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LIMITED EDITION SPRING 2013

CULTURE TRAVEL

LIVING DRIVE STYLE BEAUTY & FASHION

Culinarium

FINANCE WATCHES & JEWELLERY

& mOrE

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The Luxury Way of Life | 1


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Die neue E-Klasse geht jetzt in Topform an den Start und liefert in der Disziplin Dynamik auf den ersten Blick einen neuen Rekord ab: Diese E-Klasse ist die sportlichste, die es je gab. Überzeugen Sie sich bei einer Probefahrt gleich selbst und lernen Sie bei dieser Gelegenheit auch gleich den neuen CLA kennen. Ihr Mercedes-Benz Partner freut sich auf Sie. www.mercedes-benz.ch/e-klasse

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inhalt CULTURE 21 Die schlaue Barbie Heather Graham 34 Fotostrecke Lost Futura 44 And the Winner is … 85 Jahre Oscar-Verleihung 52 The Man who shot Marylin Monroe Bert Stern 60 The Gambino Family Teil III John Gotti – der «Teflon-Don» 72 Das leben rocken Juanes

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Fashion 82 Sechs Fashion-Schritte zum Erfolg Mit Stil durchs Leben

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89 PRESTIGE presents Just an Ordinary Day

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WATCHES & JEweLLERY 132 Genfer Uhrensalon Vielfalt bestimmt das Geschehen 148 White Turf meets Jewellery Spring Summer Fashion

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112 Barbara Hulanicki Biba and Beyond 120 Fotostrecke Finest Lingerie

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CULINARIUM

162 Berliner schnauze Ein Tag mit Tim Raue 174 Caza mon Amour Kulinarischer Streifzug durch die weisse Stadt

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Beauty

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182 Maskenball Pflege für die Haut 190 Die Schuhkönigin Giovanna Ferragamo 196 Was ist Schönheit Ideale im Wandel der Zeit 200 Der Julia Roberts-Effekt Strahlendes Lächeln 202 Glatze ade! Haartransplantation

DRIVE STYLE

206 Investment auf vier Rädern Oldtimer als Wertanlage 214 Das Ziel heisst Le Mans Das bedeutendste Langstreckenrennen der Welt

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inhalt living

232 Form vor Funktion Aldo Rossi 238 Chairs, Chairs, Chairs Vom Thron zum Kultobjekt

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246 Grüne Paradiese Oasen der Sinnlichkeit 252 Outdoor Living Mit Bobby Dekeyser

FINANCE 264 Europa und der Euro

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266 Krisenpolitik der EU 278 Heute Idee, Morgen Realität! 282 Alles auf Ego

travel 288 Namibias Norden Endlose Weiten 302 Bären in North Carolina Zu Besuch in New Bern 312 Die Legende am Golf Naturschönheiten und faszinierende Kultur 318 Privatklinik in einzigartiger Umgebung 322 Impressionen White Turf Kolumnen 58 Wilhelm J. Grusdat – Schaumbäder der Kunst 70 Vera Dillier – Frauen und Schuhe 88 Gabriel Palacios – Kleider machen Leute 204 Götz Winter – Lieblings-Beautymarken 286 Dr. Carsten Priebe – Emerging Markets

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Geschätzte Leserinnen, Geschätzte

Leser

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Vor Ihnen liegt die neue Ausgabe des Magazins PRESTIGE. Wie Sie schnell feststellen werden, gibt es einige Neuerungen. Ab diesem Jahr werden wir Sie mit grossen, hochwertig produzierten Fotostrecken verwöhnen und durch mehr News immer up to date halten. Zudem haben wir unseren Seitenumfang erhöht, denn es gibt so viele schöne Dinge im Leben, die wir Ihnen alle gerne vorstellen möchten. In unserer Frühlingsausgabe ist dies zum Beispiel der Fotograf Bert Stern. Er ist einer der grössten Portraitfotografen Amerikas und produzierte viele der weltweit wichtigsten Print- und Fernseh-Werbekampagnen. Mit seinem «The Last Sitting» kurz vor Marilyn Monroes Tod wurde er auf der ganzen Welt bekannt. Niemand zuvor ist der Schauspielerin jemals so nahe gekommen. Zudem besuchten wir für Sie die älteste Schweizer Siedlung in den USA: die Kleinstadt New Bern in North Carolina. Das Berner Wappentier, der Bär, ist hier omnipräsent und begrüsst die Gäste in Form von Skulpturen, Aufklebern und Fahnen. Was sonst noch an die uralte transatlantische Freundschaft erinnert, erfahren Sie im vorliegenden Magazin. Lehnen Sie sich also genüsslich zurück, geniessen Sie die ersten Frühlingsboten und begeben Sie sich mit uns auf eine spannende Lesereise.

Ohrclips | Fingerring | Brosche Entworfen und hergestellt in den Ateliers von Meister Zürich

Francesco J. Ciringione Verleger

Yvonne Beck Chefredaktorin

Juwelen, Bahnhofstrasse 33, 8001 Zürich T +41 (0)44 221 27 27, www.meister-zurich.ch

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culture 20 | PRESTIGE


Heather

Graham

Die schlaue

Barbie Dominique Zahnd

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CULTURE

Ihre Eltern wollten, dass sie Nonne wird. Doch Heather Graham hat lieber als leichtbekleidetes Blondchen Kinokarriere gemacht. Abseits der Kamera verblüfft der «Hangover»Star allerdings als clevere Geschäftsfrau. 22 | PRESTIGE


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© Warner

CULTURE

Heather Graham feierte ihren Durchbruch als quirliges Rollergirl im umjubelten Drama «Boggie Nights» (1997).

B

Blonde Mähne, blaue Kulleraugen, waffenscheinpflichtiges Dekolleté: So begrüsst der Hollywoodstar den Prestige-Reporter im Nobelhotel Dolder. Heather Graham ist in die Schweiz gereist, um beim Zurich Film Festival das Drama «At Any Price» vorzustellen. In dem Rennfilm steht die 43-Jährige an der Seite von Veteran Dennis Quaid und Kinoschnüggel Zac Efron. Zwei illustre Filmpartner mehr, neben denen sie wieder eine gute Figur gemacht hat. Denn die Liste ihrer Co-Stars ist lang: die Lady aus Milwaukee/USA drehte schon mit Celebrities wie Johnny Depp («From Hell»), Will Smith («Six Degrees of Seperation»), Robert Downey Jr. («Two Girls and a Guy»), Eddie Murphy («Bowfinger»), Liev Schreiber («Scream 2»), William Hurt («Lost In Space»), Mike Myers («Austin Powers: The Spy Who Shagged Me»), Kevin Spacey («Father of Invention»), Anthony Hopkins («Bobby»), Keanu Reeves («Even Cowgirls Get the Blues») und Jack Nicholson («Anger Management»).

Durchbruch mit Pornodrama «Boogie Nights» Das erste Mal auf der Leinwand aufgefallen ist die Amerikanerin im Indiedrama «Drugstore Cowboy» (mit Matt Dillon). Was zeichnet ihren damaligen Boss, den Regisseur Gus Van Sant («Good Will Hunting»), aus? Heather denkt

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CULTURE

David Lynch förderte sie als einer der Ersten. Als sein Stern gerade am Aufsteigen war, drehte er viele Werbespots – auch für Calvin Klein. In einem davon spielten Benicio Del Toro und Heather Graham mit. Lynch lud die Blondine anschliessend zu sich nach Hause ein. «Er führte mich in den Garten hinter seinem Haus, um mir sein neustes Kunstprojekt zu zeigen. Auf dem Gras lag ein ausgeweideter Truthahn, der mit Ameisen übersäht war. Und David sagte: «Ich glaube, ich mache jetzt Fotos davon.» Der Regisseur drehte damals auch die bejubelte Mysteryserie «Twin Peaks» (1990–1991). Und er wollte Heather dafür gewinnen. Vorsprechen musste sie aber nie. Lynch verwickelt potentielle Kandidaten für eine Rolle in der Regel in ein Gespräch. Gefällt ihm, wie sie sich dabei geben, ist das Casting beendet. Also spielte die damals 21-Jährige in «Twin Peaks» die Geliebte eines FBIAgenten. Das ist insofern ironisch, weil ihr Vater beim FBI arbeitet.

© Paramount

nach, dann sagt sie: «Er weiss, wie man eine Geschichte erzählt. Mir gab er nicht viele Anweisungen. Ich glaube, er dreht genug Material, das cool aussieht, und pickt sich dann die besten Stückchen heraus.» Der Film, der ihre Karriere richtig ins Rollen gebracht hat, war «Boogie Nights» (1997). Darin verkörperte sie das «Rollergirl»: eine junge Pornodarstellerin, die bei Dreharbeiten und auch sonst immer auf Rollerskates herumkurvte. Der Streifen erzählt die Geschichte von Pornolegende John Holmes (gespielt von Mark Wahlberg) – und die Kritiken waren fantastisch. Nach diesem Kinohit lächelte Heather unter anderem vom Cover des «Rolling Stone»-Magazins: ein neues Sexsymbol war geboren! Ab dann flatterten auch die Drehbücher stapelweise ins Haus. Mittlerweile ist sie fast schon 30 Jahre im Business. Doch altern tut sie nicht. Heather ist gerade 43 geworden, doch sie sieht nicht älter aus als 25. Gefragt nach ihrem Beautygeheimnis, nennt sie Yoga und Meditation. «Zum Glück bin ich noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem ich über Schönheitsoperationen nachdenken müsste – allein die Vorstellung lässt mich schaudern. Ich finde es viel schöner, wenn Menschen auf natürliche Weise altern. Abgesehen davon koche und esse ich gern. Nur das Dessert lasse ich jeweils weg.» Zum Meditieren gebracht hat sie der exzentrische Regisseur David Lynch («Mulholland Drive»). «Er hat mir seinen Lehrer weiterempfohlen, der brachte es mir bei – ich meditiere immer noch jeden Tag. Es gibt mir ein ungeheuer intensives Gefühl von Friedlichkeit und es ist die beste Methode, um Stress abzubauen.»

David Lynch entdeckte die Schauspielerin: Szenenbild aus «Twin Peaks».

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In der Komödie «Boogie Woogie» (2010) spielt Heather an der Seite von Amanda Seyfried und Sir Christopher Lee.

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© Lighthouse Home Entertainment

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Rollenwahl führte zu Streit mit Eltern Wegen seines Jobs mussten die Grahams laufend umziehen. In der Schule war Heather nie beliebt: denn sie sprach kaum und war körperlich ein Spätzünder. Nur im Theaterunterricht machte das schüchterne Mädchen den Mund auf. Schauspielerin zu werden, war ihr Traumberuf, ihrer Familie gefiel das aber gar nicht. Sie hätte lieber gesehen, dass ihre älteste Tochter Nonne wird. Mit der Pornorolle in «Boogie Nights» eskalierte der Streit endgültig – und beide Seiten sprachen nicht mehr miteinander. Obwohl Heather Graham oft das frivole Betthäschen verkörpert hat, füllt sie jeden Part mit einer Qualität, die viele ihrer Kolleginnen vermissen lassen: Und das ist eine fast schon kindliche Begeisterung. Deswegen bringt die Amerikanerin auch immer – egal, was sie spielt – die Leinwand zum Leuchten. Doch ein Hollywoodstar zu sein, bedeutet nicht nur Glitzer und Glamour. Manchmal drischt die Presse auf einen ein oder es gibt lange keine neuen Jobangebote. Heather Graham kennt diese Durststrecken auch. «Das Movie-Business hat seine Schattenseiten», sagt sie. «Manchmal dreht man Filme, die man selber toll findet – doch niemand sieht sie sich an.» Auf der anderen Seite hat man als Teil der Promiwelt plötzlich auch jede Menge neuer Kumpels. Bewusst geworden ist ihr das beim Filmfestival von Venedig. Auf einer Party trafen sie und ihre zwei Freundinnen per Zufall Bono von U2. Der sagte spontan: «Lasst uns zusammen ausgehen.» Also folgten sie ihm in einen Club und tanzten zusammen. Ein paar Stunden später nahm er die drei mit auf seine Yacht, wo sie weiterfeierten. «Und irgendwann zwischendurch sagte ich zu mir selber. ‹Ich bin wirklich eine Schauspielerin geworden und mache gerade Party mit meinen Freundinnen und Bono.› Ist das nicht schräg?»

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Die Stripperin ist zurück! In «Hangover» schnappte sie sich Stu (Ed Helms). In «Hangover 3» turteln die zwei weiter.

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© Warner Bros.

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Neuer Karriereschub dank «Hangover» Eine ganz neue Generation von Fans dazugewonnen hat die Actrice dank der deftigen Komödie «Hangover». Darin dreht sich alles um einen Junggesellenabschied in Las Vegas, der dermassen ausartet, dass alle Beteiligten am Morgen danach einen Aussetzer haben. Beim mühsamen Rekonstruieren der letzten Nacht findet die Truppe um sexiest-man-alive Bradley Cooper unter anderem heraus, dass einer von ihnen im Suff eine Stripperin geheiratet hat. Diese hätte eigentlich die 16 Jahre jüngere Lindsay Lohan spielen sollen. Dass die Zicke absagte, war Heathers Glück. Denn die beiden «Hangover»-Filme spielten zusammen weit mehr als eine Milliarde US-Dollar ein. Neben den bekannten Hauptdarstellern – jeder mittlerweile mit einem Salär von 15 Millionen Dollar – ist auch Graham im dritten und letzten Teil wieder mit von der Partie. Über «Hangover 3» darf sie zwar keine Details verraten, aber wie es ist, in Stripclubs und mit einem unzufriedenen Baby zu drehen, schon. Um als professionelle Stangentänzerin durchzugehen, nahm die Schauspielerin extra Unterricht. «Ich absolvierte einen speziellen Stangentanz-Kursus – er hiess ‹Der Arschfaktor›. Das ist kein Witz», sagt Heather Graham. «Doch es zahlte sich aus. Als mich eines der Profigirls beim Trainieren im Club fragte, ob ich auch hier arbeiten würde, empfand ich das als riesiges Kompliment.» Weniger toll gestalteten sich die Szenen mit ihrem winzigen Co-Star – einem Baby. «Sechs Säuglinge teilten sich die Rolle. Vier davon waren total süss und zwei der Horror.» Die schwierigste war die Stillszene – weil sich der Knirps partout nicht für Heathers fremde Brüste interessierte. Also hampelte die halbe Crew mit Rasseln und Stofftieren hinter der Schauspielerin herum, damit das Baby wenigstens einmal den Kopf in deren Richtung reckte. Graham: «Dieser Drehtag dauerte 17 Stunden …»

Ihr Wunsch-Polterabend wäre am Strand Das einzige Mädel inmitten einer Horde durchgeknallter Jungs zu sein, gefällt der 43-Jährigen. «Ich habe mich schon immer gerne mit Männern umgeben, weil ich nie Brüder hatte. Als Frau ist es ein schönes Gefühl, von der ganzen Truppe beschützt zu werden.» Mit dem Hangover-Prinzip, sich bis zum Filmriss zuzudröhnen, kann Heather allerdings nichts anfangen. Sie war nie ein Partygirl, auch nicht als Teenager. Deshalb ist für sie die Vorstellung eines wilden Junggesellinnenabschieds ein Greuel. «Ginge es nach mir, würde ich am liebsten mit meinen Freundinnen an einem Strand liegen. Ich weiss, ich bin total langweilig …» Sie erinnert sich aber an den Polterabend ihrer besten Freundin, bei dem es ziemlich heiss zu und her ging. «Irgendwann tauchte die Polizei auf und wollte die Gäste festnehmen, aber die Braut brüllte: ‹Verpisst euch! Sonst verklage ich euch! Ich bin Anwältin!› Dabei steckte sie damals noch mitten im Jurastudium …»

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Geht man ihre Filmografie durch, fällt auf, dass sie fast ein halbes Dutzend Mal eine Frau gespielt hat, die mit Sex ihren Lebensunterhalt verdient. Keine Befangenheit deswegen? «Wenn es eine starke Rolle ist oder der Film nach Spass aussieht, dann habe ich keine Vorbehalte», sagt sie. «Ich wünschte mir aber grundsätzlich, dass es mehr Filme gäbe, die Frauen in ihren Mittelpunkt stellen. Dass zum Beispiel eine Komödie wie ‹Bridesmaids› eine Finanzierung bekam, ist ein gutes Zeichen.»

Ratschläge von Kollegin Drew Barrymore Um dem Hollywoodsystem nicht komplett ausgeliefert zu sein, entwickelt Heather Graham immer wieder eigene Stoffe als ausführende Produzentin. Tipps hat sie sich bei Kollegin Drew Barrymore geholt. «Für romantische Komödien kriegt man das Geld am schnellsten zusammen», sagt Heather. «Bei Dramas wird es schon viel schwieriger.» Zu ihren letzten Projekten gehört unter anderem das gut gemachte Drama «About Cherry». Darin geht es um ein 18-jähriges High School-Girl (überzeugend – Ashley Hinshaw), das in die Pornofilmszene hineinschlittert. Graham spielt in der geschmackvollen und alles andere als billigen Produktion eine lesbische Filmproduzentin. Das unterstreicht einmal mehr, dass sie alles andere als prüde ist. Sie lacht: «Sex ist etwas Natürliches und durchaus auch eine sehr witzige Angelegenheit. Über Sex sollte man lachen können! Und ich liebe es, vor der Kamera einen Orgasmus vorzutäuschen. Ich würde zu gern mal eine Sexkomödie aus weiblicher Sicht drehen. Doch für mein Geschlecht gelten in Hollywood-Komödien immer noch gewisse sexuelle Grenzen. Ich fände es toll, wenn ich diese Schranken einreissen könnte.»

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© STUDIOCANAL

Perfekte Comedy-Paarung: Mike Myers und Graham in der Bond-Persiflage «Austin Powers 2».

SHORTCUT Promi-Dates im Geheimen Weil sie wenig ausgeht und keinen hohen Männerverschleiss hat, taucht Heathers Gesicht selten in den Klatschheften auf. Das gefällt ihr. «Auch wenn mal was Nettes geschrieben wird, mache ich einen Bogen um solche Magazine. Ich will mich nicht davon beeinflussen lassen.» Das heisst aber nicht, dass sie als VIP uninteressant wäre – immerhin war sie schon mit Russell Crowe, Heath Ledger, Matt Dillon, Edward Burns, Josh Lucas, Benicio Del Toro, Adam Ant, Kyle MacLachlan und Matthew Perry liiert. Aber nur fotografieren lässt sie sich beim Turteln halt nie.

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LOST FUTURA Fotograf Joel Cartier | Hair & Make Up Kathrin Tollas | Styling Kathrin Tollas / Joel Cartier Model Jana Gallus | First Assistent Thompson Johnson | Second Assistent Klemens Trenkle

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Joel Cartier ist Fotograf und Filmemacher bei Eclumes Studios, welches er mit seinem Partner Damien Krisl leitet. Zu seinen Kunden gehören u.a. Nivea, Paris Hilton, Ed Hardy, POLICE, BMW und Schwarzkopf. Inspiriert von Licht und Farbe, hält er die Magie eines Momentes für die Ewigkeit fest. www.eclumes.com

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More than just Books Der Meister moderner Menschenfotografie Die blosse Erwähnung des Namens Mario Testino lässt die Herzen all derer schneller schlagen, die sich – auf die erwachsene Art – für die Welt der Mode und der VIPs interessieren. So allgegenwärtig ist dieser Fotograf in den grossen Magazinen und bei Insider-Events, dass er längst selbst als Star gehandelt wird. Testinos neuestes Buch vereint eine hervorragende Auswahl seiner besten Studioaufnahmen mit seinen nicht minder glamourösen Schnappschüssen. Eine strahlende Gwyneth Paltrow, die den gerade gewonnenen Oscar umklammert, eine in Pelz gehüllte Jennifer Lopez auf einer Kommode und die unvergesslichen Porträts von Prinzessin Diana mit ihren beiden Söhnen sind nur einige der vielen ikonischen Inszenierungen und Momente, die hier zum ersten Mal in Buchform zusammengefasst wurden.

«Mario Testino. Private View» Limited Edition 1500 nummerierte und signierte Exemplare mit einem holografischen TestinoPorträt von Lady Gaga. Taschen Verlag

Als der King noch Prinz war «Elvis who?», fragte Al Wertheimer, als er Anfang 1956 beauftragt wurde, einen Schnulzensänger aus Memphis zu fotografieren. Wertheimer ahnte nicht, dass dies der Job seines Lebens werden würde: Der damals 21-jährige Elvis Presley war gerade dabei, in den Olymp der Popmusik aufzusteigen. Wertheimer konnte Elvis so nahe kommen wie kaum ein anderer. Er machte fast 3000 Aufnahmen, die das Porträt eines Künstlers auf dem Sprung zum Weltruhm ergeben. Unerreicht in ihrer Frische und Intimität, sind diese Bilder einzigartige Dokumente jenes Moments, in dem Rock ’n’ Roll zum Massenphänomen wurde. Eine Edition nicht nur für die Fans des «King», sondern auch für Liebhaber des Fotojournalismus und der Porträtkunst des 20. Jahrhunderts.

«Alfred Wertheimer. Elvis and the Birth of Rock and Roll» Limited Edition 1956 nummerierte und signierte Exemplare. Zudem erhältlich als Collector’s Edition (No. 251–1956) und in zwei Art-Editionen mit je 125 Exemplaren (No. 1–125 und 126–250), denen ein Originalprint beiliegt. Taschen Verlag

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Fotografische Sinnlichkeit Fantasien können verlockend und bittersüss zugleich sein. Es ist diese Spannung, die David Drebins sinnliche Bildsprache so faszinierend macht. In seiner neuesten Kollektion entwickelt der gefeierte zeitgenössische Fotograf kompakte Geschichten rund um die verführerischen Reisen seiner begehrenswerten Heldinnen. Unnahbar und doch unwiderstehlich, bleiben diese Frauen aufreizend anonym – obwohl einige von ihnen echte Megastars sind. Vor der Kulisse einer weltumspannenden Kultiviertheit reichen die Schauplätze ihres Werbens von New York bis nach Jerusalem, von Miami bis Istanbul. Wen werden sie verführen? Wen zurückweisen? Drebin ist ein Meister der fotografischen Intrige, die schockieren, aber genauso gut in die Glückseligkeit führen kann.

«Beautiful Disasters Collector’s Edition» David Drebin Limited Edition 50 Exemplare mit einem handsignierten und nummerierten Photoprint. TeNeues Verlag

Ikonen der Fotografie Die Fotografien von Elliott Erwitt sind moderne Meisterwerke. Mit seinem unvergleichlichen Talent fängt Erwitt das Besondere ein – das Unvergängliche, das vor seiner Linse lebendig wird und ein echtes Eigenleben entwickelt. Diese Special Edition vereint einige seiner denkwürdigsten Aufnahmen in einem bahnbrechenden Sammelband. Von seinen Marilyn-Bildern am Set von «Das verflixte 7. Jahr» bis zum Porträt des Chihuahua, der neben den Vorderbeinen einer Deutschen Dogge geradezu zwergenhaft erscheint: Immer waren es Erwitts unfehlbarer Sinn fürs Timing und sein Auge für das Aussergewöhnliche – ein Blick, eine Bewegung, ein optischer Dialog –, die sein Werk einzigartig machten. Im besonderen XXL-Format entfaltet jede einzelne Aufnahme ihre ganze Kraft.

«Elliott Erwitt» XXL Special Limited Edition 1500 Exemplare (No. 501– 2000) in Clamshell-Box, handsigniert und nummeriert. TeNeues Verlag

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Die Academy Awards sind der bedeutendste Preis der Filmbranche. Seit 1953 wird die Verleihung im Fernsehen übertragen und mittlerweile alljährlich von rund 800 Millionen Menschen weltweit verfolgt. 2013 wurden die «Oscars» schon zum 85. Mal vergeben. Jascha Köhler

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Jedes Jahr vergibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences die weltberühmten goldenen Trophäen für die besten Leistungen des Vorjahres. Ins Leben gerufen wurde die begehrteste Auszeichnung im Filmbereich 1929 von Louis B. Mayer, dem damaligen Präsidenten der MGM-Studios. Besser bekannt ist der Academy Award of Merit unter seinem Spitznamen «Oscar». Diesen erhielt er angeblich durch die Sekretärin Margaret Herrick, die beim Anblick der Statue, die einen auf einer Filmrolle stehenden Ritter mit Schwert darstellt, ausgerufen haben soll: «Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!» Obwohl die Bezeichnung «Oscar» bereits seit den frühen 30er Jahren gebräuchlich ist, betont die Academy immer wieder, dass diese nicht offiziell sei. Nichtsdestotrotz aber liess man sich den Spitznamen 1979 markenrechtlich schützen. Die Trophäe selbst ist 34 Zentimeter gross und wiegt etwas weniger als 4 Kilogramm. Sie besteht aus einer Nickel-Kupfer-Silber-Verbindung, bekannt als Britanniametall, und wird von einer dünnen Goldschicht überzogen. Der Materialwert einer Statue liegt bei etwa 300 Dollar.

Die grossen Sieger Der erste grosse Abräumer war 1940 «Vom Winde verweht», der acht Preise erhielt, darunter auch einen für die Nebendarstellerin Hattie McDaniel, die in der Rolle der Mammy zu sehen war. Mit ihr wurde zugleich der erste afroamerikanische Künstler von der Academy ausgezeichnet. 1960 wurde «Ben Hur», der elf Trophäen erhielt, zum erfolgreichsten Film in der «Oscar»-Geschichte. Sein Rekord besteht bis heute. Einzig «Titanic» und dem dritten Teil der «Herr der Ringe»-Trilogie gelang es, mit ebenfalls elf Auszeichnungen gleichzuziehen. Letzterer schaffte es übrigens, in allen Kategorien, in denen er nominiert war, auch zu gewinnen. Die am häufigsten mit dem «Oscar» ausgezeichnete Person ist nach wie vor Walt Disney. Er erhielt im Laufe seines Lebens insgesamt 26 Trophäen. Einen ganz besonderen Lauf hatte er zwischen 1932 und 1939, als er achtmal nacheinander den Preis für den besten animierten Kurzfilm erhielt. Zudem gewann er 1954 mit vier Awards die meisten «Oscars» in einem Jahr. Damals wurde er in verschiedenen Kategorien sowohl für drei Kurzfilme als auch für die Dokumentation «Die Wüste lebt» ausgezeichnet. Dass Alter keine Rolle bei den «Oscars» spielt, bewies Shirley Temple, die mit sechs Jahren schon einen Preis erhielt, ebenso wie Christopher Plummer, der im letzten Jahr mit 82 für seine Nebenrolle in «Beginners» ausgezeichnet wurde. Anfangs war die Show noch nicht so bierernst wie heute. So erhielten Kinderdarsteller zwischen 1935 und 1961 einen eigenen Miniatur-«Oscar» oder der Bauchredner Edgar Bergen auch schon mal einen extra aus Holz gefertigten, bei dem man den Mund auf- und zuklappen konnte.

Durch den Abend führt… Fast ebenso wichtig wie die ausgezeichneten Stars ist der durch den Abend führende Gastgeber. Der König der «Oscar»-Moderation war ohne Zweifel Bob Hope, der zwischen 1940 und 1978 insgesamt 18-mal das Publikum begrüsste. In jüngerer Zeit gelang es Billy Crystal, der bisher neunmal die Moderation übernahm, der Show immer wieder seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Mittlerweile ist die Zeremonie ein perfekt inszeniertes Hochglanz-Spektakel mit festen Regeln und Ritualen. So gut wie nichts wird bei der Verleihung heute mehr dem Zufall überlassen.

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Die Sprechzeit bei den Dankesreden ist begrenzt; wer es nicht schafft, sich kurz zu fassen, wird gnadenlos vom Orchester übertönt. Tumulte, wie sie noch in den 70er Jahren bei den Awards üblich waren, sind heute so gut wie ausgeschlossen. 1974 rannte ein splitternackter Flitzer quer über die Bühne, und die Schauspielerin Vanessa Redgrave brauchte 1978 sogar Polizeischutz, nachdem sie auf die katastrophale Lage der Palästinenser aufmerksam gemacht hatte. Weit über 2000 «Oscars» wurden bereits vergeben, und bis heute haben ihn nur drei Personen abgelehnt: 1936 der Drehbuchautor Dudley Nichols, der sich damals solidarisch mit seiner streikenden Gewerkschaft Writers Guild zeigte, und Anfang der 70er mit George C. Scott und Marlon Brando zwei Schauspieler. Scott hielt die ganze Verleihung für eine «zweistündige Fleischbeschau», Brando verweigerte den Preis für «Der Pate» aus Solidarität mit den noch immer diskriminierten amerikanischen Ureinwohnern. Einen Hauch von Anarchie brachten zuletzt 1999 Roberto Benigni, der über die Sitze stieg, um auf die Bühne zu kommen, und vor zehn Jahren Michael Moore, der dem damaligen USPräsidenten Bush ein herzhaftes «Shame on you!» zukommen liess, in die Veranstaltung.

Der Beste, der Schlechteste Wie nah Anerkennung und Spott in Hollywood beieinander liegen können, erfuhren 1998 der Drehbuchautor Brian Helgeland und 2010 die Schauspielerin Sandra Bullock. Beiden gelang das Kunststück, an jeweils einem Wochenende sowohl für die beste als auch für die schlechteste Leistung des Jahres ausgezeichnet zu werden. Während Helgelands Drehbuch zu «L.A. Confidential» als das beste bei den «Oscars» gewann, bekam er für das Skript zu dem KevinCostner-Vehikel «Postman» die Goldene Himbeere. Gleiches widerfuhr Sandra Bullock, die für ihr Porträt einer Stalkerin in «Verrückt nach Steve» abgestraft wurde, nur um einen Tag später den Academy Award für ihre Darstellung einer fürsorglichen Stiefmutter in «Blind Side – Die grosse Chance» zu erhalten. Beide, sowohl Helgeland als auch Bullock, bewiesen die Grösse, sich nicht nur ihren «Oscar» abzuholen, sondern auch ihren Razzie Award entgegenzunehmen.

SHORTCUT Die Goldene Himbeere Der Original Golden Raspberry Award (kurz Razzie Award genannt) ist der Filmpreis, um den sich in Hollywood niemand reisst. Er wurde ganz bewusst als Gegen-«Oscar» entworfen und wird seit 1981 für die schlechtesten Leistungen in der Filmbranche vergeben. Die gefürchtete Statue besteht aus einer Kunststoffhimbeere und einer alten Super-8-Filmrolle. Beides wird mit Goldfarbe überzogen und besitzt einen Materialwert von kaum mehr als fünf Dollar. Der einsame Spitzenreiter in Sachen Razzies ist Adam Sandlers Komödie «Jack und Jill», die 2012 nicht weniger als zehn goldene Himbeeren bekam. Von Zeit zu Zeit werden auch Preise in einmalig ins Leben gerufenen Kategorien vergeben, so erhielt der Actionfilm «Con Air» 1998 etwa einen Preis für die «rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum». Zusätzlich zu den jährlichen Preisen wurden am Ende jeder Dekade auch noch Auszeichnungen für die schlechtesten Leistungen der 1980er, 1990er und 2000er Jahre vergeben. Nur wenige Stars holen sich ihren Preis persönlich ab. Unter ihnen waren der Regisseur Paul Verhoeven, Sandra Bullock und Halle Berry. Als Letztere 2005 ihre Auszeichnung für «Catwoman» bekam, bewies sie Humor und parodierte in ihrer Ansprache ihre eigene «Oscar»-Dankesrede von 2002.

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Kunstwelten

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Der Meister der Moderne

Das Kunsthaus Zürich zeigt eine Ausstellung mit rund 90 Gemälden und Arbeiten auf Papier von Marc Chagall. Seine Bilder vom russischen Dorfleben, seine schwebenden Figuren, fliegenden Kühe und Hähne sind weltbekannt. Die Ausstellung konzentriert sich auf die für die Karriere des Künstlers entscheidenden Jahre 1911–1922. Es sind die Jahre, in denen sich Chagall als Meister der Moderne etabliert.

Das Fotomuseum Winterthur zeigt eine Jubiläumsausstellung zum Thema Architektur und Fotografie. Neben Alltagsarchitektur und Prachtbauten, strukturierenden horizontalen und vertikalen Achsen, neben Haus und Heim, Utopien, Plan und Wirklichkeit wird auch die anziehende Vergänglichkeit der Architektur durch den Zahn der Zeit, durch natürliche und absichtliche Zerstörungen eine wichtige Rolle spielen. Was Concrete Wann bis 20. Mai 2013 Wo Fotomuseum Winterthur

Was Chagall – Meister der Moderne Wann bis 12. Mai 2013 Wo Kunsthaus Zürich

www.fotomuseum.ch

www.kunsthaus.ch

Menschenbilder

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Die Picassos sind da!

Pablo Picasso ist eine Schlüsselfigur der Kunst des 20. Jahrhunderts. Das Kunstmuseum Basel zeigt nun eine gross angelegte Retrospektive, die allein aus Basler Sammlungen zusammengetragen wird. Zum ersten Mal werden die hochkarätigen Picasso-Bestände des Kunstmuseums Basel und der Fondation Beyeler vereint ausgestellt. Dazu treten Werke aus zahlreichen Basler Privatsammlungen, die zum Teil erstmals öffentlich gezeigt werden und die Museumsbestände ideal ergänzen. Was Picasso Retrospektive Wann bis 21. Juli 2013 Wo Kunstmuseum Basel www.kunstmuseumbasel.ch

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Architekturfotografie

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Der Schweizer Fotograf Hannes Schmid gehört zu den grossen Bild-Erzählern unserer Zeit. Berühmt ist er für seine ikonischen Inszenierungen des Marlboro-Cowboys und innovativen Modestrecken seit den frühen 1990er Jahren. Das Kunstmuseum Bern zeigt mit rund 150 Werken erstmalig eine gross angelegte Übersicht von seinen Arbeiten. Im Zentrum der Ausstellung stehen Menschenbilder und visuelle Erzählungen von den ikonischen Mythen der Cowboys bis hin zu existentiellen Grenzerfahrungen fremder Kulturen. Was Hans Schmid – Real Stories Wann bis 21. Juli 2013 Wo Kunstmuseum Bern www.kunstmuseumbern.ch

Ein Jahrzehnt voller Orte und Denkprozesse

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Um 1970 zeigt sich ein fundamentaler Wandel in der Kunst. Es werden neue Medien wie Fotografie oder Video und ungewohnte Materialen eingesetzt. Kunst manifestiert sich als temporäre Installation, als flüchtige Zeichnung oder als kaum bearbeitetes Objekt. Das Kunstmuseum Luzern zeigt dazu Werke von Joseph Beuys, Alighiero Boetti, Luciano Castelli, Gilbert & George, Richard Long, Urs Lüthi, Jean-Frédéric Schnyder uvm. Was Neunzehnhundertsiebzig Wann bis 11. November 2013 Wo Kunstmuseum Luzern www.kunstmuseumluzern.ch

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The Man who shot Marylin

Monroe Yvonne Beck

Taschen Verlag / Metro-Goldwyn-Mayer

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Er fotografierte Twiggy, Elizabeth Taylor und Audrey Hepburn. Unsterblich machten ihn jedoch seine Bilder von Marilyn Monroe, denn kurze Zeit nach «The Last Sitting» starb die Schauspielerin.


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Bert Stern ist einer der grössten Porträtfotografen Amerikas. Er schoss in den 60er Jahren 200 Seiten pro Jahr für die «Vogue» und produzierte viele der weltweit wichtigsten Print- und FernsehWerbekampagnen. Mit seinen revolutionären Print-Anzeigen für Smirnoff revolutionierte er die Werbefotografie.

Vom Wodka- zum Starfotografen In den frühen sechziger Jahren erlebte die Werbung eine kreative Revolution. Davor war Werbung etwas völlig anderes. PR-Anzeigen waren lediglich eine Art Bekanntmachung der Produktvorteile, nichts weiter. Die Stories waren alles andere als aufregend. Die Fotos waren sehr flach, bieder und steif: eine lächelnde Frau mit einer Seife in der Hand. Bert Stern hingegen gestaltete seine Bilder künstlerisch. In einer einfachen kraftvollen Bildersprache. Zwar gab es zu dieser Zeit bereits einige Starfotografen, doch keiner ging so respektlos mit der Wirklichkeit um wie Bert Stern. Er war der Erste, der nicht das reine Produkt abbildete, sondern Suggestionen und Stimmungen herstellte. Das Smirnoff-Foto war ein Meilenstein. Russischer Wodka stimmungsvoll festgehalten in der Wüste New Mexikos. Mit ihm brachte Bert Stern als Erster ästhetische Werte in die Werbung. Von da an war der junge Fotograf nicht mehr zu stoppen und die Maschinerie Stern kam ins Rollen. Schon bald waren Marken wie United Airlines, Pepsi-Cola, VW genauso seine Kunden wie die «Vogue» und andere Zeitschriften. Nach kurzer Zeit führte Bert Stern ein ganzes Imperium an. Es war das grösste Unternehmen, das je ein Fotograf geleitet hat. Er machte Fotos, drehte Werbespots – alles gleichzeitig. Alle wollten ihn haben, denn er hatte Erfolg und machte andere erfolgreich. Er arbeitete Tag und Nacht, wie eine Maschine, doch alles, worauf es ihm ankam, war die Fotografie. Der erfolgreiche Stern machte auch die Reklamefotos für den Film «Lolita», die heute schon fast Kultcharakter besitzen. Das Plakat mit der herzförmigen Sonnenbrille und dem Lutscher wurde zum Klassiker auf der ganzen Welt. Stern war perfekt für diesen Auftrag, zum einen verstand er sich gut mit dem Regisseur Stanley Kubrick, zum anderen konnte er die Frau sehen, die in dem kleinen Mädchen Lolita steckte. Er konnte Frauen aus jedem Blickwinkel fotografieren und wusste, wie er Menschen schön aussehen lassen konnte, deshalb liebten ihn besonders die Frauen. Er kam den

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Frauen, die er fotografierte, immer sehr nah. Oder wie er selbst von sich sagt: «Ich bin sehr obsessiv. Deshalb fotografiere ich vermutlich. Die Dinge, die ich betrachte, machen mich obsessiv. Ich will sie haben. Ich nehme sie mit der Kamera auf und sie gehören mir.»

Der Mann, der die Frauen liebte Stern liebte die Frauen und die Fotografie; als er Fotograf bei «Vogue» wurde, konnte er beides miteinander verbinden. Er hatte viele Frauen, einige von ihnen jedoch nur vor der Kamera. Zu ihnen gehörte Marilyn Monroe. Das Sexsymbol und die begehrteste Frau der 50er Jahre zog sich für ihn sogar aus und Stern schenkte der Welt Aufnahmen, die noch heute begeistern. Bert Stern wollte das ultimative Foto von Marilyn Monroe schiessen, ein unsterbliches SchwarzWeiss-Foto wie das, welches Edward Steichen von Greta Garbo gemacht hatte. Denn obwohl die Monroe bereits tausendfach abgelichtet wurde, gab es für Stern kein Bild, das auch nur annähernd unsterblich war. So fotografierte Bert Stern Marilyn Monroe schliesslich für die «Vogue». Dafür buchte er die grösste Suite im Bel Air Hotel in Los Angeles und verwandelte sie in ein Studio. Ein persönliches Umfeld für sein Shooting war ihm wichtig. Den grössten Teil der Fotos machte Bert Stern allein – ohne sein


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Team – es war ein intimer Dialog zwischen dem Fotografen und der Schauspielerin. Die Session begann um neun Uhr abends und ging bis in den frühen Morgen hinein. Stern sah in der Monroe etwas Göttliches – «Gott, Leben, Leidenschaft», wie er es in einem späteren Interview benannte. Bert Stern schoss ein Foto nach dem anderen – Marilyn nackt, ungeschminkt – auf einigen sieht man ihre Narbe am Bauch. So entstanden 2600 Fotos. Dieses sogenannte «Last Sitting» fand im Juni statt, am 6. August 1962 gingen die Bilder an die Presse, es war ein Montag, in der Nacht auf Sonntag war Marilyn Monroe gestorben – Selbstmord.

die Menschen mögen sie noch immer. Sie wollen ein Stück von der Leidenschaft, die ich hatte.»

«The Last Sitting»

Die eigentlichen Fotos des Bert Stern befinden sich immer in dem Raum zwischen dem Fotografen und seinem Objekt. Es geht nicht um das Objekt oder Sterns Person, sondern immer um den Raum dazwischen – einen unsichtbaren Ort. Einen Raum, in dem alles passieren kann. Stern hat mit seiner Technik und spielerischen Finesse nicht nur den Nerv der Zeit getroffen, sondern beeinflusste auch darauffolgende Generationen von Starfotografen wie Annie Leibovitz oder Mark Seliger. Eine Kamera können viele bedienen, aber Bert Stern war damit aussergewöhnlich. Es hatte künstlerisches Niveau. Seine Bilder sind atemberaubend, aber nicht weil sie einfach schön sind, sondern weil immer eine Idee dahintersteckte.

Bert Stern merkte nach eigenen Angaben nichts von den Dämonen, Leidenschaften und Schmerzen, die Marilyn Monroe bereits bei ihrem Shooting gequält haben müssen. «Ich war nur ein junger Kerl, der mit Marilyn Monroe rummachen wollte, da ich sie nicht gekriegt habe, waren die Bilder aber auch nicht schlecht. Wahrscheinlich waren sie sogar besser, denn es gibt sie immer noch und

Nach dem Shooting versuchte Marilyn, die Bildauswahl zu kontrollieren. Viele der heute berühmten Bilder sind farbig durchgestrichen oder mit einer Haarnadel zerkratzt. Marilyn selbst tat dies. Es waren die Fotos, die sie nicht mochte, da sie nicht ihrem Selbstbild entsprachen und die sie nicht veröffentlicht haben wollte. Die Fotos waren für die «Vogue» nicht mehr verwendbar, doch gerade die orangenen Kreuze machten die Bilder zu wahren Kunstwerken. Bert Stern veröffentlichte nach Monroes Tod alle, auch die zensierten Fotos, in einem Buch und unzähligen Zeitschriften. Genau diese Bilder zeigen die Seelenansichten der Monroe – ihre Verletzbarkeit und Selbstzerstörung. Und genau diese Bilder machen die Monroe und ihren Fotografen unsterblich.

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Ich liebe Frauen über alles – Frauen sind Göttinnen. Männer sind Sklaven. (Bert Stern)

SHORTCUT Signierte Sonderausgabe Das Buch zur «letzten Sitzung» ist eine Hommage an die Frau, die zum Zeitpunkt ihres Todes 1962 die berühmteste Frau der Welt war und für eine ganze Generation als Symbol des Glamours und der Erotik galt. Obwohl sie von der Öffentlichkeit gefeiert und bewundert wurde, war sie in ihrem Privatleben verzweifelt auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Dieses Buch, nach einer Idee von Lawrence Schiller, kombiniert Mailers meisterhafte Schreibe mit Bert Sterns eindringlichen Bildern der 36-jährigen Marilyn. Denn Mailers wie auch Sterns Marilyn sind schön, tragisch und komplex. In Mailers Beschreibung ihres Lebens – von der trostlosen Kindheit und den schwierigen ersten Berufsjahren über die Zeit als Superstar, dem Auf und Ab in der Liebe bis hin zu den mysteriösen Umständen ihres Todes – erscheint Marilyn als Symbol des bizarren Jahrzehnts, in dem sie Hollywood beherrschte. Mailer und Stern lüften in dieser gewagten Synthese aus literarischem Klassiker und legendärer Porträtsitzung den Schleier über Monroe, der Frau, dem Star, dem Sexsymbol, und bieten tiefe Einblicke in eine legendäre Figur, deren wahre Persönlichkeit bis heute rätselhaft bleibt. Die Limited Edition mit insgesamt 1962 von Bert Stern signierten Exemplaren ist als Sammlerausgabe (No. 251-1962) und in zwei Art-Editionen mit je 125 Exemplaren (No. 1-250) erhältlich. «Norman Mailer/Bert Stern. Marilyn Monroe» 278 Seiten Taschen Verlag

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kolumne Aus dem Leben eines Galeristen: Schaumbäder der Kunst Seifenblasen sind eigentlich erstaunlich robuste Gebilde. Zwar zerplatzen die schillernd bunten Blasen nach einer Weile, aber während ihrer Lebensdauer können sie sogar einen starken Regenguss unbeschadet überstehen. Die Regentropfen fallen durch sie hindurch oder perlen an der Aussenhaut ab.

Traum. Apropos Göttin: Das Motiv der vergnügt badenden Dame lässt sich übrigens auf barocke Darstellungen der Liebesgöttin Venus zurückführen, die man ja nicht umsonst die «Schaumgeborene» nannte.

Interessanterweise hat die sonst so grelle Pop Art auch eine sensible Seite, die sich Vor einiger Zeit fiel mir das vor allem im Akt manifestiert. Hier sieht man den Buch «Movie Stars in Bath­ Wilhelm J. Grusdat Unterschied zwischen der tubs» in die Hände. Der Sammelband vereint Filmstills von Stars und Darstellung einer unnahbaren Göttin und einer Sternchen aus der goldenen Ära des Kinos zum Geliebten, die man auch in intimen Situationen Thema «Bad in der Wanne». Viele dieser Stills portraitieren darf. Beispielhaft dafür ist das von haben heute Ikonenstatus und sind Teil des all- meinem Freund Mel Ramos 1979 gemalte Bild gemeinen Bildfundus. Dazu gehören etwa die «Bonnard’s Bath», das seine Frau Leta beim Szenen mit Clint Eastwood, der stoisch im drecki- Wannenbad zeigt. Kein Schaumberg verhüllt gen Badewasser seiner Metallwanne auf seinen den lang hingestreckten Körper; stattdessen Auftritt in dem Film «Ein Fremder ohne Namen» zeichnet das Wasser ein paar zarte Muster auf wartet, oder Doris Day und Rock Hudson, wie sie die braune Haut in der ansonsten sehr ruhigen in «Bettgeflüster» aus der überschäumenden Ba- und von höchster Zuneigung geprägten Komposition. Mit dem gewählten Titel macht Ramos dewanne miteinander telefonieren. seinen Wasserakt zur Schwester von Pierre BonDie weissen Schaumberge gehören zur Pop Art nards «Nude in the Bath» (1925). Im Gegensatz wie das strahlende Lächeln zu den Heroinnen von zu Ramos malte Bonnard über vierzig Jahre lang Roy Lichtenstein. Keine andere Stilrichtung hat so nur Akte von seiner Frau. Sogar über deren Tod genüsslich mit den Werbeklischees gespielt und hinaus entstanden weitere Akte, die Bonnard’s die vorhandenen Frauenbilder auf ironische Wei- Frau so zeigten, wie er sie in Erinnerung hatte: se in Frage gestellt. So schuf Tom Wesselmann als junge Frau. noch vor seinen «Great American Nudes», die ihn berühmt machen sollten, eine Reihe von bunten Wenn man die heutige Kunstszene betrachtet, hat Badezimmerszenen. Collagenartig kombiniert man manchmal das Gefühl, von wahren Schaumer hier plastische Einrichtungsgegenstände, wie bergen umgeben zu sein. Ich werde immer wieDuschvorhang und Handtuchhaken, mit gemal- der gefragt, ob und wann die Kunstblase platzen ten Elementen. Entgegen der klassischen Bildtra- wird. Ich bin da ganz zuversichtlich: Manche dition ist das Hauptmotiv – die badende Dame – Blasen – solche, die Kunst als reines Spekulatinur eine flächenhafte Schablone. Das weibliche onsobjekt ansehen – werden sicher platzen. Ich Abziehbild entzieht sich jeder Annäherung und habe mich den bleibenden Werten verschrieben. entlarvt damit die überirdisch perfekten Werbe- Insofern perlen die kurzzeitigen, auf reinen Profit göttinnen als Illusion. Egal wie einladend das Lä- ausgerichteten Strömungen an mir ab. Stattdescheln von Roy Lichtensteins «Dame im Bad» ist, sen unterstütze ich die ernsthaften Sammler auf sie bleibt zweidimensional und damit ein ferner ihrer Suche nach einzigartigen Kunstwerken.

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The Gambino Family Teil III John Gotti – der «Teflon-Don» Helena Ugrenovic

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«Falls du denkst, dein Boss sei ein Idiot, vergiss nicht – du hättest keinen Job, wäre er freundlicher.» Der verhasste Paul Castellano ist tot. Verachtet und getötet wie ein Stück Dreck. Mit einem Handkuss auf den hochkarätigen, pinkfarbenen Diamanten erweisen die Soldaten John Gotti nach Castellanos Tod ihre Ergebenheit. John Gotti hat sein lang ersehntes Ziel erreicht. Er ist der Boss der Bosse und das neue Oberhaupt der Gambino-Familie.

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CULTURE

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John Gotti sitzt mit Salvatore «Sammy the bull» Gravano als stiller Beobachter im Auto auf der gegenüberliegenden Strassenseite, als Paul Castellano und sein Fahrer Tommy Bilotti hingerichtet werden. Das «Steakhouse Massacre» schreibt Kriminalgeschichte und Gotti, der mit seiner Art der Machtergreifung gegen alle Regeln der anderen vier New Yorker Mafia-Familien Bonanno, Colombo, Genovese und Lucchese verstösst, ist nach Al Capone der erste zeitgenössische Mobster, der in den Medien umfassend präsentiert wird. «Time», «People» und das «New York Time Magazine» platzieren den perfekt frisierten, tadellos gekleideten und zum Halbgott stilisierten Gotti auf der heissbegehrten Titelseite ihrer Magazine. Nach Al Capone ist er eines der bekanntesten Mitglieder der Cosa Nostra und der Liebling der Presse. Die Anklagen, die gegen ihn laufen, perlen an ihm ab wie Fremdstoffe von einer Teflon-Beschichtung. John Gotti ist der «Teflon-Don».

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Der neue Pate Das Weihnachtsgeschenk, das Gotti für Castellano vorbereitet hat, sind Bleikugeln in dessen Schädel. Sich selber schenkt er die Erfüllung eines lange gehegten Traums. Neun Tage nach dem Tod von Paul Castellano beschäftigt eine Frage sowohl die New Yorker Unterwelt als auch das FBI brennend – wer tritt die Nachfolge von Castellano an? Nach dem Treffen der Mobster in einem Social Club in Little Italys Mulberry Street beobachten observierende FBIAgenten, wie die Soldaten John Gotti die Tür seiner 70ʼ000-Dollar-Limousine aufhalten, ihm aus der Jacke seines 2000-Dollar-Brioni-Anzugs helfen und ehrwürdig den protzigen Ring küssen. Mit 45 Jahren hat sich Gotti wie ein penetrantes Krebsgeschwür ins Herz der Cosa Nostra emporgearbeitet.

Die Wurzel der Macht Als fünftes von dreizehn Kindern wird John Gotti am 27. Oktober 1940 in New York City geboren. Sein Vater J. Joseph Gotti und seine Mutter Fannie, italienische Einwanderer, ernähren ihre Grossfamilie mit dem unsicheren Einkommen, das Joseph als Tagelöhner verdient. Im Süden der Bronx kennt jeder den Mob. Die Jungs und Teenager himmeln die gut gekleideten Männer in ihren teuren Autos und den Geldscheinen in den Taschen an. John Gotti sieht sie mit den gleichen hungrigen Augen an, wie es vor ihm Paul Castellano und Carlo Gambino getan hatten, als sie in Johns Alter waren. Der


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charismatische John ist ein «hardliner» und das geborene Alphatier. Mit zwölf Jahren weiss John, wie er andere manipulieren kann, damit sie machen, was er sagt. Sie lungern vor dem Mafia Social Club in Brooklyn, der von Carmine Fatico geführt wird, dem ersten Boss der Gambino-Familie. Durch Fatico lernt er Aniello Dellacroce kennen, der sein lebenslanger Mentor sein wird.

Erste Schritte Der junge Gotti setzt alles daran, um den Bossen zu imponieren, und bald schon ist er der Führer der Gang «Fulton Rockaway Boys», die sich mit Einbrüchen und Autodiebstählen bereichert. Im März 1962 heiratet John Gotti die 17-jährige Victoria Di Giorgio, die zum Zeitpunkt der Hochzeit bereits ihr erstes Kind geboren hat. In seiner neuen Rolle als Ehemann und Vater versucht Gotti, sein Geld auf legale Weise zu verdienen, doch sein Lohn als Lastwagenfahrer reicht nicht aus, um die Familie zu ernähren und seine Spielsucht zu finanzieren. John fängt wieder an, Autos zu stehlen. Als er 1965 verhaftet und ein Jahr später aus dem Gefängnis entlassen wird, hat er kein Geld, um seine Familie zu unterstützen. Der Wohnort der Gottis in Queens, nahe beim Flughafen John F. Kennedy, bietet die perfekte Lage, um die mit Gütern vollgeladenen Flughafenlastwagen zu entführen. Doch das Glück scheint Gotti nicht hold zu sein. Mit seinem Bruder Gene und Angelo Ruggiero wird er verhaftet und sitzt erneut für drei Jahre im Gefängnis.

Der aufsteigende Stern der Mafia Nach seiner Entlassung kehrt er 1972 zu Carmine Faticos Crew zurück und kontrolliert das Glücksspiel in den paar illegalen Clubs in Queens. Mit 31 Jahren ist Gotti innerhalb der Mafia ein gemachter Mann und rapportiert direkt an den Unterboss der Gambino-Familie, Neil Dellacroce. Dellacroce wird zu seiner Vaterfigur, er verteidigt und fördert Gotti, der ihm bis zum Ende loyal und treu ergeben ist. 1973 erleuchtet Gottis Stern innerhalb des Gambino-Clans wie ein explodierender Komet. Als Emanuele Gambino, ein Neffe von Carlo Gambino, dem amtierenden Boss der Bosse, von Jimmy McBratney, einem rivalisierenden Gangster, entführt und ermordet wird, fällt die Wahl des Rächers auf John Gotti. Noch nie in seinem Leben wurde Carlo Gambino so eine Respektlosigkeit und Verachtung demonstriert wie mit dieser Tragödie. Nach dem Mord an McBratney sitzt John Gotti erneut für drei Jahre im Gefängnis, was ihm enorme Pluspunkte innerhalb des Gambino-Clans sichert.

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Nach seiner Freilassung wird er im Sommer 1976 unter dem Patronat von Paul Castellano, dem neuen Boss der Bosse, offiziell in die Mafia aufgenommen und vereidigt.

Zwischen Himmel und Hölle Gotti ist erfolgreich, verdient haufenweise Geld, sieht gut aus, ist charmant und grosszügig. Ein spendierfreudiger Kavalier, der sich auf der Sonnenseite des Lebens wähnt, bis das Schicksal grausam zuschlägt. Am 18. März 1980 wird sein 12-jähriger Sohn Franky auf seinem Mini-Bike unweit seines Elternhauses vom Auto eines Nachbarn tödlich angefahren. Jim Favara hat den kleinen Jungen auf seinem Fahrrad übersehen und das schreckliche Drama wird von der Polizei als Unfall protokolliert. John und Victoria Gotti warten vergebens auf eine Entschuldigung von Jim Favara, dem die Behörden raten, sein Haus schnellstens zu verlassen. Zwei Tage bevor er wegziehen kann, zerren ihn drei Männer in einen Van. Favara verschwindet spurlos. Fünf Jahre später ist John Gotti nicht nur der Kopf der GambinoFamilie, sondern der Superstar der Medien. Mit dem öffentlichen Ansehen und seiner Popularität verzerrt sich jedoch auch sein Selbstbildnis. Gotti ist das pure Gegenteil von Paul Castellano; laut, selbstbewusst und egozentrisch inszeniert er seine Rolle als Pate und gibt in Diskotheken Autogramme wie ein Popstar. James La Rossa, ein Bekannter Gottis, sagt in einem Interview: «Es war verrückt! Auf der Strasse winkten ihm die Menschen zu, schüttelten ihm die Hand. Und er sagte, siehst du? Sie lieben mich!» Eine Zeit lang vermittelt es den Anschein, als sei Gotti unbesiegbar. Er gewinnt jeden Prozess, der gegen ihn läuft, und erhält den Spitznamen «Teflon-Don». Nicht ahnend, dass das FBI ihn und seine Soldaten bespitzelt und ihre Gespräche aufnimmt.

Der Judas Gottis Geschäfte bringen der Familie eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr ein. Verantwortlich für den Erfolg ist hauptsächlich Salvatore «Sammy der Bulle» Gravano, Gottis Berater, dessen brillantes Gehirn auf Hochtouren läuft und der über den Geschäften wacht. John ahnt nicht, dass es eines Tages Gravano ist, der ihn und somit die ganze Gambino-Familie zu Fall bringen wird. Am 11. Dezember werden Gotti, Sammy Gravano und der Unterboss Frank Locascio verhaftet. Das FBI hat genug Beweismaterial gesammelt, um Gotti und die anderen Mobster endgültig hinter Gitter zu bringen. Unter anderem werden sie auch für den Mord an Castellano verantwortlich gemacht. Dieses Mal scheinen die sicheren Seilschaften Gottis zu reissen. Im Knast beschliesst Sammy Gravano, das zu sein, was er immer verachtet hat: eine Ratte. Als Kronzeuge will er gegen John Gotti aussagen.

Der Fall der Gambinos Sammy Gravano zwitschert im Gerichtssaal wie ein Kanarienvogel und erzählt der Welt, wie John Gotti das Geschäft der Gambinos geführt hat und wie er und Gotti die Exekution von Paul Castellano geplant haben. Der Mann, dem er am meisten vertraut und wie einen Bruder geliebt hatte, serviert ihn den Anklägern eiskalt auf dem Silbertablett. Die Jury benötigt zwei Tage, um ihr Urteil zu fällen. Schuldig in allen Anklagepunkten. Gotti endet im Hochsicherheitsgefängnis United States Penitentiary at Marion, Illinois, während Gravano nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird. Der Popstar der mächtigsten Mafia-Organisation aller Zeiten hat ein Vermögen für sich und die Cosa Nostra gescheffelt. Jetzt ist er dabei, den Clan regelrecht hinzurichten. Vom Gefängnis heraus ernennt er seinen Sohn John Gotti Junior zu seinem Nachfolger. Einen pummeligen und unerfahrenen Teenager, der statt massgeschneiderter Anzüge lieber Trainerhosen trägt und vom komplexen Geschäft der Organisation keine Ahnung hat. Genau wie damals Paul Castellano, der in den Augen John Gottis unverdienterweise zum Boss der Bosse ernannt worden war. Am 10. Juni 2002 stirbt John Gotti im Gefängnis an Kehlkopfkrebs.

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SHORTCUT Der wohl grösste Kunstraub aller Zeiten «Die Frau vor dem offenen Fenster», «Die gelbweisse Dame», «Die Frau mit den geschlossenen Augen», «Der Kopf des Harlekin», «Die Lesende», «Charing Cross Bridge» und «Waterloo Bridge» sind nicht die Hauptfiguren oder Schauplätze einer Romanvorlage. Es sind sieben Millionen schwere, kleinformatige Ölbilder von Meistern wie Pablo Picasso, Claude Monet, Paul Gaugin, Meyer de Haans, Lucian Freud und Henri Matisse, die in der Nacht zum 17. Oktober 2012 aus der Kunsthalle Rotterdam verschwanden. Als der Alarm losgeht und Sicherheitsleute sowie Polizei am Ort des Schreckens eintreffen, sind die Einbrecher längst verschwunden, und was blieb, waren leere Haken an den Wänden. Die Werke stammen aus der Triton Collection, die das niederländische Unternehmerpaar Willem und Marijke Cordia seit Jahrzehnten zusammengetragen hatte.

Die Tätowierungen der Yakuza Tiger und Kranich, neun Drachen und tobender Sturm sind die klingenden Namen, die sich Bauern und Handwerker selber gaben, wenn sie der Yakuza, der japanischen Mafia, beitraten. Diese Formen liessen sie sich auf den Körper tätowieren. Um das Gesamtbild auf dem Körper noch kraftvoller darzustellen, wurden künstlerisch ausschweifende Verzierungen angebracht und nicht selten reichten die Tattoos über den ganzen Körper ausschliesslich des Kopfes, der Hände und Füsse sowie des Genitalbereichs. Tätowierungen gelten in Japan auch heute noch als Symbol der Yakuza. So ist Tätowierten in öffentlichen Badeanstalten der Zutritt verwehrt und der Bürgermeister von Osaka setzte der Körperkunst in der Stadtverwaltung gleich ein drastisches Ende, denn wer bemalt ist, fliegt raus.

Die schrecklichsten Gefängnisse der Welt Weit entfernt von «fraternité» ist «La Santé», das zu den Top Five der schrecklichsten Gefängnisse der Welt in einem der grössten kulturellen Zentren Europas zählt. Die Selbstmordrate unter den Gefangenen ist hoch und die Kreativität, wie sie ihrem Leben ein Ende setzen, genauso – sie essen Rattengift, schlitzen sich die Arterien auf, schlucken Nadeln und Gabeln. Wer glaubt, europäische Gefängnisse kämen Kuschel-Sanatorien gleich, irrt sich. Die Haftbedingungen sind drastisch, das Gefängnis ständig überfüllt, zweimal die Woche wird geduscht und das Essen ist keine Nahrung, sondern Futter. Die grösste Plage des Gefängnisses sind jedoch die Ratten, und so hängen die Häftlinge ihr Hab und Gut an die Decke, damit es nicht über Nacht weggenagt wird.

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Für mein romantisches Rendezvous: Pop und klassische Liebeslieder

Für mein Couture Einkaufserlebnis: Die neuesten Kollektionen vom Laufsteg

Musik- und Visuellunterhaltung für jede Stimmung.

Ich bin nicht die gleiche Person bei jedem Flug. Meine Welt ist luxuriös und ich lebe meine Stimmungswechsel. Eine persönliche Begleitung durch das Check-in und Passkontrolle an Bangkoks Flughafen Suvarnabhumi geniesse ich immer, auch werde ich dort mit einer Spa-Behandlung verwöhnt. An Bord, eine erlesene Gourmetselektion, PrivatsphäreOptionen mit dem zum bequemen Bett wandelbaren Sitz und immer neuesten Unterhaltungsprogramm, was möchte ich heute? Das muss ich jetzt noch nicht entscheiden. Am Board der Royal First Klasse wähle ich, was und wann ich will. Ich fliege THAI.

Information und Reservation: T 044 215 65 00, www.thaiair.ch, reservation@thaiair.ch oder in jedem Reisebüro. The Luxury Way of Life | 67


SHORTCUT Die spektakuläre Entführung des John Paul Getty III Sein Vater, Sir John Paul Getty II, leitet den italienischen Zweig des GettyÖlfirmen-Imperiums, als der 17-jährige John Paul Getty III am 10. Juli 1973 auf der Piazza Farnese in Rom von der kalabrischen Mafia entführt wird. Sein Grossvater Paul Getty weigert sich zuerst aus Prinzip, die geforderten 17 Millionen Dollar Lösegeld zu bezahlen. Die Entführer schneiden ihrem Opfer ein Stück des rechten Ohrs ab und drohen damit, ihn «stückweise» freizulassen, wenn kein Lösegeld fliesst. Nach zähen Verhandlungen leiht der Grossvater seinem Sohn 2,89 Millionen Dollar Lösegeld zu einem Zins von vier Prozent für die Befreiung seines Enkels, und so wird der 17-Jährige nach fünf Monaten Gefangenschaft in stark abgemagertem Zustand auf der Autobahn zwischen Rom und Neapel freigelassen.

«Herbst des Schreckens»: Jack the Ripper Er ist einer der ersten Serienmörder und tötet zwischen dem 6. August und 9. November 1888 sechs Prostituierte auf bestialische Weise im östlichen Londoner Stadtteil Whitechapel. Er bringt sie nicht nur um, sondern verstümmelt sie, entfernt ihnen Organe und schickt diese an die ermittelnden Polizeidienststellen. Der Täter schickt der Polizei Bekennerschreiben, in denen er sie verhöhnt und sich selbst Jack the Ripper nennt. Die Frage nach dem Täter beschäftigt noch heute Hobby-Kriminologen auf der ganzen Welt und die Liste der möglichen Verdächtigen ist schier unendlich und umspannt die abenteuerlichsten Theorien, die von einem frauenhassenden, halbverrückten deutschen Maler bis hin zum Leibarzt Königin Victorias reichen, der die Morde in ihrem Auftrag ausgeführt haben soll.

Tunnel zum Glück 45 Meter lang ist der Tunnel zu einer Bankfiliale im Berliner Stadtteil Steglitz, den eine Bande gegraben hat, um dort nach bisherigen Ermittlungen 309 Schliessfächer aufzubrechen. Am 14. Januar 2013 wird entdeckt, dass Unbekannte von einer Tiefgarage aus über einen 45 Meter langen Tunnel in den Tresor der Bank eingestiegen waren, und die Polizei vermutet, dass bereits im Februar des Vorjahres die «Bauarbeiten» für einen der spektakulärsten Banküberfälle begonnen haben mussten. Den Polizeiermittlungen zufolge hat einer der Täter mit einem gefälschten ausländischen Pass ein Schliessfach gemietet und derselbe Pass wurde auch für die Anmietung der Garage verwendet, von der aus der Tunnel zur Bank gebuddelt wurde. Die Täter verschwanden genau so, wie sie gekommen waren – ungesehen.

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Die grosse Freiheit: Ausschliesslich Suiten. Einschliesslich Meerblick.

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kolumne FRAUEN UND SCHUHE – eine Liebesgeschichte Nichts ist für Männer aufregender, als wenn eine Frau mit schönen Beinen auf atemberaubenden High Heels elegant an ihnen vorbeischwebt. Da stockt den Männern der Atem und es verschlägt manch einem sogar die Sprache. Kaum einer, der nicht noch einen zweiten Blick riskiert. Natürlich beherrschen nicht alle Frauen den Model-Gang, ein lockerer Schritt in dieser Höhe verlangt Vera Dillier Sinn für Balance. Weniger talentierte Frauen tun sich richtig schwer damit, vor allem wenn sie über Kopfsteinpflaster stöckeln müssen. Diesen würde ein Kurs in «Walking in High Heels» gut tun. Am besten bei einem wie Bruce Darnell aus der Heidi Klum Show. Keine Frau hat den Catwalk in High Heels besser drauf als er. Was für den Stier das rote Tuch des Toreros ist, ist für die Frau die rote Sohle der Schuhe von Christian Louboutin. Fasziniert stürzen sich die Frauen auf seine Kreationen. Manchmal ist es ihnen auch total egal, wenn sie dadurch das ganze Monatsbudget über den Haufen werfen – sie müssen sie einfach haben. Lieber sparen sie beim Essen, als auf die soeben entdeckten Schuhe zu verzichten. Zwar weiss die kluge Frau schon im Voraus, dass der Mann zuhause wieder ärgerlich reagieren und mit dummen Sprüchen nerven wird wie: «Du hast doch schon einige Paar schwarze, hohe Schuhe.» «Ja, aber nicht so schöne aus Lackleder mit roter Sohle». Meist kann sie diese Investition gut begründen, wenn sie leicht bekleidet mit den neuen Schuhen vor ihrem Mann herumstolziert. Und die Schuhsünde wird vergeben. Im Notfall gibt es ja auch noch die Variante, die Schuhe zuhause einzuschmuggeln, um sie dann später allenfalls als «die-habe-ich-schon-länger-Schuhe» zu präsentieren. Ein paar wenige, auserwählte Frauen haben sogar das Glück, Männer zu haben, die freiwillig in den Laden mitgehen und begeistert beim Aussuchen der passenden Schuhe helfen und dann erst noch ihre Kreditkarte zücken. Ein dankbares Lächeln genügt, und stolz geht der Mann dann mit seiner Angebeteten am Arm und der Tüte in der Hand aus dem Laden.Berühmt war die Schuhsammlung von Imelda Marcos, die mehr als 1200 Paar Schuhe besessen hatte. Später, nach ihrer Rückkehr aus dem Exil, gründete sie sogar

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ein Schuhmuseum auf den Philippinen, das neben Preziosen von anderen Prominenten mehrheitlich aus ihrer früheren Schuhsammlung bestückt ist. Seit Jahren versuche ich, es ihr gleichzutun, bin aber noch meilenweit von ihr entfernt. Die schönsten Stücke habe ich wie wertvolle Ming-Vasen in meinem Ankleidezimmer in Vitrinen ausgestellt. Mein Prunkstück ist ein Paar total mit Swarovski-Steinen bestückte High Heels, von denen im Rahmen einer Spezial-Edition gerade mal 50 Stück zu einem Preis von 4500 Franken pro Paar hergestellt worden sind; angeblich gingen davon 45 Paar nach Russland. Meine habe ich im «Sale» gefunden und diese haben nun bei mir einen Ehrenplatz. Als Kind wollte mir meine Mami beibringen, dass Schuhe nur eines sein müssen, nämlich bequem. Ich dachte anders: Wenn mir ein paar Schuhe besonders gefielen, biss ich auf die Zähnchen und behauptete, «sie sind bequem» und fühlte mich beim Verlassen des Ladens wie eine kleine Zirkusprinzessin. Nach meinem mehrjährigen Ballettstudium mit Spitzentanz waren meine Füsse so weit abgehärtet, dass ich fast in jedem Schuh gehen konnte. Das führte dazu, dass Freundinnen auf der ganzen Welt, die mit ihren neu gekauften Schuhen nicht gehen konnten, sie dann mir schenkten. Ich konnte sie alle problemlos tragen, Hauptsache, sie waren schön. Natürlich habe auch ich bequemere und flachere Schuhe. Ich brauche sie, wenn ich mit meinem Fahrrad zum Einkaufen radle. Denn Pedale und High Heels passen nicht gut zusammen. Dies musste ich schmerzhaft erfahren. Als ich mitten auf der belebten Bahnhofstrasse anhalten wollte, verkeilten sich die Pedale zwischen Absatz und Sohle so doof, dass ich umkippte wie ein Dominostein. Das war nicht nur schmerzhaft, sondern auch überaus peinlich – vor all den Leuten. Wenn Schuhe für mich dann nicht mehr so neu aussehen, nehme ich sie auf eine letzte Reise mit nach Südamerika, um damit zum Strand zu gehen und sie dort bei meiner Abreise zurückzulassen. Aber so weit kam es nie. Irgendwie fand jedes Paar dann eine neue Abnehmerin. Die neue Besitzerin hatte Freude an den Schuhen und ich freute mich, weil zuhause ein Platz frei wurde, um mir wieder ein neues Paar zu kaufen.


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Juanes

rockt

das leben Grenzen brechen

Br端cken bauen Sich selbst zu 端bertreffen, scheint seine grosse Leidenschaft zu sein. Hintergr端nde 端ber einen Mann, der die Ruhe scheut, aber die Tat liebt. Boris Jaeggi

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Penelope Sierra, Greg Lotus


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Kurzfristig war es ruhig um Juanes geworden. Selbst seine grössten Hits wie «La Camisa Negra» oder «Me Enamora» spielten nur noch höchst selten auf den Schweizer Radiostationen. Der Kolumbianer hatte sich merklich aus dem einträglichen Showbusiness zurückgezogen. Er wollte sich mehr Zeit für seine Familie nehmen, mal eine Pause machen, nachdem er seit seinem Durchbruch in den 90er Jahren ununterbrochen im Rampenlicht gestanden hatte. Doch kreative Untätigkeit war nie in der Natur des Kolumbianers mit Wohnsitz in Miami. Während seiner Abwesenheit wuchs eine gewisse Unruhe in ihm. Er war gelangweilt, fühlte sich nicht gut, wie er kürzlich erklärte.

Willkommene Abwechslung Des einen Leid ist des anderen Freud, dachte sich wohl José Tillán, Manager des spanischen Ablegers von MTV. Er erkannte die Gelegenheit und unterbreitete Juanes den Vorschlag einer Unplugged-Aufnahme. Begleitet von Cello und Piano oder einem ganzen Orchester würden im New World Symphony Center in Miami Beach ausgewählte Songs neu interpretiert werden. Zusätzlich sollten drei neue Songs eingespielt werden. Als Produzent fiel die Wahl auf Juan Luis Guerra , einen dominikanischen Musiker und mehrfachen Latin-Grammy-Gewinner und langjährigen Freund und Vorbild von Juanes. Trotz etlicher Bemühungen hat es bis dahin nie zu einer grösseren Zusammenarbeit der beiden gereicht. Aus der ungewöhnlichen Zusammenarbeit hervorgegangen ist ein feinfühliges Album, das der warmen Stimme Juanes ungewöhnlich viel Platz einräumt. Weit entfernt von synthetischer Makellosigkeit, trumpft dieses Album mit raumfüllender Klangakustik und sorgt damit für eine willkommene Abwechslung vom chartdominierenden Einheitsbrei.

Wenn Erfolg bezeichnend wird Das Album reiht sich somit in eine eindrückliche Karriere eines Menschen ein, der im Jahre 1978 erstmals das Licht erblickte. Geboren als Juan Esteban Aristizàbal Vàsquez entdeckte Juanes schon in frühen Kindheitsjahren seine Leidenschaft zur Musik. Schnell lernte er das Gitarrespielen und den Ausdruck seiner Gefühle durch die Kunst. Mit 16 Jahren gründete er die Rock-/ Metal-Band Ekhymosis, in der er sich als Songwriter, Sänger und Gitarrist stark engagierte. Vor allem in der Startphase orientierte sich der Musikstil stark an der als Vorbild geltenden US-amerikanischen Band Metallica und gewann schnell an Popularität. Insgesamt veröffentlichte die Band fünf Studioalben und wurde zur führenden Hard-Rock-Band im Heimatland Kolumbien. Für Juanes reichte der lokale Erfolg im Heimatland jedoch nicht aus. Er wollte sich musikalisch weiterentwickeln, seine Songtexte in die ganze Welt hinaustragen. 1998 verliess er seine Band und siedelte nach Los Angeles über. Gustavo Santaolalla, Produzent und mehrfacher Oscar- und GrammyGewinner, nahm Juanes unter Vertrag. Eine äusserst fruchtbare Zusammenarbeit begann. Schon im Jahr 2000 konnte das Debütalbum «Fijate Bien» dem Publikum vorgestellt werden. Die Mischung von Rock und traditionellen kolumbianischen Elementen fand in der Heimat grossen Anklang. Das Album bescherte Juanes seine ersten drei Latin-Grammy-Auszeichnungen, viele weitere würden folgen. Dennoch, der grosse internationale Durchbruch blieb vorerst aus.

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Das zweite Soloalbum «Un Dia Normal» sollte dies ändern. Der Release 2002 übertraf alle Erwartungen. 92 Wochen hielt sich die Platte in den Top Ten der «Billboard Top Latin Albums Charts», ein neuer Rekord. An den Latin Grammy Awards 2003 ging er mit fünf Auszeichnungen als grosser Sieger hervor. Seine Single «A Dios Le Pido» erreichte in zwölf Ländern die Spitze der Single Charts.

Durchbruch auch in Europa Nur zwei Jahre später veröffentlichte Juanes sein drittes Soloalbum «Mi Sangre», welches gleich auf Platz eins der «Billboard Top Latin Albums Charts» einstieg. Es folgten 170 Konzerte in 31 verschiedenen Ländern in nur gerade 19 Monaten. Mit der Hitsingle «La Camisa Negra» gelang Juanes der langersehnte europäische Durchbruch. Die wachsende Popularität rief jedoch auch erstmals Populisten auf den Plan. Italienische Neo-Faschisten brachten den Songtitel mit den Schwarzhemden Mussolinis in Verbindung, wovon sich Juanes unverzüglich distanzierte. «La Vida… es un ratico» wurde zum aufwändigsten Release in der Geschichte spanischsprachiger Künstler. Das vierte Soloalbum kam am 23. Oktober 2007 in 77 Ländern gleichzeitig in die Plattenläden. Es wurde im Jahr 2008 zum meistverkauften Latin Album im iTunes Store. Kritiker waren voll des Lobes. Der Opening Track «Me Enamora» behauptete sich 20 Wochen auf Platz 1 der «Hot Latin Song Charts». Juanes übertraf sich selbst und alle Erwartungen einmal mehr. 2010 schliesslich folgte das Album «P.A.R.C.E.», welches an den Erfolg vorangegangener Alben anknüpften konnte.

Der Mensch hinter den Zahlen Doch während sich so mancher Prominente mit einem derart grossen Erfolg zufrieden gibt, verfolgt Juanes weit grössere Ziele als all diejenigen, welche sich nur durch nackte Zahlen beschreiben lassen. Betroffen durch das Leid, das die weite Verbreitung von Landminen in Kolumbien verursacht, gründete Juanes bereits 2006 die Stiftung «Mi Sangre». Damit nahm er eine Verantwortung wahr, die in seiner Pflicht stand, wie er im PRESTIGE-Interview erklärte: «Wenn ich die Nachrichten anschaue, kann ich nicht verstehen, warum Menschen, die die Möglichkeiten haben, etwas zu verändern, das nicht tun. Ich könnte ein ruhiges Leben führen … Aber es gibt mehr, was man mit und über die Musik bewegen kann …» Die Stiftung «Mi Sangre» gilt als führend im Kampf gegen Landminen, und das nicht nur in Kolumbien, sondern weltweit. Neben der Unterstützung und Rehabilitation der Landminenopfer hat sich die Stiftung in ihrer Entwicklung immer neue Ziele gesetzt. Durch Kunst soll den jungen Menschen ein Weg aufgezeigt werden, Gefühle ohne physische Gewalt auszudrücken. Sie sei als Kommunikationsmittel ideal, um zwischen Konfliktparteien einen Austausch zu fördern und die Toleranz und Akzeptanz zu erhöhen. Kunst als Selbstverwirklichung schenkt den jungen Menschen zudem das nötige Selbstbewusstsein, um in der eigenen Mikrowelt erfolgreich als Peacebuilder agieren zu können. Die Stiftung ist seit gut vier Jahren unter der ehrenamtlichen Leitung des Unternehmensberaters und Buchautors Bernhard Bauhofer auch in der Schweiz vertreten.

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Engagement statt Passivität Im Zusammenhang mit seinem Kampf gegen Landminen und deren Folgen durfte Juanes 2006, als erster Musiker überhaupt vor dem EU-Parlament im Plenarsaal auftreten. In einer bewegenden Ansprache bat er das EU-Parlament, Kolumbien finanziell im Kampf gegen den Drogenhandel und der damit verbundenen bewaffneten Kämpfe zu unterstützen. Kolumbien könne dieses Problem nicht alleine lösen. Es mangle auf allen Ebenen an Mitteln, um all die Rechnungen eines Krieges zu bezahlen, welcher die ganze Welt betreffe, erklärte er. Das Parlament zeigte sich sichtlich beeindruckt. Die Bemühungen Juanes zahlten sich wortwörtlich aus. Er durfte einen Scheck von 2,5 Millionen Euro für sein Heimatland entgegennehmen. Zusätzlich zu seinen Bemühungen, sozialen Missständen in Kolumbien entgegenzuwirken, zeigt sich Juanes gerne als weltweiter Konfliktvermittler und Friedensbotschafter. Er wird zu den Gründungsmitgliedern und Mitorganisatoren der Konzertreihen «Paz Sin Fronteras» (Frieden ohne Grenzen) gezählt. In nur einer Woche organisierte er als Reaktion auf die wachsenden Spannungen an den Grenzen zwischen Kolumbien und Venezuela

sein erstes Friedenskonzert. Über 200’000 Fans versammelten sich vor der Konzertbühne, um mit Juanes der Bitte für Frieden in der Region Nachdruck zu verleihen.

Unmöglich ist nicht unmöglich Um ein Vielfaches grösser zeigte sich Juanes zweites «Paz Sin Fronteras»Konzert. Über Monate wurde das Konzert unter einem enormen bürokratischen Aufwand geplant. Mehrfach stand es auf der Kippe, doch Juanes zeigte Durchhaltewillen und sprengte schliesslich alle Grenzen. Am 20. September 2009, dem «International Day of Peace» der Vereinten Nationen, wurde in Havanna (Kuba) Geschichte geschrieben. Rekordverdächtige 1,2 Millionen Kubaner strömten auf den Platz der Revolution, um der Musik von Juanes und 14 weiteren Musikern zu lauschen. Ein gigantischer Auflauf internationaler Medien berichtete live aus Havanna über das Grossereignis, welches Juanes und seine Bühnenpartner aus eigener Tasche finanzierten. Die Begeisterung war riesig und das mediale Echo positiv. Es ist deshalb auch verständlich, dass Juanes immer wieder für sein Engagement ausgezeichnet wird. In Frankreich wurde er von der Regierung zum Ritter geschlagen und gehört seither dem «Ordre des Arts et des Lettres» an. 2008 wurde er von der «Organization of American States» zum «Humanitarian of the Year» gewählt. Jüngst durfte er den Peace Prize seines Heimatlandes Kolumbien entgegennehmen. Dennoch, Juanes ist nicht der Mann, der um Titel und Auszeichnungen buhlt. Sich selbst bleiben, für die Welt tun, was man kann, das steht in seinem Zentrum. Mit der Musik hat Juanes sein persönliches Mittel gefunden, das vielen physischen Waffen im Kampf für den Frieden weit überlegen ist.

SHORTCUT Grammy & Sandy Zum 13. Mal wurden am 15. November 2012 die Latin Grammy Awards in Las Vegas, Nevada vergeben. Die Auszeichnungen «Album of the Year» und «Best Long Form Music Video» gingen dabei an Juanes. Damit gehört der Kolumbianer mit insgesamt 19 Auszeichnungen zu den Latin-Grammy-Rekordhaltern. Juan Luis Guerra, mit sechs Nominationen als Favorit in den Abend gestartet, holte sich ebenfalls zwei Preise, darunter die Auszeichnung «Producer of the Year» für das siegreiche Album «MTV Unplugged» seines Freundes Juanes. Während Juanes bei seinem ausverkauften Konzert an der AVO Session in Basel Ende Oktober sein Album einem begeisterten Schweizer Publikum vorstellt, bringt der verheerende Hurrican Sandy Tod und Verwüstung über die Karibik und die Ostküste der USA. Juanes und Juan Luis Guerra drückten auch ihr Mitgefühl gegenüber den Opfern des Hurricans Sandy aus und haben alle Einkünfte aus dem Ticketverkauf ihres Konzertes in New York vom 24. November gespendet.

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Erweitern Sie Ihren Wohnraum. Die rahmenlosen Schiebefenster von Sky-Frame gehen schwellenlos in ihre Umgebung über. So lässt sich nur schwer sagen, wo die Aussicht anfängt und der Innenraum aufhört. www.sky-frame.ch The Luxury Way of Life | 79


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Fotograf Philipp Jeker | www.philippjeker.com Styling Claudia Bonorand Hair & Make Pablo K端min Model Julia @ Visage Assistant Torvioll Jashari

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Die sechs FashionSchritte

zum erfolg Mit Stil durchs Leben Valeska Jansen

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Wer denkt: «Die Hülle macht’s», der irrt. Kein Luxus-Fashion Label ist in der Lage, nur durch seinen Namen das Wunsch-Image zu vermitteln. Tatsächlich sind es insgesamt sechs Faktoren, die für ein perfektes Gesamtbild sorgen. Hier reicht ein gefüllter Geldbeutel alleine nicht aus. Gewusst wie, heisst das Geheimnis. Dass Geld nicht gleich guter Geschmack bedeutet, wird leider oft bewiesen. Und wer denkt, mit einem bekannten Namen im Rücken (gemeint ist das Modelabel im Kleidungsstück) bereits alles richtig zu machen, täuscht sich oft selbst. Was nutzt das CC für Coco Chanel auf den Blazerknöpfen, wenn die Farbgebung des edlen Tuchs nicht zum Typ passt. Wobei wir schon beim ersten und wohl auch erklärungsbedürftigstem Erfolgsfaktor wären: der Farbe.

Die richtige Farbe macht’s Bereits seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es die sogenannten Farbtypen, wonach die Bestimmung sich an der Hautfarbe des einzelnen Menschen orientiert. Unterteilt in eine warmtönige Hautfarbe oder in eine kalttönige, wurde bisher jeder einzelne in die Kategorie Frühlingstyp und Herbsttyp (warme Hauttönung) oder in Sommertyp und Wintertyp (kalte Hauttönung) unterschieden. Passend waren die vier Jahreszeiten vor allem wegen der mit ihnen in Verbindung gebrachten vorherrschenden Farben, wie z.B. Orange und Brauntöne für den Herbsttyp. Auch die natürliche Haarfarbe spielte dabei eine grosse Rolle. So wird der Frühlingstyp als «heller» Typ bezeichnet, mit blonden Haaren mit goldenen bis rötlichen Reflexen.

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Nachlässigkeit ist etwas Unschönes. Es sei denn, sie ist bravourös inszeniert. John Galliano

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Farblehre aus der Kunst Das Jahreszeitenfarbkonzept wurde bereits in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts von den Künstlern Johannes Itten und Manfred Munsell entwickelt. Der Schweizer Maler Itten stellte fest, dass seine Studenten immer die besten Arbeiten lieferten, wenn sie mit den Farben ihrer Wahl arbeiten durften. Er stellte eine Verbindung zwischen den Farben, mit denen sie malten, und denen, die sie an Kleidung trugen. Seine Theorie verbreitete sich schnell in den Künstlerkreisen und gelangte so auch bis nach Amerika. Dies gab dann auch den Anstoss, dass die Fashion Academy in Los Angeles das Jahreszeitenkonzept für Bekleidung entwickelte. Auch der amerikanische Maler Alfred Munsell führte Anfang des 19. Jahrhunderts ein Farbsystem ein. Es unterteilte Farben in drei Charakteristika: Unterton, Tiefe und Klarheit. Dieses System ist weltweit das am meisten akzeptierte und wird auch von den Industrien genutzt. 1986 wurde das MunsellSystem weiterentwickelt und vermählte sich sozusagen mit der Theorie Ittens.

Promis schwören auf Farbe und Wirkung Heute unterscheidet man bereits bis zu 24 verschiedene Farbtypen. Colour me Beautiful, Europas führende Image-Beratungs-Gesellschaft, verfeinert die Farbtypenauswahl seit über 30 Jahren und viele VIPs nutzen den Service der Farbtypbestimmung: Nicole Kidman, Elizabeth Hurley, Julia Roberts, Catherine Deneuve und Michelle Obama wissen immer ganz genau, welche Farben sie erfolgreich unterstützen.

Mit der richtigen Mode zum authentischen Gesamtbild Nach der Farbe kommt der Stil. Mode sollte im günstigsten Fall den eigenen Charakter unterstreichen oder sogar hervorheben. Der Wohlfühlfaktor spielt hier eine grosse Rolle. Viele Menschen orientieren sich an Vorbildern oder Idolen. Oft handelt es sich dann um Popsternchen, Schauspieler oder Supermodels. Um nicht verkleidet zu wirken, sollte man allerdings seinen individuellen Stil finden. Wer eine gute Freundin oder Freund hat, kann hier die richtige Unterstützung finden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine Typberatung aufsuchen. Denn auch Muster und Stoffarten, Schnittführung passend zur Figur, spielen eine grosse Rolle. Die richtigen Accessoires unterstreichen und oder setzen Akzente. «Ich habe sehr viele Menschen, welche sehr modeinteressiert sind, aber mehr aus sich machen möchten. In das eigene ICH investieren und den nötigen Pfiff oder das gewisse «Etwas» in ihrer Persönlichkeit suchen, für ein authentisches, stilvolles Gesamtbild – für ihr erfolgreiches Auftreten», erklärt Nicole Martin, Inhaberin der einzigen Image- und Persönlichkeitsentwicklungs-Firma, welche die sechs Erfolgselemente als einmaliges System definiert hat (L’Adresse in Thalwil bei Zürich) nach dem Prinzip der Lehren von Colour me Beautiful.

Über das gepflegte Äussere Der dritte Faktor ist die Pflege: Der falsche Haarschnitt, eine ungepflegte Haut oder unästhetische Fingernägel können den Gesamteindruck massgeblich bestimmen. Dazu gehören regelmässige Coiffeurbesuche, eine gute Gesichtspflege, regelmässige Maniküre und Pediküre.

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Knigge lebt Faktor vier: das Benehmen! Nun kommt Herr Knigge ins Spiel. Und auch wenn der gute Herr schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, viele von ihm aufgestellte Regeln sind bis heute nicht aus der Mode gekommen. Perfekt gekleidet, gut frisiert und schön gepflegt helfen alle nicht, wenn beim BusinessLunch geschmatzt oder mit vollem Mund gesprochen wird.

Weniger ist oft mehr Der fünfte Faktor passiert im Unterbewusstsein: der Geruch entscheidet mit über Wohlwollen oder Ablehnung. Es ist hier nicht von der persönlichen Duftvorliebe die Rede. Es geht ums Zuviel. In den USA gibt es Restaurants, in denen die Gäste kein Parfum tragen dürfen. Die Begründung: Parfums sollen die Tischnachbarn nicht irritieren und von den erlesenen Speisen ablenken. Das ist vielleicht ein bisschen extrem, weckt aber trotzdem bei denjenigen Verständnis, die bereits einmal in einem Aufzug mit einem extrem Duft verströmenden Menschen gefahren sind. Die berühmte Duftwolke, egal wie fantastisch man vielleicht selber den

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Duft empfindet, ist ein absolutes No-Go. Dezent und dem Anlass angepasst, ist hier immer die richtige Devise.

Fünf Schritte für mehr Selbstsicherheit Der sechste und letzte Faktor ist im günstigsten Fall das Resultat von Faktor eins bis fünf: «Selbstbewusstsein». Wer sich seiner sicher ist, weckt beim Gegenüber das Gefühl von Kompetenz. Er wird akzeptiert und respektiert. Wie man alle sechs Schritte zum Erfolg am besten umsetzt, ob mit oder ohne professionelle Unterstützung, muss jeder für sich selbst entscheiden. Doch wer weiss, wie er sein Gesamtbild positiv in Szene setzen kann, hat sicher oft grössere Chancen, seine Ziele zu erreichen.


SHORTCUT Diamond Birkin Der Traum einer jeden Frau – die Birkin Bag. Benannt wurde die Tasche einst nach der Schauspielerin Jane Birkin. Heute gehört sie zu den begehrtesten Handtaschen der Welt. Nicht nur die hohe Qualität der Materialien, sondern vor allem die Verknappungsstrategie weckt Begehrlichkeiten. Da die Produktion schwierig und langwierig ist, werden nur wenige Taschen hergestellt. Eine der teuersten Handtaschen der Welt wurde für umgerechnet 152’000 Euro versteigert. Es handelte sich dabei um die rubinrote Sonderanfertigung «Diamond Birkin» aus dem Hause Hermès, welche man so im Laden nicht kaufen kann. Die Spezialanfertigung wurde statt aus Kalbsleder aus dem schwer zu verarbeitenden Leder des Leistenkrokodils gefertigt. Die Beschläge sind aus 18-Karat-Weissgold.

Dem Himmel näher Der Schuhgott Louboutin kreierte die höchsten Schuhe der Welt. Lange Zeit waren die 14-Zentimeter-Skyscraper-Stilettos das Nonplusultra für alle, die hoch hinaus wollen. Sie galten als grösste Herausforderung für Frauenfüsse. Der britische Schuh-Designer Christian Louboutin entwarf jedoch die höchsten High Heels der Welt mit einem 20-Zentimeter-Absatz. Über und über mit Swarovski-Steinen besetzt, erinnern sie an die Schuhe einer Primaballerina. Dementsprechend kamen sie auch für einen guten Zweck unter den Hammer und der Erlös kam dem English National Ballet zugute. Spitzenschuhe für Spitzentänzer, die sie im wahrsten Sinne des Wortes dem Himmel ein bisschen näher bringen.

Edel verschnürt Von LeVer Couture stammt die momentan teuerste Korsage der Welt. Sie ist mit 41’000 SwarovskiKristallen besetzt und leuchtet und glitzert wie nichts. Sie kostet circa 12’000 Franken. Hinter dem Label LeVer Couture steckt die Designerin Lessja Verlingieri. Der gerade mal 26 Jahre jungen Designerin gelang es, durch diese Korsage enormes Aufsehen zu erlangen. Die Jungdesignerin entwirft edles Design und verarbeitet darin hochwertige Stoffe wie Swarovski crystallized oder Jakob-Schlepfer-Stoffe. Sie bringt Leuchten und Glitzern in die Modewelt. Was ihre Roben fast schon majestätisch wirken lässt.

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kolumne Macht ausgefallene Kleidung ausgefallene Menschen? Angeblich sollen Kleider Leute machen. Das heisst, dass sich der Mensch durch seine Kleidung – durch seine äussere Schale – identifiziert. Es ist uns ein Bedürfnis, unsere Persönlichkeit durch unsere Kleidung auszudrücken. Zudem ist es uns ein Bedürfnis, bei den Mitmenschen gut anzukommen. Wir wollen geliebt werden, gemocht werden. Wir wollen Freunde, die zu uns und Gabriel Palacios hinter uns stehen. Wir wollen Verbündete und wollen uns Sicherheit schaffen – Sicherheit durch unser soziales Umfeld. Sicherheit durch die Gewissheit, dass wir erwünscht sind. Sicherheit, gemocht und geliebt zu werden. Um diese zu erlangen, haben wir ein Bedürfnis, unsere Persönlichkeit, unsere Charaktereigenschaften mit allen möglichen Mitteln zu kommunizieren. Wir haben einen eigenen Schreibstil. Wir haben eine eigene Art zu sprechen; zu artikulieren. Wir haben eine eigene Art zu streiten. Und genauso eine eigene Art, unsere Liebe auszudrücken. Wir drücken unsere Persönlichkeit mit all unseren Sinnen aus. Wir haben einen eigenen Duft, eine eigene Art zu sprechen und einen eigenen optischen Stil. Wir pflegen es, in unserer Kleidung unseren Charakter einzubinden – und Körper und Geist in Szene zu setzen. Denn alsbald wir einen Fuss ausser Haus setzen, sind wir den Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt. Eine Öffentlichkeit, die sich nach Werten und Normen orientiert. Eine Öffentlichkeit, die Menschen in kurzen Hosen bei -15 Grad Celsius als durchgeknallt bezeichnet; Menschen in extravaganten, knallig-prallen Farben aus der Menge herausstechen lässt. Es ist ein evolutionsbedingtes Bedürfnis des Menschen, aus der Menge herausragen zu wollen; beruflich wie privat. Bei den einen eher auf beruflicher Ebene, bei den anderen eher in privater Hinsicht. Der Erfolg sämtlicher Castingshows bestätigt die These, dass der Drang nach Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit in unseren Genen steckt.

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Als Teilnehmer einer Castingshow wollen wir aus der Masse herausragen. Wir wollen durch unsere Individualität überzeugen. Wir wollen Ruhm und Aufmerksamkeit. Doch weshalb haben die Zuschauer vor den Fernsehern das Bedürfnis, anderen Menschen im Konkurrenzkampf um einen Funken Aufmerksamkeit zuzusehen? Auch hier liegt die Erklärung auf der Hand: Wir Menschen bevorzugen Menschen, die authentisch sind. Menschen, die echt und sich selbst sind. Bei diesen Menschen ist die Gefahr am geringsten, enttäuscht zu werden, da sie durch ihre authentische Art Vertrauen herbeiführen. Es ist uns also ein Vergnügen, diversen Individuen bei deren authentischer Entfaltung zuzuschauen. Folglich ist das einzig Korrekte, was Sie tun können, sich so zu kleiden, wie Sie sich wohl fühlen – sich so zu kleiden, wie Sie sich Sie selbst fühlen und Ihre Persönlichkeit richtig in Ihrer Schale präsentieren und entfalten können. Selbstverständlich gibt es Anlässe, zu welchen man den eigenen Kleidungsstil dem ausformulierten oder unausgesprochenen, aber selbstverständlichen Dresscode anpassen muss. Doch solange die Norm zu einem Dresscode nicht besteht, gebe ich Ihnen den Tipp: Kleiden Sie sich so, wie Sie sich gefallen – so, wie Sie Sie selbst sein können. Es ist also verständlich, dass ausgefallene Kleidung einen ausgefallenen Menschen authentisch in seinem Charakter und in seiner Persönlichkeit repräsentiert. Sind Sie aber von Grund auf keine ausgefallene, extrovertierte, flippige Persönlichkeit und wollen sich zugleich ausgefallen kleiden, nur um aufzufallen, so werden Sie sich garantiert in der entsprechenden Kleidung nicht authentisch geben. Genauso, wenn sich flippige Menschen einem «langweiligen» Dresscode fügen müssen. Bleiben Sie Sie selbst. Lassen Sie die Möglichkeit zu, dass Fashion Ihre Persönlichkeit unterstreicht.


Rubriken

PRESENTS

JUST AN

ORDINARY

DAY by Gianni Pisano

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Miu Miu Maurice Lacroix 90 | PRESTIGE


The Luxury Way of Life | 91


D&G Patek Philippe

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Prada T端rler T端rler Uhren & Juwelen


Fashion

D&G Parmigiani 94 | PRESTIGE


Fashion

The Luxury Way of Life | 95


Fashion

Yves Saint Laurent Montblanc

YSL by Trois Pommes Z端rich | Montblanc

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Tom Brown Girard-Perregaux Tom Brown by Trois Pommes Z端rich

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Fashion

Hugo Boss Hublot LOUIS XIII Hublot by Beyer Uhren & Juwelen

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Pucci Chopard Pucci by Trois Pommes Z端rich

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Lavin Arnold&Son Trois Pommes Z端rich | Meister Z端rich

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Fashion

Ala誰a Meister Silber

Ala誰a by Trois Pommes Z端rich

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Miu Miu Cartier The Luxury Way of Life | 103


Fashion

Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode. Karl Lagerfeld

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SuitArt Carl F. Bucherer The Luxury Way of Life | 105


Alexander Mc Queen Bucherer

Trois Pommes Z端rich | Bucherer Uhren & Schmuck

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the end to be continued ‌

Fotograf Gianni Pisano Produktion Lina Baumann, buero-buero.ch Stylist Aita Sulser Hair & Make Up Chrissie Moissl 1st Assistant Jakobe Karte Models Kat P. & Lea T. Special Thanks to Laura Amanzi & the Park Hyatt Zurich

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männer

iI i

ahoi

iv iIi vi i Brioni iI Scotch & Soda iII Strellson iV Etro V Salvatore Ferragamo Vi Hermès ViI Bally

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v vii


ix

viii xi x xii ViIi Scabal ix Scotch & Soda x Bugatti xi Hublot xii Luis Trenker xiii Salvatore Ferragamo

xiii The Luxury Way of Life | 109


fashion

show paris

2013

spring-summer

By Nathalie Brouillac

Lanvin

Valentino

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Kenzo

Christian Dior

John Galliano


Hermès

Chanel

Akris

Jean Paul Gaultier

Miu Miu

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«Egal, ob ich verheiratet war oder nicht,

Biba and

ich wollte immer unabhängig sein.» Ihre ausgefallenen und revolutionären Kreationen im modetechnisch

Beyond

verstaubt-konservativen England erobern nicht nur die Körper der Frauen, sondern erwecken ein neues Lebensgefühl. Barbara Hulanicki Helena Ugrenovic


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B

Biba wird zu einer Bewegung in den Londoner Swinging Sixties. Sonny and Cher, Yoko Ono, Mick Jagger, Prinzessin Anne, Mia Farrow, Twiggy und Brigitte Bardot verehren den unverkennbaren, mit Hollywood-Glamour aufgepeppten viktorianischen Stil der ModeIkone Barbara Hulanicki. Die 1936 in Warschau geborene Barbara Hulanicki geniesst als junges Mädchen das privilegierte Leben als Tochter eines Diplomaten in Palästina, der zwischen Arabern und Juden vermittelte. Nach der brutalen Ermordung ihres Vaters 1948 durch die Stern-Bande flieht die Familie nach England und lässt sich in der Küstenstadt Brighton nieder, wo sie von Barbaras Tante finanziell unterstützt wird. Barbara lehnt sich gegen das strenge Regiment des familiären Financiers auf, die so gar nicht in die schon immer etwas verrückte und quirlige Stadt am Meer passt. Barbara Hulanicki rebelliert gegen ihre autoritäre Tante, die damit den grössten Einfluss auf die Frau mit den unverkennbar geschminkten Augen haben wird. In den frühen 60er Jahren arbeitet Barbara als Freelance Fashion Designer und illustriert Publikationen für die britische «Vogue», «The Times», «The Observer» und «The Sunday Times».

Der Stoff, aus dem die Träume sind Die Erfolgsgeschichte von Biba ähnelt einem Hollywoodfilm. Ein Ehemann und seine Ehefrau, Barbara Hulanicki und ihr Partner Stephen Fitz-Simon (Fitz), den sie 1961 geheiratet hat, eröffnen entgegen allen guten Tipps und Ratschlägen ihres Umfelds den Kleiderversand «Biba’s Postal Boutique». Barbara entwirft die Stoffe und Modelle, während Fitz sich um die administrativen Belange kümmert. 1964 wird das produktive Ehepaar von Felicity Green, der Modejournalistin des «Daily Mirror», dazu eingeladen, ein Designer-Kleidungsstück zu entwerfen. Von Brigitte Bardot inspiriert, kreiert Barbara ein karogemustertes, rosafarbenes Kleid mit einer Öffnung am Nacken und passendem Kopftuch. Das Outfit schlägt ein wie eine Bombe und 17’000 Stück werden verkauft. Mit dem Verkaufserlös eröffnet das Power-Ehepaar eine Ladenlokalität, die zur angesagtesten Ikone der 60er und 70er Jahre in London und zum Treffpunkt für Künstler, Schauspieler und Rockstars wie Mick Jagger and the Rolling Stones, David Bowie und Marianne Faithfull wird. «Mit Fitz war alles total anders. Er liess nicht zu, dass ich mich verwundbar fühlte. Mit ihm baute ich meine Stärke aus. Er lehrte mich, dass ich auch in jedem emotionalen Augenblick rational sein konnte, ohne mich deswegen schuldig zu fühlen. Er hämmerte mir ein, dass ich niemals in eine Situation geraten soll, in der ich glaubte, falsch zu liegen. Ich sollte fühlen, im Recht zu sein und dass alle anderen falsch liegen … mit Fitz konnte ich mich mit meiner Arbeit vorwärts bewegen. Für ihn war ich immer im Recht und niemand sollte mein Urteilsvermögen untergraben.» (Barbara Hulanicki 1983)

Swinging London Der erste Biba Shop ist ein kleiner Laden in der Abingdon Road, den Barbara selber einrichtet und mit schwarzweissen Böden auslegt, die Wände marineblau streicht und die Originaleinrichtung so belässt, wie sie ist. Die Lichter im Laden sind gedämpft und die Musik laut. Das Logo «Biba’s Postal Boutique» hängt über dem Laden. Cathy McGowan, eine britische Fernsehreporterin und Journalistin, ist ein früher Biba-Fan. Die jungen Mädchen, die sie Freitagabend während ihrer Pop-Show in den speziellen Outfits von Barbara Hulanicki im Fernsehen sehen, stürmen am Samstagmorgen den Biba-Laden,

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Coral Sands Hotel | Bahamas

um das gleiche Kleid zu kaufen. Barbaras Kleider sind in den Farbtönen Lila, Rostrot, Schwarz und Pflaume gehalten, die Formen schlicht, aber stylish und auf die jüngere Generation angepasst. Biba ist ein Teil des «Swinging London» und zieht Touristen und Berühmtheiten aus der ganzen Welt an. Barbara Hulanicki beschreibt den Verkauf ihres ersten Minirocks: «Er war aus Stretch-Material und ich war am Rande eines Herzinfarkts. Die Röcke waren gerade mal 25 Zentimeter lang und ich dachte, oh Gott, wir werden hochgehen, wir werden niemals im Leben in der Lage sein, auch nur ein einziges Stück davon zu verkaufen! Ich konnte nicht schlafen, aber dieses kleine Stück Stoff verliess schneller den Laden, als wir es auf einen Verkaufsständer legen konnten.»

Stairways to Heaven 1968 eröffnet Biba einen neuen Versandhandel mit einer noch nie zuvor dagewesenen Katalogpräsentation. John McConnel entwirft eine Publikation, die den Spirit und das Ethos von Biba perfekt einfängt. Nur acht Kleidungsstücke werden auserwählt, doch die werden mit fantastischen Fotoaufnahmen von hochkarätigen Fotografen wie Helmut Newton, Sarah Moon und Donald Silverstein präsentiert.

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Mit dem Umzug in die Kensington High Street 120 expandiert Biba erneut. Der Laden ist neunmal grösser als der vorherige. Frauenkleider bilden das Hauptkerngeschäft, Inneneinrichtungen, Herren- und Kinderbekleidung, Kosmetika und allerlei sonstige von Barbara entworfene Stücke wandern über den Verkaufstresen. Die Inneneinrichtung ist genauso spektakulär wie Barbara Hulanicki und ihre Werke. Ägyptische Säulen der 1920er Jahre auf einem hellen, luftigen Marmorboden; die Umkleidekabinen erstrahlen in Hollywood-Glamour und die Kinderabteilung sieht aus wie eine Märchenlandschaft. Über 100’000 Menschen strömen wöchentlich in den Laden. 1970 erscheint das Biba Make-up mit seinen dramatischen Farbtönen in Schoko, Pflaume, Brombeere und Schwarz und wird in den Läden von Dorothy Perkins erstmals verkauft. Ein Jahr später werden die Produkte bei Au Printemps in Paris, Fiorucci in Mailand und Bloomingdales in New York eingeführt.


Photo: Tessa Hallmann © Royal Pavilion & Museum

Fashion

Die Eröffnung von Biba im Derry&Toms Building, 99-117 Kensington High Street, einem Einkaufszentrum, das aus sechs Läden besteht und gleichzeitig eine extraordinäre Life-Style-Erfahrung bietet, erfolgt im Jahr 1973. Die Erlebnis-Insel ist bis ins Detail liebevoll renoviert und restauriert, mit einer Mischung aus Art Nouveau, Art déco, Hollywood-Glamour, viktorianischem Stil und Pop-Art. Der Laden verkauft von gebackenen Bohnen bis Babyfläschchen, Fashion bis Einrichtungsgegenständen alles nur Erdenkliche. Käufer können auf der Dachterrasse, auf der Flamingos leben, Cocktails trinken oder im Regenbogen-Restaurant bei Live-Musik und Bands wie «The New York Dolls», «Cockney Rebel», «Liberace» oder den «Bay City Rollers» schlemmen. Das populäre Einkaufszentrum ist jedoch nicht nur eine Attraktion für die kaufkräftige Bevölkerungsschicht, sondern für jedermann, da die Preise moderat und teilweise sogar niedrig gehalten sind.

Barbara Hulanicki Beyond Biba Nachdem die Geschäfte von Barbara und Fitz nicht mehr so gut laufen, verlassen sie im Oktober 1974 Biba. Doch sechs Jahre später ist Barbara Hulanicki wieder zurück und eröffnet eine Serie von Boutiquen, führt eine Makeup-Linie unter ihrem Namen ein mit Läden in der Holland Park Avenue und Regent Street. Die Kreativität, die wie ein Wasserfall in und aus Barbaras Kopf und Seele sprudelt, lässt sie Fashion-Fotografien für den «London Evening Standard» produzieren, das Hochzeitskleid von Sarah Ferguson illustrieren und 1983 ihre Memoiren «From A to Biba» schreiben. Als sie 1987 nach Miami reist, erfindet sie sich neu, diesmal als Designerin für Innen- und Ausseneinrichtungen in Miamis Art Deco District. Sie beginnt mit dem «Woodyʼs on the Beach»-Projekt, das sie 1987 für Ron Wood von den Rolling Stones erschafft, und kreiert eine ganze Serie von Restaurants, Nachtclubs und Super-Clubs wie das «Whoʼs in the Grove», «Sempers», «Match Club» und das «Bolero Restaurant». Von 1992 bis 1997 arbeitet sie für Gloria und Emilio Estefan und entwirft das Innendesign für ihre Aufnahmestudios, das «Cardozo Hotel» am Ocean Drive, ihr Privathaus auf Star Island und die Kostüme für das Musikvideo «Mi Buen Amor». Barbara Hulanicki gestaltet das «Compass Point Hotel and Beach Resort for Blackwell» in Nassau auf den Bahamas, entwirft eine Taschenkollektion für die italienische Luxusmarke «Coccinelle», entwirft Luxusprojekte für Privatpersonen auf Palm Island and Di Lido Island in Miami, entwirft Tapeten und Illustrationen für «Graham and Brown». 2011 wird Barbara Hulanicki in New York für ihren aussergewöhnlichen Beitrag in der Modewelt mit dem «Global Fashion Award» ausgezeichnet.

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2013 By Nathalie Brouillac

Gucci

Bottega Veneta

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Dolce & Gabbana

Etro

Prada


Versace

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Roberto Cavalli

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Rubriken

foto strecke agent provoca 120 | PRESTIGE


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Fashion

Finest

Lingerie

ateur Photographer Alex Urosevic Styling Yvonne Reichmuth Hair & Make up brigitteaeschbach.ch mit Produkten von NARS Model Zuzana J.

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Rubriken

Corset Agent Provocateur Ring Versace by bloom’s

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Bra / High Waist Panties / Stockings / CUFF Agent Provocateur Leatherharness YVY | Both Bracelets Hermès

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Fashion

Bra / Suspender / Brief / Stockings Agent Provocateur | Gaiters (worn over shoulder) Wolford Necklace / Ring Cartier | Arm warmer / gloves vintage | Pumps Christian Louboutin

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Rubriken

Babydoll Agent Provocateur | Bra + Slip Wolford | Necklace Hoss Intropia Bracelet + Earrings Cartier | Gloves vintage

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Rubriken

Dress Agent Provocateur | Bra / High Waist Panties Wolford Leatherbelt YVY | Both Bracelets: Hermès

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Shapebody / Bra / Thong / Skirt Wolford | Necklace / Ring Cartier Earrings Carmen Cita Jones by bloom’s

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milano spring-summer

2013 By Nathalie Brouillac

Versace

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Ermenegildo Zegna


John Richmond

Etro

Salvatore Ferragamo

Giorgio Armani

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fever

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WATCHES & JEweLLERY

Genfer Uhrensalon

2013 Vielfalt bestimmt

das Geschehen Gisbert L. Brunner

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Darf es etwas mehr sein? Und das tunlichst auch noch limitiert? Diese Frage kann man sich zu Recht stellen beim Blick auf jene Neuigkeiten, welche das Uhrenjahr 2013 anspruchsvollen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen bescheren wird. Mehr im Hinblick auf die Funktionen, mehr beispielsweise aber auch bezogen aufs Zifferblatt. Letzteres trägt bekanntermassen rund achtzig Prozent zum Gesamteindruck einer Armbanduhr bei. Kein Wunder, dass designbewusste Uhrenmarken ein besonderes Augenmerk auf das Gesicht ihrer Zeitmesser legen. Dreidimensionalität und die Vereinigung ganz unterschiedlicher Handwerkskünste geniessen heute einen hohen Stellenwert. Auf der anderen Seite setzen Hersteller auch ganz bewusst auf Reduktion. Drei Zeiger vor einem eher schlichten, aber

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dennoch liebevoll ausgeführten Zifferblatt: Das lieben beispielsweise die Kunden im Reich der Mitte. Apropos: Schiere Grösse wird dort eher klein geschrieben. Deshalb normalisieren sich zunehmend die Gehäusedurchmesser. Winzig, also 34, 35 oder 36 Millimeter für Herren, das wird wohl so schnell nicht mehr kommen. Solche Dimensionen haben die Damen nun für sich gepachtet. Aber das Spektrum zwischen 38 und 42 Millimeter gewinnt auch bei Männern zunehmend an Bedeutung. Und klassischer Retrolook wird auch weiterhin seine Position am heissumkämpften Jahrmarkt der chronometrischen Eitelkeiten behalten. Kurzum: Die Luxusuhrenbranche bietet vielen etwas, wie der Genfer Uhrensalon SIHH Ende Januar eindrucksvoll belegte. Freilich muss man sich das alles irgendwie auch leisten können.


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Clifton von Baume & Mercier Erinnerungen an die Zukunft weckt Baume & Mercier mit seiner neuesten Uhrenlinie «Clifton». Deren Vorbild stammt, wie sich unschwer erkennen lässt, aus den 1950er Jahren. Insofern passt der schnörkellose Look mit drei Zeigern und Fensterdatum perfekt zu dem, was sich Uhrenliebhaber im Reich der Mitte wünschen. Europäer werden hingegen das nostalgiebetonte Outfit schätzen. Das neue

mit tradiertem Hintergrund liefert Baume & Mercier in unterschiedlichen Versionen, angefangen beim stählernen Einsteigermodell mit dem Automatikkaliber SW 260 von Sellita, Durchmesser 41 Millimeter bis hin zur massivgoldenen, 42 Millimeter grossen «Clifton», in der das deutlich exklusivere Zwei-Federhaus-Handaufzugskaliber 7381 von La Joux-Perret tickt.

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Calibre von Cartier Die wahre Männeruhr von Cartier heisst unbestritten «Calibre». So hat es der scheidende CEO Bernard Fornas gewollt. Und so ist es auch gekommen. Die Herren der Schöpfung lieben bekanntlich Chronographen über alles. Deshalb war die Vorstellung eines klassischen Zeitschreibers nur eine Frage der Zeit. Pünktlich zum Genfer Uhrensalon 2013, der schon im Zeichen des neuen Chefs Stanislas de Quercize stehen wird, präsentiert Cartier den ungemein markanten CalibreChronographen mit dem exklusiven Automatikkaliber 1904-CH MC. Zu seinen Merkmalen gehören

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Schaltradsteuerung, kräftesparende Reibungskupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler. Zwei Federhäuser speichern Kraft für 48 Stunden Gangdauer. Vier Hertz Unruhfrequenz gestatten Stoppungen auf die Achtelsekunde genau. Für eines dieser Werke benötigen die Uhrmacher insgesamt 269 Komponenten. Die Drücker für Start, Stopp und Nullstellung haben die Produktgestalter gekonnt in den Flankenschutz für die Krone integriert. Das Gehäuse, erhältlich in Stahl oder Gold, misst 42 Millimeter und widersetzt sich dem Druck des nassen Elements bis zehn Atmosphären.


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TableVonRonde Roger Dubuis Während des SIHH rückte Roger Dubuis einmal mehr seine markante Leader-Uhrenlinie Excalibur in den Vordergrund. Besonders eindrucksvoll setzt sich dabei das Modell «Table Ronde», also «Runder Tisch», in Szene. Zwölf Ritter sitzen am Zifferblatt rund um die emaillierte Tafel. Ihre massivgoldenen Schwerter dienen dabei als Indizes. Handwerkliche Kunstwerke wie diese sind natürlich streng limitiert. Nicht mehr als 88

Exemplare wird die Genfer Manufaktur davon fertigen. Allesamt ausgestattet mit dem hauseigenen Automatikkaliber RD822, welches dem Reglement des Genfer Siegels folgt. Schutz bietet ein 45 Millimeter grosses Gehäuse aus Rotgold. Zu seinen unübersehbaren Merkmalen gehören der geriffelte Glasrand, ein massiver Flankenschutz für die Krone und je drei Bandanstösse oben und unten.

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Ingenieur von IWC IWC hat seine altbewährte Uhrenlinie «Ingenieur» komplett überarbeitet. Das Resultat kreativer Bemühungen steht ganz im Zeichen des Mercedes AMG Petronas Formula One Teams. Die Pole Position der neuen Kollektion gebührt einem komplexen Tourbillon mit Konstantkraft-Antrieb. Den Mechanismus, welcher das kontinuierlich sinkende

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Drehmoment der beiden Zugfedern kompensiert, haben die Uhrmacher geschickt in den kleinen Wirbelwind integriert. Neben der Zeitanzeige besitzt dieses High-Tech-Instrument auch noch eine Mondphasenindikation. Den gebührenden Rahmen für so viel Uhrmacherkunst bietet eine imposante Platin-Keramik-Schale.


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Duomètre Unique Travel Time von JAEGER LECOULTRE

Die «Duomètre Unique Travel Time» von JaegerLeCoultre liebt das Reisen. Ihr Innenleben gehorcht dem Zwei-Flügel-Prinzip mit zwei Federhäusern, getrennten Antriebssträngen und einem gemeinsamen Gangregler. Die rechte Seite des Zifferblatts indiziert die Heimat- oder Referenzzeit. Links erscheinen die Stunden der jeweiligen Lokalzeit in einem kleinen Fenster. Zum Einstellen gibt es zwei Drücker im Gehäuserand. Daneben wird das universale Instrument allen 39 Zonenzeiten gerecht. Selbige lassen sich durch einen unabhängigen, per Krone einstellbaren Minutenzeiger ohne jedwede Einschränkung abbilden. Orientierung rund um den Globus bietet ferner

eine kleine, bombierte Scheibe mit Weltkarte bei der «6» gemeinsam mit einem 24-Stunden-Ring. Die Tag- und Nachtstunden lassen sich durch ein ausgeklügeltes System eindeutig unterscheiden. Zwei Gangreserveanzeigen links und rechts des Globus weisen darauf hin, wie es um den Spannungszustand der Zugfedern bestellt ist. Zu Hause kann der linke Minutenzeiger sogar die wahre Sonnenzeit darstellen. Das Handaufzugskaliber 383 besteht aus 498 Komponenten. Wer eines der hundert Weissgold-Exemplare ergattern möchte, muss sich an die neue Jaeger-LeCoultre-Boutique in Paris wenden. Unlimitiertes gibt es nur in Rotgold.

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Grosse Lange 1 Lumen von A. Lange & Söhne

Über die Lange 1 muss man nicht viele Worte verlieren. Während des Genfer SIHH 2013 präsentierte sich das Flaggschiff der Glashütter Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne «erleuchtet» in Platin. Das auf 100 Exemplare limitierte Œuvre mit halbdurchsichtigem Zifferblatt nennt sich «Grosse Lange 1 Lumen». Die partielle Transparenz kommt nicht von ungefähr. Sie gestattet neugierige Blicke auf den patentierten Grossdatums-Mechanismus. Doch damit nicht genug: Das Grossdatum wie auch das gesamte Ziffer-

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blatt und die Zeiger besitzen nachtleuchtende Eigenschaften. Die technische Herausforderung bestand darin, das markante Datum auch direkt nach dem nächtlichen Schaltvorgang leuchten zu lassen. Zu diesem Zweck ist das Zehnerkreuz direkt mit heller, schwarz bedruckter Leuchtmasse beschichtet. Die mit schwarzen Ziffern bedruckte Glas-Einerscheibe bewegt sich vor diesem nachtleuchtenden Hintergrund. Das Handaufzugskaliber L095.2 zeigt sich durch den Saphirglasboden des 41-mm-Gehäuses.


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Tourbillon G-Sensor RM036 Jean Todt von Richard Mille

Wer ein «Tourbillon G-Sensor RM036 Jean Todt» ergattern möchte, muss sich beeilen. Richard Mille fertigt davon nur 15 Exemplare mit tonneauförmiger Titanschale. Das Handaufzugswerk mit Minutentourbillon, rund 70 Stunden Gangautonomie und Skelett-Optik nennt sich RM036. Seine Grundplatine besteht aus Karbonfaser. Der Vorteil besteht in hoher Belastbarkeit und besonderer thermischer Stabilität. Brücken und Kloben lässt Richard Mille aus Titan Grad 5 fertigen, einer korrosionsbeständigen Legierung.

Erstmalig bietet dieser markante Zeitmesser bei der «12» einen G-Indikator, welcher die Intensität rapider Entschleunigung erfasst. Bei kritischen Werten bewegt sich der zugehörige Zeiger in den roten Anzeigebereich. Die Nullstellung geschieht per Drücker bei der «9».Bleibt der in die Krone eingelassene Drücker. Mit seiner Hilfe lassen sich die drei Kronenfunktionen «Aufzug», «neutral» und «Zeigerstellung» vorwählen. Welche gerade angesagt ist, stellt ein kleiner Zeiger bei der «4» dar.

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Nicolas Rieussec Rising Hours von Montblanc

Chronographen gibt es viele am Markt. Bei der Rieussec-Linie ist es Montblanc gelungen, das Gesicht des Zeitschreibers gründlich zu verändern. Und zwar durch rotierende Scheiben, wie sie der französische Uhrmacher Nicolas Rieussec bereits 1821 präsentierte. Den Anfang machten solche bei der «6», und zwar für die Permanentsekunde und den 30-Minuten-Totalisator. Bei der brandneuen «Nicolas Rieussec Rising Hours» hat Montblanc dieses Prinzip noch durch eine ungewöhnliche Stundenindikation erweitert. Gleich zwei übereinanderliegende, durch einen ausgeklügelten Mechanismus angetriebe-

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ne Scheiben stellen die jeweilige Stunde dar und sie bieten eine Unterscheidung zwischen Tag und Nacht. Für die Minuten ist, wie gehabt, ein rotierender Zeiger zuständig. Die farbliche Nuancierung bei der Stundenindikation hilft beispielsweise beim richtigen Einstellen des Datums. Das prinzipiell bekannte Manufakturkaliber MB R220 mit Rotor-Selbstaufzug bietet aber jetzt ein Plus an Komplexität unter dem Zifferblatt. Weitere Scheiben dienen der Wochentagsanzeige bei der «9» und dem Datum bei der «3». Das Uhrwerk tickt in einem 43-mm-Gehäuse aus 18-karätigem Rotgold.


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Luminor Submersible 1950 von Panerai

Wassersport und Panerai gehören beinahe untrennbar zusammen. Das unterstreicht auch die neue «Luminor Submersible 1950 Amagnetic 3 Days Automatic Titanic – 47 mm». Damit ist zu dieser Armbanduhr schon fast alles gesagt. Die modifizierte Gehäusekonstruktion verfügt über einen ausgeprägten Schutz gegen starke Magnetfelder. Der ist mit 40’000 A/m (Ampere pro Meter) acht Mal so stark, wie es die Schweizer Industrienorm NIHS 90-10 festschreibt. Möglich macht’s ein spezielles Weicheisen-Innengehäu-

se, welches gemeinsam mit einem Zifferblatt aus dem gleichen Material die magnetischen Feldlinien ableitet. Äusseren Schutz bis zu 300 Meter Tauchtiefe bietet eine Schale aus satiniertem Titan. Als Premiere präsentiert sich die nur einseitig drehbare Titan-Lünette mit einem Inlay aus schwarzer Keramik, welche die linearen und punktförmigen Titanmarkierungen trägt. Innen findet sich die exklusive Automatik P.9000 mit drei Tagen Gangautonomie sowie unabhängig verstellbarem Stundenzeiger.

RL 67 Safari Tourbillon von RALPH LAUREN Bislang setzte Ralph Lauren einzig und allein auf Uhrwerke von Mitgliedern der Richemont-Gruppe. Für die Einsteiger-Modelle der Linie RL 67 Safari liefert Sellita das Automatikkaliber SW 300 mit Chronometerzeugnis. Das RL 67 Safari Tourbillon besitzt indessen ein Drehgang-Kaliber mit Mikrorotor-Selbstaufzug und vier Hertz Unruhfrequenz. Die Gangautonomie liegt bei rund 38 Stunden. Woher das Uhrwerk stammt, mochte man zuerst nur unwillig verraten. Aber die Konstruktionsmerk-

male legten eine Verbindung zur Genfer «Fabrique du Temps» förmlich nahe. Am Ende wurde diese Partnerschaft denn auch bestätigt. Interessanter Weise gehört der Spezialist zur LVMH-Gruppe, wo er sich zuletzt durch ausgefallene Konstruktionen für Louis Vuitton einen Namen machte. Das exklusive Kaliber RL 67 besteht aus 67 Komponenten. Es tickt in einem 44,8 mm großen, brünierten Edelstahl-Gehäuse. Dem nassen Element besteht es bis fünf Atmosphären Druck.

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Transforma CBF Von Parmigiani

Mit der «Transforma CBF» (Confederação Brasileira de Futebol) offeriert Parmigiani ein Uhrenset mit Mehrfachnutzen, denn es kann nach Belieben in der Tasche oder am Handgelenk getragen werden. Denkbar sind sogar beide Varianten zur gleichen Zeit. Bleibt dann nur zu entscheiden, was seinen Auftritt wo zelebriert. Das Paket umfasst den «Transforma Chronographen» und den «Tonda Quator» mit Jahreskalender. Als Gehäusematerial des Automatik-Stoppers mit Tachymeterskala

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wählte die in Fleurier beheimatete Manufaktur das gleichermassen widerstandsfähige wie leichte Carbon. Das zweite, nun rotgoldene Basisgehäuse schützt ein Uhrwerk, dessen rückspringende Datumsanzeige nur einmal jährlich Ende Februar korrigiert werden muss. Die Mondphase bedarf sogar erst nach 122 Jahren einer manuellen Nachhilfe. So präzise funktioniert sie. Wer seine tickenden Lieblinge am Schreibtisch bewundern will, kann dies dank der Flexibilität des Systems ebenfalls tun.


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Emperador Coussin Automatic Minute Repeater Von Piaget

Neu ist die Materie für Piaget keineswegs. Eine Armbanduhr mit Minutenrepetition gab es bereits in den 1950er Jahren. Optisch wie technisch ist die Emperador von 2013 indes ein Quantensprung nach vorne. Sie bietet nämlich Manufakturarbeit mit Selbstaufzug und imposant klingender Schlagwerks-Mechanik. Einen Superlativ dürfen Liebhaber sanfter Zeit-Klänge ebenfalls erwarten. Das Kaliber 1290P kann als flachstes seiner Art gelten. Entwicklungsplattform war das ultraflache 1200P mit Platin-Mikrorotor. Ergänzt um die akustische Dimension misst es lediglich 4,8 mm in der Höhe.

Alles in allem benötigen die Uhrmacher 407 Komponenten, um das kostbarste Gut der Menschheit per Zeiger darzustellen und minutengenau hörbar zu machen. Einige Zahnräder sind nur 0,12 mm dick. Die Konstruktion des 48 mm grossen Gehäuses und die Befestigung des Uhrwerks darin standen unter der Prämisse bestmöglicher Akustik, die sich mit einer Lautstärke von 65 Dezibel bestens hören lassen kann. Bei insgesamt nur 9,4 mm Bauhöhe ist die «Emperador Coussin Automatic Minute Repeater» sogar noch wasserdicht bis zwei Atmosphären Druck.

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Métiers d’Art Von Vacheron Constantin China sieht dem Jahr der Schlange entgegen. Eben jenes inspirierte Vacheron Constantin zur entsprechenden Erweiterung seiner anspruchsvollen Métiers d’Art-Kollektion. Geplant ist eine Serie von Armbanduhren, die den chinesischen Zwölf-JahreZyklus repräsentieren. Logischerweise gilt das erste Modell 2013 dem Symbol der Verführung und der Raffinesse. Graveure und Emailleure haben sich zusammengetan, um dem Erstlingswerk zum Jahr der Schlange eine besondere Ausdruckskraft zu verleihen. Das Manufakturkaliber 2460 G4 mit vier digitalen Anzeigen für Stunden, Minuten, Wochentage und Datum liess den Handwerkern den nötigen Platz zur künstlerischen Entfaltung. Den Selbstaufzug besorgt ein Zentralrotor aus 22-karätigem Gold. Verfügbar sind zwei Versionen, jeweils limitiert auf ein Dutzend Exemplare. Der Verkauf bleibt ausschliesslich den Markenboutiquen vorbehalten.

SHORTCUT «Signature for Good» Alles beginnt mit dem geschriebenen Wort. Mit der eigenen Unterschrift auf einem Blatt Papier oder den mit Worten zum Ausdruck gebrachten Gedanken und Träumen – diese uns so simpel erscheinende Fähigkeit ist auch heute noch vielen Kindern vorenthalten. Montblanc teilt die Überzeugung von UNICEF, dass alle Kinder ein Recht auf Zugang zu Bildung haben und präsentiert in diesem Zusammenhang die Montblanc «Signature for Good» Collection. Für jeden zwischen dem 1. März 2013 und dem 31. März 2014 verkauften Artikel aus der «Signature for Good» Collection spendet Montblanc einen Teil des Erlöses. Die Special Edition aus Schreibgeräten, Schmuck und Leder-Accessoires begeistert mit einem einzigartigen Backsteinmuster, das für eine bessere Zukunft aller Kinder einen verbesserten Zugang zu Bildung symbolisiert; einschliesslich der Errichtung von Schulen – Stein für Stein. Mindestens 1,5 Mio. Dollar werden den Bildungsprogrammen von UNICEF zugutekommen, die sich auf die am stärksten benachteiligten Kinder konzentrieren: die beiden Initiativen Schulen für Afrika und Asien sowie Programme in Lateinamerika.

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Rubriken

Ghost

Power in reserve, composure in any conditions

Ghost is engineered to be whisper-quiet, however much you exploit its new V12 engine. Effortless, yet rewarding driving is assured by the same advanced technology that creates the unique magic carpet-like ride. In every respect, Ghost embodies the power of simplicity. Fuel economy figures (l/100km): Urban 20.5 / Extra urban 9.6 / Combined 13.6. CO2 emissions: 317 (g/km). Energy efficiency category: G.

Rolls-Royce Motor Cars Zurich, Stinson-Strasse 2, 8152 Glattpark / Zurich Tel: +41 (0) 43 211 44 41 www.rolls-roycemotorcars-zurich.ch

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Š Copyright Rolls-Royce Motor Cars Limited 2012. The Rolls-Royce name and logo are registered trademarks.


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St. Moritz

White Turf Spring Summer Fashion 2013 Anlässlich des White Turf in St. Moritz produzierten wir ein exklusives Fotoshooting auf dem White Turf-Gelände und im Hotel Kempinski St. Moritz. Passend zur Frühjahr / Sommer-Mode 2013 präsentieren wir Ihnen hier ausgewählte Schmuckstücke aus dem Hause Gübelin und Accessoires von Acqua di Parma.

Schmuck Gübelin | Accessoires und Kerzen Acqua di Parma Fashion Joy Fashion, St. Moritz | Schuhe EMU | Fotograf Christian Funke | Hair Stylist Enzo de Simone Make up Michelle Fischer für Dior | Produzent Valeska Jansen

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Rubriken

Hannes

Reisetasche Acqua di Parma Uhr G端belin Hemd Mastermind Japan Joy Fashion St. Moritz Hose Joy Fashion St. Moritz, Schuhe Zegna

Angela

Ohrh辰nger und Collier Kollektion Como G端belin Ring Kollektion Paris G端belin Tasche Acqua di Parma Kleid IRO Joy Fashion St. Moritz Schuhe Jimmy Choo

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Rubriken

Deborah

Diamant Ohrhänger Gübelin Solitärring Gübelin Kleid Nina Ricci Joy Fashion St. Moritz

Hannes

Pullover Richmond Joy Fashion St. Moritz Uhr Gübelin Agenda Acqua di Parma

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WATCHES & JEweLLERY

Deborah

Ohrhänger und Collier Kollektion Como Gübelin Kleid IRO Joy Fashion St. Moritz

Angela

Diamant Ohrhänger Gübelin Kleid Felder & Felder Joy Fashion St. Moritz


Rubriken

Deborah

Ohrschmuck und Ring G端belin Tasche Acqua di Parma Jacke und Hose KRU Joy Fashion St. Moritz Stiefel EMU

Hannes

Jacke KRU Joy Fashion St. Moritz Hose Dsquared Joy Fashion St. Moritz Tasche Acqua di Parma Schuhe Zegna

Angela

Jacke und Hose Christopher Kane Joy Fashion St. Moritz Ohrringe G端belin Tasche Acqua di Parma Schuhe EMU

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WATCHES & JEweLLERY

Deborah

Jacke Christopher Kane Joy Fashion St. Moritz

Hannes

Hemd Mastermind Japan Joy Fashion St. Moritz Sakko L.G.B Fashion Joy Fashion St. Moritz

Angela

Jacke KRU Joy Fashion St. Moritz

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WATCHES & JEweLLERY

Deborah

Kleid Missoni Joy Fashion St. Moritz Ohrstecker und Bracelet Kollektion Madagaskar Gübelin Solitärring Gübelin

Angela

Kleid Missoni Joy Fashion St. Moritz Ring Kollektion Paris Gübelin Diamantohrstecker Gübelin

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Deborah

Ohrstecker, Collier, Bracelet und Ring Kollektion Madagaskar Gübelin Kleid Hervé Leger Leroux Joy Fashion St. Moritz

Angela

Kleid Hervé Leger Leroux Joy Fashion St. Moritz Ohrhänger, Collier und Ring Farbsteinschmuck Gübelin Beautybag Acqua di Parma


WATCHES & JEweLLERY

Angela

Kleid Saint Laurent Joy Fashion St. Moritz Ohrstecker und Bracelet Kollektion Madagaskar Gübelin

Hannes

Sakko L.G.B Fashion Joy Fashion St. Moritz Hemd Mastermind Japan Joy Fashion St. Moritz Uhr Gübelin

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Kleid Nina Ricci Joy Fashion St. Moritz Diamant Ohrstecker Diamant Kette und Diamant Ring Gübelin

Wir bedanken uns herzlich für die grosse Unterstützung Betina Welter, Director of Public Relations Kempinski Grand Hotel des Bains St Moritz Claudia Grasern-Woehrle, Pressestelle White Turf St. Moritz

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WATCHES & JEweLLERY

SHORTCUT Tickende Schwergewichte Die Träger mancher Uhren brauchen nicht nur eine etwas dickere Brieftasche, sondern auch Muskeln. Einige Zeitmesser sind wahrlich nur etwas für, im wahrsten Sinne des Wortes, starke Männer. Denn mit ihnen trägt man nicht nur ein wertvolles Stück am Handgelenk, sondern manchmal bis fast zu einem halben Kilogramm am Handgelenk. Eine der schwersten Uhren ist die Invicta Classic Russian Diver. Sie wiegt 455 Gramm bei einer Gehäusegrösse von 51 mm. Doch auch das Modell The Blue Sensation von Grieb and Benzinger ist kein Leichtgewicht. Sie gilt als schwerste Platin-Uhr der Welt. Bei einer Gehäusegrösse von 49 mm bringt sie immerhin 235 Gramm auf die Waage.

Kosmos-Uhr In Zürich – genauer gesagt im Uhren- und Schmuckhaus Türler am Paradeplatz – steht eine der erstaunlichsten und genialsten Uhrenkonstruktionen. Geschaffen wurde in neunjähriger Entwicklungs- und Bauzeit ein einzigartiges Modell des Kosmos. Sie erfasst das gesamte Sonnensystem mit den neun Planeten, veranschaulicht die gegenseitigen Bewegungen von Erde, Mond und Sonne, bildet den kompletten, bewegten Kosmos ab und zeigt Sekunden, Minuten, Stunden, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte und sogar Jahrtausende an. So kann der Betrachter in vielfältigen Anzeigen und Darstellungen zeitliche Abläufe und Bewegungen im Kosmos ablesen und verfolgen – von der kleinsten Zeiteinheit, der Sekunde, bis hin zum Platonischen Jahr mit einer Umdrehung des entsprechenden Rades in 25’794 Jahren!

Die teuerste Hochzeit der Welt Es war eine wahre Märchenhochzeit, die alle anderen in den Schatten stellte, die Hochzeit von Prinzessin Hajah Hafizah Sururul Bolkiah. Die Tochter des Sultans von Brunei trug vor den Augen der 3000 geladene Gäste ein Kleid, das mehrere Kilo wog. Die gesamte Robe war mit Kristallen und Edelsteinen bestickt. Ihr Kopf schmückte ein Diadem mit Diamanten und Smaragden und natürlich fehlten auch die passende Halskette und eine Brosche nicht. Gefeiert wurde im über 1750 Zimmer grossen Palast des Sultans, der zu den reichsten Männern der Welt zählt. Sein Vermögen beträgt mehr als 15 Milliarden Dollar. 40 Millionen Dollar soll allein das Dinner gekostet haben!

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Rubriken

The world‘s 1 st free moving diamond

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The Luxury Way of Life | 159 i n f o r m a t i o n • +49 - 61 81 - 67 30 60


Rubriken

Craftsmanship

INSE 160 | PRESTIGE


Rubriken

Extending Horizons

ERAT

Zbären Kreativküchen AG Bahnhofstrasse 26 . CH-3777 Saanenmöser . Telephone +41 33 744 33 77 design@zbaeren.ch . www.zbaeren.ch Official Dealer

Saanenmöser . Gstaad . Lenk

Official Dealer

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RUBRIKEN

MEIN ESSEN IST WIE ICH: ES HAUT REIN, IST MANCHMAL UNBEQUEM, HINTERLÄSST ABER IMMER EINEN BLEIBENDEN EINDRUCK. 162 | PRESTIGE

©

Wolfgang Stahr


CULINARIUM

Berliner Schnauze Hongkong

Style Ein Tag mit Zwei-Sterne-Koch Tim Raue

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Thomas Hauer

Mittwochvormittag kurz vor 11 Uhr mitten in Kreuzberg. «Der Chef ist noch nicht da», erklärt mir die Dame am Empfang mit leicht Berliner Zungenschlag. Zeit, sich schon mal ein wenig umzuschauen. Die hohen, in strahlendem Weiss gehaltenen Räume der ehemaligen Galerie, an deren Decke noch immer Kunstleuchten stimmungsvolle Lichtakzente setzen, sind möbliert mit edlen Nussbaumtischen. Die bequemen Stühle und Sitzbänke sind in kräftigen Blau- und Violetttönen gehalten. Unter meinen Füssen ein glänzender Terrazzoboden in Schwarz-Weiss. An den Wänden moderne Kunst: das Foto einer Wasserstoffbombenexplosion, ein überdimensionales Ölgemälde mit Müllsäcken vor einem üppig tropischen Hintergrund.

Dann steht Tim Raue plötzlich vor mir. «Wollen Sie gleich in die Küche oder wollen Sie mich zu einem Termin begleiten?», fragt er. Ich entscheide mich für die Spritztour. Vor der Türe wartet schon Herr Burwieck, der den ZweiSterne-Koch tagtäglich mit seinem Taxi durch das Verkehrschaos der Hauptstadt kutschiert, denn der hat keinen Führerschein. Unser Ziel: der Delphi Filmpalast in der Kantstrasse.

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Mittags ins «Good Friends» Dort findet ein Fotoshooting für den Programmflyer des Kulinarischen Kinos statt, das jedes Jahr parallel zur Berlinale läuft. Am Set warten schon Raues Berliner Sternekollegen Hendrik Otto vom Hotel Adlon, Michael Hoffmann, Chef des «Margaux», und Kolja Kleeberg, der im «VAU» am Herd steht. Ausserdem Nils Henkel vom Schlosshotel Lerbach. Kaum betritt Raue das Foyer, steht er sofort im Mittelpunkt, gibt den Entertainer. Als er vor die Linse tritt, spürt man: Raue ist nicht nur in der Küche ein Vollprofi. Nach der Fotosession, es ist mittlerweile halb eins, hat Raue erst mal Hunger. Ich auch. Wir fahren, Kolja Kleeberg und Nils Henkel im Schlepptau, mit Herrn Burwieck ein paar Häuser weiter ins «Good Friends». Dieses Chinarestaurant mit dem Charme einer bulgarischen Bahnhofgaststätte ist Raues zweites Wohnzimmer und eine Berliner Institution. Mindestens dreimal die Woche geht der Sternekoch über Mittag dorthin, an den anderen Tagen auch mal ins Fitnessstudio. In seiner hochgeschlossenen Kochjacke im preussischblauen Mao-Look wirkt Raue wie ein ranghoher KP-Funktionär und bellt Kommandos, als wäre er hier selbst der grosse Vorsitzende. Schon wenige Minuten später füllt sich der runde Tisch mit dampfenden Platten voll von gebratenem Schweinebauch mit Gemüse, Seezunge mit Ingwer und Lauch, gesottenen Kutteln, Fong-WongRollen und krosser Ente. Dazu gibt es chinesischen Jasmintee.

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Das Tischgespräch kreist um Kollegen, Restaurantkritiker, explodierende Warenkosten und die besten Fisch-, Trüffel- und Kaviarlieferanten. Küchenpalaver eben. Nach einer halben Stunde wird die Tafel aufgehoben und es geht zurück in die Rudi-Dutschke-Strasse, wo der Kreuzberger sich mit dem Restaurant Tim Raue sein eigenes Reich der Mitte geschaffen hat und der Mittagsservice grade auf Hochtouren läuft. Auf der Fahrt erzählt der Chef von seinem Traum, in Berlin vielleicht noch ein chinesisches Restaurant zu eröffnen mit einer Karte wie im «Good Friends», die von kantonesischer Hausmannskost geprägt ist, nur eben nicht mit Zutaten aus der Tiefkühltruhe und ohne Glutamat.

Gehobener Asian Style Wie viele andere Sternelokale der Hauptstadt bietet auch Raue ein preisgünstiges Lunchmenu an, das auch Menschen mit kleinem Geldbeutel erlaubt, einen tiefen Blick in die Kochtöpfe der Berliner Toprestaurants zu werfen – so gibt es mittags ein Drei-Gang-Menu schon für 38 Euro, Sechs-Gänge für 68 Euro. In der Küche nimmt der Chef dann sofort seinen Platz am Pass ein und beginnt, Teller anzurichten, signiert nebenbei sein neues Kochbuch «My favourite things», lässt mir Hummer-Dim-Sum mit Thaivinaigrette, danach Kaisergranat mit rosa Rübchen und Wasabi servieren und probiert noch schnell ein Rezept für ein Event, das vor seinem strengen Gaumen im Praxistest prompt durchfällt. Als der Betrieb nachlässt, machen wir eine kurze Tour durch die geschätzt 25 Quadratmeter grosse Küche, die sich trotz Raues konsequent panasiatischem Ansatz,

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der ihm ein absolutes Alleinstellungsmerkmal innerhalb der deutschen Spitzengastronomie verleiht, in nichts von anderen Restaurantküchen unterscheidet: Es gibt den Gardemanger, den Entremetier, die kleine Ecke für die Pâtisserie. Alle Posten sind doppelt besetzt, insgesamt werkeln hier inklusive Raue und Küchenchef Christian Singer zehn Männer und Frauen. Die Atmosphäre ist erstaunlich entspannt. Ansagen Raues werden mit dem obligatorischen «Jawohl Chef!» quittiert, oft reicht eine hochgezogene Augenbraue oder eine eindeutige Geste und der «Angesprochene» weiss sofort, was damit gemeint ist. Dann entlässt mich Raue in die Obhut seines Pâtissiers Daniel Budde. Der zeigt mir, wie er aus geläutertem Muskovadozucker kleine Kunstwerke bläst – in diesem Fall Birnen aus Estragonessig-Karamell für das Dessert des aktuellen Wintermenus, die wirken, als seien sie aus hauchzartem Muranoglas gefertigt. Der Chef geht derweil spazieren. Im übertragenen Sinne zumindest, denn Raue verbringt fast ebenso viel Zeit im Gastraum wie in der Küche. Mindestens einen Gang pro Tisch serviert er persönlich und verwickelt seine Gäste dabei binnen Sekunden so gekonnt in Smalltalk, dass das junge Pärchen am Nachbartisch, das nicht den Eindruck macht, als frequentiere es Sternerestaurants regelmässig, in kürzester Zeit alle Scheu vor dem Meister ablegt. Dieser joviale Umgangston, liebevoll Berliner Schnauze genannt, wird auch vom Serviceteam unter Leitung von Raues Frau Marie-Anne gepflegt, was die Kundschaft sichtlich schätzt, weil es Hemmschwellen abbaut und ganz nebenbei Lust macht wiederzukommen.

Produktverliebtheit und Perfektionismus Gegen 16.00 Uhr werde ich freundlich, aber bestimmt vor die Tür gesetzt – jetzt ist Pause. Raue geht zu Saturn, um seinen abgestürzten Computer von der Reparatur abzuholen. Pünktlich um sieben soll ich aber wieder da sein, um das Menu «unique» zu probieren, Raues kulinarische Visitenkarte in sechs Gängen (148 Euro) und GaultMillau-Menu des Jahres 2012. Die ersten Teller lässt mir der Chef gleich in der Küche servieren, in der kurz nach sieben das Licht gedimmt und durch eine Spotbeleuchtung ersetzt wird – «das hilft dem Team beim Konzentrieren auf die Teller», erklärt Raue. Gäste können das Geschehen in der Küche durch eine breite Glasfront live mitverfolgen. Den Einstieg ins Menu bilden in Anlehnung an die chinesische Küchentradition acht kleine Kostbarkeiten (mittags vier) wie Raues Version der Drunken Prawns mit XO-Cognac-Gelée, eingelegter Rettich, hauchdünner Schweinebauch, gebeizter Lachs mit Grapefruit und Vanille …

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Schon diese Kleinigkeiten machen deutlich, was den Stil von Raues Küche ausmacht: die Verbindung einer fast schon an Fetischismus grenzenden Produktverliebtheit, die stark an die japanische Küche erinnert; die chinesische Philosophie, die jeder Speise Eigenschaften zuschreibt, die das körperliche und seelische Gleichgewicht erhalten oder durcheinanderwirbeln können, und das Spiel mit frischen Kräutern und Gewürzen, das an die Frischeküche Thailands erinnert. Kurzum: wenig technischer Aufwand und der weitgehende Verzicht auf eine Veränderung von Konsistenz oder Textur, das heisst, alle Elemente auf dem Teller bleiben erkennbar als das, was sie sind. Dafür eine Fokussierung auf transparente, laserscharf herausgearbeitete Aromen. Daraus ergibt sich ein Geschmacksbild, das von vier zentralen Säulen getragen wird und praktisch auf jedem Teller Raues präsent ist: natürliche Fruchtsüsse, Säure, mal deutliche, mal subtile Schärfe und vegetabile Aromen. Gleichzeitig hat Raue alles, was den Körper belasten könnte, wie weissen Zucker oder sonstige «leere» Kohlehydrate wie Brot oder Reis und laktose haltige

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Milchprodukte, ko n s e q u e n t aus seiner Küche verbannt. Was im ersten Moment nach Diät klingt, ist in Wahrheit dem Genuss geschuldet, denn die prägnanten Aromen, die seine Küche ausmachen, würde man mit diesen «Sättigungsbeilagen» nur zukleistern und relativieren, ist der Chef überzeugt. Aber Raue mag viel lieber provozieren, will, dass sich Gäste auf seine Gerichte einlassen. Wenn es denen nicht passt? Dann sollen sie eben wegbleiben – Raue ist kein Mann für Kompromisse. Mehrmals im Jahr reist er in seine Lieblingsstadt Hongkong, nach Thailand oder Tokio, um vor Ort seine Kenntnis asiatischer Produkte und Gartechniken weiter zu vervollkommnen, sich mit Händlern und Mentoren zu treffen und auf den Märkten nach neuen Produkten zu stöbern. Nach dem Menuauftakt, Blumenkohl-Liebstöckel-Salat mit Habanero-ChiliPüree, eingemachten Trauben und Trüffel-Haselnuss-Eis, gibt es einen Teller, der Raues Küchenphilosophie perfekt auf den Punkt bringt: gedämpfter Zander, obenauf ein wenig Yuzu-Gel (eine japanische Zitrusfrucht von der Insel Schikoku mit einem ausgesprochen komplexen Aroma), dazu würziges Schnittlauchöl und Shanghai Pak-Shoi. Der Clou ist die Sauce, ein Soja-Sud, in dem Raue eine zehn Jahre gereifte Kamebisji-Soja-Sauce verarbeitet – der Liter zu rund 1000 Franken – die dem Gericht eine solche Fülle und aromatische Dichte verleiht, dass einem wohlige Schauer über den Rücken laufen. Essen bei Raue macht nämlich vor allem eines: Spass! Doch der hat seinen Preis. Wenn Raue katalanische Seegurken, Abaloneschnecken,

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Fish Maw (die getrocknete Schwimmblase bestimmter Fischarten) oder Schwalbennester ordert, werden schnell mehrere Hundert oder gar Tausend Franken pro Kilo fällig. Und seit in China auch ausserhalb der Sonderwirtschaftszonen der Reichtum explodiert, haben sich die Preise teilweise mehr als verdreifacht, stöhnt Raue. Dennoch werden in seinem Restaurant regelmässig palettenweise Waren mit den besten Viktualien angeliefert, die man für Geld kaufen kann. Ausserdem habe er auf der Suche nach Produkten, die seinen Ansprüchen gerecht werden, das Sortiment zweier Berliner Asiamärkte komplett durchprobiert, fügt der Chef schmunzelnd hinzu. Ich habe mich mittlerweile über bretonischen Hummer mit Karotte, Passionsfrucht, Ingwer und Dashi-Essig sowie saftiges Rebhuhn mit japanischer Kastanie und Kumquat zum Hauptgang geschlemmt: kantonesisches Black Pepper Beef mit pochierter Schalotte, milder Knoblauchcrème, Schalotten-Crunch, in Portweinessig marinierten Silberzwiebeln und Schnittlauchblüten. «Mehr davon!», ist alles, was mir dazu noch einfällt. Das Dessert, Crémeux von Porcelana-Schokolade, Gelée, Sorbet und Tapioka von Mango und Passionsfrucht, Sichuan-Pfeffer-Baiser und Malzbier, setzt einen würdigen Schlussakkord unter einen rundum gelungenen Abend. Übrigens: Wer glaubt, die Aromenwelt Asiens harmoniere nur schwer mit europäischen Spitzenweinen, kann sich bei Tim Raue genussvoll eines Besseren belehren lassen.

Restaurant Tim Raue Zwei Sterne Michelin | 19 Punkte Gault Millau Rudi-Dutschke-Strasse 26 D-10969 Berlin www.tim-raue.com Telefon +49 (0) 30 2 59 3 79 30 Geöffnet Dienstag – Samstag 12.00 bis 15.00 Uhr (Küche bis 13.30 Uhr) 19.00 bis 00.00 Uhr (Küche bis 21.30 Uhr)

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Die echte Schweizer Küche Rubriken

BRUNNER KÜCHEN AG CH-5618 Bettwil Tel. 056 676 70 70 www.brunner-kuechen.ch Grosse Ausstellung mit über 30 Küchen in Bettwil und in der Baumesse Emmenbrückeber 0 Küchen in Bettwil und in der Baumesse Emmenbrücke

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SHORTCUT Gaumenschmaus mit Aussicht Freunde der Haute Cuisine können über den Dächern verschiedener europäischer Städte ein 4-Gänge-Menu geniessen – in 50 Meter Höhe an einem Kran baumelnd. Das Ganze nennt sich «Dinner in the sky», bei dem man an einem schwebenden Tisch mit maximal 22 Gästen ein aussergewöhnliches kulinarisches Erlebnis in 50 Meter Höhe erleben kann. Kaum seinen Platz eingenommen, wird man von einem Kran in luftige Höhen gehievt. Dort angelangt, erfreut einen ein Koch, der sich in der Mitte des Tisches befindet, mit zahlreichen Leckereien. Beim Dinner im Himmel werden nicht nur die Geschmacksnerven verwöhnt, sondern es gibt noch eine fantastische Aussicht on Top. Kurz: im wahrsten Sinne des Wortes ein Hochgenuss!

Goldenes Rauchwerk Shishas liegen seit langen im Trend. An jeder Ecke qualmen und blubbern die Wasserpfeifen arabischen Ursprungs. In Ägypten, Marokko und den VEA kann man sie auf fast jedem Souk kaufen. Doch eine Shisha von Desvall ist ein wahres Kunstwerk und etwas ganz Besonderes. Die schwedischen Wasserpfeifen werden meist aus einem Stück Keramik, Gold oder Glas gefertigt und mit Leder und Swarovski-Kristallen verziert. Jede Shisha ist ein Einzelstück und komplett von Hand gefertigt. Jeder dieser Shishas wiegt etwa 15 kg. Der Preis liegt je nach Version zwischen 38’500 und 96’000 Franken. Die exklusivste dieser Shishas besteht aus 24-karätigem Gold und einem Ring aus Swarovski-Kristallen.

Wertvoller Thunfisch Gutes Sushi erfordert hochwertige, frische Zutaten. Und bei den Auktionen auf dem Fischmarkt von Tokio werden jeden Tag Waren in Millionenhöhe gehandelt. Hier treffen sich Tag für Tag Käufer und Verkäufer, die um den frischsten und schönsten Fisch feilschen. Hin und wieder kann das Ganze auch ein wenig mehr kosten: Für umgerechnet 1,3 Millionen Euro wurde ein 222 kg schwerer Blauflossenthunfisch in Tokio versteigert. Das sind rund 6 000 Euro pro Kilogramm und ein neuer Rekordpreis. Neben der Grösse rechtfertigt die Seltenheit des Fisches den Preis. Denn der Blauflossenthunfisch, auch bekannt als «Roter Thun», ist vom Aussterben bedroht. Er zählt zu den beliebtesten Sushi-Fischsorten der Japaner. Fast die Hälfte des weltweiten Fangs wird nach Japan exportiert.

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Bugatti als Saftmixer Die Kraft des Saftes – ein richtig gemischter Saft bringt Energie und belebt die müden Geister. Doch der richtige Saft kommt natürlich nur mit dem richtigen Saftmischer zustande. Zu diesem Zweck entwickelte Bugatti den exklusiven Vita Juicer. Mit zwei verschiedenen Mixern ausgestattet, holt der Vita Juicer jeden Tropfen aus der Frucht. Damit werden Zitronen, Orangen, Grapefruits und viele andere Zitrusfrüchte zu wahren Durstlöschern. Zudem macht das Gerät in der Küche eine äusserst gute Figur. Das glänzende Material ist absolut stylish und stellt damit Konkurrenten in den Schatten. Die Marke Bugatti zeigt in vielen Bereichen auf, was sie kann. Und so darf man auch beim Vita Juicer ein echtes High-End-Produkt erwarten. Stylish, praktisch, gut!

Der älteste Cognac der Welt Stolze 233 Jahre zählt der älteste Cognac der Welt. Und er ist nicht nur alt, sondern auch sehr wertvoll. Ein echtes Vermögen in der Flasche. Lange Zeit befand sich das einzigartige Getränk im Besitz des holländischen Spirituosen-Liebhabers Bay van der Bonts Vault. Ihm gehört die weltweit grösste Sammlung historischer Spirituosen. Nun steht die trinkbare Kapitalanlage zum Verkauf. Der derzeitige Wert des ältesten Cognacs der Welt wird auf knapp 153’000 Dollar geschätzt. Der Drink aus dem Jahr 1789 hat schon einiges unbeschadet überstanden: die Französische Revolution und zwei Weltkriege. Der Courvoisier & Curlier von 1789 ist die unangefochtene Nummer eins unter den historischen Spirituosen.

Edle Öle in edler Verpackung Erst schuf sie im Familienunternehmen ihres Vaters die Marke Breitling, nun kreiert sie mit ihrem eigenen Label «Château d’Estoublon» einen neuen Trend – das «Parfum de table». Olivenöl als Designobjekt für den Tisch. Mit dem gleichen Anspruch an Qualität, Ästhetik und Leidenschaft, mit dem Valérie Reboul Schneider Luxusuhren entwarf, entwickelt sie nun elegante Design-Flacons. Die Autodidaktin liess sich bei der Entwicklung ihres Verpackungsdesigns von verschiedenen Epochen, edlen Parfum-Flacons und der Haute Couture inspirieren. So findet man in ihren Kreationen Art-déco-Elemente oder die Sachlichkeit der Belle Époque wieder. Mit ihrer Kollektion «Parfum de Gastronomie» ist ein neuer Trend geboren: Olivenöl als elegante Tischdekoration zum stilvollen Dinieren.

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Caza

mon amour kulinarischer Streifzug durch

die weisse Stadt

am Atlantik Dr. Thomas Hauer

Als «Casablanca» mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman 1942 in den amerikanischen Kinos anlief, hatten die meisten Filmfans wohl noch nie etwas von der staubigen Hafenmetropole an der marokkanischen Atlantikküste gehört. Und obwohl nicht eine Szene des Klassikers auf afrikanischem Boden gedreht wurde, lebt die Stadt – von den Einheimischen liebevoll «Caza» genannt – bis heute von der fast magischen Aura, die das Hollywooddrama der Stadt bis heute verleiht.

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Dennoch steht die Wirtschafts- und Kulturmetropole mit ihrem strahlend weiss getünchten Antlitz heute im Schatten der Touristenmagneten Marrakesch, Fez und Agadir. Viele Marokkoreisende bekommen von Casablanca kaum mehr zu Gesicht als den weit ausserhalb gelegenen Flughafen. Dabei ist die grösste Stadt des Landes, von der nicht einmal die Behörden wissen, ob sie nun vier, fünf oder gar sechs Millionen Einwohner zählt, eine der spannendsten Megacities auf dem afrikanischen Kontinent und steckt voller Kontraste. So wirkt die Ville nouvelle von Caza mit ihren prachtvollen, sternförmig von der Place Mohammed V. ausstrahlenden Boulevards, gesäumt von zahllosen Gebäuden aus der Zeit des Art déco, wie eine koloniale Pariskulisse, die die französischen Besatzer mitten in den Wüstensand gepflanzt haben und die verwinkelte Medina wie einen Ring umschliesst. An der Peripherie dehnen sich dagegen riesige Industriegebiete und endlose Elendsquartiere mit gesichtslosen Betonsilos bis an den Horizont. Sammelbecken für den nie endenden Zustrom armer Landbewohner, die hier verzweifelt nach einer wirtschaftlichen Perspektive suchen.

Feinschmecker-Paradies auf Marokkanisch Und tatsächlich ist Casablanca eine Stadt im Aufbruch. Überall recken Baukräne ihre stählernen Arme in den Himmel, wachsen mächtige Dienstleistungs- und Tourismuskomplexe empor. Gerade entsteht neben dem Hafen eine neue Marina, im letzten Jahr hat die grösste Shoppingmall Afrikas ihre Pforten geöffnet. Gleichzeitig gibt es in der Stadt eine junge Kunst- und Designerszene und die mondänen Strandclubs entlang des noblen Boulevard de Corniche können es problemlos mit den Hotspots an der italienischen und französischen Riviera aufnehmen – auch was die Preise angeht. Doch auch für Gourmets ist Casablanca ein echter Geheimtipp. Erfahrene Foodies wissen: Die marokkanische Küche, in der orientalische, arabische, schwarzafrikanische, portugiesische, spanische und französische Einflüsse zu einer Art Urform moderner Fusionküche amalgamiert sind, ist die beste des Kontinents. Auf der Wvebseite «Best Restaurants Maroc», ein landesweites «Who is Who» der marokkanischen Gourmetszene, sind alleine für Casablanca mehr als 40 einschlägige Adressen von Top-Restaurants gelistet.

Der Geschmack des Orients Nicht entgehen lassen sollte man sich aber auch das in die alten Befestigungsanlagen am Südende der Medina integrierte «La Sqala» am Boulevard des Almohades. Obwohl Teil einer Gastrokette, wird hier die vielleicht beste Tajine der Stadt aufgetischt. Zubereitet und serviert wird das marokkanische Nationalgericht im traditionellen Lehmgefäss, dem es auch seinen Namen verdankt. In seinem spitz zulaufenden Deckel kondensiert während des Garens der Dampf, so dass die Zutaten schön saftig bleiben. Die Zubereitung über Holzkohlenglut sowie reichlich Knoblauch, Cumin, Ingwer, Safran und ein halbes Dutzend weiterer Gewürze verleihen einer Tajine ihren unverwechselbaren Geschmack. Unbedingt probieren: die «Tajine djaj m'kalli» mit Hähnchenfleisch, grünen Oliven und eingelegten Zitronen – eine Art Archetyp marokkanischer Kochkunst. Als Vorspeise wählen wir, neben einem guten Dutzend köstlicher Salate, eine Pastilla.

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Ein runder Fladen, der optisch an spanische Tortillas erinnert. Tatsächlich handelt es sich um knusprigen Filo-Teig, traditionell mit Taube oder Wachtel, heute jedoch meist mit Hähnchen gefüllt. Neben fein zerpflücktem Fleisch, das zunächst mit Zwiebeln und einer Vielzahl von Gewürzen in Öl angebraten und anschliessend in aromatischer Brühe gegart wird, sind darin auch geröstete Mandeln verarbeitet. Abgerundet mit Zimt, Orangenblütenwasser und reichlich Zucker schmeckt die Pastilla oft so süss, dass sie im ersten Moment eher an ein Dessert erinnert. Zur Krönung wird sie vor dem Servieren noch dick mit Puderzucker und Zimt bestreut, dann beim Essen in eine scharfe Chilisauce getunkt. Was reichlich exotisch klingt, schmeckt tatsächlich fantastisch. Gerade die Mischung aus süss, salzig und pikant ist eines der wesentlichen Charakteristika marokkanischer Küche. Zum Essen geniessen wir ebenfalls zuckersüssen Minztee, den die Kellner kunstvoll in die liebevoll ornamentierten Gläser plätschern lassen.

Fish please! Unweit des Restaurants liegt auch Casablancas vielleicht bekannteste Sehenswürdigkeit, die 1993 fertiggestellte Hassan-II.-Moschee, einer der grössten und prachtvollsten Sakralbauten der Welt. Das 210 Meter hohe Minarett ist das höchste religiöse Bauwerk, in dessen Inneren zu Gebetszeiten rund 25’000 Gläubige Platz finden. Doch zurück an den Herd: Auch Fischliebhaber werden in Casablanca fündig – vor allem in einem der zahlreichen Strandlokale entlang der «Corniche». Besonders empfehlenswert ist das «Le Pilotis» im Tahiti Beach Club. Wer es sich leisten kann, bestellt hier in strahlend weissem Lounge-Ambiente fangfrischen Fisch vom Grill oder fantastisches Seafood und geniesst dazu mit Blick auf den Ozean einen kühlen marokkanischen Weisswein. Mit rund 100 Franken oder mehr pro Person muss man hier allerdings rechnen. Apropos Fisch: Unweit des kommerziellen Fischmarktes am Hafen liegt auch eines der schönsten Hotels der Stadt – das nagelneue «Sofitel Tour Blanche», ein ebenfalls schneeweisser Wolkenkratzer, dessen Zimmer in den oberen Stockwerken einen herrlichen Ausblick über das nicht enden wollende Häusermeer Casablancas bieten. In der Lobby befinden sich mit dem «L’ Atelier Oriental», das die ganze Vielfalt orientalischer Küchentradition unter einem Dach vereint, beziehungsweise dem «L´Arabesque» mit einem spannenden Mix neuer französischer

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Küche mit marokkanischen Zutaten ebenfalls zwei hervorragende Restaurants. Die Signature-Gerichte wie zum Beispiel gebratene Gänseleber mit Arganöl und Honig oder das knusprige Tartelette mit sonnenreifen Tomaten und Basilikumsorbet sind ein Traum! Ein weiteres Must für Foodies: der Besuch des «Marché Central» mitten im pulsierenden Herzen der Stadt zwischen dem Boulevard Mohammed V. und der Rue Allah ben Abdellah. Errichtet während des französischen Protektorats, bietet er noch immer alles, was das Herz des Feinschmeckers begehrt. Noch heute kaufen viele Expats hier ein, aber ebenso die marokkanische Upper Class – oder deren dienstbare Geister. Noch spannender aber ist der Besuch auf den Einheimischen-Märkten der alten Medina. Authentischer kann man Marokko inmitten dieser urbanen Metropolis kaum erleben. Alt ist hier übrigens relativ, stammen die meisten Gebäude, anders als in Fez oder Marrakesch, doch erst aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert, denn «Casa Branca», wie es damals noch hiess, wurde infolge des Erdbebens von Lissabon im Jahre 1755 fast vollständig zerstört. Einige Jahre später liess Sultan Muhammad bin Abdallah die Stadt dann wieder aufbauen, nachdem die Portugiesen ihren seit 1575 besetzten Handelsposten einfach aufgegeben hatten. Bis zur Ankunft der Franzosen im Jahr 1907 zählte Casablanca aber kaum mehr als 20’000 Einwohner.

Spices, Spices, Spices Auf dem Gewürzmarkt der Medina duften derweil «Baharat» und «Ras el Hanout» um die Wette. Die beiden berühmten Universalgewürzmischungen sind aus der marokkanischen Küche nicht wegzudenken und bestehen, je nach überlieferter Rezeptur, aus bis zu 100 Einzelgewürzen. Am wichtigsten sind Kardamom, Nelken, Zimt, Chili, Koriander, Cumin, Muskat, MönchsPfeffer, Kubeben-Pfeffer, Paradieskörner, Erdmandeln und Rosenblüten. Daneben leuchten Piment, gemahlener Ingwer, edler Safran und Kurkuma. Ausserdem ganze Berge von zuckersüssen Datteln, riesigen Walnüssen, gelben Rosinen, getrockneten Feigen und blanchierten Mandeln. In kleinen Plastikflaschen glänzt dazwischen goldgelbes Arganöl, das nur im Süden Marokkos produziert wird. Sowohl in der Küche als auch zu kosmetischen Zwecken ist das Öl unverzichtbarer Bestandteil der marokkanischen Alltagskultur. Ebenfalls sehenswert ist das von den Franzosen errichtete «Quartier de Habous» mit seinen zahlreichen Verkaufsständen für typisch marokkanische Souvenirs. In den sich anschliessenden Wohnquartieren der marokkanischen Mittelschicht drängen sich unzählige Imbissbuden auf Strassen und Plätzen, die ein wenig an den berühmten «Djemaa el Fna» in Marrakesch erinnern. Wer gerne einmal Kamel am Spiess probieren möchte, ist hier genau richtig.

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Maskenball

Lenz für die Haut Trockene Heizungsluft und eisige Temperaturen setzen unserer Haut ganz schön zu. Geben Sie Ihrer Haut nun im Frühling mindestens einmal in der Woche den Pflegekick! Valeska Jansen

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Gesichtsmasken sind schon seit der Antike als Schönheitsmittel bekannt. Sie entspannen die Haut und versorgen sie gleichzeitig mit einer Extraportion Pflege. Bereits Ovid empfahl für die perfekte Haut eine Paste für das Gesicht, bestehend aus Weizen- und Gerstenmehl, verrührt mit Eiern, gemahlenen Hülsenfrüchten und Hirschgeweihen, Harz, Narzissen Zwiebeln, Honig und Gummi.

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Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in eigener Person spricht. Gib ihm eine Maske, und er sagt die Wahrheit. Oscar Wilde

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Kaiserin Sisi schlief mit Ledermaske Besonders bekannt für ihre Schönheitszeremonien war Sisi, Kaiserin von Österreich. Bewundert von Diplomaten, Gesandten anderer Länder und ganz besonders vom Schah Persiens, brachte sie beinahe jedes Opfer um ihrer Schönheit willen. Gesichtsmasken galten für sie als die Basis einer schönen Haut. Experimentierfreudig wie sie war, legte sie sich beinahe jede Nacht rohes Kalbfleisch, gehalten von einer Ledermaske auf ihr Antlitz. Das im Fleisch enthaltene Collagen hatte tatsächlich eine straffende Wirkung für die Haut. Auch die berühmte Gurkenmaske gehörte zu ihren regelmässigen Schönheitsritualen. Ebenso wie pürierte Erdbeeren, von deren Fruchtsäuren ihre Haut profitierte. Dermatologen schwören bis heute auf die verjüngende Wirkung diverser Fruchtsäuren.

Moderner Standard heute Heute gibt es für jeden Hauttyp und für jedes Bedürfnis Gesichtsmasken. Von klärend bis pflegend. Je nach Hauttyp kann auch z.B. unreiner Haut gezielt zu Leibe gerückt werden. Eine hautklärende Reinigungsmaske ist der beste Weg Mitesser und Hautunreinheiten zu bekämpfen. Wer seine Haut besonders verwöhnen möchte sollte ein bis dreimal in der Woche eine dem Hauttyp entsprechende, reichhaltige Crememaske grosszügig verwenden. Sie versorgt die empfindliche Gesichtshaut mit pflegenden und nährenden Substanzen.

Die richtige Anwendung Voraussetzung für eine optimale Wirkung ist immer ein gründlich gereinigtes Gesicht. Auch ein Gesichtsdampfbad wirkt unterstützend für die Aufnahme der Pflegewirkstoffe in die Haut – es öffnet die Poren und die Wirkstoffe können so schneller und besser aufgenommen werden. Beim Auftragen der Maske sollte immer die Augenpartie ausgespart werden, da die Wirkstoffe sowieso dorthin ziehen – zu dichtes Auftragen an den Augen führt zu einem unangenehmen Cremefilm auf der Augennetzhaut oder bringt die Augen zum Tränen. Eine spezielle Augenpflege, die rund um die Augen aufgetragen wird, wirkt dabei wie eine Schutzbarriere. Auch mit alkoholfreiem Tonic getränkte Wattepads, die auf die geschlossenen Augen gelegt werden, sind nützlich und sehr angenehm. Genauso wichtig wie die Reinigung vor dem Auftragen der Maske, ist deren Entfernen nach der Einwirkzeit. Hier empfiehlt jeder Hersteller seine eigenen Richtlinien. Es gibt Masken, die müssen nach der Einwirkzeit gründlich mit lauwarmem Wasser abgewaschen werden und andere, die mit einem Kleenex abgewischt werden können. Das ist wichtig, da ansonsten die Poren verstopfen könnten und die Haut dann nicht mehr atmen könnte.

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Nicht nur für das Gesicht Eine Gesichtsmaske sollte nicht nur auf dem Gesicht aufgetragen werden, auch Hals und Dekolleté können von den pflegenden Eigenschaften profitieren. Und wer schon einmal dabei ist, sollte auch den Händen eine Extraportion Pflege gönnen. Heute gibt es eine enorme Auswahl an passenden Produkten und zermahlene Hirschgeweihe oder rohes Kalbfleisch gehören (zum Glück) nicht mehr zu den empfohlenen Inhaltsstoffen. Doch heute wie damals ist eine regelmässige Maskenzeit immer zu empfehlen.

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i Clarins iI Dior iiI Sisley iV Dior V Guerlain Vi Givenchy ViI Guerlain

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viii iX Xi X Xii

VIII Bobbi Brown IX YSL x Chanel xI NARS XII Lanc么me XIII Shiseido

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Die Schuhkönigin

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Ferragamo Die Tochter des berühmten Schuhmachers Salvatore Ferragamo ist eine Vollblut-Italienerin. Sie liebt Mode, Schuhe und gutes Essen. Valeska Jansen

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Zusammen mit ihren fünf Geschwistern leitet Giovanna Ferragamo eines der ältesten Familienunternehmen Italiens und residiert dabei in einem Palast, dem Palazzo Spini Feroni, mitten in Florenz. PRESTIGE traf die Unternehmerin exklusiv in einem der unzähligen Palazzo-Räume anlässlich der Lancierung des neuesten Herrenduftes Ferragamos, Acqua Essenziale:

PRESTIGE: Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit einer Business-Frau heute und vor 20 Jahren? Giovanna Ferragamo: (Lacht) Also damals hatte ich eigentlich mehr Zeit für mich. Man hatte auch mehr Zeit, in den Beruf hineinzuwachsen. Heute rast die Zeit. Alles muss schnell, schneller, am schnellsten erledigt werden. Dafür haben Frauen heute viel grössere Chancen, im Job weiterzukommen, allerdings sind sie heute auch viel besser ausgebildet.

Ich halte mich dabei immer an den wahren Spruch: Erfolgreiche Männer haben immer eine starke Frau an ihrer Seite. Heute sind die Frauen aus dem Schatten ihrer Männer getreten und stehen selber in der vordersten Reihe. Klar gab es in Italien anfangs eine gewisse Gegenwehr der Männer. Meiner Meinung nach eine Frage der Eifersucht.

Und wie war es bei Ihnen? Wir waren zu Hause sechs Kinder. Drei Jungs und drei Mädchen. Deshalb gab es immer eine Gleichberechtigung, es gab ja keine Mehr- oder Minderzahl. So aufgewachsen, habe ich mir eigentlich nie die Frage gestellt, ob ich nur als Frau gesehen werde. Ich hatte immer ein gesundes Selbstbewusstsein.

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie beschlossen haben, in die Fussstapfen Ihres Vaters zu treten? Das war eher schleichend, eher spielerisch, als ich noch ein kleines Mädchen war. Ich wuchs da quasi hinein. Mein Schlüsselerlebnis war meine erste eigene Fashionshow. Ich liebte das Gefühl, dass es meine eigene war, und ich liebte sogar die Angst, die ich vorher und während der Show hatte. Es war wie meine grosse Prüfung. Damit war meine Leidenschaft besiegelt.

Wie würden Sie Ihren persönlichen Modestil beschreiben? Wurden Sie denn in einer patriarchalischen Gesellschaft Italiens von Anfang an ernst genommen?

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Ich bin nicht gerade schrill (lacht). Ich liebe zeitgemässe moderne Eleganz. Ich mixe gerne verschiedene Teile untereinander und kreiere so immer meine


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Outfits je nach meiner morgendlichen Stimmung. Meiner Meinung nach erhält man auch nur so seinen eigenen Stil.

Wenn Sie nun nicht in diese Fashion-Familie geboren wären, welche Berufsrichtung hätten Sie dann eingeschlagen? Ich wäre wahrscheinlich eine Ballerina geworden. Tatsächlich denke ich genau darüber manchmal nach: Was wäre wenn … Aber dadurch, dass ich wirklich sehr, sehr jung im Unternehmen gestartet habe, fällt es mir schwer, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Ich liebe meinen Beruf und ich geniesse ihn.

Über Ihren Vater, Salvatore Ferragamo, weiss die Öffentlichkeit eigentlich sehr wenig. Wie war er denn so? Er war wirklich ein sehr spezieller Mensch. Auf der einen Seite war er immer sehr diszipliniert und strukturiert. Unsere Schulbildung war ihm zum Beispiel sehr wichtig. Unser Zuhause hat vor allem seine Liebe zu unserer Mutter geprägt. Er liebte sie abgöttisch. Allein dies sorgte schon für eine wunderschöne Atmosphäre im Haus. Im Job war er immer sehr offen und interessiert an seinen Mitarbeitern, alle liebten ihn. Er war auch immer präsent und hat sich immer für alles und für jeden in seinem Unternehmen Zeit genommen. Die Firma war selber eine Art Familie. Damals war natürlich alles auch noch viel kleiner …

Wie war denn sein Stil? Immer sehr formell. Er trug eigentlich immer Doppelreiher-Anzüge mit Krawatte. Ausser wenn wir in den Sommerferien am Meer waren, nur dort kleidete er sich leger.

Was hat er Ihnen mit auf den Weg gegeben? Gebe niemals auf! Bringe immer alles zu Ende! Das hat er uns auch immer vorgelebt. Seine Devise war immer, einen begonnenen Weg bis zum Ende zu gehen, egal wie steinig er war.

Was war beruflich für Sie die grösste Herausforderung? Kleidung zu entwerfen, die perfekt zu den Schuhen meines Vaters passt.

Niemals die Identität unseres Unternehmens zu verlieren. Heute muss man aufpassen, dass man nicht zu schnell zu gross wird. Dabei kann man sein exklusives Image verlieren.

Sieht die nächste Generation das auch so? Auf jeden Fall. Die ganze Familie lebt die Ferragamo-Philosophie.

Gibt es einen Familien-Vertrag? Ja, den gibt es. Als wir vor ungefähr 15 Jahren all unsere Kinder einmal zusammenzählten, kamen wir auf eine grosse Zahl. Es sind ja nicht nur die Kinder von uns sechs Geschwistern involviert, es gehören ja auch noch Cousinen und Cousins dazu. Natürlich haben wir uns dann zusammengesetzt und einige Regeln und Massstäbe niedergeschrieben.

Wie viel Paar Schuhe haben Sie? Sind alle Ferragamos? Vorweg, ich trage nur Ferragamo-Schuhe. (Lacht) Oh, die Leute denken immer, ich hätte tausende Paar von Schuhen. Aber es sind gar nicht so viele. Also wenn ich die letzten zwei Saisons überschlagen würde … es wären ungefähr 78 Paar.

Ihre nächste Herausforderung?

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personal

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Rubriken

Ideale

im

Wandel

der

Zeit Was ist Schรถnheit? Yvonne Beck

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Beauty

Z

Zu jeder Zeit und in allen Kulturen gab und gibt es bestimmte Schönheitskriterien und -ideale. Diese sind einem ständigen Wandel unterworfen. Trotzdem denken wir zu wissen, was schön ist und was nicht. Das gilt vor allem im Hinblick auf das klassische Schönheitsideal, welches häufig von den Medien und der Modebranche geprägt wird. Wer diesem Ideal nicht entspricht, hilft gerne mal mithilfe der Plastischen Chirurgie nach. Fettabsaugen, Lid- und Bauchstraffung, Kinn-OPs, Haartransplantationen und Brustvergrösserungen liegen schon seit einigen Jahren im Trend. Der Mensch versucht damit einem Ideal näherzukommen, das die Natur ihm verweigert hat.

Wandel der Schönheitsideale Doch worin manifestiert sich der Schönheitsbegriff? Für viele Menschen muss ein attraktiver Mensch heutzutage auf jeden Fall schlank sein. So selbstverständlich dieses Ideal erscheint – historisch gesehen ist es ziemlich ungewöhnlich. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts galten meist solche Frauen als attraktiv, deren Körper reichlich mit typisch weiblichen Rundungen ausgestattet war. Bilder Alter Meister belegen: Über Jahrhunderte galten Frauenkörper als schön, die wir heute als übergewichtig und dick bezeichnen würden. In alten Zeiten galt Leibesfülle gleichwohl als Statussymbol, denn nur Wohlhabende konnten es sich leisten, mehr zu essen, als der Körper benötigte. Diät war damals ein Fremdwort, mit dem niemand etwas anfangen konnte. Heute hingegen ist Übergewicht eher ein Manko und wird von vielen als unattraktiv angesehen. In den westlichen Industrienationen muss fast niemand mehr Hunger leiden, Nahrungsmittel sind zuhauf vorhanden, fast schon im Überfluss, so dass Übergewicht in den USA beispielsweise sogar eher in den sozialen Unterschichten vorkommt. Mangelnde Bewegung und Fehlernährung sind zwei der häufigsten Gründe für die überzähligen Kilos auf den Hüften. So lässt sich generell behaupten, dass in wirtschaftlich wohlhabenden Ländern ein schlanker Körper eher als attraktiv gilt als ein dicker. Wirtschaftlich arme Länder bevorzugen kräftigere und dickere Körper. Des Weiteren wurde inzwischen nachgewiesen, dass je traditioneller die Rolle der Frau, desto kurvenreicher das Figur-Ideal. Je grösser das Wirtschaftswachstum und je grösser der Anteil der Frauen an Bildungssystem und Erwerbstätigkeit, desto weniger kurvenreich ist das Idealbild. Ähnlich verhält es sich mit der Gesichtsfarbe. Einen leicht gebräunten Teint empfinden West- und Nordeuropäer attraktiver als einen ganz blassen Menschen. In Indien beispielsweise vermeiden viele Menschen die Sonne, um ja nicht braun zu werden, denn je dunkler die Haut, desto niedriger der gesellschaftliche Stand – nur arme Arbeiter setzen sich den ganzen Tag der Sonne aus. So wundert es nicht, dass vielen Körperpflegeprodukten Bleichungsmittel zugesetzt wird, um dem Schönheitsideal weisse Haut näherzukommen.

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Beauty

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Beauty

Ist Schönheit messbar? Viele Wissenschaftler haben sich mit dem Thema Schönheit auseinandergesetzt und Kriterien aufgestellt, mit denen man Schönheit inzwischen messen kann. Beispielsweise dem sogenannten perfekten WHR, dem Taille-Hüfte-Verhältnis. Dieser sollte idealerweise bei 0,7 liegen – das heisst bei 63 Zentimeter Taillenumfang sollte der Hüftumfang 90 Zentimeter betragen. (63:90=0,7). Das ideale Taillen-Hüfte-Verhältnis liegt seit Jahrzehnten konstant bei etwa 0,7, und das, obwohl das Körpergewicht der Models und Sexsymbole durchaus starken Schwankungen unterliegt. Schönheitsikonen wie Twiggy, Marilyn Monroe, Sophia Loren und Kate Moss hatten trotz ihrer unterschiedlichen Gewichtsklassen und Grössen stets einen WHR von etwa 0,7.

Angestrebte Perfektion Doch Körperfülle, Taille und Hüfte sind noch längst nicht alles für eine perfekte Figur, auch die richtige Oberweite spielt eine wichtige Rolle. Dieses lassen allein schon die vielen Brust-OPs vermuten. Während in vergangenen Jahrhunderten der Busen vor allem klein und rundlich sein musste, gelten heute eher grosse Busen als erotisch und perfekter. Während man früher wenig Oberweite und breite Hüften bevorzugte, hält man heute einen grösseren Busen bei gleichzeitig schmalem Hüftumfang als attraktiv. Im Gegensatz zu früher gibt es heute jedoch die Möglichkeit, der Natur ein Schnäppchen zu schlagen und sich chirurgisch nachbessern zu lassen. Trotz alledem kann man der Frage «Was ist Schönheit?» nicht mit knallharten Fakten begegnen, es spielen viel zu viele nicht messbare Faktoren eine Rolle, denn jeder Mensch hat sein eigenes Schönheitsempfinden, welches unter anderem von persönlichen Erlebnissen geprägt ist. Und so liegt Schönheit doch immer in den Augen des Betrachters. Zudem ist es das Wichtigste, dass man sich selbst liebt und in seinem Körper wohlfühlt.

SHORTCUT Die Geschichte des Narziss In der griechischen Mythologie ist Narziss der schöne Sohn des Flussgottes Kephisos, der erfüllt von trotzigem Stolz auf seine eigene Schönheit all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurückwies. Diese Kränkung widerfuhr auch dem aufdringlichen Bewerber Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen liess. Ameinios brachte sich mit dem erhaltenen Schwert um, nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen. Nemesis hörte die Bitte und strafte Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als Narziss sich an einer Wasserquelle niederliess, verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild. Fortan betrachtete er täglich sein Spiegelbild. Eines Tages setzte sich Narziss jedoch an den See, um sich wieder seines Spiegelbildes zu erfreuen, woraufhin ein Blatt ins Wasser fiel und so durch die erzeugten Wellen sein Spiegelbild trübte – schockiert von der vermeintlichen Erkenntnis, er sei hässlich, starb er. Nach seinem Tode wurde er in eine Narzisse verwandelt.

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Rubriken

Der Julia

Roberts

Effekt 200 | PRESTIGE

Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte. Schöne Zähne gehören einfach dazu. Heute gelten schöne und gesunde Zähne als Statussymbol. Hollywoodstars sind sogar berühmt für ihr attraktives Lächeln, so wie Julia Roberts.

Valeska Jansen


Beauty

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Auch Victoria Beckham zeigt heute gerne ihre regelmässigen Zähne. Dass diese nicht immer so perfekt in Reih und Glied standen, beweisen Fotos aus ihrer Spice-Girls-Zeit. Ein regelmässiger Zahnstand ist von Natur aus leider eine Seltenheit. Das wusste auch Tom Cruise und so lächelte er vor ein paar Jahren plötzlich mit Brackets in die Kameras. Heute müsste er das nicht mehr, denn die nächste Generation mechanischer Zahnkorrektur ist der Dernier Cri: Aerodentis heisst die neueste und auch diskreteste Behandlungsmethode für ästhetische Zahnmedizin. Dank physiologischer Kraftimpulse können nun die Zähne schmerzfrei und diskret korrigiert werden. Ein massgefertigtes Mundstück, angeschlossen mit einem dünnen, flexiblen Luftschlauch an einer Steuerkonsole, macht den Traum eines makellosen Lächelns über Nacht zur Realität.

Bereits zehn Stunden täglich reichen aus Im Vergleich mit den herkömmlichen Zahnkorrekturmethoden, die mit dauerhafter Krafteinwirkung arbeiten, ist das Aerodentis-System um ein Vielfaches effektiver. Schon zehn Stunden täglich reichen aus, den Zahnstand sichtbar zu verbessern. Dank einer Impulstechnologie werden die Zahnwurzeln nicht permanent penetriert, so dass eine Zahnwurzelresorption (physiologischer oder pathologischer Abbau von Zement bzw. Zement und Dentin (Zahnbein) im Bereich einer oder mehrerer Zahnwurzeln) vermieden werden kann. Auch unangenehme Wurzelentzündungen sind nun Schnee von gestern. Der Druck auf die Zähne wird digital gesteuert und Zahnwurzel und Kieferknochen werden jederzeit optimal mit Blut versorgt.

Das Gewebe wird regeneriert und die Gesundheit der Zähne wird nicht negativ beeinflusst.

Von Spezialisten gelobt Dies bestätigt auch Orthodontie-Spezialist Dr. Rafi Romano: «Das neuartige Behandlungsparadigma von Aerodentis beruht auf mehrjähriger medizinischer Forschung und entspricht dank seiner zukunftsweisenden Technologie den modernsten Erwartungen der ästhetischen Zahnmedizin. Dank der diskreten und einfachen Anwendung über Nacht war es noch nie so einfach, sich für schöne Zähne zu entschliessen.»

Schöne Zähne «Home Made» Entweder über Nacht oder auch beim Lernen, Arbeiten oder Fernsehgucken kann Aerodentis diskret in den eigenen vier Wänden angewendet werden. Die Öffentlichkeit bleibt aussen vor und unangenehme Blicke oder Fragen müssen nicht mehr ertragen werden. Ein weiterer Vorteil: Das Behandlungstempo, von zehn Stunden täglich, kann nach Absprache mit dem behandelnden Zahnarzt jederzeit individuell angepasst werden. Auch die gesamte Behandlungsdauer kann im Vergleich mit den herkömmlichen Methoden um bis zur Hälfte verkürzt werden. Mit Aerodentis wird der Traum von schönen Zähnen über Nacht zur Realität. Das Aerodentis-System ist in der Schweiz bei ausgewählten Zahnärzten erhältlich. Für die Behandlung werden je nach Umfang Kosten von 6 500 bis 7 000 Franken veranschlagt. www.aerodentis.ch

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Beauty

Die Alternative

ist da Haartransplantation auf neustem Stand Georg Lutz

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Für viele Männer ist ihr lichtes Haupthaar ein echtes Problem. Früher musste man bei der Lösung Operationen und Narben mit häufig zweifelhaften Ergebnissen in Kauf nehmen. Jetzt gibt es dazu neue Behandlungsmethoden, die optimale Ergebnisse liefern. Haare können für den männlichen Anteil des Homo sapiens eine heikle Angelegenheit sein. Manche merken es schon mit Mitte 20, andere erst nach ihrem vierzigsten Geburtstag: Das Haupthaar lichtet sich und Geheimratsecken vergrössern sich. Der frühere Prachtschopf entwickelt sich nicht selten zu einer kümmerlichen Halbglatze. Beim morgendlichen Blick in den Spiegel heisst es: Kenn ich nicht, rasier ich nicht und zum Friseur brauche ich auch nicht mehr zu gehen. Andere Zeitgenossen setzen auf Humor und betonen ihren wachsenden Verstand, bei dem eben die Haare weichen müssten. Und schliesslich haben wir ja auch noch unsere grauen Schläfen, die uns ja wieder attraktiv machen. Schuld an dieser misslichen Entwicklung sind aus medizinischer Sicht männliche Hormone, die unsere Haarwurzeln schädigen. In welcher Form hängt davon ab, wie wir genetisch vorprogrammiert sind. Wer Onkel, Väter und Grossväter hat, die mit 30 grosse Teile ihres Haupthaars verloren haben, kann sich schon mal mental auf Haarverlust vorbereiten.

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Frühere Methoden Jenseits von ironischen und leicht zynischen Betrachtungsweisen gibt es aber auch reale Lösungen. Das Stichwort dazu heisst Eigenhaartransplantation. Früher transplantierte der Operateur mit Hilfe der Lappentechnik. Dabei entnahm er eine behaarte Hautpartie, um sie im Ganzen auf eine kahle Fläche zu übertragen. Die Nachteile waren und sind offensichtlich. Die Übergänge verlaufen abrupt und sind damit optisch erkennbar. Wenn handwerklich schlecht gearbeitet wird, können die Lappen absterben und Narbengewebe hinterlassen. Die fatale Folge: Die Ergebnisse können optisch unvorteilhafter aussehen wie der ursprüngliche Zustand. Daher findet diese Methode heute auch kaum mehr Anwendung.

In kleinen Streifen Kleinere Transplantate mit Hilfe der Streifentechnik erzielen demgegenüber schon bessere Resultate. Dabei werden streichholzkopfgrosse Kopfhautsegmente, auf denen nur wenige Haare wachsen, verpflanzt. Heute arbeitet der medizinisch Verantwortliche mit so genannten Follicular Units. Das sind natürliche Einheiten von nur zwei bis drei Haaren, die unmittelbar nebeneinander auf der Kopfhaut zu finden sind. Hierbei entnimmt der Operateur, unter örtlicher Betäubung, einen schmalen Streifen Haut aus dem Hinterkopf. Anschliessend zerschneidet er diesen unter dem Mikroskop in die gewünschte Grösse und pflanzt die Minitransplantate in die Kahlflächen. Das ist aber immer noch ein grösserer operativer Vorgang.

Auf den Punkt gebracht Die gängige Alternative zur Streifentechnik ist die Entnahme einzelner Haarwurzel-Einheiten am Hinterkopf. Der grosse Vorteil dabei: Es gibt keine flächigen Narben mehr. Aber auch hier gibt es Nachteile. Bei der Entnahme der Haare können die sensiblen kleinen Haarwurzeln beschädigt werden. Zudem ist der Zeitfaktor wesentlich grösser.


Rubriken

Die Räumlichkeiten der HTClinic (Zürich) überzeugen durch nüchterne Professionalität.

Optimierte Lösungen mit SLC-FENDI Hier kann die HTClinic (Zürich) ihre alternativen Methoden einbringen. Die «HTClinic Technik» ist nicht invasiv. Dabei entstehen keine Narben und Nähte, es werden keine Hautstreifen entfernt. Zudem braucht der Patient sich nicht vor Skalpellen zu fürchten. Die Technik basiert auf F.U.E. (Follicular Unit Extraction). Die Punkttechnik wurde von den Verantwortlichen der HTClinic (Zürich) aber noch verfeinert. Durch die Anwendung sehr feiner Nadeln und Instrumente entsteht eine Wund-Grösse von nur 0.75 bis 0.95 Millimeter bei der Extraktion und Implantation. Damit umgehen die Vernatwortlichen elegant die bisherigen Schwierigkeitender Technologie. Die Werkzeuge sind so fein, dass die Kopfhaut nur minimal in Mitleidenschaft gezogen wird. Mit der selbstentwickelten Methode SLC-FENDI können die Follikel sehr präzise eingepflanzt werden, um die gewünschte Dichte und den richtigen Winkel der Haare zu erzeugen. Dazu kommt eine eigene Technik mit körpereigenen Stammzellen, die aus dem Fettgewebe gewonnen werden. Zusammen mit PRP (thrombozytenreiches Plasma) wirkt dies auch präventiv gegen Haarausfall und ermöglicht die Verdichtung der Haare und die Wiederherstellung der ursprünglichen Haarfarbe. www.htclinic.net www.swissluxuryclinic.com

The Luxury Way of Life | 203


kolumne Die «FF Cream» in meiner Kristallkugel Genau zwölf Monate ist es her, dass ich an genau dieser Stelle meine Gedanken zur eben gerade losgetretenen BB-Cream-Welle mit Ihnen geteilt habe. Wie Sie wissen, hat die besagte Creme im vergangenen Jahr einen Höhenflug erlebt, den es in der Beauty-Branche nur selten in der Form zu beobachten gibt. Selbstverständlich waren wir mit unserer Day Wear BB Cream an vorderster Götz Winter Front mit dabei und konnten damit bei unseren Kundinnen ganz neue Bedürfnisse abdecken, denn die Kombination von Make-up, Pflege und Sonnenschutz war bis anhin bei unserem Kundenstamm noch weitgehend unbekannt. Doch ich habe bei meinem letzten Besuch in New York gelernt, dass wir immer wieder Neuheiten lancieren, für die wir schon fast die Bedürfnisse erfunden haben. Oder besser: Unser Job ist es, Innovationen zu präsentieren, für die wir die Kundenbedürfnisse noch wecken müssen. Funktionieren tut es leider nicht jedes Mal mit dem gleichen Erfolg. Doch wenn wir es schaffen und die Ersten sind auf dem Markt damit, dann feiern wir nicht nur grossen Erfolg, sondern erleben eine grosse Befriedigung. Und unsere Kunden fühlen sich wunderbar in der Wahl ihrer Lieblings-Beautymarke bestätigt und sind zufrieden.

geplant – die CC-Creme. Diese «Colour Correcting»Wunder sollen noch weiter gehen in Sachen Ausgleichund Deckkraft und sind in China bereits mit grossem Erfolg lanciert worden. Doch wie bahnbrechend ist diese Neuheit wirklich? Darüber werden am Schluss unsere Kunden entscheiden – wie immer bei Estée Lauder. Hätten Sie danach gefragt? Verlangen Sie an unseren Countern vielleicht auch schon die DD Cream («Daily Defense») oder gar eine neue EE-Formel («Early Elimination»)? Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht. Aber wie Henry Ford sagte: «Hätte ich die Leute gefragt, was sie wollen, dann hätten sie mir geantwortet: schnellere Pferde.» So gesehen müssen wir die Bedürfnisse unserer Kunden finden – oder gar erfinden –, bevor sie sie selbst kennen.

Die Frage, die ich mir fast täglich dazu stelle, lautet: Woran liegt es, dass die Industrie – kaum hat sie etwas Neues erfunden – stets schon mit der nächsten «Weltsensation» kommt? Und vor allem: Können überhaupt in diesem hohen Tempo und mit dieser turbobeschleunigten Marketing-Maschinerie immer wieder derart bahnbrechende Neuheiten entstehen?

Vor über 30 Jahren war es unser legendäres Reparatur-Serum Advanced Night Repair, das eine solche bahnbrechende Neuheit war. Welche es heute und morgen sein wird, bestimmt die Hoffnung unserer Kunden, stets etwas noch Besseres zu entdecken. Und genau diese menschliche Neugier auf Neues und unsere Fähigkeit, diesen Durst nach Innovation zu stillen, treibt mich täglich weiterhin an. Und ja, auch ich denke darüber nach, was man in eine «FF Cream» alles packen könnte!

Wie Sie ja wissen, ist der BB-Boom noch in vollem Gange, und schon wird die nächste Neuheit

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Und auch wenn wir es nicht jedes Mal schaffen, aus dem Wunsch nach schnelleren Pferden Autos zu machen, schaffen wir es dennoch immer wieder, durch (manchmal mehrere) kleinere Schritte richtig grosse Neuheiten zu schaffen, die nicht nur den Markt positiv verändern, sondern auch unsere Kundenzufriedenheit. Und zwar auf Dauer.


Rubriken

WHere HospitaLity and passion are united

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+41 (0)41 392 05 05 The Luxury Way of Life | 205


Rubriken

Investment

auf vier

Rädern

206 | PRESTIGE

© Porsche

Jan-Christopher Sierks


DRIVE STYLE

I

In Zeiten, in denen ausser Edelmetallen nicht viele Vermögensanlagen absolut sicher sind, erleben klassische Automobile ein Revival. Rollende Schätzchen wie Oldtimer und Youngtimer sind bei Sammlern hoch gefragt. Denn im Laufe der Jahre steigt ihr Wert – teilweise in ungeahnte Höhen. Aber Vorsicht: Die Auswahl der Objekte ist entscheidend.

Wohin mit dem Geld, mit dem ersparten oder hart erarbeiteten Budget zum Investieren? Wem die Angebote oder das Handling von den üblichen Geldvermehrern wie herkömmlichen Banken nicht unbedingt zusagen, der sollte überlegen, ob sich eine kleine oder grosse Oldtimer-Sammlung bezahlt machen könnte. Automobile Klassiker bestehen auch während der globalen Finanzkrisen, wenn Aktienkurse in den Keller rauschen und Geldinstitute ihre nächsten Fonds einstampfen. Wenn bei Auto-Raritäten der Jahrgang und das Modell mit dem richtigen Gespür ausgewählt wurden, können sie gute bis sehr gute Renditen einbringen.

Ein Blick zurück Ende der 1980er Jahre brach der Markt für «Classic Cars» ein. Es wurde einige Jahre stiller um Oldtimer, viele Klassiker-Händler hatten mit Beschaffungsund Absatzproblemen zu kämpfen. Als in den 1990er Jahre die Nachfrage anzog, rieben sich alle Sammler die Hände, die das «Garagengold» aufbewahrten. Bei einigen Modellen, wie zum Beispiel den frühen 911er-Baureihen von Porsche, zogen die Preise so an, dass es nahezu zu einer Verdoppelung kam. Seit damals steigen die Preise für klassische Automobile beständig an. Laut Classic Data, einem Pool von Experten und Sachverständigen für Oldtimer, erreichen die automobilen Wertobjekte heute im Jahr durchschnittlich 7,5 Prozent Rendite. Mit ausreichendem Startkapital und einem freien Garagenplatz kann man jederzeit in diesen lukrativen Bereich einsteigen.

The Luxury Way of Life | 207


© Porsche

DRIVE STYLE

Allerdings sollte so einem Projekt eine gewissenhafte Recherche vorausgehen, um solide Marktkenntnisse zu bekommen. Wem das nicht liegt oder zu aufwendig ist, der findet im Internet auch diverse Berater, die Spezialisten auf diesem Gebiet sind und den Finger am Puls der Oldie-Zeit haben. Dazu gehört auch die Berenberg Privatbank, die sich auf diesen Bereich spezialisiert hat. «Oldtimer spielen neben den klassischen Anlagewerten eine immer grössere Rolle für unsere Kunden. Zusätzlich zum emotionalen Wert für den Besitzer haben sie sich in den letzten 30 Jahren als ernstzunehmende Wertanlage etabliert», sagt ein Sprecher zu uns. So unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei der Erstellung von Sammlungsstrategien, dem Sammlungsaufbau und der -verwaltung, der Bewertung von Fahrzeugen und bestehenden Sammlungen sowie bei geplanten Investitionen. Zu bedenken ist auch, dass neben dem Kaufpreis immer Kosten für Lagerung und Reparaturen entstehen. Um eine gute Rendite zu erhalten, muss der Wagen im absoluten Topzustand bleiben. Eine Garantie für die positive Wertentwicklung gibt es jedoch in diesem Bereich ebenso wenig wie bei Aktien oder Fonds. Nicht jedes alte Auto hat die Voraussetzung für Rekordergebnisse. Nur ein Topmodell im guten Zustand hat die Eignung als Geldanlage. Wer Anhaltspunkte zur Wertentwicklung von klassischen Automobilien sucht, wird fündig bei dem VDA (Verband der Automobilindustrie), der zusammen mit Classic-Car-Tax den Deutschen Oldtimer Index (DOX) erstellt. Hier werden halbjährlich Orientierungspunkte für den Oldtimer-Sammler gegeben. Seit 1999 werden Analysen vom VDA veröffentlicht, die den gesamten OldtimerMarkt widerspiegeln sollen.

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Modelle wie der BMW 507 zum Beispiel sind in einem guten Erhaltungszustand mittlerweile fast dreimal so viel wert wie vor ungefähr zehn Jahren. Einige besondere Modelle verbessern ihre Werte zurzeit unaufhörlich, wie auch ein Mercedes 300 SL oder die Aston Martin der ersten DB-Serien. Diverse Spitzenfahrzeuge haben innerhalb von zehn Jahren ihren Wert verdoppelt.

Gute Recherche und sachkundige Berater Grundlage dafür ist jedoch neben einer permanenten Marktbeobachtung eine hohe Investition, um einen hohen Gewinn zu erzielen. Das klappt mit einem Aktien-Depot im selben Zeitraum häufig weniger gut. Die steigenden Oldtimer-Preise, wie entstehen sie eigentlich? Rekordpreise auf internationalen Auktionen, bei Oldtimer-Fonds und der erfolgreiche Verkauf aus Privatsammlungen lösen Bewegungen aus, die sich auf den Gesamtmarkt niederschlagen. Das macht es für Einsteiger mit nur geringer Kapitaldecke schwierig. Eine besonders gute Recherche mit informierten und sachkundigen Beratern kann helfen, eine Angebotsnische oder ein noch nicht oder wenig gehandeltes Fahrzeug mit exzellenter Herkunft im ordentlichen Zustand zu finden. Zeit und Ausdauer können zum gewünschten Ziel führen.


pirelli.ch Rubriken

ENGINEERED TO EXCITE

TECHNOLOGIE – MIT DEN FÜHRENDEN FAHRZEUGHERSTELLERN ENTWICKELT – UM DIE LEISTUNG IHRES FAHRZEUGES ZU STEIGERN. The Luxury Way of Life | 209


© RM

DRIVE STYLE

Die Ergebnisse von Auktionen der Anbieter wie Bonhams, RM Auctions oder Barrett-Jackson Auctions sind mit gewisser Skepsis zu betrachten, stellen sie eben nur den augenblicklichen Wert für den Bieter dar. Rekordpreise unterliegen sehr oft der Emotion des Ersteigernden. Um ein zuverlässigeres Bild zu bekommen, sollten Interessenten von dem angestrebten Modell mehrere Auktionsergebnisse nebeneinanderstellen, um die Tendenz in der Wertentwicklung sichtbar zu machen. Es gibt immer wieder Auktionen, auf denen Preise deutlich über dem Marktwert erzielt werden, weil zum Beispiel emotionale Gründe eine Rolle spielten. So kommt es vor, dass diese Wagen nach einiger Zeit zu geringeren Preisen den Besitzer wieder wechseln. Eine Gemeinsamkeit haben Sammler von Kunst und von Oldtimern, sie sind in ihren Entscheidungen meist nicht rational.

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Die emotionale Ebene spielt bei dem Kauf von automobilen Klassikern eben mit. Die Lackfarbe, die Karosserieform oder Motoren entscheiden fast immer, weil sich der Käufer quasi verliebt hat in das Objekt der Begierde. Wie beim berühmtesten Gebrauchtwagen der Welt. Der silbergraue Aston Martin DB5, Baujahr 1964, bekannt durch James Bond aus «Goldfinger» und «Thunderball», kam für 4’608’500 US-Dollar unter den Hammer. Der US-Amerikaner Jerry Lee, Betreiber eines Rundfunksenders in Philadelphia, hatte das 007-Auto von Sean Connery im Jahre 1969 direkt bei Aston Martin für 12’000 US-Dollar gekauft. Mit allen voll funktionsfähigen Extras wie rotierendem Wechselkennzeichen, Schleudersitz für unliebsame Beifahrer, Maschinengewehren unter den Blinkern, ausfahrbarem Kugelfang im Heck, ausfahrbaren Messern in den Radnaben sowie Nebel-, Öl- und Krähenfüsse-Werfern gegen lästige Verfolger. Eine solche Wertsteigerung ist natürlich einzigartig.Enthusiasten klassischer Autos behaupten, es handele sich um eine krisenfeste Wertanlage. Am Ende jedoch sind die wirklichen Gewinner dünn gesät. Es bedarf ausgesuchter Modelle von Herstellern der Top-Liga wie zum Beispiel Ferrari, Bugatti, Jaguar, Aston Martin, BMW, Porsche und Mercedes sowie ein sicheres Gespür für Tendenzen, um deutliche Wertsteigerungen zu verzeichnen.


© Jaguar

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Spass und Gewinn Der Einstieg in diese Liga beginnt im sechsstelligen Eurobereich. Wie bei Reinhard Hipel aus Hamburg. Der Werbekaufmann hat vor einigen Jahren einen Aston Martin DB2 mit hoher Investition erworben. «Der Wertzuwachs meines DB2 liegt im guten zweistelligen Prozentbereich», erklärt er uns gegenüber. «Das jährliche Gutachten für die Versicherung belegt das deutlich.» Er teilt die Einschätzung von Experten, die bezüglich der Wertentwicklung weiterhin einen guten Markt mit einer fortlaufenden positiven Entwicklung sehen. Hipel bewegt seinen Wagen regelmässig und besucht damit auch Veranstaltungen im europäischen Ausland – auf eigener Achse versteht sich. Für ihn ist sein grünes Coupé eine Wertanlage, die sich rechnet und als Zugabe Spass macht. Die aktuelle Marktsituation von klassischen Automobilien ist relativ stabil. Gegen einen jetzigen Einstieg in die OldtimerSzene spricht nichts.

Die sorgfältige Auswahl der mobilen Sammlungsobjekte und eine frühzeitige strategische Ausrichtung der Sammlung sind dabei entscheidend für eine erfolgreiche Investition in diesem Segment. Das Investment auf vier Rädern bleibt wie jede Anlageform immer mit einem Risiko behaftet. Allerdings mit einem schönen Anblick, der als Edelmetall in der Garage steht.

Darüber hinaus sollte ein Oldtimer nicht unbedingt nur als reine Wertanlage betrachtet werden. Ein Klassiker offeriert die Nebenwirkung von erholsamen Ausfahrten, interessanten Markenklubs mit spannenden Events oder, für die Mutigen, Teilnahme an Rallyes oder gar Oldtimer-Rennen.

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SHORTCUT

Röhrende

Motoren Für Sportwagenfans Die Vorstellung des Porsche 901 auf der IAA 1963 markiert einen Meilenstein in der Automobilhistorie. Der Name musste noch geändert werden, weil Peugeot das Patent auf die 0 in der Mitte der Typenbezeichnung besass, doch dann liess sich der 911 auf dem Weg zur Sportwagenikone nicht mehr aufhalten. Die Erfolgsgeschichte reicht vom Urtyp über den Carrera RS 2.7, den schnellsten Serienwagen seiner Zeit mit dem charakteristischen Heckspoiler, dem sogenannten «Entenbürzel», bis zur aktuellen Generation 991. Der bekannte Autofotograf René Staud lässt in seinem markanten Stil die wichtigsten Modelle aus der grossen 911-Familie zum 50-jährigen Jubiläum in hellem Glanz erstrahlen.

«The Porsche 911 Book» René Staud & Jürgen Lewandowski TeNeues Verlag

Motorenstart Henry Ford gab dem Zeitalter des Automobils Starthilfe, indem er im Jahr 1908 das erste Auto vom Fliessband laufen liess: das Model T. Über die nächsten hundert Jahre entwickelte sich das Automobil vom tuckernden Arbeitstier über das Vorzeigegefährt der Heckflossenära bis hin zum eleganten Statussymbol mit Mercedes-Stern. Einst als wundersame Neuheit bestaunt, wurde das Auto in der Nachkriegszeit zu einer Notwendigkeit des modernen Zeitalters, einem Schlüssel zur Freiheit, die die Strasse versprach. «20th Century Classic Cars» ist eine visuelle Automobil-Geschichte in Jahrzehnten mit über 400 Werbeanzeigen aus der Jim Heimann Collection. Dieses Buch verfolgt die Entwicklung des Autos vom Fuhrwerk ohne Pferde zur Rakete auf Rädern und darüber hinaus, illustriert durch ausgewählte Bilder aus 100 Jahren Automobilwerbung.

«20th Century Classic Cars» Phil Patton, Jim Heimann Taschen Verlag

212 | PRESTIGE


Driving crazy Frank Kayser ist der weltweit prägende Automobilfotograf der Gegenwart. Der gebürtige Hesse hat eine neue Art der Bildsprache entwickelt, die voller Kraft, aber auch voller kleiner Geschichten ist. Kayser komponiert seine Shootings wie Performances, er lebt sich hinein in seine Motive und lässt donnerndes Licht und radikale Schatten in seinem Kayser-Kosmos auftreten. Seine Arbeit wird von allen grossen Automobilherstellern geschätzt und genutzt zur Positionierung vor allem sportlicher Fahrzeuge. Neben Audi und Porsche hat Kayser bereits für Mercedes-Benz of China, Volkswagen, Lamborghini, Infinity und BMW gearbeitet. Sein Portfolio ist ein Kaleidoskop der faszinierendsten Sportwagen der Welt. Kontrastiert werden seine automobilen Arbeiten von ganz stillen, fast schweigsamen Unterbrechern – Bildern aus der urbanen Umgebung der Fahrzeuge, doch konsequent frei von ihnen.

«Kayser» Frank Kayser Delius Klasing Verlag

Spürbarer Fahrspass Ein Werbeslogan inmitten der Popkultur: Audis «Vorsprung durch Technik» ist nicht nur in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen, sondern hat es bis in den Text von Songs wie «Parklife» von Blur oder U2s «Zooropa» geschafft. Doch Vorsprung durch Technik ist für Audi weit mehr als ein Claim – es steht für die konsequente Haltung, immer wieder neu zu denken. Im Lauf seiner bewegten Geschichte seit 1909 hat das Unternehmen mit den vier Ringen zudem immer wieder Autos hervorgebracht, die Emotionen wecken. «The Audi Book» bietet ein faszinierendes Panorama über mehr als hundert Jahre Automobilgeschichte bis hin zur erfolgreichen Gegenwart der Marke.

«The Audi Book» TeNeues Verlag

Die grossen Duelle in der Formel 1 Die Formel 1 lebt von ihren unterschiedlichen Charakteren, und sie lebt erst richtig, wenn diese im Grenzbereich aufeinander losgelassen werden. Die Duelle der besten Rennfahrer der Welt machen den Motorsport so interessant, so spannend, aber auch so unberechenbar. Es sind die erbitterten Duelle grosser Piloten, die seit mehr als sechs Jahrzehnten das Image der Königsklasse bestimmen. Kämpfe, die nicht nur auf der Piste ausgetragen werden. Rivalitäten, die ganze Teams spalten und die Fangemeinde gleich mit. Siegt am Ende der Perfekteste – oder der Leidenschaftlichste? Zehn grosse, charakteristische Duelle schildern die Formel-1-Insider Elmar Brümmer und Ferdi Kräling in allen Facetten und zehn grossen Kapiteln.

«Rivalen der Rennstrecke» Elmar Brümmer & Ferdi Kräling Delius Klasing Verlag

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DRIVE STYLE

Das Ziel

heisst

Le Mans Vor nun mehr 90 Jahren wurde die Materialschlacht im Département de la Sarthe erstmals ausgetragen. Triumphe und Tragödien machten die «24 Stunden» zu einem der bedeutendsten Langstreckenrennen der Welt. Adriano Cimarosti

Alain Pruvost, Collection Maniago, Collection Alessandro Silva, Werk

Die Bentley-Erfolgsserie eröffnen 1924 die Fahrer Duff und Clement mit diesem schlicht «Sport» genannten Wagen

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Ja früher, da gab es viele prominente Langstreckenrennen. Man denke nur an die Targa Florio auf Sizilien, die Mille Miglia, die Tourist-TrophyRennen auf den Britischen Inseln oder die mexikanische Carrera Panamericana. Und doch sind aus jener Epoche bis heute nur die 24 Stunden von Le Mans übrig geblieben. Die wurden am 26./27. Mai 1923 erstmals ausgetragen und das kam so: Im Oktober 1922 hatte sich die «Crème de l’Automobile» im Grand Palais des Champs-Élysées zum Pariser Automobilsalon getroffen. Am Stand der Firma Rudge-Withworth fanden sich deren Repräsentant Emile Coquille, der renommierte französische Fachjournalist Charles Faroux sowie Georges Durant, der Generalsekretär des ACO (Automobile Club de l’Ouest) aus Le Mans, ein. In den Köpfen dieser Männer spukte der Gedanke eines grossartigen Rennens, das in seiner Art aussergewöhnlich sein sollte. Faroux dachte an einen Wettbewerb, dessen Charakter den einstigen Monsterfahrten von Stadt zu Stadt zu entsprechen hatte, wie sie in den Urzeiten des Automobils auf unserem Kontinent liefen. Er schlug schliesslich ein Nachtrennen über sechs Stunden vor, in der Absicht, dadurch die Beleuchtung der Fahrzeuge auf eine interessante «Feuerprobe» zu stellen. Coquille war von der Idee begeistert und fügte bei, dass seine Firma für einen derartigen Wettbewerb einen grossen Pokal stiften würde. Schliesslich fragte Durant: «Warum denn nicht ein Rennen über 24 Stunden?» Die Idee schlug ein. Damit waren die «24 Heures du Mans», welche heuer ihren 90. Geburtstag feiern und nun am 22./23. Juni auch zum 81. Mal stattfinden werden, geboren. Regie führte natürlich der ACO und dabei ist es bis heute geblieben: Keinem Veranstalter, nicht mal FIA-Impresario Bernie Ecclestone, ist es gelungen, etwas daran zu ändern. 24-Stunden-Prüfungen waren damals an sich nichts Neues, in den Vereinigten Staaten hatte man solche Wettbewerbe – auf Pferderennbahnen – schon zwischen 1905 und 1910 abgehalten.

Wagen wie im Katalog Es war Charles Faroux, der die Basis für das erste Le-Mans-Reglement definierte: Personenwagen mussten ihrer Beschreibung im Fabrikkatalog entsprechen, bei einem Hubraum unter 1100 cm3 genügten zwei Sitzplätze, Autos mit grösserem Motor mussten vier Personen aufnehmen können. Werkzeug und Ersatzteile hatten sich an Bord zu befinden, lediglich die Ersatzreifen konnten an den Boxen deponiert werden. In den ersten Jahren wurde in Le Mans noch «normal» gestartet, das bedeutete je zwei und zwei Fahrzeuge hintereinander. Ab der zweiten Auflage 1924 mussten Wagen mit Faltdach einige Jahre lang mindestens zwanzig Runden mit hochgezogener «Capote» zurücklegen. Gegen Ende der 30er-Jahre brauchten auch grossvolumigere Autos nicht mehr vierplätzig konzipiert zu sein – es war eine Epoche, in der immer mehr Vollblutsportwagen antraten.

Diverse Streckenkombinationen Als Rennbahn wählte der organisierende Club eine 17,26 Kilometer lange Kombination bestehender Strassen, wobei ein kleiner Teil des Circuits durch ein Aussenquartier der Stadt Le Mans führte. Diese Verlängerung mit der Spitzkehre am Platz von Pontlieue wurde bis 1928 befahren, dann schnitt man den «Stadtkurs» aus Sicherheitsgründen ab, womit sich eine Runde auf 16,36 Kilometer verkürzte. In die Rundstrecke einbezogen war auch ein Teil der Route Nationale Nr. 158 (Le Mans–Tours), welche im Verlaufe der Jahre als «ligne droite des Hunaudières» einen fast legendären Ruhm erlangen sollte.

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In den 20er-Jahren müssen offene Wagen mindestens 20 Runden mit geschlossenem Verdeck zurücklegen.

1935 war das Jahr mit der bis heute höchsten Frauenquote: Gleich zehn gingen anden Start

Bis 1925 standen an dieser ursprünglich noch einige leichte Biegungen enthaltenden, holprigen Streckenpartie ohne festen Belag die Boxen. Im Jahre 1932 erhielt der Kurs mehr oder weniger seine endgültige Form, indem man zwischen der späteren Zielgeraden (gleich nach den Tribünen) und der Kurve von Tertre Rouge (Beginn der Geraden von Hunaudières) ein Verbindungsstück mit eingebautem «S» vorsah. Die Bahn war nun 13,49 Kilometer lang. Diese Rndenlänge sollte erst wieder 1968 modifiziert werden, als man unmittelbar vor dem Boxenbereich – um das Tempo auf der Zielgeraden zu drosseln – die Ford-Kurve (eigentlich eine Schikane) einbaute. Vier Jahre später wurde die Anlage noch mit einer zusätzlichen Schlaufe zwischen der berüchtigten Partie bei Maison Blanche und den Tribünen versehen. 1990 büsste Le Mans einen Teil seiner Legende ein, denn die Gerade von Hunaudières, wo man im Training manchmal Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 400 km/h registrierte, musste aus Sicherheitsgründen durch den Einbau zweier Schikanen oder Bremskurven «entschärft» werden, was bei den Puristen für Polemik sorgte. Die Strecke war damit neu 13,6 Kilometer lang.

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Die 24 Stunden von Le Mans sind vielen noch wegen der Kata­strophe vom 11. Juni 1955 in Erinnerung geblieben, als zwei Fahrzeuge bei hohem Tempo auf der Zielgeraden kollidierten, wobei eines in den Zuschauerraum flog und dort explodierte. Über achtzig Menschen kamen bei diesem Unfall ums Leben. Das Unglück von Le Mans löste weltweit Kritik am Rennsport aus; viele Veranstaltungen wurden daraufhin abgesagt. In der Schweiz hat man Rundstreckenrennen seither sogar verboten. Inzwischen ist sehr viel für die Sicherheit von Akteuren und Publikum getan worden, die Fortschritte sind zweifellos gross.

Spurt zum Auto Berühmt war früher der sogenannte Le-Mans-Start, bei dem die Sportwagen auf der rechten Seite der Startgeraden in einer langen Reihe und schräg zur Fahrbahn aufgestellt wurden. Auf der anderen Seite der Piste gingen die Fahrer in einem kleinen weissen Kreis mit Startnummer in Stellung, um dann nach dem Senken des Tricolore zu ihren Autos zu sprinten. Dieser kurze Spurt der Le-Mans-Fahrer gehörte einfach zum Bild dieser Veranstaltung. Als dann die Sicherheitsgurten mehr und mehr aufkamen und schliesslich sogar zum Obligatorium erhoben wurden, bedeutete dies 1970 das Aus für die originelle Startform: Ab sofort mussten sich die Konkurrenten nebeneinander auf der rechten Seite aufstellen, wobei die Fahrer bereits fest angeschnallt hinter dem Steuer zu sitzen hatten. 1971 folgte der Start mit Anlaufrunde (Indy-Start) hinter einem Pacecar, ganz so wie in der Formel 1. Favorisierte Teilnehmer legten Wert darauf, im ersten Bogen gleich nach dem Start, dort, wo die Strecke unter der berühmten Dunlop-Brücke hindurchführt, an der Spitze des Feldes zu liegen: Dann bestand eine gute Chance, sein Bild in den Sonntagsausgaben der Zeitungen bewundern zu können. Es gab auch noch einen andern Trick, um sich Publizität zu verschaffen: Manchmal hielt ein Konkurrent (meistens aus dem Hinterfeld) schon nach der ersten Rennrunde kurzfristig an den Boxen an, in der Hoffnung, eine «Abwechslung» suchende TV-Kamera nehme ihn zur grossen Freude des auf der Karosserie werbenden Sponsors aufs Korn. Bis und mit 1963 erfolgte die Startreihenfolge noch nach Hubraum, danach war die Qualifika­tionszeit für die Reihenfolge bestimmend.

Volksfest-Charakter Keine Frage: Le Mans war auch ein Publikumserfolg und ist es bis heute geblieben. Zusammen mit den 500 Meilen von Indianapolis und dem Grand Prix von Monaco zählen die «24 Stunden» zu den weltweit populärsten Rennsportveranstaltungen überhaupt. Für eine Marke brachte und bringt ein Sieg an der Sarthe ziemlich viel, er bedeutet Popularität und Prestige. Es wurde immer wieder festgestellt, dass der Le-Mans-Triumph eines Herstellers mehr Aufsehen erregt als der Gewinn einer Markenweltmeisterschaft. Der Anlass war und ist auch stets eine Art Volksfest gigantischen Ausmasses – mit einer Präsenz um die 200 000 Zuschauer, welche die Rennstrecke während zweier Tage und einer Nacht säumen. Karusselle, Schaubuden,

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Nach der Katastrophe von 1955 wurde die Zielgerade verbreitert und eine neue, zur端ckversetzte Boxengasse gebaut. 218 | PRESTIGE


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Wahrzeichen: Die Dunlop-Br端cke ist fester Bestandteil des Spektakels und bis heute ein beliebtes Foto-Motiv

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Würstchenstände, Diskotheken, käufliche Damen – auf dem weiten Areal ist für Amüsement jeglicher Art gesorgt. Viele Schlachtenbummler legen sich am Sonntagmorgen übermüdet ins Gras und gönnen sich ein Nickerchen. Markenclubs und andere anreisende Vereinigungen pflegen übrigens ganze Parkfelder im Voraus zu reservieren. Man kann Flächen voller Alfa Romeo, Aston Martin, Bugatti, Ferrari, Jaguar, MG oder Porsche beobachten. Traditionell kommen stets viele Briten über den Ärmelkanal, um live dabei zu sein. Früher trafen sie sich schon unter der Woche im Restaurant des Hunaudières, wo der Whisky reichlich floss und es hoch herging – bis der Alkoholausschank dort schliesslich eingestellt worden ist.

Moderne Zeiten Wer die aktuelle Anlage kennt, mag kaum glauben, dass die Zuschauer früher hinter Bretterzäunen direkt an der Strasse standen. Nach dem erwähnten Unfall von 1955 wurde die Bahn im Zielbereich wesentlich verbreitert und – weiter zurückversetzt – eine neue Boxengasse gebaut. 1991 ersetzte man sie schliesslich durch ein modernes und riesiges Prachtgebäude, das einem grossen Dampfschiff ähnlich sieht und von Nostalgikern etwas spöttisch als «Flugzeugträger» tituliert wird. Hinzu kam ein grosser Kontrollturm, welcher der Rennleitung einen hervorragenden Überblick bietet. Zuvor mussten die Journalisten ihre Berichte noch an den Pulten einer seitlich offenen und an der Bahn-Aussenseite stehenden Tribüne in ihre Schreibgeräte tippen. Im einstigen Schreibmaschinenzeitalter flatterten die zu beschriftenden Blätter nervenzermürbend im Wind und wurden von findigen Chronisten per Wäscheklammer beschwert. Wer sich direkt in den Boxen informieren wollte, musste über die Dunlop-Brücke und einen weiten Umweg durch die Volksmassen in Kauf nehmen. Die Autos der Presseleute waren hinter ihrer Tribüne entlang einer Betonwand parkiert, jeder bekam seine Nummer schön zugeteilt. Allerdings pflegten etliche Zuschauer in der Nacht ihre Notdurft, zwischen den Autos gebückt, unter freiem Himmel zu verrichten. Vom «Flugzeugträger» aus können die Berichterstatter das Geschehen inzwischen bequem durch grosse Fenster über den Boxen beobachten und in geräumigen, klimatisierten sowie mit Bildschirmen ausgestatteten Pressesälen arbeiten. Eine Treppe führt zu den zwei Stockwerke tiefer liegenden Boxen hinab. Le Mans gönnte sich sogar ein eigenes Rennjournal, das von der Lokalzeitung «Le Maine Libre» herausgegeben wird, während des Rennens mehrmals erscheint und über das Geschehen informiert.

Marken-Erfolgsphasen Als «weltweit schnellste Lastwagen» bezeichnete Ettore Bugatti seinerzeit die Bentley mit spöttischem Unterton, aber die imposant-voluminösen Vier- und Sechszylinder (teilweise mit Kompressor) aus England, pilotiert von den legendären «Bentley Boys», dominierten in der zweiten Hälfte der 20er-Jahre das Geschehen. Diese Rolle übernahmen Anfang der 30er-Jahre die aufgeladenen Alfa Romeo 8C 2300. Die folgenden Rennen wurden wechselvoll durch Siege von Lagonda, Bugatti und Delahaye gekennzeichnet. Nach dem Krieg liefen die vom Präsidenten der Republik, Vincent Auriol, gestarteten 24-Stunden-Rennen erst 1949 wieder an. Mit dem Ferrari 166 MM Touring Chassisnummer 008, pilotiert von Luigi Chinetti/Lord Selsdon, siegte exakt dasjenige Auto, welches zwei Monate zuvor unter Clemente Biondetti die Mille Miglia gewonnen hatte. Es folgten die 50er-Jahre, in denen die Jaguar C- und D-Type mit ihren Reihensechszylindern

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die ersten Plätze holten. Der Sieg eines C-Type brachte 1953 zugleich den ersten bedeutenden Rennerfolg mit Scheibenbremsen. Ab 1957 betrachtete es der Veranstalter für notwendig, das Starterfeld auf 55 Wagen zu limitieren, weil die Liste der Teilnahmekandidaten laufend länger geworden war. Ende der 50er-Jahre setzte definitiv die Phase der V12Ferrari Typ 250, 330 und 275 ein. 1963 gewann erstmals ein Wagen mit Mittelmotor (Ferrari 250 P). 1964 betrat Detroit-Gigant Ford die Kampfarena, aber erst zwei Jahre später sollte die Erfolgsserie für die englisch-amerikanischen V8-Konstruktionen ihren Anfang nehmen. 1966 fiel sogar Henry Ford II die Aufgabe zu, die Startflagge zu schwingen – diese Ehre hatten später auch Gianni Agnelli oder Sergio Pininfarina oder 1972 ein weiterer französischer Staatspräsident – Georges Pompidou. 1969 sah das vielleicht spektakulärste Finish – Jacky Ickx siegte auf Ford nur 300 Meter vor Hans Hermann auf Porsche – normalerweise beträgt der Abstand mehrere Runden. Neben drei Erfolgen der französischen Matra V12 standen die 70er-Jahre vorwiegend im Zeichen der Porsche, was meistens auch in den 80ern mit den schier unschlagbaren 956 und 962 der Fall war. Ein Sauber mit Mercedes-V8-Triebwerk eroberte 1989 den obersten Podestplatz. Zwei Jahre später dann die Überraschung – es gewann ein japanischer Mazda mit Wankelmotor! Die 90er-Jahre sahen wieder verschiedene Sieger; zweimal platzierte Peugeot einen Erfolg, die sonst im Formel-1-Bereich aktive Marke McLaren gewann 1995, viel Beachtung fand 1999 der BMW-Sieg, weil er praktisch als Eintagsfliege der Bayern zu bewerten war. Danach setzte die lange Phase der Audi-Dominanz ein, die praktisch bis in die heutige Zeit reicht und bloss 2009 von einem PeugeotTriumph unterbrochen wurde. Zwar hat 2003 ein Bentley Speed 8 gesiegt, doch der entsprach konstruktiv weitgehend dem Audi. 2006 holten die Ingolstädter dann den ersten Le-Mans-Erfolg mit Dieselmotor. 25 Hersteller im Goldenen Buch In den 80 zwischen 1923 und 2012 ausgetragenen Auflagen des 24-Stunden-Rennens von Le Mans, das von 1953 bis 1974 auch für die Markenweltmeisterschaft gezählt hat, gingen 25 Marken im Gesamtklassement siegreich hervor. Angeführt wird die Erfolgsliste von Porsche mit 16 Siegen (zwischen 1970 und 1998) vor Audi mit 11 (2000–2012), Ferrari mit 9 (1949–1965), Jaguar mit 7 (1951–1990), Bentley mit 6 (1924–2003) sowie Alfa Romeo (1931–1934) und Ford (1966–1969) mit jeweils 4. Matra holte zwischen 1972 und ’74 drei Pokale, ebenso Peugeot (1992–2009). Je zweimal gewonnen haben Lorraine-Dietrich, Bugatti und TWR-Porsche. Auf je einen Erfolg kamen Chénard-Walcker, Lagonda, Delahaye, Talbot, Aston Martin, Mercedes, Mirage, Renault, Mazda, Sauber-Mercedes, BMW, Rondeau und McLaren. Parallel zum Gesamtsieg wurde 1939 das sogenannte Indexklassement eingeführt; relevant wurde es indes erst in den 50er-Jahren: In jeder Hubraumklasse definierte man aufgrund von Erfahrungswerten eine zurückzulegende Mindestdistanz, die den Index 1 ergab. Wer diesen Wert mit dem höchsten Faktor übertraf, war Indexsieger, was in den meisten Fällen mit eher kleinvolumigen Wagen glückte. Dieses Indexklassement war nach dem Krieg vor allem auf französische Wagen zugeschnitten, weil es damals viele kleinvolumige Rennkonstruktionen mit getunten Motoren von Simca, Renault, Peugeot oder Panhard gab. Andere Häuser wie Lotus machten sich diese Regelung zunutze und holten gleich mehrere Indextitel.

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Durch die Dunkelheit: nächtlicher Boxenstopp 1962 des Aston Martin P 212 von Hill/Ginther

Prominente Namen Vor einigen Jahrzehnten haben auch Grand-Prix-Piloten regelmässig an den 24 Stunden von Le Mans teilgenommen. Grössen wie Alberto Ascari, Giuseppe Farina, Juan Manuel Fangio, Stirling Moss, Jim Clark oder Jackie Stewart gingen auf dem Circuit im Département de la Sarthe an den Start. Seit den 1980ern sucht man in den Startlisten jedoch vergeblich nach Formel1-Koryphäen: Meistens schliessen ihre Teamverträge ein Langstreckenrennen aus; davon abgesehen lässt die ständig zunehmende GP-Zahl (aktuell 20, bis vor ein paar Jahren kamen noch viele Tests dazu) kaum Spielraum übrig. Immerhin, im Goldenen Buch der 24 Stunden von Le Mans figurieren auch die Namen prominenter Piloten aus dem GP-Bereich. 1933 siegte der legendäre Tazio Nuvolari auf Alfa Romeo, 1937 und 1939 gewann Jean-Pierre Wimille auf Bugatti, 1952 war es Hermann Lang auf Mercedes (Europameister 1939), 1954 führte Froilan Gonzalez (WM-Zweiter 1954) Ferrari zum Sieg, 1955 überquerte Mike Hawthorn (Weltmeister 1958) auf Jaguar als Erster die Zielgerade, zwischen 1958 und 1962 sass Phil Hill (Weltmeister 1961) dreimal im Cockpit der siegreichen Ferrari, auch Jochen Rindt (Weltmeister 1970) führte 1965 einen Ferrari zum Titel. 1967 war das Jahr der Ford-Piloten Dan Gurney (vierfacher GP-Sieger) und A.J. Foyt (vierfacher Indianapolis-Sieger), es folgten die Serienerfolge von Jacky Ickx auf Ford, Mirage und Porsche (sechsfacher Le-Mans-Sieger und achtfacher GP-Sieger).

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Helden der Ausdauer Früher konnte ein Fahrer beliebig lange am Steuer sitzen, ehe er vom Teamkollegen abgelöst wurde. Und es gab auch besonders ehrgeizige Piloten, welche das 24-Stunden-Pensum unbedingt solo zu bewältigen versuchten. Der Franzose Louis Rosier, der 1950 mit seinem Talbot T 26 GS gewann, liess sich nur während zwei bis drei Runden von seinem Sohn Jean-Louis ablösen. Auch sein Landsmann Pierre Levegh wollte es 1952 wissen und fuhr ohne Ablösung, aber 70 Minuten vor Ablauf der 24. Stunde, als er das Rennen mit seinem Talbot T 26 GS mit vier Runden Vorsprung auf die Mercedes 300 SL anführte, erlitt sein Sechszylinder einen schweren Defekt – und die Stuttgarter fuhren daraufhin einen Doppelsieg nach Hause.

Neue Regeln Damals war ein 24-stündiger Einsatz eines Piloten noch denkbar, weil die Flieh- und Querkräfte in den Kurven, beim Beschleunigen und Bremsen nicht so horrend hoch waren. Ganz anders sieht es bei modernen Konstruktionen aus, die via Aerodynamik einen starken Abtrieb erzeugen und auch über sehr leistungsstarke Bremsen verfügen. Schon die Heldentat Leveghs hatte die Verantwortlichen dazu veranlasst, Dauereinsätze der Piloten auf ein

Der kleine René Bonnet hat 1963 Pech, doch sein Fahrer Roger Masson bleibt glücklicherweise unverletzt

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erträgliches Mass zu reduzieren: Ab 1953 durften die Fahrer während maximal 80 Runden ununterbrochen am Steuer sitzen; für das ganze Rennen war der Einsatz einzelner Piloten auf 18 Stunden limitiert. 1956 wurden es 72 Runden oder 14 Stunden insgesamt, 1960 waren nur noch 52 Umläufe am Stück erlaubt. Schon 1953 hatte man im Reglement erstmals ausdrücklich festgehalten, dass ein Zusatzfahrer (also ein dritter Pilot) teilnahmeberechtigt sei. Ab 1970 durfte in Le Mans ein Fahrer maximal bis zu vier Stunden lang an einem Stück pilotieren, dann hatte die Ablösung zu erfolgen. Kamen früher pro Fahrzeug in der Regel nur zwei Piloten zum Einsatz, waren es ab 1973 immer öfter drei Mann; heute sind selbst vier Fahrer keine Seltenheit. Auch die zurückzulegende Mindestdistanz zwischen zwei Tankstopps ist ab 1954 limitiert worden: Vorgeschrieben waren nun 30 Runden oder 400,7 Kilometer – eine Regelung, die oft geändert werden sollte. Und es gab noch weitere Vorschriften: Um ausschliesslich noch einsatzfähige Autos ins Klassement aufzunehmen, wurde schon in den fünfziger Jahren entschieden, dass ein Wagen seine letzte Rennrunde in maximal 20 Minuten zu bewältigen hatte – ab 1964 waren es noch 15 Minuten.

Viele Kategorien Einen separaten ausführlichen Beitrag ergäbe die Beschreibung aller im Verlaufe der Jahrzehnte ausgeschriebenen Wagenkategorien: Tourenwagen, Sportwagen, Gran-Turismo-Wagen, Sportprototypen bis hin zu den heutigen LMP1, LMP2, GTE oder GT1 mit den vielen Gewichts- oder Hubraumlimiten, mit oder ohne Aufladung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Andere Bräuche Ab 1964 bereitete Ford mit seinen GT 40 und den 1965/66 folgenden GT Mark II und GT Mark IV seine mehrjährige Le-Mans-Dominanz vor; schon 1966 fuhr der Gigant aus Detroit erstmals ganz oben aufs Treppchen. Die Amerikaner betrieben einen viel grösseren Aufwand als andere; ihre imposanten und besteingerichteten Werkstattwagen im Fahrerlager sorgten für neue Dimensionen. Ford war auch das erste Team, das sogar einen Küchenwagen in den Paddock stellte, um die umfangreiche und einheitlich gekleidete Mannschaft an Ort und Stelle zu verpflegen. Die meisten Mannschaften zogen sich damals noch in reservierte Garagen von Le Mans und Umgebung zurück. Die offiziellen Ferrari wurden beispielsweise in einer Halle des einstigen Schlachthofes gewartet. Immer wieder mussten die Mechaniker neugierige Buben oder Autogrammjäger zurückweisen. Der Porsche-Tross nistete sich jahrelang bei einem Garagier in der kleinen Ortschaft Téloché ein, die über die Hunaudières-Gerade erreicht werden konnte. Der Garagenbesitzer stellte den Männern aus Zuffenhausen gegen gutes Geld nicht bloss die

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Werkstatthalle mit dem angrenzenden Hof, sondern auch gleich sein ganzes Haus zur Verfügung. Hier wohnten die Mechaniker, während die Familie des Garagiers während der Rennwoche bei Verwandten und Freunden Unterschlupf fand. Das waren die guten alten Le-Mans-Zeiten. Heute ist alles viel rationeller, indem die Teams ihre Werkstattwagen und Transporter im Fahrerlager hinter dem «Flugzeugträger» in Reih und Glied auf genau bezeichneten Feldern aufstellen: Dort wird dann während mehreren Tagen gearbeitet und gegessen. John Wyer, der erfolgreiche Aston-Martin- und Gulf-Teamchef, pflegte jahrelang während der Le-Mans-Woche (die Wagenabnahme begann schon am Dienstag vor dem Rennen) seine Zelte in der Nähe von Arnage in einer Werkstatt neben dem noblen Hotel de France aufzuschlagen. Heute unvorstellbar: In den Fünfzigerjahren fuhren etliche Engländer wie Jaguar und Aston Martin gut und gerne mit ihren Einsatzfahrzeugen nach Le Mans. Schön ist der noch teilweise zelebrierte Brauch, sich am Abend vor dem Rennen auf einem Platz im Stadtzentrum einzufinden. In den alten Tagen pflegten verrückte Automobilisten mit ihren privaten Wagen eine Show zu bieten, indem sie wie wild um den Platz kurvten. Von der Polizei wurde das meist stillschweigend toleriert, während das grölende Publikum applaudierte. Eines hat sich derweil nie geändert: Le Mans, das ist immer noch ein Spektakel der Extraklasse. Nirgendwo sonst lässt sich Motorsport so intensiv erleben wie beim nächtlichen Treiben in der Boxengasse, wenn hektisch getankt oder repariert wird. Wie es sich für einen Vollgas-Thriller gehört, kann sich das Blatt noch in der letzten Stunde wenden. 2013 wird es spannend sein zu sehen, wer in der LMP1-Klasse den souveränen Audi R18 Paroli bieten kann. Wie es am Sonntagnachmittag um 16 Uhr auch ausgehen mag – der Le-Mans-Legende wird dann ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden.

Im Eiltempo wird 1974 der Porsche Turbo RSR von Müller/van Lennep betankt.

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Living News Alea Das Möbelsystem Alea basiert auf der Grundform des Quaders. Ein Raster unterschiedlicher Längen, Höhen und Tiefen ermöglicht es, alle Elemente des Systems beliebig miteinander zu kombinieren. www.kettnaker.com

Neverland Reuber Henning beschreibt mit «Neverland» die kontrastreiche Wirklichkeit. So wie sich im Leben ein Ereignis – bunt und unerwartet – ans nächste reiht, fügt sich bei «Neverland» ein Knoten an den anderen, eine Reihe an die folgende, eine der 70 Farben an die nächste. Die Teppiche werden nach alter tibetischer Tradition in sorgfältiger monatelanger Handarbeit gefertigt. www.reuberhenning.de

Esszimmer Vendôme von SELVA In seinem harmonischen Spiel von dynamischen und ruhenden Formen hat Designer Lorenzo Bellini für das Vendôme-Esszimmer der Philipp Selva Home-Kollektion klassische Gestaltungselemente des Art nouveau neu interpretiert und umgesetzt. Jedes Möbelstück ist erlesene Handwerkskunst, die Emotion und Funktion miteinander verbindet. Design, Komfort und Funktion erzeugen zusammen ein stimmungsvolles Wohnambiente auf höchstem Niveau. www.selva.com

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Aldo Rossi Form

vor Funktion Der italienische Architekt und Designer Aldo Rossi gehรถrt zu den wichtigen Vertretern der Postmoderne. Kegel, Zylinder, einfache kubische Formen bestimmten seine Arbeiten. Yvonne Beck

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Er liebte Formen. Säulen, Pfeiler, Türme, Kuppeln – die klassischen Formen monumentalischen Bauens. Aldo Rossi erweckte diese Formen in seinen Bauwerken wieder zum Leben. Ob der Entwurf zum Historischen Museum in Berlin, das Bonnefantenmuseum in Maastricht oder die bunten Häuserzeilen in der Schützengasse, Aldo Rossi präsentierte sich gerne als «Poet der Konstruktion». Auch dafür gewinnt Aldo Rossi als erster Italiener 1990 den renommierten Pritzker-Preis – den Nobelpreis der Architektur.

Die Architektur der Stadt Bereits im Jahre 1966 veröffentlichte Rossi seine Überlegungen zur modernen Architektur in dem Buch «L’architettura della città». Er kritisiert darin das modernistische Dogma, wonach die Form der Funktion untergeordnet ist und aus ihr entwächst. Rossis Meinung nach sei historisch belegt, dass formale Monumente sich vielfältiger Nutzung anpassen können. Und während für ihn die Form eine dauerhafte Konstante bildet, ist die Funktion wechselnd und vergänglich. Die Funktion mancher Bauwerke kann sich im Laufe der Zeit zum Teil mehrmals verändern, die Bauwerke selbst gelten jedoch immer noch als bedeutungsvoll. Als Beispiele solch langlebiger Baustrukturen nennt Rossi unter anderen die antiken Amphitheater in Arles, Lucca oder Nîmes. «In Nîmes wurde das Amphitheater in eine Festung gegen die Westgoten verwandelt, die eine kleine Kernstadt mit etwa 2 000 Bewohnern und zwei Kirchen beherbergte. Ein Amphitheater hat eine spezifische Gestalt und eine bestimmte Funktion. Es ist nicht als ein beliebiger Behälter gedacht. Aber durch ein äusseres Ereignis wird seine Funktion verändert: Das Theater verwandelt sich in eine befestigte Stadt.» So muss der Städtebau historisch-kritische Stadtstrukturen weiterentwickeln und mit ihnen arbeiten. Aldo Rossi interpretiert die Stadt über ihren geschichtlichen Erinnerungswert hinaus als ein kollektives architektonisches Kunstwerk. Von rationalen, klassizistischen und monumentalen Stilen ausgehend, fand Rossi bereits als junger Architekt zu einer reduzierten, klaren Formensprache. In der Licht und Schatten ein wichtiges Element bilden. So bildet sich in Rossis Arbeiten nach und nach eine charakteristische, auf wenige geometrische Grundformen reduzierte Sprache heraus. In seinen Bauwerken finden sich viele archetypische Elemente. Signifikante Beispiele hierfür sind eine erbaute Wohnzeile im Quartiere Gallaratese in Mailand, der Friedhof San Cataldo in Modena und die Grundschule in Fagnano Olona. Durch das Herauslösen aus dem historischen Kontext machte er Formensprache, Material und Struktur für die Postmoderne verfügbar.

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Der Alessi-Designer Doch Aldo Rossi tat sich nicht nur als Architekt hervor. Auch als Designer war er tätig. Er arbeitete ab 1979 für Alessi an deren «Programm 6». 1983 kreierte er für die italienische Firma ein Tee- und Kaffeeservice aus Silber mit blau emaillierten Bändern an den Kannen und Quarzkugeln auf den Deckeln. Auch die Espressokanne «La conica», zu der er 1986 einen Stahlkessel sowie Milchkännchen, Zuckerdose und Löffel gesellte, fand Einzug in das Sortiment Alessis. Zu einem echten Klassiker wurde die Espressokanne «La cupola» aus poliertem Gussaluminium (mit Knöpfen und Griffen aus schwarzem oder blauem Polyamid). Nachdem Rossi lange Zeit Küchenutensilien designte, wandte er sich 1989 auch dem Möbeldesign zu. Für die Firma Molteni entwarf er die Sitzmöbelserie «Capitolo» und «Teatro» sowie den lackierten Holzschrank «Cabina Armadio» und den Sekretär «Carteggio». Hinzu gesellen sich der edle und formschöne Stuhl «Milano» aus Kirsch- oder Eichenholz und der Sessel «Parigi», dessen strenge Geometrie durch seine rückwärtige Neigung gebrochen wird.

Ein meisterhafter Zeichner Im Herbst 1997 starb Aldo Rossi in Mailand an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Sein letztes Projekt, der Wiederaufbau eines Anfang der 1990er Jahre abgebrannten Theaters in Venedig, wurde noch zu Ende geführt. Es ist nicht nur das letzte fertiggestellte Gebäude Rossis, sondern manifestiert wie kaum ein anderes Objekt den sorgsamen Umgang mit Originalplänen des Theaters und die behutsame Schöpfung räumlicher und technischer Ergänzungen. Das Theater La Fenice ist ein Denkmal für Rossis ungebrochene hohe Sensibilität für das gebaute Erbe und die Identität des Orts. Nach seinem Tod veröffentlichte Skizzen und Bilder belegen, dass sich viele seiner Bauten, Entwürfe und Modelle – eine Ausnahme bilden die zur Internationalen Bauausstellung entstandenen Berliner Bauten an der Wilhelmstrasse – auf in Italien verwirklichte Projekte beziehen. Diese künstlerischen Skizzen zeigen Aldo Rossi als einen wahren Künstler. Man würde den Blättern keineswegs gerecht, würde man sie allein im Hinblick auf die realisierten Bauten betrachten. Es sind Zeichnungen, die weit über spontane Einfälle und flüchtige Vorstudien hinausgehen. Die kolorierten Blätter zeigen Rossi als geradezu obsessiven Zeichner, der seine Motive immer aufs Neue wiederholt und variiert und selbst abgeschlossene Projekte zu hinterfragen scheint. Auch als Maler scheint er ein wahrer Meister gewesen zu sein. Doch sein Meilenstein war die Debatte um den sensiblen Umgang mit der Vergangenheit. Hierin liegt der grosse, gelobte Wert der postmodernen Städteplanung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, für welche Rossi ein wichtiger Wegbereiter war. Zu seinen bedeutendsten Architekturprojekten gehören: der Rathausplatz mit Gedächtnisbrunnen in Segrate bei Mailand, das «Teatrino Scientifico», der Friedhof in San Cataldo und das «Teatro del Mondo», das er 1980 für die Biennale in Venedig entwarf. 1989 baute er das Hotel «Il Palazzo» im japanischen Fukuoka, wofür er endlich mit dem PritzkerPreis ausgezeichnet wurde.

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SHORTCUT Saverio Muratori Zur selben Zeit wie Rossi beschäftigte sich ein zweiter italienischer Architekt mit Bauen in historischen Städten – Saverio Muratori (1910–1973). Er übte einen grossen Einfluss auf das Werk von Aldo Rossi aus. Muratori, gut zwanzig Jahre älter als Rossi, unterrichtete in Venedig und Rom und schuf seit dem Zweiten Weltkrieg wichtige Stadtstudien über die Städte Venedig (1959) und Rom (1963). Er gilt als Wegbereiter einer «Italienischen Schule» der Stadtmorphologie, die bis heute fortbesteht. Muratori blieb neben seiner theoretischen Arbeit immer auch dem Bauen treu und steht damit sowohl zeitlich als auch räumlich in enger Beziehung zu Aldo Rossi.

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Living News Tato Der italienische Möbeldesigner Gianluigi Spreafico entstammt aus einer traditionsreichen Schreinerfamilie, die auf eine 200-jährige Tradition zurückblicken kann. Mit Tato hat er eine Holzskulptur erschaffen, die sich in einen Butler verwandelt, der Sie nach einem Arbeitstag willkommen heisst und Ihnen die Kleider sowie Accessoires abnimmt. Dieses Holzobjekt gibt es nebst Ahorn auch in Eiche, Nussbaum oder Kirschholz. Den Fuss aus Stahl kann man nach eigenem Gusto gemäss RAL-Farbpalette bestimmen. www.megliofattoamano.com

Self Discipline Ein Stuhl in schwarzem Leder, der sich wie eine Ziehharmonika in der Höhe verstellen lässt. Ein Schreibtisch, schwarz lackiert, bietet ein Fächersystem wie ein Dokumentenordner, den man mit goldener Kurbel auf- und zufächert. Dass die Möbel-Serie «Self Discipline» sich nicht nur in ihrer besten Qualität, sondern auch in ihrer Multifunktionalität diszipliniert, ist gewiss. Die slowenische Designerin Nika Zupanc liebt es, gewöhnliche Dinge in einer anderen Sichtweise zu interpretieren. Zur «Self Discipline» sagt sie: «Büromöbel sind technisch, funktional und maskulin. Ich wollte Emotion in diese Welt bringen.» www.nikazupanc.com

Liquid Glacial Table Wasser in zwei Aggregatszuständen – für die Ewigkeit in ein skulpturales Möbel gebannt: So naturnah sehen die Wasserstrudel aus, die hier in Tischbeine münden, dass man fast glauben mag, sie flössen direkt in den Boden. Der Liquid Glacial Table von Architektin Zaha Hadid fliesst mit der Realität von fest und flüssig. Mittels klarem Acryl ist es gelungen, Eis und Wasser täuschend echt zu imitieren und dabei noch die Bewegung eines Strudels in die praktische Funktion des Tischbeins zu überführen. Und nein: Auf diesem Tisch servierte warme Mahlzeiten werden nicht schneller kalt – und kalte Getränke genauso schnell warm wie auf handelsüblichen Tischen! www.zaha-hadid.com

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Nuage Philippe Nigro wollte durch die Wiederholung von Linien und Rastern ein gestalterisches Objekt entwickeln – ein Objekt, das nicht nur den rein dekorativen Effekt erfüllt. Nuage ist ein nach dem Baukastenprinzip entwickeltes, dreidimensionales Lichtobjekt, das als einzelne Leuchte eingesetzt werden kann, sich aber auch zu extravaganten, flexiblen Lichtarrangements kombinieren lässt, die ganze Wände und Decken verhüllen. Basierend auf der Idee der optischen Täuschung wandelt sie sich stets im Blickwinkel des Betrachters. Bestehend aus fünf übereinander angeordneten Modulen mit unregelmässigen, organisch geformten Kanten, erinnert Nuage an eine Wolke und scheint in der Luft zu schweben – daher der Name. www.foscarini.com

Hampton Das elegante, modulare Sofasystem Hampton interpretiert das klassische Sofa auf moderne Weise neu. Die Armlehnen reichen über die gesamte Tiefe des Sofas und betonen die symmetrischen, von rechten Winkeln dominierten Formen des Modells. Die Sitzpolster verlaufen über die gesamte Tiefe des Sofas parallel zu den Armlehnen und die optische Leichtigkeit wird durch elegante, brückenförmige Füsse aus Aluminium – in zwei unterschiedlichen Ausführungen erhältlich – zusätzlich betont. Das Hampton ist in verschiedenen Grössen erhältlich und kann mit einer Reihe weiterer Module kombiniert werden – Eckmodule, Seitenmodule, Schlafsofas, Chaiselongues und Poufs. www.verzelloni.it

S 774 Fliessende Linien und rasante Rundungen! Mit dem S 774 bringt Thonet in Zusammenarbeit mit Kegelmann Technik einen High-Tech-Stuhl auf den Markt, in dem langjährige Kompetenz im Möbeldesign und innovative Technologie zusammengeflossen sind. Carbongewebe, Kunststoff und Epoxidharz wurden erstmals bei einem Stuhl durch das neuartige Verfahren (RTM) zu einer Einheit «verschmolzen». Das Ergebnis ist ein einzigartiges Objekt, das von der dreidimensionalen Wirkung des hochwertigen Materials und einem subtilen Spiel mit Licht und Schatten lebt – bei perfekter Qualität und Verarbeitung. Formale Grundlage dieses aussergewöhnlichen Sitzmöbels ist der Klassiker S 664 von Eddie Harlis mit seiner charakteristischen Holzschale aus den 1950er Jahren. www.thonet.de

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Chairs Chairs Chairs Vom Thron zum Kultobjekt Lone K. Halvorsen

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Stühle sind in jedem Haushalt allgegenwärtig. Kein anderes Möbelstück ist in so vielen individuellen Entwürfen erdacht worden – sei es als handwerkliches Unikat oder als Serienmodell. Manch einer wurde sogar zum Kunstwerk und hat es bis ins Museum geschafft. The Luxury Way of Life | 239


Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe Es ist ein Stuhl für die Könige: Der Barcelona Chair war auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona als Thron für den spanischen König und die Königin vorgesehen, als diese den Pavillon besuchten. Von Barcelona hat dieser Sessel allerdings einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten. Dieser Sessel ist zweifelsohne einer der hellsten Sterne der Sitzmöbel und eine Ikone unter den Klassikern – und sollte das Modell werden, von dem tausende von Exemplaren auf den Markt kamen. Tatsächlich ging der Entwurf nicht alleine auf Mies van der Rohe zurück, sondern war in Zusammenarbeit mit Lilly Reich, seiner Lebensgefährtin und Arbeitskollegin beim Deutschen Werkbund, entstanden. Der Sessel, der einen ungeheuren Erfolg erlebt hat, verströmt heute noch Stil und Luxus und erfreut sich einer treuen Liebhabergemeinde.

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Nr. 14 von Michael Thonet Michael Thonet (1796–1871) nannte ihn schlicht und einfach «Nr. 14» und der Stuhl wurde zu einem Verkaufsschlager zu einer Zeit, als man Massenproduktion kaum kannte. Der «Stuhl aller Stühle» oder auch als «Wiener Kaffeehausstuhl» bekannt zählt zu den meistproduzierten Sitzmöbel der Welt. Der in Preussen geborene, als klassischer Möbeltischler ausgebildete Thonet experimentierte bereits in den 1830er Jahren mit neuen Methoden, massives Holz für Stuhlkomponenten zu biegen. Seine Technik, Holz durch Dampf weich zu machen und es mit Hilfe mechanischer Pressen dauerhaft in Form zu bringen, erwies sich als eindrucksvoll, und 1859 begann er schliesslich mit der Schöpfung des Stuhls «Nr. 14». Der Stuhl wurde ursprünglich für das Wiener Kaffeehaus Daum entworfen und wird noch heute produziert. Der Stuhl verkörpert, sowohl was seine Konstruktion als auch seinen Stil anbelangt, die Bugholz-Revolution.

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Der Stuhl ist längst nicht nur ein Möbelstück, seine Kulturgeschichte spiegelt sich in Design, Kunst und Literatur wider. The Luxury Way of Life | 241


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Panton Chair von Verner Panton In einer Welt, in der Erfolge an den «Ersten» gemessen werden, überschritt der «Panton»-Stuhl eine Grenze im Design, die sich zuvor vielen anderen talentierten Designern des 20. Jahrhunderts in den Weg gestellt hatte. Die Herstellung eines Kunststoffstuhls aus einem einzigen Spritzgussformteil unter Verwendung von grösstenteils unerprobten modernen Materialien war eine Idee, von der der dänische Designer besessen war. Die Entwicklung nahm etliche Jahre in Anspruch, bis es endlich gelang, das geschwungene Möbelstück bruchfest herzustellen und die Pop-Art in die Welt der Möbel zu bringen. Angeblich stellte ein Haufen Plastikschaufeln die Inspiration für das glatte spannende Design dar und durch die abwechslungsreiche Farbpalette, in der er produziert wird, hat sich sein geschwungenes Profil in den Köpfen der Liebhaber der Pop-Ästhetik einzementiert. Und in der Tat verkörpert er die ideale Pop-Ästhetik der 1960er Jahre und kombiniert wie jedes gutes Design Funktionalität mit Form. Originale «Panton»-Stühle aus den 1960er Jahren sind heute selten, doch der Kultstatus des Stuhls hat dafür gesorgt, dass einer der ersten im Museum of Modern Art in New York ausgestellt ist.

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LC2 von Le Corbusier Der «LC2» von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand gilt heute als wegweisender Entwurf der Bauhaus-Ära von 1928 bis 1935. Der kubische Sessel scheint auf den ersten Blick ein einfacher Entwurf, ist aber dennoch ein Sessel mit einer perfekt rationalisierten geometrischen Form in Kombination mit unkonventionellen Materialien. Die vielen raffinierten und teils versteckten Details bieten ausserdem einen unvergleichlichen Sitzkomfort. Der Sessel trägt seine Struktur aussen in Form eines Chromskelettes zur Schau, das wunderbar das Ozeandampfer-Aussehen von Le Corbusiers Architektur und die Ästhetik des Maschinenzeitalters widerspiegelt. Mit losen Kissen aus Webstoffen oder Leder bleibt der «LC2» dauerhaft populär und in vielerlei Hinsicht ein perfektes Beispiel für den immerwährenden glamourösen internationalen Stil.

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Louis Ghost von Philippe Starck Der Armstuhl «Louis Ghost» ist eine Kreation des französischen Stardesigners Philippe Starck und der Name verrät schon ein wenig über die Inspirationsquellen, die der Künstler angezapft hat – die französische Louis-seize-Form – ein klassischer Stil für sich. Der Barockeindruck wird jedoch gekonnt durch das Material und die Farbe durchbrochen. So sind einige Modelle des «Louis Ghost» transparent, womit sich wohl der zweite Teil des Namens erklären lässt. Die Eleganz des Originals stand zweifellos niemals in Frage, doch zu einer neuen Interpretation der klassischen historischen Form gehört auch ein gewisser Mut. In diesem Falle ist dies vortrefflich gelungen, wenn auch mit einer Dosis humorvoller Ironie. Der anhaltende Erfolg dieser «jungen Klassiker» wird dadurch gesichert, dass dieser Geist ein Schatten der Vergangenheit ist, der exzellent neu präsentiert wurde und für die Zukunft erhalten ist.

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Arne Jacobsen

3107 von Arne Jacobsen Der Stuhl «3107» gehört zweifelsohne zu einem der benutzerfreundlichsten Stühle, die je hergestellt wurden. Aufgrund der einfachen geschwungenen Form passt er sich in die meisten Räumlichkeiten unauffällig ein und durch den leicht konkaven Sitz ist er einladend bequem. Die Entwicklung des «3107» war eine zähes Ringen zwischen dem Designer und den Technikern, denn der oft unwirsche Jacobsen wollte einen möglichst minimalistischen Stuhl herstellen. Und allein die Entwicklung des Gestells aus auffallend zierlichem Stahlrohr gestaltete sich etwas schwierig, aber am Ende entstand ein Stuhl von beachtlicher Leichtigkeit. Jacobsen, der auch als Architekt erfolgreich war, hinterliess noch eine Reihe anderer Möbelklassiker, aber keiner erreichte auch nur annährend die Stückzahl des zierlichen Stuhls. «3107» war der Stuhl, durch den Jacobsen von einem Designer, der hauptsächlich in Dänemark bekannt war, zu einem Designer von bedeutendem internationalen Rang wurde. Mit seinem Bekanntwerden stieg auch der Wert des skandinavischen Designs als Ganzes und leitete eine Zeit beispielloser Popularität ein.

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Enzo Enea gilt als einer der weltweit bekanntesten Landschaftsarchitekten. Unverkennbar ist sein Stil, Innen- und Aussenarchitektur zu verbinden, klare Linien zu schaffen und B채ume als Kunstobjekte zu inszenieren. Lilly Steffen

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Die Gestaltung der Landschaft und des äusseren Lebensraumes widerspiegelt das aktuelle Verhältnis des Menschen zur Natur. «Denn ähnlich einem Fest ist der Garten eine der vergänglichsten und ständig der Veränderung unterliegenden Schöpfungen des Menschen. Er ist allen Unbilden der Witterung ausgesetzt und muss jeden Besitzerwechsel über sich ergehen lassen.» Schon der Freidenker Friedrich Wilhelm Nietzsche wusste, dass die Menschen ihrer Kultur, aber auch ihrer Natur nicht entkommen können. Zudem ist der Garten mehr und mehr zum erweiterten Lebensraum geworden, und so bietet ein an das Familienleben angepasstes Anwesen ein nicht zu ermessendes Stück Lebensqualität. Gute Landschaftsarchitekten nehmen daher immer sowohl auf die Umgebung wie auch auf die Architektur Bezug, woraus sich eine individualisierte, gestalterische Einheit mit nachhaltigem Mehrwert ergibt. Allen voran Enzo Enea, der mir seinem unverwechselbarer Stil und Charakter in der Gartenarchitektur zu einem der Stars der Szene gehört.

Die Verschmelzung von Innen und Aussen Enzo Enea gehört weltweit zu den renommiertesten Schweizer Gartenarchitekten. Zu seinen Kunden zählen prominente Persönlichkeiten wie Prince Charles oder Tina Turner. Er begrünt und bereichert das Leben der Stars und der besserverdienenden Gesellschaft. Nach einer Ausbildung zum Industriedesigner studierte Enzo Enea Landschaftsarchitektur in London und reiste danach nach Brasilien und Hawaii, wo er sein erstes grosses Landschaftsprojekt für ein Sheraton-Hotel entwarf. Der Landschaftsarchitekt erhielt zahlreiche goldene und silberne Preise auf den Giardina-Messen von Basel und Zürich. Ausserdem wurde er 1998 mit dem Newcomer-Preis der renommierten Chelsea Flower Show in London ausgezeichnet. Enea Landschaftsarchitektur entstand 1993, als Enzo Enea die auf Gartendekoration spezialisierte Firma seines Vaters übernahm und diese nach und nach zu einem der führenden Unternehmen im Bereich der Landschaftsarchitektur ausbaute. Enea ist inzwischen anerkannt für seine Fähigkeit, komplexe Gestaltungen und Anlagen von Privatgärten und -terrassen, Restaurants, Hotels und Ferienanlagen sowie Firmengärten, öffentlichen Parks und Golfplätzen im In- und Ausland zu realisieren. Seine Stärke ist es, dem anspruchsvollen Kunden die komplette Realisierung eines Gartenprojekts aus einer Hand anzubieten; von der Planungs- und Bauphase, einschliesslich der Installation von Bewässe-

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rungsanlagen und Gartenbeleuchtungen, bis hin zur kompletten Ausstattung mit Möbeln. Selbst die Gartenpflege nach Vollendung des Projekts wird durch ein professionelles Team aus Landschaftsgärtnern ausgeführt.

Verschmelzung von Alt und Neu Zum gestalterischen Konzept von Enea Landschaftsarchitektur gehört insbesondere das Verschmelzen von Outdoor und Indoor, das gestalterische Verbinden des Inneren eines Hauses mit seiner Aussenanlage. Auf der diesjährigen Giardina präsentierte Enea nicht nur die Verschmelzung des Gebäudes und seiner Räume mit der Gartenanlage, sondern auch von Vergangenem, also bestehendem Bestand mit dem Morgen. Eine grosse Herausforderung, denn früher wurden die Aussen- und Innenräume, anders als heute, ohne Verbindung konzipiert. Die in sich geschlossenen Räume vergangener Lebensgefühle mussten geöffnet und mit grosszügigen und lichtdurchfluteten Wohnräumen verbunden werden, die in den neu konzipierten Garten überfliessen. Filigrane Schiebefenster ermöglichten die Fusion zwischen Innen- und Aussenbereich. Sie offenbaren jenseits der Hauswände eine neue Dimension für ein offenes und elegantes Raumgefühl. Enzo Enea gestaltet «Räume unter freiem Himmel». Gärten von unverwechselbarer Ausdruckskraft und Faszination, alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Ein wahr gewordener Naturtraum, perfekt inszeniert und doch poetisch schön. Und was das Beste ist: Ein von Enzo Enea gestalteter Garten steigert nicht nur die Lebensqualität, sondern ist gleichzeitig eine Wertanlage in finanzieller Hinsicht. Beim Weiterverkauf eines Grundstückes mit «Enea-Stempel» erhöht sich der Wert deutlich.


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Die vĂśllig verrĂźckte Geschichte von Bobby

Dekeyser Schulabbrecher, Fussballprofi, Weltunternehmer Angelika Moeller

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Er ist ständig in Bewegung, geistig wie körperlich, führt ein Leben auf der Überholspur. Wir sind in Lüneburg zu einem Interview verabredet, wo er sich für einige Stunden auf dem Firmengelände seines DEDON-Unternehmens aufhält. Auf dem Weg von Hamburg habe ich Zeit, seine Vita Revue passieren zu lassen, die ich in seiner gerade erschienenen Biografie «Unverkäuflich» gelesen habe: Schulabbrecher mit 15 Jahren. Der Traum, Fussballstar zu werden, entsprach seiner ausgeprägten Sportlichkeit und dem Wunsch, Mädchen zu imponieren. Mit eisernem Willen und fast verbissener Disziplin schaffte er es ins Tor des FC Bayern. Ein Rat Pelés, den er als Jungstar treffen durfte, liess ihn ein Leben lang nicht mehr los: «Folge deinem Traum, dann kann alles passieren.»

Vom Fussballstar zum Möbelhersteller Nach einer schweren Sportverletzung startet Bobby Dekeyser sein spektakuläres Lebensabenteuer als Unternehmer und Mensch. Sein Unternehmen DEDON, das edle handgefertigte Outdoormöbel (ein Wohnzimmer für draussen) mit der berühmten wetterfesten Kunstfaser herstellen lässt, musste viele Tiefschläge einstecken, bis es innerhalb von 22 Jahren zu einer globalen Weltfirma von Rang wurde. DEDON-Flechtmöbel stehen heute im Garten von Brad Pitt, Madonna, im Vatikan oder auch in den Aussenbereichen grosser Hotelketten und Resorts wie Marriott, Hilton und dem Club Med. Seine Unternehmensphilosophie erscheint visionär und dem klassischen Entrepreneur vielleicht naiv. Bobby Dekeyser gilt als «Harmonisator» und «Wohlfühlunternehmer». Das sogenannte Bobby-Prinzip basiert auf der simplen Grundidee: Geht es dem Arbeiter/Angestellten gut und fühlt er sich eigenverantwortlich und vertrauensvoll eingesetzt, werden optimale Bedingungen für das Unternehmen geschaffen. Nicht Erfolg und Gewinnmaximierung treiben ihn an, sondern die Lust am Leben mit Familie und Freunden. Er ist Ideengeber und sucht und findet Menschen, die sie aufgreifen und umsetzen; oft in der eigenen Grossfamilie, im Freundeskreis oder in Zufallsbegegnungen mit spontaner Empathie.

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Soziales Engagement Vor zwei Jahren dann der brutale Schicksalsschlag: Seine Lebensliebe und Ehefrau Ann-Kathrin stirbt, erst 42-jährig, an einem Hirnschlag. Für Bobby Dekeyser und die drei Kinder stürzt die Welt ein. Acht Monate kompletter Rückzug zusammen mit dem Sohn und den beiden Töchtern. Aber der Kämpfer Bobby Dekeyser ist wieder da – für sein Unternehmen, seine Stiftung und vor allem für seine Familie und Freunde. Das grosszügige Firmengelände ist erreicht. Weitläufig erstrecken sich einige Hallen, umgeben von Wiesen mit zahlreichen Bäumen. Von weitem hört man Zurufe wie go, come on, ey-here … Bobby Dekeyser spielt Fussball mit den internationalen Stipendiaten seiner Stiftung Dekeyser & Friends. Diese Stiftung finanziert weltweit Projekte, um jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren eine «neue Art von Bildung» zu verschaffen. Sie nehmen an Kultur-, Sozial- und Sportprojekten teil und werden unter anderen unterstützt durch die bekannte Affenforscherin Jane Godall sowie die Sportler Jens Lehman und Markus Wasmeier. Ich sehe mich um und entdecke ausser dem Fussballplatz ein Beachvolleyballfeld und einen Fischteich mit Blockhütte und Grillplatz. Eine Mitarbeiterin, die mich herumführt, ergänzt, dass es für die Angestellten auch einen Fitnessbereich, eine Saunalandschaft, einen Billardraum und ein italienisches Restaurant gibt, in dem die Sizilianerin Adriana Vinci kostenfrei für das Team kocht. Dann kommt Bobby Dekeyser vom Spielfeld locker angetrabt. Verdammt gut schaut er aus und mir schiesst durch den Kopf: Sollte sein virulentes Leben je verfilmt werden – er wäre die Idealbesetzung …

Reflektion und Rückzug – auch auf der Überholspur Zunächst sprechen wir über sein kürzlich erschienenes Buch «Unverkäuflich». Die Motivation, Menschen Mut zu machen, war die Triebfeder, über sein Leben, das von grossen Höhen und Tiefen gezeichnet ist, zu schreiben. Trotz der Brüche, die es gab, hat er sich nie kaufen lassen, weder materiell noch moralisch. Seine Reflektionen, sich selbst in Frage zu stellen und das eigene Regulativ zu finden, möchte er dem Leser ans Herz legen. Und ganz wichtig ist ihm, auf Freundschaft und Vertrauen zu bauen. So sind in seinem Weltunternehmen mit 3000 Mitarbeitern Freunde und Familienmitglieder in massgeblichen Positionen vertreten. Sein Instinkt für Menschen mit Leistungs- und Verantwortungsfähigkeit hat ihn nur selten im Stich gelassen. Täglich nimmt sich Bobby Dekeyser die Zeit für die Reflektion des Rückzugs, um sich selbst zu spüren, äussere Eindrücke zu verarbeiten und zu überdenken, ob er seiner Verantwortung gegenüber der Familie, der Firma und seiner Stiftung gerecht wird. Sein Credo: «Was sind Gewinne wert, wenn sie nicht einer grösseren Sache dienen?» Und so verhilft er unter anderem den Ärmsten der Armen auf der philippinischen Insel Cebu, die auf Müllkippen leben, ein Dorf entstehen zu lassen mit menschenwürdigen Bedingungen. Ein Projekt seiner Family & Friends Stiftung.

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New York – eine inspirierende Durchgangsstation Nach dem plötzlichen, tragischen Tod seiner Frau hat Bobby Dekeyser mit seinen Kindern intensive Trauerarbeit geleistet. Sie waren an Orten, die sie mit der geliebten Frau und Mutter verbanden, haben geredet, geschwiegen und eng zusammengehalten. Jetzt lebt er seit Kurzem in New York, einer Stadt, die für ihn die grosse Welt im Kleinen bedeutet. Viele Menschen gehen im Haus Dekeyser aus und ein, Menschen aus aller Herren Länder. Jeder hat eine Idee, ein Projekt, von dem er erzählt. Es entstehen Freundschaften, Verbindungen und Kooperationen. Er, der sich selbst als Landei bezeichnet, geniesst die Impulse dieser Stadt, findet aber seinen Rückzug immer wieder auf seiner Pferdefarm ausserhalb von NYC.

DEDON Island – A Barefoot State of Mind Das ist eine wunderbare Überleitung unseres Gespräches zu seinem neuen Projekt DEDON Places. Begonnen hat es mit DEDON Island, einer philippinischen Insel, die er und seine Frau als Sehnsuchtsort mit Magie entdeckten. Hier entstand nun ein Resort, ganz nach seinen Bedürfnissen gestaltet: Barefoot Luxury, «ein Ort, an dem auch die Gedanken barfuss gehen», so beschreibt er es. Neun Villen im Pagodenstil, von französischen Designern gestaltet, ohne die typischen 5* Facilities wie Flatscreen, Butler, High-TechEquipment und ohne Passiv-Entertainment, sondern ein Refugium, das die Schönheit der Natur und die natürliche Lebensart in den Mittelpunkt stellt. Celebrities aus Politik, Wirtschaft und Showbiz wussten diese Form der Exklusivität bereits zu schätzen. Weitere DEDON Places mit der gleichen Philosophie sind angedacht, ausgewählte Plätze, wofür der Name DEDON steht, vermutlich in Afrika im Dschungel, in den Bergen oder auf einem Hausboot. Es sollen Orte sein, die zu echten Erfahrungen werden und die Menschen berühren. Buchen kann man online oder auch bei einem Partner in der Schweiz.

Die Schweiz – zukünftiger Wohnsitz Zur Schweiz hat Bobby Dekeyser privat wie beruflich eine enge Beziehung. Vier wunderbare Jahre verbrachte er hier mit seiner Frau. Auch sein Freund und Geschäftspartner Daniel Borer (aus der Rolex-Dynastie), mit dem ihn viele Projekte verbinden, lebt in der Schweiz. Bobby Dekeyser möchte nach einigen Jahren in NYC auch in der Schweiz leben, wenngleich es in seinem Nomadenleben wohl nie einen ständigen Wohnsitz geben wird. Als Chairman seiner Firma nimmt er sich den Freiraum, aus aller Welt zu agieren. Nahezu zwei Stunden sind vergangen. Das Gespräch mit Bobby Dekeyser war ein Erlebnis. Es ist nicht oft, dass man einem so charismatischen Menschen und Visionär begegnet.

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SHORTCUT Er kaufte 1000 Paar Skier, wovon er 68 verkaufte und von denen 50 zurückkamen, weil die Qualität doch eher bescheiden war. Aber er machte trotzdem weiter, eben mit etwas anderem, Möbeln. Daraus wurde Dedon.

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Living News

Joe Joe ist ein Sofasystem, das dank der grossen Bandbreite an unterschiedlichen Modulen unendliche Kompositionsmöglichkeiten bietet. Die innovative Charakteristik des Systems besteht in der Möglichkeit, alle ausgewählten Elemente immer wieder neu kombinieren zu können. In Bezug auf Breite und Tiefe sind hier keine Grenzen gesetzt. www.verzelloni.it

flaye Stimmige Proportionen und liebevolle handwerkliche Details machen den flaye-Tisch unverwechselbar. Eine Lederzarge erlaubt individuelle Farbakzente und lässt die Tischplatte zart erscheinen. Durch die raffinierte Gestaltung verschmelzen die sanften Rundungen von Platte und Zarge zu einem Ganzen. www.team7.at

Stewie Eine originelle Stehleuchte, die ihren Namen von einer Zeichentrickfigur gestohlen hat: Stewie, gestaltet von Luca Nichetto, ist das perfekte Lichtobjekt für das moderne Haus – neu, unkonventionell und mit positiver Ausstrahlung. Stewie bricht mit der klassischen Form einer Stehleuchte, denn die Lichtquelle befindet sich dicht über dem Boden. Sogar in ausgeschaltetem Zustand behält die Leuchte ihren theatralischen Charakter und ihre starke Persönlichkeit. www.foscarini.com

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Das Sideboard der neuen Produktlinie mit dem Plus von alpnach norm. Das Plus steht für Emotionen und Zusatznutzen wie Leuchte, Tablett und Technobox. Aus der Vielfalt an Modulen, Funktionen, Oberflächen, Farben und Zusatznutzen kreieren Sie Ihr individuelles, ganz persönliches Sideboard. Alpnach Norm AG | 6055 Alpnach Dorf | Info-Nummer 0800 800 870 | www.anplus.ch The Luxury Way of Life | 263


FINANCE

Europa

und der

Euro Georg Lutz

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Man rennt inzwischen viele offene Türen ein, wenn man von einer Krise in Europa spricht. Die Integrationskraft, das grosse historische Verdienst der EU, droht zu zerbröseln. Nicht wenige haben daher vor einem Jahr ein Auseinanderbrechen der Eurozone prognostiziert. Das ist nicht eingetreten. Im Gegenteil, das Krisenmanagement funktioniert. Der folgende Themenschwerpunkt belegt dies. Trotzdem ist das Projekt EU weiter unter Druck.

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Historisch betrachtet ist Europa ein Erfolgsmodell. Als Winston Churchill 1946 in Zürich zur Gründung der «Vereinigten Staaten von Europa» aufrief, war das eine kühne Vision. Trotzdem packten Akteure wie Robert Schuman oder Jean Monnet die historische Gelegenheit beim Schopfe und brachten frühere «Erbfeinde» nicht nur an den Verhandlungstisch, sondern schufen Grundlagen, die eine ganze Generation in Europa-Euphorie versetzte. So beseitigen in den 50er Jahren Aktivisten mit


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Europaflaggen in der Hand Schlagbäume an den Grenzen. Der Integrationsprozess in den letzten Jahrzehnten war ein wirtschaftliches Erfolgsmodell. Zwar gab es immer wieder Krisenmomente. Es sei hier nur an die Politik des «leeren Stuhls» erinnert, mit der de Gaulle Vergemeinschaftungsund Entscheidungsprozesse, die ihm nicht passten, verhindern wollte. Das sind im Rückblick betrachtet unwichtige historische Fussnoten. Heute können die Menschen in der EU mit nur einer Währung durch ganz Europa fahren. Trotzdem ist Frustration auf der Strasse und bei einigen Eliten zu spüren. Was lief da schief?

Ungelöste Konfliktachsen Eine Währungsunion ohne eine Wirtschaftsunion mit Ausgleichsmöglichkeiten stösst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schnell an Regulierungsgrenzen. Neben der Staatsverschuldung ist die zu niedrige Produktivität der Privatwirtschaft in den schwächeren Staaten ein Kernproblem. Mit einer eigenen Währung kann man abwerten und sich wieder konkurrenzfähig machen. So hat das beispielsweise Italien jahrzehntelang gemacht. Heute verschulden sich diese Staaten immer weiter bei ihren Nachbarn, weil ihre zu teuren Exporte keine Käufer mehr finden und sie die Importe nicht mehr bezahlen können. Da in der Währungsunion Wechselkursänderungen nicht möglich sind, müssen die Sparmassnahmen der gegenwärtigen Rettungspolitik die notwendige Steigerung der Produktivität auf indirektem Wege erzwingen. Das geschieht, indem die schrumpfende Wirtschaft nicht wettbewerbsfähige Betriebe vom Markt drängt. Dadurch erhöht sich zwar die durchschnittliche Produktivität des Unternehmenssektors – aber um den Preis stark ansteigender Arbeitslosigkeit. Das ist die verzweifelte Situation der südlichen EU-Staaten. Bei aller notwendigen Krisen- und Sanierungspolitik müssen die Verantwortlichen daher eine Perspektive vermitteln können. Und genau das passiert nicht. Aus diesem Grund sind die Strassen mit Demonstranten voll, und es ist kein Wunder, wenn jetzt wie in Italien Populisten Stimmengewinne verzeichnen.

Demokratieproblem im Hintergrund Der tagespolitische Frust hat aber einen strukturellen Kern. Diesen Kern durchschneiden zwei zentrale Konfliktachsen. Erstens geht es um die Vermittlung von nationalstaatlich partikularen Interessen mit denen auf der europäischen Ebene. Zudem gibt es eine Konfliktachse zwischen den Trägern der europäischen Integrationsprozesse und

weiten Bevölkerungsteilen in den Mitgliedstaaten, die sich schlicht abgekoppelt fühlen. Nationale Haushalts-, Steuer- oder Sozialpolitik werden der europäischen, demokratisch viel weniger legitimierten Geld- und Währungspolitik untergeordnet. Das kann an der mangelnden Transparenz und Gewaltenteilung praktisch verdeutlicht werden. Wer heute in Paris oder Berlin als Regierungschef das Flugzeug besteigt, mutiert in Brüssel zum Rat der EU. Dort verkörpert man die EU-Legislative. Bei der Rückkehr in die Hauptstädte mutieren sie zurück zur nationalen Exekutive. Sie setzen dann das um, was sie selbst beschlossen haben. Gleichzeitig gibt man in Sonntags- und Wahlkampfreden den nationalistischen Populisten, der den Bürokraten in Brüssel richtig einheizt. Das konnte und kann nicht gut gehen. In den letzten Jahren wurden viele nationale Gesetze in Europa vergemeinschaftet. Gleichzeitig hat das EU-Parlament aber immer noch weniger Rechte wie nationale Parlamente. Der EU-Frust war und ist vorprogrammiert.

Versagen der Eliten Frustration herrscht auch über die Schuldenpolitik. Das kann bei Staaten, im Gegensatz zu einem Privathaushalt, sehr wichtig sein. Das hat uns John Maynard Keynes gelernt. Nur müssen die Schulden in guten Zeiten auch zurückbezahlt werden. Genau dies passiert aber sehr selten. Nicht langfristige Politik, sondern der nächste Wahltermin steht im Fokus. Politiker in unseren westlichen Demokratien sichern ihre politische Karriere durch schuldenfinanzierte Wahlversprechen. Griechenland ist da nur ein Extrembeispiel. Auf der einen Seite werden Steuern und Abgaben nicht in dem Masse erhöht, das zur Finanzierung von Sozialund Infrastrukturprojekten nötig ist, und andererseits wird die Umverteilung laufend erhöht. Gleichzeitig weitet sich auch noch die soziale Schere in den Gesellschaften der EU. Mittlere Einkommensverdiener sind heute eine bedrohte Spezies. In dieser Situation gewinnen schnell populistische Argumente, die schnelle Lösungen vorgaukeln. Die Situation in Frankreich, bei der sich die bürgerliche Rechte zerlegt hat und der Front National immer mehr Oberwasser bekommt, war ein Alarmsignal. Die Wahl in Italien zeigt die drastische Realität der res publica in Europa. Ein Konsens zur Krisenlösung ist nicht vorhanden. Akteure wie Mario Monti oder Mario Dragi können Wirtschaftskrisen technokratisch bekämpfen, eine erneuerte europäische Vision wie Robert Schuman oder Jean Monnet haben sie nicht im Gepäck.

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FINANCE

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FINANCE

Die Krisenpolitik der europäischen

Akteure

Die Krisenpolitik der EU erlebt ein Auf und Ab. So sind im Zeichen der Wahl in Italien Ende Februar die Börsen auf Tauchstation gegangen. Insgesamt lässt sich aber, wie ein Rückblick auf die Situation vor einem Jahr verdeutlicht, eine Stabilisierung feststellen. Über die Gründe unterhielten wir uns mit Janwillem Acket, dem Chefvolkswirt von Julius Bär. Janwillem Acket

Europa erlebt eine Renaissance. Noch vor einem Jahr glaubten nicht wenige Ihrer Kollegen an eine schwere Krise in Europa und auch des Euro. Da war zum Beispiel vom Auseinanderfallen der Eurozone die Rede. Auch Sie haben ein eher pessimistisches Bild gezeichnet. Offensichtlich ist Europa stabiler, als viele gedacht haben. Was hat sich an dem Krisenmanagement so verbessert? Man hat konkrete Schritte unternommen. Zunächst hat sich die Europäische Zentralbank im Winter 2011/2012 mittels einer Kreditspritze von über einer Billion Euro als Feuerwehr betätigt. Zusammenbruchsszenarien bei wichtigen Banken der Eurozone, wie in den USA bei Lehmann-Brothers, sollten um jeden Preis verhindert werden. Das war eine Notmassnahme. Die zweite Massnahme kam von Seiten der Politik. Im März 2012 hat man die Schuldenbermse beschlossen. Das geschah im Vorfeld der griechischen und französischen Parlamentswahlen.

Da wollte man Zeichen setzen? Ja, von 27 EU-Ländern haben 25 Länder zugestimmt, mit dabei waren alle Euroländer, was ein

Georg Lutz

wichtiger Aspekt ist. Die Schweiz hat da fast als Vorbild gewirkt. Hier funktioniert ja die Schuldenbremse erfolgreich seit 2003. Es geht darum, die dynamische Komponente der Staatsverschuldung, die Neuverschuldung, einzudämmen. Von der Fiskalseite ist ein quantitativer Schritt unternommen worden.

Das klingt ja fast schon pädagogisch… Das sollte es auch sein. Zudem hat man flankierend beispielsweise unter dem Stichwort «Six Pack» eine ganze Reihe von Massnahmen umgesetzt, die sich restriktiv auf die Budgets auswirken. Die allgemeine Spielregel, wer die Leitplanken der Eurozone nicht erfüllt, dem droht Souveränitätsverlust, oder die Kontrolle durch andere Institutionen, hat sehr viel mehr Druck bekommen.

Das sieht man in Spanien, das aktuell nicht unter den Rettungsschirm will, obwohl die Zeichen dafür eigentlich deutlich sind. Und Griechenland erlebt diese Situation schon seit geraumer Zeit. Das wirkt auch abschreckend.

Man kann auch sagen, Griechenland erleidet diese Situation und steckt zudem in einer tiefen Rezession? Ja, aber erinnern Sie sich doch an die Situation im Frühsommer letzten Jahres. Noch im Juni hatten wir eine ausserordentlich trübe Stimmung. Auf den Märkten eskalierte die Situation gegen die Eurozone. Diese Eindämmungspolitik war notwendig, um schlicht wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.

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FINANCE

Hat man denn auch in Richtung Finanzmärkte effizient agiert? Ja, Mario Draghi war im Juli 2012 in London in der Höhle der Investmentbanker und Euroskeptiker. Er hat dort klar gemacht, dass die EZB den Euro nicht untergehen lässt. Das hat die Märkte beruhigt. Am 6. September folgten dann auch konkrete Schritte. Er hat das das OMTKonzept (Outright Monetary Transactions) angeschoben. Mario Draghi hat sich in diesem Rahmen, als Vertreter einer Zentralbank, sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Im Grunde genommen hat er eine Art Rückversicherung für jene Länder angekündigt, die sich unter den Schirm des ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) begeben. Unter sehr klaren und strengen Bedingungen hat er unbeschränkte Hilfe der EZB angeboten, falls ein betroffenes Land an den Kapitalmärkten nur zu horrenden Konditionen Geld aufnehmen könnte. Das war eine Gratwanderung, aber bisher eine sehr erfolgreiche.

Daher sprechen jetzt auch Sie von «Super Mario»?

In Deutschland hatte man aber noch eine offene Rechnung mit dem ESM und der Unterstützung. Es gab hier politischen Druck, der bis vor das Bundesverfassungsgericht gegangen ist. Das war alles andere als ein Selbstläufer, oder?

Die Spielregeln sind jetzt ganz klar.

Ja. Es musste etwas getan werden, um die Märkte zu beruhigen und gleichzeitig den Reformkurs in den grossen und schwächelnden Euroländern wie Spanien und Italien, deren Anleihen sehr teuer wurden und die massive Vertrauensverluste hinnehmen mussten, in Gang zu halten. Die verheerende Spirale des Vertrauensverlustes dieser Länder war nicht hinnehmbar, da schliesslich immer grössere Teile des laufenden Budgets zur Schuldenbedienung aufgenommen werden mussten. Dies hat dann noch mehr Misstrauen in den Märkten geschürt. Eine solche Destabilisierung der Budgets ist jetzt erschwert, da mittlerweile diese Länder sich wieder deutlich günstiger am Kapitalmarkt refinanzieren können. Draghi hat auf der einen Seite deutlich gemacht, dass er bereit ist, alle notwendigen Mittel auf den Kapitalmärkten aufzunehmen, um die Euroländer stabil zu halten. Gleichzeitig brachte er dabei mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) noch einen strengen, aussereuropäischen, externen Revisor ins Spiel. Die abschreckend strengen Bedingungen der möglichen EZB-Hilfe haben einerseits die Kapitalnehmer in ihren Reformanstrengungen zusätzlich angespornt, andererseits potenzielle und tatsächliche Kapitalgeber wieder beruhigt.

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Diese Geschichte ist sehr eindrücklich, da bisher kein Land, Spanien ist ja nur ein möglicher Kandidat und Sie haben es angesprochen, sich diesem Regime unterwerfen will. Mit heruntergelassenen Hosen will eben niemand dastehen. Die Spielregeln sind jetzt ganz klar.

Am 12. September 2012 hat man von Deutschland eine grüne Ampel bekommen. Aber auch hier sind die Unterstützungsmittel an klare Bedingungen geknüpft. So muss der Bundestag konsultiert werden. Deutschland will hier Transparenz herstellen. Das ist auch berechtigt und glaubwürdig, damit der ESM so sich nie zu einer Art Blankoscheck entwickeln kann. Auch politisch hat sich die Situation in dieser Zeit verbessert. So waren in den Niederlanden Wahlen. Die antieuropäischen Populisten haben verloren und proeuropäische Parteien haben eine Koalition gebildet. Jetzt ist auch noch ein junger niederländischer Hoffnungsträger, Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, Chef der Eurogruppe, der wichtigen Gruppe der Eurofinanzminister, geworden.

Haben Sie noch einen Punkt, der dieses doch eher positive Bild von Europa vervollständigt?


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Ja, lassen Sie mich noch einen Punkt anführen. Es geht um die Ankündigung der EU-Kommission, eine Bankenunion einzusetzen. Die Bankensanierung in Europa ist in Verzug geraten, da im Bankenbereich schlichtweg notwendige institutionelle Elemente fehlen, die eurozonenübergreifend sind. Es gibt noch keine gemeinsame grenzüberschreitende Einlagenversicherung, keine einheitlichen Abwicklungskriterien und die Methoden der Bilanzbewertung sind auch noch stark unterschiedlich und national geprägt. Kurz, es braucht einheitliche Standards und Normen, um auch den Bankensektor wieder auf sichere Füsse stellen zu können. Auch hier kommt der EZB wieder eine entscheidende Rolle zu. Nicht nur hat sie auch den Banken Geld geliehen, um sich Zeit zu kaufen, sie wird jetzt auch ihre Oberaufsicht übernehmen. Es gilt auch hier schrittweise Anpassungen vorzunehmen, ohne dass es zu Zusammenbrüchen mit wirtschaftlichen Verheerungen kommt.

Janwillem Acket ist Chefvolkswirt bei Julius Bär.

Wir haben es, um das zu diesem Punkt abschliessend zu fixieren, mit einem Bündel von Massnahmen zu tun, welches vom Feuerlöschen bis hin zu Strukturreformen reicht. Das sind Bausteine, die das Fragmentierungsrisiko der Eurozone massiv gesenkt haben.

Im Rahmen der vielen Schirme fürchten sich viele vor der Inflation. Wir kennen sie aus den 70er Jahren. Was macht aus Ihrer Sicht den historischen Unterschied aus? Das ist ganz einfach. Wir haben in den Ländern der Eurozone keine starke Wachstumsdynamik, in einigen Ländern sind wir sogar in einer richtigen Rezession. Die konjunkturelle Erholung gestaltet sich sehr langsam. Erst im Herbst wird aus meiner Sicht die Eurozone wieder Fahrt aufnehmen. Von dieser Seite haben wir keinen Teuerungsdruck. Die Märkte sind eng. Auch der Transmissionsmechanismus von der Notenbankschiene her

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«Super Mario Draghi» hat zunächst Feuerwehr gespielt.

über den Kreditschöpfungsmechanismus der Banken in die Realwirtschaft ist aktuell gestört. Das reale Kreditwachstum in der Eurozone ist insgesamt noch negativ. Wir müssen mit einer Kreditklemme kämpfen. Das Notenbankgeld ist immer noch in erster Linie dazu da, die Löcher in den Bilanzen der Banken zu stopfen. Es gibt keine Kreditschübe wie in den Wachstumsjahren der 70er Jahre. Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzmarktkrise sind viele Banken immer noch auf dem Sanierungspfad. Die Verbesserung der Eigenkapitalkraft der Banken unter dem Stichwort «Basel III» hat eine Einführungsfrist bis 2019. Da brauchen viele Banken offensichtlich noch viel Zeit. Zunächst müssen wir in den meisten Ländern wieder zu einem normalen stetigen Wachstum zurückfinden. Solange dies nicht der Fall ist, brauchen wir uns vor Inflation wie früher nicht zu fürchten.

Aber ein gutes Krisenmanagement führt noch lange nicht zur Linderung der strukturellen Defizite. Wir haben es mit einem einheitlichen Währungsraum zu tun, dessen Länder aber völlig unterschiedlich wettbewerbsfähig sind. Das ist prinzipiell richtig, aber auch hier bin ich etwas optimistischer als viele andere. So haben sich zum Beispiel bereits die Zahlungsungleichgewichte wieder leicht entschärft. Das betrifft gerade einige Problemländer im Süden und auch ganz typisch Irland, das sogar wieder zum Wachstum zurückgefunden hat. Die bestehenden Strukturungleichgewichte sind weiter da, aber auch hier kann man in einigen Unternehmenssektoren, sogar in Griechenland, wieder eine höhere Produktivität erkennen. In Spanien gibt es wieder gute Exporterfolge. Es ist eine Entschlackung der Wirtschaft im Gange. Die südlichen Länder der Eurozone haben ohne Frage schwerwiegende Strukturnachteile. Diese können die Verantwortlichen nicht von heute auf morgen ändern. Aber sie können einen Reformprozess anstossen, der aber Jahre in Anspruch nehmen wird. Die grosse Herausforderung bleibt auf Jahre die hohe Arbeitslosigkeit, besonders bei den Jungen in den betroffenen Ländern. So ist es entscheidend, dass raschmöglichst Reformen umgesetzt werden, die Wachstum und damit die Schaffung von nachhaltigen Arbeits-

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plätzen ermöglichen. So muss zum Beispiel die zentralistische und wachstumshemmende Bürokratie in Griechenland abgebaut werden. Keiner kann in Griechenland lokal oder regional etwas bewegen, ohne dass sich nicht jemand aus Athen einmischt. Das hat zur Folge, dass die Lebenshaltungskosten zu hoch und die Löhne zu tief sind, was typisch ist für eine ineffiziente Wirtschaft. Da gilt es unzählige, wettbewerbsbehindernde Kartelle und Oligopole zu zerschlagen. Das wird noch viele Anstrengungen kosten und da kann man sicher auch nicht vorbehaltlos optimistisch sein. Rückschläge sind da aus unterschiedlichen Gründen möglich. Reformen kosten nicht unbedingt viel Geld, sie kosten aber oft grosse Mühen. Europa wird noch lange mit schwachen Ländern leben müssen, die auch entsprechend Hilfe benötigen.

Diese Anstrengungen honorieren auch die Märkte und realisieren jetzt, dass, was Haushaltsdefizite betrifft, die USA noch viel mehr Hausaufgaben machen müssen. Da ist ja auch die private Verschuldung ungleich höher wie in Europa. Die USA haben zwar ihr Bankensystem schneller saniert. Aber Europa ist den USA bei den Fiskalproblemen heute voraus. Die Fiskalbereinigung ist in den USA ein immens drückendes Problem, welches gelöst werden muss. Man kann das nicht immer weiter vor sich her schieben. Das realisieren nun heute auch immer mehr die Finanzmärkte.


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kommentar Im Vergleich gut aufgestellt Wohl selten hat ein friedliches trug dieser Zuwachs über den politisches Projekt die öffentgleichen Zeitraum aber 50 liche Meinung in den letzten Prozentpunkte und in GrossJahren so polarisiert wie die britannien waren es gar 58 Einführung des Euro. Schon Prozentpunkte. Und auch bei der Inflation weist der Euro Anfang der neunziger Jahre mit einem Durchschnittswert – während der Diskussion der von 2,1 Prozent den tiefsten für Gemeinschaftswährung Wert der drei Währungen auf, grundlegenden Maastrichter der gleichzeitig in etwa der Verträge – waren die Fronten historischen Durchschnittsverhärtet. Auf der einen Seite inflation der Deutschen Mark diejenigen, die die Eurozone entspricht. gestützt auf die Theorie der optimalen Währungsräume Prof. Dr. Klaus W. Wellershoff Ganz offensichtlich hat der als ungeeignet für eine Währungsunion halten. Auf der anderen Seite dieje- Euro also im Vergleich zu den wichtigsten andenigen, die sich im Euro einen Schritt in Richtung ren westlichen Industrieländern nicht zu mehr eines politischen Zusammenwachsens des seit Schulden und höherer Inflation geführt. Im GeJahrhunderten kriegerisch zerstrittenen Konti- genteil: Gerade zu dem Zeitpunkt, als die gannents erhoffen. ze Welt von Eurokrise geredet hat, haben die Europäer begonnen, ihre Budgetdefizite zu beInteressant erscheint dabei, dass die hartnä- kämpfen. So hat die Eurozone ihr Defizit von 6,3 ckigsten Eurogegner immer noch aus einer Ko- Prozent des Volkseinkommens aus dem Jahr alition von deutschen Konservativen und angel- 2009 mittlerweile halbiert. Die Amerikaner und sächsischen Investmentbankern zu bestehen Briten liegen aktuell immer noch bei 8,5 bzw. scheinen. Bereits seit mehr als zwanzig Jahren 6,6 Prozent. versucht uns also diese unheilige Allianz zu erklären, dass der Euro nicht überlebensfähig ist Dass das nicht ohne politische Auseinandersetund in einem grossen Desaster von Schulden- zung um die Frage, wer die Anpassungskosten wirtschaft und Inflation zusammenbrechen wird. der fiskalischen Konsolidierung tragen sollte, In den Augen eines Prognostikers ist das eine gehen würde, sollte einen Demokraten nicht spektakuläre Fehlleistung. Von den Erwartungen überraschen. Selbstverständlich schafft die Poder Eurogegner hat sich bei genauem Hinschau- litik dabei nie das ökonomische Optimum, weil en bis jetzt aber auch gar nichts materialisiert. es in der Demokratie eben immer einen Kompromiss zum Interessensausgleich braucht. Zu Nach dreizehn Jahren Euro hat sich dieser ge- einem solchen, unvollkommenen Prozess gibt genüber den angelsächsischen Währungen Dol- es aber keine akzeptable Alternative. Natürlich lar und Pfund deutlich aufgewertet. Gegenüber entspricht das Ergebnis dieses politischen Prodem Dollar konnte der Euro gut 20 Prozent zu- zesses dann auch nicht einem wie auch immer legen. Gegenüber dem Pfund waren es sogar definierten ökonomischen Optimum. Nur, was 40 Prozent. Auch bei der Schuldenwirtschaft ist schon optimal auf dieser Welt? Oder anders schneidet die Eurozone zwar sicherlich nicht ausgedrückt: Die Frage, die uns in der Praxis gut, vergleichsweise aber viel besser ab als die interessiert, ist nicht die Frage der Optimalität, Konkurrenz aus England und Amerika. So ist die sondern die der Überlebensfähigkeit und der Staatsverschuldung gemessen am Volkseinkom- tatsächlichen Resultate. Hier schneidet der Euro men um 22 Prozentpunkte seit Einführung des aber bisher eindeutig besser ab als seine beiden Euro gestiegen. In den Vereinigten Staaten be- wichtigsten Konkurrenten Dollar und Pfund.

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SHORTCUT

Lobby in der EU Lobbyisten haben erkannt, dass die intensive Bearbeitung der EU-Parlamentarier der wirkungsvollste Hebel für ihre Interessen ist. Schätzungen zufolge agieren allein in Brüssel zwischen 15’000 und 20’000 Lobbyisten. Die Einflüsterer sind nicht per se gut oder schlecht, allerdings muss hier mehr Transparenz hergestellt werden. Je mehr Gewicht das EU-Parlament erhält, umso wichtiger ist es, herauszufinden, wo die Einflussnahme tatsächlich stattfindet. Beispielsweise bei der Analyse des EU-Gesetzes zur Datenschutzreform. Die Plattform Lobbyplag.eu beschäftigt sich im März 2013 mit genau diesem EU-Gesetzesentwurf und letztlich auch mit dem Verhältnis zwischen EU-Abgeordneten und Lobbyisten. Sie zeigt, welche Änderungen des Gesetzes Unternehmen wie Amazon oder Ebay forderten, und vergleicht dies mit dem gesetzlichen Änderungsvertrag zur EU-Datenschutzreform. Ganze Paragraphen wanderten von den Papieren der Lobbyisten eins zu eins in den Änderungsvertrag – und das ist kein Einzelfall. Angesichts des riesigen Bürokratieapparates in Brüssel, ist es verwunderlich, dass es genau an diesem Punkt keine Instanz in der EU selbst gibt, die bei so wichtigen Aspekten wie der Gesetzgebung Kontrollen durchführt. Für jede Packungsbeilage und Doktorarbeit gibt es Programme und Kommissionen, die diese gegenlesen und doppelt und dreifach überprüfen, ob es Fremdeinflüsse gab. Und ausgerechnet bei der wichtigsten Instanz, der Gesetzgebung, wird das unterlassen. www.lobbyplag.eu

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Europa den Egoisten entreissen Europa – was einst eine Verheissung war, ist heute für viele Menschen in Deutschland zum Schreckgespenst geworden. Die antieuropäische Stimmung in Deutschland, aber auch anderen europäischen Ländern wächst, nicht nur in der Bevölkerung, auch unter Politikern, Ökonomen und Intellektuellen. Das ist gefährlich, sagt Edzard Reuter der von 1987 bis 1995 Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz war, in seinem neuen Buch, und verteidigt leidenschaftlich die europäische Idee gegen ihre Kritiker. Die Zusammenführung der europäischen Länder und Nationen galt über Jahrzehnte hinweg als stolzes Zukunftsprojekt. Heute ist die Vision von einem vereinten Europa in Deutschland verloren gegangen. Im Zuge der Eurokrise macht sich bei den Menschen Gleichgültigkeit oder offene Ablehnung breit. Von einem europäischen WirGefühl ist das Land weit entfernt. Deutschland ist auf dem «besten» Weg, zu einer Republik der Egoisten zu werden. Edzard Reuter hält dagegen. Deutschland setzt mit seiner Selbstbezogenheit und AntieuropaStimmung seine eigene Zukunft aufs Spiel, so der Autor. Ohne ein vereintes Europa wird Deutschland weder politisch noch wirtschaftlich im globalen Wettbewerb bestehen können. Entschlossen plädiert Reuter für eine Weiterführung des europäischen Projekts und unterfüttert seinen Appell mit einer profunden historischen Analyse. Die gemeinsamen Wertvorstellungen, die sich in einem besonderen europäischen Geist niederschlagen, sind nicht verhandelbar: sozialer Ausgleich, Chancengerechtigkeit, Verantwortung für das gemeine Wohl, Menschenrechte.

Edzard Reuter

«Egorepublik Deutschland Wie uns die Totengräber Europas in den Abgrund reißen» 208 Seiten Campus Verlag Frankfurt/New York, 2013

Das Europa der Zukunft, so Reuter, ist keines der Politiker, Banker und Bürokraten, sondern eines mit demokratischen Mitwirkungsrechten in den Mitgliedsländern. Um die Menschen neu für die europäische Idee zu begeistern, braucht Deutschland Politiker mit der Fähigkeit, den Bürgerinnen und Bürgern eine überzeugende Vision für die Zukunft zu vermitteln.

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kommentar Euro-Zone gewinnt an Vertrauen

alle anderen Finanzierungsquellen versiegt sein sollten. Im Wesentlichen nahm die Notenbank dadurch sowohl Investoren die Furcht vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit einzelner Mitgliedstaaten als auch Im Wesentlichen gründet sich Spekulanten die Grundlage, dieser Stimmungswandel darauf zu wetten. Neben der auf zwei Ursachen. Erstens Gewährleistung staatlicher gaben die Regierungen der Zahlungsfähigkeit ist dies in Euro-Zone im letzten Jahr zu einer weiteren Hinsicht beverstehen, dass kein Mitglied deutsam. Geschäftsbanken aus der WährungsgemeinAnastassios Frangulidis schaft ausgeschlossen wird. halten teilweise einen hoDies taten sie, indem sie Diskussionen um einen hen Anteil an Staatsanleihen in ihren Portfofreiwilligen Austritt oder einen «Rauswurf» Grie- lios. Die Ausfallwahrscheinlichkeit dieser zuvor chenlands beendeten. Im Zuge dessen wurde als sicher geltenden Wertpapiere stieg in den das griechische Hilfsprogramm den verschlech- Krisenstaaten enorm an, so dass die Furcht terten ökonomischen Rahmenbedingungen vor durch Staatspleiten ausgelösten Bankenangepasst und dem Land mehr Zeit gegeben, zusammenbrüchen das Vertrauen in Finanzseine Probleme zu lösen. Demnach akzeptier- institute schwinden liess. Mit dem Eingreifen ten die Mitgliedstaaten auf der einen Seite, dass der EZB wurde diese Ausfallwahrscheinlichkeit die Gesundung Griechenlands nicht ohne fi- quasi über Nacht wieder auf nahe null gesenkt. nanzielle Belastungen für alle vonstattengehen Folglich hat sich das Misstrauen der Banken wird. Auf der anderen Seite mussten griechi- untereinander jüngst verringert. sche Regierungspolitiker einsehen, dass eine erfolgreiche Krisenbewältigung nicht nur das Dies ist neben dem politischen Bekenntnis der Versprechen struktureller Reformen erfordert, EU-Regierungen und der EZB eine wesentliche sondern insbesondere auch deren konsequente Voraussetzung dafür, dass sich letztlich auch Umsetzung. die Konjunktur in der Euro-Zone erholen kann. Auch andere Entwicklungen schaffen Raum Entscheidend für die Fortführung der Gemein- für Zuversicht: Die globale Wirtschaftstätigkeit schaftswährung bleiben jedoch das politische zieht leicht an und fördert somit das ExportgeBekenntnis der Teilnehmer und dementspre- schäft. Die Stimmung in den Unternehmen hellt chendes Handeln. Solange die Euro-Zone ein sich langsam auf. Ich erwarte, dass sich dieser Verbund nationaler Staaten ist, also keine po- Trend fortsetzt. Allerdings steht die Verbesselitische Union bildet, muss dieses Bekenntnis rung noch auf wackeligen Beinen und könnte laufend erneuert werden. durch politische Ereignisse, wie zum Beispiel der Wahlausgang in Italien, zurückgeworfen Zweitens erklärte die Europäische Zentralbank werden. Es liegt vor allem in der Hand der EU(EZB), alles zu tun, um den Euro zu erhalten. Regierungen, ob das erkennbare Licht im TunSie versprach, unter bestimmten Vorausset- nel von einem entgegenkommenden Zug oder zungen als Kreditgeber einzuspringen, falls vom Ausgang stammt. Seit Sommer letzten Jahres vollzieht sich ein Stimmungswandel bei Finanzinvestoren, der noch immer anhält. Die Frage nach den Gründen liegt auf der Hand.

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kommentar Euroraum – wo geht die Reise hin?

Nach fast sechs Jahren der Krisenstimmung können wir uns fragen, ob wir im europäischen Raum langsam auf eine Verbesserung hoffen können. Die Antwort darauf ist jedoch nicht wirklich eindeutig. Wir von Jyske Bank erwarten für den Euroraum für 2013 eine leichte Verbesserung der des Wachstumsprognose BIP von -0,4 Prozent in 2012 auf -0,1 Prozent in 2013 und Tim Marschall auf +1,1 Prozent in 2014. Die wirtschaftlichen Indikatoren verbessern sich und weisen darauf hin, dass wir durch das Schlimmste durch sind. Aber eine der ganz grossen Gefahren liegt immer noch in der europäischen Schuldenkrise. Wenn wir die USA und die BRICStaaten betrachten, so sind uns diese Märkte voraus – mit einer generell besseren Wirtschaftsstimmung (Purchasing Managers Index) und mit Wachstumsprognosen (BIP) in den USA für 2013 und 2014 von über 2,5 Prozent beziehungsweise in den BRIC-Staaten von über 5,5 Prozent. Dieser Trend sieht nachhaltig aus, da die Geschäftsresultate der US-Firmen für 2012 in der aktuellen Veröffentlichungsperiode im Grossen und Ganzen die Erwartungen der Analysten übertroffen haben. Traditionell liegt Europa im Wirtschaftszyklus etwa sechs bis zwölf Monate hinter den USA. Und natürlich können wir in Europa darauf hoffen, dass die hiesige Wirtschaft mitgezogen wird. Unsere hauseigenen Probleme müssen wir jedoch selber lösen und können nicht auf Hilfe von aussen hoffen. Wird nun die Schuldenkrise wieder aufflammen? Die EZB flutet die Märkte mit Unmengen von Liquidität, um den Politikern Zeit zu gewähren. Die Politiker zeigen denn auch einen starken Willen, die Probleme zu bewältigen. Jedoch werden wir nicht um die Tatsache herumkommen, dass Schulden abgebaut werden müssen. Diese Herausforderung ist vielleicht für die Bevölkerung schwierig zu verstehen und deshalb sehen wir

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Gegenreaktionen wie in Italien, wo die Wähler sich eher für einen Populisten entschieden haben, anstatt für eine nachhaltige Politik. Eine solche politische Lage kann in einer Krisenzeit gefährlich sein, weil es eine mangelnde Entscheidungskraft im italienischen Senat bedeutet. Auch in Griechenland gab es nach den Wahlen ähnliche Reaktionen wie in Italien – und wir werden vermutlich auch in Spanien gewisse Herausforderungen auf politischer Ebene sehen. Es bleibt sicherlich spannend zu beobachten, wie sich diese letztendlich auf den Euro auswirken werden – aber für Wirtschaft und Wachstum ist diese Lage ein erheblicher Nachteil. Ein anderes Thema ist die Kapitalisierung der Finanzinstitute. Politisch und regulatorisch ist ein erhöhter Kapitalisierungsgrad dieser Unternehmen wünschenswert, um den Sektor generell zu stabilisieren. Dennoch erwarten wir in den europäischen Ländern eine weitere Marktkonsolidierung an mehreren Fronten. Dies bedeutet eine eher verhaltene Investitionsfreudigkeit in neue Projekte – und gerade die Investitionsbereitschaft wird nötig sein, um den entscheidenden Wachstumsimpuls für die Industrie und die Wirtschaft auszulösen. Wir sind in eine eher schwierige Lage geraten, wo selbst grosse Kapitalspritzen der EZB nicht in genügendem Ausmass greifen. Ich erwarte für den Euroraum leider auch in den kommenden zwei bis fünf Jahren einen stotternden Wirtschaftsmotor, und ich erlaube mir, Europa mit Japan zu vergleichen – es gibt viele Indikationen auf eine ähnliche Situation in Europa (zumindest in einzelnen Ländern) wie in Japan, wo die Wirtschaft in den vergangenen 20 Jahren kaum Wachstum erzielte. Die Thematik der Schuldenkrise wird vermutlich von Zeit zu Zeit wieder aufflammen, aber die europäischen Politiker werden die Lage nicht aus dem Ruder laufen lassen – dazu ist das Projekt Euro einfach zu wichtig!


Rubriken

PUSCHL AV ( SCHWE IZ ), 2005

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Voraussetzungen für

Innovationen An den X.DAYS trifft sich jedes Jahr im März zwei Tage lang die ICT-Welt in Interlaken. Dieses Jahr lautet das Motto «Heute Idee. Morgen Realität.» Das passt zu Professor Dr. Hans Jörg Bullinger, der jahrzehntelang an den Schnitt­ stellen von Wissenschaft und Praxis gearbeitet hat. Wir haben ihn zu den Trends in der ICT-Branche befragt. Professor Dr. Hans Jörg Bullinger

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Georg Lutz


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Wir treffen uns an den X.DAYS in Interlaken. Mitten in der ICT-Branche. Sie haben ja viele Erfahrungen, was die Schnittstellen von Wissenschaft und Praxis betrifft. In welche Richtungen bewegt sich die Branche?

Zum Fraunhofer-Institut gehört auch das HeinrichHertz-Institut in Berlin. Wir halten im Moment den Weltrekord in der Datenübertragung. Inzwischen übertragen die Kollegen in Berlin den Inhalt von über 120 DVDs pro Sekunde.

Es gibt einige Trends, die sich über statistische Auswertungen aus der Vergangenheit in die Zukunft spiegeln lassen. Wir haben schon in den letzten Jahrzehnten Entwicklungen erlebt, die einerseits auf eine Verkleinerung und Leistungssteigerung hinauslaufen und gleichzeitig eine Preisreduzierung zur Folge haben. Das hat ja den Erfolg von ICT-Lösungen, die inzwischen für die gesamte Breite der Gesellschaft zur Verfügung stehen, ausgemacht. Diese Trends werden sich aber fortsetzen. Wir sind heute schon bei sehr kleinen Lösungen angekommen. Wir bekommen immer noch mehr Leitungen auf unsere Chips. Gleichzeitig erhöhen sich auch die Vielfalt und die Geschwindigkeit von Kommunikation.

Sie sprechen von DVDs und nicht von CDs?

Können Sie da ein Beispiel Ihres früheren Hauses, des Fraunhofer-Instituts, nennen?

Ja, so ist es. Man wird sich in naher Zukunft darauf einstellen können, dass wir uns bei der Übertragung im Rahmen von Terabytes bewegen. Wenn nächstens beim Einkaufen die Barcodes durch RFID-Lösungen ersetzt werden, haben wir es mit einem Tesafilm zu tun, der einen Chip aufnehmen kann. Mit diesem können wir kommunizieren und dafür braucht man immense Datenmengen. Oder nehmen wir als zweites Beispiel aus der Automobilindustrie die Car-to-Car-Kommunikation. Da brauchen wir gewaltige Datenmengen. Voraussetzungen dafür sind auch Breitbandverbindungen. Die weiteren technischen Anwendungen können nur dann funktionieren, wenn wir die entsprechenden Netze zur Verfügung haben.

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FINANCE

Die Leistungsfähigkeit der Rechner ist schon heute auf dem Stand, um hier dabei zu sein. In der Zukunft gibt es aber auch hier noch Luft nach oben.

Ein historischer Alltagsvergleich ist hier oft hilfreich, um uns die Dimensionen zu verdeutlichen. Können Sie uns einen verraten? Vor hundert Jahren haben die Menschen in ihrem Haushalt kaum einen Elektromotor gehabt. Das hat sich auf wenige Begüterte beschränkt. Heute haben wir im Schnitt in Europa in jedem Haushalt rund hundert Elektromotoren. Den Bademotor für die Bade-Ente Ihrer Kinder im Badewasser könnten Sie theoretisch auch für Ihren Rasierapparat einsetzen. Das macht aber kein Mensch. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der eine Motor nur für die Bade-Ente zuständig ist und der andere für den Rasierapparat. Genau die gleiche Entwicklung erwarten wir im Bereich der Rechner. Im Bereich der Oberklasse von Autos finden wir schon heute zwischen 50 und 100 Computer. Mit diesen Computern könnten wir noch viele andere Helferlein für uns zum Laufen bringen.

Was heisst das zusammengefasst?

belästigt werden. Aber das ist ein anderes Thema. Ihre Daten selbst sind dort sicherer als früher, wo Adressdatensätze viel leichter von Hand zu Hand gewandert sind. Wir als Konsumenten sind aber in einer anderen Rolle. Zwar bekommen wir viele Produkte im Internet billiger. Gleichzeitig erwartet zum Beispiel die Bank, dass Dienstleistungen, die sie früher selbst erbracht hat, heute von Ihnen gestemmt werden. Nutzer, die mit diesen Geschäftsmodellen nicht umgehen können, werden zunehmend signifikante Nachteile erleiden. Die zentrale Frage lautet: Bekommen wir möglichst viele Menschen in das Boot mit diesen neuen Technologien? Danach stellen sich verschiedene Unterfragen. So stellt sich die Frage nach der Demokratie und Partizipation. Erst wenn ich im kleinsten Bergdorf der Schweiz ein funktionierendes Breitbandnetz habe, kann ich auch Erwartungen an die Bevölkerung glaubhaft vorbringen.

Geräte kommunizieren auch direkt untereinander.

Intelligenz wird in Geräte kommen und die Geräte werden miteinander vernetzt. Es gibt dann nicht nur das Internet, wie wir es heute kennen, sondern die Geräte kommunizieren auch direkt untereinander. Wir können dann auf einer noch besseren Grundlage Entscheidungen treffen.

Mit dem Blick nach vorne sehe ich erhöhte Rechnerleitungen, die überall vernetzt und deren Inhalte überall abgreifbar sind. Der entscheidende Sprung wird durch die Vernetzung kommen.

Neue Technologie, das zeigt uns die Geschichte, kann sehr hilfreich sein und uns das Leben erleichtern. Oft kommen viele Menschen aber nicht mit und es entstehen gewaltige soziale Fliehkräfte, bei denen einige abgekoppelt werden und auch Ängste haben. Fangen wir mit einem konkreten Beispiel an: Was passiert mit meinen Daten?

Auf der anderen Seite sind auch Geräte einfacher geworden. Nehmen Sie heutige Generationen von Smartphones. Im Vergleich zu vor 10 bis 15 Jahren sind diese Geräte sehr viel einfacher zu bedienen. An diesem Ende würde ich sagen, bin ich relativ zuversichtlich. Es ist aber klar, dass wir uns alle mit dem Internet und seinen Entwicklungen beschäftigen müssen und das auch weiter fördern. Unsere Forschungserkenntnisse sind leider viel schlechter bei der Beantwortung der Fragen, wie die Menschen die neuen technologischen Ergebnisse nutzen oder wo die Menschen die neuen Produkte einsetzen, als bei der Beantwortung von technologischen Fragen. Bei der reinen Technologie sind wir weiter als bei der Technologiefolgeabschätzung.

Eigentlich sind Ihre Daten bei Google oder Facebook sehr sicher.

Wie sieht die nächste Hürde aus? Warum? Google und Facebook brauchen die Daten von Ihnen. Das ist ihr Geschäftsmodell. Ohne Frage können Sie in der Folge mit unterschiedlichen Anfragen

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Jetzt haben wir die Geräte, die unser privates Leben verändern. Gleichzeitig, und das ist der nächste Schritt, verändert sich unsere Arbeitswelt.


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Heute heisst unser Modell: «Arbeite am selben Ort zur festen Zeit.» Morgen heisst es: «Arbeite wann und wo Du willst.»

Bei uns in der Medienbranche ist das teilweise schon so. Für Sie und mich mag das zutreffen. Für die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung steht da eine kulturelle Hürde im Raum.

Auch da gibt es viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Plötzlich ist man 24 Stunden erreichbar und Arbeit und Freizeit verschwimmen.

Nein, das waren für mich rollende Schwergewichte und Spritschlucker. Solche Entwicklungen gibt es allgemein beim Thema Energie. Wir gehen davon aus, dass der Energieverbrauch 2050 geringer sein wird als heute.

Obwohl die Motoren zwar immer sparsamer werden, haben wir aber gleichzeitig immer mehr Geräte, die Energie verbrauchen. Trotzdem wird sich der Energieverbrauch reduzieren. Dazu kommt, dass wir beim Ressourcenverbrauch ebenfalls gewaltige Fortschritte machen werden. Autos werden in Zukunft nicht nur mit Robotern montiert, sondern auch demontiert. Wir brauchen die Innovationen, auch um ein fortführendes Wachstum zu realisieren. Das unkontrollierte Wachstum ist aber von gestern.

Den Umgang mit dieser Herausforderung müssen wir lernen. Es gibt aber keine Schule, wo man dies lernen kann. Big Data kann zu Stress führen. Der Betriebsrat in meinem Unternehmen schaut sich den Arbeitsplatz vor Ort an. Wenn Sie daheim in Ihrem Wohnzimmer arbeiten, bleibt es völlig unklar, unter welchen Bedingungen Sie arbeiten. Man muss lernen, mit dem Medium umzugehen. Da haben wir alle noch viele Defizite.

Sprechen wir noch über eine kontroverse Debatte. An den X.DAYS geht es um Innovation. Innovation, das kennen wir alle aus dem 20. Jahrhundert, braucht möglichst viel Wachstum. Das Bruttosozialprodukt muss immer weiter nach oben gehen. Wie sieht das im 21. Jahrhundert aus? Schon aus ökologischen Gründen haben wir damit ein Problem. Wenn wir so weitermachen wie jetzt und wir davon ausgehen, dass unsere chinesischen Freunde ebenfalls den Verbrauch haben wollen, wie wir in Europa oder den USA, dann brauchen wir 2030 1,7 Erden. Entweder können wir uns dann in das All aufmachen und dort nach anderen Welten oder Rohstoffen suchen, oder wir müssen erkennen, dass es so nicht weitergeht. Es ist aber furchtbar schwierig, Dinge zu prognostizieren, die noch nicht erfunden sind. Haben Sie sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass Daimler-Benz eine S-Klasse auf den Markt bringt, die 4,7 Liter verbraucht?

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Alles auf EGO

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Georg Lutz

Es sieht auf den ersten Blick ganz harmlos aus. Am klassischen Brettspiel, aber auch in zeitgemässen Computerspielen will jeder gewinnen. Jeder ist sich selbst der Nächste: ein Ego. Das ist auch die Grundlage der Spieltheorie. Komplexe Sachverhalte lassen sich reduzieren und auf das Individuum zurückprojizieren. Im Kalten Krieg sassen die Beteiligten an Radarschirmen und haben versucht, sich in den Gegenspieler hineinzudenken. US-amerikanische Militärs und Physiker hatten die bessere Spielanleitung und das individuellere Standing. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten gingen in die Knie. Fast alle Intellektuellen, selbstverständlich gerade konservative, waren begeistert. Auch Frank Schirrmacher, der Herausgeber des konservativen Leitmediums «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ), gehörte dazu. Aus der Sicht von Schirrmacher haben die euphorischen Intellektuellen, einige prophezeiten ja schon das «Ende der Geschichte», Folgendes übersehen: Die Spieltheoretiker sind nach dem Ende des Kalten Krieges in die Wall Street gegangen und zwingen uns von dort aus ihre EGO-Sicht der Dinge als alternativloses Handlungsmuster auf. Es geht überall nur noch um Selbstoptimierung. Kooperationen oder soziale Vorgehensweisen sind in diesem Weltbild nicht vorgesehen.

Interviews mit jungen Managern aus der Finanzbranche in den letzten zehn Jahren, wenn es um Themen wie Verantwortung, Gewissen oder um Reputation ging, nur in verständnislose Gesichter blicken musste. Vieles in dem neuen Trendbuch von Frank Schirrmacher ist nicht wirklich neu. Michel Foucault hat im Bereich Bio- und Kontrollpolitik schon vor Jahrzehnten in diese Richtung argumentiert und auch Richard Sennett mit seinen Untersuchungen zum Flexibilisierungszwang in der neuen Ökonomie liegt hier auf Linie. Jüngst wurde von Tomas Sedlacek der Homo Oeconomicus auseinander genommen. Das sind Beispiele für profundere Analysen, die von linker und liberaler theoretischer Seite erarbeitet wurden. Schirrmacher gebührt das Verdienst, den konservativen Mainstream hier an Bord geholt zu haben.

Nun ist Schirrmacher ein Trendscout. Zum richtigen Zeitpunkt publiziert er das richtige Buch mit einem emotionalen Ausrufezeichen. So gelang ihm 2004 mit «Methusalem Komplott» eine Streitschrift, die die Überalterung von Gesellschaften in ein grelles Licht rückt. 2009 hat Schirrmacher in einem Buch mit dem Titel «Payback – Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen» verdeutlicht, dass er in den neuen digitalen Medien auch eine Bedrohung der eigenen bürgerlichen Lebensform erblickt. Das neue Buch «EGO Das Spiel des Lebens» thematisiert dieses Unbehagen an der digitalen Medienrevolution erneut. Zudem kommt aber der entfesselte Finanzkapitalismus in das globale Spiel. Diese Kombination stellt laut Schirrmacher zusammenhängende Lebensläufe und Identitäten von einzelnen Menschen infrage, er hat die Realwirtschaft für seine Zwecke eingespannt und ist nun im Begriff, konstitutionelle und völkerrechtliche Ordnungen umzuschreiben. Der Mensch ist dabei als Träger seiner Entscheidungen abgelöst, das grosse Spiel des Lebens läuft ohne uns. Drastische Formeln wie die vom «Monster, erschaffen von der Sucht nach Effizienz» oder vom «Informationskapitalismus», der Gedanken und Absichten zur Ware mache, sind für einen konservativen Leitartikler ungewöhnlich.

Frank Schirrmacher

«EGO Das Spiel des Lebens» Für mich klingen die Thesen oft leicht zu verschwörungstheoretisch. Wir hängen nicht wie Marionetten an Fäden von einigen Denkfabriken und den WallStreet-Boys. Da lagen schon vor Jahren Vulgärmarxisten falsch. Allerdings bieten die Geschichten von Schirrmacher ein Erklärungsmuster, wenn ich bei

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352 Seiten Blessing Verlag, München 2013


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i Silhouette iI JOOP iiI Windsor iV S. T. Dupont V Navyboot Vi Strellson ViI Vertu ViiI Breguet ix Bally x Porsche Design xi Windsor xii Montblanc

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kolumne Emerging Markets – Segen und Fluch der Weltwirtschaft Der wachsende Einfluss der grossen Schwellenländer wie etwa der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) auf die Weltwirtschaft wird zu tiefgreifenden und nachhaltigen Veränderungen von globaler Dimension führen. Bis zum Jahr 2017 dürften Schwellenländer 55 Prozent zum globalen Wachstum beitragen. Die Auswirkungen auf die zur Verfügung Dr. Carsten Priebe stehenden Ressourcen sind gewaltig, denn zu Beginn des neuen Jahrzehnts werden die Entwicklungsund Schwellenländer 45 Prozent des weltweit erzeugten Stroms verbrauchen. Schon heute benötigt China fast so viel Kohle wie der Rest der Welt zusammen. In sieben Jahren dürfte Indien unseren Nachbarn Frankreich beim BIP überrunden und Brasilien ein höheres BIP als Italien erzielen. Die Unternehmen in den Ländern mit rasch expandierenden Wirtschaften profitieren dabei zusätzlich vom demographischen Wandel in den Emerging Markets selbst. Konkret bedeutet das, dass bis zum Jahr 2020 eine Milliarde Konsumenten aus China und Indien der Mittelschicht angehören dürften und jedes Jahr geschätzte 10 000 Milliarden US-Dollar ausgeben werden. Damit liegen die Ausgaben pro Kopf höher als bei Konsumenten aus den USA und der EU. Indonesien ist der viertgrösste Konsumgütermarkt der Welt und bereits jetzt trägt der private Konsum rund 50 Prozent zum BIP des Landes bei. Die Autoverkäufe erreichten dort 2012 die Millionengrenze, was Indonesien zum Automarkt mit den höchsten Wachstumsraten macht. Was sich heute in Indonesien, Indien oder China abzeichnet, lässt erwarten, dass mit dem wachsenden Wohlstand in diesen Ländern die Automobildichte in diesen und anderen Schwellenländern rapide zunehmen dürfte. Letztlich wird sich die PW-Dichte den Werten in Westeuropa oder den USA annähern.

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Heute kommen in China weniger als 40 Autos auf 1000 Einwohner, während es in den USA oder Japan mehr als zehnmal so viel sind, nämlich zwischen 440 und 460. Mit welcher Dynamik sich der Angleichungsprozess vollzieht, zeigt sich daran, dass 2012 in China mehr Autos als in den USA verkauft wurden. Verbraucher hierzulande kön­ nen sich also schon mal auf einen Preisschock an der Zapfsäule gefasst machen, denn bis 2022 dürfte China allein so viel Erdöl verbrauchen wie der Rest der Welt zusammen. Vier der fünf grössten Raffinerien der Welt befinden sich heute in Asien, während man in Europa aus Umweltschutzgründen keine neuen Anlagen mehr baut. In der Vergangenheit wurden sogar ganze Raffinerien ab- und in Asien wieder aufgebaut, weil der in Asien nicht benötigte Kraftstoff bisher an europäische Verbraucher geliefert wurde. Da in den USA trotz steigendem Benzinverbrauch seit Jahrzehnten ebenfalls keine neue Raffinerie mehr gebaut wurde, kaufen die Amerikaner einen Teil des benötigten Kraftstoffs in Europa, was beispielsweise ein Grund für die steigenden Benzinpreise im Frühjahr hierzulande ist. Es ist aber absehbar, dass Asien bald nicht mehr in der Lage sein dürfte, Benzin nach Europa zu liefern, da es die Raffinerieprodukte selbst benötigt. Dies wird letztlich erhebliche Verwerfungen am globalen Energiemarkt nach sich ziehen. Einige Schwellenländer haben bereits reagiert und eine entsprechende Strategie erarbeitet. Russland will mehr Öl nach China liefern und die Türkei plant, sich ab 2023 von Energieimporten weitgehend unabhängig zu machen. Im Gegensatz dazu haben weder die EU noch die Schweiz derzeit ein tragfähiges Konzept, um die Energieversorgung in zehn oder gar 20 Jahren sicherzustellen.


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VERBLÜFFEND ANDERS Das Hotel, das lebt.

Die bezaubernde Aussicht auf die Stadt, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL), den Vierwaldstättersee und die Bergkulisse sowie die bereits legendären Events, zum Beispiel die Jazzkonzerte in der Louis Bar oder die Kochkurse mit Küchenchef Johan Breedijk, machen jeden Besuch im MONTANA zu einem Highlight. FÜR DESIGN & LIFESTYLE LIEBHABER Mit seinen 66 Gästezimmern, Suiten und den einzigartigen Penthouse Spa Suiten mit grosszügigem In-Room Spa-Bereich und privatem Panorama Whirlpool auf der Dachterrasse, der stadtbekannten Louis Bar, dem 15 GaultMillau Scala Restaurant mit traumhafter Terrasse und dem attraktiven Day-Spa Angebot, ist das MONTANA eine Oase der Erholung für Ferien- wie für Geschäftsreisende. Trotz seiner ruhigen Lage liegt das MONTANA nur 5 Fahrminuten vom Bahnhof oder dem nächsten Autobahnanschluss sowie eine Stunde vom Flughafen Zürich-Kloten entfernt. BESTES VIERSTERNE-STADTHOTEL DER SCHWEIZ Fast schon zur Tradition geworden, feiert das ART DECO HOTEL MONTANA in Folge die Kür zum besten ViersterneStadthotel der Schweiz gemäss den angesehenen Hotel-Ratings der "SonntagsZeitung" und der "Bilanz". Es gehört 2013 wiederholt zu den HolidayCheck Award Siegern und wurde damit zu den 12 beliebtesten Stadthotels der Welt gewählt. Erleben Sie das aussergewöhnliche und begeisternde Hotel, das lebt – aber eben, verblüffend anders!

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Namibias

Norden

Endlose Weiten und Marslandschaften Nur wenige Touristen verschl채gt es in den Nordwesten Namibias, in die Kunene-Region. Die meisten zieht es von Windhoek aus direkt zum EtoshaNationalpark oder zu den bekannten Sossusvlei-D체nen. Sie verpassen jedoch eine unvergleichbare Landschaft, die abwechslungsreicher kaum sein kann. Yvonne Beck

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Um es gleich vorwegzunehmen, ich kam von dieser Reise völlig begeistert zurück. Zwar freute ich mich bereits vor der Abreise auf den Kurztrip, doch wohl eher, weil ich froh war, den kalten Schweizer Temperaturen zu entfliehen. Meine Erwartungen an den Nordwesten Namibias waren ansonsten nicht allzu gross. Ein vielfältigeres und grösseres Wildlife als in Botswana konnte ich dort nicht erleben, besseres Essen als in Südafrika bekam ich dort sicherlich auch nicht und die bekannten Dünen in der Namib-Wüste standen erst gar nicht auf unserem Programm.

Doch dann kam alles anders … Bereits bei unserer Ankunft am Hosea Kutako International Airport in Windhoek schlug uns eine Stimmung entgegen, die es so nur in Afrika gibt. Es ist nicht einfach zu beschreiben, was dieses Gefühl ausmacht, aber sobald man seinen Fuss auf afrikanischen Boden setzt, überkommt viele Menschen eine Art Urheimatsgefühl, als sei man zu seinen eigenen tief verwurzelten Ursprüngen zurückgekehrt. Ob es am Lachen der Bevölkerung liegt, das so herzlich ist, dass man einfach einstimmen muss, oder am Himmel über Afrika, weiss keiner so genau. Es geht jedoch vielen Menschen so, auch denen, die erstmals den südlichen Teil des Kontinents betreten. Und je mehr man die Zivilisation verlässt, desto mehr verfällt man dem Zauber von Mother Africa. Windhoek kann man jedoch getrost als reinen Landeplatz und Transitstation betrachten. Die Hauptstadt Namibias wirkt im Vergleich zu anderen Metropolen ziemlich provinziell. Die meisten Touristen machen höchstens einen kurzen Stop, um im «Namibian Craft Center», einem Kunsthandwerkszentrum, einige Souvenirs zu erstehen. So machten auch wir nur einen kurzen Stopp, um anschliessend weiter ins Landesinnere vorzudringen.

Per Propellermaschine in die Wildnis Mit einem Kleinflugzeug flogen wir in das zu Wilderness Safari gehörende Desert Rhino Camp. Bereits der Flug war spektakulär, sobald wir Windhoek und

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seine Vororte hinter uns gelassen hatten, änderte sich die Natur unter uns, plateauartige Hügel wechselten sich ab mit weiten Ebenen in Braun-, Gelboder Rottönen. Nach einem circa anderthalbstündigen Flug landeten wir auf einer Schotterpiste und wurden von einer Herde Zebras begrüsst, welche den Mitreisenden die ersten Entzückungslaute entlockten. Schnell wurden die Fotoapparate ausgepackt und das Klicken der Kameras sollte bis zum Ende unserer Reise ein ständiger Begleiter sein. Unsere erste Nacht verbrachten wir im Desert Rhino Camp im Damaraland im Nordwesten Namibias. Inmitten einer steinigen, minimalistisch-schönen Hügellandschaft entstand das Camp in Zusammenhang mit dem «Save the Rhino Trust», einer Organisation, welche die Aufgabe hat, das Überleben der schwarzen Nashörner zu sichern. In den 80er und 90er Jahren wurde hier sehr viel gewildert, so dass nur noch wenige Exemplare dieser Tiere übrig blieben. Heute ist diese Nashorn-Population wieder die grösste in Afrika ausserhalb eines Nationalparks! Eine stabile Population von etwa dreissig Tieren hält sich in der Umgebung des Camps auf. Wird ein Nashorn gesichtet, wird der Weg zusammen mit einem Guide immer zu Fuss fortgesetzt, um sich den majestätischen Tieren, die aus einer längst vergangenen Zeit entsprungen zu sein scheinen, möglichst unbemerkt zu nähern. Vor einem Nashorn oder auch Elefanten in freier Wildbahn zu stehen, ohne den Schutz des Jeeps, ist ein unvergessliches Erlebnis. Man weiss plötzlich genau, dass das Tier einem weit überlegen ist, und fühlt sich angesichts seiner Grösse und Stärke selbst sehr klein. Dank der Frischwasser-Quellen in der Umgebung findet man auch eine gute Anzahl Wüstenelefanten, Zebras, Giraffen, Oryx, Springböcke, Kudus und auch Löwen, Geparden und Hyänen. Es kann hier also durchaus auch vorkommen, dass man Löwen in der Nähe brüllen hört. So bot das Camp für uns einen idealen Einstieg in die Natur Namibias. Bereits am ersten Abend lernten wir, wie fragil die Natur doch ist, was der Mensch ihr alles antun kann und wie wichtig es ist, mit ihr zu leben, nicht bloss von ihr.

Die erste Nacht im Zelt Nachdem wir die erste Nacht im Camp gut überstanden hatten, ging’s am nächsten Morgen weiter in das circa 5000 Quadratkilometer grosse PalmwagKonzessionsgebiet. Das Naturschutzgebiet zeichnet sich durch die atemberaubende, von Hügeln und seltenen Pflanzen durchzogene Landschaft sowie die faszinierende Tierwelt aus. Immer mehr entfernten wir uns von der Zivilisation und immer mehr gewöhnten sich unsere zivilisationsmüden Augen an die Schönheit und Kleinigkeiten der Natur. Während man in den ersten

Tagen kaum ein Tier von selbst erspähte, erst auf den Hinweis des Guides, gelang es am Ende der Reise einigen Teilnehmern gar, kleine Chamäleons zu entdecken, die gut getarnt auf einer Baumwurzel hockten. Nach und nach lebte man sich immer mehr ein in die Umgebung. Was ein fast erhebendes Gefühl war. Man lauschte der Stille der Wüstengegenden, und abends am Lagerfeuer registrierte man das leiseste Knacken der Äste. Auf unserer Fahrt durch die Täler und Flussbetten passierten wir felsige Schluchten und fruchtbare Quellen. Springböcke, Oryx, Kudus, Strausse, Schakale, Giraffen und Zebras waren unsere ständigen Begleiter. Unser zweites Nachtlager schlugen wir in der Nähe der Hunkab-Quelle auf. Während der Guide das Lager herrichtete, genossen wir einen wunderschönen Sundowner, der das ganze Land in ein märchenhaftes Rot tauchte. Genächtigt wurde dieses Mal nicht in fest installierten Hütten, sondern in mobilen Zelten. Zuerst war den meisten von uns ein wenig mulmig. Wie viel Schutz bietet ein solches Zelt? Was mache ich, wenn nachts Tiere um mein Zelt streifen oder ich auf die Toilette muss? Einige Reisende verbrachten diese Nacht etwas unruhig, denn jedes ungewohnte Geräusch liess sie noch hochschrecken. Doch beim Zusammentreffen am Morgen waren sich alle einig: Es ist ein faszinierendes Erlebnis, abseits jeglicher Zivilisation, weit entfernt vom letzten Natelempfang oder von einer Strasse allein in einem Zelt zu schlafen. Nach dem Frühstück wurde auch gleich ein Rundgang um das Camp unternommen, um auszukundschaften, welche Tiere in der Nacht am Lager vorbeigezogen sind. Einige waren etwas enttäuscht, denn sie hätten schwören können, dass direkt vor ihrem Zelt eine Löwenfamilie gebrüllt hätte. Mir selbst reichten die in sicherer Entfernung gefundenen Schakal- und Elefantenspuren aus.

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Auge in Auge mit Elefanten Von der Hunkab-Quelle ging es weiter durch das obere Mudorib-Rivier auf der Suche nach Spitzmaulnashörnern und Wüstenelefanten. Der Weg führte durch das trockene Flussbett des Hoanib-Riviers, der gesäumt von riesigen, uralten Akazien ist und darum einen idealen Unterschlupf für Elefanten bietet. Hier schlugen wir unser nächstes Nachtlager auf und hier kamen wir einem Elefanten auf freier Wildbahn so nah wie nie zuvor.

Trotz dieser spannenden Begegnung und dem Wissen, dass sich der Elefant sicherlich noch in der Nähe aufhält, habe ich in meinem Zelt wie ein Murmeltier geschlafen, denn die Tausenden Eindrücke, die man gesammelt hat, machten müde und sehr zufrieden.

Namibias Nomaden Schon von Weitem sah man ihn angetrottet kommen. Ein junger Elefantenbulle. Ganz gemächlich. Wir waren gerade dabei, uns ein bisschen frisch zu machen und die mobilen Duschen in Beschlag zu nehmen, als eine Mitreisende ihn durch ihr Fernglas erspähte. Auch die Guides griffen zu ihren Ferngläsern, legten diese aber nach kurzer Zeit wieder beiseite und widmeten sich weiter der Zubereitung des Abendessens. Einzige Anweisung ihrerseits: «Bleibt zusammen und in der Nähe der Wagen und redet nicht zu laut.» Gesagt, getan; unser kleines Grüppchen blieb in der Nähe des Jeeps und starrte gebannt Richtung Dickhäuter, der immer näher kam. Längst hatte er uns entdeckt, wahrscheinlich schon, bevor wir ihn entdeckt hatten. Ein bisschen ängstlich überlegten wir uns, was wir machen sollten, wenn er nicht abdrehen würde. In oder unter den Landrover klettern, weglaufen, totstellen? Schmunzelnd erklärte uns unser Guide, dass ein Auto für einen Elefanten kein wirkliches Hindernis darstellt. Ohne Weiteres könne er dieses umkippen, wenn er wolle. Aber warum sollte er wollen? Als der Elefant nur noch ein paar Meter von uns entfernt war, schalteten sich auch unsere Guides endlich ein: «Gaan vorby» – «Geh weiter, hopp!» Und tatsächlich: Der junge Bulle dreht ab, nachdem er durch Kopf- und Ohrenwackeln nochmal kurz seinen Unmut geäussert hat. Wie wir später erfahren, sind Begegnungen dieser Art durchaus nicht ungewöhnlich, für unsere langjährigen Guides sind sie fast alltäglich. Sie kennen die Gesetze der Wildnis, und wer sie befolgt, dem passiert auch nichts. In diesem Fall lautete die Devise einfach: Wir waren zuerst da, geh also weg! Und dieses Gesetz befolgt auch ein tonnenschwerer Elefant.

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Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Norden. Zunächst entlang des Tsuxub-Riviers, unmittelbar an der östlichen Grenze zum Skelettküstenpark. Ständig wechselte das Landschaftsbild, von satten Flussbetten über Schluchten zu den für Namibia so typischen endlosen Weiten. Und auch wenn sich mal kein Tier sehen liess, wurde es keinen Moment langweilig. Zu überwältigend sind die Landschaften. Nördlich von Sesfontein liegt das 48’982 Quadratkilometer grosse Kaokoveld, das 1993 in die Region Kunene integriert wurde. In den Berggebieten Kaokovelds findet man noch eine sehr ursprüngliche Wildnis, der sich Tier und Mensch angepasst haben. Hier ist auch die Heimat der Himba. Etwa 15’000 Himba leben als Hirtenvolk im Nordwesten Namibias. Sie leben in Familienclans, relativ autark und über ein grosses Gebiet verstreut. Ihre Bienenkorbhütten bauen sie noch auf traditionelle Weise aus jungen Bäumen und verputzen sie mit einer Mischung aus Lehm und Viehdung. Ihre Existenzgrundlage sind Rinder- und Ziegenherden, mit denen die Männer des Stammes


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herumziehen. Und so finden auch wir bei einem Besuch einer Himba-Siedlung nur Frauen und Kinder vor. Wie wir von unserem Guide erfahren, verwenden die Frauen täglich viel Zeit für die Schönheitspflege. Sie reiben ihre Haut zum Schutz mit einer Mischung aus Ocker, Butter, verschiedenen Kräutern und Rinden ein. Die Himba nutzen auch «Deos»; dazu dienen ihnen die Zweige des «Parfumstrauches», eines ausgetrocknet aussehenden Buschs. Bricht man jedoch seine Äste ab, verströmt er einen angenehmen, intensiven Duft. Selbst die Parfum-Industrie hat diesen Busch inzwischen für sich entdeckt und kauft den Himba Äste und Zweige ab. Für die Himba hat der Ahnenkult eine grosse Bedeutung im alltäglichen Leben. Das «Okuruo», das heilige Feuer, das niemals erlöschen darf, ist der Mittelpunkt eines jeden Krals. Der Sippenälteste nimmt hier Kontakt mit den Vorfahren auf, bringt Opfer dar, holt sich Rat und Hilfe oder beichtet Fehler und Vergehen. So leben die Himba noch immer nach alten Riten und Gesetzen ihr Leben in der kargen Wildnis. Bleibt zu hoffen, dass mit Fotoapparaten klickende Touristen, die den Himba bei ihren Besuchen T-Shirts, Hosen und Uhren schenken, diese Art zu leben nicht zerstören werden. Und auch wir verlassen sie mit gemischten Gefühlen, einerseits fasziniert, andererseits ein bisschen beschämt, denn auch wir haben unsere Fotoapparate auf sie gerichtet, um ihre uns so fremde Art zu leben festzuhalten.

Trockene Wüstengebiete und der Etosha-Park Doch unsere Tour führte uns weiter. Von Purros aus ging’s mit dem Flugzeug in die Serra Cafema Lodge von Wilderness Safari. Doch so sehr man sich wieder auf eine richtige Toilette gefreut hatte, so sehr vermisste selbst der Nicht-Camping-Freund die unglaubliche Nähe zur Natur, die man nur im Zelt empfinden kann. Doch das Sera Cafema Camp machte diesen Wermutstropfen schnell wieder wett. Es ist das abgeschiedenste Camp im gesamten südlichen Afrika. Der Kunene-Fluss ist die einzige Wasserversorgung in diesem Gebiet und erzeugt eine schmale grüne Oase entlang des Ufers, das ansonsten von zerklüfteten Bergen und Sanddünen umgeben ist. Hier befindet sich das trockenste Wüstengebiet der Welt. Eine Fahrt auf dem Kunene bietet einen wunderbaren Kontrast zu den atemberaubenden heissen SanddünenLandschaften. Wir machten sogar einen kurzen Ausflug nach Angola auf der anderen Seite des Flusses. Mit einem Gin Tonic in der Hand und die KuneneFlusskrokodile im Auge genossen wir unseren vorletzten Sundowner. Unseren letzten Tag in Namibia verbrachten wir im Etosha National Park im Herzen der riesigen Etosha-Pfanne. Sicherlich Namibias bekanntestes Ziel für Safaris, denn es bietet Selbstfahrern Tierbeobachtungsmöglichkeiten par excellence – vor allem im trockenen Südwinter, wenn sich die Tierherden an den Wasserlöchern drängen. Der Park wird jedes Jahr von Zehntausenden Touristen aus Namibia, Südafrika und aus Übersee besucht. Sie können über 110 Säugetierarten entdecken. Auch wir entdeckten einige Tiere, die wir bisher auf unserer Tour nicht gesehen hatten. Allerdings konnten auch diese die Erlebnisse der Tage zuvor nicht mehr toppen. Erfüllt von Tausenden wunderschönen Eindrücken und Landschaftsmotiven machten wir uns auf den Heimflug. Alle aus der Gruppe waren sich einig – es gibt kaum ein abwechslungsreicheres Land als Namibia. Und für viele von uns war es sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir es besucht haben.

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SHORTCUT Der coolste Pool Asiens Neben den wasserspeienden Löwen ist das Hotel «Marina Bay Sands» eines der Wahrzeichen Singapurs. Das Luxushotel vor dem botanischen Garten sieht aus wie ein Raumschiff vom anderen Stern. Drei verglaste Türme ragen bis zum 57. Stockwerk in den Himmel. Auf der Dachterrasse, 200 Meter über dem Erdboden, ist ein 150 Meter langer Swimmingpool. Der langgezogene Pool ist das höchste Freibad der Welt. Passend zum Bild der Stadt reich und verrückt, allerdings nichts für Menschen mit Höhenangst. Für alle, die dem kühlen Nass nicht zugetan sind, bietet das Superhotel auf vier Etagen ein 15’000 Quadratmeter grosses Megakasino und eine Eislaufbahn, Edelrestaurants sowie ein Shoppingcenter mit Wasserkanälen.

Residieren wie die Könige Die «Royal Penthouse Suite» im «President Wilson»-Hotel am Genfersee gehört zu den teuersten Suiten der Welt. Pro Nacht muss man, um royales Feeling geniessen zu dürfen, tief in die Tasche greifen. Eine Nacht kostet circa 74’000 Franken. Frühstück kostet extra. Dafür darf man jedoch in den gleichen Räumlichkeiten wie einst Bill Clinton, der König von Saudi-Arabien oder Rihanna nächtigen. Zudem darf man sich auf 1680 Quadratmetern ausbreiten. Zwölf Schlafzimmer, zwölf Badezimmer mit Whirlpool und Dampfbad, Bibliothek, Esszimmer mit einer Mahagonitafel, an der 26 Gäste Platz finden, ein eigenes Fitnessstudio sowie eine Lounge mit Billardtisch und SteinwayFlügel finden hier Platz. Am meisten wert ist jedoch sicherlich der Blick von der Dachterrasse auf den Mont Blanc und den Genfersee.

Glamour Spa Viele Hotels haben Spas und viele Spas sind gut gemacht. Der 460 Quadratmeter grosse Spa- und Wellness-Bereich des Hotels «Kameha Grand Bonn» besticht jedoch durch seine moderne Architektur, die aufwändigen Glasmosaike der bekannten italienischen Marke Bisazza und aussergewöhnliche Designelemente. Zum Spa gehören zwei Saunen, die einen Blick auf das Siebengebirge ermöglichen, zwei grosszügige Aussenterrassen sowie ein Dampfbad und fünf Behandlungsräume. Ein besonderes Highlight: Im beheizten Infinity-Aussenpool auf der zugehörigen Dachterrasse hat man bei einem einzigartigen Blick auf den Rhein das Gefühl, das Wasser verschwinde auf magische Weise am Ende des Pools.

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SHORTCUT Hoch-Gefühle in Bangkok Das «Sirocco» ist das höchste Open-Air-Restaurant in Bangkok. Es diente nicht nur als Kulisse für den Kinofilm «Hangover 2», sondern bietet einen spektakulären Ausblick über die thailändische Hauptstadt. Im 63. Stock, rund 230 Meter über den Dächern Bangkoks, locken eine 5-SterneGastronomie und die sogenannte «Sky Bar». An einem leuchtenden, schillernden Tresen lassen hier Hotelgäste, aber auch auch hippe Thailänder den Abend ausklingen. Die Bar scheint auf einem kleinen Plateau über der Stadt zu schweben – lediglich eine Glaswand liegt zwischen den Cocktail-schlürfenden Gästen und dem tief unten liegenden Strassenverkehr. Kurz: eine der aussergewöhnlichsten Bars und Restaurants der Welt.

Private Hideaway Filmschauspieler, Musiker, Könige und andere Multimillionäre verbringen hier ihren Urlaub. Das von feinen Sandstränden eingefasste Necker Island ist Eigentum Richard Bransons, Gründer des legendären britischen Virgin-Firmenimperiums. Auf der 30 Hektar grossen Insel ist man «unter sich», umgeben von vollendetem Luxus. 22 Angestellte erfüllen den maximal 28 Gästen jeden Wunsch und bieten einen 5-Sterne-Service, der höchsten Ansprüchen genügt. Sie arrangieren ein kosmetisches Verwöhnprogramm ebenso selbstverständlich wie den Auftritt einer Calypso-Band oder die eigene Traumhochzeit. Mit durchschnittlich 60’000 Franken pro Nacht hat man eine ganze Insel für sich, der ganz private Hideaway fünf Kilometer nordöstlich von Virgin Gorda.

Essen unter Wasser Einmal sich fühlen wie Ariel die Meerjungfrau, das kann man im Restaurant «Ithaa» auf den Malediven. Das Unterwasserrestaurant befindet sich im Ari-Atoll auf der Insel Rangali im «Conrad Hilton Maldives Resort & Spa». Man isst unter dem Meeresspiegel und geniesst den Panoramablick, das Riff und die Unterwasserwelt. Doch nicht nur die Atmosphäre ist unvergleichbar, auch das Essen und der Service suchen ihresgleichen. Die Speisekarte weist eine grosse Fischauswahl auf – da kann man gleich zuordnen, welcher Fisch gerade an der Glasscheibe vorbeigeschwommen ist. Man sollte das «Ithaa» am Abend besuchen – denn angeleuchtet sieht alles noch viel schöner aus.

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Bären

in North Carolina

Zu Besuch in New Bern Es ist die älteste Schweizer Siedlung in den USA, die amerikanische Kleinstadt New Bern an der Ostküste von North Carolina. Ein Berner gründete sie vor über 300 Jahren. Heute ist New Bern die einzige offizielle Tochterstadt von Bern. Eine transatlantische Freundschaft. Yvonne Beck

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Seit über hundert Jahren gilt New Bern als Berns Tochterstadt, und das hinterlässt Spuren: Das Wappentier der Eidgenossen ist in der kleinen Stadt in den USA omnipräsent. In jedem Rathaus hängen die Fahne der Schweiz und die von Bern. Mit einem gewissen Stolz zeigt man, dass man von einem Schweizer gegründet wurde.

Im Kampf gegen die Ureinwohner Gegründet wurde New Bern im Jahr 1710 vom Schweizer Adeligen Christoph von Graffenried, der sich mit einigen Landsleuten und zahlreichen deutschen Immigranten auf den Weg von der Alten in die Neue Welt aufgemacht hatte. Armut war ein Grund, aus dem Bernbiet auszuwandern. Auch die verfolgten Täufer wanderten nach Amerika aus, oder sie wurden gar dorthin deportiert. Bei dem reichen Patriziersohn Christoph von Graffenried standen jedoch die Reiselust, der Traum nach fremden Welten und eine romantische Vision vom Wilden Westen im Vordergrund. Doch schon während der Überfahrt begannen die Scherereien und Schwierigkeiten, unterwegs wurden sie von französischen Piraten überfallen, die sich fast der gesamten Ladung und aller Habseligkeiten bemächtigten. Endlich an der Küste Nord Carolinas angekommen, gründete der Baron von Graffenried im Auftrag der englischen Krone die Siedlung New Bern, benannt nach seiner Heimatstadt Bern. Das Land war jedoch von den Tuscarora-Indianern besiedelt, welche unbarmherzig aus dem Gebiet vertrieben wurden. Doch ein echter Indianer lässt sich so etwas natürlich nicht ohne Weiteres gefallen, sie wehrten sich heftig gegen die wachsende Invasion ihres Territoriums durch die Bleichgesichter und gegen die aufkommende Versklavung. Bei einem Ritt zu einer Silbermine wurde von Graffenried durch die Indianer gefangen genommen. Während seiner Gefangenschaft überfielen die Tuscarora die Siedlung New Bern und brannten fast alle Gebäude nieder. Von Graffenried überlebte zwar die Gefangenschaft. Kehrte jedoch 1714 verarmt und verbittert in die Schweiz zurück. Die amerikanische Stadt New Bern soll er für angeblich gerade mal 800 britische Pfund verkauft haben.

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Und ewig grüsst der Bär Heute hingegen erfreut sich New Bern wieder grosser Beliebtheit unter den Eidgenossen. Immer wieder hört man auf den Strassen Schwyzerdütsch. Viele Besucher sind auf der Fährte ihrer Vorfahren – man liebt halt den «exotischen» Einschlag, und wer hat schon nicht gerne einen der ersten Siedler Amerikas in der Familie? Und auch wenn man keine Familienangehörigen mehr findet, so fühlt man sich doch ein bisschen heimisch in der Stadt, denn überall begrüssen einen Bären – das Wappentier der Berner. Ob als Skulptur in Vorgärten, als Wimpel an Häusern, Aufklebern auf Autos oder Fahnen am Mast. Auch die Fahrzeuge der Stadt und die Uniformen der städtischen Bediensteten schmückt der Bär. Selbst New Berns erste Flagge, ein Geschenk der Stadt Bern aus dem Jahr 1896, ist noch heute im Gerichtssaal des Ratshauses in New Bern ausgestellt.

Auf den Spuren der Geschichte Ja, New Bern pflegt sein historisches Erbe. Für alle alten Häuser gelten strenge Denkmalschutzbestimmungen, und selbst wenn eines der alten Gebäude mal irgendwie ungünstig platziert ist, wird es kurzerhand abgebaut und an einem anderen Platz wieder aufgebaut. Auch das North Carolina History Center, ein ultramodernes Museum, beschäftigt sich mit der Geschichte des USBundesstaates und der Stadt New Bern. Dieses Museum liess sich der Staat fast 60 Millionen US-Dollar kosten. Doch die Investition hat sich gelohnt, es bietet eine Menge interaktive Elemente an. Besucher können sich individuelle Rundgänge auf ihre Smartphones laden und sich so durch die Ausstellungen führen lassen. Oder Bilder fangen plötzlich an zu sprechen und bringen einem alte Rezepte näher. Wie eine Fahrt durch einen Timetunnel taucht man hier in die lebendige Geschichte des 18. Jahrhunderts ein und lernt spielerisch eine Menge über die Gesellschaft und den Handel dieser Zeit. Der Bau eines Hafens und die vorteilhafte Lage New Berns an der Mündung des Neuse River in den Pamlico Sound begünstigten den Handel mit Grossbritannien und den britischen Kolonien. So mauserte sich New Bern schnell zum wichtigen Handelsumschlagsplatz, so dass sogar der damalige Gouverneur William Tryon beschloss, mit seiner Regierung in die aufstrebende Metropole umzuziehen. Der Gouverneur – nicht gerade ein bescheidener Mann – finanzierte das Kapitol, den Regierungssitz North Carolinas und gleichzeitig sein privater Wohnsitz, mit zusätzlich erhobenen Steuern. Die dadurch verärgerten Bürger nannten das heute noch imposante Gebäude daraufhin Tryon Palace. Tryon Palace ist ein für die damalige Kolonialarchitektur typisches imposantes Backsteingebäude, welches nach kompletter Restauration wieder in seiner vollen Pracht besichtigt werden kann. In ihm taucht man in die Geschichte North Carolinas ein. Bereits an der Pforte wird man von historisch gekleideten Guides begrüsst. Bei einem Rundgang durch die Gebäude und Gärten des ehemaligen Kapitols lernt man vieles über die glanzvolle, aber auch unruhige Zeit des 18. Jahrhunderts.

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Erfund ich Sie meistends Gottlose aufrührische Leuth, darunter Mörder, Dieben, Ehebrecher, Flucher und Lesterer ... was ich mit ihnen ausgestanden, das weiss Gott aus den Aufzeichnungen Graffenrieds zur Gründung New Berns

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Die Geburtsstadt der Pepsi-Cola Ganz in der Nähe des ehemaligen Gouverneurpalastes lädt der Historic District mit Stadthäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert zum Bummeln und Einkaufen ein. Im Jahre 1893 mixte hier der Apotheker C. D. Bradham einen Sirup, versetzte ihn mit kohlesäurehaltigem Wasser und verkaufte das Getränk als «Brad’s Drink». 1898 taufte er das Getränk Pepsi-Cola, nach dem Enzym Pepsyn, welches in der Kolanuss enthalten ist, und gründete vier Jahre später die Pepsi-Cola Company, welche jedoch im Jahre1923 Konkurs anmelden muss. Bradham verkauft sein Unternehmen. Die Zuckerknappheit während des Ersten Weltkriegs trieb Bradham in den Ruin, doch sein Produkt, das heute weltweit bekannt ist, hat seinen Siegeszug um den Globus in New Bern angetreten. In den 1930er Jahren kann sich das Getränk, in neuer Verpackung, nach und nach bereits in den USA etablieren und ab 1950 eroberte es den Rest der Welt. In New Bern an der Ecke Pollock Street und Middle Street, wo sich einst Bradhams Apotheke befand, ist heute ein PepsiLaden zu finden, in dem man alle möglichen gebrandeten Pepsi-Souvenirs erstehen kann.

SHORTCUT «Stars and Stripes» Neben dem Berner Bären ist, wie fast überall in den USA, die US-Nationalflagge allgegenwärtig. Sie flattert in Gärten, an Häuserfassaden, auf wichtigen staatlichen Gebäuden, wird in Schulen gehisst und schmückt T-Shirts, Postkarten und Tassen. Die Nationalflagge der USA besteht aus 13 Querstreifen, sieben roten und sechs weissen. In einem rechteckigen, dunkelblauen Feld in der linken oberen Ecke sind 50 weisse Sterne angeordnet. Die Streifen symbolisieren die 13 Gründungsstaaten der USA, die Sterne die 50 Bundesstaaten der Union. Die weisse Farbe steht für Klarheit und Unschuld, Blau für Gerechtigkeit und Ausdauer, Rot für Heldenmut und Zähigkeit. Zudem symbolisieren die Farben die Verbundenheit zum Mutterland, denn sie sind auch im britischen Union Jack zu finden.

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TRAVEL News

Fashion

Designer

Hotels & Suites Designer kleiden nicht nur Menschen, sondern immer mehr auch Räume ein, und eine Suite im Look des Lieblingsmodehauses ist nicht nur für Modemaniacs ein echtes Highlight. Ob Dior, Prada, Armani oder Gucci – Modemarken präsentieren sich auch im Hotelbusiness.

Dior: St. Regis, New York City New York ist das Mekka für Luxus-Shopping. Alle grossen Brands haben hier ihre Flagship-Stores. Wer nicht nur Designerluft beim Einkaufen schnuppern will, der logiert im «St. Regis» in der Nähe des Central Park genau richtig. Das Jugendstilgebäude ist ein New Yorker Wahrzeichen und Symbol für zeitlosen Luxus. Doch auch im Inneren hat das Haus einiges zu bieten: eine Suite, die dem Luxusjuwelier Tiffany gewidmet ist, eine Suite im Bentley-Stil und eine Suite, die vom Modehaus Dior gestaltet wurde. Die Dior Suite ist im eleganten «Whispering Grey» gehalten. Auf 158 Quadratmeter kann der Gast voll in die Dior-Welt eintauchen.

Diane von Furstenberg: Claridge’s, London In London übernachtet die Designerin Diane von Furstenberg am liebsten im «Claridge’s», was liegt da näher, als dass sie hier auch ein Zimmer designt. Viele Designer haben während rund 150 Jahren im «Claridge’s» ihre Spuren hinterlassen. Das Furstenbergsche Designkonzept ist in der Piano Suite zu bewundern. Hier treffen Leo- und Zebraprints auf Möbel, Schränke aus Asien, Tabletts aus Bali, Leuchter und Vasen aus Murano aufeinander – ein bunter, fast frecher Stilmix. Jeder Sofabezug oder Teppich trägt die Handschrift der Designerin. Abgerundet wird das Ganze durch selbstgemachte Fotos von Diane von Furstenberg.

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Christian Lacroix: Le Notre Dame, Paris Der Name Christian Lacroix ist auf der ganzen Welt bekannt, doch in seiner Heimatstadt Paris gab der Designer dem Hôtel Notre Dame ein typisches Lacroix-Gesicht. In der Nähe der Kathedrale Notre Dame tobte sich Herr Lacroix so richtig aus. Ganz anders als minimalistische und schlichte Designhotels lässt er das Hotel in Prunk und ein wenig Kitsch schwelgen. Das Hotel gleicht einer Fantasiewelt voller Hinweise auf das alte Rom und die französische Tradition der Versailles-Opulenz. Alles ist hier zu finden ausser Schlichtheit und Zurückhaltung. Eine Welt, in der sich der Sonnenkönig Ludwig XIV. sicher wohlgefühlt hätte.

Giorgio Armani: Armani Hotel, Dubai and Milan Armani mag es gross und spektakulär. Das zeigt auch das in einem der höchsten Gebäude der Welt befindliche Luxushotel des Modeschöpfers. Im «Burj Khalifa» in Dubai liegt das mit 160 Zimmern ausgestattete Hotel, das an Luxus kaum zu überbieten ist. Auch wenn die Zimmer – wie die Mode Armanis – schlicht und elegant wirken. Jedes kleinste Detail wurde angeblich höchstpersönlich vom Meister ausgesucht und entworfen. Ein Mega-Hotel im Mega-Tower. Die beste Aussicht hat man jedoch immer noch von der Aussichtsplattform des «Burj Khalifa», welche sich in der 124. Etage befindet. Das Hotel liegt in den unteren Stockwerken des Towers.

Missoni: Missoni Hotel, Kuwait and Edinburgh Mut zu Farbe und Mustern beweisen die beiden «Missoni»-Hotels in Edinburgh und in Kuwait. Dabei stand die bunte Zickzack-Designphilosophie des italienischen Modehauses Missoni Pate, und diese kleidet die schottische Hauptstadt und das arabische Emirat extrem gut. Die Grande Dame des Unternehmens, Rosita Missoni, zeichnet für die Farb- und Mustergebung des Hotels verantwortlich. Die Rezidor Hotel Group treibt den Ausbau der Lifestyle-Marke mit Fünf-Sterne-Boutique-Hotels voran. Jüngstes HotelbauProjekt ist ein 80 Zimmer zählendes «Missoni»-Hotel hoch über dem Dorf Baie du Cap im Süden von Mauritius, welches im Frühjahr 2014 eröffnet werden soll. Ausserdem stehen noch Hotels in der Türkei, Südafrika, Brasilien und Oman auf dem Plan.

Karl Lagerfeld: Schlosshotel im Grunewald, Berlin König Karl mag es royal. Standesgemäss kümmerte sich der Modezar um den Umbau des «Schlosshotels Grunewald» – zumindest um den künstlerischen Aspekt. 53 Zimmer entstanden so unter der Ägide des Designers. Im Geiste des 1912 erbauten Residenzpalasts schuf Lagerfeld eine 250 Quadratmeter grosse Grand Kaiser Suite mit Privatbibliothek. Royales Feeling mit Belle-Époque-Möbeln, opulenten Betten und Marmor-Badezimmern in einem der nobelsten Viertel Berlins. Erbaut in den frühen zwanziger Jahren als eine herrschaftliche Privatresidenz, ist das Hotel einzigartig in seiner Geschichte, Tradition und zeitgenössischen Kunst. Lagerfeld schaffte eine Mischung aus Reichtum der Jahrhundertwende und Eleganz aus modernem Design.

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Die Legende

am Golf Oman: ein Land mit einer Fülle von Naturschönheiten, einer faszinierenden Kultur, einer atemberaubenden Landschaft und einer gastfreundlichen Bevölkerung, die ihr Land voller Stolz ausländischen Besuchern präsentiert. Lilly Steffen

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Es war einmal … Sindbad der Seefahrer, die Weihrauchstrasse und die Heiligen Drei Könige – die spannende und ereignisreiche Vergangenheit Omans ist längst Allgemeinwissen. Die stolzen Menschen und atemberaubenden Landschaften hinter diesen Legenden sind jedoch noch immer ein gut gehütetes Geheimnis, das zu entdecken sich lohnt. Oman ist stolz auf sein reiches kulturelles und archäologisches Erbe, in dem viele hundert Jahre internationalen Handels und ausländischen Einflusses ihre Spuren hinterlassen haben. Zeugnisse für eine glorreiche Vergangenheit finden sich überall in dem Land mit seinen mehr als 500 Festungen, Burgen und Wehrtürmen. Mit seinem reichen kulturellen Erbe, einer atemberaubend schönen Natur und einer 5000 Jahre alten Zivilisation, die sich neben modernen Einrichtungen und Infrastrukturen problemlos behauptet, bietet das Sultanat Oman reichlich Gelegenheiten sowohl für den abenteuerlustigen Reisenden als auch für den anspruchsvollen Geschäftsmann. Trotz rasch voranschreitender Entwicklung bleibt das Land in seiner Tradition und Kultur fest verwurzelt. Und so bietet eine Reise nach Oman Gelegenheit, wirkliche arabische Lebensart kennenzulernen und die natürliche Schönheit eines Landes zu geniessen, das sich erst vor kurzem dem Tourismus geöffnet hat.

Atemberaubende Landschaften Durch den jüngst erfolgten Ausbau der touristischen Infrastruktur ist Oman zu einer Topadresse für Taucher, Tierfreunde und Naturliebhaber, Wanderer und Touristen geworden, die das klare Wasser und die imposanten Festungen und Souks dieses geschichtsträchtigen Landes geniessen. Das herausragende Merkmal von Oman, dem zweitgrössten Land in der Region, ist sicherlich seine vielgestaltige Landschaft mit den grandiosen Fjorden im äussersten Norden in Musandam, den unberührten Sandstränden, den beeindruckenden Wüstengebieten, den zerklüfteten Bergen und einem mit üppiger Vegetation bedachten Süden. Zudem ist Oman mit einer Vielzahl von preisgekrönten Fünfsternehotels der ideale Ort für Freizeitaktivitäten, Geschäfte, Konferenzen und IncentiveReisen. Von Bootsfahrten zur Delphinbeobachtung über die Beobachtung von Schildkröten bei der Eiablage bis hin zum Durchstöbern der Souks nach Goldwaren und Weihrauch – Oman hält wirklich für jeden Besucher und für die unterschiedlichsten Interessen etwas bereit. Kultur, Kunst, Erbe, Natur, Sport, Abenteuer und Unterhaltung sind im Sultanat Oman vereint – wobei der allgemeine Wunsch nach Komfort und Sicherheit jederzeit erfüllt wird.

Sanierung von Kulturstätten Das kulturelle Erbe Omans manifestiert sich in seinen über 500 Festungen, Burgen und Wehrtürmen, die von der reichen Vergangenheit des Landes zeugen. Sie erweisen sich auch als wichtige Anziehungspunkte für internationale Touristen, weshalb grosse Anstrengungen unternommen werden, um die Befestigungsanlagen und andere historische Denkmäler zu restaurieren, damit sie in ihrer ursprünglichen Schönheit wiedererstehen. Eine Reihe altertümlicher Stätten sind von der UNESCO unter besonderen Schutz gestellt und in die Liste des Welterbes aufgenommen worden. Dazu gehören die Festung von Bahla, die archäologischen Stätten von Bat mit den 3000 Jahre alten Grabmälern Al-Khutm und Al-Ayn und die Weihrauchstrasse. Zudem ist da Ubar, eine verlorene Stadt, die vor etwa 2000 Jahren im Sand von Dhofar versank und die Marco Polo während seiner Reise nach Oman im Jahre 1260 beschrieb. Zu den geschützten Gebieten gehören zudem Al Baleed, der Standort der alten Stadt Zafar, Khor Rori, Shisr Bilad und Wadi Daika.

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Tradition und Moderne Aber auch die Hauptstadt Muscat ist einen Besuch wert. Sie ist eine gelungene Mischung aus Altem und Neuem, eingebettet in eine imposante Kulisse aus Bergen auf der einen und dem Arabischen Meer auf der anderen Seite. Die Stadt wurde vor mehr als 900 Jahren gegründet und hält auch weiterhin an traditionellen Werten fest, während sie gleichzeitig ultramoderne Einkaufskomplexe, erstklassige Schnellstrassen, eine Vielzahl internationaler Hotels, einen internationalen Flughafen und einen grossen Seehafen vorweisen kann. Diese malerisch gelegene und bezaubernde Stadt mit den Hauptbezirken Muscat, Muttrah und Ruwi hat etwa 800’000 Einwohner. Mit ihren zahlreichen grossen Moscheen, Festungsanlagen, Burgen, Souks, traditionellen Häusern, Museen und Wehrtürmen ist sie ein beliebter Anziehungspunkt für Touristen.

Fjordlandschaft und Unterwasserparadies Ein ganz anderes Bild des Sultanats zeigt hingegen die Halbinsel Musandam. Steil und abweisend ragen zerklüftete Felswände aus dem Meer, formen ein unüberschaubares Labyrinth. Blaugrün und glasklar liegt das ruhige Wasser zwischen ihnen,

SHORTCUT Oman Air Oman Air ist die nationale Fluggesellschaft des Sultanats Oman. Die im Jahre 1993 gegründete Fluggesellschaft gehört zu den am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften der Welt. Ziel der Expansion ist es, den Flughafen Muscat zu einem bedeutenden internationalen Drehkreuz auszubauen. Die Premium-«Boutique Airline» fliegt ab Deutschland (Frankfurt und München) und aus der Schweiz (Zürich) in das Sultanat Oman. www.omanair.com

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gibt den Blick frei auf Korallenbänke und eine faszinierende Welt unter Wasser – bunte Fischschwärme ziehen dahin, gefleckte Muränen, Delphine und manchmal auch Wale. In Musandam versinkt das Hajargebirge im Meer, nur seine Gipfel und schroffen Grate durchbrechen noch die Fluten. Die Bewohner dieser Region nennen sie daher Ruus al Jibaal, die Köpfe der Berge. Wer mit einer Dhau von Khasab aufbricht, diese einzigartige Landschaft an der Strasse von Hormuz zu erkunden, taucht ein in absolute Stille, weitab vom Lärm und der Hektik des Alltags. Der wird überwältigt vom Spiel des Lichts und der Spiegelungen auf dem Wasser in den Morgen- und Abendstunden. Musandam, eine Exklave des Sultanats am nördlichen Ende der Arabischen Halbinsel, ist eine atemberaubende Fjordlandschaft, die fast nur vom Wasser aus mit dem Boot zu erkunden ist. So bildet das Sultanat Oman ein facettenreiches Bild, dem jedoch eins gemein ist: die Offenheit der Menschen und die faszinierende Natur. Zudem ist es keinem anderen arabischen Staat der Golfküste so gut gelungen, den schwierigen Spagat zwischen wertvollem Kulturgut und dem Fortschritt als perfekte Symbiose zu gestalten. Denn trotz Ölreichtum und Modernisierung ist hier noch der alte Orient lebendig! Das vermitteln allein schon die landesweit getragenen bodenlangen Gewänder der Gastgeber. Die Omanis leben nach althergebrachten Traditionen, zu denen auch ein hohes Mass an Gastfreundschaft und Weltoffenheit zählt. – Oman lädt ein zu unvergesslichen Rundreisen und erholsamen Urlaubstagen. www.oman.travel


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Privatklinik in einzigartiger

Umgebung Kompetenzzentrum für Medizin und Ästhetik Dr. Peter Pantlen

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Seit März 2012 befindet sich im sorgfältig renovierten und beispielhaft umgebauten ehemaligen Grand Hôtel des Salines in Rheinfelden die Privatklinik ALTA AESTHETICA. In einzigartiger Umgebung direkt am Rheinufer ist nicht einfach nur eine Privatklinik für ästhetische und plastische Chirurgie der PremiumKlasse, sondern ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Kompetenzzentrum für Medizin und Ästhetik entstanden. Das Leistungsspektrum von ALTA AESTHETICA bewegt sich von der Ästhetischen Chirurgie (Na-

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Niggi Freundlieb

senkorrekturen, Brustvergrösserungen und -verkleinerungen, Facelifting, Oberlidstraffung, Lippenkorrekturen, Fettabsaugung, Anti-Aging-Behandlungen, Verbesserung der Nasenatmung, Nasen- und Nebenhöhlenoperationen) über topmoderne, minimalinvasive Methoden zur Behandlung von Krampfadern bis hin zur Überweisertätigkeit im Bereich Implantologie, Prothetik, Komplettsanierungen, Korrekturen des Kiefers und/oder des Kiefergelenkes, dem Kieferaufbau und/oder Knochenaufbau sowie der Behandlung angeborener Fehlbildungen. Im PRESTIGE-Interview spricht Dr. Peter Pantlen, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der ALTA AESTHETICA, über die Faszination seines Berufes, über seine Behandlungsschwerpunkte oder sein ehrenamtliches Engagement bei der Organisation INTERPLAST in der Dritten Welt.


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PRESTIGE: Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf? Dr. Peter Pantlen: Die ästhetische Chirurgie im Besonderen erfordert viel Fingerspitzengefühl und den richtigen Blick für die Harmonie, Form und Ästhetik des Körpers. Schönheit ist nicht wirklich messbar, sie liegt häufig im Auge des Betrachters. Dies herauszufinden und damit den für den Patienten bzw. die Patientin optimalen Weg gemeinsam zu erarbeiten und dann durch meine operativen Fähigkeiten und Erfahrungen optimal umzusetzen ist für mich jeden Tag wieder faszinierend.

Was sind Ihre Behandlungsschwerpunkte? In der ALTA AESTHETICA bringe ich mich insbesondere für die körperformende Chirurgie ein. Hier sehe ich auch meinen Schwerpunkt: Brustvergrösserungen, -verkleinerungen und -straffungen ebenso wie straffende Eingriffe an den Armen und Beinen. Bauchdeckenstraffungen nach Schwangerschaften oder Gewichtsreduktionen und – als ein wesentlicher Teil der körperformenden Chirurgie – die Liposuktionen, also Fettabsaugungen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die nicht-invasiven Behandlungen, die einen immer grösseren Anteil im Behandlungsportefeuille einnehmen. Hierzu gehören z. B. die Faltenbehandlungen mit Hyaluronsäureprodukten (Filler) und Botulinum-Toxin.

Was wird am meisten nachgefragt?

Der Anteil der minimal-invasiven Verfahren nimmt seit Jahren stetig und deutlich zu. Der schnelle Weg zum Ästhetischen Chirurgen, die Behandlung in der Mittagspause und die zunehmende Akzeptanz für «Botox und Co» haben dazu geführt, dass diese Behandlungen neben den klassisch operativen Verfahren einen hohen Stellenwert in der Nachfrage erreicht haben. Im operativen Bereich sind es Fettabsaugungen und Brustvergrösserungen.

Botox-Behandlungen werden in der Öffentlichkeit, vor allem auch in den Medien teilweise stark diskutiert – können Sie eine Lanze für diese Behandlungen brechen und wie steht es mit den Risiken? Die Behandlungen mit Botulinumtoxin bilden im ästhetischen Bereich unbestritten den «Grundbaustein» der minimal-invasiven Verfahren. Allein in den USA wurden im Jahr 2012 mehr als 3 Millionen Behandlungen durchgeführt. Dennoch wird Botox mitunter als «Nervengift» verteufelt. Das kommt nicht von ungefähr, da die Behandlung mit Botulinumtoxin früher für Mimikstarre und «frozen look» stand. Heutige Behandlungsstrategien mit niedrigen, individuell angepassten Dosen sowie einer ausbalancierten Behandlung des ganzen Gesichtes können ein harmonisches, natürlich entspanntes Aussehen erreichen. Vor über 30 Jahren wurden erste Studien über den therapeutischen Einsatz von Botulinumtoxin veröffentlicht, seit dem hat sich insbesondere im Bereich der ästhetischen Anwendung sehr viel getan. Die Risiken sind minimiert worden und im Endeffekt bleibt die Behandlung mit Botox immer reversibel, da die Wirkung nach max. 6 Monaten vollends aufgehoben ist. Auch wenn natürlich Risiken bestehen, auf die wir als seriöse Ärzte im Aufklärungsgespräch hinweisen, so verlaufen laut Studien über 99% der Behandlungen mit Botulinumtoxin komplett nebenwirkungsfrei.

Steigt der Anteil der Männer, die sich bei Ihnen operieren lassen, und welche Behandlungen fragen sie nach?

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Über die letzten Jahre habe ich insbesondere einen Anstieg bei Männern im Bereich der minimalinvasiven Therapien (Filler, Botox) gesehen. Aber auch Ober- und Unterlid-Straffungen und Halslliftings werden zunehmend von Männern nachgefragt und genutzt, um ein jüngeres Erscheinungsbild zu erreichen. Gerade in den Führungsetagen grosser Konzerne sind Jugendlichkeit, Dynamik und gutes Aussehen eine nicht unwesentliche Vorraussetzung für Erfolg. Immer mehr Manager und Männer in Führungspositionen lassen sich regelmässig ihr Hautbild auffrischen. In Berlin zum Beispiel gibt es eine grosse Community homosexueller Männer. Diese haben ein sehr ausgeprägtes Körperbewusstsein und eine grosse Nachfrage nach körperformender Chirurgie. Dennoch, der Anteil der Männer liegt derzeit noch bei unter 20%.

Sie engagieren sich bei der Organisation INTERPLAST auch in kostenloser Hilfe, die Sie Menschen in armen Ländern mit anderen Ärzten – darunter auch Kollegen und Kolleginnen aus der ALTA AESTHETICA – zusammen anbieten – können Sie darüber etwas erzählen und die Organisation INTERPLAST vorstellen? INTERPLAST Germany ist ein gemeinnütziger Verein,

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der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Plastische Chirurgie in Ländern der 3. Welt kostenlos dort anzubieten, wo die Menschen dazu keinen Zugang haben. Sämtliche Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und ohne Bezahlung in ihrem Urlaub. Wir operieren im Rahmen unserer 14-tägigen Camps ca. 140 Patienten und sorgen für eine entsprechende Nachsorge vor Ort mit Hilfe der einheimischen Kollegen. Es gibt über 30 Einsatzgebiete weltweit, in denen über 60 Einsätze pro Jahr erfolgen. Die entstehenden Einsatzkosten werden aus den Mitgliederbeiträgen und Spenden finanziert. Letztendlich können wir in Mitteleuropa nichts dafür, dass wir in ein Leben geboren wurden, in dem medizinische Versorgung eine Selbstverständlichkeit ist. Ebenso wenig können diejenigen etwas dafür, in ein Leben geboren worden zu sein, in dem medizinische Betreuung und Versorgung unbezahlbare Luxusgüter sind. Wir können mit unserem Einsatz diese Ungerechtigkeit vielleicht ein klein wenig ausgleichen. Das ist auch der Grund, weshalb sich auch noch weitere Mitarbeitende der ALTA AESTHETICA wie Dr. Dr. Michael Bergermann, Dr. Herbert Bauer, Frau Valerie Kühl und Frau Ilona Eichenberger für Interplast engagieren.

Was behandeln Sie im Rahmen Ihrer INTERPLAST-Tätigkeit, und was sind die Gründe in Indien oder Afrika für medizinische Behandlungen? Die typischen Indikationen bei unseren Patienten sind angeborene Fehlbildungen, Tumoren der Haut und Weichteile, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und Spätfolgen von Verbrennungen – sogenannte Verbrennungskontrakturen. Wichtig ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, so dass ein grosser Aspekt unserer Tätigkeit die Ausbildung der ortsansässigen Kollegen ist und damit langfristig eine Versorgung der Patienten durch eigene Ärzte möglich wird.


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Racing Days Photography: Werner Schaerer Design: LIVIN‘ROOM GmbH, S.Degiacomi

Zürich-Dielsdorf 2013

Sun, 21st April Sun, 30th June Sun, 29th September The Luxury Way of Life | 321 www.greenturfracing.ch


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vorschau volume 27 Auf hoher See Die Kreuzfahrtbranche befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Die Buchungszahlen und die Bestellungen der Reedereien sprechen eine deutliche Sprache. Auch in diesem Jahr werden wieder einige neue Kreuzfahrtschiffe um die Gunst der Reisenden buhlen. Sechs neue Schiffe kommen auf den Markt. Darunter auch die mit Hochspannung erwartete «MS Europa 2». PRESTIGE testet für Sie das neue Schiff, mit dem der deutsche KreuzfahrtenAnbieter Hapag-Llyod sein Luxussegment auf legere Weise erweitert.

The Next Generation Namen wie Richard Meier, Sir Norman Foster, Zaha Hadid oder Shigeru Ban sind nicht nur Architektur-Maniacs ein Begriff. Seit Jahren kann man auf der ganzen Welt ihre imposanten Bauwerke bewundern. Doch auch die nachfolgende Generation präsentiert faszinierende Entwürfe. Das indische Studio Mumbai, das norwegische Büro Todd Saunders oder Nieto Sobejano aus Spanien stehen in den Startlöchern, um der Architekturwelt ihren Stempel aufzudrücken.

Die Haute Couture der Blumen Der japanische Künstler Makoto Azuma überrascht mit spektakulären botanischen Skulpturen. Im Jahr 2001 eröffnete er im trendigen Tokioter GinzaViertel «Jardins des Fleurs» – einen Haute-Couture-Blumenladen mit einer einzigen Blume. Heute zählt der Künstler Modehäuser wie Bulgari, Hermès oder Issey Miyake zu seinen Kunden. Vom Zauber der Blumen fasziniert, beschloss er, die Floristik zur Kunst zu machen. PRESTIGE traf den Künstler auf der Giardina in Zürich und liess sich von ihm in seine «blumiante» Kunstwelt entführen.

Publisher Francesco J. Ciringione | Owner Prestige Media AG, prestigemedia.ch | Publishing Director Boris Jaeggi / b.jaeggi@prestigemedia.ch | Art Director & Head of Production Nicole Senn / n.senn@prestigemedia.ch | Graphic Design Tobias Merz, Stephanie Rosenblatt | Sales Virginie Vincent / v.vincent@prestigemedia.ch | Sales & Marketing Director Cumi Karagülle / ck@prestigemedia.ch | Product Public Relation Olivia Bürgin / o.buergin@prestigemedia.ch | Editor in Chief Yvonne Beck /  y.beck@prestigemedia.ch | Editors Yvonne Beck, Gisbert L. Brunner, Vera Dillier, Niggi Freundlieb, Wilhelm J. Grusdat, Lone Halvorsen, Dr. Thomas Hauer, Boris Jaeggi, Valeska Jansen, Jascha Köhler, Georg Lutz, Angelika Möller, Gabriel Palacios, Adriano Cimarosti, Dr. Karsten Priebe, Lilly Steffen, Helena Ugrenovic, Götz Winter, Dominique Zahnd, Jan-Chrisopher Sierks News Yvonne Beck, Lone Halvorsen | Cover Picture Constanze Leuschner  / blaublut-edition.com | Photographs Taschen Verlag, Yvonne Beck, ALTA AESTETICA, Swiss Images, Ankerherz Verlag, Academy of Motion Picture Arts and Sciences, Metro Goldwyn Mayer, Tim Raue, Thomas Hauer, Enzo Ennea, Oman Torismus, Bilddatenbank. Alle Fotos, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber. | Corrector Andreas Probst | Main Office Prestige Media AG, Bösch 73, CH-6331 Hünenberg Publisher /Production Prestige Media AG, Leimgrubenweg 4, CH-4053 Basel | Telefon +41 (0)61 335 60 80, Telefax +41 (0)61 335 60 88, info@prestigemedia.ch, www.prestigemedia.ch Web Matthias Zeitz | Support Dejan Djokic | Internet prestigemag.ch | E-Mail info@prestigemedia.ch | Coordination Laura Giarratana | Administration & Abo Service Serpil Dursun  / s.dursun@prestigemedia.ch | Price / Issue CHF 10.– | Price / Year CHF 39.– | Frequency vierteljährlich | WEMF 2012 / 2013 – 25’102 Exemplare | Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt. PRESTIGE prestigemagazin.com is a registered trademark. (IGE 596’147)

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