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INHALTSVERZEICHNIS

Editorial

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Fashion Coco Chanel Unvergessen 22

Karl Lagerfeld Cruise Collection

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26

Fashion News Nostalgie trifft Retro

32

36

Anthony Mangham Touch The Sky

36

Warme Füsse Kein Privileg mehr im Herbst/Winter 2011

38

Dsquared2 Unkonventionell und frech

46

Salvatore Ferragamo Men Herbst/Winter 2011/12

52

46

culinarium Eckart Witzigmann Der Jahrhundertkoch

56

66

Food News Purer Genuss

62

Chasselas L'amour toujours

64

56

Purer Tee Gesunder Luxus

66

living Die biorealistische Architektur des ... ... Richard Joseph Neutra

74

TYPE 600 Eine Hommage an Edisons Glühbirne

82

Interior News Living & More

84

Kasper Salto Die Frage nach der Ästhetik

86

86

So nah und doch so fern Traumhafte Badelandschaften für zu Hause

94

Stilobjekte «neue Räume» 2011 in Zürich

90

16

74


INHALTSVERZEICHNIS

100

Beauty Herbstzeit ist Pflegezeit

100

Beautytrends im Herbst

104

Ihre asiatische ... ... Wohlfühloase

108

Herbstpflege für strapazierte Haare

110

Feuchtigkeit und Seide Für eine Haut wie Samt und Seide

114

Boost Your Health Der Weg zu mehr Lebensqualität

116

Duftende Herbstimpressionen Behind The Scenes der neuen Duftkampagnen

118

Culture

118

Zoë Saldana Keine killt schöner

130

Kopf oder Zahl?

130

Zahlen und ihre Symbolik

138

John Herbert Dillinger Staatsfeind Nummer 1

142

Reinhold Messner Der Berg ruft nicht

148

Drive Style Donnervogel Der neue Lamborghini Aventador

142

156

Einer für Alle Der Porsche Panamera

164

Prinz Max zu Schaumburg-Lippe Ein Prinz gibt Vollgas

170

Kleiner Tempomacher Der KTM X-Bow

176

WAtches & jewellery

164

Von den Uhren für Flieger zu den ... ... Fliegeruhren

184

As Time Goes By ...

170

News & Facts

192

Carl F. Bucherer Die Verbindung von Tradition und Fortschritt

176 17

194


INHALTSVERZEICHNIS

198 Travel Sylt Die Insel der Schönen und Reichen!

198

Mauritius Follow Your Dream!

204

«Dolce Vita» in Istrien Von Kopien und Köstlichkeiten

208

208

Südkorea Vom Land der Morgenstille

214

Travel News News & Facts

218

Wales Das wilde Land des roten Drachen

220

204

Ecuador Die Mitte der Welt

148

226

Six Senses Laamu Wie Robinson Crusoe im Paradies – nur besser

234

Trends im Winter 2011/2012

237

Events AVO SESSION Basel Clubatmosphäre für grosse Stars

226

240

Raid Suisse-Paris Zwei Ladys On Tour

242

220

Das besondere Eiserlebnis «Schwanensee» und «Dornröschen» als Eisshow

244

Fight Night Gala im Grand Casino Baden

246

KOLUMNEN 98

54

Christina Krämer Die Gegenwart ist jetzt!

54

Wilhelm J. Grusdat Im Rachen des Tigerhais

72

Vera Dillier Plädoyer für den Konsum

154

Götz Winter

196

182

98

Hoher Service gegen tiefen Euro

128

Nubya Die letzten zwanzig Prozent

154

Guido Tognoni Zahlen ja, aber bitte nicht stören!

128

182

Rolf Hess

72

Die Quartalslügen der Konzerne

18

196


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EDITORIAL

Geschätzte Leserinnen, Geschätzte Leser

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er Herbst hat Einzug gehalten, die Blätter fallen von den Bäumen und immer wieder ziehen dicke graue Wolkendecken über den Himmel. Das schlägt vielen auf die Stimmung, doch das Prestige-Magazin bringt mit seiner neuen Ausgabe ein bisschen Farbe in diese triste Jahreszeit. Reisen Sie mit uns nach Wales, dem Land der Burgen und Sagen, wo Merlin einst zauberte und König Artus herrschte. Mit seiner rauen Schönheit, den grünen, sanften Hügeln und den schroffen Klippen bezaubert dieses kleine keltische Land jeden Besucher. Und beim Besuch eines Rugby-Spiels kann man noch eine ganz andere Seite der Waliser kennenlernen. Hier treffen sich die echten harten Kerle des Landes. Ganz anders hingegen geht es auf der kleinen Insel Sylt zu – dem St. Moritz der Nordsee oder dem Saint-Tropez Deutschlands. Jedes Jahr treffen sich hier die Schönen und Reichen zum Sehen und Gesehenwerden. Zwischen frischen Austern und Champagner geniesst man die Strandkorbromantik und lange Spaziergänge im Wattenmeer. Wo sich auf Sylt die Hotspots befinden, erfahren Sie im vorliegenden Magazin. Einen heissen Reifen fährt nicht nur Prinz Max zu Schaumburg-Lippe, sondern auch unser Autoredaktor Stephan Gubler. Er testete für Sie die neusten Autos und brachte von seinen Fahrten jede Menge neuer Fahreindrücke mit. Welcher Wagen überzeugte und welcher weniger gut auf der Strasse lag, berichtet er in unserer Herbstausgabe. Zudem erfahren Sie von unserer Mode- und Beautyredaktorin Valeska Jansen, welche Pflegemittel und Düfte in diesem Herbst zu dem Must-Haves gehören und auf welche Fashionartikel auf keinen Fall verzichtet werden darf. Lehnen Sie sich also genüsslich zurück und tauchen Sie ein in die Welt des Prestige-Magazins, in ein Lesevergnügen der ganz besonderen Art.

Francesco J. Ciringione Yvonne Beck

Verleger Chefredaktorin

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FASHION

COCO CHANEL Unvergessen

Die Erfinderin des Kleinen Schwarzen und des Modeschmucks sorgte gern für Skandale. So kürzte sie auch als erste Modedesignerin ihre Röcke auf eine Knie umspielende Länge, was für grossen Aufruhr in der prüden Gesellschaft der langen Röcke sorgte. Ihre zahlreichen Liebeleien mit den grossen Namen des 20. Jahrhunderts sorgten für Aufruhr. Sie wollte Hutmacherin werden. Doch dank der Unterstützung ihrer diversen einflussreichen und reichen Liebhaber, gelang es ihr schnell ein grosses Modeimperium zu erschaffen.

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© Man Ray Trust/ADAGP Paris 2007

FASHION

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FASHION

Coco Chanel in Deauville.

Coco Chanel und Hugh Grosvenor, 1928

«Ein Mann kann anziehen was er will – er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau.» von Valeska Jansen

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Einfache und bequeme Eleganz

ademoiselle Coco Chanel hiess eigentlich Gabrielle. Ihre wenig schöne Kindheit verbrachte sie zum Teil in einem Waisenhaus des katholischen Klosters Aubazine. Hier erlernte sie den Beruf der Näherin. Mit zwanzig Jahren arbeitete sie als Angestellte in einem Aussteuer- und Babyfachgeschäft, wo sie bereits erste Nähaufträge annahm.

Ihre schlichte und locker die Silhouette umspielende Mode hatte schnell viele Anhängerinnen. Sie befreite viele Frauen aus ihren zu engen Korsetts und brachte auch jede Menge Funktionalität in ihre Schnitte. Schnell beschäftigte sie rund 300 Näherinnen und wurde immer erfolgreicher. Als eine der ersten emanzipierten Frauen dieser Männer-dominierten Zeit, war ihr vor allem ihre Unabhängigkeit sehr wichtig, was sie auch dazu veranlasste, all ihre Schulden ihrem Liebhaber so schnell wie möglich zurück zu zahlen.

Um sich etwas Geld dazu zu verdienen trat sie als Chansonsängerin im Rotonde in Moulins auf. Vor allem mit zwei Chansons faszinierte sie dort das Publikum: «Qui qu’a vu Coco?» und «Ko-KoRi-Ko». Zu dieser Zeit erhielt sie auch ihren Spitznamen Coco.

Erfolg über die Grenzen hinaus Grosse Unterstützung erhielt sie bei ihren Kollektionen von der amerikanischen Vogue, die Chanels Mode als «Inbegriff der Eleganz» betitelte. Ihr Geschäft wuchs schnell. Bereits 1936 hatte sie 4000 Angestellte. Als Stern am Pariser Modehimmel ihrer Zeit zählte sie viele berühmte Künstlerinnen und Künstler zu ihren Freunden. Darunter Jean Cocteau, Sergej Diaghilew, Igor Strawinsky, Pablo Picasso, Colette, Max Jacob, Misia Sert und Romy Schneider, aber auch Persönlichkeiten wie Winston Churchill. Es werden ihr so einige Liebschaften mit bekannten Persönlichkeiten nachgesagt. Dort tauchen Namen wie eben Igor Strawinsky,

Geschäftseröffnung mit Kredit des Liebhabers Als sie im Rotonde 1904 den Industriellen Sohn Etienne Balsan kennen lernte, gelang ihr durch ihn der Eintritt in die gehobene Gesellschaft. Mit seiner Unterstützung eröffnete sie 1910 ihr eigenes Hutatelier in Paris. Bereits ein Jahr später machte sie, ebenfalls in Paris, ihr erstes Modehaus auf, finanziert von Arthur Capel, einem englischen Bergwerkbesitzer. Als Cocos Geliebter finanzierte er bereits zwei Jahre später ihre erste Modeboutique im mondänen Seebad Deauville.

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FASHION

Mademoiselle Coco Chanel

Coco und ihr Hund Gigot.

Mit Marthe Davelli

«Ich habe die Frauen vom Korsett befreit!» · Coco Chanel, eigentlich Gabrielle Bonheur Chasnel, wurde am 19. August 1883 als zweite Tochter eines Strassenhändlers in Saumur in der Auvergne geboren. · 1910 ihr erstes Hut-Atelier in Paris. · 1914 eröffnete sie unter ihrem Namen erste Boutiquen in Deauville und Biarritz. · Ab 1918 lancierte sie Pyjamas für Frauen, die bisher nur den Männern vorbehalten waren. · 1919 eröffnete sie einen Modesalon in Paris. · 1923 gelang ihr mit dem Parfum «Chanel No 5» der weltweite Durchbruch. Dieser Duft war auch der erste, der unter dem Namen des Schöpfers präsentiert wurde. · 1926 entwarf sie das erste «Kleine Schwarze». · Schlagzeilen machte sie Anfang der 1930er Jahre, als sie mit den Nationalsozialisten sympathisierte. Auch einige Freundschaften zu hochrangigen deutschen Offizieren aus dieser Zeit wurden ihr vorgeworfen. · Während des Krieges zog sich Chanel ab 1939 aus dem Geschäftsleben und allen Aktivitäten zurück. · 1946-1954 lebte sie im Exil in der Schweiz. · 1954 kehrte Chanel wieder ins Berufsleben nach Paris zurück. · Die bis ins hohe Alter aktive Coco Chanel starb am 10. Januar 1971 während der Vorbereitungen für eine weitere Kollektion im Alter von 87 Jahren in Paris.

der Grossfürst Dmitri Pawlowitsch Romanow, dem Neffen des Zaren, der Dichter Pierre Reverdy, Hugh Grosvenor, 2. Duke of Westminster oder dem berühmten Künstler Paul Iribe, auf.

Coco Chanels Kriegsschachzüge Während des zweiten Weltkrieges versuchte sie auch in der Politik die Fäden zu ziehen. So arrangierte sie mit ihrem derzeitigen Liebhaber Hans Günther von Dincklage, Sonderbeauftragter des Reichspropagandaministeriums in Frankreich, die «Operation Modellhut». Das Ziel war es Churchill zu einem Gespräch mit den Deutschen zu bewegen, um sie zum Kriegsende zu überreden. Doch dieses Gespräch kam niemals zustande, da Churchill schwer an einer Lungenentzündung erkrankte. Ende des zweiten Weltkriegs wurde sie, wegen ihrer Nazi-Liaison, als Kollaborateurin verhaftet und lebte acht Jahre im Schweizer Exil.

Fulminantes Comeback Nach ihrer Rückkehr nach Paris, 1954, wurde sie von der Presse höhnisch zerrissen. Niemand traute der bereits 71 jährigen ein Comeback zu. Doch bereits ein paar Jahre später lobte das LifeMagazin die unvergleichliche Eleganz ihrer Wollkostüme. Der Siegeszug des Chanel-Kostüms begann.

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FASHION

viel

Zu

nicht

ist

genug! Karl Lagerfeld 端ber seine Chanel Cruise Collection H/W 2011/12

KARL LAG 26


FASHION

ERFELD 27


FASHION

CRUISE COLLECTION Fotos: Karl Lagerfeld

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FASHION

ÂŤDer Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.Âť Karl Lagerfeld

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FASHION

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FASHION

ÂŤEhrlich gesagt arbeite ich nur mit mir selbst zusammen.Âť Karl Lagerfeld

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FASHION

Nostalgie trifft

CHANEL

Retro

GOLD LINES

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Diesel

Nour

Blauer

Hugo Boss

Xray

FASHION

Die Modedesigner setzen diesen Winter ganz auf gedeckte Farben. Schwarz, Braun und Grautöne beherrschen die Modelinien. Selten unterbrochen durch farbige Accessoires, als eher dezenter Eyecatcher. Bei den Frauen wird’s ziemlich androgyn und bei den Männern kommt einem der Gedanke an einen gesetzten Collegeboy in den Sinn.

Lele Pyp

Viel Strick, allerdings grober als im letzten Winter, begleitet von Leder und Hornknöpfen.

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FASHION

Gucci

Auch der Military-Look lässt wieder grüssen, wenn auch zurück genommener und nicht mehr ganz so streng.

Xray

Lacoste

C.P.

Xray

Sullen

Insgesamt erinnern die meisten Kollektionen an «old fashioned british» und muten beinahe etwas spiessig an. Anders als in sonstigen wirtschaftlichen Krisenzeiten, in denen die Designer sich gegenseitig mit Prunk und Glitzer zu übertrumpfen schienen, wird zur jüngsten Krise doch auf schlichtes Understatement gesetzt.

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FASHION

Sein Lieblingszitat beschreibt den Geburtsort des Fotografen plakativ: «In New York sind die Menschen wie Krabben in einem Fass zusammengepfercht. Jede drückt die nächste nach unten, um als erste ganz nach oben zu kommen. Und dann zu merken, dass die obersten zuerst gefressen werden».

Anthony Mangham

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FASHION

D von Valeska Jansen

er 1985 in New York geborene und in Brooklyn aufgewachsene Anthony Mangham interessierte sich bereits während seiner High School-Zeit für Mode und half bei Fashion Produktionen mit. Schnell bemerkte er, dass seine grösste Leidenschaft aber eigentlich die Fotografie war. Sobald er eine Kamera in der Hand hatte, fotografierte er wie wild drauf los und nichts und niemand waren vor ihm sicher.

Touch The Sky

Geduldige Models Seine Lieblingsmodels waren seine Schwestern, die, so erzählt er, «alles über sich ergehen liessen und sich niemals beschwerten». 2009 begann er als Assistent für die bekannten New Yorker Fotografin Jill Lotenberg zu arbeiten, bis er sich Hals über Kopf verliebte und deshalb in die Schweiz, zu seiner grossen Liebe auswanderte. Hier arbeitet er seitdem als Freelancer und hat bereits einige erfolgreiche Projekte realisiert.

Neuer Stern am Fotografen-Himmel So fotografierte er im Auftrag von Faces Renzo Rosso und begleitete Diesel backstage als Fotograf auf der New Yorker Fashion Show. Für das Rockstar Magazine produzierte er Fotoreportagen, für das Londoner It-Label Milli Millu schoss er Pressefotos und für das aufstrebende Zürcher Label Nargeni realisierte er ein grosses Fashionshooting. Kreativ und mit dem «richtigen Auge» macht er von sich reden und gilt schon fast nicht mehr als Geheimtipp. www.anthonymangham.com

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Warme F端sse

Kein Privileg mehr im Herbst/Winter 2011 Die kommende Herbstkollektion von UGG Australia besticht durch ihre indianischen Einfl端sse, die liebevollen Details und den unvergleichlichen Komfort.

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Auch Männerfüsse dürfen sich freuen

Natürlich dürfen auch die Classics nicht fehlen. Sie bekommen Zuwachs: Neu gibt es sie nicht nur in Short und Tall sondern auch als Over Knee und wieder in der beliebten Mini-Variante.

Nun kommen auch die Männer nicht mehr zu kurz: Warme Füsse sind ab kommendem Winter nicht mehr ein Privileg der Frauen. UGG® Australia erweiterte die Herrenkollektion und bietet viele verschiedene Styles für den modebewussten Mann. Tom Brady, Football Star und Ehemann von Gisele Bündchen, ist das Aushängeschild der globalen Marketingkampagne.

Die Zeit in der wir unsere Hände und Ohren wieder vor Wind und Kälte schützen müssen kommt schon bald. Aber die neuen Accessoires von UGG Australia aus hochwertigem Lammfell und Kaschmir gefertigt, sind treue Begleiter und das absolute Highlight von jedem Winteroutfit. www.uggaustralia.com

Auch bei der Damenkollektion setzt UGG® Australia neben den bekannten Classics stark auf andere Styles: Von Desert Boots und Clogs über modische Wedge Modelle bis zu der allwettertauglichen Weather Collection ist garantiert für jeden Geschmack etwas dabei.

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UGG AustrAlia

Fashion Show Herbst/Winter 2011

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Sie gelten als unzertrennlich, als exzentrisch und provokativ. Die Zwillingsbrüder Dean und Dan Caten stehen hinter dem Designerlabel Dsquared². Ihre Kollektionen sind jung und frech und während ihrer Fashionshows knistert es immer erotisch.

Dsquared

2

Unkonventionell und frech

D von Valeska Jansen

ie kommende Frühjahr/Sommer Kollektion zeigte sich allerdings überraschend brav, mit vielen klassischen Elementen. Einzig die Inszenierung ihrer Mailänder Fashionshow war wie immer spektakulär. Der Auftritt einer in Latex- und Paillettenleggins gekleideten Boygroup mit Monster High-Heels setzte den Kontrapunkt zu braven Bundfaltenhosen und klassischen Sakkos. Der Laufsteg wirkte eher wie eine Bühne, und jede Linie stand unter einem anderen Bühnenbildmotto.

Eine Weltreise Eine Reise rund um die Welt, von Rom nach Athen, über Paris nach New York. Eine bunte Show in der immer wieder die Farben Gelb, Himbeerrot und Royal Blau hervorstachen. Auffallend waren die Hosenlängen: Der Dsquared² Mann zeigt nächsten Sommer Knöchel. Teilweise wirkten die neuen Hosenlängen sogar wie echte Hochwasserhosen. Destroyed Jeans paarten sich mit Paillettenbesetzten Smokingsakkos und James Dean schien auch wieder auferstanden. Eines hatten alle Models gemeinsam: Coolness! Der Dsquared² Mann ist cool und er ist sich dessen auch voll bewusst. Eine perfekte Figur muss er allerdings haben, denn die gekürzten Sakkolängen lassen die Blicke sicher auf den Po schweifen und der war zumindest bei allen Models äusserst knackig. Wir trafen Dean und Dan Caten nach ihrer Show in einem alten Mailänder Stadthaus zum Interview.

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Die Zwillinge Dean (links) und Dan (rechts) Caten.

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PRESTIGE: Was war diese Saison Ihre Inspiration? Dean: Verführung! Die Kunst wie man eine Frau oder einen Mann am besten verführen kann.

Haben Sie beim Entwerfen irgendeine Zeremonie? Dan: Ja, wir hören meistens klassische Musik. Normalerweise sieht man in Ihren Kollektionen immer irgendwo Ihre kanadische Herkunft, anders bei Ihrer neuen Kollektion. Dean: Also ich würde diese Kollektion als kanadisch europäisch bezeichnen. Dan: Wir sehen uns gar nicht so sehr als Kanadier, wir sehen uns eher als Internationale Designer. Ihr grösster Traum als Designer? Dean: Wir leben unseren Traum täglich und der grösste Wunsch dabei ist, Zufriedenheit mit unserer Arbeit und dass uns unsere Kreativität niemals verlässt. Ja und vielleicht auch einmal ein architektonisch bedeutsames Gebäude zu entwerfen … Woher holen Sie Ihre Inspirationen? Dean: Das ist schwer zu beantworten. Unser Leben läuft auf der Überholspur ab. Wir haben gar keine Zeit ruhig irgendwo zu sitzen und in uns zu gehen. Unsere Ideen kommen uns genauso im Taxi, wie während eines acht Stunden Fluges. Zusätzlich reden wir den ganzen Tag über unsere Ideen, diskutieren darüber bis wir ins Bett gehen und dabei wachsen diese Ideen, bis sie reif genug sind.

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Wer kam auf die Idee den neuen Duft «Potion» zu nennen?

Dean & Dan: Ganz eindeutig die Travestie-Tanzeinlage.

Dan: Oh, das war meine Idee! Ich stehe einfach auf magische Dinge und der Name Zaubertrank hat so etwas Magisches und mystisches. Der Duft soll ein Zaubertrank zur Verführung sein, das war eigentlich die Idee zum Duft. Eine Aura die andere verrückt macht, verrückt aufeinander.

Leben Sie eigentlich immer noch zusammen?

Was würden Sie unterschreiben: Weniger ist mehr oder mehr ist weniger?

Gibt es eine Persönlichkeit von der Sie sich wünschen würden, dass sie betont Ihre Mode zu tragen?

Dean: Bei den Düften absolut weniger ist mehr, in der Mode auf jeden Fall mehr ist weniger.

Dean: Nein, eigentlich nicht. Jeder soll unsere Mode tragen können, und auch bezahlen können. Eben jeder dem sie gefällt. Ausserdem geht es ja auch ums Geld verdienen. VIPs wollen immer alles umsonst bekommen und da für uns Testimonials vollkommen unbedeutend sind, macht das für uns absolut keinen Sinn.

Dean: Ja wir leben zusammen, wir reisen zusammen ... Dan: Und wir sterben zusammen!

Haben Sei irgendein Schönheitsritual? Dean: Oh ja, wir gehen alle zwei Wochen in ein Schönheitsinstitut und lassen uns dort mit Schönheitsbehandlungen verwöhnen.

Dan: Das ist uns echt egal. Sind Sie sich bei Ihren Entwürfen immer einig? Haben Sie einen Lieblingssong? Dean: Oh nein, das macht ja auch unsere Kollektionen aus. Es ist das Ergebnis ständiger Reibung, bis wir beide davon überzeugt sind, dass das Resultat nun perfekt ist.

Dean: Ja! Livin‘ on a prayer, von Bon Jovi! Dan: Und sonst mögen wir auch alles von Queen.

Was hat Ihnen während Ihrer Mailand Frühjahr/Sommer Fashionshow am besten gefallen?

Herzlichen Dank für das Interview!

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Salvatore Ferragamo Men Herbst/Winter 2011/12

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erragamo grüsst mit den 70er Jahren. Dreiteilige Anzüge im Bootcut-Stil, breite Revers und jede Menge Wildleder lassen beinahe eine Art von Wehmütigkeit aufkommen. Der Ferragamo Mann kann diesen Winter allerdings auch seine lässige Seite betonen, in feinstem Lammfell. Eines zieht sich durch die gesamte Kollektion: Perfekte Schnittführung vereint mit den hochwertigsten Materialien. Italienisch sophisticated in dezenten Farben, wie gedecktes Kupfer, Flaschengrün und dunkelblau, nur unterbrochen von «Gigolo-Beige». So präsentiert der Chefdesigner Massimiliano Giornetti seine Herbst/Winter 2011/12 Salvatore Ferragamo Herrenkollektion.

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KOLUMNE

Die Gegenwart ist JETZT!

von Christina Krämer

Z

urück in die Zukunft oder vorwärts in die Ver-

Die aktuelle Mode spiegelt exakt das Zeitgeschehen wider.

gangenheit? Noch nie gab es so viele Richtun-

Doch was ist denn nun diese Saison Mode, welcher Designer

gen und Strömungen in der Mode wie diese

gibt den Trend vor? Woran soll man sich orientieren?

Saison. Wir verführen mit Spitze und Sinnlichkeit – verzaubern mit riesigen Plastikpailletten,

Müssen wir denn immer auf alles eine Antwort haben? Wozu

Fake Fur, Plüsch und Oversized-Brillen, locken verträumt mit

brauchen wir Gewissheit und Sicherheiten? Und wenn es diese

Blumenmustern und verstecken uns hinter Uniform-Details …

gibt, was sind sie dann noch wert? Wollten wir nicht immer Freiheit, ausbrechen, anders und unangepasst sein?

Alles ist möglich in Zeiten grösster Unruhe und Unsicherheit ... jetzt erst recht Glamour und Glitzer! ... oder doch eher Zurück-

Et voilà, nun haben wir den Salat – alles ist möglich! Bitte-

haltung? Wie schön waren doch die guten alten Zeiten, in denen

schön, und nun?

es bergauf ging ... die 40er, die befreienden 60er, ach, da sind sie ja wieder!

Kommen wir wieder zurück zu uns selbst und unseren Bedürfnissen. Fragen wir uns lieber, was wir persönlich brauchen

Die Börsenkurse schwanken in der gleichen Intensität wie die

und was uns gut tut. Stellen wir unsere eigenen Fragen und

Temperaturen, die Erde rebelliert, wir fühlen uns wie durchge-

liefern unsere eigenen Antworten. Gerne natürlich mit Hilfe von

schüttelt: «Einmal Schleudergang bitte – und dann Ruhe!» Wir

Wellnesstempeln, Yogamatten oder am liebsten in Mutter Na-

sehnen uns nach Entspannung nach diesem Chaos-Sommer,

tur – unserer reichsten Energiequelle. Zwischendurch einfach

während wir die letzten Sonnenstrahlen auf der Haut geniessen,

mal wieder «back to the roots», abschalten, Stecker raus und

noch schnell einmal volltanken, Sonne pur – bevor die dunkle

runterfahren – durchatmen.

Jahreszeit naht. Folgen wir aufgetankt und energiegeladen unseren eigenen Die Gedanken fliessen in Richtung Kerzenschein, warmer Tee,

Stimmungen. Nutzen wir doch einfach unsere Freiheit! Ha-

Wellness, Herbstspaziergänge, Heimkommen und vor dem

ben wir Lust auf Spitze oder Seide unter dem Yoga-Dress?

Kamin entspannen. Wie das Laub dürfen wir uns jetzt wie ein

Bitteschön! Verstecken wir im lässigen «Garçonne Look»

Chamäleon verwandeln – Knallfarben oder sanfte Pastelle,

unsere Weiblichkeit, versprühen wir unsere Frühlingsgefühle

puristisch oder Powerdressing und uns dann im Snakeprint

und blühenden Phantasien im Blumenprint, leben wir mutig

davonschleichen. Schalten wir nach dieser Achterbahnfahrt

und leidenschaftlich im rassigen Rot, glänzen wir mal wieder

mal wieder drei Gänge runter, stellen wir die Gartenstühle rein

mit Paillette und Schimmerstoffen im Office. Keine Lust auf

und konzentrieren uns auf das Innere, unsere Bedürfnisse,

Farbe – na dann her mit dem Schwarzweiss, klare Ansage,

und kommen wir wieder bei uns an. Freuen wir uns auf Co-

klare Schnitte.

cooning, Traditionen und echte Werte mit Langzeitwirkung: Familie und Freunde. Wohlfühlen in Capes und handgestrick-

Der Appell der Mode:

ten Ponchos, gern auch mit dicken Zöpfen, genau danach

Leben wir unsere Persönlichkeit und unsere Stimmungen zu je-

sehnen wir uns jetzt.

der Zeit, Hauptsache authentisch und: im – HIER UND JETZT!

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CULINARIUM

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CULINARIUM

Er gehört zur Riege der grössten lebenden Köche und steht auf Augenhöhe mit Paul Bocuse, Joël Robuchon und Frédy Girardet. Zu seinen Schülern gehören grosse Namen wie Alfons Schubeck und Johann Lafer. Sein Name:

Eckart Witzigmann Der Jahrhundertkoch

D von Yvonne Beck

er französische Restaurantführer «Gault Millau» kürt ihn zum «Koch des Jahrhunderts». Diese höchste Auszeichnung der Kochwelt wurde vor ihm nur an Franzosen verliehen. Zudem holte der gebürtige Österreicher mit seinem Restaurant erstmals drei Michelin-Sterne nach Deutschland. Heuer feierte Witzigmann seinen 70. Geburtstag, doch von Ruhestand kann keine Rede sein.

Der «Godfather» der deutschen Küche Eckart Witzigmann erlöste Deutschland und Österreich aus der kulinarischen Steinzeit und wird daher häufig als Vater des deutschen Küchenwunders betitelt. Er bekam als erster deutschsprachiger und zweiter nichtfranzösischer Koch 1979 den dritten Stern vom «Guide Michelin» verliehen, was die deutsche Küche aus einem Dornröschenschlaf riss. Sein Wirken veränderte die Essgewohnheiten vieler Menschen und beeinflusste viele namhafte Köche. So lernte man erst von ihm, dass man Fleisch nicht durchbraten sollte. Und viele Köche gingen durch seine Talentschmiede. Hans Haas, Michael Hoffmann, Harald Wohlfahrt und Christian Jürgens sind nur einige geläufige Namen, die bei Witzigmann eine der prägendsten Stationen ihrer Ausbildung fanden.

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CULINARIUM

Johann Lafer

Witzigmann bei der Verleihung zum Genussbotschafter 2011.

«Wegen Eckart Witzigmann brate ich meinen Lammrücken rosa.» Tim Mälzer

Alfons Schubeck

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Aller Anfang ist schwer Der erste Tag seiner Koch-Ausbildung im Hotel Straubinger in Bad Gastein wäre fast das Ende einer brillanten Laufbahn gewesen. Beim Klären der Consommé schüttet er die gute Consommé in den Ausguss, da er das Klärfleisch für Leberspätzle hielt. Doch sein Chef drückte noch mal beide Augen zu, so begann Witzigmanns steiler, aber steiniger Aufstieg in die Spitzengastronomie. Witzigmann absolvierte zahlreiche Stationen in den Spitzenküchen der Welt. Er erweiterte sein Wissen bei den Meisterköchen Paul Haeberlin im elsässischen Illhaeusern sowie Paul Bocuse in Lyon und entdeckte dort die «Nouvelle Cuisine», die auf leichte Gerichte aus Produkten höchster Qualität setzt. Neben diesen Aufenthalten sammelte er Erfahrungen im «Operakällaren» in Stockholm, im «Cafe Royal» in London, der«Villa Lorraine» in Brüssel und dem «Jockey Club» in Washington D.C. Insgesamt verbrachte Witzigmann dreizehn Jahre im Ausland, ehe er im Jahre 1971 mit dem Münchener «Tantris» langsam, aber sicher die Küche revolutionierte. Hier brachte er den Münchnern eine verfeinerte Esskultur hoch über dem hausbackenen Bierkeller- und FestzeltNiveau bei. In München selbst nicht immer voll gewürdigt, rückte er langsam, aber sicher zu einem weltweit bekannten Markenzeichen der Isar-Metropole auf.

Zwischen Nouvelle Cuisine und Kokain Im Jahre 1978 eröffnete er sein eigenes Lokal, das «Aubergine» in München. Dieses wurde schnell zum Pilgerort für Feinschmecker aus der ganzen Welt und erhielt als erstes deutsches Restaurant in Deutschland drei Michelin-Sterne. Diese hielt er bis zur Schliessung seines Restaurants im Jahre 1993. Der Ausnahmekoch entschloss sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, den Kochlöffel an den Nagel zu hängen. «Ich habe gemerkt, dass ich nicht besser werden konnte», so die Begründung seiner Entscheidung. Der eigentliche Grund war jedoch, dass der Meister der Töpfe wegen Kokain-Besitzes und -Konsums zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde und die Konzession für das «Aubergine» verlor, welches 1995 endgültig schliessen musste. Lange Jahre konnte Witzigmann den Stress, den ein Sterne-Restaurant mit sich bringt, abfedern – mit dem täglichen Glas Schampus, einem Spaziergang im Hofgarten, Jogging oder Tennis.

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CULINARIUM

Doch als der Stress grösser wurde, war der Griff nach Drogen, welche inmitten der Münchner Schickeria alltäglich waren, absehbar. In der Gastronomie, vor allem der Spitzengastronomie, wimmelt es nur so von Rauschgiftsüchtigen. Die Exkursionen ins Drogenmilieu schadeten der Kochkunst des Meisters jedoch nicht. Zu offen ging er mit dem Problem an die Presse. Heute hat Witzigmann zwar kein eigenes Restaurant mehr. Vom Ruhestand ist er aber noch sehr weit entfernt. Kochbücher, beratende Tätigkeiten und eine Professur an der Restaurant-Akademie in Grythyttan füllen ihn mehr als aus. Und noch immer ist er einer der wichtigsten Verfechter der Nouvelle Cuisine, die er für aktueller denn je hält, denn Marktfrische, die Bewahrung des Eigengeschmacks, schonende Zubereitung und Regionalität sind heute mehr gefragt denn je. Neue Küchenmethoden belächelt er zum Teil, so bezeichnete er die heute gängige Art, einzelne Elemente eines Gerichtes mithilfe einer Pinzette in geometrische Formationen anzurichten und die Sosse in Reih und Glied auf den Teller zu tröpfeln als «Streberteller».

nach ist es die Aufgabe eines Kochs, das Beste der Natur auf den Tisch zu bringen und nicht die Errungenschaften aus 40 Jahren Lebensmittelindustrie. Witzigmanns Küche ist noch heute aktuell: Gemüseküche, exotische Gewürze, vieles, aus dem andere Köche heute ihr Markenzeichen generieren, hat Witzigmann bereits in den 80er-Jahren propagiert. Und so führte Witzigmann manches, was heute selbstverständlich klingt, in die europäischen Restaurants ein. Zu einem Jahrhundertkoch wird man eben nur, wenn man die Küche eines Landes verändert hat. Es gehört mehr dazu als einfach nur kochen zu können, dieses macht die Tatsache deutlich, dass seit Witzigmann keinem weiteren Koch diese Ehre zuteil wurde. Und in seinen Kochbüchern lässt er die Welt an seiner Kunst teilhaben und inspiriert noch immer Jungköche aus aller Welt.

Pionierleistungen am Herd Wenn man heute bei Köchen nachfragt, was das Besondere an Witzigmanns Küche gewesen sei, wird häufig die Präzision seiner Gar-Methodik hervorgehoben. Doch auch die Tatsache, dass Witzigmann unter Beweis stellte, dass es auch Nichtfranzosen gelingen konnte, drei Sterne zu erkochen, war für viele europäische Köche Ansporn und Inspiration zugleich, sich auf neues Kochterrain zu begeben. Der Katalane Ferran Adrià ist nur einer von ihnen. Auch wenn Witzigmann selbst sich eher kritisch zu Adriàs Molekularküche äussert. Denn seiner Meinung

«Gulasch mit Zwiebeln vom Vortag? Können Sie wegschmeissen. Ich unterstütze Qualität, nicht Faulheit.» Eckart Witzigmann

Der Koch der Könige Die Liste der Würdenträger und Persönlichkeiten, für die Witzigmann bereits kochte, ist endlos. Ob Queen Elizabeth II., König Hassan von Marokko König Harald aus Norwegen, Gorbatschow, George W. Bush, Franz Beckenbauer, Nicki Lauda, ihnen allen ist die Erkenntnis gemein: Besser essen kann man nicht. Der schwedische König war von den Eindrücken eines Essens so beeindruckt, dass er es sich nicht nehmen liess, selbst in die Küche zu gehen und sich bei Witzigmann zu bedanken. Eckart Witzigmann selbst macht bei seinen Gästen keinen Unterschied, jeder Gast ist gleich wichtig, ob gekröntes Haupt oder Lieschen Müller, alle werden gleich behandelt und bekommen beste Qualität vorgesetzt.

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CULINARIUM

F od News Purer Genuss Oans, zwoa, aufbrezelt seids Nichts wie rein ins Dirndl, Farbpalette raus und ab auf die Wiesn! Natürlich richtig aufgebrezelt. Manhattan und Sigg kommen mit Lola Paltinger im starken Power-Trio mit einem Wiesn-Special: Die Limited Edition Manhattan Oktoberfest sowie die dazu passend gestaltete Sigg-Flasche im Lola-Paltinger-Design stimmen perfekt auf das bayerische Volksfest ein. www.sigg.com

Feinster Rum aus der Karibik neu interpretiert 10 Cane, der Super-Premium-Rum aus der Karibik, verwendet nur die besten Zutaten für seinen exquisiten Rum. Anders als herkömmlicher Rum wird 10 Cane nicht aus Zuckerrohrmelasse, einem Beiprodukt der Zuckerrohrverarbeitung, sondern aus reinem Zuckerrohrsaft destilliert. Die fruchtbaren insularen Böden Trinidads, das kristalline Wasser und die intensive Sonne der Karibik verleihen dem Zuckerrohr einen besonders vollmundigen Geschmack. www.10cane.com

Honig aus der Limmatstadt Bienen in der Stadt: In öffentlichen Parks, privaten Gärten und auf Balkonen gibt es eine Vielzahl von Blüten (zum Beispiel Akazien, Linden, Rosskastanien und vor allem Blumen), die lange und üppig blühen. Die «Stadt-Bienen» und ihr Honig sind sehr begehrt, und in Feinkost-Geschäften finden die kostbaren Gläser mit dem schimmernden Nektar reissenden Absatz − und das gilt nun auch für Zürich. Der «ZÜRIHONIG» von Peter Schneider ist zwar nicht der einzige aus stadtzürcherischer Produktion, aber das Label «ZÜRIHONIG» ist neu und einzigartig. Die Vielfalt der Geschmacksrichtungen kann je nach gesammelten Nektar sehr charakteristisch ausfallen. Auch die Beschaffenheit variiert: Die Bandbreite reicht vom magischen Glanz flüssig-transparenten Goldes bis hin zu einer kompakten Bernstein-Konsistenz mit Perlmuttschimmer. Abgerundet wird der Geschmack durch die spontane, wilde Note dieses Honigs, der je nach Blütenstaub und Nektar, den die «Stadt-Bienen» sammeln, als Wald- oder als Blütenhonig angeboten wird. www.zürihonig.ch

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CULINARIUM

Klassiker aus der Dose Ein Griff in den Kühlschrank reicht, um in den Genuss eines Bacardi Cola zu gelangen. Der weltweit beliebteste und am meisten bestellte Drink ist neu in der praktischen 250-Milliliter-Dose erhältlich. Statt Bacardi Superior Rum, Cola und Eis separat zu kaufen, bietet das Mixgetränk eine einfache Alternative. Die Variante Bacardi Superior & Cola aus der Dose enthält sieben Volumenprozente Alkohol und ist die perfekte Alternative, wenn die Zeit oder Zutaten fürs Mixen eines richtigen Longdrinks fehlen. www.bacardi.com

Puristisch und urban Das Accessoires-Sortiment von Zino wird um ein weiteres Highlight bereichert. Das neue Zino «Nightfire» Set besteht aus einem Zino «Jet Flame»-Feuerzeug sowie einem Zino-DoppelklingenCutter und besticht durch sein puristisch-modernes Design. Gummierte, schwarze Lackoberflächen in Kombination mit gebürstetem Metall sorgen für einen edlen, auf das Wesentliche reduzierten Auftritt, der den Geist des 21. Jahrhunderts perfekt widerspiegelt. Für Cigarrenliebhaber, die ein klares und schnörkelloses Design schätzen, ist das Zino «Nightfire» Set die perfekte Geschenkidee. Das Zino «Nightfire» Set ist eine «Special Edition» und wurde nur in einer beschränkten Anzahl von 1200 Stück produziert. Es ist seit Mitte September im Schweizer Tabakfachhandel erhältlich.

Bollywood Princess

Von Diageo Reserve WORLD CLASS Europasieger Heinz Kaiser

Zutaten: 5ml Don Julio 20ml Limettensaft 20ml Rosensirup 5 Esslöffel pürierte (indische) Alphonso Mangos 5-6 Korianderblätter eine Prise Zimt eine dünne Scheibe Chili

Zubereitung: Chili und Koriander im Shaker zerstösseln, restliche Zutaten hinzugeben und auf Eis kalt shaken. Anschliessend über einem sehr freinem Sieb in eine Cocktailschale wabseien.

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Chasselas L’amour toujours

Welches Verhältnis haben Sie zum Chasselas? Die einen sind mit dem Chasselas grossgeworden. Die anderen lernten ihn erst später kennen. Und brauchten manchmal Jahre, bis sie ihn wirklich verstehen und schätzen lernten. Der Chasselas und die Liebe zu ihm haben einiges gemeinsam. Beide sind subtil, vielschichtig, komplex. Und unsterblich!

W

«Der Chasselas und ich …»

ährend andere Winzer die Chasselas-Reben weitflächig ausgerissen haben, während da und dort in den Medien bereits der Abgesang auf den Chasselas angestimmt und die Forderung erhoben wird, ihn als «specie rara» unter Heimatschutz zu stellen, können sich die Waadtländer Winzer für einmal selbstzufrieden auf die Schuldem Alter des Weins in ungeahnte Dimensionen vorstossen. Seit Jahrhunderten heimisch an den Hängen des Genfersees, zeigt er auf unvergleichliche Weise, was perfekte Übereinstimmung von Rebsorte, Terroir und Mikroklima bedeutet.

Der Romand Pierre Keller erzählt von seiner ganz persönlichen (Liebes-)Geschichte mit dem Chasselas. Pierre Keller, Winzersohn aus der Waadtländer Côte, amtet heute als Präsident des Office des Vins vaudois. Ich habe den Chasselas als Jugendlicher im Carnotzet meines Vaters kennengelernt. Er hatte eine besondere Vorliebe für den Château de Vinzel und den Chemin de Fer von Luc Massy; beiden bin ich treu geblieben. Mittlerweile haben sich zu meinen Lieblings-Chasselas noch weitere gesellt, etwa der Château StVincent von Guy Rolaz in Gilly, der République von Patrick Fonjallaz in Epesses, der Pierre Latine von Philippe Gex in Yvorne, der Château de Châtagneréaz in Mont-sur-Rolle, Les Fosses von Bernard Chevalley in St-Saphorin oder der Domaine du Daley von Cyril Séverin in Villette. Was ich vom Chasselas erwarte? Frische, Anregung, Vergnügen. Es freut mich natürlich ausserordentlich, dass nun wissenschaftlich erwiesen ist, dass der Chasselas aus der Waadt stammt. Doch, ehrlich gesagt, hätte ich diese Absicherung durch den DNA-Test nicht gebraucht, um zu wissen, dass er durch und durch einer von uns ist. Seine wahre DNA, das sind wir, das kollektive Gedächtnis der Waadtländer.

Sträflich wurde er unterschätzt, der Chasselas, jahrzehntelang, und dies nicht nur von seinen Kritikern. Auch seine Anhänger tun ihm unrecht, wenn sie ihn nur als süffigen Apérowein und unkomplizierten Kompagnon für feucht-fröhliche Geselligkeit anpreisen. Denn es steckt viel mehr in dieser Sorte, die historisch erstmals 1539 erwähnt wurde und ohne die das waadtländische Savoirvivre nicht denkbar wäre. Richtig vinifiziert, also mit genauso viel Präzision, handwerklichem Ehrgeiz und Inspiration wie eine Schweizer Luxusuhr, präsentiert sich der vermeintliche Zechwein plötzlich als höchst eleganter, vornehmer Essensbegleiter. Und zwar nicht nur zu den üblichen Verdächtigen wie Papet Vaudois, Käse oder gebackenen Eglifilets. Ein Chasselas aus gutem Haus, in Rebberg und Keller mit der verdienten Sorgfalt gepflegt, kann selbst edlen Speisen, kostbaren Fisch- oder Geflügelgerichten, aber auch raffinierten Risotti oder Kompositionen aus Gemüse Paroli bieten. Höchste Zeit also, die Urwaadtländer Sorte Chasselas neu zu entdecken! Aus einem Artikel von Eva Zwahlen in «Le Guillon».

Ich geniesse den Chasselas an jedem Ort, zu jeder Zeit und unter allen Umständen. Es ist die einzige Rebsorte, die den Gaumen nicht ermüdet und mir deshalb immer schmeckt. www.vins-vaudois.com

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CULINARIUM

Eine Legende berichtet, der chinesische Kaiser Sheng Nung spazierte einst im Frühling des Jahres 2737 vor Christus durch einen prachtvollen Garten und wollte sich an einer Schale heissem Wasser erfrischen. Da wehte der Wind zufällig drei Blätter eines Baumes in dieses Gefäss und verliehen der Flüssigkeit eine jadegrüne Farbe, zarten Duft und einen milden, blumigen Geschmack.

Purer Tee Gesunder Luxus

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von Thomas Hauer

S

heng Nung stelle überrascht fest, dass er sich nach dem Genuss des Wassers plötzlich voller Energie fühlte, sein Geist und seine Gedanken gleichzeitig aber zur Ruhe kamen – die Geburtsstunde des ältesten Kulturgetränks der Welt: Tee. Fast 4500 Jahre später verlieh Carl von Linné dem Tee-Baum seinen wissenschaftlichen Namen Camellia sinensis. Über viele Jahrhunderte war der Teegenuss auf China beschränkt, wo er schnell zum Luxusgetränk des Hofes und der reichen Kaufleute avancierte. Ab dem 9. Jahrhundert nach Christus wurde er dann auch in Japan kultiviert, wo er sich gemeinsam mit dem Zen-Buddhismus verbreitete, denn den ersten Tee hatten bereits um 552 chinesische Mönche auf die Insel mitgebracht. Mit dem sogenannten Tee-Weg, in Europa meist als japanische Teezeremonie bezeichnet, gelangte die Teekultur dort im 16. Jahrhundert schliesslich zu höchster Blüte.

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«Der Gewöhnlichkeit gehört die Welt. Es tangiert mich aber nicht, solang ich ein Bett und ein Glas Tee habe.» Theodor Fontane

Anfang des 17. Jahrhunderts erreichte Tee auf Schiffen niederländischer Kaufleute erstmals Westeuropa, wo er innerhalb nur weniger Jahrzehnte ebenso erfolgreich wurde wie das zweite Modegetränk jener Epoche – der Kaffee. Schliesslich brachten die Engländer die Camellia sinensis im 19. Jahrhundert nach Indien und liessen im Nordosten des Subkontinents rund um Darjeeling und Assam grosse Teegärten anlegen, wo die endemische, erst 1830 zufällig entdeckte Camellia assamica kultiviert wurde.

regelmässiger Teegenuss mit einer Vielzahl positiver gesundheitlicher Effekte in Verbindung gebracht wird, da er zahlreiche Mineralstoffe, Antioxidantien und Flavonoide enthält. Einer der renommiertesten Teelieferanten der internationalen Luxushotellerie ist das Frankfurter Teehaus Ronnefeldt. Bereits seit 1823 handelt man dort mit den edelsten Teesorten, die heute in mehr als 60 Länder der Welt exportiert werden. Die Teeexperten von Ronnefeldt sind auf den Import und die Komposition hochwertiger Blatttees aus allen wichtigen Ursprungsländern wie Indien, Sri Lanka, China und Japan spezialisiert. Die Tees werden dabei ausschliesslich nach der orthodoxen Methode, also weitestgehend in Handarbeit, hergestellt, um höchste Qualität zu gewährleisten.

Ebenso auf Ceylon, wo eine verheerende Seuche 1860 sämtliche Kaffeepflanzen vernichtet hatte. Die Franzosen hingegen exportierten Tee in ihre Kolonien in Indochina, während die Holländer Teegärten auf Java pflanzten. Noch heute ist Tee nach Wasser das meistkonsumierte Getränk. Gleichzeitig erlebt Tee eine Renaissance als exklusives Luxusgut, werden rund um den Globus nach britischem Vorbild noble High-Teas zelebriert oder erzielen in winzigen Mengen produzierte Teespezialitäten auf Auktionen Spitzenpreise. Längst hat sich auch herumgesprochen, dass

Auf der Kundenliste des Unternehmens finden sich zahlreiche der bekanntesten 5-Sterne-Hotels der Schweiz. Darunter zum Beispiel das «Kulm» und das «Kempinski Grand Hotel des Bains»

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www.vins-vaudois.com

L’excellence des terroirs


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in St. Moritz, das «Eden Roc» in Ascona, das «Tschuggen Grand Hotel Arosa», das «Palace» in Luzern oder das «Grand Ressort Bad Ragaz». Als besondere Dienstleistung für diesen exklusiven Kundenstamm hat Ronnefeldt vor einigen Jahren ein weltweit einzigartiges Ausbildungsprogramm geschaffen, den TeaMaster Silber und Gold, welches Nachwuchs-Führungskräften in der TopHotellerie Teekompetenz im täglichen Berufsalltag vermittelt.

Aus China kommt zum Beispiel der Gu Zhang Silver Jian, der in der Provinz Hunnan angebaut wird. Die liegt ganz im Süden des chinesischen Festlands und ist auf mehreren Seiten von imposanten Gebirgsmassiven eingeschlossen. Ein riesiges Wasserreservoir von 4700 kleinen und grossen Flüssen bietet zusammen mit dem fruchtbaren Boden und dem subtropischen Klima ideale Voraussetzungen für die Herstellung dieses Spitzentees. Der Gu Zhang Silver Jian wird zum Beginn der ersten Erntesaison im Frühjahr, wenn die jungen Triebe gerade erst zu spriessen beginnen und ein junges, zartes Grün zeigen, sorgfältig mit der Hand gepflückt. Er zählt zu den sogenannten First Flushs und wird maximal zehn Tage lang geerntet. Mit viel Fingerspitzengefühl wird er anschliessend kurz gewelkt und nach der traditio-

Das Flagschiff des Ronnefeldt-Hospitality-Sortiments ist die Teastar Collection, die neunzehn aussergewöhnliche Teekreationen umfasst. Hotelgäste gehen beim Genuss dieser ausschliesslich als lose Blatttees angebotenen Varietäten auf einen Streifzug durch die berühmtesten Anbaugebiete und besten Teegärten der Welt.

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CULINARIUM

nellen Röstmethode in der Pfanne getrocknet. Sein unvergleichliches Aroma hat ihm einen festen Platz auf der Liste der zehn berühmtesten chinesischen Tees eingebracht. Am Fusse des Himalaya, in der sogenannten Champagne des Tees, wächst dagegen der Darjeeling Springtime FTGFOP. Während der Kolonialzeit zogen sich die englischen Offiziere in den drückend heissen Sommermonaten in diese entlegene Region zurück und genossen ihren Tee vor der atemberaubenden Kulisse der gewaltigen, schneebedeckten Bergmassive. Besondere Klimabedingungen in den auf fast zweitausend Meter gelegenen Plantagen sorgen für das einzigartig milde Aroma und die blumige Eleganz dieser ebenfalls als First Flush geernteten Spezialität, welche die internationale Teegemeinde am Ende des Winters sehnsüchtig erwartet. Teekenner schätzen den fein-aromatischen Geschmack dieses Spring Darjeelings mit dem unverwechselbaren Duft der ersten Pflückung, der das nahe Frühlingserwachen verheisst. Eine ganz besondere Spezialität ist aber der weisse Tee. Er gilt als edelste Teesorte der Welt und war in China lange Zeit dem kaiserlichen Hof vorbehalten. Der seidenartige Flaum, der die jungen Blattknospen umhüllt, gibt ihm seinen Namen. Eine be-

sonders hochwertige Variante ist der White Yin Long aus dem Bergland der chinesischen Provinz Anhui – berühmt für ihre faszinierend schönen Berg- und Tallandschaften mit dem gewaltigen Yangtze-Fluss im Süden. Für den White Yin Long werden nur ungeöffnete Teeknospen einzeln mit der Hand gepflückt. Rund 30 000 Stück braucht man für ein Kilo Tee. Nach uralter Tradition kommen die Knospen auf grosse Trockengestelle und werden bei schwachem Tageslicht luftgetrocknet. Dann füllt man die Teeblätter in grosse Körbe und erhitzt sie ganz kurz. Mit handwerklicher Kunstfertigkeit werden sie zum Schluss wieder mit der Hand sortiert und zu Kügelchen gerollt. Beim Aufgiessen entfalten sich die Teeperlen wieder langsam zu kleinen, vollständigen Blattknospen, so, wie sie ursprünglich am Busch gewachsen waren. Aber weissen Tee gibt es nicht nur in China. Eine echte Rarität ist auch weisser Tee aus Darjeeling, der im Spätsommer oder Herbst in Gärten auf einer Höhe von 800 bis 1000 Metern geerntet und als White Dreams of Darjeeling vermarktet wird. Die Teepflanze wird dabei aus einer Tee-Hybride mit Assamica- und Sinensis-Charakteristika kultiviert. Alle Tees aus der Ronnefeldt Teastar Collection werden ausschliesslich in exklusiven Luxushotels serviert, die mindestens einen ausgebildeten TeaMaster Silber beschäftigen.

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KOLUMNE

Aus dem Leben eines Galeristen: von Wilhelm J. Grusdat

F

Im Rachen des Tigerhais

ür den Sammler Lothar Schirmer war wohl

Heute können Künstler aus einer nahezu unbegrenzten Ma-

der 3. November 1973 kein glücklicher Tag.

terialpalette wählen und tendieren dabei oft zu seltenen, gif-

Warum? An diesem Tag hatten unbedarfte

tigen oder sensiblen Stoffen, die nur unter grossem konser-

Museumsnutzer das Kunstwerk «unbetitelt

vatorischen Aufwand erhalten werden können. So musste

(Badewanne)» von Joseph Beuys von der

beispielsweise der von Damien Hirst in Formaldehyd ein-

vermeintlichen «Verschmutzung» mit Fett, Heftpflaster und

gelegte Hai bereits 2006 ausgetauscht und neu präpariert

Mullbinden gereinigt, um darin Gläser spülen zu können.

werden, wenig mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Entstehung. Und auch das Werkmaterial eines anderen, zu tragi-

Die Beuys’sche Fettwanne verdeutlicht beispielhaft zwei Ei-

schem Ruhm gelangte Kunstwerk von Beuys – die so ge-

genschaften der zeitgenössischen Kunst: Ihre Herstellung

nannte Fettecke, die vom Reinigungspersonal aus seinem

erfolgt mit Materialien, die auch in anderem Gebrauchs-

Atelier entfernt worden war – hätte selbst unter günstigsten

zusammenhang stehen und nun in einer Weise verarbei-

Umständen ein absehbares Verfallsdatum gehabt.

tet werden, die nicht sofort auf Kunst schliessen lässt. An sich ist gegen die Verwendung von ungewöhnlichem Ma-

Wie soll man mit solchen Arbeiten umgehen? Ist die vom

terial nichts einzuwenden, wenn sich ein entsprechendes

Künstler wiederhergestellte Fettwanne das Original oder

Kunstbewusstsein ausgeprägt hat – quasi die Fettwanne als

sollte man sie als dessen Replik ansehen? Handelt es sich

Kunstwerk verstanden wird. Damit dies geschieht, bin ich

bei Haifisch und Wanne nicht um völlig neue Kunstwerke,

als Vermittler gefragt.

die eine gewisse Ähnlichkeit mit den alten Werken teilen? Für Hirst zählt übrigens die innewohnende Absicht eines Kunst-

Als Galerist bin ich häufig der Erste, der ein Kunstwerk zu

werks schwerer als dessen Originalzustand. Er verlässt sich

Gesicht bekommt und seine Qualität beurteilen muss. Das

dabei ganz auf den Eindruck, den der Blick in den weit ge-

versetzt mich in die glückliche Lage, Arbeiten nicht nur zu be-

öffneten Rachen des Tigerhais beim Betrachter hinterlässt.

trachten, sondern tatsächlich berühren zu können. Die Art, wie ein Kunstwerk riecht, welche Strukturen die Farbpigmen-

Ich habe mich in der Frage im Sinne meiner Kunden entschie-

te bilden oder was für ein Gefühl die Oberfläche einer Skulptur

den. So halte ich die physische Einzigartigkeit für ebenso

in den Fingerspitzen hinterlässt, verrät viel von seiner Herstel-

wichtig wie die geistige Idee, die ein Kunstwerk darstellt. Vor

lungsgeschichte. Sie erzählt vom Respekt des Künstlers ge-

die Wahl gestellt, ziehe ich allerdings eine gute handwerkliche

genüber der verarbeiteten Materie und gibt seinen Motiven

Leistung einer schlecht ausgeführten Idee vor. Insofern inter-

eine Tiefe und Reife. Solche Kunstwerke haben einen Cha-

essiere ich mich stärker für die Klassiker der zeitgenössischen

rakter, der aus der Symbiose von visionären Ideen und hand-

Kunst. Hier finde ich Wertanlagen, die auch noch die folgen-

werklichem Können entsteht. Das ist es, was wir an guten

den Generationen beglücken können und die einen dauerhaf-

Kunstwerken bewundern und was sie einzigartig macht.

ten Gegenwert in ihrer Einzigartigkeit repräsentieren.

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Metall, Glas, Stuckelemente bilden ein helles, durchlässiges Ganzes, das immer äusserst sorgfältig in die es umgebende Natur eingebettet ist.

von Yvonne Beck

D

ie Bauform Bungalow erlebt immer wieder eine Renaissance und ist auf dem Immobilienmarkt sehr begehrt. Deckenhohe Fensterfronten und weitläufige helle Räume vermitteln Grosszügigkeit und Weite. Ihr Äusseres verkündet meist Understatement. Zudem ist die meist eingeschossige Bauweise ein schlagendes Argument in unserer alternden Gesellschaft. Der 1892 in Wien geborene amerikanische Architekt Richard Neutra realisierte zahlreiche dieser Domizile in Deutschland, der Schweiz und Frankreich. In der Schweiz sind besonders die Casa Grellin in Ascona, das Haus Rentsch in Wengen, das Haus TillmannSchmidt in Stettfurt und die Casa Ebelin Bucerin oberhalb von Locarno bekannt.

Der Boomerang-Chair

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LIVING

Die biorealistische Architektur des

Richard Joseph

Neutra 75


LIVING

Philip M. and Lea Lovell House, 1927–29, Los Angeles, California

«Man stellt den Mensch in eine Verbindung mit der Natur, dort hat er sich entwickelt und dort fühlt er sich besonders zu Hause.» Richard Neutra

Perkins House, 1955, Pasadena, California

Prof. Dr. and Mrs. Martin Rang House, 1961, Königstein im Taunus, Deutschland

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Sidney Kahn House, 1940, San Francisco, California

Der kalifornische Stil eines Österreichers Richard Neutra wurde 1892 in Wien-Leopoldstadt geboren. Er entstammt einer jüdischen Familie, sein Vater war Besitzer einer Metallgiesserei. Neutra hatte schon früh Kontakt mit dem kulturellen Zirkel Wiens, einerseits über seine künstlerisch begabte ältere Schwester, andererseits über Ernst Freud, den Sohn Sigmund Freuds. Neutra entschloss sich, Architektur zu studieren, und inskribierte an der Technischen Hochschule, die eine gründliche, auf der Tradition aufbauende Ausbildung vermittelte. Da er jedoch an den neusten und modernsten Strömungen in der Architektur interessiert war, besuchte er daneben noch die von Adolf Loos ins Leben gerufene Bauschule. Dort lenkte Loos, ein Bewunderer Amerikas, die Aufmerksamkeit Neutras auf die Architektur der Vereinigten Staaten. Publikationen, die die Arbeiten Frank Llyod Wrights zeigten, weckten seine Begeisterung. Kramer House, 1953, Norco, California

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Nach seinem Studium arbeitete Neutra in Berlin bei Erich Mendelsohn und später nach seiner Auswanderung in die USA 1923 eine kurze Zeit bei seinem Vorbild Frank Lloyd Wright. Als sein Meisterstück gilt das «Lovell Health House» in Los Angeles, welches als eines der wichtigsten Gebäude des «International Style» gilt. Das in den Hollywood Hills errichtete Haus, für den Reformarzt Phillip M. Lovell, wurde, was damals noch grösstenteils unüblich war, mit vorgefertigten Stahlkonstruktionen gebaut. Ähnlich wie bei Wrights Gebäuden verwirklicht Neutra mit ihm erstmals seine Vorstellungen, Innen- und Aussenräume ineinander übergehen zu lassen.

«Neutras Bau bestach mich durch seinen wunderbaren Umgang mit Licht und Raum.»

1932 wurden seine Entwürfe in einer Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art vorgestellt. In ihm veranschaulichte Neutra schon zu Beginn seiner Karriere seine grundlegende Architekturauffassung; der fliessende Raum, das Verhältnis von Innen und Aussen, die Beziehung von Mensch, Natur und Bauwerk und die Erreichung seiner Ziele durch ein modernes, industrielles Bauen werden verdeutlicht. Neutra baute in seiner Architekturlaufbahn vor allem Wohnhäuser, die besonders in Europa viel Aufmerksamkeit erhielten, obwohl oder gerade weil sie einen modernen kalifornischen Stil repräsentierten. Zu seiner Popularität und vielen Bauaufträgen verhalf ihm vor allem seine Deutschsprachigkeit und die Arbeit der Amerikahäuser, denen daran gelegen war, das verführerische Bild einer modernen amerikanischen Lebensweise zu vermitteln.

Peter Härtling

Eugene Loring House, 1959, Los Angeles, California

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Edgar J. Kaufmann House, 1946–47, Palm Springs, California

Einbettung in die Natur

der Kontrast geometrischer Strukturen zur freien Natur inspirierte ihn. Doch niemals wollte er seine Vorstellungen seinen Kunden aufzwingen, sondern war eher dafür bekannt, seinem Auftraggeber umfassende Fragebögen vorzulegen, um möglichst viele Sonderwünsche berücksichtigen zu können.

Richard Neutra setzte in seinen Häusern auf Sinnlichkeit mit Lust am Stofflichen der Materialien, an Holzverkleidungen und visuellen Elementen wie Wasserflächen («Reflecting Pools») und Spiegeln. Typisch für seine Gebäude sind die sogenannten «Spider Legs» – frei aus dem Haus herauskragende Träger. Für seine Entwürfe studierte er intensiv die Lebensgewohnheiten der künftigen Bewohner und reagierte auf die im Gelände vorhandenen Gebäude und Landschaften. Selbst die Akustik von Materialien wurde in seine Planungen mit einbezogen. «Biorealismus» nannte Neutra seine Methode, deren Ziel es war, den Menschen mit der Natur zu versöhnen. Gerne verband er eine leichte Metallkonstruktion mit Stuckelementen zu einem hellen, durchlässigen Ensemble. Dabei spezialisierte er sich auf die Einbettung der Architektur in sorgfältig arrangierte Gärten und Landschaften. Insbesondere

Energetische Probleme in der Schweiz Aufgrund der grossen Fensterflächen kam es in Neutras Bauten jedoch zu energetischen Problemen. Die Dichtigkeit der Flachdächer war ebenfalls nicht völlig kontrollierbar. Auch die«Reflecting Pools» auf den Dächern und vorkragende Bauelemente waren eher für kalifornische Temperaturen als für Gebäude in den Schweizer Bergen geeignet und sorgten bei Frost hierzulande für Bauschäden. Dies, obwohl die Häuser, die Neutra in Europa baute, von einer ganz anderen Art sind als ihre

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The Complete Works Neutra hatte einen ausgeprägten Sinn für die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Seine charakteristischen Glaswände und Decken, die sich in tiefen Überhängen fortsetzen, schaffen eine Verbindung zwischen Innen und Aussen. Neutras Talent zur Verschmelzung von Technologie, Ästhetik, Wissenschaft und Natur machte ihn zu einem führenden Vertreter der modernistischen Architektur. In dem beim Taschen Verlag erschienenen Band werden alle Werke von Richard Neutra (beinahe 300 Privathäuser, Schulen und öffentliche Gebäude) mit über 1000 Fotografien vorgestellt, darunter Aufnahmen von Julius Shulman und anderen bekannten Fotografen. «Neutra, Complete Works» Barbara Lamprecht, Peter Gössel 464 Seiten Taschen Verlag

amerikanischen Gegenstücke. Ausführung und Verarbeitung sind von sehr hoher Qualität, und sie erhalten luxuriöse Materialien wie zum Beispiel gebürsteten Edelstahl, Nussbaum und Marmor. Trotz all dieser Mängel in europäischen Breitengraden wurde Neutra gegen Ende seiner Laufbahn mit Ehrungen und Auszeichnungen überschüttet.

die auf die Bedürfnisse des Wohnens abgestimmt waren. Zudem wurden die Räume mit ihren Fensteröffnungen sorgfältig auf die Himmelsrichtungen hin ausgerichtet. So öffnen sich der Wohnraum mit einem breiten Fensterband nach Südwesten, die Schlafräume nach Osten und die Küche nach Nordosten. Der horizontale Duktus mit grossen Glasflächen, der seinen Bau auszeichnet, wurde 30 Jahre später in den Bungalowbauten wieder aufgegriffen.

Besonders seine Visionen und Pläne für eine moderne Gartenstadt mit einfachen und preiswerten Kleinhäusern fanden grossen Anklang. In ihnen war kein spezifisches Formensystem vorgegeben, es sollte vielmehr die Vielfalt räumlicher und funktioneller Lösungen vorgestellt werden, um mit einem Minimum an Raumaufwand ein Optimum an Räumlichkeit zu erzeugen. Hierfür entwarf Neutra freistehende ebenerdige Häuser in einfacher kubistischer Form mit klarer Gruppierung der verschiedenen Bereiche,

Stets rastlos auf Vortragsreisen, um den Menschen seine Devise «Survival through Design» näherzubringen, starb er in Wuppertal, wohin er zur Besichtigung eines seiner Häuser gekommen war, an Herzversagen. Doch seine Visionen von der Aufhebung von Innen- und Aussenraum und Leben mit der Natur sind heute aktueller denn je.

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TYPE 600 Eine Hommage an Edisons Glühbirne Die Stehleuchte TYPE 600, die Rosmarie und Rico Baltensweiler 1951 für den Eigengebrauch entwarfen, hat unter Kennern Kultstatus. Für die beiden Gestalter wurde sie Wegbereiterin einer innovativen Leuchten-Manufaktur. Als Folge der grossen Nachfrage wird die TYPE 600 in ihrer ursprünglichen Form in einer limitierten Edition neu aufgelegt und ab Oktober in einer nummerierten und signierten Version online versteigert. Den Erlös stellt Baltensweiler der ETH-Foundation für die Vergabe eines Master-Stipendiums zur Verfügung.

TYPE 600 1951

R

osmarie (1927), Innenarchitektin und Assistentin von Max Bill, und Rico Baltensweiler (19201987), Elektroingenieur bei den SBB, lebten und arbeiteten zu Beginn der 50er Jahre im «Mississippidampfer» mitten auf der Reuss in Luzern. Im letzten Jahrhundert wurde dort Spezialstahl gegossen und bis 1960 dienten die Öfen zur Beheizung von allseits benutzbaren Wannenbädern für jene Stadtbewohner, deren Wohnung noch kein Bad hatte. Ab 1951 wurde die Hälfte des Gebäudes von Handwerkern und Künstlern genutzt.

Befreundete Architekten, die im «Bad» ein und aus gingen, meldeten ihr Interesse an der Leuchte an. 1952 erschien die TYPE 600 in der Zeitschrift Bauen+Wohnen, 1953 auf der Titelseite des Schweizer Warenkatalogs, der vom Werkbund, einer Vereinigung von Fachleuten aus dem Bereich Gestaltung, herausgegeben wurde. Durch diese Publikationen wurde das renommierte Einrichtungshaus «Knoll International», das Läden in Stuttgart, Paris und Mailand betrieb, auf die Leuchte aufmerksam. 1956 übernahm der Architekt, Maler und Designer Le Corbusier die Leuchte für eine Musterwohnung. In seinem «Oeuvre Complète» finden sich innerhalb der Dokumentation der Villa Shodhan Innenaufnahmen mit der BaltensweilerLeuchte. Jacques Tati, französischer Regisseur und Schauspieler, verwendete die TYPE 600 in seinem Film «Mon Oncle» aus dem Jahr 1958 als Persiflage für eine sterile und automatisierte moderne Welt. 1957 wurde die Leuchte Exponat im Design-Museum «Neue Sammlung» In München, kurz darauf wurde sie in der «New York Times» als Beispiel für modernes Design publiziert. Was 1951 begann, setzte Baltensweiler im Laufe der Jahre systematisch fort. Das Credo der klassischen Moderne, wonach sich die Form aus der Funktion ergibt, zeichnet die Kollektion mit heute über

Da sie für die Beleuchtung ihres Wohnateliers nichts Passendes fanden, entwarfen Rosmarie und Rico mit der TYPE 600 eine eigene Leuchte: Ein puristischer, konischer Metallschirm mit einem kleinen Innenreflektor, der auf einem zarten, verchromten Gestänge balanciert, das mit seinen sechs Gelenken grösstmögliche Beweglichkeit bietet. Die beiden Gestalter gingen bei der Realisierung der Leuchte in der Reduktion des Materials so weit, dass sie ein Schwingen des Gestänges in Kauf nahmen. Das Spielerische und der Witz wie auch die technische Präzision der TYPE 600 waren geplant, nicht aber deren Erfolg.

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1951 – Geburtsstunde der TYPE 600. Das ehemalige Bad bei der Spreuerbrücke.

HALO 250 1975

2011 – Baltensweiler Manufaktur in Ebikon an der Luzerner Stadtgrenze.

OyO 2011

LET D 2008

zehn Leuchten-Familien aus. Die Firma, die seit 1996 in einem modernen Glaskubus am Stadtrand von Luzern produziert, ist gewachsen. Sie beschäftigt heute über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie drei Auszubildende.

TYPE 600 Modell 1951

Was macht den Erfolg von Baltensweiler aus? Zum einen ist es die unverwechselbare Designsprache als Folge von Entwicklung, Design und Produktion unter einem Dach. Anderseits ist es das Label «swiss made», das unweigerlich mit Qualität in Verbindung gebracht wird. Es sind die Innovationen auf dem Gebiete der modernsten Lichttechnik, die die Firma seit Jahren tragen und vorwärts bringen: In den 70er Jahren war es die Halogenlampe mit der «HALO 250», in den 80er und 90er Jahren die Leuchtstofflampe. Seit 2000 setzt die Firma in der Entwicklung neuer Leuchten voll auf Leuchtdioden, LED. Diese verbrauchen bei gleicher Helligkeit viel weniger Strom und die punktförmige Lichtquelle ist brillant. Im Team wird an neuen Konzepten getüftelt, vom ultraflachen Reflektor bis zum stromführenden Teleskop mit Kugelgelenk, optimale Form und Lichtausbeute stehen dabei im Zentrum Die Rückblende in die Zeit der 50er Jahre ist Hommage an die eigene Geschichte wie auch an Edisons Glühbirne.

Online-Auktion: Ab 15.10.2011 kann eine nationale und internationale Klientel 60 nummerierte und signierte Leuchten in der Original-Edition 1951 in einer OnlineAuktion erwerben. Der Erlös geht an die ETH-Foundation für die Vergabe eines Master-Stipendiums. Verkauf im Fachhandel: Ab dem 15.10.2011 startet der Verkauf der limitierten, nicht signierten Original-Edition von 1951 im Fachhandel. www.baltensweiler.ch

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ALUCHAIR von Jacques Ferrier und Pauline Marchetti Der Stuhl Aluchair wurde von Jacques Ferrier und Pauline Marchetti für den Französischen Pavillon der Weltausstellung von Shanghai 2010 entworfen und wird nun von Ligne Roset für die Kollektion editiert. Zeitlose Stringenz, wie sie Nutzgegenständen eigen ist, und die Überzeugung, dass Alltagsprodukte nur sinnlich sein können, wenn sie schlicht, vertraut und robust sind, waren für die Designer federführend bei diesem Entwurf. Der Stuhl ist für innen und aussen geeignet, besteht aus widerstandsfähigen Komponenten, einem Gestell aus Aluminium und Edelstahl sowie einer gerillten Schale aus Kunststoff. Neben dem dekorativen Effekt bietet die Schale mit Rillen optimalen Komfort und sichert zudem einen guten Abfluss des Regenwassers bei Aussennutzung. Ferner ist der Aluchair besonders leicht zu bewegen und für die Innennutzung mit einer abnehmbaren FilzwollSitzauflage als Mehrausstattung erhältlich, welche in die Rillen der Schale mittels Gummibeschlägen eingesetzt werden kann.

Living & More

Interior News Interiors Now! Die Buchreihe Interiors Now! präsentiert die erstaunlichsten, erlesensten und interessantesten zeitgenössischen Apartments und Häuser weltweit. Hier gibt es Wohnungen und Häuser, Residenzen, Refugien und Studios von inspirierender Vielfalt und stilistischem Reichtum – etwas für jeden Geschmack. Was auch immer Sie bevorzugen – sei es Flohmarkt-Romantik oder spacige Junggesellenbuden, Minimalismus oder Neobarock –, hier finden Sie Hunderte frischer, anregender Ideen. Hier einige Highlights von Band 2: ein vom Architekturbüro Craft entworfenes Berliner Interieur, ein prächtiger Dachgarten in New York, ein Haus mit verrückten Kurven in Helsinki, eine elegante und durchweg eklektische Londoner Residenz (mitsamt Oldtimer in einem der Räume), ein türkischer Wohnsitz in Istanbul, ein modernes Haus in Kuala Lumpur und Matteo Thuns Refugium auf Capri.

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Stokke® Textil-Kollektion Die edle Stokke® Textil-Kollektion aus erlesener Baumwolle bietet alles, was der Nachwuchs benötigt, um behaglich und sicher zu schlafen. Mit den neuen, zarten Farbtönen verwandelt sie das Bettchen in eine traumhaft schöne Oase, in der Baby und Kleinkind zur Ruhe kommen und sich optimal entwickeln können. Ob dezent einfarbig oder mit hübschen Mustern – die Stokke®-Textilien werden mit dem ganzheitlichen Fokus auf einen harmonischen, zeitlosen Stil entworfen, was dem Kinderzimmer einen edlen und nicht überladenen Look verleiht. So sorgen Bettdecken, Kissen und auch Accessoires zwischen all den kunterbunten Spielsachen für eine klare Linie und geben den Kindern Raum zum Träumen, Spielen und Erleben. Die Stokke® Classic Textil-Kollektion hüllt mit Nestchen, Betttuch, Himmel, Bettlaken, Bettwäsche, Decken und Schlafsack das Stokke® Sleepi Kinderbett in weiche Stoffe. Neben dem Dauerklassiker Weiss und dem Design Blaue Punkte setzen nun die Farben Classic Beige und Classic Rose zarte Akzente.

Designklassiker von Max Bill zum Jubiläum Zeitlose und stilvolle Möbel von gestern und heute – dafür steht «wohnbedarf» seit 80 Jahren. Der Hersteller exklusiver Möbelklassiker des 20. Jahrhunderts gilt als Institution in Sachen Wohnkultur. Zum Jubiläum im September werden Stücke von Max Bill neu produziert. Der Schweizer Architekt, Künstler und Designer hat die Geschichte von «wohnbedarf » von Beginn an mitgeschrieben und geprägt. Er hat uns aufgezeigt, dass die Schönheit in der Reduktion liegt. Designbegeisterte können sich auf die Neuauflage des Dreirundtisches freuen. Auch der Quadratrundtisch mit einer Linoleumplatte und Beinen aus Ahorn wird im Rahmen der Reedition wieder erhältlich sein. Ein weiterer Klassiker daraus ist der Dreibeinstuhl. In den 50er Jahren bekam er die Auszeichnung «Die Gute Form» vom Schweizerischen Werkverbund, ein Zeugnis für zeitloses Design, das über den modischen Zeitgeist hinausgeht.

Punkt. AC 01 Wecker by Jasper Morrison Einfachheit, Verständlichkeit und intuitive Handhabung hat Jasper Morrison nach der erfolgreichen Lancierung des Telefons DP 01 auch mit der jüngsten Entwicklung für das Schweizer Unternehmen Punkt. zum Ausdruck gebracht. Der Wecker AC 01 ist ein funktionales, zeitloses Designobjekt für den täglichen Gebrauch. Dank seiner kompakten Masse (107 x 90 x 34 mm) und einem Gewicht von nur 200 Gramm ist er ausserdem wunderbar für Reisen geeignet. Der AC 01 sitzt leicht angewinkelt auf einem Aluminiumguss in der Form eines «L», wobei sich die Vorderseite des Weckers in einer runden Öffnung befindet. Mit einer einfachen Handbewegung kann der Wecker ein- und ausgeschaltet werden und der Status wird auf dem Zifferblatt klar erkennbar angezeigt. Die Schlummerfunktion wird mit einem leichten Druck auf die Rückseite des Weckers aktiviert. Dank Leuchtzeiger und -zifferblatt kann die Uhrzeit auch in vollkommener Dunkelheit gelesen werden, ohne dass der gesamte Leuchtring aktiviert werden muss.

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Kasper Salto Die Frage nach der Ästhetik

Der dänische Designer gehört zu der Topliga von Möbeldesignern. Sein Name ist fest verankert, und zwar nicht nur bei Unternehmen für industrielles Design, sondern auch bei privaten Möbelliebhabern.

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von Lone K. Halvorsen

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er Mann hinter dem NAP-Stuhl ist Kasper Salto. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas Sigsgaard wird er die zukünftige Einrichtung des UNO-Hauptquartiers in New York entwerfen. 1967 wurde er in Kopenhagen geboren, und dass Fleiss sich auszahlt, kann er als gutes Beispiel statuieren. Seine Entwicklung beschreibt er als eine Mischung aus Glück und dass «er jetzt vielleicht an der Reihe ist», dies nicht zuletzt mittels harte und seriöse Arbeit. Wie viele Möbeldesigner vor ihm hat er ebenfalls eine Lehre als Möbeltischler absolviert, diese handwerkliche Tradition verleugnet sich nicht in seinen Werken. Nach Abschluss der Designschule arbeitete er für den Möbeldesigner Rud Thygesen, bevor er sich entschloss, selbständig zu werden. Seitdem hat er Stühle, Sessel, Tische und Lampen für Unternehmen wie Fritz Hansen, Lightyears und Fredericia Furnitures entworfen. Zu der Entwicklung eines Möbelstücks erklärt er: «Für mich sind Möbel

reine Funktionsobjekte. Ich denke zuerst daran, dass ich darauf sitzen soll. Danach kommt die Nutzbarkeit des Möbels – wie wir beispielsweise Stühle zusammenstapeln können. Während der Entwicklung eines Möbelstücks achte ich natürlich darauf, dass die Elemente sich in einen Raum einbringen können. Und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Möbel, die richtungslos, organisch geformt und ohne allzu viele Linien sind, einfacher mit anderen Gegenständen harmonieren als eckige.»

Die Frage nach der Ästhetik Kasper Salto wurde vor allem durch seine Serie «Ice» bekannt, die aus einem Stuhl, einem Barhocker und Tischen besteht. Ein Traum ging in Erfüllung, als er mit Fritz Hansen ins Gespräch kam. Die Tatsache, dass das Unternehmen auf ihn zugekommen ist und nicht umgekehrt, gehört noch immer zu den Höhepunkten seines Lebens. Die «Ice»-Serie wurde für Fritz Hansen ein Erfolg.

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Saltos Design beruht auf einer Gründlichkeit, welche den Wunsch erzeugt, ein Produkt zu gestalten, das produziert und natürlich auch gebraucht werden kann. Ausgehend von den menschlichen Bedürfnissen hat Salto viele funktionelle Stühle realisieren lassen, die aus praktischer wie auch ästhetischer Sichtweise zu gefallen wissen. Sein Durchbruch gelang ihm jedoch mit dem Stuhl «Runner» und anschliessend mit dem «Ice»-Stuhl. Beide Stühle entsprechen einem klassischen Design, die organische Formsprache verleiht den Stühlen eine lange Lebensdauer sowohl ästhetisch als auch funktionell. Er betont jedoch, dass die Ästhetik zu Beginn der Entwicklung nicht relevant ist. Das kommt erst später, wenn man sich fragt, ob man diesen Stuhl gern hat aufgrund der optischen Wirkung oder weil der Stuhl einen bequemen Sitzkomfort bietet. Es ist die ganzheitliche Betrachtungsweise, bei der man sich zuletzt fragt, ob es ein schöner Stuhl ist oder nicht.

es bei Design um Relevanz. Darum, immer wieder ein Produkt zu kreieren, das für den Benutzer relevant ist. Der Name NAP setzt sich aus den Anfangsbuchstaben dreier Grundsitzhaltungen zusammen: normal, aktiv und passiv. Denn Sitzen ist im Grunde eine konstante Bewegung.» «Die normale Position entspricht der Sitzhaltung aufrecht im Stuhl, wohingegen die aktive Position eher beim Essen oder Arbeiten zustande kommt, wenn die Vorderkante des Stuhles als Sitzfläche eingenommen wird. Eine passive Haltung im Stuhl wird eher eingenommen, wenn man sich im Stuhl zurücklehnt und entspannt die Beine nach vorne streckt.» Seiner Meinung nach sollte ein Stuhl diese drei Komponente beinhalten – und, wie er auf Dänisch sagt, sollte man auch in einen Stuhl «tage en nap», was so viel heisst, wie es sich in einem Stuhl bequem machen und entspannen.

«Tage en nap» Trotz Lampen, Sofas oder Tische, Kasper Salto scheint eine Vorliebe für Stühle zu haben. Im 2010 auf dem Salone Internazionale del Mobile in Mailand stellte Fritz Hansen seinen neuen Stuhl NAP – von Kasper Salto – vor. Salto erklärt seine Designphilosophie anhand des NAP-Stuhls so: «Für mich geht

PRESTIGE sprach mit Kasper Salto nicht nur über seinen NAP, sondern auch über die Entstehung eines Stuhles sowie nutzlose Möbelobjekte.

«Für mich geht es bei Design um Relevanz. Darum, immer wieder ein Produkt zu kreieren, das für den Benutzer relevant ist.»

Der Designer Kasper Salto.

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Feuer fangen.

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Feuer hat viele Gesichter. Es ist Zeichen von Stil und Ausdruck der Persönlichkeit. Wir entwickeln Feuer mit Charakter: nachhaltig, designkompetent, in Schweizer Qualität. www.feuerkultur.ch


LIVING

PRESTIGE: Gibt es ein Möbelstück, welches Sie gerne gezeichnet hätten, das aber leider von einer anderen Person designt wurde?

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, diesen Stuhl ein zweites Mal zu zeichnen, würden Sie heute etwas daran ändern? Nein, nicht unmittelbar, aber ich hätte gerne weitere Modelle zu der «NAP»-Serie hinzugefügt.

Kasper Salto: Vielleicht der PK9 von Poul Kjærholm ...

Wie hat die Zusammenarbeit mit Fritz Hansen begonnen? Und wie hat diese Ihre Entwicklung beeinflusst?

Sie und Thomas Sigsgaard haben kürzlich den Design-Wettbewerb für die Einrichtung der UNO-Gebäude in New York gewonnen. Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie, und welche Möbel sollen entwickelt werden?

Ich habe Bjørn Stegger 1997 auf einer Ausstellung im Kunstindustriemuseum getroffen. Er war begeistert von meinem «Runner»-Stuhl und wollte sehr gerne ein Treffen bezüglich des zukünftigen Fritz-Hansen-Stuhls – des 2003 produzierten «Ice»-Stuhls.

Es ist für uns eine Ehre, dass man uns ausgewählt hat, und wir freuen uns natürlich sehr darüber. Was es für die Zukunft bedeutet, werden wir erst später erfahren – definitiv ist es aber eine sehr gute «Visitenkarte», die selbst entwickelten Möbel im UNO-Gebäude in New York stehen zu haben. Wir werden hierfür die «Delegate»-Tische und «Observers Table», das Podium, die «Secretarys Table» und den «Secretarys Chair» entwickeln.

Über den NAP-Stuhl ist vieles geschrieben worden. Was ist das Besondere an diesen Stuhl und gibt es möglicherweise etwas, was noch nicht darüber gesagt oder geschrieben wurde?

Welche von Ihren Möbelstücken sind Ihrer Meinung nach am besten gelungen?

Das Spezielle am NAP-Stuhl ist sicherlich die Kombination von «alten Werten» im Hinblick auf die Funktionalität kombiniert mit einem hochtechnologischen Prozess bei der Herstellung. Und letztendlich der glückliche Aspekt, dass der Stuhl «etwas an sich hat», was den Menschen gefällt.

Schwierig zu beantworten, denn es ist wie Eltern mit ihren Kindern – es ist sehr schwer, eines hervorzuheben oder als das beste

Hochstapler – «NAP»-Stühle mit Armlehne.

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«Das Schwierige an einem Stuhl ist es, die Kombination von Ergonomie, Stärke, aber auch Leichtigkeit unter einen Hut zu bringen.» zu bezeichnen. Dennoch würde ich den «Ice» oder den «NAP» für Fritz Hansen zu meinen Favoriten zählen.

Obwohl Sie sowohl Lampen, Sofas, Tische als auch Stühle entwickeln, scheint es mir, Sie hätten eine besondere Affinität zu Stühlen? Ja, Stühle haben mich immer besonders interessiert aufgrund der menschlichen Statur und den vielen Anforderungen, den ein Stuhl erfüllen sollte. Im Vergleich zu einem Tisch gibt es sehr viele Möglichkeiten, einen Stuhl zu formen. Das Schwierige an einem Stuhl ist es, die Kombination von Ergonomie, Stärke, aber auch Leichtigkeit unter einen Hut zu bringen.

Dänemark ist als das Design-Land bekannt. Woher kommt Ihrer Meinung nach diese Entwicklung?

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Stühle und Tische aus der «Ice»-Kollektion.

Diese Entwicklung kommt von den vielen guten Produzenten in einer demokratischen Zusammenarbeit, beziehungsweise von den Dialogen mit phantastischen und interessierten Architekten und Designern. Dieser Mix hat die Entwicklung Dänemarks als Design-Nation stark hervorgehoben.

Möbelstücks sollte offen gehalten werden, und das für alle relevanten Punkte durch das ganze Projekt hindurch. Es hat einen analytischen Ansatz.

Welche Gesichtspunkte sind besonders wichtig bei der Entwicklung eines Möbelstücks?

Gibt es ein Möbelstück, welches Sie als nutzlos bezeichnen würden?

Vor allem der Verwendungszweck des Stuhls ist sehr wichtig! Ferner die Statik und Konstruktion, das Material, die Tragfähigkeit, die Produktionsmethoden, die Ergonomie, die Ökonomie sowie das Marketing.

Der traditionelle Couchtisch könnte einen «pimp-up» benötigen, denn es sind sehr viele Couchtische entwickelt worden, die nicht wirklich relevant waren.

Was ist Ihre Meinung zu IKEA? Wie viel Zeit benötigen Sie, um einen Stuhl zu entwickeln, und welche Schaffensphase erfordert besonders viel Zeit?

Kein Kommentar (lacht).

Empfinden Sie selber, dass Sie einen ganz bestimmten Stil haben, und würde man denn sofort ein Möbelstück von Ihnen erkennen?

Es kommt darauf an, wozu der Stuhl benutzt werden soll. Es hat vier Jahre gedauert, den «Ice» für Fritz Hansen zu entwickeln – vom Briefing bis zum Zeitpunkt, als er auf der Orgatech-Messe in Köln stand. Ich würde behaupten, dass die erste Phase mit Research und Analyse vom Konzept die längste ist –zumindest sollte es so sein. Ferner nimmt die Testphase des Stuhls, in welcher die Stärke, die Materialien und die Ergonomie geprüft werden, sehr viel Zeit in Anspruch.

Hoffentlich nicht, denn dann würde ich einschlafen.

Was fehlt uns in der «Möbel-Welt»? Neues Denken und relevante Möbel, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen.

Woher bekommen Sie Ihre Inspirationen?

Was habe ich vergessen, Sie zu fragen?

Ich abstrahiere, um gerade nicht inspiriert zu werden. Es ist sehr wichtig zu abstrahieren, um sich nicht von etwas schon Vorhandenem verführen zu lassen. Der Entstehungsprozess eines

Hmmmmm? Ich glaube nichts …

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Küchen für PersönlichKeiten Seit über 35 Jahren kennen Sie unsere Küchen unter dem Namen Miele DIE KÜCHE. Die Erfahrung dieser langen Zeit fliesst nun ein in unsere neue Marke WARENDORF. Wir wissen: Eine gute Küche passt perfekt zu ihrem Besitzer. Sie ist individueller Lebensstil. Ob Sie eine kühle, funktionale Küche suchen oder die Küche als lebendiges Lebenszentrum inszenieren möchten – erfahren Sie mehr unter: www.warendorf-kuechen.ch Besuchen Sie uns zur Messe „neue räume 11“: 1. bis 6. November 2011 / ABB event hall 550 / Zürich-Oerlikon


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So nah und doch so fern Traumhafte Badelandschaften für zu Hause

Ein einladendes Foyer, die Gelegenheit, Ideen und Eindrücke zu sammeln, eine persönliche Begrüssung – das Keramikland überrascht seine Kunden seit über 20 Jahren immer wieder aufs Neue. von Valérie Ziegler

D

ie Ausstellungen des Familienunternehmens Keramikland entsprechen nicht den Erwartungen – sie übertreffen sie. In den Ausstellungsräumen in Huttwil (BE) und Cham (ZG) trifft man auf die neusten Trends rund ums Badezimmer. Wer den Raum betritt, wird auf erfinderische Weise von einem vielseitigen Angebot verführt.

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Zu bestaunen gibt es ganze Badewelten: Kreationen wie die Sonderanfertigungen aus Mineralguss, Holz und Naturstein überzeugen in der modernen Badelandschaft, welche mit dem direkt im Schlafzimmer integrierten Wellnessbereich verbunden ist.

Herstellern und Lieferanten zusammen. Benno Kneubühler begründet diesen Entscheid mit dem Anspruch an qualitativ hochwertige Produkte, welche aber auch eine ethisch vertretbare Herstellung garantieren. Keramikland verfolgt diese Philosophie seit seiner Gründung.

Vom VW-Bus zum KMU Als Stefan und Benno Kneubühler im Jahr 1990 die Firma Keramikland gründeten, hätte keiner von beiden sich je erträumt, dass das Familienunternehmen heute an zwei Standorten präsent ist und 50 Mitarbeitende beschäftigt. «Vor 20 Jahren lieferten wir die Waren noch persönlich mit dem VW-Bus aus», erinnert sich Benno Kneubühler schmunzelnd.

Um dem Kunden das Neuste bieten zu können, muss man stets am Ball bleiben. Die Gebrüder Kneubühler besuchen jährlich die grössten Badezimmer- und Plattenmessen in Europa, um ihren Kunden jeweils die neusten Trends aus dieser Branche präsentieren zu können. Qualitativ erstklassige Designerprodukte zu einem bezahlbaren Preis: ein weiterer Bestandteil der Firmenphilosophie, der die Kunden begeistert.

Vor zwei Jahren eröffnete Keramikland die zweite Filiale in Cham, ein weiterer Meilenstein in der über 20-jährigen Geschichte des Familienunternehmens. Das Motto der Eröffnung «ein Unternehmen = zwei Filialen / zwei Ausstellungen = ein Team» zieht sich auch weiter durch den Alltag von Keramikland. «Das Arbeitsumfeld in Huttwil und in Cham ist sehr angenehm. Es herrscht eine positive Atmosphäre. Jeder Mitarbeitende gibt sein Bestes. Alle stehen überzeugt für Keramikland und seine Kunden ein. Das stimmt mich sehr glücklich», verrät Stefan Kneubühler.

Nach einem Besuch im Keramikland steht fest: Das eigene Badeparadies kann ganz nahe liegen – zu Hause. «Das schlichte Badezimmer von früher, dem am wenigsten Platz zugestanden wurde, weicht immer mehr der Vorstellung von einem ganzheitlichen Bade- und Wellness(t)raum. Wir beraten und unterstützen unsere Kunden und helfen ihnen, ihre individuellen Träume und Ideen verwirklichen zu lassen», verspricht Stefan Kneubühler. Lassen Sie sich inspirieren ...

Mittlerweile ist die Keramikland-Gruppe ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Platten- und Sanitärbranche. Das Schweizer Unternehmen arbeitet ausschliesslich mit westeuropäischen

www.keramikland.ch

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Stilobjekte

«neue räume» 2011 in Zürich Die grösste internationale Möbelmesse der Schweiz findet vom 1. bis 6. November in den ABB-Hallen in Zürich statt.

Möbel, Lampen, Küchen, Bad und Textilien. Die 2001 zum ersten Mal veranstaltete Ausstellung «neue räume» ist seither zum wichtigsten Design-Event der Schweiz avanciert. In diesem Jahr wird sie zusätzlich durch ein neues Projekt bereichert: Unter dem Namen «Design in the City» inszenieren 20 Geschäfte rund um die Bahnhofstrasse zusammen mit teilnehmenden Herstellerfirmen von «neue räume 11» Design-Objekte im Innenbereich und in ihren Schaufenstern. Themen wie «Green Design» oder «Licht» werden unter anderen Leitmotive der diversen Sonderschauen sein. Themenabende sowie Diskussionsveranstaltungen mit Persönlichkeiten aus Design und Architektur ergänzen das Programm von «neue räume 11» und machen die Ausstellung zum Design-Treffpunkt mit aussergewöhnlichem Ambiente.

von Lone K. Halvorsen

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ehr als 100 nationale und internationale Herstellerfirmen wie Cassina, Artemide, Walter Knoll, Wilkhahn und USM zeigen während sechs Tagen ihre Neuheiten aus Inneneinrichtung und Design. Präsentiert werden Objekte aus den Bereichen

www.neueraeume.ch

Foster 502 Design: Norman Foster Vertraut wie Vintage, zurückhaltend wie ein Gentleman. Sessel und Sofa von Foster 502 erweitern das erfolgreiche Programm des renommierten Architekten. Sensible Proportionen, bestes Leder und ehrliches Handwerk: Gegenstände, die souverän bleiben und mit der Zeit immer schöner werden. Die aufwendig gearbeitete Sichtnaht sorgt genau für das ausgewogene Mass an Wertigkeit. Ein neues Meisterstück von Norman Foster – mit britischem Charme und Understatement.

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Living Platform Loft Design: EOOS Living Platform Loft macht Wohnen herrlich wandelbar. Leicht und elegant stehen die Polster im Raum. Und fühlen sich doch überraschend voluminös an. Feine Einzüge definieren die grosszügigen Sitzflächen. Opulente Rückenkissen laden zum Entspannen ein. Und Living Platform Loft kann noch mehr: einfach die Rückenkissen beiseite nehmen, den Sitz vorziehen und die Armlehnen umklappen. Eine praktische Gästeliege, ein komfortables Daybed entsteht. Oder eine Armlehne hochklappen, das kleine Rückenkissen davor aufstellen und sich anlehnen. Die Richtung stimmt – zum Fernsehen, zum Lesen, zum Relaxen.

Lox Design: PearsonLloyd Hier stösst niemand an die Tischkante. Rund oder mit sanft abgerundeten Ecken präsentiert sich der Lox Table. Die Glasplatte brilliert wahlweise in Schwarz oder in Weiss. Die Fussplatte nimmt die Form der Tischplatte auf. Der Schalensessel Lox trifft den Zeitgeist. Die klare Silhouette mit ihren fliessenden Linien ist angenehm einladend: skulptural in der Form, reduziert in den Materialien, komfortabel zu besitzen. Aussen stützt die schwungvolle Schale den Rücken. Innen sorgen das Sitz- und das Rückenpad für Bequemlichkeit. Ob wertig in Leder oder farbenfroh in Stoff, die Pads individualisieren den Lifestyle. Ein eleganter Allrounder – für Lounging und Dining, Conferencing und Contract. Auf dem Vierfuss- oder dem Stahlrohrfusskreuz ist Lox leicht drehbar. Willkommen in der Zukunft.

Mason Design: Wolfgang C. R. Mezger Mason zeigt Profil. Stimmig in den Proportionen, klar in der Form. Das geometrische Gestell trägt die dünne Tischplatte. Fläche und Konturen, Materialien und Details spielen eindrucksvoll zusammen. In der Präzision seiner Gestaltung zeigt der Tisch wahre Grösse: Die Ausführung des Gestells in SchwarzChrom betont sanfte Radien und feine Reflexionen. Darauf die Tischplatte aus Massivholz: authentisch, ursprünglich und natürlich zu begreifen. Naturmerkmale und markante Maserungen fügen sich zu einem einzigartigen Bild zusammen. Varianten mit hochglanzverchromtem Gestell sowie High- und Sideboards ergänzen das Programm.

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KOLUMNE

W von Vera Dillier

Plädoyer für den Konsum

er abends im Fernsehen zappt, landet regelmässig und ungewollt auf Mike Shivas Wahrsage-Sendung. «Wie chunnt dänn das alles no use?», fragt er sein Publikum zum Thema Liebe und Finanzen. Aber Letzteres kann uns leider in der heutigen Zeit weder ein Mike Shiva noch ein Börsenguru sagen. Finanzexperten sprechen in den Medien düster von Inflation und Depression. Also wohin mit dem Geld? Immobilien sind immer gut, auch Gold und Edelsteine bieten sich an. Aber man muss sich fragen, ob man dann nicht zuviel dafür bezahlt, wenn es alle gleichzeitig tun.

dafür draufgegangen ist: Die Erinnerungen an die einmaligen Momente trösten mich auch heute noch über kleine Unannehmlichkeiten hinweg und geben mir Kraft. In den Achtzigerjahren war der Dollar so was von stark, dass wir Schweizer uns in Amerika schon fast arm wie Kirchenmäuse vorkamen. Bei Umrechnungskursen von bis zu vier Franken für einen Dollar musste ich in New York geradezu sparsam leben. Dafür erzählte mir ein New Yorker Taxifahrer damals auf der Fahrt zum Flughafen ganz stolz, dass er seine Ferien in Zürich im Luxushotel «Baur-au-Lac» verbracht habe. Den südamerikanischen Währungen gings damals miserabel, fast Tag für Tag mussten diese Währungen abgewertet werden. Beim Abreisen von Brasilien oder Argentinien habe ich deshalb meine übrig gebliebenen Geldscheine immer verschenkt, denn beim nächsten Besuch wären sie fast nichts mehr wert gewesen. Heute dagegen ist für uns Amerika schon fast so etwas wie ein Billigland, währenddem Brasilien keck seine Währung immer wieder aufwertet und es für uns dort leider immer teurer wird.

Machen Sie es so, wie es mir Spass macht: «Investieren» Sie doch mal in etwas, das Ihr Herz erfreut. Leisten Sie sich etwas, was Sie sich schon lange wünschten: ein Louis-VuittonKöfferchen oder die schöne Hermès-Tasche, die Sie neulich im Schaufenster gesehen haben und seither in Ihren Gedanken herumgeistert. Die gefallen Ihnen sicher auch in zehn Jahren noch – und sonst können Sie diese für viel Geld weiterverkaufen. Gehen Sie doch mal an eine Versteigerung: Da gibts Spannung pur. Wenn ein Schmuckstück aus den Zwanzigerjahren ausgerufen wird, steigt mein Adrenalinspiegel massiv. Dann biete ich mit und hoffe, es zu einem Schnäppchenpreis zu ergattern. Die Freude, etwas Schönes günstig nachhause gebracht zu haben, hält dann meist wochenlang an. Auch Sammler-Uhren, Bilder oder antike Möbel fördern die Glückshormone und verlieren ihren Wert kaum – im Gegenteil: Mit etwas Glück steigen deren Preise manchmal ins Unermessliche. Etwas Besseres können Sie derzeit mit Ihrem Geld kaum machen. Und ausserdem – wenn Sies nicht tun, tun es irgendwann Ihre Erben, vorausgesetzt, das von Ihnen gesparte Geld hat bis dann noch einen Wert. Leisten Sie sich mit Ihren Liebsten eine unvergessliche Reise auf eine exotische Insel oder machen Sie eine luxuriöse Kreuzfahrt auf Ihrem persönlichen Traumschiff. Der Schauspieler Hörbiger sagte: «Für angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen.» Und Jean Paul schrieb: «Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.»

Wenn sich eine Frau ein Paar sündhaft teure Schuhe von Manola Blanik oder Nando Muzi kauft, dann bereut sie das in der Regel nicht, ausser diese tun wirklich höllisch weh. Aber was solls, schliesslich sind solche Schuhe nicht zum Gehen, sondern zum Sitzen gemacht. Wenn sie hingegen ihr Geld vermeintlich sicher anlegt, zum Beispiel in Obligationen, kann sie – wie damals bei den Swissair-Obligationen – eine böse Überraschung erleben und mit den Wertpapieren ihre Toilette zieren. Auch Staatsanleihen und Ähnliches geben uns nicht mehr das Gefühl der Sicherheit. Also bleibt uns nur der «fröhliche» Konsum. Ab und zu einem wohltätigen Verein etwas spenden, gibt ein gutes Gefühl und lässt einen wieder ruhig schlafen. Ich konsumiere täglich. Bereut habe ich es noch nie. Was man hat, das hat man. Meine beste Investition, die ich in letzter Zeit gemacht habe, war, wieder ein Tier zu kaufen – einen Chinesischen Nackthund. Eine so hohe Rendite wie hier bekomme ich sonst nirgends, und dazu werden die Zinsen täglich ausbezahlt – in Form von Liebe und Zärtlichkeit. Ausserdem bringt er mich mit seinen Kapriolen täglich zum Lachen, was ja auch gut für die Gesundheit sein soll.

Somit ist jeder für schöne Erinnerungen ausgegebene Franken definitiv kein vergeudeter Franken. Mir ging es so mit dem Polo-Spielen in Argentinien. Dafür habe ich damals richtig viel Geld ausgegeben. Ich vermisse nicht einen einzigen Dollar, der

Geld ist nicht alles – ausser man kauft sich was davon.

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ElitE BEttEn auS dEr SchwEiZ. Seit 1895. Stockerstrasse 57, 8002 Z端rich, www.schlafperle.ch, 043 344 54 34


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Herbst zeit ist Pflegezeit

Die stressigste Jahreszeit für unsere Haut neigt sich dem Ende zu. Zeit um trockene Haut wieder geschmeidig zu pflegen, bevor die Heizsaison beginnt.

von Valeska Jansen

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aum waren sie da, die ersehnten Sonnenstrahlen, verlassen sie uns schon wieder, zumindest in dieser Intensität. Die Haut freut sich, denn so wichtig Sonnenstrahlen für unseren Organismus sind, so strapaziös sind sie für unseren Schutzmantel. Pflege und viel Feuchtigkeit sollten jetzt auf dem täglichen Schönheitsprogramm stehen.

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Was UV Strahlen anrichten können Der gesamte menschliche Körper besteht aus einzelnen Zellen, die alle einen Zellkern enthalten. Das ist auch bei der Haut nicht anders. Der Zellkern ist ein wichtiger Bestandteil der Zelle. In ihm befinden sich die Chromosomen, die die Gene enthalten. Bei einer UV-Belastung der Haut werden eine Menge Fehler in den Genen der Haut produziert. Ein Sonnenbad am Nachmittag erzeugt z.B. soviel Energie, dass davon fünf 100-Watt Glühbirnen leuchten könnten. Das Reparatursystem arbeitet auf Hochtouren, kann aber nicht alle Fehler reparieren. So kann es zur Entwicklung von Hauttumoren kommen. Andererseits darf die Haut aber auch nicht ausschliesslich vor der Sonne geschützt werden.

Pflegen, reparieren und verwöhnen Durch UV-Strahlen wird ein kleines Stück DNA abgetrennt und dann aus der Zelle ausgestossen. Die Wiederherstellung der DNA erfolgt durch ein komplexes Enzym-System, das mit zunehmendem Alter schwächer wird. Deshalb muss nach der Sommersaison besonders die empfindliche Gesichtshaut extra gepflegt und verwöhnt werden, am besten mit speziellen Regenerations-

produkten. Reichhaltige Cremes, unterstützt von speziellen Seren und Gesichtsmasken, helfen den Zellen sich schneller zu regenerieren und lassen den Teint strahlen.

Die richtigen Wirkstoffe Um das System anzukurbeln müssen Wirkstoffe eingesetzt werden, die den Regenerationsprozess fördern. So werden die Zellen besser und schneller wiederhergestellt. Natürlich lassen sich Hautalterung und Faltenbildung nicht anhalten. Doch eine richtig angepasste Hautpflege kann die Zeichen der Zeit in Schach halten, und die Haut bleibt gesund.

Feuchtigkeitsverlust Abhängig von jahreszeitlichen Einflüssen und individuellen Belastungen verliert die Gesichtshaut im Sommer vermehrt Feuchtigkeit. Insbesondere nach intensiver Sonneneinstrahlung spannt sie häufig und wird reizbarer. Feuchtigkeitsarme Gesichtshaut neigt zu erhöhtem Wasserverlust und einem Mangel an eigenen Feuchthaltefaktoren. Die Haut sieht stumpf aus und Knitterfältchen, verursacht durch Trockenheit, entstehen.

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«nur mit einer konsequenten, individuell auf den Hauttyp abgestimmten Pflege sind sichtbare Erfolge möglich.»

Wasser als Wundermittel Intensive Feuchtigkeitspflege sollte deshalb nicht nur Feuchtigkeitsdefizite der Haut ausgleichen, sondern gleichzeitig auch ihre Fähigkeit unterstützen, die Feuchtigkeit langfristig zu binden. Ein wichtiger Faktor zum Thema Feuchtigkeit ist natürlich das Wasser, Wasser macht schön. Wer viel trinkt, hat schon einen Teil seiner Hautpflege erledigt. Denn die Haut, die einen Wassergehalt von 72 Prozent aufweist, wird vorwiegend durch den Stoffwechsel, das heisst von innen, mit Feuchtigkeit versorgt.

endogenen und exogene Einflüssen standzuhalten. Der Wassergehalt der oberen Hornschicht liegt bei junger Haut zwischen zehn und 20 Prozent des Gesamtwassergehaltes des Organismus. Natürliche Feuchthaltefaktoren (NMF = Natural Moisturizing Factors) in der Hornschicht, die aus Schweiss, Talgdrüsenfetten und dem Verhornungsprozess der Haut stammen, helfen, dieses Wasser zu halten. Sinkt der Wassergehalt unter zehn Prozent, wird die Haut trocken und kann ihre Barrierefunktion nicht mehr erfüllen.

Individuelle Pflege Nicht nur von innen Feuchtigkeit muss der Haut auch von aussen zugeführt werden, damit sie schön glatt und geschmeidig aussieht. Wenn der Feuchtigkeitsverlust durch die warme Jahreszeit, durch Sonne, Wind und Wärme am grössten ist, ist es ganz besonders wichtig, die Gesichtshaut nun täglich mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen. Wasser ist die wichtigste Substanz für die Geschmeidigkeit der Haut.

Eine kleine Hautlehre Auch als Schutzfaktor spielt der Wassergehalt der Hornschicht eine grosse Rolle: Er ist wesentlich für eine intakte Barrierefunktion, die für das unbedeckte Gesicht ganz besonders wichtig ist, um

Pflegemassnahmen sollten natürlich immer wieder dem aktuellen Hautzustand angepasst werden. Hier ist es wichtig zu wissen, dass sich die Bedürfnisse unserer Haut mit den Jahreszeiten erheblich ändern. Und nur mit einer konsequenten, individuell auf den Hauttyp abgestimmten Pflege sind sichtbare Erfolge möglich.

Wundermittel gesucht Mit den Jahren und besonders auch durch Sonnenexposition verlangsamt sich die Zellerneuerung immer mehr. Die Gesichtshaut wirkt schlaff und der Teint verliert an Ebenmässigkeit und frischer Ausstrahlung. Jetzt muss es her, ein Elixier, das die Haut zu neuem Leben erweckt.

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HERBST TRENDS

Passend zum Herbst, stellen wir hier die neuesten Forschungsergebnisse der Beauty Firmen vor:

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10 wichtige Tipps für eine pralle Haut 1. Trinken, trinken, trinken! Nehmen Sie am Tag drei Liter Wasser oder Mineralwasser zu sich. 2. Benutzen Sie zur Gesichtsreinigung eine sanfte Reinigungslotion und danach ein mildes Tonic. 3. Gehen Sie besonders sanft bei der Reinigung der Augen vor: niemals reiben und zerren, sondern zarte kreisende Bewegungen sind hier wichtig. 4. Machen Sie einmal in der Woche ein Gesichtspeeling um abgestorbene Hautzellen zu entfernen. 5. Verwöhnen Sie Ihre Haut einmal in der Woche mit einer reichhaltigen Maske Ihres Lieblingslabels. 6. Tupfen Sie eine Tagespflege auf Ihr Gesicht und klopfen diese dann sanft mit den Fingern ein – dadurch wird gleichzeitig die Durchblutung angeregt. 7. Vergessen Sie nicht Hals und Decolleté auch reichhaltig einzucremen. 8. Verwenden Sie eine spezielle Augencreme für die empfindliche Augenpartie. 9. Machen Sie einmal in der Woche ein Gesichtsdampfbad – die Poren werden geöffnet und nachfolgende Pflegeprodukte können perfekt in die Haut einziehen. 10. Benutzen Sie eine spezielle Nachtcreme – diese ist reichhaltiger als eine Tagespflege und hat nachts genügend Zeit tief in die Haut einzuziehen.

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Ihre asiatische

Wohlfühloase Geniessen auf asiatisch. Und das täglich von 9 bis 24 Uhr im asiaspa, Sihlcity in Zürich. Ab Herbst bietet das asiaspa eine Menge neuer Treatments zum entspannen und verwöhnen lassen an.

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von Simone Salzmann

as asiaspa in Zürich ist seit Jahren die Top-Adresse par excellence für Wellness, Fitness und Savoirvivre. Gelegen in Sihlcity, lockt die Wohlfühloase mit Sauna- und Spa-Welt, neuem asiatischen Hamam, grossem Fitness- und Treatmentbereich sowie Gastro-Lounge jedes Jahr über 150 000 Wellness- und Fitnessbegeisterte an und geniesst bis weit über die Grenzen Zürichs hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Und ein guter Ruf verpflichtet: Ständig auf der Suche nach den neuesten Trends und Highlights aus Wellness und Fitness, bietet das asiaspa seinen Gästen ab Herbst 2011 eine Fülle neuer Anwendungen und erweitert sein Angebot um die Bereiche Maniküre, Pediküre und Gesichtspflege. Dabei reicht das Spektrum von 25-minütigen Express-Angeboten, die schnell in der Mittagspause oder zwischen zwei Geschäftsterminen wahrgenommen werden können, bis zu 75-minütigen Behandlungen, die Sie sanft entspannen und den Alltagsstress vergessen lassen.

Für unsere Gäste nur das Beste Getreu diesem Leitsatz werden im asiaspa die neuen Treatments mit den besten Hautpflegeserien der Welt kombiniert – Ytsara aus Thailand, Living Nature aus Neuseeland, Biomaris aus Deutschland und Koh aus den Niederlanden. Alle verwendeten Pflegeserien zeichnen sich besonders durch ihre natürlichen Wirkweisen aus, sei es durch die Verwendung ausschliesslich pflanzlicher Wirkstoffe oder durch den Zusatz hochwertiger Ingredienzen wie beispielsweise reines Meerwasser aus den unberührten Weiten des Nordatlantiks.

International, exklusiv und individuell Diese drei Attribute gelten für alle ab Herbst im asiaspa erhältlichen Treatments. Maniküre in drei, Pediküre in zwei Variationen sowie fünf verschiedene Gesichtspflegeprogramme mit optional zubuchbaren Extras wie Augenmasken oder Färben von Wimpern/Augenbrauen lassen keine Pflege- oder Entspan-

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nungswünsche offen. Von Express-Maniküren für die schnelle und dennoch nachhaltige Pflege über Gesichtsbehandlungen speziell für Männer bis hin zur umfangreichen De-Aging-Behandlung mit Gesichts-, Nacken- und Dekolletémassage ist in den neuen Treatment-Angeboten alles enthalten, was den vielfältigen Bedürfnissen der Gäste nach Entspannung und Pflege Rechnung trägt.

Gut beraten und perfekt abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse Selbstverständlich berät das professionelle Team der Zürcher Wellnessoase seine Gäste bei jeder Behandlung individuell, und, im Bereich der Gesichtspflegeanwendungen, auch immer unter Berücksichtigung des momentanen Hautbildes. So können Sie sicher sein, stets die optimale Behandlung mit den am besten für Ihre Haut geeigneten Pflegeprodukten zu erhalten und nach der Anwendung perfekt in den Tag oder den Abend starten zu können.

Alle Behandlungen sind sowohl für die einmalige als auch für die wiederholte Anwendung geeignet, so dass Sie selbst entscheiden können, ob Sie ein schnelles Ergebnis oder eine nachhaltige Wirkweise wünschen.

Tradition und Innovation Natürlich bietet das asiaspa neben den neuen Treatments auch weiterhin die bekannte Kollektion von Wellness- und BeautyAnwendungen an. Diese können sowohl direkt vor Ort als auch online unter www.asia-spa.com gebucht werden. Für alle, die aussergewöhnliche Wohlfühl-Erlebnisse an Ihre Lieben verschenken möchten, bietet das asiaspa die Möglichkeit, Gutscheine für sämtliche Spa-, Sauna- und Anwendungsbereiche zu erwerben. Auch für die ab Herbst neu hinzukommenden Treatments können bereits online Gutscheine im Vorverkauf geordert werden. Bis zum Start der neuen Angebote erhalten Sie zudem beim Kauf eines entsprechenden Gutscheins zusätzlich einen 10-CHFProduktgutschein gratis. Wenn das kein Grund ist, sich selbst oder auch anderen mal wieder etwas Gutes zu tun ... www.asia-spa.com

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© Redken

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Auch die Haare haben im Sommer gelitten. Zeit für Wiedergutmachung! Mit den neuesten Haarpflegeprodukten gar kein Problem. Hier gibt es wirklich für jedes Haar-Wehwehchen das richtige Mittel. Richtig angewendet, kann die nächste Strapaze kommen, die Heizungssaison …

HERBSTPFLEGE für strapazierte Haare von Valeska Jansen

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er Mensch hat insgesamt 300 000 bis 500 000 Haare, davon entfallen etwa 25 Prozent auf die Kopfbehaarung. Täglich wächst das Kopfhaar zwischen 0,25 und 0,4 mm. Form, Dicke (0,04 bis 0,1 mm) und Farbe der Haare (kommt durch eingelagerte Pigmente zustande) sind erblich bedingt. Im Alter werden sie durch zunehmenden Mangel an Pigmenten grau und wenn Luft eingeschlossen ist weiss.

wenn sie sichtbar werden. In den seltensten Fällen rührt solch eine vermehrte Schuppenbildung von einer Hautkrankheit her und lässt sich auch zu Hause wirksam bekämpfen.

Die richtige Pflege für gesunde Haare Die äussere Schutzschicht der Haare ist vergleichbar mit den Schuppen eines Tannenzapfens. Bei gesunden Haaren sind die Schuppen gleichmässig geschlossen, das Haar ist glatt und glänzt. Heisses Föhnen, intensive Sonneneinstrahlung und Schadstoffe aus der Umwelt belasten unsere Haare jeden Tag. Hinzukommen können Chemikalien aus einer Dauerwelle oder Färbung. All dies greift die Schuppenschicht an und schädigt sie. Das Resultat sind aufgeraute und glanzlose Haare. Der Schutz-

Entstehung von Schuppen Unsere Kopfhaut erneuert sich ständig. Dies hat zur Folge, dass tote Hautzellen als Schuppen abgestossen werden. Jeder Mensch hat Schuppen, lästig werden sie allerdings erst dann,

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mantel des Haares kann sich selbst regenerieren. Shampoos, Spülungen und Kurpackungen helfen das Haar zu pflegen und die angeraute Schuppenschicht zu glätten. Gerade im Sommer belasten Sonne und Meerwasser die Haare zusätzlich. Regelmässige Masken helfen selbst dem strapaziertesten Haar.

Vom richtigen Umgang mit Kämmen und Bürsten Auch der Gebrauch von Bürsten und Kämmen kann die Gesundheit der Haare beeinträchtigen. Die berühmten 100 Bürstenstriche am Tag mögen zu Grossmutters Zeiten absolut ihre Berechtigung gehabt haben, wären aber heute eher hinderlich. Damals wuschen sich die Frauen die Haare nicht so häufig wie heute, und somit verteilten sie den Talg der Kopfhaut durch das Bürsten bis in die Haarspitzen, und die Haare «glänzten». Durch das heutige häufige Haarwaschen sind unsere Haare eher durch Trockenheit gefährdet, und zu extremes Bürsten würde die feine Schuppenschicht der Haare aufrauen und schädigen. Stylingprodukte sollten übrigens vor dem Zubettgehen immer ausgebürstet werden, die Haare können sonst über Nacht brechen. Am besten geeignet sind hier Bürsten mit Naturborsten. Auch bei fettigen Haaren sind Naturborsten empfehlenswert, da sie das Fett besser aufnehmen. Haare sollten niemals im Nassen Zustand gekämmt werden, denn genau dann können sie schnell reissen und brechen. Leicht angetrocknet und von den Spitzen nach oben gekämmt, verhindert den Haarbruch.

Massage ganz einfach selbst gemacht Eine Kopfhautbürstenmassage regt die Durchblutung an, fördert den Haarwuchs und entspannt. Bürsten und Kämme sollten übrigens ebenso wie die Haare regelmässig gereinigt werden (einmal in der Woche), dazu benutzt man am besten ein mildes Shampoo.

Pflege als Schutz Föhnlotionen und viele verschiedene Festiger schützen das Haar vor der Föhnhitze und machen es zusätzlich leichter kämmbar. Für eine intensivere Pflege von strapaziertem wie dauergewelltem oder gefärbtem Haar ist eine Spülung genau das Richtige. Dadurch erhält das Haar zusätzlich Feuchtigkeit und lässt sich leichter entwirren. Einmal in der Woche empfiehlt sich eine Haarmaske. Am besten ist es, wenn die Packung mit einem kurz in der Mikrowelle angewärmten Handtuchturban mindestens 20 Minuten einwirken kann. Mit viel klarem Wasser wieder ausgespült, können die Haare wieder glänzen. Vorsicht: Haare können auch «überpflegt» werden, deshalb sollten Haarmasken auch nicht öfter als ein bis zwei Mal in der Woche angewendet werden. Die Haare werden sonst schwer und wirken schnell fettig. Wichtig ist immer, das geeignete Produkt zu finden und natürlich die richtige Anwendung.

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© Redken

«Keine Zeit für die Spülung? Es gibt viele Produkte, die nicht ausgespült werden müssen.»

Für jedes Haar das passende Produkt Für jeden Haartyp bietet die Kosmetikindustrie spezifische Präparate an. Für feines Haar gibt es spezielle Volumenprodukte. Auf die Probleme langer Haare, wie zum Beispiel Spliss, wird ebenfalls speziell eingegangen. Colorierte und blondierte Haare sollen in puncto Farbe möglichst so bleiben, wie sie sind; hier sind Colour-Produkte sehr wichtig. Keine Zeit für die Spülung? Es gibt viele Produkte, die nicht wieder ausgespült werden müssen.

Wichtig: Shampoo und Spülung müssen immer gründlich ausgewaschen werden, die Haare wirken sonst strähnig und schwer; spülen Sie das Produkt deshalb mit reichlich klarem Wasser aus, bis die Haare «quietschen».

Modeltipp: Giessen Sie nach der Haarwäsche eine Flasche eiskaltes Mineralwasser über die Haare. Die Kopfhaut wird besser durchblutet, Kalkrückstände werden entfernt, und die Haare glänzen besonders intensiv.

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WUNDERSCHÖNES, STARKES HAAR beginnt mit dem revolutionären KeraTriplex™ Professional Salon Treatment. Luxuriöse Haarpflege exklusiv in ausgewählten Coiffeursalons erhältlich.

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Feuchtigkeit und Seide Für eine Haut wie Samt Eine grosse, wenn nicht die grösste, Rolle, spielt die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit. Besonders gut geeignet die Haut zu befeuchten, ist Hyaluronsäure. Sie besitzt die Fähigkeit, relativ zu ihrer Masse, sehr grosse Mengen an Wasser zu binden – bis zu sechs Liter pro Gramm.

von Valeska Jansen

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ereits 1981 erforschte Kanebo das Zusammenspiel zwischen Haut und Hyaluronsäure. So gehört das Unternehmen auch zu den Vorreitern der Entwicklung effektiver Feuchtigkeitsprodukte. Bahnbrechende Erfolge verzeichnete Hyaluronate/Collagen Booster, durch die Stimulation der Hyaluron-Synthese in der mittleren Hautschicht. Vor über zehn Jahren identifizierte Kanebo als weltweit erstes Labor das Gen, welches für die HyaluronSynthese dort verantwortlich ist. Kurz darauf entdecken Kanebo Mitarbeiter als erste Hyaluron in der oberen Hautschicht und bereits zwei Jahre später können sie das für die Hyaluron-Synthese in der oberen Hautschicht verantwortliche Gen identifizieren. Gestärkt durch diese bahnbrechenden Entdeckungen entwickelt Kanebo zwei besondere Wirkstoffe die die HyaluronSynthese in der oberen Hautschicht beschleunigen – Natural NAG und β-Carotene.

Kostbare Seide für eine perfekte Haut Feuchtigkeit sorgt für eine gesunde pralle Haut, doch passend zum Spruch: Eine Haut wie Samt und Seide, darf bei Kanebo ein wichtiger Inhaltsstoff niemals fehlen: Die Seide. Eine ganz besondere Seide allerdings, nämlich eine der wertvollsten Seidenarten der Welt, die Koishimaru-Seide. Die Geschichte der Koishimaru-Seide reicht viele Jahrhunderte zurück. Ausgrabungen lassen darauf schliessen, dass diese herrliche Seide bereits im Alten Japan (12. bis 13. Jahrhundert) verwendet wurde.

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Der Schatz des Kaisers Der Koishimaru-Kokon ist nur halb so gross wie ein herkömmlicher Kokon und wird in Japan daher «Kleiner Schatz» genannt. Sie war früher ausschliesslich Japans kaiserlicher Familie vorbehalten, die sie bis heute noch als Staatsgeschenk überreicht. Sämtliche SENSAI Pflegeprodukte werden mit der hochwertigen Koishimaru-Seide formuliert. Seide kann vielfältig verarbeitet werden, zum Beispiel zu Puder oder Gel. Dafür muss das Extrakt der Seide, das Fibroin, zunächst durch eine spezielle Technologie wasserlöslich gemacht werden.

Pionier in der Hautpflege mit Seide Kanebo entwickelte als erstes Unternehmen eine SeidenfibroinWasser-Lösung und wurde damit zum weltweiten Pionier in der Seidenpflege. Seidenfibroin, der biotechnologisch ständig weiterentwickelte Seideninhaltsstoff von SENSAI, schützt die Haut vor Trockenheit, macht sie zart und geschmeidig. SENSAI Seidenextrakte besitzen eine hautverwandte Struktur wodurch sie besonders hautverträglich sind und schnell in die Haut einziehen. Sie haben die natürliche Eigenschaft, Feuchtigkeit zu spenden, hauteigene und zugeführte Feuchtigkeit zu

speichern und zu binden. Sie sorgen zudem für ein optimales Hautklima. Diese Eigenschaft kennt man auch von Bekleidung aus Seide.

«Saho», das Prinzip der Doppelreinigung Gestützt auf altbewährte Schönheitstraditionen und innovative Hautpflegetechnologien arbeiten alle Pflegeprodukte von SENSAI bis hinab auf die Ebene der einzelnen Zelle. Die Pflegephilosophie «Saho»: Doppel-Reinigung als kombinierte Vor- und Tiefenreinigung, Doppel-Befeuchtung und Doppel-Anwendung mit Lotion und Emulsion und/oder Creme. Dabei wird zur Vorbereitung der Haut mit der Lotion begonnen. Die Lotion macht die Haut geschmeidig und sorgt dafür, dass die nachfolgende Pflege noch besser von der Haut aufgenommen werden kann. Die nachfolgende Emulsion und/oder Creme pflegt und schützt die Haut.

Rituale für eine perfekte Haut Diese Theorie hat ihre Wurzeln in der japanischen Teezeremonie, bei der zur Herstellung einer wahrhaft perfekten Schale Tee ein kunstvolles Regelwerk existiert. Die von «Saho» inspirierte Hautpflegemethode zeigt, dass jeder durch die Durchführung besonderer Rituale den Weg zu einer makellosen Haut finden kann.

«Ausgrabungen lassen darauf schlissen, dass Koishimaru-Seide bereits im Alten Japan verwendet wurde.»

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«Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern!» Sebastian Kneipp

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Boost your Health Der Weg zu mehr Lebensqualität

Das moderne, effektive und bequeme Ganzkörper-Training (Zelltraining) im entspannten Liegen. Einmalig in der Schweiz, exklusiv in Zürich.

von Claudia Marson

Z

ellen gesund – Mensch gesund: Der Zustand unserer Zellen entscheidet wesentlich über unsere Gesundheit, unsere Leistungsfähigkeit und unser Wohlbefinden. Cell-Well bietet Ihnen mit dem Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training («Zelltraining») ein modernes, effektives und ganzheitliches Körpertrainingskonzept, bei dem Sie ohne aufwendige Vorbereitung, ohne grosse Anstrengung und mit begrenztem Zeitaufwand Ihre Zellen trainieren und energiemässig aufladen können.

stoffwechsel aktiviert, die Immunzellen gestärkt, die Konzentrationsfähigkeit gesteigert sowie diverse Regenerations- und Selbstheilungsprozesse der Körperzellen (Anti-Aging-Effekt) in Gang gesetzt. All diese Prozesse basieren darauf, dass der Energiestoffwechsel in den Mitochondrien (auch als «Energiekraftwerke der Zellen» bezeichnet) verbessert wird, indem unter anderem der Gehalt des für die Gesundheit unersetzlichen Coenzyms Q10 im Blut deutlich erhöht wird. Daraus resultiert eine gesteigerte physische Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sowie eine erhöhte Stresstoleranz und Widerstandskraft des Körpers.

Während Sie auf einer speziellen, komfortablen Wellness-Liege liegen, atmen Sie mit einer persönlichen Atemmaske in Intervallen von ein paar Minuten Luft mit reduzierter Sauerstoffkonzentration (Hypoxie) und mit erhöhter Sauerstoffkonzentration (Hyperoxie) bei normalem Luftdruck ein. Durch dieses Wechselspiel von Hypoxie und Hyperoxie werden im menschlichen Organismus wichtige Gene, die von der Sauerstoffkonzentration der Atemluft gesteuert werden, aktivitiert. So werden zum Beispiel vermehrt rote Blutkörperchen und neue Blutgefässe gebildet, der Energiestoffwechsel und der Fett-

Während mehr als 40 Jahren wurden die physiologischen und medizinischen Effekte der «Intervall-Hypoxie» in Russland, China, USA, Westeuropa und Australien erforscht und seit vielen Jahren unter anderem erfolgreich zur Leistungssteigerung von Spitzensportlern eingesetzt. Das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training ist eine der innovativsten und effektivsten Methoden zu mehr Wohlbefinden und Gewinn an Lebensqualität. www.cell-well.ch

Auf der komfortablen Wellness-Liege zu einem besseren Wohlbefinden gelangen.

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Duftende

Herbst impressionen

息 Chanel

Jede Menge D端fte werden diesen Herbst wieder lanciert. Das ist nichts Neues. Neu ist allerdings, dass darunter sehr viele neue Luxus D端fte auf den Markt kommen und dass deren Kampagnen, anders als in den letzten Jahren, noch kostspieliger produziert wurden. Bekannte Gesichter aus der Model- und Filmszene verleihen den Parfums ihr Image, von cool 端ber sinnlich bis sexy.

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I

von Valeska Jansen

dentifikation spielt bei Duftkampagnen eine grosse, wenn nicht sogar die grösste Rolle. Daneben stehen Selbstwahrnehmung, Wertevorstellungen, Lebensstil und Wunschbilder. Je näher sich eine Werbekampagne an der Zielgruppe befindet, umso besser wird sich das beworbene Produkt verkaufen. Doch auch die sexuelle Zugehörigkeit ist ein zentraler Punkt. Hier beginnt sozusagen das Entscheidungsverfahren eines jeden einzelnen. Gefolgt von dem Vergleich des dargestellten Alters und des Lebensstils. Passen diese drei Punkte erst einmal auf den Betrachter, wird in den meisten Fällen bereits schon ein Bedürfnis geweckt. Passt jetzt auch noch die vom Kampagnenmodel vermittelte Emotion, auf die Stimmung des potentiellen Kunden, so wird in den meisten Fällen das beworbene Produkt auch gekauft.

Erfolgreich und sexy sells Je nach Damen- oder Herrenduft verändert sich auch der Image-Typ. Bei Männern stehen beruflicher Erfolg und ein sportlicher Lebensstil an oberster Stelle. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Herrendüfte zumeist von Models beworben werden, die einen dynamischen und sportlichen Karrieretyp verkörpern sollen. Bei den Frauen sieht das anders aus: Die weiblichen Models präsentieren sich meist sexy und lasziv. Verführerisch entledigen sie sich in Fernsehspots ihrer Kleidung und entschwinden ins Schlafgemach. Üppiges Dekolleté, schmale Taille, volle Lippen und sinnliche Augen, so ungefähr könnte das aktuelle Lieblingsmotiv der Duft Kampagnen beschrieben werden. Der Mann spielt dabei die Nebenrolle. Eine Frage der Emanzipation, denn die Frau von heute nimmt sich den Mann, der ihr gefällt. So wird das oft in einer Nebenrolle gezeigte Männermodel eigentlich auch kaum wahrgenommen. Fokus liegt eindeutig auf dem animalisch wollüstigen Vollweib.

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Dior J‘adore Ein klassisches «new women» - Beispiel ist die Dior J’adore Kampagne mit Charlize Theron. «Das aussergewöhnliche Parfum J’adore ist ein emblematischer Duft, der von einem traumhaften Gesicht verkörpert werden musste», ist in den Presseunterlagen zu lesen. «Die intensive und strahlend schöne Charlize Theron ist die perfekte Verkörperung der absoluten Weiblichkeit von J’adore», heisst es weiter. Ein Zitat der südafrikanischen Schauspielerin beschreibt den neuen (oder doch alten?) Frauentyp: «Ich glaube, dass wir Frauen widersprüchlich sind, zwiespältig, ständig zwischen der braven und der widerspenstigen Frau stehen. Ich denke, dass diese Fähigkeit, ihre Widersprüche zu akzeptieren, die Frauen stark macht. Die Persönlichkeit von J’adore ist so, sie hat nichts zu verbergen, wofür sie sich schämen müsste, sie ist stark und verwundbar zugleich, mächtig und sinnlich».

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DKNY Golden Delicious und 1 Million Dollar Apple Bei Donna Karan wird die Skyline von New York in Gold getaucht, genau wie das Symbol der Stadt, der Apfel. Luxuriös und verführerisch duftet der neueste Apfel aus der DKNY Delicious Kollektion. Parallel wurde mit der Unterstützung des Star Juweliers Martin Katz ein wertvolles Projekt realisiert. Die Kreation eines eine Million Dollar Flakons. 14 karätiges Gelb- und Weissgold, 2700 runde, weisse Brillanten (15.17 Karat), 183 goldgelbe Saphire (2.28 Karat), gefasst in 14 karätiges Weissgold. Den Deckel krönt ein 2.43 karätiger gelb schillernder Canary Diamant. Der Flakon thront auf einem nicht minder wertvollen Sockel, besetzt mit 2909 Edelsteinen, die die verschiedenen Kontinente darstellen. «Es war eine Ehre für mich, den 1 Million Dollar Duftflakon für DKNY gestalten zu dürfen. Mir gefiel die Idee, ein derart einzigartiges, von New York inspiriertes Stück zu kreieren so sehr, dass ich sofort zusagte. Ähnlich wie bei der Kreation eines Duftes begann ich mit einer Grundidee. Der Duft DKNY Golden Delicious steht für den Spirit und die Energie von New York; daher musste

das Design meines Flakons dies auch zum Ausdruck bringen und ich beschloss, die Skyline von New York nachzubilden», sagt Martin Katz. «Am Anfang des Gestaltungsprozesses stand die sorgfältige Auswahl einzigartiger Steine aus der ganzen Welt. Da dieser Duft weltweit auf den Markt kommt, dachte ich mir, es wäre schön, «preisgekrönte Edelsteine» aus den jeweiligen Herkunftsländern zu verwenden. Das Resultat ist der exklusivste Duftflakon, den man sich vorstellen kann.» Der 1 Million Dollar Flakon wird ab dem 15. Oktober 2011 auf der internationalen DKNY Facebook Seite www.facebook.com/ dknyfragrances unter dem Link Core Club präsentiert und kann dann käuflich erworben werden. Der Erlös kommt «Action Against Hunger» zugute, einer internationalen humanitären Organisation, die sich für den weltweiten Kampf gegen Hunger einsetzt.

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Burberry Body Für Burberry hat dieses Jahr eine ganz besonders grosse Bedeutung: Die wichtigste Neulancierung aller Zeiten ist der neue Duft Burberry Body. Er soll das Wahrzeichen des nächsten Kapitels der 155-jährigen Burberry-Geschichte sein. «Gemeinsam mit Mario Testino haben wir eine wunderbar sinnliche und facettenreiche Kampagne ausgearbeitet, welche die verschiedenen Attitüden des Parfums Burberry Body zum Ausdruck bringt. Der Trenchcoat verkörpert die ikonenhaften Qualitäten des Parfums sowie die Geisteshaltung und die Einstellung des Burberry-Mädchens», sagt Christopher Bailey, Generaldirektor Kreation Burberry. Die facettenreiche Kampagne umfasst vielfältige Bilder, von denen jedes eine andere Attitüde des Parfums Burberry Body vermitteln soll. Alles dreht sich um Sinnlichkeit und dabei spielt der Burberry Trenchcoat auf nackter Haut, neben der britischen Schauspielerin Rosie Huntington-Whiteley, eine Hauptrolle. «Rosie, wie eine wunderschöne, sinnliche englische Rose, verkörpert perfekt den Geist des Hauses Burberry. Mit grösster Bescheidenheit verbreitet sie dieses perfekte Gleichgewicht zwischen Sinnlichkeit und Vertrauen. Da Burberry zu ihrer Geschichte gehört, erschien es ihr vollkommen natürlich, die erste Muse unseres Burberry Body zu sein», so Christopher Bailey.

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Dsquared² Potion Dean und Dan Caten haben ihren neuesten Duft aus einer Essenz kreiert, die sie selber als Zaubertrank bezeichnen. Ein symbolisches Rezept soll den neuen Duft beschreiben. Das Rezept für den Zaubertrank Zutaten: 2 frisch gepflückte Blätter rote Minze 2 Prisen Angelika 1 Thymianzweig 6 frisch gepflückte Rosenblüten 4 schwarze Pfefferkörner 2 Tropfen Enzian 1 ½ Zimtstangen 1 Handvoll geschnittenes Kaschmirholz 2 Spritzer Patchouli ½ Tasse Bernstein 10 ml Moschus Nach der Zubereitung soll man laut Rezept noch 9-mal mit einem Kochlöffel umrühren und neun-mal über den Zaubertrank pusten, um ihn dann in den Kühlschrank stellen. Fertig ist Potion, was aus dem Englischen übersetzt Zaubertrank heisst.

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Salvatore Ferragamo Attimo Pour Homme Ein ganz besonderer Moment mit einem maskulinen, eleganten Mann. Ein Attimo (italienisch Moment) voller Leidenschaft und Spannung. Ein intensiver Augenblick, einer dieser speziellen Momente, die das Leben eines Mannes so spannend und lebenswert machen. Dieser Mann wird von Alessandro Gassman verkörpert. Der berühmte italienische Schauspieler spielte Rollen in «Die Kreuzritter», «Bernadette von Lourdes», «Transporter-The Mission» und zuletzt in «Ex», einer italienischen Filmkomödie. Für das Haus Ferragamo verkörpert er perfekt das Ideal männlicher Schönheit in ihrer mediterranen Version. Als Sohn des weltweit renommiertesten Repräsentanten des italienischen Films, Vittorio Gassman, soll er nochmals zusätzlich die historische Verknüpfung der Marke Ferragamo mit der Filmwelt unterstreichen. Gassman passt optisch perfekt zum holzig maskulinen Duft Attimo.

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Š DoNNa KaraN cosmetics

DKNY.com

introducing

the new fragrance for women


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Thierry Mugler Angel Ein neues Eau De Toilette kommt aus dem Hause Thierry Mugler – Angel. Es soll die Tradition des klassischen Angel Parfums fortsetzen. Für eine neue Generation von Frauen, verkörpert durch eine neue Muse, Eva Mendes. Diese neue Frau ist im einen Moment überwältigend und im nächsten übt sie sich in Zurückhaltung. Einmal Femme Fatale, dann sensibel sinnlich. Eva Mendes soll alle Facetten des neuen Engels verkörpern, der neue Angel Engel. Die Kampagne steht unter dem Motto: «Eine Frau, zwei Träume». Der britische Film Director Baillie Walsh konzipierte den Film und die beiden Modefotografen Ines van Lansweerde und Vinoodh Matadin realisierten die Fotokampagne. Die Visualisierung eines fantastischen Traums, einem Leben als grosse Party, voller bunter Lichter, einem Riesenrad und Zuckerwatte. Ein Leben zwischen Nervenkitzel und bedingungsloser Hingabe. Immer auf der Suche nach dem leuchtenden Angel-Stern.

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Diesel Loverdose Diesel setzt auf Sex Sells. Das texanische Newcomer Model Ashley Smith ist mit ihrer sexy Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen, das Gesicht vom neuen Duft Loverdose. «Ihre Weiblichkeit erinnert an die von Brigitte Bardot. Ihre Zahnlücke verleiht ihr Charme und eine einzigartige Persönlichkeit, und ihr Körper, der so ungewöhnlich in der Welt der Fotomodelle ist, trägt zu einer Erneuerung der Schönheitsstandards bei.» So beschreibt das Unternehmen selber Ashley Smith. Tatsächlich sticht sie aus den sonst so dürren Models heraus. Beinahe könnte man sie als üppig beschreiben. Wegen ihrer grossen Oberweite und ihrer eher kleinen Körpergrösse wurde sie tatsächlich anfangs oft von Agenturen abgelehnt. Genau deshalb passt sie auch genau zu den neuen Frauentypen, eben weil sie nicht so überirdisch perfekt ist. Durch den Loverdose Duft sollen Männer um ihren Verstand gebracht werden. In der Pressekampagne werden Männer als naiv und willensschwach beschrieben. Als hilfloses Opfer einer starken Frau, die ganz genau weiss, was sie will, nämlich ihn.

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KOLUMNE

von Götz Winter, General Manager Estée Lauder Schweiz

F

Hoher Service gegen tiefen Euro

ahnenflucht. Undenkbar für einen Schweizer!

Umsatzeinbussen die Sicherung der Arbeitsplätze in Gefahr.

Allerdings war sie selten so verlockend wie im

Die Lösung wäre doch einfach, denkt sich der Laie. Der über-

Augenblick. Temporär versteht sich. Für eine

wiegende Teil der in der Schweiz verkauften Güter kommt aus

kleine Shopping-Tour oder ein paar entspan-

dem Ausland. Dort kann man sie, siehe oben, im Moment

nende Urlaubstage im Ausland. Weil wir dort

gerade günstig einkaufen. Warum gibt dann der Handel den

für unseren Schweizer Franken mehr bekommen. Er ist ge-

Preisvorteil nicht einfach weiter? Dann würden die Kunden

genüber dem Euro und dem US-Dollar so stark wie nie.

hübsch zu Hause bleiben und auch dort einkaufen.

Was uns massive und damit umso verführerische PreisvorWenn das so einfach wäre! Der Einkaufspreis macht nämlich

teile beschert.

nur einen ganz kleinen Teil des Verkaufspreises der Produkte Warum nicht davon profitieren?

im Regal aus. Der grosse Rest summiert sich aus den Kosten für Transport, Logistik, Marketing, Ladenmiete – und dem

Eben. Oder ist das trotz der historisch hohen Preise hierzu-

Gehalt der Angestellten. Das Lohnniveau ist in der Schweiz

lande doch keine rein rhetorische Frage?

bekanntlich extrem hoch, hinzukommen die unschätzbaren Sozialleistungen auf die wohl kein Angestellter verzichten

Es ist zumindest eine, über die man sich Gedanken ma-

möchte. Oder?

chen sollte. Unser Vorteil resultiert schliesslich aus den monetären Sorgen der anderen. Der Schuldenberg der EU-

Es gäbe aber nur diese Lösung, um den realen Preisun-

Mitgliedstaaten verunsichert die Investoren und schürt die

terschied zwischen Waren in der Schweiz und Europa an-

Euro-Krise. Die Wirtschaftsentwicklung in den USA schwä-

nähernd zu erreichen. Die Arbeitnehmer müssten sich als

chelt wie der Dollar, die Börsenkurse schwanken. Wir lesen

Glieder der Wertschöpfungskette mit niedrigeren Löhnen

diese Nachrichten in den Zeitungen, aber sie tangieren uns

und eingeschränkten Sozialleistungen begnügen. Oder sich

nicht unmittelbar.

Arbeitsplätze teilen und entsprechend massive Gehaltseinbussen in Kauf nehmen. Freiwillige vor!

Noch nicht. Doch in einer nicht nur virtuell, sondern auch wirtschaftlich global vernetzten Welt wird jedes Land die

Stattdessen sollten wir lieber wertschätzen, dass die Güter,

Auswirkungen der internationalen Finanzkrise spüren. Auch

die wir zu Hause erstehen, mehr als Ware sind. Ihr Bonus

die Schweiz. So kann die heimische Exportwirtschaft mit

ist, dass sie vor Ort zu haben sind. Man kauft sie bei Men-

ihren hohen Schweizer-Franken-Preisen auf Dauer nicht un-

schen, die man kennt, die einen kennen. Man wird gut bera-

geschoren davon kommen. Das wird sich wiederum nega-

ten, bekommt sie verpackt und gebracht. Das Persönliche

tiv auf die Arbeitsplätze in der Schweiz auswirken. Ähnlich

erst macht den Service perfekt, den Einkauf zum Erlebnis,

wird es dem Innenhandel ergehen. Kaufen die Schweizer

die Ware zum Gut. Ein echter Mehrwert, für den es sich

weiterhin so massiv im Ausland ein, dann ist aufgrund der

lohnt, etwas mehr zu berappen.

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BASEL I KopEnhAg En I ST UT Tg ART I WI En I ZÜRI C h

25 | 26 | 27 noV 2011 KongRESShAUS ZÜRICh www.blickfang.com


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ZoË Saldana Keine killt schöner

Im erfolgreichsten Film aller Zeiten hat die leidenschaftliche «Avatar»-Amazone Zoë Saldana Milliarden von Männern den Kopf verdreht. Jetzt greift sie erneut zu den Waffen – als eiskalte Mörderin in Luc Bessons Actionkracher «Colombiana».

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© Paramount

© Twentieth Century Fox Film Corporation

Zoë Saldana als blaue Amazone in dem Flim «Avatar» und als Lieutenant Uhura in «Star Trek».

W

von Dominique Zahnd, Cannes

ow, ist diese Frau scharf. Der Meinung ist auch Quentin Tarantino. «Er kam kürzlich auf mich zu und meinte: Ich hab mir ‹The Losers› angeguckt, nur um noch mal deine Arschszene aus dem Trailer zu sehen ...», sagt die Schauspielerin und lacht laut. Zoë Saldana ist drauf und dran, Halle Berry zu beerben. In Hollywood reisst man sich um die Schönheit mit dem Cappuccino-Teint. Und das ist nicht erst seit «Avatar» (2009) so. Darin ist sie zwar nicht selber zu sehen – aber ihr ausserirdisches Abbild in Blau. Regisseur James Cameron («Titanic», «Terminator») liess sie für die Rolle in einen mit Signalpunkten versehenen Anzug schlüpfen. Selbst ihr Gesicht wurde mit kleinen Sendern vollgeklebt. Anschliessend wurde jede ihrer Bewegungen und Gesten in den Computer übertragen und so die Amazone Neytiri zum Leben erweckt. Das Ergebnis – in neuster 3D-Technik gefilmt – hat das Publikum rund um den Globus begeistert. «Avatar» wurde zum erfolgreichsten Film aller Zeiten, mit einem Einspielergebnis gegen drei Milliarden (!) Franken.

Durchbruch dank «Star Trek» Das erste Mal im Kino zu sehen war Zoë zehn Jahre zuvor: als Ballerina in «Center Stage». Danach stand die Amerikanerin Seite an Seite mit Johnny Depp («Pirates of the Caribbean», 2003), Tom Hanks («Terminal», 2004), Ashton Kutcher («Guess Who», 2005) und Dennis Quaid («Vantage Point, 2008). Der grosse Durch-

bruch folgte aber erst ein Jahr später, als Regisseur J.J. Abrams («Mission: Impossible III») sie anrief und ihr eine Rolle in seiner Version des Weltraum-Abenteuers «Star Trek» anbot. Dort trifft die junge Crew des Raumschiffs Enterprise das erste Mal aufeinander – mit seinen kultigen Charakteren Kirk, Spock, Pille, Sulu, Chekov und Scotty. Die einzige Frau im Bunde ist Lieutenant Uhura, gespielt von Zoë. Wie sie die Kommunikationsoffizierin verkörpert, hat Stil. Doch mit einer echten Lady verbindet die Schauspielerin im richtigen Leben wenig. Dafür benimmt sie sich viel zu oft wie ein Kerl: laut, rau und ständig fluchend. Demnach ist «Avatar» für Saldana auch nicht einfach nur ein tolles Kinoerlebnis, sondern «der scheisse noch mal beste Film der Filmgeschichte». Dort, wo sie aufwuchs, reden halt alle so. «Ich bin ein starkes Mädchen aus Queens, trage lieber Bier als High Heels», sagt sie. Doch wenn die Actrice – wie beim Filmfestival in Cannes – über den roten Teppich schwebt, spielt sie eine Rolle. Dann versprüht sie im wallenden Abendkleid Glamour. Aber als Dame fühlt sie sich trotzdem nie, gibt sie beim Treffen im 5-Sterne-Hotel Martinez an der Côte d'Azur zu. «In meinem Kopf trage ich immer Jeans und rülpse zu den unpassendsten Gelegenheiten. Ich habe keine Klasse», sagt sie und lacht. «Aber irgendwie sieht mich die Welt mit anderen Augen.»

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© M.Bragard

«Ich mag es, bei der Arbeit blaue Flecken zu bekommen.»

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Calvin Klein engagierte sie vom Fleck weg für eine Dessous-Kampagne.

© www.2.bp.blogspot.com

«Sexszenen sind stressig – weil du schwitzt, kaum was anhast und die ganze Crew dich beobachtet.»

Das trifft unter anderem auch auf die Modebranche zu: Calvin Klein engagierte sie vom Fleck weg für eine Dessous-Kampagne, und die italienische Modemarke Max Mara feierte sie gar als «Face of the Future». Regisseure und Casting-Direktoren sind ebenfalls begeistert von der schönen Latina, die übrigens seit diesem Jahr mit dem Geschäftsmann Keith Britton verlobt ist.

Mit Orlando Bloom im Bett Im Kino wird immer dafür gesorgt, dass sie sich von ihrer besten Seite zeigt. Logisch, dass die 33-Jährige auch schon jede Menge Bettszenen absolvieren musste. Zu ihren Lovern gehörten unter anderen Orlando Bloom («Lord of the Rings») und Jeffrey Dean Morgan («P.S. I love you»). Wie schwierig sind solche Szenen? «Man hofft immer dasselbe: dass man einen professionellen, attraktiven, gutriechenden Partner hat», sagt Zoë. «Ich hatte in dieser Hinsicht bisher Glück. Denn grundsätzlich ist so eine Situation sehr stressig: weil du schwitzt, kaum was anhast, mit Scheinwerfern beleuchtet wirst und die ganze Crew dich beobachtet.» Doch Zoë Saldana ist nicht einfach nur ein neuer Betthase aus der Filmmetropole Los Angeles. Nein, sie verkörpert immer öfter starke Frauen, die hart zuschlagen können und am Ende bekommen, was sie wollen. Wie im Actionhit «The Losers» oder dem

furiosen Streifen «Colombiana». Hinter dem steht der auf grosse Kino-Spektakel abonnierte Regisseur und Produzent Luc Besson («Léon: der Profi», «The Fifth Element», «Transporter»-Saga). Zoë übernimmt in «Colombiana» den Part von Cataleya, die im Alter von neun Jahren die Ermordung ihrer Eltern durch den Mafiaboss Don Louis miterleben muss. Danach flieht das Mädchen zu ihrem Onkel nach Chicago und lässt sich zur Profikillerin ausbilden. Als Erwachsene setzt Cataleya alles daran, den Mafioso um die Ecke zu bringen ... Wie Saldana schiesst, haut und kickt, sieht äusserst überzeugend aus. «Das ist witzig, denn früher war ich nicht gross in Actionfilmen zu sehen. Das hat sich radikal geändert – aber mir gefällts», sagt sie. «Ich mag es, bei der Arbeit blaue Flecken zu bekommen. Und wann immer sie mich lassen, drehe ich alle Stunts selber.» Nimmt die Schauspielerin eine neue Rolle an, kniet sie sich voll rein. Dazu gehört auch eine gründliche Recherche. Fürs Adrenalinkino gilt: Wer hier durchstarten will, muss auch Pistolen und Gewehre stilecht abfeuern können. Doch den Umgang mit den Knarren musste sie erst mal lernen. Als Erstes wurde ihr aber nahegelegt, Gewicht und Muskelmasse zuzulegen – damit sie in der Lage sei, die schweren Waffen über längere Zeit zu halten und vom Rückstoss nicht umgehauen zu werden.

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© All Photos: M.Bragard

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Karibisches Temperament Ihre Familie sieht sie gerne in dominanten Frauenrollen. Zoë – die eigentlich Zoë Yadira Zaldaña Nazario heisst – wurde von Anfang an von ihrer Mutter unterstützt. Ihr Vater starb, als sie neun war. Aufgewachsen ist die Schauspielerin in der Dominikanischen Republik und im New Yorker Stadtteil Queens. Fragt man, als was sie sich fühle, sagt sie klar: als Latina, aber vor allem als Amerikanerin. Ihren Landsleuten wird oft vorgeworfen, sie seien zu oberflächlich. Zoë entspricht diesem Klischee nicht. Sie interessiert sich für andere Kulturen. Und für das, was in und mit ihrem Land passiert. Manches passt ihr gar nicht – und sie scheut sich auch nicht, das auszusprechen. «Amerika ist das heuchlerischste Land der Welt. Hier leben viele verbohrte Menschen», ereifert sich die Schauspielerin. «Denn in dem Moment, in dem ein Mann mit seiner weiblichen Seite in Berührung kommt, gilt er als schwul. Und eine Frau, die stark ist, wird entweder als Lesbe oder Furie hingestellt. Mit solchen Kategorisierungen habe ich ein riesiges Problem. So was lässt unsere Nation schäbig aussehen.» Hört man sie über ihre nächsten Projekte sprechen, klingt das nach Dauerstress. So soll es nächstes Jahr mit «Avatar» weitergehen. Regisseur und Autor James Cameron brütet im Moment über den Drehbüchern. Geplant ist, Teil 2 und 3 zeitgleich zu drehen und

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«In meinem Kopf trage ich immer Jeans und rülpse zu den unpassendsten Gelegenheiten.»


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dann jeweils an Weihnachten 2014 und 2015 ins Kino zu bringen. «Wer im ersten Abenteuer überlebt hat, wird auch im zweiten Film in irgendeiner Form dabei sein», erklärte der 56-Jährige kürzlich. Ebenfalls in Vorbereitung ist der Thriller «The Words», in dem ein Autor die Arbeit eines Kollegen stiehlt – und einen grossen Preis dafür bezahlen muss. Neben Zoë spielen auch Bradley Cooper («The Hangover») und Dennis Quaid («The Day After Tomorrow») mit.

Neues Abenteuer im Weltraum

© ww w.co

llider.com

Bald anlaufen werden auch die Dreharbeiten zur «Star Trek»-Fortsetzung. Wie fühlt sich das an, mit so vielen vertrauten Gesichtern erneut vor der Kamera zu stehen? «Ich kann wieder in die babyblauen Augen von Chris (Kirk) schauen, Spock küssen und erneut mit J.J. (dem Regisseur) zusammenarbeiten. Das ganze Team, die Autoren und die Crew sind toll. Und während den Zuschauern jeweils der fertige Film gehört, sind es bei mir die Erinnerungen an den Dreh. Die nimmt mir niemand wieder weg und sie sind der schönste Teil des Prozesses.» Klingt, als sei sie restlos zufrieden, wieder an Bord der Enterprise zu gehen. «Wenn da nur nicht dieser hautenge Dress wäre. Um in den reinzupassen, muss ich erst zwei Monate lang im Fitnesscenter schuften…» Wir freuen uns dafür auf das Ergebnis.

Comics für Grosse Filmtipp für Saldana-Fans: Zu Unrecht im Kino untergegangen ist der Actionkracher «The Losers» (2010), in dem sie die mysteriöse Agentin Aisha spielt. Der witzige und zugleich knallharte Streifen basiert auf einer sogenannten «Graphic Novel», einem Bilderbuch für Erwachsene. Zu den bekanntesten Verfilmungen illustrierter Romane gehörten in den letzten Jahren unter anderen «Sin City», «300», «V For Vendetta», «The Crow», «30 Days of Night», «From Hell», «Road to Perdition», «Judge Dredd», «A History Of Violence», «Stardust», «The Spirit» und auch der Film «Watchmen».

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Kopf oder Zahl? Zahlen und ihre Symbolik

«Du musst verstehn! Aus Eins mach Zehn, und Zwei lass gehn und Drei mach gleich - so bist du reich! Verlier die Vier! Aus Fünf und Sechs - so sagt die Hex mach Sieben und Acht: Dann ist's vollbracht. Und Neun ist Eins und Zehn ist keins. Das ist das Hexen-Einmaleins!»

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«Zahlen sind die in der Welt selbst präsente Form der Weisheit Gottes.» Augustinus von Hippo

von Helena Ugrenovic

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n Johann Wolfgang von Goethes «Hexen-Einmaleins» erhalten Zahlen eine weitaus grössere Bedeutung als im Mathematikunterricht, wo die meisten der rauchenden Köpfe davon ausgehen, den Zahlensalat nie mehr im Leben in der Form gebrauchen zu müssen. Doch Zahlen sind mehr als nur Resultate, Statistiken, Formeln und Fakten. Sie sind mystisch und nicht selten unheimlich. Sind Sie ein Zahlenmensch? Oder eher der Sprach- gar Künstlertyp? Zahlenmenschen werden oft als rational, analytisch, logisch denkend und faktenbezogen beschrieben. Manchmal als fantasielos, trocken und nüchtern. Sprach- oder Künstlertypen dagegen scheinen eher emotional gestrickt zu sein, fühlen eine Sprache, vermitteln nicht selten den Eindruck, Herrscher ihres genialen und kreativen Chaos zu sein, in dem bunte Farben mit den abenteuerlichsten Ideen eine paradiesische Gedankenwelt bilden, in der die Fantasie wie kreative Feuerwerke im Sekundentakt explodiert. Jedoch birgt die vermeintlich unschöpferische Welt der Zahlen mehr Geheimnisse und Rätsel, als so mancher denkt. Laut Pythagoras von Samos besteht die Welt aus Zahlenprinzipien und Zahlenverhältnissen, denn nichts sei elementarer als das Zählen. Für ihn ist die Null die vollendete Form und die Monade, das, wovon alles ausgeht und worin alles enthalten ist. Seine Anhänger, die Phytagoreer, betonten den Zusammenhang von Zahl, Musik und Seele, da die Seele die Zahlenharmonie des Körpers bilde und zu diesem gehöre wie die Töne zum Musikinstrument, das sie erzeugt. Der deutsche Philosoph und Schriftsteller Johann Georg Hamann sieht in der Musik den Ursprung der Zahlen

und sagte, Musik sei die älteste Sprache, das leibhafte Urbild allen Zeitmasses und seiner Zahlenverhältnisse. Für Augustinus von Hippo sind Zahlen die in der Welt selbst präsente Form der Weisheit Gottes. Nikolaus von Kues, der berühmte deutsche Philosoph, Theologe und Mathematiker, sieht in der Zahl nichts anderes, als den entfalteten Verstand, denn, können wir uns dem Göttlichen auf keinem anderen Weg als durch Symbole nähern, so werden wir uns am passendsten der mathematischen Symbole bedienen, da diese unzerstörbare Gewissheit besitzen.

Transzendente Welt Die Zahlensymbolik unterscheidet sich von den rein formalen Zahlen in der Mathematik. Der Zahlensymbolik wird die Fähigkeit zugeschrieben, eine Brücke zum transzendenten Bereich zu schlagen. Als sichtbare Zeichen und Chiffren der unsichtbaren Wirklichkeit haben sie eine Mittlerfunktion zwischen unserer Welt des Zeiträumlichen und der Welt des Wesentlichen. Im alten Indien ist die Zahl dem Göttlichen ähnlich und ist der Ursprung aller Dinge und die dem Universum zugrunde liegende Harmonie. In China sind ungerade Zahlen «yang» und damit himmlisch, unwandelbar und glückverheissend, während gerade Zahlen «yin», irdisch, veränderlich und unheilvoll sind. In unserem Alltagsleben steht die Null für nichts, denn, stempeln wir einen Menschen als Null ab, charakterisieren wir ihn negativ. Nicht so in der Kabbala, wo die Null das Unbegrenzte und das grenzenlose Licht verkörpert. Die Null steht auch für das Welten-Ei und als leerer Kreis stellt sie sowohl das Nicht-Sein des Todes als auch die Totalität des Lebens dar. Vor der Eins ist nur die Leere, das Nicht-Sein, der Gedanke, das letzte Mysterium und das unfassbare Absolute.

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Märchenbrunnen «Dornröschen»

Die Pyramide mit dem allsehendem Auge.

Der Film «Number 23».

Märchenhafte Zahlensymbole

23

Seit jeher faszinieren Zahlen wie die drei, sieben, die 13 oder 23 die Menschen und in Märchen werden sie mit einer magischen Bedeutung verknüpft. Entweder sie bringen Glück, oder sie bringen Pech. Im Märchen Aschenputtel bescheren die drei Haselnüsse dem russverschmierten Mädchen Glück und am Ende die Heirat mit dem Prinzen. Wenn alle «Guten Dinge drei sind» ist die Rede von zwei missglückten Versuchen mit der abschliessenden Vollendung beim dritten Mal. Der Dreiklang steht für Vollständigkeit, für Mutter-Vater-Kind, Geburt-Leben-Tod, Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft, Körper-Geist und Seele. In Märchen «Tischlein deck dich» fokussiert sich die Handlung auf die drei Söhne des Schneiders sowie drei magische Gegenstände. Feen, Gnome und der Geist aus der Wunderlampe gewähren immer drei Wünsche.

Seit jeher bieten bestimmte Zahlen Anlass zu Verschwörungstheorien oder zeigen unheimliche Zusammenhänge, die sich interessanter Weise an einem bestimmten Datum, der Summe oder Quersumme daraus zugetragen haben und sich die Frage stellt - Mysterium oder Macht?

Im Märchen «Die sieben Raben» verwandelt der Wunsch des Vaters, seine sieben Söhne mögen zu Raben werden, die Kinder in sieben schwarze Vögel. Die magischen «Siebenmeilenstiefel», deren Zauberkraft dem Träger die Fähigkeit verleiht, sich in kurzer Zeit über weite Entfernungen fort zu bewegen, resultiert tatsächlich aus dem wirklichen Leben. Der reale Hintergrund ist auf den schweren Reitstiefeln der Postillone begründet, weil sie nur alle sieben Meilen den Boden berührten, wenn Postreiter oder Gespanne die Stationen der Pferde wechselten. Der tiefere Ursprung der Zahl dreizehn kann bis zu den Templer zurückverfolgt werden, als diese an einem 13ten des siebten Monats offiziell vom französischen Königshaus unter König Phillip dem Vierten wegen Ketzerei angeklagt wurden und seither die 13 als die Unglückszahl schlechthin gilt. Der Satan persönlich soll seine Hand im Spiel gehabt haben und im Volksmund wird die dreizehn als das «Dutzend des Teufels» dargestellt. So ist es im Märchen «Dornröschen» die dreizehnte und böse Fee, die Leid und Verderben über Dornröschen und das Königreich bringt.

Beim Absturz des Flugs 800 der Trans World Airlines, der am 17. Juli 1996 vom New Yorker Flughafen John F. Kennedy in Richtung Paris Charles de Gaulle führen sollte, explodierte die Bombe in der 23. Reihe. 230 Passagiere kamen kurz nach dem Start um 20:31 Uhr ums Leben. Das Ergebnis zwei geteilt durch drei ergibt 0,666 und ist die Zahl des Teufels.

Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2011 bildete sich ein neuer Hype um die Verschwörungstheorien der Illuminatoren und ihrem Symbol, der Pyramide mit dem Auge. Eine Pyramide hat fünf Ecken und die Zahl fünf ist die Quersumme aus zwei und drei. Die Pyramide mit dem Auge, die auf jedem Ein-Dollarschein zu sehen ist, verleitet dazu, in Amerika die Achse der Illuminatoren zu vermuten, die die Geschichte des Landes und der Welt nach ihrem Belieben steuern und schreiben.

Der schwedische Premierminister Olof Palme wurde exakt um 23:23 Uhr ermordet und der italienische Mafia-Jäger Giovanni Falcone an einem 23sten. Im Jahr 1923 ereigneten sich in China, Iran und Japan drei verschiedene Erdbeben, bei denen immer mehr als 2000 Menschen starben. Die Zahl 23 steht auch für ein Geburtstagsparadoxon, das verblüffend ist. Befinden sich in einem Raum mindestens 23 Personen, ist die Chance, das zwei oder mehrere dieser Personen am selben Tag (ohne Beachtung des Jahrgangs) Geburtstag haben, grösser als 50 Prozent.

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John F. Kennedy

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Das Lincoln-Kennedy-Rätsel

Sie ist unauffällig, nicht so dominant und steht unweigerlich mit 101 süssen, gepunkteten Dalmatinern in Verbindung und man erliegt der Meinung, damit hätte es sich. Weit gefehlt, denn die Zahl 101 ist in zahlreichen Kategorien vertreten. 1852 wurde der »Peak» beziehungsweise «Peak XV» «entdeckt». Zahlreiche Expeditionen versuchten damals den als Mount Everest bekannten und höchsten Berg der Erde erfolglos zu besteigen. 101 Jahre vergingen, bis es Sir Edmund Hillary und seinem Sherpa Tenzing Norgay am 29. Mai 1953 gelang, als Erste den Gipfel mit 8848 Metern zu erklimmen. Der Ursprung von Salutschüssen wird bereits im 17. Jahrhundert vermutet und wird auf eine militärische Tradition der Marine zurückgeführt. Neben der meistbekannten 21 Schüssen, die normalerweise abgefeuert werden, sind es 101 Salutschüsse, die auch heute noch einen männlichen Thronfolger begrüssen.

Sowohl der charismatische John F. Kennedy, der einer begeisterten Deutschen Menge zugerufen hatte, ein Berliner zu sein sowie der Mann mit dem hageren Gesicht mit Spitzbart, der sich all die Jahre hindurch mit Selbststudien und seiner Redegewandtheit zum 16. US-Präsidenten wählen liess, umwehen Geheimnisse und Mythen.

In der Nähe von Genf befindet sich die Schweizer Luxusmarke Jaeger-LeCoultre, die bereits 1833 gegründet wurde und die einige der besten und kreativsten Uhrmacher der Welt beherbergt. Aus dem Hause Jaeger-LeCoultre stammt auch das kleinste mechanische Uhrwerk «Calibre 101», das schon 1929 für Frauen Armbanduhren entwickelt wurde. Die «Calibre 101» besteht aus 98 Einzelteilen, wiegt nicht mal ein Gramm und wird nur noch etwa 50 Mal pro Jahr gefertigt. Und das nur an Vormittagen, da ab der Mittagszeit die Ruhe fehlt, die für diese Präzisionsarbeit notwendig ist.

Was sie beide verbindet, ist nicht nur ihre Ermordung, sondern fast schon unheimlich. Zufall oder ein bisschen Paranormalität? Die Nachnamen beider Präsidenten, Lincoln und Kennedy, enthalten je sieben Buchstaben, davon je dieselbe Anzahl an Vokalen, Konsonanten sowie den Buchstaben «n». Die Namen der beiden Präsidenten-Mörder enthalten exakt 15 Buchstaben. Sowohl Lincoln als auch Kennedy waren die zweitgeborenen Kinder ihrer Eltern. Lincoln wurde 1846 in den Kongress gewählt, Kennedy 1946. 1860 wurde Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt, 1960 fiel die Wahl auf John F. Kennedy. Kennedy fuhr im Moment seiner Ermordung in einem Wagen der Marke «Ford» mit der Typenbezeichnung «Lincoln». Abraham Lincoln wurde im Ford-Theater erschossen. Kennedys Sekretärin trug den Nachnamen Lincoln und hatte versucht, den Präsidenten von seiner verhängnisvollen Fahrt nach Dallas abzuhalten. Beide Präsidenten wurden mit einem Schuss in den Kopf im Beisein ihrer Frauen getötet. Die jeweiligen Mörder der Präsidenten waren Südstaatler und wurden nach der Tat, vor ihren Prozessen, Opfer eines Anschlags. Die Nachfolger beider Präsidenten waren Südstaatler mit den Namen Johnson, die exakt hundert Jahre nacheinander geboren wurden. Lincolns Nachfolger Andrew Johnson im Jahr 1808 und Lyndon B. Johnson, Kennedys Nachfolger, im Jahr 1908.

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Abraham Lincoln

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«Calibre 101» von Jaeger-LeCoultre.


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John Herbert

Dillinger Staatsfeind Nummer 1

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von Helena Ugrenovic

«The Roaring Twenties» in Chicago stehen nicht nur für die Weltwirtschaftskrise, enger geschnallte Gürtel und hoffnungslose Bürger. Während Jazz-Grössen wie Louis Armstrong, Earl Hines oder Jelly Roll Morton die rauchgeschwängerten Nachtclubs zum Kochen bringen, dirigiert der korrupte und intrigante FBI-Direktor J. Edgar Hoover ein ganzes Orchester bestechlicher Polizisten und neu gekrönter Gangstergrössen. In dieser Konstellation begnügt sich John Dillinger nicht mit der Nebenrolle eines zarten Streichers. Gezielt ballert er sich in die Hauptrolle und ist der erste Mann, der vom amerikanischen FBI den Titel «Staatsfeind Nummer 1» erhält.

D

er Mann mit der Kerbe im Kinn, dem schiefen Lächeln und den eiskalten, taxierenden Augen, der in späteren Jahren innerhalb von nur zwölf Monaten die höchsten Sprossen seiner GangsterKarriere erklimmt, wird am 22. Juni 1903 in den späten Abendstunden in der Nähe von Indianapolis geboren. Nicht in ihren schlimmsten Albträumen hätten seine Eltern John und Mollie damals, als sie ihr zweites Kind in den Armen wiegen, gedacht, dass auf ihren Sohn eines Tages das bis anhin höchste Kopfgeld der Moderne – 25 000 Dollar–ausgesetzt würde. Die schuftende Mittelklasse in Oak Hill ackert sich durch lange Tage und wackelige Existenzen. John Dillinger senior sichert mit seinem hart verdienten Geld als Händler ein bescheidenes Einkommen für die kleine Familie, in der Drill und Ordnung herrschen. Die Eltern erziehen ihren Sohn in aller Strenge und bestrafen ihn hart bei Missverhalten. Züchtigung und Disziplin sollen aus John einen verantwortungsbewussten Mann machen, der in der Zeit der nahenden Depression weiss, wem ausschliesslich das Leben gibt – nämlich nur demjenigen, der im Schweisse seines Angesichts so hart arbeitet, bis Blut aus den aufgeschürften Händen und Blasen quillt.

Kurze Idylle Als John drei Jahre alt ist, stirbt Mutter Mollie und die ältere Schwester Audrey übernimmt nach diesem frühen Tod die Mutterpflichten. Entgegen zahlreicher Überlieferungen, John Dillinger sei aufgrund seiner von Herzlosigkeit geprägten Kindheit der Staatsfeind Nummer 1 geworden, ist John ein netter und höflicher Junge, der bekannt dafür ist, anderen Kindern Süssigkeiten zu schenken. Speziell hübschen Mädchen. John ist ein intelligenter junger Mann und arbeitet, nachdem er die Schule verlässt, in einer Maschinenfabrik. Er ist ein guter Arbeiter, doch zunehmend gelangweilt vom eintönigen Alltagsbrei beginnt er damit,

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Johnny Depp in dem Film «Plublic Enemies».

«Ich bin John Dillinger, ich raube Banken aus. Ich mag Baseball, Filme, gute Anzüge, schnelle Autos, Whiskey ... und Dich. Willst Du noch etwas wissen?» Johnny Depp in «Public Enemies»

sich nächtelang herumzutreiben. Die Familie zieht nach Mooresville im Glauben, dass die ländliche Gegend John vom Ärger fernhalten wird. Der Beginn der Depression mit immer mehr sozial geschwächten Familien verleiht der Kriminalität nicht nur einen fruchtbareren Nährboden, sondern erhebt diese auf ein illusorisches Podest. Gangster sind moderne Freibeuter, die der Armut trotzen und sich das nehmen, was sie wollen und von dem die anderen denken, es niemals haben zu können. Diesen Anreiz will sein Vater im Keim ersticken. Überdrüssig vom öden Landleben, vertreibt sich der 17-Jährige die Zeit im Wald beim Jagen und Schiessen auf Eichhörnchen, Kaninchen und Opossums und entdeckt dabei seine Qualitäten als Meisterschütze.

Metamorphose John ist eine tickende Zeitbombe, deren Explosion weder die gesunde Landluft noch ausgedehnte Streifzüge durch die Wälder von Mooresville verhindern können. Während Oliver Macy und seine Frau in der Kirche der Predigt lauschen, debütiert John bei seiner ersten Straftat. Er stiehlt das Auto des Ehepaars, brettert damit nach Indianapolis und verpflichtet sich bei der Navy, um sich der Verhaftung zu entziehen. Als sein Schiff auslaufen soll, erscheint er nicht und wird danach als Deserteur gesucht. Später wird das Verfahren eingestellt und John unehrenhaft aus der Navy entlassen. Zurück in Mooresville, lernt er Beryl Hovious kennen und heiratet sie im April 1924. Das Eheleben ist harmonisch und John erweckt den Anschein, als hätte er sich die kleinkri-

minellen Hörner abgestossen. Er arbeitet in einer Polsterei, tritt der Baseballmannschaft des Städtchens bei und geniesst mit Beryl das Leben. Zur falschen Zeit am falschen Ort und die falsche Person kennengelernt? Oder kitzelt sein Sportkamerad Ed Singleton lediglich das aus John heraus, was schon lange in ihm schlummert? Als Ed ihm eines Tages im Rausch vorschlägt, den Kaufmann des Städtchens, Frank Morgan, zu überfallen, zögert John nicht lange. Der Überfall misslingt und John Dillinger wird zu zehn bis 20 Jahren Knast verurteilt, von denen er neun Jahre seines Lebens im Morgan County Gefängnis absitzt. Da der Staatsanwalt seinem Vater zugesichert hatte, ein geständiger Ersttäter würde mit einer milden Strafe davonkommen, war John ohne Rechtsbeistand vor den Richter getreten. Durch das scharfe Urteil an John gewarnt, organisiert Ed Singleton einen Rechtsbeistand und plädiert vor dem Richter auf «nicht schuldig». Lediglich zwei von den verhängten 14 Jahren sitzt er ein. Dillingers lange Gefängnisstrafe schürt seine Wut und seinen Groll gegenüber der Justiz. Ehrlichkeit versus Lüge. Während Johns Aufrichtigkeit ihm neun Jahre hinter Gittern bescheren, wird Eds Schlauheit mit einer Minimalstrafe belohnt. Das System ist morsch.

Hinter Gittern Die erste Gelegenheit für einen Ausbruch bietet sich John, als er als Zeuge vom County-Gefängnis vor Gericht gebracht wird. Doch wie bereits der Überfall auf den Krämerladen misslingt auch sein Fluchtversuch. Gebeutelt durch die eh schon

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«Gesucht: John Dillinger. Tot oder tot.»

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unfaire Gefängnisstrafe und niedergeschmettert, dass er weiterhin in diesem Loch sitzen muss, wandelt sich Dillinger zu einem rebellischen Gefangenen und verbitterten Mann, der sich gegen alle Vorschriften stemmt und immer wieder wegen Ungehorsams bestraft wird. Die Ära als Staatsfeind Nummer 1 beginnt am 10. Mai 1933, als er endlich freigelassen wird und kurz darauf eine Bank in Bluffton, Ohio, überfällt. Vier Monate später, im September, werden John Dillinger und seine Bande gefasst und landen im Staatsgefängnis von Lima in Ohio. Mit Hilfe von Gewehren, die ihnen in die Zellen geschmuggelt worden waren, gelingt es einem Teil der Bande auszubrechen und dabei einen Wächter zu töten. Jedoch vergessen die entflohenen Häftlinge ihren Kumpel John nicht und kehren am 12. Oktober zurück, um Dillinger zu befreien. Beim Feuergefecht, das der Befreiungstrupp sich mit Wärtern und Ordnungshütern liefert, wird ein weiterer Polizist erschossen. Das FBI, das zu Hilfe gerufen wird, kann in kürzester Zeit anhand der Fingerabdrücke die Täter identifizieren.

Ausbruch Dillinger raubt mit seiner Bande mehrere Banken sowie zwei Waffenlager der Polizei aus und erbeutet mit den Maschinengeweh-

ren, der Munition und kugelsicheren Westen das Arbeitsmaterial für die nächsten Überfälle. Zwei Tage später erschiesst John Hamillton, ein Mitglied der Bande, einen Polizisten in Chicago, und beim nächsten grossen Überfall auf die National Bank von Chicago wird ein weiterer Polizist von einer Kugel tödlich getroffen. Dillinger flüchtet mit seiner Gang nach Florida und von dort nach Tucson. Im Januar 1934 bricht ausgerechnet in dem Hotel ein Feuer aus, in dem sich die Bandenmitglieder Clark und Makley unter falschen Namen versteckt halten. Aufmerksame Feuerwehrmänner haben ihre Gesichter aufgrund von Fahndungsfotos erkannt, sodass die Gangster von der lokalen Polizeibehörde, genauso wie Dillinger und Harry Pierpont, gefasst werden können. Das Staatsgefängnis von Crown Point in Indiana gilt als ausbruchsicher und der Mord am Polizisten in Chicago soll John Dillinger das Genick brechen. Doch am 3. März 1934 gelingt ihm erneut die Flucht und später wird John damit prahlen, dass er die Wachen mit einer aus Holz und Schuhcreme gebastelten Attrappe einer Pistole bedroht habe und sie damit zwang, die Zellentüre zu öffnen. Mit seiner Flucht begeht er einen schwerwiegenden Fehler. Als er das Auto des Sherrifs stiehlt und damit nach Chicago flieht, ahnt er nicht, dass er dabei ist, sein eigenes Grab zu schaufeln. Damit verstösst er gegen das Nationale Kraftfahrzeug-

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Diebstahl-Gesetz, das daraus ein Bundesvergehen macht, da Dillinger mit einem gestohlenen Auto die Grenze eines anderen Bundesstaates passiert.

«Manhattan Melodrama» In Chicago schliesst sich John Dillinger Lester Gillis «Baby Face Nelson», Eddie Green und Tommy Carrol an und die Gang setzt fort, was sie am besten kann – Banken ausrauben und Geld verprassen. Sie plündern und sie töten in immer anderen Städten und J. Edgar Hoover, der berüchtigte FBI-Direktor, verpflichtet Special Agent Samuel A. Cowley, die Ermittlungen gegen Dillinger zu leiten. Amerikas legendärer Verbrecherjäger Edgar Hoover ist intrigant, korrupt, ein Komplize der Mafia-Bosse und aufgrund seiner Homosexualität erpressbar. Die Erschiessung von John Dillinger macht jedoch einen Helden der Nation aus ihm. Das FBI erhält einen Hinweis, wo sich Dillinger versteckt hält, und fährt mit mehreren Autos dorthin. Dillinger gelingt die Flucht. Anna Sage, die eigentlich Anna Cumpãnas heisst, kam 1914 aus dem österreichisch-ungarischen Banat, heute Rumänien, in die Vereinigten Staaten. Sie ist eine Bekannte von Dillingers Freundin Polly Hamilton und sie möchte eine dauerhafte Ein-

bürgerung durch die Einwanderungsbehörde erwirken. Dafür braucht sie Geld. Am 21. Juli 1934 kontaktiert sie das FBI und ist bereit, Dillinger gegen eine gute Bezahlung zu verraten und sich die begehrte Staatsbürgerschaft zu erkaufen. Das FBI geht auf den Deal ein und Anna verrät, mit Dillinger und seiner Freundin Polly am nächsten Tag das Biograph-Kino in Chicago besuchen zu wollen, um den Film «Manhattan Melodrama» zu schauen. Als die «Ménage à trois» am 22. Juli das Kino verlässt, versuchen die FBI-Agenten Dillinger festzunehmen. Als Dillinger die drohende Gefahr wittert, versucht er blitzschnell, seine Waffe zu zücken. Doch die Agenten Charles Winstead, Clarence O. Hurt und Herman E. Hollis sind schneller und geben insgesamt fünf Schüsse ab, von denen drei davon John tödlich verletzen. John Herbert Dillinger, der als kleiner Junge hübschen Mädchen Süssigkeiten schenkte, wird als Staatsfeind Nummer 1 auf dem Friedhof Crown Hill in Indianapolis beigesetzt. Anna Cumpãnas, die so gerne in Amerika geblieben wäre, erhält zwar das ausgesetzte Kopfgeld von 5000 Dollar, wird jedoch danach nach Rumänien abgeschoben.

«Ich will alles und ich will es jetzt» Johnny Depp in «Public Enemies»

Mythen um John Dillinger Die Gerüchte und Mythen, die sich um den Staatsfeind Nummer 1 ranken, sind lang und legendär. Seit 1934 wurde die Geschichte wieder und wieder erzählt und umgeschrieben. Das FBI hat die Top Ten der Mythen aufgestellt. Auf Platz sechs der Liste spielen die Glieder von Dillinger eine grosse Rolle, denen man nachsagt, das FBI hätte Körperteile von Dillingers Leiche als «Souvenir» behalten. Was der Tatsache entspricht, ist, dass der Gerichtsmediziner später zugab, tatsächlich Teile von Dillingers Gehirn entnommen zu haben, um diese zu untersuchen. Platz eins gebührt der Liebe und Romantik. So erzählt die Legende von der ewigen Liebe zwischen Dillinger und Billie Frechette und dass Dillinger ihren Namen gewispert hätte, als er starb. Damalige Augenzeugen sahen zwar, dass sich seine Lippen bewegten, konnten aber die Worte Dillingers nicht hören. Jedoch trug Dillinger einen Ring, in dessen Innenseite «In Liebe, Polly», der Name einer vergangenen Liebesbeziehung, eingraviert war.

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Vor 25 Jahren, am 16. Oktober 1986, bestieg Reinhold Messner den Lhotse. Als erstem Menschen war es ihm damit gelungen, auf den Gipfeln aller vierzehn Achttausender zu stehen.

Reinhold Messner

Der Berg ruft nicht

von Jascha Köhler

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einhold Messner ist ebenso umstritten wie legendär. Geboren wurde der Extrembergsteiger 1944 in Südtirol. Schon als Kind war Messner ein leidenschaftlicher Kletterer. Seine Pubertät habe er, nach eigener Aussage, in die Felswände gesteckt. Allein bis zu seinem 20. Geburtstag führte er über 500 Klettertouren in den Dolomiten durch. Er studierte zwar Vermessungskunde, doch es war nie sein Ziel, einen regulären Beruf auszuüben. Durch seine Leistungen machte Messner früh auf sich aufmerksam. Er nahm 1969 an einer Anden-Expedition teil und wurde im folgenden Jahr, gemeinsam mit seinem Bruder Günther, in den Himalaja eingeladen. Dies sollte einen Wendepunkt in seinem Leben darstellen. Zwar gelang es den Brüdern, den Gipfel des Nanga Parbat über die bis dahin unbestiegene Rupalwand, die höchste und steilste Felswand der Welt, zu erreichen, doch auf dem Rückweg verschlechterte sich das Wetter, und die beiden Männer irrten in der Todeszone umher. Verzweifelt suchten sie nach einer sicheren Route. Am Ende entschieden sie sich für die Diamir-Flanke.

Dort aber kam der inzwischen höhenkrank gewordene Günther in einer Lawine ums Leben, und Reinhold erlitt schwere Erfrierungen, durch die er sieben Zehen verlor.

Auf dem Gipfel der Achttausender Über drei Jahrzehnte wurde Messners Darstellung der Ereignisse beim Abstieg immer wieder von seinen damaligen Expeditionskollegen in Zweifel gezogen. Sie unterstellten ihm, er hätte Günther zurückgelassen, um sich selbst zu retten. Erst als dessen Leiche wirklich dort gefunden wurde, wo Messner sie immer vermutet hatte, stand fest, dass sie den Abstieg tatsächlich gemeinsam unternommen hatten. 1972 gelang Reinhold Messner die Besteigung des Manaslu, seines zweiten Achttausenders. Doch wurde auch diese Expedition vom Tod zweier Teilnehmer überschattet. Nach dieser schrecklichen Erfahrung verlegte sich Messner immer mehr auf Solo-Besteigungen, bei denen er für niemanden ausser sich selbst Verantwortung übernehmen musste. Dabei nutzte er den Alpinstil, der aus den heimischen Dolomiten erfolgreich in den Himalaja importiert wurde. Dabei verzichtet man auf schwere Sauerstoffgeräte und Hochlager am Berg und nähert sich dem Gipfel nur mit einem leichten Rucksack und einem kleinen Zelt. Auf diese Weise erreichte Messner unter anderem 1978 den Gipfel des Mount Everest.

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CULTURE

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CULTURE

Die Nordwand des Mount Everest.

«Das Glück liegt immer hinter dem Horizont.» Auf der Suche nach Grenzerfahrungen Messner suchte sich immer wieder neue Grenzerfahrungen. 1982 bestieg er als erster Bergsteiger überhaupt drei Achttausender in einem Jahr. 1984 gelang ihm, gemeinsam mit Hans Kammerlander, die erste und bis heute einzige Doppelüberschreitung zweier Achttausender hintereinander, also ohne zwischendurch ins Basislager abzusteigen. Insgesamt waren sie dabei acht Tage und sieben Nächte völlig allein und ohne Unterstützung am Gasherbrum II und dem Hidden Peak unterwegs. Nach seinen Gefühlen befragt, antwortete ein deutlich gezeichneter Kammerlander nach seiner Rückkehr: «Wenn man so etwas häufiger macht, sollte man vorher sein Testament schreiben.» Seinen vierzehnten und letzten Achttausender, den Lhotse, bestieg Messner 1986. Danach wandte er sich neuen Herausforderungen zu, durchquerte zu Fuss Osttibet, Bhutan, Grönland, die Antarktis und die Wüste Gobi.

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CULTURE

«Wenn ein Mensch das Recht hat, in einer Stadt zu wohnen, hat er auch das Recht, zum Südpol zu laufen ...» Reinhold Messner

Nur vor einem Berg machte Messner Halt: dem Kailash, der für die Tibeter heilig ist. Ihnen ist die Besteigung des Berges aus religiösen Gründen verboten. Wer den Gipfel erreicht, so heisst es, der reise mit Lichtgeschwindigkeit auf den Strahlen des Mondes. Zwar hatte Messner bereits die Genehmigung der Chinesen, doch brach er sein Vorhaben ab, als er die tibetischen Pilger am Fuss des Berges sah, die diesen im Uhrzeigersinn umrunden, um sich dadurch zu reinigen. Er hätte den nicht einmal 7000 Meter hohen Berg sicherlich erfolgreich besteigen können, doch er wollte die Menschen nicht verletzen. Der Stil des Bergsteigens und die Wahl der Route waren Messner immer wichtiger als das blosse Erreichen eines Gipfels. Ein Suchender, ein Romantiker ist er aber immer geblieben. So sagte er einmal in einem Interview: «Das Glück liegt immer hinter dem Horizont.»

Perfektes Marketing Besonders seine starke Selbstvermarktung, durch die er häufig im Alleingang die Finanzierung seiner Expeditionen stemmte, brachte ihm viel Kritik ein. Auch eckte er immer wieder durch seine Aussagen zum Bergsteigen bei Kollegen an – Luis Trenker beispielsweise hat er einmal schroff mit dem Satz «Ich habe den Berg noch nie rufen hören» abgekanzelt. Seine Südtiroler Landsleute brachte er gegen sich auf, als er sich weigerte, auf dem Mount Everest ihre Landesfahne aufzustellen. Lieber hisste er dort sein Taschentuch: «Das ist meine Fahne. Ich bin mir meine eigene Heimat.» Seit den 1980er Jahren engagiert sich Messner für den Umweltschutz und die Bewahrung der Berg-

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CULTURE

welt. Ab 1999 sass er für die Grünen für fünf Jahre im Europäischen Parlament, blieb dort aber, wie er selbst zugibt, ein völliger Aussenseiter und Hinterbänkler. Als seinen 15. Achttausender bezeichnet Messner sein «Mountain Museum», das aus fünf Häusern besteht, die jeweils verschiedene Aspekte des Alpinismus und des Lebens der Bergvölker in aller Welt beleuchten. Ausserdem unterhält er einen Bergbauernhof mit Restaurant und züchtet Yaks. Messner wollte immer da sein, wo er gerade nicht war. Nun scheint er endlich zur Ruhe gekommen. Er sagt über sich selbst: «Im Grunde meines Herzens bin ich Bergbauer.» Besonders ärgert ihn der rücksichtslose Umgang vieler Touristen mit der Bergwelt. Er beklagt, dass es mittlerweile Reiseveranstalter gibt, die Touren auf den Mount Everest für jedermann anbieten. Vom Basislager bis zum Gipfel wird dort eine Infrastruktur mit Trampelpfaden angelegt, die es auch wenig geübten Bergsteigern ermöglicht, den höchsten Berg der Welt zu erklimmen. «Sie sind oben und es ist kalt, aber das Prinzip Abgrund haben sie nicht.» Dies sei nicht mehr der Berg, auf den er damals geklettert sei; es finde eine Entzauberung statt. In seinem Bergmuseum hat Messner 100 Kilo Müll ausgestellt, die er auf dem verdreckten und ausverkauften Mount Everest aufsammeln liess. Sich selbst verstand er immer als Künstler, der am Berg, wie ein Maler auf der Leinwand, Linien zeichnet, welche er hochklettern will. Maler und Bergsteiger hätten den gleichen Blick, nur arbeite der Kletterer nicht mit dem Pinsel, sondern mit seiner Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit. Fertig ist das «Gemälde», wenn man zurückkehrt ins Tal und hinaufschaut in die Wand, die sich durch die Bezwingung verändert habe. «Es zieht sich eine Linie hin-

durch, wenngleich unsichtbar», so Messner. «Diese Linie existiert nur im Kopf des Kletterers. In der Wand bleibt im Idealfall nichts, aber dieses Nichts ist ein Kunstwerk.» Mit allzu idealisierten Vorstellungen vom Bergsteigen kann er dennoch nichts anfangen: «Die Kehle ist geschwollen, man hat Kopfweh, man hat Angst. Das Gipfelglück ist nur ein Wunsch der Untengebliebenen.»

Gefälschte Ausweise Die FAZ schrieb einmal über Messner, er sei «das Ende der Ironie». Und doch musste er in der amerikanischen Provinz in den 1980ern für einen Scherz herhalten. Dort waren nämlich gefälschte Ausweise im Umlauf, die ihren Träger als volljährigen «Reinhold Messner» auswiesen. «Die letzte Hoffnung des Alpinismus» half den Jugendlichen so dabei, sich am Wochenende heimlich Bier zu kaufen. Dass es einen echten Reinhold Messner gibt, wussten die Teenager nicht; sie dachten, es wäre ein Fantasiename. An diese Jugenderinnerung dachte die Alternative-Rock-Band Ben Folds Five, als sie 1999 ihr letztes Album «The Unauthorized Biography of Reinhold Messner» nannte. In den beiliegenden Liner Notes dankten sie Messner, der (anders als bei den Ausweisen) diesmal zuvor um Erlaubnis gefragt wurde, für sein Verständnis und seine Kooperation. Es heisst, Messner hätte die Band später noch kontaktiert, um sie wissen zu lassen, wie sehr er sich über die Hommage gefreut habe.

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KOLUMNE

DIE LETZTEN ZWANZIG PROZENT

von Nubya

V

or einem Jahr habe ich mit der Arbeit an mei-

der Produktion. In dieser Phase, vor und während der Aufnah-

ner neuen CD begonnen, welche diese Woche

men, schreibe ich alles auf, was mich beschäftigt, und sammle

fertig geworden ist. In den letzten zwölf Mo-

es, damit genügend Material zur Verfügung steht, wenn es

naten habe ich dadurch unglaublich viel ge-

ans Texten geht. Denn oft ist im Moment, in dem man sich

lernt. Nicht nur über die Produktion einer CD,

hinsetzen und schreiben sollte, der Kopf leer, und durch den

sondern vor allem auch über die Kunst, mit der vorgegebe-

Druck, etwas abliefern zu müssen, stockt die Kreativität.

nen Zeit umzugehen. Die Arbeit eines musikalischen Produzenten hat sehr viele Bei den letzten CDs hatte ich einen Künstlervertrag mit ei-

Gesichter. In meinem Fall ist er derjenige, der die meisten der

nem Label, also einer Plattenfirma, und diese hat sich um

Lieder geschrieben, die Instrumente teilweise selbst einge-

das Festsetzen der Deadlines gekümmert und auch das

spielt, die Studiomusiker gebucht und die Aufnahmen koor-

benötigte Budget bereitgestellt. Diese Investition wurde

diniert hat. Auch die Gesangsaufnahmen haben wir in seinem

dann mit den Verkäufen verrechnet, und als Künstlerin be-

Studio gemacht. Im letzten Schritt hat er die Lieder gemischt

gann ich ab dem Moment zu verdienen, in dem das Album

und ihnen damit ihren endgültigen Charakter gegeben. Bei

Gewinn abwarf. Falls jedoch eine CD den gewünschten

diesem Prozess werden die Lautstärkenverhältnisse der Inst-

Erfolg nicht erreicht hätte, hätte die Plattenfirma das volle

rumente und Stimmen festgesetzt –dabei kann ein Lied einen

Risiko getragen.

neuen Charakter bekommen. Deshalb ist das Mischen essentiell für den Klang und den Erfolg eines Liedes.

In der heutigen Zeit, wo die Musikindustrie durch Gratisdownloads immer mehr an Boden verliert, ist es den Labels kaum

Wir hatten ursprünglich mit sechs Monaten Arbeit an dem

mehr möglich, einen Künstler langfristig aufzubauen und in ei-

Projekt gerechnet, schlussendlich sind daraus zwölf Monate

nen Interpreten das Geld zu investieren, das notwendig wäre.

geworden. Einerseits brauchte ich mehr Zeit, um die Texte

Deshalb habe ich mich dieses Mal selbst um die Finanzie-

zu schreiben, andererseits hatte ich es zu Beginn versäumt,

rung und die Organisation gekümmert. Nur so hatte ich die

Fristen zu setzen.

notwendigen Mittel zur Verfügung, um eine gute Produktion zu bekommen. Es ist auch dem Einsatz all derer, die daran

Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass das Festlegen von Zeit-

mitgearbeitet haben, zu verdanken. Denn die Herstellung ei-

fenstern ein wichtiger Bestandteil jeder Arbeit ist und wenn

ner CD ist so etwas wie eine kleine Firma auf Zeit, die nur mit

keine äusseren Deadlines vorhanden sind, innere gesetzt

einem guten Team funktioniert.

werden müssen.

Es gibt verschiedene Wege, einen Tonträger zu produzieren,

Der Mensch arbeitet unter Druck oft am besten und man sagt,

und für dieses Album habe ich folgende Vorgehensweise ge-

dass die ersten achtzig Prozent einer Aufgabe schnell erledigt

wählt: Nachdem das Budget bereitstand, haben mein Produ-

sind, während die letzten zwanzig Prozent die meiste Zeit in

zent und ich besprochen, welche musikalische und inhaltliche

Anspruch nehmen. Und in diesen zwanzig Prozent kann man

Richtung wir mit der CD einschlagen möchten, und die Fahrt-

sich schnell verlieren. Denn die grosse Kunst ist es, zu erken-

richtung festgelegt. Jedes meiner Alben ist eine Momentauf-

nen, wann die Schleifarbeit nichts mehr bringt und ein Projekt

nahme. Es widerspiegelt meine Gedanken während der Zeit

abgeschlossen werden kann.

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Donner VOGEL

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Der neue Lamborghini Aventador

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«Wahrscheinlich werden hier fast gleich viele Handyfotos geknipst wie vor dem Trevi-Brunnen.»

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Text und Fotos: Stephan Gubler

Lamborghinis sind extrem. Extrem schön, extrem schnell und extrem rar. Ein komplett neues Modell gibts nur etwa alle fünf Jahre. PRESTIGE durfte bei der Fahrvorstellung des neuen Aventador dabei sein und dem jüngsten Kampfstier so richtig auf den Zahn fühlen.

ie Präsentation eines neuen Lamborghini ist nicht einfach eine weitere Autovorstellung. Wenn die italienische Supersportwagen-Marke einlädt, ist es zuerst einmal schon ein grosses Privileg, zu den Gästen zu gehören. PRESTIGE gehört zu den Glücklichen und darf drei Tage im Zeichen des Wilden Stiers verbringen. Schon bei der Ankunft im «Westin Excelsior» in Rom steht in der Einfahrt ein eingezäunter Aventador. Die vorbeigehenden Hotelgäste und Passanten bleiben ehrfürchtig vor dem Fahrzeug stehen. Wahrscheinlich werden hier fast gleich viele Handyfotos geknipst wie vor dem Trevi-Brunnen. Nach einem Luxusdinner folgt am nächsten Tag schon die erste Überraschung. Ein metallicschwarz lackierter Reisebus mit riesigem Lamborghini-Wappen wartet auf uns. Wir steigen ein und merken erst beim Wegfahren, dass wir eine Polizeieskorte bestehend aus einem Lamborghini Gallardo der Polizia und zwei Motorrädern haben. Diese räumt auf dem Weg zur Rennstrecke von Vallelunga mit Blaulicht und Sirenen die Strassen frei. Unglaublich, so etwas gibts nur in Italien und nur, weil der Lambo-Presidente sehr gute Freunde in Roma hat.

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«Inspiration für das futuristische Design sind nicht etwa die so oft erwähnten Kampfflugzeuge, sondern Insekten und ScienceFiction- Filme.»

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«Der erste Druck auf den Starterknopf ist magisch.»

Auf der Piste angekommen, warten hochglanzpolierte Aventadors und eine Heerschar Lamborghini-Mitarbeiter auf uns. Zuerst gehts zur Pressekonferenz, welche mit einer Überraschung versüsst wird. Endlich sehen wir einmal, wer verantwortlich für das Design im Centro Stile ist. Filippo Perini zeichnet in atemberaubender Geschwindigkeit einen Aventador und erklärt Form und Funktion der wichtigsten Stilelemente. Inspiration für das futuristische Design sind nicht etwa die so oft erwähnten Kampfflugzeuge, sondern Insekten und Science-Fiction- Filme. Nur der Starterknopf, welcher durch eine feuerrote Klappe entsichert werden muss, ist ganz klar Marke Fighterjet. Wie die bestinszenierte Aufführung im Colosseum öffnet sich nach der Konferenz ein grosses Tor. Ohrenbetäubender Lärm macht sich breit. Die Aventador-Meute erwacht zum Leben und macht sich auf die Warm-up-Runde, bevor sie den erfahrungshungrigen Journalisten übergeben wird. Wer es einmal geschafft hat, ohne Kopfanschlagen an den Scherentüren vorbei ins Cockpit zu gelangen, fühlt sich auf Anhieb wohl. Auffallend ist nicht nur die völlig neu gestaltete Mittelkonsole. Ebenso ein Eyecatcher sind die ganzen Instrumente. Addio alte Analoguhren, buongiorno TFT-LCD-Display. Sämtliche Angaben werden digital auf einem Flüssigkristall-Bildschirm angezeigt.

Im Mittelpunkt steht, wie es sich für einen Sportwagen gehört, ein riesiger Drehzahlmesser. Es bleibt kaum Zeit, alle Schalter und Knöpfe zu studieren. Schon kommt das Kommando: «Andiamo!» Ja, Zeit, um zu fahren. Der erste Druck auf den Starterknopf ist magisch. Nur wenige Zentimeter hinter dem Rücken erwacht der Zwölfzylinder mit einem Urschrei zum Leben. Kurze Zeit danach beruhigt sich dieser aber und gibt erstaunlich zivile Töne von sich. Schön zu wissen, dass man mit dem Aventador auch durch ein Dorf fahren kann, ohne dass gleich alle Einwohner aus dem Schlaf gerissen werden. Aber wir fahren jetzt nicht durch Dörfer, sondern zur Boxengasse raus auf die Rennstrecke. Spielerisch leicht lassen sich die sieben Gänge einlegen. Drei Modi stehen zur Verfügung. Strada, Sport und Corsa. In Letzterem werden die Übersetzungen in brutalen 50 Millisekunden gewechselt, dass einem das Getriebe schon fast Leid tut. Bei Lamborghini beteuert man, dass die Kunden kein nichtspürbares Doppelkupplungs-Erlebnis wollen, sondern das echte Hauruck- Feeling. Uns gefällt der etwas zahmere Sport-Modus, welcher immer noch schnell genug und weitaus bandscheibenschonender von stattengeht. Die erste Runde absolvieren wir in relativ gemächlichem Tempo, um die Streckenführung zu studieren. Dann gehts los.

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«Hilfe, 700 PS auf nasser Piste! Kann das gut gehen?»

Testfahrer Mario Fasanetto gibt das Tempo vor. Und das ist nicht ohne. Der Aventador und sein Torrero fühlen sich immer wohler. Es braucht keinen Bodybuilder, um das schöne Biest zu zähmen. Im Gegenteil. Filigrane Lenkarbeit ist gefragt, um die technisch anspruchsvollen Kurven möglichst schnell zu durchfahren. Power ist in jeder Drehzahl-Lage genügend da. Riesige Carbon-Keramik- Bremsen verzögern so brachial, dass der Bremspunkt Runde für Runde weiter nach vorne gerückt wird. Das komplett aus Kohlefaser gefertigte Chassis ist nicht nur eine technische Revolution. Wer es neben einem Gitterrohrrahmen des Vorgängers Murciélago sieht, darf gerne den Vergleich zwischen einem römischen Pferdewagen und einem Formel 1 Wagen anstellen. Und dementsprechend fühlt sich der Supersportler auch an wie ein Rennfahrzeug. Extrem verwindungssteif und dank Pushrod-Aufhängung, welche ebenfalls von der Königsklasse des Rennsports stammt, mit einem messerscharf präzisen Handling.

Plötzlich ein Blitz und ein lauter Knall. Hat sich etwa das erste Aventador-Aggregat verabschiedet? Nein, Mutter Natur will es, dass inmitten des römischen Frühsommers ein Gewitter ausbricht. Es beginnt zu regnen. Hilfe, 700 PS auf nasser Piste! Kann das gut gehen? Die riesigen, auf 20-Zoll-Felgen montierten 335er Pirellis sorgen für eine Gischt, dass die Scheibenwischer auch im schnellsten Galopp kaum nachkommen. Donnerwetter! Der Aventador fährt auch im Gewittersturm wie auf Schienen. Unglaublich ist vor allem, wie zivilisiert er aus engen Kurven herausbeschleunigt. Da wirkt die Haldex-Kupplung des Vierrad-Antriebs Wunder. Sie verteilt die Antriebskraft um ein Vielfaches schneller als beim alten System. Das Regentraining macht so viel Spass, dass wir gar nicht mehr aufhören möchten. Doch leider ist dieser Tag viel zu schnell zu Ende. Als kleine Erinnerung gibt es eine Lambo-Mütze und ein Modell im Massstab 1:43 zum Weiterträumen. Immerhin, der Traum wurde einen Tag lang wahr!

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Einer f端r alle Der Porsche Panamera 164


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Äusserlich sehen alle Porsche-PanameraModelle praktisch gleich aus. Der grosse Unterschied ist unter der Motorhaube angesiedelt. PRESTIGE hat die neuesten drei Motorisierungen auf Herz und Nieren getestet.

Text und Fotos: Stephan Gubler

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iedersehen mit einem alten Freund. So könnte man es beschreiben, wenn wieder einmal ein Test mit einem Porsche Panamera ins Haus steht. Wir mochten den kleinen V6 und liebten den Turbo. Nun steht ein nigelnagelneuer Panamera Turbo S da und wartet auf den ersten Proberitt. Wie wenn die 500 Turbo-Pferdestärken nicht genug wären, haben die Techniker für den Turbo S noch einmal 50 zusätzliche aus dem 4,8-Liter-Motor herausgekitzelt. Damit erreicht der Zweitonner eine Spitzengeschwindigkeit von 306 Kilometern pro Stunde. Für den Sprint von null auf zweihundert benötigt er mit 12,9 Sekunden gerade mal eine Sekunde mehr als der Supersportler Carrera GT. Diese Werte können wir leider nicht überprüfen, denn unsere Fahrt führt über Schweizer Autobahnen nach Italien. Geht man bei Tempo 120 behutsam mit dem Gaspedal um, liegt der Verbrauch bei 8 Liter Superplus. Das ist erstaunlich für einen solch potenten Motor. Ebenso erstaunlich sind die Dimensionen des Panameras. Diese werden uns auf den engen Strässchen am Lago Maggiore bewusst. Entgegenkommende Lastwagen, Busse und Wohnwagen zwingen zum konstanten Einfädeln unter Zuhilfenahme der Seitenspiegel. Nur keine Kratzer machen in die lackierten Felgen! Der Panamera ist zwar flacher, dafür gleich breit und sogar länger als ein Cayenne. Damit hat er die gleichen Handicaps. Parkplätze sind fast immer zu schmal und Parkhäuser zu verwinkelt. Dafür passt auch mal ein Rennrad in den Kofferraum, ohne dass die Räder abmontiert werden müssen.

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«Ganz lautlos, ganz komisch, aber irgendwie magisch und schön.»

Ab in die Heimat Am zweiten Tag geht es dann mit dem Turbo S nach Deutschland. Freude herrscht! Kaum sind wir auf der deutschen Autobahn, gibts kein Halten mehr. Endlich müssen wir das Gaspedal nicht mehr streicheln, sondern dürfen es bis zum Anschlag treten. Das Auto geht ab und lässt einfach alle und alles stehen. Es scheint, als werde ein Film zu schnell abgespielt. Der Fahrer kann sich nur noch darauf konzentrieren, wo er hinzielen will. Potenzielle Gegner sind nur langsam fahrende Autos, die zum Überholen eines noch langsameren Autos ansetzen. Bei Tempi jenseits von 250 wird der Bremsweg richtig lang. Kaum hat der Spass angefangen, stehen wir schon in Zuffenhausen. Da ist zwar die Heimat von Porsche, nicht aber das Werk, wo die Panameras produziert werden. Diese entstehen wie auch der Cayenne in Leipzig. Der nächste Testwagen steht schon bereit. Es darf diesmal der Panamera S Hybrid sein. Schlüssel rein, umdrehen, nichts geht. Kurz bevor wir einen nichtfunktionierenden Testwagen reklamieren, sehen wir auf dem Display, dass das Auto ja läuft. Ein behutsamer Tritt aufs Gaspedal und schon fährt das Auto los. Ganz lautlos, ganz komisch, aber irgendwie magisch und schön. An der ersten Ampel reichen die 47 PS des Elektro-Motors schon nicht mehr und die 333 Benziner-Pferde müssen zu Hilfe kommen. Auf der Autobahn schaffen wir nun 8 Liter Verbrauch bei Tempo 230. Toll, ein Schritt in die richtige Richtung. Schnell fahren ist schön, elektrisch fahren noch schöner. So entwickelt man im Hybrid einen völlig neuen Sportsgeist. Die Herausforderung liegt auf einmal darin, möglichst viel zu segeln. So nennt Porsche das Fahren ohne Benzinmotor. Ist die Batterie geladen, kann das Gaspedal bis Tempo 165 gelupft und gesegelt werden. Übrigens: Wussten Sie, dass nicht die Japaner, sondern Porsche das Hybrid-Auto erfunden hat? Ferdinand Porsche konstruierte bereits 1900 für die Wiener k.u.k. Hofwagenfabrik Ludwig Lohner & Co. den Lohner Porsche «Semper Vivus». Dieser besass zwei Verbrennungsmotoren sowie elektrische Radnabenmotoren und konnte in einer Batterie Energie zwischenspeichern.

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«Porsche-Sound von einem Diesel? Ja, das gibts.»

Diesel-Time Im malerischen Zweiflingen ist Schluss mit Hybridfahren. Dort findet die Fahrvorstellung des Panamera Diesel statt. Im Roadbook steht eine rund zweistündige Route. Also nichts wie rein in den Selbstzünder. Beim Drehen des Zündschlüssels kommen wieder Zweifel auf. Haben die uns ein falsches Auto gegeben? Da nagelt ja gar nichts. Der tönt eher wie ein 911er. Porsche-Sound von einem Diesel? Ja, das gibts. Dafür haben die findigen Ingenieure eine extra Auspuffanlage geschaffen, um dem von Audi stammenden Motor Porsche-Gene einzuhauchen. Doch reichen die 250 PS aus dem Sechszylinder-Dreiliter-Aggregat, um den Panamera Diesel Porsche-like bewegen zu können? Zu unserer Überraschung geht das Auto ab, wie wenn zwei Motoren unter der Haube wären. Kein Wunder, denn 550 Newtonmeter maximales Drehmoment sind sogar 50 mehr als im 400 PS starken Panamera S. Noch beeindruckender als die Fahrleistungen ist das Spar-Potential. Trotz sehr forscher Gangart schaffen wir es nicht, mehr als sechs Liter auf 100 Kilometer zu verbrauchen. Mit einer Tankfüllung sind bis zu 1200 Kilometer möglich. So wäre ein Nonstop-Trip von Berlin nach Bologna möglich. Das wäre auch für die Insassen kein grosses Problem. An diesem wunderschönen Dreifach-PanameraTag sass der Autor nicht weniger als neun Stunden hinter dem Steuer und durfte einmal mehr zum Fazit gelangen, dass dieser Porsche den ultimativen Reise-Granturismo darstellt.

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Prinz Max zu Schaumburg-Lippe

Ein Prinz gibt Vollgas 170


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Text: Yvonne Beck, Fotos: Michael H. Sinn

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er Formula BMW Talent Cup gilt als Einsteigerklasse des Formel-Rennsports. Nach Absolvierung des Formula BMW Talent Cup steht den jungen Piloten meist ein Aufstieg in die Formel 3 oder vergleichbare Serien bevor. Nico Rosberg, Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg entstammen dieser Talentschmiede. Nun hat auch Prinz Max zu Schaumburg-Lippe den Sprung vom Schweizer Kartmeister auf die internationalen Rennstrecken im Formel-Auto geschafft. Ein bisschen stolz kann er darauf sein, denn er ist einer der jüngsten von 13 Rennfahrern, die nun von BMW gefördert und auf Formel-1-Kurs gebracht werden. Mit seiner Mutter Karin zu Schaumburg-Lippe und seiner Schwester Catharina lebt der vierzehnjährige Prinz am beschaulichen Ägerisee. Doch alles andere als beschaulich sind die Zukunftspläne des jungen Renntalentes. Die Formel 1 will er anstreben und er ist auf dem besten Weg dorthin. Ein grosses Talent und jede Menge Ehrgeiz versprechen eine grosse Rennfahrerkarriere. Das erkannte auch BMW und holte ihn unter seine Fittiche. Mit bis zu 200 Stundenkilometern rast der junge Prinz nun über die Rennstrecken der Welt und will es an die Spitze des Formel-1-Sportes schaffen. Bis dahin ist es noch ein langer und steiniger Weg, aber die Erfolge des Prinzen versprechen eine erfolgreiche Laufbahn. PRESTIGE traf sich mit dem schnellen Prinzen und sprach mit ihm über seine Rennfahrerträume, Vorbilder und sein straffes Trainingsprogramm.

Prinz Max zu Schaumburg-Lippe gilt als eines der grössten Talente des Motorsports. Und fährt nun wie einst Sebastian Vettel als Rennfahrer im Formula BMW Talent Cup.

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«Nachdem man das erste Mal gefahren ist, will man immer wieder fahren. Es ist wie eine Sucht.»

Prestige: Mit 14 Jahren hast Du schon einige Erfolge im Rennsport vorzuweisen. Seit wann bist Du im Motorsport aktiv? Prinz Max zu Schaumburg-Lippe: Seit 2008. Der Rennsport ist keine alltägliche Freizeitgestaltung. Wie bist Du dazu gekommen? Aus Interesse an einem neuen Hobby bin ich mit einem Rennkart gefahren. Das hat mir so gut gefallen, dass ich im Jahr darauf sofort Rennen fuhr.

Was ist der besondere Reiz am Motorsport? Nachdem man das erste Mal gefahren ist, will man immer wieder fahren. Es ist wie eine Sucht.

Was war bisher Deine Höchstgeschwindigkeit? Circa 200 Stundenkilometer.

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DER NEUE RANGE ROVER EVOQUE

THE POWER OF PRESENCE Machen Sie sich auf einen unvergesslichen Auftritt gefasst. Der kompakteste, leichteste und effizienteste Range Rover aller Zeiten fährt vor und gibt gleich von Anfang an den Ton an, als 3-Türer Coupé oder als praktischer 5-Türer. Unverkennbar im Design und nur gerade 435 cm lang, ist der neue Range Rover Evoque äusserst agil und gleichzeitig im luxuriösen Innenraum überraschend geräumig. Mehr Informationen auf www.landrover.ch oder bei Ihrem Land Rover-/Range Rover-Partner.

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Nachdem Du Schweizer Kartmeister warst, fährst Du nun im Formula BMW Talent Cup . Eine recht steile Karriere. Worin liegen Deine Stärken?

Woher kommt Dein Spitzname «Prinz Sause»? Prinz Sause ist der Spitzname meines Vorfahren, der genauso hiess wie ich. Ich mag es aber nicht, wenn man mich «Prinz Sause» nennt.

Ich bin sehr ehrgeizig, kann mich gut konzentrieren und kann gelernte Sachen schnell umsetzen.

Was für ein Gefühl war es, als Du das erste Mal in einem FormelAuto über die Rennstrecke fahren durftest? Und wo liegt der Unterschied zum Go-Kart?

Hast Du im Rennsport Vorbilder? Ja, mein grosses Vorbild ist Sebastian Vettel.

Ich finde es toll, dass Vettel trotz seiner grossen Erfolge immer am Boden bleibt. Er ist nicht nur schnell, sondern auch sehr sympathisch.

Es war ein unglaublich tolles Gefühl. Ich habe mich so gefreut, dass ich den Sprung vom Kart ins Auto geschafft habe. Der Unterschied zum Kart ist doch sehr gross. Es ist was ganz anderes, nur dass man mit der Geschwindigkeit schon umgehen kann.

Du fährst ja wie einst Vettel als einer der Jüngsten im Formula BMW Talent Cup. Ist man da nicht mächtig stolz drauf?

Hat Deine Mutter nicht ein wenig Angst um Dich? Es gibt ja schliesslich bedeutend ungefährlichere Hobbies.

Doch, ich bin wirklich stolz, dass ich mit 14 Jahren schon im Formula BMW Talent Cup fahren kann.

Sie hat schon Angst um mich, vielleicht sogar mehr, als sie zugibt. Aber sie ist auch der Meinung, dass im Leben immer etwas passieren kann.

Kannst Du Dir von ihm etwas abschauen? Und wenn ja, was?

Denkst Du, Dein Prinzen-Titel hat Dir dabei geholfen, oder ist dieser eher hinderlich?

Es gibt auch erheblich preiswertere Hobbies. Wie finanziert man das Formelfahren?

Der Prinzen-Titel macht mich nicht schneller, also glaube ich nicht, dass er mir hilft. Hinderlich ist er aber auch nicht.

Einzig und allein mit der Unterstützung von Sponsoren.

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Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben des Max zu Schaumburg-Lippe aus? Was für ein Trainingsprogramm absolvierst Du?

Wo siehst Du Dich in fünf/zehn Jahren? In zehn Jahren hoffe ich, dass ich den Sprung in die Formel 1 geschafft habe und dort Weltmeister werde.

Morgens stehe ich relativ früh auf und gehe zur Schule. Wenn ich am Nachmittag von der Schule zurück bin, mache ich Sport. Dank meinem Trainer habe ich ein spezielles Fitnessprogramm, welches mich im Rennsport optimal unterstützt. Danach mache ich meine Hausaufgaben und gehe dann meistens schlafen. Wenn ich noch etwas Zeit habe, schaue ich fern.

Und was wirst Du machen, wenn es nichts wird mit der Formel-1-Karriere? Anderer Berufswunsch? Da ich neben dem Rennsport meine Matura mache, habe ich viele Möglichkeiten, wenn es nicht klappt. Aber ich könnte mir gut vorstellen, im Rennzirkus zu bleiben. Am liebsten wäre mir natürlich, dass ich immer Rennen fahre.

Was macht Deiner Meinung nach einen guten Rennfahrer aus?

Welches Formel-1-Team gefällt Dir am besten?

Ein guter Rennfahrer muss physisch und mental fit sein. Natürlich gehören auch Ehrgeiz und Talent dazu.

Red Bull Racing. Im Vergleich zu anderen Teams sind sie noch nicht sehr lange dabei, sind aber schon ein perfektes Team.

«In zehn Jahren hoffe ich, dass ich den Sprung in die Formel 1 geschafft habe.»

Sind Männer die besseren Autofahrer? Das kann ich schlecht beurteilen, da ich selber noch kein Strassenauto fahre. Auf jeden Fall gab es bis jetzt noch keine Formel-1Fahrerinnen. Was das wohl zu bedeuten hat ... (lacht).

Was ist wichtiger: der Fahrer oder gutes Material?

Motorsport ist für Dich in drei Worten?

Ich bin der Meinung, beides muss stimmen, um zu gewinnen.

Action, Adrenalin und Konzentration.

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Kleiner

Tempo

Macher

Der KTM X-Bow Der KTM X-Bow ist ein reinrassiges Rennfahrzeug f체r die Strasse. Doch wie f채hrt es sich 체ber lange Strecken? PRESTIGE fuhr mit dem Exoten ans 24-Stunden-Rennen von Spa Francorchamps.

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Text und Fotos: Stephan Gubler

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ennen Sie Kronreif und Trunkenpolz aus Mattighofen? Wahrscheinlich eher nicht. Aber schon viel eher kennen Sie KTM. Die machen doch Motocross-Motorräder, welche durch ihre unverwechselbare orange-schwarze Lackierung Kultstatus erlangt haben. Genau diese österreichische Marke stellte vor vier Jahren am Genfer Autosalon ein Fahrzeug der anderen Art vor. Der X-Bow, sprich Crossbow, zu Deutsch Armbrust, verblüffte die Besucher und fand derart viele Interessenten, dass er im Sommer 2008 gebaut wurde. Das Chassis, welches komplett aus Kohlefaser ist, wird beim italienischen Formel-Fahrzeug-Hersteller Dallara gebaut. Den Vierzylinder-Zweiliter-Turbo-Motor liefert Audi, und zusammengebaut wird das Ganze in Graz. So viel zur Geschichte. Nun zur Gegenwart. Zusammen mit Ex-Formel1-Powerboat-Pilot und Motorradjournalist Emanuel Elsa hole ich das Fahrzeug bei KTM Schweiz ab. Schon vor dem Gebäude bekommen wir einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns bevorstehen wird. Staunende Menschen. Wie aus dem Nichts stehen auf einmal Männer, Frauen und Kinder um den X-Bow. Nachdem alle Zuschauerfragen beantwortet sind, gehts auf die 600 Kilometer lange Reise nach Belgien. Beim ersten Stopp an der Tankstelle schaffen wir es fast nicht mehr weg. Nein, an der Maschine ist alles in Ordnung. Aber diese Menschen! Sie fragen uns Löcher in den Bauch. «Wie schnell fährt der? Was kostet der? Ist das ein Prototyp? Hat der kein Dach?»

«Beim ersten Stopp an der Tankstelle schaffen wir es fast nicht mehr weg.»

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INSPIRIERTES DESIGN. BEGEISTERNDE LEISTUNG. DER NEUE ASTON MARTIN VIRAGE

Selbstbewusst, aber nicht aggressiv – der elegante Virage strahlt Anmut, Stil und ein typisch britisches „Understatement“ aus. Saubere, fließende Linien verkörpern den Inbegriff der Designphilosophie von Aston Martin, während das unglaubliche Potenzial eines völlig von Hand gefertigten Zwölfzylinders eine Leistung entfaltet, die sowohl kraftvoll als auch unverfälscht ist. Der Virage ist eine betörende Mischung aus Design, Technik und Tempo – die perfekte Wahl für den anspruchsvollen Fahrer, der Komfort verlangt und zugleich echte Dynamik wünscht.

Emil Frey AG Aston Martin Zürich Badenerstrasse 600 8048 Zürich 044 495 25 15 www.astonmartin-zuerich.ch

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DRIVE STYLE

Dies sind die Top Ten der am häufigsten gestellten Fragen. Und natürlich wird das Auto von jeder verfügbaren Digitalkamera und Handys geknipst. Auch während dem Fahren werden wir ständig aus vorbeifahrenden Autos fotografiert. Dabei sehen die Fotografen nicht mal unsere lächelnden Gesichter, denn die sind hinter einem Helm versteckt. Der X-Bow hat nicht nur kein Dach, sondern auch keine Windschutzscheibe. So wird schon Oben-ohneFahren mit 50 km/h zur Tortur und Autobahntempi wären nicht nur illegal, sondern ohne Kopfschutz schlicht unmöglich. Neben dem Gesicht sollten auch die Ohren gut geschützt werden. Sogar mit meinem aerodynamisch ausgefeilten, Formel-1-tauglichen Helm ist die Geräuschkulisse von Wind und Motor infernalisch.

Fahreindrücke Eines wird schnell klar. Langsam fahren ist nicht dem X-Bow sein Ding. Dann quietschen die Uniball-Gelenke der Pushrod-Dämpfer, die servolose Lenkung ist schwerfällig und die Brembo-Renn-

bremsanlage pfeift, dass noch mehr Passanten auf den herannahenden Strassenrenner aufmerksam werden. Kaum gehts ausserorts auf eine Landstrasse, kommt der kleine Flitzer in sein Element. Die straffen Dämpfer arbeiten wunderbar und geben ein absolut unverfälschtes Feedback an den Fahrer. Die Lenkung ist ultrapräzise. Am Anfang ertappt sich der Fahrer immer wieder mit zu starken Lenkbewegungen. Jeder Millimeter am Steuerrad wird gleich in Richtungsänderung umgesetzt. Das Chassis ist natürlich bocksteif und so kommt tatsächlich sehr schnell ein Gefühl auf wie in einem Rennfahrzeug. Während einige Autohersteller bei ihren sportlichen Kleinwagen immer wieder den abgelutschten Begriff Go-Kart-Feeling in den Mund nehmen, ist er hier tatsächlich angebracht. Weniger als 800 Kilogramm Gewicht bedeuten Vollgas in Kurven, wo Porsches und Ferraris schon längst den Anker werfen müssen. Dabei verträgt der KTM derart hohe Fliehkräfte, dass Muskelkater in den Hals- und Nackenmuskeln garantiert ist. Auf der deutschen Autobahn kommt dann richtig

«Weniger als 800 Kilogramm Gewicht bedeuten Vollgas in Kurven, wo Porsches und Ferraris schon längst den Anker werfen müssen.»

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DRIVE STYLE

«Es gibt nicht nur wenig Platz für Gepäck, sondern gar keinen.»

Freude auf. Nicht dort, wo es lange geradeaus geht. Langgezogene Kurven können derart schnell durchfahren werden, dass es am Anfang einiges an Überwindung kostet. Der angegebene Topspeed des Autos liegt bei 220 km/h. Das ist nicht sonderlich beeindruckend. Aber mit über 200 Sachen fahre ich durch Bögen, welche bei solchen Tempi immer enger werden. Der Carbon-Unterboden saugt sich wie ein Staubsauger an den Asphalt. Jetzt sitzen wir tatsächlich in einem strassenzugelassenen FormelFahrzeug! Keine Unruhe, wie auf Schienen schiesst der X-Box zum nächsten Eck. Spätestens hier bekommen KTM-Besitzer einen Adrenalin-Rausch, welcher eine extrem hohe Suchtgefahr mit sich bringt. Wer süchtig nach Aufmerksamkeit ist, findet in diesem Fahrzeug ebenfalls das ideale Instrument. Als wir in Spa Francorchamps durch die Boxengasse fahren, denken die Leute, dass wir die Einfahrt zur Rennstrecke verpasst haben. Das verwundert auch nicht. Mit wenigen Änderungen an Überrollbügel, Seitenaufprallschutz und Renntank ist das Fahrzeug homologiert

für die GT4 Rennklasse. Die Sehnsucht, die berühmt-berüchtigte Eau Rouge und die Vollgas-Blanchimont mit dem X-Bow kennenzulernen, verlässt uns das ganze Wochenende nicht. Auch auf der Nachhausefahrt durchs nasskalte Ardennenwetter bleibt der Wunsch, mit diesem Fahrzeug auf die Rennstrecke zu gehen. Dafür wurde der Crossbow gebaut. Dass man gleich ohne Zugfahrzeug und Anhänger dorthin reisen kann, ist praktisch. Nur ein Problem bleibt. Es gibt nicht nur wenig Platz für Gepäck, sondern gar keinen. Aber wir Schweizer haben ja eine wunderschöne Alternative zur Rennstrecke: Alpenpässe! Also ganz früh aufstehen, ein paar Pässe machen und vor der Invasion von WohnwagenTouristen schon wieder zuhause sein. P.S.: X-Bow-Besitzer sind übrigens ganz einfach daran auszumachen, dass sie im Restaurant neben dem Autoschlüssel ein ganzes Lenkrad auf dem Tisch liegen haben. So funktioniert der Diebstahlschutz à la KTM.

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KOLUMNE

von Guido Tognoni

V

Zahlen ja, aber bitte nicht stören om Band flötet eine Stimme: «Ihr Anliegen ist

daran, dass niemand für sein Anliegen zuständig sein woll-

uns wichtig, bleiben Sie bitte am Apparat».

te und er von einer Stelle zur anderen weitergereicht wurde.

Wir erleben das täglich, seitdem viele Unter-

Aber Kabarettist Keiser hatte wenigstens bei jedem Versuch

nehmen nicht mehr telefonisch erreicht wer-

jemanden an der Leitung. Das war vor über 40 Jahren. Heute

den können. Genauer gesagt: nicht mehr er-

leben wir im Zeitalter, in dem alle von Kommunikation reden,

reicht werden wollen. Denn viel ehrlicher wäre die Durchsage:

aber Kommunikation bei zahlreichen Unternehmen uner-

«Ihr Anliegen ist uns lästig. Hängen Sie bitte auf, andernfalls

wünscht ist. Wer auf der Sammelnummer anruft, muss einen

lassen wir Sie in der Leitung warten.» Ob SBB, PTT, Swiss

nervtötenden Hindernisparcours absolvieren und bleibt zu-

Airlines oder andere, am telefonischen Dienst am Kunden

letzt oft dennoch in einer Warteschlaufe hängen. Oder die Lei-

wird gespart, entgegen allen Beteuerungen in der Werbung.

tung wird nach geraumer Wartezeit abgebrochen, nachdem

Stationen der SBB kann man nur telefonisch erreichen, wenn

ab Tonband zu hören war, alle Leitungen der Mitarbeiter seien

man mit List, Tücke und Freundlichkeit am Schalter einen An-

besetzt. Ob es zehn, einen oder gar keinen solche Mitarbeiter

gestellten dazu überredet, die Nummer bekanntzugeben.

gibt, bleibt dem Urteil des Kunden überlassen.

Auch wer eine Poststelle anrufen will, beisst auf Granit, denn

Wenn ein privates Unternehmen wie Orange die Kunden ver-

die Nummern gibt es in keinem Verzeichnis. Selbst bei einem

ärgern will, ist das ein Problem des Unternehmens. Wenn aber

Fernmelde-Unternehmen wie Orange, das von der Kommunika-

Monopolbetriebe wie die Post oder die SBB nicht mehr in ver-

tion lebt (allerdings nur jener der Kunden), ist es unmöglich, eine

nünftiger Weise telefonisch erreicht werden wollen, ist das ein

Filiale zu erreichen. Orange gibt es nur per Sammelnummer,

Problem für die Kundschaft. Und wenn es bei der Swiss, wo te-

und wer ein Anliegen bei einer Filiale anbringen will, erhält nach

lefonische Buchungen nach Südafrika und in die Türkei ausge-

entsprechendem Drängen bestenfalls eine Fax-Nummer, um

lagert sind, nicht einmal mehr Notnummern gibt, bei denen man

den Wunsch vorzutragen. Es gebe keine Nummer der Filialen,

sich nach dem Verbleib von Flugzeugen, Gepäck oder Passa-

behauptet die Dame an der Sammelnummer, und wer inner-

gieren erkundigen kann, ist das eine Verachtung des Kunden

halb der Verkaufsräume vorsorglich in einer Orange-Filiale

und ein Missbrauch einer dominierenden Marktposition.

nach der Direktnummer frägt, erhält die Auskunft, man könne nicht anrufen. Auch von Sunrise gibt nur eine 0800-Nummer,

Aus der Sicht vieler Unternehmen soll der ideale Kunde ge-

wogegen man Swisscom-Filialen in der ganzen Schweiz an-

fälligst beim Geschäftemachen nicht stören, sondern bitte

rufen kann. Ein Zufall, dass Swisscom Marktführer ist?

am Computer alles selbst erledigen, inklusive Bezahlung per Kreditkarte, versteht sich. Wer das nicht schafft, ist selber

Ein Telefonunternehmen wie Orange, das zwar Millionen für

schuld. Ein Kundendienst wie jener der Rhätischen Bahn,

Marketing ausgibt, aber das nicht angerufen werden will! Ab-

wo «Beratung und Verkauf» sogar im Telefonverzeichnis der

surder geht es nicht. Der verstorbene Kabarettist César Keiser

einzelnen Stationen genannt werden, ist offenbar für viele

hat sich mit seiner Nummer «Das Telefon» ein Denkmal ge-

Betriebe ein Greuel. Deren Interesse besteht nicht am Kun-

setzt. Keiser verzweifelte bei der Suche nach einer Auskunft

den, sondern nur noch an dessen Geld.

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WATCHES & JEWELLERY

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WATCHES & JEWELLERY

Von den Uhren für Flieger zu den

Fliegeruhren Die Zeitmessung in der Aviatik nahm von Beginn her eine sehr wichtige Stellung ein. Dies, obwohl noch vor der Jahrhundertwende des vergangenen Jahrhunderts der Traum vom Fliegen in weiter Ferne schien.

von Alexander Triebold

D

och der Pioniergeist jener Epoche kannte keinen Halt mehr, und als 1903 das erste Fluggerät, von einem Motor angetrieben, vom Boden abhob und die Erde unter sich liess, war auch schon die Zeitmessung dabei. Die Uhr war von da an nicht mehr nur Instrument zur Anzeige von Tagen und Stunden, sondern auch Aufzeichnungsgerät, welches die Dauer eines Ablaufs protokolliert. Von nun an wurden Uhren konzipiert, um die immer extremer werdenden physikalischen Anforderungen zu meistern. Im Jahre 1903, dem historischen Jahr des Erstflugs der Gebrüder Wright, lancierte die Uhrenfabrik Breitling das Modell «Montbrillant», benannt nach der Rue Montbrillant, dem damaligen Hauptsitz der Firma in La-Chaux-de-Fonds.

Cartier «Santos»

Nicht selten waren es auch Freundschaften, welche die Faszination des Fliegens verband – so wie jene des Pariser Hofjuweliers Louis Cartier mit dem brasilianischen Piloten und Kaffeeplantagenbesitzer Alberto Santos Dumont. Nach ihm wurde denn auch die CARTIER «Santos» benannt. Die Uhr, sie soll zwischen 1904 und 1907 öffentlich in Erscheinung getreten sein, unterschied sich erstmals in Form und Beschaffenheit deutlich von anderen Uhren jener Zeit. Dazu beigetragen hat eine verschraubte Lunette und eine massive Ausführung des Gehäuses. In den Archiven von Cartier aus dem Jahre 1911 erscheint auch der Name Jaeger, welcher schon damals 10-linige, signierte Werke an CARTIER verkaufte – eine Zusammenarbeit, die noch über Jahre erfolgreich gepflegt wurde.

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WATCHES & JEWELLERY

LONGINES erinnert mit dieser Uhr an die Abenteuer von Charles Lindbergh.

Die original Longines Twenty-Four Hours.

Eine massgebende Entwicklung jener Zeit gelang Breitling: Nach Léon Breitlings Tod übernahm dessen Sohn Gaston die Firma und präsentierte im folgenden Jahr einen Chronographen mit 30-Minuten-Zähler (Compteur). Dieser Zeitmesser taugte als Handgelenkinstrument und ermöglichte dem Piloten auch Zeitmessungen in verschiedenen Lagen, was vor allem für die militärische Fliegerei von Vorteil war. In den Zwischenjahren des Ersten und Zweiten Weltkriegs präsentierte sich die Fliegerei noch als sehr wetterabhängige Angelegenheit. Piloten trugen eine Lederjacke, über welcher sie am linken Ärmel die Uhr herumschnallten, während sie jeweils mit der rechten Hand den Steuerknüppel hielten. Doch die Fliegerei in offener Kabine im Doppeldecker wurde bald von weiteren Entwicklungen eingeholt. 1927, als Charles Lindbergh mit seiner «Spirit of St. Louis» den Atlantik auf einer Strecke von 5809 Kilometer nonstop überquerte, wies ihm eine «Longines» die Zeit. Das Flugzeug – wie auch die Uhr – waren Neukonstruktionen. Noch heute erinnert Longines an die Teilnahme an diesem

Abenteuer und würdigt Charles Lindbergh mit einer Neuauflage jener Uhr. Geblieben aber ist die Erfahrung aus diesem Flug – elementar und bahnbrechend war diese in mancher Beziehung. Sie deutete auf den kommerziellen Personenverkehr, welcher den alten und den neuen Kontinent miteinander verbinden sollte. Dieser Markt, noch vor wenigen Jahren von luxuriösen Dampfern beherrscht, konnte nun von der Fliegerei durch eine geringere Reisezeit übertroffen werden. Städte wie New York, London, Paris rückten in eine bessere Erreichbarkeit. In den 1930er Jahren entstanden die ersten Hersteller von Passagierflugzeugen. Politisch war es damals auch absolut opportun, sich dieser Entwicklung der Fliegerei nicht zu verschliessen. Flugplätze sowie eigene Airlines förderten den Nationalstolz eines manchen Landes. Nun galt es, in den doch wichtigen Zeiten der Entwicklung mit vorne dabei zu sein. Mit neuen Flugzeugen wuchs auch der Bestand der Piloten, welcher sich mit der Grösse der Flugzeuge um ein Vielfaches mehrte. Bestand

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WATCHES & JEWELLERY

Big Pilot's Watch (2006) von IWC.

«Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wurde die Fliegeruhr zunehmend Bestandteil der Standardausrüstung der Piloten.»

Die Grosse Fliegeruhr (1940) von IWC.

die Crew anfangs aus einem Captain und einem Copilot, waren später bei grösseren Maschinen Captain, Copilot, Navigator und ein sogenannter Bord-Ingenieur (Flight-Engineer) nötig. Der Bedarf nach Uhren wuchs, und im Jahre 1934 präsentierte OMEGA eine Fliegeruhr mit mattschwarzem Zifferblatt und dem Werkkaliber 35.5 SOB T1 ausgerüstet. Die Uhr verfügte über eine drehbare Lunette mit Pfeil-Index zum Feststellen der Flugdauer. Zudem erlaubte die kugelförmige Krone auf langem Rohr das Betätigen mit Handschuhen. Die am Staybrite-Stahlgehäuse angelöteten Bandanschlüsse waren breit gehalten, um ein RiemenLederband durchzuziehen. Diese Referenz wurde 1937 durch die Referenz CK2000 mit einer noch breiteren, inseitigen Lunette mit Skala abgelöst. 1938 wurde zudem das Kaliber von 40,6 durch eines von 37,6 mm ersetzt. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wurde die Fliegeruhr zunehmend Bestandteil der Standardausrüstung der Piloten. 1936 entstand bei IWC Schaffhausen die erste Pilotenuhr mit leucht-

enden Zeigern und schwarzem Zifferblatt. Sie wird unter der Bezeichnung «Spezialuhr für Flieger» bekannt und beherbergte eine Variante des Calibers 83 in antimagnetischer Ausführung. Im gleichen Jahr beliefert BREITLING die englische Luftwaffe Royal Air Force mit Zeitmessern. Unter strengen Evaluationsverfahren und stets begleitet vom Schweizer Neutralitätsgedanken wurden zunehmend Uhren für fremde Nationen hergestellt und geliefert. IWC erhielt 1940 einen Auftrag der Deutschen Wehrmacht für 1000 Einheiten. Diese «Grosse Fliegeruhr» war nach Kriterien für Beobachtungsuhren (B-Uhren) gebaut. Das «Grossgerät» mit dem Taschenuhrkaliber 52 T. S. C. war mit 55 mm Gehäusedurchmesser, 16,5 mm Höhe und einem Gewicht von 183 g die mächtigste je gebaute IWC-Armbanduhr. Diese wurde auch an die Royal Navy geliefert. OMEGA selbst erhielt eine Anfrage des königlichen Hofjuweliers Garrard’s in London, 2000 Exemplare ihrer Militärpilotenuhr MKVIIA zuliefern, welche durch das Air Ministry an die

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WATCHES & JEWELLERY

Die Fliegeruhr Mark 11 von IWC.

«Das heutige Markendenken, wie wir es kennen, existierte damals noch nicht.»

Royal Air Force weitergeleitet wurden. Diese Uhren wurden während mehreren aufeinanderfolgenden Tagen in fünf Positionen und zu drei verschiedenen Temperaturen reguliert (das heisst wie für Chronometer) und trugen auf dem Gehäuseboden die Gravur einer Krone (Besitz der Krone). Diese Gravur ist übrigens auch auf Produkten anderer Hersteller zu finden. Breitling gelang 1942 der grosse Durchbruch, als sie offizieller Lieferant für die US Army Air Force wurde. Bestellt wurde damals ein neuer Chronograph mit Rechenschieber. Während des Zweiten Weltkriegs entstanden auch verschiedene kleinere Marken – viele davon sind nicht mehr auf dem heutigen Markt vertreten. Die Nachfrage blieb damals auf hohem Niveau und bescherte auch neugegründeten Firmen Aufträge. Allerdings litten diese mehr an der chronischen Verknappung von Uhrwerken sowie deren Bestandteilen. Zudem galten für Uhrwerke gewisse Regeln zur Produktion: Ein Uhrwerk gilt als Präzisionsprodukt und kann auch für militärische Zwecke verwendet werden. Deshalb oblag die Herstellung der Kontrolle des Bundes, welcher dafür eine Lizenz herausgab. Eine solche war schwierig zu erhalten und wurde nur unter bestimmten Voraussetzungen ausgestellt. Dies und der Umstand, dass viele Bestellungen für einen kleinen Produzenten stückmässig schlicht zu gross waren, veranlassten daher manchen

Hersteller, Aufträge mit anderen Firmen zu teilen. Das heutige Markendenken, wie wir es kennen, existierte damals noch nicht und so war diese Praxis kein Hinderungsgrund. Namen wie Minerva, Revue Thommen, Alpina und andere erlangten so doch eine gewisse Bedeutung. Konsequenz dieser hohen Nachfrage war ein vermehrtes Gefühl der Abhängigkeit von der schweizerischen Uhrenindustrie. Die unsichere Zukunft und der damit verbundene drohende Verlust eines wichtigen Zulieferers von Präzisionsinstrumenten veranlassten daher manche Nation, eigene Forschungs- und Herstellungsbetriebe zu errichten. Meist standen diese unter der direkten Aufsicht der nationalen Observatorien und garantierten ein unabhängiges Know-how. Ein kompliziertes und auch schwer verständliches Unterfangen, welches ohne Konsequenzen blieb. 1944 verlangte das britische Kriegsministerium nach einer Universal-Uhr für die vielseitige Verwendung im Heer. Die «Spezialuhr für Flieger» der Schaffhauser Manufaktur IWC wurde nach einer Überarbeitung unter der Bezeichnung W.W.W. (WATCH, WRIST, WATERPROOF) in einer Auflage von 6000 Exemplaren an das Vereinigte Königreich geliefert. Die W.W.W. wurde an das britische Heer geliefert; in den widrigen Umständen (Schlamm, Feuchtigkeit, Schläge) bewährte sich die W.W.W. aus dem Hause IWC. Dies war der Grund, warum die RAF letztlich IWC beim Auftrag für die Mark 11 favorisierte. Die Mk11 mit der eigenen Bezeichnung Navigators Wrist Watch Mark 11, Store Ref.6B/346atch' wurde von der Royal Air Force 1948 in Schaffhausen bestellt und ab November 1949 an die fliegende Truppe der RAF und andere Commonwealth-Staaten ausgeliefert.

Die W.W.W. (WATCH, WRIST, WATERPROOF) von IWC.

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Juwelen, Bahnhofstrasse 33, 8001 Z端rich, Tel. 044 221 27 27, www.meister.ch


WATCHES & JEWELLERY

OMEGA RAF antimagnétique

OMEGA Flightmaster

Diese Uhr – aufs Nötigste reduziert – fand sich 1953 auch am Handgelenk von Polarforscher und Bergsteiger Sir Edmund Hillary, als er die Antarktis durchquerte. Charakteristisch für die Uhr ist ihr zweites antimagnetisches Gehäuse, welches das Werk vor magnetischen Feldern schützt. Die Mk 11 wurde über Jahre gebaut. Insgesamt wurden 8000 Exemplare ausgeliefert, unter anderem an die Royal Air Force, die australische Luftwaffe RAAF, die neuseeländische Luftwaffe und die BOAC – Britisch Overseas Airways Corporation. Noch lange über das Einführungsjahr hinaus wurde die bisweilen zur Legende arrivierte Mk 11 hergestellt und ausgeliefert. Die RAF ihrerseits musterte die Uhren 1981 aus und die letzten Exemplare wurden 1984 an Detaillisten ausgeliefert. Als Leuchtmasse verwendete man seit 1963 Tritium an Stelle von Radium – dies wurde auf dem Zifferblatt mit dem Buchstaben T in weisser Farbe gekennzeichnet.

Die Nachkriegsjahre Nach dem Kriegsende machten sich auf dem Bereich der Fliegeruhren verschiedene Veränderungen bemerkbar: Im militärischen Bereich wurden nun oft Aufträge mit sogenannten Allianz-Partnern vergeben. Die neue strategische Ausrichtung der Westmächte machte auch vor der Uhrenindustrie keinen Halt, denn bei militärischen Aufträgen wurde nun auch der Nato-Code auf dem Gehäuseboden eingraviert. So zum Beispiel bei der im Jahre 1949 lancierten OMEGA – einem Chronographen für die

Luftstreitkräfte von England, USA und Schweden. Ein silberfarbig galvanisiertes Zifferblatt und Leuchtindizes einschliesslich Zeigern aus Radium sorgten für die Lesbarkeit bei Nacht. 1953 übernahm OMEGA auch das Prinzip, ein zweites antimagnetisches Gehäuse einzubauen, ebenfalls um die magnetische Strahlung zu limitieren. Die Rundum-Abschirmung erreichte bei dieser Uhr 900 Oersted gegenüber 60 Oersted für eine normale antimagnetische Uhr. Geliefert wurden diese Uhren auch an die englische Luftwaffe. Von dieser Uhr wurden insgesamt 5900 Exemplare ausgeliefert. Aber auch im zivilen Bereich hielt die Nachfrage an. Manche Airline nahm nach dem Krieg den Betrieb wieder auf und bestellte neue Flugzeuge. So konzipierte Longines eine Uhr nach den Bedürfnissen der Navigatoren, das heisst, um damit einen Flugplan zu erstellen, und im Jahre 1950 wurde diese Uhr an die Swissair ausgeliefert. 1952 wurde die Pilotenuhr Navytimer von Breitling von der AOPA als Standardchronometer empfohlen.

Breitling Navytimer 1952

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WATCHES & JEWELLERY

OMEGA Speedmaster Moonwatch zum 40. Jahrestag der Mondlandung.

Mit der Lockheed Constellation erreichte die Transatlantik-Fliegerei in den 50er und 60er Jahren einen neuen Höhepunkt, galt dieses Flugzeug doch als Inbegriff des luxuriösen Reisens in der Luft. Ausgerüstet mit bequemen Schlafkabinen, erreichte der Passagier im Nonstop-Flug über Nacht seine Destination in Europa mit der damaligen Trans-World-Airways von NewYork–Barcelona nach Rom. OMEGA übernahm den Namen als Bezeichnung füreine Uhrenlinie, welche zwar den Charakter der abenteuerlichen Fliegerei nicht mehr einfängt und die Uhr auch nicht mehr als Instrument definiert, dafür aber im Design der stromlinienförmigen und avantgardistischen Form des Flugzeugs gerecht wird.

Zeit finden vermehrt Eingang in die Formensprache der Uhrenindustrie und vermitteln so nicht nur die ästhetische Auseinandersetzung mit der Uhr. Sie lädt heute den Kunden ein, an ihren Abenteuern teilzunehmen und ihm einen Teil der Vergangenheit mitzugeben. Die Uhren tragen noch heute die Namen der Helden und Flugzeuge jener Zeit.

Thank you – merci – Danke ... ... an die folgenden Firmen, welche zu diesem Artikel beigetragen haben:

Um 1960 wurde der Luftraum auch für die Uhrenindustrie zu klein, und man fing an, sich auch um die Zeitmessung ausserhalb unseres Planeten Gedanken zu machen. An Bord der Aurora7-Kapsel trug Scott Carpenter 1962 eine Breitling Cosmonaute, und als am 26. Juli 1971 die ersten Astronauten der NASA ihren Fuss auf den Mond setzten, verhalf dies OMEGA zum wohl berühmtesten Firmenauftritt jener Epoche. Das Kapitel der Fliegeruhren erreicht eine neue Dimension.

· Montres Breitling SA, Grenchen · Cartier International, Departement Patrimoine, Paris · IWC Schaffhausen Branch of Richemont International SA.

Revival

· OMEGA SA, Bienne

In den 90er Jahren wird man sich allgemein der vergangenen Zeiten mehr bewusst. Abenteuer und Geschichten aus vergangener

· Montres LONGINES SA, St. Imier

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WATCHES & JEWELLERY

AS TIME GOES BY ... News & Facts

Passend zur Ferienzeit geht Louis Vuitton ins Wasser, genauer unters Wasser und präsentiert eine neue Taucheruhr. +++ Mehr auf die Strasse geht es mit GRAHAM, welche sich mit dem Automobil-Veredler Mansory zusammengetan hat und nun eine limitierte Serie von 50 Exemplaren fertigt. Angetrieben von einem auf Valjoux-Basis getrimmten G1734-Werk, wird dieser Chronofighter ausschliesslich über den Fachhandel vertrieben. +++ Die Schwestermarke von ROLEX, TUDOR, geht mit Ducati, dem legendären italienischen Motorradhersteller, eine Zusammenarbeit ein, aus welcher ebenfalls eine Uhr entstanden ist: Der Fastrider Chronograph ist in Leder-, Textil- oder Stahlausführung erhältlich. +++ Bernard Arnault ist Vorstandsvorsitzender von LVMH

Gewinnsprung für LVMH. Die Halbjahreszahlen des Luxusgüterkonzerns legten um satte 23 Prozent zu und bewegen sich nun um 10,3 Milliarden Euro. +++ Brioni, Herrenschneider des Top-class-Segments, soll verkauft werden. Bekannt als Ausstatter von Agent 007 soll Brioni die Hand ändern: Im Bietgefecht sind sowohl der französische Konzern PPR unter François Pinault als auch LVMH unter Bernard Arnault – beide handeln nicht im Auftrag Ihrer Majestät. +++ CARTIER: umfangreiche Ausstellung und Retrospektive über die uhrmacherische Tradition des Pariser Luxushauses – von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zusehen im Museum Bellerive in Zürich vom 18. August 2011.

© zuso.wordpress.com

+++ HUBLOT: Zeitmesser für Basketballer – der Nobeluhrenhersteller am Genfersee. Zusammen mit dem olympischen Gold- und siebenmaligen Teilnehmers Dwyane Wade fand am 3. August in Peking das One Million RMB Basketball Charity-Challenge statt.

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Tiefenrausch. Oris ProDiver Chronograph www.oris.ch


WATCHES & JEWELLERY

von Sara Gianella

Unter der Führung von Sascha Moeri fertigt und vertreibt die Luzerner Uhrenmanufaktur Carl F. Bucherer Zeitmesser, welche die klassischen und gleichzeitig modernen Werte des Hauses bestens verkörpern. Carl F. Bucherer ist als Marke in die Bucherer Montres S.A. integriert.

D

ie Bucherer Montres S.A. ist ein unabhängiges Unternehmen innerhalb der Bucherer Gruppe mit über neunzig Jahren Kompetenz in der Fertigung hochwertiger Uhren. Mit dem Ziel, der bereits seit 1919 erfolgreich unter Beweis gestellten Herstellerkompetenz auch strategisch mehr Gewicht zu verleihen, wurde 2001 die Marke Carl F. Bucherer international lanciert. Deren Namensgebung trägt den Pionierleistungen des Unternehmensgründers Carl Friedrich Bucherer Rechnung und vereint feinstes Uhrmacherhandwerk mit höchster Juwelierskompetenz. Die Uhrenmarke aus Luzern mit eigener Manufaktur im waadtländischen Ste-Croix und einem weiteren Produktionsstandort in Lengnau bei Biel fertigt fortschrittliche und zeitlose Zeitmesser für das Premium-Segment. Dies stets mit dem Anspruch der kompromisslosen Qualität und stilsicheren Ästhetik. Mit Tochtergesellschaften in Schlüsselmärkten wie Hongkong, Japan, Taiwan, USA und seit diesem Juni in China weist die Firma eine starke internationale Präsenz mit eigenen Vertriebsgesellschaften auf. Ausserdem kann die Manufakturmarke auf das starke Vertriebsnetz der Bucherer Gruppe in Deutschland, Österreich und der Schweiz zurückgreifen.

Carl F. Bucherer

Patravi Calendar

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WATCHES & JEWELLERY Manero ChronoPerpetual

Die Verbindung von Tradition und Fortschritt Seit vergangenem November ist Sascha Moeri CEO der Bucherer Montres S.A.: «Es macht mich stolz, die Geschicke der Firma Bucherer Montres S.A. und ihrer Uhrenmarke Carl F. Bucherer zu leiten. In diesem Jahr wollen wir das beste Jahresergebnis seit Gründung der Firma erreichen. Unser Ziel liegt darin, beim Umsatz stark zuzulegen und auch profitabler zu werden. Wir wollen unsere internationale Präsenz substantiell ausbauen und die bestehenden Märkte nachhaltig stärken. Dabei legen wir ebenfalls grossen Wert auf die Tradition und ein werteorientiertes Handeln – dies stets mit dem modernen Zukunftsgedanken verbunden.»

Hingucker Nummer eins: Patravi Calendar ... Diese Haltung äussert sich auch in den Modellen: Mit der Patravi Calendar präsentiert Carl F. Bucherer ein Modell, welches den zahlreichen Liebhabern runder Zeitmesser gerecht wird. Das Gehäuse wurde in Edelstahl sowie in 18 Karat Rotgold gefertigt und verfügt über einen Durchmesser von 42.6 mm. Die Patravi Calendar weist ein Grossdatum bei 11 Uhr auf, während die Funktion der kleinen Sekunde im Gehäuse über eine Scheibe angezeigt wird. Somit offeriert das Zifferblatt, welches in schwarz und silberfarben erhältlich ist, dem Träger optimale Ablesbarkeit und Übersichtlichkeit. Einen zusätzlichen Touch an Eleganz erhält die Patravi Calendar durch ein in schwarz oder in braun erhältliches Kalbslederband.

Das Innenleben der Patravi Calendar fasziniert durch die Funktionen des Grossdatums, der Datumsanzeige, der kleinen Sekunde sowie einer Wochenanzeige, welche auf die aktuelle Kalenderwoche aufmerksam macht und die Anzeige der 53. Woche integriert. Vollendet wird das Modell durch die Verwendung des eigenen, automatischen Manufakturkalibers CFB A1004. Ein Zeitmesser für elegant-sportliche Männer sowie selbstbewusste und eigenständige Frauen.

... gefolgt von Hingucker Nummer zwei: Manero ChronoPerpetual Ein weiteres Highlight aus dem Hause Carl F. Bucherer ist die Manero ChronoPerpetual, die durch eine wahre uhrmacherische Meisterleistung brilliert. Zum einen aufgrund ihrer nützlichen Funktionen des Chronographen und Flyback sowie ewigen Kalenders mit Datum, Wochentag, Monat, Schaltjahr und Mondphase. Zum anderen durch ihr klassisches und überzeugendes Äusseres, das durch ein Edelstahl- oder Rotgoldgehäuse 18 Karat, ein handgenähtes schwarzes oder braunes Louisiana-Alligator-Lederband sowie durch beste Ablesbarkeit des Zifferblattes besticht. Die Limitierung unterstreicht die Exklusivität der Manero ChronoPerpetual: In Edelstahl werden 150 Stück gefertigt, die Rotgoldversion ist auf 100 Stück weltweit beschränkt. Eigentlich logisch, denn einen solchen Zeitmesser duldet man als Träger nur noch am Handgelenk seines besten Freundes. Wenn überhaupt.

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KOLUMNE

Die Quartalslügen der Konzerne

von Rolf Hess

E

rfolgreiche Volkswirtschaften sind erfolgreich,

unternehmerischen Erfahrung sowie Personen, welche durch

da sie es schaffen, die Faktoren Kapital und

Grossbanken zu reinen Spekulanten ausgebildet wurden.

Arbeit, unter dem Schirm der Marktwirtschaft,

Dies hat dazu geführt, dass nun schon seit Jahren die Kon-

nachhaltig zu verbinden. Als Mittel zum Zweck

zerne angehalten sind, ihre Erfolgsausweise auf Quartalsbasis

dienen Unternehmenseinheiten verschiedener

zu erstellen und entsprechend zu veröffentlichen.

Grössenordnungen, vom Einpersonenbetrieb bis zum Grosskonzern. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt uns, dass die erfolg-

Die Begründung lautet, dass der Investor – also der Käufer

reichen Marktteilnehmer, unabhängig von ihrer Grösse, ihren

der Aktien – diese notwendige Transparenz benötigt, obwohl

Erfolg vor allem der Nachhaltigkeit verdanken.

dies möglicherweise im Widerspruch zu einer gesunden langfristigen Entwicklung der betreffenden Unternehmung steht.

Entsprechend sind die Unternehmen gehalten, Strategien zu

Diese sinnlose Vorschrift führt zu Begehrlichkeiten der Analys-

entwickeln, welche in erster Linie den mittel- und langfristigen

ten, der Wirtschaftsjournalisten und somit der Finanzmärkte. Der

Erfolg garantieren. Diese Aussage bezieht sich selbstredend

öffentliche Druck wiederum führt dazu, dass sich die verant-

auch auf alle Teilstrategien wie Produkt-, Finanz- oder Per-

wortlichen Unternehmensleiter gezwungen sehen, die ihnen

sonalstrategie. Dies bedeutet auch, dass es notwendig sein

anvertraute Unternehmung nur noch nach kurzfristigen Krite-

kann, auf kurzfristige Erfolge zu verzichten, um die Nach-

rien zu führen, völlig unabhängig davon, ob dies im Interesse

haltigkeit der Unternehmensentwicklung nicht zu gefährden.

der langfristigen Entwicklung der Unternehmung liegt.

Dazu gehört ebenso, dass man die Weitsicht hat, wertvolle Mitarbeiter in schwierigeren Zeiten nicht zu entlassen, da man

Die Manager sehen sich also gezwungen, das Unternehmen

sie im kommenden Aufschwung bereits wieder benötigt.

so zu führen, die Leistungen so zu bewerten, dass sie den Erwartungen des Marktes gerecht werden können. Die Konse-

Alle kurzfristig erzielten Gewinne lassen sich nur dann in eine

quenzen können vielschichtig sein: Falsche Lagerbewirt-

Erfolgsspur eingleisen, wenn sie im Rahmen einer langfristi-

schaftung, Geschäftsabschlüsse zu schlechten Konditionen,

gen Gesamtstrategie stehen. Bei privaten Unternehmen – im

Investitionen zum betriebswirtschaftlich falschen Zeitpunkt

Gegensatz zu Publikumsgesellschaften – ist diese Erkenntnis

sind einige Beispiele. Sehr «populär» sind aber die kurzfris-

nicht nur anerkannt, sondern wird bei erfolgreichen Unterneh-

tig motivierten Entlassungen. Geradezu grotesk ist es dann,

men auch durchwegs angewendet.

wenn die gleichen Leute wenige Monate später innerhalb der Branche zu höheren Bedingungen wieder eingestellt werden

Bei den Publikumsgesellschaften – also den mittleren und

müssen. Man muss nicht Gewerkschafter sein, um zu erken-

grossen Konzernen – ist diese Erkenntnis auch vorhanden,

nen, dass diese Aktionen mehr schaden als nützen, ganz zu

nur wird sie mehr und mehr – zu Lasten einer gesunden

schweigen von der moralischen Seite der Medaille.

Volkswirtschaft – ignoriert. Sie fragen sich warum? Als treue Leser meiner Kolumnen wissen Sie, dass ich zum Die Aktien der Publikumsgesellschaften werden an Börsen-

Schluss immer noch ein positives Beispiel bringe. Heute ist

plätzen gehandelt, unter der Kontrolle der jeweils zuständigen

es die bekannte Autofirma Porsche. Diese Firma hat sich we-

Börsenaufsicht. Die Regeln des «Spiels» an der Börse werden

gen dem Zwang der Quartalsausweise vor Jahren schon vom

durch die leitenden Mitarbeiter erstellt und von deren Vorge-

Hauptparkett der Börse Frankfurt verabschiedet. Geschadet

setzten abgesegnet. Mitarbeiter, wie auch Vorgesetzte dieser

hat es weder der Marke Porsche noch dem Wert der Aktie, es

Behörden, sind in der Regel Juristen mit wenig bis gar keiner

geht also doch … wenn man nur will.

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SYLT

Die Insel der Schönen und Reichen!

Man nennt sie die «Königin der Nordsee» oder das «Saint-Tropez Deutschlands», denn die kleine Nordseeinsel kommt jeden Sommer ganz gross raus.

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«Die Wogen, ihr Grollen, die Wolken vor und über mir, der Strand, die Dünen, das graue Gras, es war alles mein.» Emil Nolde

V von Yvonne Beck

ierzig Kilometer feiner Sandstrand. Raue Brandung an der Westseite, stilles Wattenmeer im Osten. Urwüchsige Dünen und grüne Deiche. Blühende Heide und majestätische Kliffs. Tagträume und Nachtleben. Trubel und Abgeschiedenheit. Zwölf Ortschaften – keine wie die andere und jede mit ihrem unverwechselbaren Charme. Das alles und mehr ist Sylt, die immer kleiner werdende Nordseeinsel, auf der sich im Sommer gerne die Highsociety tummelt, um in der Sansibar mal wieder so richtig abzufeiern.

Ein Hering als Wappentier Ob es sich bei dem Namen Sylt nun um die verkürzte Form von «Silendi» (Seeland) handelt, ist ungeklärt. Ebenso offen ist, ob Sylt oder Silt etwas mit «silt», dem dänischen Wort für Hering, zu tun hat – seit dem 17. Jahrhundert schmückt dieser Fisch jedoch das Sylter Wappen.

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Das Reetdach ist für die sylter Häuser typisch.

«Da auf der kleinen Insel, die jedes Jahr etwas kleiner wird, Platz inzwischen Mangelware ist, gehören die Sylter Grundstückspreise zu den höchsten in ganz Europa.»

Bittere Armut prägte jahrhundertelang das Leben der Menschen auf der sandigen Insel. «Nom de Dieu, rien que le sable et la mer!» (Mein Gott, nichts als Sand und Meer), lautete 1935 der Stossseufzer eines französischen Offiziers, der auf der Insel strandete. Die Insulaner fanden ihr kärgliches Auskommen in der Landwirtschaft. Sie hielten ein paar Schafe und Kühe, bauten ein wenig Getreide an, doch die kargen Geestböden brachten nur magere Ernten. Mit der Gründung des ersten Sylter Seebades 1855 in Westerland begann jedoch eine neue Zeit. Unter den ersten Gästen befand sich Dr. Gustav Ross, ein Arzt aus Hamburg Altona, der von der heilsamen Wirkung eines Aufenthalts an der Nordsee überzeugt war und der Insel eine glänzende Zukunft prophezeite. Seine Prophezeiung erfüllte sich. Jahr für Jahr strömten mehr Menschen auf die Insel und mittlerweile ist der Fremdenverkehr die Haupterwerbsquelle der Sylter.

Da auf der kleinen Insel, die jedes Jahr etwas kleiner wird, Platz inzwischen Mangelware ist, gehören die Sylter Grundstückspreise zu den höchsten in ganz Europa. Vor zwei Jahren stand in Kampen ein nur dreissig Quadratmeter grosses Haus für 6,3 Millionen Euro zum Verkauf. An Interessenten mangelte es nicht. Dass das reetgedeckte Kleinod nur über einen einzigen Raum mit Kochnische und Badezeile verfügt, spielte angesichts der attraktiven Lage direkt am Naturschutzgebiet an der ruhigen Wattenmeerseite keine Rolle. Die Einheimischen sind auf dem Rückzug, viele können sich den Wohnraum auf Sylt nicht mehr leisten und gehen aufs Festland. Tausende Berufstätige pendeln in der Saison täglich zwischen ihrem Wohnort auf dem Festland und der Insel. Denn viele Sylter sind entgegen der landläufigen Meinung nicht reich. Die Porsche-, Bentley- und Ferrari-Karawanen, die sich im Sommer durch die Strassen Kampens quälen, gehören der Haute Volée der Sommergäste, die auf Sylt gerne einmal zeigen, was sie haben.

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Wellness von der schönsten Seite. Es ist ein wunderbares Gefühl, angekommen zu sein. Entspannt lassen Sie den hektischen Alltag hinter sich. Jetzt heißt es auftanken und sich ausgiebig verwöhnen

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Die Buhne 16.

Sylt gilt nicht umsonst als das Saint-Tropez Deutschlands.

«Oh, ich hab solche Sehnsucht. Ich verlier den Verstand ...

Klein, aber fein … Sylts eleganteste Adresse ist sicherlich Kampen. Exklusiv und zugleich weltoffen. Chic und dabei doch sehr charmant. Das ist Kampen, Deutschlands wohl prominentestes Dorf, dessen legendärer Ruf im Laufe der vergangenen Jahrzehnte durch seine vielen namhaften Gäste geprägt wurde. Es waren vor allem ruhesuchende und naturliebende Intellektuelle und Künstler, die über Jahre ihr Quartier in dem sechs Kilometer nordöstlich von Westerland, inmitten ausgedehnter Heidelandschaften gelegenen Kampen aufschlugen. In den 1960er-Jahren zog Kampen Heerscharen von Schönen und Berühmten an: Bilder von champagnerseligen Partys an der «Buhne 16» wurden von der Boulevardpresse in den entferntesten Winkel getragen – bis heute prägen sie das Schickeria-Image Kampens beziehungsweise der ganzen Insel. Doch Kampen hat noch mehr zu bieten als Promis. Zum Beispiel die eindrucksvollen Schattierungen der Natur, die das Dorf umgibt. Feiner Sandstrand und weites Wattenmeer, das Rote Kliff und blühende Heide. Mittendrin: die Uwe-Düne, mit 52 Metern die höchste Erhebung der Insel. Ein modernes Kurhaus, dann die legendäre «Whisky-Meile» mit ihren gepflegten Clubs oder der durchaus

attraktive Golfplatz. Und auch die Buhne 16 ist immer wieder einen Besuch wert. Wer einen entspannten Tag am Strand verbringen möchte, mit einer Portion Pasta zwischendurch und einem Gläschen Wein zum Abend hin, wenn der Strand sich leert, findet hier einen der schönsten Plätze Sylts. Es gibt auch kaum mehr eine Spur von Schickimicki, denn eigentlich ist die legendäre Buhne 16, die in den 1970er Kultstatus erlangte, nichts weiter als ein einfacher Strandkiosk. Zudem ist Kampen in architektonischer Hinsicht bodenständig geblieben. Reetgedeckte Friesenhäuser säumen die Strassen, ducken sich zwischen Dünen und Heidehügeln. Schon früh waren die Kampener daran interessiert, den malerischen Charakter ihres Ortes zu erhalten. Die Möglichkeit, in Kampen auf Prominenz zu stossen, erhöht den Reiz eines Bummels durch den mondänen Ferienort. Wohl nirgends in Nordeuropa sind auf so kleiner Fläche so viele Luxuslimousinen, Nobellokale, Edelboutiquen und Galerien zu finden. Aber gerade hier, im «Saint- Tropez Deutschlands», dämmert die Erkenntnis, dass auch die Reichen und Schönen der Natur wegen nach Sylt kommen. In der begünstigten Lage zwischen brandender Nordsee und stillem Wattenmeer liegt der eigentliche Reiz des Nordseebades Kampen.

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Die «Sansibar» ist wohl eine der berühmtesten Bars der Insel.

Ich will wieder an die Nordsee. Ich will zurück nach Westerland!» Die Ärzte

The place to be Nicht in Kampen, sondern in Rantum befindet sich ein weiter Hotspot Sylts – die legendäre Sansibar! Legendär und entsprechend gut besucht ist die Holzhütte am Meer. Abends geht hier nichts ohne lange Vorbestellung. Der Trubel ist auch tagsüber enorm, in der Hochsaison ist der Parkplatz zum Strand schon mal wegen Überfüllung gesperrt. Hier ist es nicht schick, es gibt keine gedrehten Kerzen und keine gefalteten Servietten. Hier trifft sich einfach alles und sitzt gemütlich zusammen wie in einer Schweizer Skihütte – sogar die Currywurst schmeckt hier so gut wie nirgendwo. Und auch wenn die Promi-Dichte in Herbert Secklers Sansibar manchmal höher sein kann als auf der «Wetten, dass ...?»-Couch, so wird doch jeder Gast mit der gleichen Aufmerksamkeit und Freundlichkeit bedient. Man sieht es der Strandbaracke auch wirklich nicht an, aber im Hüttenfundament, das aus Stroh und Lehm besteht, lagern sehr erlesene Weine in Millionenhöhe.

«Moin, Moin» Die Bewohner der Waterkant gelten als stur, etwas spröde, aber herzlich. Ihr Wahlspruch «Rüm hart, klaar kimming» bedeutet weites Herz – klarer Horizont und nimmt auch auf die Weitläufigkeit der weitgereisten Seefahrer Bezug. An Selbstbewusstsein fehlt es den Inselbewohnern allerdings nicht, das würzt so manche Diskussion mit einem alten Nordfriesen über historische und aktuelle Belange. Bis heute schmückt die Inschrift «Lever duad as Slav» (Lieber tot als Sklave) die Flagge der Nordfriesen. Nordfriesland ist ein Vielsprachenland mit neun friesischen Dialekten, Plattdeutsch, Sønderjysk und Standarddänisch. «Moin, Moin!» aber erklingt sprachübergreifend überall und zu jeder Zeit. Der Gruss entstand aus «ik wünsch Di een moien Dag!» – «moi» bedeutet «schön». «Moin, Moin» – könnte es ein netteres Willkommen geben?

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Mauritius Follow Your Dream!

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«Mauritius lässt uns nicht nur träumen, Mauritius lässt Träume wahr werden.»

von Valérie Ziegler, Fotos: Mauritius Tourism Switzerland

Wer an Mauritius denkt, gerät sofort ins Träumen: Tropisches Klima, traumhaft schöne weisse Strände, Zuckerrohrfelder, subtropisches Flair – die Inselgruppe im Indischen Ozean weiss zu verlocken. Die Unterkunft im richtigen Hotel lässt den Urlaub perfekt werden.

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m Südwesten des Indischen Ozeans gelegen, östlich von Madagaskar, südlich von den Seychellen, direkt neben La Réunion und gerademal 1700 Kilometer von der afrikanischen Grenze entfernt liegt die Insel Mauritius.

Ein Urlaub auf Mauritius verspricht Entspannung pur. Doch auch Sportbegeisterte kommen voll zum Zug: Paradiesische Bergwanderungen, Golf, Schnorcheln in den Korallenriffen, Tauchen im türkisblauen Meer, Fischen, Segeln, Surfen, Kitesurfen – langweilig wird es bestimmt nicht. Traumhafte Hotels mit Spas sorgen für den perfekten Ausklang eines abwechslungsreichen Tages. Gerne stellen wir Ihnen zwei Geheimtipps vor.

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«Constance Le Prince Maurice» Hier werden Traditionen gelebt

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as «Constance Le Prince Maurice» ist mehr als ein Luxushotel – es ist eine Legende. Das FünfSterne-Deluxe-Hotel – Mitglied der edlen Vereinigung von Relais & Châteaux – liegt auf einer privaten Halbinsel an der Nordostküste von Mauritius. Die zum Hotel gehörende zauberhafte Lagune, gesäumt von weissen Sandstränden und einem tropischen Park vor der Kulisse des Indischen Ozeans, lassen die Märchenlandschaft Wirklichkeit werden. Hier wird die Vergangenheit der Insel wieder lebendig und das zeigt sich unter anderem in der Architektur und in der Ausstattung der Suiten und Villen: Inspiriert von der Ära der Gewürzhändler, die auf der Suche nach exotischen Essenzen über den Indischen Ozean segelten, wurden für die 76 Juniorsuiten und zwölf Villen dunkle, einheimische Hölzer, Marmor und Stoffe in Curryfarben verwendet. Einige Suiten und Villen wurden auf Stelzen gebaut, andere besitzen einen eigenen Pool.

Ein Paradies für Golfer Das «Constance Le Prince Maurice» ist für Golfer der Himmel auf Erden: In wenigen Minuten erreicht der kostenlose Shuttlebus die beiden nahen 18-Loch-Meisterschaftsplätze, auf denen greenfeefrei gespielt werden kann – Golf ohne Grenzen!

«The Legend» (Par 72, 6014 Meter) machte die Insel Mauritius als Golfdestination berühmt und erstreckt sich auf einem ehemaligen Wildreservat.

Hier stösst man auch heute noch auf Java-Hirsche und Rehe, die über Fairways ziehen oder an kleinen Seen Rast machen. Aktivurlauber kommen im Hotel zudem bei Wassersport, Tennis, Squash oder Mountainbiken auf ihre Kosten.

Harmonie für Körper und Seele Nach einem aktiven Tag entspannt man am besten im neuen «Le Spa de Constance». Hier werden Massagen und Gesichtsbehandlungen angeboten, die auf mauritischen Heiltraditionen basieren und wofür tropische Essenzen wie Ylang Ylang, Vanille oder Frangipani verwendet werden. «Le Spa de Constance» umfasst zudem ein elegantes «Institut de Guerlain», dessen Kosmetikerinnen direkt im Pariser Unternehmen «Maison de Guerlain» ausgebildet wurden.

Gewürze für Gourmets Zum Verwöhnprogramm mit perfektem Service gehören ausgezeichnete Restaurants. So ist das «Le Barachois», in einer Lagune mit traumhaftem Ambiente gelegen, das einzige schwimmende Restaurant in Mauritius. Wer sich mal etwas ganz Besonderes gönnen möchte, lässt sich vom «Beachservice de luxe» verwöhnen: Auf orientalischen Kissen, unter orangefarbenen Sonnenschirmen kann man direkt am Ozean ganz privat entspannen und einen leichten Lunch à la carte oder auch ein Glas wohlig prickelnden Champagner geniessen. Hobbyköche erhalten die Gelegenheit, einmal pro Woche in die Geheimnisse der Inselküche eingeweiht zu werden. www.princemaurice.com Buchungen: www.letsgo.ch

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«Royal Palm» Kolonialer Charme, zeitlose Eleganz und himmlische Ruhe

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Mit Wellen im Ohr ausgezeichnete Haute Cuisine geniessen

Schlummertrunk auf der Sonnenterrasse

Mit Blick auf die Bucht erlebt man, neben einem einmaligen Frühstück, im «La Goélette» eine geniale Mischung internationaler Küche mit einheimischen Zutaten, dazu gibt es eine Auswahl hervorragender Weine.

as «Royal Palm», Flaggschiff der BeachcomberHotelgruppe und mehrfach ausgezeichnetes Mitglied im erlesenen Kreis der Leading Hotels of the World, gilt als die hochkarätigste Adresse auf der Zuckerinsel Mauritius. Das Hotel ist Rückzugsort für viele Promis, welche es vorziehen, sich in entspannter Privatheit und stilvollem Ambiente zu erholen. Das Team vom «Royal Palm» liest den Gästen jeden Wunsch von den Augen ab – diskret und aufmerksam zugleich.

Acht verschiedene Suite-Kategorien sorgen dafür, dass die individuellen Ansprüche der Gäste gestillt werden. Viel edles Holz und Leder in der Ausstattung vermitteln ein Gefühl von Wärme, Noblesse und Zeitgeist. Glas-, Holz und Marmorelemente verleihen den in kräftigen Rottönen gehaltenen Bädern einen modernen Touch. Rain Shower und Marmorwannen sorgen für ein raffiniertes Finish. Grosszügige Sonnenterrassen mit Meerblick laden zum Verweilen ein. Das prachtvollste Zimmer ist die «Royal Suite». Auf drei Etagen mit insgesamt 300 Quadratmetern bietet sie jegliche Art von Luxus. Ihr Wohnbereich öffnet sich zu einem Gazebo und dem Infinity-Pool mit integriertem Whirlpool – der Blick stets aufs Meer und die Lagune gerichtet.

Vom Bambuswald zum indischen Zauber Für das einzigartige Design-Konzept des Clarins Spa wurden ausschliesslich natürliche Baustoffe verwendet, die für ein nobles Ambiente sorgen. Der wohl duftende Eingangsbereich führt ins Innere des Spas, wo sich ein schimmernder Wasserfall über

mehrere Becken in den zentralen Pool ergiesst. Gegenüber dem Eingang befindet sich der Yogabereich, in dessen Umgebung sich die Gäste entspannen und hochwertige Behandlungen geniessen können.

Unter der Leitung des ausgezeichneten Chefkochs Michel de Mattéis wurde das Konzept des Spezialitätenrestaurants «Natureaty» entwickelt. Im Mittelpunkt stehen die Entdeckung der Küchen dieser Welt und die entsprechenden Produkte.

Unterhaltungsangebot für Jung und Alt Wer denkt, für Kinder findet sich an diesem idyllischen Ort kein Platz, der irrt. Durch seine Lage unter den schattenspendenden Baumkronen eines tropischen Gartens erinnert der Kinderclub an ein authentisches kreolisches Plantagenhaus, in dem Drei- bis Zwölfjährige jede Menge Ferienfreude erleben können. Auch ältere Kinder und Sportbegeisterte kommen voll zum Zug: Wie alle Beachcomber-Hotels bietet das «Royal Palm» eine breite Auswahl an Land- und Wassersportarten. Dank der Nähe zum kleinen Küstenort Grand Baie können Cafés, Restaurants, Geschäfte und Shops in nur wenigen Schritten ausgekundschaftet werden.

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www.royalpalm-hotel.com Buchungen: www.letsgo.ch


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«Dolce Vita» in Istrien Von Kopien und Köstlichkeiten Es war wohl wieder einer dieser Tage, an dem die Sonne endlos zu scheinen schien. Hoher Besuch hatte sich aus der Herrschaftsmetropole Venedig im kleinen Fischerdorf Rovinj an der Küste Istriens angesagt …

von Sabine Kwapik

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er Grund war ein Unglück, das Trauer und Bestürzung in der ganzen Welt ausgelöst hatte. War doch am 14. Juli 1902, am Vormittag kurz vor 10 Uhr, der Glockenturm des Markusdoms auf dem Markusplatz in Venedig eingestürzt. Das Städtchen Rovinj im heutigen Kroatien spielte eine entscheidende Rolle bei der Wiedererrichtung des Wahrzeichens der Lagunenstadt und hat nicht nur für Kunstliebhaber, sondern auch für Gourmets eine Menge zu bieten. Die istrische Halbinsel mit der charakteristischen in die Adria ragenden Spitze ist ein Geheimtipp für wertvolle Öle, ausgezeichnete Weine, seltenes Fleur de Sel, ökologisch produzierten Wolfsbarsch und für die raren Trüffel.

Von Rovinj nach Venedig Was für eine Blamage. Erst stürzt das weltbekannte Wahrzeichen Venedigs ein. Der Grund war wohl der Einbau eines Aufzugs in den Glockenturm auf dem Markusplatz. Und dann fehlt auch noch von den Bauplänen des Campanile auf dem Markusplatz jede Spur. Zum Glück kam beim Einsturz des Gebäudes am helllichten Tage kein Mensch zu Schaden. Dennoch: Guter Rat war teuer in der damaligen Serenissima, der früheren Republik Venedig.

Dabei kam dem malerischen Örtchen Rovinj in Istrien in dieser Situation zur Neuerrichtung des Turms plötzlich eine Schlüsselrolle zu. Denn der auf dem Stadthügel thronende Glockenturm in Istrien war eine exakte Kopie des weltbekannten Wahrzeichens venezianischer Herrschaft. Eine glückliche Fügung für die beauftragten Baumeister seinerzeit. Findig fertigten sie kurzerhand Pläne und Zeichnungen des weithin sichtbaren Turms in Rovinj an. Quasi eine Kopie der Kopie. Nur dadurch konnte der Wiederaufbau des Campanile in der Lagunenstadt starten bis der neue Turm 1912 in Venedig feierlich eingeweiht wurde. Von der engen Verbindung beider Orte können sich Besucher noch heute überzeugen, etwa bei einem Ausflug vom kroatischen Rovinj in die rund zwei Fährstunden entfernte italienische Metropole. Für das sprichwörtliche «Dolce Vita» und den kulinarischen Genuss auf Spitzenniveau hingegen muss man nicht in die Ferne schweifen, bietet Istrien doch eine Menge mediterranes Flair und eine weite Palette an hochwertigen regionalen Produkten für höchste kulinarische Ansprüche. Der grösste Teil des touristischen Geheimtipps gehört zu Kroatien, ein Teil des Nordens zu Slowenien und ein kleiner Landstrich zu Italien.

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Blick auf Rovinj.

Kulinarische Höhenflüge Und entsprechend mediterran ist die Atmosphäre, etwa in Rovinj. Kleine Gassen mit Kunsthandwerk und Galerien, einladende Cafés und ein opulenter Markt mit frischen regionalen Produkten. Die werden etwa auch im Restaurant Wine Vault im BoutiqueHotel Monte Mulini verarbeitet. Erst kürzlich adelte der renommierte Restaurantführer Gault Millau das Reich von Chefkoch Tomislav Gretic mit 16 Punkten. Ob frische Fische aus dem nahe gelegenen Lim-Fjord, würziger Rohschinken und natürlich auch die weissen und schwarzen Trüffel der «kroatischen Toskana»: Die mediterrane Küche des Chefkochs kann mit den regionalen Produkten der Halbinsel aus dem Vollen schöpfen und Essgenuss der Spitzenklasse präsentieren. «Diese Karte wollte ich schon vor 20 Jahren kochen, doch fehlte es mir an Wissen und Technik», sagt der Chefkoch im Mühlenberg, wie Monte Mulini ins Deutsche übersetzt heisst. Aber auch Beauty-Fans und Weinliebhaber kommen dort auf ihre Kosten: Die Öle der Umgebung werden bei den Anwendungen im Spa des Hotels benutzt und die Weinkarte umfasst in etwa 600 kroatische und internationale Spitzenweine. Wie etwa die der Winzerei Matosevic im Landesinneren. Dort werden zwei Rebsorten verarbeitet, die nur in Istrien vorkommen. Malvasier aus einer weissen Traube und Teran aus einer roten heissen die über Jahrhunderte bekannten regionalen Weinspezialitäten, die Matosevic eine Vielzahl von Auszeichnungen eingebracht haben.

«Die weissen und schwarzen Trüffel gelten als Spezialiäten der region.»

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Schmale Gassen führen durch Rovinj.

«DAS PITTORESKE Rovinj HAT nicht nur für Kunstliebhaber, sondern auch für Gourmets eine Menge zu bieten.»

Ausgezeichnet sind auch andere in den Wäldern Istriens vorkommende Ingredienzien. Spitzenköche schwören auf sie als eine unerlässliche Zutat für Kreationen der Gourmetküche: schwarze und weisse Trüffel. Die unterirdisch wachsenden Knollen gehören zu den teuersten und kulinarisch wertvollsten Pilzen. Feinschmecker sollten sich deshalb im Herbst einen Termin für einen Besuch in Kroatien freihalten. Denn dann werden die edlen Knollen auf dem Tuberfest in Livade versteigert. Neben Frankreich und Italien ist Istrien eines der wichtigsten Verbreitungsgebiete für den Nusspilz. Das weiss auch Giancarlo Zigante. Er ist der unumstössliche «König der Trüffel» in Istrien und hat das auch verbrieft.

Der 2. November 1999 stellte sein damaliges Leben komplett auf den Kopf. Bei einem Streifzug durch die Wälder fand er einen 1,310 Kilogramm schweren weissen Trüffel. Das brachte ihm einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde. Der Start für sein heutiges Trüffel-Imperium nahe der Stadt Livade. Ob TrüffelÖl, Trüffel-Pasten oder die pure Trüffel-Knolle: Giancarlo Zigante kann alles liefern. Denn mittlerweile umfasst sein Unternehmen mit rund 60 Angestellten sechs Geschäfte und ein ebenfalls mehrfach von Gault Millau ausgezeichnetes Restaurant. «Trüffel sind meine wahre Liebe, mein Leben, meine Leidenschaft», sagt der Trüffel-König von Istrien. Auch Besucher können ihr Glück

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bei speziellen Ausflügen selber herausfordern, bietet Zigante doch Trüffel-Such-Kurse an. Aber wer bei einem solchen Trip als Spürnase das wortwörtliche Trüffel-Schwein erwartet, wird enttäuscht sein. Heutzutage wird die Trüffel-Suche nämlich mit Hunden betrieben. Der Grund: Schweine richten beim Ausgraben oft grossen Schaden an den Wurzelspitzen an. Ausserdem wollen die Tiere die duftenden Knollen selber fressen und sind deshalb schwer zu zügeln. Die am weitesten verbreitete Art der TrüffelSuche geschieht mit speziell abgerichteten Hunden. Übrigens: Den Trüffel, der Giancarlo Zigante in seiner Heimat viel Ruhm einbrachte, hat er nicht verkauft. Er wurde bei einem grossen Dorf-Fest mit den Nachbarn verspeist.

Handgewonnenes Salz Um Zutaten für edles Speisen geht es auch im knapp eine Autostunde entfernten Naturpark Secovlje-Salinen gleich hinter der slowenischen Grenze. Das 52 Hektar umfassende Gebiet ist zugleich der grösste botanische Garten Istriens. Die istrische Spezialität dort: das in Handarbeit angebaute Salz «Fleur de Sel». «In dieser Saline werden zwischen 2000 und 3000 Tonnen hochwertiges Salz im Jahr geerntet», sagt die 36-jährige Biologin Irena Fonda. In den einzelnen Staubecken mit unterschiedlichen Grössen wird eines der wertvollsten Salze gewonnen. Zunächst gelangt das salzhaltige Wasser in ein grösseres Staubecken, etwa von der Grösse eines halben Fussballfeldes. Dann spielen zwei Komponenten die

wichtigste Rolle: die Sonne und Geduld – viel Geduld. Denn je nach Temperatur verdunstet das Wasser mal schnell, aber auch mal langsam. Wenn der Salzgehalt des ersten Beckens einen hohen Grad erreicht hat, wird peu à peu ein separates weiteres Becken geflutet. Und dann ist erneut Warten angesagt, bis das Wasser verdunstet ist. «Seit rund 700 Jahren wird das Salz fast unverändert in dieser Handarbeit gewonnen», sagt Irena Fonda. Sie selber betreibt seit 2003 in Sichtweite der Saline vor der Küste eine Fischfarm für Wolfsbarsch. Dabei setzt die tatkräftige Frau auf Ökologie und – wie kann es anders sein – ebenfalls auf Handarbeit. Netze reinigen, Futter ausbringen, Ernte einholen. Bei Wind und Wetter. Drei Jahre braucht der Fisch der Marke Fonda, um die notwendige Verkaufsgrösse zu erreichen. Dann bekommt er ein Etikett, mit dem der Käufer genau über das Fangdatum informiert wird. «So garantieren wir unseren Kunden die absolute Frische der Produkte», sagt Fonda. Ihre Geduld scheint sich zu lohnen. So beliefert die innovative Unternehmerin etwa das Restaurant von Chefkoch Curt-Daniel Scheffler im Kempinski Palace Portoroz. «Der adriatische Fisch hat einen speziellen süsslichen Geschmack, der einzigartig ist», sagt Scheffler. Für ihn ein Argument für Istrien, das die Region neben all den weiteren Spitzenangeboten zu einem Muss für Gourmet-Fans macht. Schefflers Meinung ist eindeutig: «Istrien ist ein Schlaraffenland für jeden Küchenchef.»

© wikimedia.org

Small little town Hum ist laut Guinness-Buch der Rekorde die kleinste Stadt der Welt. Auch wenn aufgrund der Grösse der Stadt nicht viel Sehenswertes zu erwarten ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Denn in Hum entdeckt man hinter dem Stadttor die Konoba Huma, in der man leckere Spezialitäten wie Gulasch, Sauerkraut, Käse, Schinken oder Trüffelgerichte probieren kann. Durch das Stadttor erreicht man den Kirchplatz mit der Pfarrkirche Sv. Petr i Pavel (1802) und die beiden Gassen des Ortes. In der hinteren Gasse findet man ein kleines Museum mit landwirtschaftlichen Geräten und alten glagolitischen Tafeln sowie einen Souvenirshop. Die offiziell 23 Einwohner der kleinsten Stadt der Welt wechseln sich in der Bewirtschaftung der Dorfkneipe ab. Auch dürfen ein Pfarrer und ein Bürgermeister in einer «echten» Stadt nicht fehlen. Die Bürgermeisterwahlen erweisen sich als besonders kurios. Die nominierten Kandidaten geben ein Stück Kerbholz mit ihren Initialen an die Wahlberechtigten ab, die im Kreis versammelt sind. Jeder Wähler schneidet eine Kerbe in das Holz seines Favoriten. Derjenige mit den meisten Kerben im Holz wird zum Bürgermeister gewählt.

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«Der Anfang ist die Hälfte des Weges.» Koreanisches Sprichwort

Südkorea

Vom Land der Morgenstille 214


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von Katalin Szabo, Fotos: tourasia

eines der gängigen Asienklischees scheint zum Südkoreaner zu passen. Er spielt vielleicht besser Fussball, ist von der Statur her grösser, ernährt sich gerne von Kimchi und grilliertem Fleisch und hört mehrheitlich auf den Namen Kim oder Park. Doch was wissen wir sonst? Südkorea umfasst den südlichen Teil der Koreanischen Halbinsel, wird östlich vom Pazifik umspült und westlich von der Chinesischen See. Die Küsten im Westen und Süden weisen viele Buchten und Halbinseln auf, denen rund 4400 Inseln vorgelagert sind. 70 Prozent der Landesfläche bestehen aus Gebirge und Hügeln. Nördlich grenzt es an seinen Nachbarn Nordkorea und südlich erstreckt sich Japans Inselkette zu seinen Füssen und ist mit einer kurzen Fährverbindung erreichbar.

Vom Armenhaus zum Tigerstaat – eine Erfolgsgeschichte Über 30 Jahre hat das Land unter der Herrschaft Japans gelitten, aber nie hat es die Hoffnung auf Unabhängigkeit aufgegeben. Nach dem Koreakrieg in den 50er Jahren war Südkorea zerbombt, gebeutelt und verarmt. Doch Südkorea liess sich nicht unterkriegen, zu gross war der Stolz, es aus eigener Kraft zu schaffen. Innerhalb eines halben Jahrhunderts verwandelte sich das Land von einem Armenhaus zu einem der Tigerstaaten Asiens und einem der zehn führenden Volkswirtschaften. Südkorea hat sich weltweit an die Spitze der modernen Telekommunikationstechnik gebracht. Die Wirtschaftsriesen Samsung, LG Electronics und Hyundai bieten zahllose Arbeitsplätze und die Existenzgrundlage vieler Südkoreaner.

Potpourri der Religionen

Warum Südkorea? Made in Korea-Produkte in der Elektronik kennen wir, von Konflikten mit Nordkorea hören wir, an die Olympiade in Seoul erinnern wir uns oder an schräge Bilder von Massenhochzeiten der Moon-Sekte.

Christentum, Buddhismus, Schamanismus oder Konfuzianismus? Wenige Südkoreaner bekennen sich nur zu einer Religion. In der Erziehung Konfuzianer, vor wichtigen Entscheidungen Schamane, am Sonntag Christ und vor dem Sterben Buddhist. Durch diese Offenheit kann der ausländische Besucher sich länger in einem Tempel aufhalten. Ob Meditation, Teezeremonie, Mönchsgesang oder Kunst der Verbeugung; eine Chance, den traditionellen koreanischen Buddhismus hautnah mitzuerleben.

Trendsetter Südkorea Weniger gesichtslos ist Südkorea unter seinen asiatischen Nachbarn. Viele koreanische Modelabels und vor allem koreanische Filme, TV Serien werden asienweit verfolgt und geliebt. Die koreanische Welle, Hallyu genannt, spült bis nach Japan, den Philippinen und China. Die Serienstars werden wie Idole verehrt und die Schauplätze der Serien immer wieder gerne besucht.

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Touristische Höhepunkte Gyeongju

Panmunjon

Busan

Jeju

Die Hauptstadt Seoul

Seoraksan Nationalpark

Mit rund 10 Millionen Einwohnern ist sie politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Trotz ihrer Grösse und rasanten Entwicklung gibt es noch viele kulturelle Spuren aus der Vergangenheit zu bewundern: die Stadttore, alte Paläste und enge Gässchen. Die moderne und geschäftige Stadt ist ein einmaliges Einkaufsparadies für Kleider, Seide, Töpferwaren, elektronische Geräte und den berühmten koreanischen Ginseng. Das sehr moderne U-BahnNetz ist ein effizientes und günstiges Transportmittel. Wer abenteuerlustig ist, bucht einen Mietwagen für die Weiterreise.

Mit seinen Tempeln, Wasserfällen, dem herrlichen Bergpanorama und einzigartiger Natur, bekannt für schöne Baumblüten im Frühjahr und die Laubfärbung im Herbst – einfach ein Wanderparadies schlechthin!

Gyeongju Viereinhalb Stunden von Seoul entfernt liegt die einstige Hauptstadt der Silla-Dynastie in einem Tal mit historischen Bauten und Tempeln. Die sehenswürdigen Stätten gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Panmunjon oder DMZ In der demilitarisierten Zone, kurz DMZ, an der Grenze zu Südund Nordkorea, die als bestbewachte Grenze der Welt gilt, zeigt sich dem Reisenden eindrücklich die traurige Teilung der zwei Staaten. Der Anblick der letzten Front des Kalten Krieges sorgt für Nervenkitzel und regt zum Nachdenken an.

Busan Südkoreas grösste Hafenstadt, wo sich ein grosser UNOFriedhof mit gefallenen Soldaten aus 16 Ländern befindet. Der Jagalshi-Fischmarkt, wo Busans Fischer ihren Tagesfang zum Kauf anbieten, ist einer der grössten Asiens und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Jeju Ist die grösste Insel Südkoreas und liegt 150 km südlich der Südwestküste. Der erloschene Vulkan Halla dominiert die ganze Insel, das subtropische Klima und die andere Lebensweise der Insulaner machen Jeju zu einem exotischen Reiseziel, das vor allem bei Einheimischen für Flitterwochen beliebt ist. Bizarre Höhlen mit Lavagesteinsformationen, Wasserfälle, malerische Strände, Korallenriffe und spektakuläre Wanderrouten erfreuen auch ausländische Touristen.

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Der Seoraksan Nationalpark.

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Weltweit erster A380-Liniendienst nach Malaysia

Mit dem Radl rund um den Globus

Ab 1. Dezember 2011 wird Emirates täglich von seinem Drehkreuz Dubai aus die malaysische Hauptstadt nonstop mit Jets vom Typ Airbus A380 bedienen. Emirates fliegt Malaysia bereits seit Oktober 1996 an, als der Dienst nach Kuala Lumpur via Dhaka aufgenommen wurde. Seit 2006 fliegt die Airline nonstop von Dubai nach Kuala Lumpur und bietet heute wöchentlich 21 NonstopVerbindungen zwischen der arabischen Metropole und der malaysischen Hauptstadt an. Der Einsatz des A380 auf dieser Strecke wird der stark wachsenden Nachfrage seitens Geschäfts- und Urlaubsreisenden gerecht und fördert den Tourismus in Malaysia. Die Emirates A380 ist mit vielen Annehmlichkeiten ausgestattet: First-Class-Passagiere entspannen in einer der 14 Privat-Suiten, deren Sitze sich in ein komplett flaches Bett verwandeln lassen, und können eine der zwei grosszügigen Spa-Duschen nutzen.

Aktiv und umweltfreundlich: Weltweit stellen die Fairmont Hotels & Resorts in ihren Häusern sportlich Ambitionierten attraktive und hochwertige Leihräder von BMW kostenfrei zur Verfügung. Durch den Ausbau der Partnerschaft mit dem Münchner Automobilhersteller verstärkt die Luxushotelgruppe ihr Engagement sowohl für Umweltschutz und Nachhaltigkeit als auch für die Gesundheit und Fitness ihrer Gäste. Bisher wurde der BMW-Bike-Service nur in nordamerikanischen und kanadischen Häusern angeboten. Kontinuierlich entstehen weitere elegante Fairmont Hotels & Resorts an aussergewöhnlichen Plätzen auf der ganzen Welt, deren Landschaft, Naturvielfalt und kulturelle Highlights einen Ausflug wert sind. Auf BMW-Bikes können Gäste jetzt die Umgebung auf neue Weise entdecken: Ob sie vom «Fairmont Bejing» aus die «Hutongs», kleine Gassen mit traditionellen Wohnhöfen, im historischen Teil von Peking «erfahren» oder vom «Fairmont Le Montreux Palace» aus den Genfer See und die vielseitige Landschaft der Schweiz erkunden – Abenteuer warten überall. Wer am frei zugänglichen Kundenbindungsprogramm «Fairmont President’s Club» teilnimmt, wird nicht nur bei der Reservierung der Bikes bevorzugt, sondern geniesst auch weitere Extras des «Fairmont Fit»-Programms. www.fairmont.com/fpc.

Für Passagiere der First und Business Class gibt es eine exklusive Bord-Lounge mit Bar im Oberdeck. In allen Klassen sorgen die Stimmungsbeleuchtung «Mood Lighting» sowie das Unterhaltungsprogramm «ice» mit über 1200 On-Demand-Kanälen auf einem individuellen Bildschirm für ein einmaliges Flugerlebnis. www.emirates.com/ch

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Langstreckenflotte mit GSM- und Wi-Fi-Technik

Startschuss für das «Jumeirah Frankfurt»

Fluggäste von TAM Airlines können bald ihre mobilen Endgeräte an Bord aller Flugzeuge der Langstrecken-Flotte des Unternehmens nutzen, einschliesslich der Boeing- und Airbus-Maschinen. Über ein Funknetzwerk können Fluggäste ihre mobilen Telefone wie auch Notebooks und Tablet-PCs sowie weitere Endgeräte mit Wi-Fi-Anschluss nutzen.

Das «Jumeirah Frankfurt» heisst seine ersten Gäste seit dem 1. August herzlich willkommen. Das Fünf-Sterne-Hotel befindet sich im Zentrum Frankfurts, am Thurn-und-Taxis-Platz, in unmittelbarer Nähe zu Oper, Bankenviertel und Einkaufsmeilen. Mit einer Mindestgrösse von 35 Quadratmetern wird das «Jumeirah Frankfurt» die durchschnittlich grössten Hotelzimmer in Frankfurt bieten. 218 Zimmer und Suiten verteilen sich von der sechsten bis zur 25. Etage des Turms und ermöglichen einen fantastischen Blick auf die Silhouette Frankfurts und den nahegelegenen Taunus. Das Highlight ist die Präsidentensuite im 24. Stock mit einer Grösse von 220 Quadratmetern, die über zwei Schlafzimmer sowie eine private Sauna verfügt. Modern, zeitlos und elegant ist die Innengestaltung von Peter Silling & Associates. Die Zimmer sind in warmen Braunnuancen wie Walnuss oder Honig gehalten und mit edlen Materialien ausgestattet. Das offene Badezimmerkonzept sorgt für eine besondere Grosszügigkeit der Räume. In jedem Zimmer hängt zudem ein grossformatiges Originalgemälde des renommierten Leipziger Künstlers Hartwig Ebersbach.

Die Technik wird auf den zwölf Maschinen vom Typ Boeing 777300 ER eingesetzt wie auch auf zehn Maschinen vom Typ Airbus A330 und 27 Airbus-Maschinen A350. Insgesamt werden 80 Flugzeuge in den nächsten Monaten mit der Technik von OnAir ausgestattet, inklusive 31 Kurzstrecken-Flugzeuge, von denen vier bereits im Einsatz sind. Passagiere möchten während des Fluges mit anderen Personen in Kontakt bleiben. Das belegt der grosse Zuspruch für OnAir-Dienste auf den KurzstreckenFlügen. Es besteht kein Zweifel, dass die Online-Verbindungen an Bord allgegenwärtig werden. Das ist der Grund, warum TAM Airlines die erste Fluggesellschaft in Lateinamerika sein wird, die Passagieren die ganze Bandbreite an Kommunikations-Services auf der Langstrecken-Flotte anbietet. TAM Airlines ist zudem die erste Fluggesellschaft Südamerikas, die eine Wi-Fi-Verbindung an Bord anbietet. OnAir-Dienste, die über SwiftBroadband von Inmarsat laufen, bieten globale Erreichbarkeit. Das heisst: Fluggäste von TAM Airlines können weltweit verbunden werden durch die derzeit eingesetzte Satellitenverbindung zu den Flugzeugen und zurück www.tamairlines.com

Im ersten Stock befindet sich das Restaurant Max on One, dessen Konzept sich in drei Bereiche gliedert: eine Lounge, eine offene Showküche sowie einen Bereich für Private Dinings. Für die Kulinarik sind Executive Chef Martin Steiner und sein Team verantwortlich. In Frankfurt steht eine moderne, regionale Küche im Fokus. Dabei wird besonders auf die Verwendung lokaler Produkte geachtet, weshalb das «Jumeirah Frankfurt» auch ein eigenes Bienenvolk auf dem Dach des Hotels angesiedelt hat. www.jumeirah.com/frankfurt

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Wales

Das wilde Land des roten Drachen

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«Schlechte Nachrichten kommen in Holzpantinen, gute auf Strümpfen.» Aus Wales

«Croeso iGymru!» «Willkommen in Wales!», so heisst es in der alten keltischen Landessprache. Mit seiner rauen Schönheit, den grünen, sanften Hügeln und den schroffen Klippen bezaubert dieses kleine keltische Land jeden Besucher.

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Ungewöhliche Felsformationen ergeben sich an den Küsten.

Cricceith Castle, North Wales

von Yvonne Beck

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elbst Engländer kommentieren das Wetter in Wales mit dem Hinweis, es gebe dort reichlich Niederschläge. Tatsächlich liegen die Regenmengen auf der walisischen Halbinsel weit über denen in Südostengland. Zum Ausgleich scheint aber vor allem an der Westküste besonders oft und lange die Sonne. Doch mit der richtigen Kleidung lässt sich hier noch eine der schönsten Regionen der Britischen Inseln entdecken.

Die Festungen des Burgenkönigs Reizvolle Gegensätze bestimmen das Landschaftsbild in Wales: hohe Berge und tiefes Meer, sanft gerundete grüne Hügel und schroffe Gipfel, die fast 1000 Meter über weissen Wellenkämmen aufragen, liebliche Sandstrände und raue Klippenszenerien. Hinzu kommt eine Fülle romantischer Burgen, die vom immer wieder aufwallenden zähen Widerstand der Waliser gegen die anglonormannischen Eroberungsversuche erzählen. Die mittelalterlichen Ruinen begeisterten schon die empfindsamen Reisenden des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Sie waren es, welche die Naturschönheit und den Zauber einer von uralten Geschichten durchdrungenen Landschaft entdeckten, wo sich in verwunschenen grünen Tälern verwitterte Abteiruinen verstecken oder auf kahlen Bergkuppen die Mauerreste alter Burgtürme dem Wind trotzen.

Einst Symbol überlegener englischer Militärmacht, heute malerische Ruinen und Besuchermagnet – die Burgen setzen markante Akzente in der walisischen Landschaft. Vor allem der englische König Eduard I. machte sich als Burgenbauer einen Namen. Entlang der Küste von Gwynedd, im Nordwesten von Wales, untermauerte er durch eine Reihe militärarchitektonisch ausgefeilter Festungsanlagen seinen Machtanspruch. Caernarforn Castle war Eduards ehrgeizigstes Projekt: Palast und Festung in einem. Das 1283 in der Nähe des römischen Segontium am Ufer der Menai Strait errichtete Mammut-Castle sollte den englischen König als walisischen Herrscher legitimieren. Mit der sorgfältig inszenierten angeblichen Entdeckung der Gebeine des walisischstämmigen Kaisers Magnus Maximus wurden die walisisch-römischen Wurzeln beschworen wie auch mit dem Bau selbst: Die durch helle Steinbänder strukturierte Fassade war eine Reminiszenz an die Stadtmauer Ost-Roms. Umgebaute oder restaurierte, ehemals walisische Burgen bilden weitere Glieder in Eduards Burgenkette, zum Beispiel Criccieth. Schluss und Höhepunkt von Eduards Bautätigkeit wurde dann Beumaris. Vollständig symmetrisch und konzentrisch angelegt, erhebt sie sich noch heute an strategisch wichtiger Stelle über die schmale Menai Strait. Im Schatten der Burg liess der König, wie anderorts, für englische Siedler eine ummauerte Stadt mit rechtwinkligem Strassennetz bauen.

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Caernarforn Castle

Vieles in Wales ist noch älter als die keltische Kultur, die im fünften Jahrhundert vom Kontinent auf die Britischen Inseln kam. Bis heute hält man im Westen am Althergebrachten fest: In einer Kontinuität, die über Traditionsbewusstsein weit hinausgeht, pflegt man Erinnerungen aus grauer Vorzeit, der Zeit der Megalithbauten, als auf der Insel Anglesey die heiligen Haine der Druiden standen. Überall in Wales kann man der Kraft dieser Vergangenheit nachspüren, die in Sagen und Legenden weiterlebt. Dichtung und Wahrheit sind in der walisischen Geschichte häufig eng verwoben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Artuslegende, die nicht nur den Dichtern in ganz Europa Stoff für literarische Höhenfluge lieferte, sondern auch politischen Zündstoff enthielt. Als Urheber der Artuslegende gilt der Benediktinermönch Geoffrey of Monmouth, der um 1136 die «Historia Regum Britanniae» verfasste, welche die Geschichte der britischen Könige über 1900 Jahre zurückverfolgt. Dabei griff der Kirchenmann weit in die mythische Vorzeit zurück. In der Art, wie hier Legende und Wahrheit gemischt wurden, unterschied sich der Mönch kaum von anderen Geschichtsschreibern der Zeit. Doch wäre die Weltliteratur sehr viel ärmer, hätte sich Geoffrey nicht so ausführlich über jenen König ausgelassen, der um 500 die heidnischen Sachsen in die Flucht geschlagen haben soll.

Geoffreys Verdienst war es vor allem, die Story mit Details aus dem keltischen Sagenschatz angereichert zu haben, besonders die Geschichte von Merlin. Und so sind die Sagen um Artus und seine Tafelrunde, die Suche nach dem Gral, den tapferen Sir Galahad und Artus’ untreuer Gattin Guinevere bis heute ein faszinierender Stoff geblieben – umwabert von den Nebeln von Avalon. Die Unsterblichkeit des legendären Königs und Feldherrn, die bei Geoffrey und später Robert Wace behauptet wird, ist mehr als eine romantische Vorstellung, denn sie barg politischen Zündstoff. Die Angst, eines Tages durch einen keltischen König wieder entthront zu werden, sass tief bei den englischen Königen seit Eduard I. – und sie war nicht ganz unbegründet. So kann man in Wales perfekt auf den Spuren König Artus’ wandern, die Burgen König Eduards besichtigen und sich in längst vergangenen Zeiten wiederfinden.

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Das Land der Mythen und der Magie


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Der Besuch eines Rugby-Spiels sollte definitiv bei jeder Reise nach Wales auf dem Plan stehen.

Der Waliser Nationalsport Wer eine ganz andere Seite der Waliser kennenlernen möchte, die der echten harten Kerle, die sie immer schon waren und auch heute noch sind, der sollte unbedingt ein Rugby-Spiel besuchen. Zwar haben die Waliser Rugby nicht erfunden, dennoch ist er der Nationalsport Nummer eins. Sichtbares Zeichen dafür ist das über 70 000 Zuschauer fassende Millennium Stadium in Cardiff, das neben der parallel entstandenen National Assembly for Wales – dem Parlament – und dem Kulturtempel des Welsh Millennium Centre an der Cardiff Bay die «nationale Tridentität» bildet. Südwales gibt als die Rugby-Hochburg des Landes. Die meisten Vereine konzentrieren sich in den ehemaligen Industriestädten. Die Saison beginnt im September und dauert bis kurz nach Ostern. Wer als Zaungast samstags beim Training auf dem Sportplatz der Vorstadtsiedlung zuschaut, bekommt einen guten Eindruck von dem Spiel. Anders als in England ist Rugby Union in Wales nie der Sport rüpelhafter Privatschulzöglinge gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts war das Mannschaftsspiel in den Arbeitersiedlungen der Valleys vielmehr Ventil für den Frust der hart arbeitenden Kumpel. Die Bergwerksherren und andere Unternehmer förderten den Sport gezielt. Sie sahen es gerne, wenn sich die Arbeiter auf dem Spielfeld abreagierten, anstatt in sozialen Arbeitervereinen womöglich mit revolutionärem Gedankengut in Berührung zu kommen – nach dem Motto: lieber Rugby Union als Trade Union (Gewerkschaft). Zudem stärkte Rugby den Gemeinschaftsgeist, für die Kumpel unter Tage überlebenswichtig. Heute sind die Six Nations Championships, welche von Januar bis April stattfinden, eines der wichtigsten Sportevents in der angelsächsischen Welt.

Merlins Prophezeiung Im Mittelalter fand die Figur des Merlin als Zauberer und Berater des Königs Eingang in die Artussage. In der alten walisischen Tradition ist Merlin dagegen ein Barde des späten 6. Jahrhunderts, der dem Keltenfürsten Vortigern das Wiedererstarken des Keltentums prophezeit – mit einem Gleichnis: Es tobt ein unsichtbarer Kampf zwischen einem roten und einem weissen Drachen. Zuerst unterliegt der rote Drache (Waliser), um später doch den Sieg über den weissen Drachen (Sachsen) davonzutragen und das Land zurückzuerobern.

Merlin, der Zauberer und Berater des Königs.

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AUTUMN 2011

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Ecuador ist eines der artenreichsten Länder der Erde. Denn es ist gleichzeitig Pazifikanrainer, Andenstaat sowie Teil des Amazonasbeckens und Äquatorgürtel. Küste, Gebirge, Regenwald und die Galapagosinseln – vielfältiger ist kein Land auf der Welt.

ECUADOr

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Die Mitte der Welt von Yvonne Beck

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ahrscheinlich gibt es kein anderes Land, das eine derart hohe Reisevielfalt auf so kleinem Raum bietet wie Ecuador. So wie die dramatische Topografie zwischen der Brandung des Pazifiks und den eisigen Gipfeln der Vulkane stehen auch die Kulturen des Landes für eine faszinierende Vielfalt.

Hochgelegene Hauptstadt Quito ist eine der höchstgelegenen Hauptstädte der Welt. Rund 1,8 Millionen Quinteños leben mittlerweile in der Andenmetropole auf 2850 Metern Höhe. Die UNESCO erklärte die Altstadt von Quito aufgrund ihrer jahrhundertealten Architektur und ihrer aussergewöhnlichen Kulturschätze schon im Jahre 1979 zum Weltkulturerbe der Menschheit. Sah die Stadt damals noch recht trübselig und grau aus, so ist sie heute ein architektonisches Juwel: Restaurateure und Investoren haben aus den engen Gassen mit ihren traditionellen Lehmziegelbauten und ihren kuriosen Stilmischungen ein lateinamerikanisches Besucherzentrum für koloniale Geschichte und Architektur geformt. Und das liegt durchaus in der Tradition der Stadt, deren einst spanische Schule der Malerei und Bildhauerei, die Escuela Quinteña, an diesem Ort seit bald 500 Jahren Meisterwerke vollbringt. Dass diese Kunst der Besatzerelite auf Kosten der indianischen Ureinwohner ging, ist Teil dieser Geschichte. Das Stadtmuseum versteht sich daher als eine Hommage an die einfachen Menschen, die unter den Tonnenlasten

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Die beeindruckende Oster-Prozession in Quito.

«Der «casco colonial», die Altstadt von Quito, ist eine der ältesten Städte Kolonialamerikas» von Blattgold und Zedernholz jahrhundertelang nahezu vergessen wurden. Der «casco colonial», die Altstadt von Quito, ist eine der ältesten Städte Kolonialamerikas und empfiehlt sich jedem Ecuadorreisenden unbedingt für eine einzigartige Zeitreise durch Architektur, Geschichte und religiöse Kultur der «Neuen Welt». Wer sich in den zahlreichen Museen und hübschen Cafés oder Saftbars nicht gänzlich verliert, kann mit einem vollen Tag auskommen, um die Höhepunkte dieses Kulturschatzes zu entdecken.

Das moderne Quito besitzt hingegen wenig Charme, allerdings umgibt das pulsierende Geschäftsleben in diesem Teil der Stadt auch einige der wichtigsten Museen und Theater. Und auch in der Umgebung der Stadt Quito, jenseits des gewaltigen urbanen Ballungsraums, liegen einige spektakuläre Naturräume, wo besonders Vogelbeobachter, Wanderer und Orchideenfreunde voll auf ihre Kosten kommen. Auch die vulkanischen Thermalbäder von Papallacta liegen nur rund eine Stunde östlich von Quito.

Dramatische Prozession

Rauchende Gipfel

Wer tief in die Religion der Stadt eintauchen möchte, sollte über Ostern Quito besuchen. Denn die Stadt begeht am Morgen des Karfreitags eine der eindruckvollsten Prozessionen in Lateinamerika. Tausende Sünder geisseln sich mit Ketten, Dornenkronen, Peitschen und schweren Holzkreuzen. Ausgangspunkt der religiösen Grossveranstaltung ist das Portal der Iglesia de San Francisco. Zigtausende warten dort unter Schwaden von Weihrauch auf den Beginn des Leidenszuges, auf die Sünder und Büsser, die zahlreichen Musikkapellen und die gespenstischen «cucuruchos», unter violetten Kapuzen und Gewändern verhüllte Selbstbezichtiger, die so ihr Angesicht der Sünde verstecken. Zum Ende der Prozession, die sich fortan über mehrere Stunden durch zahlreiche Strassen der Altstadt zieht, werden die Statuen von Jesus und der Jungfrau der Schmerzen aus der Kirche in die Strassen getragen.

Südlich von Quito erstreckt sich der geografisch grösste Teil der ecuadorianischen Anden, der auch die höchste Erhebung aufweist: den 5897 Meter hohen aktiven Vulkan Cotopaxi und den 6310 Meter hohen erloschenen Vulkan Chimborazo. Diese lange Passage, eine grandiose Gebirgslandschaft mit Vegetation bis in eine Höhe von 4500 Metern und rauchenden Gipfeln, taufte Alexander von Humboldt die «Strasse der Vulkane». Für Aktivsportler ist der Süden der Anden ein gelobtes Land. In fast allen Regionen zählen Bergsteigen, Wandern, Reiten und Radfahren zum Standardprogramm – und das auf hohem Erlebnisniveau. Zudem liegen hier zwei grandiose Nationalparks mit reichlich Wasser und von überwältigender Schönheit. Ein Highlight dieser Region ist sicherlich der Nationalpark Cotopaxi mit dem Gipfel eines der höchsten noch aktiven Vulkane. Er bietet mehrere spannende Trecks, auf denen man den 800 Meter breiten Krater auf

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Der Vulkan Cotopaxi.

«Cotopaxi bedeutet auch «Hals des Mondes» in der Sprache der Cayapas» fast 6000 Meter Höhe besteigen kann. Cotopaxi bedeutet in der Sprache der Cayapas auch «Hals des Mondes» und im Idiom der vorinkaischen Panzaleos «Feuerschlund», der letzte Ausbruch fand jedoch im Jahre 1942 statt. Vor 127 Jahren, am 28. November 1872, bezwangen der deutsche Geologe Wilhelm Reiss und der Kolumbianer Angel Maria Escobar erstmalig den Cotopaxi. Acht Jahre später ging der legendäre britische Alpinist Edward Whymper mit der ersten Gipfelübernachtung in die Annalen des Bergsports ein. Heute gehört der Vulkan zu den grossen Attraktionen für Bergsteiger aus aller Welt. Der gleichmässige konische Vulkankegel des Cotopaxi überragt das Land «öfter» als jeder andere Berg, da er im zentralen Hochlandklima die meisten Tage mit freier Sicht zählt und ganzjährig zu erklimmen ist. Die Besteigung dauert ab dem und zurück zum Refugio zwischen fünf und zehn Stunden. Wegen der Witterung sowie Schneebrücken und Gletscherspalten ist ein Bergführer obligatorisch. Zudem erfordern die Schneeschmelze, aber auch neue Schneefälle gelegentliche Routenänderungen. Beste Saison für die Gipfelbesteigung ist August bis Dezember, denn von Februar bis Mai bildet sich häufig Nebel. Der mehr als 33 000 Quadratkilometer grosse Nationalpark um den Vulkan ist geprägt von recht karger bis botanisch vielfältiger Páramo-Landschaft. Aussergewöhnliche Orte zum Verweilen in

historischem Ambiente sind die zahlreichen kolonialen Haciendas. Viele von ihnen sind inzwischen aufwändig restauriert worden und beherbergen exzellente Hotels und Restaurants. Zu den nicht selten auf das 16. Jahrhundert zurückgehenden Bauten der kolonialen Haciendas haben sich inzwischen auch einige jüngere gesellt. Auf der im Cotopaxi Nationalpark gelegenen Hacienda Yanahurco erfährt der Besucher zudem noch einiges über die traditionelle Stierzucht in Ecuador. Sonst leben im Reservat um den Cotopaxi Pumas, fuchsartige Wölfe, Wildpferde, und mit etwas Glück kann man sogar einen der letzten Kondore dort erspähen.

Die grüne Wildnis Ganz anders präsentiert sich Ecuador im Nordwesten des Landes. Hier prägen dichte Regenwälder das Bild. Ein Lebensraum von überschwänglicher Vielfalt, Heimat indianischer Waldvölker und Schauplatz grossartiger Naturspektakel. Wer die feuchte Luft, den nächtlichen Gesang der Tiere und auch Regen und Morast nicht scheut, wird hier unvergessliche Tage und Nächte verbringen. Der vergleichsweise kleine ecuadorianische Teil des Amazonasbeckens gehört wegen seiner unmittelbaren Gebirgsnähe in Bezug auf Flora und Fauna zu den artenreichsten Gebieten der Welt. Einfache, aber komfortable Regenwaldlodges bieten das Basislager für Waldwanderungen, Kanufahrten oder Besuche bei indianischen Gemeinden.

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Der Cuicocha (Kichwa Kuykucha, «Meerschweinchensee») ist eine Caldera und ein Kratersee in den Ecuadorianischen Anden.

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Blau-Füssige Bobbies oder auch Blau-Füssige Tölpel genannt.

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Zwar sieht man die grossen Säuge- und Raubtiere des Waldes wie Jaguar, Puma, Tapir und Riesenotter nur selten, doch verschiedene Arten von Affen, zahlreiche Vögel, skurrile Insekten, Zwergfrösche und lauernde Kaimane im Abenddunkel gehören zu den regelmässigen Stars der Naturbühne dieses immergrünen Freilichttheaters. Besonders für Vogelbeobachter gehört der ecuadorianische Regenwald zu den besten Regionen der Welt. Die unendliche Pflanzenvielfalt und ihre Naturheilkräfte sind phänomenal. Ecuador hat landesweit 35 ausgewiesene Naturschutzgebiete, von denen zehn in der obersten Schutzkategorie eines Nationalparks stehen. Die Naturschutzgebiete Ecuadors nehmen 17 Prozent des Staatsgebietes ein. Der grösste Nationalpark mit fast einer Million Hektar ist das Biosphärenreservat von Yasuni im Regenwald. Aber auch das ähnlich attraktive Tierschutzgebiet von Cuyabeno im Norden der Selva zählt mehr als 600 000 Hektar. Der berühmteste Nationalpark, der zudem einer der ältesten des Landes ist, verfügt

über 694 000 Hektar Landfläche: die Galapagosinseln. Rund 97 Prozent der gesamten Inselfläche sind Nationalpark. Die übrigen drei Prozent, die sich auf die fünf bewohnten Inseln konzentrieren, sind Siedlungsgebiet mit wenig Landwirtschaft und Infrastruktur für Bewohner, Forscher und Touristen. Umgeben werden die Inseln von einem sieben Millionen Hektar grossen Meeresschutzgebiet, einer Fläche etwas kleiner als Österreich. In Ecuador kann man in einem einzigen Urlaub die ganze Welt erleben. Die vielfältige Natur zwischen Strand und Regenwald, zwischen Vulkanen und den Forschungsstationen Darwins, zwischen Riesenschildkröten und Quitos goldener Kathedrale. Mehr Vielfalt bietet wohl kaum ein Land, und so braucht man entweder sehr viel Zeit oder muss häufig wiederkehren, um alle Facetten gesehen zu haben. Doch egal, wofür man sich entscheidet, auffällig ist überall die Freundlichkeit der Ecuadorianer, gleich, in welcher Region man sich gerade aufhält.

«In Ecuador kann man in einem einzigen Urlaub die ganze Welt erleben.»

Ein Hut made in Ecuador Der helle Strohhut mit breiter Krempe und schwarzem Band trägt den Namen Panamahut, dabei ist er einer der Exportschlager Ecuadors. Theodore Roosevelt machte diesen Hut weltberühmt. Der amerikanische Präsident trug den luftigen Hut aus der ecuadorianischen Toquilla-Palmfaser bei seiner Visite der Kanalbauarbeiten am 16. November 1906 in Panama. Das Pressefoto von Roosevelt mit dem Strohhut an dem Jahrhundertbauwerk ging um die Welt, und der Hut hatte seinen irreführenden Namen weg. Natürlich entging dieses Bild auch nicht Teresio Borsalino, seinerzeit Direktor der berühmten italienischen Hutmanufaktur im Piemont. Borsalino bestellte fortan auch in Ecuador. Seither macht der Panamahut internationale Karriere und findet immer wieder Verehrer unter den Prominenten auf der ganzen Welt: Politiker wie Winston Churchill und Erich Honecker liebten ihn genauso wie der Schriftsteller Ernest Hemingway und der Schauspieler Paul Newman. Es heisst, schon Kaiser Napoleon III. habe ihn getragen. Immerhin wird der gebleichte Strohhut schon seit dem 17. Jahrhundert in der ecuadorianischen Küstenprovinz von Manabi und später auch in den Südanden in Cuenca produziert.

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Six Senses Laamu Wie Robinson Crusoe im Paradies – nur besser

Roberto Arganese ist im zürcherischen Pfäffikon in der Schweiz aufgewachsen und lebt heute im Indischen Ozean, auf den Malediven. Im Frühjahr 2011 ist das neuste Resort der Six Senses-Gruppe auf den Malediven eröffnet worden. Der 40-jährige Verkaufs- und Marketingdirektor ist für die Six Senses Resorts & Spa auf den Malediven zuständig und verrät uns, was das neuste Resort im noch unerforschten Laamu-Atoll so speziell macht.

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«ES ist noch immer möglich, Ferien mit dem Robinson-CrusoeFeeling zu erleben.» Roberto Arganese

von Boris Jaeggi, Fotos: Manta Reisen

PRESTIGE: Herr Arganese, Sie leben seit fünf Jahren in Male. Was zeichnet Ihrer Meinung nach die Malediven aus?

Im Frühjahr haben Sie das Six Senses Laamu, im tiefen Süden der Malediven, eröffnet. Sind Sie zufrieden mit dem Start?

Roberto Arganese: Die Malediven sind einzigartig. Das Land mit den verschiedenen Atollen und all den kleinen Inseln, die freundlichen Menschen und die klaren Farben des Meeres sind einfach traumhaft. Das zeigt sich auch darin, dass die Malediven schon seit vielen Jahren eine Trenddestination sind. Gäste finden bei uns Ruhe, die Schönheit und Ursprünglichkeit der Inselwelt, ohne dabei auf kulinarische Höhepunkte oder andere Annehmlichkeiten zu verzichten. Und doch ist es noch immer möglich, Ferien mit dem Robinson-Crusoe-Feeling zu erleben.

Im Frühjahr haben wir die ersten Gäste im Six Senses Laamu empfangen. Wir haben uns für einen Soft-Start entschieden und nur einen Drittel der Zimmer eröffnet. Da die Buchungen konstant anstiegen und dank der vielen positiven Feedbacks unserer Gäste konnten wir jedoch schnell weitere Unterkünfte eröffnen. Heute können wir stolz sagen, dass die Eröffnung des Six Senses Laamu die erfolgreichste in der Geschichte der Six Senses-Gruppe war.

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Das Laamu-Atoll ist sehr abgeschieden und weg von den touristischen Atollen. Gibt es noch andere Resorts im Laamu-Atoll? Nein, wir sind das einzige Resort im Laamu-Atoll. So haben unsere Gäste die Inselwelt sozusagen ganz für sich alleine. Bei Ausflügen sind die Taucher und Schnorchler meist die Einzigen und können eine noch beinahe unerforschte Unterwasserwelt geniessen. Das hat für Taucher und Schnorchler eine Art Entdeckungscharakter.

Was wird im Six Senses Laamu für die Umwelt getan? Wir setzen alles daran, die Umwelt so gut wie möglich zu schützen. Die gesamte Six Senses-Gruppe steht ein für respektvollen Umgang mit Energieressourcen und trägt zur CO2-neutralen Kompensation bei. Beim Bau der Unterkünfte wurde auf natürliche Materialien aus der Gegend gesetzt. Zudem legen wir grossen Wert darauf, die Abfallwirtschaft kontinuierlich zu verbessern und den Wasserverbrauch zu reduzieren. Das Trinkwasser stellen wir selber her und so gibt es auch keine Plastikflaschen auf der Insel. Die Einnahmen für das Wasser, das die Gäste im Restaurant konsumieren, werden vollumfänglich an eine Wohltätigkeitsorganisation gespendet. Last but not least pflegen wir einen eigenen Gemüsegarten und züchten sogar Pilze.

Für wen ist das Six Senses Laamu die ideale Feriendestination? Für alle, die einen Ort suchen, der alle Sinne anspricht und das Robinson-Feeling auf höchstem Niveau geniessen möchten.

Eine absolute Trauminsel Six Senses Laamu ist 800 Meter lang und etwa 350 Meter breit. Im Frühjahr ist die Trauminsel im Laamu-Atoll eröffnet worden. Die 97 stilvollen Unterkünfte bieten viel Komfort und Luxus. Die Villen verfügen über Klimaanlage, Safe, Fernseher, DVD-/CD-Player, Wi-Fi-Internetanschluss, Telefon, Minibar und eine grosszügige Terrasse für romantische Abendessen. Ganz nach dem Motto: Robinson-Crusoe-Feeling, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Für die kulinarischen Höhepunkte sorgen das Hauptrestaurant «Latitude» und das Gourmet- und Spezialitätenrestaurant «Leaf» mit grosser Auswahl an Weinen. Zum gemütlichen Zusammensein gibt es «Ice», die Eis-, Crêpes- und Schokoladen-Bar, die

Loungebar «Beans and Leaves» sowie die «Chill Lounge & Bar». Für Abendunterhaltung sorgt auch das Jungle Cinema, ein Openairkino inmitten üppiger Vegetation. Für Entspannung sorgt das Six Senses Spa, und für Aktive stehen Tauchcenter, Fitnessraum, Katamaran-Segler und Windsurfboards, Wakeboards, Wasserski, Kites, Schnorchel- und Tauchausrüstung zur Verfügung. Der Transfer von Male nach Kadhdhoo, dem lokalen Flughafen im Laamu-Atoll, dauert 50 Minuten. Anschliessend wartet die letzte Etappe auf die Gäste, eine 20-minütige Bootsfahrt. Welcome to Paradise! www.manta.ch

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Trends

im Winter 2011/2012 Insidertipp vom Tauchspezialisten Thomas Meier Head of Production von Manta Reisen

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ir kennen sie, die schönsten Tauchspots der Welt. Wir haben die Rosinen rausgepickt und möchten unser grosses Insiderwissen teilen. Die Tauchdestination der kommenden Saison heisst Oman. Ob von einem Resort oder einer Tauchkreuzfahrt aus getaucht wird, ist zweitrangig. Im Oman finden Taucher noch unerforschte Tauchgebiete, ein wahres Paradies. Neu bieten wir Tauchkreuzfahrten mit der «Saman Explorer» by Extra Divers an, die im Winterhalbjahr im Süden von Oman im Arabischen Meer unterwegs ist. Als einzige Tauchkreuzfahrt fährt die «Saman Explorer» auf ihrer Tour die Hallaniyat Inseln an. Die Gäste können sich auf anspruchsvolles und spektakuläres Tauchen freuen. Aber auch das Rote Meer kann ich persönlich empfehlen. Die Nachfrage erholt sich und Taucher wie auch nichttauchende Gäste profitieren von attraktiven Preisen.

Die Wintersaison 2011/2012 steht vor der Tür. Der Traumferienspezialist Manta Reisen wagt eine Trendaussage. Eines lässt sich mit Bestimmtheit sagen: Die Malediven sind ein Klassiker. Aber auch Mauritius rückt dank Direktflug näher an die Schweiz. Taucher erhalten ein neues Juwel in Indonesien und unerforschte Tauchgründe warten im Oman darauf, entdeckt zu werden.

Für Taucher, die gerne fernab der Touristenpfade abtauchen, habe ich einen absoluten Geheimtipp. Raja4Divers auf Pulau Pef in West Papua. Eine Schweizerin hat ihren Traum verwirklicht und ein Juwel geschaffen, das begeistert. Das familiäre Resort mit sechs landestypisch gebauten Wasserbungalows bietet eine Oase der Ruhe inmitten wilder Natur. Raja4Divers bietet Tauchausflüge zu den besten Tauchspots im Gebiet von Raja Ampat an. Die Tauchspots sind noch unberührt und die Riffe gehören zu den artenreichsten der Welt. Das ist eines der Highlights in Indonesien. Das Angel Island Resort ist ein weiteres. Taucher können mit der Tauchbasis Reefseekers im Komodo Nationalpark abtauchen, der über 1000 Fischarten beherbergt. Für Tauchkreuzfahrten-Liebhaber haben wir eine ganz spezielle Tour neu ins Programm aufgenommen. Mit den beiden neuen Luxustauchyachten «M.Y. Wolf Buddy» und «M.Y. Darwin Buddy» geht es auf Entdechungstour um die Galapagosinseln. Wirklich empfehlenswert, denn die Tour führt zu den besten Tauchplätzen des Galapagos-Archipels, und so erhalten die Gäste einen einzigartigen Einblick in die Flora und Fauna unter und über Wasser. Auch die beiden Boote sind einzigartig: Grosszügige Kabinen, perfekt durchdachte Details und ein hervorragender Service – das und die Galapagosinseln lassen jedes Taucherherz höher schlagen.

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Mauritius

Bau grosser Wert gelegt. Velassaru ist von einem feinsandigen, breiten Sandstrand umgeben und bietet ideale Bedingungen für Wassersportaktivitäten. Badespass für die ganze Familie ist garantiert.

Insidertipp von Marcel Bürgin Managing Director von Manta Reisen und Spezialist für Traumreisen

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eisen ist unsere grösste Leidenschaft und deshalb haben wir unser liebstes Hobby zum Beruf gemacht. Das zeichnet uns auch als Spezialist im Bereich von Traumferien aus. Denn wir wissen, wovon wir reden, weil wir unsere Destinationen aus eigenen Erlebnissen kennen. Wir besuchen unsere Reiseziele regelmässig, und zwar nicht nur geschäftlich, sondern auch privat. Ein Besuch kürzlich auf den Malediven hat es mir wieder bestätigt: Die Malediven sind ein Traum und deshalb im Trend. Kristallblaue Lagunen, puderweisser Strand und üppige Vegetation im Inselinnern, das sind die Malediven. Die Vielfalt der Inseln ist riesig. Wir prüfen jedes Jahr unser Angebot und passen es den Kundenbedürfnissen entsprechend an. Für Erholungssuchende haben wir neu die exklusive und persönliche Insel Baros im Programm. Mit Gangehi haben wir eine neue Trauminsel aufgenommen, die mit einer schönen Lagune und einer langen Sandbank ideale Bedingungen zum Baden bietet. Für Taucher und Schnorchler gibt es ein fisch- und artenreiches Hausriff, das direkt vom Strand aus erreichbar ist. Die von einem Schweizer geführte Insel ist klein, gemütlich und familiär. Mehr Luxus bietet Velassaru, die neu im Winterprogramm ist. Die Unterkünfte bieten viel Komfort und auf Privatsphäre wurde beim

Dank Nonstop-Flugverbindungen mit der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiss Air am Samstag rückt das Paradies näher. Die Malediven lassen sich natürlich auch ideal mit einem Aufenthalt auf Sri Lanka kombinieren. Aufgrund zunehmender Nachfrage bietet Edelweiss Air mit Dreiecksflügen nach Colombo/Male ideale Flugverbindungen für eine Kombination Malediven und Sri Lanka an. Aber nicht nur die Malediven, sondern auch Mauritius liegt im Trend. Kürzlich veröffentlichte Zahlen bestätigen, dass die Ferieninsel Mauritius für das erste Halbjahr 2011 ein Wachstum von fast 40 Prozent aus dem Schweizer Markt verzeichnet. Wir glauben, weil die Gäste die Annehmlichkeiten, den Komfort und das Land mit seinen vielen Möglichkeiten schätzen. Sicher trägt auch der Nonstop-Flug mit Edelweiss Air ab Zürich nach Mauritius zu erhöhten Besucherzahlen aus der Schweiz bei. Zurzeit erleben vor allem Golfreisen auf Mauritius einen Aufschwung. Besonders zu empfehlen ist das Golfhotel der Four Seasons-Gruppe, das wir neu ins Programm aufgenommen haben. Das luxuriöse Four Seasons Resort Mauritius at Anahita ist ein Paradies für anspruchsvolle Gäste und Golfer. Die grosszügigen Fairways des 18-Loch-FourSeasons-Golfplatzes eignen sich ebenso für Erfahrene wie Einsteiger. Zudem bieten die luxuriösen Villen mit eigenem Pool viel Privatsphäre. Das Four Seasons Resort erfüllt Wünsche auf höchstem Niveau, deshalb mein persönlicher Tipp für Erholungssuchende und Golfer.

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DIE SCHÖNSTEN REISEN BEGINNEN IM KOPF!

VOLUME 3

TRAVEL & SAVOIR VIVRE

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AVO SESSION Basel

Clubatmosphäre für grosse Stars

Die AVO SESSION Basel ist eines der führenden Musikfestivals in der Schweiz. Sie hat sich auch dank TV-Übertragungen einer kaum mehr zu überbietenden Fülle von Stars und einer guten Organisation und Atmosphäre international an die Spitze gespielt. Die 26. Ausgabe der AVO SESSION Basel findet vom 21. Oktober bis 13. November in der Messe Basel statt. von Niggi Freundlieb

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ie Geschichte der AVO SESSION beginnt 1986, als die musikbegeisterten Enrico Bonometti, Matthias Müller und Stephan Werthmüller unter dem Namen Rheinknie Session an fünf ausverkauften Konzerten Künstler wie Oscar Peterson, Albert Collins oder Koko Taylor präsentierten. Als zwei Jahre später die Jazzlegende Miles Davis verpflichtet werden konnte, hatte sich die Rheinknie Session bereits als feste Grösse im nationalen Festivalkalender etabliert. Das Festival, welches sich zu Beginn stilistisch auf Blues, Jazz und Gospel ausgerichtet hatte, öffnete sich ab 1995 auch für andere Musikrichtungen. Mit World Music, Soul und Funk sowie international erfolgreichen Künstlern konnte nun ein jüngeres und breiteres Publikum angesprochen werden. 1998 erfolgte mit dem neuen Presenting Sponsor AVO Cigars die Umbenennung des Festivals in AVO SESSION Basel, womit auch eine internationale Ausrichtung erreicht wurde, die ein Jahr später ihre Fortsetzung mit dem Beginn der Fernsehaufzeichnungen der Konzerte fand und die AVO SESSION endgültig als europäisches Musikfestival etablierte. Ein weiterer Meilenstein war 2006

die europaweite Live-Übertragung des Elton-John-Konzerts, mit welcher die AVO SESSION Basel den internationalen Durchbruch auch im TV-Bereich schaffte.

PRESTIGE: Um ein Festival auf einem derart hohen Niveau erfolgreich zu positionieren und zu etablieren, braucht es wohl mehr als nur grosse Namen? Matthias Müller: Die AVO SESSION Basel stellt die Musik und die Künstler sowie das Wohlbefinden der Besucher in den Mittelpunkt. Bei uns gibt es keinen Zirkus rund um das Festival. Grosse Namen sind natürlich wichtig, gerade was die mediale Verbreitung betrifft. Unsere Philosophie geht aber viel weiter. Neben den grossen Stars geben wir dem Publikum die Möglichkeit, auch weniger bekannte Künstler, aus dem Aus-, dem Inland oder der Region, kennenzulernen. Viele haben uns davon abgeraten, an einem Abend jeweils zwei stilistisch verschiedenartige Acts auftreten zu lassen, aber erfreulicherweise schätzt das Publikum gerade diese Vielfalt. Wir bemühen uns deshalb speziell, interessante Kombinationen von arrivierten und entdeckungswürdigen Künstlern zusammenzubringen.

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Matthias Müller und Beatrice Stirnimann

Beatrice Stirnimann: Die AVO SESSION Basel zeichnet sich auch durch ihre einmalige Atmosphäre aus. Das Konzept, dass das Publikum an kleinen Tischen sitzt und etwas trinken kann, verleiht den Konzerten so etwas wie eine Club-Ambiance. Viele Musiker übrigens, die zu Beginn skeptisch gegenüber diesem Konzept waren, zeigten sich überrascht, wie aufmerksam das Publikum während den Konzerten ist. Das spornt sie zu Höchstleistungen an und führt dann schlussendlich meistens dazu, dass sich das Publikum von seinen Stühlen erhebt und zu tanzen beginnt.

Wie schaffen Sie es, immer wieder derart hochkarätige Künstler zu engagieren, die Auftrittsliste der AVO SESSION liest sich ja wie ein «Who is who» des Musikbusiness?

Und wie steht es mit dem Stress bei Ihnen als Veranstalter? Matthias Müller: Man darf nicht vergessen, dass, wenn man die Musik-Crews dazurechnet, über 600 Leute während des Festivals mitarbeiten. Der Stress verteilt sich also auf viele Schultern, wobei Stress das falsche Wort ist, denn unsere Mitarbeitenden – die meisten sind schon seit Jahren dabei und nehmen zum Teil sogar extra Ferien, um mitarbeiten zu können – haben ein enormes Know-how und wissen, was zu tun ist. Ohne diese Menschen, die sich mit Haut und Haar einsetzen, wäre die Qualität, welche die AVO SESSION Basel auszeichnet, gar nicht möglich.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil charakterisieren?

Matthias Müller: Die Künstler und deren Managements, die ja letztendlich unsere Ansprechpartner sind, kennen uns und unsere Arbeit mittlerweile. Es hat sich in der ganzen Welt herumgesprochen, dass wir eines der am besten organisierten Festivals sind. Ich denke, man weiss, dass wir die Künstler quasi auf Händen tragen und ihnen ein persönliches, ja familiäres Umfeld bieten, das es ihnen ermöglicht, sich wohl zu fühlen und sich voll auf ihre Musik zu konzentrieren. Beatrice Stirnimann: Neben der persönlichen Betreuung sind natürlich die Fernsehübertragungen in alle Welt ein gewichtiges Argument, bei der AVO SESSION Basel aufzutreten. Generell weiss man auch, dass wir organisatorisch und technisch perfekte Bedingungen anbieten. Die Musiker bekommen genügend Zeit, sich vorzubereiten, Ton und Licht sind auf höchstem Niveau, und weil sich auch das Publikum wohl fühlt, sind die Konzerte entspannt und stressfrei.

Beatrice Stirnimann: Bei so vielen Menschen muss man führen und klare Vorgaben geben. Wenn wir Qualität wollen, dann müssen wir auch alles dafür tun, dass diese Vorgaben umgesetzt werden. Man muss Qualität und Engagement aber auch vorleben. Wir tun das und packen selbst an. Matthias Müller: Wir sind sicher streng und detailbesessen, aber ich erkläre dem Team immer wieder, dass mich nicht die 90 Prozent, die gut gemacht werden, interessieren, sondern die 10 Prozent, die aus einem guten Festival ein hervorragendes machen. Bei aller Strenge und Konzentriertheit pflegen wir aber einen äusserst menschlichen Umgang und verstehen uns eigentlich als Familie, wo alle am selben Strick ziehen und auch miteinander lachen können. www.avo.ch

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Eine Rallye mit höchstem Fahrgenuss, auf praktisch verkehrsfreien Strecken, die so romantisch sind, wie sie nur in Frankreich sein können, das und mehr bietet der RAID SUISSE–PARIS.

RAID SUISSE–PARIS

Zwei Ladys On Tour von Naina und Chandni Piplani

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eit 22 Jahren steht diese grosse, traditionelle Rallye für tadellose Organisation, für die Professionalität und Freundlichkeit der Funktionäre, für Dienstleistungen wie perfekter Pannendienst und erstklassiger, zuverlässiger Gepäcktransport. Selbst ein eigener Arzt begleitet den Raid von Basel bis Paris. Am 18. August startete die grosse Oldtimerrallye. Auf einer landschaftlich besonders reizvollen Strecke erreichten die Autos in drei Tagen die französische Hauptstadt. Das älteste Auto war ein englischer Sunbeam 20/20 von 1925. Mehr als 30 Marken waren vertreten, darunter echte Raritäten wie der Barrows Special von 1955, ein Unikat aus England. Von Basel durch die Weingebiete des Markgräfler Landes, des Kaiserstuhls und des Elsass nach Strassburg. Von dort nach Lothringen zur barocken Abtei von Pont-à-Mousson und weiter durch die unendlich weiten Ebenen der Champagne nach Reims. Der letzte Tag führte das rollende Automuseum, als welches der Raid oft bezeichnet wird, durch die liebliche Gegend der Île-de-France in die mittelalterliche Stadt Senlis. Von dort wurde das Ziel, der Flughafen von Le Bourget bei Paris, erreicht. Wo 1927 Lindbergh nach seiner Atlantik-Überquerung landete. Die Gesamtstrecke betrug rund 900 Kilometer, für die Fahrer der Kategorie Sport wurden gar inklusiv einer Nachtetappe über 1000 Kilometer zurückgelegt. Der RAID SUISSE–PARIS gehört zu den grössten und traditionsreichsten Oldtimerrallyes Europas.

Der Raid aus Sicht von Naina Als mich Chandni, meine Schwester, anfragte, ob ich Lust hätte, an diesem Event teilzunehmen, war ich zuerst ein bisschen skeptisch und wusste nicht, was mich da erwartete. Ich sagte ihr, ich müsse es mir überlegen, und sagte dann doch gleich zu, da mich ihre Begeisterung einfach mitriss. Zudem konnte sie ja nicht alleine antreten. So schnell, wie ich zusagte, waren wir jedoch auch der Startliste hinzugefügt. Welche Chandni als Fahrerin und mich als Copilotin vorsah. Etwa zwei Wochen vor dem Start sassen wir alle zusammen – die Longvalley Raiders – und besprachen den Ablauf des Raids. Als ich merkte, wie viele Tests auf mich zukommen würden und wie viel das Ganze mit Rechnen zu tun hatte, geriet ich jedoch ehrlich gesagt schon etwas in Panik. Bei der Anmeldung dachte ich noch: «Das ist doch bloss ein Rennen, wir fahren nach Paris und haben dabei eine Menge Spass.» Hätte ich vorher gewusst, dass ich ununterbrochen Papier, Schreibzeug und Stoppuhr bedienen sollte, wäre ich wahrscheinlich skeptischer gewesen. Doch zu diesem Zeitpunkt war es schon zu spät – wir waren bereits gelistet. Am ersten Tag starteten wir mit einem Lächeln, doch am Ende des Tages waren wir beide den Tränen nah, denn wir hatten uns den ganzen Tag gestritten. Ich wehrte mich dagegen, irgend-

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welche mathematischen Aufgaben zu lösen, widmete mich lieber dem Roadbook und steckte meine ganze Konzentration in die Wegbeschreibung, so dass wir «safe and sound» am Ziel in Strasbourg eintrafen. Doch wir wären keine Schwestern, hätten wir dieses Problem nicht gelöst. Zwar war meine Schwester sehr gut gefahren, aber dickköpfig wie ich war, war ich dabei für den Fun des Fahrens, nicht des Rechnens – also übernahm ich ab dem nächsten Tag das Steuer. So schlossen wir wieder Frieden und entschieden uns, ausschliesslich Spass zu haben! Und siehe da, wir meisterten die nächsten zwei Tage grandios, hatten unheimlich viel Spass und eine herrliche Rallye zusammen mit allen anderen Oldtimern – kurz, es war ein Riesenvergnügen. Nun wissen wir genau, wie die Rollen verteilt werden müssen, damit wir das nächste Mal den maximalen Erfolg feiern können. Am Ziel in Paris angekommen, erfuhren wir, dass wir nicht einmal so schlecht abgeschlossen hatten, für unser erstes Rennen waren wir sogar sehr gut dran! Ich würde sofort wieder mitmachen an diesem Raid – sofern ich natürlich die Fahrerin bleibe.

gehörte. Überwältigend war vor allem die Vielfalt der zahlreichen historischen Fahrzeuge wie auch die Zusammenkunft der unterschiedlichsten Menschen, die gemeinsam eine Rallye bestritten, deren Ziel die Stadt der Liebe war. Trotz der Achterbahn der Gefühle, die wir als Rallye-Neulinge am ersten Tag durchmachten. Meine Schwester Naina und ich waren kurz davor aufzugeben, haben aber doch noch die richtige Balance gefunden und grossen Spass gehabt. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt. Jan und Madeleine, ein Mutter-Sohn-Team, welches am ersten Morgen in Basel zwischen uns und unseren Eltern (in ihrem rauchenden 1925 Bentley) an einem Rotlicht stecken geblieben ist. Ausgeräuchert schlossen wir Freundschaft mit ihnen, denn solche Momente verbinden. Kurz: Es war ein phantastisches Erlebnis, das lange in Erinnerung bleiben wird durch viele lustige Begegnungen mit anderen Raiderkollegen, aber auch mit Fremden und jede Menge neuer Freundschaften!

Der Raid aus Sicht von Chandni Unser erster Morgen am Raid begann mit Gefühlen von Freude und Aufregung; da wir von unseren Eltern eingeladen wurden, mit ihnen und ihren Freunden an diesem Event teilzunehmen. Trotz des frühen Aufstehens und eines kurzfristigen Autotauschs waren wir, sobald wir in unsere Fahrzeuge eingestiegen waren, hellwach! Die Aufregung und der Respekt, mit all diesen wunderschönen Oldtimern an den Start zu gehen, waren unglaublich. Wie wir bewunderten hunderte von Menschen die Autos. Sie bestaunten sie, unterhielten sich darüber und hatten dabei ein Lächeln im Gesicht. Und wir waren ein Teil des Raids. Ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Als ich neben unserem Auto stand, hörte ich, wie ein Passant sagte: «Mein Vater hatte genau einen solchen Bentley.» Als wir ins Gespräch kamen, stellte sich heraus, dass unser Auto tatsächlich einmal seinem Vater

Der Schweizer Uhrenhersteller Oris ist bereits zum zweiten Mal in Folge Zeitnehmer und offizieller Uhrenpartner des Raids. Im passenden Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten stellte Oris zwei neue, unverwechselbare Uhrenmodelle vor: die auf 500 Stück limitierte Oris RAID 2011 Chronographen Edition und die Oris RAID 2011 Alarm Edition, die in einer exklusiven Auflage von 50 Stück produziert wird. Beide sind vom charakteristischen Armaturendesign des Austin Healey 100M 1953, des Siegerautos des RAID 2010, inspiriert. Den Besitzer des Wagens und damit den Vorjahressieger ehrte Oris-CEO Ulrich Herzog bei der Eröffnungsveranstaltung des RAID 2011 und überreichte ihm persönlich ein Modell des Oris RAID 2011 Chronographen.

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das besondere Eiserlebnis Tschaikowskis «Schwanensee» und «Dornröschen» als Eisshow

Die weltberühmten russischen Eiskunstläufer des St. Petersburger Staatsballetts On Ice verzaubern Theater und Arenen weltweit in Winterpaläste mit traumhafter Atmosphäre. Im Januar 2012 kehren sie in die Schweiz zurück.

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von Conny Tiedemann

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ach dem Erfolg im vergangenen Jahr mit «Nussknacker on ice» kommt das einzige Eisballett der Welt aus dem russischen St. Petersburg auf seiner Europatournee nun mit einer Neu-Produktion in die Eis- Arenen der Schweiz.

Die Umsetzung des Tschaikowski Balletts «Dornröschen on ice» steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Tournee durch viele europäische Städte. Sportlicher Eiskunstlauf mit Sprüngen, Hebungen und Pirouetten sowie prachtvolles russisches Ballett in faszinierender Kombination erwarten den Besucher natürlich auch in dieser Produktion. Das einzige Eisballett der Welt präsentiert seine neue faszinierende Produktion die ebenfalls ihren Ursprung im heimischen Mariinsky Theater in St. Petersburg hat. Denn hier wurde Tschaikowskis Werk nach der Erzählung von Charles Perrault am 03. Januar 1890 uraufgeführt.

burtstag der Stadt St. Petersburg – zieht weltweit immer mehr Zuschauer in ihren Bann, sei es in Europa, USA oder im asiatischen Raum. Die prachtvolle Musik Tschaikowskis und die Handlung des «Schwanensee» sind geradezu prädestiniert, um in eine Eischoreographie umgesetzt zu werden. Die Hebungen, Drehungen und Sprünge der Eistänzer auf glitzernden Kufen, die Kraft und Anmut der Musik Tschaikowskis sowie die Spannung der romantischen Handlung verschmelzen auf wunderbare Weise. Der Zuschauer wird entführt in einen überwältigenden Traum voller Ästhetik und Poesie.

«Schwanensee on ice» gastiert am: 07.01.2012 14.01.2012

PostFinance Arena in Bern BOSSARD Arena in Zug

«Dornröschen on ice» gastiert am: Die Handlung von der schlafenden Schönen, die ein edler Prinz nach hundert Jahren durch einen von Leidenschaft erfüllten Kuss zu neuem Leben erweckt, gehört heute zu den populärsten Ballettthemen weltweit. Ebenso wird es auf der Europatournee den Ballettklassiker «Schwanensee» auf dem Eis geben. Diese faszinierende Produktion - ursprünglich geplant als einmaliger Event zum 300.Ge-

06.01.2012 15.01.2012

St.Jakob Arena in Basel BOSSARD Arena in Zug

Tickets, VIP –Tickets (beste Plätze, Apèro und Dinner): www.ticketcorner.ch Das Dine & View-Erlebnis in der Arena. Ihr Präsent oder Firmenevent! www.swiss-sport-events.ch

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Fight Night Gala Im Grand Casino Baden

Schon lange ist es nicht mehr nur ein Zusammenspiel von flinken Füssen, boxenden Fäusten und gebrochenen Nasen, das in düsteren Fabrikhallen vorwiegend nur die männliche Unterschicht angezogen hat. Heute sind es Events mit einem eleganten Rahmen, in dem schöne Frauen und gepflegte Männer dem Spektakel der Kampfkünste einen speziellen Touch verleihen.

von Helena Ugrenovic

Die Kampfkunst ist ein System, das Fertigkeiten und Techniken der körperlichen Auseinandersetzung mit einem Gegner formalisiert. Ob es sich dabei um Regelwerke oder Unterrichtssysteme handelt, ist eher zweitranging. Vielmehr überschreiten bei den Kampfkünsten die Inhalte das Praktische und umfassen viele weitere Aspekte wie Philosophie, Kultur, religiöse Elemente, die Denkweise, das Alltagsleben und die Gesundheit. Kampfkunst ist nicht Kampfsport.

zept stellt Benjamin Aebischer eine Sportart in den Vordergrund, die in der Schweiz eher stiefmütterlich behandelt wurde und nicht den gleichen Stellenwert wie Fussball oder Tennis inne hatte. Mit der «Swiss Las Vegas Serie» im Grand Casino Basel, den Events «Fight on Ice» und «Fight on Height» in Arosa sowie der weltweit grössten Kampfsportserie, dem «Kingscup», sorgen die Macher des Prestige Fight Clubs für Highlights im internationalen Kampfsportgeschehen.

Prestige Fight Club

Grand Casino Baden Fight Night Gala

Der Prestige Fight Clug ist das Markenzeichen für hochklassigen Kampfsport, der in exklusiver Umgebung mit den entsprechenden Partner stattfinden. Ein System mit Subsystemen, eine Show im Ring, ausserhalb der schwingenden Banden und schwitzenden Kämpfer. Stars und Sternchen, geladene V.I.P. Gäste, anfeuernde Fans und erstmalige Schaulustige geniessen perlenden Champagner, ein hervorragendes Büffet und Entertainment, das für unvergessliche, emotionale Erlebnisse sorgt. Mit seinem Kon-

Die Luft ist warm und mild an diesem Samstagabend. Fackeln säumen den roten Teppich auf der Treppe zum Eingang des Trafo Event Saals. Rauchende Gäste beobachten heranfahrende Limousinen, aus denen illustre Gäste aussteigen. Die Gruppe von Hells Angels, die an

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Schweizer Events namhafter Marken gern gesehene Gäste sind, verleihen dem Ganzen ein bizarres und doch interessantes Bild. Genauso wie teuer gekleidete Damen in High-Heels mit glitzernden Clutches in der Hand, die kreischend im überhitzten Saal sitzen und sich mit dem Programmheft Luft zu fächern. Neun Kämpfe finden heute Abend statt, dessen Krönung der WM-Titelfight zwischen Tekin «Pasha» Ergun des Teams Diamond Gym Basel und Geoffrey Wagner aus dem Team von Champion Steeve Valente sein wird. Nach jeder gekämpften Runde versüssen tanzende Show-Girls mit goldenen PomPoms die Wartezeit. Vladimir Toktasynov steht vor dem Saal. Konzentriert und in sich gekehrt, die Hände schon verbunden. Der amtierende deutsche Meister im Schwergewicht sieht älter aus als die 22 Jahre, die er hat und im Gegensatz zu den anderen Kämpfern ist er grösser und kräftiger. «Im Kampfsport ist es anders als in anderen Sportarten, in denen du mit 30 Jahren zum alten Eisen gehörst. Bei uns bist du erst dann so richtig in Form. Ich habe noch viele Jahre vor mir.»

Muaythai und Kings Cup Während im K1 nur ein Kick erlaubt ist, dürfen es im Muaythai zahllose sein. Das Muaythai entwickelte sich aus regulären Kampfkünsten, wenn Schwert und Speer unbrauchbar würden und der Krieger seine Beine, Füsse und Ellenbogen zum Kämpfen hatte. Die klassische und traditionelle Art, Muaythai Boran, ist eine sehr komplexe und traditionelle Kampfkunst, die nicht nur das Kämpfen mit unterschiedlichen Waffen, sondern auch Bewegungen beinhaltet, die weit über die waffenlosen Techniken des heutigen Muaythai hinausgehen. Der Traum eines jeden Kämpfers ist das weltweit bedeutendste Muaythai-Turnier, das jeweils am 5. Dezember zu Ehren des thailändischen Königs Bhumipol Adulyadej (RamaIX) ausgetragen wird. Über eine Million Menschen versammeln sich an diesem offiziellen Feiertag in Sanam Luang, einem historisch bedeutsamen Teil Bangkoks, direkt vor dem Wat Phra Keawe Palast, um diesem Master beizuwohnen. Die Hauptattraktionen sind die Super-8-Titelkämpfe, in dem acht Kämpfer um die begehrte Trophäe kämpfen, die seine Majestät der König von Thailand gestiftet hat. www.prestigefc.com

Das Grand Casino Baden.

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SCHLUSSWORT

Vorschau Volume 21 Verleger Francesco J. Ciringione Herausgeber Prestige Media AG Member of the Board Boris Jaeggi

Art Director Julia Moos

Sales & Marketing Director Cumi Karagülle c.karaguelle@prestigemedia.ch

Product Manager Beauty/Fashion Valeska Jansen v.jansen@prestigemedia.ch

Champagner

Sales Manager Tina Itin t.itin@prestigemedia.ch

Der König der Weine. Zu besonderen Anlässen bietet sich ein Glas Champagner immer gut an. Wir stellen Ihnen einige Top Marken vor.

REDAKTION Editor in Chief Yvonne Beck Text Chef Georg Lutz Reportagen Yvonne Beck, Marcel Bürgin, Vera Dillier, Niggi Freundlieb, Sara Gianella, Wilhelm J. Grusdat, Stephan Gubler, Lone K. Halvorsen, Thomas Hauer, Rolf Hess, Boris Jaeggi, Valeska Jansen, Jascha Köhler, Christina Krämer, Sabine Kwapik, Georg Lutz, Claudia Marson, Thomas Meier, Nubya, Naina Piplani, Chandni Piplani, Theresa Ryser, Simone Salzmann, Katalin Szabo, Conny Tiedemann, Guido Tognoni, Alexander Triebold, Helena Ugrenovic, Götz Winter, Dominique Zahnd, Valérie Ziegler News Yvonne Beck, Lone Halvorsen, Alexander Triebold

Tirol Winterurlaub abseits der Pisten. Von Schneeschuhwandern, Kutschfahrten und Hüttenzauber.

Titelbild © Dirk MESSNER / BLAUBLUT-EDITION.COM Fotos Yvonne Beck, shutterstock, Lone Halvorsen, www.wikipedia.org, Dominique Zahnd, Stephan Gubler, Valeska Jansen, Man Ray Trust, Chanel, Karl Lagerfeld, Anthony Mangham, UGG Australia, Dsquared2, Salvatore Ferragamo, Vins Vaudois, Ronnefeldt, Richard Joseph Neutra, Baltensweiler, Kasper Salto, Fritz Hansen, Keramikland, Norman Foster, EOOS, PearsonLloyd, asiaspa, Wolfgang C.R. Mezger, Estée Lauder, Darphin, Dior, Kanebo, Redken, Cell-Well, M. Bragard, Twentieth Century Fox Film Corporation, Paramount, Calvin Klein, www.2.bp.blogspot.com, www.collider.com, infinifilm, Jäger LeCoultre, www.imageshack.us, www.soundoflife.net, bogkitchen.blogspot.com, www.flash-screen.com, Reinhold Messner, www.awesomestories.com, Michael H. Sinn, Cartier, Longines, IWC Schaffhausen, OMEGA, Breitling, Carl F. Bucherer, Sansibar Sylt, Fairmont, Manta Reisen, Mauritius Tourism Switzerland, Constance Le Prince Maurice, www.zuso.wordpress.com, Royal Palm, tourasia, Jumeirah Frankfurt, www.mgb-home.de, AVO SESSION Basel, Oris, Naina & Chandni Piplani, Swiss Sport Events, Grand Casino Basel, Prestige Fight Club

Lektor Andreas Probst Produktionsleitung Julia Moos SITZ Prestige Media AG Bösch 73 CH-6331 Hünenberg VERLAG/PRODUKTION Prestige Media AG Leimgrubenweg 4 CH-4053 Basel Telefon 0041 61 335 60 80 Telefax 0041 61 335 60 88 info@prestigemedia.ch www.prestigemedia.ch www.prestigemagazin.com www.prestigenews.ch www.prestigemag.ch

Temporäre Architektur Dynamischer Trend in der Architektur, der auch von grossen Namen wie Zaha Hadid oder Rem Koolhaas vertreten wird.

Freuen Sie sich mit uns auf die im Dezember 2011 erscheinende Ausgabe mit vielen spannenden Themen und Reportagen.

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Dejan Djokic www.prestigemagazin.com info@prestigemedia.ch Laura Giarratana Serpil Sarp CHF 9.90 CHF 49.–

Erscheinungsweise vierteljährlich WEMF 2010/2011 – 20.211 Exemplare Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt.

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