünschen der Kundschaft eingetragen. So kann auf Jahrzehnte hinaus zurückverfolgt werden, wer den Sattel bestellt hat, wer ihn angefertigt hat und wohin er geliefert wurde. Das älteste noch vorhandene Auftragsbuch stammt aus dem Jahre 1909. Aus ihm ist zu entnehmen, dass Hermès damals bevorzugt die Aristokraten der Welt belieferte. Von den Vanderbilts über die Rothschilds bis hin zum russischen Zarenhof. Heute lassen sich eher Profireiter von Hermès ausstatten. Internationale Spitzenreiter lieben den perfekten Close-Contact der Sättel, die Nähe zum Pferd und ihre perfekte Passform. Einige Modelle haben gar ihre eigene Geschichte: Der Reitsattel «Corlandus» ist nach jenem Rennpferd benannt, auf dem die französische Reiterin Margit Otto-Crépin bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul die Silbermedaille in der Dressur gewonnen hat. Als erster US-amerikanischer Olympiasieger war der Springreiter Steinkraus an der Entwicklung des speziell für ihn gefertigten Sattels aktiv beteiligt und verlieh ihm seinen Namen. Auf den Steinkraus folgten weitere Sättel wie Oxer, Essentielle, Brasilia und der HightechSattel Talaris, ein Sattel, der meisterliche Handwerkskunst mit modernster Technologie verbindet. Auch der auf dem diesjährigen «Saut d’Hermès»-Turnier in Paris vorgestellte Springsattel Cavale reiht sich nahtlos in diese glorreiche Ahnenfolge seiner Vorgänger. Springreiter schwärmen von seiner Passform und Leichtigkeit. Zudem ist er noch äusserst schön anzuschauen. Doch Hermès-Sättel werden nicht nur von passionierten Reiterprofis bestellt, sondern auch von Institutionen wie der Spanischen Hofreitschule in Wien. Es gibt Sättel für die Jagd, Dressur, Springen, Polo oder einfach nur den Freizeitsport. Die Standardmodelle kosten um die 4 500 Euro und sind, bedenkt man die hervorragende Qualität und die lange Lebensdauer eines HermèsSattels, durchaus erschwinglich und eine gute Geldanlage. Spezialanfertigungen sind zwar teurer, doch dafür können die Sattelmeister fast jeden Spezialsattel auf Grundlage individueller Kundenwünsche realisieren, sodass Ross und Reiter sich rundum wohlfühlen.

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Fashion

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Fashion

Kelly

VS. Birkin

SHORTCUT Die Kult-Bags Einer der grössten Klassiker des Hauses Hermès entstand in den 30er-Jahren: die Kelly Bag, benannt nach Grace Kelly. Als Fürstin von Monaco trug sie die Tasche erstmals 1956 auf dem Titelblatt des amerikanischen Magazins «Life» und versteckte mit ihr gerne ihren Babybauch. Bis heute ist die Kelly Bag eines der meistverkauften Modelle bei Hermès. Doch auch die sogenannte Birkin Bag ist längst ein echtes Statussymbol geworden. Sie wurde von Jean-Louis Dumas für Jane Birkin entworfen, der die Kelly Bag angeblich zu klein und unpraktisch war. Die Birkin Bag ist eine schlichte grosse Handtasche aus Leder mit Schulterhenkeln und dem typischen Schloss. Hergestellt wie alle Taschen des Hauses in akribischer Handarbeit. Die angeblich lange Wartezeit für diese Tasche – vor allem für Sonderanfertigungen – ist ein Grund, weshalb die Birkin Bag zu einem der begehrtesten Statussymbolen der Welt gehört.

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Rubriken

Prestige 4x jährlich bequem per post

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kolumne Fashion-Therapie – Das neueste Psychotherapieverfahren Weltweit nehmen weit über 100 Millionen Menschen Psychopharmaka ein und immer mehr und mehr Menschen sind in unserem modernen, schnellen und anspruchsvollen Zeitalter auf psychologische Unterstützung angewiesen. Als Hypnosetherapeut und Hypnoselehrtrainer betreibe ich eine eigene Praxis. Die Nachfrage nach mentaler Unterstützung ist derart gross, dass meine Praxis auf über sechs Monate ausgeGabriel Palacios bucht ist. Doch nicht nur die Nachfrage nach Hilfe ist vorhanden, sondern auch die nach Ausbildungen, um nach deren Abschluss anderen Menschen direkte und professionelle Hilfe bieten zu können. Oftmals tendieren wir dazu, uns selbst Diagnosen zu geben. Fühlen wir uns mal über eine gewisse Zeitspanne nicht motiviert und fehlt uns die Energie, so schreiben wir uns gerne mal «Depressionen» zu. Ist die Doppelbelastung mal zu hoch, so, dass wir Schwierigkeiten haben, Prioritäten zu setzen und uns schlichtweg alles überfordert, so tendieren wir dazu, uns selbst die Diagnose «Burnout» zu geben. Wir suchen Psychologen oder Psychotherapeuten auf und schon ist es um uns geschehen: Wir stecken in der Rolle des Menschen, der Therapiebedarf hat, weil er geistig nicht «normal» zu sein scheint. Doch was ist schon «geistig normal»? Wir alle haben in einem gewissen Sinne einen Sprung in der Schüssel. Sei es, dass wir typische Macken haben, dass wir in gewissen Situationen keine Kontrolle über unsere Emotionen haben, dass wir bettnässen oder nicht streiten können. Jeder Mensch ist und bleibt individuell – und es wäre eine Katastrophe, würden wir alle ähnlich ticken. Wichtig ist in erster Linie zu wissen, dass wir alle absolut okay sind, auch wenn wir bestimmte Macken und individuelle Eigenschaften aufweisen. Wir dürfen uns selbst nicht in die Rolle des «abnormalen» Menschen versetzen. Und hierfür gibt es eine sehr

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einfache Regel, die wir uns merken können: Innere Ordnung führt zu äusserer Ordnung – und äussere Ordnung führt zu innerer Ordnung. Sind wir also in einem Muster gefangen, das uns innerlich in eine Rolle versetzt, aus der wir am liebsten wieder ausbrechen können, so müssen wir dies nicht zwingend mit einem Therapieverfahren von innen angehen, sondern können dies auch ohne Therapieverfahren von aussen angehen. Der Schlüssel hierfür liegt in «Fashion». Fashion hilft uns, in eine Wunschrolle schlüpfen zu können, in der wir uns wohl fühlen und die uns von der Eigenschaft wahrt, mit der wir uns nicht identifizieren wollen. Kleiden wir uns so, wie wir uns fühlen wollen, oder so, wie wir uns einst fühlten, als wir bestimmte Kleider trugen, so sollten wir uns selbst so helfen können, indem wir uns wieder in das damalige Gefühl begeben, indem wir in die Kleider schlüpfen, in denen wir dieses Gefühl schon mal empfanden. Oder möchten wir unsere ganze Ausstrahlung verändern, so ist mit Sicherheit hilfreich, wenn wir dieselbe Kleidung tragen, die unser Vorbild trägt, das genau die Ausstrahlung hat, die wir uns auch zuschreiben möchten. Legen wir folglich Wert auf unsere äussere Ordnung und darauf, nur die Kleider zu tragen, in denen wir uns wohl fühlen; die Fashion, die uns bereits in die Rolle versetzen konnte, in der wir uns gerne wieder befinden möchten, so haben wir die Möglichkeit, binnen kürzester Zeit unseren Geist mit «Fashion» förmlich zu therapieren. Identifiziere dich mit deiner Kleidung – und zwar immer, egal ob zuhause in deinen «Zuhause-Kleidern» oder ob auswärts in deiner Galakleidung. Denn genau so, wie die äussere Ordnung zu einer inneren Ordnung führt, führt auch eine äussere Rolle zu einer inneren Rolle.


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fashion

show

milano Autumn-Winter

2013 By Nathalie Brouillac

Versace

Dolce & Gabbana

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Dsquared2

Ermenegildo Zegna


Salvatore Ferragamo

Etro

Giorgio Armani

John Richmond

Gucci

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Rubriken

PRESENTS

summer

sometimes by Gianni Pisano

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Fashion

FRANCESCO SCOGNAMIGLIO Aurélie Bidermann Francesco Scognamiglio caftan by Gross Couture | Aurélie Bidermann bracelet by Blooms

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Thakoon

Thakoon Addition blouse & Thakoon scarf by Vestibule

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Agent Provocateur Aurélie Bidermann

Aurélie Bidermann bracelet by Blooms

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Fashion

Boss Chloé Parmigiani |

Boss dress by Jelmoli Chloé clutch by Vestibule

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Gerard Darel J. Mendel H.| Moser & Cie

Gerard Darel dress & pants by Globus J. Mendel leather coat by Gross Couture

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Fashion

Naeem Khan Chronoswiss Naeem Khan dress by Gross Couture

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Fashion

Burberry Prorsum Bucherer

Burberry Prorsum coat by Jelmoli

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Eres Delphine Delafon Eres swimsuit by Jelmoli | Delphine Delafon bag by Vestibule

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Comptoir des Cotonniers Michael Kors Breitling Comptoir des Cotonniers jumper by Globus | Michael by Michael Kors jeans by Globus

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The Kooples Marc Cain Glash端tte

The Kooples leather jacket Globus | Marc Cain leggins by Globus

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Chloé Piaget

Chloé jumpsuit by Vestibule

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Fashion

The Kooples Omega

The Kooples by Globus

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Rubriken

the end to be continued …

PHOTOGRAPHER Gianni Pisano ASSISTANT Simon Zangger PRODUCER Lina Baumann | buero-buero.ch STYLING Filipa Fernandes HAIR & MAKEUP Christina Moissl Models Lejla H @ OPTION Model Agency | Vlada P @ Modelwerk Special Thanks to René Arndt | Arndt Geiger Hermann

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SHORTCUT Foulard Mother Nature, Fabric Frontline Auf mir zieren sich Ranken und Blätter, exotische Blumen, Schmetterlinge in Blau und Rot, Schlangen, Kordeln und Schnecken. Ich zeige Weggeworfenes wie alte Spielsachen und Kordeln, die irgendwo im Garten liegen. Ich schmücke mich mit den Wundern der Natur, auf meiner Haut ist einiges zu entdecken. Es lohnt sich, mich etwas genauer anzusehen. Mein zierliches Wesen ist seidig und fein. Meine Gabe ist, Wärme zu spenden, wenn es kühl wird, und Frische zu verleihen, wenn die Sommersonne vom Himmel brennt. Käufer sagen, ich sei verspielt und lebendig und würde glänzen wie die sonnenbestrahlte Meeresoberfläche. Ich habe gleich drei Elternteile: Elsa, Maya und André Stutz, sie sind Geschwister, doch mit Inzest hat das nichts zu tun. Unser Familienname ist Fabric Frontline. Geboren bin ich in der Schweiz, wo meine Familie noch heute zu Hause ist. Und das soll auch so bleiben, denn schliesslich sind wir bekannt für unsere Schweizer Abstammung und den Ruf der damit verbundenen guten Qualität. Selbst auf den Laufstegen der Modemetropolen sind meine Geschwister gefragt. Wir kommen herum und kennen einige bedeutsame Persönlichkeiten. Michelle Obama mag meine Schwestern in Pink und Vivienne Westwood ist eine enge Freundin meines Vaters. Sie hat schon unzählige Kreationen mit unserer Familie auf den Londoner Laufstegen präsentiert, wobei das Ex-Baywatch Babe Pamela Anderson uns trug. Mit Cecilia Bartoli treffen meine Eltern sich zum Abendessen, überhaupt mögen uns die Künstler. Cindy Sherman trägt uns auf ihren Werken und mit Nina Hagen feierte mein Vater in den 80er Jahren. Er liebt es zu feiern und deshalb ist er bekannt wie ein bunter Hund, bunt wie unsere ganze Familie.

Benci Brothers Flavio Bencivenga wusste, was er tat, als er nach zwanzig Jahren Erfahrung im Schuh-Geschäft seine eigene Schuhmarke Benci Brothers ins Leben rief. Benci Brothers steht für Qualität und hochwertige Verarbeitung. Modische Schnellschüsse findet man hier nicht. Die Marke überzeugt mit Klassikern, deshalb sind diese Schuhe eine Anschaffung für viele Jahre. Das Kernstück der Kollektion bildet die «Goodyear Welted»-Serie. Diese Modelle sind rahmengenäht und werden in einem traditionellen Familienbetrieb in Italien hergestellt. Verkauft werden sie in einer edlen Holzbox – very chic.

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ERES – BH Pompone «Weibliche Nacktheit muss man den Männern mit dem Teelöffel geben, nicht mit der Schöpfkelle», sagte Coco Chanel. Und Recht hat sie. Ist der weibliche Körper etwas verhüllt doch meistens speziell reizvoll. Deshalb ist auch das letzte Stück Stoff besonders wichtig. Einmalig weiblich sind die Kreationen der französischen Lingerie- und Badeanzugsmarke Eres, die vor rund 40 Jahren mit ihren Badeanzügen den Frauenkörper in besonders formbetonende Stoffe steckte. Seit 1998 produziert Eres auch Unterwäsche. Kreiert im Pariser Atelier und von Hand genäht, verwendet Eres edle Naturmaterialien und gedämpfte Farbtöne. Der BH Pompone erinnert an die Mode der Gründerjahre von Eres und ist verspielt und zart wie die junge Liebe.

Fogal und The Great Gatsby In den zwanziger Jahren wurden die Gebäude höher, die Partys grösser, die Röcke kürzer und damit die Beine der Frauen wichtig. Die Strumpfmarke Fogal kam auf den Markt und in denselben Jahren spielt der Roman «The Great Gatsby» von F. Scott Fitzgerald, der in diesen Tagen im Kino spielt. Die Welt der Reichen und Schönen von damals und die Strumpfmarke Fogal: Die perfekte Symbiose, finden der Regisseur Baz Luhrmann und dessen mehrfach ausgezeichnete Kostümbildnerin Catherine Martin. Sie entwarf die effektvollen Strümpfe für den Film mit Nähten, Netz, Spitze und Strasssteinen, die aktuell im Handel erhältlich sind.

Kris van Assche Eyewear Wenn Sportlichkeit, Urbanität und Avantgarde zusammentreffen, ist man beim belgischen Designer Kris Van Assche angekommen. Bevor der Individualist vor rund acht Jahren sein eigenes Männer-Modelabel gründete, gastierte er bei Yves Saint Laurent und Dior Homme. Seit drei Saisons existiert nun auch Krisvanassche Eyewear, die in der Zusammenarbeit mit der Brillen-Göttin Linda Farrow entstand. Und wenn zwei Spezialisten aufeinandertreffen, muss dabei etwas Exquisites entstehen. In diesem Falle sind es transparente Brillenrahmen mit metallischen Einlagen. Erhältlich bei www.specspec.ch

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Ta-bou beachwear 2013

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Fashion

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Rubriken

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Fashion Rubriken

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Rubriken

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Fashion

100% made in Italy

www.ta-bou.com

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fashion

show

milano Autumn-Winter

2013 By Nathalie Brouillac

Versace

Etro

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Gucci

Prada

Dolce & Gabbana


Roberto Cavalli

Bottega Veneta

Giorgio Armani

Fendi

Dsquared2

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summer

feelings

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i T ommy H ilfiger iI P hilipp P lein iiI M odissa iV P rada V G uess

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vi

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Hollywood ist voll von ihnen, London, Paris und selbst Zürich sind übersät von Pantoffel-Heldinnen. Schauspielerin Jessica Alba, Sängerin Taylor Swift, Model Kate Moss und Moderatorin Alexa Chung tragen sie alle an ihren Füssen.

Christian Louboutin Gine Flat Grenadine Black Pair

Kathrin Eckhardt

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Fashion

D

Die Füsse der Stars und Trendsetter stecken in flachen, plüschigen Schuhen, die an Hausschuhe erinnern. Von der Fachpresse werden sie auch als Moccasin oder Loafers betitelt, obwohl beides nicht genau zutrifft. Denn Moccasin erinnern eher an Pocahontas und Loafers an die italienischen Traditionsschuhe zum «Reinschlüpfen» mit einer Naht um den Fussrücken. Wir nennen sie hier deshalb politisch inkorrekt Pantoffeln.

Mehr als ein Hausschuh Natürlich sind die Trendtreter etwas mehr zu Schuhen verarbeitet als gewöhnliche Hausschuhe. Doch das Design kommt den Indoor-Schuhen gleich. Die «Patschen», wie sie von unseren Freunden im Osten genannt werden, werden nicht mehr nur zu Hause, sondern zum Einkauf, zum Shoppen, zum Essen getragen, und das von Frauen, die sich sonst Tag und Nacht in High Heels bewegen.

Christian Louboutin My Love Flat Pair

Wer sich nun billig verarbeitete Schuhe aus kariertem Flanellstoff mit dünner Sohle vorstellt, liegt falsch. Die Treter werden von Luxus-Marken wie Christian Louboutin, Burberry, Dolce&Gabbana, Valentino, Alexander McQueen, Tod’s, Miu Miu und Church verkauft – und das sind längst nicht alle. Bei Valentino haben es die edlen Pantoffeln diesen Frühling sogar an die Haute-Couture-Show geschafft. Und der Kreativität ihrer Erscheinung sind keine Grenzen gesetzt. Die LoaferPantoffeln sind als Katzengesicht mit Ohren bei Charlotte Olympia verziert, mit Totenköpfen bestickt bei Alexander McQueen, mit Spitze versehen bei Valentino und mit Liebeserklärungen beschrieben bei Christian Louboutin. Je üppiger und ausgefallener die Verzierung, desto weniger offensichtlich ist die unelegante Design-Abstammung der Schuhe. Und ganz neben bei haben diesen Frühling/Sommer die Pantoffel-Loafers die feinen Ballerinas ersetzt.

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Fashion

Historische Pantoffeln Blicken wir kurz zurück: Die Geschichte der Pantoffeln in unseren Breitengraden ist eine spannende. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Kork. Im 16. Jahrhundert bezeichneten sie schlicht Herrenschuhe mit einer Korksohle. Später trugen sie auch Frauen, bei deren Schuhen der Kork besonders dick an der Sohle klebte und sie dadurch grösser wirkten. Im Lexikon der Mode ist zu lesen: «Die Pantoffeln haben mit den früheren nicht viel mehr als den Namen gemeinsam, ihnen fehlt vor allem das, was für sie charakteristisch war, die Höhe.» Doch aktuell wird der Pantoffel – zwar mit flacher Sohle, aber mit der Verwendung als modischer Schuh – seinem Ursprung wieder gerecht. Bekannte Hausschuh-Hersteller bestätigen die Bewegung. Die englische Traditionsmarke Crockett & Jones führt das «house slipper»Modell «Coronet» seit Jahren und verkauft es seit dieser Saison vermehrt für den Strassengebrauch. Privates wird mit dem Pantoffel-Trend öffentlich, die Häuslichkeit wird in die Strassen herausgetragen – oder wie ist dieser Trend sonst zu verstehen? Zu Hause sind die meisten, wie Gott sie schuf. Selbst «Femme fatale» zeigt sich ungeschminkt mit Lockenwicklern in den Haaren und gammelt in Schlabberhosen auf der Couch herum. Diese Vorstellung mag nicht besonders anregend sein, doch sie ist Realität. Zu Hause ist es gemütlich, warm und «cosy». Verständlich, dass dieses Gefühl auch tagsüber bewahrt werden möchte. Mit den PantoffelLoafers haben Kate & Co. das Gefühl, nie so richtig aus dem warmen Bett aufstehen zu müssen, immer ein bisschen zu Hause zu sein, wo die Welt in Ordnung ist. Und deshalb gehen auch wir, von New York bis Paris, diesen Sommer mit den Pantoffeln aus dem Haus.

Valentino By Net-a-Porter

Charlotte Olympia By Net-a-Porter

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Fashion

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Rubriken

Weniger

ist mehr «Modisch ist, was auffällt», sagt der Volksmund, und «Fashionistas» seien immer extravagant gekleidet. Das mag zutreffen und wenn wir den Blick zu italienischen Modemarken wie etwa Dolce&Gabbana oder Versace richten, scheint es sich zu bewahrheiten. Kathrin Eckhardt

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Jil Sander

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Rubriken

I

Ihre Kreationen sind mit bunten Stoffen versehen oder mit Nieten bestückt. Auch Haute Couture, die Königsdisziplin der Modeschöpfer, ist bekannt für ihre aufwendige Verarbeitung mit luxuriösen Stoffen und vielen Stunden Handarbeit, in denen Perlen, Spitzen, Applikationen und Raffungen angebracht werden. Doch wieder ist in diesem Sommer alles anders, «Fashionistas» üben sich im Minimalismus und der Volksmund hat einmal weniger Recht. Dior zeigte an der Haute Couture Show in Paris zwei schlichte, schwarze Hosenanzüge aus Satin. Eine kleine Revolution in der Haute-Couture-Welt. Dazu kombiniert gab es spitze, schlichte Schuhe, das war es dann. Liebhaber des Prunks mochten etwas enttäuscht sein. Doch dieser Basic-Anzug verdeutlicht die Lust am Weglassen in der Modewelt nur allzu klar.

Und wie sieht er aus, der Minimalismus im Jahr 2013? Die Stoffe sind hochwertig, meistens bestehen die Kleider aus Seide, Kaschmir oder Satin. Die Schnitte definieren sich durch klare Linien und passen sich dem weiblichen Körper so perfekt an, als wären die Kleider nach Mass geschneidert. Schwarz und Weiss beherrschen den Look, beide gelten sie nicht als Farben im klassischen Sinne, puristischer geht es auch hier nicht. Hie und da findet man zwar ein Blau, Rot oder Bordeaux. Aber auch wenn die Farben kräftig sind: «Hallo, hier bin ich», schreit keines der aktuellen MinimalismusModelle. Je weniger Getöse auf den Kleidern zu sehen ist, je exakter müssen der Schnitt und das Design der Kleider sein. Sie werden aufs Wesentliche reduziert und müssen in ihrer Schlichtheit bestehen können. In eine reduzierte Garderobe gehört ein Bleistiftjupe, eine weisse Bluse, ein perfekt sitzender Blazer und Mantel, eine Bundfaltenhose und ein kleines Schwarzes. Fündig wird man diesen Sommer bei den Design-Meistern Calvin Klein Collection, Jil Sander, Hermès und Céline. Sie alle beherrschen diese Disziplin des Weglassens vorbildlich. Und auch im Norden mögen sie es schlicht. Schwedische Modehäuser wie Filippa K. oder Acne zelebrieren «weniger ist mehr» seit ihrer Gründung. Im Norden munkelt man, es läge an der Zurückhaltung der Bewohner. Doch die Mutter des Minimalismus war Coco Chanel, sie befreite die Frau in den 20er Jahren mit weiten, geraden Hemdkleidern in Schwarz und Weiss von der Korsage und den riesigen Röcken.

Einfacher Schick Ob Zurückhaltung oder der Überdruss an Übersättigung, es verwundert nicht, dass der «Simple-Chic» gerade heute wieder aktuell ist. In der westlichen Welt werden wir geradezu überschüttet von Konsumgütern, billigen Konsumgütern, die wir uns jederzeit leisten können und mit welchen sich unser Schrank noch ein bisschen mehr füllt. In «Der Zeit» ist von «der Sehnsucht nach Einfachheit» zu lesen und Vivienne Westwood propagiert seit geraumer Zeit: «Kauft weniger, wählt besser.» Und sie hat recht, denn wenn wir ehrlich sind, tragen wir, um uns wohlzufühlen, immer dieselben Schuhe, dasselbe Paar Hosen und dieselbe Bluse. Zu viel Besitz kann zur Belastung werden. Wer braucht schon all den Prunk? Und auch die Natur wird uns dankbar sein, wenn wir weniger, dafür qualitativ hoch stehende Produkte kaufen. Und noch einen Vorteil hat der aktuelle Modetrend: Die Aufmerksamkeit wird von den Kleidern auf die Persönlichkeit gelegt. Und dabei wird die Trägerin, nicht die Robe beachtet.

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Fashion Rubriken

Calvin Klein

Calvin Klein

Hermès

Hermès

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fashion Books Eine Hommage an ein Modeunternehmen und seinen kreativen Kopf Seit nunmehr 81 Jahren steht Bogner für Leidenschaft, für Sport und für Mode. Was im Jahr 1932 so bescheiden wie engagiert durch Willy Bogner sen. und seine Frau Maria begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zur internationalen Marke mit dem charakteristischen «B»-Zipper – dem Erkennungsmerkmal für einen sportlichen Lebensstil. Mit seinen Erfolgen als Skifahrer, Regisseur und Kameramann, der unter anderem die rasanten Ski-Action-Szenen in vier James-Bond-Filmen produziert hat, verleiht Willy Bogner jun. zusammen mit seiner stilsicheren Frau Sônia der Marke Bogner seit vielen Jahren ein Gesicht. Dieser Band lässt die Historie des Münchener Unternehmens Revue passieren und spiegelt den Zeitgeist wider.

«Bogner Moments 1932–2012» TeNeues Verlag

Ein Insiderblick in die aufregende Welt der Mode Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin ist unbestreitbar ein Höhepunkt im internationalen Modekalender. Hier geben sich die Schönen, Kreativen und Prominenten ein Stelldichein. Darüber hinaus ist die Modewoche ein wichtiges wirtschaftliches Ereignis, auf dem nicht nur Trends gesetzt und kreative Grenzen verschoben, sondern auch Karrieren angestossen und Geschäfte gemacht werden. Der renommierte Fotograf Claudius Holzmann, der seit der ersten Modewoche dabei ist, hat aus rund 40ʼ000 Fotografien diejenigen ausgewählt, die die kreative und intensive Atmosphäre der Modewoche am besten einfangen. Durch diese erhalten wir Einblick in die Dramatik, die sich hinter den Kulissen abspielt. Holzmanns Bilder zeigen Modedesigner, Makeup Artists und Models, die dieses Schauspiel so einmalig machen.

«Backstage – Mercedes-Benz Fashion Week Berlin» Claudius Holzmann TeNeues Verlag

Der Prinz der Prints Emilio Pucci besass visionäres Stilempfinden, den Blick des Ästheten für Farbe und Design und eine grosse Leidenschaft für Frauen. Mit ihm hielten frei fliessende, leichte Stoffe, Pop-Art-Designs und eine neue Farbpalette Einzug in die Damenmode. Caprihosen, Seidenschals und luftige Kombinationen machten seine Boutique auf Capri in den frühen 1950er-Jahren zum Hotspot für Leinwandstars und exzentrische Erbinnen. Ende des Jahrzehnts trugen Jacqueline Kennedy und Marilyn Monroe seine Kreationen, und bereits Mitte der 1960erJahre war das Label synonym geworden mit dem glamourösen Lifestyle des internationalen Jetsets. Bis heute kann die Marke zahlreiche Stars zu ihren treuen Kundinnen zählen – etwa Victoria Beckham, Elizabeth Hurley und Kylie Minogue. Illustriert mit Hunderten von Fotos, Zeichnungen und Schnappschüssen aus dem Archiv der Emilio Pucci Stiftung, präsentiert der Bildband die raffinierte Eleganz und Dramatik dieser unverwechselbaren Marke.

«Emilio Pucci» Vanessa Friedman Taschen Verlag

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2013

Autumn-Winter

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Hermès

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John Galliano

Lanvin

Miu Miu


Christian Dior

Kenzo

Valentino

Jean Paul Gaultier

Chanel

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Rubriken

watches & Jewellery

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Vielseitigkeit

gross geschrieben Die Neuigkeiten der Baselworld 2013

von (A)lpina bis (Z)enith Wer vieles bietet, wird manchen etwas bieten, behaupten anerkannte Marketingexperten. An diese Erkenntnis haben sich alle Uhrenmarken gehalten, die ihre Neuigkeiten während der Baselworld 2013 vorstellten. Gisbert L. Brunner

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Vielfalt bestimmte das Geschehen in mehrfacher Hinsicht. Optisch geht der Trend zu kleineren, oftmals auch eleganteren Gehäusen. Gigantomanie scheint nicht zuletzt auch mit Blick auf die weiterhin extrem wichtige chinesische Klientel ausgedient zu haben. Herrenuhren werden zwar nicht mehr so klein, wie sie vor 50 Jahren einmal waren, aber die Industrie hat entdeckt, dass es auch etwas dazwischen gibt. Das wiederum kommt jenen Frauen sehr zupass, die den Grundsatz «seine Uhr für mich» zu ihrer chronometrischen Maxime erklärt haben. In den wie auch immer gearteten Gehäusen, egal ob aus Stahl, Gold oder Platin gefertigt,

ticken mehr und mehr exklusive Uhrwerke. Dabei handelt es sich einmal um echte Manufakturkaliber, gefertigt ganz und gar im eigenen Haus. Zum anderen sind darunter eigenständige Konstruktionen zu verstehen, deren Herstellung extern im Lohnauftrag erfolgt. Grösster Beliebtheit erfreuen sich weiterhin markante Chronographen. Überdies bringen neue Materialien und Technologien unmissverständlich zum Ausdruck, dass die jahrhundertealte mechanische Uhrmacherei immer noch nicht am Ende ihres Lateins angekommen ist. Ganz im Gegenteil: Das Ticken der mechanischen Uhr verkörpert mehr als je zuvor den Herzschlag der menschlichen Kultur.

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WATCHES & JEweLLERY

Alpina Man schrieb das Jahr 1883, als sich die «Vereinigung der Schweizer Uhrmacher» konstituierte. Mit dieser Genossenschaft verknüpft sich das bis in die Mitte der 1980er Jahre erfolgreiche Uhrenlabel Alpina. Die Renaissance mechanischer Uhren brachte erhebliche Schwierigkeiten, weil die Traditionsmarke nichts Adäquates zu bieten hatte. Dann entdeckte der holländische Unternehmer Peter Stas das schlummernde Potenzial. 2003 brachte die erste Kollektion der neuen Epoche. Zum 130. Markenjubiläum präsentiert Alpina das sehr nostalgisch anmutende Modell «130». Im vergoldeten, bis fünf Atmosphären wasserdichten Stahlgehäuse tickt das Chronographenkaliber

AL-860 mit Selbstaufzug. Wie in guten alten Zeiten findet sich Zifferblatt-innen eine Tachymeterskala. Damit können Automobilisten leicht ihre Durchschnittsgeschwindigkeit über einen Kilometer hinweg feststellen. Die aussen positionierte Telemeterskala nutzt die unterschiedliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von Licht und Schall zur Ermittlung von Distanzen.

Armin Strom Armin Strom hat sich längst in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ungeachtet dessen hält die kleine, aber feine Uhrenmanufaktur seines Namens das Vermächtnis des Gründers in Ehren. Ihre Fertigungstiefe beträgt mehr als 90 Prozent. Als neueste Kreation nützt «Gravity» die Schwerkraft zum Spannen der Zugfeder. Will heissen: Das Ka-

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liber AMR 13 besitzt einen Selbstaufzug. Ganz in der Tradition durchbrochen gestalteter Uhrwerke lässt sich der Mikrorotor durchs Zifferblatt bei seiner Arbeit beobachten. Bei regelmässigem Tragen baut die Schwungmasse eine stattliche Gangautonomie von fünf Tagen auf. Wie immer bei Armin Strom ist auch die Gravity-Kollektion in vier Farbvarianten erhältlich, welche die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft repräsentieren. Von jeder Ausführung mit 43 Millimeter Gehäusedurchmesser wird es nicht mehr als 100 Exemplare geben.


WATCHES & JEweLLERY

Breguet Dass Breguet seiner Zeit traditionsgemäss vorauseilt, zeigt sich auch an der «Classique Chronométrie 7 727 B» mit Weissgoldgehäuse und handguillochiertem Zifferblatt. Die Besonderheit des innovativen High-Tech-Produkts liegt in den beiden Lagern für die Unruhwelle. Diese rotiert beinahe berührungsfrei in den gebündelten Feldern winziger Permanentmagneten. Die Verwendung klassischer Metall-Spiralen verbietet sich bei einer derartigen Konstruktion ebenso wie stählerne Hemmungsteile. Schliesslich ist Magnetismus einer der grössten Feinde mechanischer Zeitmesser. Glücklicherweise zählt Breguet auch zu den Pionieren des völlig amagnetischen Si-

lizium. Daraus besteht einmal das Unruhspiralen-Duo. Zusammen mit Anker- und Ankerrad aus dem gleichen Werkstoff mindert die Lager-Neuerung nicht nur die Reibung, sondern auch den gesamten Energieverbrauch des schnellen 10-Hertz-Schwingsystems. Auch die Ganggenauigkeit kann sich sehen lassen. Die bewegt sich in sechs Positionen bei voll gespannter Zugfeder täglich zwischen -2 und +4 Sekunden.

Breitling Seit zehn Jahren kooperieren Breitling und Bentley. Das ist Anlass genug, die hauseigenen Chronographenwerke mit Selbstaufzug auch in der Uhrenlinie Breitling for Bentley zu verbauen. Während der Baselworld 2013 gab es drei unterschiedliche Modelle zu sehen. An Kosmopoliten wendet sich die «Bentley B05 Unitime» mit patentierter Weltzeitindikation. Wer regelmässig in ferne Länder

reist und im Zuge des Zeitzonenwechsels sämtliche Indikationen modifizieren möchte, muss nur die gezogene Krone vor- oder rückwärts drehen. Das Datum wechselt selbsttätig auf die jeweilige Ortszeit. Die 24-Städte-Lünette trägt auch der Sommerzeit Rechnung. Selbstverständlich liefert Breitling jedes der Uhrwerke mit offiziellem Chronometerzertifikat. Mit dem 49-Millimeter-Gehäuse, erhältlich in Stahl oder Rotgold, geht auch ein entsprechend grosses Zifferblatt einher, was wiederum die Ablesbarkeit begünstigt.

Bucherer Bucherer, gegründet vor 125 Jahren in Luzern, ist eine echte Erfolgsgeschichte. Niemand verkauft weltweit mehr Rolex-Uhren als der ungekrönte Schweizer Uhren-König. Nicht nur in den eigenen Geschäften offeriert das Familienunternehmen auch Zeitmesser mit der Signatur Carl F. Bucherer. Eigene Manufaktur repräsentiert das Automatikkaliber CFB A1011 in der «Manero PowerReserve». Zu den Spezifika gehören eine patentierte Stosssicherung und die ums Uhrwerk rotierende Schwungmasse, welche die Zugfeder in beiden

Drehrichtungen spannt. Diese Form der Lagerung gewährleistet uneingeschränkte Blicke auf den tickenden Mikrokosmos. Eine Gangreserveanzeige bei der «3» offenbart den Status des aktuellen Energievorrats. Mit von der Partie: Grossdatum und Wochentagsanzeige. Das Stahlgehäuse misst 42,5 Millimeter.

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Certina Das Swatch Group-Mitglied Certina zelebriert 2013 seinen 125. Geburtstag. Seit 1888 ist das Unternehmen ununterbrochen am Markt präsent. Zum unangefochtenen Leadermodell der Marke avancierte ab 1958 die Linie «DS . Das Buchstabenkürzel meint ausgeschrieben nichts anderes als «Doppelte Sicherheit». Armbanduhren dieses Namens hielten also einiges aus. Eine packte Certina beispielsweise in einen Eishockey-Puck. Eine »

andere überstand Torturen in der Radnabe eines BMW-Rennwagens. So gesehen ist es kein Wunder, dass Certina eine Jubiläums-Edition der «DS» vorstellt. Hiervon wird es freilich nur 5 000 Exemplare geben. In einem 40 Millimeter großen Edelstahlgehäuse tickt das brandneue Automatikkaliber «Powermatic 80» ohne Energienachschub satte 80 Stunden lang. Und das sogar bis zu 100 Meter unter Wasser. Den Aufzugsrotor ziert die altbekannte Schildkröte. Am bombierten Zifferblatt finden sich das überlieferte «DoppelC»-Firmenlogo von 1956 sowie die Aufschrift «125th Anniversary».

Chopard Bei der neuen «L.U.C Engine One H» baut Chopard den Motor, sprich das Uhrwerk, quer ins Titangehäuse. Die liegende Positionierung erinnert an die Instrumententafel eines Rennautos. Mit einer Tankfüllung, sprich der voll aufgewundenen Zugfeder, läuft das Handaufzugskaliber L.U.C 04.02-L sechzig Stunden ohne Unterbrechung. Die in einem Tourbillon untergebrachte Unruh vollzieht stündlich 28ʼ800 Halbschwingungen. Besagter Drehgang

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kann seine Vorteile nur in senkrechter Position dieser Armbanduhr entfalten. Gegen die Waagrechte spricht ebenfalls nichts, denn hier wirkt sich die Erdanziehungskraft nicht negativ auf die Ganggenauigkeit aus. Jede der insgesamt nur einhundert Uhren liefert Chopard mit einer offiziellen Schweizer Chronometerkontrolle.


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Chronoswiss Mit 30 sind weder Menschen noch eine Uhrenmarke alt. Aber den runden Geburtstag zelebriert Chronoswiss trotzdem. Auch der «Régulateur», das Flaggschiff, feiert ein Jubiläum. Nach 25 Jahren ununterbrochener Marktpräsenz versteht sich eine Sonderedition fast von selbst. Der «Régulateur 30» bricht teilweise mit dem klassischen Zifferblatt-Look. Eine analoge Stundenanzeige sucht man vergebens. Stattdessen findet sich bei der «12» ein kleines Fenster, durch das sich die Stunden digital ablesen lassen. Der Minutenzeiger

ist aus dem Zentrum in die obere Hälfte des Zifferblatts gewandert. An gewohnter Stelle rotiert nur noch der Sekundenzeiger. In Rotgold entstehen 130 dieser Uhren, in Stahl insgesamt 300. Beide Versionen messen 40 Millimeter, beide besitzen massive Silberzifferblätter mit guillochierter Optik, in beiden findet sich das Eta-basierte Automatikkaliber C.283 mit 42 Stunden Gangautonomie.

Corum Die «Bridge»-Uhrwerke gehören zu den Aushängeschildern von Corum. Als neuestes Mitglied der transparenten Uhrenfamilie präsentiert sich die «Ti-Bridge Automatic Dual Winder». Hier wird gleich doppelt aufgezogen, denn das Manufakturkaliber CO 207 bezieht seine Energie von zwei kooperierenden Mikrorotoren. Die kleinen, kugelgelagerten

Schwungmassen sind durch eine Art Schubstange verbunden. Auf diese Weise bewegen sie sich stets im Gleichklang. Unter den rückwärtig sichtbaren Stahlscheiben befinden sich übrigens Halbzylinder, gefertigt aus dem Schwermetall Wolfram. Nach Vollaufzug stehen 72 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Das rotgoldene Formgehäuse misst grosszügige 42 x 52 Millimeter.

Frédérique Constant Liebhaber edle Holzboote bester Provenienz und dazu passender Armbanduhren kommen bei der «Runabout Moonphase Limited Edition Riva Historical Society» von Frédérique Constant auf ihre Kosten. Diese 43 Millimeter grosse Armbanduhr gibt es entweder in Edelstahl pur oder mit Rotgold-Auflage. In beiden Fällen findet sich

im Gehäuseinneren das Automatikkaliber FC-330. Dabei handelt es sich um ein SW 200 von Sellita, welches das Familienunternehmen vorderseitig um ein Modul mit Mondphasenindikation und Zeigerdatum erweitert. Die Auflage ist auf jeweils 1 888 Exemplare begrenzt.

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Girard-Perregaux Vier Jahre brauchte Girard-Perregaux, um die Idee einer völlig neuartigen Hemmung zur Serienreife zu entwickeln. Ohne Materialien wie Silizium und modernste Fertigungstechnologien wäre das Ganze undenkbar gewesen. Die neue KonstantkraftHemmung besteht aus fünf Komponenten, zu denen ein extrem feines Siliziumblatt gehört. Diese Feder, kaum dicker als ein menschliches Haar, erfährt bei jeder Halbschwingung einen winzigen Knick. Dadurch nimmt sie weniger als ein Millijoule Energie in sich auf, welche beim anschliessenden Übergang vom stabilen in einen metastabilen Zustand an Unruh und Unruhspirale abgegeben

wird. Unabhängig vom Spannungszustand der Zugfeder transportiert die feine Hemmfeder stets das gleiche Energievolumen. Bedingt durch drei Hertz Unruhfrequenz besitzt jedes der beiden Hemmräder drei Zähne. Das rund 39 mm grosse Handaufzugskaliber MVT009100-0007 besteht aus 271 Komponenten. Nach Vollaufzug läuft es rund eine Woche. Neben Stunden, Minuten und Sekunden zeigt es auch noch die verbleibende Gangreserve an.

Glashütte Original Glashütte Original liefert den neuen «Senator Regulator Chronometer» mit ausgesprochen sachlich gestaltetem Zifferblatt und dem Manufaktur-Handaufzugskaliber 58-04 mit einem offiziellen deutschen Chronometerzertifikat. Zur Ausstattung dieser Armbanduhr gehören ein Panorama-Grossdatum sowie eine Anzeige der Gangreserve bei der «9». Nach rund 45 Stunden verlangt der Federspeicher

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frische Energie. Dem präzisen Richten der Zeiger für Sekunden und Minuten dient ein ausgeklügeltes Feature: Ziehen der Krone stoppt die gesamte Zeitanzeige, der Sekundenanzeiger springt auf null und gleichzeitig bewegt sich der Minutenzeiger zum nächstgelegenen Index. Auch beim anschliessenden Drehen an der Krone vollzieht der Minutenzeiger exakte Sprünge, damit die beabsichtigte Synchronisation bis zum erneuten Starten des Uhrwerks erhalten bleibt.


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Hermès Gemeinsam mit dem Genfer Mechanik-Spezialisten Agenhor hat Hermès die «Arceau Temps Suspendu» entwickelt. Bei diesem Zeitmesser können Frauen von Welt der kostbaren Zeit ein Schnippchen schlagen. Auf Knopfdruck nehmen die Zeiger für Stunden und Minuten eine v-förmige Position dicht bei der «12» ein. Dort verharren sie

so lange, bis die Besitzerin wissen möchte, wie spät es inzwischen wurde. Dazu genügt ein weiterer Knopfdruck, der das Zeigerpaar blitzschnell in die zeitliche Realität springen lässt. Der Sekundenzeiger dreht bei dieser Armbanduhr mit 38 Millimeter grossem Rotgoldgehäuse links herum, und zwar einmal innerhalb von 24 Sekunden. Als Motor dient das exklusive Automatikkaliber H1912 vom Hermès-Partner Vaucher.

Hublot Eines der Baselworld-Highlights ist MP-05 «LaFerrari» von Hublot. Optik und Technik der Weltpremiere werden der italienischen Automarke in jeder Hinsicht gerecht. Das aussergewöhnliche Manufaktur-Handaufzugswerk mit Drehgang, dessen Unruh stündlich 21'600 Halbschwingungen vollzieht, besteht aus 637 Komponenten. Bislang einmal ist eine Gangautonomie von rund 50 Tagen. Möglich machen es nicht weniger als 11 hintereinander aufgereihte und in Reihe geschaltete Federhäuser. Die Anordnung ähnelt der einer

menschlichen Wirbelsäule oder einem PS-starken Motor. Eine Aufzugskrone gibt es nicht. Mit den Fingern täte man sich beim «Auftanken» auch reichlich schwer. Den nötigen Energienachschub liefert ein kraftvoller Elektromotor, der auf der Rückseite des schwarzen Titangehäuses angesetzt werden kann. Stunden, Minuten und verbleibende Gangreserve zeigt dieser Bolide digital an.

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Longines Seit 1954 nützt Longines den Namen «Conquest». 2013 bringt das Mitglied der Swatch Group in seiner Linie «Conquest Classic» einen Chronographen mit 41 Millimeter grossem Gehäuse aus Edelstahl und Rotgold oder massivem Rotgold. Das exklusive Uhrwerk mit Rotoraufzug und 54 Stunden Gangautonomie hat die Eta exklusiv für seine Schwester entwickelt. Dabei ging es einmal um die Wiederbelebung der klassischen Schaltradsteuerung für die zeitschreibenden Funktionen Start,

Stopp und Nullstellung. Zum anderen gewährleisten kurze Wege und möglichst wenig Bauteile eine Servicefreundlichkeit. hohe Weitere Merkmale des 30 mm grossen, 7,9 mm hohen L.688 sind vier Hertz Unruhfrequenz, Schwingtrieb-Kupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie Fensterdatum.

Maurice Lacroix Herausstechendes Merkmal des 43 Millimeter grossen Mechanik-Opus von Maurice Lacroix ist eine völlig andersartige Sekundenanzeige. Das «Masterpiece Seconde Mystérieuse» mit dem eigenen Automatikkaliber ML 215 stellt die «secunda diminutive pars» per kleinem Zeiger auf einer kreuzförmig angeordneten Linearskala dar. Jeder der vier Ab-

schnitte repräsentiert 15 Sekunden. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Planetengetriebes bewegt sich die grosse Sekundenscheibe einmal pro Minuten um ihre Achse. Damit wandert auch der Sekundenzeiger gleichermassen beständig wie geheimnisvoll im Kreis. Von den beiden Versionen mit puristischem Stahlgehäuse oder PVD-beschichteter Oberfläche wird es jeweils 125 Exemplare geben.

H. Moser & Cie Weltenbummler sind die Adressaten der neuen «Nomad Dual Time» von H. Moser & Cie. Zur zeitlichen Orientierung rund um den Globus besitzt diese Armbanduhr zwei Stundenzeiger, angetrieben vom eigenen Automatikkaliber HMC 346 mit Goldrotor, 72 Stunden Gangautonomie und Moser-Hemmungsmodul. Der rote, etwas kürzer ausgeführte Zusatz-Zeiger lässt sich unabhängig in Stundenschritten verstellen. Sofern er, weil gerade einmal zu Hause anwesend, nicht benötigt wird, kann man ihn dezent hinter dem grösseren Stundenzeiger verstecken. Das unterbindet zeit-

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liche Verwirrungen. Der patentierte «Double-PullCrown-Mechanismus» verhindert das versehentliche Verändern oder Anhalten der Heimatzeit. Bei der «12» findet sich ferner eine jeweils mittags und mitternachts blitzschnell umschaltende AMPM-Indikation. Eine während acht Stunden sukzessive vorgespannte Feder liefert die nötige Energie ohne Beeinträchtigung der Unruhschwingungen. Den 41 mm grossen Zeitmesser liefert Moser in Roségold oder Platin.


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Omega Omega hat magnetisierten Uhrwerken den Kampf angesagt. Zu den Merkmalen der fortschrittlichen Manufaktur-Automatik 8508 gehören die exklusive koaxiale Ankerhemmung, eine berylliumfreie, nicht magnetisierbare Titan-Unruh mit variablem Trägheitsmoment sowie eine frei schwingende, ebenfalls vollkommen amagnetische Silizium-Unruhspirale. Darüber hinaus haben die Techniker für alle anderen Bauteile, welche sich durch starke Magnetfelder ausser Gefecht setzen liessen, alternative Werkstoffe gesucht und gefunden. Zum Beispiel findet für

Anker- und Unruhwelle der geheimnisvolle Werkstoff «Nivagauss» Verwendung. Die sogenannte Lyra der Stosssicherung besteht wegen der unverzichtbaren Feder-Eigenschaften aus «Liquidmetal», einer amorphen Metall-Legierung aus Zirkonium, Kupfer, Nickel und Aluminium. Auch speziell behandelter «U-Boot-Stahl» findet sich im Uhrwerk, welches neun Patente schützen. Seine Ganggenauigkeit bescheinigt ein amtliches Chronometerzeugnis. Die stählerne «Seamaster Aqua Terra >15’000 Gauss» mit Sichtboden können, wie ein Praxistext bewies, selbst stärkste Magnetfelder, wie sie beispielsweise in einem Kernspintomographen vorkommen, nicht von ihrem stoischen Ticken abhalten.

ORIS Bis 500 Meter taucht niemand unter die Oberfläche des Meeresspiegels. Trotzdem widersteht die Oris «Aquis Depth Gauge» dem dort herrschenden Wasserdruck. Das mechanische Instrument zeigt nicht nur die Zeit an, sondern auch die jeweilige Tauchtiefe. Zu diesem Zweck haben Spezialisten in den Rand des besonders dicken Saphirglases ein unübersehbares Messrohr gefräst. Durch ein kleines Loch dringt Wasser ein und presst die Luft zusammen. Eine hell-/dunkelgraue Farbkan-

te indiziert dann die Tauchtiefe im Zusammenwirken mit einer gelben Skala. Selbstverständlich lässt sich die Tauchzeit-Lünette nur einseitig verdrehen. Die 46 Millimeter messende Edelstahl-Schale schützt das Automatikkaliber Oris 733. Dahinter verbirgt sich ein SW 200 von Sellita, welches wiederum dem altbewährten Eta 2824 gleicht.

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Patek Philippe In der weissgoldenen «Gondolo»-Referenz 5 200 von Patek Philippe hütet das Form-Handaufzugskaliber 28-20 REC 8J PS IRM C J die kostbare Zeit. Das Mechanik-Œuvre mit acht Tagen Gangautonomie beinhaltet Hightech-Komponenten aus den Patek Philippe Advanced Research-Labors. Selbige bestehen aus Silinvar, einem SiliziumWerkstoff, und sind geschützt durch zahlreiche Patente. Das vollständige Spannen der Zugfeder erfordert exakt 134 komplette Umdrehungen der Aufzugskrone. Diese rechteckige Armbanduhr besitzt neben dem Zeigerdatum auch eine di-

gitale Wochentagsindikation. Die Besonderheit beider Anzeigen lässt sich jeweils mitternachts eindrucksvoll erleben. Dann springen die Anzeigen innerhalb von drei Millisekunden weiter. Das kostet logischerweise Kraft, die dem Uhrwerk im Laufe des Tages entzogen, in einem Zusatzmechanismus gespeichert und zum Schalten schlagartig freigegeben werden muss. Wie es um den jeweiligen Energiehaushalt bestellt ist, lässt sich von der Gangreserveindikation ablesen.

Rado Betrachtet man die neue «DiaMaster» von Rado aus einiger Entfernung, erscheint das Gehäuse wie aus Bronze gefertigt. Dem ist aber nicht so. Den kleinen, aber entscheidenden Unterschied fördert beispielsweise eine taktile Begutachtung dieser Ausnahme-Schale zutage. Den attraktiven Bronzelook erzeugt eine Legierung aus Silizium- und Ti-

tannitrit. Dabei handelt es sich um eine Keramik, die allem, was Kratzer machen möchte, die kalte Schulter zeigt. Das von der Schwester Eta im Rado-Auftrag modifizierte Unitas 6497 besteht aus einem innovativen Material-Mix. Platine, Brücken und Kloben des schwarzen Handaufzugswerks RHW 1 bestehen aus eloxiertem Aluminium, welches das Leichtbaukonzept dieses 45 Millimeter grossen Zeitmessers vervollständigt. Er bringt nur 68 Gramm auf die Waage. Inklusive Lederband, versteht sich.

rolex 1953 erbat das Management der Pan American Airlines von Rolex die Entwicklung einer Armbanduhr mit simultaner Indikation von Orts- und Heimatzeit. Schon ein Jahr später konnten Piloten und Bodenpersonal die «GMT-Master» ans Handgelenk schnallen. Der Newcomer avancierte schnell zur Kult-Uhr. Während der Baselworld 2013 debütierte eine neue Version der «Oyster Perpetual GMT-Master II» mit 40 Millimeter grossem Stahlgehäuse aus der hochwertigen Legierung 904L. Ihre Drehlünette besitzt ein zweifarbiges Inlay aus gleichermassen kratzfestem wie korrosionsbeständigem «Cerachrom». Blau und Schwarz dienen der Unterschei-

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dung zwischen Tag- und Nachtstunden. Zur Herstellung des einteiligen Keramikrings nutzt Rolex ein patentiertes High-TechVerfahren. Mit Hilfe von Physical Vapour Deposition (PVD) erhält die gravierte 24-Stunden-Indexierung einen feinen Platinüberzug. Das Automatikkaliber 3186 mit 48 Stunden Gangautonomie und exklusiver «Parachrom»-Unruhspirale entstammt selbstverständlich eigener Manufaktur. Die markante «Oyster»-Schale widersetzt sich Wasserdruck bis zu zehn Atmosphären.


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TAG Heuer Das Stoppen auf die Hundertstelsekunde genau beherrscht TAG Heuer seit 1916. Und zwar mit mehr oder minder konventionellen Schwingsystemen bestehend aus Unruh, Unruhspirale und Hemmung. Das 2010 vorgestellte und zwischenzeitlich zur Serienreife entwickelte «Pendulum» besitzt anstelle der Unruhspirale eine virtuelle Feder auf Magnetbasis. Die Vorrichtung agiert als harmonischer Oszillator mit vier Hochleistungsmagneten. Eine komplexe 3D-Steuerung erzeugt ein Magnetfeld, welches das lineare Rückstellmoment für die Unruhschwingungen liefert. Massebedingte Schwerkrafteffekte kann TAG Heuer eliminieren. Erhalten bleibt das Grundprinzip der Schweizer Ankerhemmung. Bei diesem Projekt arbeiten Guy Semon und sein Ingenieurteam mit Forschern des Laboratoire d'Actionneurs Intégrés (LAI) am Institut für Mikrotechnik der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne

(EPFL) zusammen. Gemeinsam konnte die Problematik der temperaturempfindlichen Magnete weitgehend eliminiert werden. Die Gangabweichung beträgt nur noch täglich eine Sekunde bei einem Grad Temperaturveränderung. Weil die amtliche Chronometernorm 0,6 Sekunden fordert, bleibt TAG Heuer weiter am Ball. Aus besagten Gründen ist die «Carrera Mikropendulum» ein Hybrid. Für die Bewahrung der Zeit nutzt TAG Heuer ein Automatikwerk mit klassischem 4-Hertz-Schwingsystem. Der vorne sichtbare Pendulum-Oszillator, Frequenz 50 Hertz, reguliert den auf die Hundertstelsekunde genau agierenden Stopper.

Tudor Weil Sammler die Tudor Chronographen aus den 1970er Jahren über alles schätzen, erzielen gebrauchte Exemplare Höchstpreise. Favoritenstatus geniessen die 1972/1973 vorgestellten Modelle mit dem Beinamen «Monte Carlo» mit dem Schaltrad-Handaufzugskaliber Valjoux 234. Der blauen Version beschert Tudor eine Renaissance in Gestalt des «Heritage Chrono Blue». Es handelt sich aber nicht um reinrassiges Retro, sondern um eine gekonnte Neuinterpretation.

Die Produktgestalter bewahrten einerseits den nostalgischen Look, brachten zum anderen aber auch Zeitgemässes wie unter anderem die nachtleuchtende SuperLuminova-Ausstattung ein. Wie einst gibt es einen praktischen 45-Minuten-Zähler. Zu diesem Zweck trägt das Automatikkaliber Eta 2892-A2 vorne ein entsprechendes Chronographenmodul von Dubois-Dépraz. Fussballfans werden also ihre helle Freude haben. Das Stahlgehäuse, wasserdicht bis 150 Meter, misst 42 Millimeter. Sein beidseitig verstellbarer Glasrand besitzt einen Skalenring aus blau eloxiertem Aluminium. Das farbige Textilband entstand in Kooperation mit einer einschlägig erfahrenen Weberei.

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Zenith Genau genommen birgt die auf 25 Exemplare limitierte «Academy Christophe Colomb Hurricane» von Zenith in sich einen Widerspruch. Kardanische Aufhängung à la Marinechronometer lässt das Schwingsystem meist in waagrechter Lage oszillieren. Dieser Sachverhalt unterbindet gravitationsbedingte Schwerpunktfehler, denen Tourbillons bestimmungsgemäss entgegenwirken. Ungeachtet dessen spendiert Zenith diesem komplexen Zeitmesser mit Kette-Schnecke-System zur gleichförmigen Übertragung der An-

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triebskraft über 50 Stunden hinweg einen Drehgang. Der ist beim 37 mm grossen, 5,85 mm hohen Handaufzugskaliber El Primero 8805 somit in erster Linie fürs Auge gedacht. Allein für die Gangpartie benötigen die Uhrmacher 173 Komponenten. Das gesamte Werk besteht aus 354 Teilen. Zenith-gemäss vollzieht die Unruh stündlich 36'000 Halbschwingungen.


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Open

Now! Fine Jewellery in der Züricher Altstadt

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Die Juwelenmanufaktur Vainard eröffnet ihre erste Boutique in der Schlüsselgasse 4 unweit des Paradeplatzes, mitten in der historischen Altstadt und findet damit das passende Setting für ihr Handwerk, das sich ausschliesslich auf die Schmuckherstellung in Handarbeit fokussiert. Das Vainard-Produktangebot beinhaltet eine von der Ära des Pariser Art-déco inspirierte Designerkollektion, die durch eine innovative Kombination edler Materialien besticht. Darüber hinaus bietet Vainard eine umfangreiche Auswahl an klassischem Diamantschmuck an, wobei neben einer Vielzahl an weissen Diamanten auch eine sehr individuelle Selektion an naturfarbenen Diamanten gezeigt wird. Im Segment der naturfarbenen Diamanten ist Vainard ein führender Anbieter. So umfasst das Sortiment neben gelben und braunen Diamanten auch seltene Farben wie beispielsweise pink, orange und blau. Vainard verwendet nur die erlesensten Steine und Materialien und lässt sie in der Schmuck- und Edelsteinstadt Idar-Oberstein in der Manufaktur der Familie Krieger, die seit 1720 im Edelsteinbereich tätig ist, zu fertigen Schmuckstücken verarbeiten. Die enge Beziehung zur Manufaktur erlaubt es, auf individuelle Kundenwünsche optimal einzugehen. Mit der Gemmologin Carole Lüdi konnte Vainard eine Geschäftsführerin gewinnen, die auf eine mehr als 25-jährige erfolgreiche Tätigkeit für verschiedene renommierte Adressen in der Schweiz zurückblicken kann. Gemeinsam mit ihrem fachkundigen und mehrsprachigen Team erfüllt sie beinahe jeden Wunsch der anspruchsvollen Kundschaft. www.vainard.ch

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BLING BLING

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bling aus Preussen Insiderblick und Chronik einer Firma Das Schweizer Unternehmen Chopard, 1860 vom Uhrmacher Louis-Ulysse Chopard gegründet, gilt seit Langem als Synonym für Luxus und Qualität. Uhren und Schmuck aus diesem Hause haben weltweit einen hervorragenden Ruf. Trotzdem ruht sich die Firma nie auf ihren Lorbeeren aus, betreibt ständig Innovation, ohne ihre Wurzeln zu vergessen, und agiert so konstant auf allerhöchstem Niveau. Dieses Buch blättert im Archiv des Unternehmens und präsentiert das erlesene Design und die höchste Handwerkskunst des Hauses. Ein unentbehrliches Werk für alle, die hochwertigen Schmuck zu schätzen wissen.

«Chopard – The Passion for Excellence 1860–2010» Salomé Broussky und Helmut Stelzenberger TeNeues Verlag

Fliegeruhren, Taucheruhren, Chronografen Was ist eigentlich eine Sportuhr? Eine Uhr, die sportlich aussieht? Oder eine Uhr, die man zum Sport anzieht? Meist ein bisschen von allem. Eine Sportuhr ist ein sportlich aussehender Zeitmesser, meist aus Stahl, der so robust ist, dass er auch beim Sport am Arm bleiben darf. Oder kurz: die perfekte Alltagsuhr. Doch Sportuhren sind in ihrem Charakter höchst unterschiedlich. Der Fachjournalist Martin Häussermann hat in seinem Archiv einige Schätze gefunden, die er hier zeigt. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um schöne Stücke aus dem 21. Jahrhundert. Unterwassersportler oder Menschen, die ihren Zeitmesser auch gern beim Schwimmen tragen, finden faszinierende Taucheruhren und wer den Helden der Lüfte huldigt, prachtvolle Fliegeruhren.

«Die beliebtesten Sportuhren» Martin Häussermann Heel Verlag

Die Uhren Friedrichs II. und Friedrich Wilhelms II. von Preussen Prachtvolle Uhren dienten in den Hohenzollern-Schlössern keineswegs nur als luxuriöse Dekoration der herrschaftlichen Räume, sondern nahmen wegen ihrer Funktion als «Taktgeber» im höfischen Zeremoniell eine besondere Rolle ein. Während andere Fürstenhäuser im Reich auf eine lange Sammeltätigkeit solcher Pretiosen aufbauen konnten, musste die aufstrebende Hohenzollern-Dynastie um 1700 beinahe bei null beginnen, um ihr gestiegenes Repräsentationsbedürfnis auch mit Prunkuhren zu inszenieren. Ihre eigentümliche Weise, Uhren zu erwerben, wertzuschätzen und zu präsentieren, ist Gegenstand des Buches.

«Prunksucht am Brandenburgischen Hof im 18. Jahrhundert» Silke Kiesant Michael Imhof Verlag

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Rubriken

Luxus bedingungslos pflegen – so könnte man den Grundsatz formulieren, auf dem die Kollektion Classica von julien Coudray 1518 beruht. Dieser schlichte und formvollendete Zeitmesser mit 43 mm Durchmesser überzeugt durch die unverkennbaren Merkmale der Marke, insbesondere das aus 13 Teilen gefertigte Emailzifferblatt, das bei diesem Modell aber nicht mit dem Namenszug von julien Coudray 1518 versehen ist. Dafür ist auf dem Goldindex bei 8 Uhr das Logo der Manufaktur eingraviert und emailliert. Bei 12 Uhr thront das Fenster für die Serviceanzeige – ein inzwischen unverwechselbares Kennzeichen der Marke. Das Modell Classica 1548 ist mit einem mechanischen Werk mit Handaufzug und Doppelfederhaus ausgestattet und verfügt über eine Gangreserve von über 100 Stunden sowie die Sekundenstoppfunktion. Letztere hält den Sekundenzeiger bei der Einstellung der Uhrzeit bei 12 Uhr an und setzt dessen Gang genau dann fort, wenn die Krone gegen das Gehäuse gedrückt wird, um eine der weltweit präzisesten mechanischen Einstellungen zu gewährleisten. Wie die vorangehenden Kollektionen steht auch die dritte Kollektion von julien Coudray 1518 im Einklang mit dem Streben nach Vollendung, um der Zeit zu trotzen, und zeugt von einer hervorragenden Ausführung: Ausschließlich edle und reine Materialien werden verarbeitet, das Feueremail wird nach traditionellen, altüberlieferten Verfahren hergestellt und einzigartige Kunsthandwerkberufe werden mit Leidenschaft und Bravur in den Dienst der Liebhaber der Uhrmacherkunst des 21. Jahrhunderts gestellt.

www.juliencoudray1518.ch

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Rubriken

culinarium

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Einfach

gut Cucina povera auf Korsika «Dieser zarte Duft nach Thymian und Mandeln, Feigen und Kastanien ... und dieser Hauch von Kiefer, diese leichte Andeutung von Beifuss, diese Ahnung von Rosmarin und Lavendel ... ach, meine Freunde, dieser Duft! ... das ist Korsika!» («Astérix en Corse») Dr. Thomas Hauer

W

as Comic-Held Osolemirnix seinen Gefährten Asterix und Obelix da mit so blumigen Worten anpreist, ist das verführerische Bukett korsischer Schafs- und Ziegenkäse, und die gelten vielen Feinschmeckern tatsächlich als die besten Frankreichs. Mehr als 1 000 Sorten soll es auf der Insel geben. Die Sache hat nur einen Haken – die meisten dieser Käsespezialitäten kann man auch nur direkt vor Ort geniessen. Deshalb führt unsere Jagd nach dem ultimativen Gaumenkitzel diesmal auf die «l'Île de beauté», wie die Insel in Anlehnung an ihren griechischen Namen «kalliste» oft auch genannt wird. Doch wir sind nicht nur dem Geheimnis von Tomme de Brebis und Co. auf der Spur ...

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CULINARIUM

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CULINARIUM

Besuchern präsentiert sich die «Insel der Schönheit» auf den ersten Blick als Eiland der Kontraste – auch kulinarisch. Mehr als 80 Prozent der Landfläche sind von mächtigen, bis zu 2 700 Meter hohen Bergketten bedeckt. An deren Flanken erstrecken sich – je nach Höhenlage – dichte Wälder aus Stein- und Korkeichen, Pinien, Laricio-Kiefern, Rotbuchen und Weisstannen. Die weiten Täler und die Küstenebene mit ihren steil abfallenden Klippen, geheimnisvollen Grotten und malerischen Badebuchten, die vom smaragdgrünen und türkisblauen Wasser umspielt werden, sind dagegen von undurchdringlicher, immergrüner Macchia und der intensiv duftenden Garigue überwuchert. Dieser Medizin- und Kräutergarten liefert Lavendel, Rosmarin, Bergthymian, Minze, Zistrose, Salbei, Fenchel oder Myrte frei Haus, die in zahlreichen traditionellen Rezepten Verwendung finden.

Im Land der Maronen Die Landschaft der besonders ursprünglichen Castagniccia im Osten der Insel wird dagegen von dichten Edelkastanienhainen bestimmt, die im Herbst das braune Gold der korsischen Küche liefern: Maronen. Die waren bis zur Mitte des 20. Jahrhundert das Grundnahrungsmittel der Insulaner und sind – als Mehl oder im Ganzen – bis heute unverzichtbare Zutat zahlloser Kuchen und Süssspeisen, Schmorgerichte und Eintöpfe. Vor allem aber der korsischen «pulenta», die eng mit ihrem italienischen Pendant aus Maisgries verwandt ist. Selbst ein Kastanienbier, das Pietra, wird auf der Insel gebraut, und im Spätherbst findet praktisch an jedem Wochenende irgendwo in der Castagniccia eine Fête Du Marron statt – zum Beispiel in Evisa oder Bocognano. Parallel zur Ernte dieser stacheligen Delikatesse beginnt auch die Jagdsaison für Rotwild, Rebhühner und Wildschweine. Deren domestizierte Vettern, aber auch Ziegen und Schafe leben auf Korsika jedoch ebenfalls halbwild und ernähren sich fast ausschliesslich von Eicheln, Bucheckern, Kastanien und Kräutern, was dem Fleisch eine prägnante Farbe und einen unnachahmlich herzhaften Geschmack verleiht. Gerade im Inselinnern muss man deshalb als Autofahrer immer damit rechnen, dass urplötzlich Tiere auf der Strasse auftauchen. Das schlachtfrische Schweinefleisch wird im Winter zur berühmten «charcuterie corse» verarbeitet, die traditionell nach dem Salzen über Kastanienholzfeuer geräuchert wird. Dazu gehören «coppa» (Nacken), «lonzu» (Filet), «prisuttu» (Schinken) oder «figatellu», kräftig gewürzte Rohwurst mit Leber, die oft auch gegrillt verspeist wird.

Feinschmeckertouren Im Januar und Februar wird die Olivenernte eingebracht. Aus den Früchten, die anders als in der nahegelegenen Toskana vollreif geerntet werden, wird ein kräftiges AOC-Öl gewonnen (Besonders gut ist zum Beispiel das Vierge Extra der Domaine de Marquiliani). März und April stehen dann im Zeichen von Forellen und Süsswasseraalen. Um die Osterzeit gibt es Milchlamm und Zicklein, aber auch zahlreiche Gemüse wie violette Artischocken, feine Rübchen und bunter Mangold schmücken jetzt die Marktstände. Zwischen Mai und Oktober schenkt die Natur den Bauern schliesslich Orangen, Clementinen, Kiwis, Feigen, Zitronen und Mandeln im Überfluss. Dann hat auch der bersteinfarbene «miel de corse» Saison, für den die Bienen den Honigtau von mehr als 2800(!) verschiedenen Blütenpflanzen sammeln. Kurzum: Die korsische Küche schwingt im Takt der Jahreszeiten. Bevorzugte Reisesaison für Gourmets ist die Zeit zwischen September und Mai, wenn besonders viele lokale Spezialitäten Saison haben. So stehen in Bonifacio ganz im Süden

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der Insel im Mai und Oktober zum Beispiel organisierte Feinschmeckertouren auf dem Programm, bei denen man auch die Menschen, die hinter den Produkten stehen, kennenlernt. Es gibt aber noch einen anderen Grund, die Insel im Sommer eher zu meiden: Von den drei Millionen Touristen, die Korsika pro Jahr besuchen, kommen rund 90 Prozent zwischen Juni und Mitte September. Im Juli und August herrscht dann Ausnahmezustand – und das bei teilweise 45 Grad im Schatten. In Korsikas Kultur spielt aber auch der Weinbau, den phönizische Siedler vor rund 2500 Jahren auf die Insel brachten, eine grosse Rolle. Insgesamt zählt die Insel heute neun anerkannte AOC-Gebiete. Am bekanntesten sind Patrimonio, Ajaccio und Sartène. Neben Niellucio, einem Sangiovese-Klon, und Sciacarello dominieren Vermentino beziehungsweise Muscat. Spitzenweine findet man übrigens fast nur auf der Insel selbst, exportiert wird eher die Masse. Hervorragend sind der «Granit» von Vaccelli und der «Clos Venturi» der Domäne «Vico» – beide jeweils in Rot und Weiss. Viele Weingüter stehen Besuchern auch für Verkostungen offen, wie «Castellu di Baricci» im wildromantischen Ortolo-Tal. Hier produziert die sympathische Önologin Elisabeth Quilichini seit einigen Jahren auf rund zwölf Hektar Bio-Weine von hervorragender Qualität, denen der bis zu 18-monatige Ausbau in Barriques Format verleiht. Ausserdem wird Olivenöl produziert. Das Weingut lockt aber auch mit drei wunderschönen Gästehäusern. Was im ersten Moment nach einem wahren Schlaraffenland klingt, war über Jahrhunderte in Wahrheit aber alles andere als ein Idyll. Ein altes korsisches Sprichwort lautet: «Ob mit Stroh oder Heu, das Wichtigste ist, der Bauch ist voll.» Darin steckt viel Ironie, denn Mangel war auf der Mittelmeerinsel seit Menschengedenken allgegenwärtig. Noch heute gilt Korsika als ärmste Region Frankreichs und viele Insulaner lebten bis in die 1950er Jahre buchstäblich von der Hand in den Mund. Vorratshaltung und das Konservieren von Lebensmitteln waren überlebensnotwendig. Ein Grund, warum es die Korsen in dieser Disziplin zu wahrer Meisterschaft gebracht haben – kaum irgendwo sonst versteht man so viel vom Pökeln, Räuchern, Einmachen und

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Trocknen. Das hat auch in der Küche deutliche Spuren hinterlassen. In diesem Sinne ist korsische Küche klassische «cucina povera»: einfacher, unverfälschter Terroirgenuss, geprägt von kräftigen Aromen.

Die Renaissance der Genüsse Zum Glück erlebt die lokale Gastronomie nach Jahrzehnten des Niedergangs, als die Touristenhochburgen von einer Pizzawelle überrollt wurden und auch sonst vor allem internationales Einerlei auf den Tellern landete, mittlerweile eine Renaissance. Das heisst, viele Restaurateure besinnen sich wieder auf ihre kulinarischen Wurzeln. Generell gilt: je weiter weg von der Küste, desto grösser die Chance, authentische Küche zu erleben. Es gibt aber auch hervorragende Spezialitätenrestaurants entlang der Küste und in grösseren Städten wie Bastia im Nordosten oder Napoleons Geburtsstadt Ajaccio an der Westküste. Der in den Lokalen entlang der rund 1000 Kilometer langen Küstenlinie allgegenwärtige Meeresfisch hat, historisch betrachtet, in der korsischen Küche bis vor 50 Jahren übrigens keine besonders wichtige Rolle gespielt. Tradition hat allenfalls die klassische Fischsuppe. Generell sollten Fischliebhaber aber bedenken: Die Bestände im Mittelmeer sind stark überfischt. Schuppenträger und Krustentiere sollten deshalb mit Bedacht genossen werden! Hervorragende maritime Spezialitäten wie frische Langusten vom Grill oder saftigen St. Pierre serviert zum Beispiel das Restaurant «Pech» etwas ausserhalb von Ajaccio an einem Abschnitt des sieben Kilometer langen Stadtstrandes. Die in der Altstadt gelegene «L'Auberge Ajaccienne» ist dagegen für rustikale Inselklassiker auf höchstem Niveau bekannt. Das Fleisch, der Käse, das Gemüse – fast alles stammt vom eigenen Bauernhof inklusive Käserei, und der hier servierte Rohschinken lässt jeden Pata Negra alt aussehen! Das wohl typischste Gericht Korsikas ist «civet de sanglier», eine Wildschweinschmorpfanne zubereitet mit Maronen, Fenchel, Knoblauch, Zwiebeln, Rotwein und einem grosszügigen Schuss Eaux de Vie, die vor allem im Herbst auf den Tisch kommt. Lamm und Zicklein werden dagegen meist mit viel Knoblauch, Rosmarin und Kartoffeln über Holzkohlenglut gegrillt.

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Say Cheese Nicht wegzudenken aus der Inselküche sind aber auch die eingangs besungenen korsischen Käse. Denen ist auch ein grosses Festival gewidmet, das jedes Jahr Anfang Mai in Venacu stattfindet. Als wahre Ikone gilt den Einheimischen dabei der «brocciu», ein mit Ricotta verwandter Molkenfrischkäse, der in zahllosen süssen und pikanten Rezepten verwendet wird. Zum Beispiel als Füllung für Beignets und Cannelloni oder Grundzutat des «fiadone», einer Art Käsekuchen ohne Boden. Er wird aber oft auch einfach pur mit einem Schuss Schnaps oder einem Teelöffel Honig verspeist. Die schon erwähnten Variationen von «Tomme de Brebis» beziehungsweise «de Chèvre» werden vor allem im Zentrum der Insel und an der Ostküste produziert und bestechen durch ihr mineralischnussiges und kräuterduftiges Aroma. Einige Spezialitäten der korsischen Küche sind allerdings nur hartgesottenen Connaisseuren zu empfehlen. Zum Beispiel «fromage de tête». Den findet man nicht an der Käsetheke, sondern in der Charcuterie, denn es handelt sich dabei um eine Art Terrine aus pikant abgeschmecktem Schweinskopf. Dagegen ist der «casgiu merzu» zwar ein waschechter «Fromage», aber schon sein Name (wörtlich übersetzt: fauler Käse) lässt ahnen, dass es einige Überwindung kostet, hier herzhaft zuzubeissen, denn nicht nur die «Odeur» dieser Spezialität wirkt im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. Wer Innereien schätzt, sollte «tripes aux herbes de macchia» probieren, pikant mit wilden Kräutern abgeschmeckte Lamm- oder Kalbskutteln. Vogelfreunde müssen dagegen gut überlegen, ob sie bei «pâté de sansonnet» zugreifen wollen. Die wird nämlich aus Starenfleisch zubereitet und hat die bei Korsen beliebte Amselpastete («pâté de merle») abgelöst, nachdem die Jagd auf den Singvogel mittlerweile verboten ist. Um den gesamten Kosmos korsischer Esskultur kennenzulernen, gibt es natürlich keinen besseren Weg als den Bummel über einen der bunten Wochenmärkte der Insel, die in der Regel von Dienstag bis Sonntag stattfinden. Besonders lohnend ist der Rundgang in Bastia (vor allem am Wochenende). Als schönster Markt der Insel gilt den meisten aber der von Ajaccio. An fast allen Ständen kann hier unter den Augen eines Napoleondenkmals ausgiebig geplauscht und probiert werden, während der Duft von Käse, Schinken und frischen Macchiakräutern die Luft zum Vibrieren bringt. In jedem Fall eine Reise wert.

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Die WhiskyBotschafterin

Deborah

Stewart Helena Ugrenovic

«Uisge Beatha», Wasser des Lebens, nannten ihn damals die keltischen Mönche. Heute begeistert Whisky weltweit eine immer grösser werdende Fangemeinde von Geniessern. Lange Zeit galt Whisky als echtes Männergetränk, doch seit einiger Zeit erfreuen sich immer mehr Frauen an seinem Geschmack.

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Whisky ist nicht nur das Leibgetränk von Leinwandhelden und grossen Schriftstellern aus vergangenen Tagen, sondern gilt als der Drink für echte Männer. Doch auch Frauen sind langsam auf den Geschmack gekommen, denn der klassische Hochprozenter vereint Savoir-vivre und Trinkkultur vom Feinsten. Deborah Stewart ist eine dieser Frauen. Sie ist Whisky Ambassador für Pernod Ricard Schweiz und seit zehn Jahren Whisky-Kennerin. Die gebürtige Schottin lebt seit fünf Jahren in Genf. Und weiss so einiges über ihr Lieblingsgetränk zu berichten.

PRESTIGE: «Beefsteak. Männer kochen echte Männergerichte für Frauen.» Beefsteak soll laut dieser Aussage etwas für echte Kerle sein. Gilt das auch für Whisky? Deborah Stewart: absolut nicht. Vielleicht vor 20 Jahren, aber heute steigt die Anzahl Frauen, die Whisky trinken, stetig. Sicherlich ist Whisky eher eine Männerdomäne,

wenn ich aber als Beispiel die Whisky-Schiffe in Zürich und Luzern nehme, stelle ich eine steigende Anzahl weiblicher Teilnehmerinnen fest. Leider werden keine Statistiken darüber geführt. Ich habe den Eindruck, dass Frauen sich immer mehr für Whisky interessieren. Für Zweifler empfehle ich einen wunderbaren Internetblog: www.misswhisky.com

Was haben Sie vor Ihrer Zeit als Whisky-Botschafterin gemacht? Seit ich 18 Jahre alt bin, arbeite ich in der Whisky-Industrie. Als Whisky-Botschafterin bin ich seit 2007 in der Schweiz tätig.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Die meisten Aspekte, die mein Job mit sich bringt. Ich liebe es, meine Leidenschaft für die unglaubliche Auswahl verschiedener Whiskys mit anderen Menschen zu teilen. Genauso liebe ich unsere speziellen Tastings, die auch exklusive Speisen einbeziehen. Ich kann Köstlichkeiten auszuprobieren, die ich im Normalfall nicht kombinieren würde. Ein tolles Beispiel dafür war eine aussergewöhnliche Werbeaktion mit Chivas Regal 18 und Schokolade. Auf der Suche nach der dafür am besten geeigneten Schokolade besuchte ich mit einem Freund eine Schokoladenmanufaktur in Genf, im Gepäck eine Flasche Chivas 18 und vier Gläser. Mit den zwei Chocolatiers setzten wir uns an einen Tisch und kosteten alle erdenklichen Schokoladensorten, die vorhanden waren, um die zum Whisky passendste auszusuchen.

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Sie leben in der Schweiz, vermissen Sie Schottland? Schottland ist meine Heimat und wird es immer sein. Nichtsdestotrotz habe ich die letzten fünf Jahre damit verbracht, mir in der Schweiz ein neues Heim einzurichten und ein neues Leben aufzubauen. Natürlich steht das kleine Dorf in Schottland, in dem ich aufgewachsen bin, in einem grossen Kontrast zur Schweiz, doch mittlerweile kenne ich die Schweiz besser als Schottland. Sicher würde ich wieder nach Schottland zurückgehen, aber nur, wenn sich eine sehr gute Gelegenheit ergäbe.

Reagieren Ihre Gäste irritiert, wenn Sie als Frau Tastings veranstalten? Ist Whisky eher eine Männerdomäne? Kein bisschen. Heutzutage bedeutet das Geschlecht nichts und es ist für mich sehr ungewöhnlich, die einzige Frau zu sein, da sowohl Männer und Frauen Whiskys vorstellen. Manchmal besteht eine Gruppe nur aus Frauen. Von den

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zahlreichen Menschen, die ich in der Whisky-Industrie kenne, bestehen nur wenige Rollen, in die Frauen nicht involviert sind. Ich persönlich kenne weibliche Produktionsmanager und Spirit-Supply-Spezialistinnen, auch Master Blenderinnen. Am jetzigen Punkt meiner Karriere weiss ich, dass ich mit meinem Wissen und meiner Einstellung zu den Produkten teilweise über vielen meiner männlichen Kollegen stehe.

Welchen Whisky mögen Sie am liebsten? Ich habe zwei Favoriten. Mein Alltagsfavorit ist The Glenlivet 16 Nàdurra. Seine Süsse mit dem Geschmack von Vanille und Honig sowie einem Hauch Zitrone schmeckt mir ausgezeichnet. Der Favorit für spezielle Anlässe ist der Chivas Regal 25. Reichhaltig und lieblich im Geschmack und – um es simpel auszudrücken – einfach das reinste Vergnügen, ihn zu trinken.

Ist Whisky ein Getränk, das man eher als reiferer und erfahrener Erwachsener zu schätzen und zu geniessen weiss? Wird in Clubs zu oft mit Softgetränken gemischt und der Whisky damit «entehrt»? Seit ich mich mit Whisky beschäftige, ist die wichtigste Sache beim Whisky der Genuss. Wenn natürlich jemand seinen Whisky mit Coca-Cola oder etwas Ähnlichem


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mischen möchte und diese Kombination geniesst, ist das absolut okay für mich. Würden Sie hingegen dafür einen teuren Whisky nehmen, wäre das eine Schande, da Sie niemals in der Lage wären, all die verschiedenen Aromen zu schmecken und zu erleben, die so ein Whisky bietet. Im Sommer begeistern mich Kombinationen mit Jameson, Ginger Ale und Limone, weil sie so erfrischend sind.

Es gibt alkoholische Getränke, die speziell auf die Frau zugeschnitten sind. Bier zum Beispiel. Wie ist es beim Whisky? Wollen Frauen einen «weiblicheren» Geschmack oder einfach nur einen «echten» Whisky? Die Anzahl Frauen, die Whisky lieben, steigt sehr stark und ich denke, dass die Geschmäcker der weiblichen Whisky-Trinker genauso vielfältig sind wie die der männlichen. Ich habe Frauen getroffen, die eher rauchige und stärkere Whiskys bevorzugten, und dann wieder andere,

wie ich zum Beispiel, die eher die leichteren und lieblicheren Geschmäcker mochten. Es existiert kein individueller Geschmack, es hängt mit der Person zusammen, so wie alles im Leben.

Ist Whisky ein Getränk, das ausschliesslich in Schottland hergestellt werden sollte? Whisky kann überall auf der Welt hergestellt werden. Sicher, die längste Tradition im Brennen von Whisky haben Schottland und Irland, danach Nordamerika. Wir sind zwar noch nicht an diesem Punkt, aber ich denke, dass in 20 Jahren schottischer Whisky ungefähr das gleiche Ansehen wie französischer Wein geniessen wird, von dem viele Leute behaupten, er sei der beste Wein überhaupt. Trotz der Tatsache, dass zahlreiche Länder ihren eigenen Wein produzieren.

Würden Sie gerne Ihren eigenen Whisky herstellen? Wie würden Sie ihn beschreiben? Welche Geschmacksrichtungen sollten darin enthalten sein? Ich weiss zu wenig über die Wissenschaft, meinen eigenen Whisky herzustellen. Und vor allem brauche ich das nicht, da er genau gleich wie der Glenlivet Nàdurra schmecken würde!

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SHORTCUT Chivas Regal Wenn aus Namen Mythen werden, werden sie erst recht zu Marken. Die Geschichte von Chivas Regal, was «der majestätische Chivas» bedeutet, begann mit der Eröffnung eines Delikatessenladens an der Nordküste Schottlands in Aberdeen. In ihrem Delikatessenladen führten die Brüder John und James Chivas alle Köstlichkeiten aus aller Welt, jedoch gab es keinen Whisky, der ihren Ansprüchen gerecht wurde. Also kreierten sie einen Blend, wie es ihn damals noch nicht gab. 1891 entstand die ultimative Kreation, der Chivas Regal. Durch die langjährige und gute Zusammenarbeit mit dem königlichen Hofe avancierten sie 1843 zum Hoflieferanten von Queen Victoria. Nach dem Tod des letzten Chivas wurde im Jahr 1949 eine der renommiertesten Whisky-Marken der modernen Welt geformt.

The Glenlivet – the Single malt that started it all! George Smith gründete die Destillerie auf der ehemaligen Upper Drumin Farm in der Region Speyside. Es war die erste Brennerei in dieser Region, die nach der Einführung des englischen Zollgesetzes von 1823 eine Lizenz zum Brennen erwarb, und man ist stolz auf The Glenlivet. Schon Jahre zuvor fiel dem englischen Königshaus die ausgezeichnete Qualität auf und König George IV verlangte bei seinem Besuch in Edinburgh ausdrücklich den Whisky aus dem Tal des Livet.

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SHORTCUT Kein Malt für Anfänger, sondern für den Kenner Ardbeg Islay Single Malt Scotch Whisky lanciert den jüngsten Limited-EditionWhisky unter dem Namen Ardbog. Damit erweist er den berühmten Torfmooren von Ardbegs Ursprungsinsel Ehre wie ihrem wesentlichen Anteil, den sie zur Whisky-Herstellung beitragen. Das allgemeine Zusammenspiel der Einwirkungen im Ardbog weckt in der Tat zum einen den Geschmack von alten, urzeitlich-salzhaltigen Mooren, um sich gleichzeitig mit den klassisch-intensiven Ardbeg-Nuancen von Leder, Karamell und Rauch zu verbinden. Wie bei allen Ardbegs geht es jedoch darum, eine gute Balance unter den vielen Geschmacksnoten zu finden, dabei spielen unter anderem das Gepräge von Mokkakaffee, Nelken und sogar Anchovis eine Rolle.

In Portweinfässern gereift Mit dem neuen Talisker Port Ruighe erhebt Talisker das Glas auf die wagemutigen schottischen Händler, die sich aller Gefahren zum Trotz auf den tückischen Seeweg nach Portugal wagten. Port Ruighe ist nach dem gälischen Namen des Hafens der Isle of Skye benannt, wo die Destillerie beheimatet ist. Der neue Whisky vereint den berühmten maritimen Charakter von Talisker mit süssen Beerennoten, die bei der Reifung in Portweinfässern entstehen. Auf den rauchigen Duft erlöschender Glut folgen Geschmacksnoten von gereiften Pflaumen. Im Gaumen verwandeln sich prickelnde Pfeffernoten auf der Zunge in einen cremigen Rauchgeschmack, abgerundet mit Gewürzen und dunklen Früchten. Im Abgang geht die anfängliche Süsse in ein anhaltendes, trockenes Raucharoma über.

Zeitloses Redesign In seiner über 150-jährigen Geschichte ist und war der bittere Apéritif mit seinen Designs stilprägend für den jeweiligen Zeitgeist und wurde so zur Ikone. Die neue Campari-Flasche mit stilvollem Etikett, einem silbernen Logo und markanter Glasprägung sorgt ab sofort für ein visuelles Highlight im Spirituosenregal. Der Hals ist länger, die Taille schmaler und das Logo erscheint zusätzlich zum Etikett als stilvolle Prägung im Glas. Dank der Verkleinerung des Etiketts auf der Vorderseite kommt die charismatische Signalfarbe Rot noch mehr zur Geltung. Kurz: Das zeitlose Makeover unterstreicht Camparis Position als Symbol italienischer Eleganz. Was geblieben ist, sind das verführerische Campari-Rot und der unverwechselbare Geschmack des beliebtesten Bitter-Apéritifs der Welt.

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Ein moderner Jahrgangschampagner Der Grand Vintage Rosé 2004 ist ein sinnlicher, verspielter und delikater Champagner, der nicht nur vom aussergewöhnlichen Jahrgang 2004 erzählt, sondern auch vom über 200-jährigen Savoir-faire des Hauses bei der Herstellung von Rosé-Champagner. Die Rosés von Moët & Chandon zeichnen sich von jeher durch einen kostbaren, in die Tiefe gehenden, ausgefeilten Stil aus. Sie harmonieren vortrefflich mit schmackhaften, intensiv gewürzten Speisen und sind das ganze Jahr über die perfekte Untermalung besonderer Momente. Nachdem zuletzt der grandiose Grand Vintage 2004 die Keller von Moët & Chandon verliess, freut sich das Champagnerhaus, nun auch den Grand Vintage Rosé 2004 präsentieren zu können – ein weiteres Glanzstück in der langen Ahnenreihe hochklassiger Jahrgangschampagner.

Zu Ehren der Filmfestspiele «Gold and light» heisst die Sonderedition des VSOP, die Rémy Martin anlässlich der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele von Cannes lancierte. Die limitierten, golden schimmernden Liter- und Magnumflaschen waren nicht allein den Filmstars an der Côte d’Azur vorbehalten, sondern auch für VSOP-Liebhaber und -Sammler. Bereits zum vierten Mal in Folge ist Rémy Martin Partner der Internationalen Filmfestspiele von Cannes gewesen und ehrte die Zusammenarbeit mit der edlen Sonderedition, welche vom berühmten Boulevard de la Croisette, den Filmstars und dem Glamour der Filmindustrie inspiriert wurde.

Erfrischend, stylish, anders Der Sommer schmeckt nach Martini Royale. Ob unterwegs mit Freunden oder bei einer gemütlichen Grill-Party, das Anstossen mit dem neuen SparklingMix garantiert ein einzigartiges Geschmackserlebnis und gute Stimmung. In der hochwertigen Glasflasche mit dem praktischen Drehverschluss ist der Martini Royale der ideale Drink für den unkomplizierten Genuss. Der Bianco vereint feine Vanillenoten mit zart-fruchtigem Apfelaroma und einem Hauch von Veilchen- und Kamilleneindrücken. Rosato sorgt durch die Kombination einer leichten Zimtnote mit mildem Himbeeraroma und blumigen Eindrücken der Holunderblüte für ein fruchtiges Geschmackserlebnis. Egal, ob Bianco oder Rosato, bei beiden Varianten entfaltet sich das Zusammenspiel von Süsse und Bitterkeit.

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beauty

BEAUTY

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Beauty

Samt

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Seide in der

Pflege Das Spinnen von Seide hat eine jahrtausendealte Tradition. Kostbarste Gewebe und edelste Kleidung werden mit ihr in Verbindung gebracht. Doch auch in der Gesichtspflege spielt Seide heute eine Hauptrolle. In Japan wird unerm端dlich auf diesem Gebiet geforscht und entwickelt, und das Ergebnis 端berzeugt. Valeska Jansen

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Beauty

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Einer der kostbarsten Stoffe aus der Natur stammt von einem unscheinbaren Schmetterling, dem Maulbeerspinner. Aus seinem Kokon wird Naturseide nun seit bereits 5 000 Jahren gewonnen. Entdeckt wurde der edle Rohstoff in China von einer Kaiserin. Die romantische Geschichte soll laut Überlieferung um das Jahr 2800 vor Christus ihren Anfang genommen haben: Kaiserin Se-Lung-Schi wandelte mit ihren Hofdamen eines Abends durch die Palastgärten und entdeckte die offenen Früchte eines Maulbeerbaumes. Trotz absoluter Windstille bewegten sich die Beeren, und bei näherem Hinsehen sah Se-Lung-Schi, dass aus einer Frucht ein Schmetterling schlüpfte. Sie pflückte sie und wollte in ihr Inneres sehen, dabei lösten sich feinste glitzernde Fäden. Sie und ihr Gefolge überlegten, ob man nicht etwas Sinnvolles mit diesem Garn anfangen könnte, und liessen das erste Seidengewebe anfertigen. Bis heute gilt Se-Lung-Schi als die «Mutter des Fadens». Die vermeintliche Maulbeerfrucht war tatsächlich die verpuppte Raupe des Maulbeerspinners in ihrem Kokon. Ihr feines Fadengespinnst eröffnete eine neue Ära für die Fertigung edel glänzender Bekleidungsstoffe, Made in China.

Das Geheimnis der Seide So blieb die Seidenfertigung viele Jahre lang das bestgehütete Geheimnis Chinas. Es wurde sogar ein Gesetz erlassen, in dem stand, dass wer das Geheimnis verriet, geköpft würde. Doch schon bald verhalf eine chinesische Prinzessin der Seide zu ihrem weltweiten Durchbruch: Sie soll sich vor ihrer Vermählung im Ausland heimlich Seidenkokons in ihr Haar geflochten haben und so das streng gehütete Geheimnis ausser Landes gebracht haben. Schnell verbreitete sich die Seidenzucht im beinahe gesamten asiatischen Raum. So blickt man auch in Japan auf eine lange Seidentradition zurück. Ausgrabungen lassen darauf schliessen, dass Seide bereits im «Alten Japan» (Kofun-Zeit, 300 nach Christus) gezüchtet wurde. Eine ganz besondere Seidenart war dabei jahrhundertelang ausschliesslich dem Kaiserhaus vorbehalten: die «Koishimaru-Seide». Bis heute wird sie als Staatsgeschenk überreicht. Auch sie wird von einer Maulbeerspinnerart produziert, ist allerdings doppelt so teuer wie die herkömmliche Maulbeerseide. Dazu ist der Kokon nur halb so gross, wobei die Seidenfäden aber glatter und weicher sind. Liebevoll nennen ihn die Japaner seit Jahrhunderten «Kleiner Schatz».

Seidenweiche Haut Vor gut 100 Jahren bemerkte der Leiter eines Baumwolle- und Seidenunternehmens im japanischen Kanegafuchi bei Tokio, dass seine Seidenspinnerinnen viel weichere Haut an den Händen hatten als die ebenfalls bei ihm beschäftigten Baumwollspinnerinnen. Sein Name: Sanji Muto, Gründer der Firma Kanebo. Seine Neugierde war geweckt und er wollte diesem Phänomen auf den Grund gehen. Dazu gründete Muto eigens ein Forschungslabor und entwickelte dort nach jahrzehntelanger Forschung sein erstes Seidenpflegeprodukt, eine Seidenseife. Die «Savon de Soie» enthielt als erstes Kosmetikerzeugnis den Seidenextrakt Fibroin. Die Seidenfaser ist die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser und besteht hauptsächlich aus dem Protein Fibroin. Um diesen elementaren Wirkstoff ins Pflegeprodukt zu bekommen, gelang es den Forschern von Kanebo,

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Beauty

die Seidenfasern in verdünnten Säuren zu lösen. Das Ergebnis: ein Extrakt, der der menschlichen Haut sehr ähnlich ist. In Verbindung mit Wasser und anderen Flüssigkeiten reguliert Fibroin das natürliche Feuchtigkeitsgleichgewicht der Haut und bildet dünne, übereinanderliegende Schichten. Es entsteht ein seidiger Glanz. Durch die Filmbildung der löslichen Seide wird die Haut, aber auch das Haar geschützt. Das in feuchtem Zustand aufgebrachte Fibroin zieht sich beim Trocknen zusammen und bewirkt so ein geschmeidiges Hautgefühl und als Nebeneffekt das Verschwinden feiner Fältchen. Zusätzlich wird der Säureschutzmantel der Haut nicht angegriffen. Lösliche Seidenproteine verhindern ebenso die Austrocknung des Haares. Sie geben dem Haarkeratin einen weichen und samtigen Griff. Einen besonders angenehmen Nebeneffekt verdankt der Seidenextrakt seiner ungewöhnlichen Struktur. Wenn man den Querschnitt der Seidenfasern unter einem Mikroskop betrachtet, erkennt man eine annähernd dreieckige Form, bedingt durch die Form der Spinndrüse der Raupe. Einfallendes Licht wird eben genau von diesen «Ecken» reflektiert. Wie bei den versponnenen Fasern zu einem Gewebe mit besonders edlem Glanz verhilft diese dreieckige Struktur auch der Haut und dem Haar durch den Lichteinfall zu einem feinen Schimmer. Es sind mehrere hauchdünne Schichten von Seidenproteinen übereinander gelagert und genau diese ergeben ein optisches Resultat wie der Glanz von Perlen oder Elfenbein.

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Qualität hat ihren Preis Muto als Entdecker des Potenzials der Koishimaru-Seide ruhte sich nicht auf dem Erfolg mit seiner Seidenseife aus. Bald gab er die Textilproduktion auf und brachte zusätzlich Cremes, Lotionen und Puder, natürlich alle mit seinem Seidenextrakt angereichert, auf den Markt. Ein Siegeszug begann. Selbst hohe Preise für seine exklusiven Produkte hielt seine Klientel nicht vom Kauf ab. Immerhin kostet ein Kilo der Koishimaru-Seide über 3 000 Schweizer Franken. Normale Seide kostet im Vergleich 30 Franken das Kilo. Vor circa 20 Jahren brachten die Japaner eine Gesichtscreme für damals etwa 500 Franken auf den Markt. «Das war damals eine Sensation, dass man sich getraut hat, so eine Creme anzubieten», sagt der Geschäftsführer Europa, Gerhard Ressl. «Sie war allerdings in Windeseile ausverkauft, und Kanebo musste nachproduzieren. Dass sie so ein Renner wird, damit hatte man nicht gerechnet. Das war der Einstieg ins Luxussegment.» Was sich aus der zufälligen Entdeckung über die Wirkung des Seidenextraktes entwickelte, wird heute konsequent weiterentwickelt. Shintaro Inoue, Leiter des Haut- und Grundlagenforschungszentrums von Kanebo, arbeitet mit seinem Team aus 200 Mitarbeitern im Labor in Odawara jeden Tag an neuen Formulierungen. Sein Ziel ist es, bestehende Produkte noch zu verbessern und neueste Forschungserkenntnisse in die Entwicklung von Neuheiten einfliessen zu lassen. Kanebo heisst als Dachmarke zwar noch immer Kanebo, doch wurde vor elf Jahren der Name SENSAI in Europa als Premium-Marke positioniert. Heute werden in Europa alle Produkte unter diesem Namen verkauft. In Japan hingegen findet man unter der Dachmarke Kanebo auch Linien mit den Namen «Kate», «Luna Sol», «Impress», «Coffret D’Or» und «Kanebo Blanchir Superior». Dieses Jahr kam nun die jüngste Pflegelinie aus den Labors bei Tokio: Sensai Ultimate. Mit fünf neuen Produkten sollen innovative Massstäbe in Sachen Anti Aging gesetzt werden. «In dieser neuen Pflegelinie kommt unser gesamtes Wissen aus über 75 Jahren Anti-Aging-Forschung zur Anwendung. Eine Luxuspflege für eine Haut, welche keine Kompromisse eingeht und für ein Höchstmass an sichtbaren Ergebnissen sorgt», erklärt Yen-Kay Chan, Marketing Managerin Kanebo Schweiz. Die Vereinigung zweier effektiver Wirkstoffe verspricht eine straffe, strahlende und makellos schöne Haut. «Sakura Eternal Complex», gewonnen aus der Kirschblüte, hilft gegen durch UV-Strahlen und freie Radikale bedingte Hautschäden. Der legendäre Koishimaru-Seidenextrakt versorgt mit Feuchtigkeit, glättet und strafft. Eine erfrischende Lotion, ein intensives Serum, eine leichte Emulsion, eine reichhaltige Creme und eine Augencreme sorgen für ein strahlendes Hautergebnis auf höchstem Pflegeniveau. «Diese neue Luxuspflege begeistert durch eine Synergie aus exklusivster Textur und höchster Hautpflegetechnologie. Sie verbindet die neuesten Erkenntnisse im Bereich Dermatologie und Zellforschung. Sensai Ultimate ist die Antwort von Sensai auf alle Bedürfnisse der Haut», sagt Yen-Kay Chan, Marketing Managerin Kanebo Schweiz.

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Koh

Do Duft als Zeremonie Valeska Jansen

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Was für uns das Parfum als Lifestyle-Signal, ist im Buddhismus bis heute die Räucherzeremonie als Symbol für die Sinne. Erde, Feuer, Luft und Wasser für Körper, Geist und Seele. The Luxury Way of Life | 183


Beauty

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Die Erde ist symbolisiert durch das Räucherwerk, das Feuer entsteht aus dem Brennmaterial, die Luft ist der aufsteigende Rauch und das Wasser versinnbildlicht der Feuersand, in dem das Räucherwerk verglüht wird. Die freigesetzten Stoffe sollen laut Überlieferung Körper, Geist und Seele durchdringen und beeinflussen. Hölzer, Harze und Kräuter werden seit Jahrtausenden zur Vertiefung von Glaubenserlebnissen eingesetzt.

Düfte gegen Krankheiten Die Tradition des Räucherwerks «Koh» wurde in Japan im sechsten Jahrhundert, zeitgleich mit der Einführung des Buddhismus, von China übernommen. Zu Beginn wurde «Koh» fast ausschliesslich bei religiösen Anlässen verwendet, wie zur Würdigung von Buddha-Statuen, zum Gedenken an Verstorbene und als Symbol der Reinigung. Bekannt waren aber auch seine heilenden Kräfte, weshalb «Koh» ebenfalls in der Aromatherapie angewendet wurde. Ob psychische Beschwerden oder körperliche, das «Koh-Pulver» (Ascherückstand) wurde eingenommen oder eingerieben. Kranke wedelten sich beim Betreten eines Tempels den aus Rauchschalen aufsteigenden «Koh-Rauch» mit der Hand in Richtung erkrankter Körperregion zu. Bis heute ist diese Geste in Japan zu beobachten. Zwei Jahrhunderte später, während der Heian-Ära (ca. 794–1192), etablierte sich das Aromatisieren mittels dem Rauch verbrannter exotischer Hölzer am Kaiserhof. Die Adligen parfümierten Räume und Kleidung oder genossen einfach die verschiedenen Aromen in der Luft. Kimonos wurden über den verbrennenden Hölzern wie Zelte aufgespannt, um das Gewebe mit dem Duft zu bedampfen. Unter den weiten Ärmeln der Kimonos trugen die Damen und Herren des Adels kleine Stoffbeutelchen mit Koh-Pulver am Handgelenk und sogar Kriegsrüstungen wurden vor dem Einzug ins Gefecht beduftet. Schnell entstanden individuell angefertigte Duftmischungen, meist aus Adlerholz, Sandelholz, Moschus und Nelken. In einem Mörser zerrieben, wurden die Pülverchen mit Honig oder Pflaumenmus zu kleinen Kügelchen (Neriko) verknetet und gut verschlossen in einem Steingefäss teils monatelang in der Erde eingegraben. Das Aroma sollte reifen und sich so besonders gut entfalten.

Dem Duft lauschen … Ähnlich wie die Teezeremonie, die Poesie und die Kalligraphie zählte «Koh» zu den schöngeistigen Künsten, den Geido. Immer ging es dabei um das Empfinden und die Sinne. Man roch keinen Duft, man «lauschte» ihm. Koh wurde zu einem Gesellschaftsspiel namens «Koh-Do». Vorbehalten war es den Adligen und hochrangigen Samurai-Kriegern. Die Teilnehmer mussten erraten, was der Zeremonien-Leiter in einem kleinen Döschen verbrannte. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Weihrauch und Adlerholz. Bis heute spielen ganze Familien der besseren japanischen Gesellschaft «Koh-Do». Dabei geht es nicht um das Gewinnen. Es geht um ein gemeinschaftliches Erleben der Sinne, beinahe meditativ.

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Der Inhaber einer der ältesten Räuchermittel-Produktionen Japans, Shoyeido, ist mit der Koh-DoZeremonie aufgewachsen. Masataka Hata leitet das traditionelle Unternehmen bereits in 12. Generation. «Es gibt ein Stück Adlerholz, das seit über 400 Jahren von einer Generation zur nächsten weitergereicht wird. Immer zum Neujahrsfest feiert unsere Familie traditionell das Koh-Do-Spiel damit. Für mich ist es die Erinnerung an meine Kindheit und vor allem an meinen Vater. Der Duft des verbrannten Holzes ist dabei meine Verbindung», erklärt Hata. Er hält ein unscheinbar wirkendes Stück Holz hoch. Es ist das über 400 Jahre alte Stück Adlerholz seiner Familie. Mit einem Messer schneidet er feinste Holzspäne von dem Adlerholz ab, um sie seiner Zeremonienmeisterin zu reichen. Ihre Aufgabe ist es nun, die Holzschnipsel mit anderen Ingredienzien in feinen Keramikbechern zu verbrennen. Zuerst reicht sie einen Becher herum. Mit gehöhlter Hand muss nun jeder Mitspieler den süsslich duftenden Rauch einatmen und in seinem Gedächtnis «speichern». In der Folge werden zwei weitere Becher, jeweils neu mit Rauchwerk bestückt, umhergereicht. Aufgabe ist es, herauszufinden, welcher der beiden Düfte dem ersten gleicht und welcher nicht. «Es soll eine Reise in das Innere sein», erklärt Hata. Derjenige, der erkennt, welcher Duft dem zuerst herumgereichten ähnelt, ist zwar laut Hata nicht der Gewinner, er erhält aber doch eine Art Preis. Einen mit schwarzer Tusche und Pinsel handgezeichneten Auswertungsbogen mit seinem Namen in japanischen Schriftzeichen darauf. Die Kosmetikbranche weiss Aromen geschickt für sich zu nutzen. Doch besonders die japanische Marke Sensai weiss, wie gross die Rolle von Aromen in Verbindung mit den menschlichen Sinnen ist. So sind die Produkte der neuen Ultimate-Linie mit Iriswurzel-Aromen angereichert. Ihr Duft hat einen entspannenden Effekt. Die Iriswurzel gehört zu den wertvollsten natürlichen Aromaträgern und hat bei Sensai die Aufgabe, die Assoziation exklusiver Seide und voll erblühter Kirschblüten den Sinnen zu vermitteln. In Pflege integriertes «Koh» sozusagen.


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Beauty

SHORTCUT Von einem Zen-Priester im 16. Jahrhundert wurden die zehn Tugenden von Koh überliefert und sind bis heute Ausdruck der Würdigung von Koh: – Öffnet uns die Welt des Transzendentalen. – Reinigt Körper und Geist. – Klärt die Atmosphäre. – Erweckt die Sinne. – Ein Freund und Begleiter in Momenten der Einsamkeit. – Bringt Besinnung und Frieden inmitten der Hektik des Lebens. – Selbst im Überfluss wird man dessen nie müde. – Selbst mit wenigem ist man doch zufrieden. – Es verliert nicht an Duft und Wirkung durch Altern. – Selbst bei täglichem Gebrauch schadet es nicht.

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Für mein romantisches Rendezvous: Pop und klassische Liebeslieder

Für mein Couture Einkaufserlebnis: Die neuesten Kollektionen vom Laufsteg

Musik- und Visuellunterhaltung für jede Stimmung.

Ich bin nicht die gleiche Person bei jedem Flug. Meine Welt ist luxuriös und ich lebe meine Stimmungswechsel. Eine persönliche Begleitung durch das Check-in und Passkontrolle an Bangkoks Flughafen Suvarnabhumi geniesse ich immer, auch werde ich dort mit einer Spa-Behandlung verwöhnt. An Bord, eine erlesene Gourmetselektion, PrivatsphäreOptionen mit dem zum bequemen Bett wandelbaren Sitz und immer neuesten Unterhaltungsprogramm, was möchte ich heute? Das muss ich jetzt noch nicht entscheiden. Am Board der Royal First Klasse wähle ich, was und wann ich will. Ich fliege THAI.

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kolumne Ein perfektes Lächeln – ein perfekter Tag Schon Charlie Chaplin sagte: «Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.»

Frontzähne habe. Ich bin rundum zufrieden und lächle mehr denn je. Heutzutage gibt es sehr viele Möglichkeiten und Ist es uns möglich, jeden Tag innovative Techniken, die uns mindestens einmal zu lächeln? einem perfekten Lächeln näher bringen. Die bekanntesten Ein Lächeln sagt viel über unVerfahren sind das Bleaching ser Inneres aus. Es hängt zum durch Zahnpasta oder mit einem von äusseren Faktoren, der eigenen Psyche und Schienen zu Hause oder in positiven Einstellung zum Leder Zahnarztpraxis. Ein neuer ben ab, zum anderen spielen Trend sind Testeneers – Verblendschalen zum ProbetraZahnfarbe, -form und -grösse eine entscheidende Rolle. Ein gen. Diese können so lange Dr. Dr. Silke Becker hübsches, attraktives Lächeln individuell verändert werden, zeugt von Selbstbewusstsein und Erfolg. Eine bis man letztlich mit dem Resultat zufrieden ist und positive Ausstrahlung unterstützt unsere tägliche die Veneers in einen definitiven Zustand überführt Kommunikation und zeugt von Vitalität, Glück werden. So sind kleinere Fehlstellungen und ein und allgemeinem Wohlbefinden. Ein Grossteil der schnelles Aufhellen unter Schonung der ZahnsubMenschheit strebt deshalb nach dem perfekten stanz schmerzfrei möglich. Damit wird selbst der Lächeln. Was ist perfekt? Amerikanische Wis- Zahnarztbesuch zur Wellnessoase. senschaftler haben herausgefunden, dass für ein Traumlächeln der ideale Mund eine symmetrische Selbst der oft in der Werbung beschriebene herausLippenkontur aufweist und halb so breit wie das nehmbare Zahnersatz, unsere berühmten Dritten, Gesicht ist. Beim Lächeln stehen die Oberkiefer- die durch eine tolle Haftcreme fixiert werden, sind schneidezähne dominant vor den kaum sichtbaren durch Implantationen von künstlichen Zahnwurzeln unteren Schneidezähnen. Das Erste, was an ei- vermeidbar. In minimalinvasiven Behandlungen – nem Lächeln wahrgenommen wird, ist die Zahn- auf Wunsch im Dämmerschlaf oder in einer Kurzfarbe. Wir lassen uns Zähne bleichen (Bleaching), narkose – kann fehlender Knochen aufgebaut werZähne überkronen oder mit Verblendschalen (Ve- den und so letztlich die Implantation ermöglichen. neers) versehen oder führen im Erwachsenenalter Zahnkorrekturen durch. Denn wer möchte sich mit Wichtig für jede Behandlung ist, dass Sprechen gelben oder schiefen Zähnen präsentieren? Bis und Kaufunktion optimal erhalten bleiben, desauf einige in der Öffentlichkeit stehende Personen halb sollten ästhetische Verbesserungen im Zahnwie bekannte Politiker oder Schauspieler. Jürgen bereich immer durch den jeweiligen Spezialisten Vogel, der sein schiefes Lückengebiss zum Mar- durchgeführt werden. Eine Priorität sollte der regelkenzeichen machte. Stars wie Julia Roberts oder mässigen Dentalhygiene zugeschrieben werden. Tom Cruise sprechen offen über Bleaching oder Sie ist die Voraussetzung für das rosige Aussehen durchgeführte Zahnkorrekturen. Ja, auch ich muss unseres Zahnfleisches, welches beim Lächeln für mich dazu zählen. Vor zwei Jahren habe ich eine jedermann sichtbar ist. kieferorthopädische Behandlung mittels Invisalign durchgeführt, ohne Brackets und ganz scho- Das perfekte Lächeln ist die Kombination aus gesunden nend. Ein tägliches Tragen von herausnehmbaren Zähnen und die damit verbundene Selbstsicherheit, Kunststoffschienen über einen längeren Zeitraum welche Personen, die Ihnen begegnen, in Erinnerung hat dazu geführt, dass ich jetzt perfekt stehende bleiben. Denn: Jedes Lächeln auf der Welt ist einzigartig.

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«Um das Gewicht der Barthaare, die ich verloren, hat mein Verstand zugenommen.» Giacomo Girolamo Casanova (1725 – 98)

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Beauty

Voll im

Trend LuxusNassrasur

Der Beruf des Barbiers ist ausgestorben und doch gibt es noch einige wenige Coiffeure, die ein Handwerk dieses Berufsstandes beherrschen: die Nassrasur. Immer mehr Männer lassen ihren Trockenrasierer im Schrank stehen und geniessen das Ergebnis der alten Zunft. Die Nassrasur feiert ein Comeback und ist dazu eines der männlichsten Schönheitsrituale überhaupt. Valeska Jansen

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Beauty

M

Morgens muss es schnell gehen, vor allem im Badezimmer. Duschen, Zähne putzen und schnelle Rasur heisst das bei vielen Männern. Einweichen, einseifen, rasieren und tonisieren kosten Zeit, und Zeit ist Luxus. Doch gibt es gerade eine Renaissance einer eigentlich zeitaufwendigen Prozedur in der männlichen Körperpflege: Nassrasur ist voll im Trend. Hiess es noch vor ein paar Jahren schwarz oder weiss bzw. nass oder trocken, steigen heute immer mehr Männer auf nass um. Zeit gegen Ergebnis, sozusagen. Denn nach einer Nassrasur ist die Haut um ein Vielfaches zarter als nach der Trockenrasur mit dem Elektrorasierer. Das ist mit Sicherheit ein Faktor, ein anderer ebenfalls wesentlicher: Das Ergebnis hält länger an. Griffen Männer mit starkem Bartwuchs oft am Abend nochmals zum Elektrorasierer, reicht bei der Nassrasur ein einmaliges Ritual am Morgen vollkommen aus.

Die Qual der Wahl Nassrasierer gibt es heute in allen erdenklichen Farben und Formen. Eine Klinge, zwei, drei oder fünf, Rasierschaum aus der Tube, der Dose oder dem Tiegel. Nur eine Frage der persönlichen Vorliebe. Einzig beim Rasierpinsel, da scheiden sich die Geister und auch die Preise. Reines Dachshaar, Dachshaar mit Schweineborsten oder reine Schweineborsten gehören zu den Favoriten. Je nach Qualität der Haare kann so ein kleiner Rasierpinsel auch schon einmal ein kleines Vermögen kosten. Fragt man einen Coiffeur, der das Handwerk der Nassrasur noch von der Pike auf gelernt hat, kommt man schnell down to earth: «Ich rasiere meine Kunden mit einem normalen Nassrasierer mit einer einzelnen Klinge, die ich allerdings nach jeder Rasur immer wechsle. Das ist vom Coiffeurverband so vorgeschrieben. Als Rasierschaum verwende ich Seifenpuder und einseifen tue ich mit einem schlichten Naturhaarpinsel», sagt Heinz Hofer, Inhaber des Coiffeursalons HaarSchopf mitten in Zürich. Am Neumarkt 14 bietet er noch seine vom Aussterben bedrohte Handwerkskunst an. Verlangt wird sein Dienst meist spontan: «Meine Rasurkunden kommen spontan in meinen Salon. Ihnen ist gerade der Rasierer ins Waschbecken gefallen und sie haben gleich ein wichtiges Meeting. Stammkunden in diesem Bereich gibt es nicht mehr», erklärt Hofer. Tatsächlich steht die Nassrasur bis heute auf dem Lehrplan der CoiffeurAuszubildenden, allerdings mangelt es am lebenden Versuchsobjekt. Geübt wird an sogenannten Rasierköpfen aus Kunststoff. Manko dabei ist die Zeit, denn lebende Modelle stellen sich laut Hofer einfach nicht mehr zur Verfügung. «Dabei ist so eine Nassrasur wie ein Wellnessritual. Das Radio wird in meinem Salon abgeschaltet. Die Haut wird mit warmen nassen Tüchern eingeweicht. Es folgt das Einschäumen mit der Rasierseife und die Rasur. Anschliessend wird erst tonisiert und dann mit einer Aftershave-Erfrischung abgeschlossen. Das dauert alles in allem eine halbe Stunde circa. Diese Zeit hat doch heute niemand mehr», erläutert Hofer. Wenig begeistert ist er als Profi von den im Supermarkt erhältlichen Rasierschäumen: «Die trocknen die Haut aus und reizen sie. Sie sind einfach nicht fein genug.»

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Beauty

Mehr als Schaumschläger Tatsächlich ist die Beschaffenheit eines Rasierschaums elementar wichtig. Er muss Feuchtigkeit halten, sodass die Barthaare aufgeweicht werden. Er sollte mit Ölen angereichert sein, um die Haut gleichzeitig zu pflegen. Das beste Schaumergebnis erhält man noch immer, wenn der Schaum von Hand aufgeschlagen wird. Dafür eignen sich Rasierseife, Rasierpulver oder auch Rasiercreme, die in einem Schälchen mit etwas Wasser mit dem Rasierpinsel aufgeschlagen werden. Aufgetragen werden sollte der Schaum gegen den Strich, das heisst gegen den natürlichen Haarwuchs. Hierbei wird die Haut gleichzeitig fein gepeelt. Nach einer dreiminütigen Einwirkzeit wird zuerst gegen den Haarwuchs rasiert und danach mit dem Haarwuchs. Der Profi würde nun mit einem Rasier-Tonic die Haut erfrischen, um sie anschliessend mit einem Aftershave zu pflegen. Hofer ist sich sicher, dass seine Handwerkskunst bald gar nicht mehr gefragt sein wird, was traurig ist, denn für diverse andere Schönheitsbehandlungen reicht die Zeit ja auch irgendwie aus. «Eigentlich sollte ich über mein Wissen einen Film drehen, sodass es der Nachwelt erhalten bleibt. Bald wird

niemand mehr wissen, wie mein Handwerk richtig funktioniert», sagt der 63-Jährige. Vielleicht liegt es aber auch an einem falschen Bild. Wer kennt die Filmszenen nicht, wo mit dem Barbiermesser Kehlen durchtrennt werden? Mit dem alten langen Rasiermesser wird schon lange nicht mehr gearbeitet. «Das ginge heute gar nicht mehr. Es ist Vorschrift, nach jeder Rasur eine nagelneue Klinge zu verwenden», lacht Hofer. Seine potentielle Kundschaft wäre eigentlich gross, denn laut Studien haben sich weltweit circa 240 Millionen Männer gegen einen Bart entschieden und rasieren sich täglich. Über 60 Prozent davon schwören dabei auf die Nassrasur, ganz à la Arthur Schopenhauer (deutscher Philosoph): «Alles Behaartsein ist tierisch. Die Rasur ist das Abzeichen höherer Zivilisation.»

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Beauty

SHORTCUT Wissenswertes – Durchschnittlich ist ein Mann in seinem Leben 3 350 Stunden mit dem Rasieren beschäftigt. – Die Barthaare bestehen aus 7 000 bis 15’000 Stück. – Das Barthaar eines Mannes ist 50 – 60 % dicker als das Haar einer Frau. – Trockene Barthaare sind genauso widerstandsfähig wie gleich dicke Kupferdrähte.

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kolumne Mehr Mut! MAC setzt sich mit dem Aids Fund an vorderster Front gegen HIV und Aids ein und ist damit ein wichtiger Partner für den Life Ball in Wien. Klar, dass ich die Einladung an den Life Ball mit grosser Freude angenommen habe. Denn die Millionensummen, die der Gründer Gery Keszler mit seinem jährlichen Sommer-Event bereits für Forschung und Patientenbetreuung gesammelt hat, lassen mich staunen. Götz Winter Das Motto des diesjährigen Events: «1001 Nacht – Es braucht die Nacht, um die Sterne zu sehen.» Meine Reaktion auf den vorgeschlagenen Dresscode? Leichte Panik. Denn die Party-Outfits, die wir jeweils in der Presse zu sehen bekommen, sind oft an Originalität kaum zu überbieten. Und wer mich kennt, weiss, dass ich in Sachen Styling nicht unbedingt zur Kategorie «Paradiesvögel» gehöre. So wählte ich den Weg des höchsten Wohlfühlfaktors: klassische Abendgarderobe mit schwarzem Smoking. Ich kann ehrlich sagen, dass ich mit der Wahl meines Outfits zwischen den sexy Aladins und sündigen Schlangenbeschwörerinnen durchaus auffiel. Noch nie habe ich eine derart eklektische Ansammlung von Persönlichkeiten an einem Ort erlebt. Wo könnte es sonst denn geschehen, dass sich die 78-jährige «Bezaubernde Jeannie»Darstellerin Barbara Eden im bauchfreien Originalkostüm flirtend mit Bill Clinton unterhält? Oder sich Roberto Cavalli und Karolina Kurkova vor Lachen kugeln, während sie ihre schwarzen Anzüge miteinander vergleichen? Von der Popsängerin Fergie über Oscar-Preisträgerin Hillary

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Swank, dem grossartigen Künstler Gottfried Helnwein bis hin zur Opernsängerin Anna Netrebko haben sich alle prächtig amüsiert. Und Ozzy-Osbourne-Tochter Kelly passte mit ihrem Markenzeichen, den lila gefärbten Haaren, perfekt ins Bild. Es wäre ein Leichtes gewesen, mich von all der partywütigen Prominenz blenden zu lassen. Was mir jedoch auf- und gefiel am Life Ball war die Selbstverständlichkeit, mit der die anwesenden Stars immer wieder den Zweck des Anlasses in den Mittelpunkt rückten. Ohne Pathos, aber mit viel Leidenschaft. Viele der anwesenden Gäste haben selbst Freunde und Familienmitglieder an die Krankheit verloren und verspüren die Lücke, die diese hinterlassen haben, immer wieder neu. «Wenn wir HIV-positive Menschen alleine lassen, dann können wir nie Aids hinter uns lassen», appellierte Elton John auf der Bühne. Und Bill Clinton, seiner «bezaubernden Jeannie» zuzwinkernd, betonte, dass es noch mehr Engagement brauche, damit heute niemand mehr an Aids sterben müsse. Was ich ganz persönlich von dieser unglaublichen Partynacht in Wien mitgenommen habe, hat weniger mit Hedonismus zu tun, sondern mit Courage. Mutig sein, seine Träume zu verwirklichen, wie es Gery Keszler gemacht hat, um anderen zu helfen. Oder an sich selbst glauben. Und bewusst nicht auf die innere Stimme zu hören, die einem eindringlich rät, auf Nummer sicher zu gehen. Dazu gehört definitiv mein Outfit, falls ich nächstes Jahr wieder zum Life Ball gehe: knallrote Socken zum Smoking!


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personal

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Rubriken

Warum

Autos lieben

Emotionales aus dem Cockpit Am Anfang ist das Auto. Noch bevor man seiner Mutter das erste Mal ins Dekolleté sabbert und die kleinen Hände nach glänzenden Schokomünzen ausstreckt, ist der vierrädrige Freund bereits fest im Bewusstsein eines Mannes implementiert. Jan-Christopher Sierks

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DRIVE STYLE

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Die Phase der Individualisierung durchlaufen wir einige Jahre später, wenn wir im Sandkasten mit unserem roten FerrariModell die aufreizenden Blicke der Mädchenkrabbelgruppe auf uns ziehen – und erstmals den süssen Duft des Erfolgs schnuppern, während unsere Kumpels apathisch brummend ihre niedlichen kleinen Opel und Ford durch den dreckigen Sand schieben.

Fahrzeug-Psychologie Wahre Männer gönnen sich ein wohlproportioniertes und elegantes Fahrzeug, das durch Sensibilität im Detail und mit puristischer Eleganz überzeugt. Ich vertrete die gleiche Meinung wie Giorgio Armani: Ansprechend sind klassische Designs, die nicht auffallen. Trotzdem dürfen mir Ausstattung und Karosserie verraten, dass sie eine neue Ära heraufbeschwören wollen. In von Hand gebauten Luxusautos, die mit Talent und Materialbewusstsein von Spitzenhandwerkern erschaffen wurden, vergesse ich den Alltagsstress. Ich kann mich am Anblick der ledernen Sitzpolster, der verchromten Instrumente, der edlen Holz- und Metallelemente des lnterieurs sowie des anmutigen Karosserieblechs erfreuen. Das Gefühl kann dabei durchaus variieren. Mit einem Aston Martin beweise ich Stil, Eleganz und das Gespür für ein gewisses Understatement. Ich bin der perfekte Gentleman und fahre die Herzallerliebste sicher nach Hause. Machen Sie sich allerdings keine Hoffnungen, dass der standesgemässe AstonFahrer noch mit auf einen Kaffee hochkommt. Für ihn gibt es nach Mitternacht nur einen Ort für die Liebe: mit seinem V8 Vantage S auf der linken Spur der Autobahn. Ein anderes Beispiel: Wenn ich im Zeichen des Stiers mit einem Lamborghini Aventador unterwegs bin, zeige ich gern, was ich habe. Nämlich mehr Deckkraft als eine Familienpackung Tipp-Ex. Die Kumpels von damals sind ihren Marken treu geblieben, haben die Demütigung aber nie verwunden und wohnen deshalb wohl immer noch bei Mutti.

Cockpitbegleiterinnen Wir dagegen haben die Grenzen des Spielplatzes auf die gesamte Stadt erweitert und wissen inzwischen sehr genau, mit unseren automobilen Reizen umzugehen. Natascha, die stilbewusste Dame unseres Herzens, chauffieren wir mit dem Maserati GranCabrio durch Nizza. Evana, die Körperfreundin, holen

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wir mit dem Ferrari 458 Italia von der Massage ab. Und Sophie, die Tochter des Vorstandschefs‚ wird in einem offenen Unikat, vorzugsweise dem vorzüglichen Z8 von BMW, zum Picknick entführt. Wirklich emotional wird es für uns Männer aber erst, wenn die Mädchen ins Bett gebracht oder mit einer Shoppingtüte High Heels kaltgestellt sind – und wir das Cockpit wieder für uns allein haben. Denn erst, wenn sich die Autobahn zu einem schmalen Streifen verdünnt, die Zylinder brüllen und die Drehzahlnadel in rote Bereiche zuckt, wissen wir wieder, worum es eigentlich geht auf dieser Welt. Wir lieben unsere Frauen, keine Frage. Und auch unsere Jobs möchten wir nicht tauschen. Aber ganz ehrlich – wenn es die Möglichkeit gäbe, für immer und ewig bei 300 Sachen in die Sportsitze eines Bugatti gepresst zu werden oder einen Porsche Turbo aus dem Stand bis ans Limit zu beschleunigen, wir würden sofort unterschreiben. Das würde Ihr Mann niemals tun? Dafür ist er viel zu bodenständig und verantwortungsbewusst? Dann fragen Sie ihn mal nach seinen Sandkastenerinnerungen …


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Sliden

und cruisen zwischen Tr체ffel Durch kurvenreiche Bergstrassen und spektakul채re K체stenabschnitte im Fahrtwind eines Porsche. Lone K. Halvorsen

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Dirk Deckbar


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Kaum ein anderer hat die Entwicklung des Automobils so massgeblich beeinflusst wie Ferdinand Porsche. Bereits 1906 begann der damals 21-Jährige seine Automobilkarriere als Entwicklungsleiter bei der Österreichischen Daimler KG. Die Begabung des Konstruierens wurde von den Porsches von Generation zu Generation weitergegeben. Ferdinand Alexander Porsche, der Enkel des Firmengründers, zeichnete 1961 für die Entwicklung des Porsche 901 verantwortlich, der 1963 als Porsche 911 auf der IAA vorgestellt wurde und bis heute als Basis für den automobilen Erfolg des Unternehmens steht. Im Schatten des 911 entstanden in den Jahrzehnten danach einige Fahrzeuge, jedoch konnte keines den 911 vom Thron schubsen. Der Kultstatus vom 911 ist legendär, dennoch findet man bei Porsche einige andere Modelle, welche mit engagiertem Tatendrang am Elfer-Thron rütteln. Als leidenschaftlicher Porsche-Fan war es für mich eine exzellente Gelegenheit, die Modelle Boxster S, Cayman S und den legendären 911 Carrera auf der Halbinsel Istrien an der azurblauen Adriaküste zu erleben. Jedoch sollte nicht nur die schöne Natur genossen werden – es standen vielmehr die Autos im Mittelpunkt.

Zagreb – Opatija – Rovinj mit 911 Carrera S Nach der Ankunft am Flughafen Zagreb wurden wir abgeholt und ins Hotel Regent Esplanade gefahren, wo ein Fahrerbriefing stattfinden sollte. Insgesamt zwölf Autos waren aus Stuttgart nach Zagreb transportiert worden, die nun auf fahrhungrige Journalisten warteten. Das Ziel des heutigen Tages war Rovinj; bevor wir jedoch dort in der Abenddämmerung ankommen sollten, warteten viele Kilometer Fahrspass auf uns. Meine erste Etappe sollte mit dem 911 Carrera S stattfinden. Eine Ikone, die alle bisherigen Autos in meinem Leben in den Schatten stellt. Der 911 ist im Laufe der Jahre grösser geworden. Doch die unumgängliche Verdächtigung: grösser gleich klobiger gleich schwerer – kann nicht bestätigt werden! Durch die Fahrzeugarchitektur mit breiter Spur an der Vorderachse und einer flachen Dachlinie wirkt der 911 in der Frontansicht dynamisch und sportlich elegant. Das Heck ist knackig – sowohl im Design als auch im Auftritt und in der Wirkung. Eine klare Formsprache mit einer klaren Linienführung und als Abschluss die schmalen Heckleuchten, die die horizontale Ausprägung des Hecks unterstreichen. Und last, but not least die Edelstahlendrohre (bei den S-Modellen sind sie auf beiden Seiten doppelflutig ausgeführt), die auf Knopfdruck für noch mehr Sportwagensound sorgen. Ich drehe den Schlüssel in das links liegende Zündschloss – das ebenfalls fast schon Kultstatus erworben hat – und mit einem heiseren Sound startet das Triebwerk synchron zu meiner Gänsehaut. Je höher die Drehzahl, desto grollender das Klanggewitter über dem Elfer-Heck. Es wäre schade, das Verdeck zu schliessen, denn der Sound zieht wie ein Tornado in den geöffneten Innenraum. In Zagrebs Innenstadt geht es nur langsam voran. So habe ich Zeit, das Interieur unter die Lupe zu nehmen. Hier geht Sportlichkeit im Einklang mit Komfort. Das gilt auch bei der durchdachten Ergonomie, die das gesamte Interieurdesign durchzieht: Materialien, Bedienlogik und -anordnung. Die neu konzipierte leicht ansteigende Mittelkonsole besitzt zwar einige Knöpfe, jedoch gewinnt man recht schnell den Überblick. Ihr Bedienungskonzept ist nach einem klaren Prinzip ausgerichtet: dem direkten Weg. Nachdem wir aus der Stadt sind, cruisen wir entspannt über die Autobahn Richtung Karlovac, um uns einer Bergregion, die von Fichten- und Buchenwäldern sowie kurvigen Strassen geprägt ist, zu nähern.

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Da ich die Unebenheiten der Strassenoberfläche etwas intensiver spüren möchte, schalte ich das aktive Fahrwerk «Porsche Active Suspension Management» (PASM) ein. Per Tastendruck schaltet man in den Sport-Modus und eine härtere Dämpfung und ein direkteres Einlenken sind sofort deutlich spürbar. Die Motorsteuerung macht den Motor noch bissiger und die Kennlinie des Gaspedals wird dynamischer. Eine beeindruckende Lenkung und eine variable Lenkübersetzung sorgen dafür, dass sich die «schwere» Sportskanone auch bei hoher Geschwindigkeit stets präzise und sicher lenken lässt. Die Ankunft in Rovinj erlebte ich mit gemischten Gefühlen: Wehmut über die Fahrt, die zu schnell vorbei war, aber auch Freude darüber, dass am nächsten Morgen ein neues Porsche-Modell auf mich wartet.

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Rovinj – Livade – Selce mit Boxster S 315 PS, von null auf 100 in 5,1 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 279 km/h – diese Werte markieren das «unterste Niveau» der Zuffenhauser Sportwagenbauer, denn sie stehen auf dem Datenblatt des Porsche Boxster S. Die Zeiten, als der Boxster als «Hausfrauen-Porsche» betitelt wurde, gehören längst der Vergangenheit an. Denn mit der neuesten Generation rückt der Sportwagen ein ganzes Stück näher an den 911 heran. Preislich gibt es grosse Differenzen zwischen dem 911 und dem Boxster – jedoch gewiss nicht beim Fahrvergnügen! Daher ist es legitim, sich zu fragen: Wie viel Porsche braucht der Mensch? Tut es auch schon der «kleine» Porsche? Wer über den Erwerb eines Porsche nachdenkt und sein Geld budgetieren muss, wird möglicherweise irgendwann vor dieser Entscheidung stehen. Auf den kurvigen Strassen durch das grüne Hinterland von Istrien fährt der Boxster S ebenso scharf und bissig wie sein grosser Bruder. Dies vor allem bei gedrückter Sporttaste – der Motor klingt kerniger und er drängt mit einer Vehemenz nach vorn, die jede Äusserung betreffend «Hausfrauen-Porsche» wie ein Witz erscheinen lässt. In der Stadt Grožnjan – auch als die Stadt der Künstler bekannt – machen wir einen Halt. Die Stadt ist besonders interessant wegen ihrer Geschichte, die sich in jedem Winkel spüren lässt und doch mit der Gegenwart verschmilzt. Die Ortschaft ist voll von alten Kirchen, urgeschichtlichen Funden, altehrwürdigen Kastellen und vielen anderen alten Bauwerken, die nach der Renovierung ihren ursprünglichen Glanz wieder entfalten, um dem Betrachter die Lieblichkeit ihrer Entstehungszeit zu zeigen. Nach dem weniger PS-lastigen Spaziergang kommen wir zurück zu den Autos. Der Anblick des Boxsters anno 2012 begeistert mich erneut. Von den rundlichen Formen seines Vorgängers hat er sich grösstenteils verabschiedet. Der Wagen ist etwas breiter geworden und der lange Radstand sowie die nach vorne gezogene Windschutzscheibe unterstreichen die keilförmig gestreckte Silhouette. Geschlossen verstärkt das sehr flach verlaufende Verdeck diesen Eindruck noch einmal. Ein optisches Highlight am Heck ist der Flügel, der bei 120 km/h automatisch ausfährt, um den Auftrieb zu reduzieren. Das Interieur der Boxster-Modelle führt weiter, was das Äussere verspricht. Das Innenraumkonzept bietet mehr Platz und spiegelt die neue Porsche-Linie mit der ansteigenden Mittelkonsole wider. Doch weiter geht es nach Livade. Dort erwartete uns ein Trüffelmenu im berühmten Restaurant Zigante. Seit Herr Zigante die mit 1,3 Kilogramm grösste Trüffel der Welt fand, gilt Livade als Weltzentrum der Trüffel. Gestärkt machen wir uns danach auf Richtung Selce. Durch das kurvenreiche Hinterland fährt der Boxster bissig durch die Kurven, beschleunigt schnell, bremst präzise und lässt sich exzellent lenken. Als wir am späten Nachmittag die Stadt Selce erreichen und der Tag mit dem Boxster sich zu Ende neigt, stellt man sich die Frage: einen Boxster oder einen 911? Nüchtern betrachtet ist es eine Frage der Details. Fest steht jedoch, die Zeit ist definitiv reif, um den alten Ruf des Boxsters endgültig zu begraben.

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DRIVE STYLE

Selce – Plitvice - Zagreb mit Cayman S Flacher und gestreckter, leichter und schneller, effizienter und stärker als zuvor stellt sich die dritte Generation des Cayman vor. Längerer Radstand, breitere Spur und grössere Räder steigern die Fahrdynamik des Mittelmotor-Sportwagens auf ein in dieser Klasse konkurrenzloses Niveau. Der Cayman S ist allein akustisch ein wahrer Genuss: Schon beim Anlassen heult der Motor kurz auf und bei aktivierter Sport-Plus-Abstimmung gibt der Motor beim Runterschalten selbsttätig und unüberhörbar Zwischengas. Der Sound klingt wie ein Löwe, der seine Umgebung anbrüllt. Auch wenn man technisch betrachtet gut ohne auskommen kann – diesen Sound wünsche ich mir als Klingelton auf meinem Handy. Die Fahrt über die Küstenstrassen ist ein wahrer Genuss – von den steilen Klippen geniesst man den atemberaubenden Blick auf das türkisfarbene Wasser der Adria. Dabei stelle ich fest, dass der Cayman es eigentlich gar nicht nötig hat, mit profanem Auspuffdröhnen auf sich aufmerksam zu machen. Denn das Klangerlebnis ist natürlich nur eine nette Beigabe zum beeindruckenden Fahrerlebnis. Der Cayman S bietet reinrassiges Sportwagen-Feeling und einen mehr als dynamischen Antrieb. Die Kraftreserven scheinen nie auszugehen, Zwischenspurts und Überholmanöver erzeugen jedes Mal aufs Neue wieder Glücksgefühle. Die Kraft allein über die Hinterräder auf den Asphalt zu übertragen, stellt für den Cayman S überhaupt kein Problem dar und in 4,9 Sekunden geht es von null auf 100 km/h. Mit deutlicher Fahrdynamik pirscht sich der Porsche Cayman S einen grossen Schritt näher an den 911 Carrera heran. Auch wir rücken immer näher an das Ziel unserer Reise. Zurück in Zagreb erreichen wir das Hotel Regent Esplanade parallel mit der schwedischen Königsfamilie. Und auch ich fühle mich ein wenig geadelt, als ich mit dem Cayman S am Eingang des Hotels vorfahren kann.

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pirelli.ch Rubriken

ENGINEERED TO EXCITE

TECHNOLOGIE – MIT DEN FÜHRENDEN FAHRZEUGHERSTELLERN ENTWICKELT – UM DIE LEISTUNG IHRES FAHRZEUGES ZU STEIGERN. The Luxury Way of Life | 211


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kolumne Frau kauft Auto Die schlechte Nachricht für die Herren gleich vorweg: Laut Statistiken der Autoindustrie entscheiden Frauen heute zu zwei Dritteln den Autokauf, egal, ob das Gefährt für den Ehemann, den Sohn oder den eigenen Gebrauch gedacht ist. Das ist happig für die Männer, aber bestimmt nichts Neues: Wie oft haben Sie sich schon in einen schnittigen Sportflitzer verguckt, die Chefin zuhause legte Tamara Wernli jedoch Veto ein? Eben. Neu ist aber, dass Frauen sich zunehmend selber in unvernünftige, dafür emotional ansprechende Wagen verlieben und sich diese auch selber leisten. Das bestätigt Dino Graf, Leiter Corporate Communication bei AMAG AG: «Die wachsende Anzahl der Frauen in Führungspositionen und mehr Singlehaushalte tragen dazu bei, dass sich Frauen vermehrt Cabriolets oder SUVs der gehobenen Preisklasse kaufen.» An dieser Stelle atmen Ehegatten (und Liebhaber) auf, zu Recht! Denn wie’s aussieht, müssen sie in Zukunft immer weniger den fahrbaren Untersatz ihrer besseren Hälfte berappen, der gesellschaftlichen Veränderung der Rollenbilder sei Dank. Frau beim Autokauf – in der Praxis sieht das dann so aus: «Der Wagen bietet grossen Fahrspass!» Zur Begrüssung zeigt der Autoexperte – ich bin beim Jeephändler – auf ein KIA-Kompaktmodell, das beim Eingang vor sich hindöst und von der Grösse her in meine Handtasche passt. Warum er automatisch annimmt, dass ich auf emotionslose Kleinwagen mit Mini-Verbrauch und verstellbaren Kindersitzen stehe, bleibt schleierhaft. Das mag bei Frauen, die im fünften Monat mit dem dritten Kind schwanger sind, zutreffen. Da ich aber offensichtlich weder mit Baby im Bauch noch mit Kind an der Hand ausgestattet bin, schrammt seine Bemerkung haarscharf an einer Beleidigung vorbei. Wir setzen uns in einen Range Rover Evoque und er stellt mit endlosen Ausführungen zu Fahrwerk und Langstreckentauglichkeit seine Sachkenntnis zur Schau, dabei interessiert mich lediglich, ob das Fahrzeug CD-Player und Sitzheizung hat. «Ja, aber die Sitzheizung gehört nicht zur Standardausstat-

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tung.» Okay. Und die Einparkhilfe? Wieso grinst er jetzt? Bitte? Das sei ein rein feminines Attribut? Was für ein antiquierter Machomist. An die Herren: Mal ehrlich, wie oft haben Sie schon von den Helferlein an Ihrem Wagen profitiert? Na, also. Beim Mercedeshändler. Hier gefällt mir das sportliche Coupé von der Plakatwerbung; ein junges Model braust darin den Grand Canyon entlang und sieht umwerfend aus. Der Wagen verheisst Verjüngung! Oberflächlich? Aber, ja. Bevor es jetzt Vorwürfe hagelt von wegen «voll ins Klischee der Werbestrategen getappt», ist etwas Entspannung angebracht: besser eine Anti-Aging-Karosse unterm Popo als jede Menge Botox im Gesicht. Wir setzen uns in einen E200 CGI. Du liebe Güte, der Wagen hat mehr Tasten und Hebel als ein Klavier! Warum nicht noch einen Seismografen einbauen, an der Decke wäre noch freier Platz. Zugegeben, Frauen sind voller Widersprüche: Einerseits soll das Auto angemessenen Komfort bieten, andererseits darf es uns technisch nicht überfordern, letztlich würde also das Innenleben eines 2CV von 1950 (mit CD-Player) ausreichen. «Das AMG-Sportpaket käme noch extra hinzu.» Was bitte soll ich mit AMG? «Wie gesagt, mir gefällt exakt das Modell von der Plakatwerbung», zische ich. Dass die Männerwelt ihre Blechkisten mit überflüssigem Machokram aufmotzt, ist ja evolutionsbedingt nachvollziehbar: Wer in der Steinzeit die grösste Beute nach Hause brachte, beeindruckte die meisten Weibchen. «Das hab ich so verstanden», gibt mein Gegenüber zurück. «Der Wagen von der Werbung hat Front- und Heckschürzen, Seitenschweller und grosse Felgen, genau dieses AMG-Paket macht den sportlichen Look aus.» Autsch. Drei Tage später entscheide ich mich fürs Coupé mit Sportpaket und 19-Zöllern. Über die Wahl des Autos bestimmen vielleicht die Frauen, an den Kaufentscheid heran führt uns aber immer noch der Mann … solange wir ihm sagen, was wir wollen. Ganz ohne ihn geht’s also doch nicht … und jemand muss uns die Kutsche ja auch noch bauen.


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The Next Generation Die Enkel Calatravas und Hadids Renommierte Grรถssen wie Zaha Hadid, Richard Meier oder Sir Norman Foster sind fast jedem ein Begriff. Doch wer sind die Architekturstars von morgen? Yvonne Beck

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Die Liste der Pritzker-Architektur-Preisträger ist lang. Der 1979 von dem US-Amerikaner Jay A. Pritzker (Besitzer u. a. der Hyatt-Hotelkette) und dessen Gattin Cindy gestiftete Preis gilt als renommierteste Auszeichnung in der Architektur und geniesst in Fachkreisen eine sehr hohe Wertschätzung. In der Schweiz zählen Jacques Herzog und Pierre de Meuron (2001) sowie Peter Zumthor (2009) zu den Preisträgern. Im Jahr 2004 wurde erstmals eine Frau gewürdigt: Die aus dem Irak stammende Britin Zaha Hadid erhielt den Preis für ihr Lebenswerk. Frank Gehry, Aldo Rossi, Tadao Ando, Renzo Piano, Rem Koolhaas und Jean Nouvel sind weitere bekannte Preisträger. Ihre ungewöhnlichen Entwürfe und herausragenden Bauwerke faszinieren Menschen auf der ganzen Welt. Längst haben sich ihre Gebäude zu wahren Architektur-Pilgerstätten entwickelt. Doch bereits steht eine neue Generation von Architekten in den Startlöchern, um den «alten Herren der Baukunst» neue Wege zu zeigen.

Zurück zur Handwerkskunst Die ausgetretenen Architekturpfade verlassen hat sicherlich das von Bijoy Jain gegründete Studio Mumbai. Ein Kollektiv aus Handwerkern und Architekten, die ihre Projekte direkt entwerfen und auch bauen. Der indische Architekt Bijoy Jain und seine Mitarbeiter schaffen Architektur aus der direkten Erfahrung mit dem Ort, mit gegebenen Materialien und mit dem Formwillen entsprechender Handwerkskunst. So ist Studio Mumbia kein Architekturbüro im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr ein Konstruktionslaboratorium mit einem klaren Schwerpunkt auf Holz. Im Studio Mumbia stehen selbst in Zeiten der Globalisierung die handwerklichen Fertigkeiten ganz klar wieder im Vordergrund. Denn man ist überzeugt, dass «durch kreative Prozesse und das Bestreben, auf Grundlage eines sedimentierten Konstruktionswissens ein Bezug zur Geschichte und zum Gedächtnis des Ortes herzustellen ist». So verbindet Bijoy Jain mit seinem Studio Mumbai indische Handwerkskunst mit moderner Architektur wie kaum ein anderer zeitgenössischer Architekt. Ziel des Studio Mumbai ist es, eine menschenfreundliche Infrastruktur zu schaffen, jenseits der Bauboomsünden der indischen Metropolen, die er als «Fotokopie-Design» kritisiert. Bijoy Jain entsetzte die Verwestlichung der indischen Architektur und der dadurch einhergehende Verlust der indischen Wurzeln. Daher wundert es nicht, dass nun bei all seinen Projekten die Landschaft, die lokalen Ressourcen und Materialien eine übergeordnete Rolle spielen. Sie sind zusammen mit lokalen Kunsthandwerkern und Baumeistern der Drehund Angelpunkt seiner Gebäude. Maurer, Steinmetze und Tischler führen nicht nur einfach ihre Arbeiten nach Anweisungen aus, sondern fungieren schon während der Planungsphase und des Bauprozesses als Berater. Das Studio Mumbia lässt so die indische Tradition und den nachhaltigen Umgang mit lokalen Ressourcen in althergebrachter Weise wieder aufleben. So entstand unter anderem das Palmyra Haus in Nandgaon (Indien), für das er den Architektur-Preis für nachhaltige Architektur erhielt. Betrachtet man dieses Gebäude, ist es kaum zu glauben, dass Bijoy Jain nach seinem Studium eine ganze Zeit bei dem amerikanischen Architekten Richard Meier arbeitete. So wenig hat er mit dem amerikanischen Stararchitekten gemein. Gänzlich anders ist auch die Arbeitsmethodik des Studio Mumbai, die auf dem Prinzip «Learning through making» beruht. Mit kleinen Holzmodellen werden Baukonzepte erprobt, an grösseren Modellen die Details entwickelt und danach Prototypen gebaut, die bei der Realisierung als Vorgabe für die Handwerker dienen. So wird im Studio Mumbai heutige Architektur mit hergebrachter Handwerkskunst realisiert.

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Minimalistische Architektur in der Natur Norwegen ist bekannt für seine Fjorde, seine Bilderbuch-Landschaften und seit einigen Jahren für seine herausstechende Architektur. Und so machen norwegische Architekten derzeit international Furore. Allen voran natürlich das norwegische Architekturbüro «Snøhetta», welches für die neue Oper in Oslo verantwortlich zeichnet. Doch auch einige in unseren Breiten noch relativ unbekannte Architekten setzen dem Land ihren unvergleichbaren architektonischen Stempel auf und sorgen für mehr und mehr Furore. Einer von ihnen ist Todd Saunders. Der kanadisch-norwegische Architekt erobert vom norwegischen Bergen aus nach und nach die Welt. Besonders aktiv ist er jedoch in Norwegen, England, Dänemark, Schweden und Kanada. Nach Auffassung von Todd Saunders ist es schwer, einen Ort inmitten der Natur zu verbessern, viel leichter ist es, einen Ort zu zerstören – vor allem durch die falsche Architektur. Trotzdem setzt er sich das Ziel, gerade an einsamen Orten, umringt von Natur, architektonische Glanzperlen zu errichten. So hat Saunders unter anderem auf Fogo Island (vor Neufundland gelegen) sechs Künstlerateliers entworfen. Diese Studios sind eigenständige Skulpturen in der Landschaft. Völlig autarke, vom öffentlichen Netz unabhängige Bauten. Sie stehen harmonisch und doch in Kontrast mit der rauen Natur, die sie umringt. Bereits jetzt sind sie zu einer weltweiten Attraktion geworden und locken viele Architekturbegeisterte an. Auch in das kleine norwegische Dorf Aurland, 180 Kilometer nordöstlich von Bergen, finden Jahr für Jahr tausende Touristen den Weg. Wiederum, weil Saunders sich hier architektonisch verwirklicht hat. Mit einer dreissig Meter langen Rampe aus Holz, 600 Meter über dem Meeresspiegel, welche einen grossartigen Blick auf den Aurlandsfjord gibt. Die architektonische Besonderheit dieses Projekts liegt vor allem an der scheinbaren Dramatik der Plattform, die nach vorne überzukippen scheint. Auf dem Weg bis zum Ende der Plattform hat man stets den Eindruck, auf ein ungesichertes Ende zuzugehen. Höhenrausch und Schwindelgefühl inklusive.

Grosse Wirkung auf kleiner Breite Die kleine Stadt Bilzen in der belgischen Provinz Limburg kannte bis vor kurzem kaum jemand. Der Ort ist geprägt von typischen flandrischen Einfamilienhäusern der Nachkriegszeit. Doch seit der Architekt Bassam El Okeily sich hier verwirklichte, kommt Bilzen neue Ehre zu. Der gebürtige Ägypter mit Wohnsitzin Paris und Brüssel baute in Bilzen ein zwar schmales, aber von der Fachpresse begeistert gefeiertes Haus. Und das, obwohl es sein erstes Projekt ist. Trotz gänzlich anderer Materialität wie die seiner Nachbarn fügt sich das dreigeschossige Gebäude perfekt in die umgebende Bebauung ein. Über dem geschlossen erscheinenden Erdgeschoss mit Eingang und Garagenzufahrt öffnet es sich mit einer markanten Glasfront über die gesamte Hausbreite. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit bietet das Haus ein wahres Bühnenspektakel. Eine farblich wechselnde Beleuchtung erzeugt immer wieder neue Lichtstimmungen auf der Aussenhülle des Hauses und die sich im Haus bewegenden Bewohner erscheinen wie auf einer Bühne. Wohn- und Schlafzimmer befinden sich daher im hinteren Teil, so bleibt die Privatsphäre trotz gläserner Fassade bewahrt. Trotz der dicht bebauten Häuserzeile und einem Grundstück von nur fünf Meter Breite erhielten die Auftraggeber so ein helles und grosszügig erscheinendes neues Heim, das weit und breit seinesgleichen sucht.

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SHORTCUT Wer sind die Stars der zeitgenössischen und internationalen Baukunst der Zukunft? Die jüngste Folge des Referenzwerks für Entwicklungen in der zeitgenössischen Architektur präsentiert abermals faszinierende Entwürfe aus aller Welt, realisierte ebenso wie aktuell im Bau befindliche Projekte. Kein Stil, kein Bautypus wird unterschlagen, was «Architecture Now! Vol. 8» zum echten Nachschlagewerk macht. Vertreten sind bekannte Namen wie Ryue Nishizawa (bekannt als Mitbegründer von SANAA) oder Thom Mayne vom Büro Morphosis, ebenso wie die neuen Stars Joshua Prince-Ramus (REX) oder Sou Fujimoto. Aber auch weniger bekannte Architekten – die Stars von morgen – werden vorgestellt. Profis wie Laien vermittelt dieses Buch, was Architektur zu bieten hat ... now!

«Architecture Now! Vol. 8» Philip Jodidio Taschen Verlag

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Living News Zauberhafte Glas-Lüster Durch ein einzigartiges Spezialverfahren werden Glasstäbe- und Rohre so erhitzt und gedreht, dass eine edle wellenartige Struktur entsteht. Auf wundersame Weise wandeln sich so Lichtquellen zu traumhaften Erlebnissen: glamourös, luxuriös, majestätisch, klassisch und individuell. Ein Highlight in unzähligen Varianten, sowohl für Ihr Zuhause als auch für den Objekt-Bereich. www.meilerglas.de

Solitaire Für Fürstenberg entwickelte der Architekt Hans Kollhoff eine Vase, die als limitierte Edition präsentiert wird. Silikate und Oxide sorgen für das besondere Dekor der SOLITAIRE-Stücke, die jedes Objekt zum meisterhaften Unikat machen. Denn ist die Glasurmasse aufgetragen und das Werkstück im Brennofen, zeigt sich erst beim Öffnen der Ofentür, welche Formen die Kristalle nach einem viele Stunden andauernden Brennvorgang dieses Mal angenommen haben. Somit erhält die zeitlose Form der Vase eine aussergewöhnliche und spannungsreiche Oberfläche. www.fuerstenberg-porzellan.com

Die Design-Revolution von LAGO Als weltweit operierender Möbelhersteller revolutioniert das italienische Unternehmen LAGO die Design-Welt und stellt dies auf dem Salone del Mobile 2013 in Mailand mit neuen Entwürfen unter Beweis. Ausgangspunkt bei der Entwicklung neuer Möbel ist dabei, den Wohnraum in seiner Gesamtheit zu betrachten – weg von der Suche nach einem Einzelobjekt hin zu einer planmässigen Sichtweise auf die Wohnerfahrung. Die Idee «Play the Change» zielt darauf ab, die Vorstellung von Design nachhaltig zu verändern und Systeme zu schaffen, um diesem Wandel Ausdruck zu verleihen. www.lago.it

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Hosu von Patricia Urquiola Der Lounge-Sessel Hosu von Coalesse und Patricia Urquiola vereint Behaglichkeit, die in privaten Räumen Entspannung verspricht, mit praktischen Details, die konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Hosu lässt sich mit einem einzigen Handgriff in einen Liegesessel verwandeln. Praktische Rückenund Seitentaschen bieten viel Stauraum, eine Kabelführung ist dezent in das Möbel integriert und ein farblich passendes Lendenkissen erhöht den Komfort. Der Lounge-Sessel Hosu ist mit dem renommierten «red dot design award 2013» ausgezeichnet worden. www.coalesse.de

Falling Leaf von Tobias Grau Wie ein Tropfen Wasser, der an der Unterseite eines Blattes hängt – so wirkt die elegante Pendelleuchte von Tobias Grau. Falling Leaf überzeugt durch ihre klare Silhouette und die Materialkombination: Der obere Teil wird aus mattem hochwertigen Kunststoff in verschiedenen Farben gefertigt, der untere Teil besteht aus poliertem Aluminium, das das Licht der Umgebung reflektiert. Und wie immer gibt sich Tobias Grau nicht nur mit einem makellos eleganten Design zufrieden, auch in der technischen Umsetzung spielt die Leuchte auf höchstem Niveau. Mithilfe einer optischen Linse wird das warm-weisse LEDLicht optimal und vollkommen blendfrei gestreut. www.tobias-grau.de

Vipp Tisch Der Vipp Tisch zeichnet sich durch eine aus unbehandelten, recycelten Teakholz-Dielen gefertigte Tischplatte aus, was jeden Tisch individuell macht. Das Tischgestell ist aus pulverbeschichtetem Aluminium gefertigt, mit soliden Eckprofilen, einem Stabilisator aus Stahldraht und Senkkopfschrauben, was dem Tisch einen industriellen Charakter verleiht. Der Tisch ist mit Stellschrauben versehen, die es ermöglichen, Unebenheiten im Boden auszugleichen. www.vipp.com

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Karim Rashid Statt in der Vergangenheit zu leben, sollte sich die Menschheit mit ausschliesslich zeitgenรถssischen Designs umgeben. Lone K. Halvorsen

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Die Vision von Karim Rashid ist eine radikale Designbewegung, deren Kernforderung darin besteht, mit alten Seh- und Lebensgewohnheiten zu brechen, um so eine Welt frei von Nostalgie zu schaffen. Mit mehr als 3 000 Designs in Produktion und mehr als 300 Awards gehört er zu den produktivsten Designern unserer Generation und ist bereits zu einer Designlegende geworden. Der Designer mit ägyptischenglischen Wurzeln erlangte mit dem Design eines Plastikpapierkorbs namens «Garbo Can» seinen Durchbruch. Er spielt gekonnt mit Stilelementen der Moderne und transformiert sie in seine eigene, sehr persönliche gestalterische Sprache, die aus bunten Farben und organischen Formen besteht.

dem Song, den ich gehört habe, von jedem Geruch, jedem Geschmack, vom Sehen, Hören und Fühlen inspiriert.» Inspiriert von seinem Vater, der als Set-Designer beim Fernsehen arbeitete, begann Karim Rashid mit fünf Jahren zu zeichnen. Sein Vater öffnete ihm den Horizont durch das visuelle Wahrnehmen von Dingen im Leben und gab ihm das Vertrauen zum Zeichnen. Bereits zu dieser Zeit begann er, wie ein Designer zu denken. Er erzählt von den Formen eines Fensters, welches ihm nicht gefiel, und wie ihm durch das Zeichnen die Möglichkeit gegeben wurde, neue Ansätze auf Papier zu bringen. Als er im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern von London nach Montreal mit der «Queen Elizabeth» reiste, nahm er an einem Malwettbewerb teil. Während die anderen Kinder Landschaften, Familien und Segelboote malten, entschied er sich dafür, ein Gepäckstück zu zeichnen. Es faszinierte ihn, wie seine Eltern das gesamte Hab und Gut in den Koffern verstauten, und von da an war es ihm klar, dass er sein eigenes Design entwerfen wollte.

Stift und Papier «Es ist, wie Sie in die Welt blicken. Ich bin von meiner Kindheit, meiner Ausbildung, von allen Lehrern, die ich je gehabt habe, von jedem Projekt, an dem ich gearbeitet habe, von jeder Stadt, die ich bereist habe, von jedem Buch, das ich gelesen habe, von jeder Kunstmesse, die ich gesehen habe, von je-

Viele Jahre später begleitet sein Sketchbuch ihn immer noch täglich. Er nutzt es, um seine Gedanken aufzuzeichnen, seine Phantasien über die Zukunft auf Papier zu bringen und vor allem, um seine Ideen seinem Team darzulegen. Zeichnen ist für ihn eine Inhärenz für Künstler und Designer, jedoch mehr als nur ein Wesenszug der Kreativität, denn es ist wie ein Baustein der Kommunikation eines Designers. Die Basis für den Designprozess beginnt mit Skizzen auf einen Blatt Papier – gezeichnet mit der Hand und nicht per Computer. Er liebt das Zeichnen und bezeichnet es als eine ruhige, kathartische Erfahrung und als ein Fenster zur Entspannung, welches ihn durch das Leben begleitet. Ob im Bett, Büro, Flugzeug oder im Restaurant – wo und wann immer Ideen zu ihm kommen, zeichnet er stets Skizzen mit seinen ständigen Begleitern, den Stiften von FaberCastell, welche er seit Jahrzehnten benutzt und er in 112 verschiedenen Farbvarianten besitzt. Karim Rashid hat mehr Ideen im kleinen Finger als andere Menschen in ihrem ganzen Leben im Kopf, und auf einem Langstreckenflug füllt er einen Skizzenblock von etwa 100 Seiten mit Zeichnungen und Ideen. Jede Idee und jede Skizze inspiriert die nächste und ein so überbordender Kopf will straff organisiert sein. Er schläft exakt 7,5 Stunden und arbeitet sieben Tage die Woche, ist das halbe Jahr auf Reisen und sagt: «Der Tag hat 24 Stunden, und dann ist da noch die Nacht.»

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«Das Telefon klingelt nicht, wenn Sie nicht der Welt zeigen, was Sie tun können.» Karim Rashid


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Pink is the new black Der Designer, der in Kanada aufwuchs, lebt heute in New York, wo er seine vielfältigen Talente unter Beweis stellt. Möbel, Designobjekte, Leuchten, Tapeten und vieles mehr prägt er mit seinem unverwechselbar farbenfrohen und gleichermassen nüchternen Stil. Neben seinen vielfachen Auszeichnungen als Designer findet man seine Werke auch in Sammlungen renommierter internationaler Museen wie dem Auch in seinem priMoMA, und zu seinen Kunden vaten Leben wird der Desizählen namhafte Unternehmen gner von Pink umgeben. Zwar wie Artemide, Cappelini, Veuve dominiert die Farbe Weiss seine Cliquot, Prada, Kenzo, Issey Wohnung, jedoch ist sein hochglanzMiyake, Samsung oder Swarowski. Das Ziel von Karim polierter PVC-Boden in der Farbe Pink. Rashid liegt darin, mit seinem Die Farbe empfindet er als energiegeDesign eine völlig neue, von laden, weiblich, glanzvoll und stark. Schönheit und Ästhetik geEs ist das «superoptimistische» prägte Welt zu schaffen. Statt Weiss und es stellt sich gegen in der Vergangenheit zu leben, die männliche Welt. Pink ist sollten wir ausschliesslich von gedas neue Schwarz! genwärtigem Design umgeben sein. Seinen Stil «Blobismus», was so viel bedeutet, wie die Welt als eine Blase zu betrachten, soll dazu beitragen. Mit einem gekonnten Mix aus unterschiedlichen Materialien und ästhetischen Einflüssen lässt der Designer unvergleichliche Produktkompositionen entstehen. Modern und von klaren, minimalistischen Linien bestimmt, zeichnen sie sich durch ein zeitlos elegantes Design aus, mit organischen Formen und kräftigen, poppigen Farben. Dazu gehört vor allem die Farbe Pink!

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Die Realität der Wegwerfgesellschaft Wie Tausende andere junge Talente ging Karim Rashid nach New York, gab jeden Cent für Prototypen aus und legte nachts Platten auf. Als sein Durchbruch Mitte der neunziger Jahre kam – ganz «unglamourös» mit dem Mülleimer «Garbo Can» von Umbra –, machte er Rashid zum Shootingstar des Massentrends «schöne Kunststoffprodukte für wenig Geld». 1993 gründete er sein eigenes Studio in New York und seither sucht er nach dem adäquaten Ausdruck für das digitale Zeitalter. Ob als DJ in seiner Freizeit oder der Kunst und Mode gewidmet, ist er stets entschlossen, jeden Aspekt der menschlichen physischen Landschaft zu berühren. Die Ikone des Blobism ist bunter, schneller und poppiger als alle anderen. Er hat Spass daran, an allen Enden des Spektrums vertreten zu sein. «Natürlich ist es toll, wenn italienische Möbelhersteller anrufen und sagen: Mach uns ein Sofa! Aber ich bin genauso begeistert bei der Sache, wenn ich eine Giesskanne entwerfe, die dann für ein paar Dollar im Wal-Mart verkauft wird.» Kritiker spötteln gern, Rashid habe ein grosses Talent für das Kurzlebige. Gegen solche Vorwürfe kontert er: «Wir kaufen iPods für ein paar Hundert Dollar, und nach zwei Jahren sind sie kaputt. Wir leasen alle zwei Jahre ein neues Auto. Die Wegwerfgesellschaft ist Realität! Und wenn wir ohnehin von Einwegprodukten umgeben sind, warum dürfen die dann nicht humorvoll, bunt und laut sein? Gibt es irgendeinen Grund, warum Laptops mit einer Lebenserwartung von zwei Jahren langweilig aussehen müssen?»

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SHORTCUT Faber-Castell-Künstlerprodukte Wer künstlerisch tätig ist, investiert neben grosser Leidenschaft auch viel Zeit in seine Arbeiten. Jeder Kreative wünscht sich daher, mit Materialien arbeiten zu können, die seinen Schaffensprozess würdigen, indem die Werke der Nachwelt lange erhalten bleiben. Daher ist das Material, mit dem der Künstler arbeitet, ebenso wichtig wie sein Talent und seine Leidenschaft. Das Art & Graphic-Sortiment aus dem Hause Faber-Castell erfüllt diesen professionellen Anspruch: Die hochwertigen Pigmente der Albrecht Dürer-Künstleraquarellfarbstifte, Polychromos-Künstlerfarbstifte und Polychromos-Pastellkreiden garantieren Lichtbeständigkeit und gewährleisten damit strahlende Farbkraft über Jahrzehnte. Kein Wunder, dass es sich hierbei um Karim Rashids Lieblingsmarke handelt.

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Living News VIVID AUDIO GIYA G1 & G2 Der Highend-Lautsprecher Giya G1der südafrikanischen Firma Vivid Audio ist das völlige Gegenstück zu herkömmlichen viereckigen Boxen. Das Design der Giya G1 basiert auf der Mutterschnecke Nautilus von B&W, die auch vom britischen Akustikspezialisten Laurence Dickie vor fast 20 Jahren entwickelt wurde. Ihre Form folgt der Funktion und die störenden, von jedem Lautsprecher nach innen abgegebenen Schallimpulse werden im schlangenförmigen Innern des Gehäuses in die Schnecke nach oben abgeführt und eliminiert. Die Mittel- und Hochtöner sind mit konischen Röhren versehen, um störende Wellen zu absorbieren – eine Erfindung Dickies, die erstmals beim Nautilus Model zum Einsatz kam. Robert Trunz, Berater und Importeur von Vivid Audio, bezeichnet die Giya als Mischung aus einer Skulptur von Henry Moore und einem Lamborghini. Mit Letzterem hat der Schallwandler nicht nur wegen der Lackierung und den seitlichen Kühlerschlitzen der Basskammer Gemeinsamkeiten, sondern auch betreffend der Beschleunigung, die für eine neutrale Klangwiedergabe entscheidend ist. www.vividaudio.ch

Crinoline von Patricia Urquiola Mit Crinoline führt die Forschungsarbeit von Patricia Urquiola zu dreidimensionalen Mustern und weichen, geschwungenen Formergebnissen. Stühle, Armstühle und Sessel unterscheiden sich in Form und Höhe. Zu den schwarzweissen und schwarz- bronzefarbenen Polyethylengeflechten gesellen sich bronzefarbene Kordeln und Kordeln aus Naturfaser. Unterschiedlich sind die Basisstrukturen: aus Edelstahl oder Ausführungen entweder analog oder im Kontrast zur Sitzfläche. Der kleine runde Sessel wird durch den auf Sitz und Rückenlehne gelegten Poncho aus natur-, magenta- oder bronzefarbener Kordel noch effektvoller. www.bebitalia.it

TALL von Radar Die Anforderungen an ein modernes Regalsystem sind ein sparsamer Einsatz der Materialien, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Bei TALL von Radar genügt gerade mal ein auf 1 mm gefaltetes Aluminiumblech für die Stabilität der Seitenwände. Für Radar steht die Notwendigkeit im Vordergrund, für das angestrebte Produkt das bestmögliche Material mit einem Minimum an Aufwand einzusetzen. Dank speziellen Techniken konnte Aluminiumblech auf eine neue Art angewendet und seine spezifischen Vorteile hervorgehoben werden. So gesehen ist bei diesem Regalsystem nicht das Material das Neue, sondern dessen spezifische Anwendung und Ausformung. Radar, das ist die Ästhetik der Leichtigkeit. Filigrane Eleganz, schlichte Erscheinung, minimaler Einsatz des Materials. Möbel, die mitwachsen, sich beliebig an- und umbauen lassen. www.adeco.ch

Aurora Schlafen auf Boxspring-Betten entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Trend. riposa lanciert mit Aurora ein neues Bettenmodell für die gehobene Schlafkultur, das ideal proportioniert ist und mit dem dazugehörenden Kopfteil leicht und elegant wirkt. Sein Erscheinungsbild hebt sich wohltuend ab vom herkömmlichen und eher voluminösen Boxspring-Look. Das neue Bettenmodell besticht mit italienischer Eleganz und Schwebeoptik und ein himmlisches Wiegegefühl ist garantiert. www.riposa.ch

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Living Books Inspirierend für jeden Ästheten Für die britische «Times» ist er «Die Bibel der Inneneinrichtung» – der «Andrew Martin Interior Design Review». Das Handbuch der weltbesten Designer und ihrer spektakulärsten Entwürfe präsentiert fast 100 Kreative aus allen Ecken der Welt und führt uns auf unvergleichliche Weise die Stile und Trends des internationalen Designs vor, wie sie in Hotels und Restaurants, auf Superjachten und in einer Reihe bemerkenswerter Privathäuser auf fünf Kontinenten zu finden sind. Mehr als 1000 Abbildungen zeigen die ausserordentliche Designvielfalt – vom ungezwungenen Purismus Skandinaviens und der vollendeten Eleganz der amerikanischen Ostküste bis zum chinesischen Glamour des 21. Jahrhunderts.

«Interior Design Review» Andrew Martin TeNeues Verlag

Für alle, die Parks und Architektur lieben Der Band stellt neuartige Lösungen im Bereich der urbanen Landschaftsarchitektur vor, die sich auf ihre jeweils eigene Art der Kernfrage nähern, wie man städtische Räume mit Leben füllen kann. Erinnert die eine Lösung an einen urtümlichen Wald und die andere an ein moosbewachsenes Gebirgstal, so ruft die dritte die Assoziation einer Spielzeugkiste hervor. Alle jedoch erfüllen das Stadtleben mit neuer Dynamik. Beispiele aus aller Welt illustrieren, wie die Fahrt in die Stadt plötzlich zu einem angenehmen Erlebnis wird und wie eine einstmals düstere Ecke sich in eine einladende Oase verwandelt.

«Urban Landscape Design» John A. Flannery & Karen M. Smith TeNeues Verlag

Überraschend, stilvoll, anders 20 kreative Männer zeigen, wie sie mit persönlichem Einsatz ihre eigene, individuelle Wohnwelt geschaffen haben. Egal ob traditionell, klassisch elegant oder überraschend verspielt, die hier vorgestellten Einrichtungslösungen weisen neue Wege und echte Alternativen zu den üblichen Vorgaben der Interior-Profis auf. Informationen über Stilfragen, architektonische Details, Möbelmarken und Design werden verbunden mit Berichten über die aussergewöhnlichen Lebensläufe der hier vorgestellten Männer. Sie beweisen, dass es immer noch ungewöhnliche und inspirierende Wohnideen gibt.

«Men’s Homes» Stéphane Houlmann Knesebeck Verlag

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’ favourites Bösendorfer Klimt

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FINANCE

Aufbruch

zu neuen Ufern Der Finanzplatz muss sich neu erfinden Georg Lutz

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Banken und ihr Kerngeschäft Private Banking, mit seinen klassischen Strukturen, stehen unter Druck. Die Auswirkungen der Finanzkrise, schlechte Reputation, zusätzliche Regulierungsanforderungen und neue Generationen von Kunden setzen die Verantwortlichen unter Stress. PRESTIGE hat einige von ihnen um Stellungnahmen gebeten und gibt zunächst einige subjektiven Einblicke in die Umbrüche der Branche. Der Paradeplatz in Zürich stand jahrzehntelang als Sinnbild für den Paradestandort des Private Banking in der Schweiz. Die Regeln des Bankgeheimnisses und die Reputation der Banker, damals noch Bankiers, waren in Stein gemeisselt. Heute, nach langen Abwehrkämpfen und einer Strategiekonzepten, die fast immer nur als reaktiv zu bezeichnen sind , muss schnell, oft unter dem Druck von Ereignissen überstürzt gehandelt werden. Die Anpassung der klassischen Geschäftsmodelle findet oft nur halbherzig statt, und wenn es zu spät ist, werden Abteilungen zusammengelegt und dann meist Mitarbeiter entlassen. Schlagzeilen wie «CS vor Big Bang im Private Banking», die Mitte Mai die Expertenplattform «Inside Paradeplatz» zierten, sind nur ein Beispiel für solch ein hastiges VorgehenDie Krise als Chance sehen

Es geht aber nicht nur um schmerzhafte Anpassungen. Fehleinschätzungen haben schon einer ganzen Bank das Genick gebrochen. Die Bank Wegelin & Co. galt bis zur faktischen Auflösung 2012 als älteste Bank der Schweiz. Konrad Hummler war ihr exponierter Vertreter und mit seinen Anlagekommentaren lehnte er sich im Vergleich zu vielen anderen Bankverantwortlichen weit aus dem Fenster. Er wollte aus der Schweiz ein zweites ultraliberales Singapur machen und geisselte gleichzeitig die US-Administration wie ein Alt-68er. Uns Journalisten freuten solche belebenden Thesen auf dem sonst sehr stillen Finanzplatz Schweiz. Die US-Regierung sah hier aber das ideale Einfalltor, um das Bankgeheimnis zu schleifen. Die Vorstellung, die in der Schweiz immer noch weit verbreitet ist, man lebe auf einer Insel, würde fast alles besser machen und sei unangreifbar, wurde entzaubert. Hinter dem Bankgeheimnis stand am Schluss eine Hybris. Hans J. Bär sollte am Ende des Tages mit seiner Kritik, die er vor zehn Jahren geäussert hatte und in der Folge als Nestbeschmutzer galt, recht behalten: «Das Bankgeheimnis ist ein defensives Instrument, das die Schweiz vom allgemeinen Wettbewerb verschont und das uns, um ein Churchill-Wort aufzunehmen, fett, aber impotent macht.» Heute darf Hummler mit Wegelin eine Bad Bank abwickeln und seinen Anlagekommentar von einer Nische aus neu starten. Jede Krise beinhaltet aber auch eine Chance. Der Chef der Raiffeisenbank, Pierin Vincenz, ergriff sie. Die Zusammenarbeit mit Vontobel und die Übernahme der Notenstein ermöglicht der Raiffeisen, dem Kunden ein Anlage-Kompetenzzentrum anzubieten, das auch die gesamte Schweizer Erfahrung von Private Banking beinhaltet. Im Gegensatz zu Hummler, der die klassische Schweizer Liberalität vertritt, hat Vincenz mit Raiffeisen einen genossenschaftlichen Hintergrund und kann daher das Schlagwort Transparenz auch mit Inhalt füllen.

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Eine neue Generation von Bankkunden hat auch neue Bedürfnisse.

Den Strategiewechsel zum Informationsaustausch vertritt er seit einigen Jahren offensiv. Andere Banker und auch politische Verantwortliche der Schweiz setzten hier viel zu lange auf das tote Pferd Abgeltungssteuer.

Taktische Spiele Auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat das reaktive Durchwursteln zur strategischen Handlungsanweisung erhoben. Auch Bern reagiert erst dann, wenn der internationale Druck fast einer Erpressung gleichkommt. Dabei muss man taktische Positionswechsel in Kauf nehmen, die einem Gesichtsverlust gleichkommen. Jahrelang war das Bankgeheimnis tabu, dann setzte man auf Abkommen mit dem zentralen Instrument der Abgeltungssteuer. Auf dem letzten G-20-Gipfel setzte auch Widmer-Schlumpf auf den Informationsaustausch. Enthüllungen des Offshore-LeaksProjekts und die parlamentarische Niederlage der Abgeltungssteuer in Deutschland zwangen sie dazu. Jetzt will sie aber immer noch nicht mit der EU, sondern nur mit der OECD verhandeln. Das sind letzte taktische Rückzugsgefechte.

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Bank 2.0 als Bedrohung Die heute nachwachsende junge Generation von Bankkunden ist mit ihrem Hause nicht wie früher ein Leben lang verbunden, sondern will im Rahmen von Social Media massgeschneiderte und benutzerfreundliche Dienste. Das klassische Banking sieht sich an dieser Stelle einer weiteren Herausforderung gegenüber. Schon heute ist Online-Bezahlung für viele Konsumenten die Regel. Am Ende dieser Transaktionen stehen aber immer noch die Banken, die Gelder ihrer Kunden verwalten. Neue technologische Innovationen, die von findigen Start-ups in Businessmodelle gegossen werden, zielen aber darauf ab, nicht die Banken aufzurüsten, sondern sie langfristig zu ersetzen. Aktuelle Lösungen wie Paypal, mit denen Guthaben einfach und online zu bewirtschaften sind, sind da noch harmlos. Es ist aber schon heute beispielsweise technologisch möglich, dass alle Konten eines Kunden bei verschiedenen Finanzanbietern in einer einzigen Übersicht zusammengefasst werden und dann mit zusätzlichen Funktionen wie Mobile Payment eine wesentlich höhere Attraktivität wie klassische Bankentools entfalten können. Ob Schweizer Banken bei diesem technologischen Wandel und den damit verbundenen veränderten Kundenbedürfnissen mitziehen, ist noch unklar. Allerdings ist der Eindruck, dass technologische Innovationen bei Banken nicht an oberster Stelle der Handlungsagenda stehen, nicht von der Hand zu weisen.


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kolumne Neues Denken im Private Banking

Stichwort Wirtschaftsethik; Bankgeheimnis, Weissgeldwir setzen auf die Ausgestrategie, Eigenkapitalquote, wogenheit zwischen KunWirtschaftsethik, Managerden, Mitarbeitenden und Boni oder integriertes InvestAktionären. Denn nur wenn ment Banking – über Schweisich diese Balance nicht zu zer Privatbanken wird nicht Gunsten, beziehungsweinur sehr viel geschrieben, die se zum Nachteil einer oder Branche befindet sich auch zweier Gruppen verschiebt, in einem grundlegenden Umwerden wir als Bank nachbruch, der jedoch Chancen haltig erfolgreich bleiben. für die Zukunft bietet. Zumindest für die MarktteilnehStichwort Weissgeldstratemer, die sich auf diese neuen Tim Marschall ist Managing Director gie; wir denken, es sollte alGegebenheiten einstellen könder Jyske Bank (Schweiz) AG. len bewusst sein, dass sich nen. Denn mit der notwendigen Flexibilität, der Anpassung von Strukturen dieser Weg zukünftig verstärken wird. Spätesund Prozessen, wird das Schweizer Privatban- tens seit Österreich und Luxemburg einer Lockerung des Bankgeheimnisses zugestimmt kengeschäft auch in Zukunft erfolgreich sein. haben, wird dies auch weiterhin der internatioDie Rahmenbedingungen stimmen: Der Banken- nale Tenor bleiben. Wie schnell und in welcher platz Schweiz hat eine lange Tradition, wir verfü- Form bleibt abzuwarten. gen über grosse und langjährige Kompetenzen, sind innovativ, haben ausgezeichnete, qualifizier- Stichwort Geschäftsmodell: Als Schweizer Privatte Mitarbeitende und besitzen eine politische wie bank konzentrieren wir uns auf Wealth Managewirtschaftliche Stabilität in unserem Land, wie sie ment und auf die Bedürfnisse unserer Schweizer Kunden. Wir haben weder Ambitionen im Bereich ihresgleichen sucht. Investment Banking noch verfolgen wir eine agWir von Jyske Bank schauen jedenfalls durchaus gressive Auslandstrategie. Wir setzen auf unsere positiv in die Zukunft, sind wir doch für die kom- Kernkompetenz, die auch den hiesigen Bankenmenden Herausforderungen bestens gerüstet. platz stark gemacht hat, und dies soll auch in ZuDabei fokussieren wir uns auf Wealth Manage- kunft so bleiben. ment und sehen als Schweizer Privatbank mit dänischen Wurzeln das eine oder andere Thema Sie sehen, wenn Sie das nächste Mal über vielleicht ein wenig anders – was sich für uns je- Schweizer Privatbanken in den Medien lesen, denfalls noch nie als Nachteil herausgestellt hat. dann können Sie überzeugt sein, dass wir und auch andere Marktteilnehmer die Hausaufgaben Denn unsere Kunden schätzen das. machen werden – oder diese bereits abgeliefert Stichwort Manager-Boni; bei Jyske Bank war haben. Wir vertrauen auf unsere Leistungen, undies noch nie ein Thema. Wir haben kein Bo- sere Kompetenzen und auf die Flexibilität, sich an nussystem, weder für Mitarbeitende noch fürs neue Gegebenheiten anpassen zu können. Mit der Gewissheit, neu im Private Banking zu denken. Management.

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Schweizer BankeN

vertrauen auf ihre Ungeachtet der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise und wachsender regulatorischer Anforderungen blicken die Schweizer Finanzinstitute relativ zuversichtlich in die Zukunft. Die Banken vertrauen auf ihre Stärken und sehen sich letztlich sogar eher gestärkt durch die Finanzkrise. Das Private Banking ist dem grössten Wettbewerbsdruck ausgesetzt, eine Konsolidierung wird deshalb wahrscheinlicher. Patrick Schwaller

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Die Schweizer Banken vertrauen auf ihre Stärken. Trotz immer neuen Herausforderungen sehen sie weiterhin zuversichtlich in die nähere Zukunft. Wie das Ernst & Young Bankenbarometer 20131) zeigt, rechnen 70 Prozent der Banken mit einem positiven oder eher positiven Geschäftsgang. Auch wenn die Mehrheit der befragten Banken von rückläufigen Vergütungen für Mitarbeitende und Aktionäre ausgeht, erwarten sie für die nächsten Monate einen unveränderten oder leicht steigenden Personalbestand.

Gestärkt aus der Krise Das bereits zum dritten Mal erhobene Ernst & Young Bankenbarometer macht deutlich, dass die Schweizer Banken die Auswirkungen der weltweiten Finanzund Schuldenkrise bisher relativ gut überstanden haben. Eine Mehrheit von drei Vierteln der befragten Institute ist sogar der Ansicht, dass sie letztlich gestärkt aus der Finanzkrise hervorgegangen sind. Dies gilt insbesondere für Kantonalbanken. Die Befragung lässt den Schluss zu, dass die Banken die Finanzkrise auch als reinigenden Prozess betrachten. Die ergriffenen Massnahmen waren mehrheitlich erfolgreich, gleichzeitig konnten die Institute ihre Stärken ausspielen. Tatsächlich stehen die Schweizer Banken im internationalen Vergleich gut da. Gerade in der unsicheren, von der Staatsschulden- und der Währungskrise geprägten Zeit werden die sicherheitsrelevanten Merkmale des schweizerischen Finanzsystems stärker nachgefragt.

Fokus auf aufsichtsrechtliche Fragen Die Auswirkungen der Finanzkrise, vor allem die von Gesetzgeber und Regulatoren in diesem Zusammenhang ergriffenen Massnahmen, werden die Banken weiterhin stark beschäftigen. Die Befragung zeigt, dass die Banken derzeit Compliance, Eigenmittel und Steuertransparenz als wichtigste Fokusthemen sehen. Die Auseinandersetzung und Umsetzung der wachsenden regulatorischen Anforderungen steht im Vordergrund. Daran wird sich angesichts der intensiv geführten Debatten um weitere Regulierungen der Finanzmärkte auch in Zukunft wenig ändern. Die Dominanz der aufsichtsrechtlichen Fragestellungen geht derzeit offenbar sogar so weit, dass anderen strategischen Themen wie Investitionen in neue Märkte oder neue Technologien sowie Sourcing von Geschäftsprozessen deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die aktuellen regulatorischen Entwicklungen rund um das Bankkundengeheimnis werden von den Banken beziehungsweise von verschiedenen Bankarten nach wie vor sehr uneinheitlich bewertet. Die grosse Euphorie von Ende 2010, als das Abgeltungssteuerkonzept als Lösung vorgestellt wurde, ist jedoch längst verflogen.

Steigender Druck auf das Private Banking Rückläufige Margen aufgrund sinkender Erträge und laufend steigende Kosten im Zusammenhang mit der Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen erhöhen den Druck auf das Private Banking spürbar. Darüber hinaus wird das Private Banking weiterhin von einigen nicht abschliessend gelösten Problemstellungen (unter anderem grenzüberschreitendes Finanzdienstleistungsgeschäft, Marktzutritt und Steuertransparenz) belastet. Praktisch sämtliche der befragten Banken erkennen im Private Banking denn auch mit Abstand die grösste Wettbewerbsintensität; im Vergleich zum Vorjahr hat dieser Druck deutlich zugenommen. Daher überrascht es nicht, dass bei Privatbanken bereits innert kurzer Frist mit einer Konsolidierung gerechnet wird.

1)

Das Ernst & Young Bankenbarometer 2013 basiert auf der Befragung von 120 Führungskräften von verschiedenen Banken in der ganzen Schweiz, ohne Grossbanken. Bei 36 Prozent der befragten Institute handelt es sich um Privatbanken, bei 28 Prozent um Auslandbanken, bei 26 Prozent um Regionalbanken und bei 10 Prozent um Kantonalbanken. Die telefonische Befragung wurde im Dezember 2012 durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut durchgeführt.

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Letztlich wird dies auch zu einer Anpassung der entsprechenden Vergütungsmechanismen sowie zu einer höheren Transparenz führen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass damit auch die Kosten für die erbrachten Leistungen in einem bedeutenden Umfang reduziert werden. Die bisher bekannten Formen der Vertriebsentschädigungen dürften hingegen wegfallen.

Blasenbildung im Immobilienmarkt – restriktivere Kreditvergabepolitik Eine wachsende Mehrheit der befragten Institute ist der Ansicht, dass der Schweizer Immobilienmarkt derzeit zur Blasenbildung neigt. Darüber hinaus bestätigen die Banken die Praxis der Hypothekarkreditvergabe, welche teilweise auf einer sogenannten «exception-to-policy»-Basis erfolgte. Auch vor diesem Hintergrund rechnen die Banken in Zukunft mit einer tendenziell restriktiveren Kreditvergabepolitik. Gleichzeitig erwarten die befragten Banken eine unveränderte Wertberichtigungspolitik und einen vergleichsweise unveränderten Bedarf an Wertberichtigungen in den nächsten Monaten. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Banken derzeit vor erheblichen Herausforderungen stehen. Das verlangt unter anderem auch nachhaltige Anpassungen an den Geschäftsmodellen der Banken. Für die nächsten Jahre sind weitere Regulierungen mit entsprechenden Kostenfolgen zu erwarten, was zu einer weiteren Industrialisierung der Geschäftsprozesse führen wird. Angesichts der traditionellen Stärken des Schweizer Finanzplatzes und der soliden Verfassung der Institute befindet sich die Finanzbranche jedoch in einer guten Ausgangslage, um diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können.

Wir setzen auf Quålität im Privåte Bånking, ånstått åuf Quåntität im Investment Bånking. In Dänemark verwurzelt, seit über 40 Jahren in der Schweiz zuhause. Denken Sie im Private Banking neu und sprechen Sie mit uns.

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Jyske Bank (Schweiz) AG . Private Banking . 8021 Zürich . Tel. +41 44 368 73 73

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Das wegweisende Bundesgerichtsurteil von Ende Oktober 2012 im Zusammenhang mit Retrozessionen und Bestandespflegekommissionen wird nachhaltige Auswirkungen auf die Finanzbranche haben. Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass sich die Banken mit Rückgabeforderungen konfrontiert sehen werden.


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kolumne Von Immobilienanlegern und von Pionieren Dass Immobilien in Europa Eine kleine Anekdote mag auch in den nächsten zehn diese Frage vielleicht erhellen. Vor knapp zwei Dekaden Jahren noch wichtige Anlaunterhielt ich mich mit dem gebausteine darstellen werbedeutenden, Schweizer Unden, dafür spricht in erster ternehmer William A. de ViLinie die Perspektive auf von Staaten und Notenbanken gier, der letztes Jahr hundert hartnäckig verteidigte ExtJahre alt geworden wäre. rem-Tiefzinsen. Mittlerweile William A. de Vigier gründete wird immer sichtbarer, dass in den 30er Jahren mit tausend Pfund Startkapital die der Faust’sche Pakt, den die Gesellschaft «Acrow Engiwestliche Geldpolitik mit der neers Ltd». In den folgenden von Schulden und Wachstums-Sklerose bedrängten Jahren investierte William A. Dr. Burkhard Varnholt Fiskalpolitik geschlossen hat, de Vigier als Pionier in rasch tatsächlich über keine eigentliche «Exit-Strate- wachsenden Schwellenmärkten, wo er neben gie» verfügt. Denn die Tatsache, dass die No- Fabriken bedeutende Immobilieninvestitionen tenbanken mittlerweile die grössten nationalen tätigte. In den 80er Jahren beschäftigte seine Staatsgläubiger darstellen, vereitelt die meisten Gesellschaft über 10’000 Angestellte in Ländern plausiblen Exit-Strategien – abgesehen von ei- wie Argentinien, Brasilien, Peru, Südafrika, Simnem zweiten «Wirtschaftswunder». Für einen babwe, Irak, Ägypten, Indien, Neuseeland, Kana«Exit» aus ihren akkumulierten Staatsanleihen da, Spanien und anderen. Dabei – so schilderte existieren schlicht nicht ausreichend freiwillige er mir – ging er bei allen Landkäufen gleich vor. Käufer – es sei denn zu höheren Zinsen oder War er einmal vom wirtschaftlichen Potential eimit politischem Zwang. Aber solche Szenarien nes Landes überzeugt, dann erkundigte er sich, sind keine «Exit-Strategie», sondern bestenfalls wer als renommiertester Anwalt des Landes als «Ultima Ratio» akzeptabel. Folglich wird der galt. Diesen besuchte er sodann und schlug ihm Westen seine staatlich subordinierte Geldpolitik vor, gemeinsam eine Beteiligungsgesellschaft zu so lange perpetuieren wie möglich – und nicht gründen (in welcher er jeweils die Kontrollmehrzuletzt aus diesem Grund bleiben Immobilien im heit besass) und über diese in einem Radius von Westen noch lange attraktiv. Denn sie profitie- maximal zehn Meilen rund um den Hauptflugharen, erstens, von der damit verbundenen «Tiefst- fen so viel Land wie möglich zu kaufen. Zins-Politik» und sie stellen, zweitens, einen natürlichen Schutz während des irgendwann Mit dieser einfachen Strategie schuf William unausweichlichen Exit der Geldpolitik aus ihrem A. de Vigier – neben einem höchst erfolgreieingeschlagenen Politik-Dilemma dar. Gleich- chen Industrie-Unternehmen – ein vielleicht wohl haftet einem solchen Plädoyer für Immo- einzigartig erfolgreiches Immobilienportfolio. bilien-Anlagen ein angestrengter Geschmack Nicht praktikabel? Sicher nicht für jedermann. an. Tatsächlich verspüren Europas Immobilien- Doch jedermann liegt in dieser einfachen und märkte – abgesehen von ausgewählten «Hot erfolgreichen Philosophie ein interessanter Spots» – wenig von der demographischen und Gedanke offen. Auch Pioniere folgen manchökonomischen Dynamik der rasch wachsenden mal altmodischen Prinzipien. Schwellenländer. Deshalb fragen immer mehr Anleger, wie sie in diesen aufstrebenden Wirt- Dr. Burkhard Varnholt ist Chief Investment Ofschaftsräumen in Immobilien oder in Grund und ficer und Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Boden investieren können. Sarasin & Cie AG.

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im Herausforderungen

Private Banking Der Finanzplatz Schweiz ist für das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft weltweit nach wie vor die erste Adresse: Ende 2012 betrugen die Vermögen ausländischer Depotinhaber auf den Schweizer Banken 2 393 Milliarden Franken. Laut Statistik der Schweizerischen Nationalbank sind das 231 Milliarden Franken mehr als im Vorjahr. Dennoch hat der strukturelle Wandel das Private Banking seit der Finanzkrise nachhaltig verändert. Patrick Schwaller

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Die zunehmende Verschuldung der Industrieländer und der daraus resultierende Druck, die Steuereinnahmen zu erhöhen, steigende regulatorische Anforderungen und gestiegene Ansprüche der Kunden bezüglich Leistung und Transparenz stellen unsere Branche vor grosse Herausforderungen. Zudem sind durch die Finanzkrise die Verwerfungslinien im internationalen Finanzsystem klar zutage getreten. Auch wenn das Marktumfeld im Moment positiv aussieht, ist das Vertrauen in die Märkte und in die Finanzindustrie nach wie vor erschüttert.

Diese Herausforderungen haben auch klare Spuren in der Private-BankingIndustrie der Schweiz hinterlassen. Auch wenn der Finanzplatz Schweiz wenig an Attraktivität verloren hat, so hat gemäss Marktuntersuchungen doch ungefähr ein Viertel der Schweizer Privatbanken im Jahr 2012 mit einem Verlust abgeschlossen. Die Frage stellt sich also, wie diese Aufgaben aktiv und erfolgreich anzugehen sind.

Der Kunde im Zentrum Strukturbrüche führen zu Veränderungen der gesamten Private-Banking-Industrie. Aus Beispielen anderer Industrien ist klar, dass die Sieger aus solchen Veränderungen diejenigen Firmen sind, die Veränderungen frühzeitig verstanden und akzeptiert haben und die sich dem neuen Umfeld schnell angepasst beziehungsweise den Wandel aktiv mitgestaltet haben. Wir stellen uns den neuen Herausforderungen im Private Banking deshalb als Erste, nicht als Letzte. Die Kunden stehen dabei im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns. Sie vertrauen uns Vermögenswerte an und erwarten, dass das Vermögen langfristig geschützt und vermehrt wird. Vermögende Privatkunden sind anspruchsvoll und setzen zu Recht hohe Erwartungen. Nur wer als Vermögensmanager in der Lage ist, seine Kunden ins Zentrum all seiner Bemühungen zu stellen, und sich jeden Tag aufs Neue für den Mehrwert seiner Kunden einsetzt, verdient sich ihr Vertrauen. Die Bedürfnisse der Kunden verändern sich laufend. Dabei ist Sicherheit ein zentraler und wichtiger Grundstein einer Kundenbeziehung. Der Kunde verlangt hohe Kompetenzen in den Bereichen Investmentanlagen, Risikomanagement und Beratung, also ein spezifisches Eingehen auf seine Anforderungen.

Die Ausgangslage ist attraktiv Als modernes Bankenhaus mit einer über 85-jährigen Geschichte, einer starken Bilanz, einer hohen Eigenmittelausstattung und einem stabilen Aktionariat steht die Bank Vontobel für Sicherheit und handelt verantwortungsvoll und vorausschauend. Wir denken langfristig und setzen nicht auf den Erfolg auf kurze Frist.


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Georg Schubiger

Die Vermögensverwaltung ist unsere Kernfähigkeit. Die Investment- sowie die Risikomanagementkompetenz stehen dabei im Mittelpunkt. Wir setzen auf aktive und moderne Anlagetechniken und Konzepte, um schnell auf Veränderungen in den Märkten reagieren zu können, und auf ein dynamisches Risikomanagement zur Sicherstellung der gemeinsam definierten Ziele. Durch unser integriertes Geschäftsmodell bündeln wir zusätzlich das Wissen und Können der besten Analysten und Portfoliomanager aus dem institutionellen Geschäft (Asset Management) und unserem mehrfach ausgezeichneten Research für den Anlageerfolg unserer privaten Kunden.

Risikoerwartungen abklärt, sondern auch die Interessen, Investmentthemen und Bedenken der Kunden mitberücksichtigt. Dabei sind auch ergänzende Leistungen in der Vermögens-, Steuer- und Vorsorgeplanung zu diskutieren und miteinzuschliessen.

Wir stellen uns den neuen Herausforderungen als Erste, nicht als Letzte.

Schliesslich wird die Beratungskompetenz, verbunden mit einer hochstehenden Serviceorientierung, noch wichtiger. Gerade in einem Umfeld, wo sich die Renditeerwartungen immer mehr zurückbilden, muss der Mehrwert für den Kunden aus zugeschnittenen, individuellen Lösungen kommen. Hier ist ein ganzheitlicher Beratungsprozess zentral, der nicht nur abstrakte Rendite-/

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Wir entwickeln unsere Prozesse, Leistungen und Kompetenzen laufend weiter, um uns den sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. So verfügt beispielsweise unser Angebot in der Anlageberatung, das vor zwei Jahren eingeführt wurde, über ein nach wie vor innovatives Beratungs- und Portfolioüberwachungsmodell. Das Anfang 2013 neu lancierte Portfoliomandat in der Vermögensverwaltung basiert auf einer modernen Anlagetechnik, die den Fokus auf die Vermeidung hoher Verluste legt, wobei die Risiken dynamisch mit einem definierten Risikobudget gesteuert werden.

Im Kern gründen die Beziehungen mit unseren Kunden auf Leistung und Vertrauen. Mit einer konsequenten Ausrichtung unserer Leistung am Kunden und verantwortungsvollem vorausschauendem Handeln sind wir gut gerüstet, um unsere Kunden mit ihren wachsenden Bedürfnissen auch in Zukunft erfolgreich zu begleiten. Georg Schubiger leitet seit 2012 das Private Banking und ist Mitglied der Gruppenleitung von Vontobel. Zuvor bekleidete er während zehn Jahren Führungsfunktionen bei der Danske Bank in Kopenhagen und der Sampo Group in Helsinki. Er studierte Finanz- und Rechnungswesen (lic. oec.) an der Universität St. Gallen und Politikwissenschaften (MA) am College of Europe in Brügge.


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im Bankkunden

Wandel Die n채chste Generation von Bankkunden steht vor der T체r und bringt neue Anforderungen an die Bankverantwortlichen mit. Dr. Filippo Taddei

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Die Gesellschaft und die Umwelt befinden sich in einem radikalen Wandel. Bis 2030 werden voraussichtlich zusätzliche 1,5 Milliarden Menschen die Städte bevölkern. Es wächst eine neue Generation von Bankkunden heran, welche veränderte Bedürfnisse aufweist. Gleichzeitig wird sich das wirtschaftliche und politische Machtgefüge weiter neu ordnen mit der Folge, dass für Länder wie Brasilien oder China eine neue Ära anbrechen wird. Solche signifikanten Veränderungen werden einen fundamentalen Einfluss darauf haben, wie Individuen, Unternehmen und Regierungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten interagieren.

das erforderliche Know-how für die Betreuung der entsprechenden Kunden aufzuweisen. Einige führende Schweizer Banken haben den Wandel der Zeit erkannt und deshalb Ausbildungsprogramme für Kundenberater mit einer entsprechenden Länderzertifizierung eingeführt.

Das Private Banking hat sich in den letzten Jahren bereits gravierend verändert, was in erster Linie mit neuen regulatorischen Vorgaben zusammenhängt. Führende Finanzinstitute tragen nicht nur die Verantwortung für die Nachhaltigkeit der Umwelt mit, sondern begleiten auch unsere Gesellschaft durch die komplexen Veränderungen, die weltweit zu beobachten sind. Dies führt dazu, dass die Banken ihre Dienstleistungen an diesen Wandel anpassen und an den zukünftigen Bedürfnissen orientierte Investmentstrategien entwickeln müssen.

Letztlich ist entscheidend, dass die Kundenberater eine umfassende und auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnittene Beratung erbringen, indem sie bei Bedarf auch Spezialisten wie Steuerexperten, Rechtsanwälte, Immobilienberater innerhalb des Finanzinstituts oder von Drittanbietern einbeziehen. Zudem zwingt der verschärfte Wettbewerb die Banken, ihren Kunden eine effiziente, kostentransparente und Performance-orientierte Beratung von Finanzspezialisten zu bieten.

Die nächste Generation von Bankkunden

«Next Generation» aus Anlegersicht

Die Finanzinstitute werden von der nächsten Generation von Bankkunden vor veränderte Herausforderungen gestellt, zumal diese mit neuen Kommunikationstechnologien aufwachsen. Unternehmen wie Apple, Google oder Facebook haben deren Selbstverständnis im Umgang mit dem Internet, mit Handys, Computern und IT-Plattformen geprägt, indem sie Meinungen über Anlagemöglichkeiten auf Blogs und Foren austauschen, Apps nutzen und sich über das Internet informieren.

Die Finanzinstitute müssen die Risiken und Chancen identifizieren, die aus den strukturellen Veränderungen erwachsen, und die Belange der folgenden Generation berücksichtigen – zugunsten einer gesellschaftlich und ökologisch intakten Welt für unsere Nachkommen.

Die Bankkunden der neuen Generation verfügen daher häufig über ein tiefgründigeres Know-how in Finanzfragen, sind kritischer und fordernder sowie an neuen Investmentideen interessiert, bei denen Innovation, stärkere Interaktion und Transparenz eine wesentliche Rolle spielen. Hieraus ergibt sich für eine verantwortungsvolle Bank die Verpflichtung, neben der Vermögensverwaltung ihre Kunden unter anderem in regulatorischen Belangen, in Rechts- und Steuerfragen sowie im Bereich von Immobilien, Private Equity, Real Assets und philanthropischen Engagements zu begleiten. Vor allem bei internationalen Verhältnissen haben die Kundenberater demnach

Aus diesem Grund fokussiert sich unser Haus unter der Bezeichnung «Next Generation – People, Planet, Growth» auf drei Bereiche, welche sich unabhängig von den Finanzmärkten langfristig entwickeln werden und die bei Investitionen, die auch der nachfolgenden Generation von Nutzen sein sollen, berücksichtigt werden sollten: Das Individuum (People) – hier geht es um die positiven Auswirkungen, die eine verbesserte Gesundheit, wachsender Wohlstand und technische Entwicklungen auf das Wohlergehen des Menschen haben.

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Dr. Filippo Taddei ist Head Private Banking Zürich der Bank Julius Bär & Co. AG.

Die Welt (Planet) – hierbei stehen die Evaluierung von Energieeffizienz und die Suche nach alternativen Lösungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ohne Gefährdung des Wohlergehens zukünftiger Generationen im Mittelpunkt. Die Gesellschaft (Growth) – in diesem Bereich sind ganz neue Sektoren zu untersuchen, wie die Nutzung von IT-Infrastrukturen oder die Bedürfnisse der Gesellschaft in den zunehmend an Bedeutung gewinnenden Schwellenländern zu erkennen. Für Investoren, welche in Aktien der nächsten Generation investieren möchten, sollten Unternehmen ausgewählt werden, die sich den Herausforderungen globaler Entwicklungen gemäss den drei dargestellten Bereichen aktiv stellen. Dabei spielt bei der Auswahl des Unternehmens nebst stabilem Wachstum, soliden Bilanzen auch der Umgang in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung eine zentrale Rolle. Zudem ist im Hinblick auf Anlagen der «Next Generation» ein ganzheitlich Anlageansatz jenseits der traditionellen Geldanlagen unabdingbar. Dieser beinhaltet insbesondere thematische und nachhaltige Anlagen, welche nicht nur gesellschaftliche und auf den Umweltschutz gerichtete Veränderungen im Hinblick auf das Wohlergehen kommender Generationen fördern, sondern auch einen finanziellen und persönlichen Gewinn bringen. Um diese Anlagechancen mit Hilfe des besten verfügbaren Wissens zu nutzen, initiiert «Julius Bär Next Generation» aussergewöhnliche Research-Studien, veranstaltet monatliche Videodiskussionen, die über iTunes Store zugänglich sind, und ist regelmässig Gastgeber von Investmentkonferenzen, bei denen bekannte Referenten unserer Zeit ihr Wissen und ihre Erfahrung präsentieren.

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Unterstützung geben Die Welt entwickelt sich weiter. Dinge, die einst unvorstellbar waren, werden Wirklichkeit, und in Anbetracht der sich abzeichnenden Fortschritte wird das uns heute Vertraute zukünftigen Generationen – wie schon so oft – völlig fremd sein. Wir müssen uns diesen radikalen Neuerungen bewusst werden, die Unternehmen wie Apple, Google oder Facebook in unserem Leben bewirkt haben. Nur so können wir sagen, dass sich das heutige Zeitalter durch Veränderung und Innovation definiert. Die Bankkunden sollten in der Zukunft von den Finanzinstituten dabei unterstützt werden, die Chancen und Risiken zu eruieren, welche sich aus den strukturellen Veränderungen wie Bevölkerungswachstum, Umweltveränderung und neue Bedürfnisse der Gesellschaft ergeben. Dies fordert Innovation, verbesserte Technologie, vertieftes Know-how insbesondere in rechtlichen, steuerrechtlichen und regulatorischen Belangen, eine umfassende Beratung sowie Investieren in die «Next Generation». Vor diesem Hintergrund können die Banken durch sorgfältige Analyse und Nutzung von Expertenwissen sicherstellen, dass ihre Kunden und auch jene der nächsten Generation richtig positioniert sind, wenn Veränderungen eintreten. Ganz im Sinn des berühmten amerikanischen Schriftstellers Mark Twain: «Plane für die Zukunft, denn dort wirst du den Rest deines Lebens verbringen.»


KOLUMNE Geld kannst du verlieren, aber nie deinen Ruf Was ist los mit unseren für weise bedächtig zu. Der Fall ihre Korrektheit bekannten Christoph Mörgeli – als ProNachbarn? In regelmässifessor an der Uni Zürich soll gen Abständen beliefern er über ein Dutzend fragwürdige Doktortitel durchdeutsche Prominente die Medien mit Skandalen. Das gewinkt haben – wirkt dabei bekannteste Beispiel aus wie ein Skandälchen. Auf der Suche nach Reputationssünjüngster Zeit heisst Uli Hoeness. Vom Liebkind zur Perdern müssen Medien immer sona non grata – die Fallhöhe wieder auf die Banken und die bösen Banker zurückdes FC-Bayern-Aufsichtsratschefs und Saubermanns Uli greifen. Haben Schweizer Hoeness erreicht in unserer also eine bessere ReputatiMedienwelt unglaubliche on als die Deutschen? Wohl Bernhard Bauhofer Dimensionen. Der Ruf des eher profitieren exponierte Fussballpatrons ist ruiniert. «Innerhalb eines Schweizerinnen und Schweizer von dem weitMomentes befand ich mich auf der anderen verbreiteten Respekt vor der Privatsphäre, zuSeite der Gesellschaft», wurde Hoeness zitiert. rückhaltenden Medien und einer unaufgeregten Der selbst verschuldete Absturz von Hoeness Stimmung im Volk. Anders als die skandalgeilen ist eine persönliche Tragödie, verlief er doch Deutschen winken die gelassenen Schweizer synchron mit dem von ihm so herbeigesehnten gelangweilt ab. Aufstieg seines FC Bayern in den internationalen Fussball-Olymp und er bestätigt die Repu- Doch sich in Sicherheit zu wiegen, ist absolut tationsweisheit des Starinvestors Warren Buf- fehl am Platz, und die schweizerische Gelassenfet: «Es dauert Jahre, um sich eine Reputation heit könnte für den Finanzplatz zum Stolperstein aufzubauen, und nur einen Augenblick, um sie werden. Während sich Österreich und Luxemzu zerstören.» Zudem hätte der sich als Zocker burg bei der Weissgeldstrategie und im Hinblick geoutete Hoeness wohl auch auf den Immobi- auf einen Angleich an das EU-Recht dynamisch lienmogul Donald Trump gehört: «You can lose bewegen, verharren Teile des Finanzplatzes money, but never lose your reputation.» Schweiz wie der Frosch im siedenden Wasser. Privatbanken wie Vontobel im Fall Hoeness müsEs geht aber nicht nur um ein persönliches sen sich Fragen stellen lassen und glaubwürdige Fehlverhalten. Hoeness hat seinen Rücktritt Antworten liefern, werden aber mit Samthandangeboten. Der Aufsichtsrat, in dem unter an- schuhen angefasst. Die Erfahrungen der letzten deren Aufsichtsräte von DAX-Schwergewich- Jahre zeigen, dass sich viele Bankverantwortliten wie VW sitzen, hat ihm aber den Rücken che und auch Schweizer Politiker nur bewegen, gestärkt. Diese Verantwortlichen haben sich wenn der Druck aus dem Ausland zunimmt. Daseit Jahren Compliance-Regeln unterworfen, bei steht für die Schweiz Historisches auf dem bei denen es um Werte- und Ethikmanagement Spiel: Sie läuft nicht nur Gefahr, ihre eh schon geht. Offensichtlich sind dies theoretische angekratzte Reputation weiter zu beschädigen, Sonntagsreden, wenn es um die harte Praxis sondern auch viel Geld zu verlieren. geht, kaum belastungsfähig. Bernhard Bauhofer ist Gründer von Sparring Während in Deutschland die Reputationsskan- Partners GmbH. In diesem Rahmen ist er Exdale toben, die Öffentlichkeit und Medien über perte für Reputation Management. Er lebt und Monate in Bann halten und Futter für TV-Talk- arbeitet in Wollerau und auf der ganzen Welt, shows geben, geht es in der Schweiz vergleichs- vorzugsweise in Lateinamerika.

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Schweizer Private Banking im Wandel Christian Hintermann

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Die Rahmenbedingungen für Schweizer Privatbanken haben sich durch die Finanzkrise und aufgrund des steigenden politischen und regulatorischen Drucks massiv verschlechtert. Dies zeigt sich auch in den Finanzzahlen. Gemäss einer Studie von KPMG und der Universität St. Gallen hat zwischen 2008 und 2011 rund ein Viertel der untersuchten Privatbanken Verluste geschrieben. Die Zeichen deuten auf eine sich akzentuierende Konsolidierung, die nebst Risiken auch Chancen für gut positionierte Marktteilnehmer bietet. In den letzten Jahren sind die Herausforderungen für Schweizer Privat-banken stetig gewachsen. Zum einen führte die Finanzkrise zu einem allgemeinen Vertrauensverlust und einer gestiegenen Risikoaversion bei den Kunden. Zum anderen hat der stetig zunehmende Druck seitens Politik und Regulatoren zu neuen restriktiven Vorschriften vor allem im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft geführt. Auch in jüngster Zeit hat der Druck nicht nachgelassen, und die «Offshore Leaks» sowie die faktische Zustimmung von Luxemburg und Österreich zum automatischen Informationsaustausch sorgen für weiteren Zündstoff. Die stetige Regulierungsflut erhöht die Komplexität des Geschäfts und schränkt die Handlungsmöglichkeit der Marktteilnehmer stark ein. Besonders problematisch sind dabei die Unsicherheiten über den Umfang und den Zeitpunkt der Implementierung neuer Regulierungen und die immer kürzeren Umsetzungsfristen.

Stetig sinkende Rentabilität Wie eine von KPMG und der Universität St. Gallen publizierte Studie zeigt, sind die Auswirkungen des sich verändernden Wettbewerbsumfelds massiv. Basierend auf einer quantitativen Analyse von mehr als 103 Jahresberichten von Schweizer Privatbanken wurde festgestellt, dass der Medianwert der Eigenkapitalrendite von 13,9 Prozent im Jahre 2006 auf bescheidene 3,8 Prozent im Jahre 2011 gesunken ist. Unter Ausklammerung von ausserordentlichen Effekten beträgt der Medianwert der Eigenkapitalrendite sogar

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nur 2,4 Prozent. Insgesamt schrieb seit 2008 ein Viertel der Banken Verluste. Auch wenn das Schweizer Private Banking im Vergleich zu anderen Bankgeschäften relativ risikoarm ist, zeigen die Erkenntnisse der Studie auf, dass die Kapitalkosten oftmals nicht mehr verdient werden und entsprechend einschneidende Anpassungen vorgenommen wurden und weiter zu erwarten sind. Zwar verfügen die meisten Privatbanken nach wie vor über eine solide Eigenkapitalbasis, jedoch wird sich der Druck der Aktionäre stärker akzentuieren.

Stabiles Niveau an verwalteten Vermögen Die Entwicklung der branchenweit verwalteten Vermögen zeigt aber, dass das Schweizer Private Banking auch unter den neuen Marktbedingungen sehr resistent ist. Seit 2006 bleiben die verwalteten Vermögen relativ stabil und gingen nur um gut 10 Prozent zurück. Dieser Rückgang fand im Wesentlichen im Jahr 2008 statt und war durch die negativen Anlagerenditen getrieben. Diese hängen zum einen mit den negativen Entwicklungen an den Aktien- und Bondmärkten zusammen. Zum anderen ist ein erheblicher Teil der verwalteten Vermögen in ausländischen Währungen denominiert und eine Erstarkung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und dem US-Dollar führt in der Regel zu einer Abnahme der ausgewiesenen verwalteten Vermögen. Entgegen vielfach diskutierten Szenarien gab es somit bis dato keinen substanziellen Abfluss von


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Christian Hintermann ist Partner und Head Transactions & Restructuring, Financial Services, von KPMG Schweiz.

Kundengeldern. Allerdings verzeichneten einzelne, vor allem kleinere Banken deutliche Abflüsse, was zu teilweise massiven Ertragseinbussen bei den betroffenen Instituten führte. Je nachdem, ob und in welcher Form der automatische Informationsaustausch mit der EU und gegebenenfalls mit den G-20-Ländern realisiert wird, könnte es zu Kundenabgängen und Vermögensabflüssen kommen, weil einerseits Kunden ihre Gelder auf andere Finanzplätze transferieren und andererseits gewisse Kundenkategorien nicht mehr aktiv bedient werden.

Eskalierende Kosten-Ertrags-Verhältnisse Den Banken ist es bisher nicht gelungen, die Kosten nachhaltig zu reduzieren. Die operativen Kosten liegen 2011 für die meisten Banken auf einem ähnlichen Niveau wie in 2007. Die partiell implementierten Kostensenkungsmassnahmen wurden durch steigende regulatorische Aufwendungen und höhere IT-Kosten neutralisiert. Auch die Anzahl Mitarbeitender sowie die durchschnittlichen Personalkosten haben sich seit 2006 kaum verringert. Dies sowie die Tatsache, dass die Kosten im Gegensatz zu den Erträgen grösstenteils in Schweizer Franken anfallen, führte zu einem starken branchenweiten Anstieg der Kosten-Ertrags-Verhältnisse von 63 Prozent im Jahr 2006 auf 81 Prozent im Jahr 2011. Von dieser adversen Entwicklung sind auch die kosteneffizientesten Banken betroffen.

Strategische Neuausrichtung Nebst der allgemeinen negativen Branchenentwicklung gab es in den Jahren 2008 und 2009 substanzielle Änderungen in der internen Marktordnung. Nichtsdestotrotz können im Rahmen der Studie Banken ausgemacht werden, die über den betrachteten Zeithorizont hinweg eine konsistente Outoder Underperformance hinsichtlich Eigenkapitalrendite erzielten. Interessanterweise verfügen die «Performer» nicht über höhere Nettoertrags- und Kommissionsmargen als die «Underperformer», was darauf hindeutet, dass Underperformer an einer schlechten Kostenstruktur und/oder einer schwa-

chen Ertragsbasis leiden. Im Gegensatz zu den Performern weisen die Underperformer substanzielle Abflüsse von Kundengeldern auf. Keine wesentlichen Unterschiede konnten bei den durchschnittlichen Personalkosten ausfindig gemacht werden. Dies zeigt, dass Kostensenkungsmassnahmen wichtig sind, jedoch nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell betrachtet werden sollten. Zusätzlich sollten sich die Banken nicht zu sehr reaktiv auf Kostensparmassnahmen konzentrieren, sondern auch proaktiv die Ertragsseite pflegen. Gerade auch vor dem Hintergrund der steigenden Fixkosten wird die Grösse zunehmend entscheidend. Banken, die sich nicht an die neuen Wettbewerbsbedingungen anpassen, werden ganz oder partiell übernommen oder liquidiert werden. Während es in der Vergangenheit für die Banken oft ausreichte, im Markt zu partizipieren, sind nun klar definierte Strategien und fokussierte Geschäftsmodelle notwendig. Im Zentrum des Erfolgs steht unseres Erachtens die konsequente Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse. Soweit die identifizierten Herausforderungen richtig identifiziert und proaktiv angegangen werden, stellt die aktuelle Situation auch eine grosse Chance dar, antizyklisch zu wachsen. Die Schweiz bietet nach wie vor gute makroökonomische Rahmenbedingungen, ein erfolgreiches Private-BankingGeschäft zu betreiben.

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kolumne Diamanten – Schmuck und Investment Sie sind der härteste natürliche Rohstoff, sie sind selten und ihr Glanz fasziniert Menschen seit Jahrtausenden: Diamanten. Der Mensch hat riesige Gruben in die Erdkruste gebohrt, um an die begehrten Mineralien zu kommen. Zu den grössten von Menschen geschaffenen Kratern überhaupt zählt die Udatschnaja-Diamantmine in Sibirien, sie ist über 600 Meter tief und hat einen Durchmesser Walter Bollier von über 1,2 Kilometern, gross genug, damit Hubschrauber sie nicht überfliegen dürfen, um nicht in einen gefährlichen Sog zu geraten. Etwa 20 Tonnen der edlen Steine werden weltweit jährlich gefördert – viel zu wenig, um die Nachfrage zu decken. Nennenswerte neue Lagerstätten wurden seit etlichen Jahren nicht mehr entdeckt und in vielen bestehenden Minen sinkt die Ausbeute. Um den steigenden Bedarf an Diamanten für industrielle Zwecke zu decken, werden daher künstlich hergestellte Kristalle verwendet. Über Diamantenbörsen von Antwerpen, Tel Aviv oder Bombay, um die wichtigsten zu nennen, gelangt ein Grossteil der in Karat gehandelten natürlichen Steine in den Handel. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm, etwa dem Gewicht des Samens eines Johannisbrotbaums – arabisch qirat, daher unser Wort Karat – denn diese Samen dienten früher oft als Gewichtssteine für die Waagen der Edelsteinhändler. Der Wert eines Diamanten richtet sich neben dem Gewicht nach der Farbe, Reinheit und dem Schliff des Diamanten. Verschiedene spezialisierte Labore wie etwa das Gemological Institute of America (GIA) oder das International Gemological Institute (IGI) beurteilen entsprechend den Wert eines Steins und stellen Zertifikate für Käufer aus. Doch die Emotionen, die ein Diamant auslösen kann, lassen sich technisch nicht bewerten.

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Zu den bekanntesten Schliffen gehört der Brillantschliff, der mit seinen 58 Facetten das einfallende Licht besonders gut in den Spektralfarben reflektiert. Er gehört auch zu den beliebtesten Steinen der Juweliere, denn selbst bei geringer Grösse des Steins lassen sich mit einem hochwertigen Brillanten tolle Effekte erzielen, so hat ein Brillant mit einem Durchmesser von circa 5 Millimetern bereits 0,5 Karat. Für die meisten Schmuckstücke mögen Steine dieser Grösse mehr als genügen, doch Anleger, die eine Alternative zu anderen Investments suchten, setzten seit jeher auf den gut handelbaren klassischen 1-Karäter, möglichst lupenrein und möglichst farblos. Lupenrein bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man in dem Edelstein bei zehnfacher Vergrösserung keine natürlichen Einschlüsse erkennen kann. Als Geldanlage können Diamanten ähnlich wie Gold durchaus Sinn machen. Als Investment eignen sich auch farbige Diamanten, sogenannte Fancies oder vielkarätige Sammlerdiamanten, wie sie immer wieder auf Auktionen angeboten werden. Im aktuellen Nullzinsumfeld entfällt das Argument, dass Anlagen dieser Art keine Zinsen abwerfen – das klassische Sparbuch tut das auch nicht mehr. Die langfristige Angebots- und Nachfragesituation bei Diamanten spricht zudem für nachhaltig steigende Preise. Ausserdem gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit von Investments in spezialisierte Fonds, die mit dem eingesammelten Geld gut handelbare Diamanten im Grosshandel kaufen und auf deren Wertsteigerung setzen. Die leicht zu transportierenden Steine können aber auch einen Inflationsschutz bieten. Schliesslich bieten sich noch die Aktien der grossen Diamantenproduzenten als Anlagevariante an.


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Ein Luxushotel auf hoher See, entspannte Eleganz fernab vom Krawattenzwang – das ist die Europa 2 aus dem Hause Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Yvonne Beck

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Sechs neue Kreuzfahrtschiffe erleben in diesem Jahr ihre Taufe. Die Konkurrenz wird also grösser, die Angebote an Bord werden immer ausgefallener. Die «Europa» führt seit Jahren die Liste der besten Kreuzfahrtschiffe an. Und mit der «Europa 2» von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, die am 10. Mai in Hamburg feierlich getauft wurde, werden neue Massstäbe auf den Weltmeeren gesetzt. Trotz fast identischer Namen der beiden Schiffe erwarten die Passagiere einige Neuerungen. Geht es auf der «Europa» weiterhin klassisch elegant zu, mit Abendgarderobe, Tischordnung und Captain’s Dinner, geht es auf dem neuen Schiff eher moderner und legerer zu. Das neue Luxusschiff verfügt über elf Decks, ausschliesslich Suiten mit eigener Veranda und einer Mindestgrösse von 28 Quadratmetern sowie dem insgesamt grössten Platzangebot je Gast an Bord eines Kreuzfahrtschiffes.

Grosszügige Suiten mit Liebe zum Detail Die kleinste der 251 Suiten auf der «Europa 2» ist 28 Quadratmeter gross, die grösste 99. Ihnen allen ist jedoch eins gemein: Sie schaffen individuelle Freiräume zum Wohlfühlen in privater Atmosphäre. Alle Suiten besitzen eine mindestens sieben Quadratmeter grosse Veranda mit traumhaftem Meerblick, einen optisch getrennten Wohnbereich mit einer hochwertigen Ausstattung in freundlich-hellem Design. Zur Auswahl stehen acht Suitentypen, in den grösseren ab 42 Quadratmetern steht ein eigener Butler rund um die Uhr zur Verfügung. Wer es klassisch mag, wählt die Veranda Suite oder die Grand Suite: luxuriös ausgestattet, mit begehbarem Kleiderschrank und allen erdenklichen Annehmlichkeiten. Wem Wellness und Entspannung wichtig sind, der wird sich in der Ocean Suite und der Spa Suite wohlfühlen: beides private Wellness-Oasen mit fantastischem Panoramablick auf den endlosen Ozean aus der eigenen Whirlpoolwanne; in der Spa Suite sogar mit eigener Dampfsauna. Und wer es noch luxuriöser mag – die Grand Penthouse Suite und Owner Suite sind ein exklusives Zuhause auf höchstem Niveau.

Eine kulinarische Weltreise mitten auf dem Meer Wer an ein exzellentes Dinner auf hoher See denkt, verbindet dies meist mit einer steifen, gesetzten Atmosphäre und Abendgarderobe. Auf der «Europa 2» wird dieser Gedanke jedoch neu interpretiert. Das Grundkonzept der Restaurants an Bord ist wohltuend aufgelockert. Ohne starre Tischzeiten, leger, aber gleichwohl mit Stil. Alle Restaurants überzeugen mit Kochkunst auf höchstem Niveau und jeder Menge Abwechslung. Ob frisch vom Grill, vegetarisch, französisch, italienisch oder asiatisch – für Abwechslung ist stets gesorgt. Unterstützt werden die genussvollen Momente durch die stilvolle Atmosphäre. Das grösste Restaurant an Bord ist das Restaurant Weltmeere, es befindet sich achtern auf dem Schiff. In dem grosszügigen Raumkonzept setzten Designelemente dezente Akzente. So entsteht eine gelungene Balance zwischen Offenheit und Behaglichkeit. Den Gaumen verwöhnt Küchenchef Willi Leitgeb. Das Angebot reicht von internationalen bis hin zu vegetarischen Menus, die immer wieder neu und überraschend interpretiert werden. Im Restaurant Tarragon hingegen umweht die Passagiere ein Hauch frankophiles Savoir-vivre. Hier wird französisch orientierte Küche serviert, die ebenso einfach wie raffiniert ist. Cassoulet vom Kaninchen mit Möhren und Minze, Champagner-Mousse im Zartbittermantel, dazu einen kräftigen Bordeaux entzücken die Geschmacksnerven. Die Ausstattung des Tarragon erinnert mit

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seinen dunklen Säulen und grün gepolsterten Bänken an eine charmante Brasserie in Paris. Der Küche Asiens wird hingegen im Restaurant Elements gehuldigt. Traditionell chinesisch nach den Lehren der Fünf-Elemente-Küche oder feurig scharf und leicht wie ein gutes Thai-Curry oder einzigartig gewürzt wie indische Geschmacksentdeckungen. Weiter geht die kulinarische Weltreise im Restaurant Serenissima: Von Antipasti bis Espresso – italienisch geniessen ist eine hohe Kunst. Den Küchenchefs des Restaurants gelingt es immer wieder, mit Klassikern und aufregenden Interpretationen einer der beliebtesten Küchen zu begeistern. Das puristisch-edle Interieur spiegelt die Qualität der Küche wider. Verzicht auf alles Überflüssige, Konzentration auf den Genuss. Im offenen Yacht Club Restaurant verbindet sich die Meeresbrise mit dem feinen Duft der offenen Kochstationen. Der Blick auf den weiten Horizont und dazu delikate Grillspezialitäten sowie Kulinarisches vom Buffet sind ein einmaliges Erlebnis. Komplettiert wird das kulinarische Angebot durch das Sushi-Restaurant Sakura und das ganz private Speisezimmer für besondere Anlässe im Kreise von Freunden oder der Familie. Und da zu einem guten Essen auch ein guter Tropfen gehört, können sich Gäste der «Europa 2» mit Sommeliers auf eine einzigartige Weinreise begeben. Weltweit ist es eine Bezeichnung für Weine höchster Qualität – an Bord der «Europa 2» ist das «Grande Reserve» der Ort, an dem sich Kenner und neue Weinliebhaber zu ihrer Passion treffen. In zwei gläsernen Klimaräumen erwartet Weinfreunde eine überwältigende Auswahl edler Weine aus aller Welt. Ob einfach nur ein gutes Glas oder eine private Weinverkostung bis zu zwölf Personen – die Weinbar ist die perfekte Umgebung, um die Kunst meisterhafter Winzer zu geniessen und auch mal einen ganz besonderen Wein zu verkosten. Locker, ungezwungen und ausgelassen geht es in der «Sansibar» zu. Die legendäre Bar mit den zwei gekreuzten Piratensäbeln hat seit Jahrzehnten Kultstatus – auf Sylt und ganz exklusiv auf der «Europa 2» und ihrem Schwesterschiff, der «Europa». Die unvergleichliche Atmosphäre lässt sich vom Vormittag bis in die Nachtstunden geniessen. Gerade wenn der Himmel sich nachtblau färbt, die Sonne sich langsam vom Tag verabschiedet, ist die Bar ein beliebter Treffpunkt für alle, die gerne das Tanzbein schwingen.


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Bühne frei So facettenreich wie die Farbe des Meeres ist auch das Entertainment auf der «Europa 2». Im Theater heisst es: Bühne frei – für die Darbietungen prominenter Gastkünstler und die exklusiv produzierten Bühnenshows. Namhafte Musiker geben sich ein Stelldichein im Jazzclub und Lesungen von namhaften Autoren und Schauspielern runden das Programm ab. Auf der «Europa 2» lässt sich für jeden Geschmack das Richtige finden.

Kunst an Bord Die «Europa 2» geht nicht nur mit ihrem Suitenkonzept, ihrem Design und dem Küchenkonzept neue Wege, sondern auch beim Thema Kunst an Bord. Sie wird nicht als dekoratives Element verstanden, sondern als Erlebnis. Vor allem die Werke junger zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und allen Teilen Europas gehen mit der «Europa 2» auf Reisen. Sowohl Neuentdeckungen sind unter den Künstlern als auch solche, die auf der Schwelle zu einer grösseren Bekanntheit stehen, und solche, die sich durch verschiedene Ausstellungen bereits einen Namen im Kunstmarkt gemacht haben. Wer auf der «Europa 2» reist, kann sich so manches Museum sparen, denn hier hängen sogar limitierte Drucke von Gerhard Richter an den Wänden. Kurz: eine schwimmende Kunstsammlung.

Prestiges Lieblingsplätze auf der «Europa 2»: Herrenzimmer Im sogenannten Herrenzimmer sind auch Frauenzimmer zugelassen. Wer es ruhig liebt, lässt hier die Erlebnisse des Tages am knisternden Kamin Revue passieren – entspannt zurückgelehnt bei einem gehaltvollen Whiskey oder vielleicht einer kubanischen Spezialität aus dem Humidor.

4 Regionen – 26 Routen – 123 Häfen Nicht nur das Interieur und die legere Atmosphäre an Bord zeugen von Freiheit, auch das Routenkonzept der «Europa 2» eröffnet diese auf maximale Weise bei der Reiseplanung. Die Routen zeichnen sich durch eine kürzere Reisedauer aus. So haben beispielsweise die meisten Reisen im Mittelmeer eine Dauer von sieben Tagen. Dabei sind die einzelnen Reisen auch zu einem mehrwöchigen Urlaub kombinierbar. Die «Europa 2» erreicht aufgrund ihrer geringen Schiffsgrösse auch entlegenste Winkel, die abseits der üblichen Ziele liegen. An einsamen Stränden kommen die Gäste mit Zodiacs den schönsten Plätzen ganz nah. Die «Europa 2» nimmt Kurs auf die reizvollsten Destinationen der Welt. Von Mai bis September kreuzt sie im westlichen Mittelmeer: Küstenstädte wie Barcelona und Saint-Tropez und traumhafte Inseln wie Sardinien sind nur einige Highlights dieser Region. Anschliessend steuert die «Europa 2» bis November das östliche Mittelmeer an: Griechische Inseln, Ziele am Schwarzen Meer und an der türkischen Ägäis bestimmen den Routenplan. Die Arabische Halbinsel mit ihren boomenden Metropolen steht im November bis Dezember 2013 sowie im April 2014 auf dem Programm. Im Anschluss begibt sich die «Europa 2» von Dezember 2013 bis April 2014 nach Asien. Fazit: Die «Europa 2» setzt neue Massstäbe im Bereich Kreuzfahrt. Durch einen Tiefgang von nur 6,30 Meter erreicht das Schiff auch die kleinsten Häfen und einsame Buchten abseits der gängigen Routen. An Bord ist entspannte Eleganz kein abstrakter Begriff mehr, sondern ein wahr gewordener Traum vieler Kreuzfahrt-Freunde.

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Poolareal Das grosszügige, teakholzgetäfelte Pooldeck besticht durch den atemberaubenden Panoramablick ins unendliche Blau. Imposanter Mittelpunkt ist der lang gestreckte Pool, der zum ruhigen Bahnenziehen oder Aquafitness einlädt. Wer private Zweisamkeit in prickelnder Meeresluft geniessen möchte, zieht sich auf eins der Daybeds zurück und schirmt sich von den übrigen Gästen ein klein wenig ab.

Spa-Bereich Vielfalt und viel Raum finden Gäste auch im Wellness-Bereich der «Europa 2», der sich allein über 620 Quadratmeter erstreckt. In acht Behandlungsräumen des Ocean Spa werden Anwendungen von Massagen über Gesichtsbehandlungen bis zur Thalasso-Therapie angeboten. Die grosszügige Saunalandschaft bietet mehr Platz pro Gast zum Entspannen als jedes andere Schiff dieser Klasse. Weitere Informationen und Buchungen: www.hlkf.de


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SHORTCUT Kleine Zahlenkunde der «Europa 2» Circa 1 000 Tonnen Stahl wurden verbaut und 23’000 Quadratmeter Teppich verlegt. Vier Dieselgeneratoren erzeugen 24 MW Strom. 5 982 Pläne und Zeichnungen wurden von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten geprüft. Insgesamt wurden 29’910 Ausbau- und Architekturzeichnungen angefertigt. Das Glasschiebedach über dem Pool wiegt circa 80 Tonnen. Auf dem ganzen Schiff wurden 300 Kilometer Leitungen verlegt. Die Gäste können aus 800 verschiedenen Getränken wählen, darunter 35 Sorten Gin, 180 Sorten Rot- und Weisswein, 100 verschiedene Sorten Softdrinks ... Gegessen werden kann mit 37 verschiedenen Besteckteilen. Die Anzahl verschiedener Löffel liegt bei stattlichen 13. Für grosse und kleine Köstlichkeiten stehen 25’052 Geschirrteile bereit. 890 Kunstoriginale schmücken die Decks. 1 Kapitän bringt die «Europa 2» sicher über die Meere. Der durchschnittliche Verbrauch während einer 14-tägigen Reise liegt bei 19’500 Eiern, 780 Kilogramm Mango, 1 560 Kilogramm Ananas, 2,6 Tonnen Orangen, 1 560 Kilogramm Kartoffeln, 1 550 Kilogramm Mehl, 1 000 Flaschen Champagner, 5,3 Tonnen Fleisch und 2,1 Tonnen Fisch.

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auf wiedersehen am swiss derby 2014

www.swissderby.ch

das swiss derby 2013 fand mit unterst端tzung zahlreicher sponsoren statt. wir sind stolz auf die Zusammenarbeit und danken den Partnern herzlich f端r ihr engagement.

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Megacity

der Peking So grundlegend verschieden Weltstadt-Reisen auch sein mögen – eines haben sie in der Regel gemeinsam: Man kann sich mehr oder weniger mit der englischen Sprache durchwuseln. Nicht so in Peking. Angelika Möller

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Peking gehört zu den Metropolen dieser Welt, deren Sehenswürdigkeiten als spektakulär und einzigartig gelten und jährlich Millionen Besucher anziehen, was die Illusion nährt, dass ein Hauch von Englischkenntnissen bei Taxifahrern oder sonstigen Menschen, die vom Tourismus leben, vorhanden ist. Diese Illusion schwindet jedoch von Stunde zu Stunde. Gut, wenn man sich bereits bei der ersten Taxifahrt damit abfindet und seine Adresse in chinesischen Schriftzeichen vorzeigen kann. Auch gut, wenn der Taxifahrer überhaupt des Lesens mächtig ist. Im Hotel angekommen, ist Aufatmen angesagt. Hier wird man mehrsprachig verstanden.

Andere Länder, andere Sitten Wer nach Peking reist, die Stadt mit einer 3 000-jährigen Tradition, vermutet zu Recht, dass sie nicht nur Hauptstadt, sondern auch das kulturelle Zentrum Chinas ist. Bilder von der Verbotenen Stadt, dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz), der Grossen Mauer, dem Himmelstempel, dem Sommerpalast und den Hutongs (den Altstadtvierteln) vor Augen, erwartet man Faszination und einfach unvergessliche Eindrücke. Und so ist es dann auch. Für mich ist Peking ein Ziel, das man einmal aufgrund der Fülle von Sehenswürdigkeiten gesehen haben sollte und weil diese Stadt auf unvergleichliche Weise Vergangenheit und Zukunft verbindet. Oft ist man geneigt zu sagen, wenn man fremde Kulturen wie Südostasien, Südamerika oder Australien besucht, dass man in eine völlig andere Welt eintaucht. Nie, ausser in Indien, hatte ich dieses Gefühl so sehr wie hier in Peking, das sich so völlig anders darstellt als die weitaus multikulturelleren Metropolen Hongkong und Shanghai. Peking zeigt sich als eine Stadt mit vielen Brüchen, die das moderne wirtschaftlich boomende Land mit sich bringt. Die häufige Ruppigkeit der Bevölkerung ist einfach der unglaublichen Masse an Menschen (knapp 20 Millionen in der Region) geschuldet, die sich in der U-Bahn, im Strassenverkehr, ja im täglichen Leben Platz verschaffen müssen. Auch viele Sitten und Gebräuche erscheinen uns fremd, zuweilen schockierend, wie zum Beispiel die schmatzenden, schlürfenden, rülpsenden Essgeräusche. Apropos Essen. Die Küche ist für die meisten Chinesen eine Obsession, der sie hingebungsvoll frönen, und das, so scheint es, überall und jederzeit. Schon Mao war überzeugt, «mit fettem Schwein das Hirn zu stärken und den Kampf zu gewinnen». Als «lauwei» (Ausländer) wird man gerne angestarrt, bis die Augen rausfallen, und dann um ein gemeinsames Foto in Gebärdensprache gebeten. Fremde sind willkommen. Konfuzius, der auch heute (wieder) eine grosse Rolle spielt, sagte: «Wenn Fremde von weit her kommen, ist das nicht auch eine Freude?» Auch diese Strategie von ihm ist sehr populär: «Unter dreien (Fremden) ist bestimmt einer, von dem ich lernen kann. Ich suche die guten Eigenschaften heraus und folge ihnen. Ich sehe zugleich die schlechten Eigenschaften, um es besser zu machen.» Man gibt sich nicht die Hand, sondern verbeugt sich voreinander. Das Gesicht zu wahren, ist oberstes Prinzip, und zwar das eigene wie das des Gegenübers. Offene Konfrontation wird gern vermieden. Ein Nein wird umgangen, ein Ja bedeutet noch keine Zusage. Im privaten und geschäftlichen Umgang ist das Lächeln Höflichkeit und Waffe zugleich. Ein Chinese, so wurde uns erzählt, kauft nur das, was er aussprechen kann, um nicht sein Gesicht zu verlieren. Daher findet man in Supermärkten fast ausschliesslich chinesische Waren. Gefälschte Produkte sind gang und gäbe, selbst bei Lebensmitteln und teuren Weinen.

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Im Herzen Beijings Ganz wichtig ist es für einen Erstbesuch in Peking, sich kundiger Führung anzuvertrauen. Wir haben in dieser Beziehung erstklassige Erfahrung mit China Tours gemacht und ein besonders privilegiertes Glück war unser schönes traditionsreiches Raffles Hotel mit John, dem «Raffles Ambassador». Das Raffles Hotel Beijing ist ein Bestandteil des historischen Peking, da es mit seiner Fassade im opulenten Stil des Historismus an die Eleganz der französischen Kolonialzeit erinnert. Gleichzeitig punktet es mit seiner Fussnähe zur Verbotenen Stadt und dem Platz des Himmlischen Friedens sowie der turbulenten Einkaufsmeile Wangfuijing Street. Seit der Eröffnung hat das Haus als Oase des Komforts und der Ruhe gekrönte Häupter, Politiker, Schriftsteller, und Filmstars beherbergt. Zu Recht gilt es als die Grande Dame unter den Luxushotels der Stadt. John Spooner, der Raffles Ambassador, der bilderbuchgleich den klassischen Gentleman mit Old-School-Tugenden verkörpert, sorgt sich leidenschaftlich für das Wohl der Gäste, und das nicht nur im Hotel, sondern auch bei kleinen Exkursionen. Er bietet uns einen kleinen Rundgang in der unmittelbaren Umgebung des Hotels an. Zuerst jedoch schauen wir uns im Hotel um und beziehen unsere Zimmer. Hier kann man sich rundum wohlfühlen in einer behaglich ausgestatteten Wohnzimmeratmosphäre und einem angenehmen Abstand zum quirligen City-Geschehen. Zum Lunch entscheiden wir uns für Dim Sum im «East 33», das internationale Gerichte bietet und wie das französische Restaurant «Jaan» auch von externen Gästen gut besucht ist. Anschliessend noch ein Espresso in der beliebten «Writerʼs Bar». Hier wird auch am Nachmittag der klassische «High Tea» zelebriert. Alles atmet internationales Flair in einem einladenden Ambiente. Kaum aus dem Hotel gerät man in das umtriebige Leben und Treiben von Pekings Street-Life. Der Verkehr mörderisch, die Menschenmengen überwältigend und von Eile getrieben. John nimmt schützend meinen Arm und meint mit seinem trockenen Humor: «The target is your life.» Ob die Ampel grün oder rot aufleuchtet, darum wird sich wenig geschert. Wir biegen von der grossen Einkaufsmeile ab in den sogenannten Nightmarket, der aber schon ab Mittag geöffnet ist. Unzählige Verkaufsstände bieten Fast Food der chinesischen Variante an. Fremde, seltsame Gerüche ziehen in die Nase. Johns Warnung, hier bloss nichts zu verzehren, wird spätestens dann überflüssig, als er uns die sich windenden Tiere am Spiess und in den Auslagen erklärt. Es sind unter anderem noch lebende Skorpione und riesige Millipeds (Tausendfüssler) ... John erweist sich auch in den nächsten Tagen als «best Buddy», wenn er mich in der Metro (die Erfahrung sollte man nicht missen) vor den drängelnden, pressenden und schubsenden Menschen so gut es geht abschirmt. Er handelt mit stoischem Pokerface gnadenlos günstige Preise auf dem Silk Market aus, gibt den Taxifahrern, wenn ich allein unterwegs bin, strikte Anweisungen und er ist für alle Gäste eine omnipräsente Grösse vom Morgen bis in den Abend in der Hotellobby. Er steht mit effizientem Rat zur Seite, organisiert mit ruhiger Hand und scheint Unmögliches möglich machen zu können.

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Zwischen Geschichte und Shoppingmeilen Für den Besuch der berühmten Sehenswürdigkeiten erweist sich eine reizende, perfekt Deutsch sprechende Führerin von China Tours mit sehr kompetenten Kenntnissen und Informationen als ideale Begleitung. Wir starten auf dem Platz des Himmlischen Friedens und der geheimnisumwobenen Verbotenen Stadt, die viele Jahrhunderte chinesischer Geschichte erzählen. Wir fahren zum Himmelstempel, einer gigantischen Tempelanlage und seit fünf Jahrhunderten die heiligste Stätte, in der die Kaiser für eine gute Ernte beteten. Am nächsten Tag besuchen wir den Lama-Tempel, den grössten dieser Art ausserhalb von Tibet. Wir schlendern durch die Hutongs, die kleinen Gassen mit traditionellen Behausungen, die das Herz des alten Peking sind. Hier sieht es wie Jahrzehnte zuvor aus: Frauen in Schlafanzügen klönen in den Wohnhöfen mit der Nachbarin, Männer in Unterhemden hocken auf der Strasse und spielen Mah-Jongg oder Schach. Interessant und lohnend ist das Künstlerviertel 798 auf dem ehemaligen Gelände einer Waffenfabrik mit etlichen Galerien, Cafés und attraktiven Shops. Am Abend gehen wir in eines der typischen Restaurants für Peking-Enten. Ist die Esskultur der Tischnachbarn auch nicht gerade von Ästhetik geprägt, so fasziniert ihr Enthusiasmus beim Essen, Reden und Geniessen. Und die knusprige Peking-Ente in Teigblättchen mit schwer definierbaren, aber delikaten Beilagen schmeckt köstlich. Anschliessend geht es in die Nachtszene von Peking. Ein tolles Viertel zum Ausgehen findet man in Hohai/Nanlouguxiang mit Musikkneipen, Bars und kleinen Restaurants. Ein Geheimtipp ist noch die winzige «Great Leap Brewery» mit kleinem Innenhof. Hier tummeln sich auch internationale Insider. Allerdings ist die kleine Brauerei nicht leicht in den angrenzenden etwas düsteren Gassen zu finden. Mehr Schickimicki-Geschehen trifft man im Sanlitun-Village im Botschaftsviertel, tagsüber ein Shopping-Paradies (alle Nobel-Labels sind vertreten) und abends angesagte Ausgehmeile.

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Fazit: Nach vier Tagen in Peking sitze ich nun leicht erschöpft in der komfortablen Businessclass eines A 380 der Lufthansa auf dem Rückflug nach Frankfurt und lasse die Fülle von Erlebnissen Revue passieren. Ich geniesse die Ruhe, den Komfort und den aufmerksamen Service und komme langsam wieder runter. Peking war ein aussergewöhnliches Erlebnis. Vieles war befremdlich, vieles liess staunen und mir ist klar, dass ich diese Eindrücke unbedingt bei einem nächsten Trip vertiefen möchte. Und so vieles steht noch auf dem Programm, vor allem der Besuch der Grossen Mauer.

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kolumne Von der Faszination der Edelsteine Elstern sind intelligente Vögel und als «Diebe» bekannt. Sie lieben alles, was glitzert und glänzt, und holen sich Schmuck und Ähnliches. Wissenschaftliche Tests bewiesen, sie finden sie es auch, wenn man das Versteck wechselt. Ähnlich ging es meiner Mutter mit mir: Schon früh fand ich Gefallen an Gold und Silber. Meine Mutter hatte ihre liebe Mühe, ihVera Dillier re Sachen vor mir zu verstecken. Wie eine Elster fand ich es und «lieh» es mir aus. Leider verlor ich als Kind ab und zu etwas. Zur Konfirmation bekam ich dann endlich meinen ersten eigenen Schmuck – eine Gold- und eine Perlenkette. Damit begann meine Sammlerleidenschaft für Preziosen. Bald genügte mir Gold allein nicht mehr, es mussten Glitzersteinchen drauf. Diamanten sind ja bekanntlich «a girlʼs best friend». Der berühmteste Stein aller Zeiten war der «French Blue», der von Louis XIV gekauft worden war und in den Wirren der Französischen Revolution verschwand. Später, um 1812, tauchte er in neuem Schliff als «Hope»-Diamant wieder auf. Der Legende nach soll er allen Besitzern Unglück gebracht haben. Viele von ihnen kamen äusserst gewaltsam ums Leben, so auch Marie Antoinette, die unter der Guillotine landete. Im Jahre 1958 kaufte ihn der berühmte Juwelier Harry Winston und schenkte ihn dem Smithsonian National Museum, damit er allen zugänglich sei und niemandem mehr Unglück bringt. Heute soll er rund 300 Millionen Dollar wert sein. Vor vielen Jahren präsentierte Harry Winston in St. Moritz eine Juwelenausstellung der Superlative. Da lagen die millionenschweren Geschmeide in edlen Vitrinen. Ein riesiger tropfenförmiger Diamant an einer Halskette mit dem Namen «Star of the East» faszinierte mich sofort. Der Chef der Ausstellung, ein Freund von mir, legte mir den wertvollen Stein um den Hals und flüsterte mir dabei seinen Preis ins Ohr. Das Gefühl, mit dem millionenschweren «Star of the East» am Hals durch die Hallen des «Palace Hotel» zu schreiten, war erhebend. Zum Scherz fragte ich meinen Freund, ob er nicht befürchte, dass ich mit dem Stein verschwinden könnte. «Nein, der Stein ist

unverkäuflich, jeder kennt ihn. Ich habe ihn in der Hosentasche aus Paris mitgebracht.» Dieser Stein lag nun deutlich ausserhalb meines Budgets. Ich fand dann einen Ring mit einem viereckig geschliffenen Diamanten von vernünftiger Grösse und sagte zum Bijoutier: «Der würde mir auch gefallen.» Er nickte, «Oh ja, das ist der perfekteste und schönste Diamant, den wir in der Sammlung haben – wie hast Du das erkannt?» «Er hat mich einfach angestrahlt.» Schüchtern fragte ich nach seinem Preis. Bei seiner Antwort musste ich zweimal leer schlucken und seufzte: «Für den Preis kriege ich ja eine grosse Vierzimmerwohnung hier in St. Moritz!» Er schmunzelte: «Stimmt, aber eine Vierzimmerwohnung kannst Du Dir nicht an den Finger stecken.» Ich lächelte zurück: «Aber im Ring kann ich nicht wohnen.» Um bei meinen Möglichkeiten zu bleiben, begann ich, farbige Steine zu sammeln: Zuerst waren es die «Aquamarine», die es mir angetan hatten. Dann entdeckte ich die Schönheit der lilafarbenen «Amethysten», um kurz darauf zur Überzeugung zu gelangen, dass ein «Citrin» besonders gut zu meiner Haut passe. Ich kaufe mir die Schmuckstücke mit den farbigen Steinen bei Auktionen, bei Juwelieren und manchmal auch auf dem Flohmarkt. Dort erstand ich einen goldenen Ring mit einem grünen Stein. Der Händler wusste nicht, was für ein Stein das sein könnte und ob er überhaupt echt ist, und verkaufte ihn mir zum Goldpreis. Der Händler vom Stand nebenan meinte abschätzig, netter Ring, aber man sieht, dass der Stein nicht echt ist. Also trug ich ihn unbesorgt auf meiner nächsten Brasilienreise. Ein befreundeter Juwelier in Rio bewunderte dann den Ring und war begeistert von der schönen Farbe des Steines und erklärte mir, dass es sich um einen eher seltenen «Prasiolith» handle. Seitdem sind diese wunderschönen, hellgrünen Steine meine Favoriten. Bedauerlicherweise kann ich meine Schmuckstücke nicht zuhause in Vitrinen legen, um sie täglich bewundern zu können. Sie müssen in der Dunkelheit eines Banktresors warten, bis ich sie besuchen komme und ab und zu das eine oder andere «Schätzchen» in die grosse Welt ausführe.

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zum Greifen nah Festival del film Locarno

Roter Teppich, internationale Stars und eine riesige Leinwand auf der Piazza Grande – im Laufe seiner 65-jährigen Geschichte hat sich das Festival del film Locarno eine zentrale Stellung im Panorama der grossen Filmfestivals erobert. Yvonne Beck

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Top Events of Switzerland

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Locarno, dessen Filmfestival gegründet wurde mit der Idee, neue Talente und aktuelle Strömungen zu entdecken, stiess häufig vor allen anderen auf geniale Nachwuchsregisseure aus der ganzen Welt. Um nur ein paar zu nennen, gehören etwa Claude Chabrol, Stanley Kubrick, Spike Lee oder Gus Van Sant dazu. Auf der Piazza Grande, die mit ihrem zauberhaften Ambiente jeden Abend bis zu 8 000 Zuschauer anzieht, waren bereits Stars wie Alain Delon, Kylie Minogue, Gina Lollobrigida, Marlene Dietrich und viele andere zu Gast. Das Locarno Filmfestival gehört nach den Filmfestspielen von Venedig und dem Moskauer Filmfestival, die beide bereits in den 1930er Jahren gegründet wurden, und neben den Filmfestspielen von Cannes und dem Filmfestival Karlovy Vary (alle 1946 gegründet) zu den ältesten Filmfestspielen der Welt. Während zehn Tagen werden Hunderte Filme in diversen Reihen, Retrospektiven und im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden gezeigt. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld von 90’000 Schweizer Franken geht zu gleichen Teilen an den Regisseur und an die Produzenten des Siegerfilms.

Seit diesem Jahr steht Carlo Chatrian als künstlerischer Leiter dem Festival del film Locarno vor. Der bisher als Journalist, Autor und Programmverantwortlicher tätige Chatrian wurde 1971 in Turin geboren. In der Filmbranche ist er kein Unbekannter: Seit Beginn der 1990er Jahre schreibt er regelmässig für Fachzeitschriften wie «Filmcritica», «Duellanti», «Cineforum» und leitet ausserdem die Publikation «Panoramiques». Als Programmverantwortlicher hat Chatrian zahlreiche Retrospektiven realisiert. Dafür arbeitete er mit Festivals wie Cinéma du réel (Paris) oder dem Courmayeur Noir in Festival sowie mit Institutionen wie dem nationalen Filmmuseum Turin zusammen. Carlo Chatrians Zusammenarbeit mit dem Festival del film Locarno begann bereits 2002; von 2006 bis 2009 war er Mitglied der Auswahlkommission. Im Rahmen der letzten Festivalausgaben verantwortete er als Kurator die Retrospektiven (Nanni Moretti, Manga Impact, Ernst Lubitsch, Vincente Minnelli, Otto Preminger). Seit 2010 ist Carlo Chatrian zudem als Berater für das Schweizer Filmarchiv tätig und leitet als Direktor seit 2011 die Stiftung «Film Commission Vallée d’Aoste». PRESTIGE sprach mit Carlo Chatrian über seine neue Aufgabe, die Programmhöhepunkte des diesjährigen Festivals und die zu erwartenden Stars.

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PRESTIGE: Sie treten als Direktor des Filmfestivals Locarno die Nachfolge von Olivier Père an. Was beinhaltet Ihre neue Aufgabe als künstlerischer Leiter an den Festspielen? Carlo Chatrian: Meine Aufgabe ist es, die richtigen Filme für das Programm und begleitend dazu die passenden Leute – Talente, Regisseure, Jurymitglieder – zu finden. Aber ein Filmfestival ist viel mehr als nur eine Kombination aus Filmen und Menschen; wenn das Kino selbst ein Spiegel der Zeit ist, in der wir leben, so versucht ein Filmfestival, die Richtung wiederzugeben, die das Kino und die Welt einschlagen – wie in einem Mikrokosmos.

Können Sie mir kurz die geschichtliche Entwicklung des Festival del film Locarno umreissen? Wie alles begann und warum gerade Locarno als Standort ausgewählt wurde – eine eher kleinere Stadt? Am Abend des 23. August 1946 startete das Festival del film Locarno mit der Vorführung von Giacomo Gentilomos «O sole mio» im Garten des Grand Hotels. Die Organisation begann in letzter Minute weniger als drei Monate vorher, als die Stadt Lugano die «Rassegna Internazionale del Film» ablehnte, welche 1944 und 1945 stattfand. Das Programm der ersten Festivalausgabe war aus 15 Filmen zusammengesetzt – darunter Filme von René Clair, Billy Wilder oder Sergei Eisenstein.

Bereits in den frühen Jahren zeichnete sich Locarno als Entdeckungsfestival aus: in der erste Dekade in Bezug auf italienischen Neorealismus – als Venedig noch in faschistischen Händen war –, später dann mit der französischen Nouvelle Vague (1958 war Locarno das erste Festival, das die neue Welle auszeichnete mit Chabrols «Le beau Serge»), mit dem Kino aus Osteuropa, trotz pro-kommunistischer Beschuldigungen, und aus China (1955 mit Che Houeis «Jumao Xin»). Die Abendvorführungen fanden für die nächsten 25 Jahre im Grand Hotel statt – ausser 1951 und 1956, als das Festival nicht stattfand –, bis diese 1971, nach einer revolutionären Idee des Architekten Livio Vacchini, auf die Piazza Grande verschoben wurden.

Was hat sich seit dem Beginn der Filmfestspiele Locarno im Jahre 1946 verändert? Viele Dinge ändern sich, in der Gesellschaft und in der Art und Weise, wie Filme gemacht werden. Und ich hoffe, dass der Wunsch nach Entdeckung von etwas Neuem auf das Festival und die Zuschauer übergreift.


© Festival del film Locarno

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Künstlerischer Leiter des Filmfestivals Locarno C. Chatrian.

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Das Filmfestival Locarno gilt als Sprungbrett im Filmbusiness. Können Sie mir einige Beispiele geben, welche Regisseure hier ihren Durchbruch schafften? Oh, das sind einige, denn in der Geschichte Locarnos haben viele Regisseure ihre ersten Filmen am Festival präsentiert. Darunter Stanley Kubrick, Paul Verhoeven, Milos Forman, Marco Bellocchio, Glauber Rocha, Raul Ruiz, Alain Tanner, Mike Leigh, Bela Tarr, Chen Kaige, Edward Yang, Aleksander Sokurov, Atom Egoyan, Jim Jarmusch, Spike Lee, Gregg Araki, Catherine Breillat, Abbas Kiarostami, Gus Van Sant, Pedro Costa, Fatih Akin, Claire Denis oder Kim Ki-Duk.

Im letzten Jahr an der 65. Ausgabe waren Stars wie Charlotte Rampling, Alain Delon, Leos Carax und Ornella Muti anzutreffen. Wer wird in diesem Jahr das Festival mit seiner Anwesenheit beehren? Ich freue mich in diesem Jahr sehr, den deutschen Regisseur Werner Herzog und den Regisseur Otar Iosselani aus Georgien sowie den italienischen Schauspieler Sergio Castellitto in Luzern begrüssen zu dürfen. Ende Juli werden wir die Teilnahme weiterer renommierter Talente ankündigen. Ich bin überglücklich, Menschen willkommen zu heissen, die den internationalen Film prägen und formen. Aber ich freue mich auch sehr auf die jungen Talente der zeitgenössischen Filmbranche – die «Maestros» von morgen.

Wem ist in diesem Jahr die grosse Festivalretrospektive gewidmet und warum? Die Retrospektive 2013 ist dem amerikanischen Regisseur George Cukor gewidmet, dem grossen Meister der Komödie. Ich finde es die beste Art, das Hollywood-Kino zu ehren. 2010 war es Ernst Lubitsch, 2011 Vincente Minnelli, 2012 Otto Preminger und in diesem Jahr Cukor.

Welche verschiedenen Sektionen präsentiert das Festival? Und worin liegen die Unterschiede zwischen «Concorso internazionale», «Concorso Cineasti del presente» «Fuori concorso» und «Pardi di domani»? Und was sind für Sie die Highlights des diesjährigen Festivals? Das Ziel des Festivals ist es, die Welt des Kinos in all seinen Aspekten zu präsentieren. Exzellente Unterhaltung auf der Piazza Grande; mit kraftvoller und ausdrucksstarker Erzählkunst im internationalen Wettbewerb, dem «Concorso internazionale»; herausfordernd und den neuen Regisseuren gewidmet im Rahmen des «Cineasti del presente», dem Wettbewerb der Filmemacher der Gegenwart. Und voller Überraschungen im «Fuori concorso», dem Ausser-Konkurrenz-Programm.

Im Rahmen des Filmfestivals finden zudem die Open Doors statt. Was versteckt sich hinter den Open Doors und worauf wird in diesem Jahr der Fokus gesetzt? Die Open Doors sind die Koproduktions-Workshops des Festivals. Mit der Unterstützung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten möchten die Open Doors die Filmschaffenden aus südlichen und östlichen Regionen dieser Welt fördern und ins Rampenlicht rücken – aus Gegenden, in denen das unabhängige Filmschaffen auf eher schwachen Füssen steht. So fokussieren die Open Doors jedes Jahr eine andere Region und wählen aus dieser ein Dutzend Filmprojekte aus – also Filme, welche noch nicht gedreht wurden. Die Projekte werden dann in Locarno von ihren Regisseuren und Produzenten präsentiert mit dem Ziel, mögliche Partner zur Unterstützung für ihre Finanzierung und Realisierung zu gewinnen.

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Die Open Doors finden dieses Jahr vom 10. bis 13. August statt – mit einer erweiterten Angebotspalette: Zum ersten Mal werden für die Teilnehmer der KoproduktionsWorkshops auch Ateliergespräche angeboten, welche die aktuellen Problematiken von Produktion und Verleih des unabhängigen Kinos thematisieren. Zum Abschluss dieser vier Tage werden den herausragendsten drei Projekten Preise verliehen. Nebst diesem Angebot für Vertreter der Filmwelt gibt es auch einen Programmteil, der für das Festivalpublikum bestimmt ist: Die Open-Doors-Screenings präsentieren eine Reihe von Werken, welche exemplarisch das Filmschaffen der involvierten Länder vertritt.

Gibt es neue ästhetische Strömungen und geografische Verlagerungen im Schaffen der jungen Filmschaffenden? Das Kino bewegt sich ständig. Im letzten Jahr zeigten wir einen Film wie «Leviathan», der das Bild des Kinos und des Films an sich infrage stellte. In der letztjährigen Ausgabe richtete Locarno besondere Aufmerksamkeit auf die neue US-Indie-Szene, und hoffentlich wird es in diesem Jahr ähnlich. Aber jedes Jahr entdecken wir neue Bereiche und Facetten, also freuen Sie sich auf diese und seien Sie bereit für Überraschungen.

Was ist für Sie das Besondere am Festival del film Locarno? Ohne Frage die Piazza Grande, das Herz und Schaufenster des Festivals.

Locarno ist bekannt dafür, ein Festival für das Publikum zu sein. Was hat man darunter zu verstehen?

Wie würden Sie die Atmosphäre auf der Piazza Grande beschreiben? Warm … und das hat nichts mit dem Sommer zu tun!

Es ist ein Festival, bei dem das Publikum immer seinen Platz unter der Presse, den Experten und Fachleuten findet. Die Zuschauer sind Teil des Festivals, nicht nur Zaungäste, die es bloss aus der Ferne erleben.

Das Locarno Filmfestival ist für Sie in drei Worten … Jung, zukunftsorientiert und überraschend.

SHORTCUT Termin: 7. bis 17. August 2013 Anzahl der Besucher: circa 161’000 Anzahl der Branchenmitglieder: 3 000 Anzahl der Journalisten: 900 Anzahl der Festival-Mitarbeiter: 600 Anzahl der Filme im Programm: circa 300 Anzahl der Filme, die jährlich eingesandt werden: rund 1 300 Lang- und 2 500 Kurzfilme Anzahl der Sitzplätze auf der Piazza Grande: bis zu 8 000 Eine Auswahl der Gäste, die bereits das Festival besucht haben: Gina Lollobrigida, Marlene Dietrich, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Rainer Werner Fassbinder, Jean-Luc Godard, Geraldine Chaplin, Penélope Cruz, Spike Lee, Jim Jarmusch, Sandra Bullock, Willem Dafoe, Quentin Tarantino, Wim Wenders, Matt Dillon, Nina Hoss, Anthony Hopkins, Ulrich Tukur, Daniel Craig, Harrison Ford, Claudia Cardinale, Gérard Depardieu, Isabelle Huppert, Bruno Ganz, Kylie Minogue, Alain Delon und viele andere www.pardo.ch

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© Luzern Tourismus

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Das Wunder von Luzern 75 Jahre Lucerne Festival Musik, die so erklingt, wie ihre Schöpfer sie sich vorgestellt haben. Musiker, die sich mit Hingabe und Leidenschaft ihrem Spiel widmen. Konzertbesucher, die mussevoll in die Klangwelten eintauchen, fernab der Alltagshektik. Das Lucerne Festival macht’s möglich – seit fünfundsiebzig Jahren. Yvonne Beck

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A

Am idyllischen Vierwaldstättersee, in einer der schönsten historischen Altstädte der Welt treffen sich Jahr für Jahr die bedeutendsten Interpreten aus aller Herren Länder und feiern gemeinsam ein Fest der Musik: die berühmten Orchester, die legendären Dirigenten, die virtuosen Solisten. Im Konzertsaal von Jean Nouvel, gerühmt für seine phänomenale Akustik wie seine exquisite Architektur, begegnen sie ihrem nicht minder polyglotten Publikum: Rund 115’000 Gäste finden jährlich den Weg nach Luzern, um die drei Festivals zu Ostern, im Sommer und am Piano zu erleben. In diesem Jahr feiert das Lucerne Festival sein 75-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sprach PRESTIGE mit dem Intendanten Michael Haefliger über die Geschichte des Festivals, die diesjährigen Höhepunkte und die Magie der Musik.

PRESTIGE: Sie feiern dieses Jahr ein dreifaches Jubiläum – 75 Jahre Lucerne Festival, zehn Jahre Lucerne Festival Orchestra und Lucerne Festival. Zum Geburtstag ruft man die Revolution aus – das diesjährige Festivalthema. Warum ruft man gerade am friedlichen Vierwaldstätter See zur Revolution? Michael Haefliger: Das Thema Revolution ist von Haus aus ein sehr spannender Topic in der Musik. In der Musik hat es viele Revolutionen und dramatische Entwicklungen gegeben. Daher ist diese Thematik aus dramaturgischer Sicht sehr, sehr spannend. Gleichzeitig wollten wir nicht bloss das 75. Jubiläum feiern, um uns auf die Schulter zu klopfen und eine reine Rückblende zeigen. Ein Rückblick ist sicherlich wichtig und interessant, aber wir möchten gleichzeitig auch in die Zukunft schauen. Das Lucerne Festival war und ist ein Festival, das den Blick immer nach vorne gerichtet hat. Die grosse Gefahr von Jubiläen ist, dass man nur zurückblickt und so in der Vergangenheit stecken bleibt. Wir wollen aber die Chance nutzen und mit grossen Schritten in die Zukunft schreiten, daher rufen wir zur «Revolution» auf.

Welche revolutionären Werke stehen auf dem diesjährigen Festivalplan? Allen voran Richard Wagners «Ring des Nibelungen». Jonathan Nott bringt gemeinsam mit den Bamberger Symphonikern – Bayerische Staatsphilharmonie den «Ring» konzertant zur ersten Gesamtaufführung in Luzern. Weiterhin sind sicherlich Beethoven und Arnold Schönberg, die zweite Wiener Schule sehr an das Revolutionsthema angelehnt. Sie sorgten für radikale Neuerungen und reagierten mit ihren Werken auf politische, gesellschaftliche und kulturelle Revolutionen. Die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle erinnern mit «Le Sacre du Printemps» an den wohl denkwürdigsten Premierenskandal der Musikgeschichte. Man sieht, es gibt sehr viele spannende Werke, die wir durch dieses Thema berücksichtigen können und werden.

Aber warum haben Sie in diesem Jahr gerade Richard Wagner ausgewählt? Dass Wagner einen Schwerpunkt bildet, ist kein Zufall. Wagner wurde vor 200 Jahren geboren und verbrachte einen wichtigen Abschnitt seines Lebens am Vierwaldstättersee. In diesem Jahr feiern wir also auch seinen Geburtstag und gedenken gleichzeitig der reichen Geschichte des Festivals – zudem gestalten wir frei nach seinem Appell «Kinder! Macht Neues!» die Zukunft des Festivals und der Musik.


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Sie sind seit 1999 Intendant von Lucerne Festival und setzten in Ihrer Amtszeit zahlreiche neue Impulse. Unter anderem erweiterten Sie das jährliche Programmangebot der drei Festivals zu Ostern, im Sommer und am Piano. Was unterscheidet diese drei Festivals inhaltlich und worin liegt ihr Themenschwerpunkt? Das Festival zu Ostern hat einen klaren Bezug zu sakraler Musik. So stehen neben Sinfoniekonzerten geistliche Werke im Vordergrund, die in Kirchen und im Konzertsaal aufgeführt werden. Das Sommerfestival ist unser Stammfestival, das Ursprungsfestival, mit einem ganz grossen Schwerpunkt im symphonischen Bereich. Es versteht sich als Veranstalter von Konzerten auf Weltklasse-Niveau. Hier treffen sich innerhalb von vier Wochen die besten Symphonieorchester der Welt. Neben der Pflege des traditionellen Repertoires nimmt die Vermittlung von zeitgenössischer Musik einen wichtigen Stellenwert ein, ebenso die Förderung junger Talente. Der Sommer ist unser grösster Anlass im Jahr. Alljährlich wird ein Festivalthema gewählt, das sich wie ein roter Faden durch die Dramaturgie der Programme zieht – in diesem Jahr das eben erwähnte Revolutionsthema. Das PianoFestival wurde im Jahre 1998 gegründet. Seitdem holt es jeden Herbst für eine Woche die besten und interessantesten Tastenvirtuosen der Welt ins KKL Luzern.

Sie setzen ein besonderes Augenmerk auf die zeitgenössische Kunst, welche Sie durch die Verpflichtung eines «composers-in-residence» und «artistes étoiles» akzentuieren. Wer wird dies im Jubiläumsjahr sein? Wir haben im Rahmen des Festivals «Residence-Projekte» entwickelt. Im Rahmen der zeitgenössischen Kunst ist es jeweils ein Komponist, der hier in Luzern vor Ort sein wird, an den Konzerten teilnimmt und somit wirklich spürbar durch das ganze Festival wandelt. In der Regel ist dieser Komponist mit einer Uraufführung vertreten. In diesem Jahr wird dies die in Haifa geborene Chaya Czernowin sein. Ihr Musiktheater «Pnima … ins Innere» sorgte 1998/99 international für Furore. Am 29. August wird diese Kammeroper in Kooperation mit dem Luzerner Theater erstmals in der Schweiz aufgeführt. In Luzern stellt sich Czernowin mit den wichtigsten Werken der letzten Jahre und zwei Uraufführungen vor. Als «artistes étoiles» stellen sich in diesem Jahr der Schlagzeuger Martin Grubinger und die Pianistin Mitsuko Uchida vor.

Wie sahen die Anfänge des Lucerne Festivals aus? Das Lucerne Festival geht auf das Jahr 1938 zurück, als Arturo Toscanini am 25. August ein «Concert de Gala» vor Richard Wagners ehemaligem Wohnsitz auf Tribschen leitete. Dieses Ereignis ging als «Festival Toscanini à Tribschen» in die Geschichte ein und gilt seither als die Geburtsstunde von Lucerne Festival. Der Erfolg des Konzertes – es wurde von über 80 Sendern nach Europa und Amerika übertragen – bestätigte die Luzerner Organisatoren in ihrem Plan, Festspiele zu verankern. Grössen wie Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Otto Klemperer, die Berliner und Wiener Philharmoniker und viele mehr trugen zu dem Erfolg der kommenden Jahre bei und machten das Lucerne Festival zu dem, was es heute ist.

diese Tradition durch die Formierung des Lucerne Festival Orchesters wieder neu belebt. Dieses Orchester hat, gerade in der Zusammenarbeit mit Claudio Abbado, sehr viel zu unserer eigenen künstlerischen Identität und zur Bekanntheit des Festivals beigetragen. Natürlich steigert es auch enorm das künstlerische Renommé. Wir gehen mit diesem Orchester auf weltweite Gastspieltournee. In diesem Jahr werden wir zum Beispiel nach Tokio gehen.

Erst seit 2003 hat das Festival wieder sein eigenes Orchester. Sie sind massgeblich an der Gründung beteiligt. Warum ein eigenes Festival-Orchester?

Nicht nur das Festival-Orchester, auch die Lucerne Festival Academy feiert heuer ihr 10-jähriges Bestehen? Worin liegen die Intentionen dieser Akademie?

Die Idee eines eigenen Festspielorchesters geht auf die eben angesprochene Geburtsstunde des Festivals im Jahre 1938 zurück. Arturo Toscanini versammelte für das legendäre «Concert de Gala» eine Elite von Orchestermusikern. Daraus entwickelte sich das bis 1993 aktive Schweizerische Festspielorchester der Luzerner Musikfestwochen. 2003 wurde

Jungen Künstlern und Künstlerinnen erster Güte wird hier die Chance gegeben, sich über drei Wochen hinweg mit einem Repertoire des 20./21. Jahrhunderts unter der Leitung von Pierre Boulez auseinandersetzen zu können.

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Š Archiv Lucerne Festival

Marco Borggreve

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Drei Wochen lang studieren sie in täglichen Proben, Workshops und Lektionen zeitgenössische Partituren und Klassiker der Moderne ein. Die Werke, die auf dem «Lehrplan» stehen, präsentieren sie anschliessend in Orchester-, Ensemble- und Kammermusikkonzerten. Dies ist eine einmalige Chance und ist zu einem grossen Bestandteil unseres Festivals geworden.

In diesem Jahr wird es zudem zwei neue Formate geben: das Lucerne Festival 40min und die Lucerne Festival Lounge. An wen wenden Sie sich mit diesen ungewöhnlichen Formaten? Die Festival Lounge gibt es schon seit einiger Zeit, sie hat nur ein Renaming bekommen. Sie ist eine Art Late-NightFormat und findet jeden Freitag in einer wirklichen Lounge im «Bourbaki» in Luzern statt. Junge Künstler erhalten einen Raum für neue Konzertformate und musikalische Experimente. Hier kann vieles stattfinden, es wird nicht nur Klassik, sondern auch Moderne oder Jazz gespielt – abseits der grossen Bühnen in entspannter Atmosphäre.

Welches ist Ihr persönliches Highlight in diesem Jahr? Ganz klar der «Ring» von Wagner. Aber ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich auch, dass wir das 10-jährige Jubiläum des Festival-Orchesters und der Academy feiern dürfen. Gleichzeitig begehen wir Claudio Abbados 80sten. Und Wagners 200. Geburtstag. Es ist sehr schön, dass all dies mit unserem 75. Jubiläum zusammenfällt.

Zum Anlass des 75. Geburtstages beginnt das Lucerne Festival ab Sommer 2013 mit der Herausgabe der neuen CD-Reihe Lucerne Festival Historic Performances. Was ist das Ziel dieser Edition? Was ist auf ihr zu hören? Die Aufnahme ist eine historische Edition, auf der wir alte Radioaufnahmen wieder aufgearbeitet haben. Drei Aufnahmen mit historisch einzigartigen Konzert-Highlights aus sechzig Jahren Festivalgeschichte erscheinen noch im Laufe dieses Jahres. Unter anderem mit zwei unvergesslichen Live-Mitschnitten der Klavierlegenden Clara Haskil und Robert Casadesus aus den Jahren 1959 und 1957. Ihre musikalischen Partner sind Otto Klemperer und das Philharmonia Orchestra sowie die Wiener Philharmoniker unter Dimitri Mitropoulos. Alle Aufnahmen stammen aus dem Archiv des SRF Schweizer Radio und Fernsehen und werden zum grossen Teil erstmals zugänglich gemacht. Hiermit wollen wir grosse Höhepunkte des Festivals auf CD festhalten und nochmals neu zum Klingen bringen. Das ist etwas sehr Spezielles.

Was macht für Sie die einzigartige Atmosphäre des Festival Lucerne aus? Das 40min-Format findet jeweils vor den Hauptkonzerten statt. In diesem Sommer elfmal. Hierbei stellen wir die verschiedenen Inhalte und Hauptsäulen unseres Festivals auf ein 40-Minuten-Format und stellen diese einem breiten Publikum vor. Es werden symphonische und moderne Elemente, Kinderkonzerte und Kammermusik präsentiert – eine bunte Mischung also. Damit versuchen wir, auch Menschen zu erreichen, die vielleicht eine gewisse Hemmschwelle vor Konzertsälen, Dresscodes und den typischen Klischees der klassischen Musik haben. Bei diesen Kurzkonzerten können sich Zuschauer in einem lockeren Rahmen in die Welt des Festivals hineinleben.

Das Festival ist an einem wunderschönen Ort gelegen. Luzern am Vierwaldstättersee mit Blick auf die Alpen, das ist eine absolut einzigartige Ambiance. Zudem ist mit dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern, kurz KKL, ein Haus entstanden, das nicht nur höchsten architektonischen und innovativsten Ansprüchen entspricht, sondern eben auch einen Konzertsaal besitzt, der den allerbesten Standards genügt. Hier kann eine Art Musik gemacht werden, die es nur an wenigen Orten der Welt gibt. Die Verbindung Landschaft, Ambiance, Exzellenz der Musik – das ist einfach einzigartig und macht den ganz besonderen Reiz dieses Festivals aus.

Musik ist für Sie in drei Worten? Für mich ist Musik das Schönste, was es auf der Welt gibt.

SHORTCUT Termin: 16. August – 15. September 2013 Gründungsjahr Lucerne Festival (zuvor Internationale Musikfestwochen Luzern): 1938 2003 Gründung des Lucerne Festival Orchestra unter der künstlerischen Leitung von Claudio Abbado. 2003 Gründung der Lucerne Festival Academy unter der künstlerischen Leitung von Pierre Boulez. Anzahl Konzertbesucher: circa 115’000 jährlich. Anzahl der Konzerte 90 (Festival zu Ostern, im Sommer und «am Piano» im November). Gesamtauslastung der Konzerte durchschnittlich über 87%. Intendant seit 1999 Michael Haefliger. Veranstaltungsort KKL Luzern, Architekt Jean Nouvel. Der Konzertsaal ist einer der besten der Welt. www.lucernefestival.ch

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© Lucerne Festival | Priska Ketterer

© Lucerne Festival | Monika Rittershaus

© Lucerne Festival | Priska Ketterer

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vorschau volume 28 Wo Männer zu Legenden wurden Das Pikes Peak International Hill Climb ist das zweitälteste Motorsport-Event in den USA. Das Bergrennen zum über 4 300 Meter hohen Gipfel in den Rocky Mountains im Bundesstaat Colorado fand erstmals 1916 statt. «Race to the Clouds» wird das harte Rennen mit einer Distanz von fast 20 Kilometer und 156 Kurven auch genannt. Vom Start bis zum Gipfel muss ein Höhenunterschied von 1 420 Meter bei einer durchschnittlichen Steigung der Strasse von sieben Prozent bewältigt werden.

Der Recycling-Designer Seit über 20 Jahren macht der Holländer Piet Hein Eek Möbel aus dem, was andere entsorgen. Doch was er erschafft, ist alles andere als Müll. Seine kreativen Entwürfe schafften es bis ins Museum of Modern Art in New York. Seine Inspiration findet er in Abfallholz, alten Metallplatten und Fabrikschrott. PRESTIGE traf den Künstler auf der Art Basel und sprach mit ihm über seine Vorliebe für Holz und die Kunst des Recyclings.

Das Reich der Inkas Machu Picchu, Amazonas-Regenwald und der Titicaca-See sind nur einige der vielen Highlights, die Peru zu bieten hat, denn das alte Reich der Inkas ist geprägt von Gegensätzen und Superlativen: Die Anden, das längste Gebirge der Welt, mit unzähligen schneebedeckten Gipfeln, trennen die trockene Wüste im Westen vom feuchtheissen Amazonas-Tiefland mit seinen Regenwäldern im Osten. Mit etwas Glück beobachtet man sogar die mächtigen Kondore im 3 000 Meter tiefen Colca-Canyon oder kommt mit den Bewohnern der schwimmenden Inseln auf dem Titicaca-See in Kontakt.

Publisher Francesco J. Ciringione | Owner Prestige Media AG, prestigemedia.ch | Publishing Director Boris Jaeggi / b.jaeggi@prestigemedia.ch | Editor in Chief Yvonne Beck /  y.beck@prestigemedia.ch | Art Director & Head of Production Nicole Senn / n.senn@prestigemedia.ch | Graphic Design Stephanie Rosenblatt | Editors Yvonne Beck, Georg Lutz, Dr. Dr. Silke Becker, Walter Bollier, Gisbert L. Brunner, Vera Dillier, DJ Antoine, Kathrin Eckhard Wilhelm J. Grusdat, Matthias B. Grupp, Lone Halvorsen, Dr. Thomas Hauer, Valeska Jansen, Georg Lutz, Angelika Möller, Gabriel Palacios, Lilly Steffen, Helena Ugrenovic, Götz Winter, Dominique Zahnd, Jan-Chrisopher Sierks, Tamara Wernli, Patrick Schwaller, Dr. Filippo Taddei, Bernhard Bauhofer, Tim Marschall, Christian Hintermann, Dr. Burkhard Varnholt, Georg Schubiger | Sales Virginie Vincent / v.vincent@prestigemedia.ch | Sales & Marketing Director Cumi Karagülle / ck@prestigemedia.ch | Product Public Relation Olivia Bürgin / o.buergin@prestigemedia.ch | News Yvonne Beck, Olivia Bürgin | Cover Picture Paco Peregrin / blaublut-edition.com | Photographs Montblanc, Foto Museum Winterthur, Fondation Beyeler, Kunsthaus Zürich, Landesmuseum Zürich, Landesmuseum Luzern, St. Moritz Art Masters, Swiss Derby, Perrier-Jouët, Shunsuke Shiinoki, Lars Müller Publishers, Fiona Bennette, Knesebeck Verlag, Hermés, Yvonne Beck, Gianni Pisano, Dr. Thomas Hauer, Korsika Tourismus, Pernod Ricard Schweiz, Kanebo, Dirk Deckbar, Taschen Verlag, Hapag Llyod, Angelika Möller, Raffles Hotel Beijing, Bilddatenbank. Alle Fotos, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber. | Corrector Andreas Probst | Main Office Prestige Media AG, Bösch 73, CH-6331 Hünenberg Publisher /Production Prestige Media AG, Leimgrubenweg 4, CH-4053 Basel | Telefon +41 (0)61 335 60 80, Telefax +41 (0)61 335 60 88, info@prestigemedia.ch, www.prestigemedia.ch Web Dennis Senn | Support Dejan Djokic | Internet prestigemag.ch | E-Mail info@prestigemedia.ch | Coordination Laura Giarratana | Administration & Abo Service Serpil Dursun  /  s.dursun@prestigemedia.ch | Price / Issue CHF 10.– | Price / Year CHF 39.– | Frequency vierteljährlich | WEMF 2012 / 2013 – 25’102 Exemplare | Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt. PRESTIGE prestigemagazin.com is a registered trademark. (IGE 596’147)

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